Montag den 15. Januar rgT W W lS Ä i MsWji HlW Glückslasten. Dlontan von Hanns von ZobeltiK (Nachdruck verboten,), (Fortsetzung.) Mit offenen Armen kam ihm der Herr von Hellstein entgegen: „Lassen Sie sich endlich . . . Pardon, alter lieber Freund, läßt du dich endlich sehen! Wie ich mich freue! Da, setz dich und steck dir eine Zigarre an. Laß dich ansehn: famos siehst du aus. Ja, unsereiner rackert sich früher ab, wie solch glücklicher Rentier. Ich wette, du schwingst heut noch deinen Humpen wie damals — damals! Ach ja, —. . . . und i chbin ein alter müder Büreaukrüppel geworden mit höchst mangelhaften Magen- Verhältnissen und alljährlichem Nauheim! Dja. . . dja . . . du . . . und die Hand muß ich dir drücken. Ist schon so was daaewesen: sitzt man da irgendwo an der Ostsee und da fällt einem plötzlich ein Riesenvermögen in den Schoß. Sei nur still, ich weiß Bescheid. Mein Aeltester ist ja Hauptmann in deinem alten Regiment. . ." Gar nicht zum Sprechen kam Vater. Wenn Hellsteiu an Magen und Herz laborierte, mit der Lunge haperte es sicher nicht. „Wo habt ihr gemietet?" „Du gehst natürlich mit deinen Töchtern zu Hofe?" „Bon deiner Aeltesten weiß ich auch schon viel. . . nee... dja ... solch einen Star können sie hier gebrauchen." „Und deine Jungens? Den einen hab ich mal flüchtig gesehen . . . brillante Erscheinung, flottes Kerlchen . . . was? Ein bissel zu flott? Na . . . dir tut das ja nichts, wenn er mal ein paar braune Lappen zu viel braucht. Aber du hast doch noch einen, nicht wahr?" Nun war Gudarcza endlich soweit, daß er einhaken konnte. Der andere steckte gleich ein Dienstgesicht auf, strich sich den grauen Bart, den er nach alter Kaiser Wilhelms- art am Kinn ausrasiert trug, fragte wichtig nach dem und jenem. Schließlich aber meinte er: „Es wird sich schon machen lassen. Da hast du meine Hand — ich tu, was ich kann, schon um unserer alten Freundschaft willen. Und im Vertrauen: der junge Herr hat recht. Die Aussichten sind gut, denn übergroßer Ueberfluß ist grad nicht an Leutchen aus guter alter Familie, die den Zuschuß mitbringen, den der diplomatische Dienst nun mal fordert. Du wirst wohl informiert sein. Wenn dein Sohn ins Ausland kommt — es ist je nach den Stationen verschieden — aber so int Durchschnitt wirst du mit 15 bis 20000 Mark rechnen müssen." Ein wenig hatte Gudarcza sich schon an die großen Zahlen gewöhnt. Der Betrag, den Hellstein nannte, fuhr ihm aber doch in die Glieder. Er mußte immer wieder an die eigene karge Vergangenheit denken. Indes er verbarg's unter einem Lächeln, dachte auch daran, daß Friedel in seiner Art ein ganz guter Rechner war. Und dann sagte Hellstein gleich: „Na dja . . . für dich ist das eine Lappalie. Alle Wetter, alle Wetter, wie es unsereinen freut, wenn mal ausnahmsweise in unsere Kreise Geld hineinschneit, solch tüchtiger Batzen, der sich lohnt." Ein Paar Tage trug er's noch mit sich herum und ertrug das sanfte ©c.; .nölten seiner Frau ohne Murren. Dann kam auch Eberhard zu seinem Recht: was der eine bekam, durste schließlich dem anderen nicht vorenthalten werden — und im Grunde war's nun doch mal eine Geldfrage. So gab er auch seine Einwilligung zur Versetzung Eberhards. Das ging freilich nicht ohne einige brennende Stiche in der Brust ab. Denn es traf sich, daß er an demselben! Tag zum ersten Male wieder bei seinem alten Regiment zu Tisch war. Das war ihm gleich einem kleinen Fest erschienen, und er hatte Fvait Ida gebeten, die Uniform aus den noch nicht ausgepackten Kipen zu erlösen. Es deuchte ihm nötig, des Königs Rock, den zu tragen Seine Majestät ihm beim Abschied guädigst bewilligt, bei dieser Gelegenheit anzulegen, als wolle er damit dem Regiment seine Honneurs erweisen. Aber als er damit vor die Seinen trat, schlug Signe die Hände zusammen: „Papa, das geht wirklich nicht. Sei nicht böse, du siehst höchst antediluvianisch aus." Dodo, die häufig vom Oppositionsgeist beseelt war, erklärte zwar sofort energisch: „Sehr gut sieht unser Vater aus —" dock die Freude war ihm verdorben. Er ging in sein Ankleidezimmer zurück, um die Uniform mit dem Gewand des friedlichen Bürgers zu vertauschen, und während er vor dem Spiegel die Krawatte zum modernen Knoten band, was ihm immer Mühe machte, predigte er sich vor: „Signe wird schon recht haben, wie sie immer recht hat. Alt Eisen ist alt Eisen . . . aber schade ist es doch." Dabei stieg ihm etwas wie ein leichtes häßliches Würgen der Enttäuschung im Halse empor. Und das kehrte während des ganzen Abends, toie er's auch herunterkämpfte, immer wieder. Es war alles, alles so anders geworden, fand er. Aeußerlich die Räume des neuen Kasinos so prunkvoll, er selbst so fremd, daß er sich bei aller Liebenswürdigkeit mit der man ihm begegnete, vereinsamt vorkam. Er hatte gemeint, gehofft, etwas wie Heimatsodem zu finden, und vermißte den schmerzlich. Er hatte geglaubt, an dem großen Gasttag viel alte Bekannte zu treffen, und fand fast keinen in dem Menschenschwarnt. Und der eine, der graubärtige General a. D., der aus einem schlesischen Winkel einmal wieder nach Berlin geschneit war, empfand wie er. Als sie beide nach dem Kaffee sich noch zu einer Flasche Mosel und einer guten Zigarre in ein Eckchen setzten, da sagte der: „Ja, Gudarcza, — was? M ist so vieles 30 — anders geworden hier. 9?a ... wundern wir uns nicht! darüber. Es ist der Lauf der Welt." „Wenn's nur auch besser geworden ist, Exzellenz?" „Na. . . ivas weiß ich? Besser oder schlechter, das sind schließlich relative.Begriffe. Es kommt ganz auf den Gesichtswinkel an, unter dem man sieht. Und wir schauen eben aus dem alten. Lassen wir's. Die Hauptsache bleibt: die Jungen hier werden, wenn's drauf ankommt, ihre verdammte Pflicht und Schuldigkeit tun, wie wir. Dessen bin ich gewiß. Wir — nun wir sind eben alt Eisen. Prosit, alt Eisen!" Der gescheite Alte, der einst unter Mo-ltke lauge die breiten karmoisinroten Streifen an ben Unaussprechlichen getragen, hatte gewiß recht. Aber das würgende Gefühl in der Gurgel wurde Gudarcza darum doch nicht los. Und dann war da noch eins: er war erstaunt, daß man allenthalben schon von Eberhards Absicht, sich versetzen zu lassen, wußte . . . und daß man sie so gar nicht mißbilligte. Der Kommandeur sagte zwar: „Schade, igerr von Gudarcza. Ich verliere Ihren Herrn Sohn ungern, er ist ein tüchtiger Offizier. Wer, lieber Himmel, wie die Verhältnisse liegen, verdenken kann ich's ihm schließlich nicht." Und der junge Hauptmann von Hellstein kam zu ihm heran: „Papa hat mir heut erzählt. Ich gratuliere, Herr von Gudarcza. Ihr zweiter Herr Sohn kommt sicher ins Amt, und unser guter Eberhard. . . nun, den seh ich schon im Dragonerrocu Schade, er war uns allen ein lieber Kamerad. Aber wenn ich die Moneten gehabt hätte — Pardon — ich wäre auch nicht gern zu Fuß durch den Sturzacker gestrampelt." Die Moneten — die Moneten —> „Ja . . . ja . . ." meinte die alte Exzellenz Beerhoven beim Moselwein. „Sie haben mächtig geerbt, Gu- varcza, hör ich. Freut mich, werdend brauchen können. Glücklich au sich macht's ja nicht, aber 's ist immerhin 'n sehr angenehme Zugabe, sozusagen. Heute! Heute ganz besonders. Ich will auch da nicht schelten, bewahre. Das große Rad, Zeit genannt, dreht sich eben, und die Anschauungen ändern sich. Ja. Ain Ende: das Gold ist 'ne ganz schone Sache, vorausgesetzt, daß man sich von ihm nicht unterkriegen läßt. So wie'solch guter Tropfen Wein auch 'ne feine Gottesgabe ist, wenn inan seiner Herr bleibt." Exzellenz tat einen tiefen Zug, bei dem immer der buschige Schnurrbart, der noch keine Bartbinde kennen gelernt hatte, sein Teil abbekam. Er wischte sich barni die Borsten rechts und links mit dem Handriicken ab, daß die Tropfen flogen, schielte in das Glas und fuhr fort: „Was ich noch sagen wollte... da fiel mir vorhin was ein, als ich Sie sah! Neulich hab ich einen Verehrer vor: einem Fräulein von Gudarcza kennen gelernt, und der Name ist so selten. Es muß wohl eine Tochter von Ihnen sein oder eine Nichte." „Ich habe zwei Töchter, Exzellenz — Signe und Dorothee." Indem er's sagte, wußte er ganz genau, daß es sich nur um Signe handeln konnte. „Signe! Na natürlich Signe. Wunderlicher Vorname, den man so leicht nicht vergißt — eigentlich 'ne sehr praktische Sache. Also, und nun fällt mir ein, wer der Schwärmer war. Unser Kreis-Magnat nänrlich, Prinz Bill Hoburg. Wir kommen sonst selten zusamnien, obwohl mein Klitschchen an seine Herrschaft grenzt; sinte- znal er sich mehr an der Riviera anfhält, als in unserem Lausewinkel, was ich ihm an sich nicht verdenken kann. Lllso neulich waren wir bei der Baronin Kellhof zum Tee. . . labbrigste Sorte... da sprach er von seiner letzten Reise und, warten Sie mal, von seiner Tante, der Fürstin Bum-Bum, der Geier soll die Namen von all den kleinen Fürstlichkeiten behalten, die dem geduldigen deutschen Boden entsprossen sind. Und über die Hoheit kam er auf höchstdereir Hofdame" — Exzellenz lachte — „die ihm jedenfalls interessanter erschienen war als die gnädigste Tante." Gudarcza fühlte wohl, daß seine Frage der Mißdeutung ausgesetzt war. Wer er fragte dennoch: „Was ist das für ent Mann, dieser Prinz?" „Na, wissen Sie. . ." Der General machte eine kleine Pause, wischte sich wieder einmal rechts und links über den feuchten Schnurrbart und blickte unter seinen schweren Äilidern ein wenig forschend seinem Gegenüber ins t. „Also, alter'Freund, das is nn so'ne Sache. Spielt da vielleicht was? Ich mag mir das Mau! nicht ver-< brennen." „Keine Spur, Exzellenz." Gudarcza lachte. Er meinte die volle Wahrheit zu sprechen, aber das Lachen kam ihm' doch nicht ganz von Herzen. „So — na denn. Und übrigens kann ich schließlich vertreten, wenn ich was sage. Also der gute Hoburg — mein Mann ist er nicht. Ich mag die Leute mit 'nem! Hofton, die immer nur flüstern, nicht; so'ne Menschen^ linder, denen man die sechzehn Ahnen immer äußerlich anmerken soll, die vor lauter Mattieren keine Manier mehr haben. Auf ’ne hohle Nutz schätz ich ihn ein. Ob 's wahr ist, daß das Luderchen jeut, kann ich nicht sagen. Wäre am Ende auch noch nicht das Schlimmste, denn er hat 'nen guten Güterdirektor, und die Herrschaft hält schon ’nen Puff aus. — So, alter Freund, und nun wollen wir man gehn. Die Glock hat Mitternacht ge-i schlagen." Als Gudarcza in seinem Droschkenauw heimfuhr, wurde das würgende Gefühl im Schlunde immer ärger. Es war nun nicht mehr nur Eberhard, um den's ihn verdroß, er mußte auch wieder an Signe denken. Und daran, wie klein er sich vorgekommen war, als er Viktor Kalteuegg schreiben mußte, daß seine Hoffnungen Träume gewesen wären. Und daran, daß Signe mit dem Prinzen Hoburg zusammen in Berlin angekommen war — der „hohlen Nuß". Der alte Beerhoven war immer ein guter Menschen- beobachter gewesen. Er nahm sich vor, am nächsten Bdorgen mal bei Signe auf den Busch zu klopfen. Er wollte ein ernstes Wort mit ihr sprechen. Recht väterlich und ernst. Sie war immer offen und wahrheitsliebend gewesen, schon aus Stolz. Sie würde ganz sicher auch diesmal kein Hehl vor ihnr habeu. Der Gedanke beruhigte ihn allmählich „. . . im Grunde," sagte er sich, „ist das Ganze^doch eine recht haltlose Kombination. Daß der Prinz Signe schön fand, war nicht zum Verwundern, und daß er ein bissel von ihr geschwärmt hat, ist auch nicht zum Staunen. Und daß Signe und er 'sich auf der Reste getroffen und sie gemeinsam fortgesetzt haben: Du lieber Himmel, eigent-, lieh war auch nichts dabei. Grade, weil es Signe war. Irgend ein Schäfchen hätte dabei Gefahr an ihrem guten Ruf leiden können; Signe nie, denn Signe vergibt sich nichts. Das ist so gewiß, wie das Amen in der Mrche. Bleibt also die Absage an den armen Viktor. Na jai . . . traurig genug für den lieben Kerl! Aber wenn in! Signe doch'nun mal die Liebe zu ihm erloschen ist? ! Vielleicht war die überhaupt nur ein Flackerfeuerchen gewesen^ von der Art, wie sie ja kaum irgend einem jungen Dinge erspart bleibt." Sprechen wollte er jedoch mit Signe. Ernst und väterlich. . . Er wachte am nächsten Morgen mit dem gleichen Vor-, satz auf. Aber es kam so, wie es ihm neuerdings oft mit seinen Vorsätzen ging. Sie gelangten nicht zur Ausführung. Es war geradezu zum Rasendwerden, und es war auch geradezu lächerlich, was sich jetzt alles zwischen Wollen und Vollbringen für ihn ein schob. (Fortsetzung folgt.) Der Lu!erkapper. Ein Beitrag zur Gießener UniversitätSgeschichte, Von D. 'Dr. Diehl, Stadtpfarrer in Darmstadt. Wer die Schriften des berilchtigten Magister Friedrich Christian Laukhard kennt, hat ohne Zweifel auch die Bekanntschaft der Persönlichkeit tzemacht, bte in der Ueberichrift der vorliegenden Studie genannt ist, des E u l e r k a p p e r. In seinen Memoiren gedenkt Laukhard des Mannes eingehend in des ersten Bandes stinstem Kapitel. Er berichtet uns da, daß unter diesem: Namen ein Theologe namens Euler zu versichen ist, der „wegen eines illegalen Beitrags zur Bevölkerung" sein Studium verlassen mußte und zur Zeit, da Laukhard in Gießen studierte, daselbst als ..Mädchenschulmeister, Leichenbitter, Kantor an der Zuchthanskirche und Klingelbeutelträger in der Stadtkirche" wirkte, „em äußerst lächerlicher Mensch", bei dem „Mienen, Anzug, Gang, kurz alles, so auffallend beschaffen war, daß ihn niemand ansehen konnte, ohne überlaut zu lachen". „Er war darum", schreibt! Laukhard, „der allgemeine Gegenstand für die Neckereien bec Gießener Studenten und diese Neckereien nannte man Euler- kappereien". lieber diese Eulerkappereien, die sehr merkwürdige { ■i — 31 — Normen annahmen, gibt uns Laukhard eingehende Nachrichten. Er schildert uns, wie namentlich im Jahr 1776 der arme Mann, bcr am Wagengößchen wohnte, von der Bude eines neben ihm hausenden Studenten (namenss Schacht) aus, schwer heimgesucht ward, und wie diese .Heimsuchungen auch im Jahre 1777 weitergingen, trotzdem mehrere Studenten darüber ins Karzer Indern mutzten, und „Euler um den Verfolgungen zu entgehen, seine Wohnung wechselte". Euler erscheint in Laukhards Dar- stellung als ein harmloser Mensch, der unfähig war, sich gegen die Ängrifte zu wehren und der zu ihrer Beseitigung nur das CT ne tat, daß er die Missetäter, die er kannte, dem Rektor anzeigte. , Außer in seinen Memoiren hat Laukhard sich später noch CTnmal ausführlich mit der Persönlichkeit Eulers besaßt. Im Jahr 1804 gab er ein besonderes Büchlein über sie heraus, be- Irtelt: „Eulerkappers Leben und Leiden, eine tragisch-komische Geschicht e". Zwar betont er in der Vorrede, daß, er mit seinem Helden den „famösen Kerl" nicht meine, die Studenten den Beynamen Eulerkapper gegeben"; „jeder Gießer könne wohl bezeugen, datz sein Eulerkapper eine ganz andere Personnage sei, als jener im Jahr 1796 in der Kaplans- gas;e zu Gießen verstorbene Eulerkapper". Aber wer das Buch lrest und mit den Notizen in den Memoiren vergleicht, merkt sofort, daß die beiden Eulerkapper identisch sind. Laukhard hat Nur das Vor- und Nachleben seines Helden gebührend geändert. Die geschichtliche Forschung hat bisher sich mit den „Lauk- hardischen Gestalten" noch recht wenig befaßt. Es ist deshalb wohl eine dankenswerte Aufgabe, wenn wir dem geschichtlichen Euler, mit dem die Eulerkappereien tatsächlich getrieben wurden, nnmal nachgehen und dann feststellen, was an dem Eulerkapper, der uns in „Eulerkappers Leben und Leiden" geschildert wird, Dichtung und was Wahrheit ist. Daß die Eulerkappereien der Jahre 1776 und 1777 vorge- vekommen sind, und daß sie zu ihrem Objekt einen Mädchenschul- lehrer namens Euler hatten, steht außer allem Zweifel. Es geht das schon aus der Tatsache hervor, daß sowohl 1776 wie 1777 landgräfliche Verfügungen herauskamen, die die Hänseleien des Madchenschulmeisters Euler bei schwerer Strafe verboten. Aber auch sonst haben wir Zeugnisse, die uns die Geschichtlichkeit der Eiilerkappereien bezeugen. So liegt in den Personalakten des Gießer Madchenscliulmeisters Johann Philipp Euler ein Schreiben des Gießener Geheimen Rats Klip st ein, datiert vom 6 ten Novmiber 1776, in dem wir lesen, „datz der Schiilmeister Euler rrn Gespött der Studenten worden sei, welche ihn nächtlich pro- docrren nnd wobey dieser Tropf nicht einmal die Gelassenheit vesltzt, es verächtlich stillschweigend anzuhören, sondern nebst den ©einigen mit Stangen und Steinen Ausfälle auf die Studenten »Hut, und dadurch sie immer mehr irritirt, so datz die Universität Wit Straffen der Studenten immer belästigt ist und doch die Unruhe kaum stillen kann". Tie Personalakten, denen dieses Schreiben beiliegt, berichten Uns über den Mann folgendes. Johann Philipp Euler, der um 1720 geboren war, besuchte anfänglich das Gießer Paeda- vogmm und studierte hierauf in Gießen Theologie. In seiner Studienzeit verging er sich mit der Tochter des damaligen Gießer Mädchen,chulmeisters JohannKarlSaalseld, der in zweiter Ehe mit Eulers Schwester verheiratet war. Obwohl Euler seine Geliebte heiratete, war es die natürliche Folge dieses Falls, daß Vater Euler „die Studia aufgeben mußte". Er blieb in Gießen wohnen und „nährete sich", wie es in einem amtlichen Berickst aus dem Jahr 1764 heißt, „bürgerlich". Später übernahm er die Privatinformation einiger kleinen Kinder. Er fchcint auch mit seiner Unterweisung einigen Erfolg gehabt zu haben. Wenigstens rühmt er sich im Jahr 1796 in einem Schreiben, „daß er ehedem wlche Leute gebildet habe, die zu Ehren gekommen, als des Derrn Regierungsrath Buff Herrn Söhne, den jetzigen Herrn Ober- sckstiltheiß R a y ß, den Herrn Registrator Finck unb derer noch mehrere". Im Jahr 1764 bot sich Euler die Gelegenheit, in tinen öffentlichen Menst zu kommen. Sein Schwager und Schwiegervater Saalfeld starb, und Euler glaubte, ein Anrecht auf Nachfolgerschaft in dessen Menst an der Mädchenschule um so mehr zu haben, als er monatelang Saalfeld in seinem Dienste Unterstützt hatte. Er meldete sich um die Stelle, erhielt sie aber Nicht. Vielmehr ward sein Schwager Johann Karl Saalfeld ihm durch das Gießer Konsistorium vorgezogen, da er sich bereit erklärt hatte, „seiner Stiefmutter als der Hinterbliebenen armen Wittib »u Erziehung ihrer vier Kindler sechs Jahr lang von dem zu genießen habendten Salario auS dem Geistlichen Landtkasten nll- jährlichen dreyßig Gulden abzugeben, auch! dieselbe benebst ihren Kindtern dietze Zeit über in der Schuhlwohnung zu dickten, auch die Information derer Kindler und alles übrige darzu gehörige mit allem Fleiß nach denen zu leistenden Promissionen gewissen- hafst zu versehen, daß nicht die geringste Klage erfolgen falle". Diese Versprechungen fielen bet Superintendent Benner; der bet der Stellenbesetzung das Hauptwort zu sprechen hatte, um fo mehr -ins Gewicht, als stadlkundig luat, daß „Euler, der Saal- feldiu Bruder, gegen feine Schwester alles Zuredens vhn- «eachtet die äußerste Härtte spühren ließ, außer daß er finalster sich zu 10 Gülden, ein vor allemahlen abzugeben, erklährete". Tiefer Ausgang der Bewerbung brachte Euler in große Erregung. Mit Hilfe von einflußreichen Hintermännern brachte er M dahin, daß einige Tage, nachdem die KtnMrrytg SpaMds als Mädchenlehrer vvm Gießer Konsistorium am 7. September 1764 verjügt ivorden war, ein vom 6. September datiertes land- gräfliches Schreiben in Gießen einlief, das „die erfagte Mägdgens Praeceptorats-Stelle dem Candidato Theol. Joh. Phil. Euler, welcher ohnedem die Schule seit dreymertel Jahr vieariando versehen und wegen seines Lebeuswaitdels gute Zeugnüsse vor sich bat', übertragen ward. Gleichzeitig wurde Saalfeld die Stelle entzogen, „als der sich letzthin bei dem Fürstlichen Hoflager in Cranichstein so übet conbuifiret, daß ih-me eine solche Stelle anzuvertrauen sehr bedenklich feyn würde". Saalseld, der bereits arn 10. September in feine Stelle eingeführt worden war, versuchte nunmehr alles, _ um seine Belassung in seinem Dienste zu erlangen. Er stellte in einer Eingabe an den Landgrafen dar, daß er nicht leugnen wolle, „daß er in seiner Jugeudt etroan zu Darmstadt, allwo er bei) dem Herrn Kriegs-Rath Neufvillö sennret, oder an einem andern Ort he, ein Jugeudt Fehler begangen habe ; aber das habe er längst bereuet und Gott abgebeten. Wenn diese Tatsachen jetzt hervvrgeholt würden, so fei das nichts als elende Anschwärzung seiner leiblichen Schwester, die gar keinen Grund dazu habe, denn gegen Euler lägen, wie stadtkundig sei, noch viel schlimmere Tinge vor, worüber er, Saalfeld, „viele Materie" in Händen habe. Auch das Konsistorium schloß, sich Saalseld an. Es ließ in seinem Bericht durchblicken, daß es für Euler, dessen „schmähsüchtige Bitterkeit und gehässige An- schwärtzung" widerlich sei, gar nichts übrig habe, und bat, Saalseld in feinem bereits angetretenen Dienste zu belassen. Aber es half nichts. Am 29. Oktober wurde Euler nochmals in feinem Dienste bestätigt und Saatfeld endgültig zurückgewiesen. Ausschlaggebend war dabei die Tatsache, daß die vor kurzem vorgekommene böse Konduite Saalfelds im Kranichstein er Hoflager^ in der dieser sich „nickst nur stark berauschet, sondern in der Trunkenheit auch allenley Raisonnements und widersinnige Reden gegen die Westliche Hofhaltung daselbst ausgestotzen", die selbst bei dem Korps der Brühfleischfresser — den Gardereutern — das allergrößte „Aergernus" hervor gern feit hatten. Johann Philipp Euler war von diesem Zeitpunkte an über 40 Jahre lang Gießer Mädchenschicklehrer. Er schied aus feinem Dienst, nicht wie Laukhard mitteilt, 1796, sondern 1807. Am 4. September dieses Jahres ward er pro emerito erklärt, und ihm — auf Veranlassung seiner Gönner — trotz deutlich zu Tage getretener jahrelanger Dienstlüderlichkeiten — „wegen seines viele Jahre hindurch treu verwalteten Schulamts der Genuß des ganzen Schullehrergehalts ad dies vitae" zngesprochen. An seine Stelle trat Johannes Koch, bisher Unteroffizier, der den Lehrer- gehalt aber erst nach Eulers „hiernächsligem Absterben" erhalten sollte. Neben seinem Schuldienst hatte Elfter auch kirchliche Dienste zu versehen. Er mußte, wie dies auch sein Vorgänger Saatfeld von Anfang an getan hatte, „jeden Sonntag denen Annen einen Gottesdienst im Hospital mit Singen undt Ablesung einer Predigt halten". Diesen Gottesdienst — Lesegottesdienst — hielt Euler noch im Jahre 1807, da ihn sein Nachfolger Koch auch in diesem Amte ablüstc. Im Jahr 1796 wird sogar bezeugt, daß er sehr diensteifrig in dieser Predigttätigkeit war. Er machte cs „fehl' lang", so daß seine Kirche öfters länger als die Stadtkirche andauerte, weshalb manche arme Leute aus dem Hospital seinem Gottesdienst in harten Wintertagen fern blieben, „da sie es in der langen Zeit für Frost nicht aushalten konnten". Endlich ist zu erwähnen, daß Euler tatsächlich, wie Laukhard erwähnt, auch noch Leichenbitter war. Im Jahr 1796 verteidigt er sich gegen den Vorwurf, datz er mitunter seine Frau Schule halten lasse, damit, daß sein Leichbitterdienst ihn zwinge, mitunter vorübergehend feine Fran mit der Aufsicht in der Schule während seiner Abwesenheit zu berrmten. Wenden wir uns nunmehr von dem äußeren Lebensgang des Mädchenschullehrers Euler zu dessen P e r s ö n l i ch k e i t, so müssen wir betonen, daß Laukhard gewaltig täuscht, wenn er uns Euler als eine Art .Sampel" vorstellt, der sich alles gefallen ließ, Lächerlich mag Euler in manchen Beziehungen gewesen fein, aber gutmütig war er keineswegs. Das beweisen vor allem feine Personalakten. Es wird wenig Lehrer in der damaligen Zeit in Heften gegeben haben, die bei der Behörde als Querulanten in so übtiem Namen standen wie Euler. 'Jörgen 10 Gulden Witwen- gehalt, den Euler seiner Schwester, der Schulmeisterin Saalfeldin, auf obrigkeitliche Anordnung hin jährlich auszuzahlen hatte, har er über 20 Schriftstücke int Laufe der Jahre eingereicht, in ihnen in der widerlichsten Weise sich über seine Schwester ausgesprochen und stadtkundige Gerüchte immer und immer wieder zu Ohren der Behörde gebracht, nur um die 10 Gulden Abgabe zu ersparen. ■ Nim kann ja nicht geleugnet werden, daß die Saalfeldin ein anstößiges Leben führte, namentlich als ihre Töchter groß geworden waren. Aber die harten Vorwürfe, die Euler gegen sie erhob, verdiente sie nicht; ganz besonders nicht von seiner Seite. Auch den Studenten gegenüber benahm sich Eifttt keineswegs als gutmütiger Hampel. Der oben mitgeteilte Bericht Klipsteins beweist, datz er sich mit Stangen und Steinen den Musensöhnen zur Wehr setzte, unb auch sonst erfahren wir, daß Euler mit feinen Gegnern manchen harten Strauß im Wagen- gäßchen ausgefochten hat. Endlich sei noch erwähnt, daß 1794 gegen Euler ein Disziplinarverfahren wegen Mißbrauch der elterlichen Gewalt schwebte, das im Jahre 179.5 nur deshalb nieder- geschlagen iv*uri>e, iueit Eulers beide Gegner, sein Sohn Johann Andreas Ludwig und sein Schwiegersohn B a l s e r N o l l, während des Prozesses Tods verfahren waren. Den Anlaß zu dem Verfahren bildete die Tatsache, daß der 75 jährige Euler die beiden wegen einer geringfügigen Sache derart verhauen hatte, daß beide sich in ärztliche Behandlung begeben mußten. Anfeuernd hatte ihm bei dieser Gewalttat seine ledige Tochter zur Seite gestanden, die gegen ihren etwas verwachsenen Bruder den Schlachtruf ausgab: „Uff den Bukelormn, daß er die Kränk kriegt!" So viel von Eulers' Persönlichkeit. Wir reihen an diese Ausführungen ein paar Bemerkungen über Eulers Wohnungen, die deshalb interessant sind, weil sie uns mitten in die Zeit der schlimmsten Eulerkappereien hinein fuhren. Als Euler im Jahr 1764 Mädchenschullehrer in Gießen ward, wohnte er in des Pfarrer K e m p s e n Daus auf dem Sältzers- berg. Dekretmäßig stand ihm nunmehr die Wohnung des bisherigen Mädchenschullehrers Saalfeld zu, der von seiner im Jahr 1734 erfolgten Anstellung an „auf der Waag" am Wagengäßchen gewohnt hatte. Es waren das zwei Stuben, in denen früher die Beständer der Stadtgüterwage gehaust hatten, die aber 1734 dem Mädchenschulmeister von der Stadt überlassen worden waren, daß er darinnen wohne und Schule halte. In diese Mädchenschule einzuziehen, gelang Euler erst nach einigen Monaten, da sich die Saalfeldin gegen den Auszug aus dem ihr lieb gewordenen Heim sperrte. Von 1765 an wohnte dann Euler über zehn Jahre lang auf der Waag. Im Jahr 1776 kam der Stadtrat zur Ueberzeugung, daß die zwei Stuben viel besser verwandt wären, wenn man aus ihnen eine Industrie- und Armenschule mache, in der vor allem das Spinnen gelehrt werden sollte. Der Stadtrat ließ deshalb in der zweiten Hälfte des Oktober dem Mädchenschullehrer Euler durch die Polizei bedeuten, daß er innerhalb vier Wochen die Mädchenschule räumen solle. Trotzdem Euler sofort Beschwerde hiergegen einlegte, kam es, naclzdem er noch einmal durch den Ratsdiener,N e p p zur freiwilligen Räumung aufgefordert worden war, zur gewaltsamen Entfernung von Eulers Hausrat aus der „Schule". (Schluß folgt.) Vermischter. kf. AuS den Geheimnissen der französischen Banknoten. Zum eisten Male seit ihrer Ausgabe im Jahre 1910 ist in Frankreich ein Versuch gemacht worden, die neuen Hnitdertirancsnolen zu fälschen Die „Bauque de France" stehl der Nachricht allerdings sehr skeptisch gegenüber; denn es ifl immer sehr schwer geivesen, die sranzösischen Banknoten nacbznahmen. Wie eine von der „Banqne de France" hernusgegebene Statistik bekundet, sollen seit 1889 nur sechs Versuche gemacht worden sein, die HnnderürancSnote zu kätschen. 9iur biennal hat man verjnchl, die Fünizigkrancsnole nachznahmen und nur ein einziges Mal verzeichnet die Statistik eine Fälschung der Tausendkrancsnote. Im Jahre 1910 gab die „Bangne de France" Noten heraus, die in vier Tönungen gehalten waren, nämlich in Blau, in bräunlich Rosa, in Schwarz und in toelb. Tie Banknoten werden selbstverständlich mit anßerordenllicher Vorsicht und mit der größten Technik hergestellt. Das Papier bestem aus zwei Schichten. Tie äußere Schicht ist aus dem feinften Material hergeuellt, die innere Lage besteht alis einer Masse, vo» der mir bekannt ist, daß sie ans reinem Hans gewonnen ivird. Jede neue bedeutende Entdeckung hat man sich bei der Herstellung der Banknoten zunutze gemacht. Bis zum Jahre 1830 waren sie schwarz und nur eine Seite war bedruckt; im Jahre 1831 prägte man sie auk beiden Seiten, und iwar stellte die Rückseite das umgekehrte Bild der Vorderieite dar, o daß, wenn die Noten gegen das Licht gehalten wurden, wiederum ein bestimmtes Bild entstand. Aber mit Hiße der Photographie gelang es geschickten Fälschern, auch dieie Noten nachznahmen. Im Jahre 1862 ging man dazu über, blaue Banknoten zu verausgaben. da zu jener Zeit die photographiichen Platten die blaue Farbe nicht festhlelten Bald icdoch wurden auch dieie Bauknoten überholt, da ein neues Veriahren entdeckt wiirde, welches mit Hilie von mehreren Lichtschirmen gestaltete, dte blauen Baiiknolen tänschend ähnlich nachznahmen. Alan versuchte es nun **nt rosa Banknoten und diese wurden dann durch die heutigen auHJöfL Die Kosten der Herstellung sind äußerst gering. Tein iranzösischen Staate verursacht die Herstellung einer Hundertfrancsnote nur eine Ausgabe von 0,068 Francs. Tie Tausendfrancsnolen sind etwas teurer; sie kosten 0,072 Francs. kt Das geheiratete Bild. William Harrison, der New- yorker Milliardär, der eine der berühmtesten Gemäldegallerien Amerikas sein eigen nennt, ist auf eine merkwürdige Art und Weise zu seiner Frau gekommen. Eines Tages stöberte er auf der Suche nach Gemälden in einem alten Trödlerladen herum. Plötzlich hei ihm das Bildnis einer reizenden Schnilierm in die Hände. Ihre blauen Augen, ihr blondes Haar und ihie schone Geuall schlugen sein Herz sofort in Fesseln. Nach dem Preise frage», bezahlen und das Bild mitnebmen, waren das Werk eines Augenblickes, und Nun begann die euctie nach dem Original. Em Heer von Teiektiven wurde auf die Spur des Malers gehetzt. Man fand ihn in Boston. Aber er konnte nur Mitteilen, daß er die reizende Schnitterin vor einigen Sommern in einem Erutefelde am ll'er des OntarioieeS gemitben und gemalt habe Harrison ließ sich jedoch nicht beirren, und rastlos wurden die Nachforschungen fortgesetzt. Endlich wurde seiner Liebe Sehnsucht gestillt. Er fand das junge Mädchen aus einem Erntefeld in Kanada. Das Original stellte das Bild in den Schatten; der liebeglübenbe Milliardär sank dem verwunderten Schniliermädchen zu Füßen und ftammelie seinen Antrag. Kurz entschlossen geruhte die Schone, ihn anjunehmen, und heute iß fie eine der gefeiertsten Herrscherinnen im Kreise der oberen Zehntausend. kt. Fingernägel, die seit 27 Jahren nicht geschnitten worden sind. Die orienlalischen Priester versuchen auf alle mögliche Art und Meise, die Gläubigen zum Besuche ihrer religiösen Veranstaltungen zu gewinnen. Sie verfallen dabei auf die verschiedensten Anziehungen: der eine trägt seine unverletzbare Haut zur Schau, em anderer wiederum glänzt durch Zauberkunststücke. Ein chinesischer Priester in Shanghai hat besonders großen Erfolg zu verzeichnen. Tie Gläubigen ftiömen in Scharen zu ihm, um seine langen Fingernägel zu besehen. So weil bekannt ist, stellen seine langen Fingernägel den Rekord selbst für China bar, wo es unter den Vornehmen zur Sitte geworden ist, sich zum Zeichen ihres Reichtums unb Müßigganges die Fingernägel fleben zu lassen. Ter längste Nagel des „berühmten" Priesters hat eine Länge von 56,8 cm, zwei andere sind nur wenig kürzer. Leider hat et zu seinem größten Bedauern vor einigen Jahren zwei Fingernägel der linken Hand durch einen unglücklichen Zufall verloren. Es überfiel ihn plötzlich ein derartiges Hautlucken, daß er nicht umhin konnte, sich heftig zu kratzen. 'Met ach I zwei Fingernägel, der Erfolg jahrelanger Pflege, brachen habet ab. Um seine Nägel zu schonen, tragt er sie gewöhnlich in langen SBambueifiitteralen, und nur bei religiösen Festen zeigt er sie dem andächtigen Volke, ist dabei aber wohlweislich bedacht, sich durch Alinosen für die 27jährige Müde unb die Pflege, die er seinen kostbaren Nägeln gewidmet hat, einigermaßen eiitschädigen zu lassen. * Zweifelhaftes Lob. Frau Mierig: „Tiefe Nacht haben je sich wieder jräßlich gehauen hier an die Ecke. Ne«, mit de Männer! — Sie müssen doch oock immer in Angst sind. Frau Nachbarn?" — Frau Dierig (ScyuhmannSfrau): „Ich? — 'Das muß ich mich doch verbitten! — Ich habe 'n ordentlicher? Mann, der geht jeder Prügelei aus dem Wege!" An meine Großmutter. So saß fie da, in ihrem Kammerftübchen, Tie alte, schwarze Haube um den Kopf, Unb schaut mich an, ich war ein kleines Bübchen, Unb fuhr mir burch den blonbgelockten Schopf. Ter Strickstrumpf drehte sich in ihren Hä üben Unb emsig sprang der Stöcke starre Schar. Es reiht sich Masch an Blaich in flinkem Wenden Unb siehst bu wohl, em Strümpstein fertig war. In liefern Düster, halb verdeckt vom Tische, Stand, alt und wacklich nun es war, Ihr Bett in einer Mauernische, Darüber hingen Bilder alt und rar. Ta sah den alten Fritz in heißem Streite Man jagen vor dem Heer in wildem Trab Und dort auf jener andern Seite Zwei Kinder an der Mutter Grab. Tas war der Rest von ihrer eutft’gen Habe, Da fie geflüchtet aus dem Kampf her Welt, Es war ihr Stolz, war ihre einz'ge Labe, Die ihres Alters Gram erhellt. — Wie oft, rote oft hab ich fie so gesehen. Die blinbe Brille vor dem müden Äug', Unb durch ihr Fenster drang mit lindem Wehen Ter Abendsonne rotverklärter Hauch.-- Nun ist sie sanft bahlngegangen Nach schwerem Kampf und herbem Leid, Mit Morgenschimmern auf den Wangen Ging sie beseligt in die Ewigkeit. Still unb geduldig trug sie ihre Leiden, Klaglos wie'S Lamm, mit kindlich frommem Sinn, Kem Wesen stand in letzter Stunde ihr zur Seiten, Einjam wie sie gelebt — ging sie dahin. 0. N. Logognph. ofoperniänger Brüllini benyt cs mit „g" so gewaltig, laß man erbebend fast glaubt: Fürchterlich tobt es mit ,t*, Auslösung in nächster Nummer. Auflösung der Schach-Ausgabe in voriger Nummer: Weiß. Schwarz. 1. Rochiert. K f 8 — e 8. 2. Ld5 — c4f und Malt. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck unb Verlag der Brühl'schen Universtläts-Buch- und Steindruckerei, R. Lang«, Grete«.