Donnerstag, den 2$. Oktober ♦6 iL ns Hi KI WV WWW M'Mtzi ÄtiÄ Die Dame im Pelz. .Roman von G. W. A p p l e t o n. (Nachdruck verboten.) ' (Fortsetzung.) Ich war vollkommen verzweifelt und wurde auch nach der Rückkehr ins Hotel so scharf beobachtet, daß es mir unmöglich war, irgend welche Schritte zu Marcellas und meiner eigenen Befreiung zu tun. Endlich hörte ich, daß Sie — der wirkliche Doktor Williams — ins Hotel kommen würden, um dieser falschen Marcella gegenübergestellt zu werden. Nun hieß es für mich: jetzt oder nie. Ich mußte Ihnen Nachricht zukommen lassen, jköste es, was es.wolle. Es gelang mir, wie Sie ja wissen, Ihnen ein Zettelchen in die Hand zu spielen, worauf Sie mir umgehend antworteten. Infolge der Bestürzung, in die Sie das saubere Paar versetzt hatten, sand ich Gelegenheit, zu entwischen. Das Zimmer- Mädchen, das mir. Ihre Zeilen übermittelt hatte, wies mir einen Seitenausgang nach der Straße. Dort erkundigte ich mich nach dem Wege nach. Richmond, und nun bin ich hier. Durch diese Schilderung wurde mir vieles klar, was mir vorher rätselhaft geblieben war; vor allen Dingen erkannte ich nun meine Pflicht gegen Marcella sehr deutlich. Sie war im direkten Auftrage ihres Vaters zu mir gekommen, um mir wichtige Nachrichten zu überbringen. Sicherlich wünschte er von mir, daß ich seine Tochter vor seinen und ihren Feinden beschützen sollte. Was war aber aus dem so bedeutungsvollen Schreiben geworden, das er ihrer besonderen Obhut anvertraut hatte? Warum hatte sie mir diesen Brief nicht gleichzeitig mit dem Geldbrief übergeben? Er enthielt sicher die nötigen Weisungen über die Verwendung des Geldes und über Marcellas eigene Zukunft, über die sie nun selbst vollständig im Unklaren war. Wo konnte der Brief sein? Hatte sie ihn verloren? War er dann ihren Feinden in die Hände gefallen? Doch dagegen sprachen verschiedene gewichtige Umstände. Ich befragte Lucy aufs eingehendste. Sie wußte genau, daß Marcella Geld und Brief gewöhnlich auf dem Leibe getragen hatte, und hatte in der ersten Nacht im Hotel noch "'beides bei ihr gesehen. Es war auch nicht zu bezweifeln, daß sie beide Briefe an jenem Morgen mitgenommen hatte, als sie mich im Hospital hatte aufsuchen wollen, um mir die Dokumente ihres Vaters, derentwegen sie ja die lange Reise hauptsächlich unternommen, persönlich zu übergeben. Mährend wir diese Frage miteinander erörterten, klingelte es plötzlich. Wir eilten auf den Flur, und herein trat ein Junge. Wer von Jhüen ist Herr -Doktor Williams? fragte er. Das bin ich, antwortete ich. Was bringen Sie? Einen Brief für Sie, Herr. Und Sie sollen gleich mitkommen. Hier ist er. Ich soll Jhüen den Weg zeigen. Er händigte mir ein zusammengefaltetes Stück Papiei. ein, und mit pochendem Herzen las ich folgende mit Bleistift gekritzelten Worte: Kommen, kommen Sie sofort, sonst bin ich verloren. Sie können dem jungen vertrauen. Marcella. Ich reichte den Zettel Lucy Belton. Ist das Ihre Handschrift? fragte ich. Sie stieß einen Schrei aus, in dem sich Freude und Schrecken zugleich ausdrückten. O ja, ja. Es ist wirklich von ihr. Und Sie wollest sie retten? Sie wollen sie retten? Mit Gottes Hilfe, ja, antwortete ich inbrünstig. 15. Kapitel. Nun, Mortimer, sagte ich> mich an meinen Freund wendend, bu kommst doch mit? So 'ne Frage, bis ans Ende, mein Lieber! Das wußte ich ja. Aber es ist schade, daß du heute keinen Revolver bei dir hast, denn unsere Arbeit heute nacht wird, glaub' ich, nicht so glatt von statten gehen. Deswegen brauchst du keine Angst zu haben; in meiner Tasche steckt ein ganz anständiges Instrument dieser Art. In den letzten Tagen habe ich mich als vorsichtiger Mann stets auf solche Fälle vorbereitet. Um so besser. Wo wollen Sie uns nun eigentlich hinführen? wandte ich mich fragend an den Burschen. Nach Millfield Lane, Herr. Das ist in der Nähe der Hampsteader Heide? Mehr nach Highgate zu, Herr. Drüben an den Teichen. Du kennst dich in den nördlichen Breiten ja besser aus, Mortimer, sagte ich zu meinem Freunde; wo ist also Millfield Lane — und wie kommen wir am raschesten dort hin? Es ist eine der übelsten Gegenden in der ganzen Londoner Umgebung. Sie haben fein gewählt. Es gibt kaum einen zweiten Ort, der sich so gut zur Begehung eines Verbrechens eignete. Wie wir am besten hingelangen? Nun, das laß meine Sorge sein. Wie heißen Sie, mein Lieber? Billy Watson, Herr. Sind? Ausläufer bei Minsk, einem Materialwarenhündler in Highgate Road. 9iuit, Watson, wie sind Sie hierhergekommen? Mit dem Zug? Jawohl, Herr, Nordring — von Station Camden Road. Also los! sagte ich nun, je eher, desto besser. Helen, Fräulein Belton bleibt natürlich hier bei uns! Ei, was für 'ne Frage! rief sie. Das haben wir schon lange miteinander abgemacht. Aber nun haltet euch nicht mehr hier auf, damit ihr nicht zu spät kommt. Um Gottes willen nicht! versetzte ich. Komm, Mortimer. Als wir schon den Gartenweg halb hinunter waren, fiel mir plötzlich ein, für alle Fälle meine kleine Taschen^ apotheke mitzunehmen, ein Gedanke, der, wie sich später herausstellte, für unseren Erfolg entscheidend sein sollte. 666 Wir kamen gerade noch zur rechten Zeit auf unserem Bahnhofe an, um den Zug nach Camden Road zu erwischen. Unterwegs erzählte uns unser Führer, daß er beim Ab- liefern von Waren in Millfield Lane — eine Gegend, die man nachts nicht gern aufsuche — über eine steinerne Mauer hinweg das Rufen eines Weibes gehört habe. Er sei darauf zugegangen, und die Stimme habe ihn dann gebeten, an die Tür zu kommen. Dort habe ihm ein ziemlich schlankes, blasses Mädchen mit rotem Haar und Sommersprossen im Gesicht — was er bei dem Mondschein ganz deutlich gesehen habe — das Billett und zehn Schillinge durch das Gitter der abgeschlossenen Eisentür in die Hand gedrückt und ihm mit vor Angst und Aufregung zitternder Stimme zugeflüstert, er möge so rasch wie möglich nach Richmond fahren und den Herrn, an den das Briefchen gerichtet sei, unverzüglich mit rnrückbringen, dann sollte er noch zehn Schillinge bekommen. Ich sagte ihm darauf, daß ihm die Sache noch ein gut Teil mehr einbringen würde, wenn er etwas Courage im Leibe habe und vor einer Gefahr nicht zurückschrecke. Da warf sich unser biederer Begleiter in die Brust und erklärte, daß sein Vater Vorstand eines Ringklubs sei, und er selbst bereit, feder Gefahr zu trotzen. Weiter erzählte er dann, daß ihn: ganz in der Nähe dieses Grundstückes, als er seinen Auftrag habe ausführen wollen, ein Mann in den Weg getreten sei und ihn gefragt habe, was er da suche; schlagfertig habe er geantwortet, er hätte üt der Nachbarschaft etwas abzuliefern gehabt und sich in der Dunkelheit verlaufen. Es fei ein großer Mann mit einem Vollbart gewesen. üoit Eißen, sagte Mortimer. Zweifelsohne, erwiderte ich ihm; aber wer mag das Mädchen gewesen sein? Euer früheres Dienstmädchen, antwortete er ohne Besinnen. Uebrigens müssen wir hier aussteigen. Draußen engagierten wir einen Viersitzer. So rasch wie möglich nach dem „Herzog von St. Albany", befahl Mortimer dem Kutscher, und fort ging's über die Kentisher Chaussee, Highgate Road, unserem Bestimmungsort zu. Als wir am Fuße des Hügels ankamen, schlug die Turmuhr von St. Anna elf. Wir gaben dem Kutscher die Weisung, hier auf uns zu warten, und eilten sofort den steilen Weg hinauf, der nach Holly Lodge führt. Bald wandten wir uns scharf nach links und kämen ans die Straße nach Millfield, von wo aus unser Führer die Leitung übernahm. Der Mond war untergegangen und alles stockfinster, bis auf einige zerstreut stehende Gaslaternen an diesem Ende der Straße, mit deren Hilfe wir die Richtung feststellen konnten. Es herrschte eine unheimliche Stille. Zur Linken konnten wir durch das dichte Geflecht kahler Baumzweige hindurch undeutlich eine weite Wasserfläche erkennen, rechts von uns lief eine hohe Gartenmauer, über die hohe Bäume ihre Häupter emporstreckten. Wir stiegen höher und immer höher, bis der Fußpfad plötzlich aushörte. Unser Führer flüsterte Uns hier zu: Jetzt sind wir bald da. Hier 'nunter geht's etwas schlecht; aber bleiben Sie nur immer dicht hinter mir. Es war, als ob wir in einem Tunnel marschierten. Bei jedem Schritt trat man in Schmutz und Pfützen, in Löcher und Furchen. Kein Lichtschimmer erhellte unfern Weg, die Finsternis war absolut. Endlich blieb unser Junge stehen und faßte mich am Arm. Hier drüben ist das Haus, flüsterte er. Ich blickte mich um, konnte aber nur ganz ungenaue Umrisse von einem Gebäude sehen. Geräuschlos folgten wir unserem wackeren Führer bis an eine große verschlossene Tür. Das ist die Pforte, wo mir das Mädchen den Zettel gab, sagte er'ganz leise. Hier müssen wir drüber. Kaum hatte er dies gesagt, so kletterte er cntcf)1 schon an dem eisernen Gitter empor, ich hinter ihm her, und zuletzt folgte Mortimer. Unsere gymnastischen Uebungen während der Universitätszeit kamen uns in diesem prak- tischen Falle außerordentlich zu statten, so daß wir ziemlich unbeschädigt auf der anderen Seite anlangten. Der Boden war dicht mit Hecken und Sträuchern bewachsen. Das Gebäude war imnrer noch nicht genauer zu unterscheiden, kein Lichtstrahl noch zu sehen, kein Leben zu hören. In dieses Haus einzubrechen, schien mir wie ein Einbruch in ein Grab. Ich schauderte. Sollte sich der Bursche nicht doch geirrt haben? Aber er machte einen ehrlichen Eindruck, und, ehe ich mich lange besinnen konnte, ergriff er meine Hand und führte mich nach der Rückseite des nn- heimlichen Gebäudes. Tort sahen wir zu ebener Erde ein erleuchtetes Fenster. Lautlos schlichen wir uns heran. Den Anblick, der sich mir hier bot, als ich vorsichtig meinen Kopf über die Fensterbrüstung erhob, werde ich mein Lebtag nicht vergessen. In einem kahlen öden Raum, von dessen Decke an verschiedenen Stellen die Tünche herab- gefallen war und von dessen Wänden die Tapeten in Fetzen herunterhingen, stand ein roher Tisch mit einer einzigen Kerze darauf. Ein paar alte Küchenstühle und ein elendes Bett in einer Ecke bildeten den Rest des Mobiliars. Auf einem Stuhl saß ein hageres, blasses, rothaariges^ Mädchen, wie es der Junge beschrieben hatte. Ich erkannte in ihr sofort unser früheres Dienstmädchen Eliza wieder, die uns so plötzlich unter der Angabe, ihren kranken Vater pflegen zu müssen, verlassen hatte. Dann aber stand mein Herz still. Auf der Pritsche in der Ecke entdeckte mein Auge ein totenbleiches Frauenantlitz. Ohne der eigenen Lebensgefahr zu gedenken, sprang ich auf. Ein Druck gegen das Fenster, ein Satz und ich stand in dem unheimlichen Zimm-». Im nächsten Moment war auch Mortimer schon an meiner Seite. Er hatte gerade noch Zeit, die Stubentür zu verriegeln, und ich konnte nur einen flüchtigen Blick auf die leblose Gestalt auf dem Bette werfen und mich überzeugen, daß es wirklich Marcella war — meine heißgeliebte Marcella, als es heftig an die Tür pochte. Rasch ans Fenster, Ted! rief mir Mortimer zu. Ich halte die Tür hier besetzt. Kaum hatte er diese Worte gesprochen, so krachte auch schon ein Schuß. Ein brennender Schmerz in meiner Schulter sagte mir, daß ich getroffen war. Ich beachtete es jedoch nicht, sondern stürzte meinem Angreifer entgegen. Ebe er sich über das Fensterbrett schwingen konnte, sank mein Todfeind von meiner Kugel tödlich getroffen zurück. Aber auch CHarley war währenddessen nicht müßig gewesen. Durch einen sicheren Schuß hatte er den einen seiner Gegner schwer verletzt und den anderen in die Flucht geschlagen. (Fortsetzung folgt.) Bilder aus dem Volks! den zu Alsfeld im Mittelalter. (Schluß.) Da s Gerichtswesen. Am besten sind wir unterrichtet über das Gerichtswesen, steht uns doch da ein zwanzig Jahre umfassendes Protokollbnch zur Verfügung. Tas Gericht tagte im Jahre dreimal zu den sogenannten Un- geboten (judicia non mandata, Plebiscita), zu Neujahr, Walpurgis und Michaelis. Dazwischen aber wurde es je nach Bedürfnis zusammengerufen, als Kaufgericht auf Kosten der Parteien bei Heu Ungeboten trug die Stadt die Kosten, die für Wein und Speisen aufliefen. So trat das Gericht 1455 19mal, 1456 18mal, 1457 16mal, 1458 17mal zusammen. Es tagte schon im 15. Jahrhundert im Rathaus. So legte ein Beklagter seine Beweisstücke 1471 „vor in das rathus und vor die benke". Wann es den Marktplatz verlassen und das Rathaus als Tingstätte erwählte, darüber fehlt jeder Anhalt. Aber auch in der Pfarrkirche treffen wir einmal das Gericht. 1454 Nov. 29 (in vigilia beati Andreae) klagt ein Geistlicher vor dem Gericht, das sich in diesem Falle zu- sammensetzt aus Pfarrer, Schultheiß, Bürgermeister, Schöffen und Rat. Es ist der einzige Fall -dieser Art in dem Gerichtsbuch. Vorsitzender des Gerichts ist der Schultheiß, vielfach ein Adliger, aber andere auch aus bürgerlichem Geschlecht, vom Landgrafen ernannt. Ab und zu begegnet aber auch der landgräfliche Rentmeister als Vorsitzender neben dem Schultheißen. Tie Schöffen wurden aus den adligen und bürgerlichen Geschlechtern der Stadt durch'Ergänzungswahl auf Lebenszeit erkoren; nach der Verfassung! von 1429 wurde der Rat, der vorher eine besondere Verwaltungsbehörde neben den richterlichen Schöffen war, mit dem schoffen- kollegium vereint. _ , Allerlei Sachen kamen nun vor Gericht zur spräche, wen breitesten Raum nahmen die bürgerlichen Sachen ein. Wer eine Forderung an einen anderen hatte, der konnte! ihn vor Gericht laden; da erkennt er seine Schuld an und verspricht Zahlung. Zahlte der Schuldner nicht, so mußte der Kläger die schössen fragen, was er tun solle. So lesen wir z. ;B. 1472 Dez. ,16. (quarta post Lucie): „sintdemalen Henne Hohman Henne Bechten vor gerichte vorflichtig wordin ist, wo he een ankomet in dissem,gerecht, kan he den schul- 667 teilen gehabin, so sal He den nemen, so Ije en nicht gehabin kau, wen He den ansprichet von Burgern, die sollen ent dazu Helfen und mit dein halse griffen; und so He en gegriffen,fj-ette, heil Henne Bechtin forter gefaget, wie he sich mit ein haldin sulde? Han wir forter getoifet: nachdem he unserem gnebigert Herren und dem geeichte vorflichtig worden ist, das He und, wer em dazu beholfen ist, een zu dorne und gefangnisse setzen uf fine kost an (ohne Bet' stad schaden." — Hatte ein Schuldner für seine Schuld ein Unterpfand gesetzt, so musste dies bei Nichtzahlung ,gekontert" werden. Dreimal mußte der Gläubiger beit „Konter" einlegen. Tann gab ihm das Gericht auf seine Frage, was er weiter tun solle, die Erlaubnis, bas Pfand an sich zu ziehen. Neben den Schuldsachen Brachte dem Gericht die Vernehmung von Zeugen zu irgend einem Zweck manche Arbeit. War jemand in irgend ein böses Gerücht gekommen, so konnte er sich vor Gericht davon reinigen. Sv kam 1454, Oft. 4. (sexta post Michaelis) der Scherer und sagt, er sei „heymelichin berichtigt, wie das he solle gelt Haben von eyme bedeler, der vor ziden bie im gewest ist; hait he begert, wie He des sich entledigen solle. Han wir gewisen: he solle di hende uf die heiligen legen und behalden zu den heiligen, das he solichs unschillig sei; bas he bau also getan hait". — Ein ander- inal hat „Peter Koster entledigt und mit liplichen fingern uf bie heyligen behalden und gesworen, das he . . . mit Katherin, Coutzin Fingken tochter, keynerley zu tun gehabt habe, das ir er ere und magetum genemen mochte". 1456, Juli 9. (quarta post Jacobi). Am selbe« Tage legte man dem Pfarrer auf, er „sol oerneynen, das im nicht wissetlich sie, das he die Termen mit den elenbogen gestoßin habe". Oft waren es schwierigere Rechtsfragen, die die Schöffen zu lösen hatten. So kommt 1455, Nov. 26. (quarta post Katarine) Konrad Sinning und fragt bie Schöffen um Rat, was er tun könne mit einer Scheuer im „Sueppenheyn", die er mit Ganerben in Grünberg gemein hat; er schon schon früher, weil die Scheuer baufällig war, au die Ganerben durch das Gericht schreiben lassen, sie Möchten die Scheuer mit ihm Herstellen. Da bie Ganerben dies nicht taten, gaben bie Schöffen ihm bie Erlaubnis, die Scheuer allein herzustellen. — 1473, Jan. 29. (sexta post conv. Pauli) werden die Schöffen gefragt, ob eine solche Rechtsordnung gültig sei, wie sie ein Vater bei der Hochzeit eines Sohnes traf; er sagte zu dem pingen Paar: „daz alle kyude, bie sie mit eijnanber haben mochten, und ze gerctjbe (gerade) Helte, sollen uyn kyut sein" (also gleiches Erbrecht haben). Eine Antwort barauf ist nicht im Gerichtsbuch; vielleicht wußten bie Schöffen selber keine. Fest war int alten deutschen Recht das Besitzrecht der Familie verankert, und zumal der Grundbesitz der Verfügung des Einzelnen, besonders der Witwe, entzogen. Darum musste z. B. eine Witwe, die ihre fahrende Habe aufgezehrt hatte, bei Gericht sich erst Erlaubnis holen, ehe ihr gestattet wurde, Grundbesitz zu verkaufen. (1467, Juli 22., „uf senke Marien Magdalen tag"). — Ein andermal fragt eilte Witwe, Katherin Hultzschers, au, ob sie ein Testament machen dürfe „vor ir feie hehle und ir huswirts feie". Ties wird ihr erlaubt, doch nur von der fahrenden Habe, von dem Erbe „nur mit lobe und willen der erben". (1473, Juni 2. feria quarta post Dominica Exaudi.) , An Strafsachen kamen vor dies Stadtgericht nur kleine Sachen. Größere, peinliche Fälle kamen vor ein besonders zusammengesetztes Gericht. Daß Alsfeld den Blntbanu hatte, bas zeigt ja der Galgen. Wenn dieser durch häufige Benutzung baufällig geworden war und neu errichtet werben musste, so hatten sich alle Bürger zu beteiligen,, damit nicht an betten, die Hand ans Werk geleat hatten, ein Makel klebe. Tartmt lesen wir 1472, Novbr. 13. (sexta post Martini): „Sale Contze Hosemamt verbussen bie Hoeste buffe unferm Herren und der stab, daz he ungehorsam gewesen ist, zu heben den galgett". — Was sonst an das Gericht kam, waren nächtliche Ruhestörungen, Schlägereien, Beleidigungen und bergt. Dabei war, wieder ein echt' deutscher Zug, das Haus besonders geschlützt. So klagt 1473 (quarta post Invocavit): „Claus Store, daß Koler Henne in (in hus und vier wende gelaufen und eme homudeche Worte getan, daz eme an- gehe er und gelyntp". Ta galt sogar eine kindliche Schlägerei für Ernst. Ter „Kopperfmed" muß es verbüßen, daß sein Sohn des „Tylen Smede khnde so voiglichen in fincn vier wenden ge- worffen hat". Sehr ernstlich wusste das Gericht feine Würde zu wahren, jpenn einer es wagte, diese anzutasten. So soll 1471, Nov. 20. (quarta ante Katharine) „Henne Wehner der alte" die höchste Buße entrichten, weil er meinte, als er zu seinem ^Rechte nicht kam: „die scheffen, der sind zu wenig, und eme nicht obir syn fache wesen". Ein Glück war es für ihn, daß er sich Herausreben konnte und seinen Worten die Deutung gab: „liebe schulteiß, ich Han faste swere fache zuverzeln; so sh der scheffen eyn teile nicht hye, bie ich gerne auch darbye Bette, den an bissem gerichte Han ich nicht ein genüge"; so ergibt er sich in das Urteil und bittet „um ehn frundlich Milderung". . Am meisten aber machten von Strafsachen dem Gericht bie nächtlichen Aufläuse zu tun. Es galt schon als straferschwerend, wenn etwas „bi nacht und bi nebel" geschah. So, wenn von „Peder, Aldenhenne Hossgarten sone", das Gerücht geht, er habe des „Sterzen floefter sone bie nacht und bi liebel eyn schände in syner haut mit eyn rnesser entzwey gehauwen". 1473, März 17. (quarta post Reminiscere). Und als sich erfindet, daß „Rubeland by nacht und bi nebel eyn heilalle geschrey nach nune utoern mechte", mußte er das mit der höchsten Buße verbüßen. Wie es bei einer folchen Schlägerei zuging, berichtet uns anschaulich „Contze Sickelyn" in einer Zeugenaussage gegen den alten Wehner, der „Heyntzen Kigk uf ebnen arme geflogen" hatte. Er erzählt: „ich Han gesessen in Bertolts hus mnd in syner fftoben gesessen, du horte ich eyn geschrey — (ein anderer sagte „ebnen galp als ebnen frauengeschrey" — und sprach ich: rneyn, bie gesellen Tonten itzuut von dem wyne; als horte ich anbertoerbe ehn heil all e- geschreb mit nanten „burgerrecht", da liff ich lhynußen und suchte in Bertholts hus ezwas yn bie hende. da enkonde ich nichts' synden und liff heyme in mbn hus, da lwosste ich ebnen knottel hyndir der tor stehen, den natne ich zu henben unb liff uff bie gossen, da sprach der Weyner: was geschreis macht ir hie? iuarumb gehet ir nicht heym? daz uch das falobil (FallübelEpilepsie) angehe." (1473, März 10. und Nov. 6. quarta post Invocavit und septima post Omnium sanctorum). > Vergnügungen. Wir sind damit schon zu den Vergnügungen des Volkes gekommen, wenigstens zu ihren Folgen. Essen unb Trinken spielte da die Hauptrolle. Bier brauten bie Bürger unb auch die Adligen bie Reihe um, unb wer gebraut hatte, ber schenkte auch aus. So beginnt eine Zeugenaussage 1471, Mai 31. (fritage nach octaven Ascensionis): „es habe sich gemacht, daz Fritze Moller hat hier geschanket; so fbn wir da zu deine shier gewest, also Han sie etzliche fische zu syden". 1 Aber es gab auch besondere Wirtshäuser. Eine Wirtshausszene gibt ein anschaulicher Zeugenbericht (1473, MärzstO. quarta post invocavit): „Coiieze Hoffgarten quante in Barben Clans Stören husfrau hus gegangen, du spräche die fraue: du solt nicht in myn hus gen, du gehest uf keyn gut dir inne, baruf antwort Contze: daz du bas falobel hektest; warumb sale ich nicht in dhn hus gehn? bü hastu doch eyn offen taberne mnd en denzehms, >da gehen huren und buben us und inne, du sprach bie fraue: das fatobef habe dir! daz lugeftu als eyn schall, du sprach Contze: bu lugest als eyn hure, und habe ufgehaben syn haut unb habe sie geflogen in ir niule." — Ob der Ton im städtischen Weinhaus feiner war, darüber sagen uns unsere Urkunden nichts, wohl aber darüber, daß schon im 14. Jahrhundert jeder Kauf, gebe, Arbeitsverdinguug mit Weinkauf geschlossen wurde, unb daß bei jeder Gelegenheit! im Frieden unb im Kriege bie Stadt jan Weinspenden nicht kargte. Ein besonderes Vergnügen des Mittelalters war das Baden. Schon in der ersten Stadtrechnung erscheinen auch Ausgaben für die Babestube. Eine Bodestubeuszene soll nun auch bas Ende unserer Bilder aus dem mittelalterlichen Volksleben machen. 1457, Nov. 4. (sexta post Omnium sanctorum) führte Wernher Eschen- berg eine Kundschaft vor, bestehend aus Heu Schigkerod, Contze Kesseler unb Henne Foyl, bie folgende Angaben machen: „sie für gewest in ber badestouben, dar habe Wernher gelegen uf der bang unb habe gesprochen widder bie Hepensteyn, daß sie em eyn bat brengc. des brechte sie em kalt wassir; bu spreche he widber siet das dich ehn böse jar angehe, das wofsir ist kalt, breng mir warm wassir. des ging sie unb brechte ebnen (stuntz wassirs, ob ber heyß abir kalt ivere, bas wüsten sie nicht, bau Wernher siege von der! bang und spreche: das dich eyn Hose gar angehe, will du mich ver- burnen ? unb singe sie mit ebnet flachen haut uf ir schulker. das Betten sie gesehen unb nicht mce." Wir wissen nun zwar noch mehr vom Volksleben unserer! Vorfahren int Mittelalter. Was wir sahen, bas waren mehr die derben Seiten, wie sie uns in Hans Sachsens Fastnachtspielen entgegentreten. Um ein rechtes Bild zu gewinnen, müßten wir vor allem das kirchliche Leben schildern. Hat sich 'doch auch in unserer Stadt ein reiches kirchliches Leben entwickelt. Unb unsere Urkunden, auch die gerichtlichen, lassen uns wohl manchen Blick tun in das innere Leben des Volks. Wir sehen es zum Ablaß nach Trepsa wandern, wir beobachten, wie sie die Sonntagsruhe schützen, und manches andere. Aber das würde zu viel Raum beanspruchen. Ein lebhaftes, arbeitssrohes, kräftiges', wenn auch derbes Volk hat Hier gewohnt, so zeigen es unsere „Bilder aus dem Volksleben des ausgehenden Mittelalters". Dr. B, Mettwüröige Leckerbissen. Eine k u l i n a r t f clj e Plauderei. Es hat zu allen Zeiten, selbst bei zivilisierten Völkern, eine bc’o tere Physiologie des Geschmackes gegeben; sollen doch sogar ui s e Vorfahren, wenn sie nichts Besseres hatten, hin und wieder Eimein gegessen haben, was zmn mindesten recht billig war. Indessen bürden noch heutigen Tages so manche exotischen Leckerbissen viele europäischen Feinschmecker auf den ersten Blick ab« schrecken. Von allen der Kultur näherstehenden außereuropäischen Völkern kommen wohl bei den Chinesen die eigenartigsten Speisen vor. Eins der Lieblingsgerichte der Chinesen ist das Hundefleisch. Tie jungen Hunde werden gemästet und sollen, wenn sie gut gereinigt und zubereitet sind, selbst von einem Europäer ohne Widerwillen genossen werden können. Auch Katzen sind dort eine vom Feinschmecker sehr gesuchte Speise. Weniger verständlich wird es dem Europäer sein, daß die unteren Volksschichten besondere Vorliebe für Rattenbraten zeigen. Haifischflossen, Suppen aus 668 Schwalbennestern, Schnecken, Seeschnepsen und säst alle Tiere, aus denen sich Gelee bereiten läßt, sind auf der Tafel des Reichen alltäglich. Auch unter den vegetabilischen Nahrungs- und Genußmiiteln gibt es recht eigenartige Erscheinungen. So wird beispielsweise von den Neu-Hollandern das sogen, „native bread“ gegessen, ein „Brot", das nicht einmal des Backens bedarf. Es ist ein ohne jede Zubereitung direkt genießbarer, mehrere Pstmd schwerer Pilz, Mylitta anstralis, der einen ausgesprochenen Brotgeschmack besitzt Ebenso läßt sich als Natnrbrot die Rinde der in Afrika wachsenden Dumpalme bezeichnen. Sie ist inehr als fingerdick unb schmeckt süß wie Nürnberger Pfefferkuchen, daher auch der Name „Psefferknchenbanm". Tie Lieger pflegen die Rinde sofort zu essen, ohne irgendwelche Verdauungsbeschwerben zu verspüren. Daß aber selbst Erde gegessen ivird, dürste nicht jedem bekannt sein. Blanche Erdart soll sogar eine ganz vortreffliche Eß- ware darstellen. Man findet Erdesser seit den ältesten Zeiten in China, in Sibirien, in Siam, in Java, in Sumatra, in Persien, in Indien. Zu den eßbaren Erden gehört z. B. die fette Erde, welche nach dem Bericht A. von Humboldts die am Orinoko wohnenden Ottomaken verzehren. Ter Hauptbestandteil dieser eßbaren erdigen Blassen sind lebende oder versteinerte Spaltalgen (Bacillariaceen), wie sie in dem sogen. Bergmehl sich finden. Sehr verbreitet ist der Brauch des Erdesseus aus dein bolivischen Hochland. Hier ist es eine leichte weiße Tonerde, die in der Nähe von Oruco gegraben wird und tut Nymara den Namen „phasa" führt. Sie wird entweder roh gegessen oder geschlämmt und ztt Figuren «Töpfchen, Krügen, Dlonstranzen, Heiligen und bergt.) geformt. Diese Artikel werben auf bem Alarkte verkauft unb besonders von der indischen Bevölkerung zur Bereitnng einer Art Sauce gebraucht und mit gesottenen Kartoffeln gegessen. Atißerdent kennt man das Erdessen bet bett Negern von Guinea, aus dem indischen Archipel und an anderen Orten. Eßbare irdene Krüge werden in Portugal gefertigt; man nennt sie „Bilhas de Barro“, spanisch „Bucharas“, und die Frauen des Landes betrachten sie als einen tvahren Leckerbissen. Diese Verirrung des Nahrtmgstriebes soll übrigens keine nachteiligen Folgen zeitigen. Wie schon erwähnt, sind indessen Absonderlichkeiten des Ge- schntacks nicht alleitt bei exotischen Völkern zu finden, sondern auch mancherlei merkwürdige Gerichte aus der Tafel europäischer „Fein- schmecker" sind geeignet, bet Leukctt mit normalem Geschmacks- empfinden bedettkliches Kopsschütteln ztt erregen. So brachte am Hoie des atts Schillers „Jtmgfrau von Orleans“ bekannten Karls VII., der mit der schölten Agnes Sorel glänzende Feste auf- führte, ein Koch namens Talleyrand eigeitartig kompoitierte Gerichte auf die Tafel, z. B. Igel itt Orange gebraten, Reiher, mit Federn bekleidet, in attfgerichleter Stellung serviert, Störe itt Essig gekocht, Hühner, ganz in Zttcker eingemacht, Apfelsinett in Speck gebraten unb bergl. mehr. Der Kuriosität halber sei hier noch erwähnt, baß ber Koch des Fürsten Katmitz itt Wien, rote der Küchen- schriststeller Dr. Kiese erzählt, für bett Hof des Fürsten eittmnl eilt Ragout hergestellt hat — aus den zerschnittenen Sohlen von einem Paar alter Reitstiefel, welche er durch Essenzen und Beizen erweicht und durch eine Sauce, bereit Geheimnis er mit in das Grab nahm, zu einem Ragout verband. vermischtes. kf. Schwämme aus Papier. Jedermann kennt die künstlichen Schwämme, die aus Gummi hergestellt werden. Ihnen sollen nun, wie die „Annales" melden, in Papierschwämmen Nebenbuhler erwachsen. Papierteich, so wird ihre Herstellung geschildert, wird mit Zinkchlorid in einen schleimigen Brei verwandelt, der durch Zusatz von Kochsalz und hierauf folgendes Spülen mit Alkohol zu einer Masse wird, aus der schwammähnliche Gebilde durch geeignete Formen gepreßt werden. Diese Papierschwämme sollen den Vorzug haben, im Wasser völlig unverändert zu bleiben. Sie lösen sich nicht auf, faulen nicht und sollen an der Haut angenehm sein. Wenn sie nebenbei auch geruchlos wären und im Laufe der Zeit nicht bröckelig würden, tote es bei Gummischwämmen der Fall ist, wären sie diesen überlegen. * Das Gebet der Jungfrau. In einer Gesellschaft von Musikern erzählte rn New York kürzlich Walter Darnrosch eine komische Geschichte aus dem Leben. Es handelt sich um einen sehr schüchternen, nicht mehr übertrieben jugendlichen Junggesellen, der viele Monate hindurch einer jungen Dame den Hof Machte und doch nie den Mut fand, bett entscheidenden Schritt Sh tun und um sie anzuhalten. Eines Abends führt er die heimliche Königin seines Herzens, die sehr musikalisch war, in ein Konzert. Die Kapelle spielte gerade Nr. 6, das Stück gefiel dem Junggesellen außerordentlich, er beugte sich über seine Be- gleitenn . und flüsterte: „Wie entzückend ist das doch! Wie heißt dies Stuck, kennen Sie es?" Die junge Dame lächelte und "UNU antwortete sie leise, aber eindringlich: Es ist das „Gebet der Jungfrau". Und dabei reichte sie ihm das Pro- gramm und deutete mit dem Zeigefinger auf Nr. 6. .Der zögernde Lrebhaber nahm das Programm, las und wurde sehr schweigsam. Nr. 6 war der MendelssohnM H o chzeits marsch. Am nächsten Tage faßte der schüchterns Hagestolz all seinen Mut zusammen und kaufte den Verlobungs- rtng, _ mit dessen Hilfe dann die Kluft zwischen dem Gebet der Jungfrau und dem HochzeitsMarsch endgültig überbrückt wurde. . * Unmöglich. 'Hausfrau: „Auf den Möbeln liegt wieder w viel staub, daß Sie Ihren Namen hineinschreiben tonnen,- Marte! — Stubenmädchen: „O nein, gnädige Frau." ~7. Hausfrau: „Doch, Marie, wenn ich es sage, dann können ®te. Stubenmädchen: „Wirklich nicht, gnädige Frau. Ich kann ja gar nicht schreiben." Büchertisch. — Uhlands Werke, in drei Teilen herausgegeben, mit Einleitungen und Anmerkungen versehen von Adalbert Silber- mann. Goldene Klassiker-Bibliothek, Deutsches Verlagshaus Bong u. Co.>, Berlin. —• Am 13. November ist Ludwig Uhland fünfzig ^zahre tot. Die Zeit scheint einem! viel zu kurz, nicht weil seine Werke veraltet wären, sondern weil Uhland von jeher mit allen Tiefen deutschen Wesens verwachsen scheint und man ihn sich nicht Hinwegdenken kann. Die Ausgabe enthält die Gedichte vollständig, mit Einschluß sämtlicher Nachlaßgedichte, die beiden vollendeten Dramen nebst einer reichlichen Auswahl der dramatischen Entwürfe, endlich Prosaschriften. Erwähnen wir noch, daß das Werk, in zwei Leinenbände gebunden, nur 1,75 Mk. pro Band kostet, so dürfte klar sein, daß das Verlagshaus uns eine echte Volksausgabe geschenkt hat. , — Meister-Novellen neuerer Erzähler. Bd. 8. mit Bildnissen und Einleitung von Richard Weitz. Leipzig, Hesse u. Becker Verlag. Auch in diesem Bande sind anerkannte Meister und Meisterinnen der Erzählungskunst mit solchen vereinigt, dis noch im Wettkampfe nach oben streben. Wilhelm Jensens Magister Timotheus, Fon tau es Karrenschieber — weniger sein „letzter Laborant" — zum Teil auch Ferdinand von Saars Steinklopfer gehören von den alten Meistern in diese zweite Gruppe, die künstlerisch voM Mettschenleid und vom Leben im Schatten erzählt, von den Neueren Havemanns feine Stimmungsbilder „Weiden" und „Schnee", D o r a D u n ck e r s Sturm, z. T. auch Strobls Teppich mit seiner angreifenden Tragikomik ; Hermine Billingers eherne Glocken sind wenigstens dem Stoffe nach dazu ztt rechnen. Auf der Grenze steht des! Schweden Gustav af Geifer st ams „gelbes Haus", das in bewunderungswürdiger Technik psychologisch tief grabend „die Beichte eines Thoren" gibt; auch der Humor der Thüringerin Martha Renate Fischer in den schreienden Hirschen und dem kleinen Napoleon ist etwas gedämpft. Für sich stehen Ossip Schubins märchenhafte feinsymbolische Erzählungen „Das Wunder" und „Tie Hoffnung". Eine lebensfreudige Grundstimmung in romantischer Einkleidung zeigt sich in Adolf Sterns „Et ego in Arcadia", und glänzender italienischer Sonnenschein liegt auf E. von Wolzogens versetzter Heiligen. — Belhagen u. Klasings Volksbücher. Man muß immer von neuem staunen, was für vortreffliche Bände der Verlag von Belhagen u. Klasings Volksbüchern für den billigen Preis von 60 'Pfennigen in die Welt sende. Da haben wir neuerdings eine Monographie über J>en Königsberger Maler Ludwig Dett- mann, die Dr. Franz Deibel, einer unserer begabtesten und modernsten Kunstschriststeller, verfaßt hat und die in ausgezeichneten Reproduktionen auch bildlich eine klare Vorstellung von bem- Schaffen des Meisters vermittelt. Die der Erdkunde gewidmeten Volksbücher werden.durch die lehrreiche und unterhaltsame Beschreibung des Nordpols und seiner Entdeckungsgeschichte von Gustav Uhl und die anmutige Schilderung Nürnbergs durch Dr. Paul Joh. Roe vermehrt. Ein kräftiges Bild des Großen Ku r- s ü r st e n entwirft T-r. Wilhelm Steffens. An den F a u st wagt sich mit Glück auf diesem immerhin beschränkten Raum ein so vortrefflicher Schriftsteller wie Karl Strecker. Skat-Aufgabe. Mittelhand spielt Coeur-Solo mit folgender Karte r Das Spiel wird verloren, obgleich noch ein Trumpf im Skat liegt. — Wie war die Kartenverteiltmg unb ber Verlauf des Spieles? Auflöitmg in iiuüjiter Nummer. Auflösung des Räliels in voriger Nummer: Unterwalden. Redaktion. K. Neurath. Rotationsdruck unb Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- unb Steindruckerei, R. Lange, Gießen,