s Samstag, den \2. Oktober .K s « M N M ■ sie Die Dame im Pelz. .Roman von G. W. Appleton. (Nachdruck tierboten.) (Fortsetzung.) Nachher folgten wie gewöhnlich kleine Musikvorträge. Ich streckte mich auf einer Chaiselongue ans und überließ mich angenehmen Empfindungen. Solange Marcella am Klavier saß, betrachtete ich die reizenden Konturen ihrer lieblichen Gestalt, den schöngeformten Nacken und die nied- licheu .Haarlöckchen, die ihre kleinen Oehrchen umspielten. Ich trank die goldene Melodie ihrer Stimme und fühlte, wie ich allmählich selbst hinüberschlummerte in jene Welt des Sonnenscheins, des Gesanges und der Blumen und schließlich des Vergessens. Endlich fuhr ich erschreckt auf. Es kostete mich eine gewisse Anstrengung, die Augen zu öffnen. Ich fühlte ein eigentümliches Summen im Kopf, und dann schwirrte mir sofort der entsetzliche Gedanke durch mein noch umnebeltes Gehirn, daß ich vergiftet worden sei. Ich schaute mich um. Was Feuer war ausgegangen. Nur ein Häufchen graue Asche lag nort) auf dem Rost. Der Nebel war ins Zimmer gedrungen, 'und graugrüne Schleier umgaben die Gasflammen. Ich sah nach der Uhr. Ich hatte fast drei Stunden geschlafen. In einem Lehnstuhl saß wie eine Leiche, den Kopf hintenübergebeugt und schwer atmend, meine Schwester. Marcella war nirgends zu erblicken. Was sollte das bedeuten? Ich ging zu Helen und rüttelte sie, beinahe unsanft. Wach auf! Wach auf! rief ich. Es ist 'n Unglück passiert! Sie schlug die Augen auf und sah mich verstört und erschreckt in einer Weise an, die mir genug sagte. Nimm dich zusammen. Wir sind vergiftet. Bezwing dich, steh auf! Sie raffte sich mit aller Anstrengung auf. Was ist? Was ist los? rief sie. Ich weiß nicht. Guck mal nach der Uhr — nach dem Feuer! Wir haben stundenlang geschlafen. Wo ist Marcella? Ich weiß nicht, antwortete sie. Ich kann mich gar nicht erinnern. Wir waren doch alle zusammen, und sie spielte doch Klavier und — oh, Ted! was mag vorgefall'en Ich lief nach' der Klingel und zog sie wahnsinnig. Das Mädchen kam herein. Wo ist Fräulein Marcella? schrie ich sie, an. Ausgegaugen, Herr. Ausgegangen! Ja, Herr, schon vor länger als 'ner Stunde. In einer solche Nacht wie heute? Jawohl, Herr. Ich sagte ihr, es sei töricht, aber , wollte nicht auf mich hören. Sie meinte, es wäre wichtig, und sie würde den Weg sicher finden. Sie schliefen beide> und sie wollte Sie nicht stören, sagte sie, als ich Sie wecken und es Ihnen mitteilen wollte; denn es kam mir merkwürdig vor, daß sie in so 'ner Nacht Weggehen wollte. Aber ich mußte 's ihr versprechen, und was sollte ich da-« gegen machen? Dann ging sie erst nach oben, zog ihren Mantel au und setzte ihr Barett auf, uud dann brachte ich sie nach der Gartentiir und zeigte ihr den Weg nach 'm Bahnhof. Nach dem Bahnvf! rief ich entsetzt aus. So sagte sie, Herr. Soviel icl; mir daraus nehmen konnte, wollte sie jemanden dort treffen. Aber dann müßte sie ja bereits wieder zurück sein. Sie wird doch nicht ttr1 gegangen sein? Mein Gott! Helen, was soll das alles bedeuten? Warum hab ick; Gregorh heut abend Weggehen lassen! Haben fick) all die dunkeln Mächte gegen mein Unglück verschworen? Wo ist mein Hut? Ich war ganz von Sinnen. Ich muß sie suchen, sie wieder zurückbringen. Sie muß ganz wahnsinnig geworden sein. Sie wird sich verlaufen in diesem Nebel. Halt mich nicht, Helen. Ich muß 'naus! Ich stürzte zum Haus hinaus, ohne Besinnung, blindlings. Es ist mir heute noch ein Rätsel, wie ich nach der Station gekommen bin. Kein Mensch, auf den ihre Beschreibung paßte, war dort gesehen worden. Ich fragte jeden Schutzmann, den ich traf. Ich erkundigte mich in jeder Kneipe, die noch offen war. Es war alles umsonst; und nach langem Umherirren fand ich endlich wieder den Weg nach meiner Wohnung. Eine dumpfe Verzweiflung ergriff mich. Die Wahrheit drängte sich mir immer stärker auf. Ich konnte mich ihr nicht mehr verschließen. Marcella war verschwunden, wie ein Schatten in der Nacht. 11. Kapitel. Meine Seelenqualen in dieser Nacht wären unbeschreiblich. Daß ich wahnsinnig in Marcella verliebt war, konnte ich mir nicht länger verhehlen, und der Gedanke, daß sie mir durch irgend einen teuflischem Streich gerade in der Stunde meines höchsten Glücks entrissen sein sollte, schien mir unfaßbar. Die ganze schlaflose Nacht hindurch zermarterte ich mein Gehirn, eine Erklärung für ihr Verschwinden zu finden, aber alles Nachdenken half nichts, ich vermochte das Rätsel nickst zu lösen. , Das einzige, was feststand, war, daß Helen und ich vergiftet worden waren. Ebenso war es sicher, daß das nicht zufällig geschehen war. Aber wie kam es, daß Marcella nicht auch der Einwirkung des Giftes zum Opfer gefallen war? Sie hatte doch von denselben Speisen gegessen wie wir, und war dem Einfluß des Betäubungsmittels ebenso gut unterworfen wie wir, und trotzdem war sie nach den Aussagen des Dienstmädchens, während wir beide ohnmächtig gewesen waren, bei vollem Bewußtsein gewesen, hatte sich ruhig angezogen uud aus hem Hause entfernt — und das, nachdem sie mir feierlich ver- 638 sprachen hatte, es ohne meine spezielle Erlaubnis nie wieder zu tun; und noch dazu in einer Nacht, wo auch der beherzteste Mann hnransKllgehen sich bedenken würde. Das schien einfach unglaubhaft, toemt man nicht an- uehmen wollte, daß Marcella entweder verrückt ,ct (doch auch Geisteskranke sind von der Einwirkung von Giften nicht ausgeschlossen) oder das verdorbenste und undauk- barste Geschöpf auf Gottes Erdboden, weint nicht gar eine wirkliche Verbrecherin, was mir natürlich gleichfalls ausgeschlossen erschien. t Endlich kam mir ein Gedanke, der mich zwar mit Entsetzen erfüllte, aber mir immer wahrscheinlicher vorkam, je mehr ich ihn ausspann. Wie, dachte ich mir, wenn sie gleichfalls der Einwirkung des Giftes erlegeit, und, tvährend Helen und ich bewußtlos waren, mit Gewalt aus dem Hause entführt wäre? Diese Annahme wurde mir bald zur Gewißheit. Selbstverständlich konnte das nur im Einvernehmen mit dem Dienstmädchen geschehen sein. Eine wahnsinnige Wut erfaßte mich, ich sprang aus dem Bett und wollte die elende Kreatur erwürgen. Doch plötzlich erkannte ich, wie töricht eine solch überstürzte Handlungsweise sein würde. Ich beschloß daher, lieber noch die Stunde zu warten, bis die Post öffnete, und dann nach Scotland Mrd zu telegraphieren und um den sofortigen Besuch des Inspektors Beale zu bitten. Natürlich, sagte ich mir, würde es unklug sein, Mary Ann auch nur im eutferntesten zu erkennen zu geben, daß ich sie in irgend welchem Verdacht hatte. Die Morgendämmerung war mittlerweile etwa eine halbe Stunde angebrochen, und als ich die Jalousien hochzog, sah ich, daß jede Spur von Nebel verschwunden war. Wie zum grimmen Hohn meiner schrecklichen Verzweiflung schien die Wintersonne hell und klar auf die Gipfel der Bäume, — der Himmel war stahlblau, — die Spatzen, als bekannte Frühaufsteher, zwitscherten laut nach Frühstück, — die ganze Natur zeigte Frieden und Freude, — nur in meiner Brust herrschten Sturm und Leid, denn mein Liebstes war von mir genommen. Helen war ebenfalls schon längst aufgestanden und begegnete mir aus der Treppe. Sie sah bleich und abgehärmt aus. Ich flüsterte ihr leise ins Ohr, was ich glaubte und vorhatte. Sie bemerkte nur dazu: Danu laß aber auch Charley kommen. Ich habe das Gefühl, als ob ich seine Nähe heute nötig hätte. Ich lächelte grimmig darüber und versprach es ihr — wahrscheinlich würde ich's auch ohne ihr Bitten getan haben; denn, wenn ich seinen Rat und Beistand jemals brauchte, war es jetzt sicherlich der Fall — in dieser ersten wirklichen Krisis meines Lebens. Ms ich am Postamt ankam, wnrden die Schalter gerade geöffnet. Die junge Dame, die mir die Telegramme abnahm, sah mich groß an, als sie sie überlas. Das erste lautete: „Inspektor Beale, New Scotland Hard, London. — Dame gestern abend verschwunden; bitte sofort kommen, habe Dienstmädchen in Verdacht. — Williams." Das zweite, an Mortimer hatte folgenden Inhalt: „Mortimer, Pump Court 92, Middle Temple, London. — Marcella fori; bin ganz außer mir; sofort kommen. — Ted." Ich kam zu dein Schluß, weiter keine Nachforschungen anzustellen, sondern ruhig die Ankunft des Inspektors abzuwarten. Unser Frühstück war an diesem Morgen nur sehr provisorisch und verlief totenstill. Unsere Blicke waren immer auf den leeren Platz an unserem Tische gerichtet, und als sie sich unwillkürlich begegneten, drückten sie unseren gemeinschaftlichen Kummer beredter aus, als es Worte vermocht hätten. Während uns Mary Ann bediente, schien sie auf weitere Fragen nach Marcellas Verschwinden zu warten. Wir taten ihr diesen Gefallen jedoch nicht, zeigten auch keinerlei Groll gegen sie, Helen behandelte sie, wie ich bemerkte, im Gegenteil sogar außerordentlich freundlich. Mortimer und Beale kamen mit demselben Zuge, und ich erzählte ihnen sofort die ganze Geschichte. Aber keiner von beiden schien sonderlich überrascht. Sie sehen, sagte der. Inspektor, meine Befürchtungen haben sich bewahrheitet. Nun wissen Sie, mit welcher Art Leuten Sie zu tun haben. Sie schrecken vor nichts zurück, um ihr Ziel zu erreichen. Das stimmt, erwiderte ich. Aber was ist' nun in der Sache selbst zu tim? Ich fühlte mich für die Sicherheit der Dame persönlich verantwortlich. Oh, versetzte er lächelnd, darüber brauchen Sie sich nicht zu beunruhigen; sie befindet sich bestimmt in Sicherheit. Sic ist ein sehr wertvoller Besitz, diese Dame, und es wird Sie ein schweres Stück Arbeit kosten, sie den Klauen Ihrer Feinde " zu entreißen. Sie repräsentiert meiner Meinung nach 'nen Haufen Geld und wird dafür als sicheres Pfand festgehalten werden. Aber, sagte ich, es sollte doch ganz unmöglich sein, etit Weib in dieser Weise direkt unter den Augen der Polizei fortzuzaubern, wie es hier der Full gewesen ist. Wie? Was? Die Polizei konnte keine Handbreit sehen bei dem Nebel in der vergangenen Nacht, und es war absolut nicht schwer, sie wegzuschaffen, nachdem Sie — als Arzt — und Ihre Schwester sich hatten vergiften lassen. Und damit komme ich auf den springenden Punkt. „ Der Schlüssel zur Lösung dieses Rätsels muß, wenn es überhaupt eineu gibt, hier im Hause zu finden sein. Vor allen Dingen muß ich Ihr Dienstmädchen ins Verhör nehmen. Weiß sie schon von Ihrem Verdacht? Ei, Gott behüte! Wir haben so getan, als ob wir ihren Versicherungen vollkommen Glauben schenkten, versetzte ich. Mir schien es so am besten. Schön! Wo könnte ich sie denn mal allein sprechen? Helen schlug das Eßzimmer vor, weil die trennende Schiebetür gerade geschlossen war. Sie geleitete den Inspektor dorthin, klingelte dem Mädchen und ließ die beiden oanu allein. Es verging annähernd eine Viertelstunde, ehe er zurück-! kam. Ich bemerkte sofort an seinem Gesicht, daß die Unterredung ergebnislos verlaufen war. Ich kann nichts aus ihr 'rausbringen, sagte er. Sie weicht keinen Zoll breit von der Erklärung ab, die sie Ihnen gegeben hat. Ich habe alle Stränge mit ihr aufgezogen. Ich bin fest überzeugt, daß sie lügt. Wir werden's ja bald sehen, denn, fügte er im Flüstertöne hinzu, sie wird wahrscheinlich zu fliehen versuchen — ich werde sie aber nicht aus dem Gesicht verlieren lassen. Ich habe einen Mann draußen stehen, der dafür sorgen wird. .Nun, Herr- Doktor, fuhr er wieder lauter fort, wollen wir einen kleinen Spaziergang in die Stadt machen, wenn's Ihnen recht ist. Sehr gerne, antwortete ich. Und was gedenkst du zu tun, Mortimer? Oh, ich werde die Zeit schon hinbringen, sagte er; ich werde mich Helens annehmen, während du weg bist. Ich habe sowieso was mit ihr zu besprechen. Diese Worte überraschten mich zwar einigermaßen, doch erwiderte ich nichts, sondern folgte den: Inspektor nach dem Polizeibureau. (Fortsetzung folgt.) Abenteuer de§ Brigadier Gerard. Von C. Doyle. (Fortsetzung.) II. W i e der Brigadier nach Minsk ritt. Heute abend brauche ich einen schweren Wein, mes amib, eher einen Burgunder als einen Bordeaux. Mein Herz, das alte Soldatenherz, ist traurig in meiner Brust. , Das Alter ist ein sonderbares Ting, es kommt, und man weiß nicht wie, man be- greift's nicht; der Geist ist immer derselbe, und man wird nicht gewahr, daß der arme Körper schwach wird. Aber manchmal kommt's einem doch zum Bewußtsein, manchmal wird's einem! plötzlich kmr, und man merkt, was man war, und was man noch ist. Ja, so ging mir's heut auch, und ich Muß heute abend eine Flasche Burgunder trinken, weißen Burgunder — Mvntrachet! Ich war Heute früh auf dem Champ de Mars. Pardon, mes amis,- verzeihen Sie, daß ein alter Mann sein Leid erzählt. Sie werden die Revue gesehen haben. War sie nicht großartig? Ich gehö.rte zu den alten Offizieren, die ausgezeichnet roort>en sind. Ties Band auf meiner Brust war mein Passeport. Das Kreuz bewahre ich zu Haus in einem Lederetui auf. Man hat uns geehrt, denn wir wurden in der Nähe des Kaisers ausgestellt, und die Hofequipagen standen zu unserer Rechten. Es sind Jahre her, seitdem ich bei keiner. Revue mehr gewesen bin, denn ich kann manches nicht gut Heißen, was ich gesehen habe. Ich kann z. B. nicht billigen, daß die Infanterie rote Hosen trägt. Die Infanterie hat stets in weißen Hosen gefochten. Rot ist die Farbe der Kavallerie. Wenn's i-o fort- geht, wird sie auch bald unsere Tschakos und unsere Sporen! haben wollen! Wenn ich zu den Revuen gegangen wäre, io 63V Würde es geheißen Haben, daß ich, Etienne Gerard, so was gebilligt hatte. 'Deshalb bin ich weggeblieben. Aber jetzt vor dem Krim-Feldzug ist's eine andere Sache. Die Leute ziehen jetzt in den Krieg, und da bin ich nicht der Mann, der fehlt, wann tapfere Soldaten Abschied nehmen. Wahrhaftig, sie marschieren fein, diese kleinen Infanteristen! Sie sind nicht sehr groß und stark, aber sie sehen kräftig aus Und halten sich gut. Ich nahm den Hut ab, als sie vorbeizogen. Dann kam die Artillerie. Sie hatte gute Geschütze, flotte Pferde Und stramme Leute. Darauf folgten die Genietruppen, vor denen ich auch den Hut abnahm. Es gibt keine braveren Leute als diese Truppengattung. Endlich ritt die Kavallerie vorüber, die Lan- ciers, die Kürassiere, die Chasseurs und die Spahis. Vor diesen allen konnte ich den Hut ziehen, nur nicht vor den Spahis.*) Der Kaiser hatte keine Spahis. Aber als sie alle vorbei waren, was meinen Sie, Messieurs, was zum Schluß noch kam? Eine Brigade Husaren stürmte vorbei! Oh, mes amis, dieser Stolz und dieser Ruhm und diese Pracht, das Blitzen und Funkeln, der Hufschlag und das Rasseln der Geschirre, die flatternden Mähnen, die edeln Köpfe, wie eine gewaltige Wolke, wie ein lebendiges stählernes Meer wogten sie vorüber! Mein Herz schlug ihnen entgegen, als sie an mir vorübergaloppierten. Und ganz zuletzt, war's nicht mein eigenes Regiment? Mein Auge erblickte die silbergrauen Jacken, die Satteldecken aus Leopardcn- fell, im Moment verschwand mein Alter, ich war mit eiuemmal wieder jung, sah meine eigenen prächtigen Mannschaften und Pferde vor mir, sah sogar, wie sic hinter ihrem jungen Oberst hersausten, in der Kraft und Schönheit unserer Jugend, tior' gerade vierzig Jahren. Mein Stock flog in die Luft. „Zur Attacke! Vorwärts! Vive l'Empereur!" Die Vergangenheit rief der Gegenwart zu. Aber, o weh, was für eine dünne, piepsende Stimme! War das die Stimme, die einst bei einer kriegsstarken Brigade von einem Flügel bis zum anderen gedonnert hatte? Und der Arm, der kaum einen Stock schwingen konnte! Waren das die Muskeln von Feuer und Stahl, die in der ganzen gewaltigen napoleonischen Armee keinen ebeubürttgen Gegner gefunden hatten? Sie lächelten mir zu, sie grüßten. Auch der Kaiser lachte und nickte mir zu. Aber die Gegenwart war mir nur ein dunkler Traum, wirklich waren für mich nur meine achthundert toten Husaren und der Etienne Gerard von lange entschwundenen Zeiten. Genug — ein tapferer Mann kann dem Alter und dem Schicksal ebenso ins Auge sehen wie Kosaken und Ulanen! Aber es gibt Stunden, wo der Montrachet eher am Platze ist als der Bordeaux. Sie ziehen nach Rußland, und so will ich Ihnen eine Geschichte von Rußland erzählen, Messieurs. Ach, was für ein böser Traum. Blut und Eis. Eis Und Blut. Trotzige Gesichter mit Schnee in den Bärten. Blaue Hände ragen hilferufend in die Luft. Und durch die große, weiße Ebene eine einzige, lange, schwarze Linie vorwärtsrückender Gestalten, sich mühsam fortschleppend: einmal hundert Meilen, nochmal hundert Meilen, und immer noch dieselbe Weiße Ebene. Manchmal wurde sie von Kiefernwäldern begrenzt, manchmal schien sie den falten, blauen Himmel zu berühren, aber die schwarze Linie schlängelte sich vörwärts und immer vorwärts. Jene matten, zerlumpten, hungernden Männer, deren Lebensmut erfroren war, schauten weder nach rechts, noch nach links, sondern trotteten weiter und weiter, nach Frankreich zu, wie verwundete Tiere nach ihrem Lager. Sie sprachen kein Wort, man hörte kaum ihre Tritte im Schnee. Ich habe sie nur einmal lachen hören. Es war, als wir über Wilna hinaus waren, als ein Adjutant an die Spitze dieser gräßlichen Kolonne ritt und fragte, ob das die Grande Armbe wäre. Alle, die in Hörweite waren, guckten sich um, und als sie diese gebrochenen Mannschaften, diese vernichteten Regimenter, diese Gerippe und Pelzmützen sahen, die einstmals die Garde vorgestellt hatten, fingen sie an zu lachen, und dieses Lachen ging wie ein Lauffeuer durch den ganzen Zug. Ich habe manches Stöhnen, Schreien und Wimmern gehört in meinem Leben, aber nichts klang so fürchterlich wie dieses Lachen der Großen Armee. Wer warum, werden Sie fragen, meine Herren, Haben hie Russen diese hilflosen Scharen nicht niedergemacht? Wie kams, daß sie nicht von den Kosaken aufgespießt oder umzingelt und als Gefangene in das Innere Rußlands getrieben worden find? Soweit Sie die schwarze Schlange sich über den Schnee dahinwrnden sahen, bemerkten Sie auch dunkle Schatten zu beiden Seiten, die wie flüchtige Wolken kamen und verschwanden. Das waren die Kosaken, die um uns ■ herumschwärmten wie Wölfe Um eine Schafherde. Aber der Grund, warum' sie uns nicht miederritten, war der, daß bei utanchen unserer Soldaten das ganze Eis des russischen Winters ihren feurigen Mut nicht hatte erstarren können. Es gab schließlich immer noch 'Leute, die stets bereit waren, sich diesen Barbaren entgegenzuwerfen und ihnen die Beute streitig zu niachen. Vor allen anderen wurde ein Mann mit zunehmender Gefahr immer größer und machte seinen Ruhm im Unglück größer, als ers durch Siege vermocht hätte. Ihm weihe ich dieses Glas — dem Marschall Ney, dem rotmähnigen Löwen, der dafür sorgte, daß ihm der Feind nicht zu nah auf den Racken kam. Ich kann ihn mir jetzt noch vorstellen, sein bleiches, breites Gesicht, seine , *) Spahis, Bezeichnung der in Algerien und Tunis garni- sonicrenden Eingeborenen-RciterregimMter., hellblauen Augen, die nach allen Seiten Funken sprühten, feine gewaltige Stimme, die das Knattern des Gewehrseuers überdröhnte. Sein eisbedeckter, federloser Hut war das Zeichen, um.das sich ganz Frankreich scharte in jenen Unglückstagen. Es ist allgemein bekannt, daß weder ich, noch das Conflans'schlS Husarenregiment mit in Moskau war. Wir mußten mit den Kommunikationstruppen bei Borodino bleiben. Wie der Kaiser ohne uns hat vorrücken können, ist mir imbegreiflich, und tatsächlich kam mir's erst damals zum Bewußtsein, daß seine Urteilskraft schwächer wurde, daß er nicht mehr der Mann ioar,- der er gewesen. Doch der Soldat hat Order zu parieren, und so blieb ich in in diesem kleinen Ort, der durch die Leichen von dreißigtausend Mann verpestet war, die in jener furchtbaren »schlacht das Leben verloren hatten. Ich benutzte die Tage des Spätherbstes meine Pferde in Stand zu setzen und meine Leute wieder ordent-: lich einznkleiden, so daß, als die Armee auf dem Rückmarsch wieder in Borodino eintraf, meine Husaren sich von der ganzen Kavallerie in der besten Verfassung befanden und unter Ney der Arrieregarde einverleibt wurden. Was hätte er ohne uns anfangen sollen in jener schrecklichen Zeit? „Ach, Gerard," fügte er eines Abends — doch, es kommt mir nicht zu, seine Worte zu wiederholen. Kurzum, er sprach das aus, was die ganze Armee fühlte. Tie Arrieregarde deckte die Armee, und die Constans'scheu Husaren deckten die Arrieregarde. Dieser Satz sagt die ganze Wahrheit. Die Kosaken waren uns stets auf den.Fersen, aber stets hielten wir sie ab. Es verging kein Tag, wo wir unsere Säbel nicht gebraucht hatten. Das Ivar ein echtes Soldaten-, leben! , Aber es kam eine Zeit zwischen Smolensk und.Wilna, wo unsere Sage verzweifelt wurde. Gegen die Kosaken, und zur Not auch gegen die Kälte, konnten wir uns wehren, aber nicht in gleicher Weise gegen den Hunger. Es mußten Nahrungsmittel beschafft werden, es mochte kosten, was es wollte. . In jener Nacht ließ mich Ney an den Wagen rufen, in dem er zu schlafen pflegte. Sein mächtiges Haupt war in seine Hände gesunken. Geisttg und körperlich war er zum Tode gebrochen. „Oberst Gerard," sagte er, „es geht schlecht mit uns, sehr schlecht. Die Leute sterben Hungers. Wir müssen um jeden Preis Nahrungsmittel schaffen." „Die Pferde," sagte ich andeutungsweise. „Behalten Sie Ihre Handvoll Kavallerie, wir haben weiter keine." „Die Spielleute," sagte ich dann. Er mußte trotz seiner Verzweiflung lachen. „Warum die Spielleute?" fragte er. „Gefechtsfähige Männer sind von großem Wert." „Gut!" sagte er. „Sie beabsichtigen das Spiel bis zur letzten Karte durchzuspielen; das will ich auch. Brav, Gerard/ brav!" Er drückte mir die Hand. „Wir haben noch eine Chance, Gerard." Er nahm eine Laterne von der Wagendecke und stellte sie auf eine vor ihm ausgebreitete Karte. „Südlich von uns," fuhr er fort, „liegt die Stadt Minsk. Ein russischer.'Deserteur hat mir 'versichert, daß dort noch viel Korn aufgespeichert liegt. Ich wünsche nun von Ihnen, daß Sie so viele Leute aussuchen, wie Ihnen gut dünkt, nach Minsk reiten, in der städtischen Getreidehalle die Frucht nehmen und so viele Wagen voll laden, wie Sie nur in der Stadt auftreiben können, und damit zwischen hier und Smolensk zu mir stoßen. Schlägts fehl, so ist.nur eine kleine Abteilung abgeschnitten, geliugts, so bedeutet es neues Leben für die ganze Armee." ' Er hatte sich nicht richtig ausgedrückt, denn, falls es mißglückte, war nicht nur ein Detachement verloren. Es kommt nicht nur auf die Quantität an, sondern auch auf die Qualität. Aber trotzdem, was für eine ehrenvolle Mission, was für ein ruhmreiches Wagnis! Wenn es sterbliche Menschen ferttgbringen konnten, würde das Getreide von Minsk sicher kommen. Tas beteuerte ich ihm und sprach einige zündende Worte von den Pflichten eines tapferen Soldaten, bis der Marschall so gerührt war, daß er ausstand, mich liebevoll auf die Schulter klopfte und zum Wagen hinausbegleitete. Es war mir klar, daß ich, wenn mein Unternehmen gelingen sollte, nur eine geringe Streitkraft mitnehmen durfte und mich lieber auf einen glücklichen Zufall, als auf größere.Massen verlassen mußte, welche sich nicht verbergen, nicht leicht die nötige Fourage herbeischaffen könnten, und das gesamte russische Militär in der Nähe veranlassen würden, sich zu konzentrieren.und uns zu vernichten. Wenn dagegen ein kleiner Trupp Reiter ungesehen durch die Kosaken durchkommen konnte, wars wahrscheinlich, daß sich ihnen dann keine Soldaten in den Weg stellen würden/ denn wir wußten, daß die russische Hauptarmee noch.mehrere Tagemärsche hinter uns war. Das Korn war zweifelsohne zu ihrem Bedarf bestimmt. Ich nahm also nur eine Schwadron Husaren und dreißig Lanciers zu meinem Abenteuer mit. . Wir brachen noch in der nämlichen Nacht auf und ritten in südlicher Richtung nach Minsk zu. ; , Glücklicherweise war wenig Mondschein, und wir kamen durch, ohne vom Feind angegriffen zu werden. Zweimal erblickten wir große Feuer int Schnee, und drum herum eine Menge Stangen. Das waren die Lanzen der Kosaken, die sie in den Schnee gesteckt hatten, während sie schliefen. Es würde uns ein riesiges Vergnügen bereitet haben, dazwischenzusahren, denn wir hatten uns 640 für vieles zu revanchieren, und die Augen meiner Kameraden blickten sehnsüchtig von mir nach jenen roten, flackernden Feuern. Weiß Gott, ich war stark versucht, ihnen nachzngeben, denn es würde für diese Kerle eine gute Lektion gewesen, sein, ihnen be- greislich zu machen, sie hatten einige Meilen Abstand zu nehmen von einer srauzösischen Armee. Aber das Wesen eines guten Führers besteht darin, daß er alles zur richtigen Zeit tut; so ritten wir ruhig weiter durch beit Schuee, und ließen die Kosakcu- biwaks zur Rechten und Linken ruhig liegen. Hinter uns sahen wir an dem schwarzen Nachthimmel einen hellen 'Streifen, der uns zeigte, wo unsere unglücklichen Landsleute sich am Leben zu erhalten versuchten für fernere Tage des Elends und des Hungers. Wir ritten die ganze Nacht langsam weiter, indem wir den Polarstern im Rücken behielten. Wir fanden zahlreiche Spuren von Pferden und benutzten diese Führte, damit niemand merken könne, daß feindliche Reiterei durchgekommen war. Das sind.so kleine Vorsichtsmaßregeln, die den erfahrenen Offizier kennzeichnen. Außerdem würden wir, wenn wir diesen Spuren folgten, am wahrscheinlichsten in Dörfer kommen, und nur in Dörfern konnten wir erwarten, Fonrage für Pferde und Mannschaften zu kriegen. Beim Morgengrauen waren wir in einem dichten Kiefernwald, die Bäume waren so dick beschneit, daß das Tageslicht kaum durchdringen konnte. Als wir draußen ankamen, wars hellichber Tag, die Strahlen der aufgehenden Sonne schienen über die unendlichen Schneefelder und ließen sie in rötlichem Lichte erglänzen.. Ich ließ meine Reiter im Schatten des Waldes halten und rekognoszierte das Terrain. In unserer Nähe befand sich ein kleines Bauernhaus. Weiter weg, einige Meilen entfernt, lag ein Dorf. In noch weiterer Ferne tauchten am Horizont die Kirchtürme einer größeren Stadt auf. Das mußte Minsk sein. Ich konnte in keiner Richtung irgend welche Anzeichen von Soldaten erblicken. Offenbar hatten wir die Kosaken hinter uns, und zwischen uns und unserem Ziel lag kein Hindernis mehr. Meine Leute stießen ein Freudegeschrei aus, als ich ihnen unsere Lage auseinandersetzte, und wir ritten nun rasch auf das Dorf,los. (Fortsetzung folgt.) Goldene Tiere. Tie Sagenwelt des grauen Altertums weiß gar mancherlei zu berichten von seltsamen Tieren, um derentwillen Helden auszogen, um die verwegensten Taten zu vollbringen. So iß einst, wie wir alle wissen, Jason mit seinem Heldenschisf gen Kolchis gefahren, um das goldene Widdeikell zu holen, das, von einem Drachen bewacht, an einer Eiche im Areshain hängt. Nun ist zwar ein Häuflein Gold in der Größe und Dicke eines. Widdervlieses gewiß noch kein besonders großer Schatz; aber das Verblüffende ist, daß ein lebendiges Säugetier Gold am Leibe getragen haben soll. Und darum lohnte dieses Tierfell schon die kühne Heldenalbeit. Der Grundgedanke dieser Argonautensage, die Frage, ob es in Wirklichkeit solche „goldene Tiere" gibt, Tiere, die zwar kein wirkliches münzbares Gold in oder mit ihrem Fell Herumtragen, deren äußere Bekleidung aber dennoch int wundervollsten Goldglanz gleißt, als sei gleichsam jedes Härchen einzeln in Schaumgold getaucht, findet eilte interessante bejahende Beantwortung durch eine fesselnde Plauderei, die der bekannte Haeckelianer Wilhelm Bötsche in der soeben erschienenen Nr. 1 des neuen, 55. Jahrgangs von „lieber Land und Meer" (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt) veröffentlicht. Als das erste, wirklich den Fachzoologen bekannt gewordene „goldene" Tier nennt Bölsche den im tropischen Afrika lebenden Goldmull, der nach Art unsers Maulwurfs unter der Erde haust und mit diesem sehr viel gemein hat. Seine Existenz unter dem Boden mag auch die Ursache sein, daß man ihn für gewöhnlich nicht sieht; andernfalls hätte man wohl auch schon längst systematisch Jagd auf ihn gemacht. Und merkwürdig, ausgerechnet diesem „ewigen Gast der Finsternis", der weder Schwanz noch Ohrmuscheln und kaum nach außen sichtbare Gliedmaßen besitzt, hat die Natur den Argonautenzauber des Goldvlieses verliehen. Jedes Härchen seines Maulwurfsiellchens ergleißt wirklich und wahrhaftig im schönsten Goldschein. Je nach der Lichtbrechung mischen sich in dieses Grundgold noch einzelne goldtg angehauchte Farben, die dann gleich Edelsteineit aus der Goldfassung glühen, bald grün wie von Smaragden, bald ein unbeschreiblich schönes Violett gleich Amethysten. Wozu wohl all der Glanz und die Pracht in diesem finsteren Bergwerke? Und dazu hat der Goldmull noch obendrein einen stammverwandten Vetter, der die Seltsamkeit des Falles nur noch seltsamer gestaltet. Auch er ist ein ebenso ausgesprochener Erdgräber nn Finstern und dennoch der Träger eines goldenen Vlieses. Um ihn zu finden, muß man den dürren Sandboden der zentralaustra- lischen.Wüste auffchaufeln.. Seine Bergwerke liegen so versteckt in der Wüste, daß man ^rst in allerneuester Zeit seiner habhaft ge- worben ist. Seiner Wesensart nach gehört er zu der altertümlichen Klaffe der Beuteltiere; er selbst fuhrt den Namen Beutelmull. Auch das Fell dieses Tieres schimmert in Gold, wobei bald mehr reines Gelbgold, bald mehr Silber ober irisierende Edelsteinsarbe zu beobachten ist. Die Frage nach der Ursache des prächtigen Arbeitskleides diefer Tunnelarbeiter fordert zu man-cherlei Betrachtungen heraus. Ausgeschlossen aber muß es von vornherein erscheinen, als handle es sich hier um ein Schutz- oder Jägerkleid, denn bei der Finsternis, die in den Jagdgebieten dieser Tiere herrscht, bringt auch die glänzende Goldfarbe keine Vorteile für den Besitzer. Auch um ein sonst bei Tieren häufig vorkommendes sogenanntes Hochzeitskleid kann es sich wohl kaum handeln, da sowohl der Goldmull wieder Beutelmull so gut wie keine Augen besitzen und das Sehen längst abgeschafft haben. Bleibt noch übrig, daß wir es hier mit einer chemischen Beeinflussung durch die aufgenommene Nahrung zu tun haben, wie sie anderwärts bei Tieren ebenfalls schon festgestellt worden ist. Doch scheint es säst, als ob auch solch chemischer Einfluß noch keine hinreichende Erklärung für den goldenen Pelz (icrabe dieser Tiere abgebe; vielmehr gewinnt die Ansicht Raum, «ls mischen sich hier noch ganz besondere Gesetzmäßigkeiten ein, bereit Ergründung den Forschern noch vorbehalten bleibt. VerWrschLes. on. Aus dem Leben eines F r e m b e n (e g i o n ä r s. Als Beweis, auf wie pfiffige Art sich Jremdenlegionäre oft aus rechtliche Weise dem aufreibenden Dienst für immer zu entziehen wissen, sei folgendes reizende Stückchen eines Deutsch-Schweizers erzählt: Eines schönen Tages, als verschiedene Legionäre, darunter auch er, feldmarschmäßig zum Straflaufen antreten mußten, warf er plötzlich Gewehr und Tornister zu Boden und kletterte mit affenartiger Geschwindigkeit auf einen Baum. Oben angekommen, setzte er sich ruhig nieder und machte mit einem abgerissenen Zweige die Pantomime des Angelns. Seine Vorgesetzten befahlen ihm, herab- zukommen, aber weder durch Drohungen, noch durch gute Worte ließ er sich bewegen. Mit anderen Worten: er spielte den Verrückten. Schließlich stellte man eine große Feuerleiter an und holle ihn herunter. Er kam sofort in Einzelhaft In der Zelle fischte er ruhig weiter und murmelte dabei stets die Worte : „Es packt nütt." Da man sich nicht zu raten wußte, brachte man ihn zuletzt ins Lazarett zur Untersuchung seines Geisteszustandes. Auch dort fischte er weiter. Der Chefarzt sah sich endlich veranlaßt, ihn als „geisteskrank" zu entlassen. Ein Krankenwärter brachte ihn nach Marseille und von dort zur schweizerischen Grenze. Nach wenigen Tagen kamen bei seinen Kameraden Postkarten von ihm an, auf denen er sie freundlich grüßte und mit den Worten schloß: „Nun hals doch noch gepackt!" *' In der rauhen Herbstzeit ist es Menschenpflicht, auch an die Haustiere zu denken, welche gleich uns die Kälte und Nässe unangenehm empfinden. Ter Mensch zieht sich warm an und heizt seinen Ofen. Wer sich Tiere hält, muß auch für deren Winterbedürfnisse sorgen, und nicht vergesse», daß die Tiere ebenfalls aus Fleisch und Blut bestehen und. nicht aus Eisen und Stahl. Alit einem bißchen Liebe wäre den Tieren leicht geholfen. Zum Beispiel soll man die Zugtiere nicht ungebührlich lange und nicht ungeschützt im Freien stillstehen lassen. Während jeden Aufenthaltes ist den Pferden eine große, warme, trockene Decke überzuwerfen. Doch muß die Decke wieher abgenommen werden, wenn es weiter- gebt. Für die Zughunde soll 'man eine trockene Unterlage (Brett mit altem Teppich) in den Haltepausen unterlegen und die Tiere auch warm zudecken. In der Hütte des Kettenhundes muß inan die Ritzen gegen den Zugwind verstopfen und außen um die Hütte eine Wand von Stroh oder ein Strohgeflecht fest aufschichten. Mist hält auch warm; wegen der Düfte ist die Eiudeckung der Hütte mit Mist aber nicht zu empfehlen. Tritt starke Kälte ein, so hängt man das Einschlupfloch noch mit einem Tuche zu. Die Oeffnung der Hundehütte darf nicht gegen die Windrichtung stehen. Im Hühnerstall sorge man in der schlechten Jahreszeit für reichliche Streu. Man vergesse auch nicht, den Hühnern zugleich mit Rörner- futter jedesmal scharfen Sand zu geben, weil dadurch ihr Gesund- befinden gefördert wird. Als geruchaufsaugende Liren eignet sich für Stallungen jeder Art der Torfmull gut. Rinder und Schafe, die sich noch auf der Weide befinden, sollen bei naßkaltem Wetter und Frost nachts in den Stall und morgens nicht eher aus die Weide kommen, bis die Sonne die Nässe größtenteils aus- gesogen hat. Bilderrätsel -V-— Passau 'München ? ' / -y!'1 Auslösung in nächster Nummer- Auflösung der Charade in voriger Nummer t Haltlos; halt! los! Redaktion: K. N e n r a t h. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gieße»,