w IKW Xjnjr UM «3®TO U! WM MUMMW Lx>j?'V-* 'FTT^' ^IMMALKS MWNÄMi;F ^1 »! •fe'T Die von Gründingrn. Roman von Freiherr von Schlicht. (Nachdruck verboten.) I. Die gräfliche Familie von Gründingen Hütte sich, tvie st.ets, and) heute gleich nach dem Diner in das Wohn- Kunmer zurückgezogen, sich um den runden, großen Tisch herum versammelt ■— und langweilte sich entsetzlich. . L- Und aus dieser langen Weile heraus gähnte der Graf jetzt plötzlich f;oi laut, so intensiv, so anhaltend und so von Herzen kommend, daß seine beiden Töchter ihr Lachen Ulcht unterdrücken konnten, während die Gräfin, eine große, schlanke, noch, immer schöne Erscheinung, obwohl sre den Fünfzigern nicht mehr fern war, ihrem Mann emen ihrer aristokratischen Blicke zuwarf. „Aber Eduard." Das war alles, was sich ihren Lippen .entrang, aber es genügte auch vollständig. Der Gras richtete sich aus seiner Halbliegenden Stellung in die Höhe, setzte sich gerade und aufrecht im Stuhl Mrecht und bat, zu seiner Frau gewandt: „Entschuldige, Konstanze, daß ich so laut gähnte, — aber offen gestanden, ich finde es jeder Beschreibung spottend langweilig." „Dir irrst dich, Eduard," klang es hoheitsvoll zurück. ^,Jch habe es dir in diesen Wochen, die wir nun von unserer Reise zuriick sind, schon zu wiederholten Malen gesagt: es ist nicht langweilig, sondern nur einsam." „Den Unterschied verstehe ich nicht, das habe ich dir in den letzten Wochen ebenfalls schon zu wiederholten Malen erklärt." „Und ich verstehe es auch nicht," stimmte Alexa, die jüngste der beiden Töchter, ein mittelgroßes, schlankes, zierliches Geschöpf, ihrem Vater bei. „Auch ich finde es Nicht einsam, und auch nicht einmal langweilig, sondern geradezu kommissig stumpfsinnig." Die Gräfin ließ ihre Handarbeit in den aristokratischen Schoß fallen und faltete entsetzt die langen, schmalen Finger mit den tadellos manicurten Nägeln, wahrend der Graf seinem Verzug am liebsten einen Kuß gegeben hätte. Aber da seine Gemahlin anders zu denken schien, jals er, so küßte er sein Kind doch nicht. Nicht etwa, als ob er vor seiner Frau zu viel Respekt, um nicht zu sagen: Angst, gehabt hätte — o nein! Das nicht. Seitdem er ttls Rittmeister den Abschied genommen und sich auf das von seinem Onkel ererbte Stammschloß seiner Familie zurückgezogen hatte, war er ein freier Mann, sein eigener Herr, und vor allen Dingen: der Herr dieses Hauses. Niemand hatte hier etwas außer ihm zu sagens er konnte tun und lassen was er wollte, er konnte seine Tochter zum Beispiel jetzt küssen oder sie auch nicht küssen, ganz wie es ihm beliebte. Und so küßte er sie nicht. Es dauerte lange, bis die Gräfin sich endlich gesammelt Batte. Dann sagte sie: Alexa, du hast da eben Morte gebraucht und Ausdrücke in den Mund genommen, die für eine Komtesse im höchsten Grade ungehörig sind. So, wie du, spricht keine junge Dame, nicht einmal eine bürgerliche, höchstens ein ungebildeter Hausknecht." „Und außerdem noch mein lieber Bruder Hans, Sr. Majestät schönster und leichtsinnigster Husarenoffizier." Aus dem Lehnstuhl des Grafen heraus klang ein halbunterdrückter Klageseufzer, ein: „Ach ja!" der Zustimmung. Seine Alexa hatte recht wie immer; ein bildschöner Bengel war der Hans ja, aber leichtsinnig — dafür gab es bald keinen Ausdruck mehr. Er selbst war ja in seiner Jugend allerdings auch nicht anders gewesen, er hatte das Geld mit vollen Händen ausgegeben und manche Nacht beim Jeu gesessen; auch er war ein Windhund getoefeit, aber nach seiner Meinung doch nicht ein solcher Windhund, wie sein Sohu Hans, für den das Geld gar keine Rolle spielte und der das Glück, der Sohn eines vielfachen Millionärs zu sein, in vollen Zügen genoß. Aber der Seufzer des Grafen wurde nicht gehört. Die Gräfin war von einem Entsetzen ins andere gefallen^ und in dem saß sie noch fest. „Wie?" — kam es endlich von ihren Lippen. — „Solche Ausdrücke gebraucht .Hans — mein Sohn Hans? Das kann und will ich nicht glauben." Hans war das Lieblingskind der Gräfin, er hatte, wie sie, die schlanke, aristokratische Erscheinung, die schlanken, schmalen Füße und Hände, er war, wie sie, von seinem alten Namen durchdrungen und mit seinen tadellosen Manieren ihr Verzug. „Ich will es nicht glauben," nahm die Gräfin noch einmal das Wort, „aber wenn auch. In der Reitbahn und im Pferdestall kann man sich schon mit Rücksicht auf seine Umgebung nicht immer so gewählt ausdrücken, wie man es als gebildeter und vornehmer Mensch möchte. Aber hier in diesen Räumen und in unserer Gegenwart sind derartige Ausdrücke durchaus unpassend." Alexa wurde ungeduldig. Die ruhige Art, in der ihre Mutter jedes einzelne Wort bedächtig aussprach, machte sie oft nervös, und es wurde ihr dann schwer, zuzuhören, ohne die Mutter zu unterbrechen. So atmete sie denn jetzt erleichtert auf, als diese endete. Und bann bat sie: „Sei schon wieder gut, Mama, du weißt ja, ich denke mir nichts Böses dabei, wenn ich einmal solchen Kraftausdruck brauche. In Zukunft will ich es auch nicht wieder tun, dann will ich auch ganz artig nur sagen: es ist hier langweilig." — „Nein: einsam," — wollte sie sich verbessern, aber sie kam nicht dazu, denn gleichsam, als hätte sie nur auf dieses Stichwort gewartet, setzte ihre Schwester Dagmar in diesem Augenblick hinzu: „Zum Sterben langweilig!" Und sie schob die Zeitung beiseite^ in der sie bis jetzt geblättert hatte. Dagmar war ein auffallend hübsches junges Mädchen von zweiundzwanzig Jahren, groß und schlank, mit einem wundervoll feinen Profil und sinnenden großen Augen, 302 Sie war in ihrem Aeußern Aristokratin, wie ihre Mutter, ohne deren allzu starre und allzu strenge Adelsanschauungen ganz zu teilen. In der Hinsicht stand sie in der Mitte zwischen Alexa und ihrem Vater, wie sie auch, sonst mit Alexa wenig Aehnlichkeit hatte. Diese war meist lustig, übermütig, zuweilen etwas burschikos und handelte oft ganz impulsiv, während Dagmar ruhig und gemessen war und allerdings mehr absichtlich als ihrem Temperament entsprechend eine gewisse vornehme Ruhe zur Schau trug. Dagmar nahm von neuem die Zeitung zur Hand: „Es ist wirklich ein Unglück, Papa, daß wir nur auf die Kreuz- Zeitung abonniert sind — sie bringt so wenig, und das Wenige ist noch langweilig. Wenn ich an all die Blätter zurückdenke, die wir in Berlin im Hotel Continental hatten!" „Ach ja--- das Hotel Continental!" Der Graf sprach es mit einem Seufzer, als dächte er zurück an längst entschwundene schöne Zeiten, und als könne er sie durch seine Klage wieder zurückbringen. Die Anderen sagten gar nichts, aber alle dachten dasselbe wie er. Und plötzlich waren sie alle ivieder in Berlin. Es war aber auch diesen Winter wirklich zu nett gewesen. Wie alljährlich, waren sie im Januar dorthin ins Hotel Continental übergesiedelt, um die Hoffeste und zahllose andere Feste mitzumacheu, Premieren zu besuchen und sich zu amüsieren. Und der Zufall hatte es gefügt, daß es dieses Mal noch viel lustiger und hübscher gewesen war als sonst. Es war fast, als hätte sich der ganze Adel in der Residenz ein Rendezvous gegeben. Selbst Familien, die aus irgendwelchen Gründen in den letzten Jahren der Resideirz ferngeblieben waren, hatten sich dort wieder eingefunden, man hatte alte Bekanntschaften erneuert und neue angeknüpft. Es war einfach reizend gewesen, denn jeder hatte das gefunden, was er suchte. Die Gräfin hatte nur von Adelsgeschichten reden können, der Graf hatte in seinem Hotel in einer verabschiedeten hohen Exzellenz einen Herrn kennen gelernt, der ebenso leidenschaftlich und ebenso hoch Ecarte spielte, wie er selbst, hie Komtessen hatten getanzt wie noch nie, — kurz: man war sehr glücklich dort gewesen. Man blieb viel länger, als man wollte, und wenn man sich endlich entschloß, auf das Gut zurückzukehren, fo geschah es nur, weil man doch nicht immer int Hotel wohnen konnte. Die Freunde und die Bekannten waren schott alle fort, die Saison !var vor-, über, da mußte man, ob man wollte oder nicht, schließlich auch an die Heimreise denken. „Zu Hause ist es ja auch sehr schön. Und wenn wir da erst wieder in aller Ruhe in den eigenen vier Wänden sitzen, werden wir uns sehr freuen." So hatte der Graf eines Morgens beim Frühstück gesprochen. Er glaubte selbst nicht an das, was er sagte, und er erwartete deshalb auch nicht, daß die Seinen ihm irgendwie glaubten. Das taten sie auch nicht, aber trotzdem wurde das Wort: „Zu Hause ist es ja auch sehr schön" bald eine ständige Redensart, mit der man sich selbst belog, um sich Mut zuzusprechen, endlich die Koffer zu packen. Seit drei Wochen war man nun zttrück, aber man hatte sich immer noch nicht eingelebt. Der Graf ging manchmal wie ein brüllender Löwe durch das Schloß und suchte einen Menschen, ,mit dem er Ecarto spielen konnte, — die Gräfin.vermißte den Umgang mit Ihrer Durchlaucht der Frau Fürstin und Ihrer Erlaucht, der Reichsunmittelbaren, und die beiden Komtessen sehnten sich nach Walzerklängen, nach lustigen Diners und nach den Theatern. Es war wirklich „recht einsatn" auf dem wegen seiner herrlichen Lage, seiner prachtvollen Wälder und seines reichen Bodens weit berühmten gräflichen Gute Gründingen, und das große Schloß vermochte trotz seiner mit allem nur denkbaren Komfort und Luxus eingerichteten Räume, trotz seines märchenhaft schönen Gartens doch nicht über die Einsamkeit hinwegzutäuschen. Verkehr hatte man nicht allzuviel. Wäre es nach dem Grafen gegangen, er hätte jebett Tag Gäste bei sich gesehen. Aber die .Gräfin war sehr wählerisch mit den Leuten, die sie zu sich lud. Im allgemeinen hatte er sich ihrem Wunsche gefügt, aber schließlich doch durchgesetzt, daß wenigstens zwei Bürgerliche völlig freundschaftlich hei ihm verkehrten: sein Gutsnachbar Weidemann, ein wegen seitter Geradheit und Offenherzigkeit bekanntes OriginalZdessen ebenso originelle Tochter mit seinen Kindern sogar auf btt und du stand, und der Landrat, obwohl! dieser —; tote die Gräfin es nannte •■=> mit seinen Automobilen,die ganze Umgegend verpestete. Für einen häufigen Verkehr mit den anderen adeligen Gütertt lag Schloß Gründingen auch etwas zu isoliert. Man fuhr reichlich zwei Stunden bis zu den nächsten Bekannten. So sah .man oft wochenlang keinen Menschen bei sich, außer dem Nachbar Weidentann und dem Landrat. Allerdings, so oft .er irgend Urlaub erhielt, kam Hans aus der nahen Garnison auf einige Tage zum Besuch und brachte dann stets .ein paar Freunde mit. Das waren «dann immer lustige, fröhliche .Tage. Dann kamen auch die -Töchter von den.benachbarten Gütern, da wurde getanzt« gelacht, geflirtet, ausgeritten und getollt. Und wenn es dann zum Abschied kam, Umreit alle traurig, der Graf am meisten, denn er mußte dann, stets noch vorher seinem Sohne eine Strafrede halten. Er tat es ungern, weil er immer daran denken mußte, daß sein Sohn alle seine leichtsinnigen Eigenschaften von ihm geerbt hatte. Aber er schalt dennoch, mehr aus Angewohn- heit, als aus Ueberzeugung. Und wenn er dann genug >• gescholten hatte, dann ging er an den Geldschrank und! drückte seinem Sohne eine Summe Geldes in die Hand« die monatelang reichen sollte, aber schon nach Wochen den Weg alles Irdischen gegangen war. (Fortsetzung folgt.) Die Hosenjagd. Militär-Humoreske von Ernst von Hammer. Vor seinem Kompagniechef stand mit finsterer Miene der Kammerunterosfizier der 1. Kompagnie und hörte einer Strafpredigt zu, die von den Pflichten des Funktionsunteroffiziers handelte. Mit der Pauke an sich hätte der würdige Vizefcldwebel Aselmeyer sich wohl bald abgefunden und einige Kantinenschoppen hätten ihm das Bewußtsein der eigenen Bedeutung für den Staat im allgemeinen und die 1. Kompagnie int besonderen wieder- gegeben. Aber der Strafpredigt war wie das Amen in der Kirche die Ablösungsverfügung von dem Kammerunteroffiziersposten gefolgt, und das war nicht fo leicht zu überwinden. Adieu, du schöne Morgenruhe, während die Kompagnie in Wind und Wetter hinauszog! Adieu, mollige Frühstückspause Hinterm Kantinenofen, während draußen Rekrutenball stattfand ! Adieu, sorgenloser Manöverbummel, indessen die Schützenlinie des Bataillons! gegen markierte und andere Feinde atemlose Sprünge von einem Breitengrad zum anderen machte ! Und Adieu, du monatlich« Zulage von baren zwei Talern für — besondere Mühewaltung! „Verstanden?" beendete der Hauptmann seine Strafpredigt. „Zu Befehl!" antwortete Aselmeyer, der noch so viel auf deut Herzen hatte, und war entlassen. Als der brave Vize wieder einigermaßen zu sich gekommen war, entdeckte er auf dem Kasernenhof den Musketier Paschollek, der mit einem besonders schafsdämlichen Gesicht an ihm vor-z beischlich. „Ich lass' mir totschlagen, hinrichten, köpfen — — der Kerl hat doch die Hosen geklaut! Und ich. kriegs doch noch raus! Und dann komm ich doch wieder auf meine Kammer zurück!" Aselmeyers Zorn aus den kleinen schlitzäugigen Paschollek war zu verstehen. Vierzehn Tage lang hatte der in Untersuchungshaft gesessen, weil er in Verdacht geraten war, einen Hosendiebstahl auf der Kammer der 1. Kompagnie ausgeführt zu haben. Vierzehn Tage hatte sich die Militärjnstiz alle erdenkliche Mühe gegeben, den dämlichen Stanislaus zu überführen. Aber alle Juristerei prallte ab an des Polen: „Ich nix hab spodnie (Hosen) ge? stollen, panie majorze!" ■ So mußte er aus der Haft entlassen werden, denn es sehlteU Beweise für den Verdacht, den der brave Aselmeyer ihm angehängt hatte. Erstens, so hatte Aselmeyer ausgesagt, habe er den Polen am Tage des Diebstahls auf der Bekleidungskammer beschäftigt, Dann hätte Paschollek abends beim Abfragen gefehlt. Und aM anderen Morgen wären aus dem Stapel der 3. Garnitur zehn! Hosen verschwunden gewesen. „Also hat der Kerl die Hosen gestohlen!" legte sich Asel- meyer mit seinem gesunden Menschenverstand den Zusammenhang zurecht. Und nun lief dieser Hosendieb frei umher, während er das Schlüsselbund, das Zeichen seiner Kammerherrnwürde, in andere! Hände legen mußte! — Aselmeyer hatte eine schlaflose Nacht. Am nächsten Morgen trat der Vize mit der Bitte nm das Amt eines Korporalschaftsführers an seinen Hauptmann heran. „Welche Korporalschaft möchten Sie denn übernehmen, Aselmeyer?"- fragte der Chef gütig. „Die sechste, Herr Hauptmann!" „Wes- halb denn die gerade?" ^,Weil ich dann die sechs Polen in,meines Gewalt habe." „Aselmeyer, was wollen Sie mit dem Paschollek?" forschte vorsichtig der Hauptmann. „Ich will ihn beobachten, Herr Hauptmann! Denn gestohlen hat er nun doch. Und ich hab mir vorgenommen, der Dieb soll entlarvt werden!" „Unsinn!" wies der Hauptmann ab. „Zu Befehl, Herr Hauptmann!" beharrte Aselmeyer. „Aber es tut sich nm meine Soldatenehre handeln, Herr Hauptmaini. Elf Jahre hab ich 303 —• Marienkäferchen. Wer kennt nicht von seiner Kindheit Her das feine, zierliche Käferchen, bald „Herrgottsvögelchen", bald „tzergottskalbchen" oder „Herrgottspferdchen" genannt, das in der Kinderwelt nicht minder beliebt ist als der Maikäfer? Jedermann kennt wohl den Sieben- Punkt, den sieb-enpunktigen, Marienkäfer (Cocciuella septempnnctata), der, in zahlreichen Kinderreimen behandelt, Milch und Butter, Brot und Kuchen beschere, eine alte überlieferte Anschauung, die wohl aus der Eigentümlichkeit entstanden ist, daß das Käferchen beim Berühren einen gelben Saft aus den Seiten hervortretew läßt. Auch seine braunrote, durch sieben schwarze Flecken gehobene Färbung hat es mit einem gewissen Nimbus bekleidet. Bei unseren altgermanischen Vorfahren war das, säst tote die Verkleinerung einer Schildkröte erscheinende Käferchen als Frühlingstierchen der im lichten Aether wohnenden Frigga geweiht; selbst bis aus die alten Inder geht die Verehrung des Käfers zurück, denn schon in deren alten heiligen Büchern wird er als Schützling des Indra verehrt. Die zahlreichen Arten des Marienkäfers halten sich immer vorherrschend da auf, wo au den jungen Blättern sich Blattläuse befinden, weil sich die Käfer und deren Larven von Blattläusen, ernähren nnd dem Gartenfreunde so in der Vertilgung dieses Ungeziefers ein bedeutender Helfer sind. Damit ist schon angedeutet!, daß alle Arten der Marienkäfer als Verfolger der Blattläuse des, besonderen Schutzes eines jeden Gärtners und Obstzüchters würdig sind. Ich habe schon durch Kinder mir die lieblichen Käferchen sammeln und bringen lassen, um sie aus die verlausten Zweige meiner Cordonapfelbäume zu fefeeit, wo ich alsbald einen Erfolg wahr nahm. ' _■ Die bunt oder braunrot gefärbten Arten des MarienkäferchcnH sind aus den: Wicken hochgetvölbt, unterseits platt, also halbkugelig Und Tonnen die kurzen keulenförmigen Fühler hinter den Kopf krdu gedient Und kann ntich jetzt nicht mehr in der Oeffentlichkeik sehen lassen, weil mir die Hosen gestohlen sind. Und so bitt ich denn den Herrn Hauptmann, daß ich den Polen in meine Korporal- fch-ast kriege." Ms der Hauptniann noch überlegte, fuhr Aselmeyer mit bewegter Stimme fort: „Er wird von mir tvie'n Sohn gehalten werden. Auiühren tu ich ihn nicht. Aber meine Augen, die werden ihn Tag Und Nacht geleiten!" Der Kompagniechef riskierte die Zusag-ä Und fettigen Tages >og der Vize als Korporalschaftsführer auf Stube 20. , Einen so häuslichen Stnbenvater hatte die Sechste aber noch Ute gehabt. Hinter den Schränken in seinem Verschlag saß er - Abend für Abend und hatte ein Buch vor der Nase. Das war ein Uitterrichtsbüch, „Schnell-Polnisch" genannt. Aselmeyer paukte fleißig, aber die schwierige Aussprache der polnischen Worte be- xcitete ihm manche Mühe, bis er auf eine gute Idee kam. „Mein Freund Stanislaus Paschollek!" rief er eines Abends rn den putzenden Haufen hinein, „ich, habe mich entschlossen, die edle polnische Sprache zu erlernen. Dazu gehört, daß, ich ihr auch gelegentlich spreche. Daher gebe ich dich die Erlaubnis, in deute Muttersprache mich Ku antworten, wenn ich dich was frage. Verstanden, mein Sohn?" „Täk, panie Feldwebel!" grinste Paschollek und faßte wieder Nutrauen zu dem milde blickenden Gebieter. _ "Ja," führ Aselmeyer freundlich! fort, „in deine schöne Sprache kannst du mtch, alles anvertrauen, Paschollek. Du kannst mick erzählen von deine traute Heimat Torunia (Thorn), von deine Katarzyna, was wir Katharina nennen tun, von die feilte polnische JttsTt uitb auch, von dem echten Wodki darfst dir mich reden." Der kleine schlitzäugige Paschollek machte reichlich Gebrauch 8^" ^'^m. Anerbieten und Aselmeyer sprach polnisch wie ein Abtchselschtffer, aß Ktskt und nippte Wodki, aber immer gegen Bezahlung, was den Paschollek, wenn er feinti Futterkiste von Hause bekam, höchlichst in Erstaunen setzte. So war Aselmeyer ein gerechter und milder Vorgesetzter, und Stanislaus fühlte sich in der -„polnischen Wirtschaft", wie in der Kompagnie die 6. Korporalschaft benannt wurde, äußerst wohl und zufrieden. Aber bei 'allem Wohlwollen hatte der brave Aselmeyer Augen und Ohren überall und chemerkte bald, daß feine „Pollen" regelmäßig kurz vor Zapfenstreich sich zu einem kleinen Nationalklatsch vor bem Kasernenportal zu versammeln pflegten. Ms er wie von ungefähr vorbei ging, sing er so manches Wörtchen auf, das ihm zu denken gab. Mau sprach! von einer Ehata (Arbeiterwohnung), von dem Kohane dziewcze (geliebten Mädchen) und von Spoduie (Hosen) ünd Paschollek prahlte laut: „Kein Vergnügenn onite Damenn!" . „Sieh mal einer an!" schmunzelte Aselmeyer nnd verschaffte seinem Stanislaus öfter eine Urttuteforte. Von dieser Zeit an war der Vize nicht mehr so häuslich. Kurtz ehe -Paschollek die Kaserne abends verließ-, wartete er schon geduldig int Dunkel der Vaume, dte den Hof umgaben. Und bildete dann den Schatten des Ahnungslosen. Der bummelte Hierhin Und dorthin, endete aber süsser wieder an. derselben.Stelle vor der Kaserne der ländlichen polnischen Arbeiterinnen, die vor den Toren der Stadt untergebracht waren Dort endete Stanislaus Paschollek und kam erst knrz- vor Ablauf der Urlaubskarte wieder zum Vorschein. Noch öfter pilgerte Aselmeyer vergeblich zu der Ehata hinaus, an einem! lauen Maiabend aber hatte er Glück. Da saßen die Madel draußen auf der Blink an der Tür und mitten unter ihnen, wie iber Hahn im Korbe, Freund Paschollek. Wär das ein Geschnatter. Ter brave Vize hinter der Hecke hatte alle Mühe, zuzuhören. Er verstand zwar nicht alles, aber was er vernahm, war ihm Labsal. . „Wenns nur bald recht naßkalt werden wollte!" kmirrte er in den Bart, als er lautlos davonschlich. Am nächsten Samstag regnete es, und es herrschte eilte grimmige Kälte, wie ost zur Zeit der Schafschur.. Als das Bataillon zur Felddienstübung am nahen Rübenberge ausrückte, hüpfte Aselmeyers Herz vor freudiger Erwartung. In seiner Gruppe marschierte Stanislaus Paschollek aus T-orunia und- ahnte nicht, wie nahe ihm des Verhängnis am Nacken saß. , Der Rübenberg hatte eine mit Heide und Unterholz und eine mit Zuckerrüben bestandene Hälfte. In der Heide begann die Uebiing, und wie es immer geschah, mußte eine starke Seiten« Patrouille gegen das ungangbare Rübengeländ-e hin sichern. Aselmeyer kannte diese Lokaltaktik, die schon unter drei Bataillons- kommäudeuren üblich gewesen war, und sprang auf einen Wink seines Hauptmanns tatendurstig mit seiner Gruppe vor und besetzte die historische Kiesgrube. Auf dem Marsch dahin machte Paschollek allerlei Mätzchen. Bald meldete er: „Js sich feindliche Ka- walerya in Flanke prawo!" Bald rief er: „Winkt uns Panie Kapitanie zurückgehen!" Schließlich heuchelte et: „Hob ich Blutten an die Nasenn, Herr Feldwebel!" Es half ihm alles nichts. Aselmeyer besetzte die Kiesgrube, und Paschollek mußte sich neben ihn legen. Vorsichtig äugte her Vize über den Grubenrand-. „Richtig ! Da sind sie!" entfuhr es ihm. Was er sah, war eine Kolonne Rübemnädchen von der Domäne. Sie hackten singend Ünd schwatzend den Boden und bewegten sich langsam auf die. Kiesgrube zu. Das Fernglas kam nicht mehr von Aselmeyers Augen. „Näher heran, -Gesellschaft!" knurrte er. „Ich werde- euch packen! -— Habt ihr sie nun an ober nicht? — Verflixtes Regenwetter! Map erkennt es nicht! — Ha, du schöne, runde Marianka! Du hast ?- du hast — ach Mädel, ich liebe dich! Kocham Ci! Sv faai man in deiner edlen Sprache." Stanislaus Paschollek war während der Beobachtungen Asel- mehers sehr unruhig geworden. „Herr Feldwebel — wollen der Herr Feldwebel nickst libber schreiben ein Meldung an Bataillon?" „Richtig, mein Junge!" lachte Aselmeyer, und- dann schrieb er: „Rudenberg. Ostabhang. Kiesgrube. 8 Uhr V. Vom Feinde Nichts neues. Die Kgl. 3. Hosen sind alle in Anmarsch. Ich werde ihnen angreisen. Aselmeyer." W der Bataillonskommandeur die Meldung gelesen hatte,- rief er den Hauptmann heran. „Ihr Bizefeldwebel ist verrückt geworden!" „Ich glaube nicht, Herr Major, muß aber z'ur Aufklärung melden, daß! er feit Monaten auf der Jagd nackt seinen gestohlenen Kammerhosen ist. Es scheint, er hat sie entdeckt!" „Die Hosen? Wo? Auf dem Rübenberge? In seiner Kiesgrube ?" In diesem Augenblick kam schon eine zweite Meldung: „Rübenberg. Ostäbhang. Kiesgrube. 8 Uhr V. Vom Feinde nichts neues. Damit, daß die Kgl. 3. Hosen nicht können auskneifen,- bltte ich um Verstärkung." Wollen selbst sehen, was da los äst!" entschied der Kommandeur Und gallopierte mit dem Hauptmann der Kiesgrube' zu. Aber noch ehe er ankam, - stürzte Aselmeyers Gruppe unter gellendem Hurra mit aufgepflanztem' Seitengewehr aus dem Versteck hervor und attackierte die Rübenmädchen, die kreischend entfliehen wollten. „Stoj, cicho!" (Stillgestanden!) brüllte Aselmeyer, und im! Nu waren die Mädchen umringt, die sich merkwürdigerweise alle svie auf Kommando in die Huke fetzten. „Vizeseldwebel! Mensch! Was machen Sie denn da!" herrschte der Major den siegreichen Aselmeyer an. Wollen Sie die Mädchen wohl sofort freUaffen!" „Herr Major, es ist besser, daß ich ihnen sesthalteu tu!" keuchte der Vize, ganz rot im Gesicht vor Erregung. „Diä Mädel haben nämlich — haben nämlich die Hosen an!" —: „Unsinn!" — „Zu Befehl! Aber Unsere Hosen, die haben fiel doch au!" Und dabei gab er der Marianka eilten Stoß. „Krok pospieszuy! Marsz! Marsz!" (Laufschritt, marsch, marsch!) Marianka war sehr militärfromm. Sie gehorchte und trabte all. Und da sah man sie, eine richtige Soldatenhose mit roten Biese, die in betten Schmierftieseln steckte. So hatten sich die Mabel vor den Unbilden des kalten Maitages geschützt. Aselmeyer triumphierte, und durch sein zehnmal wiederholtes Kommando wurde das Vorhandensein aller zehn Hosen festgestellt. „Rusz sie!" (Rührt.euch!) donnerte der Feldwebel, und damt bekam er in Ansehung seiner polnischen Sprachkeuntnisse die Erlaubnis, die heulenden Mädchen zu verhören. Was da herans- kam, überraschte nicht. Freund Paschollek war der gütige Geber gewesen. Er zierte sich auch nicht mehr, es einzugestehen. Er hatte an einem Wend nach der Arbeit sich auf der Bekleidungs^ raminer einschließen lassen, dann aus dem Fenster hinaus feiner wartenden Marianka die „Geschenke" zugeworfen. Am änderest Morgen war er seinem geöffneten Gefängnis unbemerkt entschlüpft. ~~ - v । i Am häutigen denkwürdigen Abend saß Aselm-eyer als' wieder stmemannter Kammerunteroffizier noch zü recht fpätär Stunde in der Kantine. < Bon 12 Uhr an sprach er -nur noch polnisch ünd erzählte gegen Morgen seine Hasenjagd zum dreißigsten ‘Stale1. 304 zurnckziehen. Die frimten Larven, die in ,ber Vertilgung bet1 BlaK- läuse unersättlich sind, hangen sich Set der Verpuppung mit der Schwanzspltze an Pflanzenteile an, die Puppen selbst bleiben öfters in der geborstenen Larvenhaut stecken. Es gibt im Laufe des Sommers mehrere Bruten, und schließlich überwintern die Käfer in sicheren Verstecken, unter abgefallertem Laube, hinter losgelöster Baumrinde usw. Wenn dann die Käfer im Frühling ihre Schlupfwinkel verlassen, dann erfolgt die Paarung mtb Has Ablegen der gelben Eier an Stellen, wo Blattläuse vorkommen, und je mehr Blattläuse man an jungen Trieben beobachtet, desto mehr Larven der verschiedenen Arten ihres Verfolgers wird man da finden, die alle auf aufgespreitzten Beinen umherlaufend, die trägen, dicken Blattläuse zu erhaschen sitchen. Nachdem die erwachsene Larve die letzte Haut abgestreift hat, entschlüpft der weiche Käfer, der bald Ur die weitere Vermehrung seines Geschlechtes sorgt, so daß unter günstigen Bedingungen in einem Sommer drei Bruten entstehen. So sorgt die Natur immer dafür, daß nicht (eine Art der Geschöpfe zum Nachteile anderer überhand nimmt. So sind der übermäßigen Vermehrung der Blattläuse einige Schranken gesetzt durch die Lebens- und Ernährungsweise der Marienkäfer, die, wie auch die Blattlauslöwen, die Larven der Florfliegen und diejenigen einer kleinen Schlupfwespenart ausschließlich von Blattläusen sich ernähren und gewaltig in den Reihen dieses Ungezieftrs aufrämnen. Das ist ein Beispiel des stetigen Kampfes ums Dasein rn der organischen Welt, selbst im Reiche der kleinen Insekten- welt. Gr. Der „Blutritt“ ein Himmelfahrtsbrauch. ES ist der 41. Tag nach Ostern, der Tag nach Himmelfahrt, im Volksmund auch Wetterieiertag genannt. Durch die Scheuer eines Bauern in der Nähe von Weingarten bei Altdorf bewegt sich eine merkwürdige Prozession. Die meisten Teilnehmer sind beritten, sie sind militärisch gekleidet, sie tragen Fahnen, Musik be- fiteilet ihren Zug; einer hat die „heilige Blntglocke", die beständig gelautet wird, und der Kustos reitet auf einem Schimmel und ist weiß gekleidet. Wohin diese Prozession sich bewegt, da bringt sie den Feldern Segen, daß kein Welter ihnen schaden kann, und auch den Pferden, auf denen Prozessionsteilnehmer reiten, ist der Ritt heilsam. Denn bei diesem „Blutritt", wie die Prozession heißt, wird ein Trovfen des heiligen Blutes Christi durch die Felder getragen. Dieser Blutritt ist eine Sitte, durch die Weingarten feit alter Zett berühmt ist, aber sie steht keineswegs ohne Seitenstück da, im Gegenteil, Prozessionen in der Himmeliahrtszeit und am Himmelfahrtstage selbst kennen alle deutschen Landschaften und beinahe alle germanischen Völker. Die kirchliche Einrichtung des Himmeliahrtsumzuges geht vielleicht auf den südgallischenBischof Mamertus von Vienne, einen bet „Drei gestrengen Herren", zurück, der zur Abwendung unheimlicher, erdbebenartiger Naturerscheinungen im Jahre 450 Bitt- prozessionen anordnete. Von hier aus verbreiteten sich solche Bitt- prozessionen über das ganze Gebiet der alten Kirche, und auf der Synode von Orleans (551) wurden schon Himmelfahrtsprozessionen allgemein angeordnet, für die die Bestimmung getroffen wurde, daß Knechte rmd Mägde an den Tagen, wo sie stattfänden, von der Arbeit befreit sein sollten. Die Kirche griff hierbei, wie bei so vielen Festen, einen Brauch, der aus heidnischer Zeit erhalten war, auf, um ihn in christliche Gestalt einzukleiden. Flurprozessionen, Grenzumzüge, Eschprozessionen oder wie sie sonst heißen, halten schon die alten Germanen abgehalten. Bonifacius hat die heidnischen Gebräuche bei diesen Umzügen einmal geschildert rmd erwähnt dabei auch Bilder, die dabei herumgetragen wurden. Viel früher hat Tacitus von den Usern der Ostsee den Umzug zu Ehren der Göttin N e r t h u s geschildert. Die vorchristlichen Grenzumzüge, bei denen Götterbilder durch Felder und Haine getragen wurden, gehören zu den Frühlingsfeiern: in der Zeit, wo die Natur sich erneut und verjüngt, wurden den Göttern Opfer dargebracht, rmd ihre Bilder, die ute gleiche Kraft hatten, wie die Götter selbst, wurden umher- getragen, um die Unholde des Feldes und alles Unheil zu bannen. Im Mittelalter sanden in außerordentlich vielen Landschaften Himinelsahrtsumzüge statt, die christlich aussahen und eS auch waren, dabei aber noch manche heidnische Ueberresie mit sich schleppten. Uebrigens waren diese Umzüge meistens heiterer Art und an Scherzen fehlte es dabei nicht. Sie hatte» unter andeiem den Zweck die Flur- und Besitzgreirzen alljährlich neu festzustellen, und deshalb mußten junge Leute und Kinder dabei sein, die den genauen Verlauf der Grenzen ihrem Gedächtnisse einprägen sollten, im ihrem Gedächtnisse zu helfen, verwendete nm» eine besonders kräftige Art der Eiiiprägung, nämlich eine gutgezielte Ohrfeige oder ernen kräftigen Rippenstoß. Der Wettersegen oder die Feststellung der Grenzen waren Zweck der Prozession. Srenzen waren Zweck der Prozession. Die deutschen Namen dieser Himmelfahrts-Prozessionen sind schon oben genannt worden; bei den Engländern trägt die Himmel- lahUsivoche, in der sie stattfinden, den Namen Betwoche, bei den Hollandern Kreuzwoche, iveil den Prozessionen Kreuze voraus- getragen werde». Der „Blutritt« zu Weingarten, bei dem die Jteliqiue bet Benediktiner-Abtei zur Segnung verwendet wird, sich zwanglos in diese Prozessionen ein; sie ist weitaus die veiuhmteste ihrer Art; etwas weniger befannt ist der „Ablaß" des Thüringer Dorfes Günstedt. Wie die meisten Festbräuche dieser Art sind auch di« Himmelfahrts-Prozessionen im Erlöschen. Im ®uben Deutschlands halten sich die Bräuche gewöhnlich länger* mäqrenb sie im Norden schon ausgestorben sind. Nach einer An gäbe Reichhardts hat im Jahre 1894 in dein Dorfe Nietleben bet Halle noch em Flurumzug zur Feststellung der Ortsgrenzen statt- gefunden. In Biedenkopf finden sie als großes Volksfest all« zehn Jahre statt. ______ x. p. heil dir, Gießen! m . .... Mel.: Heidelberg, du Jugendbröntrer^ Gießen, deine Musensohne fingen dir ein Jubellied I da» <8 uns die Zukunft schöne, bleibt dein Bild uns im Gemüt, feunben, die wir nie bereuten, trauen uns dir ewig an. Gießen, Stadt der Jugendfreuben, schönes Gießen an der Lahn. Deine Häuser, deine Kneipen sind das Heim der Poesie, und zum Salamanberreiben fehlt's an Stammquartieren nie. ihr mich nach alten Gaffen? Geht mir hin und seht euch um! selbst dre allerneusten Straßen schienen mir bisweilen krumm. Zu des Gleibergs satter Grüne lockte uns der Maientag l und des Staufenbergs Ruine sah manch frohes Zechgelag, Wo der Mönch statt vor demLiebchen vor demKreuz sich einst verbeugt, Schlffenberg, dein Söllerstübchen, fand ich manchmal gar zu feucht. Selbst die Lahn, des Rheines Schwester, ist umhaucht vom Burschengeist, nimmer dulden wir Gelöster, wenn uns wer den Neckar preist, -mrd) das Wehr der alten Mühle zog der Fux den Kahn hindurch, und tm Bowlenvorgefühle rudert et zur Babenburg. Deine Mädchen, schönes Gießen, scheinen zwar von außen kalt, doch ein andres Lied von diesen rauscht der Philosophenwald. Selig in des Klubsaals Tiefen schivang der Fux fern Mädel rum, nur die alten Inaktiven kranken lieber einen um. Ach,wie mußt das Blatt sich wenden, wo Herr Goethe scheltend spricht' /Biefe Gießener Studenten raufen doch studieren nicht.« Säh er heut Student und Spießer, nimmer wahrlich sprach er Hohn, und ein echter, rechter „Gießer" liebt den flotten Musensohn. Also dichtet ein Philister, nimmt fein buntgewirrtes Band, , ®.e’b und Kind vergißt er, fährt hinauf ins Hessenland, fegt sich nieder zu den Jungen, stimmt den Jubelkantus an, und im Jubel ist's verklungen: „Heil dir, Gießen an der Lahn*. Wilhelm F < Büchertisch. Griebens Reiseführer, Band.19: ^München ünd dre Königs schloss er", mit 2 Karten (und 2Grun8- rissen, 29. Auflage. Verlagsbuchhandlung Albert Goldschmidt, Berlin W. 35. In der Sammlung boit Grieb ens Reiseführern ist soeben eine.neue sorgfältig durch!gesehene Auflag« des Führers „München" erschienen. , Die Besucher der Jsarstadt findet in diesem Buche-alles was Ur ihn wissenswert und interessant ist. Ein praktisch angelegterRundgang gibt sofort einen Gesamteindruck der Stadt. Mit großer Sorgfalt und Ausführlichkeit sinh die Museen und Kunstsammlungen beschrieben; auch die im Iah« 1911 erfolgte Neuordnung in der Alten Pinakothek ist berücksich« tigt. Mit einer ausführlichen Schilderung der näheren und weiteren Umgebung Münchens, sowie der bayerischen Königsschlösser, schließt das Reisehandbuch, das.als zuverlässiger Ratgeber empfohlen werden kann. ------------ Schachaufgabe. Von E. A. Schmidt. Weiß. Weiß setzt mit dem dritten Zuge Matt. Auflösung in nächster Nummer. 2 1 3 6 4 5 8 7 b d 2 1 3 5 4 6 8 7 f g h abcdelgh Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummert Schweigen ist auch eine Antwort. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen NniversitSts-Buch- und Steindruckerei, R. Lang«, Gieß«»