V n KM^AMWD I^WM 8 WAS i^MWsW MWMEM ^MMMU itL ^ö^“au^ „So sprechen Sie doch ein Wort, Kathinka." „Ach, quälen Sie mich doch nicht so, Prinz." Er zog sie an sich und flüsterte: „Wenn Sie eine Ahnung hätten, wie märchenhaft schön Sie in diesem Augenblick sind, und daß ich alle Kronen der Welt darum gäbe, könnte ich Sie jetzt küssen, rasend küssen—" Da brauste der Zug heran. Im Augenblick stand er; die Türen rollten aus, und die Herrschaften mußten sich beeilen, den Wagen zu erreichen. In dem engen Raum saßen sie dicht nebeneinander. Ein junger Major aus dem Großen Generalstab lehnte neben einem Gardeulan in der Tür der Rauchabteilung. Er blickte unverwandt nach Hans Jochen, und als dieser mit der Fürstin und Kathinka am Leipziger Platz den Wagen verließ, salutierten beide Herren und der Major sagte laut: „Ew. Hoheit, — Ew. Durchlaucht." An dem Rohrposthäuschen zwischen Leipziger- und Potsdamer Platz kaufte der Prinz für die Fürstin ein Veilchenbukett und" für Kathinka einen Strauß taufrischer Rosem 174 Dann pilgerten sie die Leipziger Straße vor. Bet Wertheim blieb Hans Jochen stehen. „Hört, Herrschaften, es ist dreiviertel elf Uhr; tote wäre es, wenn wir jetzt frühstückten?" Die Damen waren einverstanden. „Der große Kuppelbau rechts in der Leipziger Straße, der wird Euch in fünf Minuten beherbergen. Das ist Kempinski)." Gegen einhalb zwölf Uhr verließen sie das berühmte. Weinhaus wieder. Die Fürstin wünschte in das Hotel zu fahren, da sie ermüdet sei. Der Portier rief eine Auto- Droschke herbei, die Ihre Durchlaucht entführte, während der Erbprinz und Kathinkä im angenehmsten Geplauder weiter die Leipziger Straße vorgingen und dann links in die Friedrichstraße einbogen. „Wissen Sie, Prinz, was ich gern einmal sehen möchte? Das Innere des Kaiserlichen Schlosses, den weißen Saal und alle die berühmten Gemächer." ' „Gern, Kathinkächen. Ich fürchte nur, daß Sie fich dann in unserem dumpfen, muffigen Kasten daheim, herzogliches Residenzschloh genannt, nicht mehr wohl fühlen werden." „Ach Prinz, wo Sie sind — fühle ich mich immer wohl..." Sie schwieg, erschrocken über ihre eigenen Worte. Hans Jochen aber blickte sie strahlenden Auges an. „Sie liebes, liebes, gutes Mädel." Er wollte noch mehr sagen, aber die ungeheuere Masse von Menschen, die um die Mittagszeit die Friedrichstraße durchfluten, trennte sie mehrere Schritte. Unter den Linden rief der Erbprinz einen Taxameter herbei, und nun fuhren sie bis zur Schloßfreiheit. Im Schloßhofe lösten sie die Eintrittskarten und dann gingen sie nach der Portiersflur. Zahlreiche Leute warteten schon, um ebenfalls das Schloß zu besichtigen. Die Lakaien schienen den Erbprinz erkannt zu haben. Sie flüsterten Untereinander rind warfen verstohlene Blicke nach Hans Jochen. Der Prinz erkannte erst jetzt, daß er wohl nicht ganz klug gehandelt habe, in eine Schloß-Besichtigung zn willigen. Er hätte sich denken können, daß er von der Dienerschaft erkannt werden würde. Doch nun konnte er nicht mehr zurück. Mit möglichst gleichgültigem Gesicht gab er in der Portiersloge Kathinkas Sonnenschirm ab, steckte gelassen die Marke ein ititi) schritt dann neben Kathinka mit den anderen die sanft ansteigende Serpentine, die nach den Festsälen führt, hinauf. Am Nachmittag besuchten sie mit Tante Clothilde das Seeaquarinm, und da die Fürstin bei einzelnen Molchen viertelstundenlang in Betrachtung versunken war, konnten Hans Jochen und Kathinka in den dunklen Grotten ungestört plaudern. Der Erbprinz fragte wieder: „Müßte es nicht herrlich sein, wenn wir, unabhängig von Etikette und Hofschranzen, immer so aus Reisen sein könnten, wir zwei allein, Sie und ich?" „Ach Prinz, denken Sie nicht daran; genießen wir die Augenblicke. Es kann ja nicht sein — machen Sie mir das Herz nicht noch schwerer. Es ist ja schön, im seligen Bergessen zu leben, aber es ist doch ein Unrecht." „Kathinkä." „Ja, Prinz, es ist ein Unrecht. Wir tun unrecht an uns — und wir tun unrecht an dem gütigen, alten Herzog, Ihrem Herrn Vater." Hans Jochen zog Kathinka ungestüm an sich und küßte sie leidenschaftlich. Plötzlich ließ er ab und sagte resigniert: „Sie haben recht, Kathinka, tausendmal recht, und ich weiß wohl, daß ich nie die Kraft haben werde, meine Fesseln von mir zu werfen. Um meines Vaters willen kann ich dies nicht, — aber ich liebe Sie im tiefsten Innern meines Herzens." „Seien Sie stark, Hans Jochen, und ich will versuchen, es auch zu sein." * Am Ab end reiste der Erbprinz von Berlin zurück nach N., und zwei Tage später folgten auch die Fürstin und Kathinka. Die nächsten Tage verflogen in der Aufregung der Reisevorbereitungen, und am 30. Juli früh 6.15 Uhr fuhren die Herrschaften nach dem Süden. Schon vor Eintreffen des D-Zuges Berlin—Lindau hatten die Fürstlichkeiten in dem Salonwagen Platz genommen. Der Salonwagen wurde schnell einrangiert, und zwei Minuten später fuhren sie aus dem Bahnhof der Residenz hinaus. — An dem schwarzen, unfreundlichen Bahnhof zu Lindau wurden die Herrschaften vom Hoteldirektor empfangen und' zu den Wagen geleitet. Nachdem die Herrschaften im Hotel das Diner eingenommen, unternahmen sie unter Hans Jochens Führung einen Nundgang durch das alte Städtchen. Sie wanderten auf der breiten Hafenmauer am Damenbad vorüber bis zum Löwen, der in imposanter Größe den einen Pfeiler der Hafeneinfahrt ziert. Gegenüber ragte der schlanke Leuchtturm als Lindaus Wächter in die Lüfte. Auf den steinernen Bänken am Löwensockel war nur wenig Platz. Touristen, mit Kodaks bewaffnet, und Sommerfrischler, in ihre Lektüre vertieft, hatten zum größten Teil die Bänke eingenommen. Die Fürstin und Merkwitz saßen nebeneinander an der hinteren Seite des Löwen, mit dem Blicke nach Lindau, während der Erbprinz au der Vorderseite neben Kathinka Platz nahm. „Wie schön," flüsterte Kathinka. „Und an deiner Seite, Lieb," gab der Prinz leise zurück und haschte verstohlen nach Kathinkas Hand. Ein Schauer überlief Kathinka. Sie ergriff Hans Jochens Hand und küßte sie heiß — dann sank sie in sich zusammen und schluchzte fast unhörbar: „Und dies alles muß aus sein." „Wir wollen heimgehen. Lieb — und alles vergessen," sagte er weich. Er rief die Fürstin und Merkwitz, und sie gingen nach dem Hotel. Noch lange nach dem Souper standen Hans Jochen und Kathinka am Fenster des Speisezimmers. Die Musik am Promenadenplatz spielte feurige Weisen, — heiße Sehnsucht nach Liebe und Genuß überkam Kathinka. Sie warf hastig einen Blick nach Merkwitz und der Fürstin, doch die beiden waren in eine Partie Schach vertieft und kehrten ihnen den Rücken zu, — und sie sahen nicht die stummen heißen Küsse, die Hans Jochen und Kathinka tauschten.--j In Nebel gehüllt lagen Lindau und See, als die Herrschaften am anderen Morgen die Weiterreise antraten. Der «Expreß huschte aus einem Tunnel in den anderen, — und nun lag es vor ihnen, unter ihnen, Has märchenhaft schöne Luzern und die grünen Fluten des Vierwaldstätter Sees. Noch ein Tunnel am Gitschen, dann ging es rasselnd über die Brücke ber Reuß, deren grün gesättigte Wellen bäumte» und brandeten und in weißem Gicht hochauf schäumten. Vor dem Bahnhofsgebäude harrten zwei elegante Omnibus-Automobile der Gäste. Im ersten Wagen nahmen Ihre Durchlaucht uud seine Hoheit sowie der Konsul und Gemahlin Platz, während Herr von Merkwitz und Fräulein von Hämmerling den zweiten Wagen bestiegen. Dem Erbprinzen war es sehr unbehaglich zu Mute. Seine Blicke suchten Kathinkas Augen, — doch das Fräulein lauschte den Worten des Hofjägermeisters, der ihr die Landschaft erklärte, und ihre Augen sogen trunken das farbenprächtige Bild Luzerns ein. Nach kurzer Fahrt hielten die Wagen vor dem Riesenhotel. Die Appartements der Fürstin lägen rechts der Empfangs- und Gesellschaftsräume, der Erbprinz und Mcrkwitz dagegen bewohnten die Gemächer links davon. Kathinkas Zimmer, das direkt neben der Fürstin Schlafgemach lag, war nicht groß, besaß aber einen ziemlich breiten, mit duftig blühenden "Pflanzen verzierten Balkon. Eine Markise schützte vor den sengenden Sonnenstrahlen. Auf diesem Balkou saß Kathinka, als am Spätnachmittag Ihre Durchlaucht zu ihr trat. Die Hofdame ruhte in einem bequemen Klubsessel. Die Hände unter dem Kopf verschränkt, und aus dem Schoß Jockel, — so träumte sie in die Ferne. <• „Nun, gefällt es Dir hier, mein Kind?" begann die Fürstin das Gespräch, während sie sich in einer amerikanischen Gondel niederließ. „Sw schön ist's hier, Durchlaucht, so sch!ön, tote ich es mir nie geträumt habe. — In der Ferne ganz schnmch die Eisgipfel, und hier — so unmittelbar nahe — und doch so weit, die Heiligen Luzerns: Der finstere Pilatus — und da zur Linken — der sonnenglänzende Rigi. — Und der See, der herrliche wunderbare See! — — Hier möcht ich in! Unschuld und ewiger Kindheit mein Leben verbringen, — Fürstin, — so ganz ohne Wünsche, — nicht wissend oder! erkennend, daß es überhaupt eine Zukunft gibt." 175 Me Fürstin zog ihren Rundsessel dichter zu Kathinka Und blickte sie forschend an. „Merkwitz sagte mir eben, heute abend sei großes Feuerwerk und Seebeleuchtung, auch ein historischer Festzug zur Feier des .schweizerischen Buudessestes. Da gibt es noch viel zu sehen." „Werden wir dann an den Kai gehen?" „Ich jedenfalls nicht — aber, wenn Hans Jochen Lust hat, dann leistet mix Werkwitz Gesellschaft." „Und ich?" »Ja — ich weih nicht, wie Merkwitz über die Sache denkt. Meinetwegen könntest du ruhig den Prinzen begleiten." Beim Souper fragte der Erbprinz den Kammerherrn Von Merkwitz, wie srch wohl das Hofmarschallamt das Leben m Luzern gedacht habe. Und als dieser antwortete: „Ich habe in dieser Beziehung keinerlei Anweisungen, Hoheit, aber tch denke doch, daß die höchsten Herrschaften ohne Rücksicht aus d-re Etikette sich wie Privatleute bewegen können," da strahlten ihre Augen. Und als Hans Jochen sie daun einlud, mrt an den See zu gehen und die Nationalfestlichkeiten in unmrttelbarer Nahe zu betrachten, da sagte sie schneller Und freudiger zu, als es in ihrer Absicht lag. Gegen 8 Uhr verließen der Prinz und Kathinka das Hotel. (Fortsetzung folgt.) „Derzeit zu schwach." Humoreske von Carl Laufs f. Verfasser von „Pension Schöller", „Ein toller Einfall" nsw. Herr Hammerschmidt war eben aus dem Athletenklub zurück- gekehrt, zu dessen eifrigsten Mitgliedern er zählte. Noch leuchteten seine Augen über das Geschehene. , Seine Gesellschaft, „Die Kettenbeißer", hatte in einem ehr-- nchen Wettbewerb gegen die rivalisierende Athtetengemeinschast „Die Wagenschieber" einen glänzenden Sieg davongetragen. Er- hobencn Hauptes, ein zufriedenes Lächeln auf den Lippen, ging er mit stolzen Schritten im Zimmer auf und ab. Nicht immer ist Herr Hammerschmidt Athlet gewesen. So lange er ttoch sein Geschäft hatte und auf sein Bureau ging, Wimmerte er sich nicht im geringsten um die Bewahrung Und Vermehrung seiner Muskelenergie. Als er aber eines Tages, mitten im kräftigsten Schaffen, durch einen Haupttreffer in der Lotterie abberusen wurde, fing er an, seinen Körper,mit größerer Sorgfalt zu überwachen und den Organismus gegen die schädlichen Einflüsse einer Rente von zwanzigtausend Mark abzuhärten. Zunächst wurde er Hypochonder, dann Vegetarianer, erklet- kerte sämtliche Gipfel der umliegenden Wälder und genoß die Natur mit dem Schrittmesser in der Hand. Als dies alles seine Gesundheit nicht zu uickergraben vermochte, entdeckte er eines Morgens, daß er eigentlich ein „Kraftmensch" sei. Er sagte den Leuten bei jeder Gelegenheck, er sei zwar nicht stark, aber „untersetzt", seine Muskeln seien zwar nicht umfangreich, aber.„sehnig", feine Gesichtsfarbe sei zwar blaß — dafür könne aber jeder an den Adern seines Armes und Halses beurteilen, !vie vollblütig er sei. Dann bewarb er sich um Rufnahnre in den Athletenklub „Die Kettenbeißer". Anfangs gab es ein lautes Hallo. Sämtliche „Beißer" maßen ihn mit Verachtung von oben herab, doch bald lernte man seine vorttefflichen Eigenschaften derart schätzen, daß er in kurzer Zeit zum „Oberbeißer" ernannt wurde. Seine Leistungen wurden von keinem Mckgliede auch nur nachzuahmen versucht, viel weniger übertroffen. Wenn beispielsweise einer von ihnen ein Hektoliterfaß mit den Zähnen emporhob, so imponierte das den übrigen sehr wenig, weil sie es auch zustande brachten. Hingegen erdröhnte ein nur Athletenfäusten Möglicher Beifall, wenn Herr Hammerschmidt das Hektolckerfaß mit Bier füllen ließ, zahlte und die anderen aufforderte, es aus- zuttmken. Es schien ein stillschweigender Vertrag zu sein, daß er bei red er Zusammenkunft irgend eine Wette verlor, deren Betrag gerade hinreichte, die Athletenkehlen den Abend über feucht zu erhalten. Sein bester Freund und Intimus in dieser prächtigen Gesellschaft war ein Doktor Klchofcr, der im Stemmen von Flüssigkeiten, die er dann nachher in einen hohlen Raum seines Körpers goß, Fabelhaftes leistete. Sein mächtiger Kopf saß auf einem Stiernacken, der mit einem nilpferdartigen Torso zusammenhing. Er führte das größte Wort im Klub, nahm den Mund immer mächtig voll und prahlte bei jeder Gelegenheit mit seinen wahrhaft herku- lischen Kräften. Hammerschmidt gehörte zu seinen begeistertsten Verehrern, pries ihn als das Urbild eines Athleten und tat über» Haupt nichts, ohne sein Ideal um Rat zu fragen. Herr Hammerschmidt befand sich also, wie gesagt, in angeregtester Stimmung, als seine Frau ihn mit einer höchst wichtigen Mitteilung überraschte. , Das emsige Töchterchen Cilli hatte die Bekanntschaft eines lungen, hübschen, und was in unserer Zeit gewiß kein Nachteil ist,' sehr vermögenden Mannes gemacht. Er war Doktor der Rechte, bekleidete eine sehr schöne Stellung int Staatsdienste und wurde von allen, die ihn kannten, als höchst ehrenvoller Charatter geschildert. Zudem war er wahnsinnig in die Cilli verliebt und verlangte sie zu seiner Gattin. Hammerschmidt war selbstverständlich entzückt über diesen Glücksfall und schilderte ihrem Gatten den jungen Mann in den schönsten Farben. »Hm! Hm! Wir werden sehen," sagte Herr Hammerschmidt/ und seine Miene drückte zum größten Verdrusse seiner Gattin bedenkliche Zweifel aus. „Wir werden sehen," wiederholte er. „Wie ist der Mann gebaut? Hat er eine gesunde Gesichtsfarbe? Wie alt sind seine Eltern geworden? War sein Großvater erblich belastet? Warum ist er nicht beim Militär? Das muß ich alles wissen — es handelt sich um das Glück meines einzigen Kindes und meines zuMnstigen Geschlechtes bis ins sechzehnte Glied. Mein Schwiegersohn muß vor allem gesund sein. Kein Glück ohne Gesundheit! Und da kann einer in Gold eingewickelt sein, so gebe ich ihm mein Kind doch nicht, wenn er nicht auch einen gesunden „Thorax" hat." Frau Hammerschmidt erwiderte etwas eingeschüchtert, daß der Bewerber zwar zart und schmächtig sei, jedoch einen durchaus gesunden Eindruck gemacht h!übe. Indem klopfte es an der Tür, und der Gegenstand des Gesprächs trat ins Zimmer. Nachdem ihn Frau Hammerschmidt freundlich begrüßt hatte, huschte sie hinaus und ließ die beiden Männer allein. „Mein Name ist Doktor Erich Steinbrecher," begann der junge Mann mit höflicher Verbeugung. „Alle Achtung," erwiderte Herr Hammerschmidt, „Wenns nur wahr ist." „Wie, bitte?" fragte der Brautwerber verwirrt. „O nichts — ich habe nur gemeint, der Name gefällt mir gut —" „Mein Herr," fuhr der junge Mann fort, „ich hatte in diesem Winter das Glück, Ihr verehrtes Fräulein Tochter kennen zu lernen — der Geist, die Anmut, Herzensgüte, sowie die liebliche Erscheinung —" Herr Hammerschmidt, der den Doktor prüfend von oben bis unten betrachtete, ging auf ihn zU, legte ihm die Hände auf die Schultern und sagte feierlich: ,Holen Sie mal tief Atem!" Der Angeredete blickte erstaunt aus. „Na, Ihnen, als Verliebten, wird das doch nicht schwer fallen?! Mich hätten Sie hören sollen Atem schöpfen, als ich verliebt war! Eine Windmühle hätte man damit trerßen können!" „Ja — aber — warum?" stotterte der verblüffte Doktor. „Ich will nur scheu, lote sich der Thorax dabei ßemmhnt." Doktor Steinbrecher holte tief Atem. Dabei kam ihm zu viel Luft in die Kehle. Die Folge war ein Hustenansall, daß er ganz blaurot int Gesicht wurde. Hammerschmidt schüttelte bedenklich den Kopf und legte das Ohr an Steinbrechers Brust. Inzwischen hatte sich dieser aus- gchustet und sprach weiter: „Ich glaube mir schmeicheln zu dürfen/ daß meine stille Werbung von feiten Ihres Fräulein Tochter nicht unbemerkt geblieben, ja sogar sympathisch ausgenommen mürbe —" „Ach, möchten Sie mir den Gefallen tun urrd das Büsfett ein bißchen von der Wand rücken? unterbrach ihn Hammerschmidt. Ganz im Unklaren über seinen wunderlichen Schwiegervater in spe tat der Doktor wie ihm geheißen oder vielmehr, versuchte! so zu tun, denn trotz aller Anstrengung brachte er den schweren Kasteit nicht von der Stelle. . l „Sie sind aber sehr schwach!" sagte Vater Hamnterschmidk mißbilligend und schüttelte das HaUpt. Steinbrecher entschuldigte seine Ungeschicklichkeit mit Mangel an Uebung und fuhr fort: „Ich bin in der glücklichen Lage, meiner zukünftigen Frau eine angenehme soziale Stellung zu bieten —e meine Vermögensverhältnisse gestatten mir ein sorgenfreies, sogar luxuriöses Leben, und ich erlaube mir daher —" Hammerschmidt brachte in diesem Augenblick ein paar schwarze Ungeheuer herbeigeschleppt. „Da — probieren Sie einmal! Wenn Sie die zwanzigmal herumschwingen, hören Sie die Engel im Himmel pfeifen," meinte er mit strahlendem Lächeln und drückte dem sprachlos dastehenden Doktor ein Paar mächtiger Hanteln in die Hände. Der unglückliche Brautwerber, üon der Wucht der Eisenkolben zn Boden gezogen, ließ sie mit mächtigem Gepolter fallen. Im Herunterfchlagen kollerte ihm ttoch einer der Unholde über seine in eleganten Lackstiefeln steckenden Füße, so daß er, vor Schmerz laut ausschrie und sich ganz blaß ian die Wand lehnte. „O weh — das geht sehr, sehr schlecht, junger Herr!" rief Hammerschmidt und führte den armen halbohnrnächtigen Doktor zu einem Stuhl. „Also, meine Cilli möchten Sie gern heiraten? Ja — im Prinzip hätte ich ja nichts dagegen. Wie ich höre, sind Sie ein braver Mensch, haben Verntögen und eine gute Stellung —■ jedoch in Ihrem jetzigen Zustand kann ich Ihnen unmöglich meine Einwilligung geben. Aber wenn Sie meine Ratschläge befolgen, 176 srs »äSS bett Armen am Türpfosten ans — sehen Ste so ®r I?^6 * Säiä.w.'» ^Lws"» ss» « fronte dieser entrüstet. „Der Bizeps tst dte Hmiptmuskel am Obmarm - so eine Art Ämnwade. Scheu. Sie also zu, daß Kie Bttevs kriegen, und dann kämmen Ste wieder. Mit bangen Zweifeln im Herzen empfahl sich ^.er BrauttM^. Noch denselben Abend hatte Hammerschmidt etne lange Unter reduna mit seinem Freund, dem Doktor Klehoser. „Sie werden also einsehen," schloß er setne Mrt^ilung«t>. daß ich ihm meine Tochter nicht so mtr nichts dtr nichts geben kann Ich der Vater — Großvater und Urgroßvater, muß werter denken Der Thorax kommt mir E ganz richt g vor -- e^ kann ia sein daß ich mich irre — aber Vizeps ist gar nicht vor- Händen. Seien Sie also so. freundlich und klopfen Sre ihn gut ab — man kann nicht vorsichtig genug sein. Reich ist er freilich, eure gute Stellung hat er auch - aber was nLht das all^ I Dre Gesundheit ist die Hauptsache. Hab rch da nicht recht i Klehoser hörte aufmerksam zu, lobte die Erficht und versprüh gewissenhaft über das Resultat seiner Untersuchung Bericht zu ^^Als Herr Steinbrecher am andern Morgm bei Doktor hoser erschien, empfing ihn dessen Tochter Olga sn slegan^r Morgentoilette; der Vater war zusalllg gerade besc^stigt. des. halb leistete sie dem Gaste in liebenswürdigster Werse Gesellschaft. Dann kam Dr. Klehoser. Auch er war dre Liebenswürdigkeit selbst, tat sehr entrüstet über Hammerschmidt und machte kern Hehl daraus, daß er dessen Besorgnisse sür lächerliche Ausgeburten eines verschrobenen Kopses halte, und lud den .iungen Doktor sür den nächsten Abend zu einem kleinen Familienfeste Am anderen Tage erhielt Hammerschmidt folgenden lakonischen . d „Befürchtungen nur zu gerechtfertigt. Schwindsüchtiger Habitus. Thorax verbildet; sogenannte Hühnerbrust. Brzeps un- sindbar. Anzeichen späterer Glatze. Derzeit zu schwach. Was nützte alles Jammern der armen, klemen — was half es, daß sie sich die schönen Blauaugen rot weutte. — Der höhere Gesichtspunkt gab hier den Ausschlag. Dem jungen Doktor wurde das Hcms verboten. , . Sechs Wochen später saß Herr Hammerschmidt mit seiner Familie beim Mittagstisch, da brachte der Briefträger em offenes Kuvert. Eine Verlobungsanzeige. — Herr Hammerschmidt setzte die Brille auf und las. „Doktor Johann Klehoser und Frau beehren sich die Verlobung ihrer Tochter„Olga mit Herrn Doctor iuris Steinbrecher erge^enst ^l^ammerschmidt die Verlobungsanzeige aus den Händen, wie seinerzeit dem verflossenen Brautwerber die Hanteln. Dann murmelte er ingrimmig: „Dieser Gauner ! JchEsel. Seit dieser Zeit schien er Nicht mehr tm Athletenklub. UJt. Mit dem deutschen Roten Rreuz über die Zelsen- berge von Tripolis. Mit den Ausdrücken der höchsten Bewunderung berichtet der im türkischen Hauptquartier von Ghurian weilende englische Korrespondent Alan Ostler den Marsch der deutschen Kolonne vom Roten Kreuz durch die wüsten weglosen Feldberge um Ghurian, „Daß die deutschen Aerzte mit ihren Assistenten und ihren Kranken. Wärtern ihre ausgezeichnete Ausrüstung bis zu den Gipfeln dieser Berge hinaufgebracht haben, das ist eine der gewaltigsten und schönsten Leistungen, die ich je erleben konnte. Es wäre der Stoff zu einer Sage — „Wie das Rote Kreuz nach Ghunan kam", ein Heldengedicht, das den Balladensängern vergangener Jahrhunderte Ehre gemacht haben würde, jenen fahrenden Skalden, die uns Eiigländern und Deutschen, die unseren gemeinsamen Vorfahren vor Jahrtausenden von großen Taten der Vorväter sangen und berichteten. Ich mußte unwillkürlich an Hannibals Zug über die Alpen denken und selbst jetzt, wo die Arbett getan ist und ich davon erzählen will, erscheinen mir dre überstandenen Mühen und die besiegten Schwierigkeiten nicht kleiner als die jener Helden der Wissenschaft, die in der Antarktis schwerbeladene Schlitten durch verschneite Wüsten über Eisberge vorwärts treiben. „„„ Als die Deutschen mit ihrer Karawane von 360 schwerbeladenen Kamelen und 14 mit mächtigen Kisten behackten Wagen Azizia erreichten, hielt ich es für vollkommen ausgeschlossen, daß diese Vorräte und Instrumente auch nur bis zu dem ersten Hügel von Ghurian gebracht werden könnten. Sechs Tage später war das Unmögliche Ereignis geworden, war dSr letzte der schwere« Wagen von Menschen und Tieren über de» letzten unwegsame« Bergpfad emporgeschleppt, ja man möchte sagen, ernporgetragen.^ Von Azizia ab hat Alan Ostler den abenteuerlichen Zug dieser deutschen Karawane begleitet, über steile Fels kuppen,, durch Schluchten, vorbei an gefährlichen Abgründen. „Und rch bm stolz darauf, daß ich Sette au Seite mit diesen deutschen Gelehrten und deutschen Männern in Hemdsärmeln schieben, ziehe« und tragen helfen durfte, bis die ermatteten Muskeln den Dienst! versagten. Die Araber blicken mit scheuer Bewunderung auf diese „Herren", die tiberall selbst Hand anlegten und vor keiner Uw, möglichkett zurückschreckten. „Wullahi", flüsterten sie rühmend/ „das sind die Kinder wahrer Männer." Am 7. Februar war der Zug von Azizia aufgebrochen, die Maultiere und Pferde der türkischen Artillerie zogen die Wage« über den weichen knirschenden Sand der Wüste. Als dann mit Einbruch der Dunkelheit das Lager aufgeschlagen wurde, ließe« die Männer der türkischen Eskorte ihre seltsamen langgezogenen Weisen ertönen und vom deiitschen Lagerfeuer anttvorteten deutsch« Volkslieder, die Lorelei und schließlich auch die Wacht am Rherm Kaum daß um Mitternacht der erste Schimm«: des. MondA am Horizont heraufstieg: da begann schon tmeber dre Arbeit/ der mühselige erschöpfende Marsch durch dieses wüste, öde Lmld. Noch waren die Wege erträglich. „Nur zwei von diesen 15 deutsche« Männern hatten jemals auf einem Pferde gesessen; alle aber verschmähten den Esel und versuchten sich ohne werteres als Reiter; kleine Zwischerrfälle mit den störrischen arabischen Pferden würzten den Anfang unserer gemeinsamen Reise. Aber dann blieb keine Zeit mehr zu lachender Unterhaltung: letzt kamen die Berge, jetzt wurde es ernst. Mächttge Felsblocke versperrte« den Weg, gefährliche Riss« gähnten, die Pferde mußten rote Stegen klettern, die Wagen buchstäblich über ausgetrocknete Flußlaufe durch Dornen und Büsche getragen werden. Mit Spaten und Hacke wurde Bahn geschafft, mit Hebeln stemmten wir dte Rader Schritt um Schritt wetter. Hier mußten wir Löcher tm Erdreich zugraben, um hinüber zu kommen; dann wurden lang« schwere Seile an den Gefährten befestigt und nebeneinander zogen mtr allen Kräften ihres Körpers Türken und Deutsche, bis dte Haut vom Handballen abgeschürft war und die Glieder schmerzten. Alle Rang- und Klassenunterschiede waren verimscht. Der türkische Offizier und der deutsch« Arzt zerrten neben braune« Arabern und gravitätischen Türken an den Setten, setzten dte Hebebäume an, griffen tn di« Speichen der Wagenräder. Hier rief einer der Deutschen dem türkischen Soldaten etn Scherz, wort zu; der Türke versteht «s natürlich nicht, aber er lächelt würdevoll und dann Hammern sich die Hände schon wieder um die Speichen. So arbeiteten wir uns Schritt um Schritt vorwärts; am Abend war endlich der Fuß der Berge erreicht/ die Stelle, von der zwei wirkliche steile Bergtreppeu nach Ghurtan hinaufführen. Es schien hoffnungslos, die Wagen hier empor zu schleppen. Es schien unmöglich. Aber am nächsten Morgen begannen die Deutschen gelassen das Werk. Tie Anstrengungen des Tages spotteten einfach reder Beschreibung. Zitternd und erschöpft sanken di« Pferde zu Boden.- Einer der Wagen überschlug sich und wär« nut Mann und Tier in eine 30 Meter tiefe Schlucht gestürzt, wenn nicht et« mächtiger Granitblock zum Glück das fallende Gefährt auf gehalten hätte. Am Abend dieses Tages waren 12 Wagen bis zum Gipfel geschleppt; mit zerbrochenen Rädern, geborstenen Deichseln, tm Grunde nur Trümmer von Wagern Aber bi« Kisten waren gerettet. Und am nächsten Tage wurden die beiden letzten geholt. Als wir endlich oben standen, mit aufgekrempelten Hemdsärmeln, in Schweiß gebadet, keuchend und todmüde, waren wrr froh und stolz. Ich glaube, daß niemand diesen Deutschen diese Leistung nachmacht. Sie haben es vollbracht. Es sind prächtig« Männer, diese Deutschen vom Roten Kreuz." Kreuirätfel. In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben a a a a b b cccc d eeee e e h hh h ii 111111 n n nnrrssBSsasttw derart einzutragen, daß die senkrechten und wagerechten Reihen gleichlautend folgendes ergeben: 1. Zugvögel, 2. Italienischer Komponist. 3. Deutsches Land. Auflösung' in nächster Nummer. Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: Sch nee — Weh — See. Redaktion: K. Neur -> th. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl*fchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.