Samstag, den 2\. Septemder D M I h.: »I I Die Dame im Pelz. Roman von G. SB. Appleton. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Daß Herr Garcia wohlbehalten in Southampton und New.Jork angekommen war, erfuhr ich einige Wochen danach Ms folgendem Briefe: Lieber Herr Williams! Ihre Güte in jener Nacht in London kann ich nie vergessen. . Nur Ihnen verdanke ich, daß ich noch am Leben bin. Warum, brauche ich Ihnen wohl nicht auseinander- zusetzen. , Die einfache Konstatierung der Tatsache mag genügen. Ich hoffe, meine Dankbarkeit noch in einer greifbareren Form ausdrücken zu können. Einstweilen verbleibe ich mit besten Grüßen Ihr dankbarer Emmanuel Garcia. 2. Kapitel. Kurz nach diesem mer oürdigeu Abenteuer erlangte ich meine .Approbation als Arzt, und mit Hilfe meiner Tante gelang es mir bald, eine einträgliche Praxis in Richi- inoud zu erwerben. Mein neues Heim, idem meine Schwester Helen Vorstand, lag am Rande der Stadt; es war eine einzelne kleine Villa, an deren Gartentür ein glänzendes Kupferschild prangte mit der Aufschrift „Dr. med. Edward Williams, praki. Arzt", worauf ich in der ersten Zeit nicht wenig, stolz war. Als Assistenten hatte ich einen jungen Herrn namens Gregory; außerdem hielt ich einen Laufburschen und ein Dienstmädchen. Ein Jahr lang, ging alles schön und gut. Helen war eine ausgezeichnete Wirtschafterin, so daß ich nicht im mindesten das Bedürfnis hatte, mich in die ehelichen Fesseln zu schlagen. Ich fühlte mich zufrieden und glücklich und lebte in wohlgeordneten Verhältnissen. Keinerlei Mißklang hatte unser ruhiges und gemütliches Dasein gestört, und' es versprach auch für die Zukunft alles Gute, als es sich mit einemmal ohne das geringste vorherige Anzeichen ganz und gar änderte. , r Es war Ende Dezember. Ich war gerade mrt fruh^ stücken fertig, da bekam ich von einem Patienten, dessen Wiederherstellung mir sehr am Herzen lag, die Nachricht, ihn doch so rasch wie möglich zu besuchen. Ich zog also meinen Ueberzieher an und machte mich sofort auf den Weg. Es hatte schon seit einer Stunde geschneit, so daß. der Boden etwa einen Zoll hoch mit Schnee bedeckt war. Als ich die Gartentür hinter mir geschlossen hatte, bog rch scharf links um, nach der Wohnung meines Patienten zu. Da höre ich plötzlich von der entgegengesetzten Richtung meinen Namen rufen. Ich drehte mich um und sah eine Anzahl Menschen, die um einen dunklen Gegenstand herumstanden, der im Schnee guf dem Boden lag. Ein Wann winkte mir, doch näher zu kommen. Ich ging auf die kleine Gruppe zu unb fand zu meiner großen lleberraschung, daß. ein hübsches junges Weib bewußtlos, mit dem Gesicht nach oben, auf dem kalten, schneebedeckten Boden lag. Ich fragte, wer sie sei, aber niemand konnte mir Aus^ fünft geben. An ihrem kostbaren Pelzmantel und den Diamantohrringen sah ich, daß sie eine Dame der besseren Stände sein mußte. Die Ursache ihres Falles ließ sich im Augenblick nicht feststellen, ick wußte nur, daß es eine Zeitlang dauern könnte, ehe sie das Bewußtsein wieder- erläugen würde. Im Schnee sie liegen zu lassen, war ausgeschlossen, schon die pure Menschlichkeit verlangte, sie unter ein schützendes Dach zu bringen. Kurz entschlossen, ließ ich sie also in mein eigenes Haus tragen. Die Umstehenden leisteten bereitwilli gst Hilfe, und auch Helen, die uns vom Fenster aus kommen sah, flog eilends aus dem Hause und machte die Türe weit auf. Barmherziger Himmel! Was ist denn passiert? rief sie, als sie das bleiche Gesicht her Ohnmächtigen gewahr wurde. Eine Dame ist draußen auf der Straße umgefallen, antwortete ich. Ich! halte es fürs beste, wir tragen sie ins Speisezimmer, dort ist's am wärmsten. Wir legten sie aus eine Chaiselongue in der Nähe des Kamins, daun sagte ich den Leuten, die mir geholfen hatten, besten Dank und leistete der schönen Unbekannten die erste ärztliche Hilfe. Helen betrachtete sie voll Staunen und Mitleid. Wer mag sie sein? sagte sie. Schau mal den Pelz! — der hat wenigstens fünfhundert Pfund gekostet. Und die Steine im Ohr! Und diese Stiefeletten sind sicher amerikanisches Fabrikat. Auch ihr Anzug hat keinen englischen Schnitt; und — o, Ted! ist sie nicht wunderschön? Und wahrhaftig, sie war wunderschön — von einer Schönheit, die sich nicht beschreiben läßt. Ich will nur erwähnen, daß, als Helen ihr die Kopfbedeckung abnahm, ihr rabenschwarzes Haar wie eine Kaskade znm Fußboden hinabsiel, und von ihren geschlossenen Lidern solche Wimpern sich auf die olivenfarbenen Wangen herabgesenkt hatten, wie man sie außerhalb des sonnigen Spanien und Mexiko nur selten findet. Die lieblich geformten weißen Lippen, die, wie ich wüßte, sich bald kirschenrot färben, würden, die anmutigen Züge und herrlichen Linien, die mein Auge überall gewahrte, das alles erregte mein Blut in dem Maße, daß ich es nicht wagte, Helens fragenden Blicken zu begegnen. Ich denke, erwiderte ich möglichst berufsmäßig und ihre Frage gänzlich ignorierend, daß ihr Bewußtsein bald wieder zurückkehrt. Augenblicklich kann ich nichts mecker für sie tun; so bleibe du einstweilen bei ihr, während ich schnell mal zu Herrn Jones 'rumgehe, um 'itacl) seinem Befinden zu sehen. Sie werden sich so schon wundern, warum ich so lange auf mich warten lasse. Bei meiner Rückkehr wird sie wahrscheinlich wieder auf dem Damm sein und das Haus 590 verlassen können. Ein Mas Wein wird ihr Wrigens ganz gut tun. . _ Damit eilte ich hinaus. Da ich meinen Kranken gar nicht in einem so kritischen Zustande fand, wie ich gefürchtet hatte, kürzte ich meinen Besuch nach Mogluytert ab und kehrte direkt nach Hause zurück. Wie ich voraus^ gesagt hatte, traf ich die schöue Fremde aufsitzend, und Helen nötigte sie gerade, ein Glas Wein anzunehmen. Sie schlug die Augen zu mir auf, uud ich muß. offen gestehen, so glänzende, dunkle und sanfte Augen hatte ich noch nie gesehen, und doch lag etwas darin — ein Blick der Verwunderung, mit Furcht und Beunruhigung gemischt ■— das mich nicht wenig in Verlegenheit setzte. Ich hoffe, Sie fühlen sich jetzt besser, sagte ich. . Ich weiß nicht, stammelte sie. Ich habe so 'n ergen- tümliches Gefühl int Kopfe. Was ist denn eigentlich passiert? Wo bin ich denn? Sie sind draußen auf der Straße in der Nähe meines Hauses von einem plötzlichen Unwohlsein befallen worden, antwortete ich. Ich bin Arzt und habe Sie hier hereiNj- bringen lassen. Sie fuhr mit der Hand- über die Stirn und schien bc tilgen. Das verstehe ich nicht. Mein Erinnerungsvermögen scheint geschwunden zu sein. Das ist Ihr Haus, sagen Sie? Gewiß ist das mein Haus. Ich verstehe immer noch uicht. Wo ist Ihr Haus? Ich wechselte erstaunte Blicke mit Helen. Ei, sagte ich, hier, in Richmond natürlich. Diese Worte erschienen ihr jedoch offenbar sinnlos. Richmond! wiederholte sie. Richmond! Ich habe noch nie von einem Ort Richmond gehört. Wieder tauschte ich mit meiner Schwester höchst erstaunte Blicke. Das ist aber Richmond, sagte ich, und Sie müssen doch 'zu irgend einem Zweck hierhergekommen sein. > Schau rius i> 2) Heidnische Götter. Götzinger Reallexikon der deutschen Altertümer, Leipzig 1885, Seite 324. 8) Wer näheres darüber hören möchte, der sei auf meinen Aufsatz in den Lauterbacher Geschichtsblättern, Heft 8/9, auch auf die Schlitzer Festschrift, Seite 6 ff., verwiesen. Man hat von dem alten Flußnamen S l i t i s a (Slitisaha = das gleitende Wasser) (vgl. Schlitten) einen Schluß ziehen wollen auf das Alter der Ansiedelung an der Schlitz, natürlich mit Unrecht. Ohne Zweifel ist, wie die anderwärts die Kirchgründung 812 der eigentliche Anlaß zu der Siedeln ng an der Schlitz gewesen. wttgab: -„die Tempel der Heiden nicht' zu zerstören, sondern mit Weihwasser zu besprengen und in christliche Kirchen zu verwandeln, damit das Volk an den durch lange Gewohnheit geheiligten Orten desto lieber und eher an den Dienst des wahren Gottes sich gewöhne. . . An den Festtagen der Heiligen möge das Volk rund um die Kirchen, die einst heidnische Tempel JWAJ” Zelten aus Baumzweigen sich lagern und in gewohnter Werse Trere schlachten Und verzehren, aber unter Anrufung Gottes Und nrcht mehr der Teufel."?) Es war im Jahre 742, als Bonifatius von Fritzlar wus fernen Schüler Sturmius in diese Gegend sandte, in der Wildnis einen für eine Klostergründung geeigneten Ort zu suchen. Die Wildnis muß noch sehr groß gewesen sein, denn zweimal kehrt Siurmms unverrichteter Dinge zurück. Das dritte Mal findet er nach einigen Kreuz- und Querfahrten (wohl auch durchs Schlitztal) den Ort, wo heute Fulda steht, ohne zu wisserr, daß am selben Fleck ein untergegangenes Pfahlbauerdorf unter der Lehmschicht ruht. Dort errichtete er mit 7 Gefährten im Januar 744 nun Um ein Kreuz die ersten Hütten, den Anfang des Klosters Fulda, das bis zur Reformation nicht nur der religiöse, sondern auch der kulturelle Mittelpunkt der ganzen Gegend gewesen ist. Der Grund zu dem gewaltigen Aufschwung dieser Klostergründung des Bonifatius, die aus 8 Hütten zu einem gewaltigen Reichsfürstentum wurde, dessen Fürstabt zur Rechten des Kaisers saß, sind die Gebeine des Bonisatius, die nach seinem Wunsche dort beigesetzt wurden. Nicht dem Kloster, sondern dem Bonifatius schentten Kaiser und Könige, Fürsten, Bischöfe, Edelleute, Grafen, Bürger und Bauern ihre Güter Und das Eigentum, um durch die Fürsprache des Heiligen den Himmel zu erlangen. Prächtige Stiftskirchen, ausgeschmückt durch die Gaben der Wallfahrer entstehen über seinem Grab, Fulda, von den fränkischen Kaisern bevorzugt, denen das Ansehen des Bonifatius zur Krone verhalf, wird durch seinen Abt die diplomatische Schule des Kaiserhofs, durch Rhabanus die deutsche Gelehrtenschule und durch Ratgarius die Hochschule der deutschen Baukunst. Der Klosterbaumeister und spätere Abt R a t g a r,- der erste bekannte große deutsche Baumeister, der in 9 Jahren 5 Kirchen bezw. 'ganze Probsteien baute, so, daß er einen Aufruhr der Mönche heraufbeschwor, ist auch der Erbauer der ältesten Schlitzer Kirche. Daß man die erste bedeutendere Kirche außerhalb von Fuldas nächster Umgebung gerade auf den entlegenen Schlitzberg baute, während z. B. Lüder und Schlirf, die Orte späterer Kirchbauten, näher lagen, mag vielleicht in der Bedeutung der dortigen heidnischen Kultstätte, wahrscheinlich eines Hulden- Heiligtums, begründet sein. Dafür, daß dort ein Holleheiligtum war, das durch diese 'Kirchgründung beseitigt wurde, spricht auch die Tatsache, daß die alte Kirche der hl. Margarethe geweiht wurde, deren Bedeutung als Beschützerin der Mütter und Kinder, selbst deren Schlangenbeizeichen der heidnischen Frau Holle vollkommen entsprach?) Die älteste Schlitzer Kirche war eine Basilika (ohne Turm natürlich) mit 3 Pfeilerpaaren, einem Haupt- und 2 Seitenschiffen und einer Apsis'. Auf meine Anregung wurden am 19. März 1912 in Gegenwart des Großh. Denkmalspflegers für Oberhessen die Fundamente der Pfeiler in der Kirche ausgegraben, so daß meine Vermutung, daß die Grnndmauern an dem ältesten Teil, zwischen Chor und Turm, deren abstechende Quaderung sosort auffällt, sich bis heute erhalten haben, sehr an Wahrscheinlichkeit gewinnt. Schon sehr frühe urkundlich erstmalig um 1100 taucht das adlige Geschlecht auf, das von Schlitz seinen Namen trägt. Es sind höchstwahrscheinlich die Nachkommen des Chatten- hauptlmgs, der einst als fuldischer Vogt mit der Gerichtsbarkeit und dem Schutze von Kirche und Priester betraut wurde. Seist Hof, die spätere Burg, lag wohl neben der des Erzpriesters auf dem Berg, nicht weit von dem Brunnen, der heute noch in der Vorderburg zu sehen ist. Daraus entstand die Vorder- burg, in der heute noch die Reste eines- uralten, viereckigen Bergfrieds eingemauert sind, während der runde Berg- fned der H interbnrg aus romanischer Zeit zur Rückendeckung erbaut wurde. Eine dritte Burg, die Wasserbirrg Niederschlitz, lag im Tal an der Schlitz, jenseits des Bahnhofs. Sie wardst in den Fulder Sttstsfehden laut einer alten Chronik von Fürstabt Berthold II. zerstört: „12 61 ist der Burgscheidel zerstört worden von einem Apt aus Fuld, Par- tvlomäus genand,' ein Edelmann gebirtig von Leybels bei Fürsteneck mit namen Finger hu t." Letzteres war sein Spottname wegen seiner untersetzten Gestalt. Er wurde 10 Jahre später von seinen Feinden während der Messe am Altar erschlagen. Abt Berthold I., f 1134, war ein Herr von Schlitz. Er zog 1133 mit Kaiser Lothar in Rom ein und war als erster Erzkanzler der Kaiserin. Burg, Stadtund Gericht Schlitz gehörten von jeher als fuldisches Lehen zusammen. Wann Schlitz Stadt rechte erhielt, ist nicht mehr festzustellen. Die älteste Stadtburg scheint durch das Dreieck Borderburg-Hinterburg-Ottoburg begrenzt gewesen zu fein, denn die erst im 17. Jahrhundert er-. haute heutige Ottoburg steht auf den Grwrdmauern einer alten Befestigung. Bei den .Wasserleitungsarbeiten wurden die Reste unterirdischer .Gänge angeschnitten, welche diese drei Burgen verbanden. Es Würde zu weit führen, all die Fehden anzuführen, welche im fehdereichen Mittelalter in und um Schlitz ausgefochten mürben. Zur Baugeschichte der Kirche sei erwähnt, daß in spät- romanischer Zeit (um 1250) die alte Basilika durch die prächtigen romanischen Teile erweitert wurde, die wir heute noch an der ehrwürdigen Schlitzer Kirche erkennen. Es sind dies: Chorquadrat mit Seitenkapellen (St. Cruois und St. Barbara) und Apsis, Turm (dessen 8 romanische zweigeteilte Fenster von innen noch wahrzunehmen sind) und Westportal, das durch zwei Wände in der Breite des Turmes mit diesem verbunden war.- Die Herren von Schlitz, deren Wappen (zwei gesinnte schwarze Schrägrechtsbalken in silbernem Feld) sich erstmalig urkundlich auf dem bei Schannat (Buchonia, S. 376) abgebildeten Grabstein des Simon laicus de Slitise 117 0 findet^ teilten sich im 13. und 14. Jahrhundert in mehrere Linien: von Heußenstamm, Hohenberg, Blankenwald, Steinau und Görtz, die im Lause des Mittelalters bis auf die bedeutendste Linie von Görtz wieder ausstarben. Seitdem tragen die Herren von Schlitz den Beinamen „genannt von Gör tz". 1418 beurkunden die Herren von Schlitz den Bürgern von Schlitz „alle alt gewunheit, recht und freyheit", welches alte Stadtweistum die Annahme gestattet, daß Schlitz bereits im 14. Jahrhundert Stadtrechte erlangte. 1498 schließen die Herren von Schlitz den ersten Burgfrieden, der die Besitzverhältnisse an Burgen und Gericht regelt,- seit 1494 sind sie im Besitz der Erbmarschallenwürdck der Fürstabtei Fulda. In gotischer Zeit (1250—1520) erhielt die K i r ch e den spitzen Turmhelm, das 'Südportal mit Vorhalle (1505), während man die alten Pfeiler der Basilika in jener Zeit entfernt haben muß und durch Aufbauen der Seitenwände zwischen Chor und Turm ein mit gotischen Fenstern versehenes Querschiff herstellte, dessen Dachhängewerk z. T. noch erhalten ist. Diese Gestalt der Kirche zeigt noch ein Stadtbild von Meißner von 1624. Da das Pfarrbesetzungsrecht noch in Händen Fuldas lag, war die Einführung der Reformation mit Schwierigkeiten verbunden. Junker Werner von Schlitz war der erste, der mit de,m greifen Pfarrer Heinrich Neun sich der Reformation' zuwandte und sie ohne Einspruch Fuldas, das damals zum größten Teil selbst evangelisch war, in Schlitz einführte. 1563 erhielt Erbmarschall Eustachius von Schlitz, wegen seiner Verdienste vom Fürstabt die Kollatur, d. h. das Pfarrbesetzungsrecht, worauf die Reformation im ganzen Schlitzerlande emge- führt wurde. , c _ .,, Aus jener Zeit stammt der Renaissancegrebel auf der Sud- Vorhalle mit der Inschrift: Quisquis es, intra Soins hic et unus Christus per Christum ad Christi laustem praedicatur. (Wer du auch bist, trete ein, hier wird einzig und allein Christus, durch Christum zu.Christi Lobe verkündigt.) Doch bald wehte von Fulda ein anderer Wind. Der erste wißglückte Versuch, das Schlitzerland wieder mit Gewalt katholtsch zu machen, war 1604 auf 1605. 1612 trat Freiherr Wilhelm Balthasar von Schlitz als Senior öffentlich zum evangelischen Glauben über. Dann kaur ^der 3 0 jähri g e K r i e g,- in welchem Abt Johann Bernhard mit Hilfe Tülyscher Soldaten die evangelischen Pfarrer im Schlitzerland entsetzte und die Evangelischen aufs Schwerste bedrückte. Drei Jahre lang leisteten die Schlitzer heldenmütigen Widerstand, doch toten ihnen Zusammen mit der Nachricht von der Meiste der Schlitzer Kirche im Jahre 812 ist in abweichender UeBerlieferung bei ' nuat (Buchonia), Dronke (Trad. Fuld.) und Pisto- ______ (Trad. Fuld.) die Markbeschreibung der Schlitzer Kirche erhalten. Es würde soweit führen, das Verhältnis dieser drei Uefiertiefernngen hier textkritisch zu beleuchten. Es sei nur angegeben, daß die Grenze sich in den verschiedenen Jahrhunderten verändert hat, daß der Sprengel der Schlitzer Mutterkirche einst bis in die Alsfelder Gegend, bis ins Knüllgebirge (Schwarzenborn) und bis in die Herbsteiner Gegend ging, und daß in diesen Urkunden, deren Original unstreitig bis 812 zurück- geht, eine ganze Anzahl von Orten der Umgegend erstmalig Vorkommen. In Schlitz wohnte ein Erzpriester. Im Lauf der Jahrhunderte ist jedoch Schlitz durch fortgesetzte kirchliche Neugründungen der weiteren Umgebung, besonders aber durch Lauterbach kirchlich überflügelt worden. 592 zusetzt 1631 nichts übrig zu bleiben, als um des Glaubens willen ihre Heimat zu verlassen. Da kam als Retter in höchster Not der Schwedenkönig Gustav Adolf. Nach dein Sieg bei Breitenfeld floh Tilly nach Süddeutschland, der Abt und die Tillyschep Bedränger in Schlitz flohen mit. ■ Die vertriebenen Pfarrer, voran der Schützer erste Pfarrer Schellenberg, kehrten zurück. Noch einmal, 1635, wurde Schellenberg von Fulda aus Vertrieben, aber aus Furcht vor der Pest zogen die Kuraten wieder ab und Schellenberg kehrte zurück. Er starb 1638, nachdem die Pest int Schlitzerland über 1100 Menschen in kurzer Zeit hingerafft hatte, in Schlitz allein au 800, an einem Tage ost 24 Menschen. 1636 auf 1637 folgte eine Hungersnot, in der man Eichelbrot, Frösche und Aas pom Schindanger aß und viele Hungers starben. Dann folgten. Plünderung auf Plünderung durch Kaiserliche und Hessen-Kasseler, so daß auch das Schlitzer Land bereits 1638 einer Wüste glich, wovon die Gerichtsjunker nach Kassel berichten, daß „von fernerem Wohnen oder Haushalten im Gericht Schlitz kein Gedanke mehr sehn kann". Es ist das große Verdienst des Freiherrn Friedrich Wilhelm von Schlitz, des Kammerpräsidenten des Herzogs von Braunschweig und nachmaligen fkurfürsten von Hannover (1647 bis 17281 in unermüdlicher Fürsorge wieder erträgliche Zustände geschaffen zu haben und durch Anlegung von Flurkarten und Lagebüchern die Waldungen und den bäuerlichen Grundbesitz neu geregelt zu haben. Er wurde von Kaiser Karl VI. in den Graf en st and erhoben. 1732 zogen die Salzburger Emigranten, diese um ihres evangelischen Glaubens willen Vertriebene auch durch das Ried- eselische und Schlitzerland. Schwere Zeiten durch fortgesetzte Einquartierung, Bedrückung Und Aussaugung des Landes brachte auch der siebenjährige Krieg, besonders in den Jahren 1759 bis 1762. Nach Aufzeichnungen des damals lebenden Pfarrers Schröder in Hartershausen waren teils von Franzosen, teils von Alliierten in jener Zeit allein in S chlitz einquartiert: 60 Generäle, 453 Stabsoffiziere, 6861 Offiziere, 1108 Unteroffiziere, 116 613 Gemeine, 11196 Bediente, 27 273 Mann Kavallerie nnd 4526 Jäger, zusammen 163 750 Männ! Damals gingen die Franzosen mit dem Plan um, die Fulda von Hersfeld bis Fulda schiffbar zu machen, woran die Schleußenwälle bei Hemmen heute noch erinnern. Neue Heimsuchungen brachten die Napoleonischen Kriege, besonders 1813—1815. Die Durchzüge der Trümmer der französischen Armee aus Rußland und der folgenden Russen brachten neue Kontributionen, dazu Typhus und Vichpest, die ganze Ställe ausleerte. Seit 1806 gehört das Schlitzerland zunr Großherzogtum Hessen. Nachdem die ehrwürdige Schlitzer Kirche nach dem 30jührigen Krieg durch die westliche Verbrüderung ihre hentige Gestalt und 1807 die heutigen Fenster erhalten hatte, wurde sie 1880 bis 1882 durch Professor Ritgen auf Veranlassung d.es kunstsinnigen Grafen Earl von den mannigfachen Verunstaltungen der Jahrhunderte befreit und in ihrer heutigen Gestalt hergestellt. Dessen Sohn ist der jetzige Graf Emil Friedrich, gleich seinem Vater Kommendator des Johaniterordens, ferner Präsident der Ersten Kammer, der Freund des Kaisers. Er wandte sich der Kunst (Bildhauerei! zu und war jahrelang Direktor der Großtz. Kunstschule in Weimar und ist Großh. Sächsischer Professor honoris causa. Zur 1100jährigen Jubelfeier hat er das Tympanon in den Bogen des Westportals gefertigt und dieses, sowie die neue Tür gestiftet. Werfen wir zum Schluß einen Blick ans das ehrwürdige @'0^631)^113, das die Spuren aller Jahrhunderte von 812 bis 1912 an sich trägt, so sieht man, von der Vorderburg heraufsteigeud, zuerst die N o r d s e i t e. Der älteste Teil ist der zwischen Chor nnd Turm, bezw. dem Treppentürmchen, in dem sich das gotische Fenster befindet. Hier beachte Man die 3 Quaderschichten, von denen _bie unterste wahrscheinlich von 812 noch stammt. Aus vornassauischer Zeit sind Apsis-Chor, Seiten-Kapellen und Turnt, dessen zugemauerte romanischen Fenster von innen noch sichtbar sind. Man beachte die Apriola und Kreuzfenster. Die Täfel 1658 zeigt die Stelle, wo einst die 1880 abgebrochene Schwedengruft war. Dieses Gewölbe, 1658 von Hans Christoph von Görtz als Vorraum zu seiner Gruft unter der Sakristei (früher Seitenkapelle mit Kreuzaltar) erbaut, erhielt 1719 den Namen Schwedengruft nach dem dort beigesetzten schwedischen Minister Georg Heinrich von Görtz. Das neugotische Fenster in der Sakristei ist 1880 eingesetzt. Der Treppenturm ist (trotz der Jahreszahl 1596, da die Türe versetzt ist!) nebst der westlichen Mauer nach 1650 .erbaut. Man bemerke die verschiedenen zugemauerten Fenster der Renaissance- und Barockzeit. Vor dem prächtigen We st Port al aus der romanischen Ueber- tzangszeit (1250) stehend, beachte man die senkrechten Manerrisse links und rechts des Portals. Sie zeigen die ursprüngliche romanische Breite des Westschiffs an. Treten wir in die Kirche, so erblicken wir 4 gewaltige Pfeiler, auf denen der Turin ruht, der ursprünglich Westtnrm sein sollte, aber durch die fast gleichzeitige W e stv e rlä n ger u n g in die Mitte gerückt wurde. (Der romanische Tachansatz ist auf dem Kirchenboden zu sehen.) Die diese Pfeiler yer6iitbeitbett Bögen saßen ursprünglich auf der unteren, noch sichtbaren, Kämpserhöhe und wurden erst 1712 und 1713 hinaufgesetzt. An dem vorderen Pfeiler, gegenüber dem Südportal, ist ein altes W eihwasferbecken eingemauert. Bor dem Chor sicht ein edelgeformter gotischer T a u s st e i n von 1467. Daneben ist Idie Stelle, wo die Fundamente der altert Pfeiler der Basilika ausgegraben wurden. Hier ist also der älteste Teil. Das Chorquadrat trägt ein romanisches Kreuzgewölbe/ dessen Rippen auf zierlichen romanischen Säulen mit Blatt- knospenkapitel und Schäftungen ruhen. Rechts blicken wir in die Gräfliche Gruftkapelle, wo einst der von den Herren von Schlitz gestiftete Barbaraaltar stand, links geht es in die Sakristei (Kreuzaltar Apriola und einem Schrank mit 2 gestickten Meßgewändern aus gotischer Zeit). In der Grustkapelle sind die Grabmale des I o Hann V o l p r e ch t, t 1677 und seiner Kinder, des schwedischen Ministers und die Kopie des ältesten Grabsteins! von 1179, über der Gruft das des Wilhelm Balthasar/ f 1631, in der Tlpsis das des Hans von Görtz, f 1585, links das des Friedrich von Görtz, f 1560 und über der Sakristeitur das des Georg von Schachten, t 1582. Von den übrigen ist das älteste das in der Ecke Beim! Westportal mit den beiden Wappen Görtz itnb Edersberg von 1489. Treten wir durch das Südportal hinaus, so stehen wir unter einer Vorhalle mit spätgotischem Sterngewölbe, den Wappen Klüppel, Görtz und! Völkershausen nnd der Inschrift: „Dönges fast dem got genade“. Rechts am Quader ist die Inschrift: „In dem Jar da man zelte MCCCCC suens j a v". Der südliche Treppenturm mit dem Wappen von Schachten ist 1598 erbaut. Aus der Plattform, 1699 über einer Gruft erbaut, stand eine Halle, die Kapelle genannt. Sie würde 1880 entfernt, um das prächtige früh!- gotische Fenster freizulegen. VerMLschLes. * Die polizeilich beglaubigte Unterschrift des — Polizeiprafekten. Der Pariser Vertreter des „Daily Chronicle" hat jüngst einen amüsanten Zusammenstoß mit dem französischen Bureaukratismus gehabt. 'Er ivar so glücklich, eine Benachrichtigung zu erhalten, daß 3 Franks und 25 Centimes auf dem Postamte 'für ihn zur Auszahlung bereit lägen. Spornstreichs eilte er dorthin, um dies Riesenvermögen in Empfang zu nehmen. Doch der Beamte verlangte zunächst eine Legitimation. Papiere hatte der Journalist nicht bei sich. Und so zeigte er denn sein Passepartout, das ihm der Polizeipräfekt Lepine ausgestellt hatte. Der Postbeamte sah das Passepartout aufmerksam durch und gab es dem Journalisten dann mit den Worten zurück'. „Das nutzt mir gar nichts." — „Wie! Sehen Sie denn nicht, daß der Polizeipräfekt Ldpine eigenhändig unterschrieben hat?" wagte der Journalist einzuwenden. Daraufhin maß ihn der pflichtgetreue Beamte von oben bis unten, nnd sprach dann mit einer, Ruhe und Gelassenheit, wie sie eben nur ein Beamter besitzen kann: „Mein Herr! Wenn eine Unterschrift des Herrn Ldpine „für uns" gültig sein soll, dann muß sie erst vom zuständigen Polizeikommissare amtlich beglaubigt werden." Der Journalist verrät nicht, ob er diesen Weg weiterverfolgt hat, um zu seinem Gelde zu! kommen. Aber, daß die Unterschrift des Polizeipräsidenten noch vom zuständigen Polizeikommissare beglaubigt werden muß, das ist selbst in Berlin nicht nötig. Bilderrätsel. Auslösung in nächster Nummer. Auflösung der Schach-Aufgabe in voriger Nummer: c. 1. Sb6- d5 Sb4 X Sd5 2. Dgl — d4f Ke5 X Dd4 3. 8 e 7 — c 6 matt A. 1. — — L g 6 — e4 2. Tg8 — g5f L e 4 — f 5 3. Dgl— e 3 matt. D. S b 4 — c 6 1. — wenn 2, L g 6 — e 4 3. De3 XLe4 matt. 2. Dgl — e 3 f nsw. Andere Varianten ähnlich. 1.- Te6 X Se7 2. Dgl— e3 f Ke4 —f 4 3. Lg2 — h3 matt. Redaktion: K. N e u rath. — Rotationsdruck und Verlag der Brnhl'jchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Laiige, Gießen,