19(2 - Nk. (32 a W i> ! MIN ZsiiUWW M Sommerleutnants. Roman van Walter Bloem. Copyright 1910 by Orethlein & Co. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Der zweite Walzer ging zu Ende . . . Cäcilie stnd Martin hatten kaum sprechen können während des Tanzes . . . tief aufatmend machten sie Rast. Cäcilie schob die Fingerspitzen in Martins Arm . . . Keines wagte, das ändere anzuschauen; beide fühlten, der letzte Augenblick des Beisammenseins war nahe. „Morgen früh werd' ich die Ehre haben, Ihnen meinen Abschiedsbesuch zu machen, gnädige Frau!" „Den erlaß ich- Ihnen, Herr Flamberg — Sie würden mich nicht treffen ... ich reise schon morgen früh ! — Soll ich Ihnen sagen, wohin —" „Ich bitte darum!" „So, Sie wissen also noch nichts? — Mein Mann hat Ihnen noch nichts erzählt?!" „Ich habe keine Ahnung!" „Wir haben vor drei Tagen ein Gut gekauft... in der Nähe von Simmern. . ." „Was — auf dem Hunsrück?" — und unser Manöver „— entwickelt sich zwischen Simmern und Birkenfeld — ich weiß wohl! — Ich nehme da oben meinen Sommerfrischensitz ... die Sassenbachschen Mädels nehme ich mir zur Gesellschaft mit . . . Das Korpsmanöver ist in unserer Nähe ... ich habe die Dislokation bereits studiert . . . wir werden einmal zu Ihnen ins Biwak hinauskvmmeu,. . . und vielleicht reiten Sie an einem Ruhetage mal zu uns hinüber. . ." Martin konnte nicht sprechen. In jähem Entzücken und ahnungsvollem Schreck zugleich- taumelten seine Gefühle — Auf der Heimfahrt vom Urlaub hatte er abgeschlossen . . . es sollte ... es würde ja zu Ende sein am zweiten September ... Er würde sich alsbald nach der Uebung zur Landwehr versetzen lassen, würde Frau Cäcilie von Brandeis Niemals Wiedersehen . . . Den einen Abend nocfy unter den Augen des ganzen Regiments... da würde man schon Fassung bewahren können . . . dann Montag nach dem Dienst mit dem Hauptmann nach Hause... ein korrektes, liebenswürdig heiteres Abschiedsgeplauder unter den Augen des Gatten ... und dann . . . ade! . . . ade für ewig! Agathe wartete ... ihr gehörte all sein Sehnen . . . jede Sekunde im Banne der schönen Frau War Verrat an dem geliebten Mädchen ... Also Schluß! . . . endgültig Schluß! Und nun--?! . . . Schicksal, nimm deinen Lauf —! „Kommen Sie, Herr Flamberg . . . notf) ein paar Takte . . . gleich ist's zu Ende Hauptmann von Vr and eis stand in der Tür des Rauch- zimmers, die Zigarette zwischen den Fingern, und sah schmunzelnd in das Gewühl des Tanzes hinein... ssin srisches, glückliches Lächeln lag auf seinen Lippen . . . Die Königin des Festes ... ja, das war sie. . . seine Cäcilie . . . Die andern Danren . . . welche von denen war denn auch nur von toeitem mit ihr zu vergleichen! Und wie sie tanzte . . . Selbst die ältesten Stabsoffiziere machten gute Figur mit ihr . . . Die alten Herren waren wie elektrisiert, wenn sie die federleichte Gestalt im Arm hielten . . . angesteckt von der rhytmischen Energie, die ihre Glieder durchpulste . . . Und wenn sie förmlich einen Meistertänzer wie diesen Flamberg gesunden hatte . . . den beiden zuzuschauen, das war ja wirklich- ein ästhetischer Genuß . . . Ueberhaupt dieser Flamberg! . . . Doch direkt ein begnadeter Mensch! — Stammte er nicht aus ganz dürftigen Verhältnissen? — Freilich . . . aus einem Pfarrhause! — Gewiß waren seine Eltern fciugebildete Leute gewesen . . . die gute Kinderstube! So was ist nicht nachzuholen und! nicht nachzuahmen . . . aber zur Gesellschaft im eigentlichen Sinne hatte er nun doch mal nicht gehört — und wer merkte ihm das heute noch an . . . ein genialer Künstler, eine repräsentative Persönlichkeit, und dabei so'n famoser Kerl — selbstbewußt — natürlich! Na, das gehörte sich auch so! Aber dabei so einfach ... so ohne' Prätension . . . und Ehrenmann vom Scheitel bis zur Sohle . . . Solche Reserveoffiziere sollte man mehr haben im Regiment! Andere Nummer als diese Windhunde, die Herren Dormagen und Klocke, diese Säbelraßler und Uniform-! fatzken! Höchst erfreuliche Aussicht, in so angenehmer Gesellschaft die drei Manöverwocheu zu verbringen. . . und wie reizend, daß nun auch Cäcilie in der Nähe war und auch noch ein wenig von der Gesellschaft des Malers profitieren würde, der ihr ja offenbar sehr sympathisch war. Schade, daß er und seine Zukünftige nicht in der Garnison wohnten; das wäre so recht ein hübscher Verkehr gewesen, die zwei. Cäcilie hatte unter den Damen des Regiments' noch immer nicht den rechten Anschluß gefuudeu ... die junge Braut, das müßte nach Flambergs Beschreibungen ein Umgang für sein anspruchsvolles Weib gewesen sein . . . Na,man würde eben bald nach Düsseldorf hinüberfahren und die jungen Leute int eigenen Heim aussuchen . . . Ach ... das Leben war do chschön, wenn inan ein bißchen Dusel hatte! — der freilich gehörte dazu . . . na, und über Mangel au Dusel hatte Fritz Brandeis wahrhaftig nicht zu klagen . . .( „Glänzende Tänzerin, Ihre Frau Gemahlin!" klang's da plötzlich neben ihm. Oberleutnant Menshausen, das geleerte Likörglas in der Hand. Komisch . . . wenn der Mensch auftauchte, immer hatte mau so ein fatales Gefühl. . . Was war's doch gewesen? — Ach so, seine läppische Bemerkung damals. . . Wanst doch? — — ah, als die Reserveoffiziere einrückden, . . , haha! — Damals hatte er selber,, Brandeis, davon ge- 526 sprechen, daß er wünsche, Flamberg solle Cäcilie malen . . . und mm war das Bild bereits fertig. . . „Ja, ja, sie tanzt ausgezeichnet!" sagte er mechanisch. „Und wie sie bei der Sache ist! — wenigstens wenn sie mit Herrn Flamberg tanzt--!" „--Wieso — ?" „Ach, ich — ich meinte nur so —!" „So?! — Sie meinten nur so! — Ich hatte das Gefühl, als ob Sie sich! über irgend etwas. . . wunderten!" „I mich wundern? — Nein, das nicht . . . sondern . . „Was?! — was, wenn ich bitten darf?" „D — ich — es ist mir allerdings ausgefallen, daß die gnädige Frau dcnr Herrn von der Reserve gegenüber — so überaus — liebenswürdig ist! Das ist allgemein bemerkt worden." „Die Herren von der Reserve haben ihr Patent von Majestät genau so gut wie wir!" „Selbstverständlich, selbstverständlich!" „Nun also?!" „Immerhin — sie gehören doch nicht zum engern Kreise des Regiments." „Herr Flamberg ist ein Freund meines Hauses." „Ach so — ein Hausfr--ein Freund Ihres Hauses. Verzeihen Herr Hauptmann meine Neugierde. Nun weiß ich ja Bescheid. Haben Herr Hauptmann schon einen Schnaps genehmigt! Nein? Ordonnanz! einen Benediktiner für Herrn Hauptmann!" „Ich danke! Ich habe kein Bedürfnis." „Nicht? Dann bitte ich! um Entschuldigung — meine Pflichten als Kasinovorstand- . . ." „Bitte, lassen Sie sich nicht störew!" --Was war das gewesen? Was für ein Mißton — was für ein häßlicher Hauch war da herangeweht? Die gnädige Fran so überaus liebenswürdig gegen den Herrn von der Reserve — das ist allgemein ausgefallen! Herrgott, war der Kommißtratsch denn schon wieder am Werk? Und an Cäcilie wagte sich das heran, an seine Cäcilie? H-immel- bombenelement! Wo war sie nur? Schau — da schwebte die weiße Gestalt hin — wie eine Krone umschloß das braungoldene Haar die weiße Stirn — fest schmiegte sie sich an ihres Tänzers breite Brust — an Herrn Flambergs Brust — Wahrhaftig — vielleicht doch ein bißchen zu fest für die scharfen Augen, die spitzen Zungen der Sittenwächterinnen da hinten auf dem Drachenfels. . . . Und wie sie glühte ... er auch . . . Mein Gott, warum sollten sie nicht?! — waren sie nicht beide Temperamentsmenschen? fröhliche Genießer, die sich ganz Hingaben an den schönen, festlichen Augenblick. . .? Immerhin . . . ein wenig Rücksicht nehmen mußte man schon . . . wir kennen do ch- dies Klatschweib er gesindel . . . ob das Unterröcke trägt oder Hosen mit Stegen. . . Vielleicht . . . wäre doch, ein Wink der Warnung- an Cäcilie angezeigt . . . Achs Unsinn! Wozu ihv die Unbefangene Freude trüben —? Seine Cäcilie. . . er kannte sie doch! Und Flamberg! . . . Hand ins Feuer für be-n! Der Walzer klang aus. Quer burch den ganzen Saal, mit strahlendem Lächeln, schritt Fritz von Brandeis auf -das Paar zu, d-as eben glühend, schweratmend-, den Tanz beendet hatte. Und in heiterm Geplauder nahm er Cäciliens Arm und spazierte noch ein Weilchen mit iHv und Flamberg durch den Saal. Mochten die Klatschweiber M die Mäuler zerreißen! * Der Drachenfels hätte seine Wahrnehmung- bereits festgelegt. Und die war: Einige der Damen des Regiments hätten sich einer ^entschieden zu stärken Bevorzugung des nicht aktiven Elements unter den Herren schuldig gemacht. Auf der Bühne, wo vorher der Eintracht lieblicher Genius mit herzbewegenden Worten die stille Fried-enstätig- keit des Regiments Prinz Heinrich der Niederlande gepriesen, war nun der Areopag der -alten Damen versammelt. D-a thronte inmitten die Kommandeuse und handhabte -eifrig das Lorgnon; zu ihrer Rechten Frau von Sassenbach, zur Lenken Frau von Czigorski. Und- um die drei Säulen des Regiments hierum gruppierten sich! die übrigen Damen, ■ die Gattinnen der Podagristen -aus Pensionopolis . . . Nur ein einziges jugendliches Gesicht in ihrer Mitte, die Frau Hauptmann H-aller, eine sehr lebenslustige Frau von dreißig «ähren, die diesmal schweren Herzens auf die Fretlden des Tanzes verzichten mußte, da sie ihren- drei Buben noch ein Geschwisrcrchen bestellt hatte. Die rechte Flanke, wo Frau von Safsenbach saß, sprach nur von Fran von Brandeis; Was die Herzen der Gruppe außerdem bewegte, durfte mit Rücksicht auf die Majorin nicht zu Worte gelangen. Um so eifriger betuschelte dafür die linke Seite die allgemeine Beobachtung, daß Frau von Brandeis heute abend nicht die -einzige Dame war, die sich mit Vorliebe an gewisse Herren des Beurlaubtenstandes! hielt. » Schon bei Tische hatte man bemerkt, daß das ältere! Fräulein von Sassenbach sich- weit weniger um ihren Tischherrn bekiimmerte, den -ernsten und zielbewußten Regi- mentsadjutanten, als vielmehr um ihr Gegenüber, diesen unmöglichen Herrn von der Landwehr, dessen schwarzblaner Waffenrock mit den altmodischen großen Knöpfen, dessen riesige Ep-aulettes und dessen trikotartig knapp die h-agern Beine umschließenden Hosen -allgemeines Entsetzen erregt hatten. Ja, und kaum war die Tafel ausgehoben, da hatte sich Fräulein Nelly alsbald im Rauchzimmer eingefnnden und bei einer Zigarette mit dem merkwürdigen Bekannten weiter geplaudert. Dann allerdings war der Tanz in seine Rechte getreten. Der schien nicht die starke Seite des eingezogenen Herrn zu sein; denn er stand meist in der Tür des Rauchzimmers Und schaute durch seine riesigen Brillengläser mit behaglicher Betrachtung in das Gewühl des Tanzes hinein. Wer ihn aber genauer beobachtete, konnte wohl bemerken, daß sein Blick ein bestimmtes Ziel verfolgte . . . Nelly Safsenbach wanderte von einem Arm in den andern. Stets, wenn sie an Herrn Leutnant Frobenius- v-orbeistrich, flog -ein rascher, stiller Blick des Einverständnisses zu ihm hinüber. . . , — — Ja, Wilhelm Frobenius sah nichts als seine Retterin . . . War sie nicht just das Gegenteil -altes dessen, was er an Weiblichkeit bisher gekannt . . . und war sie nicht zugleich die Verkörperung seines erträumten Frauenideals?! Er hatte in der Literatur vor allem immer für die heroischen Mädchengestalten geschwärmt, wenn auch seine vielbewunderte stilistische Meisterleistung die Analyse der Gretch-engestalt war — sein Herz zog ihn vielmehr zu den ausgesprochenen Mannweibern der Dichtung. . . freilich im Leben war ihm dergleichen niemals begegnet. . . ach,, ihm waren überhaupt wenig Fr-au en gestalten begegnet ich Leben... Von den Damen des Regiments interessierte ihn, außer Nelly, nur noch eine, jene, von der sein Kamerad lurtbi Freund Flamberg ihm doch in einem Don -erzählt hatte,- aus dem .selbst ein noch naiveres Gemüt -als er hätte herausfühlen müssen, daß sie ihm mehr gewesen denn nur ein Modell . . . Frobenius verglich- die beiden Frauen beim Tanzen. Cäcilie legte sich weich und anschmiegend in des Tänzers Arm. Es schien ihr angenehm zu sein, wenn man sie recht fest und nahe hielt. Scheinbar willenlos überließ sie sich der Führung ihres Partners, tanzte ruhig, schwebend; ihre Füße schienen sich kaum zu bewogen. Nelly aber tanzte mit weitem Abstand, sehr selbständig, mit weit ausholenden Schleifern, wie um sich- auszutoben und auszutollen im Tanz. Wenn man sie so- sah. . . ihre Tanzwonne steckte an. . . man bekam Sehnsucht, sich von ihr hineinziehen zu lassen in diese Strudel, diese Wirbel, in denen sie sich tummelte wie ein los-gelassenes Füllen . . « Ach, es war Jahre her, seit Wilhelm Frobenius zuni lebten Male auf dem Professorenb-all das Tanzbein pflichtmäßig, aber Dhne Liebe zur Sache geschwungen. Damals hatte sich die alternde Tochter des Rektors und Dekans der philosophischen Fakultät lebhaft für den jungen, aufstrebenden Privatd-ozenten interessiert, und' manche mehr oder weniger zarte Llgd-eutung hatte ihm nahegelegt, er solle zugreifen und "seine Karriere sichern . . . aber die hoch-i sährende Nüchternheit des gelehrten Fräuleins hatte ihm ein Grauen eingeflößt. Er hätte sich sehr merkbar zurückgezogen und war seitdem gesellschaftlich ziemlich kaltgestellt. Daß er auch heute noch- nicht -einmal Extraordinarius war, stand zweifellos -auch in -einem gewissen inneren Zu-! sammenhang mit jener Fahnenflucht. — Nun, er hatte gesellschaftliche und berufliche Zurücksetzung zu verschmerzen! gewußt . , . (Fortsetzung folgt.) 627 NsNttnschtes. » Die schädlichen Seehunde. Eine mehr und mehr anwachsende Gefahr für den Fischfang in den Ostseegebieten hat Anlaß su einer Prämienausschreibung gegeben, die spätestens ms suin Ablaus des nächsten Jahres festgelegt und detailliert iverden soll. Es handelt stch um Preise für den Fang und die Tötung von Seehunden, die die > meisten von der Seehundsplage betroffenen Länder — also Deutschland, Dänemark, Schweden, Rußland und wahrscheinlich auch Norwegen - zu verteilen geoenken. Es sind drei Arten von Seehunden, die sur diese Pramienverteüung ut Betracht kommen: der gewöhnliche Seehund, dre Rmgelrobbe und die Kegelrobbe, die sich durch die Lange des Schwanzes imd der Backenzähne, sowie durch die Naseiihant voneinander unterscheiden. Von diesen drei Arten hat der gemeine Seehund den kürzesten Samariterinnen. MU! r"; Skizze von Max Bittrich .(Freiburg). r Während der Sekt floß, hatte sich das Brautpaar heimlich kntfernt, um vor her Fahrt in die blühende Welt allen Phrasen zu entgehen. An unserer Jugeudecke der Tafel setzte eut angeregter Jüngling den aus Brot gekneteten Storch auf die Streichholzbeine^ Unsere hübsche Nachbarin Anna Zechner lachte aus ihren Wasserhellen Augen. „Fi donc!“ rief ihre Freundin Jenny und legte die ferngegliederte Hand auf den Vogel, denn ihr war der Langschnabel schon lange nicht mehr das harmlose Symbol unschuldiger Verjüngung, sondern ein aufdringlicher Hinweis gerade auf den Ursprung jungen Lebens, den man Mädchen ihres Alters unnützerweise verbergen wollte, „Fi donc!“ — und das schwarze Haar fiel über die Schultern. „Anna, ich glaube. - ." Fräulein Zechner lehnte ihre Weichen Schultern in den Stuhl zurück und sog die Lust scharf zwischen Lippen und Zahne ein/ damit sie den heißen Mund kühle: „Ich glaube, wir sind ein bißchen beschwipst!" Die dunklen Augen glühten, als Jenny erwiderte'? »Mir ist, als tanzten tausend Geister durch mein Blut und Hirn und als sei ich ihr Herr; aber sie zwingen mich trotzdem, ihnen gefügig zu sein." — also beschwipst !" „Laß uns eine Weile in den Park gehen/ ehe der Tanz beginnt. Begleiten uns die Herren?" „Gern!" „ , Die Bäume standen still in der Dämmerung, als hielten sie den duftenden Atem an, um unseren trunkenen Worten zu lauschen, die von fremden Mächten regiert zu sein schienen. Vor Uns ruderten müde wie im Schlaf ein paar Enten. „Anna," rief Jennh wie aus tiefem1 Erinnern, „kein Storch zwar, doch ein paar Entchen —" „Erinnerst du dich glücklich wieder daran —? „Dürfen wir Mitwisser des Geheimnisses sein?", fragte ich. „Es war einmal — ja, es war wirklich einmal ein Mädchen von zwölf Jahren namens Anna, das hatte dem Nachbarsohn bereits tüchtig in die Augen geblickt und weilte, mit der Mutter, und dem verliebten Jungen in goldener Ferienzeit auf dem Gut ihrer Großeltern. Das Mädchen hatte alles Lebende gern. Auf dem Gut nahm es sich eines kropfigen Entchens an und wurde Nicht Müde, den Hals des Tieres gleich einer Geschwulst am Ufer des Teichs zu kühlen. Eines Tages schien das Entchen der überflüssigen KUr Müde zu fein, entwischte den Händen und sank schwerfällig mit ausgerecktem Flügel ins Wasser. Die Samariterin läuft erschreckt einige Schritte hinterdrein, versinkt bis unter bte Mrrue, packt den Vogel erregt toieber- und hält ihn in der Angst, er könne ertrinken, hoch in die Luft. Schreiend, als habe sie der liebe Gott verlassen, findet sie die paar Schritte an , das Ufer nicht zurück, sondern watet quer durch den sumpfigen breiten Teich. Den Hilferuf vernehmen, in das Wasser tauchen und zu Gänschen Und Entchen schwimmen, war das ruhmvolle Werk des verliebten Schülers. Das Vieh loslassen! Du versinkst im Morast! Nimm meine Hand!" befiehlt er. — „Ich kann nicht!" heult sie und umklammert fester die Ente. — „Laß das Vieh los! „Nem. -- „Mädchen, hast du den Verstand verloren?" — „Ich kann ja nicht —" — „Gans!" — Und er reißt ihr das Entchen fort, packt sie imd zerrt sie an das Ufer. — „Mein Entchen, mein gutes! — Dumme Gans!" — „Teufel, Mörder!" Und der Retter fühlt' als Lohn für sein Werk eine klatschende Ohrfeige, obwohl das Entchen seinen Kropf fidel weiter durch die Welt trug und der Samariterin zugetan blieb — viel länger als der Retter. Denn der schnürte selbigen Tags sein Bündel, nahm Gedichte und schwüre zurück und hat die Samariterin bis heute vergessen, wie auch sie ihn aus der Liste ihrer Verehrer gestrichen hat." „Wie du erzählen kannst!" rühmte Anna. -„Doch vergiß auch dich iiicht! Man kennt ein gewisses Fräulein ksennö und ihr Abenteuer mit der Amsel. Ja, meine Herren: auch meine Freundin hat Samariterdienste geleistet. Lassen Sie auch von dem Geheimnis den Schleier ziehen!" „Von der alten Schlechtigkeit?" „Du warst noch ein Kind, Jenny!" „Um so schlimmer!" ■ . ,,, ,, O nein’ Ich finde, als Kind ist wan mitunter machtlos gegen sein anerzogenes Wesen; Empörung und Anlchnungs- bedürfnis unerhörter Art tauchen ungerufen aus der Tiefe — man weiß nicht, von wannen sie kommen und schüttelt selver beit Kopf dazu. Wie heilkräftige oder giftige Blumen drängen neue Kräfte zum Licht, die man im späteren Kampf mit allerlei Menschen brauchen wird, — nur daß sie bei ihrer Geburt zu unrechter Stunde das Haupt erheben. Vielleicht-nur als gehorsame Kinder der allweisen Natur; um uns eindrucksvoll zu lehren, für Hatz Und Liebe, Neid und Vertrauen im späteren .Kampf ums Dasein den geeignetsten Augenblick auszusuchen.". . „ „Und zu rechter Zeit Komödie zu spielen, tote ich es damals tat — weinst du?" »Wenn Komödie gespielt fein muß,- — gewiß!" /Meinetwegen denn! So hören Sie also auch die Geschichte meines Samaritertums : Ich war kein Licht in der Schule,- Zwar lernte ich leicht, doch nicht in vorgeschriebener Reihenfolge und nicht im Sinne der Buchstabentreue.- Spielend löste ich Rechenaufgaben — nach meiner Methode, mit Sprüngen uni) Schlichen, wie man sie heut in Varietees bewundert und in unserer Schule liederlich nannte. Vorzeitig erriet ich die Pointen von Geschichten und Gedichten; der Wortlaut blieb mir Nebeusache.- Ju fremden Sprachen saugte das Auge bald den Sinn aus dem Satz; den Wortlaut anzugeben, lpar ich nicht fähig. Meine Phantasie schlug die Trommel, und saumselig trottete hinterher, was ich lernen sollte. Ich war Leben oder Eigensinn vom Scheitel bis zur Sohle; alles Dozieren perlte ab wie das Wasser vom Gefieder des Vogels. Urteil: ein krankhaft zerfahrenes und bockbeiniges Kind! — Rippenstöße daheim, offene und versteckte Kritik in der Schule. Mitunter fand ich sie berechtigt und fühlte mich doch als "kreuzunglückliches Geschöpf. Da las ich an einem .Wintertag von der Straße einen Hund auf, ein lahmgefahrenes, zitterndes Tier. Und ich erhielt Lobsprüche dafür, die ersten feit Jahr und Tag. Ein gutherziges Kind sei ich, und diese Eigenschaft lasse manche trübe Erinnerung und viel Uerger vergessen. Ein Schultag ohne Stichelei, ohne schadenftohes Gelächter der Fleißigen, — ich als Heldin lobenswerten Tuns, das war selbst meiner hartnäckigen Seele Balsam. Meine Guttat wirkte verschiedene Wochen nach. Die Osterprüfungeii winkten. Vater hatte neuerdings gedroht: -„Du kannst, wenn du willst! Und vorläufig heißt die Losung: gehorchen! Bringe mir ein rechtes Zeugnis, das rate ich dir!" Ich ängstigte mich, sann auf Hilfe und verachtete die Bücher weiter. Die meisten Schülerinnen waren geprüft. Mit einigen Kameradinnen sollte ich am letzten Tag meine Kenntnisse der Lehrerin offenbaren. , „, „ Wie konnte ich freundliches Wetter machen, die Schulgewalt mild stimmen vor der Niederschrift des Zeugnisses? Noch.abends vor dem Tag der Entscheidung gingen meine Gedanken träumend über die Bücher weg in den Garten. Die Amseln riefen sich ihr Lied zu von Hausgiebeln und Tamienspitzen. Die Nacht kam, und sie schenkte mir Ruhe und Fröhlichkeit, ohne daß sich., meine Seele einen 'Ausweg klar vorgezeichnet hatte aus der Bedrängnis. Und am Morgen? Wie nach wohlerwogenem Plan legte ich meine Bücher unter den Baum, zwischen dessen. Testen ich vor wenig Tagen, dicht vor meinen Augen, eine tote versteinert auf dem Nest hockende Amsel betoünbert hatte. Nun kletterte ich wieder über einige Aeste zum Schauplatz. Ich hätte, glaube ich heut noch, die Alte gepmkt und marode gemacht und in Sie Schule geschleppt — als samaritertm Aber nur ein paar häßliche winzige Kreaturen steckten den «schnabei über das Nest, und ein großer Vogel flatterte lärmend darüber. Ich wollte fest zufassen; die Hand versagte. Bei geMoften.en Augen schlug ich blindlings' auf bie junge Brut los. >zch glitt aus. Eins der jungen struppigen Scheusäler in der Faust, stürzte ich rücklings zu Boden. Nur schwer konnte ich mich erbeben. Lärmend eilten am Gartenzaun die Kameradinnen zur Scyule, Mit zerkratzten Händen und blutendem Gesicht schleppte ich mich mit meiner Beute, dem strampelnden Piepmatz, hinterher. „Er lag am Zaun, und soeben schlich eine Katze hinzu!" behauptete ich keck. „Er flüchtete unter das Gebüsch, und ich bin über den Zaun geklettert, um ihn z'n retten, und gestürzt — „Brav! Brav! Kühle Hände Md Gesicht am Brunnen/ du Aermste! Du blutest ja!" > Da wusch ich mich lange und ausgiebig. Die Prüfung istr das Zeugnis ging am selben Tag rasch vorüber. Das Zengins Tonnte fidtji feljcn Inffen. S/odj idj Iciö tooc^enlctnd An röett^ Sehnenzerrung am Fuß — stellte der A^t fest. . Die Lehrerin kam Md brachte mir Blumen: „Der kleinen . Samariterin!" Und im Nebenzimmer war ein Getnschel: „Sie ist ein gutes "Kind; das soll ihr mcht vergessen werden. Schließlich: Der Charakter ist auch etwas und geht über Bücherweisheit’ Der „Samariterin" stieg dabei das Blut z'U Kopf.. . So, da haben Sie meine Beichte. ; Und nun — bie Geigen locken so süß im Saal — wollen wir nicht tanzen? 628 Redaktion; K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Univsrsitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen, L e 6 it. f 7. K beliebig. 2. Dh7 n.f7. 3. e 5 — e 6 f. 4. Le3 — c5f und Matt. I zum Teuiel I" Von Geld dagegen war nicht die Rede. Sofort ging Schurmann zu einein New Borker Rechtsanwalt, aber dieser meinte, keine Zeitung werde es wagen, irgend etwas gegen Fr oh man abzndrncken. Der Prozeß werde sich ganz verschwiegen ab spielen rind Schurmann iverde ihn gewiß verlieren. AehnlicheS sagten ein paar andere Rechtsanwälte, und so griff Schurmann zur Selbsthilfe. Unmittelbar vor der Abreise ging er zu Frohinan, begrüßte ihn aufs liebensivürdigste und bat ihn, ihm aus der Verlegenheit zu helfen: er habe in New Dort auf große Ein» nahmen gerechnet; diese seien ausgebliebeir, er könne nun seine Künstler nicht bezahlen, und auch bei Zuhilfenahme des Telegraphen bekäme er das Geld erst zrr spät, kurz, er bäte Frohman, ihin 6000 Francs zu leihen. Das tat der gefällige Frohman gerne. Nun schrieb Schurmann sofort einen Bries folgenden Wortlauts: „Teurer Freund, ich danke Ihnen bestens für die 6000 Francs. 5000 davon waren Sie mir schuldig als Vergütung der Rückreisekosten meiner Duncan-Tournee. Der Rest steht Ihnen zur Verfügung." Frohman wurde fuchsteufelswild, als er sah, ivie Schur» mann ihir hineingelegt hatte. Allein das half ihm nichts, denn Schurmann ivar schon auf der Rückreise nach Europa, und der Prozeß, den Frohman anstrengte, wurde vor einein französischen Gerichte verhandelt. Frohman verlor ihn natürlich. * Statistisches vom Federschmuck der Frau. Wie ge- ivaltig trotz aller Bemühungen der Vogelsreunde die Mode des Federschmuckes an den Damenhüten in den letzten zehn Jahren zu- genommen hat, zeigt Max Dupray in einer interessanten statistischen Zusammenstellung, die er in einer Pariser Zeitiing veröffentlicht. Die Zahlen beziehen sich nur aus Frankreich, das tonaiigebende Modeland Europas; aber sie beweisen, daß gerade der Verbrauch von Reiherfedern, Paradiesvogelsedern und Straußenfedern fortwährend wechselt. In: Jahre 1902 führte Frankreich insgesamt 703 300 Kilogramm Federn ein, 1911 dagegen bereits 1039 300. Besonders bemerkenswert aber ist das Verhältnis in dein sich dieser Mehrverbrauch aus die einzelnen Federsorten verteilt. Die gewöhnlicheren Federn, ohne Reiher, Paradiesvogel und Strauß stiegen von 588 900 Kilogramm auf 803 900, also etwa 26°/0, während die Gesamtzunahme 47% beträgt. Die größte Zunahme entsällt damit auf die kostbaren Luxusfedern, auf Reiher, Strauß und Paradiesvogel. Und in der Tat, während von diesen Federarten 1902 114 400 Kilogramm eingestihrt wurden, erreichte 1911 die Einsuhr nicht weniger als 235 400 Kilogramm. Der Verbrauch hat sich also auf dem Gebiete der Luxusfedern mehr als verdoppelt: er ist mit 105% gewachsen. Die gewaltige Zunahme der Nachfrage ist naturgemäß auf den Preis dieser Federn von starkem Einfluß gewesen und hat eine erhebliche Verteuerung mit sich gebracht. Auch hierfür liefert die Statistik ein lehrreiches Zahlenmaterial, indem sie über den Wert der eingeführten Federn Aufschluß gibt. Die Gesamteinfuhr von Federn erreichte 1902 in Frankreich die schon stattliche Summe von 36650000 Frks. die 1911 jedoch aus nicht weniger als 80345 000 Frks. stiegen. Das ist eine Zunahme von 119%. An dieser Zunahme jedoch sind die gewöhnlicheren Federn trotz der ungleich größeren Quantität nur ganz unwesentlich beteiligt; in der Tat stieg der Wert der Einfuhr von 11400 000 nur auf 12 890 000, während die Quantität in der gleichen Zeit um 36% zunahm. Die einfacheren Federn sind also billiger geworden. Tie Straußsedern, die Reiherfedern und die Paradiesvogelbalge dagegen sind im Werte erheblich gestiegen. Noch 1902 belief sich die Einfuhr dieser Luxus- federn auf 25 250 000 Frks.; 1911 wurden jedoch nicht weniger als 67 Millionen Frks. erreicht. Das umschließt eine Zunahme von 168 %. Die Reiherfedern sind daran mit 6 Millionen Frks. beteiligt, die Paradiesvogelsedern mit 550 000. Und diese Umwälzung in dem kurzen Zeitraum von 10 Jahren! Naturgemäß ist auch die Anssuhr von Federn aus Frankreich ins Ausland im gleichen Zeitraum entsprechend gewachsen: die anderen Länder haben von Paris im Jahre 1911 mehr als doppelt soviel Federn bezogen, als im Jahre 1902. Diese Entwiklung der Federmoden bei den Frauen- hüten kostet alljährlich tausenden von Vögeln das Leben und es scheint, daß dieser Vernichtungskrieg gegen die Vogelwelt trotz aller Bestrebungen der Naturfreunde nicht aufzuhalten ist: die Mode und die Freude an einem originellen Hutschmuck triumphieren. Schwanz, die Kegelrobbe den längsten. Während beim Seehund die Backenzähne sehr stark gebogen stnd, zeichnen sich die der Kegelrobbe durch ihre Länge aus. Außer den erwähnten drei Arten kommt vereinzelt in den Ostseeqewäffern auch noch der Grönländische Seehund vor. Welche von allen Arten den meisten Schaden anrichtet, ist jedoch noch nicht erwiesen. Um nun die Art des erlegten Seehundes festzustellen, soll jeder Seehundjäger, der Anspruch aus eine Prämie erhebt, verpflichtet sein, entweder Schwanz und Nasenhaut, oder Unterkiefer und Nasenhaut, oder Unterkieser und Schwanz des betreffenden Tieres vorzumeisen. Sodann müssen genaue Angaben über die Art der Tötung oder des Fanges gemacht werden: ob es mit Netzen oder anderen Geräten geschah, ob durch Erschießen oder Erschlagen usw., in weicher Entfernung vom Festlande es vor sich ging und in welcher Wassertiese. ' Neue B a r t m o d e. Der Bartklnb, der schon seit langer Zeit unter der englischen Männerwelt die Bestrebungen verfolgt, sie wieder zu der Ansicht zu bekehren, daß der Bart die Zierde des Mannes ist, scheint endlich Erfolg gehabt zu haben. Wenigstens kommt aus London die Nachricht, daß die „Favoriten" — allerdings bedeutend verkürzt — wieder in Mode gekommen sind. Bei zwei vornehmen Trauungen in der jüngsten Zeit, bei denen die Elite des englischen Dandytums sich ein Stelldichein gab, erschienen der Bräutigam sowohl als auch alle übrigen Teilnehmer in „Favoriten". Die Mode der „Glattrasierlheit" kam einst aus Amerika und in Europa faßte sie bald festen Fuß. Im ganzen Gesicht wurde auch nicht das geringste Härchen geduldet und letzthin erging sogar das Dekret, daß auch der Nacken kahl rasiert und das Kopfhaar hinten einenglatteuAbschlußhaben müßte. Wieman in England behauptet, soll das Wiederaufleben der gekräuselten Backenbärte überhaupt ein Vorbote der Rückkehr zur Mode der dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts sein. Damals galt es für „smart", lange, buschige Bärte die Backen herunterwachsen zu lassen, so daß die Enden im Winde umher flatterten. Diesem Extrem huldigt man augenblicklich noch nicht, sondern wie der „erste" Haarkünstler für die Londoner Männerwelt, dessen Atelier im Piceadily-Viertel steht, einem Interviewer mitteilte, „dürfen die Backenbärte nicht weiter als bis zunt äußersten Punkte des Ohrläppchens reichen. Kein Millimeter mehr ist ihnen erlaubt. Auch darf das Haar des Backenbartes nicht so lang getragen werden, ivie es srüher Brauch war — . nur gerade so lang, daß es gekräuselt werden kann. Keineswegs ist es eine Mode, der nur die „Bohemiens" huldigen. Tie Ersten der Gesellschaft sind eifrige Anhänger des Backenbartes und zweifellos trägt die neue Mode dazu bei, dem Alaune ein männlicheres Aussehen zu geben. * DieLeiden d e r E r f i n d e rs gat t i n. Einen amüsanten Einblick in die Häuslichkeit eines fanatischen Erfinders brachte in diesen Tagen eine Gerichtsverhandlung in Champaign in Illinois. Die Frau des Universitätsprosessors Tuff 21 ndrew, der in den Hörsälen der Universität von Illinois wißbegierige Studenten in die Geheimnisse der theoretischen Mechanik einweiht, war in ihrer Not zum Polizeikommissar geflüchtet: das glückliche Heim des gelehrten Professors ist seit einiger Zeit für die Familie zur Hölle geworden. Denn Professor Duff Andrew ist zu erfinderisch, um noch ein guter Familienvater zu sein: fortwährend erfindet er neue Apparate, konstruiert Maschinen, die Haushaltsarbett ersparen sollen. Aber das ginge noch, wenn nur der Hausvater die Früchte seiner Ideen nicht fortwährend an Frau und Kind erproben wollte. Die jüngste Erfindung Duff Andrews ist nun, zum Unglück, eine mechanische Prügelmaschine. Der Apparat wiegt 20 Pfund, ist aus Bambus und Aluminium konstruiert und hat sorgsam gepolsterte „Schläger", damit Körperverletzungen ausgeschlossen sind. Der Patient wird I festgeschnallt, dann setzt man ein Rad in Bewegung und der Apparat erteilt mit mathematischer Genauigkeit in der Atinute 35 Schläge. Doch kann Tempo und Intensität der Schläge nach Bedarf bei schweren Vergehen verstärkt werden. Als die Tochter des Erfinders unartig war, benutzte der Professor sofort die Gelegenheit, um seine schöne Erfindung zu erproben. Und als die Frau Einspruch erhob, machte er auch sic, von der wohltätigen Wirkung seines Apparates durchdrungen, zum Gegenstand eingehender Experimente. „Ich kann es nicht mehr länger aushalten", erklärte vor Gericht die Frau Professor, „wenn er bloß erfinden wollte, wer's ja nicht schlimm, aber daß wir all diese Maschinen immer probieren müssen, das ist schrecklich." Professor Duff Andrew bekannte sich bekümmert als schuldig, ja, die ganze Familie habe immer bei der Erprobung seiner Erfindung mitwirken müssen. Mit 50 Mk. Geldstrafe entließ ihn, leise lächelnd, der Richter. * Impresarii untereinander. Josef Schur- m a n n, der bekannte französische Impresario, der erst vor kurzem einen Band Anekdoten von allerlei Vühnensternen veröffentlicht hat, erzählt aus dem schier unerschöpflichen Vorräte seiner Erinnerungen neuerdings eine hübsche Geschichte, die man wohl betiteln könnte: „Wie Schurmann Charles Frohmann übers Ohr haute." Schurmann war gerade Impresario Isadora Duncans. Die Duncan sollte in New Pork in F r o h m a n s Theater auftreten und laut Vertrag hatte Frohmann für fünf Personen die Kosten der Rückreise von New Bork nach Europa zu tragen. Als aber Schurmann die fragliche Summe abheben | wollte, empfing ihn Alfred Hayman, ein besonders liebenswürdiger I Angestellter Frohmans, mit den einladenden Worten: „Gehen Sie * Magisches Dreieck. In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben d, e e e e e e, g g g, n n, r r, s derart einzutragen, daß die einander entsprechenden wagerechten und senkrechten Reihen gleichlautend folgendes bedeuten: 1. Eine Waffe 2. Stadt in Böhmen. 3. Musikalische Bezeichnung. 4, Ein Fürwort. 5. Einen Buchstaben. (Auflösung in der nächsten Nummer.) Auflösung der Schach-Aufgabe in voriger Nummer r Weiß. 1. K c 5 — e 3. Schwarz, g 4 n. f 3.