Mittwoch den 24. Januar K lä I I M Glückslasten. Neman von Hanns von Z 0 beltiA (Nachdruck verboten.). (Fortsetzung.) 6. Frau Ida kam von einer Komiteefttzung heim, zu der Frau von Elsterburg geladen: Komitee,iHung zur Vorbereitung des Festes für Hauspflege. Die Sitzung hatte ziemlich lange gedauert, und Frau Ida war recht angegriffen, auch ein toenig enttäuscht. Nicht ganz rosiger Stimmung wenigstens. Aber als der Diener ihr in der Halle den Pelz abgenommen hatte, und ihr dann auf silbernem Deller eine Anzahl Visitenkarten präsentierte, die abgegeben worden waren, hellte sich ihr Gesicht auf. Vier, fünf Kameraden von Eberhards altem und von seinem neuen Regiineilt, ein paar Assessoren aus dem Auswärtigen Amt hatten Besuch gemacht; obenauf aber lag auf dem Berge die Karte von Prinz Hoburg. Ganz weiches Papier, ganz kleine gestochene Schrift. Sie hatte ruhen wollen; es gab auch mancherlei wegen des Festes zu überlegen, rnanche Eindrücke zu überwinden. Doch nun ging sie zu Signe. Signe faß'am Flügel. Seit sie wieder Unterricht nahm, übte sie regelmäßig. Nicht gerade mit großer Hingebung, nicht gerade Mit großer Ausdauer. Aber sie hatte so viel Zeit und doch auch einen gewissen Ehrgeiz, vorwärts zu kommen. Als Mutter «nitrat, schloß fte den Flügel. Zuhörer liebte sie beim Heben nicht; höchstens Dodo durfte mit einem Buche in einer Ecke kauern. Oft wie jetzt, kauern im wörtlichsten Sinne. Auf dem Bärenfell nämlich, das vor dem Kamin lag. Das schnelle Treppensteigen chatte Frau Jda etivas knrz- atmig gemacht. Sie stand ein paar Augenblicke Jttll an der Tür und schöpfte tief Luft. Es ging ihr jetzt öfter so. Vater wollte es, wenn sie einmal klagte, immer nicht ernst nehmen und neckte sie mit dem „eisernen Heinrich". Nun war's überwunden, und sie sagte lebhaft: „Ratet mal, Kinder, wer Desuch gemacht hat?" Dabei hielt sie die umgekehrte Karte vor sich hin. „Der Kaiser von China!" rief Dodo aus ihrer Ecke, tvährenv <Ägne schweigend die Achseln hochzog. „Nein. 'Wer Prinz Wilhelm Hoburg." Das gab wieder eine Enttäuschung. Der Eindruck blieb ganz aus. „Ach •— so —" meinte die Jüngste nnd steckte das Näsch-en aufs neue in ihr Buch, während Signe langsam au Wand und nun fragte: „Willst du nicht Platz nehmen, Mama?" Sie nickte und setzte sich auf die Chaiselongue. , „Ja aber . . . es ist hoch sehr ausmerksam von dem Prinzen. Sehr liebenswürdig," sagte sw erstaunt- „Wenn du willst *— ja, Mama." Signe hatte den Klaviersessel mehr herumgedreht, so daß sie der Mutter das Gesicht zukehrte. „Wir werden ja auch so liebens-« würdig sein, Durchlaucht einmal — gelegentlich — em- zuladen. Darnit ist aber die Sache wohl abgetan." Sre schwieg ein paar Atemzüge, nm dann fortzufahren, immer tn ihrem ruhigen, ein wenig überlegenen Ton: „Verzeih, Mama — aber du würdest dir und uns eine kleine Liebe erweisen, wenn du von dem Prinzen nicht so viel Wesens machtest. Vielleicht hast du doch nicht die ganz richtige Vorstellung,, was solch kleiner Prinz heut bedeutet. Herzlich wenig nämlich. Wenn ein großes Vermögen hinter solchem Namen steht, dann geht cs noch an. Das ist aber hier nicht der Fall. Hoburg hat — ich weiß es von seiner Tante — gerade ein standesgemäßes Auskommen. Gleibt im besten Fall der Berwandtschaftsrrets,.der tn einige regierende Häuser hineinreicht — auch eine Verwandtschaft durch sieben' Scheffel Erbsen, über immerhin nicht übel. Das' ist alles." „Das ist alles, Mama. Gothäer Almanach, dritte Abteilung!" ergänzte Dodo. „Imponiert mir gar nicht." Mutter drehte die Karte zwischen den Händen. Sie empfand Signes Worte als eine Art ungehöriger Zurechtweisung. Aber sie war unsicher, ob und tote sie der Nettesten widersprechen sollte. So erklärte sie.nach einigem Zögern nur: „Ich will euch einmal etwas sagen, ihr Kinder. Ich bin noch in et nein starken Loyalitätsempfinden erzogen. In meiner Jugend war ein Prinz etwas. Und ich glaube, ihr unterschätzt das auch für heute. Gesellschaftlich selbstverständlich!" „Darüber will ich nicht streiten, Mama. Schließlich kommt es auch immer auf die Persönlichkeit an." „Ein gutes Dekorationsstück!" warf Dodo ein. „So denk ich mir das. Ein Salon-DeDrationsstück mit Dekorationen, denn ein paar Orden werden die hohen Vettern und Onkels unserem Prinzen wohl angebammelt haben." „Du bist die reine Sozialdemokratin, Dodo. Jedenfalls sand ich den Prinzen sehr artig. Du nicht auch, Signe?" „Ich habe wirklich darüber nicht nachgedachjt,." gab Signe zurück, und dann sagte sie, wie um das Gespräch aus ein anderes Thema zu bringen: „M>er dn kamst von Frau von Elsterburg. Ist nun endlich das erhabene Programm festgelegt? Wie war's denn überhaupt?" „Sehr nett. Das heißt — nun, man muß sich da auch erst etwas hineinfinden. Wir hatten ja in Körlin auch unsere Basarsitzungen. Ich war ja immer im Vorstand. Aber, wißt ihr, hier ist natürlich alles viel großartiger und viel schwieriger. Ich muß Frau von Elsterburg be-i tonnbern, wie sie das alles übersteht. Ja — also bei Kroll ist das Fest. Es ist aber auch ein Konzert. Und da solltest du singen, Signe." Die Aelteste sah auf. „Ich? Nein, Manta, unter keinert Umständen. Das lehne nur gleich ab," 50 >X6er Signe!" Mutter war ganz erschrocken. „Ich Ijtoe schon für dich angenommen. Es ist doch sehr ehrenvoll. .Warum denn nur nicht?" „Weil ich unbedingt erst dann an die Oeffentlichkeit treten werde, wenn Frau Lehmann mich dazu ftir reif erklärt. Ich will mich keiner schlechten Kritik aussetzen." Sie sagte das so bestimmt, als ob damit jeder Widerstand ausgeschlossen wäre. Doch dann fuhr sie liebenswürdig fort: „Sei nicht böse, Mama, ich kann wirklich nicht. Was ivurde denn sonst für uns gnädigst zugebilligt?" „Dorothee wird Sekt verkaufen. Für dich — ja, wenn bit nicht im Konzert mitwirken willst, dann ist für dich nichts Bestimmtes vorgesehen . . . aber. . ." „Laß es nur dabei. Mir ist meine Freiheit am liebsten." Mutter ließ den Kopf hängen. Ihr siel wieder ein, wie heiß sie sich in der Sitzung darum beworben hatte, daß Signe im Konzert mittun sollte — es kam ihr so beschämend vor, den Rückzug antreten zu müssen. Und überhaupt . . . sie dachte eigentlich nicht gern an diese Komiteesitzung zurück. Es war still geworden. Bis dann plötzlich Dodo aufsprang und herumzuwirtschaften begann, so daß Frau Ida aussehen mußte. „Mer Mädel, was treibst du denn da?" Dodo war in die Mitte des Zimmers getreten, hatte die Hacken zusammengenommen und reckte den Kopf bald nach rechts, bald nach links, hob und streckte die Arme, drehte und wand den schlanken Oberkörper. Und als Mutter fragte, rief sie lachend : „Ich müllere —" und sang: „Das Müllern ist der Jungfrau Lust —" Es sah urdrollig aus. Selbst Signe mußte lachen. Wer dann sagte Mutter plötzlich: „Müllere — oder wie du das nennst — lieber in deinem Zimmer. Ich hab noch mit Signe zu sprechen." „Wobei ich unnötig bin? Meinetwegen — ich verdufte." „Was wolltest du mir sagen, Mama?" fragte Signe, als die Tür sich hinter der Schwester geschlossen hatte. Frau Ida war aufgestaudeu uud ein paar Male durch das Zimmer gegangen. Sie begann: „Unsere Dodo wird immer burschikoser . . . dieser Wildfaug!" Dann: „Wir hätten sie doch lieber in eine gute Pension schicken sollen, aber davon wollte Papa ja nichts wissen —". Blieb eine Sekunde am Flügel stehen, trat ans Fenster, um in den verschneiten Garten hinauszusehen. Signe wartete. Es war gewiß eine Nichtigkeit, die Mutter Vorbringen wollte. i Dann kam Frau Ida endlich zurück. „Ja so, Signe . . . denke dir, in unserer Sitzung traf ich Fran von Kal- tenegg. . ." Sie hatte erwartet, daß ihre Mitteilung Eindruck auf die Tochter machen würde. Wer sie irrte. Wenigstens blieb Signes schönes Gesicht völlig ruhig. . es war mir unsagbar peinlich. Aber Kind, das mußt du mir doch nachfühlen!" „Es tut mir leid, Mama, wenn dich diese Begegnung ko erregte. Aber ich sehe wirklich keine rechte Veranlassung vazu. Schließlich mußte man daraus vorbereitet sein! Kaltcneggs leben doch nicht außer der Welt. Und wir haben uns ihnen gegenüber nichts vorzuwerfen. Du am allerwenigsten. Wenn Frau von Kaltenegg gegen mich einen Vorwurf konstruieren will, so werde ich's zu tragen wissen. Aber du - du —" „Signe, ich bin doch deine Mutter! Du hättest nur den stillen .Vorwurf in ihren Augen sehen sollen! Und wir waren so gute Freundinnen, von der Schulbank her. Gesagt hat sie natürlich nichts, dazu ist sie viel zu stolz. Nur nachher, als die Sitzung vorbei war — es ließ sich nicht ändern — kamen wir in ein kurzes Gespräch, und sie fragte, wie wir uns eingerichtet hätten. Nun ja, Signe, und da mußte ich doch auch fragen. Schon höflichkeitshalber . . . und man hat doch auch seine natürliche Teilnahme. Viktor geht es ja gottlob gut. Aber wenn sie es auch uicht aussprach, ich sah's ihr an: überwunden hat er's nicht. . ." Die Tochter lehnte am Flügel. Spielend zog sie die Wisiteükarte, die Mutter dort liegen ließ, durch die schlanken Finger, und ohne aufzusehen sagte sie: „Das tut mir leid. Wer er wird schon darüber hinwegkommen." „Ja. . . gewiß," fuhr Frau Ida eifrig fort. „Das sage ich mir auch. Ich wäre die letzte gewesen, dir zuzu- reden Man muß doch den veränderten Verhältnissen Rechnung tragen, und schließlich 'war's eben eine kleine Jugendeselei. . ." „Das nun doch wohl nicht, Mama —" Es war plötzlich ein Unterton in Signes Stimme, der der Mutter nicht entgehen konnte. Sie schüttelte den Kopf, „Aus dir soll mal jemand klug werden." „Es gibt Wohl in jedem Leben Ereignisse, Erlebnisse, die ewig nachklingen, auch wenn man sie im Gedächtnis auslöschen möchte, weil man sich über sie hinausgewachsen dünkt. So war auch das für mich. Eine Jugend—eselef möcht ich's nicht gern nennen hören." „Wie du willst, Signe. . . wie du willst. Wehtuuj wollte ich dir nicht. . . Uebrigens schickte ich das Kind nicht nur heraus, um dir von Frau von Kaltenegg zu erzählen. Sie ist, nebenbei bemerkt, recht alt geworden, die gute Klara. Und, weißt du, . . . nun, Geschmack hatte sie wohl nie. . . einem Hut hatte sie. . . wahrhaftig einen! Hut wie aus dem vorigen Jahrhundert . . ." Signe stand noch immer am Flügel, unbeweglich fast. Aber um ihre Lippen irrte ein trübes Lächeln: es tat ihr weh, Mutter so sprechen zu hören. „Du wolltest mir noch etwas anderes sagen?" „Richtig, ja wohl. Das heißt, eigentlich wollte ich dir davon erzählen, was Papa mir gesagt hat. Er hat mir nämlich so halb und halb einen Auftrag gegeben. Es he-, trifft den Prinzen Hoburg —" „Was dieses Prinzlein euch alle beschäftigt!" „Aber ich bitt dich, Signe — deine Eltern —" Die Tochter sah auf einen Moment hoch, warf den Kopf in den Nacken zurück. „Du sagst das fast so . . . so als ob deine Mitteilung nicht nur den Prinzen, als oh sie zugleich mich betreffen sollte." Frau Ida hatte sich wieder gesetzt. Sie war etwas! verlegen. Unwillkürlich strich sie, wie ehedem, als sie noch den ganz flachen Scheitel getragen hatte, rechts und links über ihre Haarwellen. „Nun ja, liebe Signe," sagte sis zögernd, „das ist doch auch ganz natürlich." „Ich wüßte wirklich nicht, Mama —" „Aber Kind! Kind! Papa hat dich mit dem Prinzen auf dem Bahnhof getroffen, als du ankamst. Du bist mit ihm zusammen von Frankfurt aus hierher gereist. Und dann: Papa ist von einem alten Freunde aus Schlesien erzählt worden, daß der Prinz sehr viel . und sehr angelegentlich von dir gesprochen hat. Mm — und unsertwegen kam er neulich doch nicht an unfern Tisch. Unsertwegen hat er heut nicht bei uns Besuch gemacht! Siehst du: kann es etwas Natürlicheres geben, als daß deins Mütter mit dir darüber spricht!" Frau Ida hatte etwas von der herzlichen Wärme, die ihr früher zu eigen gewesen, wiedergefunden. Das fühlte Signe. Empfand es noch mehr, als Mutter sich jetzt hastig erhob, als sie den Arm um sie legte, bat: „Hast du denn kein Vertrauen zu deiner alten ÜTOama?" „Mama —" gab sie bittend, zärtlich zurück. Aber es war nicht viel mehr als ein Augenblicksemp^ finden: ein anderes wehes Gefühl mischte sich sogleich dareinr „Wie fremd sind wir uns geworden, Mutter und ich." Auch das dachte sie bitter: „Em Prinz! Weil es zufällig ein Prinz ist." Und so sagte sie abwehrend: „Eine Reisebekanntschaft, Mama, ein wenig Kurmacherei, Ich versichere dich — weiter nichts." „Wirklich nicht, Signe?" „Wirklich nicht!" Nun lachte sie. „Ich glaube, daran wirst du dich noch gewöhnen müssen, Mama, daß wir beide umflattert werden." (Fortsetzung folgt.) Friedrich der Große als Kolonisator.*) Zur 200. Wiederkehr seines Geburtstages. 1712 — 24. Januar — 1912. Von Dr. Heinrich Berg 6 r-Gießen. Mit seiner Thronbesteigung hatte her Preußenkönig Friedrich II. von seinen Vorfahren für die Weiterentwicklung seines Staates Ausgaben übernommen, die von ihnen bei der Katastrophe des vorhergehenden Jahrhunderts nur teilweise hatte» gelöst werden können. Wohl hatten die Vorfahren Friedrichs II. schon recht beharrlich gearbeitet — waren doch von 1640 bis *) Auf Grund Urkundlicher Quellenstudien. kl 1740 bett brandenburg-pveußischen ßttttben 50- bis 60000 brauchbare Kräfte von außen zugeführt worden. Aber immerhin galt es noch, die einzelnen Organe sich zu erziehen, alle Kräfte des Staates zu genteinsamer Tätigkeit zusammenzufassen, zu stärken und zu beleben. Dazu traten noch neue Aufgaben an den großen Preußenkönig heran, nachdem er in Mjährigem, heißem Ringen seinem kleinen Staate die Großmachtstellung unter den Staaten Europas erkämpft hatte; es galt, durch Tüchtigkeit im Innern das zu ersetzen, was dem Staate am äußeren Umfange fehlte. Dieses erhabene Ziel hat der große Staatswirt durch seine inneren Kolonisationen erreicht. In der harten Schule zu .Küstrin hatte Friedrich gelernt, -»sich selbst zu bezwingen, seinen Genius dem dienstbar zu machen. Was der Staat beburfte". So war denn auch das erste, nachdem er die Regierung angetreten hatte, daß er die einzelnen Dßtrikte seines Königreiches mit brauchbaren Kolonisten besetzte — betrachtete er doch die Arbeitskraft des Kolonisten als ein gutes Anlagekapital, das reichlich Zinsen tragen würde und daneben Gesittung und neues Leben unter die alten Insassen bringen Werde". Um Kolonisten zu bekommen, wurden besondere „Edikte" erlassen, die von des Königs Emissären weiter verbreitet wurden. In Frankfurt a. Main und Hamburg wurden ständige Stationen errichtet, die sich mit dem Anwerben von Kolonisten zu beschäftigen hatten. Kein zur Kolonisation geeigneter Umstand entging dem scharfen.Blick des rastlosen Königs. So schreibt er an seinen Minister Michaelis am 21. Oktober 1750: „In den kleinen Städten, da fehlt es noch an Menschen, da können wir noch Haussen unterbringen und dazu haben wir die Gelegenheit, da die Stadt Gera ganz abgebrannt ist, daher können wir ein Haussen Fabricanten ins Land ziehen und solche daun in den Städten etabliren." Die 'Edikte enthielten gewisse Benefizien und Freiheiten, die den neuen Bürgern gewährt werden sollten. Alle stellen als Hauptwohltat die „Werbe- und En rollte ruugsfrei- h e i t", die Befreiung vom Militärdienst, in Aussicht. Ferner genossen die Kolonisten für ihre ins Land mitgebrachten Habseligkeiten (Silber, Glas, Porzellan) Zollbefreiung. Nach ihrer Niederlassung wurde ihnen „Einquartierungs - und Ser - vissreiheit" gewährt. Jeder Kolonist konnte nach seiner Brauchbarkeit Anstellung int königlichen Dienste finden. Wer als Handwerker in einer Stadt eine wüste Stelle bebaute,, erhielt 150 Taler Gnadengeschenk und Baufreiheitsgelder, die nach dem Bauanschlag mit 20—23 Proz. vergütet wurden. Fabrikanten erhielten zuweilen auch fertige Häuser erb- und eigentümlich zum Besitz. Waren dieFabri- fonten Wollarbeiter, so bekamen sie aus den eigens errichteten Wollmagazinen „Wollvorschüsse". Den auf dem Lande angesiedelten Professionisten wurde zum Hausbau das nötige Holz aus den königlichen Forsten frei geliefert. Die Häuser blieben ihnen als erbliches Eigentum, worüber ihnen sogleich Erbver- schreibungen eingehändigt wurden. Ferner wurden den Kolonisten alle möglichen Reiseerleichterungen zuteil; so wurden an -„Meilengeldern" für eine Familie von 4 Personen 8 Groschen gezahlt. Was die Plazierung einer ländlichen Familie betrifft, so beliefen sich die Kosten durchschnittlich auf 400 Taler. Fand der Ansiedler bei seiner Niederlassung nicht ein fertiges Haus vor, so erhielt er zur Erbauung des Hauses, der Scheune und der Stallung an barem Gelde 360 Taler. Außer den Wirtschaftsräumen wurden dem Kolonisten noch die „tote und lebende Hofw ehr", das nötige Wirtschaftsgerät und erforderliche Wirtschaftsvieh, bewilligt. Diese „Hofwehr" wurde mit 78 Talern vergütet. Die „lebende" Hofwehr bestand aus 2 Pferden, 2 Ochsen, 4 Kühen. Außerdem erhielt der Koloniebauer für Saatgetreide an barem Gelde 35 Taler. In der Regel wurden dem Neubürger 30 Morgen Land zur Bewirtschaftung zugewiesen. In den ersten Jahren seiner Niederlassung stand das Land dem Kolonienbauer zur freien Benutzung zu; dann mußte er eine mäßige Pacht bezahlen. Bon dem Anlagekapital von 400 Talern wurden in der Re^el 7 Proz. Zinsen entrichtet. Im ganzen hat der König Friedrich II. während seiner Regierung 50 Millionen Taler für Kolouistenzwecke verausgabt. In dieser Summe sind allerdings die sehr namhaften Zuschüsse für Landes-Meliorationen enthalten Durch den späteren Berkaus der ganzen Wirtschaft an den Kolonisten kam der Staat freilich wieder zu seiner ursprünglich auf- aewendeten Summe. Auch stieg durch die Aufwendungen für Meliorationen die Ertragsfähigkeit des Bodens und damit der Wert der Güter. Mit dem gehobenen Wohlstand wuchs außerdem die Steuerkraft des Landes. Durch Mollwitz, Hohenfriedbcrg, Soor und .Kesselsdorf wurde der Besitz Schlesiens erkauft, und die Friedensschlüsse von Breslau (1742) und Dresden (1745) bestätigten die Errungenschaften. Der König kam dadurch in den Besitz einer Provinz, Der seinem Staate etwa 600 Ouadratmeileu und 1500 000 Einwohner zubrachte. Der neue Besitzer machte sich sofort an die Arbeit. Das neuerworbene Land wurde in 48 Landratskreise eingeteilt. Zur Beschaffung der Mittel für die notwendigen Ausgaben wurden 10 Steuer kreise eingerichtet, eine besondere „Klassifikations-Haupt kommt ssion" eingesetzt, die die Einschätzung der Steuerpflichtigen vorzunehmen hatte. Bon der Steuereinnahme wurden jährlich 554932 Taler für Kolonistenzwecke verwendet. Die zehnjährige segensreiche Friedensarbeit wurde durch einen neuen Kampf um Schlesiens Besitz gestört. Grst der Hubertsburger Friede (1763) sicherte dem König den ungestörten Besitz des neuerworbenen Landers zu. Die Kolonisationstätigkeit des Königs in Schlesien umfaßt zwei Abschnitte: Vom Dresdener Frieden bis zum Beginn des siebenjährigen Krieges (1745—1756) und vom Frieden von. Huberts- burg bis zu Friedrichs Tode (1756—1786). Während der ersten schlesischen Kolonisationsperiode wurden etwa 7000 Personen an* gesiedelt; in der zweiten Periode kamen 53 000 Neubürger in das Land, so daß die Zahl der Kolonisten für Schlesien von 1742—1786: 60 000 Personen betrug. Die in Schlesien ein- gewanderteu Kolonisten setzten sich nach ihrer Nationalität zusammen aus: 27 510 Oesterreichern, bezw. Böhmen, aus 19 000 Deutscki-Polerr, 10 056 Sachsen und aus 6000 Personen aus verschiedenen Staaten. Von den Sachsen wurden hauptsächlich die Städte ausgesucht. Die Sachsen haben durch die Weberei und Tuchmacherei das industrielle Leben der Provinz gehoben und haben ferner durch ihren Fleiß auf die anderen Bewohner anregend gewirkt. Die „mährischen Brüder" gründeten die bekannten Kolonien: Gnadenfrei, Gnadenberg und Neusalz. Letzteres nahm auch „Brüder" der Kolonie Marienborn-Herrnhag aus dem Jseuburg-Midingenschen auf. Für Hebung seiner Marken, für seine Provinzen P o m> mern, Magdeburg, Ostpreußen war der König nicht weniger besorgt, wie für fein Lieblingskind Schlesien. Vor dem 7jährigen Kriege waren in der Kurmark allein 50.000 Kolonisten eingewandert. Der unheilvolle Krieg vernichtete diese segensreiche Bcvälkerungsvermehrung in der Mark vollständig. Es war des Königs Sorge, wieder gut zu machen, was der leidige Krieg verdorben hatte. Besonders galt es, das Land zu bevölkern und Meliorationen durch Trockenlegung der Bttiche durchzuführen. Die Zahl der Kolonisten in der K u r mark betrug von 1763 bis 1786: 3 3 000 Personen. Die N e u m a r k hatte durch die Belagerung, von Küstrin, durch die Schlacht bei Zorndorf und die beständigen Truppendurchmärsche so sehr gelitten, daß ein Verlust von 57 000 Menschen festgestellt werden kann. Die Zahl der ländlichen Kolonisten in der Neumark läßt sich auf 16000 Personen schätzen, während die Städte gegen 8000 Neubürger aufnahmen. In Pommern hatte gleichfalls der Krieg furchtbare Spuren der Verwüstung zurückgelassen: 465 Häuser waren abgebrannt, und die Bevölkerung hatte eine Einbuße von 56 000 Seelen erlitten. Durch alle möglichen Mittel suchte der weise Monarch, d:e Spuren des Krieges zu verwischen und die alte Blüte der Provinz wieder herzustellen, sodaß int Jahre 1774 der Verlust an Menschen nicht nur gedeckt, sondern sogar ein erhebliches Plus von 30 584 Seelen gegen 1756 vorhanden war. Für die Provinzen Magdeburg und Halber st adt war der König ebenfalls fürsorglich bedacht. Hier galt es weniger, die Schäden des Krieges zu heilen, als das Land zu. verbessern und zu „peuplieren". Die Gesamtzahl der Kolonisten für Magdeburg und Halberstadt betrug 20 000 Seelen. Die Bemühungen des Königs für Ostpreußen und Litten en stehen in keinem Verhältnisse zu der Fürsorge für andere Teile der Monarchie. Hier hatte fein Vater, König Friedrich Wilhelm I„ Großes geleistet. Immerhin betrug die Zahl der o st preußischen Kolonisten von 1740—1770: 75 000 Personen. Was die Stärke der durch die friederieianischen Kolonisten in den alten Provinzen toertretenen Nationalitäten anbelangt, so ergibt sich folgendes Verhältnis: In der Neumark überwiegen die Deutsch-Polen mit 1745 Familien. In der K n r m a r k stellen das sächsische Kontingent die K n r s a ch s e r. mit 766 Familien. In Pommern überwiegen die Pfälzer mit 341 Familien, in Magdeburg die Kursachsen mit 415 Familien. Für Ostpreußen fehlen die Heimatsnachweise. 1772 erfolgte die erste Teilung Polens. Preußen erhielt etwa 660 Quadratmeilen mit einer Bevölkerung von 600 000 Einwohnern, nämlich das Land „Westpreußen" außer Danzig und Thorn, ferner den „Netzedistrikt", den nördlichen Teil der heutigen Provinz Pofen. Die wirtschaftliche Lage der neuen fri- derizianischen Gebietserwerbmig war keine günstige. Die Mehrzahl der Bauern lebte in einem Zustande der Sklaverei, der schrankenlosen Willkür ihrer Starosten anfjeimgegeben, so „daß der große König mit Recht nach Erwerb des Landes andern konnte: „Ich habe dieses Preußen gesehen, ich glaube, Canada ist besser kultiviert. Man hat mir ein Stück Anarchie gegeben, mit dessen Umwandlung ich mich beschäftigen muß". . Es galt, deni verwilderten und verwahrlosten Lande ein „europäijches, ein germanisches Aussehen" zu verleihen; es galt, ein neues Terrain für deutsche Bildung und deutsche Kultur zu erwerben. Mit der ganzen Kraft seines Verbesserungstalentes ging der König an die Pflege dieses jüngsten Müdes seiner Monarchie, und wie er einst für Schlesien Tag und Nacht besorgt war, so sollte letzt dieser neue Pflegebefohlene eine wahrhaft väterliche Fürsorae erfahren 52 Magisches Auadrat. Pin die Felder nebenstehenden Quadrat» und die Buchstaben AAEEEEEHISSSLL r R derart einzutragen, ba6 die wagerechten u. senkrecht. Reihen gleicblautend folgendes bedeulenr 1. Griechische Göttin. 2. Ein Tier. 3. Ein Nahrungsmittel. 4. Schmackhaiten Fisch. Auflösung ni nächster 'Nummer. Auflösung des Logogriphs in voriger Nummert Gardine, Sardine. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Vertag der Brühl'sehen Universitäts-Buch-- und Steindruckerei, R. Lang«, Gtejett. hat. Mer es ist nicht zu leugnen, daß das' offene KamtnfE einen Raum traulich und gemütlich macht, und so, kann man es dem allerdings immer konservativen Engländer nicht verdenken, wenn er sich von deni überkommenen HerMtem nur sehr schwer trennen kann. Seit dem Aufschwünge des deutichen Kunstgewerbes ist man auch bei uns mehr und mehr dazu gekommen, den alten Kamin wieder soweit in seine Rechte zu setzen, als er als Zunmer- schmuck dienen soll. Wir haben Scheinkamme, die rn WrrNrch« feit einen Heizungskörper geschickt verbergen; aber die Hauptsache fehlt hierbei doch immer, und das ist das flackernde, offene Feuer. Wir Deutschen haben eigentlich — und das wird niemand bestreiten — die besten Oefen; denn wenn auch unsere Kachelofen sehr schwer zu heizen sind, so haben sie doch den sehr groster^ Vorteil das; sie die Wärme nicht sofort ausstrahlen, sondern trt sich ausspeichern und nur allmählich abgebem Do« nicht ut allen Gegenden Deutschlands hat man diese Kachelöfen tu Ge^ brauch, sondern der alte eiserne Ofen hat, noch vielfach seinen Platz behauptet, besonders im Westen. Hier findet man noch die eisernen Oefen in ihren mannigfaltigen Variationen, wie Kanonenöfen, Füllöfen, Dauerbrandöfen, di« ledoch, wenn auch die beiden letztgenannten Arten den Uebelstand seitigen, im wesentlichen nicht viel besser sind, als die >offenen Kohlenbecken der Antike. Auch im Norden, in Schweden und Norwegen, finden sich noch diese eisernen Oefen,, die vielfach recht hübsch ausgestattet sind und einen schonen Zimmerschmuck darstellen. In unserer modernen praktischen Zeit geht man mehr und mehr dazu über, die Zentralheizung zu benutzen, die je nach dem Ueberträger der Wärme, als Luft-, Wasser- oder Oampf- ^^DanÄn'hat Matt auch schon die Elektrizität in die Dwnste gestellt, und so haben wir die elektrischen Heizungen. Zuerst ist man in Amerika dazu.übergegangen, eine große« Anzahl von Gebäuden voll einer einzigen Feuerstellc aus zu her<,en,.und die bedeutendste Fernheizung tn Deutschland ist das staat! we Fernheizwerk in Dresden, das etwa ein Dutzend, Staatsgebäude, von denen das entfernteste 1,1 Kim. weit abliegt, mit Herz- damps versieht. Vermischtes. * Friedrich der Große und d a s S ch a ch. Friedrich der Große spielte das Schach leidenschaftlich und zugleich ausgezeichnet; indessen mußte er einst doch erleben, von _seinen Bauern besiegt zu werden. Im Halberstädtischen liegt ein ‘A-'Orf, Strvbeck, das von den ältesten Zeiten her das Recht hatte, dmrch das, Schach über seine Abgaben zu entscheiden. Da das Nachspiel unter dem Bauernstand in Deutschland nicht so sehr gebräuchlich ist, so ist es gelviß ausfallend, daß die Bauern von Ströbcck sich darin auszeichneten. Wahrscheinlich ist es, daß ern Bischof, einst hier als Privatmann lebend, die Ländle,ite aus eigeiler, .^.iebhaberm damit bekannt geinacht und späterhin, unter der Bedingung des vollendeten Spiels, von manchen Abgaben befreit hat. Alle ^ahre kam ein Abgeordneter der Regierung, um ern Spiel mit den Strobeckern zu wagen. Gewann dieser die bestimmte Anzahl von Spielen so mußte der Ort seine Abgaben zahlen, verlor er sie, was zumeist der Fall gewesen sein soll, so nahm er einen Beclwr S 8'rgeld mit, und damit, wie die Bauern sagten Gott befohlen!" - Friedrich der Große, mir zu regen gewohnt, begab sich einst, als er dem Ort nahe war, dah-n,,um den Bauern die hohe Gnade zu erweisen, sie zu schlagen; allem auch er mußte, wie seine Bevollmächtigten, mit einem „Gott besolden! abzichcn Zur Erinnerung an diesen über ihn erfochtenen Sieg schenkte er der Gemeinde ein Schachspiel, Brett und Figuren aus.Elfen,em und Silber, das heute noch in dem Orte aufbewahrt wird und de» Reisenden bereitwillig gezeigt wird. * Br-ghat. „Sagen Sie, lieber Mann, wie kommt, man denn hier am schnellsten zum Polizeibureau?" — „Seh n Sie den Schutzmann da an der Ecke?" —, „3a. ” „Ra, da geh n Sw mail hin und hau'n Sie ihm eine runter dann wird er S6n*1 ©roTarHg" " Ueberfallener: „Nehmkm Sie mir doch nicht alles; ich dächte. Sie könnten sich mtt dem baren Gelds beglüigen!" — Räuber: „Das sagen Sw so, mein Lieber. Wenn Sie wüßten, ivie lächerlich wenig davon auf leben kommt I Wiv sind eine G. m. b. H..!" . Die die Untertanen so schwer drückende Leibeigenschaft wurde abaesilafft die Sewitutsreckste beschränkt, die Fronarbeiten und kiosdienste ermäßigt und der Grundbesitz durch gerichtliche Ein traauna aesichert Durch die Anordnung der Zusammen- teauna der Ländereien wurde eine rationelle Bewirtschaftung in Aussicht gestellt, wobei gleichzeitig den schlechten Zugängen und d« K-m-du-chdl- l s. m, a«>--Brabe-Kanals, der Weichsel, Oder und Elbe verbinde? Fn 16 Monaten war das Werk mit einem Söften^ ausiEid von 739 956 Talern vollendet. 6000 Arbeiter waren dabü Tag und Nacht tätig. Durch die Austrocknung.stagmeren- der Sümpfe und Seen, die durch den Kanalbau bewirkt -wurde, erwarb man bedeutende Strecken im Interesse oer ^andcviultur, sodaß der König nach Vollendung des Werkes ausrief. „Hier habe ich im Frieden eine Provinz erobert! . Zur Heranziehung tüchtiger Kolonisten wurden tm allgemein.n in We st Preußen dieselben Benefizien gewahrt, tote tn den alten Provinzen. Dazu gehörten die Bewilligung von Reise- aeldern, die Ueberlassung der notigen Wirtschaftsgebäude , und Gckergerätschaften, die Beschaffung von Vieh und die Zuweisung von 15 Morgen Land zur freien Benutzung. Ein wescpreußtscher Kolonist konnte ein Bauerngut nebst Wirtschaftsgebauden „totem und lebendem Inventar" für den billigen Preis von c00 Talern erwerben. Als „Repräsentanten" aller ländlichen ivestpreugis^n Kolonisten sind die Schwaben anzusehen. 668 Familien aus Schwaben wurden von 1772—1786 angesieoelt ^cht bloß durch wirtschaftliche Tüchtigkeit, sondern aua; durch bessere Bildung zeichneten sich diese Ansiedler vor den alten Insassen, den Polen, ““Sm ganzen tvurden in Westpreußen 2206 Familien angesiedelt, 1279 auf dem Lande und 927 in den Städten. Mit der. Erwerbung Westpreußens durch Friedrich II. wurden der Handelsverkehr und der Zmsatz der landwirtschasclichen und gewerblichen Produkte ganz besonders gefördert Durch die Zunahme des Verkehrs in Kulm und Bromberg, litt das polnffche Dyorn derart, daß sich seine Einwohnerzahl innerhalb 28 Zähren von 8960 auf 5570 reduzierte. ■ , , r„.. 250 000 Personen, meist tüchtige Kräfte, hat der große Komg durch seine rastlose Tätigkeit als neue Kulturträger seinem Lande zugeführt. Seine deutschen Pioniere haben nmnche Bresche in das aut verteidigte polnische Bollwerk gelegt. Was Friedrich IL durch seine Kolonisationen für die Kultur seines Landes! ge tau hat, wird die Nachwelt stets zu schätzen wissen. In diesm Beziehung erscheint sein Bild in noch schönerem Glanze als tn dem, den ihm seine ruhmvollen Waffentaten tn der Knegs- aeschichte verliehen haben. Die 200. Wiederkehr des ^burts- tages des großen Preußenkönigs verpflichtete, jenem ^.ebens- werke des einzigen Friedrich, seinen Kolonisationen, einige Morte der Würdigung zu widmen. wie die Völker Hetzen. Wie so oft in der Kulturgeschichte begegnet sich auch in der Geschichte der Heizung. Allerältestes mit Allerneuestem. Unsere moderne Zentralheizung ist im Prinzip..dasselbe wie das Hhpo- kauston der alten RöiNer, das diese höchstwahrscheinlich wieder von den Griechen übernommen haben. Tas HypokLuston (Heizung von unten hör) ck tm wescnll ch.n so eingerichtet, daß der eigentliche Fußboden des Zimmers Nicht auf einem festen Unterbau, sondern auf einer Anzahl Säulchen ruht und somit ein freier Raum von geringer Hohe entsteht. Zwischen den Säulchen streicht von der im Keller gelegenen Zentralheizung heiße Lust unter dem Fußboden her, erwärmt ihn und somit das über ihm liegende Zimmer. Selbstverständlich benutzten die Römer dieses Hypokauston nur zum Heizen größerer Räume, so B. der Bäder. Gewöhnlich bediente man sich der noch heute in den südlichen Ländern üblichen -offenen Kohlenbecken, die im höchsten Grade unpraktisch sind, aber dennoch für die kurze südliche Winterszeit im großen und ganzen genügen Außerdem sind , die im antiken Hause sowohl tote teilweise noch jetzt im Süden im Winter benutzten Wohnräume meistens Heut, also leicht zu heizen. Bei dieser offenen Feuerhetznng, die noch heute in Italien, in Südfrankreich und ut Spanien die vorherrschende ist, wird nur die strahlende Wärme nuSgemtfet . Auch bei einer anderen Heizart, dem allbekannten Kamrne, wird die strahlende Wärme ebenfalls hauptsächlich allein, ausgenutzt. Der Kamin ist -eine in Deutschland vor alter Zeit ge- bräuchliche Form der Heizung, und in vielen alten. Burgen und Bauernhäusern findet er sich heute noch. Weit heimischer aber ist er in England und im nördlichen Frankreich, wo er trotz der Modernen Erfindungen seinen Platz bislang behauptet hat und auch wohl noch lange behaupten wird. Wer jemals in England vor einem solchen Kamine in der kalten Winterszeit gesessen hat, der wird mit Schaudern daran denken, wie er vorne gebraten wurde und hinten vor Frost und Kälte beinahe umkam. Ganz abgesehen davon ist der Kamin ein ganz störrischer, unberechenbarer Gefelle, bei1 ständig Pflege und Nahrung nötig