',-67'LsLL» ISi i L 4 wfi LWl?^7- Die Dame im Pelz. .Roman von G. 23. Appleton. (Nachdruck verboten.) (Schluß.) Damit war unser Glückstag endlich in greifbare Nähe gerückt. Der ersehnte Mittwoch kam endlich heran. Es war ein klarer, kalter Wintermorgen. Die Sonne schien so hell, tvie sie es um diese Zeit nur kann, und wir waren mit den ersten Bügeln aufgestanden. Zwei Bräute und ein Bräutigam in einem einzigen kleinen Hause war ein Rekord, auf den wir nicht wenig stolz waren. Ich hatte ausgemacht, von unseren früheren Plänen nicht abzuweichen. Die Hochzeit sollte nur die Fortsetzung oder vielmehr die Ergänzung der bereits früher begonnenen Trauungsfeier sein. Die einzige Veränderung bestand darin, daß es nun ein Doppelfest war. Die einzige Frage, die noch zu entscheiden war, bildete die des Trauzeugen für Marcella. Mortimer konnte diese Rolle leider nicht übernehmen, denn wir hatten am Tage vorher ausgeknobelt, wer zuerst zum Altar gehen sollte, und er hatte gewonnen. Als neugebackener Ehemann konnte er aber dann unmöglich seine junge Frau in der Vorhalle der Kirche stehen lassen und an den Altar zurücklaufen, um als Trauzeuge zu fungieren. Aus dieser Verlegenheit fand Lucy endlich einen Aus- weg. Sie meinte, das Gregory mir das letztemal einen so schlimmen Dienst geleistet habe, so könne er jetzt auch mal eine nützliche Verwendung finden. Das war entschieden ein vernünftiger Gedanke. Warum sollte Gregory dieses Amt nicht übernehmen? Und da ich merkte, lute der Hase mit Lucy lief, suchte ich rasch einen Blick aus ihren schelmischen Augen zu erhaschen; aber sie war wie der Blitz aus dem Zimmer; zweifellos, um Gregory die wichtige Nachricht selbst zu hinterbringen. Mortimer als praktischer Mann nahm Lucys Vorschlag sofort beifällig auf, indem er rief: Auch ich halte Gregory entschieden für den richtigen Mann. Bald saßen wir wieder an dein Frühstückstisch, den drei Paar zarte Frauenhände niedlich yergerichtet hatten. Er war wieder ebenso gedeckt wie das letztemal, so daß, mir die dazwischenliegenden ereignisreichen Wochen vorkamen wie ein bloßer böser Traum, und erst der Eintritt der beiden lieblichen Bräute verschaffte mir die Gewißheit, daß es kein bloßer Traum, sondern Wirklichkeit gewesen war. Aber die Anwesenheit Amors und Hymens verscheuchte trotzdem uicht nur alle düsteren Erinnerungen an jene schweren Tage, sondern erhöhte sogar unseren Frohsinn und unser Glücksgefühl. Die Wagenfrage hatten wir bereits erledigt. Es waren diesmal zwei Kutschen bestellt worden, denn es war doch uicht mehr als billig, daß jede Maut bei ihrer Rückkehr ebensogut einen Wagen für sich allein hatte,, wie auch jede ihren eigenen Mann hatte. Mortimer und ich wollten zu Fuß zur Kirche gehen wie auch das erstemal, und die anderen sollten uns in passenden Abständen nachfolgen. Als ich endlich mit Mortimer zur Kirche hinunterwanderte, fanden wir die Straße so voller Menschen, daß ein erhitzter Schutzmann sie auseinandertreiben und vor dem weiteren Eindringen in das überfüllte Heiligtum des Herrn abhalten mußte. Diese meine Berühmtheit imponierte mir so wenig, daß ich für einen Moment wünschte, wir hätten uns lieber mit einer Trauung daheim im stillen Kämmerlein begnügt. Doch ging dieser Gedanke schnell vorüber, zumal als ich Helen sah, bei deren Anblick ich einen gewissen Stolz empfand, denn sie machte wirklich einen so liebenswürdigen Eindruck, daß ich mich wunderte, ihn vorher nicht besser bemerkt zu haben. Aber so geht es allen Schwestern von feiten ihrer Brüder. __ Dann stieg das stattliche Paar die Altarstufen hinauf, und ehe ich mir's versah, war mein bester Freund mein Schwager geworden. Die Orgel spielte einen kurzen Choral, und nun kam ich an die Reihe. Die Schönheit Marcellas in diesem feierlichen Moment läßt sich ebensowenig in Worten ausdrücken wie der Stolz und die Freude, die ich empfand, als ich ihr ins Auge blickte und mir sagte, dieses liebliche und herrliche Geschöpf wird in ein paar Minuten dir zu eigen sein für alle Zeit, bis der Tod uns trennt. Gregory stand bereit, jeder Nerv seines Körpers verriet seine Spannung. Durch die dichtgedrängte Menge ging ein allgemeines Flüstern, als die sonore Stimme des Geistlichen rief: „Wer ist Zeuge für die Ehe dieses Weibes mit diesem Manne?" Gregory tat einen Schritt vorwärts, da rief plötzlich eine tiefe, kräftige Stimme durch den geheiligten Raum: „Das bin ich!" Und durch die staunende Menge — mein eigenes Lieb zitterte beim Klang der bekannten Stimme vor freudiger Ueberraschung an nllen Gliedern — schritt Emmanuel Garcia dem Altar zu. Marcella mußte sich an mir festhalten, und wie ich selbst mich unter diesen Umständen aufrecht erhalten habe, begreife ich heutigen Tages noch nicht und werde es auch nie fassen können. Ich erinnere mich nur noch, daß der Geistliche fragte: „Auf Grund welcher Vollmacht sind Sie dazu be- iccbtiQt ?" ' „Auf Grund meiner Vollmacht als Vater. Die Braut ist mein einziges Kind." In diesen einfachen Worten lag ein solcher Stolz und eine solche Freude, daß ich sie niemals vergessen werde. Die Zeremonie endigte; wie, kann ich nicht sagen. Dre Weise des Hochzeitsliedes ertönte und verklmm wieder, und dann eilte Marcella auf ihren Vater zu, schlang ihre Arme 722 UM seinen Hass und vergoß Freudentränen an seiner Brust. Gie war eine Zeitlang so erregt, daß es ihr unmöglich war, die Heiratsurkunde zu unterzeichnen. Und wahrhaftig, dieses wunderbare Erscheinen des Vaters war auch zu viel für mich und für uns alle. Wie wir nach Hause gekommen find, weiß deshalb auch keins von uns. Eine solche Trauung war wohl kaum je einem Sterblichen zuteil geworden. Tas Hochzeitsessen war gleichfalls einzig in feiner Art. All unsere Sorgen waren endlich verschwunden, die Freude ohne Ende. Allmählich erfuhren wir die ganze Geschichte — wie Garcia durch List seine Feinde hinters Licht geführt hatte, tote er ans seinem Gefängnis entwichen und nach San Franzisko entkommen war/wo er mein Telegramm gesehen und erfahren hatte, daß Marcella wohlbehalten bei mir eingetroffen war, tote er nach London gereift und merkwürdigerweise auch im Hotel Cecil abgestiegen war, wo er vom Geschäftsführer sonderbare Dinge vernommen hatte. Int Anschluß ait diese Mitteilungen erzählte ich meinem neuen Schwiegervater nun, welche mannigfache Gefahren ment geliebtes Weib unterdessen durchgemacht hatte, und wie ich vom ersten Blick in ihre entzückenden Augen an entschlossen gewesen war, sie um jeden Preis zu meiner Lebensgefährtin zu machen — um sie vor jedem Leid zu bewahren. Ich merkte, daß meine Schilderungen Herrn Garcia stark ergriffen, und seine tiefempfundenen Dcmkes- worte und feine Beileidsbezeigungen für all mein erlittenes Ungemach sagten mir, daß es an der Zeit sei, meine Erzählung abzubrechen. Aber das half nichts, denn sobald ich anfgehört hatte, ergriff Marcella das Wort uitd erzählte ihrem Vater so wunderbare Dinge von der Großmütigkeit und dem Opfermut ihres Gatten, daß ich errötend die Schultern zuckte und bescheiden bemerkte, das sei zuviel des Lobes, und durch das Glück, Marcella meine Frau nennen zu dürfen, sei ich schon überreichlich für meine Dienste belohnt. Dann ließen wir in gegenseitigem Einvernehmen das unerquickliche Gesprächsthema fallen und tranken auf die Vernichtung unserer Feinde und auf unser eigenes Wohlergehen; darauf hielt Mortimer ttoch eine launige Ansprache, und damit hatte die Fröhlichkeit den Vorsitz an unserer kleinen Tafel. Als die Zeit zum Aufbruch kam, machte ich den Vorschlag, einen späteren Zug als bett vorher bestimmten zu benutzen; aber davon wollte Vater Garcia nichts wissen. Nein, tteitt, sagte er, ich komme mit nach London — oder vielmehr wir kommen mit — Fräulein Belton und ich (hierüber machte Gregory ein betrübtes Gesicht) und bringen die beiden glücklichen Paare weg. Doch ehe wir vom Tisch aufstehen, muß ich noch eilte kleine Formalität erfüllen. Während er dies sagte, zog er ein kleines Maro- quin-Lederetui aus der Tasche. Ich bekam durch einen Richmonder, den ich gestern abend zufällig im Hotel traf, Wind von den bevorstehenden Ereignissen und habe deshalb, bevor ich herausfuhr, rasch ein kleines Hochzeitsgeschenk für Ihre Schwester gekauft. Hiermit überreichte er mit einer Verbeugung Helen das Schächtelchen. Als sie es öffnete, stieß sie einen Schrei des! Entzückens aus, denn aus dem Etui strahlten ihr so prächtige Edelsteine entgegen, wie sie in unserem bescheidenen Heim noch keine gesehen hatte. Darauf griff Herr Garcia noch ein zweites Mal in die Tasche. Er brachte ein Scheckbuch hervor und bat um eine Feder. Als er dieses Instrument bekommen hatte, kritzelte er etwas auf ein Blatt, schrieb seinen Namen darunter und händigte es Marcella ein. Hier ist ein kleines Hochzeitsgeschenk für dich, mein Kind. O, Papa! rief sie! hunderttausend Pfund! Gareia lachte. Ist das nicht genug für euch beide, ’ne Zeitlang! damit auszukommen? Einstweilen müßt ihr’s damit versuchen. Aber, Schwiegervater, stammelte ich, das muß doch für Marcella sestgelegt werden. Warum? fragte er. lieber derartige Festlegungen können wir ja später reden. Dies ist für euch beide, damit ihr euch für die nächste Zeit über Wasser halten könnt. Aber, sagte ich, da sind auch noch die zehntausend Pfund. Garcia lachte wieder. O, von dem, was davon übrig ist, meinte er scherzend, könnt ihr das Hochzeitsmahl bezahlen. Doch bitte ich, diese Dinge nicht weiter zu erwähnen. Wenn ihr nun übrigens den Zug noch erreichen wollt, müssen sich die Damen rasch zurechtmachen. Innerhalb einer Viertelstunde stiegen wir reisefertig in die vor dem Hause wartenden Wagen und fuhren alte vergnügt nach dem Bahnhof. Auf der Station Waterloo verabschiedeten sich Garcia und Lucy von uns. Mortimer und Hclcn verließen uns erst etwa aus halbem Wege. Sie hatten ein anderes Reiseziel als wir, die wir unseren reizenden Honigmond in Bournemouth verbrachten. * Zum Schluß bleibt nur noch wenig nachznträgeit. Inspektor Beate hatte unsere Hochzeitsfreude und -sicherheit durch die Nachricht vermehrt, daß er die Führer der Bande bei einer nächtlichen Sitzung überrascht und dingfest gemacht hatte. Der Marquis de Hauteville war im Haiid- gemenge gefallen, lieber das Schicksal der Gräfin Katinsky und ihrer Mitverschworenen ist wenig bekannt geworden, weil die Verhandlungen gegen sie aus naheliegenden Gründen unter Ausschluß der Oeffeutlichkeit stattfanden. Sie wurden alle an ihre verschiedenen Heimatländer abgeschoben, wo sie der schuldigen Strafe nicht entgangen sein werden. Bertholdi wurde int Gefängnis zu Wandsworth, wo ich die schrecklichste Woche meines Lebens zugebracht habe, an den Galgen geknüpft, Hephzibah und die Baronin von Eißen wegen der Ermordung meiner Tante vor Gericht gestellt. Gegen die Baronin wurde auf Todesstrafe erkannt, gegen Hephzibah, die plötzlich geisteskrank und zur Verteidigung unfähig war, auf Internierung in eine Irrenanstalt. Gregory und Lucy sind glücklich verheiratet — Herr Garcia hatte ihnen eine anständige Ausstattung gegeben. Gregory hat fein Examen nach geholt und meine Praxis in Richmond übernommen, wo "es ihm ganz gut geht. Marcella und ich und unser dreijähriger Stammhalter haben sie letzte Weihnachten in nnserem alten Heim ausgesucht und einige schöne Tage bei ihnen verlebt. Mit Inspektor Beale treffe ich noch häufig zusammen und plaudere mit ihm über frühere Zeiten. Ich bin der Meinung, daß er die Arbeit jener Tage gut attsgenntzt hat, denn kurz nachher ließ er sich pensionieren, und er scheint jetzt in recht auskömmlichen Verhältnissen zu leben. Ich gönne es ihm von ganzem Herzen. Marcella und ich verbringen den größten Teil des Jahres in unserem niedlichen Landhaus und fühlen uns so glücklich wie nur möglich. Der Vater kommt jeden Sommer aus Amerika zu Besuch zu uns. Augenblicklich ist er gerade wieder da — wie auch Helen; und mein alter treuer Freund Mortimer, bereit kleines Mädchen mit unserem Jungen draußen im Garten spielt. Während ich schreibe, höre ich ihr fröhliches Lachen. Und während ich noch schreibe, bringt eilte andere liebe Stimme an mein Ohr. Ich blicke auf und sehe meinen lieben Schatz über mein Papier gebeugt. Hast du die Geschichte jener schrecklichen Zeit, wo ich! als Fremde int Schneesturm zu dir kam und dir so schweres Leid bereitete, bald fertig? fragte sie teilnahmsvoll. Das waren ja nur wenige Tage, antwortete ich, die müssen wir nun endlich vergessen, zumal ich auch mit meiner Erzählung am Ende bin. Der Arme und dar Recht.') Von Amtsrichter Tr. M a h in Osthofen (Rheinhessen). ' ' Die Rechtsstellung der Armen ist heute eilte andere, wie int Mittelalter. Alle Ermahnungen des alten und des neuen Testamentes, des Armen nicht zu vergessen, sondern sich seiner zu erbarmen, konnten nicht verhindern, daß der Arme minderen Rechtes war. „Des Armen Herberg ist bei Helfdirgolt" — in diesem alten Spruch drückte sich seine rechtliche und volksgesell- schaftliche Geltung aus. Erst die neuere Zeit hat mit dem Grundsatz: „Gleiches Recht für Alle" und mit der Großtat unserer! Verficherungs- und Unterstützungsgesetze einen Umschwung zü Gunsten der Armen herbeigeführt. Gleichheit vor dem Gesetz heißt vor allem: der Arme und Niedrige darf von Recht und Richter nicht deshalb schlechter behandelt werden, weil er arm und niedrig gestellt ist. Die Binde, die die Gerechtigkeit um die Augen trägt, soll sie davor schützen, die Rechtsuchenden daraufhin anzufchen, ob sie reich oder atm1, *) Aus der volkstümlichen Wochenschrift „Deutsches Rechts herausgegeben von Amtsgerichtsrat Karl Kade, Berlin-Waid-. mannslust (Verlag von Rauert u. Pittius, Sorau N.-L.). 723 Kochi- oder niedriggestellt sind. Ms Partei iml bürgerlichen Rechtsstreit, als Angeklagter in einer Strafsache, als Zeuge in beiden Verfahrensarten — nirgends bewertet das Gesetz den Armen geringer und bevorzugt den Reichen. Es ist ein leider weitverbreitetes, Richtern und Anwälten wohlbekanntes Vorurteil, daß das Zeugnis des „geringen Mannes" vor Gericht nicht so viel gelte, als das des höhergestellten. Sagt doch auch Rückert in der „Weisheit der Brahmaneu": Man glaubt die Wahrheit nicht, Wenn sie ein Armer spricht, Und selbst die Lüge glaubt -Alan einem reichen Wicht. Mag dies als Weisheit der Brahmanen ausgegeben werden, deutsche Weisheit und Wahrheit ist es nicht. Ter Richter, der dem Armen weniger Glauben schjenkte, nur weil er arm ist, wäre unwert seines hohen Berufes, Hüter der Rechtsgleichheit zu sein. Wie jede auf die Spitze getriebene Folgerichtigkeit letzten Endes zur Folgewidrigkeit wird, so würde auch eine starre Durchführung der Rechtsgleichheit schließlich zur Ungleichheit führen. Um den Grundsatz des gleichen Rechtsschutzes ziu verwirklichen, genügt es nicht nur, daß das Recht den Armen um seiner Armut willen nicht benachteiligt, es muß ihn sogar, wie einige Beispiele zeigen sollen, manchmal bevorzugen. Nur dadurch kann es die Ungleichheiten, die Natur- und Lebens-Verhältnisse schaffen, ein wenig ansgleichen und so wahrer Rechtsgleichheit und Gerechtigkeit dienen. Eine Vorbedingung gleichen Rechts ist, daß jedem Rechtsuchenden der Weg zu der Stätte, wo er sein Recht finden soll, offen steht. Tas Gericht kann jedoch seine Dienste nicht jedermann unentgeltlich zur Verfügung stellen. Es würde dies sonst bald zum- bedenklichsten Mißbrauch führen. Tie Kosten eines Rechtsstreits muß nach dem Gesetz die unterliegende Partei tragen; der Kläger muß Gebührenvorschüsse leisten, die Auslagen für Zeugenladungen vorlegen und in-gl. mehr. Ein Gesetz, das den Armen nicht von diesen Verpflichtungen befreite, würde ihm zwar begrifflich, nicht aber tatsächlich den gleichen Rechtsschutz wie dem Vermögenden gewähren. Dem Unbemittelten, der klagen oder einer Klage sich soll erwehren können, muß die kostenlose Führung des Rechtsstreits ermöglicht werden. Dieser Forderung verdankt das sog. Armenrecht seine Entstehung. Tie Partei, der es bewilligt wird, ist nicht nurwvn Zahlung der Gerichtskosten befreit, ihr wird auch ein Gerichtsvollzieher und erforderlichen- falls ein Anwalt kostenlos bestellt. Das Armeurecht kann jeder beanspruchen, der nachweislich außerstande ist, die Kosten eines Rechtsstreits zu zahlen, ohne feinen und seiner Familie Unterhalt zu beeinträchtigen. Ter Rechtsschutz für die Armen darf jedoch nicht zur Rechtsgefahr für die Vermögenden werden, das Armenrecht nicht zum Anreiz für böswillige Klagen ans Kosten der Gegenpartei und des Staates. Der Richter soll daher das Vorbringen der das Armenrecht nachsuchenden Partei prüfen. Erweisen sich nach Befragen des Gegners und auf Grund sonstiger Ermittelungen ihre Behauptungen als haltlos, so ist das Armen- recht zu versagen. Tie Fürsorge des Gesetzgebers für die Armen überdauert den Beginn des Rechtsstreits, sie greift erneut ein, wenn er erledigt! ist. Nehmen wir au, der aus Zahlung einer bestimmten Geldsumme verklagte Arme wird verurteilt. - Auch der Aermste nennt stets noch etwas sein eigen, durch dessen Pfändung und Versteigerung sich der Gläubiger befriedigen könnte. Höher als das Interesse des Einzelnen an der Verwirklichung seines Urteilsanspruches steht jedoch das Interesse der Allgemeinheit, des Staates, daß der Schuldner nicht auch des Notdürftigsten beraubt und dadurch wirtschaftlich vernichtet werde. Es besteht daher das Verbot der sogenannten Kah-lpfändung. Eine Reihe für den Bedarf des Schuldners und feiner Familie, sowie für die Erhaltung eines angemessenen Hausstandes unentbehrlicher Gegenstände wird für unpfändbar erklärt. Dazu gehören die Kleidungsstücke, die Betten, die Wäsche, das Haus- und Küchengerät, die für 4 Wochen erforderlichen Nahrungs-, Feuerungs- und Beleuchtungsmittel, eine Milchkuh oder 2 Ziegen ober 2 Schafe, bei Landwirten das Wirt- schaftSgerät und Vieh, bei Handwerkern, gewerblichen Arbeitern und anderen Personen, die aus Handarbeit oder sonstigen persönlichen Leistungen ihren Erwerb ziehen (z. B. Näherinnen, Droschkenkutscher), die zur persönlichen Fortsetzung der Erwerbstätigkeit unentbehrlichen Gegenstände (Nähmaschine, Wagen und Pferde). In gleicher Richtung bewegen sich die Vorschriften des Lohnbeschlagnahmegesetzes, die den Arbeitslohn bis zur Höhe von 1500 Mark für pfandfrei erklären. Nicht nur im bürgerlichen Recht, auch im Strafrecht zeigt der Satz seine Berechtigung, daß wahre Gerechtigkeit sich nicht in starrer Durchführung der Rechtsgleichheit erschöpft, sondern oft eine Durchbrechung dieses gleichen Rechtsschutzes zu Gunsten des Armen fordert. Ter Vergeltungsgedanke — noch immer einer der Grundpfeiler des Rechts, zu strafen — verlangt ein gerechtes Verhältnis zwischen Schuld und Sühne. Schuld — welch abgrundtiefes Wort, wieviel Zweifel und Rätsel birgt es, die auch dem Richter, der in der Menschenseele zu lesen erfahren ist, oft unerforschlich find. Wo ist die Grenze zwischen sittlichem Verschulden und unverschuldetem Verhängnis? Dieses Dunkel umgibt, wie die Straftaten so vieler anderer, nicht selten auch die des Armen. Mit gerechtem und gütigem Sinn muß hier der Richter das Maß der Schuld und der Strafe ftstzustellen suchen. Tas Gesetz erleichtert ihm seine Ausgabe. Nicht nur, daß es die Verfchlung des Armen ost milder beurteilt, als die gleiche Verfehlung des Besitzenden, manchmal verneint es auch jede Schuld in sittlichem und strafrechtlichem Sinn. Die Schuld des Armen, der aus Not stiehlt, und die Schuld des Reichen, der aus Habgier seines Nächsten Gut antastet, sie sind nicht gleich und werden von dem Gesetz nicht gleich 6-eto-ertet. Erst jüngst hat der Gesetzgeber in einem -Ergänzungsgesetz wieher anerkannt, daß, wer aus Not geringwertige Sachen stiehlt, nicht dem gemeinen Diebe gleich zu achtel: und zu bestrafen ist. Aber auch bei jeder anderen Straftat sind unverschuldete Not und Armut strafmildernd zu berücksichtigen. Konnte sich der Arme, ohne Gesundheit ober Leben zu gefährden, gar nicht anders helfen, als daß. er nach fremdem Gut griff, so erklärt das Gesetz dies für einen Notstand, der jedes Verschulden beseitigt und jede, auch die geringste, Strafe ausschließt. Wer oon den: Armen spricht, muß auch dessen gedenken, zu dem der Arme vielfach wird — des Bettlers. Manchen erscheint es als grausam, daß das Gesetz das Betteln bestraft. Sie denken dabei an den notleidenden, hungernden Wandersmann. Ter größte Teil der bestraften Bettler gehört jedoch zur Schar.der Arbeitsscheuen. Straflosigkeit des Bettelns würde bereit Zahl ins Ungemessene steigern itnb wie in vergangenen Zeiten bie Schwärme der Bettler zur Landplage machen; denn für manchen ist die Strafe, die auf das Betteln gesetzt ist, das letzte, wirksame War- nungszeichen vor dem Betteln. Wo aber bittere Not den Armen zum Bettler werden läßt, da schützt ihn auch der Notstandsparagraph vor Strafe. s Tas Recht wäre allzu unvollkommen, das nur die Folgen dieser ans Not Begangenen Straftaten milderte, nicht aber bemüht wäre, die Ursache der Straftaten zu beseitigen. Dieser Aufgabe — neben anderen — will unsere soziale (volksgesellschaftliche) Gesetzgebung dienen. Sie will den unvermögenden Arbeiter vor Armut bewahren, wenn er alt oder krank geworden ist. lieber den Kreis der Arbeiter hinaus sichert das Gesetz über den Unterstützungswohnsitz jedem Armen unter der Vorbedingung einjährigen ununterbrochenen Wohnsitzes an einem Ort Unterstützung aus den Mitteln der Allgemeinheit zu. In gleicher Richtung bewegen sich noch zahlreiche andere Vorschriften unseres Rechts. Nicht zum letzteren gehört hierher der gesetzliche Unterhaltsanspruch der unehelichen Kinder gegen ihre -Erzeuger, der eine große Zahl von ihnen vor Armut, Schande ober Verbrechen 'bewahrt. Diese Beispiele mögen genügen, um zu zeigen, daß unser Gesetz den Armen gerecht zu werden und ihr hartes Los zu mildern bemüht ist. Diesem Ziel immer noch näher zu kommen, muß Pflicht eines höher entwickelten Rechts bleiben. Noch harren große Aufgaben, wie z. V. bie Arbcitslosenversicheruug, her gesetzgeberischen Lösung. Mag das „Recht der Armen" aber noch so sehr ausgebaut und vervollkommnet werden, es kann den Einzelnen nicht der Menschenpflicht entbinden, fein Teil zur Linderung des Elends der Armut beizittragen. (Em Spätherbsttag im Grünewald. Ein Dankblatt einem Vielverleumdeten. Ein grauer Novembertag, Nebel, Sprühregen. Und in Berlin — wo Regentage noch grauer sind als anderswo. Es ist mittags nach Tisch. Behaglich habe ich mich in meinem Zimmer hinter meinen Büchern verschanzt, in dem Bewußtsein, einen rechten Arbeitsnachmittag vor mir zu haben. — Da klingelt das Telephon: — „Kommen Sie mit nach dem Grünewald?" „Heute???!" „Kennen Sie den Grünewald bei Regen?" „Nein!" „Also dann 2.50 Zoo, auf Wiedersehen!" Schluß! — Da stehe ich. Zeit zum Ueberlegen hatte ich nicht, also konnte ich auch nicht nein sagen. Kopfschüttelnd setze ich mich wieder an meinen Schreibtisch, aber ein Blick auf die Uhr zeigt mir, daß keine Zeit zu verlieren ist, denn ich habe ja nicht nein gesagt! lieber mich selbst erstaunt klappe ich die Bücher zu, die mich ganz verwundert anzusehen scheinen, und mache mich fertig. Dann in die nächste Elektrische. — Bahnhof Zoo: 2.50. Um 3 Uhr fährt der Zug. „Nun sagen Sie nur, wie kommen Sie auf diese Idee?" „Sie können ja wieder umkehren; ich fahre!" Da sitze ich auch schon itn Zug. Er fährt ab. Ich bin also nicht umgekehrt! — Ob man rechts ober links zum Fenster hinaus sieht, alles grau, grau; riefelnbcr Regen. Und ba hinein soll man? — Station Grünewald. Nun also hinaus in Lias feuchte Element der Luft. Eine leise Sehnsucht kommt über mich nach meinem behaglichen Zimmer, nach Wärme, Licht, meinen Büchern. Schon sind wir aber ans dem Bahnhof "hinaus und es heißt nun mutig vorwärts. Ein paar Leute fiitb noch mit uns ausgestiegen, sie haben es aber ziemlich eilig, ins Trockene zu kommen. Einige Wenige nur gehen vor uns her den Weg an dem Hundekehlensee entlang. Als ich im Sommer znm letztenmal hier war, ba brannte die Julisonne unerbittlich; überall zwischen den Stämmen lagen Menschen und Butterbrotpapiere, im und am Wasser tollten 724 Kinder, hellten Hunde und bei jedem Schritt wirbelte der Sand auf, der berüchtigte, und lagerte sich über alles, wie eine leichte Dunstwolke. Im Gasthaus spielte eine Militärkapelle tausendmal gehörte Weisen, itub das Klappern von Gläsern und Tassen tönte als Leitmotiv dazwischen hervor. Heute nun ein ganz anderes Bild! Die paar Menschen vor uns, wie Schemen hergleitend, der Staub niedcrgebändigt von der Feuchtigkeit, alle zerstreuten Papiere mitleidig von Dämmerung und Nebel verhüllt. Auch das Restaurant zeichnet sich nur undeutlich ab in den: rieselnden Nebel, und von seinen 'Geräuschen dringt heute keines heraus in die Ruhe. Die letzten Regenwanderer verschwinden hier, sie geben den Kampf auf, die Wärme siegt, Aber wir dringen mutig weiter, Überschreiten die Landstraße, einige Schritte durch den Wald, dann sind wir am Grunewaldsee. Er, auch int Sommer vornehm ruhig, hat jetzt einen eigenen Reiz. Hebet seinem Wasser wogt ein leichter Schleier und die grüne Wand der Kiefern vom ren- seitigen Ufer hebt sich nur ganz geheimnisvoll darunter ab. Man hört keinen Schritt und keinen Laut; und das sanfte, rieselnde Niedersprühen des Nebels zwingt alle Gedanken zur Ruhe. Man mag nicht sprechen und nicht denken, sondern läßt sich einlullen von diesem Rieseln. Der schlichte, trotzige Schattenriß des Jagdschlosses Grünewald tritt gespenstisch aus dem Nebel hervor. Ah, das ist das Schloß des Nebelkönigs, der jetzt hier gebietet; seine Töchter hat er ausgeschickt, daß sie über dem Wasser und zwischen den Bäumen ihren Tanz weben, und alle skeptischen Menschenkinder, die vorbei kommen, in ihren Schleier hüllen und sie so in ihren Bann ziehen. — So können auch wir ihnen iricht entgehen. Und unter diesem Bann gehen wir immer weiter, durch Wald, dann „Krumme Lanke" — Onkel Toms Hütte mit ihrer Wärme und ihrem Licht lockt uns nicht von unserem schweigsamen Weg ab. Der schmale Pfad geht direkt am Wasser her, da mit leisem Aufschluchzen am Ufer heranfschlägt, bis vor unsere Füße; links ist Gebüsch, das uns ab und zu streift. Und wie manchmal ein dürres Blatt sich löst und langsam zu Boden sinkt, so fallen auch ab und zu die Worte von unseren Lippen. Aber der Ton der eigenen Stimme klingt wie aus weiter Ferne an unser Ohr, und die Seele weiß nichts von dem, was der Mund spricht. So sind wir schweigsam, auch wenn wir reden. Es ist völlig dunkel, als iqir Schlachtensee erreichen. Wir erfassen gerade einen Zug. Berlin umfängt uns wieder, ehe wir es noch recht wissen. Allmählich weicht der Bann, denn vor dem grellen Licht und dem Lärm zerreißt der Zauberschleier der Nebelprinzessinnen. Und dann stehe ich in meinem Zimmer und Licht, Wärme und meine Bücher dringen allmählich wieder in mein Bewußtsein ein. Ein paar Fetzchen aber von dem Zauberschleier blieben doch haften, das sind die Erinnerungen an jene Märchenstunden, und diese Erinnerungen sind unzerstörbar. Hanna Bauer -Gießen. Anzefgesucht. Oberlandesgerichtsrat Mayer in München, der als Derhand- lungsleiter sich schon aus dem Harben-Prozefse her eines besonders guten Namens weit über Bayern hinaus erfreut, sendet beut „Knnst- wart" und „Knltnrivart" < Halbmonatschau für Ausdrucksknltnr auf allen Lebensgebieten, Verlag von Georg D. W. Callwey tit München) aus feiner Erfahrung heraus die folgende, wie uns scheint, sehr zeitgemäße Anregung: Man beklagt als „Strafsucht", daß in Deutschland viel zu viel gestraft und geahndet werbe. Ob mit Recht, ist eine ftrage für sich. Ich möchte heute nur daraus Hinweisen, daß die Münze auch eine Kehrseite hat: Die Anzeigesucht. Zweifellos würde weit weniger gestraft werben können, wenn nicht so viel angezeigt würbe. Das peinliche Gerechtigkeitsgefühl, bas in unserem deutschen Blute schläft, und das wohl so ziemlich jeden von uns beseelt, läßt uns doch vielfach weit schneller und weit lauter nach dem strafenden Arme rufen, als dies vielleicht nach bet Art des verübten „Frevels" bei mehr ruhiger Ueberlegung geschehen würde. Die setzt aber leider meist erst bann ein, wenn das Rad ins Rollen gekommen und nicht mehr aufzuhalten ist. Man kann die Richtigkeit dieser Beobachtung bei kleinen, eher komischen als ernsten Vorfällen an sich selbst und anderen erproben. Nehmen wir an, wir sitzen in einem Wagenabteil eines Eisenbahtt- zuges, in dem das Rauchen untersagt ist. Nun soll ja durchaus nicht etwa dem Rauchen am verbotenen Orte das Wort geredet fein. Ist es aber nicht doch beinahe erheiternd, zu sehen, daß im selben Augenblick, in dem irgend ein des Verbotes Unbewußter feine Zigarre ansteckt, mit fast unfehlbarer Sicherheit die Augen sämtlicher anderer Wagengenossen zwischen dem Schwerverbrecher und der Verbotstafel unruhig und rachelüstern hin und her zu wandern beginnen? Und nicht eher schwindet häufig die Unruhe, als bis irgendwer, und oft gerade einer, der sich vielleicht am liebsten selbst eilte Zigarre anzünben möchte, das Zugspersonal aufmerksam gemacht und den Sünder so wenigstens durch eine Rüge seitens des Beamten einer gewissen Ahndung ausgeliefert hat. In wie viel tausend Fällen, wo man mit einem freundlichen Wort eine geringfügige Uebertretung abstellen könnte, verleiten Uebereirer, Geschäfti keit, Wichtigtnerei ober auch nachbarliche Gereiztheit, versteckter Neid, verhohlene Schadenfreude verleitet das Behagen an der kleinen Unannehmlichkeit eines Dritten Leute, die gar nicht dienstlich dazu genötigt und die nicht geschädigt sind, zum Anzeigen von Dingen, die sich auf anderem Wege viel rascher, einfacher und ohne Bloßstellung des lieben Nächsten abstellen ließen! Tie Behörde, die einmal verständigt ist, kann zumeist gar nicht vermitteln. Sie muß eingreifen — sie muß strafen. 8lb er wir selbst haben andere, sanftere Büttel in Händen. Wie oft sind es nicht reine Formalvoischriften, die ohne jede böse Absicht übertreten werben, — Kleinigkeiten, bie den großen Apparat gor nicht verdienen, der ihrethalben in Bewegung gesetzt werden muß! Und wie häutig überführt sich einer der vorschnellen Anzeiger später selbst der eigenen lieber eiluug durch das Geständnis: „Ja, wenn ich gewußt hätte, baß das solche Scherereien macht, hätte ich lieber keine Anzeige erstattet!" Die „Strafsucht" wirb nachlassen, wenn die „Auzeigesncht" sich mindert. Wilhelm M aye r. Viichertisch. — Friedrich Nietzsches Werke beginnen soeben in einer Lieferungsausgabe zu erscheinen. Diese umfaßt 44 Lieferungen zu 1' Mark, von denen alle 14 Tage eine Lieferung ausgegeben wird. Die ersten Lieferungen enthalten die Schriften des jungen Nietzsche, aus der ersten Zeit seiner Dozenten- tätigkeit in Basel, des schaffensfreudigen Gelehrten, der in den Griechen ein Volk mit vorbildlicher Kultur sah, das noch immer befruchtend auf unsere Lebensgestaltung einwirken kann, der in Schopenhauer seinen philosophischen Wegweiser und in Richard Wagner den Genius verehrte, der feine künstlerische Sehnsucht durch schaffende Tat voll befriedigt. Aber wenn es auch die Gedankenwelt des jungen Nietzsche ist, so ist es doch eben Nietzsche. Die Grundansichten des ausgereiften Denkers werden schon sichtbar, wenn auch noch in einer Verpuppung. So ist es schon ganz späterer Nietzsche, wenn als Glaubensbekenntnis in der Antrittsrede über „Homer und die klassische Philologie" der Satz formuliert wird: „philosophia facta oft quac Philologin fnit". Die „Geburt der Tragödie" enthält mit ihr^m Antiintellektiialismus bereits die Fundamentalanfchauung Nietzsches vom höheren Werte des Instinktiven, Unbewußten gegenüber der Bewußtheit. Die Vorträge „U eher bie Zukunft unserer Bildungsan st alten" — eine Schrift, die noch immer als hochmodern bezeichnet werden muß, weil sie einen Standpunkt vertritt, der jetzt allmählich erst der allbeherrschende wird — legen in überaus anmutiger, fesselnder Form die wesentlichen Ansichten Nietzsches über Bildung und Erziehung dar, die der Hauptsache nach später unverändert geblieben sind. Tas zum großen Teil buchmäßig aiisgesührte Fragment „D i e Philosophie im tragischen Zeitalter der Griechen" ist deshalb hochinteressant, weil Nietzsche damit, was er an den altgriechischen Denkern hervorhebt, die Form der Lebensführung skizziert, die er früher ersehnt und später tatsächlich verwirklicht hat. Die Abhandlung „lleher Wahrheit und Lüge im außer moralischen Sinn" vertritt bereits Anschauungen, die vollkommen in die Gedankenkreise des „Jmmvralisten" des „Umwerters aller Werte" hineinpassen. — So ist dieser Anfang in mehrfacher Hinsicht geeignet, auch den Anfang für da8 Studium von Nietzsches Werken zu bilden: er weckt das sympathische Interesse für die Persönlichkeit und bereitet auf die Gedankenwelt des gereiften Denkers vor. — Rudyard Kipling, Puck, Geschichten aus alten Tagen. Mit zahlreichen Illustrationen. Einzig berechtigte Uebertraguug von Pros. Tr. E. Rosenbach. (Vita, Deutsches Verlagshaus, Berlin-Ch.) In naiver und doch prachtvoll anschaulicher Art wird in diesem Buch die vorgeschichtliche Zeit des ehemaligen sagenhaften Nordlarrd vorgeführt. Dem Erwachsenen bietet das Werk einen hohen ästhetischen Genuß, ein fein satyrisches Vergnügen, dem Kind, auch dem reifen Alters, aber ebnet es die Wege zur geschichtlichen Erkenntnis. Uapsel-Nötsel. Bernstein, Zigarrenkiste, Reifender, Wanderer, augenblicklich, Rhederei, Hungersnot, Verschivendnug, Indigo, Habseligkeit. In vorstebenden Wörtern ist der Reihe nach je eine Silbe eines Zitates ans Schillers „Wallenstein" enthalten. Auflösung in nächster Nummer. Auslösung des magischen Quadrats in voriger Nnnnner; R A B E A R A v B A R A E D A M Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühllschen Universttäts-Buch- und Steinbruckerei, R. Lange, Gießen.