Donn rstag, dm (9. Dezember g»uf K- M?Nip! I-'Ö I £,~sS en_^_ W I ! ij n MW Eine Weihnachtsreise. Von Marie Silling. (Nachdruck verboten.) Sie fänden es also wirklich nicht leichtsinnig oder unvernünftig, lieber Herr Geheimrat, toenn wir der Kinder Wunsch erfüllten und Weihnachten zu ihnen reisten?" „Im Gegenteil, recht und klug würde ich es finden, wenn Sie es täten, beste 'Frau! — Nach Ihres Mannes langer Krankheit halte ich für Sie beide eine kleine geistige Erfrischung durchaus geboten, und wo könnten Sie dieselbe in jetziger Jahreszeit besser suchen und finden, als im Kreise Ihrer Kinder und Enkel?" „Sie haben wohl recht, Herr Geheimrat, und ich habe mir selber schon ähnliches gesagt, aber es ist doch schwer, daß wir solcher Erholung und Freude halber im Winter eine Reise machen sollen in unserm Alter! — Hätte unser Ferdinand geheiratet, wie wir so lange und oft gewünscht haben, dann könnten wir auch hier längst eine fröhliche Enkelschar haben. Aber er hat doch nun einmal nicht geheiratet, und die Enkel sind ausgeblieben." „Dafür haben sie in Dresden sechs solcher lustigen Trabanten, die sich auf das Kommen der Großeltern freuen. Unb Ihr Großmutterherz- sollte die Unbequemlichkeiten der Reise nicht überwinden können? Ich kenne Sie gar nicht wieder, liebe Fran Caroc." < „Ach, wer spricht denn von mir und meinem Herzen, lieber Freund! Meine Sorge ist allein, daß mein Mann sich auf der Reise erkälten und krank werden könnte, wir den Kindern in Dresden dann eine Last statt eine Freude wären und außerdem Ihre bewährte Hilfe entbehren müßten." „Das sollten meine Kollegen in Dresden hören, werte Frau! — Und warum muß sich denn Ihr Mann durchaus erkälten, und krank werden? Ich sehe die Notwendig« keit dazu nicht ein. Wozu gibt es denn Pelze und -ge? heizte Coupes? Ja, wenn es noch so wäre, wie vor fünfzig Jahren, wo Ihr Herr Vater zur Winterzeit einmal drei Tage mit der Eilpost unterwegs war, um nach Dresden zu kommen, dann wollte ich Ihre Sorge gelten lassen, aber heutzutage! — Schlagen Sie ein, liebe Frau Caroc, und versprechen Sie dem alten Hausfreund, daß Sie die Koffer packen und reisen wollen." . . .. . , Noch ehe die kleine, für rhre sechzig Jahre äußerst bewegliche Dame eine Antwort zu geben vermochte, öffnete sich die Tür, und zwei Herren traten herein, die man sogleich als Vater und Sohn erkannte. . Sieh da, lieber Geheimrat, sind Sw für oder gegen die Reise? Erst antworten Sie, Mann, ehe rch Sre als Freund begrüße; denn ich kann mir ja denken, daß meine liebe Frau Sie als Rettungsengel für ihre Retsenote her-» zitiert hat!" „Ich habe soeben das Rezept verschrieben, alter Freund, und hoffe. Sie reisen sobald als möglich! Es ist übrigens erstaunlich, wie gut Sie wieder aussehen, und die letzte Attacke war doch ernstlich genug. Wer Sie sieht, wird nicht glauben, daß Sie schort vierundsiebzig Jahr alt werden! 'Verraten Sie mir nur das Mittel, wodurch Sie Ihr Haar schwarz erhalten! Wahrhaftig, Sie haben stoch kein einzig weißes Haar." „Aber der Kopf ist mir durch die Haare gewachsen, ivie mein kleiner Enkel einst sagte, und mit deut Beißwerk will's nicht mehr recht gehen; auch die Beine wollen nicht mehr so, wie ich wohl möchte. Im übrigen freilich fühle ich mich so wohl wie ein Fisch int Wasser. Nur meine gute Alte will's mir nicht glauben, die möchte gern einen alten, gebrechlichen Greis aus mir machen. Natürlich, um mich noch sorgfältiger hegen und pflegen zu können, das ist ja nun einmal ihr Steckenpferd." „Ja leider, denn sie vergißt sich selbst ganz dabei," stimmte auch der Sohn bei, der bisher lächelnd am Flügel lehnend der Unterhaltung beigewohnt hatte. „Für Sie habe ich übrigens aucfy noch ein Rezept in petto, junger Mann", wendete sich nun der Arzt an diesen. „Sie müssen heiraten, und zwar schnell, damit die Mama zum nächsten Weihnachtsfest hier ein Eitkelcheti hat." „Sie haben wohl vergessen, Herr Geheimrat, daß ich noch vor diesem Weihnachtsfest in das Schwabenalter ein« trete; zum Heiraten ists da zu spät," erwiderte der junge Manu lachend. „Vierzig Jahre sollten's schon her sein, daß ich Ihrem Vater das erste Kind auf den Arm gelegt habe?! — Wahrhaftig! — Run, dann ist es doppelt Sünde und Schande, daß Sie nicht längst geheiratet haben. Es gibt so viel nette Mädchen hier in der Stadt, und so viele sind, zu meinem Kummer, alte Jungfern geworden, und da läuft in meiner Praxis ein Mensch herum, jung, gesund, imstande eine Frau zu ernähren, und ist unbeweibt! Unbegreiflich, daß ich das bisher übersehen konnte! Warum haben Sie nicht geheiratet, Mann, gleich beichten Sie einmal?!" „Je nun," meinte Herr Caroc junior zögernd, „die Rechte ist mir wvhl eben, Nicht begegnet; dann lebten wir auch so behaglich miteinander, und," mit einem Blick auf seine Mutter.hinüber, „ich fürchtete, der Hausfriede könnte darunter leiden. Außerdem sind mir die Mädchen heutzutage entweder zu gelehrt oder zu oberflächlich. Die verheirateten Frauen gefallen mir stets bei weitern besser!" „Erfahrungsreicher Jüngling," sagte der alte Arzt. „Sie haben so unrecht nicht, erst Wenn das weibliche Geschlecht das einzig große Examen bestanden hat, für das es bestimmt ist, ich meine, wenn die. Frauen Mütter geworden sind, fangen sie an vernünftig zu denken; man kann mit ihnen reden und mit ihnen leben. Darauf aber wollten Sie's nicht an Kommen, lassen; der Versuch hätte ja mißglücken können! Verstehe, verstehe! Bleibt also nrkr eine Witwe!" 794 „Das wäre auch nicht mein Falt," schaltete Herr Ferdinand Caroc ein; doch der alte Herr ließ sich in seinem Aedankengange nicht stören. „De gustibus non est disputandum,“ meinte er. „Also eine Witwe fürs neue Jahr!" Damit schüttelte er lachend dem jungen Manne die Hand, wünschte den alten Herrschaften glückliche Reise, toöhliche Festtage und gesundes Wiedersehen und eilte zur Tür hinaus. — Einige Tage später, es war der zwanzigste Dezember, fuhr mittags eine mit vielem Gepäck beladene Droschke Vor das Bahnhofsgebäude des Städtchens vor und zwei Herren und eine Dame ientstiegen ihr. „Zwei große Stück Gepäck und fünf Stück Handgepäck, Vergiß nur keines, Ferdinand! 1 Das /heißt, nein; es bleiben nur vier Stück, denn diesen kleinen, grauen Koffer nehme ich selber!" „So laß ihr: mich doch tragen, liebe Mütter!" „Nein, nein, den gebe ich nicht aus der Hand, darin hübe ich alles Nötige für Papa, im Fall er krank wird, Verpackt; er ist ganz leicht, hebe ihn nur einmal auf, den darfst du mir nicht nehmen, das würde mich unruhig machen!" Bald saßen alle in einem gut durchwärmten Coups zweiter Klasse. „Ob wir eine Zigarre rauchen, Ferdinand? Zwar sind wir im Nichtraucher-Coups, aber unsere einzige Dame wird's uns wohl erlauben, sie ist ja daran gewöhnt!" „Ja, aber sie wird zählen, wie viele es bis Dresden geworden sind,"' erklärte die alte Dame. „Unb das sage ich dir gleich, Alterchen, mehr als zehn Stück Zigarren täglich erlaube ich dir nicht in Dresden zu rauchen. Wenn du nichts zu tun hast, bist du hanz unmäßig im Rauchen, und das ist dir entschieden schädlich!" „Zehn Stück?" protestierte der alte Herr, „ich rauche nie mehr als sechs!" „Höre, Ferdinand," begann nach einiger Zeit die Mutter, „laß auch nicht den Schlüsselkorb stehen, wenn du nach den Festtagen ohne uns nach Hause zurückkehrst; idj traue der Minna nicht. Gib ihr des Morgens Geld und lasse sie einholen, was sie gebraucht. Kaffee und Zucker mußt du selber herausgeben. Es läßt sich wirklich nicht anders einrichten — und deine Wäsche mußt du allein herausneh- men. Die Hemden immer hübsch von oben herunter, ziehe mir nicht eines aus der Mitte heraus und drücke es dann Ivie einen Ball zusammen, wenn dir etwas daran nicht paßt! Knöpfe haben alle; ich habe sie gestern nochmals nachgc- ehen! Und dann, Ferdinand, dafür mache ich dich verant- vortlich: der Kontorbote kommt mir nicht ins Haus, solange ■ ch fort bin. Du verstehst mich, ich will keine Liebschaft mit der Minna angebändelt haben!" „Sei ohne Sorgen, liebe Mutter, ich werde alles, was Und wie du es wünschest, besorgen. Du kannst mir ja während der beiden Festtage Bescheid sagen und mich mit allem beauftragen, was du etwa noch vergessen haben solltest." „Seht einmal, es schneit!" sagte der alte Herr, nach- dem man einige Stunden gefahren sein mochte. „Weiße Weihnachten, da werden sich die Kinder freuen!" Auch die Gedanken der Großmutter flatterten nun nach Dresden zu den Enkelkindern und malten ihr die Freude des Ankommens und den Jubel des Weihnachtsabend aus. „Ob wohl das Hänschen zn unserem Empfang heute abend aufbleiben wird?! — Elsbeth, das gute Kind, wird jetzt Trepp auf und Trepp ab laufen, um unsere Zimmer vorzurichten! Wenn sie sich nur nicht am Herde erhitzt und dann in die kalte Speisekammer geht!" Inzwischen fielen draußen immer dichter die weißen Flocken, bedeckten das Land und hüllten die Gegend in immer uu-durchdringlichere Schleier, je mehr man sich Berlin näherte, und als der Schaffner, dort angekommen, die Tür aufriß, trieb ein heftiger Windstoß den Schnee bis weit in das Coups hinein. „Ist das ein Wetter geworden," meinte der Sohn, „wer hätte das geglaubt, als wir fortfuhren!" „Hast du kalte Füße bekommen, Alterchen?" fragte besorgt die Mutter, als sie mitsammen in der Droschke saßen, Und das erleuchtete Berlin durch die verschneiten Wagenfenster schattenhaft an ihnen vorüberflog. „Das wäre," rief der alte Herr, „du hast mich ja gleich wieder in den Pelz gepackt, wie ein Wickelkind ; ich sitze wie im Backofen!" Der Aufenthalt am Anhalter Bahnhof war nur kurz, und als die Reisenden sich dann wieder in einem warmen, hell erleuchteten Coups'befanden, und Frau Caroe sich von ihrem sämtlichen Handgepäck, einschließlich des grauen Köfferchens, das sie ivirklich nicht von der Hand gelassen hatte, umgeben sah, da meinte sie mit einem Erleichierungs- seufzer und einem zärtlichen Blick auf ihren Sohn: „Das hast dn gut gemacht, lieber Ferdinand, so leicht und bequem ist uns noch niemals eine Reise geworden/' „Die Karten nach Dresden-Neustadt werde ich gleich behalten," sagte der Schaffner, die Abteiltür schließend. „Damencoups!" rief's in demselben Augenblick. „Ist besetzt," lautete die Antwort, „aber hier im Nichtraucher ist noch Platz." Zu gleicher Zeit wurde die Tür wieder geöffnet, um eine Dame mit einem etwa zehnjährigen Knaben einzulassen. Die Billets wurden eilig kupiert, dann brauste der Zug davon. Die soeben Gekommene wickelte sich in ihren Pelz, schob das runde Barett etwas tiefer in die Stirn und suchte mit dem Köpfchen den bequemsten Platz in der Ecke. „Ich bin müde, Fritzchen, und werde schlafen, versuche es auch, dann vergeht ° die kurze Zeit der Fahrt am schnellsten." Und als wäre es ein Losungswort gewesen, legten auch die andern Reisenden sich in ihre Ecken und gaben ihren Gedanken Audienz. Einmal hielt der Zug, um aber gleich weiter zu dampfen. „Findest du nicht auch, daß wir recht langsam von der Stelle kommen, Ferdinand," fragte nach längerer Zeit Herr Caroe, indem er zugleich seine Uhr hervorzog. „Wahrhaftig, schon halb acht Uhr, da müßten wir ja bereits in Röderau sein!" Gerade in diesem Augenblick hielt der Zug. Herr Caroe junior versuchte das Fenster herunterzulassen, was erst nach einigen Schwierigkeiten gelang und ihm die Reisemütze kostete. Der Sturm, der den Schnee in das Coupö und ihm ins Gesicht peitschte, hatte sie ihm entführt. „He, Sie da, Schaffner!" „Mache das Fenster zu, Papa wird sich sonst erkälten/' rief die Mutter. Doch der Sohn folgte nur halb dem zürnenden Befehl und fragte den herbeigeeilten Schaffner, der jedoch den Flüchtling nicht mehr ergreifen konnte: „Wo sind wir denn eigentlich?" „In Falkenberg, Herr!" „Aber wir müßten doch schon in Röderau sein?" „Dahin kommen wir vielleicht heute auch noch, aber 's Wetter muß erst anders werden," lautete die gemütliche Antwort. (Fortsetzung folgt.) MenLeuer Les Brigadier Serard. Von C. Doyle. Wie sich der Brigadier seine Medaille holle. (Fortsetzung.) Dagegen machte er jedoch allerhand Einwendungen; aber ich hatte in meinem Leben gelernt, niemals eine Chance zur Beförderung vorübergehen zu lassen, und roer stand mir dafür, daß der Bursche da, wenn ich den Rücken gewendet, nicht doch noch Einsicht in die wirkliche Sachlage erhielt und meinen Plänen entgegenarbeitete? Ter Mann lehnte eben an einem Fasse, ich ergriff also einen Strick, lief damit sechsmal um ihn herum und band schließlich hinten einen festen Knoten. Wenn er nun doch die Absicht hatte, heraufznkommen, so mußte er sich wenigstens bequemen, zirka tausend Liter guten französischen Wein mit nach oben zu schleppen. Nun schnell die Türe des Kellers hinter mir verschlossen, damit er nicht hören konnte, was o6en vor sich ging, das Licht weggeschleudert und die Küchentreppe hinan! Nur zwanzig Stufen aufwärts, und doch, wie lang schien mir der Weg! Alles, was ich nur je gewünscht und erhofft, trat in dieser kurzen Spanne Zeit wieder vor mein Auge. Es war genau, wie damals bei Eylau, wo ich mit gebrochenem Bein auf dem Schlachtfeld lag und die Artillerie aus mich losstürmen sah. Tenn ich wußte ganz gewiß, was mir bevorstand: wurde ich in meiner falschen Uniform erkannt, so erschoß man mich auf der Stelle als Spion. Und dennoch! Welch ruhmvoller Tod, ein Tod direkt tot Dienste meines Kaisers! Tas warf sicherlich fünf Zeilen im „Moniteur" für mich ab, wenn nicht gar sieben! Hatte Palarat doch acht bekommen, und seine Karriere war jtidj4 so glänzend wie die meinige. 795 Ter erste Anblick, der mir wurde, als ich! mit' erheucheltem Gleichmut die Halle betrat, war Bouvets Leichnam. Es mußte einen heißen Kampf gesetzt haben, denn seine Hand hielt noch den Säbel umklammert, und sein Haupt lag in einer tiefen Blnt- lache. Ich hätte dem wackeren Manne gerne salutiert, als ich an ihm vorüberging, aber ich fürchtete, gesehen zu werden, und schritt weiter. Im vorderen Teil der Halle standen eine Menge Soldaten: und schlugen Schießscharten in die Mauer, um' für einen erneuten Ueberfall vorbereitet zu sein, während ihr Offizier, ein kleiner Mann, eifrig hin- und herlief und Anweisungen erteilte. Tie Leute waren alle zu sehr in ihre Beschäftigung vertieft, um auf mich zu achten, aber ein zweiter .Offizier, der mit einer riengen Pfeife an einer Türe lehnte, gewahrte mich und kam auf mich zu. Er klopfte mir auf die Schulter, deutete auf die Körper unserer gefallenen Husaren und sagte dazu etwas, was Wohl ein Scherz sein sollte, denn sein langer Bart teilte sich so weit auseinander, daß alle seine weißen Zähne sichtbar ^wurden. Ich lachte herzlich mit und sagte.dabei die einzigen russischen Worte, die ich kannte. Tie kleine Sophie hatte sie mich gelehrt, als ich damals in Wilna lag, und sie lauteten: „Wenns heute abend schön ist, finden Sie mich an der alten Eiche; wenn es aber regnet, treffen wir uns unter deniiTorweg." Tas störte aber unseren Deutschen durchaus nicht, denn er pochte mir wieder auf die Schulter, als ob ich einen ganz vorzüglichen Witz gemacht hätte, und brach von neuem in ein schallendes Gelächter aus. Ich nickte ihm zu und stieg mit einer Kaltblütigkeit zur Halle hinaus, als ob ick) mindestens Kommandant einer Festung wäre. Traußen standen gegen hundert Pferde, die zum größten Teil den Polen und den preußischen Husaren gehörten. Auch Violetta stand unter ihnen und wieherte, ati: fie mich kommen sah. Aber die durste es heute nicht sein, nein, dazu war ich zu pfiffig. Ich suchte mir im Gegenteil das zottigste, kleinste Kosakenpferd aus, das ich finden konnte und schwang mich mit einer Sicherheit darauf, als ob es schon meinem Vater vor mir gehört hätte. Darauf ergriff ich den Sack mit Lebensmitteln, welcher ihm um den Hals geschlungen war, legte ihn auf Violettas Rucken und ließ dieselbe neben mir hertraben. Was für ein treffliches Bild von einem Kosaken, der eben vom Fouragieren zurückkehrt, muß ich doch damals abgegeben haben! Jetzt wimmelte das Städtchen bereits von Preußen; sie standen in den Seitenstraßen beisammen, und als ich vorbeiritt, wiesen sie mit Fingern auf mich und sprachen zueinander: „Da ist schon wieder so ein verdammter Kosak, der "’S Mausen nicht lassen kann!" — wenigstens deutete ich mir ihre Mienen so. Zweimal wurde ich sogar von Offizieren mit sehr wichtigen Gesichtern angeredet; aber ich schüttelte nur lächelnd den Kopf und plapperte meinen russischen Satz her, woraus sie die Schultern zuckten unb die Sache aufgaben. Auf diese Weise arbeitete ich mich glücklich bis vor die Stadt hinaus und bemerkte schon von ferne auf der Landstraße die zwei Ulanenvorpvsten mit ihren schwarzweißen Fähnchen. Jetzt nur noch dort vorüber und jenseits winkte mir die goldene Freiheit. Ich ließ daher mein kleines Kosakenpferdchen einen munteren Trab anschlagen, während Violetta fortwährend ihre Nase an meinem Knie rieb und zu mir aufschaute, als wenn sie sich Auskunft darüber erbitten wollte, womit sie es beim verbient habe, baß dieses zottige, kleine Geschöpf sie heute verdrängte. Schon war Ich ben Ulanen bis auf höchstens zweihundert Schritte nahe gekommen, da sah ich — oh, denken Sie sich, meinen Schrecken — einen wirklichen Kosaken auf mich zukommen! Ah, mes chers amis, wer ein fühlend Herz sein eigen nennt, der kann sich jetzt gewiß recht lebhaft in meine Lage versetzen. Wie viele Gefahren und Bedrängnisse lagen nun glücklich hinter mir, und nun sollte ich, so nahe am Hafen, noch Schiffbruch leiden? Warum soll ich es verschweigen, daß mir einen Moment lang der Mut sank, ja, daß ich in Versuchung geriet, alles über mich ergehen zu lassen? Aber nein, nein, das durfte nicht sein! Schnell zwei Knöpfe meines Rockes anfgerissen, damit ich leicht zu dem Brief gelangen konnte — denn ich war fest entschlossen, wenn es zum Schlimmsten kam, den Brief zu verschlucken und mit dem Säbel in der Hand zu sterben. Nachdem ich mich endlich noch versichert, daß mein kleiner, krummer Säbel lose in der Scheide steckte, trabte ich auf die Posten zu. Sie schienen mich anhalten zn wollen, da aber deutete ich auf jenen Kosaken, der immer noch ziemlich weit entfernt war, als ob ich beabsichtigte, ihm entgegenzureiten, und nun ließen sie mich unbehelligt vorbei. Nun gab ich meinem Pferde die Sporen, denn es lag mir daran, so weit wie möglich aus dem Bereiche dieser Soldaten zu kommen, und ben Kosaken für mich ganz allein zu haben. Es war ein Offizier, ein großer, bärtiger Mann, mit derselben Mütze wie ich selbst. Als er mich kommen sah, machte er Halt unb unterstützte mich unwillkürlich in meinen Bemühungen, so baß ich einen schönen Vorsprung vor jenen Posten gewann. Ich aber ritt stracks auf ihn zu unb konnte recht gut bemerken, wie sich der Ausdruck der Verwunderung in;(feinen braunen Augen bei dem Anblick meiner Person, des Ponys, sowie der ganzen Ansrüsfimg in Argwohn verwandelte. Jetzt rief er mir eine Frage entgegen, unb, als keine Antwort erfolgte, zog er blank. Tas aber erfüllte Mich mit großer Befriedigung; denn ich habe immer lieber gekämpft, als einen Feind hinterlistig'medergehanen. Ich parierte seinen Hieb, stieß zu und bohrte ihm' gerade unter dem vierten Knopfe seines' Rockes die Säbelspitze in die Brust. Er sank vom Pferde, und sein Gewicht würde mich ebenfalls mit niedergerissen haben, wenn ich mich nicht schnell freigemacht hätte. Ob ich ihn getötet ober nur verwundet habe, weiß ich nicht, beim, ich sprang in größter "Eile von meinem) Pony und bestieg Violetta, konnte mir jedoch nicht bas Vergnügen versagen, den beiden Ulanen hinter mir zuzuwinken und Kußhändchen zuzuwersen. Tie hatten natürlich nicht Eiligeres zu tun, als mir nachzusprengen; aber Violetta hatte frische Kräfte gesammelt unb jagte wie toll dahin, so daß mich jeder ihrer Sätze weiter von meinen Feinden entfernte. An der Biegung der langen Landstraße schaute ich mich um, aber da war von meinen Verfolgern nicht das geringste mehr zu sehen, und ich wußte, daß ich gerettet war. Ein unbeschreibliches Wonnegefühl durchströmte mich bei dem Gedanken, daß ich des Kaisers Befehl bis auf den letzten Buchstaben nachgekommen war. Was der wohl sagen würde, wenn ich vor ihn trat! Ja, was konnte er eigentlich sagen, um mir Gerechtigkeit widerfahren zu lassen? Er hatte mich durch Sermoise, Soissons und Senlis reiten heißen, ohne die geringste Ahnung zu haben, daß jeder dieser drei Orte vorn' Feinde besetzt War. Ich aber hatte es getan; ich hatte seinen Brief unverletzt hindurch^ befördert. Husaren, Dragoner, Ulanen, Kosaken, Infanteristen — sie alle hatten mir nachgestellt, und ich war heil davon- gekornMen. In TamMartin angelangt, erblickte ich auf freiem Felde die ersten unserer eigenen Vorposten und galoppierte auf sie zu, um! mich zu vergewissern, daß zwischen hier und Paris alles, in Ordnung war. Tab ei konnte ich mich vor Stolz über meinen! Erfolg nicht lassen, ich jubelte laut auf und schwang den Säbel hoch in die Luft. Ta sprengte, seinen Säbel ebenfalls hoch schwingend, ein Offizier aus jener Gruppe auf mich zu, und es tat meinem Herzen wohl, zu sehen, daß ich mit so viel Eifer und Begeisterung begrüßt wurde. Aber wer beschreibt mein Entsetzen, als er, knapp vor mir angelangt, plötzlich einen Hieb nach; mir führte, der mit sicher das Haupt vom Runipfe getrennt haben würde, hätte ich nicht schnell meine Nase in Violettas Mähne geborgen. Ich meiner Treu, wie ’n Ostwind Pfiffs damals über meine Mütze hinweg! Natürlich war nur diese verwünschte Kosakenunifornt daran schuld, die ich in meinem Eifer ganz vergessen Hütte, und der junge Dragoner hatte gemeint, ich fei irgend ein Russe, der die französische Kavallerie zum Zweikampf herausfordern wolle. Ah, aber sein Schrecken, als er gewahr wurde, daß er.beinahe den berühmten Brigadier Gerard getötet hätte! Nun stand mir weiter nichts mehr im Wege, und gegen drei Uhr nachmittags war ich in Saint Denis; aber von dort bis nach Paris hatte ich immer noch zwei gute Stunden, denn der Weg war von Foiiragewagen und Kanonen, die für Marmont und Mortier im Norden bestimmt waren, ganz und gar verstopft. Sie können sich schwerlich einen Begriff von der Aufregung machen, welche meine Erscheinung in Paris hervorrief. Ja, als ich auf der Rue de Rivoli aulangte, ritten und liefen mir wohl eine Viertelmeile Leute nach. Zwei jener Dragoner hatten sich mir an* geschlossen und hatten die Kunde von meinen Taten schon in der Stadt verbreitet, so daß ich nun wie im Triumph einzog. Die Männer schrien mir ihre Glückwünsche zu, während die Frauen mit Tüchern winkten und mir Kußhändchen zuwarfen. Obgleich ich nun eigentlich ein Mann bin, dem nichts ferner liegt als Stolz, so konnte ich doch bei dieser Gelegenheit nicht umhin, meiner Befriedigung über einen solchen Empfang Ausdruck zu geben, unb während die russische Uniform mir bisher ganz lose gesessen hatte, warf ich mich nunmehr in die Brust, so daß sie sich prall anlegte. Und Violetta, mein kleiner Liebling, scharrte mit den Vorderhufen und warf den Kopf in die Höhe, als wolle sie sagen: „Ja/ ja, schaut nur her auf uns beide; unfereinem kann man schon Aufträge anvertrauen!" Und als ich ihr nun gar einen Kuß zwischen die Nüstern drückte, als ich vor beit Tnilerien abgestiegen war, da entstand ein Aufruhr, als ob ein Bulletin von der granbe armee verlesen worden wäre. Allerdings war ich tzn einem Besuch bei einem König durchaus nicht angetan; wenn man aber eine gute, stramme Figur hat, so braucht man sich daran nicht sonderlich zu stoßen, und ich erhielt sogleich bei Joseph, dem König von Spanien, Zutritt. Ich kannte ihn schon von Spanien her und sand ihn ganz unverändert — behäbig, ruhig und freundlich wie immer. Talley- raitb war bei ihm — eigentlich sollte ich; ihn wohl Herzog von Benevento nennen, aber ich halte mich immer gern an die alten Namen. Er las den Brief, ben Joseph Bonaparte ihw reichte und schaute mich dann sehr eigentümlich mit feinen Heinen, blinzelnden Augen an. m , „Waren Sie der einztge Bote?" fragte er. „Ter Major Charpentier von den Grenadteren war der ctTtbcic." „Der ist noch nicht angekommen," bemerkte der König von Spanien. . . , „Wer die Beine feines Pferdes gesehen hat, ©tre, werd sich darüber nicht wundern." ., ' „Kann auch andere Gründe haben, warf Talleyrand mit seinem komischen Lächeln ein. 796 Hieraus spendeten mir Heide ein wenig Lob; aber ich meine, sie hätten beide mehr, und doch noch nicht geyug sagen können. Endlich durste ich mich verabschieden und war herzlich stoh darüber, denn das Hofleben war mir von jeher im Grund meiner Seele verhaßt. Nun ging's in größter Eile zu meinem alten Freunde Chaubert in der Rue Miromesnil, der mir seine Husarenuniform lieh. Ich mußte mit ihm zu Wend speisen, und wir plauderten so vergnügt von alten Zeiten, daß ich bald alle meine Gefahren vergessen hatte. Aber auch Violetta wurde nicht vergessen, und das brave Tier hatte sich am nächsten Morgen so weit erholt, daß ich an den Rückweg denken konnte. Tenn ich war natürlich begierig, so schnell wie möglich wieder in das Hauptquartier des Kaisers zu gelangen, um1 aus seinem Munde mein Lob, aus seiner Hand meine Belohnung' zu empfangen. Es ist wohl überflüssig, zu erwähnen, daß ich einen sicheren Weg zu meiner Rückreise wählte — hatte ich doch von Husaren und Kosaken hinreichend genug gesehen. Ich ritt über Meaux und Chateau-Thierry und erreichte gegen Abend Rheims, wo Napoleon noch lag. Als ich am Schlachtfelde vorüberritt, sah ich, daß die gefallenen Franzosen und Russen bestattet worden waren; aber auch in dem Lager wat eine große Veränderung vor sich gegangen. Da war alles in bester Ordnung; die Soldaten sahen besser verpflegt aus, die Kavallerie hatte eine große Anzahl frischer Pferde bekommen. Ja, ja, ein tüchtiger General kann in wenig Tagen Wunder tun! Man führte mich sogleich zu dem Kaiser. Vor sich eine große Karte, saß er au einem Schreibtische und trank Kaffee,, während Berthier und Macdonald über seine Schultern blickten und sich bemühten, etwas von den hastig hervorgestoßenen Worten aufzufangen.. Aber kaum war er meiner ansichtig geworden, so. warf er die Feder auf die Karte hin, sprang aus und maß mich mti einem. Blicke, den ich Zeit meines Lebens nicht vergessen werde. „Zum Kuckuck, was haben Sie hier zu suchen?" schrie er wich an, und seine erregte Stimme erinnerte stark an das Schreien eines Pfauhahns. „Sste, habe die Ehre zu rapportieren, daß ich Ihren Bries dem König von Spanien überbracht habe!" „Was?" zischte er, indem er seine Augen stechend auf mich richtete. Oh, diese furchtbaren Augen, sie schrecken mich heute noch zuweilen im Traume. „Wo ist Charpentier!" frag er. , „Es ist gefangen genommen worden," bemerkte Macdonald. „Von wem?" „Russen." „Kosaken?" „Nein, einem einzigen Kosaken." „Er hat sich ergeben?" „Ohne jeden Widerstand." „Ein kluger Osstzier; er soll die Medaille haben!" , Jetzt mußte ich mir die Augen reiben, um miet; zu vergewissern, daß ich auch wirklich wachte. „Sie aber," schrie mich der Kaiser an, indem er auf mich Nitrat, daß ich meinte, er wollte mich schlagen, „Sie Dummkopf, Sie werden das Nachjschen haben! Konnten Sie sich denn nicht zusammenreimen, wozu ich Ihnen jenen Brief übergab? Haben Sie sich wirklich eingebildet, ich würde eine wichtige Mission so einem anvertrauen, wie Sie sind, und Sie damit durch Ortschaften schicken, welche vom Feinde besetzt sind? Mir ein Rätsel, wie Sie überhaupt durchgekommen sind; ein großes Glück, daß der Zweite mehr Verstand gehabt, als Sie, sonst wäre mein ganzer Feldzugsplan gescheitert. Ueberstieg wohl Ihren Horizont, ein- tzusehen, daß der Bries salsche Angaben enthielt, die den Feind rrreführen sollten, während ich meine Vorbereitungen zu einem ganz andern Plane traf?" Ich dachte, ich würde den Verstand Verlieren, als ich diese grausamen Worte vernahm und in das zornige, weiße Gefickt mtr. umßte. Das Zimmer schien sich um mich zu drehen, ich mußte mich an der Lehne eines' Stuhles festhalten, um nicht umzusmken. Aber da fiel mir auch schon ein, daß ich doch etn Ehrenmann war, der sein ganzes Leben und alle seine Kräfte dem -xtenlte drests Mannes und seinem geliebten Laude geweiht hatte, und obgleich mir die Tränen immer noch aus den Augen strömten, faßte ich Mut und sprach: ..„Sire, bei einem Manne von meinem Charakter täten Sie weiser, offen vorzugehen. Hätte ich gewußt, daß die Bries- schasten tür den Feind bestimmt waren, so hätte ich schon Sorge daiur getragen, daß sie auch dahin gelangten. Nach Ihren Worten aber nahm ich an,, daß ich sie sicher zu bestellen hatte und ich habe das mit Einwtzung meines Lebens getan. Mehr Beschwerden und Gefahren hat wohl kein Mann gesehen, als ich m der Ausführung Ihres Befehls erduldet habe." Indes war, ich auch meiner Tränen Herr geworden und erstattete nun euren lebhaften Bericht von meinen Abenteuern Me drei, der Kaiser, Berthier und Macdonald, lauschten mit staunenden Mienen. Als ich geendet, schritt Napoleon auf mich zu und zog mich am Ohr. „Sieh, sieh! Nun, vergessen Sie, was ich gesagt haben mag! Sie haben recht, ich hatte mich Ihnen anvertrauen sollest. Sie können gehen!" Ich machte Kehrt und hatte schon die Hand an der Türe, als er mich bleiben hieß. x „Sorgen Sie," sagte er zu dem Herzog hon Tarent, „daß der Brigadier Gerard die große Ehrenmedaille bekommt; denn, wenn er auch den dicksten Schädel in der ganzen Armee hack so schlägt ihm- doch das tapferste Herz in der Brust!" (Fortsetzung folgt.) Vüchertlsch. — Neues Wilhelm-Busch-Al bum. In der Verlagsanstalt für Literatur und Kunst, Hermann Stemm, Berlin- Grünewald, ist ein ausgezeichnetes Ergänzungsstück zum Busch- scheu „Humoristischen Hausschatz" erschienen. Die verstreuten Werke des verewigten Humoristen, die einst im Bassermannschen Verlage erschienen sind, sind hier in einem stattlichen, vornehm aus- gestatteteil Bande gesammelt, der an Wert und Inhalt dem „Humoristischen Hausschatz" nicht nachsteht. Die köstlichen Zeichnungen Buschs, die beqnente Anordnung des Textes, die interessanten Auszeichnungen der Neffen Wilhelm Buschs über ihren Onkel, die als. Beigabe hinzugefügt sind, werden den Busch-Verehrern viel Freude und Vergnügen bereiten. Manche Dichtung Buschs wird hier zum erstenmal veröffentlicht, und die zahlreichen Handschriftenproben, die in dem Buche reproduziert sind, erhöhen gleichfalls dessen Bedeutung. Der Inhalt ist in vier Abteilungen eingeteilt: Die erste bringt einige klassische Produktionen, darunter „Haus Huckebein, der Unglücksrabe", „Der heilige Antonius", „Das Pusterohr", „Das Bad vom Samstag abeud" usw.; das 2. Buch bringt etwa 20 „Schnaken und Schwirren" und die famosen Busch-Bilderbogen; das 3. Buch enthält „Schein und sein", jene anziehenden und tieferen Bekenntnisse des Humoristen und Philosopheii, und das 4. Buch besteht in den Berichten über Heiteres und Ernstes aus Buschs Lebenswerkstatt. Es ist ein Prachtband für die deutsche Familie. — Das Lied der Parzen. Roman von Alfred Schi- rokauer. Deutsches Verlagshaus Bong u. Co., Berlin. Der hochbegabte Universitätsprofessor Faber und Manja, die Gattin, des Regierungspräsidenten von Jugenheim, sind in einer Stunde vergessender Seligkeit ihrer Liebe unterlegen; aber sie haben den Weg zur Pflicht nirb Entsaguiig ziirückgefunden. Nun pocht nach vier Jahreir, in denen der Professor eine Familie begründet hat, das Schicksal mit der grausamen Mahnung, daß: es kein Vergessen und $ergeben geben dürfte, ehern an die Pforte. Ein Abgewiesener, der sich an Manja rächen möchte, läßt Professor Faber vor Gericht laden, zur Aussage, ob die Ehre «dieser Frau makellos ist. In welcher Weise nun das Schicksal hereinbricht, da der Mann als Erzieher der Jugend den rettenden Meineid nicht leisten kann, bis es gleich einer Lawine die beiden Einst-Schul- digen, hi, Wahrheit Läiigst-Eutsühnten, in den Abgrund reißt, das ist mit guter Darstellung wiedergegeben. — „Pfarrer Sch r ö der", Roman von Eduard Stilgeb a u e r. Tresdeir, Carl Reißner. — Ter Fall Traub hat dem Verfasser den Stoff gegeben, der gut unterhaltend vor dem Leser aufgeschichtet wird, aber vom inneren Leben der evangelischen Kirche doch wohl Feilt ganz zuverlässiges Bild gibt. Die Vorgänge und die Menschen muten manchmal zurechlgemacht an, und auch die Charakteristik des Helden, Pfarrers Schröder, geht nicht recht in die -tiefe. Manches klingt hart und tendenziös, aber das ist der Wert des Buches, daß es warmherzig Partei ergreift für innerliches Christentum und daß es die geistig hochmütigen Frömmler tm geistlichen Gewände mit ehrlichem Zorne bloßstellt. Im ganzen wird man aus dem' Roman für die kirchlichen Notwendigteiten jedoch keine Schlüsse ziehen können; er ist nur zur Anregung und Unterhaltung geschaffen. Bllhereätfel. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummer: Uiuveriität Kollcnbori — Vlotho — Biupljrat — tziegeiischiriu — ÄSarmonium — Ob io — Freibank. — Fteycinet; Unverhofft E o in in t oft. fReöaftion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch. und Steindruckerei, R. Lange, Biestes