MW WM Die von Gründingm. Wvman von Freiherr von Schlicht. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) -„Sie wollten mir die Gründe nennen, Komtesse, die Sie zu dem Befehl veranlaßten, ich solle das Schloß verlassen." Auch jetzt war er der UeLerle-gene: Anstatt daß sie, wie sie es sich fest vorgenommen hatte, ihm alle Anklagen ins Gesicht schleuderte, ihn kränkte und beleidigte, galt es jetzt nur noch, seine Frage zu beantworten. Mochte sie auch alles sagen, was sie auf dem Herzen hatte — es würde doch nicht mehr denselben Eindruck auf ihn machen, als wenn sie alles aus sich selbst heraus gesagt hätte. Und nun, da sie seine Frage beantworten sollte, wurde sie plötzlich schwankend, ob sie auch alles sagen könne. Durfte sie überhaupt gestehen, daß sie seine Werbung bemerkt, daß sie seinen Wunsch, sie zu gewinnen, schon lange erraten hatte--? Konnte sie ihm sagen, sie dächte nicht daran, ihn je zu erhören? Durfte sie von alledem sprechen, bevor er nicht selbst davon anfing? Was dann, wenn er, um nicht als Besiegter dazustehen, einfach alles ableugnete! Wenn er ihr erklärte: sie müsse seine Worte, seine Blicke ganz falsch aufgefaßt haben; er dächte ebensowenig au sie, wie sie an ihn? Daß jedes seiner Worte dann eine Lüge sein würde, wußte sie ja genau — aber sie hatte dann keine Möglichkeit mehr, das zu beweisen. „Ich bin wirklich sehr begierig, Komtesse." Dagmar schwieg noch immer. Sie wußte nicht, wie sie beginnen sollte. „Darf ich Ihnen etwas behilflich sein, Komtesse?" fragte er nach einer kleinen Pause. „Auch ohne daß Sie es mir mitteilen, weiß ich ja, was Sie mir sagen möchten. Und ich fühle es Ihnen nach, daß die Worte nicht so recht über Ihre Lippen wollen, denn es ist ja immer Unangenehm, einem anderen und auch sich' selbst eingestehen zu müssen, daß man sich irrte —." Sie sah' ihn mit zornblitzenden Augen an: „Was wollen Sie damit sagen?" „Nicht viel — — nur: daß Sie die Begriffe Haß Und Liebe miteinander verwechseln. Sie schicken mich nicht fort, weil Sie mich hassen, sondern — weil Sie mich lieben." Sie war aufgesprungen —. jeder Mutstropfen war aus ihrem Gesicht gewichen. Sie zitterte und bebte vor Empörung am ganzen Körper. Vergebens suchte sie nach' einem Wort der Beleidtgung, das sie thm ins Gesicht schleudern konnte. 'Und wie er dasaß! Den Blick fest auf sie gerichtet, jede ihrer Bewegungen verfolgend! Für ihn stand doch jetzt alles auf dem Spiel — die nächsten Minuten mußten die Entscheidung bringen. Aber die Ruhe verließ ihn auch jetzt nicht, nicht einmal das Lächeln war von seinen Lippen geschwunden. Sie hatte nur den einen Wunsch, ihn tödlich zu beleidigen, ihm ihre grenzenlose Verachtung zu beweisen! „O — tote ich Sie hasse!" Es war alles, was sie auch jetzt wieder herausstoßen konnte. Aber auch jetzt blieb er ruhig. „Sie hatten die große Liebenswürdigkeit, mir das bereits einmal zu erklären. Und ich machte Sie schon einmal darauf aufmerksam, daß Sie die Begriffe Liebe und Haß miteinander verwechseln. Ich könnte mir ja eigentlich die Mühe ersparen, Ihnen den Beweis dafür zu erbringen — aber ich halte es dennoch für meine Pflicht; denn es handelt sich nicht nur um mein, sondern auch um Ihr Lebensglück." Sie lachte spöttisch und mit unsagbarer Verachtung auf: „Halten Sie es wirklich für ein solches Glück, Ihre Frau zu werden? — Ich danke jedenfalls dafür — und vor allen Dingen auch für die große Ehre, die Gattin eines Reitlehrers zu werden, — Ihre Gattin! Denn das wäre für mich alles andere — nur keine Ehre — das wäre für mich eine Erniedrigung — und eine Schmach! —, So, nun wissen Sie. es, und jetzt — —" Aber mit einem erschrockenen Aufschrei hielt sie plötzlich inne und starrte ihn an: er saß da, als hätte er einen Schlag ins Gesicht bekommen. Seine Wangen glühten dunkelrot, seine Augen funkelten in wahnsinnigem Zorn; mit seinen starken Händen umklammerte er den Tisch, um sich dadurch zu zwingen, nicht aufzuspringen, nicht auf sie losznstürzen. Jetzt hatte sie das richtige Wort endlich' gefunden, ihn auf den Tod gekränkt und beleidigt. Aber in das Gefühl der Freude mischte sich plötzlich die Angst — sie wollte aufschreien und um Hilfe rufen, aber die Furcht schnürte ihr die Kehle zusammen. Fort, fort! Sie hatte nur den einen Gedanken. Und langsam nähert» sie sich der Tür. Da sprang er in die Höhe, und sie taumelte vor seinem wutentstellten Gesicht zurück: „Lassen Sie mich gehen —." „Nicht eher, als bis Sie die Worte zurückgenommen haben, Komtesse!" , Sie fühlte, wie sie blaß wurde. Aber trotzdem sagte sie mit fester Stimme: „Niemals." „Doch, Komtesse." Sie gewann ihren Mut zurück: „Geben Ste es endlich endlich auf, Herr Baron, immer mit diesem „doch" zu prahlen! Es macht auf mich wirklich keinen Eindruck — — Und abermals wandte sie sich zur Tür. Aber er kam ihr zuvor. „Wollen Sie mich etwa einschließen?" 45G Das sollte ironisch Hingen, aber sie konnte ihre Furcht «r: W' w w°«'° Ihnen die Tür öffnen, wie sich das für einen Kavalier einer Dame gegenüber gehört. Und zwar nichtnur diese eine, sondern auch drese — und drese — — "Ue drer Urrd j- 111 tr pfncn tVIhqcL jottbctn bcibs. Sö, £ nun sind alle offLr. - Der Weg ist frei, Komtesse. Und doch werden Sie das Zimmer nicht eher verlassen, ehe Sre mich nicht um Verzeihung gebeten haben. Daß es lange dauern wird, sehe ich voraus, — fassen Sre es deshalb bitte nicht als ein Zeichen vorr Unhöflichkeit auf, wenn rch rn- zwischen irgendein Buch zur Hand nehme." . Er ließ sich irr einem bequemen Fauteuil meder und ergriff eines der auf dem Tisch umherliegenden Bucher. Unbeweglich stand Dagmar da. ■ • Hätte er sre em- geschlossen, so hätte sie um Hilfe gerufen oder nach den Dienstboten geklingelt. Aber jetzt, da er alle Türen für sie geöffnet, konnte sie nicht gehen, das verbot rhr der Stola — sie mußte bleiben, wenn sre sich nrcht vor rhm demütigen und feige erscheinen wollte! Die Angst, die sie vor ihm empfunden, war langst geschwunden; sie gestand cs sich nicht ein, daß er drese selbst von ihr genommen, dadurch, daß er rhr den Weg freimachte. c „ . „Gestatten Sie, Komtesse, daß rch rauche? Sie würdigte ihn keiner Antwort. „Ich danke Jhnerr, Komtesse. Darf rch Ihnen auch eine Zigarette anbieten?" Und er hielt ihr das geöffnete Etui hin. Auch jetzt schwieg sie. „Ganz wie Sie wollen, Komtesse. _ Aber ich mochte Ihnen doch wenigstens einen Stuhl anbieten. Das lange Stehen ermüdet, das weiß ich noch von meiner Dienstzert her. Wenn man da bei feierlichen Gelegenherten eine halbe Stunde und länger herumstehen mußte, dann war mau nachher gerädert und zerschlagen. Und Sie werden vrel- leicht Stunden hier stehen —,, , „Ich denke nicht daran," gab sre hochmütig zur Antwort. „Ich gehe, wenn es mir beliebt." „Und warum- gehen Sie nicht jetzt?" „Das ist doch wohl nur meine Sache." „Was man so „meine Sache" nennt." Er hatte ihr einen Stuhl hingeschoben, ging jetzt wieder auf seinen Platz zurück und nahm von neuem das Buch zur Hand.___ ,, Sie sah: er las wirklich, er blätterte nrcht nur um, als wolle er dadurch seine Ruhe und Gleichgültigkeit beweisen, sondern er las Wort für Wort. Von Zeit zu Zeit streifte er die Asche seiner Zigarette ab oder zündete sich erne neue an. Um sie selbst kümmerte er sich absolut nicht, mit kernem Blick sah er nach ihr hin. Und das reizte und empörte sie anfs neue, brachte ihr Blut in Wallung, ließ sie mit den Füßen auf den weichen Teppich stoßen. War er denn wirklich ihrer so sicher — wußte er denn so genau, daß sie nicht gehen würde —? Was hielt sie zurück? Sie maß die Entfernung bis zur Schwelle mit den Augen —, — höchstens fünf Schritt — dann war sie im Nebenzimmer. Sie wollte gehen, er mußte die Niederlage erleben, wenn er sich umwandte, das Zirnmer leer zu finden! Und sie machte leise einen Schritt zur Tür. (Schluß folgt.) Von Alexandria nach Achen. Eine Luft- und Licht-Novelette. Von P a u l >S ch e e r b a r t. In Kairo war viel von einer englischen Luftschiffahrtsgesellschaft die Rede. Diese Gesellschaft wollte von Kairo aus Luftfahrten in die Wüste Sahara, nach Sizilien, Griechenland, Kleinasien und Palästina in großen lenkbaren Ballons veranstalten. Man hatte sogar die Idee, mit verschiedenen Ballons zu fahren — und regelmäßig — zunächst einmal in jedem Monat. Aber es gelang doch nicht, die reichen Fremden in KanD so rasch von dem Werte derartiger Luftschifflinien zu überzeugen. Man wollte auch lieber auf dem Nil als über dem Nil fahren. Und auf die Pyramiden wollte man lieber mit Hilfe der Eingeborenen in alter Weise hinausklettern. Uiid so kam anfänglich nichts Rechtes zustande. 1 Doch endlich setzte es die englische Gesellschaft durch, daß Ueber- Neue! Glän- reichen eine Probefahrt mit 25 Passagieren von Alexandria nach Athen stattfand. Man wollte dabei Cypern, Kreta und unsere Keinen' griechischen Inseln überfliegen. , An Bord befand sich auch Mrs. Cartouche, eine reiche ameri-, kanische Witwe mit ihrer achtjährigen Tochter Adeline. Mr. Adrian, der Architekt der englischen Luftschiffahrtgesellschaft, spielte bei den Damen den Mentor. lieber Cypern sagte Mr. Adrian zu der Amerikanerin: Meine Gnädige, Sie haben einen französischen Namen, sind echte'Ämerikanerin und sprechen nur deutsch. Derartiges kann man auch nur über Cypern erleben, wo im! Altertume Aegyter, PhvMier,- Assyrer unb Griechen abwechselnd oder zusammen das Szepter führten. Und ich bin eigentlich sehr ungeduldig, . oben sitzen muß und nicht dort unten, wo man un Altertume ryprischen Wein trank, Lufthäfen bauen kann. „Warum bauen Sie keinen Lufthafen da unten? fc^enafe weis die kleine Adelina, „Platz genug ist da doch. Sehen Sie nur: da unten zwischen den gelblichen Hügeln, r, r < Mr. Adrian goß Rothwein aus dem alten Deutschland in die am Tischrande festgeknip'sten Gläser und lachte dann. Mrs. Cartouche meinte: , . . , , „Kindern fällt es doch gar nicht leicht, bett Wert des Geldes zu begreifen." . Mr. Adrian verbeugte sich und fragte. , „Ich bin gar nicht so ohne weiteres der Meinung, daß bet modernen Gründungen das Geld die Hauptrolle stfelt Für die Luftschiffahrt sind in den letzten Jahren 300 Millionen aus- gegeben und — auch noch mehr; ich weiß es nicht so genam m nTfn Iiilbt so unerreichbar, tote es den ersten Das Geld ist also nicht fo. unerreichbar, tote es. den Blicken scheinen mag. Wichtiger ist eben nach meiner zeugung ein Anderes: die zündende neue ^bee! ams Das Blendende! Auch meine Lusthafen mußten etwas zendes haben, das ohne weiteres eine größere Anzahl von Leuten gefielet Dann würden meine Lufthäsen schon gebaut. Gteich- zeitig müßte das Neue — Glänzende • Blendende ctucb nieder naseweis die kleine Adelina/ , mit"Glas — das ist blendend, glänzend und neu. ' , Es hat doch aber," rief Mrs. Cartouche, die Mama,,„kernen Zweck mit so kostspieligem Material statt mit Ziegelsteinen zu bauen. Die alten Assyrer bauten doch auch nur mit Ziegel- stetnen/^ nid)it fo viel Geld!" sagte leise die Adelina. Mr Adrian jedoch bemerkte mit tiefer Stimme: , Es muß einen plausiblen Grund haben, wenn wir nur mü Glas' und Eisen wie bei den Bahnhofshallen der ^ampchahn bauen wollen. Ohne plausiblen Grund darf Man nicht zu neuen ^'^M^Adettna Cartouche sagte Mit blitzenden Augen: ,Das Glas blitzt — und wenn's viele Farben zeigt, steht s bittit' aus. Auch ist es in der Nacht durch elektrisches mäst leicht sichtbar zw machen." Die Mama der Adelma bemerkte dazu. , Kinder sind wie die unkultivierten Völker — tote die kleinen Neger; die sreuen sich auch an allem Bunten — und an.blitzenden Steinen Darum will die Adelina auch nur das Glas haben, es ist auch sehr natürlich und echt kindlich, daß sie s gleich bunt Haien möchte - so wie bunte Lampions - nicht wahr, K^Adelina tonr ganz blaß geworden, sie sagte ästr nichts- Man trank Rheinwein und rauchte Zigaretten, echt ägyptische. Und in eleganter Kurve umuhr das Luftschiff dw ^nstl Cypern und fuhr dann wieder nach Westen der Mel Kreta- VA _ hoch überm blauen Westmeer, tote die alten Assyrer das Mittel- ländstche M,eer uamiten ü6er Bord und kümmerte stch scheinbar um Mr. Adrian und seine Frau ganz unb gar nicht.: Tie Sonne stand ganz hoch und blitzte nun auf den Fluten tief unten im blauen Meere; die Blitze kamen hinauf bis zum Luftschiff und stachen der kleinen Adelina ins Auge. „Welcher Unterschied," sagte sie laut zu sich selber, „ist denn zwischen Wasser unb' Glas? Das eine ist weich, bas andere ist hart. Blitzen tun alle beide." Leise bemerkte Mr. Adrian zu Madame Cartouche: „Die Kleine kann offenbar noch nicht Mer Gespräch vergessen Sie ist ein aufgewecktes' Kind. Man dürfte ihre Entwicklung eilt wenig hemmen. Es ist nicht gut, wenn Kinder zu früh über alles nachdenken. Dabei kommt selten etwas Guws heraus. „Ich tue," erwiderte Mrs. Cartouche, „eigentliche gar nichts, dazu. Ich glaube, ich kümmere mich um mein Kind eher W wenig als zu viel." । ' ' , Am Abend toat man über Kreta. ' Die Sonne ging im Meere prachtvoll Unter mit allen Farben Makarts und des Regenbogens. i Da wurde die kleine Adelma furchtbar erregt Sw faßte die -Hand ihrer Mama Und drückte fie ganz leidenschaftlich und rief immer wieder: „Wonderful! Wonderfttl!" / Das kant selten vor, daß sie so wie die kleinen amerikamsaM 451 Girls sprach; als' sie das statt! fünfzigsten Male gesagt hatte, bemerkte die Mama: -Find, man sagt doch nicht immerzu dasselbe!" , n ! „Wie?" rief die Kleine, „ich habe immerzu dasselbe gesagt? .So? Das' weiß ich nicht. Aber daß ich nicht immerzu dasselbe gedacht Habe, davon kannst du überzeugt fein. Lufthäfen, die nur aus buntem, auch'nachts zu erleuchtendeut Glase beständen, Hütten doch einen sehr plausiblen Grund: sie würden zU erkennen sein — Auch auf weite Entfernnngeit hin — so wie Leuchttürme. „Da hat die Kleine Recht!" sagte Mr. Adrian. Eine Zwischenlandung auf Kreta war vorgesehen.' Man landete glatt und soupierte in einetn Hotel.1 Am nächsten Tage stieg man wieder 'auf. Und hoch über den kleinen griechischen Inseln kam' toteber Mr. Ndrian zu Mrs. Cartouche nebst Tochter. Und da sagte der „Man sollte doch nicht glauben, woher uns oftmals die erlösenden Ideen kommen! Die kleine Adelina hat durchaus' das .Richtige getroffen: die Lufthäfen müßten in Glas in bttntem — weithin leuchtendem Glase ausgeführt werden. Das ist neu. Mit diesen Lufthäfen können gleich Hotels verbunden werden. Das würde tatsächlich ziehen. Wir wären dann besser aufgehoben als auf der alten Insel'Kreta in der vergangenen Nacht; ich habe sehr schlecht geschlafen." ' . Nun kamen andere Herren von der Luftschiffahrt-Gesellschast hinzu und sprachen auch über die Lufthüfen. Und dabei sagten alle der kleinen Adelina sehr viel Schmeichelhaftes'. Und die Kleine dachte nur Folgendes:1 „Wodurch kann ich ihnen noch mehr imponieren? Wodurch kann ich ihuen noch mehr imponieren?"' Und sie dachte über die Hotels der Lufthäfen nach. Und kurz vor Athen kam die 'Kleine strahlend zur Mama find Mr. Adrian und rief: 1 . „Die Hotels müßten auf den Dächern 'des Lufthafens errrchtet werden. Und die Hotels müßten auch alle aus Glas hergestellt werden, daß sie in der Nacht 'einen bunten Schimmer nach oben ausstrahlen." 1 Da lachten die Passagiere, und die Mitglreder der englischen Luftschiffahrt-Gesellschast lachten ebenfalls. Und die Mama streichelte ihrer Tochter die Wange. Die Tochter jedoch fing furchtbar an zu weinen; sie konnte sich gar nicht beruhigen. I Da machte Mr. Adrian die kleine'Adelina auf den herrlichen Sonnenuntergang hinter den Bergen des alten Griechenland auf- rnerksam. Und da wurde das Kind wieder ganz still und bewunderte. Mr. Adrian jedoch meinte: „Eine solche Tochter möchte ich auch haben." Das hörten viele andere Passagiere, und die kleine Adeltna horte es auch. Diese lächelte aber nicht wie die andern. Und Adelina drehte plötzlich den kleinen Kopf zu Mr. Adrian und rief ganz laut: . , . „Na — daun heiraten Sie doch Mama. Dann bin ich ja Ihre Tochter. Nichts ist so einfach wie das!" Da wurde die Heiterkeit auf dem Luftschiff dicht vor Athen einfach stürmisch. Mr. Adrian rief mit tiefer Stimme den Oberkellner und bestellte Champagner — zehn Flaschen. Und Mrs. Cartouche sagte: „Meine Tochter ist wirklich naseweis. Verzeihen Sie ihr. Aber sie ist ja noch ein Kind." „Jawohl," sagte leise Mr. Adrian, „wenn ich ihr Vater sein Darf, dann verzeih ich ihr." Da wurde Mrs. Cartouche ganz rot. Aber fünf Minuten vor der Landung — dicht vor den Propyläen trank man auf dem Luftschiff auf das Wohl eines „älteren" Brautpaares. , . ' Adelina lächelte wie eine Königin . - B Die Träume. Von Emile Verharren. Deutsche Nachdichtung von Stefan Zweig. Der belgische Dichter Emile Verharren hat seit einigen Jahren in Deutschland eine so ansehnliche Gemeinde erworben, daß er sein letztes Drama „Helenas Heimkehr"" znerst in einer nach dem Manuskript hergestellten deutschen Uebertragnug, sein jüngstes Gedichtbuch „Les henres du soir"" sogar in der französischen Uransgabe in Deutschland erscheinen ließ. Jetzt gibt der Insel- Verlag, dem das Bekanntwerden des Dichters tu Deutschland überhaupt verdankt wird, unter dem Titel „Hymnen an das Leben" eine Auswahl der besten Stücke seines jüngsten Schaffens heraus. Es ist einer der ersten Bände der in diesen Tagen erscheinenden „Insel-Bücherei"", einer Sammlung von klassischen unb modernen Werken der Weltliteratur, von der jeder Band gebunden zu dem staunenswert billigen Preise von 50 Pfg. dargeboten wird. Durch das Entgegenkommen des Verlages sind wir in der Lage, ein Gedicht schon heute unseren Lesern zugänglich zu machen. O, die verlornen Inseln irgendwo im Weltenraum!, Mit ihren seligen Ländern Und Stranden und Städten, Deren Bilder im spiegelnden Widerschein Bis in die Wolken hinein Prangen, Und die mit silbernen Ketten Und weiten, wehenden, goldenen Bändern An den Nägeln der ewigen Sterne hangen: Wie oft gedenkt mein Herz, mein Geist ihrer itai Traum! Und sprach mein Herz: lieber ihre Wälder streichen Die Winde mit viel lindern und weichen Händen Hin als anderwärts, Der Schatten ist dort voll Glanz und voll Güte Unb durchdüftet sich an der Schwelle mit Dem Atem der rings gebreiteten Blüten, Eh er ins Dunkel der Häuser tritt. Das Licht, das die Sonne ins Meer hinein Schleudert, zerstiebt dort, ein goldener Reifen, Und jede Welle trägt Edelgesteiu. Keine Klaue von Lärm wagt ins Schweigen zu greifen. Die Stunden wiegen sich, ohne zu lasten, Wie Lianen zwischen den schläfernden Bäumen In weicher Wärme von Frühe zur Nacht, Und der blauen Wälder versunkenes Träumen Ergreift auch die fttnfelnben Heiden sacht. Der Wind, der Honig den Blüten entlüftet, Streift gedankenlos über das Feld, Und fernferne Berge zittern vom Rande Des Himmels, itt Gold unb Bernstein geioanbet. In den beschwingten Morgen ber Welt. Und sprach mein Geist: Die schöttsten Gelände des Lebens Sind selig, unter Rosen unb Blüten Die wahrhaft Weisen geruhig zu hüten. Vergebens Erweist sich irbisch BeiNühn, als glühender SchimNt'er Aus irdischer Nacht die Welt zu erhellen Und ztt entflüchten ber weißen Zelle, Die seilte eigne Vernunft ihm gezimmert. Alles ist Schein: Rattm, Zeit unb die Zwecke, Und müht sich aus der Geist, seit seinem ersten RegeN Der finstern Stirne der unfaßbar einsamen Natur Sein schwächlich eignes Denken aufzuprägen. Sein Weiterschreiten schwankt und führt ins Wesenlose nur» Noch keine Faust, noch feilte Müh vermochten Der Wahrheit Nägel wegzurühren von dem' Flecke, In die sie einst ein dunkler Wille schlug. All unser Schaun und Urteil gilt dem Trug, Und wer dem nachsinnt, ber verknäult nur noch den Irrtum Mehr, Die Welt ist tief in Träume eingeslochten. Und unser bestes Glück stamurt von bett Lügen her. So sprach mein Herz und sprach mein Geist An einem Abend voll Gram und Ermatten, Als die Sonne nur träge sich Wie ein greiser unb grünlicher Schatten Um die Ränder ber Erde schlich. Doch mein ganzes Wesen, das plötzlich, kraft Den roten Schätzen, Des irdischen Werts und Vertrauens eutrafst. Ballte sich gegen sie auf und versetzte: Ich fühle Trunkenheit mich heilig durchrauschen. Meine Stirn ist zu trotzig, mein Sinn zu verwegen. Um mein Leben Mit dem eines lauen, Geschicks, Eines zweifelnden Sinnes, eines wissenden Glücks Dort fern auf den seligen Inseln zu tauschen. Den Kampf will ich, will tausendmal lieber Seiner brennenden Not, seinem zehrenden Fieber Dräuend begegnen auf mörderischen Wegen, Denn mein Lebensgefühl lehrt mich die Zuversicht. Und denkt der Geist richtig oder denkt er nicht, Die Lebensgewalt vermengt in ihrer klaren Und rauschenden Welle alles Falsche und Wahre. Alles bestehen, Mensch, .bedeutet mehr als es verstehn. Des Lebens Stufe steigt nicht nieder, nein, fte steigt empor, Ein prunkend Stiegenwerk, das Fackeln stolz nmwehn. Verzweiflung, Schrei, Verbrechen, Angst, der Chor Von hell und dunklen Dingen schlingen wild und drehn Sick» dort zu gold- und eisernen Gewinden, Die alles dies in eilte finstre Schönheit binden. Und was besagts, zu leiden, wenn es glückt, Selbst aus der Qual Begeisterung und Lust zu pressen Und selbst in martervollen Stunden niemals zu vergessen, Wie sehr man sich doch liebt und an sich selbst entzückt. 452 e Rrdaktton: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scherr Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gietze» Diamanträtsel. In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben a a, e e, f, g g, i i j i i, 1, m m m, o, r r, s s s s, t derart einzutragen, daß die ivagerechten Reihen folgendes bedeuten: 1. Einen Buchstaben, 2. Teil eines Baumes. 3. Deutschen Dichter. 4. Name aus „Reinecke Fuchs', 5. Stadt in Norddeutichland. 6. Nordische Gottheit. 7. Einen Buchstaben. Die senkreüite imb magerechte Mittel» reihe ergeben das Gleiche. in nächster Nummer. Auflösung der Skat-Aufgabe in voriger Nummert _ Vorderhand hat folgende Karten : Kreuz-Bube, 9, 8, 7, Schippen» Bube, 9, 8, 7, Herz-Bube, Karo-Bube. Diitteihand: Kreuz-König, Schippen-König, Herz»Atz, 10, König, Dame, Karo-Aß, 10, König, Dame. Hinterhand bekoiumt sämtliche Augen in Kreuz und Schippen; einer, da Mittelhand keine Nieten hat, muß er beim 2. Kreuz« und Schippenstich je eine Dame zugeben. Außerdem hatte Hinter» Hand Kreuz- und Schivpen-Aß gedrückt. deren Versicherungslokalität, welche m Ansehung der in W- satz 1 bestimmten Haftung des Versicherers an Stelle ihrer int Versicherungsschein bezeichneten Versicherungslokalttäl tritt." WoW dem, der das versteht! Und der Sinn dieses ganzen Schwulstes, der sich in den Satzungen einer großen Versicherungsgesellschaft findet, ist doch nur der: „Wenn der Versicherte innerhalb des Deutschen Reiches verzieht, so gilt die neue Wohnung als Ber- sicherungsort des Hausrats." Das sind 17 Wörter statt 50, Die Zimmerpflanzen und ihre Pflege. Woche vom 30. Juli bis 5. August. Bis Mitte August ist es noch Zeit, Stecklinge zu machet« und auf diese Weise besonders liebgewonnene oder sonst ausgc- zeichnete Pflanzen, die vielleicht im nächsten Jahre schon abständig wären, zu verjüngen und zu erhalten. Azaleen, Geranien, Goldlack, Hortensien, Hermannien, Fuchsien, Calceolarieu, Heliotrop, blauer Salbei, Justitia, Heide usw.: bei allen diesen Pflanzen überlege man, ob man nicht statt der alten oder aber auch neben ihnen für jungen Nachlvuchs sorgen will. — Die Arbeiten draußen beschränken sich auf Gießen, Düngen, Auflockern der Erde, Entfernen der welkenden Blüten und Blätter und andere Heine alltägliche Handgriffe. Außerdem wird man hier und da einige junge, erstarkte Sämlinge umpflanzen müssen. Im Zimmer aber ist jetzt nichts geeigneter zum Schmuck des Blumentisches als Farn, die man leider nur in Heiner Auswahl bei den Blumenfreunden antrifft. Wir geben, um eine größere Verbreitung dieser schönen Gewächse zu fördern, eine Auswahl ihrer empfehlenswertesten Sorten. Alle aber bedürfen ausgiebiger Feuchtigkeit und des Schutzes vor starkem Sonnenschein, denn nur so erhalten ihre Wedel und Blätter vollkommenes Wachstum und sattes Grün. Farne für wariNe Räume (12—20 Grad C) sind: A d i a n t u m (Fraunhaar-Farn) cuneatum, Farlehense, for- mosum, fragantissimum, tenerum scutum. Die Adianten auch niedrigere Temperatur (8—12 Grad Celsius) und sind mehr trocken als feucht zu halten und bisweilen mit Kuhdung-Wasser zu düngen. As Plenum (Streifenfarn) bülsiferum, lucidum) Nidus avis. — Gymuogramme (Silber- oder Gold-Farn> Schriftfarn) alle Arten, besonders Laucheana und Kalomelanns, — Lygodium (Kletterfarn) japonicum (scandens). — Nephro- lepis: alle Arten, darunter besonders empfehlenswert: Bosto- niensis, exaltata; doch vertragen fast alle Nephrolepis auch kühleren Stand. — Anhchium (Klauenfarn) japonicum (auch kühler). — Plath cerium (Geweihfarn): alle Arten, besonders „Hillii" (schön, aber teuer). — Polypodium (Tüpfelfarn): empfehlenswert: aureum, ireoides, Paradiseä, doch auch alle anderen. — Pteris (Flügelfarn): argyräa, doryoptens (pal- mata), Viktoria, Wimsettii. Für kühlere Räume (Kalthaus; 5—10 Grad C.): Adiautum: besonders cuneatum, formosum, scutum. — Aspidium (Schildfarn) coriacenm, salcatum, macrophyllum, proliserum, pungens, vestitum. — As Plenum: australe, bulbi- fernm (sehr hart), lucidum, Nidus avis. — Blechnum (Rippen- farn): australe, brasiliense, Patersonii. — Da v allra bullata. Doodha caudata. — Gymnogramme japomca. — Ly go- dium scandens (japonicum). — (Nephroleprs s. o.). --- O n y ch i u m (Klauenfarn) japonicum. — Pellaa: falcata, flexuosa, hastata. — Pteris: fast alle Arten, besonders empfohlen seien: cretica, flabellata, longifoli, serrulata crrstata, tre- mula, umbrosa. Alle Pteris reichlich Wasser! • Dox deutsche Durst. Wir haben in diesem Amwe an Sonnenglut noch keinen Ueberiluß gehabt und der Durst^ha^sich 1911^ Aber°abgesehm"hiervon ^sehen wir doch, wenn wir uns in viel besuchten deutschen Gegenden umschauen, daß sich die Zahl der svQnb nnb doofen schon eine beträchtliche Konrurrenz, eoenw oer Ans/lmost besonders aber Selters und Limonaden. Da es bekannt ist daß der Kaiser seit mehreren Jahren alkoholfreie Getränke be» Jorntot so hat ein Beispiel viel Stachahmung gefunden. Ganz be- foudcrs will der Kaiser die junge Männerwelt vor einem über- mäßigen Alkoholgenuß warnen, und dann hat er recht. Auch bte Ausländer, besonders die Engländer und Amerikaner, Re uns rm Sommer zahlreich besuchen, geben em gutes Beispiel, da sie meist sehr mäßig sind. Ebenso ivirken die verschiedenen Bereme, c,ls Jugendvereine, Automobilisten, Sportvereinigungen, und Tourllten «ir die Sache der Mäßigte t. Freunde eines guten Glases Bier iehen jetzt ost °in leichteres als Lichtenhainer Weißbier usw. den schweren alkoholreichen vor, ein Zeichen, daß diese niuner mehr verdrängt werden. Es kann sonnt wohl behauptet werden, daß der deutsche Durst liachläßt oder doch in geordnete Bahnen em- lenkt, was manchen leidenschaftlichen Ganibrinus-Anhanger entsetzen wird. Immerhin aber kann man dem benschen Bier doch eure große Bedeiltimg nicht absprechen, demr in ,hm haben wir eine heilsame Gegenwehr gegen das viel größere Nebel, den schnap-. Im Gerstensaft, wenn mäßig genossen, liegst doch auch eine Anregung zum Humor und Frohsinn, er ist em Stuck nationaler Eigen- 6eit, das wir doch nicht ganz verbannen wollen. Der deutsche Durst ist im Auslande doch etwas verrufen, obwohl er lange nicht so schlimm ist, wie böswillige Nachbarn annehmen. , kgo. — Bergwerke unter Wasser. Cs durfte wenig bekannt sein, daß ein beträchtlicher Teil der englischen Bergwerke sich van der Küste aus weit unter denr Boden des Meeres hr^ ziehen und auf diese Weise richtige „unterseeische Minen bilden. Dies ist sz B. der Fall bei den Bergwerken von Cumberland; für die Minen im Morden Englands aber kann man fast als Regel an- snehmen, daß sie sich zum Teil unter Wasser befinden. Nennen wir von diesen z. B. die großen Minen des Lords Lonsdale an Whitehaven. — Wie Sicherheit läßt in den genannten.Bergwerken kaum etwas zu wünschen übrig. Die Stollen smd selbstverständlich so tief unter den Meeresboden geführt, daß ein Wasserembruch nicht M befürchten ist. Unglücksfälle, Ivie die Ueberschwemmung und Zerstörung der unterseeischen Wine von Wokington tm ^>ahre 1827, stehen vereinzelt da. — Die Ausdehnung des unter dem Meeresboden befindlichen Minengebiets ist in den verschiedenen Teilen Englands keineswegs gleich. Wahrend die Minen von Durham !und Northumberland das Seegelände nur auf kurze Entfernung hiir anbohren, erstrecken sich z. B. die Stollen in Eambois, im Norden (des Blyth, sehr iveit unter Wasser, so daß sie eine Fläche von etwa 220 englischen Ouadratmeilen ern- snehmen. , , , — Warum Liszt das Rauchen aufgab. _ In einem dem verstorbenen italienischen Musikverleger Ricordi getvidmeten Aufsatze, den E. A. Marescotti in der „Varretas veröffentlicht, wird eine reizende Geschichte von Franz Oiszt, dem großen Klaviervirtuosen und -komponisten, erzählt, die Ricordi miterlebt hat. Es handelt sich eigentlich um eine Schmuggel- geschichte. ' Liszt war im Rauchen äußerst mäßig. Er rauchte täglich nur eine einzige Zigarre, und zwar eine Virginia besonderer Art. Sobald' er nun eine Reise antrat, teilte er seinem Diener mit, wie lange er unterwegs bleiben würde, und darauf packte der Diener für jeden Reisetag eine Virginia-Zigarre ein. Auf der Reise kam Liszt nun durch Chiasfo. Er mußte sein Gepäck dem Zollbeamten vorlegen, und auf die Frage, ob er irgend etwas zu verzollen habe, antwortete er: „Nein". Trotzdem durchsuchte der Zollbeamte das Gepäck Liszts, und dabei stieß er natürlich auf die Virginia-Zigarren. Die Zigarren wurden beschlagnahmt, außerdem mußte Liszt 500 Lire Strafe hinterlegen, um nicht gefangen avgeführt zu werden. Nun wendete sich Liszt in seiner Mißlichen Lage an Ricordi. Natürlich hatte er, wie er sagte, durchaus nicht die Absicht gehabt, die Zigarren über die Grenze zu schmuggeln, sondern er hatte sie einfach vergessen, und deswegen bat er Ricordi, er möge dies den Zollbehörden verständlich Machen. Ricordi tat sofort die nötigen Schritte, und der zuständige Finanzintendant gab denn auch. die Zigarren frei, erließ dem Musiker die Strafe von 500 Lire und verlangte dafür nichts als dessen Bild mit eigenhändiger Unterschrift, das Liszt ihm natürlich bereitwillig übersandte. Als Ricordi ihm aber die Zigarren wiedergeben wollte, sagte er: „Nein, mein Freund: ich habe geschworen, nie wieder zu rauchen. So bin ich sicher, daß sich solch ein Ereignis nicht wiederholt." Sprachecke des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins. ■— Schw ulst. „Im Falle eines durch Wohnungswechsel veranlaßten Umzuges nach einer anderen Wohnung innerhalb des Deutschen Reiches wird in Ansehung von häuslichem Mobiliar die andere Wohnung für die dahin verbrachte Sache zu Auflösung © G