Samstag den 1*1. Kebruar gürt ji ii uMW StiyjjOTfmpr ÄÄßMMl W Glückslasten. Stotnon von H-anns von ZobslkiK tNaMrruck verboten.) (Fortsetzung.) Mit besonderer Mühe und aus besonderer Anfmerk- kamteit war in dem Gesellschaftstreiben ein Abend jur Neumanns ausgespart worden, die beide Schwestern zum Diner eingeladen hatten. Einigermaßen zur Verwunderung von Mutter hatten beide sofort übereinstimmend erklärt: „Das können wir nicht abschlagen." Das Neumannsche Haus in der Brüderstraße erschien Signe immer aufs neue wie eine kleine Oase in der Hauser- Wüste von Berlin C. Rein äußerlich schon. Die Fassade des zweistöckigen Hauses Ivar ziemlich unansehnlich, aber sobald sich die mächtige Eichentür öffnete, änderte sich der Eindruck. Ein breiter Flur, und dann eine Wendeltreppe von wunderbaren Abmessungen mit einem köstlichen schmiedeeisernen Geländer; die Wände in barockem Gips, die Decke ein ganz eigenartiger kleiner Kuppelbau, und- über dem allem die feine Patina, die nur die Jahrhunderte rieben können. Das Haus war auch sehr alt. Herr Neumann, in dessen Familie es schon über hundert Jahre war, erzählte gern mit leisem Schmunzeln: Friedrich I. hatte es für eine seiner Maitressen bauen lassen. Inrmer mußte Signe, seit Friedel sich verlobt, an die Braunsteinsche Villa denken, wenn sre dres Haus betrat Auch dort war alles Protzige vermieden, aber man fühlte, daß es vermieden war. Hier war eine stille Wurde, eine Geschlossenheit, die dort ganz fehlte. Und der Ern- drrrck verstärkte sich jedesmal, wenn sie dre Wohnraume betrat. Sie waren kaum minder kostbar eingerrchtet, als die der Villa in der Tiergartenstraße. Aber sie hatten eins, was kein Reichtum geben konnte — sie hatten Tradition. Die Zopf- und Biedermeiermöbel, rrun wieder jüngster Geschmack, waren nicht beim Antiquitätenhändler aufgekauft, sie waren ererbtes Gut. Und wie paßten sie zu den glatten Wänden, zu den gradlinigen weißen Oefen, zu der Fensterform, zu den weißlackierten Türen, sogar zu den ein wenig sckMalen, engen Zimmern — es war alles ans einem Guß. Und wie paßten die lieben Menschen tn diese Raume hinein, zu diesen Möbeln! Sie waren vielleicht ebenso reich iutc Braunsteins, und sie waren durchaus iiicht unmodern. Aber sie prunkten nicht damit, daß fie dem 20. Jahrhundert angehörten, und der Reichtum erschien bei ihnen als etwas Selbstverständliches. Auch war, man sagte es, Herr Neumann kein Mehrer des Ererbten, sondern rmr dessen gütet Erhalter, weil er ein sorgsamer Hausvater war. Und gerade darum ging ein Hauch des Behagens! von ihm aus. Vermischt freilich mit ein klein wenig Spießbürgerlichkeit. Seine Frau spöttelte bisweilen gut« mutig darüber: sie hatte in ihrem Salon ein paar schöne neue Gemälde, einige gute Bronzen — „mein Mann wurde empört sein, wenn ich aus seinem Arbeitszimmer die fürchterlichen -Alabastervasen vom Kamin nehmen wollte." Berlin W. — Berlin C. „Die Kreise schneiden sich so vielfach —" dachte Signe auch heute — „und doch liegt eine Wett zwischen ihnen.'' Sie stand auf der Schwelle des Salons und wollte gerade die schöne Hausfrau begrüßen. Da wandte sich der h-vchgewachfene Herr im Frack neben Frau Neumann — und sie erkannten sich im gleichen Augenblick. Signe meinte, die Knie wankten unter ihr. So erschrak sie. Alles, alles andere hätte sie ehe, erwartet: Viktor Kaltenegg stand vor ihr. Und auch er erschrak. Eine flüchtige Röte ging über sein Gesicht, und seine Hand glitt ein paarmal nervös über die Frackklappe. Im ersten Airgenblick, nachdem sie der jähen Erschütterung Herr geworden, durchschoß sie der Gedanke: ein abgekartetes Spiel. Aber sie sah sogleich, daß sie irrte. Die Hausfrau stellte ganz unbefangen vor: „Herr von Kaltenegg —" Dann hatte auch schon die gesellschaftliche Form ihre Rechte zurückgewonnen. Signe konnte ürrßerlich gelassen sagen: „Guten Tag, Herr vorr Kaltenegg. . ." nnd ihre Finger berührten sich sogar flüchtig. Dodo, die nach der Schwester eingetreten war, klatschte in die Hände: „Nein, aber so was! Viktor!" llnd Frau Neumann äußerte, sichtlich angenehm überrascht: „Eine alte Bekanntschaft also — das ist ja reizend." , ... Es war eine ziemlich große Gesellschaft, einige dreißig Personen. „Zum Glück!" dachte, Signe aufatmeud. Und nur die unsichere Sorge tvar in ihr, daß der Zufall, dieser unberechenbare Zufall, ihr Viktor zum Tischnachbar gegeben hätte. Aber da kam schon der Hausherr mit einem etwas exotisch aussehenden Herrn: „Seine Exzellenz, Theodore Castagnoln —" Richtig, Herr Neumann war ja rumänischer General- konsul, und dieser Herr war Ministerpräsident. Oder so etwas Aehnliches. Signe erinnerte sich dunkel, ihm schon einmal begegnet zu sein, und sie war Herrn RetimannA Enfiicht, daß sie vielleicht die einzige Dame des Krcr.es, die ein tadelloses Französisch sprach, dankbar. Seine Exzellenz sollten sich nicht zu beklagen haben. Gottlob Gottlob, daß es nicht Viktor war, der sie zu Tisch führte! Sie sah ihn im Augenblick nicht. Sie ließ sich den älteren Damen vorstellen, eine Schar von Herren drängte sich heran. Dann kam wieder der Hausherr und stellte einen bildhübschen, jungen Mann, Mitte der Zwanzig, vor: „Mein Sohn aus der Fremde. Allons, Fritz, mein Junge, mach deinen schönsten Kratzfuß!" Herr Neumann lächelte dabei wohlgefällig, und er hatte das Recht dazu: der junge 106 Herr war das Ebenbild der Mutter, aber durchaus ins Männliche übersetzt. Und Signe hatte, so erregt sie noch war, sofort etwas für ihn übrig, so ähnlich sah er wieder ihren: Keinen Liebling, den: jüngsten Kinde des Hauses'. Man ging etwas sehr zeremoniell zu Tisch. Man begann gleich — Berlin C. ist ein wenig materiell — mit Natives und Chablis, und Seine Exzellenz plauderten bei aller Würdigung dieser guten Sachen mit solch sachlicher Lebhaftigkeit, daß Signe zunächst alte Aufmerksamkeit auf sein fabelhaft schnelles Sprechen konzentrieren mußte. Rechts neben ihr saß der Hausherr. Wen:: Mutter zugegen gewesen wäre, hätte sie wahrscheinlich den Kopf geschüttelt: „Etwas reichlich viel Ehrung für deine dreiundzwanzig Jahre." Allmählich fand Signe ihre Fassung wieder. Sie suchte heimlich durch die etwas massige:: Blumenauffätze hindurch eine Orientierung über die lange Tafel. Und da sah sie erst, daß Viktor ihr schräg gegenüber saß, zwischen Elly Neumann und einer hübschen jungen Frau mit vielen Brillanten. Sie sah auch: er hatte sich sehr verändert. Er war viel ernster, viel männlicher geworden. Der kurzgehaltene, blonde Spitzbart stand ihm gut, das Haupthaar war ganz kurz geschoren, so daß das schlanke Oval des Kopfes scharf hervortrat. Viel, viel männlicher sah er aus, recht wie ein Mann, der die Arbeit kennen und lieben gelernt hat. Er sprach eifrig mit Elly. Seine Augen konnte Signe nicht sehen. Aber den feingeschwungenen Mund sah sie: die Lippen — diese Lippen, die so heiß küssen konnten --- Was war das für eine seltsame, seltsame Begegnung! Seine Exzellenz machte endlich eine Pause im Gespräch, um sich den Seezungenfilets ä la Monte Carlo zu widmen. Und diese Pause benutzte der Hausherr, um ein paar Worte mit Signe zu wechseln. Er strahlte voy Glück, der gute Herr Neumann: So lange hatte er seinen Aeltesten nicht hier gehabt. Sie wisse doch, er sei Ingenieur. Uebrigeus ein lieber Junge. Wie sie ihn fände? Da unten, bitte, rechts — neben dem Fräulein Schwester. Die schienen sich ja gut angefreuudet zu haben. Na ja, die liebe Jugend! Sonst hätte Signe vielleicht etwas verwundert, etwas hochmütig gelächelt: zählte sie denn etwa nicht n:chr zur Jugend?! Aber heut wartete sie nur — wartete sie auf irgend eh: Wort, eine Erklärung, wie Viktor hierher kam. Hier in dies Haus, wo sein Name früher nie erwähnt worden war. Selbstverständlich, sie stand ihn: ja ganz als Fremde, ganz objektiv gegenüber. Aber es war nun einmal nicht anders: ein Rest von Interesse blieb doch. Wie hätte es anders sein sollen? Und wenn man es auslöschen wollte, solch Erleben, es kann nie vergessen werden. Die erste Liebe nicht mit ihrem Glück und ihren: Schmerz — und.das nagende Schuldbewußtsein erst recht nicht. „Wie ich's auch zurückdrängte und übertüubte, wie ich's auch verneinte, ,es brach doch immer wieder durch. . „Nämlich —" sagte Herr Neumann endlich, nachdem er seinen Steinberger Kabinett kosend gekostet hatte, „nämlich der Herr von Kaltenegg hat sich unseres Jungen in der rührendsten Weise angenommen. Der Fritz hatte in der Kanonenwerkstätte einen häßlichen Unfall, eine schwere Quetschung des Brustkastens, und da hat ihn Herr von Kaltenegg, per zufällig in der Werkstätte war, nicht nur gerettet . . . nämlich weil er alleii: geistesgegenwärtig genug war, die elektrische Kraft sofort auszuschalten . .' .er hat ihn nachher auch gepflegt, wahrhaftig wie einen Bruder. Ein fanroser Mann!" Herr Neumann war sichtlich gerührt; er sah bald auf seinen Sohn, bald auf Viktor, und dann hob er sein Glas, trank Kaltenegg zu und sprach dazu recht laut quer über den Tisch hinüber: „In unendlicher Dankbarkeit, lieber Herr von Kaltenegg!" Signe wollte nicht hinübersehen, aber sie tat es doch, und sie sah, wie Viktor leicht lächelnd den Kopf schüttelte, als wollte er sagen: „Aber das war ja nicht der Rede wert", und dann auch sein Glas erhob. Deutlich sah sie dre schmale sehnige Hand, die sie einst so fest umfaßt hatte. „Ja, so was vergißt sich natürlich nicht," fuhr Herr Neumann fort. „Niemals! Sehen Sie, mein gnädiges Fräulein, und nun fügte es der Zufall, daß er und unser Fritz zu gleicher Zeit hier auf Urlaub wäre::. Und den Frrtz hätten Sie nur mal schwärmen hören sollen. Ich halte ja sonst nicht übermäßig viel von einem Berufs-, wechsel, und bei früheren Offizieren denk ich nun gar leicht an Protektion. Aber der Kaltenegg da, der muß ein ganzer Kerl — pardon, ein ganzer Mann sein! Wie der sich in wenigen Jahren emporgearbeitet hat, sagt unser Fritz, das sei erstaunlich. Nun, da sind :neine Frau und ich denn hinausgefahren. . . pämlich er wohnt bei feinen Eltern, und meine Frau hat die Frau Mama mal ber einem Wohltätig keits fest kennen gelernt. . . wir wollten ihm doch selber danken. Und dann hat er uns den Besuch erwidert." Herr Neumann sprach ein wenig umständlich, und Signe war ihm dankbar dafür, denn ihre Selbstbeherrschung! schwankte schon wieder. Und als glücklichen Zufall empfand sie auch, daß jetzt Seine Exzellenz das Bedürfnis fühlten, sie über Rumänien im allgemeinen und das Königspaar im besonderen, über Bukarest und Sinaja, über Jassy und die Petroleumindustrie zu unterhalten. Er hörte sein glattes Französisch ohne Zweifel selbst so gern, daß es genügte, wenn man mit halbem Ohr hinhorchte und daun und wann dem Fluß der Rede durch eine kleine Zwischenfrage neue Nahrung zuführte. Ein Glück, denn ihre Nerven bebten. Es war doch etwas seltsam Merkwürdiges, den Mann so loben zu hören, dessen erste, heiße Liebe mau einst besessen . . . und zurückgestoßeu hatte! Und sie parlierte französisch und lächelte zu dem Rumänen nnd dachte dabei immer nur: „Ich bin ja so froh, daß es Viktor gut geht im Leben", und wußte genau, wie unfroh sie war. ; Und dachte: „Gottlob, daß er's überwunden hat und nun aus dem .Wege zu irgend einen: wirklichen Glück ist, daß er von mir gar keine Notiz nimmt, daß er vergessest lernte, was ich ihm einst war. Gottlob! Gottlob!" —und wartete doch darauf, daß er einmal, nur ein einziges Mal ihre Äugen suchen möchte. Und dachte: „Ganz kann's nicht in seinen: Herzen ausgelöscht sein, was darin lebte! Ein Rest muß darin geblieben sein! Und wenn es nicht Liebe ist — Liebe soll und darf es nicht mehr sein! — so Haß! Immer noch bessery als gar nichts! Tausendmal besser, gehaßt sein, als so ganz vergessen." Endlos lang war das Diner. Immer animierter wurde die Stimmung. Herr Neu- mann hielt eine etwas umständliche Rede, in der er sein Haus zu allen lieben Gästen, ganz besonders aber zu der Auwesenheit Seiner Exzellenz, beglückwünschte. Mit einem Hoch auf König Karol und die Dichterkönigin Carmen Sylva schloß er. Exzellenz krähte in einem Toast auf die deutsche Gastlichkeit französische, deutfche und rumänische Brocken durcheinander. Die Gläser klangen aneinander, der und jener ging noch wie in alten Zeiten um den Tisch, um an- zustoßeu, einer Dame seine besondere Verehrung zu erzeigen. (Fortsetzung folgt.) Wilhelm Baurs Lebenserinnerungen. Von Justizrat K r a f t. Es war ein kinderreiches Haus, das des Großherzogl. Revierförsters Ludwig Baur in Lindenfels in: Odenwald, später Oberförster in Dornberg: Sieben Söhne und vier Töchter sind seiner Ehe mit Caroline Philippme geb. Schmidt entsprossen, Bon diesm Söhnen haben sechs in Gießen studiert. Der älteste Sohn Gustav Kaur war 15 Jahre zuerst Privatdozent und dann Professor der Theologie in Gießen, der jüngste Dr. Hermann Baur war fünf Jahre Assistent an der Chirurgischen Klinik in Gießen, dann während 40 Jahren ein sehr beliebter und beschäftigter praktischer Arzt. Der vierte der Brüder in der Reihenfolge war Wilhelm Baur geboren am 16. März 18'26. Er hat es in seiner äußeren Stellung unter bei: Brüdern am weitesten gebracht, indem er 1872 vom einfachen Pfarrer int Hessenland und dann in Hamburg als Hof- und Domprediger nach Berlin berufen und 1883 zum Generalsuperintendenten der Provinz Rheinpreußen ernannt wurde; diese Stellung hat er bis zu seinem 1897 'erfolgten Tode innegehabt. Alle Brüder waren begabt und haben im Leben angesehene Stellungen errungen. Professor Dr. Gustav Baur, der zuletzt an der Universität Leipzig wirkte, und Franz von Baur, der als Professor der Forstwirtschaft an der Universität München starb, waren in ihren Fächern berühmt. Am weitesten bekannt im deutschen Vaterland aber war Wilhelm Baur, nicht nur wegen seiner hervorragenden äußeren Stellungen und seiner vielfachen schriftstellerischen Leistungen auf theologischem nutz historischem Gebiete, sondern auch durch 107 seine in fünf Auflagen verbreitete, geraLez« klassische Schrift: Das deutsche evangelische Pfarrhaus. Es ist das Verdienst bto eifrigen Forschers ans beut Gebiete unseres Hefsenlanbes, Dr. Karl Eßelbom, Bibliothekar in Darmstadt, das Lebensbild dieses bedeutenden Mannes in der Sammlung der Hessischen Volksbücher weiteren Kreisen zugänglich gemacht zu haben. Der Verfasser dieser Zeilen fühlt sich durch die nahe Freundschaft, die ihn mit Dr. Hermann Baur bis zu dessen Tode 45 Jahre lang verbunden hat und durch die Bekanntschaft mit allen Geschwistern außer der Schwester Wilhelmine, dazu berufen, einiges über dieses kürzlich erschienene Buch zu, sagen. Der besondere Wert des Werkes beruht zunächst darin, daß es erstmalige Veröffentlichung der von Wilhelm Banr für seinen Sohn geschriebenen Lebenserinnerungen ist. Sie sind leider unvollendet geblieben nnd reichen nur bis zur Entlassung Baurs aus dem Predigerseminar. Sie stammen aus den letzten Jahren seines Lebens. Er hat sie im Jahre 1894 begonnen, int November 1896 fortgesetzt. Zu Ostern 1897 wurde er durch einen raschen sanften Tod int Alter von 71 Jahren abberufen. Tie Erinnerungen, wie sie uns vorliegen, sind von einer geradezu jugendlichen Frische des Geistes unb der Darstellung belebt und hätten sich zu wertvollem Memvirenwerk entwickelt, wenn es dem' Verfasser vergönnt gewesen wäre, sie zu vollenden. Allein, auch das Bruchstück hat einen allgemeinen Wert. Es zeigt uns den Entwicklungsgang eines begabten jungen Menschen, der sich nach sonnig verlebter Kindheit unter Ueberwindung materieller Schwierigkeiten, allem Gemeinen abhold, nach der Wahrheit strebend, von Freundesliebe beseelt, unter dem Einfluß der Kämpfe auf religiösem und politischem Gebiete zu einem gefesteten, wahrhaftigen, durchaus adeligen Charakter entwickelte, lieber dem Ganzen schwebt der Reiz eines durch die Liebe zur Natur erhöhten poetischen Begabimg. Tie Schilderungen des Lebens in den beiden Forsthäusertt, zuerst in Lindenfels, dann in Dornberg, des Tuns Und Treibens im Wald und Flur, der Erlebnisse in der Schule und in dem Darmstädter Gymnasium sind dem Besten zu vergleichen, was im Gebiete der Selbstbiographie geschrieben worden. Köstlich ist beispielsweise die Erzählung: „Wie der liebe Gott mich ohne eigentlichen Mittagstisch drei unb ein halbes Jahr, gerade in der Zeit des körperlichen Wachstums und jugendfrischen Hungers, genährt hat". Eigenartig unb sehr verschieben von den gewöhnlichen Schüler- verbinbungen ist bie Schilderung der Gründung und Entwicklung des Rosenbunds, -eines Freundschaftsbundes, dessen Mitglieder meist die Treue durch das ganze Leben gehalten haben. Die Rednergabe war allen Brüdern gemeinsam. Wilhelm Baur berichtet, daß dr bei der Feier der dreihnndertjährigen Wiederkehr des Todestags Luthers 1846 an der Lutherkirche auf dem Nahrungsberg in Gießen vor 1000 Fackelträgern die Festrede gehalten habe. Sein Bruder, Dr. Hermann Baur, wurde gleichfalls zum Festredner erwählt, als zur Erinnerung an die hundertjährige Wiederkehr von Schillers Geburtstag, wenige Schritte von der Lutherkirche entfernt bei Fackelschein eine Schillereiche gepflanzt wurde.' Eine Schilderung der Universitätsverhältnisse Gießens, insbesondere auch des Auszugs der Studenten auf beit Staufenberg im Jahre 1846 und- die Eindrücke des Jahres 1848 sind besonders interessant. Hier beginnt nun die Arbeit T. Esselborns, der unter dem bescheidenen Titel einer Einleitung ein abgeschlossenes Lebensbild Wilhelm Baurs entwickelt. Was die Arbeit des Verfassers von ähnlichen Schilderungen unterscheidet, ist, daß sie sich ganz auf den Gedanken, Betrachtungen und Mitteilung eit Baurs aufbaut, wie sie aus feinen Merken, Aufzeichnungen und Briefen entnommen werden konnten unb die hier in trefflicher Weise zusammengefügt sind. Sie begleiten uns durch Baurs Jugendzeit bis zu seinem Eintritt ins Mut. Ter Verfasser schildert dann, wie der geistig impulsiven Natur Baurs der flache Nationalismus, bem zur Zeit seines Studiums 1844 bis 1847 bie Theologen der evangelischen Fakultät noch huldigten, nicht genügen konnte, anbererfeit aber auch bie starre Orthodoxie, wie sie von Berlin unter Führung Hengstenbergs ausging, ihm nicht zusagte. So entwickelte sich bet ihm unb einer Anzahl befreundeter Geistlicher bie positive Richtung, bie unter der Bezeichnung: „Nieberwöllstädt er Konferenz", beren Mitgrünbcr Baur war, bekannt ist. Seine segenbriiigeude Tätigkeit begann Baur 1850 als Vikar in Arheiligen bei Darmstadt, wo sein Vorgänger, Vikar Otto Kle- berger, bereits die Stätte der Wirksamkeit Baurs vorbereitet hatte. Nach dreijähriger Tätigkeit wurde er als Pfarrvikar nach Bischofsheim bei Mainz berufen, wo bie schwierigsten kirchlichen Verhältnisse obwalteten. Die Gemeinde nahm ihn mit Vorurteil auf, allein er hatte es rasch überwunden, so daß bereits 1854 der Superintendent berichten konnte, Baur habe die Gemeinde wieder mit der Kirche ausgesöhnt und alt und jung seien ihm mit Vertrauen zugetan. Im April 1855 wurde Baur die Pfarrstelle zll Ettings--. Hausen übertragen, wodurch er in die Lage versetzt wurde, den int Herbst 1853 mit Meta von Betaz geschlossenen Herzensbund durch die Ehe zu besiegeln, die erst dmrch den Tod Baurs 1897 aust- gelöst wurde. Tie Ehegatten lebten in glücklichster Harmonie unb Bebet Baur in bie Reichshauptstadt berufen wurde, war die Gattin ihm bie treueste Gehilfin auf dem Gebiete der Seelsorge. Auch in Ettingshausen fand Baur schwierige Verhältnisse vor. Tas Dors war materiell tzeruntergckonimen und der seltsame Wandertrieb, der die Bewohner beherrschte, brachte schlechte Sitten in das Torf, während der Ackerbau vernachlässigt wurde. Wenn Baur auch gegen diesen Wandertrieb machtlos war,- so gelang es ihm doch, während der sieben Jahre seiner Wirksamkeit in Ettingshausen die Gemeinde zu sich heranzuziehen und sittlich und kirchlich zu beben, unb als er dann die Stelle in Ruppertsburg erhielt, wurde fein Weggang allgemein bedauert. Auch in Ruppertsburg, wo ter von der Gemeinde nicht ohne Mißtrauen aufgenommen wurde, vermochte er sich bald Ansehen und Vertrauen zu verschaffen. Tie großen Erfolge auf dem Gebiete der Seelsorge verdankt Baur, abgesehen von seinem glänzenden Predigertalent, wesentlich seinen persönlichen Eigenschaften. In Ettingshausen entwickelte Baur neben seiner pfarramtlichen Wirksamkeit eine mannigfache schriftstellerische Tätigkeit/ von der er selbst bekennt, daß sie notwendig gewesen sei, um! dem auch bei einfachster Lebensführung nicht auskömmlichen Gehalt (650 Gulden) ein kleines Äebeneinkommen zu sichern. Hier vollendete er bann das größere Werk: „Geschichts- und Lebensbilder aus der Erneuerung dös' religiösen Lebens in den deutschen Befreiungskriegen." 1855 wurde dem jungen Paar ein Sohn geboren, der der einzige! geblieben ist unb bem Baur seine Erinnerungen getoibmet hat. Bon der Kirchenbehörde bereits als Pfarrer für Worms bestimmt, entschied Baur sich für die ihm von Hamburg ans an- gebotene Pfarrstelle. Er siedelte im März 1865 dorthin über/ unb auf dem Gebiet der inneren Mission eröffnete sich ihm dort eine angestrengte und segensreiche Tätigkeit. Während des Feldzugs von 1866 war Baur Feldprediger bei der preußischen MaiN- Armee. 1872 erhielt er dann völlig überraschend beu Ruf als Hof- unb Domprediger nach Berlin. Dieses Amt versah er elf Jahre lang. Im Jahre 1877 feierte er fein fünfundzwanzigjähriges Amtsjubiläum. Neben zahlreichen sonstigeii ihm zuteil gewordenen Auszeichnungen ernannte ihn bie theologische Fakultät der Universität Berlin zum Doktor der Theologie. Im nächsten Jahre erschien sein berühmt gewordenes Buch: „Das deutsche ^evangelische Pfarrhaus", das er der Fakultät gleichsam als Dank widmete. Im Juli 1883 wurde er zum Generalsuperintendentcu der Provinz Rheinprcußen mit dem Amtssitz zu Koblenz ernannt Auch dort erwarb er sich anfänglichen Gegenströmungen gegenüber,- bald das Vertrauen der Geistlichen seiner Proviirz. Soweit Esselborns Buch. Hervorzuheben sind noch die Erläuterungen, die der Professor mit erstaunlichem Fleiße in über 400 Anmerkungen niedergelegt hat (Elternliebe im Tierreich. Würde nicht in den ersten Lebensmonaten der größte Teil beY Tiere dahingerafft, so wären, wie der Direktor des Londoner Zoolo- gischen Gartens, Dr. Chalmers Mitchell, in einem vergnüglichen Vorlrag, den er zu Weihnachten vor der Londoner Jugend gehalten hat, ausführte, Land und Wasser bald derartig mit Tieren übervölkert jein, daß für die Menschen kein Raum mehr bliebe. Schon Darwin hat ausgerechnet, daß, wenn nicht ein großer Teil der Elephantcnbabies einginge, die Nachkommenschaft eines einzigen Eleianlenpaares, das im Höchstfälle 6 Junge während eines ganzen Lebens hervorbringt, in 500 Jahren 15,Millionen -cti'uf betragen würde I Und nun berechne man, wie viel Steinbutte int Meer schwimmen würden, wenn man bedenkt, daß t)cr Steinbutt in einem einzigen Jahr iö Millionen Eier legt. Die Natur hat aber dafür gesorgt, daß ein entsprechender Teil der geborenen Tiere wieder verschwindet. Sie bedient sich dazu der verschiedensten Mittel. Besonders wichtig ist das Moment, daß junge Tiere sehr schmackhaft sind und daher nicht nur von den Menschen, sondern auch von anderen Tieren in großen Mengen verschlungen werden. Bei den Tieren, die nur wenige Junge werfen, ist die Pflege durch die Eltern eine viel sorgfältigere, als bei den Tieren, die eine solche Fülle von Brut haben, daß, wie z. B. bei den Fischen, die Eltern sich, nachdem sie da find, nicht mehr um sie kümmern. Dadurch wird den Kleinen die Möglichkett, groß zu werden, sehr verringert. Es sind nicht immer, wie bei den Menschen, die Mutter der Tierwelt, nie ihren Jungen die größte Sorgfalt angedeihen lassen. Zum Beispiel das weibliche Seepferd legt nur ein oder zwei Dutzend Eier und kümmert sich dann weiter nicht mehr darum. Der Seepferdpapa erfüllt die häuslichen Pflichten dafür um so sorgfältiger. Er hat eine Art von großen tzosentascben an sich, m bie' die Eier hmeingelegt werde». Dann geht er ruhig fernen Ge- — 108 —■• fdjäfien nach, bis die Junge» auskriechen: »nd dann süttert er sie und weicht nicht von ihnen, bis sie so groß sind, daß sie Mr 1) selbst sorgen können. Auch unter den Kröten gibt es einen Mr sorglichen Vater, der die Eier, die das Weibchen aus iemen Rilcken legt, sesthält. Er sitzt tagsüber in seinem Loch und komnit nur nachts heraus, um die Eier im Wasser anzuieuchten. Eiidlich wemi sie beinah so weit sind, auszukriechen, labt er die Eier ms Wasser fallen. In den meisten Fällen kümmern sich die Rept ilen sehr we.iig um die Eier, die sie in den Sand legen, aber nachdem d e Jungen ausgekroche» „nd, geht dle Krokodilmama oder Schlangen. mutter oder Schildkrölenmuhme und besieht sich ihre Jungen und bewacht ihre Kindheit. . Eine hübsche Anekdote, die denen, die un täglichen Verkehr «nt Tieren die Seele unb das Enipsindeii der Tiere keimen gelernt haben, Freude machen wird, sei hier sinn Schlich angeMhrt. Ein Herr klagte, daß die Katzen hinterlistige und unangenehme Tiere feien und führte zum Beweis dessen an, daß 9 Tage hintereinander, wenn er vom Essen kam, auf der Treppe eine Katze gesehen hätte, die sich jedesmal von ihm hätte streicheln lassen. Am 10. Tage aber, als er dies wieder versuchte, fauchte ihn das ~ier wütend an und bih ihn in die Hand. Ter humorvolle und tierverstandige Direktor des Zoologischen Gartens erwiderte dem Herrn ganz ernsthaft: „Dar! ich fragen, wie lange Sie es sich gefallen lassen würden, daß Ihnen jeden Tag ein Fremder un Klub denn Aus- und Eingehen den Kops streichelte?" Vermischtes. * Die Ameisen im Salon. Das berühmte Puzzlespiel, das noch vor wenigen Monaten den schönen Pariserinnen die Mußestunden verkürzte, ist in den Abgrund der Vergessenheit versunken; tie eleganten Damen,'die mit einer wahren Leidenschaft Stunden damit verbringen konnten, die kleinen Steine zu Figuren zusammenzusetzen, sind jetzt rettungslos der Anziehungskraft einer neuen Modelauus erlegen. Wenn man in Paris den Salon einer schönen Frau 'betritt, so wird man die Dame in acht von zehn Fällen vor einem kleinen Glaskasten sitzen seheir, in dem es eifrig kribbelt und krabbelt: das ist der Ameisenhaufen, mit dem sich heute jede Frau von Welt beschäftigen muß. Woher diese seltsame Laune so plötzlich gekommen ist, wird man wohl nie ergründen, aber sie ist da, sie beherrscht ganz, Paris, jede Dame muß ihren Ameisenhaufen haben. In letzter Zeit sind die geistreichen Schriften des berühmten, Enthonwlogen I. H. Fabre in den Salons sehr populär geworden und das mag vielleicht eine Erklärung für das plötzliche Auftauchen dieser seltsamen Sitte fein. Einstweilen genießen die Pariserinnen das Schauspiel der fleißigen Tierchen nur als ein reizvolles Wunder. Der sonst so rege Nachahmungstrieb der Modedame scheint vor den Ameisen jedenfalls zu versagen. Lk. D i e Sängerin auf Aktien. Eine junge Australierin besab eine glänzende Sopranstimme, die an Wohlklang und Stärke ihresgleichen suchte. B ispielloser Eriolg winkte ihr: aber sie war arm und deswegen wnble sie auf eine Ausbildung, die ihr die Ruhmeslmöbahn ebnen würde, verzichten. Da hörte eines Tages ein findiger Geschäftsmann, der gerade mit feinem- Freunde vorbei ging, ihren Gesang. „Sie hat eine Goldmine in der Kehle", rief der' Geschäftsmann aus. „Eine Goldmine, die ausgebeutet werden muß", fügte der Freund hinzu. „Wie wäre es mit der Gründung einer Aktiengesellschaft zur Ausbeutung der herrlichen Stimme des armen Mädchens?" — „Mit 25 000 Francs würde man wohl zum Ziele kommen. Das kluge Kind würde nach Paris geschickt werben können, bort feine Ausbildung erhalten. Bei ber Rückkehr sind ihm die glänzendsten Engagements und uns, den Aktionären, die größten Dividenden sicher." Gesagt, getan! Tausend Aktien zu 25 Francs das Stück, wurden ausgeboten; im Nu waren sie gezeichnet Tie junge Australierin beendete ihre Studien in Pans mit glänzendem Erfolge; die Thearer ihres Vaterlandes rissen sich um sie. Die Aktien stiegen rasend und heute werden die 25 Francs-Aktien zu 87,45 Francs an der Börse zu Melbourne notiert. (ff) Locken von Berühmtheiten. Kürzlich ging durch die Blätter die Meldung, daß der „Leibbarbier" Bismarcks die Locken des großen Kanzlers zum Kaufe anbietet. Es ist nicht das erste Mal, daß mit den Locken von Berühmtheiten ein schwunghafter Handel getrieben wird. Von Tamagno, dem berühmten Tenor, erzählt man, daß sein Barbier ihm nicht allein die Haare umsonst schneiden, sondern ihm auch an dem durch den Verkauf seine« Locken erzielten Gewinn teilnehmen lassen mußte. Die Haare Alfred de Mussets waren zu seinen Lebzeiten berühmt; sein Barbier war den unglaublichsten Bestechungsversuchen ausgesetzt. Lange Zeit blieb er standhaft, bis er eines Tages dnem verführerisch hohen Angebote erlag. Unglücklicherweise schnitt er ein solches Büschel aus dem Haarzopf des Dichters, daß dieser aufmerksam wurde. Die Folge war, daß Müsset entrüstet den Barbierladen verließ und sich tieftraurig für lange Zeit in sein Haus cupchloß, bis sein Haarwuchs wieder in alter Herrlichkeit erstanden war.- Auch Wagners Barbier versuchte mit den Locken des berühmten Meisters ein Geschäft zu machen. Aber er hatte dabei nicht mit der Schlauheit Frau Cosimas gerechnet, die zufällig hinter seine Schliche kam. Sorgfältig sammelte sie selbst alle Haarlocken, die der Barbier vom Haupte des Gatten herunterschnitt. Aber sie verriet dem traurigen Figaro, daß die Haare ihres — Schlächters denen ihres Mannes verteufelt ähnlich seien. Von Verdi wird eine reizende Geschichte erzählt. Bäi einer Wohltätigkeitssamm-- lung wollte er einen größeren Betrag stiften. Flugs ließ er öffentlich verkünden, daß er für eine gewisse Summe jedem eine Haarlocke verkaufen würde. Hunderte von Briefen kamen an, und alle Bitten wurden erfüllt, sobald das Geld eingezahlt war. Der Erfolg war glänzend; die Kasse der Sammlung erhielt einen bedeutenden Zuschuß, Aber wie groß war das Erstaunen der zahlreichen Käufer, als der berühmte Komponist trotz alledem noch seinen prächtigen Haarwuchs besaß, der durch die große Ernte! auch nicht int mindesten gelitten hatte. Nur fein Sammer«* diener erschien in der Folgezeit mit einem nahezu kahlrasiertett Kopse. 'Lk. Das musikalische Echo. Ein Echo, das nicht den gegebenen Ton widerhallt, sondern aus einem Geräusche einen musikalischen Ton „heraushört", befindet sich in Berkeleh tu Kalifornien. Es handelt sich um das griechische Theater der dortigen Universität, ein Bauwerk, dessen Zuschauerraum aus halbkreisförmigen übereinander angeorbneten Stufen besteht. Auf. dieser Anordnung beruht, wie die „Science" beschreibt, die merkwürdige musikalische Eigenschaft des Echos. Wer in der Mitte der Bühne ein Geräusch verursacht, hört nach kurzer Zett einenmusikalischen Ton. Die einzelnen Töne, aus deren wirrer Zn« sammensetzung das Geräusch besteht, werden nämlich nacheinander von den Zementstufen des Zuschauerraumes zurückgeworfen, und die Größenverhältnisse des Bauwerkes sind so, daß auf der Mitte der Buhne mm die znrückgeworsenen Schallwellen tn solcher Reihenfolge nacheinander eintreffen, als seien es die einzelnen Schwingungen, wie sie etwa eine Stimmgabel oder eine schwingende Saite hören läßt. Ein amerikanischer Gelehrter F. R. Watson, der Verfasser des Aufsatzes in der „Science", hat die musikalische Eigenschaft dieses merkwürdigen Echos zunächst mathematisch berechnet unb bann mit einer guten Königschen Stimmgabel nachgeprüft. Die Berechnung ergab, daß ein Ton 227 schlvuigungen gehört werden müsse. Der Versuch ergab eine überraschend gute Heb ereinftimmung mit der Berechnung, nämlich einen Ton von 22b, Schwingungen. Sprachecke bes Allgemeinen Deutschen Sprachvereins. * D i e aufgebrochene Reisegesellschaft. zweite Mittelwort, das Partizip des Perfekts, bezeichnet nunter etwas Zustäudliches, z. B.: der verblühte Baum, die abgebrannte Kirche ufw. Es ist also in gutem Deutsch unstatthaft, zu sagen: „Eine in das Innere von Neuguinea auf gebrochen« Forschungsgesellschaft wird vermißt." Ebenso unstatthaft: Der gestern abend eingetroffene und in der Sonne abgesttegene General hat heute . .; sie kehrten unter die inzwischen angckommene Menge zurück; die soeben aufgetauchte Nachricht; der bisher südwärts verlaufene Bach wendet sich nach Osten ufw. Noch fehlerhafter sind die Fälle, in denen Mittelwörter von solchen Zeitwörtern so angewenbet sind, bte mit „haben", nicht mit „fein verbunden werden, z. B.: der abgenommene Mond, die gegen die Dänen gekämpfte Brigade, der so unglücklich, geendete Dichter ufw. Aber einiger Spielraum ist der persönlichen Sprachemp- finbung nun doch insofern zu lassen, als man solche Fügungen wie „die eingerittene Unorbnuug, die durchgedrungene Kraft, der in den Ruhestand getretene Oberlahrer" durchgehen lassen darf, weil man dabei mehr an die Fortdauer und Zuständigkeit beim, als es gewöhnlich bei biesen Zeitwörtern des Tuns unb Eintretens der Fall ist. Bgl. Matthias, Sprachleben und Sprachschäden 8 § 124. Z. Logogriph. Wie man aus Schwalben Aeroplane zimmert. Darum hab ich mich zwar noch nicht bekümmert, Doch wirb ein ähnlich Wunber hier erreicht: Tn nimmst ein klein Gewicht, unsagbar leicht, Man sinbet's auf bes Apothekers Wage, Unb fügst ein kleines „e" dem Worte an, Nun ivirbs zum Roß aus einer beutschen Sage, Das im Theater man bewunberu kann. Auflösung in nächster Nummer. Auslösung des magischen Dreiecks in voriger Nummerl EIMER ISIS MIK E 8 R Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck unb Verlag ber Brühl'schen Universität?-Buch- unb Steindrnckerci, R. Lange, Giejen.