Samstag, den 16. November JMiil i! u w Die Dame im Pelz. Mo m an von G. W. Appleton. (Nachdruck verboten.^ (Fortsetznug.) , Bis dahin hatten sie meine Tochter ganz aus dem Spiel gelassen. Unglücklicherweise starb aber gerade in dieser kritischen Zeit meine Schwester in San Franzisko, bei der Marcella bislang gelebt hatte, und sie mußte nun zu mir zurückkehren. Da dämmerte in mir der Gedanke auf, daß sie nun auch ihr als der alleinigen Erbin meines Vermögens nachstellen würden. In dieser Not verfiel ich auf eine List. Ich schickte zu einem gewissen Baron von Eißen, der mich in Carson City scharf beobachtete, einen Boten mit der Meldung, daß ich mich mit ihnen verständigen wolle. Er und eine Anzahl anderer Bundesmitglieder kamen dann zu mir, und ich erklärte mich zu allem bereit. Das war heute morgen. Diesen Waffenstillstand benutzte ich nun, indem ich Marcella heute nacht mit diesem Schreiben unbemerkt fortschickte. Eine Freundin, Fräulein Lucy Belton, wird sie begleiten. Sie wird sich auf einem wenig benutzten Umweg nach London begeben und gleich nach ihrer Ankunft Sie aufsuchen, um Ihnen diesen Brief und gleichzeitig ein Kouvert mit zehntausend Pfund in amerikanischen Banknoten zu übermitteln. In Ihrer und Ihrer Schwester freundlicher Pflege weiß ich sie absolut sicher. Lassen Sie sie nicht viel öffentlich sehen, weil sie sonst leicht von einem Mitglied der Gesellschaft erkannt werden könnte. Das Geld stelle ich Ihnen zu beliebiger Verfügung. Deponieren Sie es bei irgend einer Bank auf Ihren Namen, nehmen Sie für Marcellas Ausgaben davon und sparen Sie keine Mittel, die beabsichtigte neue Verschwörung zu vereiteln. Ich selbst werde hier die Anzahl meiner Wachen vermehren; vor Verrat habe ich keine Angst. Ich werde so lange in meiner Burg bleiben, bis ich ohne Gefahr zu Ihnen und meiner Tochter abreisen kann. Sie werden bald erkennen, daß ich sie hintergangen habe und daß das versprochene Geld ausbleibt. Dann wird es an Ihnen sein, nicht allein mich aus dieser uuerträglichen Lage zu be- sreien und mir und meiner Tochter das Weiterleben zu ermöglichen, sondern sich auch den Dank der gesamten Menschheit zu verdienen, indem Sie das geplante furchtbare Attentat vereiteln." Beim Lesen der einzelnen Angaben darüber blieb unserem guten Inspektor allmählich der Verstand stehen. Ich meinte, der Schlag müßte mich rühren! sagte er endlich. Das sind ja geradezu unglaubliche, ganz unerhörte Dinge! Um Gottes willen, Doktor, fahren Sie fort und lassen Sie mich die Namen dieser Unmenschen wissen. „Das Haupt der Verschwörung," hieß es in dem Briefe weiter, „ist der Marquis de Hauteville in Paris. Nach diesem ist eine gewisse Gräfin Katinsky, die sich in London , aufhält, das rührigste und einflußreichste Mitglied der Gesellschaft, und ich habe Grund zu der Annahme, daß die belastenden Schriftstücke und Papiere in ihrer Wohnung aufbewahrt werden. Außerdem will ich noch die Namen einiger untergeordneter Agenten erwähnen, wie des Barons von Eißen und seiner Frau (welch letztere, nebenbei bemerkt, Marcella sehr ähnlich sieht), Bertholdi, Doktor Mercier usw. üsw. Sie müssen aber den Hauptführer unschädlich machen. Rasches Handeln ist unbedingt erforderlich, und es dürfen keine Ausgaben gespart werden. — So verbleibe ich denn in der Hoffnung, daß Marcella diesen Brief wohlbehalten in Ihre Hände bringt, und ich das Glück habe, Sie beide in London wiederzusehen, Ihr dankbarer Emmanuel Garcia." Als ich zu Ende gelesen hatte, ergriff Marcella zuerst das Wort. Der Gedanke, daß ich durch das Verlegen des Briefes soviel Unheil angerichtet habe, das sonst verhütet worden wäre, ist mir schrecklich, sagte sie seufzend. Das ist nicht deine Schuld, beeilte ich mich sie zu trösten. -> Es mag ja sein, aber es tut mir doch! sehr, sehr leid. Der arme Papa! Was mag nun inzwischen aus ihm geworden sein? Ich konnte ihn nie recht verstehen, aber jetzt begreife ich alles. Oh, diese Unholde! Hoffentlich ist er ihren Tücken noch mal entronnen und kann noch teilnehmen an unserem Glück! Was mag er alles ausgestanden haben! Auch ich hoffe von Herzen, erwiderte ich, daß wir ihn bald zu unserer Freude begrüßen können. Seiner und unserer und der ganzen Menschheit Feinde letzte Stunde beginnt ja bereits zu schlagen. Herr Beale, Sie tun wohl am besten, sich diese Adressen zu notieren, fuhr ich, zu dem Inspektor gewandt, fort und gab ihm den Brief. Sie werden sich die Angaben doch gleich zunutze machen wollen? Und ob ich das will! antwortete er, Bleistift und Notizbuch aus der Tasche ziehend. Ich werde heute ein vielbeschäftigter Mann sein; darauf können Sie sich verlassen! Diesmal muß reine Arbeit gemacht werden. Kein einziger von den Halunken darf uns entwischen. Darauf machte der Inspektor schleunigst seine Aufzeichnungen und verabschiedete sich in aller Hast, indem er uns versprach, bald näheres von sich hören zu lassen. Als wir allein waren, galt meine erste Frage der Auffindung des Briefes. Einen Moment, sagte ich, wie habt ihr dieses Schreiben gefunden? Das müssen Sie mir erzählen, Fräulein Lucy. Nun, versetzte sie, nachdem Sie fort waren, packte ich Marcella ins Bett und schärfte ihr noch einmal alles ein. 718 Dann sagte ich zn ihr: „Nun schlaf ruhig ein; ich muß erst einen Brief nach Hause schreiben, dann werde ich mich auch legen." Darauf" ging ich in dieses Zimmer und klingelte. „Eine gute und starke Tasse Tee," bestellte ich beim Kellner. Ich ließ das elektrische Licht in diesem Zimmer brennen und die Verbindungstür zum Schlafzimmer weit offen stehen. Als ich meinen Tee eingenommen hatte und nach Marcella sah, fand ich sie bereits im Reich der Träume. Ich schlich mich mäuschenstill zu ihr ins Bett und lag stundenlang neben ihr, die offenen Augen auf die Decke gerichtet. Endlich kam mir ein guter Gedanke. _ Ich flüsterte ihr ins Ohr: „Wo ist der Brief? Wo hast du den Brief hingesteckt?" Sie rührte sichmicht. Ich wartete einen Moment und wiederholte ihr diese Worte. Da richtete sie sich plötzlich auf. Ich konnte erkennen, daß sie noch fest schlief. „Der Brief," wiederholte sie, „der Brief steckt sicher." Damit sank sie auf das Kissen zurück. Ich verlor schon alle Hoffnung, flüsterte ihr aber in meiner Angst doch noch zu: „Weißt du das auch bestimmt? Weißt du auch bestimmt, daß er sicher steckt?" Nach diesen Worten stand sie langsam auf, blieb einen Angenblick stehen und ging dann schnurstracks in dieses Zimmer. Ich folgte ihr ans den Zehen rasch nach. Sie schritt nach der Stelle zwischen den Fenstern und kniete. nieder. Dann sah ich, wie sie mit den Händen am Teppich herumarbeitete, ihn-etwas in die Höhe hob und mit einem Male den Brief in der Hand hatte. Sie betrachtete ihn einen Moment, dann steckte sie ihn wieder vorsichtig nnter den Teppich und ging ins Bett, ohne ein Wort zu sprechen. Nun holte ich ihn schnell -wieder hervor und' legte ihn unter mein Kopfkissen. Schlaf nachher? kein Gedanke! Hatte ich doch auch dafür zu sorgen, daß Marcella nicht munter wurde, weil sie so schön ruhte. Als sie um sieben Uhr aufwachte, rüttelte sie mich und rief: „Lucy, wach auf! Ist was vorgefallen? Ach, Lieb, ich fürchte, leider nicht, denn ich kann mich an gar nichts erinnern." „Du lieber kleiner Schlafratz," antwortete ich, „sehr viel ist passiert. Sieh hier!" Damit zog ich den Brief unter meinem Kissen hervor unib' schwenkte ihn frohlockend hin und her. Darüber brach fie in einen solchen Jubel aus, daß sie mich herzte und drückte, bis mir die Knochen weh taten. Dann führten wir einen Freudentanz und andere Tollheiten im Zimmer auf; und damit ist meine Geschichte zu Ende. Lucy, sagte ich darauf, Sie sind ein prächtiges Mädchen. Wahrhaftig! fiel mein Freund Mortimer ein, das war großartig, wunderbar! Im übrigen, fuhr er als Mann der Tat aber gleich darauf fort-, dürfen wir jetzt keine Zeit mehr verlieren, sondern müssen den Weisungen Gar- kias möglichst rasch nachkommen. Die Damen bleiben am besten hier, während wir nach Chancery Lane hinunter-' laufen, das Geld abheben — es ist, wie du dich entsinnen wirst, auf uns beide eingetragen — und es auf dein Konto bei einer Bank einzahlen, bei meiner zum Beispiel. Ich will dich dem Geschäftsführer vorstellen, und er wird froh sein, einen Kunden zu bekommen, der mit einer Einlage von zehntausend Pfund anfängt. Ich war mit diesem Vorschlag einverstanden, und in einer halben Stunde war das Geschäft erledigt. Als wir dann zusammen nach Richmond zurückkehrten, blühte Marcella wie eine Rose vor Glück und Zufriedenheit, und in den Straßen waren aller Angen auf ihre herrliche Erscheinung gerichtet. Zu Hanse erwartete mich Herr Barton schon eine Zeit- lang. Ich bin bereits annähernd eine Stunde hier, sagte er, aber Herr Gregory hat mich so ausgezeichnet unterhalten, daß es mir gar nicht lange vorgekommen ist. Und tatsächlich hatte sich Gregory so auffallend verändert, daß ich gar nicht wußte, was mit ihm los war; bis Lucy eintrat. Als ich da seine Augen mit den ihrigen zärtliche Blicke austauschen sah, sagte ich mir allerdings: „O -h ho! Da ist Amor in Tätigkeit getreten und hat ein neues Opfer gefordert." Ich will Sie nicht lange aufhalten, fuhr Herr Bärton nach einer Weile fort. Ich hübe hier das Testament Ihrer Dante. Sie hat später ein neues aufgesetzt, wie Sie wissen, das ist aber nicht mehr unterschrieben worden, hat also weiter keinen Wert. Hit diesen Worten holte er ein mit einem roten Bändchen zusammengebundenes Schriftstück aus der Brusttasche, rollte es auf und begann zu lesen. Aus dem Wust juristischer Fachausdrücke begriff ich immerhin so viel, daß sie mir fünfundzwunzigtausend Pfund, Helen sünfzehn- tausend Pfund und Hephzibah eine jährliche Rente von fünfzig Pfund ausgesetzt hatte. So befand ich mich durch einen Federstrich in der glücklichen Lage, denen ein Schnippchen zu schlagen, die mir etwa nachsagen mochten, ich hätte Marcella wegen ihres Geldes geangelt. Was lag mir jetzt an Garcias Millionen? Auch Mortimer brach gleich in die Worte aus: Gott sei Dank, Helen, nun ist es zu spät für dich, zu behaupten, ich hätte dich aus pekuniären Rücksichten zur Frau begehrt. Für diesen kleinen Zufall bin ich in keiner Weise verantwortlich zu machen, aber trotzdem gratuliere ich dir recht herzlich. 23. Kapitel. Am nächsten Vormittag fuhren wir alle drei: Helen,- Mortimer und ich nach dem Friedhof, wo unsere Tante lag. Als wir am Nachmittage zurückkehrten, erörterten wir die Frage, ob es unter den obwaltenden Umständen! schicklich sei, wenn ich bald Hochzeit machte. Ich für meine Person konnte nichts Unschickliches darin finden, war vielmehr ans mancherlei Gründen der Ansicht, daß es in Anbetracht all dessen, was vorgefallen war, gut sei, die unterbrochene Feier ohne Verzug zu vollenden. Mortimer entschied die Sache schließlich folgendermaßen: Nun, sagte er, Helen und ich haben es uns gleichfalls überlegt, und wir können keinen Grund einsehen, warum wir uns nicht beide nächsten Mittwoch zusammen trauen lassen sollen. Wenn du also einer Doppelhochzeit beistimmst, gut. Es wird daun ein besonders denkwürdiger Tag sein, und Lucy wird im Verein mit dem guten Gregory das Haus hüten, während wir weg sind. Willst du das aber nicht, so werden Helen und ich auf eigene Faust feiern, was dich dann sicher eifersüchtig und neidisch machen wird. Damit war mein Entschluß, gefaßt. Ich fetzte gleich meinen Hut auf und eilte geradeswegs in die Wohnung meines geistlichen Freundes. Können Sie irgend etwas Unpassendes darin finden^ fragte ich, wenn Sie nächsten Mittwoch meine kleine Eheangel eg enh eit endgültig erledigen? Nicht im geringsten, versetzte er; und nach toeuigenj-- Stunden 'wußte ganz Richmond die große Neuigkeit. (Schluß folgt.) Späther Waden. Von Fritz Bley (Berlin). , Im zerwühlten Kartoffelselbe bricht die Bache mit ihren Frischlingen nach den letzten Knollen. Der Bauer vom Kraigen- brink wird morgen seine Helle Freude haben an dieser nächtlichen Arbeit! Unter zerrissenem Gewölbe ruft die Wildgans. Gick— ack—gack—gaaick—gickgack! Weit von Sibiriens Eismoorsteppe kommt sie her. Jetzt strebt sie offenen Gewässern an deutscher Küste zu. Der alte eckige Kirchturm von Bollenthien, der in breiter klotziger Masse aus dem Nebel ausragt, das ist ihr Wegweiser. Gick, gaaik, gaaik, aaaa—i, aaa—i, gack; gaaik! Und richtig: dort die müde alte Hängebirke und ihre Gefährten, die Knirkbüsche -auf der einsamen Heide von Kraigenbrink! Rauschend läßt der Flug sich herab und hochaufgereckt sichert er sich ein am Rande des großen Bültenbruches. Nur das Quieken der Frischlinge dringt herüber. Sonst kein Ton in der nächtlichen Stille Da --beginnen die Grauen zu rupfen. Ab und zu ein leises „gatfi" Sonst Schweigen ringsum, tiefes nebelbanges Schweigen. Auch der alte Ganser, der abseits dU Sippe steht und wachsant sichert, nrmint schließlich Gras auf. „Gack, gick, gack!" Zufriedene Gäste' Tiefrot dämwert's im Osten. 'Da steht die ganze Gesellschaft auf und fährt mit Brausen durcheinander. „Gick, gack, gack, gick!" Doch bald gliedert sich alles, Gans hinter Gans m -schräger Reihe strebt der Zug über glitzernde Seen und blin- kende Flüsse den großen Saatbreiten im Lande der Müritz, und Tollense zu. Hoch über Dörfern und Feldern klingt -es jauchzend von fröhlicher Fahrt: „Gick, ack, aaa—ik, aaa—ik, gack!" Ueber Kraigenbrink will der Nebel nicht weichen. Lang- wallend nesteln seine Schleier sich an die einsame alle Birke, und mit tastenden Fangarmen umhalsen sie die dunkeln stachel- nadltgen Knirkbüsche, die gar nichts nach ihnen fragen. Nur mühsam löst die Heide nun, da die Morgensonne es schließlich gar zu gut meint, Schleier um Schleier von ihrer braungoldenen Pracht, zuletzt das feine Busenfürtuch, das am Mieder von rotbraunen Moorbüschen sich festgehäkelt hatte. Und dann glättet sie rhp von tausend Perlen blitzendes Brokatkleid unter dem klaren Hellblau des Spätherbsthim-mels. Kein Lerchenliederjubel meW 719 ttnb Tein buntes Blütenspiel gaukelnder Falter, wie zür SomMers- freit. Aber rings ein stilles Frohlocken und fraumseliges Leuchten. Glückstrahlend verstreut die einsame alte Birke ihr Blättergold — bald, wenn der Stiem über die Heide hin wnchtet, wird sie verzweifelt ihp langes Rutenhaar raufen. Worauf hofft sie eigentlich noch? Und was ist in die alten Knirkbüfche gefahren? Denken sie nicht daran, toie sie rucken und !z-erren werden 'an ihren Wurzeln, wenn der wilde Schneetanz beginnt? Wie verklärt stehen sie da im heiteren Morgenlichte, als seien sie Pinien im lachenden Weinlande Italien und nicht die einsamen Wirte nordischer Wachholderdrosseln auf der üben Heide von Kraigenbrink! Braunrot jubelt und leuchtet der Porst, glänzend wie Rotlack der sonnenverbrannte Heidelbeerstrauch, altgoldig schimmert das längst verblühte Heidekraut. Und doch ein feierlicher Ernsts in mll dieser Herbstglückseligkeit. Durch die hellhörige Luft zieht es wie Glockenton, der weit, weit her hallt aus Heimlichem Lande. Wie Abschied von Heimat und Jugend klingt es nnd wie Abstreifen der Ernteschwere- und seliges Hingleiten in weite, schweigende, sonnendeglänzte Fernen. Und atemlos lauschen Baum und Busch und Strauch deml Rufe aus der fernen feierlichen Mndachtsstille. Eine junge Eidechse, die nach Grashupfern und Spinnen jagt, klettert auf die Spitze eines Heidekrautbusches und hält dort mit leuchtenden Augen Umschau. Neugierig und verdutzt schaut sie der Fahrt zu, die unternehmungslustig der Samen der alten Hängebirke jetzt antritt. Jedes Korn wird von zwei pergamentartigen Hautansätzen wie von abgestumpften Schmetterlings- slügcln getragen. So braucht es.nicht zu Füßen der alten Mutter niederzusinken und int Gewimmel der Tausende elendiglich verderben. Frei schwingt es sich, vom Sonnenglanze losgelöst aus der geschwisterlichen Gemeinschaft, hinab und fährt im Gleit- sluge dahin in die weite schöne Welt. Oh, so weit, so beseligend weit: bis an den weichen Saum des Blütenbruches oder wohl gar bis zum Poggenpfühl hinüber, wo es in Gesellschaft von Schicksalsgenossen einen neuen Wald begründet! Gewiß tausend werden auf Stein und Unland hilflos niedersinken, verdorren oder verfaulen. Wer was liegt daran, wenn nur eins von tausend den Boden zu fröhlichem Wurzelschlagen findet! Tie Weißbirke drüben am Bruche hat ihren Samen noch besser ausgerüstet zur fröhlichen Lebensfahrt, sie hat ihm eine Ankerzunge mitgegeben, die in seuchtem Boden sich festhakt. Aber keiner segelt doch so schön und sicher als die Früchte des Wollgrases, der krausen Distel und des Weidenröschens, die stiellos an ihren Federkronen befesttgt sind. Wie kleine Luftballons durchqueren sie die durchsichtige Luft, denn ihr Haarschopf mit feinen trockenen Fäserchen behält seine Tragkraft in allen Höhenlagen, nnd jedem Hindernis weicht er nachgiebig ans. Selbst der Regen kann sie nur in langsamen Gleitfluge zur Erde niederdrücken. Aber kommt bann die liebe Sonne ivieder und trocknet die Fäserchen aus, so kann die Reise mit dem nächsten Winde lustig weitergehen. O wie köstlich diese herbstlichen Morgenstunden mit ihrer durchsichtigen Helligkeit nach nebelseuchter Frühe, mit ihrem feinen langsamen Uebergange von fröstelnder Kühle zur leichten Wärme. Mit ihrem Blühen von verspätetem Löwenmaul, winzigen Stiefmütterchen und weißgestirnter Miere, diesem Lebensmute, der allen Todesdrohungen des Winters und allen Stürmen des Herbstes trotzt. Immer wieder ringt er nach eisigen Schauern sehnend dem Lichte zu und will nach so trübem Nebelmorgen doch seinen Frühling träumen. O, du leidbefreiter Sonnengedanke in herbstlicher Welt! Am blauen Kopf der Seemannstreue hängt ein zartes, weißes Gespinst. Eine letzte Tauperle funkelt darin. Hoffnungsvoll unternommene Fahrt hat da am Abend ihr Ende gefunden. Aber schon ist' die fleißige kleine Luftschifferin an der Arbeit, um einen neuen Flugkörper zu Bauen. Einen Teil des gestrigen Fadens hat sie, als sie festhakte, damit gerettet, daß sie an ihm /in die Höhe kletterte und dabei das zurückgelegte Stück sich um die Beine wickelte. Jetzt hat sie die Spitze des Wacholderstrauches da drüben erklommen, stellt sich dort ans den Kopf und spinnt «ns dem röhrenförmigen After und beit zwischen den Eingeweiden gelagerten .Drüsen einen neuen Faden dazu. Aehulich wie Die Seidenraupe aus der Unterlippe ihren Faden herausarbeitet. Das geht sliuk; denn der arme kleine Weber hat bei guter Kost genug Rohstoff angesammelt. Wie ein Fähnlein flattern die ersten seinen Fädchen int Winde. Nun weiß die Spinne, woher der Wind weht, dreht den Kopf nach der Windrichtung und spinnt Faden auf Faden, bis ihrer genug sind, sie zu tragen. Dann wirbelt sie sich um sich selbst, um die Fäden im Unterteil zu einem Tragseile zu verflechten, läßt dann alle acht Füßchen zn gleicher Zeit los und stößt, den Rücken nach unten gekehrt, ab. Unterwegs verstärkt sie das Gewebe unausgesetzt durch neue Fäden iptb segelt so, emporgetragen vom warmen Sonnenschein, jubelnd in die weite schöne himmelblaue Welt. Recht tut sie daran. Denn auch ihter waren, jnst wie beim Birkensamen, viel zu viele iM elterlichen Neste. Zwischen Blättern des Erlenbusches am Rande des Bultendtuches hatte dies gelegen. Eifersüchtig hatte die Mutter die Eier bewacht, die sie in einem prallen Säckchen im Juni dort abgelegt hatte. Aber je mehr die Kleinen gediehen, desto größer ward die Sorge ums liebe Brot. Bis der Weinmond kam mit herbstlich klarem Sonnenschein, und die herangewachsene Brut nun selbständig genug geworden war, nm ans eigener Kraft ihre Schicksalsfahrt anzutreten. >Denn sie haben ja kein festes Schloß mit Gitter und Keller, wie ihre ansässigen Verwandten, die Rad-, Trichter- und Röhrenspinnen. Ihnen gehört nur die Weite, die sie durchsegeln, frei wie der Vogel und vogelfrei. Vielleicht geht die Reise nicht weiter als gestern, etwa bis $ur nächsten Stranddistel oder einem Windhalme, an dem der Faden sich säugt. Daun muß die Gestrandete morgen von neuem beginnen. Aber oft trägt der Wind die Heine rötlichgelbe Seglerin weit/ weit hinaus auf das blaue Meer. 'Dann muß sie spinnen, spinnen, spinnen, um sich selbst zu erleichtern und ihr SchiffieiU tragfähig zu erhalten, bis die letzte Kraft erlischt und ihrer Tausende, die der Wind über Wasser dahergetragen hat, schließlich niedersinken und vergehen. Andere vielleicht sinden besseres Heil und segeln über herbstliche Fluren goldigscksimmernden Buchenwipfeln entgegen dorthin, wohin die Graugänse in dieser Nacht ihren fröhlichen Flug genommen haben. Leicht kann bann die luftige Fahrt beendet werden. Die Spinne klettert einfach aM eigenen Faden hinauf, wickelt diesen wie ein Knäuel um ihre Beine und läßt sich so, wie an einem1 Fallschirm, im Gleit flugs zur Erde nieder. Auf alle Fälle dauert her Flug immer nur bis Sonnenuntergang. Denn mit Abkühlung der Luft sinkt der Faden und (nötigt die Luftschifferin zur Zwischenlandung und Anfsuchung eines Obdaches für die Nacht. Erst wenn am'nächsten Morgen die Sonne neue Wärme spendet, kann die Reise weitergehen. An den drei Knirkbüschen bei der Hängebirke ist die Hauptstraße der Marienfäden; ihrer Hunderte hängen da in den Wachol- dernadeln fest. Ein Jägersmann rastet dort jetzt mit seiner Schweißhündin. Er hat dem Keiler nachgespürt, der auch in dieser Nacht nach der Bache drüben im Kartoffelacker gebrocheni hat. Auch diesmal ist er erst frühmorgens gekommen: beim seine Fährte hat die der Rotte zertreten. Morgen früh will der Jäger ihn am Rückwechsel erwarten. Jetzt steht der Sinn ihm nicht.nach Wild und Jagen. Kann es Schöneres geben, als das stille Traumglück solcher sonnigen Spätherbststunde? Langsam dockt er den Riemen auf; bann streichelt er Freya beit ausdrucksvollen Kopf, den sie mit treuherzigem Aufblicken ihm aufs Knie gelegt hat. Nachdenklich läßt er die Fäden vom Knirkbusche durch die Finger! gleiten und freut sich, als er sie beim leichten Lufthauche zn- rückgib't, ihres Weiterfluges. Gar manchen Tag hat er aus diesem Versteck heraus Heraufziehen sehen. Denn vor Jahren schon hat er die Büsche mit dein Weidmesser an den Innenseiten ausgeputzt, daß sie eine« lebendige grüne Hütte bilden; hat Plaggen zum Sitze gepackt und für die Füße ein Lock) ausgegraben, in dem sie sich behaglich strecken können. Hier hat er den Frühling belauscht, wenn die Spielhahne ringsum kullern und das Rehwild auf dem Bruche sich zufammenzieht, um die Weidenröschen zu äsen, bereit Samen jetzt im Herbste so lustig int Winde segelt. Hier hat ler dem Grauganser die Kugel gegeben, als der heraufziehende Tag ihm den ganzen Flug bei der Aesuug am Bruche zeigte. Hier hat -er dem Kiwitt und dem Tütvagel zugeuickt und am Meckern der Himmelsziege sich erfreut, hier am lauen Sommerabende dem roten Bocke auf gelauert und hier in klarer Winternacht den Fuchs gefchosseu, der bellend auf der Fährte seiner Fähe schnürte. Und hier hat er den Marienfäden seines Weidmaunslebens nachgesonnen, die ihn gen Ost und West geführt haben, um jenseits blauer Meere Neuland für frische Arbeit zu suchen. Ehe geahnt, ist darüber der Herbst des eigenen Lebens herbei- gekom inest. Um die Schläfe spielt es silbergrau und durch beit Blondbart ziehen sich weiße Fäden. Aber das Weidwerk ist immergrün und ewig treu. >. Horch! Noch immer dieser geheimnisvolle Ton in der Suff, wie aus unendlicher blauer Ferne! Wie ans einer kochenden Muschel, in der das Meer in tausend ewigen Erinnerungen rauscht. Herz in dem Wechsel der Zeiten, bist du noch immer jung? Die Nüche im November. Von -A. Burg. Der November, wohl auch der Wildmonaf, steht dock) vor allein int Zeichen der Gans und namentlich für die norddeutsche Hauswirtschaft der fetten Gans, die das so hochgeschätzte Gänseschmalz! hergibt. Während manche Leute als Braten die Fleischganz vorziehen, sind andere wieder für die Güte der Fettgans sehr eingenommen, wobei sie bestrebt sind, durch geeignete Zugaben ober Füllungen diesem „Zuviel" des Fettes zu wehren. In Nord- deutschland verwendet man zu diesem Zweck Aepfel, und es kann! nicht geleugnet werden, daß das sein-aromatische,- oft lieblich- säuerliche Aroma des Apfels sich in vorzüglicher Weise mit dem fettreichen Fleisch verbindet. Als feiner gilt die Füllung mit echten Kastanien, und auf russische Art füllt man mit Sauerkohl. Russische Sitte ist es auch, die Gans mit in Brühe dick gequellter Buchweizengrütze zu füllen und mit reichlicher Zwiebelzugabe zu braten, doch darf diese Bereitung wohl kaum auf Nachahmung in Deutschland rechnen; dagegen ist das Füllen mit Sauerkohl nickst so ohne weiteres zu verwerfen. Man liebt ja gelegentlich 720 auch 'Zauerkohl als Zugemüse zu Gans Intb Ente, weshalb also Nrchk als Füllung? Ter Kohl, der gut mit kaltem Wasser ausgewaschen oder sogar erst mit siedendem Wasser gebrüht und dann mit kaltem ausgedrückt werden muß, wird in sehr wenig Wasser, nebst etwas Fett (und wenn man mag, mit 1—2 zerhackten Zwiebeln) halbweich geschmort, dann, aber ohne daß flüssige Brühe mit dabei ist, in die gut vorbereitete, mit Salz oder mit Salz und feingestoßenem Kochkümmel eingeriebene Gans gefüllt, die man zunächst in die Pfanne in ein wenig Wasser legt und dann wie gewöhnlich int Ofen braten läßt. Tie Zubereitung des Gänsekleins wird zumeist nur auf zwar oder drei Arten: mit Petersiliensauce oder mit Majoransauce oder als Ragout, beschränkt. Gerade jetzt aber, in der teuren Zeit, sollte man da recht verständige Mannigfaltigkeit walten lassen, z. B. Wurzelgemüse dazu, resp. in der Gänsekleinbrüh-e kochen, als da ist: Rüben jeder Art, Kohlrabi, etwas Sellerie und Petersilienwurzel. Auch mit Aepfeln oder — nach russischer Art — Mit Backobst kann man es bereiten. Eine ziemlich neue, aber außerordentlich sättigende und nahrhaste Zubereitung ist die mit Haserflocken: Das Gänseklein (oder Entenklein), dem man, falls es nicht genug für den Tisch ist, noch etwas Rindfleisch oder Hammelfleisch hinzufügen kann, wird nach sorgfältigem Putzen und Waschen Mit kaltem Wasser auf gelindes Feuer gestellt, und sobald cS zum Kochen kommt, sehr klar abgeschäumt. Tann fügt Man Salz und eine geschälte Zwiebel, Wurzelwerk, 5 Gewürzkörner, etwas Majoran- oder Thymiankraut dazu, läßt alles ein Weilchen kochen und gibt dann einige Löffel Haferflocken dazu. Damit muß das Fleisch ganz weich kochen. Nach Belieben kann mau auch eine halbe Stunde vor dem Anrichten 1—2 Handvoll! geschälte, in Stücken geschnittene Kartoffeln hineingeben und gar kochen lassen. Das Fleisch wird herausgenommen, in Würfel geschnitten, dann wieder in die Brühe gelegt, die nach Belieben! dicker oder dünner sein und mit gehackter Petersilie gewürzt werden kann. Tie vorerwähnten südländischen Kastanien sollte man ebenfalls nicht so ausschließlich als Füllung oder geröstet verwenden, sondern auch als Gemüse und in Verbindung mit anderen Zutaten (z. B. Kartoffeln, Aepfeln, Rührei, Sellerie) sowie als gebackene Rollen und als kalte oder warme Mehlspeise geben. Zu einen: warmen Pudding — im Winter ein gutes Abendgericht •— röstet man 400—500 Gramm Kastanien, schält sie, reibt sie auf dem Reibeisen oder zerstößt sie im Mörser zu Brei und gießt diesen Brei zu 250 Gramm zu Schaum gerührter, mit nach und nach dazugefügten 5—6 Eidottern und 150—200 Gramm Zucker gemischter Butter. Dann fügt man noch einige Löffel süße Sahne oder Milch, 80 Gramm gestoßene Suppenmakronen und den Schnee der 5—6 Eiweiße dazu, füllt die Masse in die mit Butter bestrichene, mit geriebener Semmel bestreute Puddingform und läßt den Pudding 13A Stunden im siedenden Wasserbade kochen. .Am passendsten ist eine Wein- oder Punschsauce dazu. Als ganz „modern" für den feinen Tisch ist brennendes Kastanienkompott beliebt: Die geschälten Kastanien werden in sehr wenig Wasser weich gedünstet, aber nicht zum Zersallen, auf starker Porzellan- oder Steingntschüssel angerichtet und, sobald sie trocken geworden sind, mit 250 Gramm sehr fein gesieblem, bestem Zucker bestreut. Kurz vor dem Anrichten gießt man f-s—3/s Liter besten Rum vorsichtig darüber, zündet ihn mittels eines Papierstreifchens (ja nicht mit dem Streichholz!) an und gibt die Kastanien so brennend auf. Das Kompott geht zu Enten-, Gänse-, auch Schweinsbraten am besten. Als Ersatz für Fleischbrühsuppen, die in einer früheren Zeit als „einzig möglich" für ein festlicheres Mittagessen oder ein solches mit Güsten proklamiert wurden, ist hier ganz vollwertig die Tomatensnppe getreten, die aus frischen Früchten oder aus Tomatenmus bereitet wird, und auch sogenannte falsche Brühsuppen kommen vielfach in Aufnahme. Außerdem hat die Erkenntnis kluger Sparsamkeit große Fortschritte gemacht, die frische oder geröstete Knochen noch zu Suppen verwenden läßt. Allerdings bedürfen diese Suppen stets einer Zugabe oder Einlage, z. B. Graupen, Gries, Reis, eventuell müssen sie auch mit einem Ei abgezogen werden. Als feine Würze für eine solche Graupensuppe hat man in der modernen Küche ein altbeliebtes Kraut wieder zur Geltung gebracht: Portulak, welches gerade den Graupen ein vorzügliches Aroma gibt. Nur für Einmachezwecke kommen die großen, schönen Quitten- früchte sur Verwendung, da die .Quitte in rohem Zustande zu herbe schmeckt. Als Gelee ist sie für die Krankenküche fast unentbehrlich, und Quittenmark ergibt die modernen Fruchtpasten und die zu Weihnachten gerngesehenen Quittenwürstchen. VsvmischLes. * Die Erziehung zum Sprechen fordert in einem beachtenswerten Aufsatz des November-Heftes von VelhagenS & Klasings Monatsheften Professor Dr. W. Berg. Er weist aus die betrübende Tatsache hin, daß die meisten Menschen bereits auS der Kinderstube und Schule eine Entstellung der Stimme ins Leben mitbringen. Daß bei uns diese Entstellung der Stimmen entweder nicht bemerkt oder anderen Ursachen zugeschrieben wird, ist die Folg des mangelhaft entwickelten Gehörsinnes. Diese Vernachlässigung der Kultur des Ohres hat in Verbindung mit unserer vorwiegend auf das Innerliche gerichteten Veranlagung und dem toten, stummen Lesen jene beklagenswerte Verständni-tosigkeit und Gleichgültigkeit zuwege gebracht, mit der man noch fast überall der Sache der Stimmbildung gegenübersteht. Nun könnte man die Frage stellen: Wie kommt es denn, daß nicht alle Menschen erkranken, wenn sie wirklich ihre Stimmwerkzeuge falsch gebrauchen? Da mutz zunächst bemerkt werden, daß die falsche Verwendung der Stimmwerkzeugs bei den verschiedenen Menschen recht verschieden ist. Ost führt eine mißbräuchliche Stimmgebung, namentlich wenn sie minder schwerer Art ist, oder wenn der damit Behaftete nicht zu den bertlfsmäßigen Sprechern gehört, noch nicht unmittelbar zur Erkrankung. Denn obwohl die Sprechiverkzeuge an sich zart sind, so sind sie doch zum Glück für die Menschheit' herart eingerichtet, daß sie bedeutend höheren Anforderungen genügen, als man gewöhnlich von ihnen fordert. Selbst Berufssprecher können aus diesein Grunde trotz der unzweckmäßigen Art zu sprechen lange Zeit gesund bleiben. Bei übe: aus vielen Menschen aber führt der Mißbrauch der Stimine schließlich doch zu einer mehr oder minder schweren Erkrankung, ja zur Vernichtung der Stimme. Dieser Gefahr sind natürlich die Berufssprecher in besonderem Maße ausgesetzt. Die Lehrer- oder Pastorenkrankheit ist leider häufig genug, und mit demselben Rechte könnte man von einer Militär- öder Schauspieler- oder Amvalt- krankheit sprechen. Das laryngoskopische Beobachtungsmaterial spricht in dieser Hinsicht eine traurige und erschütternde Sprache. Oft zeigt schon der kindliche Kehlkopf dieselben charakteristischen Veränderungen, die z. B. der' des erschöpften Sängers ausweist. Am häufigsten zeigt sich diese schivere Beeinträchtigtmg der Slimm- werkzeuge aber erst später, gerade in den Jahren der besten Arbeitskraft. Jahrelang hat vielleicht der Stitnmorganismus den verkehrten Gebrauch ausgehalten. Da melden sich katarrhalische Störungen. Sie iverden z»uiächst noch überivunden, aber sie lehren wieder und iverden hartnäckiger. Oertliche Behandlung lind Badekuren helfen scheinbar, aber der bereits an chronischem Rachen- 'oder Kehlkopfkatarrh Leidende kann auf die Dauer sein Amt oder seinen Beruf nicht inehr versehen, weil das liebet nicht an der Wurzel gepackt ist. Sorge unb Grau: tun ihre zerstörende Arbeit. Das Ende ist der frühe Abschied aus Amt oder Beruf, der völlige Zusammenbruch. Tas ist eine tieibetrübende Tatsache, aus der wir zu lernen haben. Nltr ein Mittel kann hier helfen und hilft auch sicher, soweit überhaupt noch zu Helsen ist. Das ist der rationelle Sprechunterricht, dessen Segnungen sich natürlich auch auf das ästhetische Gebiet erstrecken, das von unseren Rednern nicht minder vernachlässigt wird. vuchertisch. — Ski unb Skilauf. Seit Jahren hat sich der Dciivorl bei uns Heimatsrechte erworben unb namentlich für die Jugend ist der Skilauf eine besonders empfehlensiverte Sportbetätigung. Aber nicht immer ist der Wunsch nach einem Paar Skier soiort zu verivirklicheii. Ein tüchtiger Juitge braucht aber dartuu nicht zu verzagen, sonderil ivird nach dem Büchlein „Ski und Skilauf" von C. I. Luther Anleitung ziir Selbstherstellung von Skiern und Schule des Skilaufs, greifen, das soeben im Verlage von Otto Maier, Raveiisblirg, zum Preis von 80 Pfg. erschienen ist. In einer diirch zahlreiche Abbildungen besonders verständlich gemachten Anleitung zeigt es, ivie man sich mit geringen Materialkosten ein Paar durchaus brauchbare Skier selbst an>eriigcn kann, um diesen gesunden Sport zu erlernen unb auszuüben, wofür bas Bändchen ebenfalls praktische, diirch zahlreiche Abbildungen erläuterte Alileitung gibt. — „Lauter Lügeu" von Rideamus. Mit zahlreichen Illustrationen, von Ernst Deutsch. Schlesische Verlagsanstalt (vorm. Schottlaender), G. m. b. H. in Berlin W 35. Seit Rideamus seinen Erstling „Willis Werdegang" in die Welt setzte, hat er eine ganze Reihe lustiger Versbücher geschaffen, und auch der größte Griesgram muß zugeben, daß fast jedes davon ein „Schlager" war. Auch das neue Buch, das den viel versprechenden Titeh „Lauter Lügen" trägt, ist seiner Vorgänger würdig. Magisches Tuadrat. In die Felder nebenstehenden Quadrats sind die Buchstaben AAAAAABBDDEEMR BR derart einzutragen, daß die wagerechten u. senkrecht. Reihen gleichlautend folgendes bedeuten: 1. Einen Vogel. 2. Stadt in Ungarn. 3. Belgischen Staatsmann. 4. Holländische Stadt. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer r Kanon, Kanone. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Bruhl'schen UniversitätS-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen