s ISS ■ WM 1’ • n! Glückslasten. Komm von Hanns von Zobeltif. (NaMruck Verboten,,} (Fortsetzung.) Dann — Ende Januar — kam die Vorstellung bei Hofe, tarnen die ersten .Hofbälle, und der unmittelbare Verkehr mit beut Braunsteinschen Hause schlief ein. Mutter Ivar das sehr recht. Sie konnte auf die Darter doch kein richtiges Verhältnis zu Friedels Schwiegermama finden uttb hatte auch an der neuen Tochter mancherlei auSzu- setzen, denn sie hatte bereits bemerkt, daß hinter Ernas scheinbarer Schmiegsamkeit ein gut Teil recht bewußten Eigenwillens steckte, daß sie vor allem „unseren Friedel ganz- für sich haben" wollte. Außerdenr aber ivar Frau Ida in dieser Periode der Vorbereitungen für die Hoffeste ganz in ihrem Element. Sie schwelgte in Toilettensorgen und hatte endlose Besprechungen mit Schneider und Modistin. Signe trug bei der Vorstellung ihre Courschle-ppe wie -etwas Selbstverständliches. Dvdo stöhnte zwischen Weine,t und Lachen über das schwere, drei Meter lange „Untier" und behauptete, daß sie nie lernen würde, sich, mit dem „Ding" zu bewegen. Sie bebte bei der letzten Toilette vor Aufregung, so daß Vater immer wieder beruhigend sagte: „Na — na! Na — na!" und „zur Stärkung" persönlich eine halbe Flasche Sekt aus dem Keller holte. Dann war sie doch beseligt, als alles vorüber, und schwor dem Kaiserpaar Mit komischer Emphase „ewige Treue". Wer das Zagen kehrte für Dodo am Tage des ersten Hofballs wieder. Sie war empört über die Ruhe der Schwester: „Signe, wenn ich nun grabe vor den Majestäten hinpurzele! Ausgerechnet vor der Thronestrade. Ich kenn mein Pech. Signe, ich sterbe vor Angst." „Wenn du fällst, stehst du wieder auf." „Das sagst du so. Steh du mal auf, wenn dich der! Schlag gerührt hat. Und der rührt mich ganz gewiß. In der Blüte meiner Jugend sterbe ich 51t den Füßen der Kaiserin." „Du kannst ja schon wieder scherzen." „'Das nennst du scherzen? 'Bitterster Ernst ist es. Aber nein — nein: es wird noch viel schrecklicher kommen. 'Schimmeln werde ich gleich den allerältesten Jungfrauen. Die Wände werde ich verunzieren. 'Denk doch nur — Eberdenklich aus, wenn man nicht vorher engagiert wäre." Hard hat erst neulich gesagt, mit dem Tanzen sähe es beim voraus zu sichern. Für die Damen ist schon gesorgt." „Da meinte er die Herren. Die tun allerdings gut, sich „Ach, du goldene Signe — wörtlich, deine Löwenmähne strahlt wieder wie Gold — also du goldene Signe, wenn das wahr wäre, wenn ich wirklich nicht schimmelte! Du natürlich. . . na, bei dir kann das ja gar nicht Vorkommen. Aber ich unbedeutendes Aeffchen. Neulich schon bei der Tanzprobe im Weißen Saal überlief mich das' Grauen. Wie ein Spatz kam ich mir vor unter lauter Goldfasanen, Paradiesvögeln, Turteltäubchen. Ja — und nun — sag doch nur, seh ich denn wenigstens erträglich «*»3?" „Ausgezeichnet siehst dn aus, du Kindskopf." Da kam grade Mutter hereingerauscht zur letzten Inspektion. Sie war „im allgemeinen" zufrieden. Signes Ausschnitt hätte noch „ein wenig tiefer sein können. Wer solche Schultern hat wie du, darf sie schon zeigen. Und gar bei Hofe." Dodos schwarzer Puoelkopf, der sich immer nur unwillig unter der Hand des Friseurs beugte, fand weniger Beifall. Sie zupfte noch hier nnd zupfte noch dort'und lächelte dann doch: „du siehst auch recht gut aus, Kleine. Ich hätte nicht gedacht, daß das helle Rosa dir so gut stehen würde."--— Als die Schwestern in der Garderobe ablegten, barmte Dodo aufs neue. „Signe, mir steht das Herz still. Und! dann schlägt es wieder, rein, als ob es zerspringen wollte. Wär ich doch bloß zu Hause geblieben." Und das Mädchenherz schlug und schlug immer angstvoller auf dem Weg durch die Korridore zu den Säleiu unter den gaffenden, den neugierigen, den gleichgültigen Micken der Umherstehenden, der Mitgehenden. Es schlug beim Eintreten in die strahlende Saalhelle, es schlug bei dem Hindurchschieben durch die erste Gästewelle: „Wenn ich nur ein Mauselöchelchen wüßte —" Ms bann mit einem Male ein junger Offizier vor Dodo stand nnd um einen Tanz bat. Und dann ein zweiter und ein dritter, und sie plötzlich mit dem und mit jenem in ein kurzes Plaudern kam, und sie mit einem Male fand: es ist ja auch nur ein Ball, wenn es auch ein Hofhahl ist Hofball im Zollernschlosse — „Das Mädel •— die Signe!" dachte Gudarczä ivieder nnd wieder, wenn er seine Aelteste sah. „Als ob sie ihr Lebtag bei Hofe ansgegaiigen wäre. So ruhig — fast zu ruhig. Brillaut sieht sie aus, aber fast. . . na wie denn? . . . fast statuarisch. Ueberall ragt sie über die anderen hinweg, und nicht nur, weil sie größer ist, Merkwürdig . . . merkwürdig . . ." Es war heut wieder einmal ein Tag, an dem er auf seine ©jgite stolz war, an dem all die zärtliche Liebe für sie und all die Eitelkeit aus sie, die in den letzten Monaten ein wenig eingeschlafen waren, ivieber erwachten. Immer aufs neue wurde er ihretwegen angesprochen. Eberhards Divisionskommandeur, den er im Kasino der Dragoner kennen gelernt hatte, kam auf ihn zu, klopfte ihm auf die Schulter und sagte: „Das ist Ihr Fräulein Tochter ■— dort bis Goldblonde in Mau! Ist ja pompös, einfach pompös!" Herr von Friedberg kam, der Adjutant des Reichskanzlers: „Darf ich Ihnen gratulieren, Herr von Gudarcza. Ich weiß, so etwas erfreut ein Vaterherz . . . eben hörte ich, wie der Kronprinz sagte: „Die schönste 94 -C- Erscheinung im Saal" — ... Ihr Fräulein Tochter näm- I lich. . ." Exzellenz Eberkron kam, faßte ihn vertraunch färbe . , (Fortsetzung folgt. so schön gewesen ... Dazwischen sah er, bitnit und wann, auf Hoburg und sah die drei Erachats und das große Ordensband des fürstlichen Hausordens über seiner Brust. Was hatte Dodo doch gesagt: ein paar Orden werden die hohen Vettern ihm doch angehängt haben. Na •— reichlich' Und das breite Band war blau gewassert. Grade blau — Signes Lieblings- Da schmunzelte der Major. Der mußte heute noch grad so getanzt werden, wie damals: Galopp nach dem Walzertakt! So verlangte es die Hofsitte, so forderte es die Tradition. Es lebe die Tradition! Grad walzte Signe vorüber mit dem frischen jungen Horfeck. Nettes Kerlchen, tanzte famos und war auch einer von denen, die immer verliebte Augen machten,, wenn sie Signe nur von weitem sahen. Einer von den vielen. Ein Wunder war's ja nicht. „Wunderlich, wie die Musik und die ganze Ballstimmung in die Beine geht. Selbst in so alte Beineken, wie die meinigen. Als ob die noch einmal mittun wollten. Na, das wär 'ne schnurrige Chose." Gudarcza kam in ordentlich gehobene Stimmung. Er dachte selber: „Und du hast noch nicht mal 'n Glas Sekt getrunken." Am liebsten hätte er die Walzertakte leise mitgesummt. , Dann bemerkte er mit einem Male, daß Prinz BUl neben ihm stand. Ausgerechnet dicht neben ihm: Prinz Bill Hoburg. Und er sah auch, der hatte ein melancho- liches Gesicht, und es klang auch ganz melancholisch, als er nun sagte: „Guten abend, Herr von Gudarcza. Amu- „Herrltchj Durchlaucht!" gab der Major zurück und sprach einiges von seinen alten Erinnerungen aus. Sie kamen immer aufs neue über ihn. Dort drüben hatte er den Kronprinzen Friedrich in seiner ritterlichen Schönheit gesehen und den roten Prinzen; richtig, einmal war er auch, hier im Schloß, zu einem Hausball bei den: befohlen gewesen, beim Prinzen Friedrich Karl, und der hatte, ging die Sage, ein Eckchen im Saal polieren lassen/ glatt toie ein Spiegel, und amüsierte sich, ivenn ein junges Pärchen darüber zum Purzeln kam. Und die Prinzessin war unter den Arm: „Die Mütter! Die Mütter! Hüten ,Sie sich vor den Müttern! Sie bersten vor Neid auf dte schönste aller Töchter. Eineu Goldkopf, ein Profil tote aus einer alten Kamee herausgeschnitten! Sie beneidenswerter Pater ■— hüten Sie sich vor den Müttern." Manchmal flimmerte es Gudarcza vor den Augen. Er dachte zurück an die ersten Hofbälle, die er mrtgemacht, an seine ersten Debüts hier. Laug, lang war s her. l.n- ter dem alten allvcrehrten Herrn noch, ununttelbar nach dem glorreichsten aller Kriege. Damals war der weiße Saal 'noch nicht umgebaut, damals leuchteten die Wachskerzen anstatt hes strahlenden elektrischen Lichts. Und er selber war ein junger Leutnant, von vielen, aber auch einer, der gern schöne Frauen sah und zum Reigen führte: wenn's ihm glückte, einen Tanz zu bekommen. Und nun stand er hier als alt Eisen, in der Uniform noch, aber mit den Wzeichen der Verabschiedeten... ja. . . und seine Töchter tanzten, wo er einst getanzt. .,. und dre eine nannten sie die schönste im Saal. Im weißen Saal: ^m Vie seidene Schnur. Skizze von Alfred Manns (Bremen). Es war zur Zeit des Taiping-Aufstandes. Tie Rebellen hatten Nankinq genommen. In dem kaiserlichen Singanfn residierte der Vizekönig Fuhsi. An seinem Hofe befand sich der General Pmg Lina, der, am Jangtse geboren, dem Vizekömg als so eme Art persönlicher Adjutant mit dem allerhuldvollsten Schreiben zugcschickt wordui^war^ar fciefen Gnadenakt des Himmelssohnes nicht übermäßig erbaut, beim Sing Ping War ein Günstling des Ober- eiinuchen Si So, der sein Feind war. Der Vizekönig wußte genau, daß der General ihm nur zu seiner Ueberwachnng auf den Hals geschickt war, und Piiig Ling wußte, daß der Vizekömg das wntzte, und der Vizekönig wußte, daß Ping Sing wußte, er, Fuhst, kenne seine wahre Mission, und Ping; Sing wußte; — —, na, und! so weiter. Trotzdem, oder vielmehr, weil sich die beiden Würdenträger so genau kannten, war Ping Sing dem Vizekönig gegenüber der demütig Dienstbeflissene, während dieser seinerseits deir General mit fast kollegialer Herzlichkeit auszeichncte. Natürlich hinderte das nicht, daß jeder der beiden in seinen Berichten nach Peking den anderen recht gründlich anschwärzte; und so wollte es der Hoß Ping Sing befand sich in der besseren Lage, denn seine Berichte! hatten gewissermaßen einen amtlichen Charakter. Das wußte er auch recht gut. Eines Tages hatte Ping Sing wieder em langes Sundenregister des Vizekönigs an den Hof geschickt, und er war in rosigster Saune, die nicht im mindestens durch den Umltaiid beeinträchtigt wurde, daß, wie er wußte, Fuhsi gleichzeitig eine schwere Anklage gegen ihn abgesandt hatte. c Wie erschrakt aber der General, als er eme Woche spater aüf- gesordert wurde, unverzüglich nach Peking zu reisen. . Mit seiner Ruhe und Sicherheit war es vorbei, und es siel ihin ein, daß fern chinesischer Würdenträger so recht eigentlich überzeugt sein kann/ daß er kaisertreu und loyal genug sei in diesen schweren Zeiten.. Denn so etwas weiß nur der Hof. ,, Mit gemischten Gefühlen beurlaubte er, sich von Fulyi, der ihn noch gnädiger behandelte als sonst, in dessen Zügen der General aber eine schlecht verhehlte Schadenfreude zu entdecken glaubte. Ms Ping Sing in Peking anlangte, war sein erstes, den Obev- eunuchen Si So, feinen Gönner, aufzusuchen, doch fand er diesen nicht, sondern wurde an den Vize-Obereunuchen Dum St gewiesen. Ja — schön war das Bild doch! Heute toie damals. Wunderschön, dies leuchtende, farbenprächtige Bild im herrlichen Rahmen. Drüben die Majestäten; der prunkvolle Hofstaat; die Großwürdenträger; dann chie tanzenden Paare, Jugend, Schönheit, Frohsinn; die wiegenden Klänge. Wie damals, toie damals. Freilich: die gewaltigen Männer, deren Ruf und Rühm die Welt erfüllte, die damals um den alten Herrn sich bei den großen Hoffesten scharten, die Paladine — die fehlten. Die waren mit dem alten Kaiser dorthin gegangen, woher cs kein Wiederkommen gibt, zu den himmlischen Heerscharen. Aber da stand nun der Enkel . . . auch schon von blühenden Kindern umgeben, an der Seite der Kaiserin, hochanf'gerichtet, blitzenden Auges, ein Lächeln im Antlitz, das sonst so ernst blicken konnte, und sah auf die tanzende Jugend. Ja . . . und das hatte man freilich damals nicht getanzt. Mennett! Gavotte! Das hatte auch der Kaiser wieder belebt, hatte die alten Tänze mit seiner Vorliebe für das Historische aus dem Schutt der Vergangenheit, aus halb vergessenen Ballettkünsten wieder zum Leben gehoben. Aber hübsch ist es. Anmutig, graziös, das gemessene Drehen, die kunstvollen Verbeugungen. Rechte Stümper waren wir damals. Der Lancier war der Gipfel unseres Könnens, Und nun kam der Walzer . . . Zollernschlossc! , , | Heien Sie sich?'' Lang, lang war's her. Damals war s ja auch hoch- I Herrlich fürstlich, königlich — nein, schon kaiserlich gewesen. Ja . . . kaiserlich . . . ganz jung kaiserlich . . . unter dem alten Herrn. So ziemlich wohl das gleiche Bild wie heute. Glänzende Toiletten, schimmernde Frauennackeu, glitzernde Steine, sanftes Perlenleuchten: dazu Uniformen, Umformen, Uniformen, dann und wann ein schwarzer Mann dazwischen, und Orden, Orden, Orden! War's wirklich dasselbe Bild heute? Oder hatte es sich doch verschoben? (Sin wenig wohl, die Fülle war größer, fast zu groß. Die Toiletten waren noch kostbarer geworden, die Juwelen- entfaltung gewaltiger; zwischen den Uniformen hier und dort etwas Exotisches, was damals noch eine Seltenheit gewesen war, Chinesen, Japaner, ein paar Türken mehr als sonst — ja . . . und die Orden ganz gewiß noch zahlreicher. Himmel, welch ein Segen! Und die Frauen? Das war wirklich ganz toie damals: manch schönes junges, aber erst recht manch reifes Gesicht, das die liebe Jugend verzweifelt fest zu halten suchte. Gudarcza mußte lächelu: genau wie damals, die Tiefe des Ausschnitts immer genau im Verhältnis der Jahre ... je älter, desto ausgiebiger . . . und die Malerei desgleichen. Wie hatte der berühmte Hofmaler gesagt: „Die Fürstin soll ich malen? Die malt sich ja selber!" Das stimmte auch heute noch. Ganz langsam hatte er sich in die vordere Reihe geschoben. Ein bissel anstrengend war das Herumstehen; wie das die greisen Exzellenzen nur aushielten? Und er dachte wieder an ein Hofgefchichtchen aus seiner Jugendzeit, an die alte Hofschranze mit den großen, großen Füßen; der Greis war im Saale vom Schlage gerührt worden und aufrecht an die Wand gelehnt stehen geblieben, bis die Nächststehenden merkten, daß Seine Exzellenz verstorben seien. „Natürlich — hatten die Spötter geflüstert — „auf solchen Füßen konnte er selbst im Tode stehen bleiben." 96 Dum Li war der Rivale Si So's, also des Vizekönigs Fuhsi Freund, und demnach Ping Lings Feind. Ans diesem Grund empfing er den General mit ganz besonderer Höflichkeit. Nachdem die beiden Herren eine halbe Stunde lang die gegenseitigen Ahnen gelobt und den Segen des Himmels über die seligen Geister der respektiven Ururgroßeltern heruntergebetet hatten, lom1 Ping Ling schließlich auf das' zu sprechen, was ihn bedrückte Er ging hierbei von dem Standpunkte aus, daß, falls ihm etwas Unangenehmes drohe, der schadenfrohe Feind nicht verfehlen würde, ihm in den Ausdrücken süßlichsten Bedauerns hiervon Mitteilung zu machen. Ping Ling traute sich SDtoifdj-enfenntntö genug zu, den Palastgewaltigcn zu durchschauen, der als sehr gut unterrichtet galt und über die Absichten des Hofes, da es auch ferne Aufgabe war, den pp. Mandarinen und Würdenträgern kaiserliche sonder- botschaften und Gunstbezeugungen, als da sind: die seidene Schnur usw. zu übermitteln. „Ja, mein Gönner," so redete Bum Li, „der Sohn des Himmels hat dein Schreiben erhalten und auch erneu Brief Fuhsis, des Vizekönigs, den der Himmel verderben wolle, weil er dem Feind ist. Seine Pfeile werden auf ihn zurückfliegen und ihn selbst "treffen, denn er klagt dich an, daß du mit den Rebellen, den verfluchten Taipings, in Verkehr ständest und selber ern Rebell seiest. Ping Ling erbleichte. Eine derartige Anklage, geschickt an- Kracht, konnte den Tod bedeuten, denn ber Taiping aufstand war t Himmelssohn schwer auf die Nerven gefallen; das war bekannt. „Du solltest dich nicht so erregen, Mer Gönner," fuhr der Gunuche mit heuchlerischer Teilnahme fort. „Glaube mir, das schadet deiner Leber. Sei getrost, dir wird deine Rache werden, denn jetzt gerade studiert unser erhabener Kaiser die vielen Schriften, die der falsche Fuhsi als Beweise deiner Schuld cmgeschickt hat, Und die natürlich nur seine eigene Schlechtigkeit beweisen. Des Generals Gesichtsfarbe wurde grünlich und er bekam einen Schüttelfrost. „Wann," stotterte er, „werde ich gewürdigt, das erhabene Antlitz unseres Kaisers zu schauen?" Yum Li wackelte mit dem Kopfe. „Wer kann sagen, tonS der Himmelssohn beschließt?" antwortete er diplomatisch, .„aber mir hat er aufgetragen, mich für eine Botschaft an dich, mein Gönner, bereit zu halten." ~ t ™ Dem braven Ping Ling erschien das Ziinmer des. Palastes, in dem sie sich befanden, wie eine unheimlich große, wässerige Masse, in der eine Schar teuflich grinsender Vize-Obereunuchen umher- schwamm. Ohne die Kraft zu einem Abschiedswort zu finden, verließ er taumelnd, und mehr tot als lebendig, den Saal und den Palast Wie aus weiter Ferne tönte noch der als guter Rat erteilt« Befehl an sein Ohr, sich zur Verfügung des Kaisers in ferne* Wohnung zu halten. v . r., Als Ping Ling bei seiner Sänfte anlangte, zwang er sich zum Nachdenken, denn er wußte, von einem guten ober schlechten Gedanken hing Leben oder Tod ab. Ja, so konnte es gehen! Außer den vier Sänftenträgern warteten zwei Diener auf den General. Ping Ling nahm den einen der Diener beiseite und flüsterte mit ihm, worauf der Mann eilends davonlief. Dann w stieg der General die Sänfte und ließ sich forttragen Unterwegs mußte der andere Diener zu ihm einsteigen. Staunend ob der..ungeheuren Ehre gehorchte der, stieg aber wieder aus, bevor die Trager bei dem Hause des Generals angelangt waren und entfernte sich eilig in derselben Richtung, die sein Kamerad eingeschlagen hatte Kürze Zeit darauf verließen zwei Reiter die .Hauptstadt des Reiches der Mitte und ritten in rasender Eile nach Silben davon. Sie trugen die unauffällige Kleidung von herrschaftlichen Bedienten. .Ich habe ein paar schöne Pferde bekommen. Aber woher hast du so schnell die Kleider, Herr?" fragte ber eine Reiter „In der Sänfte gewechselt. Aber rede nicht, rette; denn dich Wird man auch nicht schonen." . . . Der Diener faßte an seinen Hals, aber ,eute Neugier war groß. .„Herr, was hast du deinem Diener Muh aufgetragen, was soll er sagen, wenn Yum Li kommt?" r = m „ „Ich sei nach Nanking, um das Haupt des Rebellenfuhrers zu holen," antwortete Ping Ling grimmig. Plötzlich riß er. cm den Zügeln seines Pferdes, so daß das Tier in die Luft ging. >,Heiliger Konfuzius," stöhnte der General, „— — ich Sohn eines Esels! Der Schreck hat mich kopflos gemacht, nun habe ich meinen Weg verraten. Und bis wir in Nanking und in Sicherheit sind, haben wir noch fünfzehn Tagereisen, das heißt, wenn mir frische Werbe frieren " 1 Die Reiter suchten ihre Eile zu verdoppeln. Ping Ling sah im Geiste ständig das lächelnde Gesicht des Eunuchen Yum Li, der ihm mit den verbindlichsten Worten einen Gruß des Kaisers überbrachte und itzni ein dünnes! Schnürchen überreichte, mit denl Wunsche, daß es ihm, Ping Ling, bis an sein Lebensende wohl-- irtö^e Als die beiden einen Hügel erklommen hatten, blickte sich der General um. Fern im Norden sah er die Häuser Pekings wie winzige Schächtelchen liegen. Als er seine Blicke auf die Ebene richtete, gewahrte er fünf Reiter. Fast wäre er vom Pferde gefallen. Kalter Schweiß trat ihm auf die Stirn, zu sprechen vermochte er nicht, er streckte nur die Hand aus. Der -Diener wandte ebenfalls um. „Beim Drachen!" schrie er entsetzt, „das ist Yum Li jn der roten Jacke." Die Verfolgten hieben auf die Pferde ein, die indessen schon deutliche Zeichen der Ermüdung zu erkennen gaben. Die Angst machte den General stumpfsinnig. Die Augen zu Boden geheftet, raste er dahin. Er war nicht imstande, erneu vernünftigen Gedanken zu fassen. Das einzige, was er dachte, war: „Diese Grashalme der Steppe schlingen sich ineinander wie lauter feibene Schnüre!" Ping Ling sah erst auf, als das Pferd Halt machte. Die beiden Reiter — der Diener Hatte mit dem Herrn Schritt gehalten.—; befanden sich vor einem Keinen, reißenden Flusse, über den eine Hängebrücke aus Seilen, Bambus und Lianen führte, die für Rettet nicht ohne Gefahr zu passieren ist. Als die beiden trotzdeni glücklich drüben waren, kam auf einmal dem General ein Gedanke., Seine Augen blitzten, äls er sein Schwert zog und gewaltig aus die Befestigungsbrücke einhieb. Jn kurzer Zeit war das Zerstörungswerk vollendet und die Brücke sank ins Wüster. Aber es war auch die höchste Zeit, denn schon konnte Ping Ling die fette Gestalt des Eunuchen deutlich erkennen. Weiter ging es bis Mr nächsten Ortschaft, wo eine kurze Rast gemacht wurde, die sich die Reiben gönnen konnten, denn Boote gab es auf dem Flusse nicht rnib die nächste Brücke befand sich fünf Stunden weiter westtich. Es gelang dem General, ein paar andere Pferde zu kaufen, und alsbald wurde die Flucht fortgesetzt. Weiter, immer weiter trieb sie die wilde Jagd ums Leben.. Vier Tage und vier Nächte waren sie fast ununterbrochen geritten und noch hatten sie ihre Verfolger nicht wieder erblickt; urdest en wußte der General, daß dem Eunuchen in leber Ortfchaft flinke und frische Pferde zur Verfügung standen. Am vierten Tage, nbe^ schritten die Verfolgten den Hoangho, und da gewahtten fte auch wieder hinter sich die verhängnisvolle rote Jacke. Noch einmal gelang am nächsten Flusse das Experiment mit der Bruckenzer- störung. Aber dann führte der Weg bis Nanking durch ein wasfer- armes Gebiet. Nun würde nichts mehr helfen als die Schnelligkeit der Pferde. Immerhin war wieder ein tüchtiger Borsprung gewonnen, auch konnte noch einmal Pferdewechsel vorgenommeu werden. Schließlich brauchten sie nur noch einen Tag zu reiten, dann war das Aufstandsgebiet erreicht. Dorthin würde fich Yum Li nicht wagen. . . ,. ,.r,. Vor den Flüchtlingen lag letzt eine unabsehbare chmeiische Steppe, und an bereit südlichem Ende winkte die Rettung. Die müden Pferde bekamen Peitsche und Sporen zu kosten und liefen auch in der Tat einen vielversprechenden Galopp. Plötzlich sank das Pferd des Generals in die Knie, es war. in em Erdloch getreten. Zwar sprang es wieder hoch, doch mit dem Galopp Watz es nun vorbei. Der Diener auf seinem- gesunden Pferde überhorte, in der Eile weiterzukommen, die Rufe seines Herrn und Mtschwand bald dessen Blicken. Jn demselben Augenblick, als die.Gestalt des Dieners im Süden wesenlos wurde-, tauchte im Norden em roter und fünf blaue Punkte auf, die mit jeder Minute an Umfang zunahmeit. Der General, der Nirgends mehr' eine Rettung sah, stieg jetzt vvm Pferde Er nahm eine würdevolle Haltung an, die fatalistische Stumpfheit des Orientalen kam über ihn, was aber nicht hinderte, daß ihn bis ins Mark hinein fror. , , „ Yum Li und seine Begleiter kamen heran. Der Gunuche hatte im Gesicht das Lächeln, das dem General die ganze Zeit während seiner Flucht vor Augen gestanden hatte-.. Jetzt stieg er L'omj Pferde und holte aus seinem Rock ein winziges Paket, das cr Nch unter vielen Verbeugungen und Segenswünschen ftir Ping Ling-, dessen Eltern, Großeltern, Urgroßeltern usw. zu öffnen anschickte. Mit verglasten Augen starrte Ping Ling auf das uuheimlichei Paketchen. „Mach schnell," sagte er tonlos, „ich werde tun, was, der Kaiser will." „ m ... . = «n $ „Der Sohn des Himmels," so nahm Yum Li wieder das Work, „entbietet dir seinen Gruß und schickt dir die große Pfauenwder, indem er dich zum Mandarinen erster Masse und zum VizekomA von Singanfu an Stelle des verbannten Fuhsi ernennt? Ping Ling machte ein Gesicht, als Habe er soeben den Gott Fohi radschlagen sehen. Doch er war ein Manu der Selb-st- wherrschung. Er verbeugte sich tief vor der Pfauenfeder, dem Zeichen der Gnade und der neuen Würde, wobei er eine hocherfreute, aber auch selbstverständliche Miene aufsetzte, als habe er dieses alles crivdTt et _„DÜ hast uns unsere Botschaft schwer gemacht, mein Gönner" so meinte Yum Li und grinste unterwürfig, „man muß nie die Bescheidenheit zu weit treiben." . Ohne daß Ping Ling an den ihm fatalen Yum tit toettcrä Fragen gerichtet hätte, ritt er in dessen Begleitung wieder nach Peking zurück und begab sich hier sofort Kl Sl Sv, dem -Obep- eunuchen, seinem Freunde. . . r, „Mein Söhnchen," so sagte der Gunuche, „du wirst mir stets dankbar sein, denn ich Hatte einen schweren Stand, dein Sohne b:e§ Himmels klar zu machen, welch guter Patriot du bist. Der alte Schranze machte etn pfiffiges Gesicht und fuhr fort» „Der Yum Li, der neidische Trottel, behauptete nanM,. du seiest M den Rebellen übergegangen. Der Nurn Li ist dein Feind, muH du wissen; Fuhsi, dein Vorgänger, hat ihn dafür bezahlt. Vergiß nun nicht, mein Söhnchen, daß ich ein armer Mann hm. Ich habe gedacht, die Halben Opiumzölle von Singanfu —--, na, W weißt allein, was recht und biflig ist, nicht wahr? 98 Mit stolzen: Bewusstsein begab sich Ping Ling amnächsten Morgen Air AntrittAandienz beim Kaiser. Er war fest überzeugt, der kaisertreueste Mann im Reiche der Mitte zu sein. Unb er war es auch, denn einen so guten Posten hätten ihm die Taipmgs nicht gegeben; Stadtkommandant von Kanton sollte er werden, Weiter nichts. (Europas älteste Prinzessin die Freifrau Charlotte Amalie Friederike Albertine von I ud, geb orene Prinzessin von Schw arz b urg-Sonders- h auf en, ist, wie wir erfahren, auf ihrer Besitzung Glockenthal bei Jud soeben gestorben. Am 7. September 1816 zu Arnstadt- Thun in Thüringen geboren, hätte sie in diesem Jahre ihren 96 Geburtstag gefeiert; sie stand also selbst dem greisen Prinz- regcnten von Bayern an Alter noch voran. Ihr Vater war der Prinz Karl von Schwarzburg-Sondershaiisen, der 1842 im Alter von 70 Jahren als hannöverscher Generalleutnant starb. Er hatte seine Cousine, Prinzessin Güntherine von Schwarzburg- Sondershausen als Gemahlin heimgeführt, die erst 33 Jahre nach ihm verstorben ist. Prinzessin Charlotte Amalie war 40 Jahre alt, als sie einen Bund nach ihrem Herzen einging. Sie hatte gelegentlich einer Schweizerreise einen Offizier in der,schweizerischen MilizarMee kennen gelernt; es war der damalige Arttllerie- Jnstruktor Hans Jud, der 9 Jahre jünger als die Prinzessin war. Weder der Altersunterschied noch die bürgerliche Herkunft des aus dem Kantone Zürich stammenden Offiziers war in den Augen der Schwarzbnrger Prinzessin eilt Hindernis, ihrer Neigung zu folgen. Am 1. Februar 1856 verlieh Fürst Günther Jud den Adel und Freiherrnstand, und wenige Wochen nachher wurde die Schwarzbnrger Prinzessin mit dem schweizerischen Artillerieoffizier getraut. Aber es waren ihrem Eheglücke nicht piele Jahre beschieden: schon 1864 verstarb der Freiherr von Jnd, und seine Witwe dachte damals wohl nicht, daß es ihr beschieden sein sollte, Heu Heimgegangenen Gatten noch volle 48 Jahre zu überleben. Ihren Witwensitz bildete das liebliche Glockenthal bet Thiit^. Zuerst unternahm sie noch weite Reisen und sie genoß besonders die Reize der südlichen Natur. Allmählich sah sie sich durch das Alter in ihrer Bewegungsfreiheit beschränkt, und wenn sie früher öfters noch die Nachbarstadt Thun aufsnchte, so bildete in den letzten Jahren ihr Besitztum im Glockenthäle mehr und mehr ihre S! Welt. Doch hat sich Fran von Jud noch bis in ihr les Alter hinein eine erstaunliche Rüstigkeit und Geistes- frische bewahrt. So hat sie z. B. während des Burenkrieges! einen beinahe leidenschaftlichen Anteil an den Vorgängen gettom- men, wobei sie entschiedenste Sympathie für die kämpfenden Buren an den Tag legte. Auch späterhin habeit die politischen Ereignisse sie immer noch lebhaft interessiert. Als vor wenigen Jahren ihre langjährige vertraute Dienerin ein ehrenvolles Dienst- jubtläum feierte, ließ die Greisin es sich nicht nehmen, sich an der Ehrung ihrer alten Hausgenossin selbst zu beteiligen. In bett letzten Jähren schlummerten dann freilich die Geisteskräfte der Freifrau von Jnd nach und nach immer mehr ein; sie ist ins Jenseits hinübergeschlummert. Schon seit einer Reihe von Jahren hatte sie ihre Nichte, die Witwe des verstorbenen Oberstleutnants von Egidy bei sich. Fran v. Egidp ist die Tochter ihrer älteren Schwester, gleick)- salls einer Prinzessin von Schwarzburg-Sondershansen, die sich ebenso wie die verstorbene Freifrau von Jud „unter ihrem Stande", nämlich mit hem Geheimrate von Götz verehelicht hatte. vermachtes. * Der Klapp Hut der Frau. Den Männern, die Beim Antritt einer Reise bleich und nur mühsam gefaßt auf die Reihe der unförmigen Hutkoffer blicken, deren die Frau Gemahlin zum Genüsse der Fahrt unbedingt bedarf, winkt eine Hoffnung: in London werden jetzt elegante Damenhüte geschaffen, bei deren „Konstruktion" die Mög- lichkeit vorgesehen ist, den Hut zufammenklappen zu können. „Es ist des Rätsels Lösung", so erklärte eine führende Londoner Modistin einem Mitarbeiter des Daily Mirror: diese Hüte sind das, was die elegante Frau braucht, wenn sie auch auf Reisen smart aussehen will. Die unförmigen Hutschachteln sind überflüssig, die zusammenklappbaren Hüte sind so gearbeitet, daß sie zusammengefältet im Koffer nur ganz wenig Platz beanspruchen, ja in einer mittelgroßen Handtasche kann man ohne Schwierigkeit und ohne Gefahr für die Form bequem vier solcher Hüte unterbringen." * Der Schuster a I § Telephonamt. Im „Malin" liest man: Gometz-le-ChLtel ist sicher nicht eine der größten Städte Frankreichs. Marseille ist größer, Paris auch. Aber es ist ein hübsches Städtchen von 456 Einwohnern, das zwischen Bures und Orsay, 29 Kilometer von Paris entfernt, gelegen ist. Und es hat em Telephon unb acht Televhonabonnenten! Diese Abonnenten zahlen, wie alle Telephonabonnenten, der Post- und Telegraphenverwaltung ein anständiges Jahresabonnementsgeld. Die Postkasse befindet sich in Limours, und hier muß gezahlt werden. Die Telephonabonnenten von Gometz gleichen also allen anderen Telephonabonnenten ; durch eins aber unterscheiden sie sich von allen anderen Telephonabonnenten der Welt: obwohl sie Telephonabonnenlen sind, benutzen sie das Telephon nie. Sie möchten es zwar recht gern tun und haben schon alle erdenklichen Versuche gemacht, um eine Verbindung zu erlangen, aber es nutzte nichts. Und als sie sahen, daß da nichts zu machen wäre, haben sie sich voll Ergebenheit in ihr Abonnentenschicksal gesägt und nicht mehr bett Versuch gemacht, den Hörer abzunehmen. . . . Eines Tages jedoch fiel es einem Abonnenten ein, Aufklärungen zu verlangen. Er begab sich auf das Postamt von Limours und trug in schöner Rede seinen Fall vor. Er habe ein Telephon; er zahle regelmäßig den Abonne- inentsbetrag; sein Apparat funktioniere tvohl auch . - . Weshalb bekomme er denn unter solchen Umständen nie eine Verbindung? „Ja, mein Herr, was sollen wir beim tim?" erwiderte man ihm. „Sie sind Abonnent, das ist richtig. Aber die Person, die in Gometz den Telephondienst versieht, ist in keiner Weise von uns abhängig. Sie gehört nicht zum Beamtenpersonal der Post- und Telegravbenverwaltung, und wir haben ihr daher nichts zu sagen." . Wie soll ich das verstehen ?" fragte der neugierige Abonnent. „Die Sache ist einfacher als Sie denken. In Gometz versieht den Tele- phonbienst ein Flickschuster, der auch Landwirt ist. Er hat den Auftrag, die Verbindungen herzustellen und erhält für jede Verbindung eine kleine Entschädigung. Für die wenigen Sous, die et mit dem Telephon verdienen würde, kann der 'JJIann doch aber nicht seine anderen Geschäste aufgebeit. Er mutz, wenn er seine Kundschaft behalten ivill, Schuhe besohlen; und er muß auch sein Feld bebauen, säen, pflügen und ernten . . . Versieht er nicht nebenbei auch noch das Küsteramt? Wenn er dafür bezahlt wird, daß er die Glocken läutet, usird er doch wohl die Glocken^ läuten müssen?! Tas werden Sie mir doch zugeben. Na, sehen Sie ..." Jetzt wissen die Telephonabonueuten von Gometz wenigstens, warum sie keine Telephonverbindung bekommen können. * Ich stand a'uf dem Perron der Straßenbahn. Außer mir waren noch drei Herren drauf, die sich mideinander unterhielten, „Wißt Ihr übrigens schon, der O. hat sich ja verlobt, mit. der kleinen P." — „Nanu! die muß doch älter sein als er: hat sie denn so viel Draht?" — „Gar nichts." — „Was? Ja, wie kommt er denn bann ausgerechnet auf die? Vielleicht gute Beziehungen, die für seine Karriere von Nutzen. . . ?" — „Ach, keine Spur!" — „Ja, aber..." — „Merkwürdig." — ^Begreif einer!" — Nach fünf Minuten nachdenklichen Schweigens! bemerkte einer zögernd: „Gott, vielleicht — vielleicht Liebe . . ." * Seltsame Rene. Alter Förster: „Mi rent's scho lang, daß i net g'heirat't hab'; jetzt könnt i am End' scho wieder Witwer sein." Sprachecke des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins. "Wird „von" mit dem erst en Fa l l ver b und en? Wenn der einfache Mann die verschiedenen Fälle verwechselt, so halten wir ihm daS gerne zugute, denn ihm fehlt es am rechten Sprachgefühl, und wenn insbesondere der Niederdeutsche, sobald er Hochdeutsch spricht, „von" mit dem vierten Falle statt mit dem dritten verbindet, so stört uns daS um so weniger, als bekanntlich seine Mundart diese beiden Fälle nicht unterscheidet. Was soll man aber dazu sagen, wenn gebildete Männer, wenn deutsche Schriftsteller vielfach bei „von" den — ersten Fall setzen? Nicht freilich in mündlicher Rede, wohl aber bei Angabe ihrer Berufs- siellung auf der Titelseite von Büchern. Wer solche Fälle sammeln wollte, der fände unter 100 Fällen sicherlich' kaum 5, in denen hier den Gesetzen der Sprache Rechnung getragen wird. Beispiele wie das folgende sind leider häufig genug: Handbuch der Chirurgie, von Müller, leitender Arzt des Krankenhauses zu B. Keine deutsche Sprachlehre hat je das Gesetz aufzustellen gewagt, daß in solchen Fällen der Beisatz (die Apposition) von dem Verhältniswort (der Präposition) unabhängig sei; wie sollte das auch denkbar sein, da doch nicht das papierue, sondern einzig und allein das gesprochene Deutsch maßgebend ist und dies den Beisatz (die Apposition) stets dem Falle des Beziehungswortes folgen läßt! Nein, es liegt hier lediglich eine der vielen Liederlichkeiten vor, deren sich auch Gebildete schuldig machen unb auf die recht oft in Wort und Schrift hingewiesen werden sollte, uni das Sprachgewissen unseres Volkes mehr als bisher zu schärfen. (R. Palleske (Laudeshnt i. Schl.). Gieichklang-Kätsr!. Edles Geschenk der Natur, nur Auserwählten verliehen; Mancher, der's niemals besaß, glaubt desto fester daran, Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummer: tSalmei — Anieife — Lederbeutel — Klintani — Leberknöde! Elba — Obernbiirg; Galileo, Galilei. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steiudruckerei, R. Lauge, ©ieiiett»