Mittwoch den \T. Zanuar ♦ iS «i h y f RW litt Clückslasten. Lloman von Hanns von Zobelti A (Nachdruck verboten.) (Fortietzung.) Früher, im guten Körlin, hatte sich sein Leben wie ein gut gehendes Uhrwerk abgewickelt. Es war von strammer Ordnung regiert gewesen, und wie eine Triebfeder hatte seine Frau in der Mitte gestanden. Manchmal hatte sie ihn ein wenig pantoffelt, das gestand er sich selber; aber er hatte sich gerade deshalb so wohl gefühlt. Jetzt hatte sie für ihn nie Zeit. „Hol mich der Geier: die große Triebfeder ist einfach ausgeschaltet!" Alles war anders geworden in diesem schönen, vermaledeiten Berlin. Als sie sich in der Mietswohnung provisorisch ein* richteten, hatte Ida plötzlich gefunden, daß sie ihr Schlafzimmer für sich haben wollte. „Eigentlich ein alter sehnlicher Wunsch. Sei nicht böse, aber du schnarchst wirklich unerträglich. Und wo wir nun in den Räumen nicht mehr so beschränkt sind . . ." Dabei hatte sie ihm noch zärtlich auf die Backe geklopft, ordentlich mit einem kleinen Schelmenblick: „Wir sind doch auch über unsere silberne Hochzeit hinaus . . ." Und nun ging's schon früh am Morgen mit dem Gefühl der Vereinsamung los. Wenn er aufwachte, streckte er immer noch die rechte Hand gewohnheitsmäßig nach der Seite aus und sagte — oder wollte sagen: ,/Morgen, Altchen. Gut geschlafen?" Erkannte daun seinen Irrtum, legte sich auf dre andere Seite und brummelte verdrießlich: „Also nee"; — versuchte noch einen kleinen Dormus nachzuholen, klingelte endlich und ärgerte sich über den „langen Labammel" im schwarzen Nock mit der Meißen Krawatte, der nach einiger Zeit die Gnade hatte zu erscheinen, um die Befehle des Herr» Barons für den An^ug entgegenzunehmen. Ein greulicher Kerl, dieser glattrasierte Silberdiener mit der gedrechselten Tolle. Zuerst war er immer mit der Meldung hereingetreten: „Das Bad ist bereit." Himmel* krenzdonnerwetter . . . bis ihm endlich begreiflich gemacht worden war, daß ein Bad für die Woche genügte. Und seitdem grinste der Lasse unter seiner glatten Maske, als ob er im Innersten seiner Lakaienseele meinte: „Meine frühere Herrschaft badete täglich." Na ja. . . die mochte das nötig gehabt haben. . . Genieren mußte man sich vor dem Kerl, darauf legte der es an. Da hatte man aus dem guten Körlin ein Paar derbe Rindslederne vom Meister Gvolich mitgebracht, die zum Küssen bequem saßen; man rutschte rein und man rutschte raus und wußte gar nicht, wie das geschah. Mer bloß zu sehen, wie Wonseur Friedrich sie anfaßte, [iß «.»faßte, Mit dem Räumen und dem Zeigefinger an den Anziehschlaufen, als ob er seine hochpreislichen Finger nicht mit dem Rindsleder in Berührung bringen wollte. Und wie er fragte: „Befehlen der Herr Baron, daß ich die—se Stie—fel auch mit Creme behandele?" Und wie er sie hinstellte und ihnen bann noch mit den höchsteigenen, in Lackschuhen — wahrhaftig in Lackschuhen — steckenden Fußspitzen einen kleinen verächtlichen Ruck gab! Doch das war ja Wurscht. Neseio, quid mihi magis fareimenti esset! rezitierte Gudareza im berühmten Bis- mnrckschen Kückenlatein. „Ich wüßte nicht, was mir mehr Wurst wäre." Schlimmer wurde es schon ein halbes Stündchen später. In Körlin hatte er immer sein schönes ruhiges Frühstücksstündchen gehabt, im Kreise der Seinen natürlich, mit Mama obenan und den Kindern, soweit sie zu Hause waren, rund- herum. Jetzt — es schrie zum Himmel! — jetzt mußte er fast immer allein frühstücken. Sehr selten, daß Ida am Kaffeelisch erschien. Entweder, sie war noch nicht auf, ober sie war schon aus. Als er einmal leise Einwand erhob, hatte sie die Achseln gezuckt: „Aber Otto, warum sich gegensei ig genieren?" Signe schlief grundsätzlich lange, wenn sie nicht ritt. Blieb Dodo. Aber Dodo hatte anscheinend einen plötzlichen Bildungspips bekommen. Ein* geschailt war sie nicht mehr worden, dafür besuchte sie alle möglichen Vorträge. So saß er denn allein, mußte sich selbst seine Semmel buttern, selbst seine Zigarre anzünden. Drehte und drehte an den dämlichen Zeitungen herum, las hier eine Notiz und da eine und langweilte sich zum Davonrennen. Dann kam die Post, die gewöhnlich ein halbes Dutzend Bettelbriefe, ein viertel Dutzend Aufforderungen zum Beitritt in Wohltätigkeits-, politische, soziale Vereine und ein ganzes Dutzend Geschäftsofferten brachte; dazu als pisee de refiftance einige Geschäftsbriefe, die auch nicht gerade zur Erbauung beitrugen. Schließlich rannte er wirklich davon. In den Tiergarten, durch die Linden zum Schloß, wieder zurück und dann zu Habel, um einen Schoppen Rotspon zu trinken. Manchmal traf er da auch einen Bekannten, und dann wurde noch eine bessere Flasche aufgefahren; dazu gekannegießert, Rangliste gemacht, geklatscht, die Welt verbessert. Eigentlich empfand er auch das als Zeitvergeudung. Schlimmer war, daß der Frühschoppen ihm nie sonderlich bekam. 9hm, das hörte ja von selbst auf, wenn man aus den provisorischen Verhältnissen heraus war und sein eigenes Heim hatte. Dazu schien nun endlich Rat zu werden. Wer darüber ging auch seine Ansicht, möglichst bald einmal mit Signe ein väterliches Wort zu sprechen, in die Brüche. Als er nämlich von seinem etwas ausgedehnten Bormittagsmarsch — ein bissel Kopfschmerz hatte ihm die Sitzung beim Regiment doch eingebracht — nach Hause kam, flog ihm Dodo an den .Hals: „Papa, Mama hat eine Villa in petto! Diesmal ist's aber wirklich etwas!" Und sie lachte ihn dazu atts ihren blanken schwarzem Augen 34 tm, als ob sie im geheimem hinzusehte: wenn's mir wahr wird. Das liebe arme Ding! Eigentlich hatte Dodo am wenigsten von der ganzen Umwandlung der Verhältnis; e, von dem ganzen Berlin! Nicht einmal ein ordentliches Zimmer hatte sich für sie in der großen Mietswohnung gefunden. Bei Tisch bildete Mamas erfolgreiche Rekognoszierungs- fahrt das Hauptthema. Die Villa mußte ein Juwel sein. Sie lag in der Kilganstraße wie auf einer stillen Insel mitten im Getriebe der Großstadt, ruhig und vornehm, bot viel Raum, hatte einen ziemlich großen Garten und besaß allen modernen Komfort. Friedel, der auch zu Tisch gekommen war, betonte lebhaft die Vorzüge der Lage; Frau Ida war begeistert über die wirtschaftliche Bequemlichkeit, über den Komfort des Baus, in dem weder Vakuumreiniger noch Kühlvorrichtungen, weder der einbruchssichere Geldschrank noch das eigene Badezimmer für die Dienerschaft fehlten. Signe beteiligte sich fast gar nicht an der immer wärmer werdenden Debatte. Sie saß in ihrem modefarbenen Schneiderkleid — Trauerkleidung hatte sie als Heuchelei rundweg verweigert — wie ein Bild von Stein am Tisch Dies Planen schien sie zu langweilen, ja sie gähnte einmal sogar verstohlen. Als Dodo, die wie immer Feuer und Flamme war, sie entrüstet fragte: „Aber Signe, interessiert dich das denn nicht?", entgegnete sie zwar: „Doch — doch!", aber sie sah kaum auf den Bauplan, den Mama zum Dessert üufrollte. Nur einmal nach einem flüchtigen Blick auf die Zeichnung sagte sie: „Ich möchte gern ein Südzimmer haben." „Selbstverständlich, Signe," gab Vater sofort zurück und suchte auch gleich im oberen Stock. „Hier denke ich. . das wird recht etwas für dich sein. Dodo bekommt dann das zweite kleine Zimmer — da — und ihr beiden Mädels erhaltet einen gemeinschaftlichen Salon dazwischen." Er fühlte sich sehr angeregt und seit langer Zeit einmal wieder ganz als Familienvater. Hier gab cs doch etwas, wonach er gefragt werden, wo er Auskunft geben, eine Entscheidung treffen mußte. Neber den Preis erschrak er zwar wieder. Aber er äußerte sich darüber nicht; es war längst seine Gewohnheit geworden, sich im stillen mit den Geldsachen abzufinden. Dafür meinte er: „Nun, wir werden ja sehen. Ich will gleich nachher hinfahren — natürlich mit dir, Mamachen. Und wenn alles so zutrifft, wie du s schilderst, nun dann hißt's also endgültig: von Kö.lin nach Berlin. Ich werde froh sein, sobald das Provisorium hier zu Ende ist." , 5. । । Draußen lag der Raubreif aus den Bäumen. Bis dicht an das Fenster reichsten ein pa-r zuckerkandierte Zweige der großen Kastanie. Durch den Spalt zwischen den Vorhängen konnte Signe grad auf das seine glänzende Geflecht sehen und auf ein Stück blauen Winterhimmels dahinter. Es war sswpsindlich kalt gewesen auf der Eisbahn Lange hatte sie es nicht ausgehalten auf dem spiegelglatten Neueis des Tiergartenfees, jo schön der Laus gewesen war. Aber im Zimmer war es behaglich. Sie hatte die Kurbel der Heizung ganz aufgedreht, und die Zofe mußte noch den Easlamin au stecken, ehe sic entlassen wurde. Zwischen deri großen glattpolierten Kupferplatten züngelten die Flämmchen, und der warme Schein leuchtete über den blauen weichen Teppich bis an das Fußende der Chaiselongue. Langausgestreckt lag Signe in ihrer porzellanblauen Matinee, unter der die übereinander gekreuzten Füßchen grob noch heraussahen. Die Arme hatte sie im Nacken verschlungen. Die Augen halb geschlossen. Wohlig dehnte sie die Glieder und träumte von ihrem jungen Leben. Eigentlich fühlte sie sich erst jetzt, nachdem der Umzug und die Einrichtung vollendet waren, froh und glücklich über den großen Umschwung ihres Daseins. Vorher: es hatte da doch allerlei zu überwinden gegeben. Aeußer- lich und innerlich. Es war ihr nicht so wicht geworden, wie sie sich den Anschein gab, sich wieder in den Kreis der Familie einzuleben; manchmal hatte sie sich beinah in das bei aller Gebundenheit so freie Reiseleben mit der kleinen Hoheit zurückgesehnt. Manchmal war sie sich unter den Augen von Vater und Mutter doch wie ein wieder eingefangener «Vogel vorgekommen. Und dann waren die Erinnerungen an Viktor auf- gctaucht und Selbstvorwürfe und Sehnsüchten zugleich —, |o heiße Sehnsüchten, 'daß der Schlaf sie sloh. Es war ja alles Unsinn und Schwäche, albernes Mäd- chenempsinden, das man bezwingen mußte und konnte. Nur nicht klein werden. Nur immer die Zukunft fest im Auge haben. Und sich der Gegenwart freuen . . . Sie löste die Arme im Nacken und streckte sie aufwärts, daß die weiten Aermel zurückfielen. Sie streifte zärtlich mit der Rechten über die feine Rundung des Fleisches. Und sie lächelte, wie sie gern lächelte, wenn sie allein war. In stiller Freude und doch ein weni-g spöttisch. Spöttisch über die Männer, die diesen weißen Arm schön gefunden hatten, die ihn schön finden würden. Und sie zog die schmalen, langen Finger dichter an die Augen und betrachtete sie vom Handansatz bis zu den rosig schimmernden Nägeln. Und dachte daran, wie sie zugreifen sollten und festhalten. Nur einen einzigen Ring trug sie. Den kleinen Reifen mit dem großen, von Brillanten umrahmten Smaragden, den Vater ihr neulich zu ihrem drei- undzwanziqsten Geburtstag geschenkt hatte. Er war so kostbar, daß Mutter, die sonst gar nicht mehr fürs Sparen war, mit lächelndem Vorwurf gemeint hatte: „Alterchen, solch einen Ring für ein junges Mädchen?" Wie würde sie den ausgelacht oder zornfunkelnd angeblitzt haben, der ihr vor einem Jahr gesagt hätte, daß Vater ihr einen so kostbaren Ring schenken würde! Damals, als ein neues billiges Fähnchen zum Geburtstag ein Ereignis gewesen war. Damals, als sie manchmal nicht wußte, wie sie die Wäscherechnungen in den Hotels bezahlen sollte, wenn die knauserige kleine Hoheit ihr die mit spitzen Fingern znschob: „Nun, meine Liebe, Sie brauchen ja mehr für Jupons als ich. . ." Laut auflachen mußte Signe plötzlich, als sie daran dachte. Laut und froh. Dem Himmel {ei'3 gedankt, daß all die Misere vorbei war! Ganz fest kuschelte sie den Kopf in das blauseidene! Daunenkissen hinein, streckte sich verschränkte die Arme unter der Brust, blinzelte zu den weißseidenen, durchbrochenen Strümpfen hinunter, über die der Feuerschein aus dem Kamin wärmend spielte, und auf die kleinen koketten Schühchen aus rotem Maroquin: gelobt fei Onkel Reinhard . . . es ist doch wunderschön, reich zu sein. Reich zu sein, wenn man arm gewesen ist! Wohl gerade der Kontrast macht so glückselig. Wie eine Danas kam sie sich vor, aus deren Glieder der Goldregen wonnig herunterrieselt. Der herrliche Goldregen. . , , (Fortsetzung folgt.) Glatteis. Humoreske von Helmuth tan Mor. Herr Gustav Westermaper, in Firma Westermoyer und Tobias ging seit einer halben Stunde mit dunkel gerötetem Antlitz tm Wohnzimmer der Westermayerschn Villa aus und ab. Und jedesmal, wenn ihn sein Weg am Tlsch vorüberführte, wenn jein Blick auf das zerknitterte Briefblatt fiel, das da lag, rötete sich sein rundliches Angesiclst noch um eine Nuance tiefer, und seine für gewöhnlich recht gutmütig dreinblickenden Aengelchen schienen Zornenblitze zu sprühen. Ah, er sollte ihm einmal unter die Finger kommen — dieser — dieser Mensch — dieser pflichtvergessene Geselle! — Und dieses Wesen, das ein Gesicht hatte, wie ein vierzehnjähriger Schulbube und von dem sündhaften Getriebe der Welt nicht mehr zu wissen schien als ein neugeborenes Knäblein — diesen Heuchler hatte er bisher als das Muster eines wohlerzogenen Sohnes hingestelltl Gerühmt hatte er sich seiner — und väterlicher Stolz hatte seine Brust geschwellt, wenn die anderen, die Geschäftsfreunde, sich über ihre Söhne beklagten. Und jetzt — jetzt! Wenn er noch an das hämische Gesicht des Schneiders dachte — zur Decke hätte er hinausgehen mögen. Wie der Mann ihm den Brief zusammen mit einem Zigarrenetui feierlich überreicht hatte — der Herr Sohn habe vergessen, ihn aus der Joppe zu entfernen, die zum Ausbessern gegeben worden sei — er wolle die Verantwortung nicht übernehmen — es könne verloren gehen —•• und es sei doch wohl wertvoll — Und da lag er nun, dieser elende Wisch, und oben als Ueber- schrift ktand in großen Buchstaben: „Mein geliebter Hans!" Und bann vier Seiten voll verliebten Unsinns ~ lind zuch Schluß: „Deine getreue Elsie." Mein — dein! — Ja, wenn er, Gustav Westermayer, nicht Gott sei dank auch noch dagewesen wäret Eine Heimlichs 86 Liebschaff — sein Sohn, sein Müsterkind — hahaha! UnS her Inhaber der Firma Westermaner u. Tobias lächle so schneidend, dah er selbst vor der Größe seines Zornes erschrack. Und gerade jetzt mnßte ihm das passieren — gerade jetzt, Ivo er mit seinem Geschäftsfreunde Lindemann übereingekommen war, daß ihre Kinder sich heiraten sollten. Aber er würde sie ihm austreiben — die Mucken! Und der kleine runde Herr mit dem behäbigen Bäuchelchen, auf dem eine dicke goldene Uhrkette prangte, schlug mit der geballten Faust auf das unschuldige Briefblatt, daß die daneben liegende Zigarrentasche (troll von seinen Zigarren! — Oh, dieser Musterst) hn !) einen erschrockenen Lustsprung machte. Sicherlich steckte er heute wieder mit seiner Flamme zusammen :— denn im Geschäft war er ja nicht. Ter Gedanke benahm dem kleinen Herrn beinahe die Luft. Er hielt es in dem engen Zimmer Nicht mehr aus — draußen, in der stischen Lust, wollte er den ersten gärenden Zorn austoben lassen, daß er dem Sohne nachher mit eisiger Kälte gegenübertreten konnte. Er hüllte sich in seinen Pelz, und weil er seinen Aerger in Bewegung umsetzen mußte, stürmte er förmlich die Straße hinunter. Sehr bald aber nötigte ilm die Schlüpfrigkeit des Weges, ein maßvolleres Tempo anzuschlagen. Es hatte in den letzten Tagen Tauwetter geherrscht — und nun war üsber Nacht wieder das grimmigste Frostwetter eingetreten. Es war bitter kalt, und die Straßen, aus denen gestern noch das Wasser des aufgetautcn Schnees in kleinen Tümpeln gestanden hatte, waren so hart und so glatt gefroren, daß man nur mit Mühe das Gleichgewicht behaupten konnte. Hätte die unerwartete Entdeckung ihm nicht ganz seine sonstige Besonnenheit geraubt, so hätte der würdige Geschäftsinhaber es wohl vorgezvgen, in sein Heim zurückzukehren, aus dessen Tielen er seinen Bewegungsdrang wenigstens ohne Gefahr eines plötzlichen Sturzes betätigen konnte. Statt dessen aber stürmte er immer weiter, ohne auf den Weg zu achten, den er einschlug — so lange, bis seine kurzen Beinchen einen plötzlichen Rutsch nach vorn« machten und ein anderer Körperteil, der allerdings von der Natur zum Sitzen bestimmt war, in recht unsanfte Berührung mit dem vom Glatteis bedeckten Boden kam. Gustav Westermayer ließ eine ingrimmige Verwünschung aus, Und machte eine verzweifelte Anstrengung, sich von seinem unbehaglich kühlen Sitz zu erheben. Aber es blieb ein vergeblickies Bemühen. Tenn ein mit großer Heftigkeit im rechten Fußgelenk einsetzeuder Schmerz, der ihm ein leichtes Aechzeu abpreßte, belehrte den Bedauernswerten, daß der Sturz nicht ohne verhängnisvolle Folgen geblieben war. Zum wenigsten hatte er sich den Fuß verrenkt — oder am Ende gar gebrochen. Wer Konnte es wissen - — Jedenfalls stand mit unumstößlicher Gewißheit fest, daß er sich ohne fremde Hilfe nicht von der Stelle bewegen konnte. Und ein Blick, den er in die Runde schweifen ließ, belehrte ihn darüber, daß diese fremde Hilfe möglicherweise recht lange auf sich warten lassen konnte. Er war da in eine Stadtgegend geraten, die ihm selbst noch ganz fremd war — in eine stille, abgelegene Straße, an der sich recht bescheidene kleine Einfamilienhäuser erhoben. So verzweifelt er auch nach allen Seiten spähte — nirgends wollte sich ein lebendes Wesen zeigen, mit Ausnahme eines kleinen weißen Spitzes, der eine Zeitlang mit allen Anzeichen der Verwunderung an Gustav Westermayer herumschnüsfelte, bis ihn ein zorniges Wort verscheuchte. Tann aber glitt ein Hoffnungsschimmer über des Gestürzteit schmerzlich verzogenes Gesicht. Durch den Garten, vor dem sich fein Unfall ereignet hatte, kam leichtfüßig ein junges Mädchen geschritten, und gleich darauf fiel hinter ihr das eiserne Psörtchen klirrend ins Schloß. Sie schien den Bedauernswerten nicht zu bemerken und wollte sich offenbar in die entgegengesetzte Richtung wenden. Ein kläglicher Zuruf Westermayers brachte sie dann freilich zum Stehen — aber als sie dessen ansichtig wurde, der sie da angerufen, da schien es, als wollte sie jäh die Flucht ergreifen. Herr Gustav Westermayer sah in Mei runde Augen, in deren Blick sich der größte Schrecken aussprach. Aber er sah auch, daß diese Augen in einem allerliebsten jungen Gesichtck»en stanven. Und mit einem Gemisch väterlicher Freundlichkeit und hilfloser Bitte sagte er: „Wollen Sie nicht die große Güte haben, liebes Kind, jemanden herbeizuholen, der mir behilflich sein kamt? — Ich bin gestürzt — Und habe mich am Fuß verletzt. Wenn Sie vielleicht einen Wagen Nun schien die niedliche Kleine ihren rätselhaften Schrecken rasch zu iiberroinbeit. Sie trat zu ihm und mit heller Stimme sagte sie: „Ein Wagen wird wohl hier nicht auszutreiben fein, Herr Westermayer. Aber wenn Sie sich mit meiner Hilfe bis in das Häuschen hier begeben könnten — meine Tante wohnt dort, und sie versteht sich auf die Behandlung von Verletzungen so gut. Sie wird Ihnen gewiß gern behilflich sein." Daß sie ihm bei seinem Namen angeredet hatte, war ihm in der Freude über ihre entschlossene Hilfsbereitschaft ganz entgangen. Aber er meinte doch bedenklich: „Ich bin Ihnen unendlich dankbar, mein liebes Fräulein — aber ich weiß nicht — es dürste Ihnen wohl doch zu schwer seilt —" „Wir könnten es immerhin versuchen — nicht wahr?" gab sie zur Antwort. „Wenn Sie sich noch einen Augenblick gedulden wollen ich möchte nur meine Tante benachrichtigen" Sie eilte rasch ins Haus, und mit hem Ausdruck aufrichtiger Bewunderung sah ihr der Gefallene nach. Was war das für ein fixes Mädel! So hätten sich gewiß nickst viele einem gleichgültigen Menschen gegenüber benommen. Und hübsch war sie — alle Wetter! — Sie ließ ihn nicht lange warten. Sehr bald kam sie zurück, und mit ihr wurde eine Matrone mit freundlichem, milden Gesicht in der Tür des Häuschens sichtbar. „So — wenn Sie sich vielleicht auf Ihren Stock stützen, Herr Westermayer — und recht fest aus meine Schultern — sehen Sie —- es geht schon." Mit vielem „Ach" und Ohhatte er sich aufgerichtet, und int Bewußtsein seiner hundertundsünfundachtzig Pfund schwebte er jeden Augenblick in der Furcht, daß die Last für das so zart aussehende junge Mädchen zu groß werden würde. Tenn er mußte sich schwer auf sie stützen. Aber sie entwickelte eine Kraft, die er wahrlich nicht erwartet hatte, und die ihn von Neuem mit der höchsten Bewunderung erfüllte. Statt daß sie ihm — Ivie er es gefürchtet hatte — erklärte, es ginge doch über ihre Kräfte, redete sie ihm noch aufmunternd zu — und der Klang dieser Hellen, reizenden Mädchenstimme lieh den alten Herrn seine Sckstnerzen wirklich fast vergessen. -Er saß drinnen auf dem Sofa in dem traulichen kleinen Wohnslübckstn, ehe er sich dessen versah — und geschickte Frauenbünde, deren wohltuendes Wirken er lange hatte entbehren müssen, mühten sich für die Linderung seiner Schmerzen. Es ist Gott sei dank nur eine Sehnenzerrung," sagte die alte Dame, die sich sogleich des verletzten Fußes angenommen hatte. „Aber ich werde meine Nichte trotzdem lieber zum Arzt schicken. — Vielleicht nehmen Sie bis dahin mit mir eine Tasse Tee —- etwas Warmes wird Ihnen nach dem Schrecken gut tun." Gustav Westermayer glaubte sich in eine Welt gütiger Feen versetzt, und er fühlte sich so ausnehmend behaglich, daß er bald seinen Unfall nickst nur, sondern auch die indirekte Ursache desselben vergesien hatte. Während das junge Mädchen zum Arzt ging, plauderte er mit der alten Dame — und feit Langem hatte er keine so gemütliche halbe Stunde verbracht. Sie hatte wirklich darauf bestanden, ihm Tee zu bereiten, und sie hatte ihm das knusprigste Gebäck dazu serviert — als wäre es ihr bekannt gewesen, daß das von jeher zu Gustav Westermayers kleinen Schwächten gehört hatte. Er konnte denn auch nicht umhin, es zu loben; und mit dem Ausdruck innigen Stolzes auf dem Antlitz entgegnete die Matrone: „Es freut mich, daß sie Ihnen schmecken. Meine Nichte hak sie gebacken — sie ist aber auch wirklich eine kleine Kochkünstlerin." „Ein Prachtmädchen!" entgegnete der Geschäftsinhaber aus tiefster Ueberzeugung. „Sie wird einmal einen Mann sehr glücklich machen." „Ach — daran denkt sie noch nicht," lautete die Erwiderung. „Tie Mädchen heutzutage sind überhaupt nicht so auf das Heiraten versessen. Meine Kleine wenigstens will gar nichts davon hören — sie ist viel zu stolz auf ihre Tätigkeit. Tenn nicht mir den Haushalt führt sie mir — ihre Ettern sind schon lange tot, leider — sondern sie gehl auch den Nachmittag über als Buchhalterin in ein Geschäft, und ihr Chef kann sie mir immer gar nicht genug rühmen." „Wirklich — Sie können sich glücklich preisen, einen solchen Schatz zu besitzen," versicherte Herr Gustav Westermayer wieder. Und als das junge Mädchen eben jetzt mit dem Arzt zurückkehrte, begrüßte er sie mit den freundlichsten Worten, die ihm zu Gebote standen. Und daß sie darauf nur in schämiger Verwirrung das Köpfchen senkte, wie um die dunkle Glut zu verbergen, die ihrs Wangen färbte, ließ sie ihm noch lieblicher erscheinen. Ter Arzt bestätigte die günstige Diagnose der alten Dame, und er fand überdies, daß sie schon alles für die Verletzung getan; batte, was sich tun ließ. So empfahl er sich sehr bald wieder, Tie Matrone aber wandte sich an ihre Nichte: „Nun wirst du dich lvohl umsehen müssen, Elise, wo dtz einen Wagen auftreibft —" Tas sonderbare Gesicht, das der unfreiwillige Besucher plötzlich machte, ließ sie verwundert verstummen. Gustav Wester-, mager aber sagte: „Sagen Sie einmal, mein liebes Fräulein — kannten Sie mich eigentlich schon? Es war mir doch, als ob Sie mich vorhin schon beim Namen nannten —?" Wieder färbte eine dunkle Purpurglut Fräulein Elftes Wangen. „Ich — ich glaube — ich habe Sie — sck)on einmal gesehen," stammelte sie in höchster Verwirrung. Aber der Inquirent kehrte sich nicht an ihre Verlegenheit. „Kennen Sie vielleicht auch meinen Sohn?" inquirierte er weiter. „Hans heißt er — Hans Westermayer." „Nein — das heißt — ja so flüchtig — ich weiß nicht —i ich glaube, auf der Eisbahn —" „So so — auf der Eisbahn. Ja, mein Sohn ist feit einiger Zeit — feit ganz kurzer Zeit, hm — ein leidenschaftlicher Schlittschuhläufer. Und da hat er mich Ihnen wohl mal gezeigt — wie? So ans der Entfernung?" „Ich — es kann — eS mag sein — ich weiß nicht—“ Auch ein steinernes Herz hätte ihre verzweifelte Hilsloftgkeik rühren müssen. Herrn Gustav Westermayer rührte sie nicht. 36 „Hm! — Und da hak er Ihnen gesagt — Das ist der grausame Vater, der seinen Sohn nicht glücklich werden lassen will — oder etwas ähnliches — rote ?" Seine Blicke bohrten sich in Fräulein Elftes Augen., Und diesmal fand sie keine andere Antwort mehr, als daß sie laut aufweinend die Hände vor das Gesicht schlug und aus dem Zimmer flüchtete. Tie aufs höchste erschrockene Tante, die sich alles nicht zu deuten wusste, wollte ihr folgen — aber Gustav Westermayer legte seine Hand auf ihren Arm. Und mit einer Stimme, die all ihr inquisitorische Härte verloren hatte, sagte er: „Lassen Sie sie nur noch ein Kistchen, verehrtes Fräulein! :— Sie hat eine kleine Strafe wohl verdient. Aber das mit ihrer Heiratsscheu — das wollen wir, wie ich denke, dahingestellt bleiben lassen, meine Liebe. Man täuscht sich eben bisweilen in den Kindern — man täuscht sich bisweilen. Und ich will nur hoffen, dass alle Enttäuschungen einen so gllicklichen Ausgang nehmen wie diese." Der Eulerkapper. Ein Beitrag zur Giestener Untversitätsgeschichbe. Bon D. iTr. Diehl, Stadtpfarrer in Darmstadt., (Schluß.) Am 19. November erschien ein Polizeiknecht benebst zwei Schützen und zwei Mann Grenadiers in Eulers Wohnung, jagten mit Drohungen die Schulkinder heim, „schmissen", wie Euler berichtet, den Hausrat teils vor die Tür, teils in den Hausehrn Und machten sich dann in dem geräumten Hause lustig, indem sie den vorübergehenden Soldaten und Dienstmädchen zuriefen: „Sie waren retztunder Schuhlmeister, sie sollen nur herauf kommen" Eulers Einsprache hatte dann freilich den Erfolg, dast er seinen Hausrat wieder einräumen durfte. Am 13. Dezember aber mußte er für alle Zeiten aus dem Haus an der Wagengasse. Er zog m der Wittib L e n tz e n Haus in der H u n d s g a s se über, nachdem die Stadt sich zur Bezahlung von 24 Gulden Mietzins hatte bereit finden lassen. Tie neue Wohnung Eulers war sehr übel. Er mußte sich in ihr elendiglich behelfen, erlitt großen Schaden an „Kleidern und schwarzem Zeug" und konnte außerdem die Stuben nicht verschließen. Euler bemühte sich deshalb, ein anderes Logis zu bekommen, zumal shni sein Mithausbewvhner, der „böse und gewissenlose Schreiner Hoß", in dem Lenhischen Haus die „gottvergessenste und elwenrührigste Nnbilde und Schaden" zn- Wgte Er hatte aber erst im Jahr 1778 das Glück, aus seinem Elend erlöst zu werden. Seilte neue Wohnung, die Euler im Mai 1778 bezog, lag in der Kaplansgasse: sein Mtetherr war der Fuhrmann Müller. Hier wohnte Euler bis 1781. Dann kaufte er sich ein eignes Haus, zu dem ihm Superintendent Benner das Geld schoß. In ihm wohnte er bis an sein Lebensende. Wo es lag, ist mir nicht bekannt. Nach diesen Darlegungen über Eulers Wohnung ist der Schau- plah der Eulerkappereien hauptsächlich das S ch n l h a u s über d e r W a g e gewesen. Im November und Dezember 1776 spielten dw Verhandlungen wegen Eulers Auszug aus dem Haus, d. h. gerade in der Zeit, da die Eulerkappereien den Höhepunkt erreichten. Man kann sich denken, rote viel Stoff den Studenten der Gewaltakt der Polizei bei der Hausräumung am 19. November und dann Eulers wirklicher Auszug bot. Tie Eulerkappereien gingen dann in der H u n d s g a s s e weiter. Sie dauerten bis in die erste Hälfte des Jahres 1777. Es liegen verschiedene Notizen vor, aus denen wir den Zeitpunkt berechnen können, wann der Unfug aufhörte. Als im Oktober 1777 eine große Untersuchung wegen der Mißstände auf der Universität Gießen geführt wurde, kamen Eulerkappereien bereits nicht mehr vor. Sie sind auch fernerhin nicht mehr vorgekommen. Dafür sorgte ein gemessener Befehl, der mit anderen „Wischern" am 26. November 1777 an die Universität von Darmstadt aus erging. In ihm ward der Universität ernstlicher Vorhalt wegen „der bmten Behandlung der unter Anführung des Laukhard dem Mädchenschulmeister Euler viele Nächte hindurch beschehcnen Jn- sultnt und Beleidigungen" gemacht und angeordnet, „daß fürohin die Conravenienten mit Carcerstrafen zu belegen, auch die Pedellen anzuweisen seien, des Nachts bei dringenden Nothfällen auch allenfalls ohne vorherige Anfrage bei dem Rector, wenn zumahl tumultuarilche Gesellschaften sich zusammenrottiren, die Wache zu Hülfe zu rufen und die Schwärmer in sichere Verwahrung ad interim bringen zu lassen". Aber es hätte dieses Befehles nicht mehr bedurft. Als er herauskam, hatte sich bereits seit Monaten der Anführer der Ettlerkappereicn, Laukhard, „bekehrt". Wir erwhen das aus einem Briefe, den am 18. Oktober 1777 der da- !"°^.^Melropolitan Lobstein, der bis Juni 1777 Professor tn Großen gewesen war, an den „allmächtigen" Professor Koch rn Gießen schrieb. Es heißt da: „Die Eulerkappereien nahmen etn Ende, ) obalb Laukhard mich zu sreguentiren anfing, wie ich es mit seines Vaters Briefen bestätigen kann und die Zeit des Ehrens es ohnehin beweist." Ta Lobstein bereits Ende Juni 1 c c c nicht mehr tn Gießen war, muß das Ende der Eulerkappereien vor.jdteien Termin gesetzt werden. Wahrscheinlich hörten sie Anfang des Sommersemesters 1777 auf. Zum Schluß mögen hier noch einige Notizen Platz finden über den Namen Euler kappe r. Laukhard sagt, der Name sei em „Ekelnamen" für Euler gewesen. Als solchen bchaiidelt er ihn in seinen Memoiren und in seiner Schrift „Eulerkapper", wo er die Namen Euler und Eulerkapper einfach gleichsetzt. Es ist nun interessant, daß uns bereits im Jahr 1777, also lange Jahre bevor Laukhard feine Memoiren schrieb, eine untere Gleichung begegnet. Nach ihr ist der Eulerkapper Laukhard selber! Er heißt so, weil er den Euler „kappt", abkappt, aus- schillt, heruntermacht. Tie Beziehung Laukhards mit dem Wort EnlerÜapper (= Eulerverfolger) stammt von keinem Geringeren dis dem Professor Koch. Es ist uns ein Brief Kochs, datiert'vom 15. Oktober 1777 und gerichtet an den Metropolitan Lobstein, überliefert, in dem Koch dem Lobstein zu verstehen gibt, roas für ein trauriger Kerl der Student Conradi sei, den Lobstein neben Laukhard zu seinem „Schoosjünger" erwählt habe. In diesem Brief, der in der Gelehrtengeschichte seinesgleichen nicht haben dürste, beginnt Koch mit folgenden auf Conradi und Lauklmrd abzielenden Worten: „Aus inliegenden (Sepien können Ew. Hoch- ehrwürden ersehen, was vor ein sauberer Spiesgesell dero zweiter Schoosjünger (denn der Eulerkapper ist aus den schändlichsten Versen und der Eulerkappers Historie bekannt genug) Conradi junior, genannt Unhold, welchen Namen er sich aitdMn Gießen beygclegt gehabt, ist." Danach war nach Kochs Ansicht also der Eulerkapper anfänglich Laukhard: seine Taten hießen die Eulerkappereien. Später hat Laukhard die Umdeutung vollzogen, die dann in seinem Buch „Eulerkappers Leben und Leiden" so weit geht, daß er seinen Helden als Sohn einer Pfarrersköchin namens Euler geboren werden läßt, als dessen Vater sich ein mit Geld zu Superintendenten Ouodammodarius bestochener, der Eulerin völlig unbekannter Schornsteinfegergeselle nanteus Kapper ausgibt. Als später den Studenten diese vermeintliche Abstammung des zum Magister legens avancierten Euler bekannt wird, nennen sie ihn Eulerkapper. Nachdem Laukhard auf diese Weise aus deut Euler den Eulerkapper gemacht hat, kann er nunmehr aus dem Reiche der Tichtung in das der Geschichte übergehen. Er zeigt, wie Ettlerkapper Mädchenschullehrer wird, und wie ihn die Studenten verulken. Daß übrigens Laukhard wirklich der schlimmste unter den Eulcrseinden war und den Namen Eulerkapper verdiente, geht, abgesehen von den bisher mitgeteilten Notizen, auch aus einem hochofsiziellen Schriftstück hervor, dem Bericht der als Unter- sttchungskommission 1777 eingesetzten drei Gießer Juristen Klipstein, Grolman und Zangen. Er tadelt am Anfang die zu große Nachsicht, die die früheren Rektoren walten ließen, und schreibt dann wörtlich folgendes: „Zu jener ohnverantwortlichen zu großen Nachsicht (der vorigen Rektoren) zehlen wir den von einigen Professoren in ihren Gutachten gerügten Fall mit dem Studioso Lauckhard, welcher unter dem vorigen Rcctorat mit einem großen Th eil der hießigen Studenten einen Mägdgen-Schulmeister Rahmens Eitler viele Nächte hindurch infultiret, dessen sich, wie er beym Rector feine Hülfse erhallen können, endlich noch das Consistorium und die Policey-Deputation annchmen, und den Necborem seines Amts erinnern lassen mußte." vermischtes. * Kohlenverbrauch und fllitna. Auf Grund der Daten, die von den meteorologischen Bureaus der Vereinigten Staaten gegeben werden, ist der amerikanische Ingenieur Bolton zu der Ansicht gekommen, daß die Wärme, die durch das ständige Verbrennen von Kohle in die Lust entsandt wird, allmählich das Klima von Neuyork und seine Umgebung beeinflussen muß. Bolton schätzt das Gewicht der Kohle, die in der Millionenstadt jährlich verbrannt wird, auf 19 Millionen Tonnen, und auf 440 Tonnen das Gewicht der Kohle, die man verbrennen müßte, um die von den fünf Millionen Einwohnern erzeugte Wärme hervorzubringen. Seit dem Jahre 1870 fällt nun die Temperatur in Neuyork immer seltener unter —17 Grad Celsius, und diese Abnahme der Kälte entspricht der Vermehrung des Kohlenverbrauchs. Andererseits nimmt auch die Zahl der wolkenlosen Tage im Jahre zu und es macht sich eine besonders im Winter merkbare Verminderung der Niederschläge geltend. Charade. Tie erste roiinicliet htemrtiib gern zu fein, Dock trägt ein jeder sie mit sich herum. Tie zweue stellt auf manche Art sich ein. Auch zwischen Menschen oit, sieh dtch nur um, Das Wanze tfi zu finden bei den Tarnen ; Nickt schwer wirst du erraten seinen Namen. Vielfach erschemt es dir iw ialschen Schein, Nicht selten aber wird es kostbar sein. Auflösung tn nächster Nummer. Auflösung des Logogrtpho in voriger Nummert Organ, Orkan. Redaktion; K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Umversitäts-Buch- und Stemöruckeret, R. Lang«, (StejeiZ