Samstag, den H- Dezember ;'!i Das Amethyst-Fläschlein. Eine Erzählung von A. K. Green. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Ich dankte ihm und war 'schon im Begriffe, sie dort aufzusuchen, als Herr Armstrong nach mir rief. Ich bin Wohl eine halbe Stunde mit ihm auf seinem Zimmer gesessen, um die Angelegenheit nach allen Seiten zu besprechen. Er betonte sodann die Notwendigkeit, sich von den meisteir seiner Gäste verabschieden zu müssen, unter denen — wie er ausdrücklich bemerkte — ich mich nicht befand. Dann, als ich endlich hoffte, das Thema sei erschöpft, plauderte er von seiner Frau und wie sehr sie sich den schrecks- lichen Zwischenfall zu Herzen genommen habe, und daß er an der Möglichkeit verzweifle, ilsr je tlarzumachen, daß es notwendig erschienen sei, den Coroner kommen zu lassen. Und hierauf redete er von Sinclair, aber mit einer gewissen Zurückhaltung, in sorgfältig gewählten Worten; als ich schließlich einsah, daß mir die, Unterhaltung nicht das geringste nützen könne, und daß ich fortwährend in eine stärkere Aufregung über die Verzögerung geriet, die mich des unschätzbaren Vorrechts zu berauben drohte, Dorothea als erster von ihrer Rehabilitation in den Augen aller Gäste zu benachrichtigen, entzog ich mich der Unterredung, indem ich eine Entschuldigung mit so gutem Erfolg vorbrachte, daß ich endlich wieder auf der Diele war. Der erste Mensch, dem ich dort begegnete, war Sinclair. Bei diesem unerwarteten Zusammentreffen fuhr er unwillkürlich zurück; ich übrigens auch. Dann blieben wir beide stehen. Hocherstaunt starrte ich ihn an, denn! der Mann schien sich von Grund aus verändert zu haben und, sü unerklärlich ich dies fand, am allerdeutlichsten in seinem Benehmen mir gegenüber. Doch versuchte er, liebenswürdig zu sein und mich wie vordem in freundschaftlicher Weis« zu behandeln. Sobald wir uns aus der Hörweite der anderen befanden, bemerkte er: Du hast gehört, was Gilbertine gesagt hat. Es liegt kein Grund vor, an der Wahrheit und Richtigkeit ihrer Aussage zu zweifeln. Ich wenigstens hege keine Zweifel daran, und wenn du mein Freund bist, wirst du es auch nicht tun. — Dann fuhr er, mit Ungestüm und einem Glanz im Auge, der seinem sonstigen Aussehen gar nicht entsprach, fort, indem er einen unglücklichen Versuch machte, ohne Leidenschaft zu reden: Unsere Hochzeit ist verschoben, auf unbestimmte Zeit hinaus. Es liegen Grunde vor, die Fräulein Murray dies anzuordnen bestimmten. Dir will ich aber anvertrauen, daß verschobene Hochzeiten selten durch Heirat gekrönt werden. Ich habe nämlich auch in der Tat soeben Fräulein Murray von allen Verpflichtungen mir gegenüber entbunden. Der Blick maßlosen Erstaunens, mit dem ich ihn betrachtete, rief ein Erröten — das erste und einzige, Has ich je an ihm bemerkt habe — auf feinem Antlitz hervor. Was sollte ich sagen? Was konnte ich auf eine solche Erklärung hin ertoidern, die so unmittelbar nach der Versicherung von Gilbertines Unschuld erfolgte? Nichts. Bei dieser unbestimmbaren, aber doch merklichen Erkältung, die in unseren Beziehungen zueinander, ich weiß nicht wie, eingetreten war, fühlte ich meine Zunge gefesselt. Er bemerkte meine Verlegenheit, möglicherweise auch meine innere Erregung, denn er lächelte ein wenig bitter und ging ein paar Schritte auf und ab, ehe er fvrtfuhr: Ich grolle Fräulein Murray nicht. Ganz abgesehen von der Achtung, die ihrer Stellung gebührt, werde ich ihr, solange ich in diesem Hause weile, alle Aufmerksamkeiten eines Freundes erweisen. Das ist alles, was ich dir sagen wollte, Walter. Wir beide haben zürn letzten Male dieses Thema berührt! Schon war er fort, ehe ich mich noch genügend von meiner Verwunderung erholt hatte, um einzusehen, daß ich in die Unterhaltung gar nicht eingegriffen, noch irgend eine Erklärung für den wahren Sachverhalt gefunden hatte, der uns doch einmal den größten Grund zur Beunruhigung gegeben: nämlich Beatons Traum, dann den halbunterdrückten Schrei hinter Sinclair, als er die todbringenden Eigenschaften des kleinen Fläschchens zum ersten Male auseinandersetzte, und schließlich die ungewöhnliche Begier dieser beiden jungen Damen, einen Gegenstand zu berühren und zu besitzen, der ein weibliches Herz unter normalen Umständen eher ab stoßen als anziehen mußte. Bei jedem Ereignis dieses fortwährend wechselnden Dramas hatte mi.ch mein Instinkt dazu geführt, mir di« Begebenheiten klar zu überlegen und so womöglich den Schleier von dem Geheimnis zu lüsten. Aber nunmehr fühlte ich mich nicht dazu veranlaßt. Mein einziger Wunsch war, zu handeln und zwar ohne Aufschub. Dorothea hielt — trotz aller gegenteiligen Behauptungen Gilbertinens —> den Schlüssel zu dem Rätsel in ihren eigenen Händen. Sonst würde sie Sinclair nicht jenen überraschenden und naturgemäß unangenehmen Rat gegeben haben — einen Rat, den er befolgt zu haben schien —, Gilbertine Murray nicht zur festgesetzten Zeit zu heiraten. Nur eine von ihr erhaltene und bewahrte Bekanntschaft mit Tatsachen, die uns bis jetzt noch verschlossen waren, konnte sie zu einem solchen Schritte bewogen haben. Dann aber konnte ich einzig und gllein bei ihr Auskunft zu erhalten hoffen. Und so schien mir der einzig« Weg der zu sein, sie in dem Zimmer anfzusuchen, wo sie, wie ich erfahren hatte, warten wollte. Wenn wirklich eine tatsächliche Dankbarkeit dem vertrauensvollen Blick zu Grunde lag, den sie mir am Ende unserer letzten Zusammenkunft zugeworfen hatte, so würde sie mein Vertrauen sicher mit einer Eröffnung von ihrer Seite belohnen. Sobald ich diesen Entschluß gefaßt hatte, war ich auch schon an der Tür« des Boudoirs angelangt. Da sie nur 782 zugelehnt war, drückte ich sie sanft auf und trat leise em. Zu meinem Erstaunen herrschte in dem Zimmer tiefes Dunkel. Mcht nur die Vorhänge waren heruntergezogen, sondern auch die Läden geschlossen, so daß ich nur schwierig die schlanke, schwarzgekleidete Gestalt entdeckte, die auf dem Sofa lag, das Antlitz in den Kissen vergraben. Sie hatte offenbar meinen Eintritt nicht gehört, da sie sich nicht bewegte; und;, gerührt durch ihre ergreifende .Haltung, näherte ich mich ihr in einem Aufruhr der Gefühle, der mich alle Förmlichkeit und Höflichkeit und überhaupt alles um mich vergessen ließ, mit Ausnahme der Tatsache, daß ich sie liebte und der festen Zuversicht, daß es in ihrer Macht lag, mich glücklich zu machen. Sanft legte ich ihr meine Hand aufs Haupt und flüsterte zärtlich : Stehen Sie auf, Geliebte. Jede Schranke, die zwischen uns getreten sein mag, ist gefallen. Stehen Sie auf und hören Sie, wie innig ich Sie liebe! Sie schluchzte, wie nur ein Weib zu schluchzen vermag, dessen innerstes Herz gerührt ist. Dann stand sie mit einer gewissen großen Bewegung auf und wandte mir ihr Antlitz zu, das von. einem Gefühle durchleuchtet war, wie es selbst das Dunkel im Zimmer nicht zu verbergen vermochte. Wie kam es dann, daß mir der Verstand stillzustehen drohte, und daß mein Herz zu schlagen, aufhörte? Die Gestalt vor mir war nicht Dorothea, sondern — Gilbertine. , 8.- Kapitel. Me wär es mir eingefallen, die Erklärung unserer geheimen Befürchtungen auf dieser Seite zu suchen. Ich hatte bei meinen Besuchen im Hause Frau Lansings die eine der beiden Cousinen so oft gesehen wie die andere; aber da Gilbertine am Tage, als ich mit ihr bekannt wurde, bereits mit .meinem Freund Sinclair verlobt war, kam ich natürlich nie auf den Gedanken, in ihrem Gesicht irgendwelche Zeichen von Interesse für mich selbst zu suchen, sogar wenn meine sofortige und unberechenbare Leidenschaft für Dorothea dies zuge-lassen haben würde. Doch jetzt, als sie mich mit ihrem nicht mißzuverstehenden Lächeln und ihren glänzenden Augen anschaute, aus denen für immer alle schmerzlichen Gedanken geflohen zu sein schienen, drängten sich mir tausenderlei kleine Erinnerun- sgen auf, die mich nicht allein über meine Blindheit zum Erstaunen brachten, sondern auch gleichzeitig_ eine Erklärung sür die eigentümliche Haltung boten, die Dorothea mir gegenüber stets eingenommen hatte, und viele andere Dinge mehr, die einen Augenblick zuvor noch in undurch- dringliches Dunkel gehüllt gewesen waren. All dies geschah in einer Sekunde. Mittlerweile trat Gilbertine, wie berauscht Volk meinen Worten, einen Schritt Sick und murmelte mit leiser Stimme, ohne ihre strah- e Miene zu verlieren, die einzelnen Worte deutlich betonend: Jetzt noch nicht; es wäre zu früh. Lassen Sie mich nur die Freude genießen, daß ich meine Freiheit wieder habe, und daß der Mut, meine Freilassung zu erhalten, von meinem eigenen Zutrauen herrührt, das ich plötzliche zu Herrn Sinclairs gutem Herzen faßte. Letzte Nacht — oabei schauderte sie — sah ich nur einen anderen Ausweg — einen Weg, dessen Schrecken ich mir kaum in Wirklichkeit vorzustellen vermochte. Aber Gott rettete mich von einem so schrecklichen, ja so nutzlosen Verbrechen, und diesen Morgen — Es wäre grausam gewesen, sie sortsahren zu lassen, grausam, dazusteh-en und dieser leidenschaftlichen verirrten Seele zu erlauben, sich in so naiver Weise zu entblößen, wäh'- rend ich meine Aufmerksamkeit zur Hälfte der Türe zuwandte und den Schritt derjenigen erwartete, die ich nie so sehr geliebt hatte, wie in diesem Augenblick, möglicherweise, weil ich erst gerade jetzt die Ursache ihrer scheinbaren Wankelmütigkeit zu verstehen begann. Mein Drang war so gebieterisch, meine Pflicht und die Obliegenheit meiner Stellung so klar 'vorgezeichnet, daß ich bei dieser Stelle eine Bewegung machte, die Gilbertine erst'zu zögern, dann zu schweigen veranlaßte. Wie sollte ich diese peinliche Pause des Schweigens anssüllen? Wie khr begreiflich! machen, welch großen, welch grausamen Fehler sie begangen? Die Aufgabe hätte stärkere Gemüter als das meinige verwirrt. Mir fehlte tpr Mut hu -einer Erklärung. Aber dä stärkte Mich der Gedanke an Dorothea, vielleicht auch die wahre Freundschaft und das Mitleids das ich für Sinclair empfand. Fräulein Gilbertine, begann ich, ich will mir nicht bett Anschein geben, als ob ich Sie tricht verstanden hätte. Die Lage.ist zu ernst, die Ehre, die Sie mir antun, zu groß; nur bin ich gebunden und kann daher diese Ehre nicht annehmen. Die Worte, die ich äußerte, galten Ihrer Consine Dorothea. Ich erwartete, Dorothea hier vorzufinden und habe Sie in dar Dunkelheit mit ihr verwechselt. Ich, liebe seit lange schon Ihre Cousine — im geheimen, wie ich zugebe, aber mit ehrbaren Absichten uno mit der heißen Hoffnung, sie eines Tages zu meinem Weibe zu machen. Ich, — ich Glücklicherweise war es nicht nötig, den, Satz zu beenden. Die warme Hand erstarrte in der meinigen zu Eis, die weitgeöffneten, wie geblendeten Augen, ihr Zurückschrecken, das mädchenhafte Erröten, das sich vertiefte und Wangen, Kinn und Stirne übergoß, um dann wieder zu ver- huschen, bis ihr ganzes Antlitz weiß wie Marmor unb anscheinend ebenso kalt war — all dies verriet mir, daß sie meine Worte begriffen, und baß Gilbertine Murray, — die unvergleichliche Schönheit, der verhätschelte Liebling einer Gesellschaft, die jeden Reiz, beit sie besaß, bewunderte und kannte, mit Ausnahme ihres leidenschaftlichen Temperaments und ihres lieb ebedür fügen Herzens, — baß dieses Weib beit Gipfel seiner mannigfachen Leiden erreicht, und daß ich es war, der sie zu diesem Punkte gebracht hatte. Ueberwültigt von Mitleid, gleichzeitig aber eine tiefe Achtung vor ihr und ihrem Schmerze fühlend, bemühte ich, mich, einige lindernde Worte zu sagen, denen sie aber sofort durch eine bittende Handbewegung ein Ende machte. . (Fortsetzung folgt.) 3m Himalaja Das jetzt wieder zur Hauptstadt Indiens erhobene Delhi ist ebenso bekannt für seine kalten Winter wie berüchtigt für seine heißen Sommer. Von April bis Juni hatte ich in meinem Kontor eine Durchschnittstemperatur von 40 Grad Celsius, während die Schattentemperatur im Freien an manchen Tagen bis ans 46 und 48 Grad Celsius stieg. Während der dann folgenden Mon- soons fiel die Temperatur wohl nm einige Grade, wurde aber durch den erhöhten Feuchtegehalt der Lust fast noch unerträglicher. Im 'September läßt der Regen nach, die Sonne setzt mit Macht ein und saugt die Feuchtigkeit wieder aus dem Boden heraus. Tas ist unsere schlimmste Zeit. Die Mosquitos kommen in Millionen und mit ihnen alljährlich eilt Ausbruch von Malaria, der nnter Eingeborenen und Europäern gleich schlimnr wütet und seine Opfer fordert. Auch ich mußte trotz Chininprvphylaxe daran glauben und wurde von dem englischen Regierungsarzt nach den Bergen beordert, sobald einmal das schlimmste Fieber gebrochen war. „Hills" sagt der Engländer, Hügel, . . . und meint den Himalaja. Aber in diesem Wort liegt zusammengefaßt der unendliche Vorteil, den der Enropäer in Indien vor denen in den meisten anderen Tropenländern voraus hat. Was wäre Indien ohne seine „hillstations", in die man im Sommer Frauen und Kinder schicken, wo man Kranke gesund pflegen und seinen Erholungsurlaub zubringen kann, wohin sich auch, soweit als möglich, die Regierungs- und Verwaltungsbehörden zurückziehen. Die drei größten und bekanntesten dieser Hügelstationen sind: Darjeeling, Sommersitz des Gouv-erneurs und der Verwaltung von Bengal; Simla, SomMerresidenz des Vizekönigs und Sitz, der Regierung; und schließlich Mitfsoorie, ohne irgendwelche offizielle Verwendung, dafür aber der Lieblingszufluchtsort von Frauen und Kindern, sowie zahlloser Urlauber aus Armee- und Zivildienst aus allen Teilen Indiens, trotz der für europäische Begriffe kolossalen Entfernungen. Von Delhi aus bringt uns — meinen Schweizer Freund, Konkurrenten tmb Hausgenossen und mich — eine zwölfstündige Bahnfahrt bis nach Dera Dun. Die Bahnlinie durchbricht in zwei Tunnels die Siwaliks, eine niedrige Bergkette, die dem Himalaja in seiner ganzen Längenausdeynung vorgelagert ist und einen Streifen fruchtbarer Hochebene begrenzt. Inmitten dieser hier in ein fruchtbares Gartenland verwandelten Hochebene liegt Dera Dun, die Endstation der Bahn, zugleich eine starke, Garnison. Die Weiterreise von hier wird in einer Tanga unternommen, starken zweirädrigen, von Maultieren oder Berg- Pbnnies gezogenen Wagen. Die Zugtiere sind an einem an der Deichsel feststehendem Joch so angeschirrt, daß der unterwegs mehrfach nötig werdende Wechsel in kürzester Zeit vollzogen werden kann. Auf dieser Tanga geht es dann im flotten Trab bergauf bis zu dem etwa 1000 Meter hoch am Fuße des eigentlichen! Himalajas gelegenen Gebirgsdorfe Rajpur. Hier sind wir nun aber auch mit unseren gewöhnlichen Beförderungsmitteln gründlich am Ende. 'Für den etwa 15 Kilometer langen, meist sehr steilen Aufstieg nach Mussoorie (2500 Meter hoch) muß man sich entweder mit einem der struppigen kleinen Bergponnies beritten machen otzer sich einer Dhandy anvertrauen. Eine DHandy ist 783 wir einen merkwürdigen Ruf, in demselben Augenblick saust ein Mächtiger Silberaffe über den Pfad, rauscht und knackt es in den Baumen, und wie das wilde Heer flüchtete über unseren Köpfen eine wohl hundertköpfige Affenherde in wilden Sprüngen von Wipfel zu Wipfel davon. In den Schluchten am Abhange des Himalajas gibt es zahlreiche Leoparden und Panther. Ein junger Leopard verirrte fick- bis in unser Hotel und wurde 'tion einem Eingeborenen erschossen. Ferien find immer zu kurz und allzuschnell saßen wir wieder in der Dandhy, um heruntergetragen zu werden in die Ebene., Tas heißt, den halben Weg marschierten wir und hatten dabei noch eine letzte herrliche Aussicht. Die Berge waren wieder vollständig in Wolken eingehüllt, und in Wolken marschierten wir dahin. Aber ungefähr in 1500 Meter Höhe hörten die Wolken jählings auf, und wie unter einem sich hebenden Vorhang enthüllte sich die vor der Wendsonne bestrahlte Ebene. We, ihr Berge, bis wir nächstes 'Jahr wieder Zuflucht zu euch nehmen I Delhi, 8. Oktober 1912. Hermann Schlosser« Neues vsn Jens Peter Jacobsens. Dichtungen und Bilder. Der große dänische Dichter Jens Peter Jacobsen, dessen farbenglühende Stimmungskunst den stärksten Einstuß auf unsere jungen Dichter gewonnen hat, hat in Deutschland eine zweite Heimat gefunden, so daß wir in ihm einen unserer Künstler verehren und lieben, lieber großen Plänen ist der, früh Verstorbene, dessen Dichten von dem unirdischen Schimmer einer anderen Welt verklärt erscheint, dahingegangen, und nun, da uns seine Persönlichkeit bereits historisch geworden ist, wird der Wunsch rege, neben dem Vollendeten auch das Unvollendete, die Fragmente und Entwürfe, die er hinterlassen, kennen zu lernen. Erst diese kargen Vermächtnisse lassen den Verlust voll ermessen, den das Dahinscheiden des Achtunddreißigjährigen der Weltliteratur gebracht hat. Aus diesem Grunde nimmt der Insel-Verlag in, die deutsche Gesamtausgabe, die in den nächsten Tagen erscheinen wird, auch die unvollendeten Dichtungen und Bilder auf, die sich noch vorgefundeii haben: zugleich erhält diese Ausgabe durch die Veröffentlichuna der Naturwifsenschastlichen Schriften des Dichters, der zuerst als Botaiiiker die Natur beobachten gelernt hat und dann als der erste wissenschaftliche Vorkämpfer Darwins in Dänemark aufgetreten ist, eine Vollständigkeit, wie sie bisher auch keine dänische Ausgabe besaß. Wir sind in der Lage, einige dieser köstlichen und bisher iwch unbekannten Proben Jacobsenscher Kunst unseren Lesern schon heute vorzulegen. Doktor Faust. Es kam ein Rcitersmauu durch einen Hohlweg in einem Walde geritten. An beiden Whängen hinauf standen große, kahle Tannen, ganz hoch oben hinauf, bis der Wipfel der obersten in der Sonne stand; aber da unten, da war es dunkel, und das Licht war karg. Und der Lenzwind kam schwer durch den Weg daher. Und der Reitersmann kam auch schwer, und er schleppte eine große Sense hinter sich drein, so daß sie mit ihrer blitzblanken Spitze in der schwarzen Erde pflügte. Auf fahlgelbem Roß saß er, und alt saß er vorüber im Sattel, in Falten und Bauschen von Wallendem und Schwarzem, mit einer weißen, mageren Hand um den Schaft der Sense. Er war größer, als Menschen sind, und es war kein Weißes in seinen Augen, nur das Schwarze, das sieht. Und wohin er ritt, da ward die Lust um ihn her erfüllt von dem modrigen, erdig- herben Dunst aus dem feuchten welken Laub, das gärte, aus dmr Boden, der verfaulte, ans den Baumstümpfen, die vermoderten und in Zunder übergingen, und aus dem Moos, das verwitterte. Und von den hohen Bäumen prasselten die alten trockenen Zweige nieder und machten Lärm und machten es All, so daß der Hufschlag seines Pferdes war wie der einzige Laut in der Welt. Und der Husschlag noch eines Pferdes, hinter ihm, weit weg. Er hielt an und lauschte; dann nickte er, als verstünde er, und er ritt weiter. , Es währte eine Weile, dann kam ein anderex Reitersmänn zum Vorschein aus einem1 Pferd, das rot war. Auch er war größer, als Menschen sind, aber er war anzu- schen wie eilt Bursche von ungefähr zwanzig Jahren mit blondem Flaum auf den glatten Wangen und um den goldenen, lächelnden Mund. _ „,r. Halb aus Beiderwand und aus Konigspurpur zur Hälfte war seine Kleidung; aber die schlanken Glieder kamen blendend nackend hervor unter dem Beiderwand und unter dem Purpur, heidnisch nackend. Denn es war Amor, dieser Bursche mit den Locken, die sich um sein Haupt kräuselten wie güldene Spahne, und auf seinem Rücken hing der Köcher mit den Pfeilen, aber den starken Vogen hätte er in die Mähne des Pferdes geknotet. Und wohin er ritt, da krümmten die Farnen ihre braun- zottigen Schnörkel über die Erde empor, das modrige Laub ward lebend von gelben und weißen Schößlingen, und tausend Keime traten aus ihrem Winterschlaf, während überfrische Blum«t unter dem Dunkel der Winterblätter.hervorblauten, während die Knospen über feinem Haupte int Schwellen lichter wurden und eine eigentümliche Art von Sänste, worin mon von 4 Kulis getragen wird. Die Eingeborenen haben hier schon einen ausgeprägt mongolischen Typus. Meistens kleine, stämmige Kerls mit leicht geschlitzten Augen und flachgedrückten Gesichtern. Alle sind sie sehr ttästig, abgehärtet und ausdauernd, und die Engländer rcfrutieren aus diesen Leuten ihre Gurkha Infanterie, die neben den Sikhs ihre besten und kriegserprobten Eingeborenen- Truppen bilden. Berühmt sind diese Bergleutchen auch für ihre große Ehrlichkeit. Was nach den Bergen hinaufgeht, Gepäck, Post, Lebensmittel, Baumaterialien, kurz alles und jedes, wird durch die Kulis hinaufgetragen. Und zwar schleppen diese Kerls ganz unglaubliche Lasten auf dem Rücken, aber mit einem Tragriemen so um die Stirne befestigt, daß die ganze Last auf der Stirne ruht wie bei Ochsen. Und nie wird irgend etwas gestohlen, kommt nur das geringste weg, trotzdem keinerlei Kontrolle geübt wird. Man sagt, die Leute feien so ehrlich, wie sie schmutzig sind, aber ich glaube, das ist übertrieben, so ehrlich kann niemand sein. Sechs dieser Kulis schleppten mich in weniger als vier Stunden nach Mussoorie hinauf, eine sehr anständige Leistung. In einer Zahnradbahn reist man zweifellos bequemer, aber selbst in einem solchen primitiven Dandhy aus der feuchtheißen, fiebererfüllten indische» Ebene hinausgetragen zu werden in eine immer reiner und immer kühler werdende Lust, ist ein Gefühl, das nur der ganz nachempfinden kann, der es einmal mitgemacht hat. Man kommt sich ungefähr vor, wie wenn man bei der Besichtigung eines großen Dampfers aus den stickig heißen Maschinenräumen wieder in die freie Luft gelangt. Mussoorie ist heute etwa, was wir unter einem Modebad verstehen. Es gehört zum guten Ton für die Damen, dort von April bis Oktober zu übersommern und für die Herren, wenigstens auf ein paar Wochen Urlaub hinaufzugehen. Biele mieten eine Villa (in Indien Bungalow genannt) für den ganzen Sommer, viele wohnen in den zahlreichen Hotels und Boardinghouses. Das Weitaus beste gehört einem Sachsen, der schon fast ein Menschenalter hier draußen ist, eine Irländerin geheiratet und sein Deutsch fast vergessen hat. Freilich wenn er Hindustani spricht, kommt wieder der unverfälschte sächsische Tonfall heraus. Aber auch seine Küche ist von deutscher Güte, und da wir auch noch zwei deutsche Ehepaare aus Caleutta antrafen und einen deutschen Tisch bildeten, so fühlten wir uns dort ganz heimisch. Man fann in der Tat manchmal in Mussoorie vergessen, daß man in Indien ist. Auf den Spaziergängen in den herrlichen Wäldern Begegnet man oft stundenlang keinem Eingeborenen, Wohl aber elegant gekleideten Damen und Herren,. was uns zuerst ganz wunderbar, beinahe unwirklich vorkommt, bis wir uns Wieder daran gewöhnt hatten. Will man freilich nicht gehen, was zunächst der sehr dünnen Lust wegen ziemlich anstrengend ist, so muß man sich wieder auf indische Art und Weise befördern lassen, nämlich in einer Rickshaw. Von vier Kulis wird man in rasendem Tempo auf den schmalen Wegen dahingefahren, oft an tiefen Abgründen vorbei. Wagen können auf diesen Wegen garnicht fahren, und als Beförderungsmittel dienen außer den Rickstzaws nur Dandhies und Pferde. Damen machen ihre Besorgungen hoch zu Roß oder, wenn weniger amazonenhaft veranlagt, in einer Sänfte. All dies Leben und Treiben, so interessant es an sich ist, muß aber gänzlich zurücktreten hinter den eigentlichen Schönheiten von Mussoorie. Ms wir ankamen, lagen die Berge in Wolken gehüllt, aber als ich am nächsten Morgen auf die Veranda des Speisesaals BinauStrat, da lag die ganze Schneekette des Himalajas mit ihren 7000 Meter hohen Bergriesen im Glanze der Morgensonne vor mir. Ein wandererbarer Anblick! Darnach habe ich fie noch ost gesehen, in der Morgen- und in der Abendsonne, halb in Wolken verhüllt und ganz klar, aber die weitaus schönste Aussicht hatten wir doch bei folgender Gelegenheit: Es hatte zwei Tage geregnet und wir waren vollständig in Wolken eiugehüllt. Am Morgen des dritten Tages war prachtvolles Wetter. Wir brachen in aller Frühe auf und erkletterten nach einer herrlichen Wanderung durch die morgenftischen Wälder einen wohl nahezu 3000 Meter hohen Punkt. Um die Aussicht, die sich uns da in der ausgehenden Mvrgensonne bot, eindrucksvoll zu schildern, müßte man Dichter sein, lieber die Mussoorie zunächst gelegene Kette nackter, schluchtendurchfurchter Felsberge hinweg, an sich schon kleine Riesen, die sonst einen großen Teil der Aussicht versperren, sahen wir da in tiefherabreichendem Neuschnee die gigantischen Massen einer der Hauptzüge des Himalaia in fchicr endloser Ausdehnung vor uns. Wahrhaft eine Grenzmauer, Wie sie nur Götter setzen können, gegen Tibet und China, die man in unabsehbarer Feme hinter diesen Riesen ahnen kann — Und als Wir uns umwandten, da reichte unser Blick über bte Vorberge des Himalajas und der von ihnen eingeschlossenen Hochebene hinweg weit, weit hinein in die Ebene des Pumab, des Landes der fünf Ströme, deren kleine Nebenflüsse in der Ferne wie silberne Bänder glitzern. Der doppelte Anblick ist geradezu iibcrwältigenb, und wir können nur immer schauen, schauen und uns nicht satt sehen an diesen großartigen Bildern. Der Abstieg ist kaum minder schön, bei jeder Biegung des Weges eine neue herrliche Aussicht, ein neuer Ausblick auf die Schneeberge. Typische Alpenlaudschast, versicherte mir Mein Schweizer Freund, in die nur die mit vielfarbigen Dalien übersäten Bergabhauge einen fremdartigen Reiz hineinbrinaen. Mit einem' Male hören 784 — tvährerS Zugvögelscharen gleich schwarzen Zeichen über den graublauen Himmel dahergesegelt kamen. Amor ritt an der Seite des Alten mit der Sense. Sie mKen einander zu und ritten dann selbander durch den Hohlweg, ohne Ml reden; und als der Weg ans dem Walde herauskam, und sie auer über das Md mit sich nahm, nach der Heerstraste, uiw sie die große Stadt gerade vor sich hatten mit ihren braunen Bachern, ihren hochragenden und grauen Turmrinnen und ihren goldschimmernden Kuppeln, da nickten sie einander ivteber zu, nut Und sie ritten auf der Heerstraße dahrn, die sich brert und grau schlängelte, schmäler und schmäler in der yerne, bis sre als feiner, weißer Faden in das schwarze Auge an einem der roten Tore der Stadt hineinlief. Und sie ritten. „ .„... Dicht vor dem Dor war ein großer, kahler Krautgarten mrt krummästigm Slpfelbäumen, und in das ein Haus, das Grevel für Giebel aufgeschossen war unter langen steilabfallenden Ziegeln und dessen viele schwarze Schornsteine 'hintereinander mrt eisernen Stangen und mit strammen eisernen Ketten gestützt waren. Dort machten sie halt. „ . , Nach Osten zu war da ein Fenster, so groß tote em Tor, ein unendliches Dambrettnruster von winzig kleinen, in Blei gefaßten Knorren aus Glas. Es war geöffnet und in die Maner fest- geb'üt. und in der torqroßen Oesfnung stand Doktor Faust und starrte nach der Richtung hinaus, in der, wie er wüste, der Wald und der Hohlweg lagen. , Und der Tod und Amor ritten vor das Fenster, unsichtbar, wie sie waren, ohne einen Schatten zu werfen. Und da hielten sie, größer, als Menschen sind, und der Wind klatschte mit dem schwarzen Mantel des Todes und mit Amors Purpur, und ihre großen Pferde streckten die Hälse durch das Fenster hinein und beugten sich, halb im Schlaf, mit den schweren Köpfen über Bücher und Pergamente, auf ihrem Zaumwerk knaupelnd, und der Schaum aus ihren Mäulern tropfte in Flatschen nieder auf schwarze Schristzeilen und farbenkrästige Initialen. Ein Gedanke drängte sich Doktor Faust stärker auf als der andere, wie er dastaud, seine Handflächen auf das breite Fensterbrett gestützt, eine ringgeschmückte Hand vor jedes Pferdes Maul. Und das Licht Hob die klare Bleichheit seiner Stirn und seines Antlitzes hervor und zählte jedes Haar in seinem dunklen gelockten Bart. „ Hörbar klang jeder Gedanke von ihm 116er ine beiden Unsichtbaren da draußen. — 'Jetzt bin ich vierzig Jahre, — dachte er: — zehn, zwanzig, dreißig Jahre kann ich noch leben, dann ist alles vorbei! Wieder ist es Frühling, wieder habe ich ein Jahr weniger (Der Tod kommt, um den vierzigjährigen Doktor Faust anf- zusuchen; aber Amor bittet für ihn, und der Tod schenkt ihm- neue vierzig Jähre. Nach Verlauf dieser Zeit kommen die , beiden wieder geritten, um ihn zu holen. Sie finden einen Greis, dem die Jahre nichts genutzt haben: seine Kraft war vor vierzig Jahren verbraucht, die ganze letzte Hälfte seines Lebens ist em totes Leben gewesen.) Eine Reiseerinnerung. Draußen in dem weißen, blendenden Licht über dem See kam ein Boot daher: eine kleine, schwarze Planke, ein graues Segel, gewiegt und geworf-en, schwindend getaucht, kommend gehoben, weggeblitzt, hervorgeblitzt von dem blendenden Glanz. Dann wurde es von der Landzunge verborgen. Es war nicht ein Segel da draußen $u sehen, nicht einmal ein weißbusiger Vogel unterbrach die weite Fläche des Sees, und breit und blau, wie der Himmel niemals blau ist, strahlte das Wasser unter dem vollen, mächtigen Lichtfall des Tages; weiß und lila getönt in nebeliger Ferne, silbergestreist kvrnblau oben unter dem Bergschatten, goldkörnig, glitzernd, goldkörnig wimmernd über der Tiefe dahin und auf der breiten, weiten Nehrung in reichem und farbengesättigtem Azurblauen, gewiegt in runden, kammlosen Wogen, glatt wie gleitendes Glas, wie Kristall, das in tadelloser Klarheit schwillt, erhellt von eisblankem Licht, beschattet von seegrünem Schein — sah man die Wasser des Gardefees. Und dann wieder schoß das Boot da draußen vor der Landzunge sicher und unverdrossen dahin in dem sterbenden Wind, Näher und näher, vorbei an den niedrigen grauen Olivenfeldern, hinein unter des Monte Valdos lehmbraune Hügel, und noch Näher, wo die grasgebundene Sandzunge sich vorstreckt, so ganz nahe mit schlaffen Segeln und fast keiner Fahrt langsam an die Bretterbrücke des Hotels herangleitend. Da waren nur die Zweie im Boot, ein rotbemützter Fischer und ein blondhaariger Fremder, der gleich an Land stieg und träge oder träumend in den Garten ging.--- Darwin. Die Natur ist wie ein wunderbar großes Schloß mit Tausenden von Sälen und Zellen, mit düstern geheimen Gängen,, die ans Licht des Tages führen, und mit offenen Söllern, die in Nacht und Nebel hineinleiten. Da sind Vorhallen mit offenen Säulenreihen, wo man ohne weiteres hineingeht, und säle, die zugänglich sind, wenn man die Tür fest anfaßt; da sind aber auch viele, viele Türen, die es Jahrzehnte von Gewalt und Last kostet, aufzubekommen, und es gibt welche, an denen alle Behendigkeit, alle Anstrengung vergeblich war. Lange war e§; öde im Schloßt viele standen da in weiter Ferne und freuten sich ob seiner Schönheit und Majestät, einige trieben sich in den Vorhafen herum, und noch weniger faßten die geschlossenen Türen au; jetzt herrscht aber ein Treiben, Tür um Tür !vird aufgezwängt, und einer nach dem anderen kommt aus dem Schloß heraus und erzählt von den Wunderdingen, die sie dort sahen. Vor etwa zehn Jahren kam ein älterer Mann von dort heraus. Er war zwanzig, dreißig Jahre durch viele kleine Zellen und viele gewundene Gänge umhergewandelt, bis er an eine große Halle kam mit herrlichem Gewölbe, mit mächtigen Tiefen und großen, weiten Aussichten, und er erzählte, was er in den Zellen und in der Halle gesehen, und einige meinten, er sei bis ans Herz des Schlosses gelangt, andere aber sagten, ihm habe in der Vorhalle geträumt. Der Mann war Charles Darwin, und was er erzählte, war, wie alles, was auf Erden lebt, wie ein gewaltiges Gewand ist, das sich selbst webt, wo der Laus und die Farbe eines Fadens die des anderen bedingt, und allmählich, wie die Zeit schwand, ward das Gewebe reicher und prächtiger . . . Vermischtes. Notes, Notizen. Die Herueller der Merkbücher halten zunächst noch an dein lächerlicben Brauche fest, Notes darauf zu drucken, was der landläufige Deutsclie dann „noteß" zu lesen und zu sprechen beliebt. Die Fremden aber, die unsere Notes-Bücher sehen, ulken iveidlich darüber, >vie über so manchen fremden Zovf, der uns immer noch hinieii hängt, und den abzuschneideii uns gar so viel Ueberwindung kostet. Einige wenige bedrucken zwar ob- bemeldete Büchlein nut dem Worte „Notizen"; das mag man stch schon gelallen laßen, denn man spricht ja auch davon, daß man sich eine Notiz oder Notizen machen will. Blanche aber ^wollen noch weiter gehen und selbst die „Notizen" im deutschen Sprachtempel nicht dulden, >vas man nicht einmal als Heitzipornerei ait- zuiehen braucht; sie verlangen, daß man „Merke" sage «ie machen sich em Merk statt einer Notiz, oder, wenn sie Oesterreicber sind, auch eine Merke. Alan könnte also füglich „Merken" oder „Merke" aus die Büchlein schreiben; hinter dies zweite (eigil. die Mebrzabl des sächlichen Merk) auch ein Ausrufzeichen: dann liest maus als Befehlsform des Zeitworts: „Alerte (dir, was dtin ftebt) 1" Auch „Merkbuch" ist ent hübsches, auch schon dutlämüich bekanntes Wort, so daß wir wirklich aller „Notes-, ja selbst der Notiz-Bücher sebr wohl entraten könnten. Also versuchts einmal, Ihr Merkbuchmacher! * Im Dusel. Maier befindet sich in angeheitertem Zustande auf dem Wege nach seiner Wohnung. Unterwegs begegnete ihm ein fliegender Würstchenhändler, der ihm zuruft: „Heiße Wiener!" — Maier (freudig über die Vorstellung überrascht, lüstete seinen Hut und erwiderte): „Sehr angenehm! —> Heiße Maier." * Weißgewaschen. Richter: „Wollen Sie Ihr Verbrechen eingestehen?" — Angeklagter: „Nein, mein Advokat hat mich von meiner Unschuld überzeugt!" * Berechtigter Wunsch. Lehrling: „Kann ich nicht ein paar Wochen auf der anderen Seite sitzen, Herr Meister?" — „Warum?" — „Damit 's linke Ohr auch so lang wird tote 's rechte." „ . * Anknüpfung. Herr: „Auf mich als Säten modit Ihr Bild einen vorzüglichen Eindruck/' — Maler: „Weil Ste gerade vom Leihen sprechen, könnten Sie mir nicht zwanzig Marl leihen?" ____________ BMerrätfe!. 11»! I i V pm lllll Auflösung in nächster Nummer. Auslösung des Ergünzungsrätsels in voriger Nummerj Sorge und Plage Wächst alle Tage: Mutzt sie verjagen Oder ertragen. Redaktion: ».Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gieße»,