'Hii"!» ÄLttiöfi m MM» '1 autg- H-Moll. Gltssen jliuui WM ^<_r 3»m Pfingstfest. Pfingsten naht! Non Winters Leide Ist nun" ganz befreit die Welt, Und in neuem Festtagskleide Prangen Wiese, Wald und Feld. Wiese ist mit Blütensternen Ueberstreut so wunderschön, Wie sonst nur aus Himmelsfernen Auf uns Sternlein niedersehn. Schon mit leisem Wellenschläge Wogt das Kornfeld lieblich grün, Zwar noch fern dem Erntetage, Doch hindeutend schon auf ihn. Aus des Winters bangem Schweigen Wieder ist erwacht der Wald, Wo von neubegrünten Zweigen Kleiner Vöglein Sang erschallt. Was für süße Stimmen schallen, Was für Töne werden laut, Wo im Busch die Nachtigallen Haben sich ein Nest gebaut! Blumenhäuptlein zu umkosen Kommt der Wind mit lindem Hauch.' Seht, schon sind die ersten Rosen Aufgeblüht an dorn'gem Strauch. Gänzlich nun hinweggenommcn Ist, was Sorg' uns schuf und Qual, Holdes Pfingstfest sei willkommen Lluf den Bergen und im Tal. Nach des Winters Not und Schmerzen Sei willkommen, holdes Fest! Bring' uns, was betrübte Herzen Hoffend wieder schlagen läßt. ________ Johannes Trojan. Die von Gründingm. Foman von Freiherr von Schlichs •/ (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) „Erst fünfunddreißig?" fragte der Graf erstaunt Und fuhr dann fort: „So alt war ich damals, als ich erbte. Welleicht haben auch Sie irgendwo einen Onkel?" „Sogar eine Tante, Herr Graf. Das ist eben mein Unglück." Verwundert sah ihn der Graf an: „Das verstehe ich nicht." „So will ich es Ihnen erzählen. Ich habe da drüben in Kuba einen kinderlosen, reichen Onkel, der mich leiben* schaftlich liebt." „Na also, Herr Baron, da sind Sie ja fein heraus! Mancher stirbt spät, — aber einmal stirbt er doch." „Gewiß — aber trotzdem. Mein Onkel hat nämlich ein sehr großes „Aber" in Gestalt seiner Fran, die mich haßt, weil sie mich nicht kennt. Ich weiß nicht, Herr Graf, ob Sie einmal in einem unserer Journale jene amerikanische Reklame-Notiz gelesen haben, die mit den Worten beginnt: „Wenn ich Sie nur einen Augenblick sprechen könnte' —" „Gewiß," stimmte der Graf ihm bei, „mein Hans ergänzt die Worte immer dahin: ich würde Sie dann sofort anborgen." „Auch nicht schlecht," meinte der Baron. „Aber ich denke bei jener Notiz immer an meine Tante. Wenn ich die nur einmal sprechen könnte, würde ich sie sofort von meinen hervorragend guten Eigenschaften überzeugen! Daß man ein großer Windhund war, ist doch kein Beweis da* für, daß man es immer bleibt. Kurz und gut: die Tante will mich enterben, weil sie auch einen Neffen hat. Nun haben sich die beiden guten Leute dahin geeinigt, daß ich erbe, wenn mein Onkel die Tante überlebt, und daß der andere Neffe erbt, wenn der Onkel zuerst stirbt." „Und wie alt ist Ihr Onkel?" „Bald siebzig — und die Tante erst achtundfünfzig." „Umgekehrt wär's besser." Der Baron stimmte ihm lebhaft bei, dann meinte er: „Trotzdem ich meine Tante nie sah, bin ich doch ein viel zu guter Christ, um ihr etwas Böses zu wünschen. Als junger Leutnant habe ich es wohl manchmal getan, besonders nach leichtsinnigen Spielabenden, denn der Onkel rückt unter dem Einfluß seiner Frau auch bei Lebzeiten nichts heraus. Inzwischen habe ich es ja aber gelernt, auf eigenen Füßen zu stehen, — und wenn ich auch ein armer Teufel bin, so kann ich doch ganz anständig leben und dem Staate stets pünktlich meine Steuern bezahlen —" „Das ist die Hauptsache — wenigstens für den Staat," meinte der Graf etwas ironisch. „Sie müssen nämlich wissen, Herr Baron: ich bin gar nicht so furchtbar konservativ, wie es den Anschein hat —" „Aber Sie lesen doch die Kreuz-Zeitung, Herr Graf —i sogar nur die Kreuz-Zeitung?" Der stöhnte auf. „Gott sei es geklagt — ja! Aber glauben Sie mir, ich tue es nicht freiwillig, dazu bin ich testamentarisch verpflichtet! Ja, lachen Sie nur, aber wahr ist es doch. Mein guter Onkel war etwas Sonderling. An seinem Testament mitp er monatelang gearbeitet haben, denn da war jede Kleinigkeit genau festgesetzt: wie viel wir alljährlich für die Vermehrung des Familiensilbers und des Familienschmucks ausgeben müssen, wie 322 Viel für die Repräsentation nach außen hin, wie viel für die Dienerschaft, — kurz, die geringsten Kleinigkeiten sind festgesetzt. Und unter anderem auch: daß nie eine andere Tageszeitung auf Schloß Gründingen geh u werden darf, als die Kreuz-Zeitung. Mit einem Eid jabe ich beim Antritt der Erbschaft feierlichst geloben müssen, alle Bestimmungen des Testamentes zu halten und zu erfüllen. Das hat sein Schlechtes, aber auch sein Gutes. Ginge es nach mir, so hätte ich mir schon lange ein anderes Blatt genommen, aber dann hätte ich damals Ihre -) Annonce nicht gelesen, — und dann wären Sie heute ' nicht hier. Sie sehen: es hat wirklich alles sein Gutes." Und das war die ehrliche Ueberzeugung des Grafen, der sich in den wenigen Tagen so an seinen Gast gewöhnt hatte, daß er es gar nicht begriff, >vie er es früher ohne diesen hatte aushalten können. Im Escarts war er allerdings kein Meister, und mit der verabschiedeten Exzellenz in Berlin durfte er ihn nicht vergleichen, aber er spielte doch wenigstens passabel, „so lala", wie er es nannte. Die schwierige Geldfrage hatte der Graf dahin geklärt, daß er die Partie anstatt wie sonst zu fünfzig Mark jetzt um fünfzig Pfennige- spielte und sich fest vor- genonnnen hatte, jeden Gewinn gewissenhaft aufzuschrei- oen, um ihn später bei der Trennung in Form eines sehr anständigen Extra-Honorars dem Baron zurückzuerstatten. Dann brauchte er sich jetzt keine Vorwürfe zu machen, wenn er dem Baron einmal einen Taler oder zwei abnahm. Nein, wegen des Kartenspiels allein war ihm der Baron nicht so sympathisch, aber er war ein vollendeter Kavalier, hatte die Welt gesehen, konnte gut erzählen, er war ein unermüdlicher Zuhörer und ein außerordentlich dankbares Publikum für die kleinen Scherze und Anekdoten., die der Graf mit Vorliebe aus seiner Dienstzeit erzählte. Außerdem war er, ebenso wie der Schloßherr, ein passionierter Jäger, da gab es zahllose Punkte, in dem die Beiden übereinstimmten. Und wie dem Grafen, so war der Baron auch der Gräfin, wenn auch nicht gerade unentbehrlich, so doch sehr sympathisch geworden. Am ersten Tag hatte sie ihn allerdings noch mit einem gewissen Soupyon beobachtet. Ein Baron, der. trotz seines Namens für Geld Reitunterricht erteilte — man konnte doch immerhin nicht wissen — —. Aber seine Hände hatten ihr schon bewiesen, daß er nicht nur dem Namen nach adelig war: solche schmalen, feinen Hände mit so wohlgepflegten Nägeln hat nur ein wirklicher Aristokrat. Und als er dann im Laufe der Unterhaltung zeigte, daß er in der gräflichen Familie Reifen- berg-Kneiffenberg und jn anderen adeligen Häusern ebenso gut Bescheid wußte wie sie selbst, da hatte sie sich plötzlich mbei ertappt, daß sie ihn „lieber Baton" nannte. ‘ Da ie das einmal gesagt hatte, mußte sie es auch in Zukunft tun, und sie tat es auch gerne, denn er verdiente nach ihrer gewissenhaften Ueberzeugung diese Auszeichnung vollkommen. Auch Alexa war froh, daß der Baron im Hause war. Schon am ersten Tag — gleich nachdem man den Stallungen einen Besuch ab gestattet h atte — war man zu dem Tennisplatz gegangen. „Sie spielen doch Tennis, Herr Baron?" hatte sie sich erkundigt. Er hätte saft aufgelacht es gab ja keinen Sport, den er früher nicht betrieben hatte, und wie manchen Preis hatte er nicht gerade auf dem Tennisplatz errungen! Auch jetzt huldigte er dem Spiel noch, so oft sich ihm Zeit und Gelegenheit dazu bot, und doch hielt ihU irgendetwas davon zurück, ihre Frage zu bejahen. War es die Erinnerung an jene Episode seines Lebens, als er auf dem Tennisplatz sein Herz an die schöne Amerikanerin verlor, die all seine Bewerbungen duldete, ihn zu immer neuen Huldigungen herausforderte, — und die ihn dann doch kalt und herzlos auflachend, dastehen ließ, als er ihr endlich seine Liebe gestand? Ihm toctr es plötzlich, als schlüge dieses kälte, verächtliche Lachen von neuem an sein Ohr, ohne daß er es gewollt hätte, stieß er die Worte hervor: „Ich hasse dieses Spiel — —" Er hatte hin- znfügen wollen: bei dem Man nicht nur mit den Bällen, sondern auch mit den Herzen spielt, — aber im letzten! Augenblick hatte er sie doch noch verschluckt. Und lebhaft hatte Alexa ihm zugerufen: „Das dürfen Sie nicht sagen, und wenn Sie es dennoch tun, dann ift es nur ein Beweis, daß Sie das Spiel noch nicht kennen. Darf ich Ihre Lehrerin sein?" Einen Augenblick hatte er noch gezögert: sollte er nicht die Wahrheit gestehen, ihr sagen, ich hasse das Spiel, gerade weil ich's kenne? Aber 'dann las er in ihren Augen ihre stumme Bitte, er erriet ihren sehnlichen Wunsch, seine Lehrmeisterin zu werden, ihm ihre Künste zu zeigen, ihn durch ihr Beispiel anzufeuern, ihr zu folgen. Mit einem schnellen, prüfenden Blick überflog er ihre schlanke, zierliche Gestalt und sah in ihre bittenden Augen. Hübsch war Alexa, mehr als hübsch — aber die konnte ihm nicht gefährlich werden, sie hatte nichts gemeinsam mit jener stolzen Amerikanerin, auch nicht mit ihrer Schwester Dagmar. Das war nicht ein Weib, um das es sich für ihn zu werben lohnte, die war noch viel zu sehr Kind, als daß er, ein ernster Mann, sie sich als Gefährtin hätte wünschen können. „Spielen Sie auch, Komtesse?" hatte er sich, anstatt gleich zu antworten, an Dagmar gewandt. „Mir geht es wie Ihnen — ich hasse das Spiel." „Und doch wirst auch du sehr bald daran teilnehmen," sagte er sich, „wenn ich es will — und ich will es." Und lediglich um seinen Entschluß später bei Dagmar durchsetzen zu können, hatte er Alexa erklärt: „Wenn Sie denn wirklich meine Lehrerin sein wollen, Komtesse, —i ich bin ja eigentlich für diesen Sport schon etwas alt —i aber ich werde mir trotzdem die größte Mühe geben, kein zu ungeschickter Schüler zu sein." So wurde verabredet, nach der ersten Reitstunde auch gleich mit der ersten Tennisstunde zu beginnen. Und Alexa hatte erklärt: „Da kann ich mich wenigstens in einer Hinsicht dafür dankbar erweisen, daß Sie sich so viel Mühe mit uns geben." „Das wissen Sie doch noch gar nicht." „Doch — das sehe ich Ihnen an," hatte sie erwidert/ „entweder tun Sie etwas gar nicht, oder Sie tun es ganz." „Vielleicht haben Sie da nicht so ganz unrecht, Komtesse," hatte er entgegnet, — und seine Augen waren zu Dagmar geflogen. Die hatte seinen Blick erwidert, als wisse sie nicht, warum er bei seinen Worten gerade sie ansah. Dagmar war die einzige im Hause, die in keiner Weise/ auch nicht mit einem Wort, weder den Eltern noch der Schwester gegenüber, verriet, wie sie über den Baron dachte. Gegen ihn selbst war sie freundlich, wie es ihr als Tochter des Hauses einem Gaste gegenüber zukam, — aber doch zugleich auch kühl und zurückhaltend, wie das ihrem ganzen Wesen entsprach. Und doch wurde ihr das jetzt zuweilen etwas schwer, nicht etwa, als ob der Baron ihr auch nur das geringste mehr galt, als irgend ein Anderer, aber sie wußte jer selbst am besten, daß sie beständig Komödie spielte,- wenn 'sie ihn fortwährend wie einen ganz Fremden behandelte, und das machte sie oft unsicher und ließ zuweilen die Furcht aufkommeu, daß sie aus der Rolle fallen könne. Und je leichter der Baron es ihr machte, ihr Spul weiterzuführen, desto schwerer wurde es ihr. Hätte er ihr nur mit einem Blick gezeigt: gib dir keine Mühe — mich täuschest du doch nicht, oann hätte sie die Verstellung viel leichter weitertreiben können, als so. _ Er schien es gar nicht zu bemerken, daß sie die frühere, flüchtige Begegnung absichtlich ignorierte, und wenn er es doch merkte, so schien es ihm wenigstens vollständig gleichgültig zu sein. Ihr war es in mancher Hinsicht peinlich und unangenehm, jetzt beständig mit ihm zusammen zu sein, denn sie glaubte immer seine fragenden Blicke und seine stummen Huldigungen zu fühlen, und doch hätte sie, wenn sie gerecht gewesen wäre, zu geb en müssen, daß er sich um sie in keiner Weise mehr kümmerte, als um ihre Schwester ober um ihre Eltern. Aber dann tröstete sie sich damit, daß das viele Zusammensein aufhören würde, sobald der Unterricht seinen Anfang nahm. Dann würde jeder vorher und hinterher seinen Beschäftigungen nachgehen, und man würde sich nur bei den Mahlzeiten begegnen. Der Baron hatte auch davon gesprochen, daß er die vielen freien Stunden hier benutzen wolle, um ein längst angefangenes Werk über den Reitsport zu Ende zu führen. Da war er also täglich für längere Zeit an seinen Schreibtisch gebunden, auch Alexa würde ihn jeden Tag wenigstens eine Stunde aus dem Tennisplatz festhalten, so würden die Begegnungen allmählich immer seltener werden. Im Gegensatz zu Alexa sah sie der ersten Reitstunde ganz gelassen entgegen. Die Schwester hatte geradezu 823 ss Angst, was er wohl sagen würde, und mehr als' eirnnhl fragte sie jetzt, während sie der großen Reitbahn, die der Graf vor Jahren hatte anlegen lassen, zuschritten. „Glaubst du wirklich, daß wir wieder ganz von vorne ansaugeN müssen?" „Du vielleicht — ich ganz bestimmt nicht." Das klang sehr stolz und zuversichtlich, aber auch sehr kühl und herablassend. „Und was willst du tun, wen» der Baron es dennoch! wünscht?" Dagmar blieb die Antwort schuldig, denn darüber hatte sie schon manchmal vergebens nachgedacht. Dem Baron passiven Widerstand entgegenzusetzen, sich seinen Anordnungen und Ratschlägen zu widersetzen, schien ihr um ihrer selbst willen ebenso unwürdig, wie sich von ihm erziehen und schulmeistern zu lassen. Aber so sehr sich auch ihr Stolz dagegen aufbäumte — das Klügste würde es trotzdem sein, nachzugeben. Widersprach sie, so legte sie damit seiner Persönlichkeit und feinen Worten eine Wichtigkeit bei, die diese nicht für sie besaßen. Je gleichgültiger sie alles hinnahm, was' er sagte, je weniger sie sich aus fernen Befehlen machte, je mehr sie seine Aeußerungen rein sachlich, lediglich dem Sport geltend, hinnahm, desto mehr hatte sie Aussicht, als Siegerin dazustehen. (Fortsetzung folgt.) Das psingstlalb. Psingstskizze von E. Fahrow (Berlin). „Ties Jahr wird ein Ende gemacht mit dem alten Schlendrian!" erklärte Herr Ferlau mit Tonnerstimme und jener Miene, die er selbst für streng und abweisend hielt, die aber seiner Einzigen gar nicht imponierte. „Ties Jahr wird kein Psingstkalb' geschlachtet." „Aber, Batting, was sollen die armen Leute denn dann essen?" „Kartoffeln!" schrie Herr Ferlau. „Meinetwegen an beiden Enden in Salz gestippt, anstatt an einem!" Damit stampfte er zur Tür hinaus, die wuchUg ins Schloß fiel, und überließ seine Mieze der Pein. Ter Pein des Nachdenkens nämlich. Mieze liebte das gar Nicht, sie war nicht für langes Grübeln und Ueberlegen sondern für frischfröhliches Handeln. Hier aber mußte man wirklich erst richtig grübeln, um einen Ausweg zu finden und Batting ein Schnippchen zu schlagen. Tenn soviel stand fest, das Psingstkalb — zu einem solchen hatte sich der einstige Festochse schon längst zurückentwickelt — mußte geschlachtet, es mußte den Torfarmen. spendiert werden wie jedes Jähr. O, Mieze verstand sich auf die Volksseele! Sie wußte, daß Wochenlag schon dieser gewohnte Gratisbraten eine Rolle in den Träumen der bedauernswerten Leutchen spielte, und sie wußte ferner, daß eine versagte Freude weit schlimmere Früchte tragen kann als positive Härte. , „Batting hat Nein gesägt," dachte Mieze, -„das bedeutet, daß er für dies Mal unt keinen Preis mehr Ja sägt: aber daß er im nächsten Jahr wieder Ja sägen und freiwillig ein schönes Kalb! spendieren wird, darauf nehine ich Gift!" Mit dieser Bekräftigung erhob sie sich und stolzierte in einer Haltung aus dem Herrenhaus hinaus, die recht auffallend an Vattings eigenes, strammes Wesen erinnerte. Mieze ließ ihren Fuchs satteln und ritt hinaus nach der Birkenschonung, wo dies Jahr wirklich und wahrhaftig tzine Wache ausgestellt werden sollte, damit nicht wieder die Torfjungen kämen und sich ihre Handwagen voll von frischen Maien lüden. , Tas war auch wieder so eine törichte Knickerei, die gewiß der neumodische Herr Inspektor dem guten Batting in den Kopf gesetzt hatte! Als ob das die Birkenschonung Merkte, wenn eine Fuhre Maien weg war! Verkaufen konnte sie doch ihr Vater nicht, das hätte zu sehr nach „Hökerei" ausgesehen. Also warum sollten die Jungen fiel sich nicht lieber Holen? „Guten morgen, gnädiges Fräulein!" erklang eine Stimme neben Mieze, und sie fuhr ein wenig erschrocken herum. Ta hielt wieder der unausstehlich reizende Mensch auf seinenr Rappen! Und er nahm die kleidsame Mütze ab, lächelte ein wenig und sprach weiter: -„Wollten Sie sich schon die Maien für Pfingsten aussuchen, Fräulein Ferlau? Oder huldigen Sie nicht solchem altmodischen Brauch?" „O doch, alles, was altmodisch ist, liebe ich gerade!" er- wrderte sie mit einem Seitenblick auf die auffallend elegante und neumodische Erscheinung des jungen Gutsnachbarn, mit dem sie auf Kriegsfuß stand. .. ^Unausstehlich reizend", hatte ihn Gretchen Teichert genannt, die sich so deutlich um ihn bemühte. Und sie war nicht die Einzige, es gab kaum eine junge Dame int ganzen Kreise, die nicht sehr gern Frau Schmiedeler geworden wäre. Nur Mieze machte ein« AusnaWe, sie fand, daß man abweisend gegen so verwöhnte junge Herrn fein müsse, und was sie „fand", das setzte sie stets konsequent durch, obwohl es ihr hier recht sehr schwer ankam. „Werden Sie morgen zur Pfingstmesse in der Stadt sein?" fragte Karl Schmiedeler weiter. „Ich bin, offen gestanden, sehr neugierig darauf, da ich sie noch gar nicht mitgemacht habe. Als Neuling im Steife muß ich doch alles kennen lernen...."■ „Sie brauchen gar nicht so hochmütig darüber zu lächeln," rief Mieze, deren granblaue Augen ebenso blitzen konnten wie sehr Lunlle. „Es ist zwar nur ganz kleinstädtisch gemütlich — unsere Kreisstadt mit ihren dreißigtausend Einwohnern kommt Ihnen gegen Ihr geliebtes Berlin wahrscheinlich wie ein Torf vor — aber nett ist es doch! Man promeniert, hört sich die Regiments-- kapelle an, Macht Einkäufe, sitzt in einer der Konditoreien und amüsiert sich — falls man nicht zn blasiert ist." „Sie mißverstehen mich dauernd, gnädiges Fräulein! Ich spöttele nicht über die Stadt, und ich schwärme nicht für Berlin, Es wäre ja auch eigentlich unlogisch, wenn ich trotzdem von dort fortgezogen und Landwirt geworden wäre, nicht wahr? Aber für Logik sind Sie wohl nicht sehr empfänglich?" „Im Gegenteil, ich bewundere Logik sehr, und folglich wünsche ich Ihnen viel Vergnügen auf der Messe. Grüßen Sie auch Gretchen Teichert von mir, falls Sie sie sehen. Ich komme nämlrch nicht hin." „O, wie schade! Tann hat die' Sache gar keinen Reiz mehr für mich! Warum kommen Sie denn nicht Un?" „Weil ich Feine Zeit habe. Guten morgen Herr Schmiedeler, sch muß weiter!" Sie trabte mit einem Kopfnicken dävon und der Herr Nachbar sah ihr amüsiert nach. „Ich kriege dich doch) du süße! Krabbe!" dachte er. „Tu hast mich ja doch gern, das weiß ich!" Mieze hielt in einiger Entfernung von neuem an. Ter Inspektor stand dort am Wege und beorderte einen invaliden Feldwächter zu dem Birkenwäldchen Un, wo er aufpassen sollte, daß keine Maien gestohlen würden. „Ist nicht nötig, Herr Inspektor," sagte Mieze, „schicken Sie nur Grundmann au eine andere Birkenstelle: hier nämllch lasse ich selbst fürs Haus' einen Wagen voll Birkenzweige holen." „Wie ©ie befehlen, gnädiges Fräulein. Ich habe aber Auftrag, diesmal die Maiendiebe zu fassen." „Tie Nürnberger hängten keinen, sie hatten ihn denn, versetzte Mieze. „Ich finde es scheußlich, so auf die paar Pfennigs aus zu sein!" , „Gans!" murmelte bet Herr Inspektor Unter ihr her. Woraus man sieht, wie verschieden in toenigen Minuten em und dieselbe Dame bentteilt werden kann. Mieze aber war selig, denn sie hatte eine Eingebung gehabt, und ihr Plan war fertig. An diesem Wend wurde ein mächtiger Leiterwagen voll der schönsten Maien beim Birkenwäldchen aufgeladen, und der Herr Amtmann stand derweil mit dem Inspektor aut andern Ende des Gutes und paßte! auf, daß die Jungen nichts stahlen. Sonderbarerweise schnitt und sägte der Gärtner zur selben Zeit ebenfalls Maien int Parke ab. Während aber diese wirklich ins Herrenhaus wanderten, fuhr der vollbeladene Leiterwagen bedächtig nach der Stadt. Außer dem grauhaarigen Kutscher saß niemand darauf. ___ ,,, ,, , ,, . Mieze akstr saß bei der alten Mamsell, siel iU um den Hals und ^sagte. Wen, Sellchen,! Tu fährst mit, mir zur Stadt und wir verkaufen die Maien. Ich habe Batting schon gesagt, daß ich morgen den ganzen Tag weg brn, für dich habe ich ebenfalls Urlaub genommen, kurz, du mußt mit! Ich freue mich wahnsinnig üvtr den Spaß!" . „Mieze," warnte die Alte, „es kann ganz was Ekliges daber Heranskommen! Wenn Batting es erfährt..." „Er erfährt es aber nicht! Pass' bloß auf, wie ich m meiner Maskerade aussehen werde! Ich sage dir, ich bringe.vierzig, fünfzig Mark mit nach Hause! Tann kaufen wir das Psingstkalb, und die armen Leute Haden ihren gewohnten Braten, und ich habe — meinen B)ittön!/z Mamsell seufzte, aber wie gewöhnlich konnte sie ihrem' Liebling nichts abfchlageii. . , Am nächsten Nachmittag stand em allerliebstes Dorskmd neben dem vollbeladenen Maienwagen, an der Stelle nahe der Promenade, wo heute „freihändiger Höker mit Maren gestattet war. Tas niedliche Landmädchen trug die bäuerliche Tracht, unter der großen Flügelhaube hingen zwei Braune Zöpfe Herab, graublaue Angeil lachten aus einem bräunlich gefärbten Antlitz heraus, und sehr glatte, fettglänzende Scheitel, die tief um die Stirn und Schläfen lagen, Veränderten Miezes Gesicht so sehr, daß sie kaum zu erkennen war. Mamsell, ebenfalls mit großem Kopftuch und in möglichst ländlicher Aufmachung, sekundierte, ein wenig hinter dem Wagen verschanzt, ihrer übermütigen Schutzbefohlenen.. 824 , Kausen Sie Maien!" rief Mieze im Lanbesdialekt. „Kaufen Sie lieber Herr, schöne Dame! Nur eine halbe Mark dieser flt0 r£Ä besonders als die Militärmusik drübm einsetzte mid lusttge'Gruppen von langen Herren und ^^Mötzlich verkrÄ sich Mamsell völlig hinter die grünen Aeste. dTeidieti mng tiotboi/ miiftate fefyt fdjurf btc Mbsche Vettäustrin und blickte dann neugierig zurück, wo mehrere ^^7,All7g7tekGZ?^!"' murmelte plötzlich Mieze her Mamsell 4“' 'Mmusellchen ergriff da? Hasenpanier und ließ Wagen und Fräulein schmählich im Stich- Grete Teicherts Augen aber glitzerten boshaft: daß der alte Ferlau solche Komodienstreiche Nicht gut hieb, wußte sie, und sie war begierig, ob es wohl Mieze gelingen werde, sich dem väterlichen Strafgericht zu entziehen. Shevr Ferlau hätte keinen Blick auf die schmucke Maien- Händlerin geworfen, doch als er an den Wagen herankam, wurden seine Augen groß und rund. Tas waren ja ferne beiden.Gaule, ^^Mieze faht^sich ein Herz, und mit ihrem bezaubewrdsten Lächc'lir hielt sie dem Vater einen Birkenzwei entgegen. „Kaufen StC ,^Teern'!" stammÄte^Herr^Ferlau, kirschrot anlaufench ,,was ist das für eine verrückte Theaterei? Wie kommst du hierher? ,Mstohlen stdsprach Mieze lieblich. „Aus der Mrkenschonung abernahte" der ^Retter, der das väterliche Unwetter ab- toenb5rv Schmiedeler, soeben Grete Teichert begrüßend, hörte von dieser di« spöttischen Worte: „ „Haben Sie Fräulein Ferlau schon guten Tag gesagt? Eben ist ihr Vater hinter diesen Streich gekommen, und es amüsiert mich, baß endlich mal die, gute Mieze emen Denkzettel bekommen wird ! Sie ist ordentlich blaß vor Angst. Karl Schmiedeler blickte hin und begriff blitzschnell, daß sich seiner kleinen „süßen Krabbe" ein Malheur nahte. Ta stand er auch schon vor dem Lmterwagen. begMßte Herrn Ferlau sehr Höflich und wandte sich dann an die Verkäuferin: , Bitte geben Sie mir diesen Zweig — nem, den, welchen Sie in der Hand haben. Kostet? Hier, bitte —. „Bekomme ich eine vernünftige Antwort? fuhr Herr.Ferlau dazwischen. „Was bedeutet das Ganze? Blamierst du Mich hier vor der ganzen Stadt?" , r ,... ,___ , Herr Ferlau," raunte ihm Schmiedeler zu,- „ich bitte Sie! Tie Blamage würde doch erst entstehen, wenn man merkte, daß Bie schelten! Mache Sie gute Miene zum bösen Spiel — fern lensch merkt -etwas, wenn wir nicht wollen! Bei diesen Worten hatte er seinen Arm unter den des alten Herrn geschoben und — Halb zog er ihn, halb sank er hm schlenderte mit ihm weiter, der Musik zu. Mieze zählte kaltblütig ihre Gelder; es war reichlich ge- nung, die übrigen Zweige konnte man ta auch zu Hause noch verwerten. Sie kletterte Hinauf zwischen die Birken und herrschte „Nach^ Haust', ganz fix! Tie Mamsell mag »usthen, wie sie heim kommt, ich warte nicht länger auf sie. Das Grünzeug 'nehmen wir mit — na, vorwärts doch!' Ta der alte Mann ihr nicht schnell genug war, ergriff sie selbst die Zügel und fuhr von dann; dabei benützte sie einen' Feldweg, um nicht auf der Chaussee vielleicht von dem zürnenden Vatting eingeholt zu werden. ' ,, , Ach was!" dachte sie. „Ich habe nichts Unrechtes getan! Wie 'reizend war das aber von Schmiedeler! Wirklich famoS — ohne ihn hätte es einen Krach vor versammeltem Kriegsvolk Sie versuchte die beiden alten Braunen in einen Trab zu versetzen, der sich lohnte; darüber wunderten sich fedoch die guten Ticken sehr, sie schüttelten mit den Ohren und blieben bei ihrem Zuckeln. , „ . Als sie in das Hoftor einbog, da — o Gott — stand bereits Herr Ferlau oben an der Treppe und hatte die Arme eingestemmt, was unheilverkündend genug aussah. Was aber Mieze die ganze Zeit nicht gesehen hatte, daH sah Ferlau von der Treppe aus; hinter dem Leiterwagen ritt ein Reitersmann, und der war dem alten Herrn so willkommen, daß er plötzlich wie milder Vollmondschein lächelte und ausrief „Sieh da, Herr Schmiedeler! Tas ist nett, daß Sie kommen Bitte' näher zu treten." Mieze wurde dunkelrot, sprang vom Wagen Uttb rannte zu dem soeben abgestiegenen Reiter hin. „Sie sind mitgeritteü? Warum haben Sie sich Nicht gemeldet?" ,, . „Ich wollte nicht zudringlich sein, doch schien es mir richtig, einem so reizenden Laudmädchen einen Begleiter mitzugeben; deshalb erlaubte ich mir. . . ." Herr Schmiedeler, Sie brauchen nichts Schlimmes von mir »n denken Es war nicht Abenteuerlust ober dergleichen, was mich zu diesem Streiche veranlaßte Ich — ich wollte mir nur das Geld verschaffen, um ein — Kalb für meine Armen zu kaufen Weil nämlich mein Vater so furchtbar knickerig geworden ist . . " „Jh, du verflixter Frechdachs!" rief Herr Ferlau von der T^Aber°Miest hörte nicht auf ihn, sie hörte überhaupt nichts/ denn plötzlich brach sie in tin gänzlich unerwartetes Schluchzen! aU%nrI Schmiedeler schlang seinen Arm um ihre Schulter, ohne daß sie sich wehrte. Und da letzt Mieze auf den Garten zuließ Eate^Ferlau^stand auf der Treppe wie eine Salzsäule. Ta es geraume Zeit bauerte, bis die beiden wiederkamen, so begab er sich endlich ahnungsvoll in den Keller, wo. er ge- visst kostbare Flaschen herausgab und auf Eis stellen ließ. Endlich tauchte das Liebespaar wieder auf, Und Schmiedeler rie^ ^Jch ^Lbe"ihr"vers'procheii, jedes Jahr zu Pfingsten einen richttgen Ochsen schlachten zu lassen, den sie ihren, — das heißt unseren Armen schenken kann. Darum allem bat fte etngettnlligt/ mich zu heiraten. Sie haben doch hoffentlich nichts dagegen/ ^^NeiM^er^ hatte nichts dagegen, und Mieze lachte: erü stehle ich dir Maien, und bann verhökere ich sie öffentuH, und zuletzt' verlobe ich mich! Das alles hast bu angerWet mü deinem Verbot! Wirst bu es auch me wieder tun? „Nein," sagte Herr Ferlau bescheiden. Vermischtes. kf Geaenseitige Hilfe bei den Schwalb en. Aus welche' Weist Schwalben ihren verunglückten Artgenosten zu> Hilfe kommen schildert ein französisches Blatt nach dem Berichte des alten Nationalökonomen Dupoiit von Nemours. Dupont von Nemours beobachtete in Paris einmal, wie sich an der Dachrinne des College des Ouatres-Nations eine Schwalbe fing. Beim genauen ilufehen bemerkte er, daß sie mit dem Fuße in eine laufende Schlinae eines Bindfadenendes geraten war, die dort herabhmg. Voael erschöpfte seine Kräfte in vergeblichen Fluchtversuchen lind hing danir ermattet an dem Fadenende herab. Alle Schwalben des großen Gebietes zwischen dem Pont des Luileries und dem vielleicht auch noch Schwalben aus der weiteren Um- ^ebuna vereinigten sich allmÄlich um die verunglückte Gefahrt.n hüteten eine förmliche Wolke, die nach Duponts Schatzung aus vielen Tausenden bestand. Sie vollsührten em gewaltige« Gekreisch, und nachdem sie anscheinendgezögert. und sich lebhaft beraten batten, kam eine darauf, wie der Gemyrtln zu yenen Dieses muß sie den anderen irgendwie mtfgetedt haben, denn alsbald begann die Ausführung des Rettungsplanes. Alle flogen eine nach der anderen an der ausgehängten schwalbe vorbei und verlebten dem Faden einen Schnabelhieb. Nach einer halben Stunde J. ?PT c>aben durch die zahllosen Schnabelhiebe durchgeschnitten und die Schwalbe war wieder frei. Die Schwalbenansammlung blieb ober doch noch an der Unglücksstätte versammelt- * SHnberntunb. Klein-Aennchen möchte zum ersten Mast aanz Mein telMonieren, unb zwar an ihre kleme FrenndM Emmy- Tie Mama hat es erlaubt, boch Zeit erscheint Aennchen wieder. — „Nun, schon erledigt-- fr gr Mama. - „Ach Mutti, es sitzt schon jemanb drauf! ist dip betrübte Antwort. Letterrätsel. Die Buchstaben a acdeeeef figS — h h 1 i 1 i 1 1 n n ö p r r s t t fittb __ in die Felder nebenstehender Leiterfigur derart einzutragen, daß die Sproßen derselben, von oben angefangen, folgendes bedeuten. — 1. Türkisches Militär. 2. Stadt in Westfalen. 8. Kleines Raubtier. 4. Ein Musikinstrument. — Die beiden Seitenbalken der Leiter sollen, von oben nach unten gelesen, einen Festgruß ergeben. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Wechselrätsels in voriger Nummer. Brandenburg; Bein, Bern, - Reden, Regen, - «mJJ Ampel - Nadel, Nagel - Dante, Tanke - edel, Estl - neun, nein — Besen, beten — Ulm, Ulk — Staab, Raub — Grab, grau. Eon: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Bruhl'schen Universitäts-Buch. und Steindruckerei, R. Lang«, ®^eiu