HM Die von Gründingen. Roman von Freiherr von Schlicht, (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Und den Mann, der wankelmütiger war als mancher junge Husarenleutnant, hatte sie ernst genommen, den hatte sie gefürchtet, weil sie immer deutlicher fühlte, daß sie vergebens gegen ein wärmeres Gefühl der Zuneigung für ihn ankämpfte, — das sie mit ihrem Stolz nicht Liebe nennen wollte, und das doch Liebe war —- jene Liebe, die nicht im ersten Augenblick der Begegnung wie ein Strohfeuer entflammt, um dann ebenso schnell wieder zu vergehen,. sondern jene Liebe, die dem anderen abgetrotzt und abgerungen wird, die um so leidenschaftlicher gum Ausdruck kommt, je langer sie gewaltsam niedergekämpst wurde, und die, wenn sie endlich das Herz, ergreift, auch dauernd ihren Platz dort behält. Dagmar schämte sich vor sich selbst, daß sie sich mit diesem Baron so viel in Gedanken beschäftigt hatte. Sie machte sich Vorwürfe, daß sie ihn von Anfang an nicht noch viel mehr in seine Schranken zurückgewiesen hatte! Dann wäre ihr eine Niederlage, wie diese, erspart geblieben. Und diese Niederlage ließ sie nicht zur Ruhe kommen H ihre verletzte Eitelkeit lehnte sich dagegen auf, daß er eine andere, ein bürgerliches Mädchen, ihr vorzog! Daß er sie selbst, nachdem er wochenlang um sie gerungen, nun etnfad) stehen ließ und ihr damit zu v-erstelM gab: ich bin deiner überdrüssig — es macht mir keinen Spaß mehr, dir zu huldigen — heirate meinetwegen, wen du willst — ich verzichte. Wenn noch wenigstens ein Streit, irgend eine besondere Veranlassung diesen Umschwung seiner Gesinnung hervorgerufen, wenn sie nur irgend eine Erklärung für sein Benehmen gehabt hätte! Er hatte sich nicht einmal die Mühe gegeben, sein Benehmen ihr gegenüber irgendwie zu motivieren, das hatte er nach seiner Meinung wohl nicht nötig; denn es ist ja nun einmal das Vorrecht der Männer, einer Dame den Hof zu machen, solange es ihnen beliebt, um sich dann einer anderen zuzuwenden. — Niemals! — das schwur sie sich in diesem Augenblick aufs neue — hätte sie ihn erhört, niemals hätte sie eingewilligt, die Seine zu werden! Aber sie hatte ihm den Korb erteilen wollen; nicht sie, sondern er hätte gedemü- tigt dastehen sollen. Wie sie ihn haßte! Und wie sie auch Claire haßte, von der er früher nie gesprochen, deren Namen er nie genannt, und die ihm jetzt nur zu begegnen brauchte, uw ihn zu ihren Füßen zu sehen, um ihr den sicheren Sieg über ihn zu rauben! Wie sie ihn haßte! Und wie sie ihn wegen seiner Schwäche verachtete! — —■ Und noch eins kam hinzu, Claire zu hassen, wenn sie selbst sich dies auch nicht offen eingestand: sie hatte den Baron oft im stillen mit den anderen Herren bec, glichen, die früher um ihre Gunst warben. Er war für sie ein Mann, und daß Claire es vermocht hatte, ihm so schnell diesen Nimbus zu nehmen, daß sie ihr zeigte: du hast dich geirrt, er ist genau so schwach und wankelmütig wie alle anderen; man muß auch ihn nur zu nehmen wissen! — das erfüllte sie mit einer ohnmächtigen Wut gegen ihre Rivalin. Weil diese ihr die Kraft und Energie eines Mannes, an die sie geglaubt, als ein Phantom zeigte--. ,f Und trotzdem, wenn Claire kam — und es wurde ja nur noch von ihrem bevorstehenden Besuche gesprochen — dann mußte sie ihr mit Freundlichkeit und Herzlichkeit gegenübertreten. In keiner Weise durfte sie verraten, was in ihr vorging, um .der anderen keine Veranlassung zih geben, sich doppelt und dreifach ihres Sieges zu freuen. Verliebte erzählen sich ja alles — so würde sie sicher erfahren haben, daß eine Komtesse Dagmar auf Schloß Gründingen sei, der der Baron einmal den Hof gemacht habe! Würde er die Wahrheit gestehen und sagen, daß er um ihre Gunst gerungen, oder würde er nach Art prahlender Männer und um seiner Braut gegenüber seinen eigenen Wert zu heben, erzählen: sie, Dagmar, hätte ihn einzufangen versucht, aber er habe mutig und tapfer ihren Lockungen widerstanden? Sie knirschte mit den Zähnen und stampfte mit dem Fuß aus.-- Wenn sie nur wenigstens dem Baron ihre Verachp tung zeigen, wenn sie ihn nur wenigstens darauf hätte aufmerksam machen können, tote wenig seine stolzen Worte: ich habe noch stets meinen Willen durchgesetzt und werde das auch in Zukunft tun! ihr imponierten — wenn sie ihn nur auf den Widerspruch zwischen seinen Worten und seinem Tun hätte Hinweisen können! Aber auch das durfte sie nicht; sie durfte in keiner Weise tun, als hätte seine Verlobung irgendwelchen Eindruck auf sie gemacht! Im Gegenteil: sie mußte sich stellen, als freue sie sich, daß er eine Braut gesunden, als sei sie glücklich, daß sie nun selbst vor seinem Werben sicher wäre, — und sie mußte sogar eine Gelegenheit finden, ihn an seine eigenen Worte zu erinnern, „daß das Schicksal doch stärker sei, als unser eigener Wille." Je mehr sie sich als Besiegte fühlte, um so mehr mußte sie, wenn er ihnen seine Braut zuführte, als Siegerin dastehen! Und jte mußte um so mehr Zärtlichkeit für Claire zeigen, je weniger sie solche empfand. Gewiß: leicht würde es ihr nicht werden. Aber nach außen hin würde sie sich in keiner Weise verraten. Was sie empfand, würde ihr Geheimnis bleiben. Morgen wurde der Baron erwartet. Als Dagmar mit einer kleinen Verspätung zum Diner erschien, wurde gerade ein Brief des Barons erörtert: seine Schwiegereltern bedauerten außerordentlich, Claire nicht begleiten zu kön- 430 Break wählen, oder noch besser die vierspännige Coach --g ich könnte ja selbst fahren." „Ach ja, bitte, Papa," rief Alexa. Sie hatte sich schnell in das Unvermeidliche gefügt, Claire nicht allein begrüßen zu können. Vielleicht würde sie trotzdem Gelegenheit finden, ihr auf dem Bahnhof ein paar Worte zuzuflüstern, jund wenn nicht, dann lagen die Zimmer, in denen Claire wolMew sollte, ja neben dem ihrigen. Sie würde ihr beim Umkleiden helfen, ihr abends vor dem Zubettegehen Gesellschaft leisten, da würden sie sich schon aussprechen können. Der Gras hatte nicht umsonst den Vorschlag gemacht, daß er selbst kutschieren wolle. Er wußte, daß Dagmar, so entschlossen sie auch sonst in ihrem Wesen und so mutig sie beim Reiten war, während des Fahrens oft ängstlich wurde, weil sie sich da nicht auf sich selbst, sondern auf die Geschicklichkeit eines anderen verlassen mußte. Und der Graf war kein allzu tüchtiger Fahrer, wenigstens nicht, wenn er den Viererzug lenkte. So hoffte er, daß Dagmar rufen würde: unter diesen Umständen bleibe ich doch lieber zu Hanse. Und er hatte sich schon vorgenommen, das nicht übelzunehmen, sondern sich darüber zu freuen. Aber Dagmar sagte gar nichts. Und als der Graf noch einmal von der Coach anfing, und Dagmar fragte, oh es ihr auch recht sei, meinte sie nur: „Aber Papa, es ist doch ganz gleichgültig, welchen Wagen du nimmst." So mußte er sich ins Unvermeidliche fügen; aber er gewann nicht so schnell, wie Alexa, seine gute Laune wieder, sondern knurrte den ganzen Abend vor sich hin und war selbst am nächsten Morgen noch mißgestimmt. Angeblich: weil er nun schon vier Abende kein Ecarts hatte spielen können; in Wirklichkeit: weil er während einer ziemlich schlaflosen Nacht vergebens nach einem Vorwand gesucht hatte, unter dem er Dagmar -hätte bewegen können, zu Hause zu bleiben. Da, im letzten Augenblick, als der Wagen schon vorgefahren war, nahte ihm Hilse. (Fortsetzung folgt.) neu, hofften aber, in vier bis fünf Tagen aus Schlsoßj Gründingen zu erscheinen. Er selbst käme morgen nach- rnittag um drei mit dem Bummelzug, ferne Braut erne Stunde später mit dem Schnellzug; denn daß sie beide ohne eine Anstandsdame denselben Zug benutzten, grnge nach den bestehenden Sitten ja nun ernmal nicht. Cr würde auf dem Bahnhof die Ankunft ferner Braut abwarten und dem Herrn Grafen sehr dankbar fern, wenn er zu dem Schnellzug einen Wagen an die Bahn schicken wür^Das ist doch ganz selbstverständlich," meinte der Graf, „und ebenso selbstverständlich ist es, daß ich mit zur Bahn fahre mit dir!" rief Alexa. „Nicht wahr, Papa, das erlaubst du mir? Du weißt ja garnrcht, tote ich mich darauf freue, Claire kennen zu lernen." Die Gräfin widersprach: „Lieber Eduard, ich sinde, du gehst mit deiner Freundlichkeit gegen den Baron etwas zu weit. Gewiß schätze und achte auch ich ihn von ganzem Herzen, aber ich meine trotzdem: es würde genügen, wenn Alexa allein fährt. Abholen muß die beiden natürlich jemand. Ganz abgesehen davon, daß es anders unfreundlich wäre, würde ich es auch nicht recht passend finden, schon der Leute wegen nicht, wenn das Brautpaar hier ganz allein, ohne jede Begleitung, ankäme." , Doch der Graf blieb standhaft: „Es tut mir leid, Konstanze, aber ich kann dir nicht beistimmen. Daß es schließlich genügen würde, wenn Alexa allein führe, weiß ich sehr wohl, aber warum soll ich den beiden gegenüber die Höslichkeit auf das bescheidenste Maß beschränken? Ebenso wie Alexa, bin auch ich begierig, Claire kennen zu lernen." , , , . , „Wenn du gestattest, Papa, möchte auch ich Mitsahreu, um die Braiit des Barons gleich zu begrüßen," nahm Dagmar da plötzlich das Wort. Auf alles war der Graf vorbereitet gewesen, darauf! nicht! So blieb ihm fast der Bissen im Halse stecken. Und auch Alexa war ganz starr. „Dagmar, wie kommst du denn nur darauf?" fragte sie endlich. „Heute morgen hast du noch so unfreundlich über den Baron gesprochen, und jetzt willst du ihn mit abholen, — wie hängt denn das zusammen?" Die wahrheitsgemäße Erklärung vermochte Dagmar natürlich nicht zu geben. Um dein Baron zu zeigen, daß sie sich absolut nichts aus seiner Verlobung mache, hatte sie vorhin, als man von der bevorstehenden Ankunft des Brautpaares sprach, gleich beschlossen, mitzufcchren. Blieb sie zu Hans, so konnte er darails folgern, daß ihr eine Begegnung unter den veränderten Umständen peinlich toar, daß sie ein Zusammentreffen mit ihm und seiner Braut so lange wie möglich hinauszuschieben wünschte. Je unbefangener sie ihm gegenübertrat, je herzlicher sie Claire in die Arme schloß, um so deutlicher zeigte sie ihm, daß sie seine Verlobung als etwas ganz Selbstverständliches hinnahm, daß sie selbst nie daran gedacht hatte, die Seine zu werden, daß ihre Worte: „Nie, niemals!" hoch nicht, wie er geglaubt, nur eine leere Redensart, sondern ihre gewissenhafteste Ueberzeugung gewesen waren. Und sie freute sich schon ans fein verlegenes Gesicht, mit dem er ihr gegenüberstehen und ihr seinen Dank für die freundlichen Glückwünsche aussprecheu würde! „Nicht wahr, Papa, es ist dir doch recht, wenn ich mitfahre?" Der suchte vergebens nach einer Ausrede; wenn Dagmar ihn begleitete, dann konnte von einer herzlichen Begrüßung auf der Bahn nicht die Rede sein. Anstatt direkt zu antworten, sagte der Graf: „Ich muß Alexa beistimmen: dein Entschluß überrascht mich." „Mich auch," mischte sich die Gräfin ins Gespräch. „Wer ich muß sagen: er erfreut mich. Er ist mir ein Zeichen dafür, daß Dagmar sich unsere ernsten Worte von heute morgen zu Herzen genommen hat, daß sie einsieht, wie unrecht sie dem Baron tat, und daß sie den Wunsch hat, wieder gutzumachen. Das müssen wir natürlich unterstützen. Und da meine auch ich: Dagmar fährt mit." „Dagmar fährt mit!" Der Graf wiederholte es -ganz mechanisch. Die Sache patzte ihm absolut nicht. „Was nehme ich denn da für einen Wagen?" fuhr er nach einer kleinen Pause fort. „Da sind wir dann alles in allem fünf Personen, -da müßte ich- schon den großen Arnsburg und die CifterZienser. Wie alljährlich, so unternahm auch in diesem Sommer Professor Dr. Rauch mit den Studierenden der neueren Kunstgeschichte Ausflüge, die infolge ihrer mit seinem Geschmack gewählten Ziele in hervorragendem Maße dazu angetan waren, das Verständnis unserer deutschen Kunst durch praktische Anschauung wesentlich zu fördern. Während die beiden ersten Ausflüge nach Büdingen und Butzbach führten, hatte sich der letzte Ausflug, den das Wetter ganz besonders begünstigte, das schöne Arnsburg und das Städtchen Lich zum Ziele gewählt. Um Arnsburg in seiner kunstgeschichtlich-en Bedeutung zu würdigen (es zählt zu den am besten erhaltenem Ruinen Hessens), ist es erforderlich, auf seine Entstehung und damit auf die Geschichte des Cisterzieuser- Ordens und des seine Wiege; bildenden Clugniazeuser-Ordcns! einzugehen. , , , , Der Orden von Clugny, zu den Benediktinern gehörig, darf das Recht für sich 'm Anspruch nehmen, mit als erster den Kampf gegen den Laien — Einfluß in der Kirche und die Verweltlichung der Geistlichkeit — eröffnet zu haben, nachdem die Versuche einzelner an der Verwilderung und an dem zu weltlichen Sinn der Geistlichkeit gescheitert waren. Eine Parallele dazu bildet der von einem Clugiazenser, dem Abt Robert von St. Michel Tonnöre, um 1090 gestiftete Cisterzienser-Ordcn, dessen erstes Kloster Molesne an der Seine war, der aber erst nach der Gründung des Klosters Citcaux (lat. Cistercium, daher der Name Cisterzienser) und namentlich nach dem Eintritt des hl. Bernhard, dem ersten Abt des von ihm gegründeten Klosters Clairvaux, einen großen Aufschwung erlebte. Dieser Cisterzieuser-Orden nun stellte sich die Aufgabe, dem gleichfalls verweltlichten Mönchtum seine ursprüngliche Reinheit wieder zu geben, ein Versuch, der bei den Clugniazensern in seinen Anfängen stecken geblieben war. 1119 erringt der Orden die päpstliche Anerkennung und verfügt bereits mehrere Jahrzehnte später über zahlreiche Tochterklöster. Entsprechend seinem Hauptziel, die Mönche der Welt zu entfremden und die Verbindung mit den Laien möglichst zu erschweren, suchte seine Ordensregel dem Gottesdienst seinen öffentlichen Charakter möglichst zu nehmen und in den Ordens kirchen, soweit es anging, Einfachheit und Schmucklosigkeit einznbürgern, ganz im Gegensatz zu den damals, üblichen Prachtkirchen. Daraus erklärt sich bei den Cisterzienser« Kirchen das Fehlen jeglicher Verzierungen und prachtvoller Ausstattung, vielmehr beschränkte sich der Schmuck auf das baulich« Gerüst. Die Cisterzienser-Kirchen waren daher meistens Gewölbebauten und ersetzten die mit der karolingischen Zeit den Kirchen sich anfügenden Türme der größeren Einfachheit halber durch Dachreiter über der Vierung. Die bauliche Ausgestaltung der Westfront, welche besonders der Gotik eigentümlich ist, fehlt tut allgemeinen.. Dafür aber machte der Ostteil der Kirchen, der — 481 den Altar umschließt, eine Entwicklung durch. Um den anfangs geradlinigen Chorschluß legen sich spater Kapellen. Die Kirchen Von Neuberg und Marienfeld u. a. führen die Seitenschiffe bis zum Chorabschluß durch. Schließlich erhält die Ostseite noch einen Umgang, an den sich Kapellen anschließen. Dieses ist besonders in Ebrach und Riddagshausen in Braunschweig der Fall, während der Ostumgang und die Ostkapellen in Arnsburg (jetzt nicht mehr erhalten) nur einen Versuch dazu darstellen. Das Kloster Arnsburg selbst verdankt seine Entstehung der Belehnung des um 1150 gegründeten Benediktinerklosters Altenburg mit dem Schlosse -Arnsburg durch Kuno von Münzenberg, die später zur Aufhebung von Altenburg führte. Arnsburg wurde 1174 dem Cisterzienser-Orden übergeben, der hier eine .Abtei mit dem Abt Gerhard von Eberbach im Rheingau gründete. Durch Schenkungen und Erwerbungen vergrößerte sich allmählich der Grundbesitz und damit das Vermögen des Klosters, ein Reichtum, den der 30jährige Krieg aber sehr zusammenschmelzen ließ. Ganz besonders chatte die Kirche unter dem Kriege zu leiden. Doch erholte sich das Kloster ziemlich rasch von diesen Schicksalsschlägen, bis der Reichsdeputations-Hauptschluß, wie so vielen geistlichen Stiftern, auch Arnsburg 1803 ein Ende machte. Die Abtei ging in den Besitz des Grafen von Solms-Laubach über. Der Grundbesitz des Klosters fiel an das Solmser Fürstenhaus. Die Verwitterung der Kirche war aber inzwischen so rasch vorgeschritten, daß 1828 eine Entfernung der am meisten beschädigten Teile notwendig wurde, die dem Gotteshaus im wesentlichen das heutige Aussehen gab. Ein Opfer dieser Verwitterung wurden auch das quadratische Gewölbe, das Altarhaus und Vierung, d. h. den Teil zwischen Langhaus und Querhaus, früher überdachte, und ebenso. das rechteckige und die vier quadratischen Gewölbejoche, die einst die Decke des Hauptschiffes gliederten. Ganz besonders romantisch muten jetzt die vierkantigen Pfeiler an, die das Hauptschiff von den Nebenschifsen scheiden. Sie gaben der Ruine erst das charakteristische Gepräge. In den älteren Teilen der Kirche herrscht der romanische Rundbogen vor, zu „dem sich ehemals sechsteilige Kreuzgewölbe in den Nebenschiffen geseilten. Schüchterne Anfänge der Gotik verraten sich in diesem romanischen Teil aber bereits in der Verwendung von Sänlenköpfen mit aufrollenden Blättern, die ein Kennzeichen der Gotik sind, und in den zum gotischen Trisoriuni überleitenden Fenstern in den Umsassungswänden des Hauptschiffes über den Rundbogen. Und zwar liegen diese älteren Teile auf der östlichen Seite, der Chorseite. Ihr Bau wurde wahrscheinlich 1174 begonnen. Die übrigen gotischen Teile der Kirche mit den noch erhaltenen vierteiligen Kreuzgewölben in den Seitenschiffen beweisen, daß später eine Unterbrechung des Baues stattgefunden haben muß. Nach Wiederaufnahme der Arbeit wurde das Bauen jedenfalls sehr beschleunigt. Wenigstens deuten die gotischen Teile des Klosters auf beinahe dieselbe Entstehungszeit hin. Bewundernswert ist die Anlage der Gewölbeträger im Hauptschiff, die sich gleich einem Ann aus der Mauer hervorstrecken. Eine ebensolche Würdigung verdienen die riesigen Eckpfeiler an der Vierung. Den Altarraum schloß ehemals eine halbkreisförmige Apsis ab, um die sich zwei Nebenapsiden gruppierten. Die Grundmauern dazu sind durch Ausgrabungen festgestellt worden. Die Verbindung mit den früher vorhandenen Kapellen vermittelten aus jeder Seite des Altarraumes zwei große Bogcnöffnungen, die noch gut erhalten sind. Vielleicht werden weitere Ausgrabungen die Grundmauern der Kapellen, die sich noch in der Erde östlich von dem Altarhaus befinden, ihrem Dornröschenschlaf entreißen. In der nördlichen Umfassungswand der Kirche befindet sich eine interessante Tür, die in ihrem oberen, von einem Spitzbogen überwölbten gradlinigen Abschluß an die einfachen Steinbalken über den Türen der karolingischen Zeit erinnert. An dem nördlichen Nebenschisf erhebt sich das Denkmal Johanns von Linden und der Guda v. Bellersheim aus dem Jahre 1394, das den Vergleich mit dem Besten der spätgotischen Grabmalkunst aushält. Diese spätgotische Bildnerei liebte es besonders, den Männern breite Formen zu geben. Sie suchte aber auch dem Innenleben der Figureir lebendigen Ausdruck zu verleihen und überdachte sehr oft ihre Gestalten durch einen Baldachin, den eine Nische in Spitzbogenform schaffen muß. Das Gewand ist gewöhnlich als ein dicker Stoff wiedergegeben, dessen Falten daher oft plump erscheinen. Diese Eigenschaften prägen sich auch in dem Grabmal von Arnsburg aus. Der zierliche Kopf des Ritters geht auf .Einflüsse der Antike zurück, die gleichfalls den Köpfen einen möglichst geringen Umfang gab. Der eigentlich künstlerische Wert des Grabmales liegt in der meisterhaften Wiedergabe des Antlitzes der Guda, deren vornehme Züge eine tiefe Enipfindung atmen. Diese Vorzüge lassen auf einen recht bedeutenden Künstler schließen. Der Kirche legt sich im Westen, von ihr durch eine Mauer geschieden, eine Halle vor, die bis auf die noch oben in einem Rundbogen schließende Tür in der westlichen Außenseite gotische Bestandteile aufweist. Die Verbindung mit der Kirche vermittelte eine zweite Tür, die in das nördliche Seitenschiff führte und jetzt zugemauert ist. Sie kann, da sie ganz nebensächlich erscheint, als Beweis dafür dienen, wie wenig Wert der Gottesdienst der Cisterzienser aus den Besuch von Laien legte. Das 18. Jahrhundert liest die das dreiteilige Deckengewölbe der Vorhalle heute gliedernden Rippen entstehen. An die Sakristei, die sich südlich ian das Altarhaus anschließt, stößt der herrliche Kapitelsaal, der zur Abhaltung größerer Feierlichkeiten diente. Die Fenster, di« seine Ostwand durchbrechen, verbinden in dem Spitzbogen, der sich über zwei kleineren Rundbogen mit Säulen als Trägern wölbt, gotische Motive mit romanischen. Die Fenster auf der Westseite sind dagegen in reinem gotischen Stil gehalten. Die Decke des Saales bilden Kreuzgewölbe ohne Rippen. Die Spitzbogenform prägt sich aber schon in den zierlichen Gurten aus, die auf die mittleren Pfeiler hinübergreifen, ebenso auch in den schwerfälliger behandelten Gurten an den Umfassungsmauern. An den Kapitelsaal fügt sich ein weiterer Raum, der bisher als Vorratsraum angesehen wurde. Gegen diese Verwendung sprechen aber stark die hier früher vorhandenen Pfeiler und Gewölbe, die auf einen wichtigeren Zweck schließen lassen dürften. Den oberen Stock dieses Baues, des sogenannten Konventsgcbäudes, nimmt der gemeinsame Schlafsaal der Mönche ein, der sich in der späteren Zeit in Einzelzellen verwandelte. Um den Hof des Klosters führte ehemals ein Rundgang, von dem noch Spuren in den Gewölbestützen an der unteren Wand des Konventsgebäudes fortleben. .An der oberen Wand sind gleichfalls noch die jetzt zugemauerten Rundbogen der Fenster des ursprünglichen Schlafsaals und die rechteckigen Oeffnungen der späteren Zellenfenster erkennbar. Die nördliche Seite des Hofes ziert der Grabstein Johanns von Falkenstein, dessen künstlerischer Wert an das Denkmal der Guda von Bellersheinr jedoch nicht heranreicht. Der Bau, der die südlich« Seite des Klosterhofes abschließt, entstammt der Spätrenaissance. Er endet an der Außenseite nach Osten in einen Pavillon und soll später auch auf der anderen Seit« fortgesetzt werden. Im Anschluß an den Besuch Arnsburgs fand in Lich ein« Besichtigung verschiedener Bürgerhäuser und namentlich der Marienkirche statt, -Auf die prächtigen siühgotischen Grabdenkmäler der Kirche (vom Eingänge aus betrachtet, auf der linken Seite hinter den: Altar das vierte und fünfte Denkmal) sei hingewiesen ; sie dürften in ihrer tiefen Empfindung in der Frühgotik ihres gleichen suchen. Mögen diese Zeilen dazu beitragen/ und das ist ihr vornehmster Zweck, weitere Kreise für unsere! so reiche deutsche Kunst, besonders aber der eigenartigen Kunst/ die uns in den Cisterzienserbauten entgegentritt, zu. gewinnen und das. Verständnis, zu erleichtern. H, Die Entstehung des Bernsteins. i Während über die Entstehung der Stein- und Braunkohl« noch bis in die neueste Zeit hinein die tvunderlichsten Theorien vorgebracht wurden, hatte man über Bildung eines anderen brennbaren Steins, des Bernsteins, früher Börnstein genannt .(von dem altdeutschen börnen = brennen), schon im Alter- tume eine richtige Vorstellung. Wegen der oft eingeschlossenen: Insekten erklärte schon Aristoteles, daß der Bernstein als Harz aus Bäumen gequollen sei. Der zur Zeit Christi lebende römische .Geschichtsschreiber Tacitus schreibt: „Ich denke mir, daß, wie in den fernen Gegenden des Morgenlandes, wo Weihrauch und Balsanr ausschwitzen, es so auch auf den Inseln und Küsten des! Abcndlaudes fruchtbare Wälder und Haine gibt, wo Baumharz/ durch die Strahlen der nahen Sonne ausgezogen und flüssig gemacht, .ins nächste Meer hinabrinnt und durch Sturmgewalt ans' gegenüberliegende Ufer geschwemmt wird". Tacitus nahm also an, der Bernstein werde in den damiligen Wäldern ausgeschwitzt, und er machte nach der phantastischen Naturanschauung jener Zeit die jm Äbendlande untergehende Sonne dafür verantwortlich. Heute wissen wir, daß die Bernsteinwälder in einer jetzt etwa 1 Million Jahre zurückliegenden Zeitepoche grünten, und daß das ausgeschiedene Harz ebenso wie bei den heutigen Nadelhölzern dem Äandverschlusse diente. Zwei Erdperioden sind es, die uns Ueberreste von Wäldern in größeren Massen hinterließen/ nämlich die Steinkohlenzeit oder Karbonformation und die Braunkohlenzeit oder das Tertiär. Der Bernstein gehört jedoch ausschließlich dem Tertiär an. Wenn es in der etwa 200 Millionen Jahre zurückliegenden Steinkohlenzeit trotz der gewaltigen uns überkommenen Steinkohlenlager nicht zur Bernsteinbildung kant/ so hat das seinen Grund darin, daß die damaligen Pflanzen noch keine harzausscheidenden Organe entwickelt hatten. Bedeckten zur Steinkohlenzeit Wälder von üppigen Tropengewächsen das Festland bis weit zu den Polargegenden hinauf, so herrschten zur Braunkohlen- und Bernsteinzeit schon den Heutigen verwandte Arten vor. Bei dem noch immer verhältnismäßig warmen Klima gediehen neben Palmen- und Lorbeerhaiuen große von immergrünen Eichen, Buchen und vor allem Kiefern und Fichten bestandene Wälder. Die Nadelhölzer bildeten die eigentlichen Bern- steinbäumc, und zwar waren es vorwiegend Kiefern, deren man neben einer Fichtenart vier Arten als Bernsteinlieferanten nachgewiesen hat. In den damaligen Urwäldern. waren natürlich Beschädigungen der Bäume weit häufiger als in unseren wohlgepflegten Forsten. Neben Wind und Wetter fügten pflanzliche Parasiten und die reiche Tierwelt den grünenden Bäumen immer neue Wunden M Größere Tiere brachen in dem dichten Gestrüpp ganze Aeste ab. Eichhörnchen schälten ganze Rinden ab/ der Specht zimmerte seine Höhlungen hinein. Manche Baumriesen zeAchmetterten bei ihrem Todessturze weit 'im Umkreis« ganze Kronen und rissen in den Borken weite Wunden auf. Ge- ivaltige Unwetter knickten oft ganze jahrhundertealte Wälder. 432 Di« btt Holze Md vor olttirt ttt Set Rinde der Stämme undWveige reichlich vorhandenen Harzkanäle und bejoitbere Harzdrüseu^ubcr- rieselten die entstandenen Wunden rmt rh-rem klebrigen Inhalt und schlossen Tic so luftdicht gegen dre schaÄrchen Einflüsseder Nasse und sonst leicht sich dort ansetzenden Pike und Flechten ab, so dast eine baldige ungestörte Heilung der Wunde eintreten konnte. Im wesentlichen waren sowohl die Harzorgane wie der Verlauf der Harnausscheidungen ganz ähnlich wie bet den^heutigen Nadelhölzern. Nur war infolge der größeren Beschädigungen die gesamte aebildete Harzmenge in den Bernsteinwaldern cme größere Uls i/ einem gleichgroßen kiiltivierten heutigen Fichtenbestand. Ungewöhnlich großen Harnausscheidungen ber einzelnen Baumen, bie zur Bildung von Bernsteinstücken bis KU 9 Kg. führten, lassen sich mich bei unseren Fichten Gegenstücke gegenuberstellen. Zu größeren geschichteten Stücken, den sogenannten Schlauben, fcnt es vor allein, wenn der Harzfluß .sich öfter an derselben Stelle Nnederholte. Ferner bildeten sich laicht größere Zapfen dadurch, daß das dünnflüssige Harz von Zweig zu Zweig tropfte und sich mit der Zeit durch Ueberlagerung immer neuer Schichten immer mehr verdickte. Auf der klebrigen Masse singen sich leicht darüberkriechende oder vorbeifliegende Insekten, deren Larven und Spinnen. Die wehrlosen Opfer wurden meist noch lebend von den nachtropfenden Massen überdeckt und ttt der Stellung ihres Todeskampses eingeschlossen. Beim Verwesen der abgestorbenen Pflanzen zersetzten sich die übrigen Pflanzenbestandteile schnell und ließen das weniger verwesliche Harz zuruck. Brachen Meeresslnten oder sonstige in der Nahe befindliche Geivafler m das Land ein, so itmrbnt neben den Resten abgestorbener Pflanzen Und dem schon angereicherten Harzmaterial oft ganze .Walder von der Strömung entwurzelt und fortgeschwemtnt. In denr Wasser ging die Verwesung der übrigen organischen Substanz natürlich weit schneller vor sich. An ruhigen stellen lagerten die Wellen die übrigbleibenden Harzstücke m größeren Mengen ab imb vergruben sie unter den darübergeschwemmten Saud- und Schuttmassen. So etttstand die „Blaue Erdes des Samlandes, die neben .Holzstücken und Resten von Meerestieren, wie Muscheln und Haifischen, den Bernstein in großen Mengen enthält. Außer auf der Hauptfundstclle int Samland tn Ostpreußen erstrecken sich derartige Schichten mit Bernstein über ganz Nord- dcutschland, Polen, die russischen Ostseeprovinzen, Finnland, Schiveden, Dänemark, England und Hollattd. Gerät die „Blaue Erde" in jüngerer Zeit wieder unter den Meeresspiegel, tote dieses z. B. in der Ostsee der Fall ist, wo sie auf weite Strecken die Küste nnb den Meeresgrund bildet, so löst der Wellenschlag den Bernstein wieder los und wirft ihn an das Land zurück. Hierbei spielt besonders der Umstand eine wichtige Rolle, dag der Bernstein fast dasselbe spezifische Gewicht wie das Meerwasser besitzt. Man begnügt sich aber nicht damit, das besonders nach Stürmen in größeren Mettgen an den Strand geworfene Material aufzusuchen, sondern pflegt es auch mit Steckhaken oder durch Bagger direkt vom Meeresgrund heraufzuholen. Stellenweise gewinnt man Bernstein auch auf bergmännischem Wege mittels in der Mauert Erde des festen Landes heruntergebrachter Schächte. vom Reisegepäck in alter Zeit. Der moderne Sommerreisende, der in dem mächtiges Bauche eines Rieseitkoffers mühelos eine Unmenge von Kleidungsstücken und Gebrauchsgegenstättden unterbringt, vergißt leicht, daß nur eine Jahrhundert lange Entwicklung des Reifewefens das Gepäck zu der Bequemlichkeit unserer Tage führen konnte. Die Reisenden vergangener Jahrhttnderte mttßten die Fahrt tn die Ferne buchstäblich mit Kisten und Kasteit mitteten und aus Raumgründen auf manchen Gegenstand verzichten, den wir, heute bei der Fahrt in die Sommerfrische nicht mehr entbehren möchten. Einen zeitgemäßen Ueberblick über den Entwicklungsgang des Gepäck- wesens gibt ein interessantes Werk, das Louis Buitten in Paris veröffentlicht hat: e8 führt uns zurück bis in jene barbarischen Zeiten, da der -Reisende" auf seinen Streiizügen sein „Gepäck" noch in eine Tierhaut gehüllt und mit Bast verschnürt auf seinem Rücken durch die Wälder trug. Aber schon den Phöniziern, dem Reisevolk des Altertums, waren Koffer und Reisekisten wohl bekannt, während die Griechen erst zu Zeiten der persischen Invasion besondere Gerätschaften entwickeln. Man verfertigte schwere Kästen aus massivem Holz, die in späterer Zeit noch mit Bronzeplatten und eisernen Beschlägen verstärkt und mit kunstvollen Riegeln und Schlössern verschlossen wurden. Die Schlösser gehen auf dicAeit des Perikles zurück. Aber freilich waren diese Kästen ursprünglich nicht zur Reise bestimmt und versahen im Hause den Dienst von Truhen oder Schränken, die dann den Besitzer aus keinen Fahrten als „Gepäck" begleiteten. Die praktische Anpassungsfähigkeit der Römer läßt, sie dann diese von den Phöniziern und Griechen vorgebildeten Reisekisten übernehmen und vervollkommnen, und sie bereichern das Arsenal der Gepäckstücke um den „Safe", der eine römische Erfindung ist und zuerst als eine Art mit Eisenplatten beschlagener Holzkoffer austaucht. Aber schon zu Neros Zeiten ist mit dem Llixus der Reisegefährte auch der Luxus der Neisekasten hoch entwickelt, reiche Leute schmücken ihre „Koffer" sogar mit Edelsteinen und kostbaren Goldbeschlägen oder Elfenbeinschnitzereien. Den Sklaven fiel dann die ivenig beneidenswerte Ausgabe zu, diese kostbaren und empfindlichen Reisekästen von Stadt zu Stadt zu schleppen. In Mitteleuropa taucht der Reisekofser erst zur Zeit Karls des Großen aui, um bann im raschen Entwicklungsgänge Formen an- zunehmen, die bisweilen schon sehr stark an manche moderne Gepäck- stücke gemahnen. Noch sind die Koffer aus Holz gearbeitet, aber sie werden zum Schutze gegen die Witterung bereits mit Leder überzogen, und zugleich entsteht ein kleiner Koffer, ein Vorläufer unserer Handtasche, der von den vornehmen Reisenden, insbesondere von den Damen, selbst getragen wird, weil in diesen kleinen Behältern Juwelen, Geld, Urkunden und manche kleinen Toiletten- geheimnisse verwahrt werden. Uns interessiert von diesen Reisegeräten besonders das sogenannte „Reiseiäßchen" der Renaissancei wir glauben eine ganz moderne elegante Hutklste vor uns zu sehen. Freilich, au der Stärke des verwandten Holzes und an den schweren, kunstvollen Schmiedearbeiten der Verschlüsse erkennen wir den Geist einer fernen kunstsinnigen Zeit, die es noch nicht gelernt hat, die Reiseausrüstung nüchterner Zweckdienlichkeit unterzuordnen. Aber schon beginnt sich in diesen noch oft mit Holzschnitzereien geschmückten Reisesäßchcn die Form unseres modernen Koffers anzukündigen, die scharsen Kanten werden abgerundet, die Teckel wölbeit sich und mit der Zeit der Postkutschen und der ersten Eisenbahnen setzt sich dann das Prinzip durch, die Retseuteusilien bei möglichst großer Widerstandsfähigkeit leichter zu gestalten. Die Bretter der Kisten iverden biinner, man beginnt sie mit schweren Leinenstofsen zu überziehen, und bann taucht auch bie uns aus vielen Stichen vertraute Reisetasche aus Großmutters Zeiten auf, die aus Stoff gefertigt ist imb in leuchtenden Farben ein kühn gestreiftes ober verwegen geblümtes Muster aufweist. Freundliche Hände finden sich bereit, diese uns so altmodisch anmutende Tasche mit einer Wollslickerei zu schmücken, die fromm und schlicht „Glückliche Reise" wünscht. Die Zeit der Eisenbahnen hat begonnen und in ihr wird der Schritt von Großmutters Reisetasche und ihrem noch unförmigen Koffer bis zu unserer modernen Lebertasche und dem leichten Rohrplattenkoffer rasch zurückgelegt. vermischtes. kf. Die verräterische Uhr. Als der verstorbene Dänenkönig aufgcbahrt war, hatte die königliche Familie verboten, irgendwelche photographische Ausnahmen zu machen. Trotzdem sind im Handel Postkarten erschienen, die die Aufbahrung tn der Photographie zeigten. Natürlich ist eine Untersuchung angestellt worden, um festMstellen, wer von den Personen, die die Leichenwache hielten, Photographen eingelassen hätte Die Photographie selbst hat hierüber Aufschluß gegeben. Auf dem Kamine des Zimmers stand nämlich während der Aufnahme eine Weckuhr. Ihre Zeiger zeigten 21/2. Es ließ sich leicht sest- stellen, daß um Vs3 ein Pionierleutnant den Befehl rm Zimmel hatte, und als man ihn befragte, gab er auch zu, er habe au^ Gutmütigkeit einen Photographen eingeladen. kf. Das „Konzert der Mächte". Tas „Konzert del Mächte" ist heutigen Tags ein ganz bekanntes politisches Schlagwort Es soll auf eilte Karrikatur im Punch zurückgehen, der eines Tages die Herrscher der verschiedenen Staaten Europas mit Musikinstrumenten ausgerüstet in einem drolligen Bilde darstellte. Tatsächlich ist aber wirklich „alles schon dagewesen 4 wie die „Coltnra Moderna" erzählt, gibt es in der ägyptischen Sammlung des Turiner Museums einen Papyrus mit eiiter Zeichnung, die man ohne weiteres als Karrikatur erkennt. Sie stellt ein „Konzert der Mächte" dar. Es ist eine marschierende Kapelle (gerade wie 4000 Jahre später im Punch): voran schreitet ein Esel, Bamsis darstellend, der die Harfe spielt. Es folgt der Löwe als Vertreter Aetiopiens, die Zither schlagend. ,Ober- ügypten, als Krokodil versinnbildlicht, bläst die Schalmei, und den Schluß im ..Konzert der Mächte" bildet Unterägypten, dargestellt als märchenhaftes (unerkennbares) Tier, die Flöte blasend/ Arithmogriph. 1 2 5 7 11 weiblicher Vornamen. 2 8 1 9 12 3 deutscher Dichter. 3 9 2 13 österreichischer Feldherr. 4 9 10 12 11 1 ein Gebäck. 5 12 12 Nebenfluß der Donau. 6 2 1 3 11 12 eine Münze. 7 2 9 8 11 1 5 Volksstamm in Ostafrika. 8 9 1 9 7 Stadt in Ungarn. 9 12 625119 eine Insel. 10 11 5 1 11 Werkzeug. 11 2 1 11 ein Vogel. 12 11 2 12 9 2 6 11 schmackhafter Fisch. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 Stadt am Rhein. Auflösung in nächster Nummer. Auslösung der Schach-Aufgabe in voriger Nummetj Weiß. Schwarz. 1. T a 2 — a 7 L f 5 n. g 6 am besten. 2. T a 7 — e 7 -J- und Matt. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, ©ieSetfc