An der Piazza del Popolo war sie gewesen, hatte auf der Rückseite des Hotels de Russie fast sehnsüchtig das Fenster des kleinen Zimmers gesucht, in dem sie einst gehaust — nicht viel besser als in einem Domestikenzimmer — hatte ein paar Judasbäume am Pinciohang im bescheidenen ersten Blühen gesehen, war vor der Villa Medici einem Trupp fröhlich lachender Kunstjünger begegnet, die ungeniert stehen blieben, um sie anzuschauen, stieg nun vom Triniti be’ Monti die Spanische Treppe hinunter. Einen großen Strauß Blumen wollte sie kaufen. Und wie sie wählte und mit einem fremden Vergnügen ein wenig feilschte, — eigentlich nur, um wieder einmal ordentlich italienisch sprechen zu dürfen, in beiden Händen schon die Rosen, Rosen in allen Farben, — da stand plötzlich Hartwig Braunstein vor ihr, zog tief den §ut, lächelte ein wenig verlegen: „Guten Morgen, gnädigstes Fräulein! Welch glückliche Vorbedeutung! Gestern abend bin ich angekommen, heut beim ersten Ausgange treffe ich Sie." Signe gehörte nicht zu denen, die leicht überrascht werden. Aber sie hätte alles eher erwartet, als dieses Wiedersehen hier au der spanischen Treppe, auf dem großen Blumenmarkt Roms. Von Braunstein hatte sie zuletzt gehört, er sei auf Kreta, grabe am Palast des Minos aus. Einen Augenblick stand sie sprachlos. Dann mußte sie über ihr jähes Erschrecken und doch auch über die Art der Begegnung lächeln. „Sie hier, Herr von Braunstein?" Sie suchte die Rosen mit einer Hand zu fassen, um ihm die andere zu reichen. Er griff schnell zu: „Erlauben Sie, gnädiges Fräulein!" Dabei siel ihr kleines Portemonnaie auf den Boden, ein Dutzend Silber- und Kupfermünzen rollten über das Pflaster, fünf, sechs Jungen lagen sofort auf dem Bauch, die Verkäufer schrien; auch Braunstein und Signe bückten sich und lachten. Schließlich warf er noch eine Hand voll kleiner Münzen unter die liebe Jugend, und das Hallo wurde größer und größer. Sie waren froh, als sie zusammen weiterschleudern konnten, nach dem Korso zu und diesen hinab. Er erzählte und erklärte dabei, daß man die Ausgrabuugsarbeiten wegen der Unruhen auf Kreta hätte einstellen müssen, daß er nun einige Wochen hierbleiben wollte. „Wo wohnen Sie?" fragte sie dazwischen. „Auch in einem der großen Kasten?" „Der Himmel bewahr mich. In der Via Babuino, wo ich schon als Student hauste, fünf Treppen hoch, Marmorfußboden und unheizbar, über dafür eine Aussicht — eine Wunderaussicht über halb Rom. Und ein Original von Wirtin, die an sich ein Genuß ist: ganz abgesehen davon, daß sie die schönste Pasta asciutta ai pomi d'oro bereitet, die man in Rom bekommen kann. Zuschauen darf man freilich bei ihren Kochkünsten nicht." Der kleine Zwischenfall hatte eine heitere Stimmung zwischen ihnen geschaffen, und sie hielt an. Er plauderte Donnerstag den 22. Zevruar EietM KM, Wnct-'a". H.'NOII. I I- 13? I I Glückslasten. Komarr von Hanns von Zobelti & (Nachdruck verboten,) (Fortsetzung.) Sie wußte wohl: es lag nicht an Rom. Es lag auch nicht nur daran, daß sie die schlecht verstandene Führerin für Mutter spielen sollte. Ihre eigene Stimmung trug die Schuld. Die unfrohe Mattigkeit ihrer Seele wollte nicht weichen, und die Unrast, die sie dazwischen packte, quälte sie noch mehr. „Römisches Fieber" — dachte sie bisweilen. Es war, im Grunde ja auch nicht anders als daheim. Ein Einerlei bei allem Wechsel. Das Einerlei: die Mahlzeiten im großen Speisesaal, das Toilettemachen, das Ausfahren, bas Anaestaunt- und Angestarrtwerden. Der Wechsel:, eine Sammlung heut, eine Kirche morgen. Früher hatte, sie dann und wann wenigstens auf einsamen Spaziergängen ein Stück echten Volkslebens erspäht, jetzt schrie Mutter bei dem Gedanken auf, eine der Töchter könnte allein über die Straße gehen. Ja, manchmal kam ihr der bittere Gedanke: eigentlich hattest du damals, als du d'en ersten Winter in Rom verlebtest, auch noch in anderer Beziehung mehr Anregung als jetzt. In dem kleinen Salon der Fürstin waren doch mancherlei Erscheinungen aufgetaucht, die interessieren konnten. Ein älterer Diplomat mit den ab geschliffensten Manieren der Welt, ein junger Historiker, der irgend eine Empfehlung besaß, ein römischer Kirchenfürst, der Verbindungen mit der deutschen Aristokratie Pflegte, ein Bildhauer, der um des heimischen Stipendiums halber seine Reverenz machte. Schließlich zählte auch Hoburg in diese Reihe. Wie manche Stunde hatte sie mit ihm verplaudert. Es war nicht tief gegangen — dazu war er nicht der Mann aber es hatte doch die Zeit getötet. Heut lebte sie inmitten des geräuschvollen Hoteldaseins Mit den Eltern ,wie aüs einsamer Insel. Vater hatte wohl ein paar oberflächliche Bekanntschaften mit älteren Herren gemacht, die Unterhaltungen mit ihnen konzentrierten sich aber im, wesentlichen auf die Weinkarte und auf Klagen über, kleine Unzuträglichleiten des Menus; Mutter hielt es für vornehm, möglichst zurückhaltend zu bleiben, schon aus Sorge vor den fremdsprachlichen Elementen, ließ er eine knappe Vorstellung, allenfalls über ein flüchtiges Gruß- verhältnis kam sie nicht hinaus. Und Dodo schien das ganz recht. Die saß, wenn sie nur irgend Zeit hatte, und schrieb lange Reisebriefe au ihre Freundin Ellh. Eines Morgens hatte sich Signe doch fortgestohlen. Nach einer schlaflosen Nacht. Sie mußte sich endlich einmal müde laufen, endlich einmal frische Luft schöpfen. Diese vielberufene und doch so herrliche römische Luft, wie sie mild und würzig von ben Albanerbergen herüberwehte. Wie Luckner urplötzlich auftauchte, beit Hund überraschte« Baute machte und daun wieder verschwand, beweist folgender Milt Ter Feldzug 1760 begann am 24. Mar, bn und m Butzbach, das eine Besatzung von 400 Wann Infanterie und 150 Dvaaonem und Husaren unter Oberstleutnant von Waldner hatte, "uckner marschierte auf Befehl des Herzogs von Maunschwetg mit 300 Mann Grenadieren und Jagern zu Fuß und 300 Mann Husaren und Jägern zu Pferd in der Nacht?om 23. zum 24. Mm von Amöneburg ab, nahm die Richtung über Großen-Bnseck und traf am Morgen des 24. Mai vor Butzbach ent. Nirgends zeigten sich feindliche Patrouillen. Sofort griff er Butzbach an. Bon Htch UriegZereigmsie im Vogelsberg vor <50 Jahren. (Schluß.) die ihre Hand begehrten? Neiit, nein! Das durfte nicht sein. T Dann standen sie nebeneinander vor den Wandmate- reien in der Billa. Mutter spöttelte über die naive Kunst« spöttelte über die bröcklige Wand und die „Farbenllecife darauf. Mit einem Male warf Dodo dazwischen, fast trotzig r „. . . und es ist doch schön." „Was denn eigentlich?" fragte Vater. „Ich weist nicht — ich bin wie Mama — ich find's greulich." Da schwieg Dodo zuerst. Aber dann sagte sie: ,,^a — wissen! Wissen kann man das nicht recht. Das must man fühlen. Den feinen Zusammenklang in den Farben, der noch jetzt aufleuchtet, und den Fluß der Linien . . . ich kann das auch nicht erklären. Aber schön ist es« wunderschön." . Es war zu sonderbar: vor zwei Stunden hatte em Wort, das gar keinen Bezug aus sie hatte, Signes Gedanken in eine ganz bestimmte quälende Richtung hinem- gezwungen. Jetzt erlöste sie ein anderes Wort, das ebensowenig auf sie gemünzt war. „Schön — wunderschön." Was sie sich nur eingebildet hatte! Wenn der fungö Kunstgelehrte bewundernd zu ihr aufsah, galt der Blick ja gar nicht ihr. Er sah sie an, wie er wohl em schone^ Kunstwerk ansah. Ein Kunstwerk der Natur — gleichviel ob das Signe Gudarcza, ob es ein Fischermädchen aus Lesbos war. So war es! , . „ Er dachte gar uicht an dies dumme Heiraten. Er dachte nur: dies Mädchen ist schön. Von der Schönheit« die deine alten Griechen liebten. Erfreue dein Auge Daran! Plötzlich lachte sie laut auf. So erlöst kam sie sich I vor, so froh. (so unmotiviert lachte sie, daß Mutter erstaun« meinte: „Nein, Signe, du bist doch zu komisch. Erst eur paar Stitnden wie ein Frosch, und nun lachst Du plötzlich. I Und keiner weiß warum." „Muß man das denn immer wissen?" gab sie zurück I mit einem Aufleuchten ihrer Augen. „Dodo hat ganz I recht, man muß uicht iinmer alles wissen. Auch nicht, | warum etwas schön ist. Mer Dodo hat auch darrn recht: j die Reste großer Kunst dort sind noch in den traurigen Ruiuen schön. Was brauch ich zu wissen, weshalb? , -sie I wirken so auf mich. Ich denke daran, daß die Mutter der Cäsaren vor den Bildern hier stand, vor fast zwei Jahrtausenden, und sich ihrer freute und den Meister lobte« I der sie geschaffen." „Und darum lachst du?" „Nicht darum. Nehmt nur an, ich wisse selbst nicht, I warum ich lachte." | Mutter war verletzt. Machte sich Signe etwa über sie und über ihre Urteile lustig? Aber sie sagte nichts. | Gegen Signe war so schlecht etwas zu sagen. Nur zum! | Ausbruch drängte sie. Man hatte ja einen Gast zum Lunch .... „Diesen" -Herrn von Braunstein (Fortsetzung folgt.) Jtluruanl lUULUv. icm? muyuiviiuiivn/ v —" - y • • - gegeben. Mit ansehnlicher Beute und 100 Gefangenen marschierte Huckner noch bis nach Heuchelheim : dann am folgenden Tage Wer Wißmar und Fronhausen nach Amöneburg zurück — Aehnlcche Fälle ließen sich noch Dutzende auffuhren. Daß Luckner auch Schlappen erlitt, ist begreiflich; stets wußte er st^ober^wwdei! emporzuarbeiten und da zu erscheinen, wo man ihn nicht vermutete« ©tc." Sie hatte Braunstein gern gehabt, seit sie ihn kennen gelernt: sein ruhiges Wesen, die Fülle ferner Interessen die gescheite Art, wie er der Ausdruck gab. Es hatte ihr gefallen - gerade das! — daß er sich aus den Geschäftszimmern seines Vaters aus die schöne Insel ferner künstlerischen Neigungen gerettet, daß er ernst nnd tüchtig arbeitete, nicht nur als Amateur, dem die reichsten Wittel zu einer Liebhaberei zu Gebote stehen, sondern als wirklicher Forscher. Auch seine Persönlichkeit war ihr sympathisch. Aber heiraten — heiraten — Der Vormittag galt einem kleinen Ausflug «ach der Campagna, lieber Ponte Molle ging es ans der alten Via Flaminia nach der Villa der Livia. , Die öde Campagna hatte sonst für Signe immer einen besonderen Reiz gehabt: sie träumte sich gern hmern rn aus dem Hundertsten ins Tausendste, allerlei frohen Klein- kram aus dem römischen Leben, viel .ungezwungener, frischer und lebendiger, als es in Berlin seine Art gewesen^ sie hörte amüsiert zu und gab dann und wann Korn lein bei. Als sie vor dem Grand Hotel standen, wunderte sie sich wie kurz ihr der lange Weg vorgekommeu, ime schnell ihr die Zeit vergangen war. Er erklärte, am Nachmittag den Eltern seinen Besuch machen zu wollen . ,,Kom 1 men Sie doch zum Lunch. Papa wird irch sehr freuen, I bat sie, und dann nahm fte eine der Rosen, aus ihrem I großen Strauß: „Bitte, Herr von Braunstem, memen Dank für die liebenswürdige Begleitung. . | Sie war sich bewußt, es ohne jede Spur Don Koketterie gesagt zu haben. Eine kleine Artigkeit sollte es sem — nicht mehr. Um Himmels willen nicht mehr! Aber fle erschrak im gleichen Augenblick. Denn sie mußte die leise Feierlichkeit bemerken, mit der er wortlos die Rose nahm, gleich einem wertvollen, überraschenden Geschenk etwa Und sie sah wieder in seinen Augen den verschleierten Blick, der eine stumme Huldigung ausdrückte. I „Also auf Wiedersehen —" sagte sie hastig. Nickte und eilte ins Hotel. Sie hatte sich doch verspätet. Die Eltern und Dodo waren schon zum Ausgehen gerüstet, Mutter recht ungnädig. Ihre Ansage Braunsteins fiel zuerst auf ziemlich unfreundlichen Boden. „Ah-, dieser superkluge Hinkebern. meinte Frau Ida. „Nun, man wird sich ja nicht mit ihm zu verheiraten brauchen." , ... . Vater lachte: „Verheiraten ist gut! Uebrigeus ist der Mann gar uicht so Übel. Wer weiß, ob er uns nicht hier und dort ein aus gezeichneter Führer werden kann. Und schließlich, Ida, er ist Friedels Schwager.' „Man wird sich ja nicht mit ihm zu verheiraten brauchen bü(I{g anders es gemeint war, klang während des ganzen Vormittags in Signe nach. Sie hatte lachen mögen darüber, daß sie's auf sich persönlich au- wandte, und es erschreckte sie dennoch. Denn immer Mieder tauchte vor ihr der ernste Blick des Mannes auf mit der scheuen Zärtlichkeit, der stummen Schmeicyeiei tnt Ausdruck. SW hatte es ganz vergessen; nun erinnerte fle flch wieder Ivie er ihr einst gesagt, als er fle mit ernem Fischermädchen aus Lesbos verglich: „Sie war schön, so schon — so schon, besonderen Reiz gehabt: sie träumte sich gern ymern in die stumme Verlassenheit der Ebene, hatte Verständnis für bereit eigene malerische Reize, für die wetten Bücke über das stumpfe Grün hier, über blumige Wiesen dort, auf die gewaltigen blauen Bergsilhouetten im Hintergründe. Heut sah sie das alles nicht, fühlte es nicht. Mutter war sehr gesprächig. Sie schimpfte auf den Wagen, dessen Schlag allerdings bedenklich schief m ben Angeln hing, schimpfte auf den Kutscher, der die Peitsche unsinnig gebrauchte, schimpfte auf die verwahrloste Steppe. Vater lachte dann und wann dazu und wurde nur der- inricftlicß btift vVccnx «sbex fict) einen 2lu।entytilt bei ben _ ittnunurc u*»n »■* _ c-scc* • ? Osterien vor Ponte Molle verbat, wo es doch so trefflichen her kam eine Kavalleriepatrouille, die nut Ausnahme de» Offiziers Gemanowein aeben sollte. Dodo saß still in ihrer Ecke, und eines Hnsaren - die Butzbach alarmierten - gefange wurde Es schien fast, als sei sie heut in der rechten Stimmung für Luckner drang in dief ®tabt;; bte bett Campagnazauber, ihre Augen blickten träumerisch m | Edberg verfolgt. Das in Butzbach befindliche ** W'tziE „Mieten die ®ebanlen. Met» I M««d> «de «S mit«—,, geradezu. War Hartwig Braunstein wieder einer von betten, um die es ihr leid tun mußte? Einer von denen nicht nur, die sich vor ihren Triumphwagen spannten, die ihr huldigten — das hätte sie nicht geschmerzt — sondern einer der andern, die ernstlich warben? Einer von denen, 119 Mit einem Briefe Luckuers an Riede sei wollen wir die Nachrichten über ersterm schlichen. Ter Brief in seiner ursprünglichen Orthographie lautet: „Mein lieber Hr. Obristlimtenant, bitte ihnen umb keine Vergebnüs zu sbrechen, wier seyn beyde Ehrliche Menschen, halten sie mich lieb, ich werde es Zeit Lebens seyn; ich hoffe ihnen diesse Nacht 2 Uhr benebst 300 pfert ohne Equipage hier zu sehen, das Weitere werde ich die Ehre haben, ihnen fehrner zu sagen, adieu mon eher ami. Flörsheim, den 22. julh 1762 i ■ ■ abents 9 Uhr. N. Luckner. Daß Deutschland im 30 jährigen Kriege gräßlich verwüstet Wurde, ist allgemein bekannt. Weniger bekannt ist, daß manche Gegenden linfereS Vaterlandes im 7 jährigen Kriege ebenso schwer zu leiden hatten, wie andere im 30 jährigen Kriege. Besonders hart wurde die Landgrafschaft Hessen-Kassel mitgenommen, weil der Landgraf fest zu Friedrich dem Großen hielt und sich nicht bewegen ließ, von ihm äbzufallen. Er mußte aus dem Land« fliehen und hielt sich jahrelang in Hamburg auf. Wie es' in Hessen- Kassel nach dem Frieden von Hubertsburg aussah, geht aus folgender Schilderung hervor: Nach dem Kriege fanden sich große fruchtbare Laüdstrecken, wo die Spuren des früheren Ackerbaues kaum noch sichtbar waren, wie namentlich an der Weser, der Diemel und Fulda. Das arme Hessen hatte unsägliches Elend erfahren; seine Fluren waren in den: nördlichen Teile meist verödet, seine Dörfer verlassen. Ein Offizier schrieb, daß er in Hessen sieben Dörfer durchritten und darin nur einen einzigen Menschen, einen Prediger, gefunden habe. Im übrigen stockten bei der allgemeinen Erschöpfung Deutschlands Handel und Gewerbe, ja es fehlten überall die Hände zur Arbeit, da (nach Berechnung Friedrichs des Großen) der Krieg etwa 240 000 Mann auf Seiten der Preußen und Engländer, auf 'Seiten der Gegner weit über eine halbe Million gekostet hatte. In den ausgeplünderten Hessendörfern sangen die Leute damals: Bomm! bomm! Komm! So schlägt die HessentromM, Wir nehmen Küh' und Kälber mit Und nehmen dich auch selber mit. Bomm! bomm! -bomm! Tie jetzige Provinz Oberhessen — damals hatten noch viele Grafen und Herrn, die freie Stadt Frankfurt, das Erzbistum Mainz u. a. m. teil daran — wurde ebenfalls schwer heimgesucht. Die Kirchenbücher von Krofdorf, Großm-Buseck, Großm-Lindm, Grünberg, Ettingshausen, Laubach, Queckborn u. a. m. schildern in ergreifender Weise, welches Elend, welche Mißhandlungen und Qualen die Landbewohner zu erdulden hatten. Auch der Vogelsberg, der schwer zugänglich war, blieb damals, wie oben geschildert, nicht verschont. Bon Gießen bis Fulda und von Homberg a. d. Ohm Über Ulrichstein bis nach Freiensteinau im sog. „blauen Ländchen", gab es keinen Ort, auch wenn er noch so klein war, der nicht von Freunden und Feinden durchzogen und in Anspruch genommen wurde. Ende Juli 1762, also wenige Monate vor Beginn der Friedens- Unterhandlungen und Einstellung der Feindseligkeiten wurde die Stadt Fulda noch einmal fürchterlich mitgenommen. Tie Franzosen hielten die Stadt besetzt, die von den Verbündeten: Preußen, Hessen, Hannoveranern usw. angegriffen wurde. Alsbald schlugen die Feinde Chamade, d. h. sie gaben mit der Trommel ein Zeichen, daß die Uebergabe erfolgen sollte und streckten auch das Gewehr. Auf der anderen Seite drangen die Husaren von Bauer in die Stadt, die der Meinung waren: Fulda sei mit Sturm genommen worden, weshalb sie unverzüglich mit dem Plündern der Häuser anfingen und grobe Ausschreitungen verübten. Um diese zu verhindern, wurden die Jäger von Hartwig in einzelnen kleinen Abteilungen in die Stadt gesaridt. Sie fanden eine Müsse Wein vor, berauschten sich, sahen, wie es die Husaren trieben und folgten ihrem Beispiel. Nach und nach liefen 700 besoffene Husaren, Grenadiere, Jäger und Knechte in der Stadt herum, die die Häuser erbrachen, die Möbel zerschlugen, die Betten zerschnitten und sonstige Schandtaten verübten. Diese wurden zuletzt dadurch ver- hcudert, daß frisch« Truppen in .die Stadt einmarschierten, dre dem Unheil ein Ende machten. Abgesehen davon, mußte die Stadt 80 000 Gulden aufbringen, die Luckner — der inzwischen bis zunr Generalleutnant aufgerückt war — dem Fürst-Bischof von Fulda aus eilt Jahr geliehen hätte. Da der Schuldner aber nicht rechtzeitig zahlte, ließ sich Luckner, der schon fast ein ganzes Jahr auf sein Geld wartete, und ein guter Finanzier war, noch weitere 10 000 Gulden unter dem Namen „Chagrin-Gelder" *) bezahlen. Nach dem Hubertsbürger Frieden hätte dev Vogelsberg ein Menschenalter Ruhe. An: 3. September 1796 wurden die Franzosen unter Jourdan bei Würzburg von Erzherzog Karl geschlagen. Eine französische Division floh durch den Vogelsberg. Das Städtchen Lißbcra faßte den unsinnigen Entschluß, den flüchtigen Franzosen den Weg zu verlegen, was sich blutig rächte: eine größere! Unzahl Lißberger wurde erschossen und das Städtchen geplündert, wobei sich eine ergreifende Szene ereignete.. Eine Mutter hatte ■*) Aerger-Verdrußgclde'r ihr Kindchen zur Ruhe gebettet ; dä drang ein plündernder Franzose mit gefällten: Bajonnet ins Zimmer. Tie geängstigte M'uttep breitete ihre Hände über das Kind und betete einen frommen Spruchs !Der Soldat wurde dadurch so ergriffen, daß er zurücktrat und ich vor dem Hause als Schildwache aufstellte. Erst nachdem der letzte Feind abmarschiert war, verließ er seinen Posten; die Frau« ihr Kind und ihr Hab und Gut waren gerettet. Im Jahr 1813 sah der Vogelsberg den Durchmarsch der Preußen, die unter dem Marschall Vorwärts Blücher — der auf Befehl des Generalissimus, des Fürsten Schwarzenberg, den Franzosen den Weg nach dem Niederrhein abschneiden sollte r-a die direkte Verfolgung aufgeben und dm Marsch durch das unwegsame, mit Schnee und Eis bedeckte Gebirg nach Gießen nehmen mußte. !Der einzige Mensch in der Gegend von Herbstein, der den Vogelsberg bis in die kleinsten Fußpfade, bis nach Gießen hinab, genau kannte, war Schneider Ruppel in Rixfeld. Er wurde geholt und vor den Feldmarschall gebracht. „Kennt Eh den Weg von hier über Ulrichstein nach Gießm?" fragte Blüchep den Schneider. „Jawohl, Herr Leutnant", antwortete Ruppel,- der neben Blücher hinmarschierte und ihm über vieles Auskunft gab. Stets antwortete Ruppel seierlichst mit dem Titel: Herr Leutnant! Ms man den braven Schneider später darüber belehrte, daß Blücher Feldmarschall sei, antwortete er: „Leutnant ist auch was Houches!" Die Sache ist authentisch! Mein Gewährsmann hat dm alten Ruppel persönlich getont und dir Geschichte aus seinem Munde gehört. Hundert Jahre sind beinahe ins Meer der Ewigkeit hinabgeeilt, seit der Vogelsberg keine seindlichm Truppen mehr gesehen; hat; wenigstens ist es bedeutungsvoll, wenn allenfalls in dm Jahren 1848 oder 1866 sich einige kleine Abteilungen darin gezeigt haben sollten. Möchte den braven Gebirgsbewohnern und bent ganzen deutschen Vaterland« der Friede Pis in die fernsten Zeiten bewahrt bleiben! Zum Schluffe noch eine Probe v!on der Ehrlichkeit der Hessen! Herzog Ferdinand von Braunschweig schlug die Franzosen pmj 24. Jun: 1762 bei Wilhelmsthal und eroberte am 31. Oktober Kassel wieder. Tie Franzosen retirierten nach Süden; unterwegs in der Nähe von Marburg blieb ein Esel zurück, der auf beiden Seiten je eine starke Ledertasche trug, die mit vollwichtigen französischen Louisdors gefüllt waren.. In dem Dörflein Sterzhausen, unweit Marburg, blieb der Esel stehm. Niemand künt- merte sich um ihn, so eilig war die Flucht. Ta hielten die Ein- wvhner von Sterzhausm Rat, was hier zu tun sei und der Schluß war: sie führten den goldbeladenen Esel nach Marburg, wo di« Franzosen noch einmal Widerstand leisteten. Mit Vergnügen nahmen sie den schon verloren geglaubten Esel in Empfang und den ehrlicher: Fiüdern gabm sie--nichts. Moderne Beleuchtung. Die Frage nach einer rationellen Beleuchtung ist für den« Geschäfts- sowie für den Privatmann von gleich hoher Bedeutung^ Was wird nicht alles von ihr verlangt! Sie soll billig sein- ein schönes Aussehen haben, geringer Wartung bedürfen und ein taghelles Licht verbreiten. Gas, Acetylen und Elektrizität machen sich gegenseitig dm Rang streitig und bald gelingt es dem einen; bald dem anderen Rivalen, durch eine Nmerfindung den momentanen Sieg an sich zu reißen. Es scheint fast, als ob das Klcetylen den Wettbewerb aufgegebm hat; sogar seine Domäne, die Auto- belmchtung, ist ihm neuerdings durch sinnreiche elektrische und Gas-Beleuchtungskörper streitig gemacht wordm und nur in Ortschaften, die sich ein« Gas- oder Elektrocmlage nicht leisten können^ erfreut es sich noch seiner Beliebtheit. Momentan hat unstreitig die Elektrizität den Vorrang. Zunächst ist cs die viel einfachere Anlage, die sie vor dem Gas »empfiehlt Keine Erdarbeitm, keine Rohrlegung — ein einfaches 'Kabelnetz (genügt ■—, dann aber ist die schnelle Inbetriebsetzung ohne Hilfe eines Zündmittels und schließlich die geringere Gefährlichkeit eine groß« Empfehlung. Die ersten elektrischen Glüh- lampen waren allerdings von einer kläglichen Lmchtkraft, der Lichtkreis war ein beschränkter und der verstigbare Strom konnte nur zu einen: Bruchteil ausgenützt werden. Auch hmte genießen wir noch nicht die volle Stromstärke; immerhin ist eine Ausnutzung von 60 Prozent schon erreicht. Als moderne Elektrobeleuchtung haben wir zunächst die Ouarz- bogenlampe, die sich überall da vorzüglich eignet, wo eine Beleuchtung großen Stils erfolgen soll, also zur Außenbeleuchtung von Geschäften, als Reklamationen, die in großer Hohe cm- gebracht werden und deshalb ans peinliche Wartung verzechten müssen. Die in geschmolzenem Quarz eingeschlossenen Quemüber- Elektroden, die den Lichtbogen bilden, erneuern s:ch toitjelblt?: daher ist hier eine hohe Brenndauer garantiert bei geringein Stromverbrauch. Während gewöhnliches Bvgenlicht zum gletchzeckrgcn Gebrauch zweier Lampen zwingt, ist di« Quarzbogenlampe auch mit Einzelschaltung verwendbar. Handelt es sich 'um die Beleuchtung Von Arbeitsräun:en, ohne Mcksicht auf Schönheit, so sind die Sparbogenlampen eilt an® fehlenswertes Beleuchtungsmittel. An diesen sind unterhalb des Lichtbogens Mattglasschalen «ngehiiacht, die das L:cht nach obeif — 120 Vermischter Skat-Aufgabe. Karten: Vorhand erhält folgende spielt nun Coeur- bis Carreau-Solo gereizt und Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universttäts-Buch. und Steindruckerei, R. Lang«, GteZen. ■^1 Auflösung des Versteckrätsels in voriger Nummer: Es lacht mancher, der lieber weinen möchte.
«nn auf eckeganz gesehen wird, die Metallfadenlampen in Betracht. Es gibt hrer verschiedene Systeme, die je nach Stromverbrauch, He^gkeit ^der Wolframlampe. Das Wolframmetall hat einen noch höheren SÜmelzpunkt als Tantal, und diese Tatsache wurde experimental durch die Werke ansgcnützt, die uns die W.otanlampe beschnt haben. Diese ist ebenfalls eine Einwattlampe, d. h. sie braucht zu Normalkerzenstärke nur ein Watt. Hinsichtlich der Strom- ersparnis ist sie ihren Vorgängern zwar übeAegen, doch verliert der Metallfaden allmählich an Energie und Elastizität, wahrend Tantal fast unverwüstlich bleibt. Dazu kommt ein beständiger Aufwand an Sorgfalt, den man allen Wolfranflampen zuteil werden lassen muß, die gegen Stoß sehr empfindlich sind. Tier große Vorzug der Wotanlampe besteht darin, daß sie hochkerzig gebaut werden kann. Eine Lampe von 100—400 Kerzen bildet so recht das Mittelglied zwischen Glüh- und Bogenlampe und ist dabei im Gebrauch erheblich, billiger, ja .sv.billig, daß Geschäfte, die noch trat kurzem aus LParsamkeitsrucksichten Gasbeleuchtung hatten, zur Wotanlampe übergingein Als rein industrielles Licht ist noch die BecklaMpe zu erwähnen, die zum Sortieren der Farben und ihrer femsten M- stusilngen dient. Wenn das menschliche Ange nicht mehr tmstaiwe ist, einen Farbenunterschied bei TM^licht wahrzunehmm, sortiert die Becklampe mit unfehlbarer Sicherheit und ^shalb sirr Dekorations-, Stoff-, Wollgeschäfte, Färbereien und Warenhäuser ein unentbehrliches Hilfsmittel. werden, wenn der Sinn es zuläßt. Und doch sollte das Wort seiner Gespreiztheit halber nicht allzuoft verwendet toerhen, denn es erscheint doch manchem als ein papierenes und wenig geschmackvolles Modewort. — Schließlich noch ein paar Worte über den Ursprung von „reichlich". Obwohl es (mhd. richelich) von „reich" (mhd. riche) abzuleiten ist, scheint es zuweilen mit „reichen" (mhd. reichen) zusammengesuhrt zu toertven in dem Sinne „aus-, hin-, zureichend", woUr man früher auch „aus-, hin-, zureichlich" sagte, z. B. in „reichlich geben", „reychlich v^erdolmetschen" (int Grimm schien Wörterbuche ans einem älteren Schriftsteller). Das ist aber erst eine nachträgliche Anlehnung, wie umgekehrt „der (das) Bereich" (zu mhd. bereichen) an „das Reich" (mhd. riche) angeknüpft wird. Es liegen hier zwei verschiedene, nur im Neuhochdeutschen lautlich zusammenfallende Wortsippen vor. Sprachecke der Allgemeinen Deutschen Sprachvereins. — Reichlich niedrig. Die Verbindung „reichlich niedrig", tz. B. „das Gehalt ist reichlich niedrig bemessen", wird zuweilen als falsch oder anstößig bezeichnet, ist aber nicht zu beanstanden.^ „Reichlich" als Ableitung von „reich" bedeutet eigentlich: in Fülle oder Ueberflnß vorhanden und wird danach auch zur Steigerung eines Eigenschaftsbegriffes »erlaubt, auch wenn dieser Begriff dem „reich, voll, viel" scheinbar entgegengesetzt ist. Wiö jede andere Eigenschaft, so kann auch das Arme, Geringe, Meine Wenige als in besonders starkem Maße vorhanden bezeichnet werden. Und es gibt genug Ausdrucksweisen, die auf solcher Ausfassung beruhen: „überaus' arm, übermäßig wenig, 'ungeheuer gering", in täglicher Rede auch „riesig klein"; vergl. auch „furchtbar nett und mundartlich (int Altenburgischen) „häßlich schön". Die Verbindung „reichlich niedrig" ist auch nicht etwa ein mecklewburgischer Souderausdruck, wie kürzlich in einer Anfrage an den Briefkasten der Zeitschrift des Sprachvereins vermutet wurde, sondern weiter- kf StrUmpfbändgeschichten. Anläßlich der Verleihung des Hosenbandordens an Sir Edward Grey war wieder viel von dieser hohen englischen Auszeichnung die Rede, die ja eine viel erzählte Sage auf das Strumpfband einer schonen Mrückführen will. Der Hosdnbandorden Ware denn also nichts anderes als das idealisierte Strumpfband. Das.Strumpfband hat übrigens beim Manne wie Weibe eine sehr weitgehende Geschichte. Mvsaikbilder ans römischer Zeit zeigen, daß zur Tracht der Gladiatoren Strumpfbänder gehörten, die sie unterhalb der Knie trugen. Sie sind deutlich sichtbar, und bemerkenswert au ihnen ist die Tatsache, daß die Zipfel an der Schnalle hermster- hängen Im 10. und 11. Jahrhundert war es der Ruhm der Höflinge, möglichst prächtige Strumpfbänder zur Schau zu tragen, on , t VC4> Ü|I1UU)TOIU19 und wer gar in seinen Strumpfbändern di« verschiedenartigsten i uer&reitet. Auch die Verwendung von „reichlich" als Um- Farben zusammengestellt hatte, der galt als Modelowe. Rom I standswort ist berechtigt; jedes Eigenschaftswort kann so geraucht heute sieht man in der ehnvürdigen Kirche von Dclsmont noch ■ • — " - — — ehrwürdigere Strumpfbänder, denen man wahrhaftig ihr Alter nicht ansieht. Wenn sie auch nicht ganz em solch hohes Mtw ] haben, wie die Sage ihnen zuschreibt, so steht doch geschiiMlich fest, daß sie jetzt schon acht Jahrhunderte hindurch von. der Welt bewundert worden sind. Rabelais, der großp Spötter, war indiskret genug, über die Strumpfbänder, die die Damen der „Abbaye von Theleme" trugen, der Nachwelt zu berichten Strumpfe aus scharlachfarbenem Tuch mit gesticktem Rand^die durch Strumpfbänder sowohl oberhalb als auch unterhalb des Knies festgehalten wurden, schrieben die Regeln vor. Lange dauerte es, bis die Strumpfbänder aus der männlichen Kleidung verschwanden. Zur Zeit Karls IX. und Heinrichs IV. trugen in Frankreich Edelleute sowohl wie Schützen und Hellebardiere als Abschluß der enganschließenden kurzen Hosen reichverzierte Strumpfbänder. Aber auch die kirchlichen Würdenträger waren Anhänger des Strumpfbandes; ans dem Jahre 1672 ist ein Bericht erhalten über die Kleidung der Kardinäle: „Sie erscheinen am Hofe m kostbaren Gewändern, die über und über mit Stickereien bedeckt sind, in seidenen feuerroten Strümpfen und- in Strumpfbändern aus Goldband Freitags jedoch sind alle diese Kleidungsstücke in Gran gehalten." Die heilige Magdalena ist in Frankreich mit dem Strumpfband in eigentümlicher Weise zusammengebracht worden. Es besteht dort die Legende: wenn,bie jungen Mädchen an bestimmten Festtagen zu den der Heiligen geweihten Kirchen hinpilgern und sich auf dem Wege das Strumpfband, löst, sind ihre ledigen'Tage vorbei; noch im selben Jahre werden sie zum Altar geführt werden. 1 „ kf. Wie Pierpont Morgans Londoner Kunst« schätze verpackt werden. Jin Londoner „Victoria and Albert Museum" ist man eifrig daran, die Morganschen Kunstschätze zu verpacken, die nun endgültig ihren Weg nach der neuen Welt mitteten sollen und zum Teil im Metropolitan Museum, zum Teil in Morgans Privathaus untergebracht werden sollen. Die Pack-