Mittwoch den K Sedrnar TösM aJpWUlT1. fy|& TW WjM^r.W sWÄ/ nicht zu Hofe, um zu soupieren. Obwohl .- -. wir yMgen Dachse damals, wir hielten uns Wn ran. . .. muß. doch mal zusehen, ob ich auch noch ein Stückchen Pastete und em Glas Sekt erobern kann... Es war aber doch anders als „damals . Damals hatte man sich zu den langgestreckten Büfetts durch kämpfen müssen, auf denen die Riesenbauwerke der Koche, Kunsch werke aus Tragant, zwischen den Delikatessen thronten. Heute speiste inan an „kleinen Tischchen . J)tn lich ein wirklicher Fortschritt. .Denn das Ringen damals um einen Teller iind um ein Glas Champagner, das war manchmal furchtbar gewesen. Jetzt fast inmt mtt em paar netten Leuten zusammen, konnte ein bißchen plaudern. 9m ja. . . viel freilich nicht. Und zum essen kam man auch ,licht recht. Denn der eine Lakai setzte den Teller hm^ der andere nahm ihn weg. Zum Schnellesser war man schließlich noch nicht ausgebildet. Kam aber vielleicht Dann entdeckte Gudarcza auch seine Töchter. Sie saßen schräg gegenüber an einer der tiefen Fenster^ nischen und hatten ihre Ritter um sich. Auch Hoburg war darunter. Er saß sogar unmittelbar neben Signe, auf dev anderen Seite hatte der junge Horfeck Platz gefunden. Um Dodo bemühten sich ein paar Garde-Infanteristen Hübsch sah die kleine Kröt übrigens auch aus, aber Mutter hatte gewiß gefunden, daß ihre Bäckchen gar zu sehr glichten. Das war auch solch Unterschied zwischen beit Madels: Dodo immer gleich mit Blut in den Wangen, Signe immer im Elfenbeinton, durch den die Röte nur ganz leise hindurch» schimmert. Signe immer kühl, auch wenn sie, tote jetzt, zwischen zwei Feuern stand. Plötzlich fiel Gudarcza ein, daß er seine Söhne ja noch gar nicht gesehen hatte. Richtig: Friedel war natürlich nicht hier, als Bräutigam, dessen Verlobte Nicht vorgestellt war. Wer Eberhard? Eberhard war doch befohlen. Daß sich solch Junge mal nach dein alten Vater umsehen sollte — keine Spur. Oder war er doch nicht hier? Wer da saß ja anl eigenen Tisch Oberst von ^ngeich heim, Eberhards Regimentskonnnandeur, und schaufelte sich eine Portion Trüffelsalat, die für drei starke Manner hatte reichen können, auf den Teller. Mußte der Mann einen be- nerdenswerten Magen haben — r, . „Ihr Herr Sohn? Nein, bester Herr von Gudarezch *)C-' Es* klang fast wie eine leichte Verlegenheit aus bett Worten. Was war denn da los? „Ist mein Junge krank?" Jugenheim nahm noch ein paar große Bissen, undi dann sagte er, mit einem Entschluß, der ilmr nicht ganz, leicht fiel: „Wollen wir tins nachher mal ein ruhiges Eckchen suchen, Herr von Gudarcza? Ja, eigentlich ist hier wohl nicht der rechte Ort . , . aber . . Glückslasten. Roman von Hanns von ZobeltiA (Nachdruck verboteml (Fortsetzung.) Das arme Kerlchen! Eigentlich toar's doch ein ganz nettes Kerlchen. Und hätte sein Schwiegersohn werden können. Komisch — zu komisch. Oder auch traurig, . Signe! Kenn einer dir Signe aus! „Durchlaucht tanzen nicht?" rr „O nein, Herr von Gudarcza. Früher war ich toohl ein leidenschaftlicher Tä.üzcr. Aber je£t? Nem, «em. „Ich hatte so lange nicht die Ehre, Durchlaucht zu fctjcn./z . . „Ich war cüt wenig verreist und bin erst vor einigen Tagen zurückgekommen. Ich habe meine Tante besucht, die augenblicklich in Meran ist. Uebrigens hat ste mir herzliche Grüße an das gnädige Fräulein aufgetragen. ^ch will doch sehen, >ob ich tte bestellen kann." _ - Er schob sich langsam vorwärts. Langsam, aoer mir der selbstverständlichen Sicherheit, die Stellung und Gewohnheit geben. Man machte ihm Platz, wo es irgend ging. Die meisten kannten ihu toohl, und wer ihn nicht kannte, sah die Crachats und das breite Ordensband. , Der Major verfolgte, tote er sich bis zu eigne hut- durchschlängelte. Sie stand mit einigen Dragonern im Gespräch. Es tottr die letzte Tanzpause vor dem «ouper. Gudarcza sah auch noch, tote Hoburg Signe begrüßte. Fast ehrfurchtsvoll. Und wie sie erst leise den Kopf neigte, ihm die Hand reichte. Dann schien es sich um tegenb em Nrrangement zu handeln. Der Prinz sprach lebhaft nut einem der Dragoner, mit dein langen Abercron. Der zuckte die Achseln, lächelte etwas verlegen. Schließlich verbeugte Da intonierte die Kapelle des 2. Garde-Regiments yben auf dem Musik-Balkon wieder, und Hoburg tanzte Tiltt StQl'lC. „ . „ , Also er tanzte dennoch. Nachdem er eben so eifrig gesagt hatte: nein — nein! Sch an — schau! Ja, die Signe — , . . Flicht einem Prinzen einen regelrechten Korb und weiß es doch so emzurichmn, daß er auf dem nächsten Hosbalt mit ihr tanzt. Solch einen Tanz, den er sich noch dazu von einem anderen abtreten lassen tnuß. Ein Mordsmädel. . . die Signe... Und nun ging's wohl endlich zum Souper — Wahrhaftig, das war noch' gerade so wie damals. Dieselbe drangvoll fürchterliche Enge. Nem, schlimmer fast tioch. S. M. sollte auch schon mal zum Grafen Eulen,' bürg gesagt haben: „Solch Massenfest geb ich uicht tote- der." Ja — aber die Leutchen waren doch, alle eingeladen pardou: befohlen worden. Und man geht ja am Ende 98 — Gudarcza klopfte das Vaterherz. Was' wär bciut da los, in drei Geiers Namen? Etwas Schlimmes? Nach etwas Gütern sah das vertrocknete Kavalleristengesicht mcht aus. Sie waren denn, nachdem die Tafel aufgehoben, durch ein paar Nebensäle gegangen, bis sie endlich erne srcre Fensternische fanden. , „Ja. . . eigentlich ist hier mcht der rechte Ort. ^ch möchte Ihnen die Ballstimmung auch nicht gern verderben, lieber Herr von Gudarcza. Was, so mit zwei. schonen Toch- tcrn ■— -eine famöse Sache! Ihr ältestes Fraulern rochier . . . allerhand Achtung . . . Ja , . . also . . zu ang- stiqen brauchen Sie sich gerade nicht. Es ist nichts zum Halsbrechen. Aber ganz gut ist's doch wohl, wenn ich Ihnen mal' reinen Wein einschenke, 'n Vater kann ost besser Vorbeugen, wie solch armer Oberst. Nämlich. . . Ihr Herr Sohn tut in letzter Zeit wirtlich nicht gut. Anfangs war er ganz famos: fast zu viel Eifer und riepges Interesse. Ich freute mich über die gute Akqusttton fürs Regiment. Auch eilt guter Kamerad . . ja. Aber mut, seit ein paar Wochen wie verwandelt. Unlustig, mit Verlaub zu sagen: faul im Dienst. Bald hier ein Versäumnis, bald da. Na, kurz und gut, oder nicht gut: ich hao ihn vorgestern auf drei Tage eiubrummen müssen. Aber das iil's ja lischt. ' Mein Himmel, wir beide werden wohl auch mal Stubenarrest genossen haben! Ich fürchte nur, es steckt was anderes, Gefährliches dahinter. Ich hab auch schon horchen lassen. Natürlich. . . cherchez la fenime . . ." Der Oberst spielte mit seinem Einglas zwischen den langen, trockenen Fingern. „Ra, sch bin ja kein Duckinauser Beileibe nicht. Und Sie sicher auch nicht. Es ist itur . . . eine vertrackte Geschichte ist's: die Sache soll tiefer gehen. Sprechen Sie selber mal mit Ihrem Sohn. Vielleicht beichtet er. Vielleicht kriegeii Sie die Chose ivieder in Dreh ... ja. . . und nun müssen wir wohl zurück in den Saal." Signe hatte ihre abweisende Haltung angenommen. Sie argwöhnte schon den ganzen Abend, daß Horfeck sich erklären würde, und sie hätte ihm so gern das Demütigende oder das Wehe ihrer Abweisung erspart. Aber er ließ sich nicht schrecken. Er ivich nicht von ihrer Seite, er wollte nicht verstehen. Und als dann Hoburg aufgetaucht wär, schien er erst recht die Besinnung verlorett zu haben. Bei dem Rückgang in den Ballsaal sprach er es aus, mit bebenden Lippen. Und sie sagte, so schonend wie cs ihr nur möglich war, noch ehe er vollendet hatte: „Tas nicht, Herr von Horfeck! Bitte ■— nicht weiter. Es kann nicht sein." Ganz leise wär das herüber- und hlnubergegaugen, mitten unter all den Menschen, mitten in dem gedämpften Surren ntld Summen, llnd dann gingen sie weiter, als wäre gar nichts geschehen. Aber einmal sah Signe in einem der großen 'Spiegel, daß ihr Begleiter totenblaß geworden, war. Er tat ihr aufrichtig leid. Ein netter, wohlerzogener Mensch von guter alter Familie, liebenswürdig, ehrlich, anständig, alles, alles. Nur, daß er ihr immer tote eut Knabe erschien, trotz des flotten Bärtchens auf der Oberlippe. Vielleicht war er auch nicht älter als sie selbst. Nicht einen Augenblick hätte sie zweifeln können, daß ste nein sagen mußte. Aber er tat ihr so unsäglich leid. Ihm hätte sie am liebsten beide Hände hinstrecken mögen: „Nehmen Sie sich's um Hitttmels mitten nicht so zn Herzen! Es lohnt wirklich nicht. Es gibt hübsche Mädchen genug. Sie finden bald, bald eine, die Sie lieb hat, mit der Sie glücklich werden. Ich — ich bin überhaupt nicht zum Beglücken geschafseu . . ." Während sie so durch die Säle schritten, wortlos nun, dachte sie immer: „Wenn ich nur Do do gleich wicder- finden könnte. Nach Hause möcht ich." So hilflos kam sie sich vor. Daun neigte sich Horfeck vor ihr. Ganz tief. Und wieder hätte sie ihm gern gesagt: „Schlagen Sie sich's ans dem Sinn! Es lohnt nicht." Wenigstens die Hand wollte sie ihm reichen. Aber es schien, er sah ihre leichte Bewegung nicht. Und gleich darauf war er verschwunden, untergetäucht in der flutenden Masse, und irgend ein gleichgültiger Obenhinbekanuter stand an seiner Stelle vor ihr und sprach gleichgültige Worte. Endlich erspähte sie die Schwester. Ganz iit der Nähe stand Dodo und schien sich himmlisch zu amüsieren. Nein,, ihr durfte sie die Freude des Abends nicht verderben. Nur die Zähne aufejnauderdrückeu und plaudern und plan dern, je gleichgültiger desto besser. Der Aufbruchwar ja doch nicht mehr fern. Draußen auf dem Korridor, wo schon einzelne Diener harrten, traf Herr von Friedberg, der Adjutant des Reichs- kanzlers, auf Hoburg, der gerade in feinen Pelz schlüpfte r „Haben Sie Ihren Wagen unten, lieber Prinz?" fragte er, „Sie könnten mich ein Stückchen mitnehmen. Ich möchtd noch auf eine Stunde zu Borchardt." Hoburg nickte. Sie gingen nebeneinander die breite Treppe hinunter. Und Friedberg meinte: „Wissen Sie, Prinz, das schönste Mädchen im Saal war doch diese Gudarcza. Ich sah sie merkwürdigerweise heut zum ersten- mal. Das ist ja eine Schönheit ersten Ranges. Schade, daß die so dumm ist." Mitten auf der Treppe blieb Hoburg stehen. Er wußte nicht recht: „Lachst du den Menschen nun aus oder schickst du ihm morgen jemand über den Hals." Aber da sah er in das ehrlichste, harmloseste Gesicht. Friedberg meinte: nur ganz erstaunt: „Warum bleiben Sie denn stehen, Hier zieht es." „So," sagte Hoburg im Weitergehen. „Dumm? Fräulcttt von Gudarcza dumm?" „Na ja. Denken Sie sich, ich stand eben mit ihr eine! Weile zusammen. Ich bin doch nicht auf ben Mund gefallen. Aber glauben Sie wohl, daß ich eine vernünftige Antwort aus ihr herausbekommen hätte! Kein Bein. Ja und nein und dann ganz konfuses Zeug, und einmal lachte sie völlig unmotiviert. Wirklich — schade! 'ne dumm« Frau hat ja auch ihre Vorzüge, sagt man, aber nee >—< ich danke —" Sie standen unten im Portal. „Da ist mein Wagen, Friedberg." Der Prinz knöpfte seinen Pelz fester zu. „Bitte, benutzen Sie ihn nur. Ich gehe lieber noch ein Stückchen. Im übrigen haben Sie ganz recht... wenn Sie danken. Aber ein Menschenkenner sind Sie nicht, mein Lieber. Gute Nacht ..." Einige Minuten später schritt Vater mit beiden Töch-- tern die Treppe hinunter. Dodo war noch Feuer und Flamme und schwätzte totes eine Elster. Aber Vater und Signe waren stumm. Mitten auf der Treppe blieb Dodo stcheit. Sie war nämlich empört: „Was habt ihr denn nur? Nicht ein „Kontm, Kind!" drängte der Vater. „Hier zieht es." Dodo schob das Näschen noch ein Stückcheir weiter aus dem hvchgeschlageueit Pelzkragen heraus, höchst indigniert, ober sie gehorchte. Nur daß sie im Trotz Voß Stufe zu Stufe erklärte: „Himmlisch! — Göttlich! — Kaiserlich — mit einem Wort! — der schönste Abend -i meines Lebens —“ Sie hatte noch eine Masse Steigerungen in petto, aber so läng die Treppe war, schließlich hatten die Stufen doch ein Ende. Sie standen unten im Portal und mußten warten. Der Wagen konnte sich nicht gleich loslösen. Vater knöpfte sich den Pelz fester zu. Da sagte Dodo: „Du, Signe, was ist eigentlich dieser nette kleine Herr von Horfeck für ein Menschenkind?" Und als die Schwester die Antwort schuldig blieb: „Komisch — ich nagelte ihn mir vorhin noch mal fest. Aber so etwas hab ich noch nicht erlebt. Völlig konfus tu ar er, feine drei vernünftigen Worte konnte man aus ihm heraus'- bringelt, und ein ganz blödes Lächeln hatte er." Sie lachte. „Entweder tst er ein bißchen dumm von Natur und hat nichts zugelernt, oder er hatte eilt paar Glas Sekt zu viel' getrunken." Signe antwortete nicht. Sie fröstelte. Da kam endlich der Wagen. Ms Dodo unterwegs wieder zu fprechen Begann unöl noch einmal von Horfeck anfing, faßte Signe ihren Amt! und drückte ihü: „Hör auf — ich bitte dich! Ich habe! furchtbare Kopfschmerzen — ■— Und int übrigen: Du, irrst! Herr von Horfeck ist . , Mer sie brach den Satz aß, ohne ihn zu vollenden', und drückte sich tief in die eine Ecke des Wagens Vater hatte den Kopf auch weit zurückgelehnt. Wenn, dann und! wann, das elektrische Licht grell durch die Fenster fiel, sah Dodo, daß: Vater und Signe ganz elend aussahen. „Komisch," dachte sie. „Nach solch einem herrlichen I Feste/' (Fortsetzung folgt.) ,, 99 Bärenjagd in Rußland. Von Oskar G r o s b e r g, St. Petersburg. Das Stubenmädchen meldet: „Herr, in der Wiche ist ein Bauer, der Sie zu sprechen wünscht." Ich lege die Feder beiseite und begebe mich in die Küche. Da steht mein alter Freund Michei, ein Bauer aus dem Wologda- scheu, vermummt und 'vereist, denn es sind draußen 24 Grad R., und ein höllischer Nordost jagt durch die Straßen Petersburgs. Michei macht eine tiefe Verbeugung und streicht seinen langen Bart, an denr eine Garnitur Eiszäpfchen klirrt. Er steht mit seinen Bastschuhen in einer kleinen Pfütze, die sich aus den Schnee- Massen an feinen Füßen gebildet hat. „Guten Tag, Michei, was gibts?" „Wir kommen zu dir, Herr, um deiner Gnaden mitzuteilen, daß wir ein Bärchen Haben." Ich bemerke hier, daß der russische Bauer im förmlichen Gespräch von sich im ersten Fall der Mehrzahl zu sprechen pflegt Und gern die Verkleinerungsform benutzt. „Ein guter Bär?" „Gott mag das wissen, Väterchen Euer Hochwohlgeboren. Ich meine, er muß gut sein, denn aus dem Lager steigt viel Dampf auf." „Liegt er fest?" „Wie in Abrahams Schloß. Wie festgebünden liegt er, der Herzliche. Ich bin dreimal am Lager gewesen. . Nichts _ rührt sich. Der Schnee liegt zwei Arschin hoch. Nur aus einer Oeffnuug steigt Dampf auf, wie von einer Lokomotive." „Na, na!" „Bei Gott, Herr, du kannst mir glauben. Der liegt fest, Lenke ich, und dann gehe ich nach Hause und sage meinem Weibe: Awdotja, sage ich, der ist für den Herrn unfern Wohltäter, das Bärchen. Und so bin ich denn nach Piter gekommen und zu deiner Munden. Kauf das Bärchen, Herr, erweis uns die Wohltat." Und Michei machte wieder eine tiefe Verbeugung und drehte seine ungeheure Fellmütze an der knolligen Hand. Wir wurden rasch handelseins. Michei sollte für das Bärenlager, das er im Wologdaschen Urwalde entdeckt hatte, 75 Rubel erhalten. 20 Rubel erhielt er sofort. Der Rest war nach dem Abschuß zu begleichen.. Ein mächtiges Mas Schnaps besiegelte bett Vertrag. Michci legte den Kopf zurück, schloß die Augen und ließ das Feuerwasser langsam in feine ausgepichte Gurgel fließen. Dann krächzte er inbrünstig Und fuhr mit dem Handrücken über den Mund. „Gott gebe dir Gesundheit, Herr," sagte er, indem er ein Stuck Wurst in den Mund stopfte, und dann schob er sich, nachdem er genaue Jn- ftruttionen erhalten, seitwärts zur Tür hinaus. Nach drei Tagen standen luir, Freund Paul und ich, um die Mittagszeit auf dem Perron der kleinen, verschlafenen Landstation int Gouvernement Wologda. Michei verstaute unser Gepäck Und die Gewehre in seinem Schlitten, in einem anderen nahmen wir mit Pauls berühmtem sibirischen Verbeller „Scharik" Platz. Scharik wurde in eine Decke gehüllt, denn es! fror Stein und Bein Und wir hatten gute zwanzig Werft vor uns. „Mit Gott!" rief Michei, und wir fuhren ab. Die kleinen Witigen Pferdchen griffen gewaltig aus, so daß die hellew Glocken an der Duga, dem Krummholze, gellend durch die unendliche Stille dieser gottverlassenen Einöde schallten. Mit beut Klange der Glocken verband sich das Heulen des Ostwindes, der harte Schnee- körner klirrend über die weite Fläche trieb. Durch unsere Dochi, sibirische Pelze aus Elchfell, vermochte er jedoch nicht zu bringen, und auch unsere Füße waren in mächtigen Filzstiefeln, die mit Lammfell gefüttert, wohl verwahrt. Endlich lag die Ebene hinter uns und wir gelangten in bett Wald, wo man vor Wind geschützt war und sich eine „Papiros" durch bett bereiften Bart in den Mund zwängen konnte. Auch Michei wurde versorgt, denn wir kannten den Duft feiner Tabaksmarke 'ojtS früherer schmerzlicher Erfahrung. In majestätischer Ruhe waren die gewaltigen düsteren Tannen Und die hochschäftigen Kiefern; auf ihren Arsten lagern gewaltige Schneentassen, die!aluch Unterholz uitd Bruch beinahe vollständig' verbergen. Das ist noch Urwald, der ttichts von regulärer Bewirtschaftung weiß; er wächst, wie er will. Was überständig ist, fällt und bleibt liegen und auch den Baumleichen sproßt neues Leben. Hier gibt es weder Schläge, noch Kanäle, ttoch Wege, keine Spur von Kultur. Nur diese Einsamkeit und den tiefen Eindruck der düster-großartigen Nordlands'natur. Hell bimmeln die Glöckchen. Michei feuert die Pferdchen durch kauten Zuruf an, sie jagen mit einer Geschwindigkeit dahin, die man ihnen kaum zutrauen würde, wenn man ihre Leistungsfähigkeit und fabelhafte Ausdauer nicht kennte. Der Wald liegt nun hinter uns. Am Rande einer Lichtung sehen wir im Glanze der dünkelrot versinkenden Sonne das Dörfchen Micheis. Die letzten Strahlen der Somte vergolden die Dächer der niedrigen Hütten und.sie sprühen durch den kerzengerade aus den Schloten aufsteigenden Rahch. Auf der Schneeebene liegen bereits die tiefblauen Schatten der Dämmerung. Michei feuert die Pferdchen an: „Na, meine Lieben, reckt die Beinchen, der Haber ist nicht iueit! Vorwärts, meine Falken, zeigt, was ihr könnt!" Knirschend halten die Schlitten vor Micheis Hütte. Die ^wrfköter stürzten kläffend herbei Und Scharik macht sich mit chueit tu der üblichen Weise bekannt. An der Tür empfängt uns Micheis Weib, die stattliche Awdotja; ein grellbuntes Seiden tuch schmückt ihr blondes Haupt, und den Gästen zu Ehren hat sie eine blütenweiße Schürze angelegt. Wir begrüßen sie mit Handschlag und Scherzen und sie schält uns aus unferen Pelzen und Filz- sttefeln.. In der verräucherten Blockhütte strömt der riesige Ofen infernalische Hitze aus. Ans dem Tische brodelt der Samowar unbj wir trinken Tee, während Atvdotja unsere Vorräte auspackt und uns dann bedient. Michei trinkt mit Sachverständnis einige Gläschen Kognak und auch Awdotja läßt sich nach einigem Sträuben überreden. Wir essen, trinken und schwatzen. Natürlich von Bären. Von Chomeeit und Möglichkeiten und Michei erzählt von fernen Rekontres mit „Mischka", oder „General Toptygin"/ wie der Russe den Herrn seiner Wälder nennt. Er zeigt furchtbare Narben an seiner Brust und an seinen Armen, die von gefährlichen Begegnungen mit Mischka Zeugnis ablegen. Er erzählt, wie er einst mit haarscharfem Beil und Messer auszog und einen Bären ans dem Lager scheuchte. Als der Bär seinen Kopf hervorschob und Michei mit deut Beile zum Schlage ans holte, glitt er aus, und int nächsten Momente fühlte er die Pranken des wütenden Tieres auf seiner Brust. „Zum Glücke hatte ich," erzählte Michei, „meinen rechten Arm frei, ich betete zur heiligen Mutter Gottes von Kasan, gelobte ihr eine Kerze von 5 Pfd. Und stieß zu. Der Bär stürzte wie ein Berg über mich und schlug verendend feilte Zähne in meinen Arm, so daß die Knochen knirschten. Er wog 18 Pud und ich bekam für das Fell .110 Rubel!" "Wir hatten nun Tee bis:,,zum siebenten Schweiß getrunken/ und satt waren wir auch. Scharik lag bereits auf 'dem heißen Ofen und blaffte im Schlafe. Nachdem wir unsere Mauserbüchsen sorgfältig geprüft, legten wir uns auf das in einer Ecke der Hütte hochaufgeschichtete Stroh und unsere Reisepelze und wir schliefen bald ein, nachdem Michei Und sein Weib auf dem Ofen geklettert waren, der die Schlafstätte des nordischen Bauern darstellt. Michei hatte einige Mühe, uns um 3 Uhr zu wecken, beim in der heißen Hütte schlief es sich nach der Fahrt durch die Bären-, kälte ganz prachtvoll. Awdotja machte ganz unbefangen Toilette- und dann bereitete jie den Samowar und das Frühstück. Um 4 Uhr waren wir fertig zum Aufbruch; wir hatten etwa acht Werstchen Weg und Steg zu marschieren. Wir schulterten unsere Büchsen, schnallten die kaukasischen Kinschals (lange Dolche) um und Michei versah sich mit der Royatina, der Bärenfeder, und steckte eine scharfe wuchtige Axt in den Gürtel. Awdotja machte über jeden von uns das Zeichen des Kreuzes und dann legten wir die Schneeschuhe an und glitten über ein mondbeschienenes Feld in den schweigenden Wald hinein. Wir kämpften uns schweigend und stark schwitzend durch Jungwuchs und über chaotisch durcheinander gewirbeltes Fallholz; je weiter wir vordrangcn, um so schlimmer wurde es. Bald waren wir außer Atem und Michei,, der Scharik führte, machte ein Zeichen. Wir hielten, um Kräfte zu sammeln, denn nun waren wir kaum eine halbe Werst vom Lager entfernt. Nach einer halben Stunde setzten wir den Marsch, mit äußerster Behutsamkeit und vielen 'Erholungspausen fort. Endlich wies Michei auf einen Hügel ton Fallholz, aus dem die ton Wind und Wetter gebleichten Wurzeln einer gestürzten Kiefer gespenstig zum Himmel ragten,: „Dort," flüsterte er, „dort". Wir schlichen näher. Da sahen wir ans einer schwarzgähnenben 'Oeffnintg starken Dampf mtfsteigen, — der Bär lag also fest. Das war um so gelvisser, als Scharik dumpf zu knurren begann und die Witterung einsog. Wir machten uns aktionsfähig. Die Büchsen und Messer wurden nochmals geprüft und wir nahmen Aufstellung, während Michei mit einer langen Stange ins Lager stieß und Scharik wild Hals gab. Lange regte sich nichts, dann prasselte plötzlich der Hügel auseinander, und eine ungeheure dunkle Masse kollerte in den brnsthohen stäubenden Schnee. Wir hörten ein dumpfes Schnauben, das Krachen brechenden Holzes und wütendes Schmatzen. General Toptygin gab offenbar Fersengeld. „Hund lösen!" brüll ich Michei zu Und wie der Blitz ist Scharik dem Bären nach; er springt ihn an und retiriert. Mischka richtet sich indigniert brummend auf. Wir sehen, daß es ein tüchtiger Bursche ist. Nun macht er Kehrt und saust mit unglaublicher Geschwindigkeit durch den stiebenden Schnee auf Uns zu,. Frennd Paul feuert aber schlecht ab; der Bär wischt mit der rechten Pranke über den Fang; in diesem Moment ist Scharik wieder heran und Michei steht stoßbereit mit der Royatina — im nächsten Augenblicke muß der Bär uns aunehmen. Während! ich mein Messer aus der Scheide reiße, — an sicheren Schuß ist nicht zu denken, richtet der Bär sich wieder auf uns, Paul schießt, der Bär wankt hin und her und nun jagt Michei ihm die Royatina in den Leib und der Koloß bricht röchelnd zusammen. Das schwarze Blut färbt den Schnee im weiten Umkreise. Das alles hat sich in kaum fünf Minuten vollzogen. Michei entblößt den Kopf und bekreuzigt sich nach den vier Richtungen des Himmels! während ich meinem Freunde auf meinem Kinschal den Bruch überreiche. Wir schätzen den Bären auf 15 bis 17 Pud; es ist'ein prachtvoller Kerl. Und nun holen wir die Schnapspulle heraus und stoßen ins Horn, um den Schlitten herbeizurnsen, der uns folgen sollte. Während wir Ms noch an einem Feuercheu wärmen- 100 von Mckdotja und sie verpackt uns in unsere erschein! der von drei voreinander gespannten Pferden gezogene Schnitten und wir verladen unsere Beute t" Bor Mickeis Hütte hat das Halbe Dors sich versarnmerr. Männer Weiber und Kinder betasten, und Kausen den armen Miicbka' der sofort Mr Bahn gebracht wird. Wir lassen uns aber aut schmecken, was Awdotja aufgetaselt., Mrcher erhalt fern Geld und Paul schenkt unserer schönen Wirtin tm Ueber schwänge der rwomia Rubel wofür sie mit einem Kmx und einem di/SMtter dankt Wir trinken Tee und Kognak: viel Kognak und danm geht Michei hinaus und bereitet den Schlitten: es ist die höchste Zeit, das; wir Mr Bahn fahren., Bor der .Tur bimmeln schon die Glöckchen und knallt die Butsche Mlcheis. Wir iiehmen Abschied von Älwdotja und sie verpackt uns tn unsere !" (Auf Wiedersehen.) >,Schtastliwawo putji!" (Glückliche Rerse^ ; Fehr zu Michei!