!t«1 I k iHl! iUin WFj t. j]V K^^wwl ’JI i Eu^^MHWs Wß [lUJuiif i Der König von Thule. Roman von Paul Gräbern. (Nachdruck verboten.^ (Fortsetzung.) Wie sie sich zu beherrschen, zu verstellen wußte, so leicht, spielend! War es nicht eigentlich aber eine etwas bedenkliche Kunst? Er hatte sie, allein mit ihm, immer so ganz anders gesehen, so offen, ohne jedes Falsch. So hatte sie ihm unvergleichlich besser gefallen. Die glatte Maske der Weltdame nun berührte ihn peinlich an ihr. Sein Ton wurde daher unwillkürlich noch kühler und formeller, als er jetzt auf ihre Aufforderung mit einer leichten Verbeugung erwiderte: „Vielen Dank, guädrge Frau! Sie sind wirklich sehr gütig." Verwundert sah sie zu ihm auf. Was hatte er denn? Warum war er denn so gemessen zu ihr? Statt auf ihren Ton einzugehen und ihr unter einem Scherz zu verstehen zu geben, daß er verstand, wie es gemeint war? Aber seine Miene blieb unverändert ernst, und mit einem Seitenblick auf Neidhardt fügte er hinzu: „Der Herr Kapitän war bereits auch so freundlich —" Der alte Seemann glaubte nun, den neuen Bekannten in die allgemeine Unterhaltung ziehen zu sollen. „Aber ja, Herr Doktor! Verfügen Sie ganz über mich. Wenn ich Ihnen irgendwie dienen, Sie noch sonstwo bekannt machen soll? Aber Sie werden sich unfehlbar bald einleben. Es ist ja ganz famos hier auf unserem Schiffchen, namentlich in unserer engeren Gesellschaft." Und die Konversation wurde nun allgemein. Längere Zeit saß man so beisammen in lebhaftem Geplauder, das allerdings in der Hauptsache von dem gesprächigen Kapitän und dem Ehepaar geführt wurde. Frau Söllnitz war, infolge Amthors so merkwürdigen Wesens, heute gegen ihre Gewohnheit schweigsam, und auch der fremde Doktor schien kein Freund überflüssiger Worte zu sein, wennschon er sein Interesse an der Unterhaltung durch gelegentliche Bemerkungen bekundete. Wenn sie sich von den anderen unbeobachtet glaubte, warf die junge Frau oftmals einen Blick zu ihm; aber er erwiderte ihn nicht. Er war offenbar, nachdem sie einmal die Parole des Verleugnens ihrer näheren Bekanntschaft ausgegeben hatte, nun ganz konsequent und wollte auch von heimlichen Vertraulichkeiten nichts wissen. Eva Söllnitz quälte nachgerade dies ihr unverständliche Verhalten. Sie merkte ja nur zu deutlich, daß er verstimmt über sie war; aber so sehr sie sich auch insgeheim zergrübelte, sie fand nichts in ihrem Benehmen, das ihm begründeten Anlaß gegeben hätte. Eine Traurigkeit kam schließlich über sie. War das nun die Freude, die sie sich io ersehnt batte? Ihre Nerven fingen so wieder an, sich zu melden, und es war keine Ausflucht, als sie plötzlich aufstand und erllärte: „Entschuldigen Sie, meine Herrschaften, aber ich merke, ich darf mir doch noch nicht zu viel zumuten. Ich w N mich lieber zurückziehen — auf Wiedersehen." Und schnell ging sie davon, offenbar, um sich in ihre Kabine zu begeben. Amthor hatte sie bei ihren Worten mit seinem still prüfenden Blick angesehen. Wirklich, sie sah blaß und angegriffen aus; das wenigstens war keine Vorspiegelung. „Frau Söllnitz war heute schon den ganzen Tag über nicht ganz wohl?" erkundigte er sich bei ihren Bekannten. „O, leider nein!" gab Mrs. Sanderham Auskunft, in ihrem gewandten, aber fremd llingenden Deutsch. „Sie llagte schon gestern in dem Nachmittag, gleich wie sie kam an Bord, über starkem Kopfschmerz und ist bis zum Diner heut den ganzen Tag unten geblieben in ihre Kabine." „O," ein bedauernder Laut kam von Amthors Lippen. Seit gestern nachmittag schon! Also seit der Rückkehr von ihrem Ritt, seit dem Abschied von ihm! Ein warmes Gefühl quoll ihm wieder im Herzen hoch. Also echt und tief war ihr Fühlen doch trotz der Schauspielermaske, die sie leider vor den Leuten trug. Und ein Empfinden von Reue überkam ihn, daß er sie eben die ganze Zeit über so kühl behandelt hatte, trotz ihrer geheimen bittenden Blicke, die er wohl bemerkt hatte. Wenn er ihr doch wenigstens jetzt noch ein freundliches Wort hätte sagen können! Aber es war ja nun zu spät. Sie hatte sich bereits in ihre Kabine zurückgezogen, gewiß um wieder eine neue schlechte Nacht zu verbringen — seinetwegen. Er stand auf, von innerer Unruhe getrieben. Auch die anderen erhoben sich. Der Kapitän sah nach der Uhr. „Na, da können wir wohl unseren gewohnten Schlummertrunk nehmen. Kommen Sie mit, Herr Doktor?" „Vielen Dank!" lehnte Amthor ab. „Aber ich möchte lieber noch eine kleine Promenade machen." „Nun, dann gut' Nacht!" Die Herrschaften reichten ihm alle freundlich die Hand und gingen dem Rauchsalon zu, wo sie stets noch ein Glas Pilsner vorm Schlafengehen zu trinken pflegten. Auch die Amerikaner hatten diese gute deutsche Sitte schnell angenommen. Amthor begann in der Tat, seinen Deckspaziergang anzutreten. Seinen Gedanken nachhängend, schritt er den breiten geschützten Gang hinunter, der im langen Rechteck rings um die Kajüten und Kabinen der ersten Klasse 'führte. Aber bald störte ihn der rege Verkehr, der hier noch herrschte, obschon es fast zehn Uhr war. Der Abend war, nördlich des Polarkreises, ja taghell und, da man noch im Bereich des Golfstromes fuhr, sommerlich mild; allenthalben saßen daher noch auf den Bänken oder Deckstühlen die Passagiere plaudernd zusammen. Amthor fühlte sich im Vorübergehen an den einzelnen Gruppen durch die neugierigen Bllcke gestört, die ihn, den neuen Schiffs genossen, vielfach trafen. 238 Er verließ dahier das Promenadendeck und stieg die Treppe zum Zwischendeck hinunter, aber da hier wieder die dienstfreien Matrosen und Stewards herumstanden,, so klomm er am anderen Ende die Stufen zur, Back hinaus, dem hochragenden Vorderdeck, das ganz frei war, wie es rhm schien. Ein frischer Luftzug empfing ihn hier oben,. Ah', das tat wohl! Fester drückte er sich die Bordmütze ms Gesicht und schritt vorwärts, nach dem Bug hin. Aber tote er um die mannshohen Ventilatoren bei der Ankertornde bog, erblickt er ganz vorn an der Spitze eine weibliche. Gestalt, die, über das Eisengeländer gelehnt, regungslos hmab tns Wasser blickte. Mso auch hier wieder ein Mensch! Gab' es denn kein Plätzchen auf dem ganzen Schiff, wo man einmal altein sein konnte? Aergerlich wollte er gleich wieder umkehren, aber da faßte sein Auge die dunkle Silhouette jener Frauengestalt da vorn genauer auf, und sein Fuß stockte: täuschte er sich, oder war das wirklich da vorn Frau Söllnitz? Einen Augenblick zögerte er noch, dann trat er zu ihr hin. Wahrhaftig, sie war es wirklich! Der kräftig wehende Gegenstrom, den das Schiff beim Durchschneiden der Luft erzeugte und der die Haare um Schläfe und Nacken der jungen Frau flattern ließ, nmßte das Geräusch seiner Tritte ganz übertönt haben, denn sie fuhr zusammen, als da plötzlich neben ihr eine Stimme erscholl. „Verzeihung, wenn ich Sie erschreckte!" bat er, Uun dicht an ihre Seite tretend. „Also sind Sie's doch. Ich glaubte Sie schon längst in Ihrer Kabine." Ein ernster, stiller Blick traf ihn. „Ich würde doch keine Ruhe finden," erklärte sie, dann den Kopf wieder nach vorn wendend, in den Wind hinein. „Die Luft tut meinen Nerven wohl." Er zauderte noch einen Moment, dann sagte er leise: „Sie sind mir böse." Auch sie erwiderte nicht gleich. Sie kämpfte offenbar Mit sich, ob sie ihm ihr wahres Empfinden zeigen sollte; aber dann kehrte sie ihm das Gesicht zu. „Warum waren Sie vorhin so abweisend zu mir?" Die leise Trauer in Ton und Blick bei ihr rührten ihn. „Verzeihen Sie mir!" bat er warm. „Ich habe mir schon selbst Vorwürfe darüber gemacht." Ihr immer noch ernstes Gesicht hellte sich leise auf; aber sie fragte noch einmal: „Warum waren Sie denn so? Ich habe mir ja den Kopf darüber zerbrochen." Gespannt blickte sie auf ihn. Er suchte nach den rechten Worten, um sie nicht zu -erletzen; dann begann er langsam, überlegend: „Ich bin vielletcht sonderbar in der Beziehung — es ist vielleicht Weltfremdheit infolge meines zurückgezogenen Lebens — aber ich kann mir nicht helfen: es fällt mrr schwer, mich an Sie zu gewöhnen, wie Sie sich heute gaben." Sie blickte ihn erstaunt an: „Aber wie denn? Ich gab mich doch heut wie immer!" „Eben darum!" bestätigte er ernst. „Ich muß leider merken, daß Sie unter Menschen eine andere sind als sonst." Betroffen sah sie ihn an. Allerlei Gedanken stürmten auf sie ein. Sollte er an der Aufrichtigkeit ihrer Empfindungen zweifeln? Mein Gott, sie hatte ihm doch so deutlich durch geheime Zeichen zu erkennen gegeben, wie glücklich sie über sein Kommen gewesen war! „Ich verstehe Sie nicht," bekannte sie leise, gequält. -.Bitte, sagen Sie mir doch deutlicher, was Sie meinen." „Nun gut!" Er beschloß, jetzt ganz rückhaltlos zu reden. „Sehen Sie, was mir gerade so gut an Ihnen gefiel, das absolut Wahrhafte und Aufrichtige, das verdunkelt sich so au diesem neuen Bilde, das Sie hier von sich zeigen." Sie sah ihn erschrocken, mit großen Augen an. „Hier sind Sie so ganz Weltdame, in jedem Moment bestrebt, Ihr wahres Gefühlsleben ängstlich hinter einer lächelnden und tändelnden Maske zu verbergen, auch da, wo es nicht notwendig wäre." „Und wo wäre das zum Beispiel?" Eine tiefe Ver- letztheit spracht aus ihrem Ton. „Warum verheimlichen Sie Ihren Freunden ganz unser gutes Bekanntsein? — Warum empfingen Sie mich wie einen ganz Fremden, den Sie etwa nur einmal flüchtig gesehen haben? Ich muß Ihnen ganz offen gestehen: es hat mich das sehr peinlich 'berührt. Ich bin kein Freund von schiefen Positionen und Heimlichtuereien. Warum zeigen Sie nicht aller Welt frei, daß wir gute Freunde sind? Es ist doch nichts Unrechtes, dessen wir uns zu schämen brauchten!" Sie gab keine Antwort. Unbehaglich stand sie, in das Meer zu ihren Füßen hinabblickend; aber es zuckte verräterisch in ihrem Gesicht. „So reden Sie doch!" drängte er. „Habe ich denn nicht recht?" Da kam es langsam von ihren Lippen, und sie zitterte während (des (Sprechens «vor innerster Erregung: „Sie wissen nicht, wie weh Sie mir tun in diesem Augenblick. Was ch tat, geschah doch nicht aus Feigheit oder Falschheit! Aber Sie kennen die Welt nicht; nicht die, in der ich lebe — die auf diesem Schiff hier. Ich habe nichts mehr als meinen guten Rus ■— Sie wissen es ja. Soll ich den auch noch aufs Spiel setzen? Ohne zwingenden Grund! Oder meinen Sie, diese Leute hier ringsum, die mich mit Argusaugen bewachen, um endlich den gewünschten dunkeln Fleck an mir zu entdecken, sie würden es ohne weiteres begreiflich finden, daß wir in den paar Tagen so schnell Freunde geworden sind? Würden an die Harmlosigkeit dieser Freundschaft glauben? — Nein!" schloß sie mit tiefster Bitterkeit, „davon können Sie mich nicht überzeugen. Ich kenne diese Menschen besser, die ich — leider! — -tagtäglich um mich sehe. Aber gleichviel! Da Sie meine Vorqrchr für unwürdig halten, gut — so will ich sie sortan fallen lassen. Ich will Sie nicht in eine schiefe Lage bringen, die Sie mit Ihren Grundsätzen nicht vereinbaren können. Entschlossen richtete sie sich auf. (Fortsetzung folgt.) Der Inhalt des freimaurerischen hnmanitötsgedankeirs. Vor zwei Jahren erschien in Frankreich ein Buch des AbbS Emmanuel Barbie: Les infiltrations maconniques dans l’Eglise, welches die verderblichen Einflüsse der Maurerei in die Kirche nachweisen sollte. Leider hatte der Verfasser hierbei das Unglück, daß er nicht die Freimaurer, sondern Rosenkreuzer und diesen verwandte Gesellschaften als die Träger des kirchenfeindlichen Bazillus anführte. Bei den Angriffen auf die Freimaurerei kann man häufig bemerken, daß ihr völlig fernstehende und wesensverschiedene Gesellschaften mit ihr verwechselt werden, und die Freimaurerei Sünden tragen muß, die andere verbrochen haben. Auf dem letzten Mvnistenkongresse in Hamburg ist es vorgekommcn, daß einer der Leiter des Monistenbundcs eure Erklärung im Namen der deutschen Freimaurerei abgab, obgleich er dem Freimaurerbunde nicht angehört und dieser mit dem Monismus nichts zu tun hat. Solche Verwechslungen und Unrichtigkeiten können nur vorkommen, weil über das Wesen der Freimaurerei grundfalsche Vorstellungen herrschen. Der Verein deutscher Freimaurer hat sich seit Jahren bemüht, hierüber Aufklärung zu schaffen und hat im letzten Jahre zwei Schriften preisgekrönt, welche die von seinem Vorstande gestellte Preisfrage: Der Inhalt des freimaurerischen Humanitätsgcdankens, beantwortet haben. Keller in seinem Buche über die geistigen Grundlagen der Freimaurerei und Starcke in der Schrift über die Freimaurerei als Lebens- kunst.*) Keller behandelt seinen Stoss historisch und läßt die Entstehung und Entwicklung des Begriffes „Humanität" an unserem Auge vorbeiziehen, zeigt, welchen Inhalt er in den verschiedenen Kulturepochen gehabt hat und das dem freimaurerischen Humanü tätsbegriffe Charakteristische. Wer ein geistiges Gebilde recht verstehen will, darf nicht allein dessen gegenwärtige Erscheinung betrachten, sondern muß zu fernem Ursprünge hinaufsteigen und den Lauf seiner Entwicklung verfolgen. Historia magistra! So verfährt die neuere Theologie, so jede Wissenschaft. Wenn «N Bund, der die Mitarbeit an dem Kulturfortschritt sich als Aufgabe gestellt hat, nicht auf einer sicheren geistigen Grundlage! ruht, wenn er nicht in dem allgemeinen Strome der Menschhecks- entwicklung eingeschlossen ist und nicht im Leben der Gegenwart eine Bedeutung aufweisen kann, so wird es bald um ihn ge-- schehen sein. v. ,, , Der Freimaurerbund ist ein solcher; gelingt es rhm nach- zuweisen, daß sein geistiger Inhalt eine sichere Grundlage hat, daß diese zugleich eine Grundlage der Geistesentwicklung überhaupt ist, so ist damit seine Daseinsberechtigung erwiesen. Der Inhalt der Freimaurerei ist die H u m a n i t ä t. Für den Bund bedeutet dieser Begriff das Ideal der höchsten Vollkommenheit; *) Die geistigen Grundlagen der Freimaurerei und das öffentliche Leben. Ludwig Keller, (Geh. Archivrat), Jena bet Eugen Diederichs. Freimaurerei als Lebenskunst. Tr. E. vc. Starcke, (Universitätsprofessor in Kopenhagen). Berlin vn Franz Wunder. 239 für seine Widersacher einen elenden Gößen (S. Pachtler, der Götze der Humanität). Wiel die Humanität, so haben auch die Begriffe „Philosophie" und „Religion" ihren Inhalt verändert; andere Zeiten und andere Denkerkreise gaben dem Worte eine andere Bedeutung. In dem Kreise der römischen Welt des 2. Jahrhunderts vor Christus, Ivelcher der sokratisch-platonischen Philosophie sich zuerst geöffnet hatte, wurde dem Worte „Humanität" zuerst ein tieferer Sinn beigelegt: die Idee von dem unendlichen Werte der Menschenseele, eine Idee, welche Seneca in die Worte faßte: Homo res sacra homini, d. h. der Mensch soll dem Menschen heilig sein, und die später als Achtung vor dem Menschen als solchem, abgesehen von allen äußeren Zufälligkeiten, lebendig wurde. Unter den römischen Cäsaren verlor das Wort an Wert und sank zu der Bedeutung von „Wohlerzogenheit", „Bildung" und „milder Denkart" herab. Das Christentum gab ihm neuen Inhalt, und das Zeitalter der Renaissance brachte es von neuem zu Ehren, so daß diese ganze Zeit mit dem Namen des „Humanismus" und die Anhänger dieser Geistesrichtung als „Humanisten" bezeichnet wurden. Die humanistische Denkweise stand immer im Gegensätze zu den in Staat und Kirche herrschenden Parteien, ebenso wie Jesus im Kampfe stand Mit Schriftgelehrten und Pharisäern und Paulus mit den griechischen Philosophen. Aller Zwang in der Regierung von Staat und Kirche drückte die Humanität nieder, alle Freiheit hob sie wieder auf; so bedeutete „Humanität" die bürgerliche und religiöse Freiheit und die innere Freiheit der Person von jedem außer ihr liegenden Zwange: die sittliche Freiheit. Die Kämpfer für die Humanität, die Galilei, Baco, Grotius, Comenius, Leibniz, sind zugleich die Bahnbrecher des kulturellen Fortschritts. Sie befreiten die Menschheit von der Vorstellung von bevorzugten Völkern, Ständen und allein seligmachenden Religionen und stellten die Idee der Einheit des Geschaffenen und einer allen Menschen eignenden allgemeinen Menschheitsreligion auf. Die Humanität erhielt damit die Bedeutung „Einheit des Menschengeschlechtes; alle Menschen sind Kinder eines Vaters und somit Brüder". Naturphilosophie und Idealismus brachten ihren Beitrag zu dem Inhalt hinzu, und mit diesem Gedankeninhalt kam die Humanität im Jahre 1717 in die in London gegründete erste freimaurerische Groß- l o g e. Seit dieser Zeit ruht die in der ganzen Welt verbreitete Freimaurerei auf der Grundlage der Humanität, der Geistes- richttmg, welche in der Entwicklung der Kultur klärend, einigend und befreiend genstrkt hat und welche als Träger des Idealismus überall die Fackel voranträgt. Fügt sich die Freimaurerei, wie im vorstehenden dargelegt, in die allgemeine Menschheitsentwicklung ein, so hat sie doch durch ihre äußere Geschichte, und durch die Ausprägung besonderer Seiten des Humanitätsgedankens etwas eigenartiges, das sie von anderen Vereinigungen unterscheidet. Aus der Ueberzeugung von der Einheit des Menschengeschlechtes erwächst die Menschen- und Bruderliebe, die Bezeichnung der Bundesmitglieder als Brüder, die im großen Umfange geübte Werktätigkeit; weiter die Pflicht der Duldung jeder ehrlichen Ueberzeugung, nicht nur der religiösen, die Achtung vor dem wahren inneren Werte des Menschen, einerlei in welchem Gewände er einhergeht; die Idee der Freiheit des Denkens und Handelns, welche einerseits jedes Dogma, es mag politisch, religiös, wirtschaftlich oder sonstwie sein, verwirft, anderseits als Freiheit des Willens sich nicht von Naturtrieben, sondern allein von dem Sittengesetze leiten läßt; die Ueberzeugung, daß das Endziel aller Entwicklung, des einzelnen wie der Menschheit, die Vollkommenheit ist, woraus die Pflicht der Selbstveredlung Und Selbsterziehung erwächst. Als Bekenner der Religion, in welcher alle Menschen übereinstimmen, überlassen die Freimaurer die Ausgestaltung des Gottesbegriffcs jedem einzelnen und verehren Gott, den Vater aller Menschen, unter dem Symbol des Baumeisters des Weltalls. Sie schätzen die Gottes- und Menschenliebe höher als den Glauben, das Tun höher als das Lehren und bilden daher eine Gesinnungs- und Strebensgemeinschaft, aber keine Glaubensgemeinschaft. Ihr Strebeziel, die Vollkommenheit, ist ein Ideal; die endliche Enigung der Menschen in einem großen Bunde von Brüdern und Schwestern, die vollkommene Freiheit dieser so geeinigten Menschen von der Herrschaft des Sinnlichen, der höchste Glückszustand dieser sittlich reinen Men- fchengesellschast, den die Freimaurer unter dem Symbol eines Tempels der Menschheit erstreben, und der sonst als Reich Gottes symbolisiert wird, ist das Ideal dör Menschheitsentwicklung überhaupt. Tie Ausübung der Freimaurerei Wegen ihre Anhänger als „königliche Kunst" zu bezeichnen, als die Kunst, die eigne Seele wie die Menschheit zur Wohnung des Ewigen zu erbauen. Von dieser freimaurerischen Lebenskunst handelt das Starckesche Buch im besonderen. Die Kunst des Lebens besteht darin, es als ein Ganzes harmonisch zu entfalten; das ist jedoch nur dem möglich, welcher das Sittengesetz erkennt und ihm int innersten seiner Seele gehorcht. Das Ringen und Streben nach Glückseligkeit auf dem Grunde des Sittengesetzes legt die Freimaurerei ihren Gliedern als ernste Pflicht auf. Da sie das Sittengesetz als allgemein verbindlich erkennt, kann sie nicht in den pharisäischen Hochmut fallen, sich für eine ganz ausnahmsweise fortgeschrittene sittliche Gesellschaft oder gar ftir allein seligmachend zu halten, sondern sie! erkennt jeden sittlichen Fortschritt an und übt Duldung und Anerkennung der Möglichkeit, auch auf andere Fasson selig zu werden. Indessen der Weg zur Herausbildung einer sittlichen Persönlichkeit allein durch Lehre ist lang; kurz aber, wenn zur Nachfolge reizende Beispiele aufgestellt werden. Die freimaurerische Erziehung stellt daher Vorbilder auf, denen nachzustreben ist: Johannes den Täufer, nach dem die Logen Johaunislogen genannt werden, und das Vorbild aller Vorbilder, Jesum. Ihnen nachzufolgen, durch ihr Leben sich zur Ausübung der rechten Lebenskuust anreizen zu lassen, das ist die wahre Betätigung der Religion, des starken Gefühls, das die Menschen an das Ewige bindet. Ta die Freimaurerei die Hebung dieser Religion fordert, ist ihr eine Feindschaft gegen die Religion, wie ihr häufig vorgeworfen wird, ganz unmöglich. Die freimaurerische Lebenskunst äußert sich als starkes Pflichtgefühl gegen die Forderungen der Sittlichkeit, als Pflichtübung in Familie, Beruf, Staat und Gemeinde, als Liebe zu den Menschen, insbesondere zu den Brüdern, als Mitleid, Barmherzigkeit, Billigkeit und Gerechtigkeit im Verkehr mit der Umgebung, als Achtung und Wertschätzung der Person nach dem Maße der erreichten Vollkommenheit und nicht nach äußeren Umständen, als ernstes Stteben jedes einzelnen nach höchstmöglichster Vollkommenheit. Zur Erlangung dieser Lebens'kunst dient die Arbeit in den Logen, in welchen als Mittel der Erziehung neben Lehre und Beispiel hauptsächlich die Symbole angewandt werden, die durch ihre Allgemeinverständlichkeit eindringlich wirken. Durch diese der Freimaurerei eigentümliche Erziehung werden ihre Jünger angeleitet, echte Weisheit zu suchen und zu üben — nicht bloße Lebensklugheit —, die rechte sittliche Stärke zu erwerben, die uns von den Fesseln des Vergänglichen frei macht, und uns in reiner Harmonie des Charakters, in sittlWer und geistiger Schönheit als ein wahrer Mensch in der Welt ,darzustellen. Beide hier genannten Werke sind, jedes in seiner 2htz vorzüglich geeignet, Vorurteile über die Freimaurerei zu zerstreuen und zu zeigen, daß diese doch etwas mehr ist, als eine Wohltätigkeitsgesellschaft, oder als ein exklusiver Klub mit reichlichen Tafelgenüssen und kindischer Spielerei mit Schurzen und Bändern, oder gar als ein Laboratoriuzn, in welchem die Bomben zur Zerstörung von „Thron und Altar" verfertigt werden. Die Verfasser haben das große Verdienst, weiten Kreisen eine höhere Wertung der Loge und Freimaurerei möglich gemacht, und der Verein deutscher Freimaurer verdient großen Dank dafür, diese Werke dem großen Publikum zugänglich gemacht zu haben. W. d. Aelt-i Schulansang. Ein offener Brief an die Eltern. 9?uit kommt Ihr wieder zur Schulgasse herein, wie ich Euch schon vielmals kommen sah, Ihr Mütter! Freundin bei Freundin und vor Euch her oder Euch zur Seite trippeln Eure Sprößlinge: Der Junge mit dem Ranzen auf dem Rücken, das Mädel mit der Schultasche am Arme. — Ja, sie sind nun Eigentümer geworden, die Kleinen, und sie sind ganz im Gefühle ihres Besitzrechts. Was sie da tragen, gehört ihnen, ihnen ganz allein, ist ihr uw- bestreitbares Besitztum. ■— Eigentum verpflichtet! Werden sie dem gerecht werden, was Griffel, Tafel und Buch von ihnen fordern? Der kleine Blondkopf dort scheint schwer an den Verpflichtungen zu tragen, dicke Tränen rollen ihm über die Wangen, und die Mutter muß ihren Liebling an der Hand nachziehen. Und Ihr Alten, Ihr fichlt heute auch mehr wie sonst den Druck der Pflicht. Undeutlich vielleicht — nicht klar ausgesprochen — lebt in Eurer Seele der Gedanke: Das, was da vor uns hergeht, ist unser eigentliches Eigentum, unser Eigentum für die Ewigkeit. Alles, was wir sonst noäy unser nennen, ist uns nur verliehen, um diesem lebendigen Eigentume, dem Fleisch von unserem Fleische, den Fortbestand zu sichern. Und darauf — auf das Weiterleben — kommt alles an. Es ist eine hohe Freude — das Bewußtsein, etwas getan zu haben, was diesen Fortbestand sichert. In Euch spricht das mächtige Gesetze das der Schöpferwille in jede Kreatur, besonders aber in die Menschenseele gelegt hat: Du sollst leben/ denn du kannst leben. Nun kommt Ihr mit Eurem höchsten Besitze zu mir und meint, der Gang zur Schule sei auch geeignet, den Bestand Eures Eigentums zu sichern. Wird nicht auch in manchem Herzen der Zweifel aufsteigen bei den Fragen: „Ist das auch der rechte Mann? Kann ich ihm mein Teuerstes unbesorgt anvertrauen?" Was wißt Ihr denn von den Empfindungen, die die Seele des Mannes bewegen, der Euch da oben aus seinem Schulsaale entgegenschaut? Daran denkt Ihr ja nicht, daß in seinem Innern die Macht desselben Gesetzes wirkt, dem auch ihr gehorcht, daß ihm dieselbe Stimme zuruft: Du kannst, denn du sollst leben! Wir werden alle von der einen Macht getrieben, von dem mächtigen GeseW des Lebens, das uns heute besonders laut sagt: Kirke so, daß Dein Eigentum Bestand hat. Wenn ich nun wieder zurück in die eigene Seele schaue und den mächtigen Hebel, der die Welt des Lebens bewegt, erkenne, dann sehe ich ein Stück Zukunft vor mir: Diese, kleinen und doch 240 und Lehr- Eurer Kii so kecken, unternehmungslustigen Jungen, die znni ersten Male zur Schule kommen, sind die Borfahren lener Manner und Frauen, mit denen einst meine eignen Enkel und Urenkel Verbmdungen suchen; — und jene rotwangigen, gesunden Madelchcn, sie werden die Mütter zukünftiger Vaterlandsverteidiger, Mkimftlger Volks- berttcter lü erben, nlfo bet Münnkr, bt*c bcrein.fi nucyi nie in (Ligen-- tum — ich meine nicht das, so die Motten und der Rost freuen, - die mchn Eigentum für'die Ewigkeit beschützen sollen Und vielleicht erleben wir es noch einmal, -Du junge Mutter, da st wer beide als alte Grauköpfe beieinander sitzen und uns des Glückes derer erfreuen, die dann unser beiderseitiges Eigentum |tnö. Der Mann, dem Du heute abend über das Tagesereignis berichtest, er war im Winter Holzhauer; heute ist er auf der Baustelle ein geschätzter Arbeiter. Der kleine Bursche da vor Dir, er wird einmal dasselbe, vielleicht auch ein tüchtiger Geschafts>- lciter, dessen Kenntnisse und ruhige Besonnenheit vielen Mitmenschen Wohlfahrt und Lebensfreude erwirken helfen. Seme Söhne oder Enkel sind zukünftige Verwaltungsbeamten, Lehrer, Richter oder gelehrte Forscher. Ei, mögen sie doch sein was sie wollen, sicher ist: In den Kleinen da steckt ern Stuck unserer Zukunft, der Zukunft des Volkes, von dem auch wir beide Glieder sind. Und die sollte ich nicht lKten und pflegen nach bestem Wisten und Gewissen, Uten und pflegen wie mein eigen Fleisch und Blut'? — Noch eins will ich Dir anvertrauen: Wenn ich sehe, daß Ihr auch ohne viel Geld und Gut zufrieden seid, weil ^hr bei fleißiger Arbeit Euer Auskommen findet; wenn infolge besserer Erkenntnis Euer Sinn nicht im Stumpfen und Niedrigen gefangen bleibt, sondern sich mit Abscheu vom Häßlichen und Gemeinen abwendet, und wenn sich durch das alles Eure Lebensfreude erhöht: Dann freue auch ich mich herzlich. Diese große Freude erhöht aber meinen Lebensmut, läßt mich viel Bitteres vergessen und hilft arbeiten. Ich mag sii^ darum nicht entbehren, ^ch will sre mir — an Deinem und Deiner Kinder Wohlergehen mitschaffeud — erarbeiten, erwerben. Seid darum versichert, Ihr Vater und Mütter, es ist noch etwas mehr dabei als Broterwerb, was uns Lehrer antreibt, gute Arbeit zu leisten. , Ihr Eltern! Nachdem wir uns so über die Hauptfragen verständigt haben, wird es uns, so hoffe ich, auch nicht schwer fallen, in Einzelftagen der Erziehung eine Einigung zu erzielen, ^ch will Vertrauen zu Euch fassen, wie Ihr es auch zu mir und meiner Arbeit haben sollt. Aber zur gedeihlichen Arbeit bedarf ich ttn besonderen auch das Zutrauen Eurer Kinder. Das Vertrauen ist für die Erziehung, was Regen und Sonnenschein für die Pflanzen auf Eurem Felde, — ohne das gibts kein Gedeihen. Darum zerstört dieses Vertrauen im Kinderherzen nicht. Hütet Euch vor allem, in Gegenwart Eurer Kinder Partei gegen Schule und Lehrer zu ergreifen. Die Faust, die Ihr vor den Augen Eurer Kinder gegen Schule und Lehrer ballt, erhebt sich einige Jahre später in Euren Kindern gegen Euch selbst. — Gern gebe ich indes zu, daß Schule und Lehrer nicht unfehlbar find und wie alles Irdische auch nicht ohne Fehler sein können. Aber das Haus darf ckuch nicht zu viel von der Schule fordern. Was soll da die Schule nicht alles helfen? Allheilmittel kann die Schule nie und nimmer sein. — Sollte Euch einmal eine meiner Anordnungen unverständlich erscheinen, oder wünscht Ihr in irgend einer Schulangelegenheit genauen Bescheid, dann kommt nur, ich bin gerne bereit, Euch Aufklärung zu geben, aber auch Eure Meinung zu hören und sorgfältig zu prüfen. Eine solche Aussprache wird nur segensreich wirken. Mißverständnisse klaren sich auf, Spannungen werden sich lösen. Ueber manche Eigentümlichkeit Deines Kindes werde ich Dich, wirst Du mich aufflären, und über vieles wird unser Auge geöffnet. Immer bandelt es sich «alber um Deines Kindes Glück, und dieses wird am besten gefördert, wenn Schule und Elternhaus sich gegenseitig stiltzen und in Einigkeit zusammenwirken. — Darum Ihr Eltern! Hattet! Ihr Zweifel, so laßt sie schwinden und bringt voll Vertrauen Eure Kinder herein in die Schule! K. Z. Das Zchaukelsest in Siam. Alljährlich wirb in Siam ein uraltes Fest begangen, das aus der Zett der Brahmaverehrung übernommen unb vorn Buddhismus nur wenig umgeformt ist: bas „Fest ber Schaukel". Dies „Fest der Schaukel" hat einen mythologischen Ursprung. Der Gott Siwa kam, wie die Göttersage Siams erzählt, eines Tages mit einer Reihe von Gefährten an bas Ufer eines reißenden Flusses, über ben feine Brücke führte. Währenb bie Götter nach einem Uebergange suchten, kam plötzlich von einem Baume herab eine gewaltige Riesenschlange, die sich als Brücke über ben Fluß spannte, so baß die Götter trockenen Fußes an bas anbere Ufer gelangten. Das „Fest ber Schaukel", bas drei Tage lang in Bangkok karnevalartig begangen wirb, enthält, wie eine hübsche Schilberung im „Wibe World Magazine" zeigt, eigentlich gar keine erkennbare Beziehung $ur Mythologie, falls man bleie nicht in bem Auftreten der Riefenfchaukel erblicken will. Ter König selbst bestimmt vor dem Feste einen Vertreter, der amtlich als „falscher König" bezeichnet wirb. Gewöhnlich wirb er aus ber Reihe ber höchsten Hofbeamten ausgewählt. Dieser König zieht mit einem großen Gefolge zu bem Plage, wo bie Schaukel Hebt Er hat bas Vorrecht, fein Gefolge mit den alten siamesischen Rüstungen und Hof- qewänbern zu betteiben, so daß fein Festzug außerordentlich pomphaft wirkt. Wenn er am Platze der Schaukel angekommen ist. mutz er den Thron besteigen, ber natürlich ein „falscher Thron" ist, nämlich nur ein Schemel, ebenso wie er selbst nur ein falscher König ist. Während der Zeiemonie des Schaukelns muß der König so sitzen, baß sein rechter Fuy auf bem linken Knie ruht; hört bie Berührung auch nur einen Augenblick auf, so muß er ben Insassen bet Schaukel eine erhebliche Summe bezahlen. Tie Männer auf der Schaukel finb es nun, bie ben eigentlichen Mittelpunkt bes Fettes bilden, unb bied mit Rechts denn ihr Schaukeln ist ein gefährliches Ting. Tie Schaukel hat nämlich eine Höhe von etwa 25 'Bieter unb von biefem hohen Gerüste hängt ber Schaukelsitz bis auf 7 'Bieter über bem Grbboben herab. In ihm haben vier dis fünf Männer Platz. Es sinb Brahminen unb em Kämpfer, bie dort schaukeln. Während des Schaukelns fechten sie einen eigentümlichen Kampf aus. Sieben ihren Köpfen ist an einem Bambusstäbe ein Beutel voll Geld aufgehängt. Ter „Kämpfer hat die Aufgabe, biejen Beutel in seine Gewalt zu bringen, wobei er ihn nur mit ben Zähnen ergreifen darf, während bie Brahminen so schaukeln, baß ihm diese Aufgabe aufs äußerste erschwert wird. Wie aufregend der Kampf ist, kann man sich vorstellen. Es kommt oft vor, baß der „Kämpfer" bei einem besonders gewagten Lprmige nach dem Geldbeutel nur noch mit einer Hand an den Leiten hangt unb in große Gefahr gerät, in bie Tiefe zu stürzen. Von der Geschicklichkeit der beiden kämpfenden Parteien in der schaukel hängt es ab, wie lange der Kampf dauert. Es ist aber die Regel, baß es bem „Kämpfer" schließlich gelingt, feine schwierige Aufgabe zu erfüllen. Je nachbem, wie er sich ihrer entlebigt, wirb er dafür belohnt, Tie Siamesen unterscheiden verschiedene Grade der Geschicklichkeit in dieser Kampfart. Sobald der Kämpfer den Geldbeutel zwischen seinen Zähnen hält, hört das Schaukeln auf, unb nun besprengen bie Braymmen bie Volksmasse ringsherum mit Wäger, was als Seanung gilt. Tiefer Teil ber Zeremonie weilt äugen- scheinlich darauf hin, daß das „Fest der Schaukel" gleichzeitig ein Erntedankfest ist, das nach bem Enbe ber Reisernle begangen wirb. Tas Schaukeln ftnbet an zwei Tagen statt, unb zwar morgens unb abenbs- ------------ K- F- vermischtes. kf. Das MSbchen als Ehemann. Vor einem Londoner Gerichtshöfe spielte sich vor einigen Tagen eine äußerst romantische Geschichte ab, bie wohl mancher in bas Reich ber Fabel verweisen wird: ein Mädchen, Adelaide Tullamore, war angeklagt, sich als Mann auSgegeben und in männlicher Kleidung umhergelau'en zu sein. Nur durch einen Zufall entdeckte man das Weibliche des „jungen Mannes". „Er" wurde nämlich unglücklicherweise in einen Auflauf verwickelt. 'Blan forfchte nach, und siehe da I es ergab sich, daß sie im gewöhnlichen Leben als Mr. Dallamore fungierte, der mit seiner Frau em friedliches Dasein in der Vorstadt Chiswick führte. Einige Wochen vor Weihnachten vergangenen JahreS waren sie dort zugezogen unb „Herr" Dallamore hatte angegeben, daß er unb feine Frau erst feit einem Jahre verheiratet feien; er konnte ben iriebiertigen unb guten Charakter seines „EhegesponsteS nicht genug rühmen. Morgens um halb 6 Ohr verließ „er" bie Wohnung unb verdiente in einer Klempnerei als Gelüste bas tägliche Brot. Erst abenbs um 7 Uhr kehrte „er" nach Hause zurück. So ging bas Idyll fort, bis es jetzt durch jenen unglücklichen Zufall, der die Entdeckung herbeiführte, einen etwas tragischen Abschluß fand. Wenn auch der Gerichtshof die Liede anerkannte, die die beiden Plädchen zusammengeführt hatte, so gab er beim boch keineswegs bie Zustimmung zu ihrem ferneren „ehelichen" Zusammenleben unb wohl ober übel mußte sich „Herr" Dallamore entschließe», zu seinen Eltern zurückzukehren. Tie 'Blutter bes „Ehemannes" sagte vor Gericht aus, baß schon von frühester Jugenbzeit an bie beiden Plädchen unzertrennliche Gefährtinnen und Trennungsversuche fruchtlos gewesen seien. Im vorigen Jahre sei bann ihre Tochter plötzlich verfchivunben. Die Arbeitskollegen bes „Ehemannes" waren beS Lobes voll über ihren angenehmen Genossen ; ja, „er" war ihnen so sympathisch, baß sie ihm häufig aus Wlitleib mit feiner augenscheinlichen Schwächlichkeit einen Teil ber Arbeit abnahmen. * Noch nicht das Schlimmste. „Armer Mann," sagte! die Samariterin, als das Opfer eines Antomobilunfalls von mitleidigen Händen auf die Tragbahre gehoben wurde, „sind Sie verheiratet?" — „Nein," stöhnte der Verunglückte, „dies ist das erste Malheur, das mir bis jetzt passiert ist." Geographisches Verschiebrätsel. Hamburg — Leipzig — Berlin — Budapest — Wien — Detmold Eisleben — Breslau — Vreßburg — Riga. Vorstehende Namen sollen derart untereinander geschoben werben, baß eine Buchstabenreihe, von oben nach unten gelesen, ben Namen einer deutschen Universitätsstadt ergibt .Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummer» Dagobert — Eboli — Rebe — Zobelpelz — Aster — Hase — Rebenmond; Der Zahn der Zeit. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck unb Vertag ber Brühl'schen Universitäts-Buch- unb Steinbruckerei, R. Sang«, Gie-e»