MA MI 8 SWAM nwjrinF^ jmMmWfl|j MK Sta^auts^M -'n o 11. & i esigjuj^. l" Die von Gründingrn. Roman von Freiherr von Schlicht, (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Gewaltsam machte sie dem Gespräch ein Ende. Der Baron merkte es und machte ein ganz vergnügtes Gesicht: „Na ja, also! So weit wären wir jetzt! Wer mir das heute morgen prophezeit hätte, den hätte ich zur Beruhigung seiner erhitzten Phantasie auf ein Glas Selterwasser eingeladen." Und während er sich vorhin nur wenig an der all-, gemeinen Unterhaltung beteiligt und sich nur darauf beschränkt hatte, ein aufmerksamer und dankbarer Zuhörer KU sein, riß er jetzt plötzlich das Gespräch an sich. Wie vorhin die anderen, so erzählte jetzt er, oft mit beißender Ironie, oft mit gewaltsamen Uebertreibungen, dann wieder ganz trocken und harmlos rind dadurch die Wirkung seiner Worte erst recht hervorhebend. Und der laute Beifall der anderen lohnte ihn. 4 Nur eine lachte nicht mit, hörte kaum hin auf das, was er sagte. Das war Dagmar. Sie kannte den Grund seiner übersprudelnden Laune, seines Humors und seines Uebermuts. Er glaubte sie heute gewonnen zu haben, ihrer sicher zu sein! Und sie haßte ihn, wie noch nie zuvor einen Menschen, und das ihr bisher ganz fremde Gefühl der Verachtung stieg in ihr auf —. „Nie — niemals!" Ihre Augen sagten es ihm immer wieder und immer deutlicher. Mer das alles machte auf ihn nicht den leisesten Eindruck. Ihm war, als wäre er plötzlich ein .anderer Mensch geworden, als lägen alle Enttäuschungen und Bitternisse, die er durchlebt, weit, weit hinter ihm, als hätte er die ganze Vergangenheit überwunden. „Baron, was haben Sie heute nur — Sie sind ja gar nicht wiederzuerkennen — haben Sie Nachrichten aus Kuba?" Das sollte ein Scherz des Grafen seirr, ein übermütiges Witzwort. Aber es traf den Baron wie ein Peitschenhieb. Er zuckte förmlich zusammen, seine Hand, die, auf dem Tisch ruhend, den Fuß des Weinglases umspannt hielt, zitterte, und eine fahle Blässe überzog sein Gesicht. Gleich darauf brannte ein dunkles Rot auf seinen Wangen. Niemand achtete auf ihn. Nur Dagmar sah, wie er die Farbe wechselte. Sie allein verstand ihn. In seinem Siegesgefühl hatte er ganz vergessen, daß sie reich war. Jetzt, bei dieser Frage kam ihm seine eigene Armut erst wieder zum Bewußtsein. Der Baron hatte.auch ihr und Alexa scherzend von seiner etwaigen Kuba-Erbschaft erzählt. Dann war auch er Millionär, reich, wie er damals gewesen.-- Dagmar erriet, daß er sich jetzt fragte: wird sie nicht glauben, daß ich in erster Linie um des Geldes wegen um sie werbe? Daß ich jetzt so froh und glücklich bin, weil ich nur die Gewißheit zu haben glaube, nicht nur ihre Hand, sondern auch ihre reiche Mitgift zu erhalten — — ? Sein jähes Erblassen hatte sie erschreckt. Sie sah: es war keine Verstellung, er war ins Innerste getroffen. Und so sehr sie ihn noch vor einer Mmute gehaßt hatte — plötzlich schwand der Groll dahin — sie empfand in diesem Augenblick für ihn nur das reinste und schönste Mitleid. Es tat ihr weh, es mit ansehen zu müssen, wie er, aus allen Himmeln gerissen, ganz blaß dasaß, wie sein Traum mit einem Male für ihn ein Ende zu haben schien wie die Luftschlösser, die er sich gebaut, krachend um ihn herum zusammenstürzten. Sie fühlte ihm nach, wie das laute Lachen der Anderen, das der scherzhaften Frage des Grafen folgte, ihm das Blut in die Wangeil trieb. Eine Anerkennung hatte sie ihm stets zollen müssen: er war ein Mann, nicht nur „mit eisernen Muskeln und Sehilen" wie er sagte, sondern von eiserner Energie und eisernem Willen. Hocherhobenen Kopfes ging er durch die Welt, und daß sie ihn jetzt so gewissermaßen zusammenbrechen sah, das tat ihr weh. Und sie empfand förmlich einen stechenden Schmerz im Herzen. Es dauerte lange, bis der Baron sich wieder gesammelt hatte. Dann wandte er fast mechanisch seinen Blick wieder Dagmar zu. Wohl ein paar Sekunden sah er sie ruhig an. Dann sagte er mit leiser Stimme: „Ich danke Ihnen, Komtesse." Er tat ihr so leid. Sie hatte den -Wunsch, ihn irgendwie zu trösten — ihm etwas Freundliches zu sagen. Da dachte sie zurück an das, was er vorhin erwähnt hatte: „Das Schicksal ist stärker, als wir selbst, Herr Baron," kam es eirdlich über ihre Lippen. Einen Augenblick saß er noch niedergedrückt da, darin warf er, wie vorhin sie, stolz und übermütig derr Kopf zurück: „Doch wer nicht Trotz dem Schicksal beut, — der ist kein Mann." Er war mit einemmal ganz wieder der Alte. Seine Spannkraft war wieder erwacht. Die Wunde war schnell geschlossen, werm sie auch noch brannte. Aber höher noch erhob er den Kopf urrd sah ihr fest in die Augen. Der Kampf war aufs neue entbrannt. Aber sie fühlte sich ihres Sieges nicht mehr so sicher — —. VII. Wie im Fluge wären die Tage dahingegangeir, der Urlaub von Hans war zu Ende. Morgen sollte er abreisen, noch immer hatte -er sich niemand anvertraut, keiner wußte, weshalb er so plötzlich nach Haus gekommen war. War es wirklich in erster Linie Sehnsucht nach der Mutterliebe gewesen? So schmerzhaft -uird so kränkend, ja fast beleidigend es auch für sie war, — die Gräfin mußte dennoch zugeben, daß ihn keine -sentimentale Aufwallung hierher geführt hatte. Am meisten ärgerte sie sich, daß der Graf mit seiner Skat* Prophezeiung Recht behielt. Kem Tag wär vergangen, an — 366 dem er nicht.stundenlang mit den anderen! Herren Skat drosch. Dieses Wort „dreschen" allein fand die Grafen skandalös, und als kürzlich Werdemanns da waren, hatten die Herren bis morgens um vier Uhr gesessen. Naturlrch hatten die Damen sich schon sehr viel früher zurückgezogen, Marianne war allein weggefahren, und der Graf hatte seinen Gast Leim Morgengrauen dann nach Hause fahren lassen. . m rr Und was hatten die Herren nicht rn jener Nacht zusammengetrunken! Sekt, Burgunder, Kognak, — nein, sie mußte sich wohl etwas in Hans geirrt haben. Melleicht war er in gewisser Beziehung doch auch der Sohn seines Vaters, obgleich ihr lieber gewesen wäre, wenn sie hätte sagen können: ,„Alles, was er hat, hat er von mir." Aber das Skatspielen hatte er nicht von ihr, dagegen protestierte die Gräfin. Es war das erste Mal, daß sie ihren Sohn beinahe 'verleugnete. „Was der Bengel wohl haben mag?" dachte der Graf. Er sprach überhaupt nur noch vom Abschiednehmen, wie traurig es fei, daß Hans schon wieder fort müsse. Wiß ungewiß es wäre, wann man sich wiedersehe. Und wenn er sich dann selbst weich- und wehümtig geredet hatte, dann sagte er: >„Na, Hans, noch brauchst du ja aber nicht zu weinen, noch List du ja nicht fort. Vorher sitzen wir noch einmal ganz allein in aller Ruhe in meinem Zimmer und plaudern miteinander. Dann 'erzählst du mir alles, was dich beschäftigt, und schüttest mir deinen kleinen und großen .Sorgen -aus." - • Man mußte es dem Grafen lassen, er wär ein rührender Vater; er bettelte geradezu um das Sündenregister seines Sohnes, um ihm dadurch, daß er alles verzieh und bezahlte, aufs neue seine große Liebe beweisen zu können. Hans sollte sein Herz ausschütten. Aber Hans schüttete nicht. Der Graf erwartete ihn vergebens. Statt dessen erschien Hans am letzten Tag seines Urlaubs während der Nächmittagsstünden in dem Zimmer des Barons. t Da der Boh Nicht da war, hatte er sich nicht anmelden lassen, sondern Mr an die Tür geklopft und war auf das „Herein" eingetreten. Der Baron saß an seinem Schreibtisch. Sobald er aber seinen Besuch xrkannte, sprang er auf und bot ihin einen Sessel au. > „Ich störe doch nicht, Herr Baron?" meinte Hans, während er Platz Nahm und sich eine Zigarette anzündete. „Ich sehe, Sie waren bei der Arbeit. Ick) will Sie nicht lange aufhalten. Sie wissen, ich reise morgen früh ab. Wir sehen uns ja zwar nachher noch bei dem Diner Und bleiben dann hoffentlich noch lange bei der Zigarre beisammen. Auf jeden Fall wollte ich mir aber trotzdem erlauben, Ihnen meinen offiziellen Abschiedsbesuch zu Machen." ! „Aha — nun kommt's!" dachte der Baron. „Ich hab's ja gewußt, daß diese Stunde schlagen würde. Nun ist sie da — ich bin begierig." „Sie sind wirklich sehr liebenswürdig, Herr Graf. Aber einer solchen Förmlichkeit hätte es doch wirklich nicht bedurft." Hans widersprach: „Doch, Herr Baron. Hätten wir uns unter anderen Verhältnissen kennen gelernt, dann vielleicht nicht, dann hätte ein Händedruck und ein „auf Wiedersehen" auch genügt. .Wer so — — ich meine--Sie verstehen mich?" Der Baron verstand. „Nicht jeder junge Leutnant,- nicht jeder junge, reiche Graf denkt so wie Sie. Ich danke Ihnen." „Bitte sehr — gar keine Ursache--und dann — ich meine — — ich wollte zum Abschied auch noch sagen/ wie es mich gefreut hat, Sie persönlich kennen gelernt zu haben, denn wenn ich es Ihnen auch früher noch nicht sagte, so weiß ich von Ihrem bisherigen Leben viel mehr als Sie glauben, auch die Geschichte von den fünfzehn Mille, die Sie Ihrem Kameraden —" Mit einer raschen Handbewegung unterbrach der Baron seinen Gast. „Bitte — sprechen Sie nicht weiter, Herr .Graf." Und als der etwas verlegen schwieg, stürmten mit einem Male alte Erinnerungen auf den Baron ein. Wie viele Jahre, lag der Wend nicht schon zurück! Und doch sah er ihn jetzt mit einem Male wieder ganz deutlich vor sich: der große Spielsaal im Klub — die Lust geschwängert von Zigaretten- und Zigarrenrauch — ein lautes Stimmengewirr — das Knallen der Sektpfropfen — die Rufe des Bankhalters--und dann plötzlich Totenstille. Ein Herr war ins Zimmer getreten und hatte mit lauter Stimme gerufen: man hätte ihm aus feiner Brieftasche, die er draußen in seinem Mantel hätte stecken lassen, fünfzehntausend Mark gestohlen! Fünfzehntausend Mark! Dieselbe Summe, die eben der „lange Langen", wie seine Freunde ihn nannten, in drei Sätzen von je fünftausend Mark im Spiel gesetzt und verloren Ijatte.-- Um den Freund vor den Anderen nicht in Verlegenheit zu bringen, hatte er, als das Spiel begann, die Frage unterlassen, bei welchem Enkel des Propheten er doch noch wieder Geld aufgetr.ieben habe. In dem Augenblick, als er dann in das totenblasse Gesicht des Kameraden sah, hatte er die Antwort auf seine unausgesprochene Frage gehabt. Er war nach Hause gestürzt, um sich Geld zuhvlen, das letzte,- was er von seinem großen Vermögen noch sein eigen nannte Kaum, daß ihm noch ein paar Tausendmarkscheine für sich selbst blieben. Aber der Freund und Regimentskamerad durste nicht als Dieb dastehen t— niemand durfte etwas davon erfahren. Als er zurückkam, war es aber doch schon zu spät: der Freund hatte sich im Jagdzimmer des Klubs mit einer der dort befindlichen Duellpistolen, die schon zu wiederholten Malen den Klubmitgliedern zur Austragung eines Ehrenhandels gedient hatten, eine Kugel in die Stirn gejagt und war auf der Stelle tot gewesen. Ihm selbst glückte es in der allgemeinen Aufregung das Paket Banknoten in die Paletottasche des Bestohlenen zu schieben, ohne daß es bemerkt wurde. . (Fortsetzung folgt.) Der Schatz im Auto. Skizze von Alfred Manns (Bremen). In der Rue Aumale, Faubourg St. Didier, liegt ein großes Haus; daran steht in dicken Goldbuchstaben: Garnier Frtzres; Es war um 4 Uhr nachmittags, einige Minuten vor Geschäftsschluß. Der behäbige Edmond Garnier, alleiniger Inhaber des großen Bankgeschäfts, reichte seinem Kassierer, Monsieur Octave Salimain die Hand. Salimain, ein hübscher und eleganter junger Mann, war seit seiner 'Lehrlingszeit bei Garnier tätig und hatte sich, obwohl vermögenslos, zu dem Vertrauensposten eines Kassierers emporgearbeitet. „Mein lieber Octave," sagte Monsieur Edmond mit väterlichem Wohlwollen, „ich wünsche Ihnen gute Ferien und gute Erholung . . . von den vielen Liaisons, meine ich nämlich in erster Linie, weil Sie die dvch wohl nicht alle mitnehmen werden. Sie Teufelskerl. Wirklich, Octave, sehr solide sind Sie nicht, das meint Madame Garnier auch." Salimain lächelte abwehrend. „Nur nicht leugnen," fuhr der Bankier fort. „Gewiß, ein Garyon ist ein Garton, das ist auch die Ansicht meiner Frau, die für so etwas einen richtigen Blick hat, aber etwas mehr guten Sie sich menagieren. Sehen Sie, ich denke ja in dieser eziehung sehr duldsam, kein Mann kann immer nur eine einzige .Freundin. . ." „Meint das Madame Garnier auch?" fiel der Kassierer mit harmloser Miene ein. „Hä hä> Schwerenöter," lachte der Bankier, „na, kommen Sie gesund wieder, das ist die Hauptsache." Salimain dankte, wünschte dem Chef seinerseits das Beste, sagte Adieu und ging. Edmond Garnier stieg die breite Marmortreppe empor zur ersten Etage, wo sich seine Privatwohnung befand. Hier ging er aus was Boudoir seiner Frau zu, um ihr die Hand zu küssen. Madame Garnier war vor sechs Jahren edel genug gewesen,- mit den diversen Millionen des wackeren Edmond diesen selbst in den Kauf zu nehmen, weil sie das Geld in gutem Anstande ans 'andere Weise nicht haben konnte. Garnier wußte, das Opfer, das ihm seine Frau brachte, im vollen Umfange zu würdigen, zumal ihm die standesamtlichen Ausweise über seine Verheiratung mit der Vicomlesse d'Ame-Jaune gewissermaßen als Passepartout zu den Soireen der großen Welt dienten. Der Bankier verachtete diese Feste, aber er besaß zwei Mawren, die eine war die feinere, und diese heischte gebieterisch, daß er hingehe und sich langweile/ wofür ihn daun die andere Natur irgendwohin in die Folies Ber- gtzres, Moulin Rouge oder ein Vergnügungslokal des Quartier Latin führte und ihn dort ausgiebig entschädigte. Bor der Tür des Salons feiner Frau blieb Garnier nachdenklich stehen: „Du warst ein großer Esel, Edmond," so spracht zu sich selbst, „warum gehst du nun jeden Mittag da hinein und läßt dich wie einen .Lakaien behandeln? Warum hast du diese Dame 367 geheiratet, die dir niemals gefiel, warum warst du solch ein Esel, Edmoud?" Da er indessen auf diese.Fragen keine Antwort wußte, öffnete er die Tür und trat ein. „Ah, guten Tag, Madame, ich bin entzückt, Sie so wohl zu sehen," sagte er und erledigte mit weniger Innigkeit als Pflichtgefühl den gewohnten Handkuß. Blanche Garnier war eine schlanke Dreißigerin mit außerordentlich beweglichen Augen. Sie lag auf einem Divan Und spielte mit einem dickköpfigen, nackten Zwerghündchen. „Man sollte wirklich meinen, lieber Garnier, Sie sehen es nicht, wie ich leide. Sie belieben wieder einmal, mich mit Ihren taktlosen Späßen zu verfolgen, denn ich halte Sie nicht für dumm genüg, daß Sie die Tatsache meiner nervösen Ueberreizung wirklich übersehen könnten." „Aber Liebste, Beste, wie können Sie glauben . . ." Sie seufzte müde und resigniert. „Bitte,^lassen Sie nur. Haben Sie noch andere Aeußerungen zu tun, die Sie für notwendig halten, so legen Sie sich keinen Zwang aus, ich habe mich jetzt Wieder in Ihre Art hineingefunden." Der Bankier spielte nervös an seiner Uhrkette, er hatte es aufgegeben, seiner Frau gegenüber die Gleichberechtigung durch- SUsetzen. Vor vier Jahren einmal war er grob geworden, niederträchtig grob, sie natürlich war pünktlich in Ohnmacht gefallen, und anderen -Tages hatte ihm der Jägerleutnant Chevalier de Tiraille eine Pistolenforderung zugefchickt, da er fidji als der berufene Beschützer seiner Kusine vierten oder fünften Grades fühlte. Duelle waren Edmoud Garnier unsympathisch, und schließlich endete die Angelegenheit damit, daß er seiner Frau, geborenen Vicomtesse d'Äme-Jaune, Abbitte leistete und dem Vetter — allerdings erst drei Tage später — 10 000 Frauken pumpte. Seitdem betonte Garnier Dritten gegenüber stets die kameradschaftliche Innigkeit seines Ehelebens. „Ich bin untröstlich, liebe Freundin, Ihnen, ganz bestimmt ohne Absicht, wehe getan zu haben, ich tvollte Ihnen nur mit» teilen, daß ich mir in den nächsten Tagen wahrscheinlich das große Opfer auferlegen muß, auf diese reizenden Mittäglichen Besuche bei Ihnen zu verzichten. Salimain ist auf Urlaub, und da ich dem Vertreter nicht ohne weiteres trauen kann, werde ich gezwungen sein, einige wichtige Kassengeschäfte nach Geschäftsschluß persönlich zu erledigen." Blanche gähnte und machte entschieden den Eindruck, als ob sie entschlossen sei, diese Notwendigkeit mit Fassung zu ertragen. ,,Wohin geht Salimain?" fragte sie. Garnier zuckte die Achseln. „Er sagte, nach Aix les Bains, aber ich glaube, er wird wohl in Monte Carlo, Ostende oder Trou- ville zu suchen sein. Der junge Mann gefällt mir nicht mehr besonders in letzter Zeit, er wird mir zu leichtfertig, er hat etwas gar zu sehr die Damen lieb, und gar zu viele außerdem." Mit einem Ruck führ Blanche in die Höhe, so daß Edmond erstaunt aufblickte. „Ich bitte Sie herzlich, Monsieur, sich dieses Pharisäertons in meiner Gegenwart nicht zu bedienen; Sie haben es wirklich nicht nötig, das Wesen Ihrer inneren Qualifikationen gar zu deutlich zu markieren. Nun, mon Dieu, am Ende können Sie nicht dafür, wie sollte es Ihnen im Blut liegen, daß man abwesende Ehrenmänner nicht verdächtigt? Zudem ist es ganz bestimmt unwahr, was Sie behaupten." Edmond stieg das Blut in die Schläfen, denn er war der Sohn eines picardischen Bauern, doch er beherrschte sich. „Aber, liebste Blanche, wie können Sie sich nur eines Kassierers wegen derart aufregen?" Madame Garnier biß sich auf die Lippen. „Des Salimain wegen gewiß nicht, Ihretwegen; aber es hat keinen Zweck, Ihnen das zu erklären, Ihr Empfinden ist zu robust für derartige Selbstverständlichkeiten des Noblesse oblige." Jetzt wurde es Edmoud doch zu ungemütlich; er erhob sich. 7,Ich sehe, teure Freurrdin, meine Gegenwart ist Ihrem Wohlbefinden heute nicht zuträglich. Ich wünsche Ihnen gute Besserung und einen angenehmen Abend, Madame." Mit diesen Worten küßte er nochmals die Hand seiner Frau und ging aüf sein Zimmer. Hier ergriff er eine kostbare Onyxschale und warf sie an den Kamin: er hatte das Bedürfnis, irgend etwas- zu zerbrechen; dann fuhr er mit seinem Auto nach Grenoble, wo er ein -niedliches Midinettchen entdeckt hatte. Am nächsten Nachmittage versagte sich der Bankier den Besuch bei feiner Gattin und fuhr schon UM 5 Uhr in die Stadt zum Juwelier, um ein bestelltes Kollier selbst abzuholen. Schon eine halbe Stunde später laugte er wieder vor seinem Häufe an, wo er sich umkleiden wollte. Der Chauffeur konnte nicht ganz vorfahren, denn unmittelbar aM Eingänge hielt ein großes, geschlossenes Privatautomobil. „Merkwürdig," dachte Garnier, „die Geschäftsstunden sind vorbei, .Blanche hatte ihren Jour erst vorgestern, kennen htc ich das Auto auch nicht/ wem Mag das nur gehören?" Als Edüiond die unterste Treppenstufe betreten wollte/ bemerkte er, daß die Tür zum Kassenzimmer nur angelehnt war; erstaunt begab er sich dorthin, um nachzusehen, er öffnete die Tür vollends und .— sah sich Octave Salimain gegenüber, der soeben die Tür des großen Wandtresors wieder verschloß. Der Kassierer ward bleich wie Kalk und wie sein Chef, dann reißt er in nervöser Hast einen Revolver aus der Brusttasche, richtete ihn auf Garnier, schob sich mit etwas ängstlichem Blick, aber mit unglaublicher Schnelligkeit an diesem vorbei, lies auf das unbekannte Auto zu, sprang hinein, und „tut tut" gings davon. Edmond Garnier hatte sein Riesenvermögen gewonnen, weil er die Gabe besaß, in den alleraufregendsten Momenten an der Börse seine Ruhe zu bewahren; was nicht ausschloß, daß er im übrigen ein Mann von keineswegs außerordentlichen Geistesgaben und persönlichem Mut war. Die Augenblicke, in denen er sich über sich selbst erhob, begannen bei einem Wertobjekt von etwa 50 000 Franken, und in dem Tresor waren heute morgen noch 55 000 gewesen. Genau eine Sekunde bewilligte er seinen Nerven, dann stürzte er zur Portierloge, riß den Wächter des Hauses aus seiner behaglichen Ruhe und befahl ihm, sofort in sein Automobil zu steigen. Auf der Straße gingen gerade drei Männer des Arbeiterstandesj vorbei. Garnier hielt sie fest, zeigte auf das Auto des Flüchtlings, das auf der langen Straße, die hinten zur Landstraße: wurde, noch deutlich zu sehen war: „Autoverbrecher," sagte er, und dann auf den eigenen Wagest weisend: ,,Verfolgen helfen; 5000 Franken, 1000 für jeden, wenn wir sie fassen." ; . » Die Drei begriffen sofort und sprangen Garnier nach ist dessen Rennautomobil. „Hinter dem da her," schrie Edmond den Chauffeur ast, „Höchste Geschwindigkeit." Und nun begann eine wilde Jagd, die durch viele Ortschaftest ging. Niemand dachte daran, den Flüchtigen anfzuhalten, denn dessen Wagen konnte ja keinen Verdacht erwecken. Die Geschwindigkeit war zwar außerordentlich, abw so etwas kam täglich vor., Doch Edmonds Auto war das leistungsfähigere, und als die letzten Häuser der Vorstädte längst hinter dem Dahinrasendest lagen, .konnte es seine außerordentlichen Eigenschaften erst richtig entwickeln. Geringer und geringer wurde die Entfernung zwischen Verfolger und Verfolgten. Längst war die offene Landschaft erreicht, vereinzelte Gehöfte kamen und verschwanden, nur noch 80 Meter ungefähr bettug der Abstand, da bemerkten die Verfolger, wie sich das Vorderteil des Verdecks von dem Wagen des Kassierers niederscnkte und über der hochgebliebenen hiuteien Hälfte Octave Salimain bis zur Brusthöhe sichtbar wurde, in der Rechten den Revolver haltend. Garnier hatte sich nie sehr für den Schießsport interessiert/ aber in diesem Augenblick stand er unter dem Bann seiner spontanen Energie; von 50 000 Franken aufwärts kannte er keine Furcht. Auch seine Hilfsmannschaft zeigte keine sonderliche Unruhe, wahrscheinlich dachte jeder: wenn der erste abgeschossen ist, kann man sich immer noch überlegen, ob man auf die 1000 Franken verzichten will. ' ’ _ Octave begann alsbald ans seinem Revolver die Kugeln zu! spritzen, als ob das kleine Instrument ein Maschinengewehr sei; aber er schien sehr erregt, denn treffen tat er nicht, und plötzlich hörte er auf; die Munition war zu Ende. Jetzt stellte der Chauffeur des Bankiers die äußerste Geschwindigkeit eist, und im Nu war das verfolgte Auto überholt. Dies wollte wenden, doch der große Rennwagen fuhr ihm in die Seite, es gab einen gewaltigen Ruck, der indessen niemandem etwas schadete; die Automobile hielten und die Flucht war zu Ende. Edmond Garnier sprang aus dem einen Wagen Und Salimaist aus dem anderen, er wurde sofort umringt von bett drei Arbeitern und dem Portier. „Octave Salimain," schrie Garnier in höchster Wut, die man dem kleinen rundlichen Manne kaum zugetraut hätte. „Sie sind ein Scheusal, und ich habe so große Stücke auf Sie gehalten/ während Madame Garnier mich noch gestern vor Ihnen gewarnt hat. 55 000 Franken, beim Himmel, das ist zu viel! Sie werden ja vermutlich nicht gern ins Zuchthaus wollen, aber — Mensch/ ich könnte Sie würgen —: und . . .", er wollte weiter schellest/ da fielen seine Blicke auf das Automobil, in dem der Kassierer seine Flucht bewerkstelligt hätte, und dort bemertte er hinter bem! noch hochgeklappten Teile des Verbecks: Madame Blanche Garnier/ geborene Vicomtesse d'Ame-Jaune, bie ostentativ nach ber entgegengesetzten Richtung sah. > Abermals gewann Edmond seine berühmte Ruhe zurück, denn dies Objekt war ganz groß. Er faßte Salimais Arm nnd zog „Octave," sagte er, „kommen Sie mit 55 000 Franken auch standesgemäß nach drüben? Sie," hier nickte er mit dem Kopf nach der Richtung, wo seine Gattin saß, „sie ist ?ehr. verwohnt. Ich will Ihnen doch lieber noch einen Scheck ausschreiben. «0/ hier, bitte." „ t t „ Mit diesen Worten ergriff er die Hand des Kassierers und schüttelte wie wild daran herum. „Nun leben Sie wohl, mein lieber Octaöe, ulnd seien Sie versichert, ich werde Sie stets iw gutem Andenken behalten." „Meine Freunde," wandte er sich dann zu den Arbeitern. „Die Sache war ein großes Mißverständnis, ich hielt meinest Kassierer für untreu, während er im Begriffe ist, in meinem! Interesse eine wichtige Reise anzutreten. Monsieur Salimain seinerseits ist stark kurzsichtig, er hielt mich für einen Konkurrenten, 868 der ihm den Rang ablaufen wollte. Ich danke Ihnen aber von Herzen und gebe Ihnen gern das Doppelte der versprochenen Summen. Aber, lieber Octave, warum stehen.Sie denn nochttm und hassen mich an?" wandte er sich an diesen, „ich habe Ihnen doch auseiuandcrgesetzt, daß Ihre Reise keinen Aufschub leidet." Hiermit ging Garnier zu seinem Wagen, die erstaunten Und erfreuten Arbeiter folgten ihm. Salimain stand noch einige Sekunden mit offenem Akunde, den Scheck in der Hand, da, dann ganz langsam begab er sich zu seinem Auto, und „tut tut" fuhren die beiden Wagen in entgegengesetzter Richtung auseinander. Vermischter. * Der Klcideraufwand der Könige. Kein Herrscher Europas hat eine so große Ausgabe für Kleider, wie der Zar von Rußland. Allein sein Zivilschneider verdient am Zaren jährlich 40 000 Mark und der Militärschneider, der auch die Staatsgewänder herstellt, rund 60 000 Mark. Allerdings trägt der Zar, wie ein Pariser Blatt berichtet, niemals einen Anzug mehr als höchstens dreimal und für jeden Anzug .bezahlt er wenigstens 240 Mark. Ein Zylinder kostet dem Zaren über 100 Mark, ein Paar Handschuhe rund 40 Mark imb. jährlich kaust der Zar einen neuen Zobelpelz, der 9 000—10 000 Mark kostet. König Georg V. dagegen begnügt sich mit einem Garderobeetat von rund 80 000 Mk. König Alphons von Spanien treibt mit seidenen Jagdhemden Aufwand; er bezahlt jedes Hemd mit 150 Brauks und verbraucht im Jahre mehrere Dutzend. Der Deutsche aiser soll nach den Angaben dieses Blattes für seine Uniform- gardcrobe jährlich rund 80 000 Mark ausgeben, dafür opfert er aber für seine Zivilgarderobe nur ganz bescheidene Summen. Er trägt einen Anzug auch rund dreißigmal und bezahlt nie mehr als 150 Mark dafür. Sein einziger Kleiderluxus sind höchstens die Krawatten. Das bescheidenste Garderobebudget aber hat der König von Norwegen, der in der Tat für seine Kleidung nicht mehr ausgibt als ein wohlhabender Bürger, der sich sorgsam und gewissenhaft anzieht. 'Die Stadt des Verbrechens. Ter Chef der New V o r k e r Geheimpolizei, William F l y n n , erfreut seine Mitbürger jetzt mit der Feststellung, daß New Dorf die größte Verbrecherstadt der Welt ist. In keiner Stadt gibt es so große und mächtige Verbrecherverbände, die Pariser Apachen können sich mit den New Dörfer Geheimbünden nicht messen, und London ist im Vergleich mit der amerikanischen Metropole fast eine Stadt schneeweißer Unschuld. Nach den Angaben FlynnS sind die Pariser Apachen nur jugendliche Abenteurer im Vergleich mit solchen Verbrechern, wie sie etwa in New Dorf die Bande Lupomu- rellos darstellt; jahraus, jahrein reihen sich hier Erpressungen und Mordtaten aneinander, es gibt eine regelrechte amerikanische „Mafia", die nach beit, genauen Erkundungen Flynns bereits mehr als 60 Mordtaten verüÜ hat, ohne zur Verantwortung gezogen werden zu können. „Durchschnittlich wird in jeder Woche ein Mensch ermordet und es gibt keine Schurkerei, die nicht zur Ausführung käme. Meist findet man die Opfer dieser Bande in Fässern oder Kanälen, aber sie besitzen mich einen eigenen Kirchhof." Das Schlimmste aber ist nach der Aussage des Chefs der New Uorker Geheimpolizei die erwiesene Tatsache, daß diese Erprefferbande Beziehungen zu den politischen Parteien und großen Einfluß hat. Es ist daher unmöglich, sie wirklich wirksam zu bekämpfen. Hinter der Verbrecherbande befinden sich Persönlichkeiten, die den politischen „bosses“ New Docks nahe stehen und daher Verhaftungen vereiteln. Die Enthüllungen Flynns machen großes Aufsehen, eine Revision des Ge- heitnpolizeiwesens wird verlangt, zwei Italiener als Revisoren sind vorgeschlagen. Aber Flynn erklärt, dadurch würden nur seine Gewährsmänner, die zu Lupomurellos Bande gehören, verraten und dem Tode übergeben, wodurch die Ohnmacht der Polizei noch steigen würde. * 250 Tage unter dem Rasiermesser! Es ist gegenwärtig bei uns Sitte, nach amerikanisch-englischem Borbilde glatt rasiert zu gehen. Die vielen Herren, die täglich eine gute Zett sttllsttzen müssen, uM sich dem Rasiermesser altzuvertrauen, denken dabei aber kaum daran, wieviel Zeit sie der ästhetischen Wirkung des glattrasierten Gesichtes opfern. Wer sich tinen Voll- vart stehen ließe, ersparte nicht nur erkleckliche Summen, sondern auch eine Menge Zeit: rechnet man damit, daß ein Mann mit durchschnittlichem Bartwuchse sich täglich einmal rasieren läßt oder selber rasiert, was wenigstens 10 Minuten dauert, so bedeutet das int Jahre 3650 Minuten oder rund 60 Stunden. Nimmt man toeiter an, diese zeitraubende Tätigkeit werde etwa 50 Jahre hindurch, vom 20. bis zum 70. Lebensjahre fortgesetzt, so bedeutet das 60 mal 50 gleich 3000 Stunden. Das sind 250 Tage von je 12 Stunden, während derer man sich rasieren laßt. chsten Aufregung. Frau: -Merkwürdig, tu nichts kannst du dich vor anderen auszeichnen, immer sind E, anderen dir voran, sogar beim Kneipen ist dein Kollege Muller immer betrunkener als du!" Sprachecke des Mgemeinen Deutschen Sprachvereins. * lieber lange Wörter. Unsere Sprache hat einen entschiedenen Vorzug durch bte Leichtigkeit, mit ber sie zusammengesetzte Wörter t ilbet. So muß ber Franzose unser „Strohwitwer" durch die Wenbimg roiebergeben: „Ein Mann, dessen Frau für einige Zeit abwesend ist"; und der Spanier sagt für „Eichamt"; oficiua de registro de pesas y inedidas. Allein diese Leichtigkeit verführt nach zwei Seilen hin zum Mißbrauch: es werden ungeheuerlich lange Wörter gebildet, und man gebraucht Zusammensetzungen, wo sie gar nicht angebracht sind. Beispiele für die erste, von Äns- Innbent so oft verspottete Unart kann man mit Händen greifen; es seien daher nur drei besonders hübsche angeführt: Arrnensuppen- sleischlieferung, Drolchkenbestellmarkeiiabgabestelle und Eisenbahn- baudotationshauptkassenbiichhalterstochter. Die zweite Art ist weniger auffällig, aber auch sehr verbreitet. Wenn es irgendwo gebrannt hat, reden die Zeitmigen immer von einem Brand Unglück ober einer Brand katastrophe. Man sagt nicht, das und das wird gegessen, sondern es dient zu Nahrungs zwecken; man sendet nicht Blumen, sondern ein Blumen arran gement (als ob jemand ans den Gedanken käme, dnrcheinanberliegende Blumen als Ausmerffam- keit zu übersenden); ja in einem Münchener Gasthof werden sogar „Konzerta rr a n g e m en tS" aufgeführt. Ter Südländer greift aus Furcht vor Erdbeben zur Holzbau a rt, ber Kaiser versammelt seine Gäste zum Bierabend um sich, und die Hitz welle kehrt nach kurzer Unterbrechung zurück, derweil ein Kaufmann wegen Todes f a l l e s feiner Schwester eine Stelle nicht antreten kann und dies zur gefl. Kenntnisnahme mitteilt. vüchertisch. — Gutzkows Werke!, Auswahl in zwölf Teilen. Heraus- gegeben, mit Lebensbild, Einleitungen und Anmerkungen versehen von Reinhold Gensel. Deutsches Verlagshaus Bong & Co. Berlin. Karl Gutzkow, der am 17. März 1811 geboren ist, gehört mit Tieck und Hehse zu den berühmt gewordenen Berlinern, hät aber von allen, um zur Höhe zu gelangen, den weitesten Weg zurücklegen müssen. Und auf diesen Weg wurden ihm noch ganz besondere Schwierigkeiten gewälzt durch jenen Bundesratsbeschluß vorn Jahre 1835, der die Schriften einiger junger Schriftsteller verbot, von Gutzkow auch die, die er künftig erscheinen lassen würde. Es gehört wahrlich eine zähe Natur dazu, um unter solchen Bedingungen sich zum Wortführer seiner Zeit auf- tzuschwingen und sich Mit einer fast unübersehbaren Mille von lournalistischen, erzählenden und dramattschen Werken Gehör ;u verschaffen. Diesem reichen Nachlaß wendet sich heute das aVV gemeine Interesse wieder zu, und die im Rahmen der Goldenen Klassiker-Bibliothek erschiene schöne Ausgabe kommt hier eben recht. Daß es sich bei der außerordentlichen Fruchtbarkeit Gutzkows nur um eine! Auswahl handeln konnte, versteht sich von selbst. Der Herausgeber Reinhold Gensel hat aber mit Kenntnis und Geschmack so ausgewählt und angeordnet, daß ein deutliches charakteristisches Bild entsteht und namentlich die Vielseitigkeit dieser Protensnatur klar.vor Augen tritt Ein knappes, doch erschöpfendes Lebensbild sowie Einleitungen zu den einzelnen Bänden vermitteln, dem Leser die Kenntnis der Lebens- umstände und Zeitverhältnisse und führen in Verbindung mit den Anmerkungen in das Verständnis der Werke selbst ein. Ein ausführliches Namenregister am Schluß..der Ausgabe wird in Anbetracht ber zahlreichen Anspielungen und Zeitbeziehungen in Gutzkows. Schriften dem Leser höchst willkommen sein. Die Ausstattung ist, was Druck, Papier und Einbände betrifft, die in ber Goldenen Klassiker-Bibliothek übliche gediegene und geschmackvolle. Der große Roman „Die Ritter vom Geiste", der bei feinem Umfang in dieser Ausgabe keinen Platz finden konnte, wird, wie uns das Vorwort verspricht, in drei Erweiterungsbänden erscheinen. Wir empfehlen die vorliegende Auswahl allen denen, die sich mit ber politisch und literarhistorisch so wichtigen Zeit des Jungen Deutschlands und mit der interessanten Gestalt Gutzkows insbesondere vertraut Machen wollen. Sitatenratfel. Ans jedem ber folgenden Zitate ist ein Wort zu nehmen, so daß sich ein neues Zitat ergibt: 1. Wer reitet so spül durch Nacht und Wind? — 2. Gar vieles kann, gar manches muß gescheh'n, Was man mit Worten nicht bekennen darf. 3. Schlecht webt ber Wind, ber keinen Vorteil bringt. 4. Die Welt wird schöner mit jebem Tag. 5. Schon manchem wibersuhr bes Schicksals Ungemach .... 6. Etwas fürchten imb hoffen und sorgen Muß ber Mensch für ben fommenben Morgen. 7. Die Boten bringen traurige Mähr. Auslösung in nächster Nummer. Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nnrnnter: Tein, ber keine Rosen bricht, 9rt fein Kranz bescheret. Redaktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steiubruckerei, R. Lang«, ©ieiäfe