N 7Z em tut II- **=«. »w6*« sie jetzt vor ihm stand, — seine. Linke hielt ihre beiden Hände, vergebens versuchte sie, sich zu befreien. Er lachte nur über ihre Bemühungen. Sie sah: auch hier war jeder Widerstand vergebens. Sie war in seiner Gewalt — sie mußte tun und lassen, was er wollte, gegen ihn anzukämpfen, war zwecklos — 45b Fräulein Charlotte warf einen raschen, mißtrauischen Mick Nus ihn, jedoch sein gutmütiges Gesicht blieb unverändert. Nur fuhren seine Augen im Zimmer herum. „Bestes Fräulein," sagte er, „auf dieser Liste befinden sich alle Gegenstände, die mein Onkel als Andenken hinterlassen hat. Und wenn sich außer der Uhr auch noch andere Sachen hierher verirrt haben sollten, die nicht hergehören, wäre es vielleicht richtig, sie herauszugeben. Sonst schnüffeln die Beamten hier auch herum, und das sind dreiste Leute." „Vielleicht darf ich einmal in die Liste schauen, dann könnte ich bald angeben, wo die Gegenstände sich befinden," meinte sie und streckte etwas unsicher die Hand danach aus'. „Nun, Sie werden wohl wissen, was nicht zur Einrichtung gehört." Sie wandte sich kurz um und begann, die Sachen im Zimmer zU rücken und zu wersen. „Es ist am besten, daß ich alles hergebe, was ich besitze," sagte sie, „denn ich kann ja nicht wissen, was da auf der Liste steht." Und aus Versteckplätzeu, Winkeln und Schubladen kamen viele kleine ■ und große ©a^^e^. zum Vorschein, die auseinandergelegt wurden, der Hausen wuchs und wuchs. Da gab es Sofakissen und Lampen, Stuhlbezüge, Silbersachen, Decken und Möbelschnüre, selbst Stühle und Bänke. Der junge Herr stand ruhig dabei, nahm dies an sich, schob jenes fort. Und als Fräulein Charlotte sich endlich mit feuerrotem Gesicht aufrichtete und nichts mehr Hervorzuholen hatte, deutete er auf einen Teil der Sachen. „Das erkenne ich an, aber das übrige gehört zur Einrichtung." Nun brach sie in einen Strom von Worten und Tränen aus. Acht Jahre lang hatte sie dem alten Herrn treu gedient. Sein Hab und Gut hatte sie wie ihr eigenes gehalten, und deswegen hatte sie es gewagt, die Sachen zu benutzen, wie man das so untereinander in einem Hause tut. Aber das Ivar natürlich sehr, sehr unrecht von ihr gewesen. Und nun bekam sie Vorwürfe. „Ja, ja, Fräulein Charlotte," sagte er lächelnd und nickte ihr zu, „inan bringt alles durcheinander, und dann glaubt man leicht, es gehöre zur eigenen Einrichtung." Damit verließ er schwer beladen das Zimmer. Ihr erster Gedanke war, zu kündigen. Der Fund in ihrem Zimmer wird natürlich herauskonnncn. Fürs ganze Leben wird sie beschämt, gebrandmarkt sein. Keinem Menschen wird sie mehr inS Gesicht sehen können. Aber fortgehen hieß ja, sich schuldig fühlen. Man würde sagen, daß sie entlassen worden sei. Und das war durchaus nicht der Fall. Im Gegenteil, der junge Herr hatte ja nichts gesagt. Glaubte er wirklich, daß die Sachen aus Vergeßlichkeit in ihrem Zimmer geblieben waren? Und übrigens, wenn sie genau überlegte, beruhte wirklich alles auf Vergeßlichkeit. Sie hatte doch wohl das Recht, es sich in ihrem Zimmer mit Schaukelstuhl und Kissen bequem zu machen, und sie konnte doch nicht wissen, daß die Sachen zum Aufschreiben an Ort und Stelle stehen mußten, sie war doch kein Rechtsgelehrter. Je mehr sie darüber nachdachte, um so unschuldiger fand sie sich. Und der junge Herr schien auch zu meinen, daß sie durchaus nicht n.nrecht gehandelt hatte, sonst würde er wohl etwas gesagt haben. Nein, sie wollte abwarten. Sie merkte, daß der junge Herr auch zu andern nicht über die Sache gesprochen hatte. Bei den Mahlzeiten war er stets ruhig, freundlich und gütig wie zuvor. Und nach einigen Wochen hatte sie selbst die ganze Geschichte vergessen. Das einzige Resultat dieser kleinen Episode war ein gewisses Dantbarkcitsgcfühl gegen ihren Herrn. Mit Rat und Tat wollte sie ihm helfen, wo sie nur konnte. Bei den Mahlzeiten gab sie ihm alle möglichen nützlichen Winke. O, sie besaß Menschenkenntnis, auf sie konnte er hören! Der junge Herr nickte und dankte ihr für alle Fürsorge. Eines Tages begegnete sie ihm mit einem ernsten, geheimnisvollen Gesicht. Nach dem Mittagessen fragte sic: „War der Herr vielleicht eben beim Großknecht?" „Nein, wir führen unsere Unterhaltungen außer dem Hause oder im Bureau." „Aber der Herr müßte wirklich zuweilen hingehen. Da gibt es manches zu sehen." „Zu scheu! Was denn?" „Oh, Blumen. Biele schöne Blumen." „So. Es ist ja nett, daß er sich mit Blumen beschäftigt. Man sagt, wer Blumen liebt, ist gut." Nun blickte Fräulein Charlotte ihn mit großen, strengen Augen an. „Vielleicht nicht immer. Es gibt Leute, die Blumen lieben, Blumen anderer, um Nutzen daraus zu ziehen." „Blumen anderer?" „Ja," sagte sie lebhaft. „Es heißt nämlich, daß die Frau des Großknechts von dem Gärtner Sprößlinge bekommt, bte sie groß zieht, bis sie blühen, und die sie dann in der Stadt für- eigene Rechnung verkauft. Aber glaube das, wer will, dachte ich und habe sie lange beobachtet, weil ich stets um des Herrn Wohl besorgt bin. Und ich rate dem Herrn nun, die Augen aufzutun. Die Leute sind nicht ehrlich. Man kann nur wenigen trauen." Sie sah ihn mit offenem, treuherzigem Blick an. „Hm. . ." erwiderte der junge Herr. -„Die Großknechtsfrau und der Gärtner sind gute Freünde. Der Herr müßte wirklich hingeheu und sich den großen Rosenstock mit fünf Rosen und vielen Knospen ansehen, der jetzt bei ihr steht," und leiser fuhr sie fort: „Gestern stand er noch im Gewächshaus. Aber sie glaubt wohl, daß er in ihre Hütte besser paßt." Der junge Herr kreuzte die Arme, lehnte sich in seinen Stuhl zurück und blictze sie mit seltsam lächelnden Augen an. „Vielleicht glaubt sie, daß er zur Einrichtung gehört." Wie eilte aufgescheuchte Katze sprang sie empor. Sie zitterte an allen Gliedern. „Der Herr meint, daß ich ebenso bin wie diese Diebsmadame! Wenn eilte treue Dienerin, die achteinhalb Jahr ein Haus zusammengehalten hat, auf eilt paar Tage eine zerbrochene Uhr und eilt Sofakissen leiht, was zusammen ein paar Pfennige wert ist, dann ist es dasselbe, als wenn jemand für hundert Mark feine Blumen aus der Orangerie stiehlt?" Der junge Herr strich seinen Schnurrbart und sagte nichts, „Zur Einrichtung gehört! Das ging auf mich," fuhr sie erregt fort. „Doch es gibt eine Grenze der Undankbarkeit und eine Grenze des Duldens und Leidens. Das ist heute mein letzter Tag hier! Bitten Sie mich nicht, zu bleiben, denn ich tue es nicht. Wo man ehrliche Menschen von unehrlichen nicht besser unterscheiden kann, da bleibe ich nicht. Mein ehrlicher Name ist; mein ganzer Reichtum, und den will ich nicht riskieren." Nun hatte sie gesprochen, und mit erhobenem' Kopf verließ sie das Zimmer, um ihre Sachen zu packen und in die Stadt zu ziehen. . Der junge Herr saß auf dem Sofa und rauchte eine Zigarette, Seinen Mnnd umspielte ein leises Lächeln. ZehuZahre aus dem Tagebuch eines Gießener Bürgers. Aus dem uns zur Verfügung gestellten Tagebuch eines alten Gießener Bürgers geben wir im folgenden einen knappen Auszug, der wohl mancherlei interessantes verzeichnet. 1837. Den 23. März morgens sollte Johannes Heß hingerichtek werden, wurde aber erst nachmittags hingerichtet. Vom 14. auf den 15. Juni brannte Busch sein Brauhaus ab'. Den 31. August ist der erste Wagen, dem Mathias Weidig gehörig, über die Wieseckbrücke (Gartenstraße) gefahren. Den 3. September ist Balthasar Kentpf zum ersten Male imj Totenwagen über die neue Brücke gefahren. 1838. Den 16. Januar 20 Grad Kälte. Den 20. Juli wurde Geheime Kirchenrat Dr. Palmer beerdigt. Den 1. August wurde der Grundstein der katholischen Kirche gelegt. Am 12. August landwirtschaftliches Fest. Am 25. August ist der Ludwigsbrunnen, früher Jughardts- brunnen (Frankfurter Straße) gesprungen, wobei Kirchrnrat Engel eine Rede gehalten hat. 1839. Den 25. Juli abends holten die Stiidenten vier gefangene! Studenten aus dem Karzer und am 26. Juli rückten schon vierzig Chevauxlegers von Butzbach hier ein. Den 28. Juli wurden ditz ersten Studenten in das neue Arresthaus gebracht (Hauptsteueramt), Mittwoch, den 31. Juli zogen die Dragoner wieder ab. 1840. Am 23. Februar, abends zwischen 9 und 10 Uhr erschoßt der Student Herzberger seines Bruders Frau und sich selbst. Den 29. März starb Herr Bürgermeister Schneider. Am 8. Mai erhielt Herr Professor ;Dr. Liebig das Ehren- burgerrecht. Den 4. Juni wurde der Knopf vom Kirchturm' genommen', Es fanden sich Münzen und eine Schrift von 1699 darin. Am 13. Juni, nachmittags gegen 6 Uhr kam der Thronfolger von Rußland hier durch und den 22. Juni der Kaiser von Rußlands Vom 16. bis 20. Juni wurde der Turmknopf vergoldet, wieder ausgesteckt und mehrere Münzen und Dokumente hineingelegt. Den 6. September wurde die katholische Kirche durch den Bischof Kaiser von Mainz eingeweiht. 1841. Den 18. Januar war das Wasser so groß, daß man in BeckerZ Garten (Promenadeharis) zum Fenster Hineinstetgen mußte 18. November wurden in der Stadtkirche die Felddienstzetchenj für den Kreis Gießen ausgegeben. 1842. Den 16. August wurde die große Glocke vom Turnt Herold gelassen, am 19. August gegossen und am 30 August wieder auf den Turm gezogen. Den 6. November wurde das Lütherbtld in der Stadtkirche aufgehängt. 1843. Den 23. Januar kam Georg Melchior Sack in das Leichen- Haus und stand bis zum 4. Februar; es war der erste, der nuf- gestellt wurde. 456 Nut 7. Februar wurde Franz Wilhelm Vahlberss, Maurergeselle aus Braunschweig, durch das Fallbeil auf dem ^.rieb h-rn- Am9. Juli kam die Frucht von Mai.nK, welche von dem hiesigen Kreisrat angekauft worden war, weil sie hier mcht zu bekommen war. Das Pfund Brot kostete o Kreuzer, die ..lest Kartoftelir 36 Kreuzer. Am 10. Juli wurden 80 Malter Frucht rm Spital gegen Lieferung von Brot versteigert. Am 14. Juli wurde das Brot, der 4 pfundige Laib, zu 14 'Kreuzer verkauft. Am 30. Juli wurde durch die Schelle bekannt gemacht, daß das Brot von außen herein gebracht werden 5)111 91m 28 August haben die hiesigen Metzger ihre Patente auf dem Rathaus abgegeben mit der Erklärung, den 1. September ihre Gewerbe niederzulegen, welches auch geschehen ist, und keiner mehr geschlachtet hat. Am 7. September wurde das erste Fleuch int Zeughaus (Kaserne) verkauft und am 8. September das erste Vieh in der alten Güterivage (Ecke Schulstraße und Wagengasfe, als Schlachthaus benutzt) geschlachtet. Am 9. September verkaufte Georg Öonv das erste Hammelfleisch. Am 19. Oktober haben die Metzger wieder geschlachtet, jedoch mußten sie erklären, was sie schlachten wollten, Ochsen, Kühe oder Schweine. , Den 12. Dezember feierte Professor Dr. Nebel fern 5(hahr. Dokdor-Jubil äum. 1845. Den 15. Februar wurden Nikolaus Fehl und Tobias Franz aus Freiensteinau wegen Ermordung des Johannes Fehl mittelst des Fallbeils auf dem Trieb hingerichtet. , Am 17. Dezember feierten wir das 25 jährige Berfassungs- fest, abends mit einem Fackelzug von Bürgern und Studenten, und haben die drei Gesangvereine mehrere Lieder vor dem Rathaus gesungen, nach dem war ein großes Abendessen im Buschengarten. 1846. Am 10. Januar morgens hat Professor D. Bischoff in der Reitbahn einen Wolf und einen Bären vergiftet. Am 18. Februar, als am 300 jährigen Todestag Dr. Martin Luthers, von morgens mit allen Glocken geläutet, nachher war vom Turm das Lied „Eine feste Burg ist unser Gott" geblasen. Am 22. Februar, als am Begräbnistage war es gerade Sonntag, da war großer Gottesdienst, wo ein Zug vom Rathaus, bestehend aus den vier Geistlichen, an der Spitze der Bürgermeister, welchen die zwei ältesten Bürger im Arm führten, deck ganze Stadtvorstand und eine große Anzahl Bürger, durch die Schulstraße an das Regierungsgebaude, worin sich sämtliche evangelischen Staatsdiener in Uniform befanden Und dem Zug anschlossen, in die Stadtkirche, wo dann Herr Kirchenrat Engel eine Rede hielt, während des 18. bis 22. Februars durften keine öffentlichen Belustigungen statt- fiuden. Am 29. Juli, nachmittags 3 Uhr, kam der Erbgroßherzog mit seinem Bruder Alexander von Grünberg hier an und stiegen im Einhorn ab, wo alle Staatsdiener versammelt waren. Alexander besuchte denselben Tag das Wellenbad. Abends war großer Fackelzug von Bürgern und Studenten, und die Singvereine trugen mehrere Lieder vor. Den anderen Morgen fuhren sie auf den Schiffenberg, wo sie um 8 Uhr wieder zurück kamen. Da ließ dann der Erbgroßherzog die Deputationen Vorkommen. Alexander aber ging in die Reitbahn, wo ihm der Stallmeister Frankenfeld ein Pferd vorritt. Um zehn Uhr fuhren sie wieder von hier nach Butzbach. Den 7. August morgens zogen die Studenten von hier nach Staufenberg und blieben da bis zum 9ten, wo sie morgens wieder in die Stadt einzogen. Ursache davon war, daß, ein Polizeidiener im Buschengarten einem Studenten mit dem Säbel über den Kopf gehauen halte und ihm dadurch verwundet, wo nun die Studenten mehrere Tage mit Singen und Schreien durch die Straßen zogen, sogar beit Reiter, als er ihnen eine Vermahnung gab, verspotteten, worauf des andern Morgens die Dragoner von' 95^6^ kamen und zwei Tage hier blieben; dies war nun der Grund des Studentenauszugs auf den Staufenberg. Am 12. August hat Herr Plok im Rappen die Meßt Kartoffeln gekauft zu 1 Gulden 12 Kreuzer, die andere Woch« das Malter zu 8 Gulden. 1847. Den 16. Mai war hier das erste Turnfest, woran teilnahmen die Turner von Friedberg, Butzbach und Usingen, welche von den Gießern auf dem Seltersweg (Frankfurter Straße) empfangen wurden und dann mit Musik durch die Stadt zogen bis auf Heu Turnplatz (Schwarzlach). Nachmittags zogen sie auf die Hardt (Schlenke). Im Monat April und Mai kostete das Malter Kariloffeln 7—8 Gulden, der Weizen 28—30 Gulden, das Korn 24—25 Gulden, die Gerste 20 Gülden Und der Hafer 9 Gulden. Vermachtes. ckf. W i e Ehemänner ihre — Witwen b e st r a s e n- E h männer ihre Witwen? Ist denn das überhaupt möglich Gewiß, im Testamentei Hieriür bringt die französische Zeilschri? „Les Marges" ein paar hübsche Beispiele. Eines dieser Testamentest lauteteetwafolgendermaßen: „TeureGattin, Duhastmich jeden Sonntag, den ®ott werden ließ, mit Deinen schrulligen Einiällen aufs lluerträglichste gequält. Ich hinterlasse Dir deswegen eine wöchentliche Rente von 25 Fr. Die Auszahlung erfolgt aber jeden Montag. Da ich weiß, wie unordentlich und verschwenderisch Du bist, wirst Du an jedem Sonntag keinen Pfennig Geld mehr haben und daher Aehnliches durchmachen müssen, wie ich." Aehnlich sorgsamst ausgetüitelt war das Testament eines anderen Mannes, der augenscheinlich unter seiner Frau auch schwer hatte leiden müssen. Es halte etwa folgenden Wortlaut: „Liebe Frau, in unserer 30jäh- rigen Ehe hast Du keinen Tag vorbeigehen lassen, ohne mich fürchterlich zu quälen, indem Du langweilige Geschichten, dumme Anekdoten und geschmacklose Witze erzähllest. Ich hinterlasse Dir eine jährliche Rente von 7500 Fr. Ich füge jedoch die Bedingung hinzu, daß Du mit Deiner Mutter zusammenlebst, einer Frau von ebenso giftiger Zungenfertigkeit, wie Tu selbst, die Du ebenso haßt, wie ich. Mutter und Tochter müssen außerdem einmal in jedem Monat mit meinem Recktsamvalt zusammen mein Grab besuchen und jedesmal ihre tiefe Rene darüber aussprechen, daß sie mir das Leben vergiftet haben." Man muß gestehen, daß es kaum möglich ist, diese Testamente an Rachsucht zu übertreffen. Nichtsdestoweniger ist dies einem steinreichen Amerikaner gelungen. Seiner jungen, schönen Witwe hinterließ er Millionen Dollar mit der Bestimmung, daß sie jedesmal 1000 Dollars Strecke zu bezahlen habe, wenn sie unverschleiert ausginge, tanzte oder einem Alaune zulächelte. „So bist Du (io schloß das Testament) bestimmt in einem Jahre zu Grunde gerichtet."- Sprachecke der Allgemeinen Deutschen Sprachvereins. — Ballon. Vielfach ist es bedauert worden,, daß sich bei den zahlreichen Verdeutschungen, die bei der Luftfahrt ein- geführt worden sind, keine für das Wort „Ballon" befand. Es ist nur bestimmt worden, daß dieses Fremdwort deutsch ausgesprochen werde und daß seine Mehrzahl nicht Ballons, sondern Ballone zu lauten habe (genau wie,Barone). Demgegenüber meint man, selbst deutsch ausgesprochen störe es neben den anderen echt deutschen Wörtern; Goethe spreche von des Luftschiffers Blanchard „Luftball", und mit Luftball verdeutsche auch Heyses Fremdwörterbuch das Wort „Ballon", wo dieses einen „Luftballon", wie es früher hieß, bedeuten soll. Der Franzose nenne auch einen Kinderspielball, ebenso wie einen „Lustball" ballon, das Wort bedeute also in seinem Ursprungslande nur einen Ball. Das Wort „Luftball" also würde nur den durch eine besondere Art „Lust" in die Lüfte getragenen Ball bezeichnen; es sei leicht verständlich, präge sich leicht ein, sei echt deutsch und werde deshalb immer richtig und überall gleich ausgesprochen und geschrieben, was bei „Ballon" nicht der Fall sei. Das ist alles gut und wohl, aber Fesselball oder gar Fesselluftball, und Leuk-- (luft)ball wären doch gar zu schwerfällig, und da wir das alt- eingebürgerte Fwemdwort doch kaum mehr vertreiben können, bleiben wir am besten beim Ballon, wie wir auch beim Balkon bleiben; aber deutsch wollen wir sie aussprechen. Diese beiden Wörter und Rückentlehnnngen: deutsche Wortstämme drangen ins Romamsche,- und wir nahmen sie mit der romanischen Endung zurück. Büchertisch. — Ein Augenblick int Paradies, Roman von Ida Boy-Ed, Verlag Ullstein u. Co., Berlin-Wien. Der neue Roman der Verfasserin, den man wohl zu den besten und reifsten zählen darf, wird wohl allgemein mit Freude und Interesse ausgenommen werden. Ihre gemütstiefe Kunst weiß namentlich dem reichen Seelenleben der deutschen Frau immer neue Seiten absugetoinnen und leidendes Heldentum zu stiller Größe, emporzuhebeu.^ ^n diesem Werke ist es die verschmähte Liebe einer hochsinnigen Frau,- die sie über Schmerz und Leid endlich zu schwererrimgenent, aber dauerndem Glücke führt. Es ist der Sieg des starken opfer- vollen Gefühls über zerstörende Glut sinnlicher Leidenschaft, beit in biesem Buche Iba Boy-Ed mit vollendeter Erzählerkunst ber« herrlicht hat. L \ vexier-Rätsel. Es war Herr Ritter Waldeinar So sehr für seine Braut entbrannt, Daß aus des Ritters Schilde gar Der Name der Geliebten fianb. Und habt ihr richtig hingeschaut: Ihr seht den Namen seiner Braut. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Diamant-Rätsels in voriger Nummer : I Ast Gleim Isegrim S o r a u 8 i i in Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindrnckerei, R. Lang«, Gieße»