WWI« i Ws MM UW 2 lr' ,.' 'J J■#■/■ —7, —c.- ,.,77^^yr Die von Gründingrn. Roman von Freiherr von Schlicht, (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Und als man dann hinterher im Laufe des Gesprächs den Selbstmord des Freundes zuerst mit dem Spielverlust, dann — da es sich auch gerade um fünfzehntausend Mark handelte — zuerst nur vermutend und argwöhnend, dann immer bestimmter mit dem Diebstahl in Verbindung brachte, da war er aufgesprungen und hatte für den Toten, der sich selbst nicht mehr rechtfertigen konnte, eine Lanze gebrochen: der Freund sei sicher ganz unschuldig, und wer wisse denn, ob der Andere gerade im Klub bestohlen sei, ob ihm nicht das Geld schon wo anders genommen wäre? Wie oft passiere es nicht, daß man darauf schwören möchte, eine bestimmte Summe eingesteckt zu haben, und hinterher dann doch merke, daß man sie auf dem Schreibtisch oder im Ankleidezimmer habe liegen lassen. Wie oft fände man nicht das längst verloren Geglaubte plötzlich doch noch in derselben Tasche, weil man zuerst nur zu flüchtig nachgesehen habe--man dürfe eine so schwere Beschuldigung nicht aussprechen, solange man nicht die sichersten Beweise der Schuld in Händen HIa.be. Solange die nicht erbracht wären, träte er für den Freund ein. Die Worte hatten ihren Eindruck nicht verfehlt, und der Bestohlene hatte plötzlich gerufen: „Jetzt fällt mir ein, ich war vorhin bei dem Juwelier — vielleicht habe ich dort das Geld liegen lassen — oder vielleicht doch in eine andere Tasche gesteckt —■ ich will noch einmal nachsehen." Er war hinausgegangen und dann ganz verstört zurückgekommen: die Banknoten in der Hand. Alle hatten erleichtert ausgeatmet, ihnen allen fiel ein Stein vom Herzen: es wäre ja auch zu entsetzlich, wenn einer von ihnen der Dieb gewesen wäre, wenn einer von ihnen, durch das Spiel verleitet, sich dazu hatte hinreißen lassen, sich an fremdem Gut zu vergreifen. Und mit einem Male hatten, sie alle den Toten um Verzeihung gebeten, daß sie es gewagt hatten, icm seiner Ehre zu. zweifeln, und in einfachen, aber von Herzen kommenden Worten hatte der Vorsitzende des Klubs dem Verstorbenen einen warmen Nachruf gewidmet. Erst nachdem der Tote bestattet war, kam die Wahrheit an den Tag. Mn Klubdiener hatte gesehen, wie der Baron sich an dem Falschen Paletot zu schaffen machte. Mn Diener er« wählte es dem Ändern, bis dann der Vorstand' davon Meldung erhielt. Jetzt fiel es auch einigen Herren wieder ein, baß er plötzlich verschwunden gewesen und ziemlich atemlos zuruckgekehrt sei. M hatte das Geld aus eigener Tasche ersetzt, um die Ehtre des Freundes zu retten. Keiner sprach mit ihm darüber, denn der Tote sollte weiterhin als Ehrenmann im Angedenken leben. Das war der Klub schon sich selbst und seinem Ansehen und der Stellung der Welt gegenüber schuloig. Wer an dem Händedruck, mit dem ihn fortan ein Jeder begrüßte, an der Auszeichnung, mit' der man ihn behandelte, merkte er, daß alle wußten, toag er getan hatte. Das bedrückte ihn, und er suchte nach einem Vorwand, um aus dem Klub austreten zu können. Wer ein anderes Ereignis kam ihm zuvor. Durch irgend eine Indiskretion war die Sache in die Oeffent- lichkeit gekommen, in allen Gesellschaften wurde davon gesprochen, teils wahre, teils unwahre Gerüchte schwirrten durch die Luft, und so blieb dem Regimentskommandeur, als dem die Sache zu Ohren kam, nichts weiter übrig, als gegen ihn das ehrengerichtliche Verfahren einzuleiten. Er hatte gejeut, sich wenigstens an einem Spielabend beteiligt, der den Tod eines Kameraden zur Folge hatte. Aber er verweigerte vor dem Gericht die Aussage darüber, ob er dem Kameraden das Geld gegeben habe oder nicht, und' er nahm den Toten auch da in Schutz. Man erkannte das Ritterliche seiner Gesinnung .und 'Handlungsweise an--- aber er bekam den 'Abschied. Er nahm das Urteil ruhig hin. Lange hätte er sich mit Iden geringen Mitteln, die er noch besaß, ja doch Vicht mehr halten können.--— Mit Blitzesschnelle zog das in diesem Augenblick wieder an ihm vorüber, dann sagte er: „Da Sie ja alles wissen, Herr Graf, hat es ja keinen Zweck, es leugnen zu wollen, — aber ich darf wohl die Bitte aussprechen, daß Sie gegen jedermann hier im Schloß, davon schweigen." „Aber das ist doch ganz selbstverständlich, Herr Baron. Hätte ich sprechen wollen, dann hätte ich das schon lange tun können. Ich gebe Ihnen mein Wort, daß nie eine. Silbe über meine Lippen kommt." „Ich danke Ihnen, Herr Graf." Einen Augenblick herrschte eine etwas verlegene Stille^ dann fuhr Hans fort: „Ich muß. Sie überhaupt um Verzeihung bitten, daß ich diesen Punkt berührte, aber es geschah nach reiflicher Ueberlegung. Ich wollte Ihnen damit zeigen, daß Sie mir absolut kein Fremder sind, daß ich Sie schon lange kenne, wenn unser Weg auch erst hier zusammenführt, und daß das Gefühl meiner Wertschätzung wirklich meiner aufrichtigsten Ueberzeugung entspringt." Bei einem jungen Leutnant, der nicht, tote Hans, die frische Natürlichkeit selbst war, hätten die Worte leicht arrogant und überhebend geklungen, a&er jetzt taten sie dem Baron wirklich wohl. So klang auch seine Stimme warm, als er sagte: „Das freut mich, Herr Graf. Und da eine Liebe der anderen und ein Geständnis des anderen wert ist, will ich Ihnen offen bekennen, daß Ihre Bekanntschaft mich auf das angenehmste enttäuscht hat. Mach den Erzählungen der Frau Gräfin hatte ich Sie mir ganz anders vorgestellt, ausgerüstet mit all jener schrecklichen — wenn auch keineswegs böse gernein- tin Anmaßung und .Arroganz, die junge, reiche Offiziere an sich haben, die sie nach ihrer Meinung auch haben müssen. 370 um der Welt zu belueift«, sie höhere Wesen sind, zu denen der gewöhnliche Sterbliche voller Bewunderung und Anbetung heraufschauen muß." „Ja, ja, meine Mutter! Die hat über so manches ihr« eigenen Ansichten, lind ich glaube, sie würde mich noch lieber haben, wenn ich wirklich ein solches Ekel wäre, wie Sie es eben charakterisierten. Aber leider kann ich ihr den Gefallen nicht tun — ich habe in meinem Wesen doch zu viel vom Vater, wenngleich ich im Aeußeren wohl mehr der Mutter gleiche." „Ja ja, meine Mutter," fuhr der junge Graf fort, während er mit der Zigarette spielte, Um dadurch eine gewisse Verlegenheit zu verbergen. „Sie kennen Sie ja auch, und da brauche ich es Ihnen nicht erst zu sagen, daß sie die beste Frau der Welt ist, die zärtlichste Mutter, die außer ihrer Familie nur noch «inen Gedanken hat,---und der ist es gerade, der mich ihr zuweilen, trotz aller Liebe und Verehrung, die ich meiner Mutter entgegenbringe, doch etwas entfremdet. Diesesmal noch mehr als sonst. Und ich glaube — daran sind Sie etwas schuld, Herr Baron." „Ich?" Der sah den jungen Offizier ganz verständnislos an. Er begriff gar nicht, was der meinen konnte. So sagte er denn: „Wenn Sie glauben, Herr Graf, daß ich — ohne Sie zu kennen — sei es im guten oder im schlechten Sinne mit der Frau Gräfin über Sie gesprochen hatte--" „Aber, Herr Baron! Davon kann doch gar nicht die Rede sein," fiel ihm Hans schnell ins Wort. „Ich meinte etwas ganz anderes. Und — um es kurz zu sagen — ich glaube: Sie Unterhalten sich mit Meiner Mutter zu viel über beit Adel." ; Der Baron lachte lustig auf: „Kommen Sie im Auftrage Ihres Herrn Vaters?" „Ich? Wieso?" fragte Hans ganz erstaunt. „Mein Baier weiß gar nicht, daß ich bei Ihnen bin. Sie würden mich sogar zu Dank verpflichten, wenn Sie unser Gespräch vorläufig überhaupt nicht erwähnten." „Ganz wie Sie es wünschen. Wer im übrigen verstehe ich immer noch nicht.--" „Aber das ist doch sehr einfach, Herr Baron. Und da Sie selbst von Adel sind, kann ich es ja ruhig sagen, ohne Sie dadurch zu verletzen: ich verkenne keineswegs die Vorzüge und die Ausnahmestellung, die man allein schon dadurch in der Welt einnimmt, daß man adelig ist. Ich bin ßr stolz auf meinen Namen. Aber trotzdem hat der rgerstand doch auch eine große Bedeutung, und es gibt doch auch in diesen Kreisen Familien, die über jeden Zweifel und über jeden Tadel erhaben sind, die das Recht haben, auf ihren Namen ebenso stolz zu sein, wie wir es sind." „Gewiß, Herr Graf," stimmte der Baron ihm bei. Er freute sich, aus dem Münde seines Gegenübers so vernünftige Ansichten zu hören. „Ich wußte ja, daß Sie mir beistimmen würden, Herr Baron. Ich habe es gar nicht anders erwartet. Und deshalb habe ich eine Bitte. — Ich habe den großen Einfluß bemerkt, den Sie — selbstverständlich ohüe es zu wollen — hier int Schloß auf alle ausüben. Tun Sie mir den Gefallen und sprechen Sie des Abends, wenn Sie sich mit meiner Mutter unterhalten, nicht nur über den Adel, sondern auch etwas über die Bedeutung und das Ansehen des Bürgerstandes." ■ Es schien, als ob Hans noch gern weitergesprochen hätte. Statt dessen schwieg er und spielte verlegen mit seiner Uhrkette. Der Baron hatte erraten, was in dem jungen Offizier vorging. Es war ja auch nicht schwer, in dessen Seele zu lesen. Und so fragte er denn plötzlich ohne jeden lieber» gang: „Sie sind verliebt, Herr Graf?" Der wurde dunkelrot und sagte nach einer kürzen Pause: „Es wäre unnötig, es zu leugnen — und ich bin ja auch hergekommen, um Ihre Hilfe zu erbitten. So will ich's denn eingestehen: ich bin in ein bürgerliches Mädchen verliebt, ja noch mehr: ich bin heimlich mit der Tochter des Regierungsrates Glöckner verlobt." Das überlebt die Gräfin keine vierundzwanzig Stunden, dachte der Baron. Dann reichte er seinem Gast die - „Darf ich Ihnen meinen herzlichen und aufrichtigen Gluckwunsch aussprechen?" a „Ich danke Ihnen." Hans schüttelte die ihm dargebotene Rechte: „Nun, da Sie alles wissen, kann ich auch freier sprechen. Ich kam hierher, um meiner Mütter Meine Verlobung, — die natürlich noch tiefstes Geheimnis ist — mitzuteilen. Ick weiß ja, wie sie denkt. Trotzdem aber hoffte ich auf einen günstigen Augenblick, aber ber kam nicht, denn, wie ich schon vorhin sagte, scheint mir meine Mutter noch mehr als sonst den Adel als einzig unb allein existenzberechtigt anzusehen. So habe ich ihr nichts gesagt, sie hätte mich nicht verstanden, .mich gescholten, mir zugeredet, die Verlobung zu lösen, mir sogar klar zu machen versucht, daß Claire — sie heißt nämlich Claire--" „Ein sehr hübscher Name, Herr Graf —" In den Mgen von Hans leuchtete es ganz glückselia auf: „Nicht wahr? Und Sie sollten Claire erst einmal selbst sehen! Keine andere ist auch nur annähernd so hübsch, so lustig, so klug und so nett! Wirklich, Herr Baron — ich kann das Glück manchmal gar nicht fassen, daß sie mich liebt — und ich tue alles, was sie will — ich könnte auch gar nicht anders. Ich habe ihr versprochen, nicht mehr zu spielen, und ich rühre seitdem keine Karte mehr an. Habe auch gar nicht den Wunsch danach. Auch sonst bin ich ganz anders geworden. Claire ist ein Engel, Herr Baron. Ich weiß sehr wohl: das sagt jeder Verlobte von seiner Braut, — aber Claire ist es wirklich. Sie müssen mich einmal in meiner Garnison besuchen, dann führe ich Sie bei meinen Schwiegereltern ein, da werden Sie ja selbst sehen, wie bezaubernd sie ist. Und wenn ich daran denke, daß meine Mutter sie nicht mit offenen Armen aufnimmt, nur deshalb nicht, weil sie bürgerlich ist, — wenn sie mir vielleicht erzählen würde: Claire liebte mich gar nicht, sondern sie nähme mich nur meines Adels und meines Geldes wegen,--wenn ich nur an so etwas denke, steigt in mir ein fremdes Gefühl gegen meine Mutter auf,--ich weiß, ich würde es ihr nie verzeihen, wenn sie auch nur ein einziges, unfreundliches Wort über Claire spräche. Das würde uns auf immer entfremden. Ich würde nie wieder mit einem Schritt hierherkommen, so lange meine Mutter noch lebte. Und ich will mich nicht mit ihr entzweten, dazu habe ich sie zu lieb, — aber ich habe Claire noch lieber, und ich darf es nicht dulden, es nicht nist anhören, daß man sich unfreundlich über sie äußert." (Fortsetzung folgt.) Die Deformation und Gegenreformation in Herbstein und den ehemals landgräflichen und ritterfchafklichen Grien des östlichen und füdöftlichen Vogelsbergs. Von Pfarrer Zinn in Herbstei» (Fortsetzung.) Derselbe Conrad Saun muß auch noch 1557 Pfarrer in Herbstein gewesen sein, denn es befindet sich im Grotzh. Hausund Staatsarchiv zu Darmstadt (Abt. V, 6, Conv. 241) eine von ihm mit zittriger Hand geschriebene und mit „Cappellan Conrad laun pfarher zur Herbstet)" unterschriebene Beschwerde wegen einer ehemals zur Frühmesserei in Herbstein gestifteten Hube Sandes in der Wüstung Breitenbach bei Herbstein mit dem Datum des 18. Novembers 1557. Aber diese • Beschwerde muß auch wohl eine seiner letzten Amtshandlungen gewesen sein. Denn von 1555 bezw. 156013) an finden wir, wie! sich aus Akten des Archivs zu Darmstadt Nachweisen läßt, bereits Valentin E ck h a r d t als Pfarrer zu Herbstein, und zwar als ü l l e i u i g e u . 1S) In einem im Darmstädter Archiv befindlichen Schrifh >atz vom 24. September 1581 beschweren sich Bürgermeister und Rat samt ganzer Gemeine zu Herbstein bei der fuldischen Regierung, daß ihr Pfarrer Velten Eckhardt das baufällige Pfarrhaus nicht mehr auf seine Kosten unterhalten wolle und darum aus demselben in eine eigne Behausung gezogen sei, nachdem er doch in die 16 'aber 17 Jahr darin gewohnt und es m Lmch und Fach gehalten habe. In einer ebenda befindlichen zweiten Beschwerdeschrift vom 12. Juli 1582 klagen die Obeit- jenannten, daß ihr Pfarrer die Psarrbehausung nun schon in die sechs Jahre habe wüst stehen lassen. In denselben Akten wird erwähnt, daß bei der Ankunft des Pfarrers Eckhardt das Pfarrhaus, in übelstem Zustande war, weil vordem „ein alter pfarher drinnen wonnett, welcher Ein Ihar oder zwei) bawfellig tzewesemt" und an dem Haus nicht viel gebessert habe, so daß oer Pfarrer Eckhardt „den gegenwärtigen Winter" sich nicht darinnen vor Kalte und Nässe zu erhalten gewußt und int Frühjahr ans Bauen gegangen fei. Aus dem allen ergibt sich, daß Valentin Eckhardt wahrscheinlich im Herbst 1559 (spätestens 1560) tn Herbstein als Pfarrer aufgezogen ist und seitdem alleiniger Inhaber des Pfarrhauses war — Ml — u) In der obengenannten Beschwerdeschrift von 1581 heißt es: „Ist auch offenbar clar und am tage, daß vor verflossenen Jahren diß ordtts Herbstein woll inn die dreh oder vier pfaffenn oder prister gc'wesenn, welche alle Ire pfrundtt auß der Kirchenn gehabt, welches ehr (Eckhardt) daß mehre theill Jzig zeidtt allein hedtt" und ebenda heißts von Eckhardt, daß er „Gottes Wordtt lerdtt" und daß in Herbstein „wenig Leudtt, die nicht bey ime inn Ehestandtt confirmirt worden", Httb evangelischen Pfarrer.") Der evangelische Chat- ratter des PfarrerS Eckhardt Dürfte sich auch für katholische Chronisten überzeugend in der Tatsache dokumentieren, daß & in ordentlicher Ehe lebte, mit seinem Eheweibe zehn Kinder zeugte und 1604 vom Fürstabt Balthasar von Dernbach abgesetzt und' ins Elend gejagt wurde, weil er sich nicht von seinem Weibe trennen und zum katholischen Glauben und Ritus bequemen wollte. Daß er bei seinem Aufzuge in Herbstein schon evangelisch war und seitdem mrt Zustimmung der Gemeinde evangelisch wirkte, geht daraus hervor, daß der evangelisch gesinnte Adel (insbes. die Von Milchling, Fischborn und Rieoesel) sich für seine Anstellung interelsterten, ihm Geld liehen und Besoldungsteile zuwandten, daß die Bürger Von Herbstein ihm, „weil er dazumal nicht viel zum' Besten gehabt", bei seiner Ankunft 3 R. „zur Stetoer" gaben und daß Bürgermeister, Rat und ganze Gemeinde zu Herbstein in erwähntem Schriftstück von 1581 ihm bezeugten und bekannten, daß sie ihrem Pfarrherrn seit seiner Ankunft „gehorcht, zue jeder geburenden Zeidtt bei ihm zue Gottes Wordtt ganngen und ann seyner Lehr niemals Einigenn mangell erfunden oder gehabtt." Auf Grund dieses erdrückenden Beweismaterials müssen wir die Notiz Bro- wers, daß Herbstein durch die Wachsamkeit und Sorge des Pfarrers Konrad Saun bis zum Jahre 1568 beim katholischen Glauben erhalten worden sei, als irrig ablehnen. Konrad Saun wurde, wie wir gesehen haben, bereits 1559, spätestens 1560, durch den evangelischen Pfarrer Valentin Eckhardt abgelöst. Es kann also spätestens das Jahr 1559 oder 1560 als das AnfangSjahr der angeblich allmählichen Durchführung der Reformation in der kirchlichen Praxis zu Herbstein angesp-rochen werden. Keinesfalls aber bedeutet das_ Jahr 1568 einen solchen Wendepunkt. Nach einem alten Herbsteiner Gerichtsbuch war 1568 in Herbstein „ein großes, Vestilenzialisch Sterben, wodurch 500 Menschen, jung und alt, umkamen." Es ist eine allgemeine, religionspsychologische Erfahrung, daß rn Notzeiten die Menschen eher zu einem Rückfall in alten, ■ abgetanen Glauben als zu' religiöser und kirchlicher Neuerung neigen. Also erscheint auch von hier aus die Annahme Browers und der ihm folgenden gedruckten Quellen als unwahrscheinlich. Ebenso unhaltbar ist die herkömmliche Annahme, daß Pfarrer Ludwig Reitz Nachfolger des Konrad Saun gewesen sei. Zwischen Saun und Eckhardt bleibt kein Raum Mehr für einen Dritten, und da Brower das bekannte Abenteuer des Pfarrers Reitz als im Jahre 1550 geschehen berichtet, fo müssen wir umgekehrt annehmen, daß Reitz der Vorgänger Launs gewesen ist. Wie aber steht's nun mit dem angeblich ersten evüngelischen Pfarrer zu Herbstein, Johannes Leining, der 1548 schon die Reformation daselbst eingeführt haben soll? Und wie steht's mit diesem Reformationsdatum überhaupt? Wir bemerkten schon, daß sich von einem Pfarrer Johannes Leining zu Herbstein keine archivalischen Spuren finden und daß er für Brower nicht als Pfarrer von Herbstein, sondern als in der ganzen Gegend berüchtigter Anführer der verkappten Reiter, die 1550 den kathol. Pfarrer Reitz gefangen nahmen, in Betracht kommt. Man ist versucht, die Ueberlieferung, daß Johannes Leining erster evangelischer Pfarrer von Herbstein gewesen fei, als geschichtlich nicht zu begründende Legende abzuweisen und anzunehmen, daß die Autoren, die 1548 als Refo rmationsjahr angeben, sich ähnlich geirrt haben könnten wie Brower, daß sie, während dieser das Reformationsjahr 9 Jahre zu spät ansetzte, es umgekehrt 11 Jahre zu früh angesetzt hätten, und also in Wirkrichkeit bloß das Jahr 1559 als solches in Betracht komme. Aber dem widerspricht ein Doppeltes. Einmal wird der Name Lemings Von fast allen fuldischen Chronisten und Geschichtsforschern genannt, unb dann wird von Hassenkamp und Äüff, welche beide auf 'Grund sorgfältiger archivalischer Quellenstudien gearbeitet haben, das Jahr 1548 so bestimmt und in so pointiertem geschichtlichem Zusammenhang als Reformationsjahr Herbsteins angegeben, daß man ohne zwingenden Grund an der Richtigkeit ihrer "Behauptung nicht zweifeln kann. Auch daß Brower, der 'fast noch als Zeitgenosse der Reformation angesehen werden kann Snd, wie mir Herr Archivdirektor Freiherr von Schenk zu Darm- adt mitteilte, in archivalischen Einzelheiten sich als zuverlässig erweist, den Namen des Joannes Lemingius, wenn auch als den eines Räuberhauptmannes, int Zusammenhang mit dem Pfarrer Reitz nennt, nötigt uns, mit diesem' Namen als einem geschichtlichen Faktum zu rechnen. Zum Glück aber besitzen wir noch das m. E. unanfechtbare Zeugnis eines wirklichen Zeitgenossen, das allen Zweifel über das, was wirklich 1548 in Herbstein Vorgegangen ist, in erwünschtester Weise behebt. Der tut Jnterimsstreit als Unionsmann bekannte fuldische Hof- theologe Witzel schreibt nämlich in einem „aulae caesäreäe oonsideranda hoc tempore" überschriebenen Bedenken vom Juli 1549: „Von den Chatten ober zunächst wohnenden Hessen wird das Buch der katholischen Ordnung (d. i. das Interim) so sehr verachtet und zurückgewiesen, daß man meinen könnte, ihr Äriovist (d. i. der gefangene Landgraf Philipp) fei los- gelassen. Es liegt da eine feste Stadt, wo jetzt erst ein abtrünniger Prediger herbeigeholt wurde, während vorher ein katholischer da war.") Zu Marburg blühte die Theologie Luthers nie so wie jetzt." EI besteht kein Zweifel, daß 'mit dem- im Bereiche der Hessen liegenden castrum nur das fuldische befestigte Städtchen Herbstein gemeint sein kann, denn es findet sich in der bezeichneten Gegend kein anderer fester Platz, auf den die Beschreibung paßt.") Kann aber nur Herbstein gemeint sein, dann ist klipp und klar der Beweis erbracht, daß bereits im Juli 15 49 Herbstein 'evangelisch war und daß also die übereinstimmend von Hassencamp und Büff überlieferte Nachricht, Herbstein sei bereits 15 48 öffentlich zum Luthertum übergetreten, tatsächlich richtig ist. Die Nachricht Witzels besagt weiter, daß in diesem Jahre der ftühere katholische Pfarrer nicht mehr vorhanden war und daß man, um den Uebertritt durchzusetzen, sich von außen her einen evangelischen Prediger herbei holte. Da der Stadtvorstand von Herbstein im Jahre 1581, als Pfarrer Eckhardt in einem verärgerten Augenblick seinen Abschied begehrte, erklärte, man wäre in besserer Zuversicht gegen "ihn und »erhoffe, daß er von seinem BovnehMen abstetze. „dann kein pfarherr des ortts Herbstein abg^ogen, sonderen durch denn nattürlichenn Dodtt", so ist anzunehmen, daß der bis 1548 in Herbstein amtierende katholische Geistliche gestorben oder Versetzt worden und nicht etwa gewaltsam verdrängt worden war. Da ferner nach Brower 1550 wieder ein katholischer Pfarrer Namens Ludwig Reitz in 'Herbstein angestellt war, Jo ist anzunehmen, daß der von der evangelisch gesinnten Gemernde Herbstein 1548 herbeigerufene evangelische Prediger enttoeber vom katholischen Abt, der damals in Herbstein das unbeschränkte Pfarr- besetzungsrecht hatte, nicht bestätigt wurde oder daß er gar nicht auf Anstellung in Herbstein reflektierte. Das alles drängt mich zu der Vermutung, daß der in diesem Zusammenhang als erster evangelischer Pfarrer Herbsteins bzw. als „wilder Räuber" genannte Joannes Leiningius kein anderer war als der bekannte Hoftheologe des Landgrafen Philipp, Johannes Leining, der damals Pfarrer zu Melsungen war unb als Mitglied der JnterimskomMission viel im Hefsenlande umherreiste unb sich aus Gefälligkeit gegen den gefangenen unb sich nach Freiheit sehnenden Fürsten allenthalben um Annahme des kaiserlichen Interims bemühte.") Da die Herbstein benachbarten Riedesel auch in und Um Melsungen begütert waren, dürfte durch ihre Vermittlung Leining nach Herbstein gekommen fein. Offenbar hatten die Medesel ein großes Interesse an der Zuführung der Reformation in Herbstein. Vielleicht auch hegten sie bei der 1548 eingetretenen Pfarr- vakanz im Einverständnis Mit der Herbsteiner Bürgerschaft die Absicht, den ihnen bekannten Pfarrer von Melsungen zum Pfarrer von Herbstein zu machen. Da aber der durch die Erfolge der kaiserlichen unb päpstlichen Politik und durch die (gefangennähme der Häupter des fchmalkaldischen Bundes wieder in seinen reaktionären Bestrebungen stark gewordene Abt Philipp von Schweins- herg diese Pläne durchkreuzte und der evangelisch gesinnten Stadt Herbstein und der evangelischen Ritterschaft zum Trotz bett Katholiken Ludwig Reitz zum Pfarrer von Herbstein ernannte, entschloß man sich zur Obstruktion, und so fällt auch auf die von Brower erzählte Räubergeschichte eine gewisse geschichtliche Beleuchtung. Man half sich eben, wie man sich damals allein Helfen konnte, man. ließ Macht vor Recht gehen unb entfernte durch einen kühnen Handstreich bett von Fulda den Herbsteinern in Mißachtung ihres erklärten llebertritts zum Luthertum auf» genötigten katholischen Priester Reitz heimlich auf das damals den Riedeseln vom Landgrafen verpfändete Schloß Ulrichstein. Wir lassen es dahingestellt, ob der Gefangene durch Unachtsamkeit der Burgleute wieber, wie erzählt wird, bald entfliehen „A Cattis seu Hassis proximis adeo contemnitur atque reicitur ordinationis catholicae über, ut diceres, Ariovistum libe- ratum suum esse. Est castrum ubi nunc primum accersitus sit schismaticus preco, cum antea fuerit catholicus. Marpurgi numquam perinde • floruit theologia Lutheri atque nunc.“ Nach Herrmann, Tas Interim in Hessen, S. 90 f. 16) So nimmt auch Herrmann a. a. O. an. 17) Ilm 4. Januar 1549 schreibt der Landgraf: „Sagt dem Pfarhcrn zu Melfungen gute Nacht unb daß er im Interim fort- fahre." S. Herrmann, Interim S. 63. Trotz seiner oft ärgernis- erregenben Konnivenz gegen die persönlichen Wünsche des Landgrafen (z. B. audji 'ich der skandalösen Doppelehe), die ihm viel Haß und Spott einbrachte, hat Johannes Leitting unstreitige Verdienste um die Sache der Reformation. So unterschrieb er auch u. a. die geharnischte Erklärung der hessischen Geistlichen gegen beit Bischof von Mainz, als dieser unter dem Vorwand der Durchführung des Interims sie wieder unter die Jurisdiktion feines Krummstabes zu bringen suchte. 972 — konnte, oder ob man ittit ttrodber auf kremt Nitz ,Me . man eine Aagd wegen Landfriedensbruch fürchtete. Möglich ist auch, daß man den Gefangenen wie s. Zt. den gefangenen katholischen Priester Rübsamen von Freiensteinau Urfehde schwören und dann ziehen ließ. Jedenfalls aber scheint es mit der Pfarrherrlichkeit Reitzens zu Herbstein bald aus gewesen zu sein, denn schon 1555 erscheint Konrad Sann als Pfarrer in Herbstekm Auch er war bei der evangelisch gesinnten Bevölkerung nickt auf Rosen 'gebettet.") Nur dem Scheine nach und unter dem Schuh des fuldischen Amtmanns konnte er den katholischen Kultus aufrecht erhalten. Es waren, wie Brower mit Recht sagt, nur noch vestigia antiqui ritus, b. h. leere, der lebendigen Resonanz in der Gemeinde entbehrende Formen und Formeln, die Saun mühsam in Uebuug erhielt, bis dann nach seinem 1558 erfolgten Tode dank der inzwischen für die Protestanten günstiger gewordenen Zeitläufte und auf Grund des Augsburger Religions- fnebenS18) der von der Gemeinde lang ersehnte Tag kam, an dem in Valentin Eckhardt der erste evangelische Pfarrer in Herbstein einziehen und di« toten „vestigia antiqui ritus" zwar Nicht, wie Brolver meint, mit „Lutheri vanitate" (Luthers Nichtigkeit) aber mit neuem evangelischem Glaubensleben erfüllen und Weihrauchfaß und Meßgeivand in die Rumpelkammer tun konnte, bis sie di« „glaubenseifrigen" Jesuiten Balthasars von Dernbach, tote wir später sehen werden, 1604 wieder buchstäblich hervorholen und unter gewaltsamer Verdrängung Eckhardts und unter dem Schutze fuldischer Amts- und Krtegsleute wieder zu Ehren bringen konnten. Bis dahin aber durfte fortan ungestört das Evangelium in her Stadtktrche gu Herbstein lauter und rein gepredigt und das Abendmahl in beiderlei Gestalt gespendet werden. Wie im ganzen Vogelsberg, so lang man auch in Herbstein in der zweiten Hälfte des Jahr« hunderts evangelische Lieder im Gottesdienst, tauftedieKindernachlutherischemRitusundmit deutschem Gebet an dem vom evangelischen in Herbstein begüterten Adel damals freudig in die Kirche gestifteten und noch letzt benutzten kunstvollen Tauf st ein, las Luthers deutsche Bibel vor und lehrte Luthers kleinen Katechismus. So gut Engelisch waren die Herbsteiner in dieser Zeit, daß sie sich ar weigerten, den von der fuldischen Regierung am 22. Sep- 6er 1585 anbefohlenen „katholischen" (b. h. Gregorianischen) Kalender anzunehmen und daß mehrere Bürger gestraft werden mußten, weil si« „ufss nechst verschiene 'Christvest sich solchem! fürstlichen Bevelch ungehorsamlich widersetzt und aufs genanntes vest gnu ander ortt außerhalb dieser Herrschaft ihr arbeytt gesucht. Irr den benachbarten landgräflichen Orten feierte man das Weihnachtsfest noch nach dem alten Julianischen Kalender, also 12 Tage später. (Fortsetzung folgt.) 18) Bezeichnend ist, daß die Urkunden von ihm nur zu melden wissen, daß er der Frühmesserei und berrt Hospital gehörige Grundstücke billig an bi« Stadt verkaufte, wahrscheinlich Um feine durch Ausfall der Seelenmessen usw. gekürzten Einnahmen aufzubessern, und daß man ihm Gefälle der Frühmesserei streitig machte. I9) Die Nebendeklaration des römischen Königs Ferdinand zum Augsburger Religionsfrieden vom 24. September 1555 gestand den Protestanten als Gegengewicht gegen den geistlichen Vorbehalt zu, daß „der Geistlichere (d. h. geistlichen Fürsten) eigen Ritterschaft, Stat und CommUnen, welche lange Zeit und ihar her der Äugsburgisch!en Consession, Religion, glauben, Kirchengebräuchen, Ordnungen und Ceremonien öffentltch gehalten und gebraucht und bis auff heut Dato noch also halten und gebrauchen, von derselben ihrer Religion nnvergewaltiget gelassen werden sollen." Im übrigen aber gewährt der Religionsftrede bekanntlich nur den Reichsständen, nicht aber den einzelnen Untertanen Religionsfreiheit. vermischtes. * Aus den Puffern. Zwei englische Matrosen wollten vor kurzem auf die billigste Weise von London nach ihrer schottischen Heimat kommen. Was konnten sie Besseres tun, denn als ^blinde Passagiere" auf den Puffern des berühmten Flying Scotchman zu reisen! Aber die Sache war einfacher gedacht- als getan! Schwer war es nicht, in Euston, dem Londoner Uusgangsbahnhof des Zuges, auf die Puffer eines Wagens zu gelangen. Aber kaum hatte sich der Zug in Bewegung gesetzt, als bte beiden Seeleute auch schon gräßliche Qualen erduldeten- Und diese erreichten ihren Höhepunkt, als kurz nacheinander drei Tunnels passtert wurden. Der Rauch betäubte sie und durch die aus dem Schornstein herauSgeschleuderten glühenden Uschenieilchen erlitten sie Brandwunden im Gesicht und an den Händen. Mehr tot als lebendig kamen sie am ersten Haltepunkt, in Crewe, an, wo ste bei ihrer Entdeckung sofort in ärztliche Behandlung gegeben werden mußten. kf. Das kluge Rotschwänzchen. Eine hübsche B« obachtung über die Klugheit eines Rotschwänzchens teilt ein Mch arbeitet des „Kosmos" mit. Kürzlich hatte er Gelegenheit zu sehen, wie ein Hausrotschwänzchen sich abmühte, ein wohl zum erstenmal ausgeflogenes Junges wieder ins Nest hinaus aufs Dach zu bekommen. Das Junge saß auf dem Zaune eines Vorgartens, das alte oben auf der Dachrinne eines 2VsstöÄgen Nach- barhauses und lockte zum Schlafengehen. Der Versuch des Jungen, so steil hiuaufzufliegen, mißlang. In halber Höhe sank es an der Hauswand entlang auf das Fenstersims des ersten Stock- Werkes. Da kam der alte Vogel zu ihm geflogen und flog dann guf den etwas höheren und weiter vom Hans entfernten Zaun. Von hier ans lockte er wieder, bis das Junge kam; dann flog er auf den unteren Vorsprung des Erkers im zweiten Stocke des Nachbarhauses, von dort aus auf das Dach des Erkers und von da schließlich zur Dachrinne, so daß der steile Fsug durch einen Zickzackflug mit sanfteren Steigerungen ersetzt wurde. Die Zimmerpflanzen und ihre pflege. Woche vom 18.—21. Juni. Wir fahren mit den Aussaaten fort. Zweckmäßig aber für den, der vielerlei auSsät, ist es, die Töpfe und Kästen, die man durch Holzstäbchen oder haltbaren Bindfaden in Fächer einteilt- genau mit den Namen und Aussaatzeiten der etnzelnen Aussaaten, auf Holzetiketten oder bergt, zu versehen. — Wir empfehlen zur ÄuSsaat von Steinbrech (Saxifraga) bte Arten: sarmentosa (Judenbart) fitr Ampeln, den man durch Ausläufer vermehrt, granulata, gefüllt: ferner umbrosa, geum, Burseriana und Coty- ledon, bte man teils durch Ausläufer, teils durch Knöllchen vermehrt. Lockere, kalkhaltige Erde jederart, noch ohne Misterds, und kleine Töpfe sagen den erstarkten Sämlingen zu. Mit dem Steinbrech sät man auch die schöne und zierliche, rosa-fleischfarbige Heuchera au8 und behandelt sie ebenso wie jene. — Die Verbena (Lipipia) citriodpra (oder triphhlla), die sich durch ihren Dust von den übrigen Verbenen unterscheidet, sät man entweder mit jenen im Januar-Februar, besser aber jefet au8; ste wird wie jene durch Stecklinge und Ableger vermehrt und liebt einen nahrhaften, sandigen Boden ohne Mist- und Lauberde. — Die glühend-rote Rochea (wir empfehlen versieolor und odorata) lieben denselben Boden und kleine Topfe; auch si» kann matt letzt aussäen. — Die Bouvardien werden halbschattig und feucht gehalten, dem Heliotrop für WinterblAs die Knospen genommen und die Zitronen und Orangen (mir empfehlen die Zwergorange (Citrus! chinensis) sonnig gestellt und gut bewässert. : Stecklinge und Ausläufer macht man jetzt von der Doldenrebe (Ämpelopsis) einer Abart des wilden Weins, die mit den marmorierten Blättern Ampeln und Blumentisch ziert und überaus leicht zu kultivieren ist; ferner von Erdb eer-Duchesne« (Heide- und Moorerde!) und von derM itta gsb lume (Mesen- brianthum, auch Eiskraut, Zaserblume u. a. genannt) im Zimmer unter Glasglocken wachsen diese am besten. — Die Schildblume (Aspidistra) verträgt zwar sehr titel Schatten, Kälte und Wärme und sorglose Behandlung, aber für etwas Pflege (Laub- und sandige Gartenerde), Reinigen und zeitweises Düngen ist sie umso dankbarer. Die buntblättrige Abart ist, tote überall, so auch hier, empfindlicher und anspruchsvoller. Man pflanzt diese Blattpflanzen selten um, und teilt sie, weich Iftadj Sebürfni8 werden die krautartigen, raschwüchsigen Pflanzen um getopft, z. B. Abütilon, Geranien, Heliotrop, Primeln, Fuchsienstecklinge usw. Der Würzelballen wird dabei geschont. Der Zierspargel (Asparagus) und die Med6ola erhalten dabei Lauberde, gemischt mit Mistbeeterde und getrocknetem Kuhdünger und gute Scherbeneinlage für Wasser abzug. Ueberall wird fleißig gedüngt; aber mit Ausnahme der kranken und noch nicht durchwurzelten Pflanzen. Äste chinesischen Primeln (PrimUla chinensis) werden bis «Ur Knospenbildung kühl, halbschattig und gleichmäßig feucht gehalten; erst später wärmer, doch ist ihnen auch während der Blüte eilte Temperatur von höchstens 15 Grad C am zuträglichsten; meist läßt .matt sie auch im Winter blühen. Nach der Blüte wirst! matt sie fort. Magischer Quadrat I In die Felder nebenstehenden Quadrats sind ___bte SBucbftaben AAEEEHHLLMOORR 8 8 derart einzutragen, daß die wagerechten u. ---senkrecht. Reihen gleichlautend folgendes bedeuten: 1. Ein Tier. --- 2. Römische Gottheit. 3. Ungarisches Komitai. 4. Einen Baum. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Zitatenrätsels in voriger Nummert Wer vieles bringt, ivird manchem etwas bringen. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag her Brühl'schen UmversttätS-Buch- und Steindruckerei, R. Lang«,