Mittwoch den (9. Juni I m fr' MW Die von Gründingen. Roman von Freiherr von Schlicht. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Während er zuerst mit den leidenschaftlichen Ueber- treivungen eines Verliebten sprach, wurde er gegen Ende ^mer langen Ausführungen immer ernster, und seine , klang so fest und bestimmt, daß der Baron ihn schlreßlnh ganz erstaunt ansah!: eine solche Rede hatte er von diesem jungen Offizier nicht erwartet. „Was Sie da sagen, Herr Graf, fühle ich Ihnen allerdings vollständig nach, und es ehrt Sie sehr, daß Sie in dieser Weise für Ihr Fräulein Braut eintreten." „Aber das ist doch ganz selbstverständlich, Herr Baron." -/Doch nicht so ganz. Ich glaube, manche Ehe würde glücklicher sein, wenn alle Männer so dächten, wie Sie, und nicht immer vermittelnd und versöhnend zwischen der Frau und den eigenen Eltern stünden, anstatt mit einem Machtwort diesein unhaltbaren Zustand ein Ende zu machen." „Und. werden Sie mir helfen, Herr Baron, meinen Willen bei meiner Mutter durchzusetzen?" Unwillkürlich entrang sich dessen Brust ein schwerer Seufzer: „Leicht wird es nicht sein, Herr Graf. Gestatten Sie mir eine Krage: warum sprechen Sie nicht zuerst mit Ihrem Herrn Vater?" Trotz aller Sorgen lachte Hans lustig auf: „Der gute Papa! Der hat nur einen Fehler, daß er viel zu gut ist für diese Welt. Der gibt ja immer nach, nicht aus Schwäche, — er ist ja sein eigener Herr und kann tun und lassen, was er will — und lediglich deshalb tut er stets, was er soll. Der würde Claire herzlich willkommen heißen, — aber die Mutter würde zu ihm sagen: das geht nicht, Eduard, das mußt -du doch einseheu. Und dann würde er „ja" sagen, obgleich er ja auch „nein" sagen könnte." Nun lachte auch der Baron. Und so überhörten sie Has Klopfen an der Tür, bis diese geöffnet wurde und! der Graf erschien. „Aber Papa, was willst du denn hier?" rief Hans ganz erschrocken. Es war das erste Mal in seinem Leben, daß er seinen Vater fort wünschte. Aber dieses Mal wünschte er ihn auch ganz weit fort. „H-ans? Was machst du denn hier?" rief der Graf stanz erstaunt. „Ich suche dich schon überall. Marianne tst da. Sie will den letzten Wend- noch mit dir zusammen sein." „Das ist furchtbar nett von ih!r. Sage ihr, ich käme gleich." „Kommst du jetzt nicht mit?" „Nein, Papa, das geht nicht. Ich mache dem Herrn Baron meinen Abschiedsbesuch und bin mit dem noch nicht fertig. Geh' nur voran, ich komme gleich nach." „Na, denn auf Wiedersehen." Zünd ohne daß der Baron Gelegenheit gefunden hätte/ sich auch nur mit einem einzigen Wort an der Unterhaltung zu beteiligen, schloß der Graf die Tür und ging bann wieder von bannen. „Wer Herr Graf," sagte ber Baron etwas vorwurfsvoll, als er mit Hans wieder allein war, obgleich er sich im stillen köstlich über die Szene amüsierte. Der junge Offizier wurde verlegen: „Sie haben wohl recht, Herr Baron. Aber der gute Papa hätte mich, jetzt wirklich gestört. Denn das sage ich Ihnen: ich gehe nicht eher hier fort, als bis ich Ihre Zusage habe, meine Mutter derartig umzustimmen, daß sie meine Braut herzlich willkommen heißt. Sie müssen die Sache natürlich sehr diplomatisch anfangen: erst so ganz im allgemeinen reden — und dann immer deutlichere Anspielungen machen. Na, das überlasse ich Ihnen. Ich logen mein Schicksal vertrauens- voU in Ihre Hände, denn ich weiß: da liegt es lange gut." „Ihr Vertrauen ehrt mich. Aber trotzdem — — na, ich will Ihnen und Ihrem Fräulein Braut zuliebe mein Möglichstes versuchen. Ob es aber nützen wird, ist eine zweite Sache." Es hätte nicht viel gefehlt und Hans hätte den Baron umarmt. „Ich wußte es ja, daß ich, mich auf Sie verlassen könne! Wer nun bin ich ganz beruhigt. Es wird schon alles gut werden." Der Baron wurde doch etwas nachdenklich. Er ber* kannte die Schwierigkeiten, die sich ihm in den Weg stellten, keineswegs: „Frohlocken Sie nicht zu früh — ich habe hier in diesem mir bisher unbekannten Lande ein Wort Fritz Reuters kennen gelernt: „Wenn de Mensch dheit, w-at hei kann — ,,— „kann hei nich mehr dhäun, als hei dheit"," ergänzte Hans den Satz, als der Baron sich bei dem ihm ungewohnten Dialekt saft die Zunge abbrach. Dann fuhr er fort: „Fritz Reuter hat recht. Unmögliches kann man von keinem verlangen. Aber das hilft Ihnen alles nichts: Sie müssen mir helfen, Sie müssen es auch durchsetzen, und damit Sie nicht mutlos werden und die Flinte frühzeitig ins Korn werfen, — um Sie -gewissermaßen anzufeuern, Ihr Letztes herzugeben, wie -es bekanntlich int Rennjargon heißt, da erinnere ich Sie an das alte Wort: „Hilfst du mir, dann Helf ich dir"." „Ich verstehe wirklich nicht, inwiefern Sie mir irgend* wie helfen könnten — —." Der Baron meinte die- Worte ganz ernsthaft und sah seinen Gast etwas verwundert an. Wer Hans glaubte^ er habe ihm nur ausweichen wollen, und machte eine etwas! beleidigte Miene. „Na, Herr Baron — Sie dürfen mich nun auch, iricht für dümmer halten, als ich es ngch der gewissenhaften Ueberzeugnng meiner sämtlichen Vorgesetzten sowieso schon bin! Ich bin doch nicht in Trenenbrietzen geboren, sondern in der Weltstadt Berlin — in der Bülowstraße staub meine Wiege — ich bitte Sie: Bülow — merken Sie nun, daß ich „was gemerkt" habe? —", Wie vorhin cm Hanch so war jetzt die Reihe an dem Baron, etwas verlegen zn werden. „Ich weiß wirklich nicht, worauf Sie anspielen." „Daß Sie Dagmar lieben und sie heiraten wollen. So, nun wissen Sie es," rief Hans halb ärgerlich, halb lustig. „Wir sind doch keine Kinder, sondern erwachsene Männer, da brauchen wir uns doch, gegenseitig keine Komödie vorzuspielen, lind wenn Sie meine Schwester heiraten wollen, so bin ich bis zu einem gewissen Grade daran doch auch interessiert. Na, und Wenn ich Ihchen da helfen will, so brauchen Sie nicht den ahnungslosen Liebhaber aus der Provinz zu markieren." Hans wär wirklich etwas ärgerlich. Wer gerade sein letzter Vorwurf stimmte den Baron heiter. Doch er hütete sich, es zu zeigen, um den jungen Leutnant nicht noch mehr zu erzürnen. Wollte der ihm wirklich helfen, die Schwester zu gewinnen, so war das vielmehr, als er hatte erwarten können. Aber ausweichend fragte er nur: „Haben Sie es wirklich gemerkt — daß Komtesse Dagmar mir nicht gleichgültig ist?" „Das merkt ja ein Toter! Und trotzdem haben die anderen lieben Leute hier im Schloß unbegreiflicherweise da- pon keinen Schimmer! Papa und Mama sind ahnungslose Engel.. Auch Alexa scheint sonderbarerweise blind zu sein, aber ich sah es gleich — und zur Gewißhert wurde es mir neulich Wend,, als Weidemanns da waren. Glauben Sie vielleicht, ich hätte Sie nicht beobachtet? Man ist doch schließlich nicht umsonst Kavallerist — da macht man in Lreb^ssachen seine Erfahrungen. Offen gestanden, Herr Baron: ich bewundere Sie, daß Sie den Mut haben, um Dagmar zu werben, — Sie werben mich nicht für so takt- Ips halten, daß ich dies Wort irgendwie anders meine. Wer Dagmar ist stolz, die hat.schon manchen Korb ausgeteilt, ' und so rst allmählich das Gerücht entstanden: Keiner wäre chr gut genug. Ich habe ihr schon oft erklärt, daß sie verrückt ist. Da war vor zwei Jähren ein Bewerber, na: nomtna sunt odiosa, wirklich ein famoser Kerl. Der kriegte auch einen Korb, noch dazu den größten von allen. Warum? Das wissen nicht 'mal die Götter. Na, was ich tun kann, daß Sie mehr Glück haben, das werde ich tun' Ich habe sogar schon etwas für Sie auf den Busch geklopft, um mich sozusagen über die Kriegslage zu orientieren und danach meinen Angriffsplan ausarbeiten zu können —" „Run, und — ?" Der Baron nahm es nicht allzu ernst, was Hans ihm da jagte. Es amüsierte ihn eigentlich nur, wie der mit fernem guten Herzen da etwas die Vorsehung spielen wollte. Hans wiederholte die Frage: „Nun," und?" Dann fuhr er fort: „Ja, wissen Sie, so 'was ist nicht so einfach, besonders nicht bei einem Mädel wie Dagmar. Der Charakter ist in mancher Hinsicht hermetisch verschlossen, so etwa, wie eine Manöverkonservenbüchse; wenn man da mcht einen ordentlichen Mauerbrecher zur Hand hat, kommt man gar nicht au den Inhalt heran." r. r Sehr Poetisch war es ja nun gerade nicht, Dagmars stolzes und verjchloj jenes Herz mit einer Konservenbüchse zu vergleichen. Aber trotzdem blieb die Hauptsache ja, daß Hans etwas ergründet hatte. J K rt1)1116cu 3t)re Bemühungen Erfolg gehabt, Herr ^ef der übermütig!, während seine Augen stolz aufleuchteten, „das wissen Sie doch selbst von früher her, — wenn unsereins sich 'mal erst in dem Sattel zurechtgesetzt hat und seine Attacke reitet, na, dann kommt er auch durch, und wenn die Gegner ihm das audj tausendmal zu wehren versuchen! Und das kann ich Ihnen facren- ®.Mtnar fet sich nicht schlecht gewehrt! Sie wollte erst gar der Sprache heraus, als ich von Jhtlen anfing, 1$.£aiw auf den geistreichen Gedanken kam, Sie verdammt schlecht zu machen!" >,Sie sind ja sehr liebenswürdig !" m. «^äk*** ”*A «» „Sie brauchen mir gar nicht zu danken, Herr Baron, 'Ich hoffe, daß Sie bald mein Schwager sind: Rä, nndj unter so nahen Verwandten ist so 'was doch ganz egal." „Wie kommen Sie denn aber dazu, mich schlecht M machen?" „Hätte ich Sie etwa loben sollen? —- Glauben Sie mir, Herr Baron: ich kenne die Weiber von früher her, — die machen mir kein X für .ein U. Ich! bitte Sie: hätte ich Sie gelobt, da hätte Dagmar die berühinte Absicht gemerkt und hätte widersprochen. Und bei solchem Widerspruch weiß man nie, woran man ist. Der kann echt, kä>m aber anch fälsch sein. Deshalb machte ich Sie schlecht, so- gar madig, schlecht." „Und was sagte Komtesse Dagmar?" „Sie hat zwar gerade nicht übertrieben widersprochen- aber sie hat auch nicht üßertriwen zu,gestimmt. Und das ist schon sehr diel wert . Das ist immerhin schon ein sehr gutes Zeichen." „Sicher," stimmte der Baron ihin bei ,„und ich bin Ihnen von ganzem Herzen dankbar, daß Sie meine Jst- teressen bei Ihrem Fräulein Schwester zu fördern suchten. Wer trotzdem möchte ich Sie bitten, in Zukunft, auch in Ihren Briefen, nichts von meinen Bewerbungen zu erwähnen. Ich weiß, sehr wohl, daß ich um einen hohen Preis ringe, — man n ich den aber gewinne, will ich ihn ganz allein mir zu verdanken haben. Das werden Sie mir nach fühlen." „Gewiß, Herr Baron. Nur schade, daß ich das nicht vorher wußte. Da hätte ich mir die Mühe gespart. Sie mögen es glauben oder nicht: aber ich habe Ihnen eine atz, wattige Bresche geschlagen. Und wenn Dagmar Ihnen das nicht gleich zeigt, wenn sie auch fernerhin kühl und un- nahbar erscheint, — so ist das nur äußerlich nur Verstellung . Wenn ich mich so ausdrücken darf, dann möchte ich sagen: die Festungsmanern sind niedergelegt, Sie brauchest jetzt nur noch zum Sturmangriff überzugehen, dann gibt sie mit der weißen Flagge das Zeichen zur Kapitulation." --— Mer wenn Hans wirklich bei Dagmar Bresche geschossen hatte, so verriet diese im Laufe des Abends nichts davon. Sie schien noch schwe-igfamer, noch zurückhaltender als sv?/K (Fortsetzung folgt.) Der Vries. Skizze von Henri de Regnier. Autorisierte Uebersetznng von N. Collin (Berlin). Ziemlich melancholisch war heute der graue Herbsttag gewesen und nach langem Umherlaufen auf den aufgeweichten Wegen erfüllte mich . Behagen beim Anblick des flackernden Käminfeuers und der hell brennenden .Lampe. Nachdem ich mich gemütlich m dce Kaminecke gesetzt hätte, durchdrang mich ein Gefühl egoistischer Befriedigung. Aber dieser Eindruck währte nicht lange, und nachdem ich das ausgezeichnete Mahl beendet, das mir meist Dienstmädchen Claudine bereitet hatte, verstel jch wieder in ein schwermütiges Grübeln, trotzdem eigentlich kein besonderer Grund dazu vorlag. M ist richtig, daß die traurige Jahreszeit eine Erklärung »unbehagliche Stimmung sein konnte, die sich meiner be- Machtrgte. Die Novemberabende in einer kleinen Provinzstädt sind nicht dazu angetan, die Einsamkeit eines alten Hauses zst Weben, um so mehr, da an jenem Abend der Wind im Korridor klaglw) pfiff, und die Wetterfahne des Daches sich kreischend drehte. Äch Porte die Baume des Gartens ächzen, und nichts Fröhliches Rang aus diesem herbstlichen Lärmen' heraus. Um so größeres Bedauern empfand ich jetzt, die Einladung meines Patienten und Freundes, des .Marquis de Bregy, nicht angenommen zu habest. Er hatte Mich gebeten, Schnepfen mit ihm zu essen, die wir mit einer Flasche Burgunder .herunterspülen sollten. Solche Gedanken beschäftigten mich, als ich in mein Schlaf- öMiNkp hlnaufgmg, und eben wollte ich anfangen mich auszuziehen, Autos hörte. Gleich darauf klingelte es huuurüch; zweifellos wollte man mich in der schon ziemlich spaten Stunde zu einem Kranken holen. Jch eilte also die ipuunter, und als ich die Haustür öffnete, stano mir Domrmque, der Chauffeur Herrn de Brögys gegenüber und stieß laut und erregt hervor: ^..."Kommen Sie schnell mit, Herr Doktor . . . es ist ein Unglück tm Schlosse geschehen. , . Herr Marquis. . ." mrtjPie Wind s-mste das Auto durch die stnstere, klagend Dü feuchte, kalke Lust schnitt mir ins Gesicht. Uebest das Steuerrad gebeugt, gab DymmiqUe aus den Weg acht, die Laternen strahlten chr hellstes Licht aus. Schloß Brainville ist Ungefähr fünfundzwanzig Kilometer von dem Städtchen Serlon entfernt, in dem ich seit etwa zehn Jahren als Arzt tätig war. Brainville ist von einem prächtigen Park umgeben, ein schönes herrschaftliches Besitztum!, das die klaren Gewässer der Bivette penetzen. Als ich mich in Serlon niederließ, war das Schloß Noch unbewohnt. Marquis de Brögy bezog es vier Jahre vor dem Geschehnis, das ich jetzt erzählen will. Der Marquis war ein Mann von sünfunddreißig Jahren, groß und von so kräftigem Aussehen, daß ich mir bei unserer ersten Begegnung dachte, ein so forscher Kerl würde kein sehr einträglicher Patient werden. Herr de BrSgh rechtfertigte diese Annahme. Jedoch führten einige geringe Hilfeleistungen zu freundschaftlichen Beziehungen zwischen uns. Wir sahen uns ziemlich häufig, Herr de Brsgy verschmähte tzs nicht, die Küche meiner alten Claudine zu versuchen. Wir wachten lange Automobilfährten, und jedes Jahr verbrachte ich Nir Eröffnung der Jagd zwei oder drei Tage in Brainville. Trotz dieser anscheinenden Intimität war mir Herr de Brsgh ganz unbekannt. Wie man so sagt: er war eine verschlossene Natur. _ Sein Leben war einförmig und tätig. Brainville mußte Au^er instand gesetzt werden, und die Sorge um fein Besitztum beschäftigte ihn. Die Jagd und Bücher waren seine einzige Zerstreuung, er besaß eine schöne Bibliothek. Er war wortkarg und wenig mitteilsam. Die kleinen Ereignisse der Gegend lieferten Ms ausreichenden Gesprächsstoff. Nie erzählte Herr de Brsgy tztwas von sich, und nur zufällig erfuhr ich gewisse Begebenheiten aus ferner .Vergangenheit. Ich war nach Paris gefahren und besuchte meinen alten Vreund, .den Professor Villelongue. Als er mich voll gütigen Interesses über mein Proviitzleben ausfragte, nannte ich auch den Namen des Marquis de Brsgy. Villelongue kannte ihn gut und erzählte mir folgendes: Infolge eines häuslichen Dramas hatte uch Herr de Brsgy nach Brainville zurückgezogen. Er war «tue Neigungsh'eirat mit einem Fräulein de Rineourt eingegangen, Md das Paar hatte zuerst in glücklichster Ehe gelebt, bis der Marquis srch eines Tages aus ungerechtem Argwohn von seiner Frau trennte. Vergebens! hatte sie sich bemüht, ihren Gatten von fernem Entschluß abzubringen. Herr de Brägh hatte nichts horen^ wollen unb hatte alle Versöhnrrngsversuche brutal zurück- gewresen. Frau be Brsgh, die ihren Mann vergötterte, war über die von ihm bewiesene Härte untröstlich geblieben. Nach und Nach litt ihre Gesundheit durch den Gram, und Villelongue, den .Uran zu der Patientin gerufen hakte,äußerte mir gegenüber traurig: r,sre war wie ihr eigener Schatten geworden . . ." Unterdessen hatten wir uns Brainville genähert, und ich Wäänn lene Ungeduld zu empfinden, die ich imMer in dem Augen- blrck fühlte, wenn ich! einem Kranken nahe war; denn ich konnte Nicht glauben, daß der Marquis wirklich tot sein könnte. Man Hatte sich wohl sehr Wer seine Ohnmacht erschreckt und Dominique mit dem Auto eilig zu mir geschickt. Jedenfalls würde ich Mt einem Schreccschuß und einer Nachtfahrt davonkommen, und als der Wagen vor der Freitreppe des Schlosses hielt, sprang ich voller Hoffnung Und fast beruhigt hinaus. Als ich das Bibliothekzimmer Setrat, bewies der Anblick, der sich mir bot, daß es sich um einen ernsthaften Unfall'handle: Der Marquis lag auf dem Teppich; mit ausgespretzten Armen war xr hinten über gefallen. Schnell beugte ich mich über ihn. Sein Herz schlug nicht mehr. Dominique leuchtete mir mit einem der Kaminleuchter. In dem leichenblassen Gesicht Herrn de Bröghs sahen seine weit aufgerissenen Augen wie zwei gläserne Flecken aus. Herr de Brsgh war tot, aber den Ausdruck des Schreckens, der auf den Perzerrten Zügen lag, hatte das Sterben nicht zu lösen vermocht. " 'Der Gras- oder Strohhalm gab aber auch auf andere als auf Liebesfratzen Antwort. Man verwendete ihn überhaupt zum Losen und zum Entscheiden unklarer Rechtsfragen: Man ließ die beiden Streitenden aus einem Strohdach oder einer Schaube je «inen Halm ziehen. Wer den längeren eMelt, der gewann, wer den Urzeren erwischte, der hatte eben — „den Kürzeren gezogen", welche Redensart wir diesem Halmorakel verdanken. Das Losen mit einer Anzahl hingehaltener, verschieden langer Grashalme nannte man „daz gräfelm ziehen". Mehr als einen Schriftsteller des Mittelalters hat das „Halmziehen" zu dichterischen Vergleichen mit den Memchenschicksalen verlockt. So sagt auch Geiler von Kaisersberg in seinen Predigten über Brants!„Narren- schiss": „Unser Leben ist nüt anders dan das Helme ziehen, einer wont (wähnt), er wel ein vast lang Helmle ziehen, so wärt eint eiwan das allerkurzest." 'Das Halmziehen — Plinius nannte es. „herbam dare“, in Frankreich heißt es „tirer ä la courte paille“ — findet auch einmal bei Shakespeare Anwendung: „We’ll draw cuts for the senior“ — „Wir - wollen halmziehen, wer der Aelteste sei," heißt es in der „Komödie der Irrungen". Ganz von der Welt verschwunden ist das Halmziehen noch nicht. Bei den Kindern chlüht es lustig weiter, um kleine Besitz- und Spielfragen zu entscheiden. Den Stadtkindern allerdings müssen Papier- streifchen gewöhnlich den grünen Halm ersetzen. - c ? str e r. „Gar nichts gefangen heute?" — Nein, es fehlte der dritte Mann, sonst hätten wir einen Lachs gefangen Sprachecke der Allgemeinen Deutschen Sprachvereins. , * Ka u f m a nns d e u t s ch. Kürzlich wurde von der ost spaß, hasten Sprache der Marktberichte gesprochen, in denen es heißt: Tee wurde gesragt, Guano gewann Haltung, Teer hielt an sich, in Schweinen war viel Lust, in Lumpen war große Beweguilg, Rinder hatten Nachirage, Oel stand sest usw. usw. Gewiß, das Hingt spaßhaft, umreiwillig spaßhast, und doch sind alle diese Wendungen eigentlich gar nickt so übel: sind sie doch alle gut deutsch, gut deutsch w:e so manches in der deutschen Kaufmannssprache. Brechm wir also nickt den Stab darüber; bildliche Wendw:ge>: roota überall und stets zart und behutsan: angesaßt fein, und man kam alles unbildlich doch schlichter und klarer ausdrücken, auch aus deutsch. Aber trotz allen ernsthastei: Bestrebungen einzelner Männer, großer und kleiner Geschäfte im deutschen Kausmaimsstande wuchert noch schier unausrottbar in feiner Fachsprache so manches wirklich entbehrliche Fremdwort, so manche ganz fragwürdige deutsche Wendung, und beide sind oft den: Nichtkausmann, auf den der Kaufmann doch auch einige Rücksicht nehme,: sollte, gänzlich, unverständlich. Wie diese Sprachverderbnis im Handetsdeutsch zu bekäinpsen ist, haben uns August Engels in Bochum und F. W. Eitzen in Hamburg in vortrefflichen Arbeiten gezeigt, die vor einigen Jahren bei einem Wettbewerb des Sprachvereins preisgekrönt worden sind. Sie sind zusannneu als .Kausmannsdeutsch' :,: Buchform erschienen und durch den Verlag des Vereins (Berlin W 30, Motzstraße 78) für 1 Mk. zu beziehen. Kürzlich ist be° retts dre vterte Auflage erschienen. Jeder deutsche Kaufmann, der das Buch noch nicht hat, sollte es erwerben; er wird eine Fülle von Anregung daraus schöpfen und, selbst wenn er nicht ganz d:e darin vertretene Ansicht teilt, sich doch sagen müssen, daß er in gewissen Grenzen auch mitbelfen kam:, ein reines und verständliches Kaufmannsdeutsch zu schaffeu. Logogriph. Mit „K" geschieht es alle Tage, Wohl dem, der immer in der Sage» Mit „L" ist's Denen nicht genehm, Die träge sind und sehr bequem. Mit „R" tun's Buben gar nicht selten, Wenn auch die Lehrer darob schelten. Mit „T" tritt man ins Leben ein, Bisweilen braucht man's auch beim Weim Auslösmig in nächster Nummer. Auflösung des magischen Quadrats in voriger Nummerr H A 8 E A M 0 R 8 0 H L E R L E Redaktton: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Uni^chtäts-Buch. und Steindruckerei, R. Lang.:,