Die Dame im Pelz. Roman von G. W. Appleton. 1 ' 1 (Nachdruck verboten.) ' , , 1. Kapitel. - 'Meine Mutter war Lei meiner Geburt gestorben, hnd von meinem Pater patte mir nur meine Tante Maria gelegentlich mal erzählt, daß er ein Feuerkopf und anarchistischer Schwärmer gewesen sei, der sich an allen möglichen Aufständen beteiligt habe, in Gefangenschaft geraten, aber wieder entflohen sei und — was ihr als das schlimmste Verbrechen erschien — sein beträchtliches Vermögen seinen Ideen zur „Befreiung der Menschheit" zum. Opfer gebracht habe. Infolge dieser jlmstände hatte meine Tante Maria Aonaldson auch ineine und meiner um ein Jahr älteren Dchwester Helen Erziehung leiten und alle Kosten bestreiten müssen. Es war daher kein Wunder, daß sie sich uns gegenüber Mutterrechte herausnahm, und auch wir Kinder fühlten uns ihr stark verpflichtet und unternahmen nichts von Bedeutung, ohne vorher jhren Rat und ihre Einwilligung eingeholt zu haben. Ich stand in meinem medizinischen Staatsexamen und Arbeitete an meiner (setzten Station im St. Bartholomäus- Hospital, als eines Tages der Portier erschien — den Sangen Georg" nannten (wir ihn wegen seiner hervorragenden Körpergröße — And mir eröffnete, daß unten int Flur ein Herr warte, der mich zu sprechen wünsche. „Ich glaube, Herr Doktor," fügte er hinzu, „ich glaube, er sagte, er hätte ’nen Brief von Ihrem Vater." * lieber die setzte Bemerkung war ich natürlich höchst erstaunt und sagte dem „Langen Georg": Führen Sie den Herrn sofort ins IProsektorzimwer. Eine Minute später stand ich ihm pereits gegenüber. Es war ein auffallend schöner Mann jnit gewinnenden Manieren, und er sprach init einem leichten fremdländischen Akzent. Nach den üblichen einleitenden Redensarten Aberreichte er mir einen Brief mit meiner Adresse. Er enthielt tatsächlich eine kurze Mitteilung von meinem Water des Inhalts, daß er von meiner Tante Maria sehr günstige Nachrichten über strich bekommen und daher seinen Freund Emanuel Gareia im mich gewiesen habe, der auf der Durchreise in Londost gerne ein paar Stunden mit mir verbringen würdet .DaS Mr alles; gewiß ein merkwürdiges Schreiben von einem! Vater an seinen Sohn. Ich wußte nicht, was ich davon halten sollte. Wer Herr Dareia hatte ein so vertrauenerweckendes Wesen, daß mein Mißtrauen rasch verscheucht Mr. Sie müssen heute labend mit mir im Cafö Royal speisen, sagte er endlich, ich werde Ihnen dann auch von Ihrem! Water erzählen. । < > Es mag ja (meinerseits wenig liebevoll, klmgen, aber iH schützte ieine ältere Verabredung mit einem Freunde Donnerstag, den 19. September MC u! । s-5 a|. b Tyl LW t s k vor — mit Meinem lieben alten Studiengenossen Eharley Mortimer. Wer (er wollte diese Entschuldigung nicht gelten lassen: . v Bringen Sie Ihren Freund doch mit, sagte er. Jeder Freund von meines Freundes Sohn wird mir herzlich willkommen fein. , Er sagte das so aufrichtig und liebenswürdig, daß ich, obwohl mrr die ganze Sache immer noch sehr merkwürdig vorkam, nicht.anders .konnte, als auf seinen Vorschlag einzugehen. Mortimer und sch stellten uns zu per verabredeten Stunde pünktlich sm Kass Royal ein. . Unser .Gastfreund war reizend. , Er erzählte mir, er habe meinen Vater in Kalifornien gelassen, .fügte jedoch dieser Information wenig oder nichts hinzu, jind ich hatte tatsächlich auch kein besonderes Verlangen, mehr davon zu hören. Das Essen war porzüglich — fürstlich, wie man zu sagen pflegt — die Weine ausgezeichnet und der Gastgeber, wie gesagt, ein Mann, wie man selten einen findet. Auf einmal aber verstummte unser liebenswürdiger Unterhalter, er hatte zufällig aufgeschaut und an einem Nebentisch zwei Männer erblickt. Sie waren beide offenbar Ausländer, und ich bemerkte, wie der eilte eine Geste machte, die auf .nichts Mutes deutete. Herr Gareia wurde kreidebleich. Er bestellte rasch seine Rechnung und ,flüsterte mir zu: Ich muß gehen. Wollen Sie und Ihr Freund mich ins. Hotel begleiten? . Nun, Eharley Mortimer und ich selbst waren handfeste Burschen und hatten als Studenten schon manche Probe unserer Körperkraft abgelegt. Wir erklärten uns also, zumal mit so gutem Stoff im Leibe — obwohl es, wie ich. zu unserer Rechtfertigung sagen muß, da wir Gefahr witterten, eines solchen.Reizmittels gar nicht bedurfte — mit Vergnügen bereit, .ihn wohlbehalten heim zu geleiten. Als wir draußen waren, merkte sch, daß Herr Gareia furchtbar erregt war. . \ Wollen wir nicht lieber 'ne Droschke nehmen? fragte er, ich muß Ihnen nämlich gestehen, daß mein Leben ganz in ihren Händen liegt. Wenn das der Fall ist, sagte ich, kommen Sie hier ttt unsere Mitte; worauf wir ihn an beiden Armen unterfaßten. So sind .Sie in sicherer Hut, setzte ich dann hinzm und Sie brauchen sich nicht im geringsten zu beunruhigen. Wo logieren Me denn? Im Savoy, antwortete er. Schön, sagte jch. . Hierhin, Eharley. Wir schlagen als» die Richtung .nach hem Pieeadilly-Jirkus ein. Ich hatte gesehen, daß die beiden Fremden hinter uns. die Treppe heruntergegangen waren, und hatte auch bemerkt, daß .am Eingang noch zivei andere zu ihnen gestoßen waren. Jch .erwähnte aber Herrn Gareia von dieser Beobachtung nichts, sondern flüsterte sie nur meinem Freunde Eharley unauffällig zu,- Und wir beide fühlten 686 uns an jenem Abend stark genug, es mit jeder beliebigen Anzahl Feinde aufzunehmen, so daß uns das, was' unserem Schützling Furcht verursachte, nur Spaß machte. So kamen wir allmählich bis' ans Criterion — die Mer Mann immer hinter uns her. Nach einem so opulenten Souper, Herr Garem, sagte ich hier zu ihm, gestatten Sie mir, daß ich Sie wenigstens zu einem Gläschen Chartreuse einlade? Er sah mich an und verstand, wie ich's meinte. Mit Vergnügen, Herr Williams, erwiderte er. Wir gingen hinein, bis ans Ende der langen Bar, und ich paßte auf, ob jemand nach uns einträte. Ich sah jedoch niemanden hinter uns Herkommen. Rasch! sagte ich deshalb. Zum Hinteren Ausgang 'naus, durch den Cafs-Salon. Im nächsten Moment standen wir denn auch schou in der Jermyn-Straße; aber an der Ecke vom Heumarkt sah ich zu meinem Aerger auch schon zwei von unseren vier Verfolgern stehen. Sie mußten also erraten haben, warum ich ins Criterion eingekehrt war, und ich wußte nun, was ja immerhin auch ein Vorteil war, mit was für ausgefeimten Kerlen ich zweifellos zu tun hatte. Bei ihrem Anblick zitterte Herr Garcia so stark, daß wir es fühlen konnten und uns über den Ernst der Lage nicht länger im unklaren waren. Trotzdem suchte ich ihn natürlich zu beruhigen. Sie brauchen nichts zu befürchten, ermunterte ich ihn, wir wollen Ihnen schon durchhelfen. Wenn Sie wollen, drehen wir uns um und bringen diese Halunken an einen todsicheren Ort, während Sie sich aus dem Staube machen. Nein, nein, bät er beinahe flehentlich. Ich bitte Sie UM alles in der Welt, bleiben Sie bei mir. Ich habe unbegrenztes Vertrauen zu Ihnen. In Ihren und Ihres Freundes starken Armen fühle ich mich sicher. Ich werde Ihnen diesen Dienst nie vergessen nur, bleiben Sie, bei mir! Gut, sagte ich. Wir wollen 'nen anderen Kniff ver- fuchen. Wie denkst du über den „Bun-shop", Charley, heh? Charley Mortimer lachte und meinte, das würde gehen. Nun, wenn man sich auskennt und z. B. einen lästigen Schneider oder sonst einen unangenehmen Bekannten „versetzen" will, gibt's keinen geeigneteren Ort als „Bun-shop". In dem langen schmalen Salon ist nämlich ein wunderbarer Seitenausgang, Und wenn man flink genug ist, kann man sicher und wohlbehalten in Maiden Lane fein, ehe der Verfolger diesen Ausweg wittert. Wir nahmen zu dieser List unsere Zuflucht, und ich hätte tausend gegen eins wetten mögen, daß sie gelingen müßte. Aber diese Fremden schienen uns über zu fein. Als wir in Maiden Lane hinaustraten, sahen wir bereits zwei von den vieren, gemächlich Zigaretten im Munde, entlang spazieren, und gleich danach kamen auch die beiden anderen wieder dazu. Das ist wahrhaftig stark, Charley, sagte ich. Da ist es besser, wir gehen sofort ins „Savoy" und überlegen uns die Sache, mein ft du nicht auch? Da er keinen besseren Rat wußte, begaben wir uns durch die Baufort Buildings nach dem Savoyhotel, um auf diese Weise unsere Verfolger wenigsteüs für einige Minuten los zu werden. Wir hielten uns auch gar nicht in den Restaurationsräumen auf, sondern gingen gleich aus Herrn Garcias Zimmer. Nun, Herr Garcia, sagte ich zu ihm, als wir oben angekommen waren, Sie haben uns heute abend fürstlich bewirtet, und wir sind daher willens, Sie aus Ihrer Gefahr zu befreien. Wir verlangen keinen näheren Ausschluß über Die Sache — das geht uns nichts an. Sie brauchen uns nur zu sagen, was wir für Sie tun sollen. Weun's geht, mochte ich heute nacht nach Southampton fahren, meinte er. Gut, versetzte ich. Klingeln Sie und lassen Sie sich die Rechnung gehen — oder soll ich's tun? Dabei drückte ich schon auf den Knopf der elektrischen Klingel. Nun, Charley, fuhr ich dann fort, hast du eine gute Idee? Jawohl, antwortete er und setzte sie auch gleich auseinander. Sie war wirklich gut, und nach kurzer Zeit war bereits ein Laufjunge mit einem eiligen Schreiben an einen in der Nähe wohnenden bekannten Kostümmacher unterwegs. Als der Kleiderkünstler ankam', war die Rechnung bereits beglichen, und ich hatte schon Herrn Garcias Anzug an, mein eigener war in einen Handkoffer gepackt. Es handelt sich hier um Leben und Tod, sägte Mortimer ohne Umschweife zu dem Kostümier, und es ist keine Zeit zu langem Bedenken. Sie brauchen aber deshalb' keine Angst zu haben — es geschieht Ihnen nichts. Unser Freund' hier — dabei deutete er aus Herrn Garcia — wünscht, aus politischen Gründen London unerkannt zu verlassen. Der andere Herr will, wenn sichs Machen läßt, derweilen iW maskieren. . Können Sie das bewerkstelligen? Der Angeredete erfaßte die Situation sofort. Jawohl, antwortete er, ich verstehe. Schön. Er warf einen musternden Blick auf Herrn Garcia und verschwand. Nach etwa einer Viertelstunde erschien er wieder mit den nötigen ptensilien, die gewünschte Umwandlung zu vollziehen, und machte fich gleich ans Werk. Das Resultat war einfach großartig. Als ich mich im Spiegel betrachtete, hätte ich fast schwören können, ich wäre Herr Garcia selbst. Als wir unseren Gastfreund nun von fernerer Verfolgung frei wußten, wünschten wir ihin Lebewohl und gute Reise, gingen furchtlos hinunter auf die Straße, nahmen eine Droschke und fuhren eiligst nach Station Euston, wo wir den Liverpooler Schnellzug gerade noch erreichten. Mortimer stieß die Schranke aus und schob michtsamt meinem Handkoffer in ein Knpee erster Klasse. Als ich zum' Fenster hinaussah, bemerkte ich, wie zwei von den vier Männern plötzlich auf den Perron stürzten und, während sich der Zug schon in Bewegung setzte, in den hintersten Wagen sprängen. Vor Willesden hätte ich bereits meinen eigenen Anzug wieder ungezogen, die Perücke und die übrigem Maskierungsstücke weggeworfen, und als der Zug zurnj Bahnhof hinaussuhr, sprang ich hinunter, während meine Feinde eine vergebliche Spritztour nach Liverpool machten,, worüber ich herzlich lachen mußte. (Fortsetzung folgt.) Zur Schlitzer Jubiläumsfeier. Von Pfarrer Zinn in Herbstein. Am' kommenden Freitag, dem 20. September, gedenkt das bekannte oberhessische Städtchen Schlitz mit seinem Grafenhaus und dem nach ihM benannten Schlitzerlande ein großes Fest zu feiern, zu dem man auch Kaiser und Großherzog eingeladen hat. Gilt es doch des Tages zu gedenken, an dem genau vor 110 0 Jahren an einer Anhöhe im Schütztale die Kirche geweiht wurde, die der Ausgangspunkt für die Entstehung der Stadt Schlitz, für die christliche Besiedlung des Schlitzerlandes und für die .'Bekehrung der Satten int östlichen Vogelsberg werden sollte. Eine besondere von Dekan Schmidt in Schlitz int Vorem mit geschichtskundigen Ämtsbrüdern soeben herausgegebene Festschrift will allen Interessenten ausführlichen Aufschluß'geben über die Geschichte dieser ältesten Mutterkirche im' westlichen Buchomen und über die wichtigsten Schicksale, die sie in 11 Jahrhunderten mit der nnwohnenden Bevölkerung freudvoll und leidvoll geteilt hat. Außerdem wird ein von Schlitzer Bürgern aufgeführtes Festspiel' die Höhepunkte dieser Geschichte in lebenden Bildern vorführen.. Schon in ältester vorchristlicher Zeit muß die Gegend um Schlitz gut bevölkert gewesen sein mit Sueven und Satten, 'die den Bergen und Flüssen, Wäldern und Fluren ihre Namen gaben. Aber die Bevölkerung scheint später wieder abgewandert oder durch räuberische Wendeneinfälle dezimiert worden zu sein. Jedenfalls fanden Bonifatius und sein Schüler Sturmius n'ur^etne! unwirtliche Einöde vor mit unnahbaren Sümpfen in den Fluß- niederuugeit und undurchdringlichen Wäldern an den Berghängen, in denen Bären und Wölfe sich heimisch suhlten. Ein Häuflein badender Slaven unb ein weg- und ortskundiger Mann aus der Wetterau, der seines Herrn Ortes Pferd nach Thüringen Bringen! wollte, waren, wie es scheint, die einzigen menschlichen Wesen, auf die man stieß. Eine ausgedehnte Neu-Besiedlung und Kultivierung der Gegend Begann erst mit der Gründung der Schlitzer Kirche im Jahre 812, im 44. Jahve der Regierung Karls des! Großen. Die Gründung der Kirche ging vom Kloster Fulda äus,- dem Orte, den Bonifatius und Sturmius sich zunächst als Mittelpunkt ihrer Missionstätigkeit int alten Buchenlande erwählt und bebaut hatten. Die ersten Kirchen, die von dort ans begründet wurden, waren die auf dem Frauenberg (voM Jahre 808), Bischofs- Berg (809) und Johannisberg (811). Ihnen schloß sich als 'vierte! die Schlitzer Kirche an.. Erbauer war der Kunstverständige und banlustige Abt Ratgariüs Von Fulda, der als der Bedeutendste! »e ArchiteÜ s. Zt. angesehen wird und Fulda MM Bedeutendittelpunkt Baulicher Tätigkeit nächst deM Kaiserhose gemacht hat. Nach Analogie der übrigen von Ratgariüs erbauten Kirchen/ insbesondere der 819 vollendeten Fuldaer Stiftskirche, zu der er die Pläne noch fertigte, dürfen wir annehmen, daß auch die damals von Ratgariüs zu Schlitz erbaute Kirche ein massiver Steinbaü war, und zwar eine dreischiffige Basilika mit Pfeilern, Arkaden/ Fenstern im OBergäden und einer Apsis. > Wie diese ursprüngliches Kirche dann später umgebaut und erweitert würde, lese man in 387 vbengenarmter FestsHrisk. Allgeindin dürste interessieren, daß man in dem Zwischen Chor und Turm gelegenen älteren Teile der heutigen Schützer Stadtkirche noch Pfeilerfuudamente gefunden hat Und im untere« Teile seiner dicken, mit Quadern von altertümlicher^ Struktur gefaßten Außenmauern noch Reste jener ältesten Basilika sehen zu dürfen glaubt. Ein ausführlicher Bericht über die Einweihnngsfeier der ältesten Schützer Kirche ist uns nicht Überliefert worden, doch stehit urkundlich fest, daß diese EinweihüNgs- feier am 20. September 812 stattfand und durch die Anwesenheit des Erbauers Ratgarius Und des Bischofs Richolfns von Mainz verherrlicht wurde. Es sistiert noch in dreifacher Form' eine genaue Grenzbeschreibung des Sprengels der alten Schlitzer Kirche, die m ihrer ältesten Form Wohl auf die Kirchweitze tiom1 Jahre 812 zurückzuführen ist. Sie ist die älteste geschichtliche Urkunde des Schlitzerlandes und nennt als Zeugen folgende Namen, die wir Wohl z. D. als Repräsentanten der damaligen Grund und Boden besitzenden Psarrkinder dieses Sprengels ansehen dürfen: Regin- hart, Otto, Hunger. OthelM', Majo, Gerlach, Thiottih, Ratbot, Brunhärt Othelm, Wonatljeri, Meginheri, Hadabrant, Asolf, Ot- tzrim, Lantolt, Thiottth, Herocolf, Adoltram, Egols, Waltbrat, Folcrith, Liuto, Rihtbraht, Jrminar und Adalman. Interessant sind auch die Namen, die als Grenzpunkte des ersten Schützer Kirchsprengels genannt werden. Sie betreffen teils Flurnamen Und Ortschaften, die heute noch vorhanden sind und in dieser Grenzbeschreibung zum ersten Male urkundlich genannt werden, teils bekannte, aber inzwischen wieder wüst gewordene Siedlungen und zum kleineren Teile Oertlichkeiten, deren Lage nicht mehr genauer festzustellen ist. In die erste Kategorie gehören die Grenzorte: Steinerne Brücke zwischen Angersbach und LandeNhuson (Angersbach und Landenhausen), Wighardes, Wigaudes, Luderenbach superior (Stadtteile des heutigen Lauterbach), Hevenoldeo, Ebenoldes (Heblos), Warta (Wartwiese zwischen Allmenrod und Meiches), Breidenbach, Breitunbach (Breidenbach bei Romrod), Luzzelaha (Leusel b. Alsfeld), Liderbach (b. Alsfeld), Jäzaha (Jossa), Rechberg (am rechten Fuldaufer), Sinteresburc (Sängersberg bei Salzschlirf), Owilah (Bach und Ort Aula), sowie die Flüsse Sualmana (Schwalm), Antrefa (Antrist) und Grintaffa (Grenf- bach nördlich des Herzberges). In die zweite Kategorie gehören die Namen: Sterrenrode (Wüstung zwischen Stockhausen, Rudlos Und Angersbach), Musles (Wüstung Mitzles, heute Meitz, zwischen Herbstein und Ilbeshausen), Hunoldes (Wüstung siürlich von Heblos), Fronerot (bei Oberbreidenbach) und Elbwinesrod (bei Romrod). Sucht Man sich die genannten Orte auf der Karte auf und verbindet sie, dann erhalt man eine Linie, hie bon der Fulda über Salzschlirf und Rudlos bis Herbstein reichte, von da über Lauterbach, Meiches, Breidenbach, Leusel, Schwarz nach dem Herzberg hinlief und weiter nach Norden hin ausholend die Fulda wieder erreichte. Tie Größe dieses Sprengels zeugt von der großen Bedeutung, die die Schlitzer Kirche einst als MUtterkirchje im östlichen Vogelsberg gehabt hat. Innerhalb' dieses Sprengels Wird bloß eine Kapelle noch genannt als zu Oberlauterbäch gelegen. Erst später ist dann dieses ausfallend große Gebiet .der Schlitzer Kirche durch Mgrenzung der Kirchsprengel zu Salzschlirf, Lauterbach und Lüder verengert worden. Während im östlichen Vogelsberg allmählich Lauterbach Vorort 'und Sitz eines Erzpriesters wurde, beschränkte sich mehr und mehr die Bedeutung der Schlitzer Kirche auf die Orte an der Schlitz und mittleren Fulda, das eigentliche Schlitzerland. 'Das ganze Gebiet ist altes Dominium' der Klöster Fulda und Hersseld. Tie heutigen selbständigen Kirchen des Schlitzerlandes, Hartershausen, Hutzdorf, Queck, Kreuzersgrund, WillÄs, sind ursprünglich Filialkirchen von Schlitz gewesen oder in ^Anlehnung an solche entstanden. 1 Seit Anfang des 12. Jahrhunderts erscheinen die Herren von Schlitz als Magnaten des Schlitzerlandes. Im 14. Jahrhundert treten mehrere FaMilien dieses Namens mit den Beinamen „genannt von Blankenwald", „genannt von Hohenberg" und „genannt von Görtz" als suldische Lehensleute auf. Zum Lohne für ihre Treue erhielten die von Görtz vom Fürstabt von Fulda den Titel eines Erbmarschalls und in Anerkennung ihrer. Stiftung zweier Altäre (St. Barbara u. St. Mariä) in die Schlitzer Kirche das Präsentationsrecht für die Kaplanstelle an dieser Kirche. Im übrigen behielt sich das Stift Fulda das Präseutations- und Kollaturrecht (Besetzuugsrccht) über die Kirchen-, Pfarr- und Schulstellen vor. Im 16. Jahrhundert schlossen sich die nach größerer Selbständigkeit strebenden Herren von Schütz mit der gesamten fuldischen Ritterschaft als buchonisches Quartier an den Kanton Rhön-Werra des fränkischen Ritterkreises an, um dadurch ihre Reichsunmittelbarkeit zu erlangen. Sie erreichten dieses Ziel auch z. T. dadurch, daß am 29. November 4563 Fürstabt Wolfgang von Fulda den Marschall und Rat des Stifts Eustachius von Schütz wegen seiner dem Süfte geleisteten Dienste für ghu und seine männlichen Leibes- und LelMserben mit der Kollatur der Pfarrkirchen Schlitz, Queck und Hartershausen belehnte. Das ganze Reformationsjahrhundert hindurch galt die Familie der Herren von Schlitz als katholisch; wenigstens befanden sich viele Glieder derselben in Stellungen, die die Zugehörigkeit zur alten katholischen Kirche zur Voraussetzung hatten. Doch finben sich in diesem Jahrhundert auch entschieden evangelisch gefilmte Glieder der Familie, und zwar zuerst jener Werner von Schütz, genannt von Görtz, der von 1546 an in Schlitz und int Schützerlande die Reformation einführte. Wfe später der Fürstabt Johan« Bernhard von Schweinsbetg! mit' Venntzsimg der für die KaHvürett günstigen Kriegslage und der Tillyschen Dragoner das ganz« Schlitzerland wieder katholisch zu machen suchte, aber durch die Dazwischenkunft Gustav Adolfs gehindert wurde, erzählten wir schon in anderem Zusammenhänge (Siehe „Tie Reformation und Gegenreformation in Herbstei« und den ehemals landgräfliche« und ritterschaftüchen Orten des östliche« und südöstlichen Vogelsbergs, urkundlich dargestellt von Pfarrer Zinn in Herbstein" in den Familienblättern des Gieß. Anz. vom Juni und Juli d. I.; inzwischen auch im Selbstverlag des , Verfassers als Broschüre erschienen. 122 Seiten.) Auch sonst haben die Schützer im 30 jährigen Kriege viel z« leiden gehabt. Wer Genaueres darüber zu hören wünscht, lese die vorgenannte Festschrift von Deka« und Öberpfarrer Schmidt in Schlitz. Sie will nicht nur der Vorbereitung aus das Fest dienen, sondern die Bewohner des Schlitzerlandes auf Grund alter und neuer Forschungen mit ihrer eignen großen Vergangenheit bekannt und tiertraut machen und dadurch Liebe zur Heimat und zur Kirche erwecken. In jeder Hinsicht aber wünschen wir den Schützern gutes Gelingen und dazu vor allem steundliches Wetter und Sonnenschein am Jubelfeste, zu dem sie sich Mit viel Liebe und Freude gerüstet hahen. Glen 3ri$. M. G. New Dori,- im September., Ein bißchen Phantasie, meine Herrschaften ... es gilt eine Herbstreise ans „Ende der Welt"! Zum mindesten bis dahin, wo die Zivilisation aushört, und jenseits der menschlichen Schöpsungen,- Schmerzen und Verlogenheiten auch -heute noch (wie vor tausend Jahren) die wahre Schönheit unseres merkwürdigen Planeten anfängt. Es gibt Leute, die dafür Sinn haben. So der sehr hono- rable Minister William Pryor Letchworth, seines Zeichens Arzt und vielfacher Millionär. Natürlich Amerikaner. Ja, man wundere sich ein wenig über seine Idee von dem praktischen Gebrauch des sündhaften Mammons und gestehe, daß die „Leute von drüben" zum mindesten originelle Köpfe sind. — Drei Tage Urwald . . . Drei Tage und drei wunderbar tiefe Nächte. . -.- Funkelsterne hängen in de« turmhohen Baum- Wipfeln, seltsame Jnsette« konzertieren im pechdunklen Laub ringsum, ab und zu ein Schrei von Raubtieren in di« friedliche Nachtmusik hinein. . . Mister Charles möchte das erloschene Lagerfeuer wieder anfachen — nein: lassen wir auch der Finsternis ihre eindringlich beredte Sprache. Morgen ftüh werden wir am Genesee River ankommen, wo einst die Rothäute ihre plump gebauten Cannes im hochsprossenden Schilfe Bargen, wo der gellende Kriegsruf von den breiten Stämmen der Urwaldriesen wiederhallte und wo die „Jäger der letzten Tage" Wild und kostbares Pelzwerk erbeuteten. Seitdem sind die kupferbraunen Waldgäste westwärts gezogen, und auf hundert Meilen ringsum hat die Natur in ungestörter Ruhe von ihrem alten Eigentum wieder Besitz ergriffen. Bis eines Abends Mister Pryor Letchworth aus Buffalo ankam, just mitten hinein in die Herrlichkeit dieses Erdenwinkels,- sie sah, sich in sie verliebte (man denke: ein Danfee und Millionär!) und kurzerhand sagte: „Well, hier bleiben mir!" Dann begann •; ein merkwürdiges, energisches und kluges Arbeiten, und nach Jahr und Tag war Glen Iris, das schönste „Arboretum" der Welt, geschaffen. Glen Iris hat dramatische Partien, einen Wasserfall, der feine hundert Meter tief im Donnerschall in eine Schlucht herabkömmt, ein üngezähmtes Naturungeheuer, stolz und prächtig. Keine Sorge: eine elektrische Turbine wird ihn nicht einfangen, den Sohu der Wildnis. Der Besitzer dieser Schätze hat Geschmack. Auch den wunderbar schöne« Felspartien ringsum droht keinerlei Gefahr. Steinbrüche, die den adligen Stil dieser zu schwindelnder Höhe aufsteigenden Porphyrmauern zerstören würden? Keine Gefahr — Diese Rocky Mountains en miniature werden uns und unser« Enkeln erhalten bleiben. In dem Stück Urwald aber, das Pryor Letchworth nach den Plänen des Botanikers George W. Clinton ■ uniformen ließ, ohne die originelle Schönheit des Terrains zu zerstören, haben wir ein lebendes „Baum-Museum" von einer Eigenart und Reichhaltigkeit, die selbst den anspruchsvollen Naturlieb- . Haber vollauf befriedigen müssen. Man findet in Glen Iris nahezu sämtliche Bäume, Sträucher, Wald- und Bergpflanzen, welche die Flora kennt. Die verschiedenen Höhenlagen des Arboretums und die Gunst des Klimas haben eine Vollständigkeit, die auf der Welt nicht ihresgleichen findet, ermöglicht. Im Jahre^1907 schenkte Letchworth seine Schöpfung dem amerikanischen Staate unter der Bedingung, daß Glen Iris in seiner Anlage erhalte« bleibe und — 'daß man ihn in diesem Paradies der Natur ruhig sterben lasse. Am 1. Dezember 1910 hat er das Zeitliche; gesegnet, und die „Gesellschaft zur Erhaltung der Naturdenkmäler" wurde mit der Ausführung des Vermächtnisses betraut. Bereits z« Lebzeiten des großmütigen Spenders hatte diese Gesellschaft ii« Verein mit ihm die wertvolle Domäne nach wissenschaftlichen Grundsätzen um gestaltet und die vorhandenen reichen Sammlungen; ein Gegenstück zu dem „lebenden Museum", vervollständigt. Bemerkenswert von diesen Sammlungen ist insbesondere das ethnographische Kabinett mit unschätzbaren Reliquien ans der Zeit der Rothäute. Weiter sind zu erwähnen die reichhaltige natiirwisfen-^ 588 Auflösung des Zitatenrätsels in voriger Nummer: Ohne Feuer nur roh, ohne Leiden nicht froh. Redaktion: K. N e u r a t h. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen» MvrftTirfie Bibliothek, das Laboratorium zum Studium der Baum- WMD-ÄL Ä« Sä »Sten » $*- d-° **»>$$3* t>er britisch-indischen Regierung stand, semerzert m Deutschland, und zwar in München, seine forsttechnischen Studien macht. in Buchstaben elsyundertstebzig Dollars, durften nuht OePfanbet werben, jo lange sie da getragen wurden, wo sie außer halb des Machtbereichs des Gerichtes seien, und dabei blieb es. kk. Was die Pariser für Vergnügungen aus- neben. Die Pariser leiden zwar, wie alle Welt, unter der Teuerung und behaupten, sie niüßten alles um 20 Prozent teurer bezahlen als früher. Das hindert sie jedoch nicht im geringaen, für ihr Vergnügen gewaltige Summen auszugeben. Der ^uuy Telegraph rechnet aus, daß die Jahresausgaben der Panier für Vergnügungen 51 Millionen Franken betragen. Verschiedene Posten der Rechnung >veiß er im einzelnen anzufuhren. Volle- 30 000 Franken werden für Theater- und Konzertbepich ausgegeben. ; Die Grobe Over ivird der Komischen Oper offenbar vorgezogen. jDas besagen wenigstens die Zahlen 3 149 985 und 2 633 o98 ^rarcken, bi? für diese Institute ausgegeben werben. Solche Zahlen tm um» nahmebudget erreicht kein anderes Pariser Vergnügungsunier- nehmen. Das staatlich unterstützte TlMtre Frangais bleibt- mit 2 294 668 Franken hinter der Komischen Oper erheblich zuruck. Die Millionen überschreiten noch eine ganze Reihe von Theatern m Paris hei ihren Jahreseinnahmen, so das TlMtre Sarah Bern- hardt, das Theatre Varietes, das Theatre Gaite, da» ubrigelis einen Zuschuß von der Stadt erhält, das Apollotheater, das Gymnase, das Renaissance- und das Theatre Porte-St. Martin. Das sind also nicht weniger, als sehn Theater, für die die Pariser mehr als 7 Millionen im Jahre aufwenden. Das TlMtre Reiane, das Palais Royal, das Vaiideville und andere. . m .. h * * Der größte Hochzeitstuchen. Emen eigenartigen Rekord bat ein Mister Morqenstein in Philadelphia ausgestellt, indem er seiner ftiftete wie man ihn selbst in der klassischen Stadt dieser Kuchen noch nicht gesehen hat. Das Ungetüm, denn anders kann man den Berg von Süßigkeiten kaum bezeichnen, war 6 Fuß hoch unb wog nicht weniger als 300 Pfund. Dazu kommt noch, daß die süße^Schönheit eine Lebensdauer von etwa 25 Jahren erreichen können soll. Unter den Bestandteilen dieses Meisterwerks der Väcker- kunst an dessen Vorbereitung Mr. Morgenstein und sein Sohn Iwei Wochen gearbeitet haben, waren 100 Pfund trockene Wem- trauben, 30 Dutzend Eier, 75 Pfund Zucker und 20 Pfund Butter. » Blutreinigungsmittel. Es gibt wohl heilsame Pflanzen, welche den Stoffwechsel in gelinder Weise anregen, wie Wallnußblättertee, Löwenzahn, Kuhblume, Ampfer usw., ;a bei euugen Krankheiten ($. B- Skrophulole, Rhachitrs, Gicht, veraltete Syphilis) kann sogar der Niitzen stärker wirkender nicht m Abrede gestellt werben. Im allgemeinen läßt sich jedoch behaupten, daß man am i besten für die Blutreinigung sorgt, wenn man bte Organe, m denen das Blut seine alten unb verbrauchten Stoffe absetzt, stets in gutem Zustande zu erhalten sucht. Diese Organe smd die Lungen, die Nieren, die Leber und die Haut, und was zu ihrer Pflege bient, ist nicht schwer zu erraten. Sffier Mc^e, anregenbe Lust einatmet, reichlich Wasser trinkt, die Hautkultur nicht vernach- lässtgt und sich babei fleißig körperliche Bewegung macht» der bedarf keiner blutreinigenben Mittel. Vermischtes. * Das Geschenk des Kaisers an den Schwerzer I Bundesrat. Die von Kaiser Wilhelm dem Schwerzer Bundes- I rrtf. ...nt Geschenk gemachte Standuhr, eine ausgezeichnete Leistung I SigS 4üÄnntanufa$tur 'zu Berlin, ist ni^bie « ilrer Ar - vielmehr sind drei Stück vorhanden, von denen iedes einen Wert von zwölftausend Mark darstellt. .Eins hat der I Vizekönig Li Himg-Tschang geschenkt. Ber 2,75 -Petern Note i und 85 Zentimetern mittlerer Breite gibt sich du^Standuhr so bedeutend, daß sie nur in ermm größeren Saal zur angemesienen i ßieftima gelangen kann. Ihr in Hermenform aufsteigendes Posta- I ment trägt oben das keck aus einem!Amen- und Muschelmotiv kom- I Monierte Gehäuse, mit Zifferblatt und Zeiger rn fern ziselierter I Goldbron^, und »war die Ziffern sich abhebend von tiefblauem Emaillegrund. Drei wunderhübsche Amoretten in rwanglosen I Sinfeit svielen lustig in die Ornamentik hinein. ! An der opfert I öäfite des Postaments schwebt vor einer Miffchelgrotte zwischen I Amoretten und Palmenbündeln die iettoa 70 Zentimeter hohe Ge- I ftatt einer idealschönen TubMäserin, durch die. die Zeit symboli- I - nri inirS mXeitb sich mehr zur Mitte, innerhalb einer Ro- caillefassung eine stimmungsvoll g em alte Parklandsch aft darbietet. I ■E