Mittwoch, den U Dezember »> -w W WM WVW ffi Das Amethyst-Fläschlein. Eine Erzählung von A. K. Green. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Ich tvar gerade int Begriff, mich durch die verschickens» 'Gruppen nach der Bibliothek hindurchzuschlängeln, als ich auf allen Gesichtern, die mich erblickten, erneute Zeichen von Verlogenheit las. Frauen, die am Treppengeländerpfosten gelehnt Hattert, zogen sich zurück, und einige andere huschten In angrenzende Zimmer; alle machteit mir den Eindruck, als wollten sie plötzlich irgendwohin verschwinden. Dies war gewiß sehr eigenartig, insbesondere da diese Zeichen der Mißgunst nicht so sehr mir zu gelten schienen, als jemanden, der hinter mir stand. Wer konnte dieser jemand sein? Rasch drehte ich mich um und blickte die Treppe hinauf, vor der ich michgerade befand. Da bemerkte ich auf der obersten Stufe ein schwarzgekleidetes Mädchen, das zu zögern schien, unschlüssig, ob es heruitterkommeu solle oder iticht. Dieses Mädchen war niemand anderes als Dorothea. Camerden. Ein einziger Blick ans die Szene gab mir die Geivißheit, daß dieses Gefühl allgemeinen Mißmuts und diese Zeichen allgemeiner Verlegenheit nicht mir, sondern ihr galten. 8. Kapitel. Da ich wußte, daß das arme Mädchen unschuldig war, fühlte ich mich durch die ihr angetane Beleidigung im Innersten ergriffen, und ich hätte wohl in der ersten Auf- wallung mich zu einer ttnklugen Aeußerung meiner Ent- rüstnng hinreißen lassen, iväre ich in diesem Momente nicht dem Auge des Herrn Armstrong begegnet, der mich von der Diele aus bedeutsam ansah. In seiner Miene, die halb Ueberraschnng, halb Schmerz attsdrückte, las ich, daß dieses Gefühl nicht von irgendwelcher Indiskretion auf seiner Seite ausgegangen !var. Er hatte das Vertrauen nicht betrogen, das ich auf ihn gefetzt hatte; aber es war ein Gerücht herumgegangen, durch das sie geradezu in Bann erklärt wurde, und statt wie gewöhnlich auf die aufmerksamen Blicke von Freunden zu treffen, fand sie nur abgewendetc Gesichter und ihr zugekehrte Rücken, und bald eine annähernd geleerte Diele vor. Sie errötete, als sie sich des Ergebnisses ihrer Anwesenheit bewußt wurde und warf mir einen betäubten Schmerzeitsblick zu, der, vielleicht wider ihr Erwarten, jedes Gefühl der Ritterlichkeit in meinem Busen weckte. Ich eilte auf sie zu, traf mit ihr unten an der Treppe zu- sammen, ltud mit einem einzigen Wort hatte ich ihr das Selbstbewußtsein wiodergegeben. .Haben Sie Geduld! flüsterte ich rasch. Morgen werden wieder alle nm Sie feilt! Vielleicht früher noch. Gehen Sie in den Palmengarten und warten Sie dort! Sie drückte mir dankbar die Hand, während ich die Treppe hinauseilte, entschlossen, daß mich nun nichts mehr abhalten sollte, Gilbertine aufzusucheit und ihr den Brief zu überreichen, den mir Sinclair anvertraut hatte. Aber dies war leichter beschlossen, als ausgefichrt. Als ich den dritten Stock erreichte, wo ich noch niemals gewesen war, fand ich zuerst niemand, der mir sagen konnte, in welches Zimmer Fräulein Murray sich zurückgezogen hatte. Dann, als ich zufällig ein Zimmermädchen antraf und es mir mit einem Vielsagenden Blick die betreffende Türe gewiesen hatte, fand ich, daß es völlig unmöglich war, eine Antwort von innen zu erlangen, trotzdem ich 'im Innern des Zimmers jemand rasch und unruhig auf- und abgehen hörte. Dann und wann schlug auch ein unterdrücktes Schluchzen oder ein leises Weinen, an mein Ohr. Das Mädchen wollte mich nicht hören, trotzdem ich ihr sagte, wer ich sei und daß ich einen. Brief von Hern« Sinclair zu überbringen habe. Im Gegenteil verhielt sie sich nunmehr völlig still und ließ mich klopfen, so lange ich wollte, bis die Lage endlich lächerlich wurde, ttitbt ich mich notgedrungen zurückzog. , Ich wollte zwar nicht nachgebeu. Stein, ich wollte hier verharren, bis sie aus eigenem Antrieb die Türe öffnen, oder bis Herr Armstrong heraufkäme und sie mit Gewalt aufbrechen würde. Ein Mädchen, das bett Mittelpunkt des allgemeinen Interesses bildete, würde sicher nicht den ganzen Morgen in seinem Zimmer eingeschlossen bleiben dürfen. Ihre Stellung als Braut verbot ihr das schon. Ob sie schuldig war oder iticht, sie mußte sich in Bälde zeigen. Wie als Erfüllung meiner Erwartung erschien nunmehr eine Gestalt am andern Ende des Ganges. Es Ivar Dutton, der Hausmeister, der ein Telegramm in der Hand hielt. Er war offenbar erstaunt, mich hier zu sehen, ging aber mit einer einfachen Verbeugttug vorüber uitd hielt vor der Tür an, dis ich vor wenigen Minuten selber mit so wenig Erfolg bestürmt hatte. Eilt Telegramm, Fräulein, rief er, als auf fein Klopfen keine Antwort laut wurde. Herr Armstrong hat mich beauftragt, es Ihnen zu bringen. Das Telegramm istz vom Bischof und erheischt eine sofortige Antwort. Matt hörte ein Geräusch im Zimmer, aber die Türe Web geschlossen. Mittlerweile hatte ich den Brief, den ich in meiner Brieftasche bewahrt hatte, herausgezogen und zugeklebt. Geben Sie ihr das ebenfalls, sagte ich ihm und deutete auf die Spalte an der Türschwelle. Er nahm den Brief, legte das Telegramm dazu und schob die Papiere zusammen hinein. Dann stand er auf und faßte die unschuldige Türe ins Singe, mit dem Ausdruck eines Mannes, der nicht leicht von seinem Vorhaben abgeht. Ich werde auf die Antwort warten! rief er durch, das Schlüsselloch. Dann trat er zurück und stellte sich an die gegenüberliegende Wand. Hier konnte ich ihm nicht Gesellschaft leisten. Ich zog mich in ein großes Erkerfenster zurück und wartete dort 774 Nopserkden HerzönZ a6> tun zu fehien, VV sie ihre Türe öffnen würve. Augenscheinlich nicht. Doch als ich immer noch stehen blieb, horte ich endlich den Schlüssel drehen, und «rauf den Klang eines gemessenen, aber beschleunigten Schritts auf dem Gange. Rasch eilte ich ans meinem Schlupfwinkel und kam gerade noch rechtzeitig auf den Hauptgang, nm Fräulein Murray auf der Meppe verschwind den $n sehen. Nunmehr war ich befriedigt und wollte ihr eben folgen, da bemerkte ich zu meinem Erstaunen Dutton in der Türe, durch die sie eben hinausgegangen war; er starrte verwunderten Micks auf den Boden. Sie hat die Briefe nicht aufgehoben, rief er erstaunt Ms. Sie ist sogar darauf getreten. Was soll ich jetzt tun? Hab' noch nie so was Merkwürdiges erlebt! Dann tragen Sie sie ins kleine Boudoir über deut Hauptportal, Ivies ich ihn. an. Herr Sinclair ist dort, und wemr sie ihn nicht gleich dort aufsruht, so wird sie es sicher i n Bälde Lun. Ohne ein Wort zu sagen, nahm Dutton die Briefe an sich und ging zur Treppe. Hier wollte ich mm das Ergebnis abwarten. Ich fühlte mich derart erschöpft, daß ich mich verwundert fragte, wie lange ich noch diesen Wechsel der Gefühle und die fort- loährend sich wiederholenden Pansen anstrengendsten Harrens und Bangens würde aushalten können. Um meinen eigene» quälenden Gedanken zu entgehen oder möglicherweise um irgend' eine Idee davon zu erhalten, wie Dorothea diese Prüfungszeit erduldete, die beinahe meine eigene .Selbstbeherrschung zugrunde richtete, schickte ich mich an, Mnunterzilgeheu. Wie groß !oar mein Erstaunen, als ich am kleinen Boudoir im zweiten Stocke vorüberging unb durch seine weitgeöffnete Türe erkannte, daß das Zimmer leer sei. Entweder war demnach die Unterredung zwischen Sinclair und Gilbertine nur von sehr iürzer Dauer gewesen, oder hatte sie überhaupt noch nicht stattgesunden. Mit einem von Borahnungen beschwerten Herzen suchte ich dies nicht länger zu erraten, sondern begab mich vollends hinunter und kam gerade auf der untersten Stufe her Treppe an, als ein halbes Dutzend Mädchen von verschiedenen Teilen der Diele auf die gewichttige Gestalt Herrn -Armstrongs zueilten, der eben aus seinen: kleinen Privatzimmer hieraustrat. Sie bestürmten ihn von allen Saiten mit Fragen. Mit einer gutmütigen Handbewegung wehrte er sie ab und sprach, seine Stimme erhebend, zu den versammelten Gästen: Fräulein Murray hat entschieden, daß es unter den gegebene:: Umständen klüger für sie.sein wird, die Feier rhrer Hochzeit auf einige Zeit hinauszuschieben. Auch soll sie an einen: Orte stattfinden, der keine so traurigen Er- innerungen weckt. Soeben wurde an den Bischof ein Tele- gramm dieses Inhalts abgesaudt, und trotzdem wir alle von dieser Entscheidung in Mitleidenschaft gezogen werden, bin ich überzevdgt, daß sich, niemand unter den Anwesenden befindet, der nicht die .Berechtigung ihres Entschlusses entsteht. Als er eben schloß, erschien Gilbertine hinter ihm. Im selben Augenblick bemerkte ich, wie Sinclairs Auge aus einer Ecke des Zimmers jenseits der Diele hervorglänzte, pder ich glaubte dies wenigstens zu sehen. Aber ich. konnte nnch nicht von der Richtigkeit meiner Beobachtung überzeuget:, da Gilbertines Benehn:ei: und Miene meine volle Aufmerksamkeit auf sich zog. Mit allerlei nicht näher defmierbareu Gefühlen beobachtete ich sie, wie sie sich einer: Weg. durch die Menge ihrer Freunde bahnte, in einer gehobenen Stimmung, die sie blind gegen ihre arrsgestrecktei: Hände und taub gegen das Murmeln des Interesses unb der Sympathie machte, das sie instinktiv- verfolgte. Sie ging ans die Treppe zu; und welcher Art ihre Gedanken, und ihre Stimmung fein mochten, sie bewegte sich prächtig vorwärts, in ihrer bleichen, doch scheinbar glänzenden Erscheinung. Ich folgte ihr .ganz gefesselt mit dem Blicke; gls sre indes die letzte Gruppe verließ und den kleiner: viereckigen Teppich kreuzte, der uns allein noch trennte, wandte ich mich beiseite, da ich fühlte, daß es grausam für sie und fast unerträglich für mich sein müßte, in dieser Stunde ihrem Blick zu begegnen, ohne zu wissen, was zwischen ihr und Sinclair vorgegangeu war. Sie bemerkte die Bewegung und schien einen Augenblick zu zaudern, daun wandte sie sich einen kurzen Moment nach der Richtung, wo ich stand, und lächelte. Großer Gott! so konnte nur eine Unschuldige lächeln ! So schnell es über ihr^ Gesicht huschte, so war doch der Stolz, die liebst liche, Sicherheit und die Freude, die darin lag, unzweh- deutig. Ich hatte ein. Gefühl, als sollte ich- in meiner! Erleichterung zu Sinclair eitet:, aber es blieb n:ir keine Zeit dafür übrig; eine andere Türe unten auf der Diele tvar aufgegangen, eine andere Person hatte die Szene betreten, und Fräulein Murray'erkannte so gut wie ich selbst gus der Aufmerksamkeit, mit de: augenblicklich jedermann nach jener Seite blickte, daß etwas von noch größerer Be- deutnng unser harrte. Herr Armstrong und' meine Dante::! begann der Fremde; denn daß es ein Fremder war, erkannte ich sofort an der studierten Fraglichkeit seiner Verbeugung. Ich habe eine kleine Untersuchung angestellt in der kurzen Zeit, seitdem ich angekontmen bin, und ich fand, daß in diesem Hause sich eine junge Dame befindet, die mir besser als irgend sonst jemand mitteilen könnte, unter welchen Umständen Frau Lansing verschieden ist. Ich. spiele hiebei auf ihre Mchte an, die in: anstoßenden Zimmer schlief. Ist diese junge Dame hier? Sie heißt, wenn ich mich recht erinnere, Fräulein Eamerden — Fräulein Dorothea Cam erden. Eine ve>rneineirde Bewegung lief von einer Gruppe zur anderen. Während niemand nach der Bibliothek, aber einige nach oben blicktet:, hätte ich die kühne Befürchttmg! — oder war es Hoffnung —, Dorothea mochte ihren Namen Höven, aus dem Palmengurtett herauskommen und stolz dem Redner das gunze Unrecht seines verdächtigenden Gebarens ins Antlitz schleudern. Mer Dorothea erschien nicht. Im Gegenteil, es war Gilbertine, die sich nmwandte und in einer gebieterischen Haltung, auf die niemand vorbereitet war, mit vor Erregung bebender Stinune fragte: Hat dieser Herr das offizielle Recht, zu fragen, wer bei meiner Tante war, als sie starb, und! wer nicht? (Fortsetzung folgt.) Abenteuer der Brigadier Gerard. Bon C. Doyle. (Fortsetzung.) Wie sich der Brigadier seine Medaille holte. Der Herzog von Tarent, oder Macdonald, wie seine alten Kameraden ihn nanntet:, befand sich augenblicklich in der abscheulichsten Laune. Sein grimmiges Schotteitgesicht erinnerte stark an einen jener grotesken Türk'lopser, welche man an der Vorstadt St. Antoine zu sehen bekommt. Wie wir später erführen-, hatte der Kaiser scherzweise zu ihn: gesagt, er würde ihn gern gegen Wellington geschickt haben, könnte ihm' aber nicht quer über den Weg trauen. Wir beide, der Ma;or Charpentier und ich, bemerkten gar wohl, wie ihn die innerliche Wut beinahe verzehrte. „Der Brigadier Gerard von den Hüsaven?" fragte er mit der Miene eines Feldwebels, der seine Rekruten vor sich hot. Ich salutierte. . „Der Major Charpentier von den Grenadieren?" Wein Gefährte bejahte. „Der Kaiser hat einen Auftrag für Luch!" Ohne weitere Umstände öffnete er die Tür, um uns anz-u- ntelden. Ich habe Napoleon Wohl zehnmal häufiger zu Pferde als Ku Fuß gesehen und meine, er tat wohl daran, sich seinen Truppen in dieser Weise zu präsentieren, denn im Sattel gab er eine sehr gute Figur ab. Wie wir ihn jetzt sahen, war er um eine gute Handbreit kleiner, als einer von uns sechs im Zimmer, und doch bin ich selbst Tein sehr großer Manu, wenn auch immer noch ziemlich groß, für einen Husaren. Dazu kam noch, daß fein Oberkörper zu lang für seine Beine war. Wer ihn mit den gekrümmten Schultern, den: große:: Kopse und glattrasierten Ge- sichite zum ersten Male sah, mochte wohl, versucht sein, ihn eher für einen Professor an der Universität, als für den ersten Soldaten Frankreichs zu halten. Jedermann nach seinem Geschmacke, aber ich sollte meinen, es wäre eine große Verbesserung genieselt, wem: man ihn: einen schönen, lichten Schnurrbart hätte auzaubern können,so ungefähr, wie mein eigener. Aber er besaß einen energischen Mund, und seine Augen waren wunderbar. Und — ich muß das am besten wissen — ich hübe sie ein einziges Mal nn! Zorne auf mich gerichtet gesehen und habe Zeit meines Lebens genug daran gehübt, obgleich es kein leichtes Ding war, mir Furcht emzuflößen. Er stand eben an der Wand und blickte aus eine große Land- tarte, bte dort aufgehängt war. Neben ihm befand sich Bert hier und schaute klug darein; aber in deml Montente, da wir eintraten, entrtß thm Napoleon seinen Degen und deutete damit an! der 775 Karts um-her. Tabei sprach! er in einebr fort mit leiser, eindringlicher (Stimme auf jenen ein, aber, ich verstand doch die Worte: „Flußgebiet der Maas" und zweimal: „Berlin". Sein Mügeladjutant wollte mtf uns zu schreiten, aber der Kaiser wehrte ihn ab und winkte uns heran. „Hat der Brigadier Gerard schon das Ehrenkreuz!?" fragte er: Ich verneinte und war eben im Begriffe, hinzuzufügen, daß nicht etwa Mangel an Würdigkeit in mir daran schuld sei, als er mir in seiner eirtschiedenen Weise das Wort abschnitt. „Und Sie, Major?" „Nein, Sire!" „So soll Ihnen beiden jetzt Gelegenheit dazu werden." Er führte uns an die große Landkarte und tippte mit Berthiers Degen auf Reims. „Messieurs, ich will offen mit Ihnen reden, wie mit ein paar Kameraden. Sie sind doch beide seit Marengo bei mir gewesen?" Jenes bestrickende Lächeln, dessen er fähig sein konnte, überflog seine blassen Züge tvie kalter Sonnenschein. „Heute der 14. März; hier Reims und unser Hauptquartier. Sehr wohl! Hier, gute 2'5 Wegstunden entfernt, Paris. Blücher liegt im Süden, Schwarzenberg im Norden." Ter Degen spazierte mit auf und ab. „Je weiter diese! Leute in Frankreich eindringen, desto vollständiger werden wir sie zermalmen. Sie rücken auf Paris zu? Nun gut: recht so! Mein Bruder, der König von Spanien, erwartet sie daselbst mit 100 000 Mann. Zu ihm will ich Sie schicken; Sie überbringen ihm! diesen Brief, und zwar erhalt jeder ein Exemplar davon. Er wird darin in Kenntnis gesetzt, daß ich nach zwei Tagen mit meuter ganzen Armee zu ihm! stoßen werde; 48 Stunden Rast muß ich ihr gönnen, dann auf, nach Paris! Verstanden, Messieurs?" Ah,, was war aus mir geworden! Ter Vertraute dieses großen Mannes ! Ich kannte mich nicht vor Stolz. Und als er mir jetzt den Brief einhändigte, klirrte ich mit den Sporen, warf das Haupt zurück, lächelte und itickte zum Zeichen, daß ich mir über seine Pläne vollkommen klar war. Auch er lächelte und legte dabei seine ,Hand eine Sekunda lang auf meine »Schulter. Stätte ich doch auf der Stelle die Hälfte meines rückständigen Soldes hingegeben, wenn meine Mutter mich jetzt hätte sehen können! Er wendete sich mieber der Karte zu. „Nun tvill ich Ihnen Ihren Weg zeigen. Bis Bazoches reiten Sie zusammen. Tann trennen Sie sich. Der eine reitet über Oulchh und Neuilly nach Paris, der andere über Braine, Soissons und Senlis. Haben Sie etwas zu bemerken, Brigadier Gerard?" Wenn ich auch ein rauher Kriegswann bin, so schlummert doch in mir .eine Fülle von Worten und Gedanken; bald war ich im schönsten Zuge, meinen glühenden Gefühlen für Frankreich »Ausdruck zu geben, da fiel er mir abermals ins Wort: „Und Sie, Monsieur Charpentier?" „Sire, steht es uns frei, eine andere Route zu wählen, falls sich die vorgeschriebene als gefährlich ertveisk." „Der Soldat wählt nicht, er gehorcht!" Damit verabschiedete er uns und wendete sich Berthier zu. Ich verstand zwar nicht, was er zu ihm! sagte, aber ich hörte ganz gut, wie beide lachten. Natürlich machten !vir uns sofort auf den Weg; der Dom meldete die Mittagsstunde, als wir Rheims den Rücken kehrten. Ich ritt meinen kleinen Schimmel Violetta, um den mich so mancher schon beneidet, weil er der schnellste Renner in den sechs Brigaden der leichten Kavallerie war. Charpentiers Gaul dagegen gehörte zu dem Schlage, wie man ihn eben bei Grenadieren und! Kürassieren gewohnt ist; denken Sie sich dazu des Burschen plumpe Gestalt selbst, und Sie können sich eine Vorstellung von der Figur machen, die Roß und Reiter abgabm. Trotzdem warf der eingebildete Narr verliebte Blicke nach den Fenstern, aus denen die Mädchen mit Tüchern herabwinkten, und drehte feinen häßlichen, roten Schnurrbart, als ob die Aufmerksamkeit ihm gälte! Als wir die Stadt hinter uns hatten, gingst durch das französische Lager und dann über das Schlachtfeld von gestern, wv so manche unserer braven Soldaten und auch Russen, den Todesschlaf hielten. Und dennoch! gewährte das Lager ein noch trüberes Bild. Unser Leer schmolz sichtlich zusammen. Mit der Garde stands noch am besten, wenn fiel auch zum größten Teil aus Neueingetrehenen bestand. Auch gegen die Mrttllerie und gegen die schwere Reiterei ließ sich nichts sagen, als daß ihre Reiben eben gar so sehr gelichtet mären. Aber die Infanterie! Wie Schultungen mit ihren Lehrern kamen mir die Leute vor, und Reserven gabs gar nicht! Ja, der Gedanke an die 80 M0 Preußen im Norden und die 150 000 Oesterreicher und Russen im Süden Mächte wohl den tapfersten Mann ernst stimmen, und ich wills Ihnen nur gestehen, liebe Freunde, auch mir rannen die Tränen über die Wangen herab-. Nur der Gedanke, daß ja unser Kaiser noch bei uns war, der diesen Morgen erst die Hand auf meine Schulter gelegt und mir die große Ehrenmddaille versprochen, vermochte sie zu trocknen. Nun begann ich zu fingen und spornte Violetta an, daß Charpentier mich bitten mußte, doch mit seinem dicken, schnaufenden und keuchenden Kamel Mitleid zu hüben. Und wenn rch mir den aufgeweichten Weg betrachtete, iit welchem die Räder der Kanonen fußtiefe Gleise hinterlassen hatten, da muffte ich ihn« ja auch recht geben, daß hier kein paffender Platz für einen Galopp, war. Charpentier Ivar mir nie sympathisch gewesen, und auch fein jetziges Benehmen war nicht imstande, mich zu einer Befferent Meinung von ihm zu bekehren. Ter sinstere Geselle saß schweigend auf seinem Gaul, runzelte die Stirne und ließ bett Kopf gedankenschwer auf die Bruß sinken. Ich fragte mehr als einmal, was ihn denn so sehr beschäftige, erhielt aber stets zur Antwort, es fei diese Mission, die ihm zu denken gäbe. Tas überraschte mich. Zwar hätte ich nie viel von seinen geistigen Fähigkeiten! gehalten, aber es kaue mir doch ganz unglaublich vor, daß jemand versuchen könnte, an einem! so klar gegebenen Auftrag zu beuteln; Endlich gelangten wir nach Bazoches, wo wir uns trennen sollten. Beim Abschied blickte er mich mit einem seltsam fragen« den Blicke an. „Was ist Ihre Meinung, Kamerad Gerard?" „Worüber?" „lieber unseren Auftrag." „Nun, ich dächte, der wäre doch einfach genug!" „Meinen Sie? Warum! sollte uns der Kaiser in seine Pläne einweihen?" „Weil er unsere Fähigkeiten zu schätzen weiß." Das sonderbare Lachen des Burschen verdroß mich. „Was denken Sie wohl zu tun, wenn Sie die Dörfer vvU Preußen besetzt finden? „Ordre parieren!" „Aber 's wird Ihnen ans Lebett gehen!" „Leicht möglich!" Jetzt beleidigte mich fein Lachen dergestalt, daß ich nach meinem Säbel fuhr. Bevor ich ihm jedoch meine Ansicht von seiner Tummheit und Ungezogenheit klar machen konnte, war er abgeschwenkt und trabte schwerfällig die Straße entlang. Ich blickte ihm nach, bis seine Pelzmütze hinter dem Hügel verschwunden mar und fetzte dann, immer noch betroffen über fein Gebaren, meinen Weg fort. Von Zeit zu Zeit glitt meine Hand in die Brusttasche meinerUniform und strich mit stolzer Freude über das knisternde Papier. Ah, das kostbare Dokument sollte sich bald in jene hübsche, kleine Medaille verwandeln, nach welcher ich mich schon so lange gesehnt. Was wohl meine Mutter dazu sagen würde? Knapp vor Soissons hielt ich an, nm Violetta in einentl Wirtshause am Wege ihr Futter zu geben. Tas Gebäude verschwand förmlich zwischen alten Eichen, in denen so viele Krähen! nisteten, daß man kaum sein eigenes Wort hören konnte. Der Wirt teilte mir mit, daß Marmont sich vor zwei Tagen hattv zurückziehen müssen, und daß die Preußen bereits den Fluß Aisne überschritten hatten. Und tvirklich bemerkte ich bald darauf im! Lichte der Dämmerung zwei ihrer Vorposten auf dem Hügel zu meiner Rechten, und als. die Nacht einbrach, da flammten am! Himmel, Näch Norden zu, ihre Lagerfeuer auf. Tie Kunde, daß Blücher schon feit zwei Tagen in der Gegend lag, veranlaßte mich allerdings, mir die Frage vorzulegen, ob es denn dem Kaiser wirklich unbekannt gewesen fei, daß der Feind die Ortschaften, durch welche er uns schichte, besetzt hielt. Doch da hörte ich wieder deutlich die Stimme: „Ter Soldat wählt nicht, er gehorcht!" — und nun.ließ ich alle Bedenkens fallen — die vorgeschriebene Route wurde eingehalten, so lange Violetta noch einen Huf, ich noch einen Finger an ihrem Zügel rühren konnte. Zwischen Sermoise und Soissons, wo .sich der Weg zwischen Tannenwäldern hinschlängelt und immer hebt und senkt, war ich beständig auf meiner Hut, hatte Pistole und Säbel stets zur Hand, und ritt nur .da rasch vorwärts, wo der Pfad offen vor mir lag, während ich die Windungen, Ivie wir es in Spanien gelernt hatten, nur äußerst vorsichtig und langsam nahm; Am Meierhof angelangt, der unweit des Muttergottesbildes! rechts am Wege liegt, wurde ich von einer Frau, bie_ auf dem Felde arbeitete, angerufen. „Tie Preußen sind in Soissons!"- schrie sie. „Ein kleiner Trupp ist schon am Nachmittag ein« gerückt, und heute nacht werden noch viel mehr erwartet!" Ehe sie noch ihre Mitteilung beendet hatte, drückte ich Violetta die Sporen in die Weichen und hatte fünf Minuten später Soissons erreicht. In der Hauptstraße standen drei lUaueit; sie hatten ihre Pferde angebunden und plauderten, während sie aus Pfeifen rauchten, die ivohl ebenso lang waren, wie mein Säbel. Ich sah sie ganz deutlich in einer Türöffnung stehen, durch die vom Hausflur das Licht einer Laterne fiel; sie hingegen konnten höchstens Violettas Flanke und meinen wehenden Mantel bemerken. Einen Augenblick später jagte ich durch einen ganzen Hausen derselben, die ans einem! Torweg herausstürzten. Mein Pferd warf einen davon zn Boden, während ich nach einem' zweiten! stach, ohne ihn jedoch zu treffen. Piff, paff, knallten zwei Pistolen hinter mir her, aber ich war schon um die Straßenecke geflogen, ehe auch nur das Pfeifen der Kugeln mein Ohr erreichte. Ja, Violetta und ich, wir waren großartig! Wie ein gehetztes Wild ftürmte sie entlang, ihre Hufe berührten kau... den Boden. Ich stand in den Steigbügeln und schwang meinen Säbel. Jetzt streckte sich ein Arm vor, um mir in die Zügel zu falten — ich trennte ihn mit einem Streiche vom Rumpfe, und laut heulte der Mann hinter mir auf. Zwei Reiter versperrten mir den Weg; ich hieb den einen nieder und entkam dem anderen. Noch eine Minute, bann lag mir die Stabt im Rüchen, und ich sprengte auf einer breiten, weißen. 776 versteckte Testamente. Kürzlich ivurde einem schottischen Gericht ein Testament vorgelegt, das 16 Jahre erfolglos gesucht wurde Durch einen Zufall ward es jetzt entdeckt: in einem alten, zersetzten Notizbuch des laugst Dahingegangenen. Niemand hatte daran gedacht, hier ein Testament zu suchen, das über das Schicksal eines stattlichen Vermögens entscheiden sost. Und da der Verstorbene dieses Notizbuch schon lauge vor seinem Tode nie mehr benutzte und zwischen wertlosen Papieren in irgend einer Schublade verivahrt hatte, herrscht kaum ein Zweifel, daß er in diesem unscheinbaren Helt sein Testament nicht „aufbewahrt', sondern vorsichtig „versteckt" hatte. Tie Gerichte, die sich mit Erbschastsangelegenheiten beschäftigen, sind mit dieier Neigung, Testamente zu verbergen und zu verstecken, nur allzu vertraut; es bleibt ein psychologisches Rätsel, warum so viele Menschen die Auszeichnungen ihres letzten Willens regelrecht verstecken; vielleicht ist vielen von ihnen der Gedanke an den Tod unwillkommen; vielleicht motten sie durch ein Versteck das Testament besonders gut verwahren und vor Diebstahl schützen: die Fälle, in denen letzte Willen, oft erst viele Jahre später, an den merkwürdigsten Orten gesunden rourben, sind jedenfalls erstaulich zahlreich und viel häufiger, als der Laie glaubt. Erfahrene Praktiker, Juristen und Richter haben sogar schon Listen der Stellen, an denen man zuerst nach einem Testamente suchen muß; viele Leute verstecken ihren letzten Willen mit besonderer Vorliebe im Futter eines alten Hutes, oder unter einem aufgeuagelten Teppich, auch das Innere von Wanduhren ist beliebt, ebenso wie alte Gemälde, hinter denen sich ein zusammengefaltetes Blatt Papier leicht verstecken läßt. Erst kürzlich fand mnn in England das Testament einer verstorbenen Fran, das zu Gimsteu des Gatten lautete, in einer Wanduhr. Man hatte nach ihrem Tode das ganze Haus durchsucht, und das Gericht war bereits entschlossen, mangels eines letzten Wittens gesetzliche Bestimmungen für solche Jätte auzuwcndeu, als zum Glück die Wanduhr stehen blieb. Als das Gehäuse geöffnet wurde, lag hier das Testament, das völlig ordnungsmäßig abgesatzt war und dessen Gültigkeit anerkannt wurde. Einen noch merkwürdigeren Aufbewahrung,splatz für ihren letztenWilleu halte sich eine Irländerin erwählt, die vor einigen Jahren starb. Sie verwahrte sowohl ihr Testament wie auch eine ganze Reihe von Aktien und Wertpapieren in einem Kehrichteimer, der mit Schutt und Asche gefüllt war und natürlich nie geleert ivurde. Merkwürdiger ist die Geschichte eine?- Testamentes, daS vor etwa 5 Jahren in England durch einen Zwaks ausgefunden wurde. Hier hatte der Testator sich nicht damit begnügt, seinen letzten Willen in das Futter eines alten, Filzhutes einzunähen, nein, er war noch jo vorsichtig gewesen, diesen Filzhut einem ärmeren Bekannten zu schenken, so daß die Wahrscheinlichkeit eines Wiederaiisstndeus dieses Testaments in der Tat sehr gering war. Andere Testatoren wiederum legen ihre letztwillige Verfügung ganz unauffällig zwischen mit Pappelic bepflanzten Chaussee dahin. Eine Weile hörte ich noch Pferdehufe hinter mir, aber der Lärm wurde schwächer und schwächer, bis ich ihn endlich nicht mehr vom Pochen meines eigenen Herzens unterscheiden konnte. Nun hielt ich an, um -u lauschen, aber nichts regte sich; sie hatten meine Verfolgung abgegeben. , Nun hatte ich nichts Eiligeres zu hm, als abzustetgen und mein braves Roß in ein kleines Gehölz zu führen, durch welches ein Wässerchen floß. Ta tränkte ich es, rieb es ab und reichte ihm zwei Stückchen Zucker, die ich zuvor in etwas Kognak aus meiner Feldflasche getaucht hatte. Natürlich war das arme Tier von dem scharfen Ritt ganz erschöpft, aber ttach einer halben. Stunde Rast hatte es sich wunderbar erholt, und ich sagte mir, daß es jedenfalls nicht an meinem Pferd liegen würde, wemt ich Paris nicht glücklich erreichte. .Ich mußte jetzt rings von Feinden umgeben feilt, denn ans einem1 Hause am Wege erscholl der laute Gesang eines deutschen Trinkliedes, und um unbemerkt zu bleiben, mußte ich quer über das Feld reiten. Kannr war ich diesen Leuten entronnen, jsa traten plötzlich zwei Männer aus dem Gebüsch heraus in das.helle Moudliud und riefen mir etwas auf Deutsch zu; aber ich galoppierte dahin, ohne auf sie zu achten, und da ihre .Husaren dieselbe Uniform trugen, wie wir, wagten sie auch nicht, auf mich zu schießen. Es war eine liebliche Nacht; der Mond stand voll am .Himmel und erleuchtete die Landschaft fast tageshell. Tiefer Friede lag über der Gegend, aber nach Norden zu wütete irgendwo ein großes Feuer und erfüllte mich unwillkürlich mit ernsten Gedanken. Drohten mir doch Gefahren von allen Seiten, iuar ich doch keine Minute meines Lebens sicher! , Mer ich bin von Natur fein Kopfhänger und hatte schon so .mancherlei gesehen, so daß ich bald wieder Mut faßte. Ja, ich summte ein Liedchen vor mich hin und dachte an die kleine niedliche Lisette, die ich in Paris aussuchen wollte. Meine Gedanken eilten.voraus nach Paris, als ich plötzlich bei einer Biegung.mich einem halben Dutzend deutscher Dragoner gegenüber fand, welche sich um ein Neuer geschart hatten. (Fortsetzung folgt.) zwei benutzte alte Löschblätter in irgend eine Briefmappe, und ost verstreichen Monate, ehe man hier, meist durch einen Zufall, das Dokument findet. In entern seiner Romane erzählt Thackecay von einem Testamente, das in der Polsterung einer alten Kutsckre gefunden wird; der Dichter ist hier von der Wirklichkeit kopiert worden: vor einigen siebzig Jahren wurde in Frankreich wirklich ein wertvolles Testament in einer Droichke gefunden. Alle diese Bemühungen, eigene Tesiamente zu verstecken und den Hinterbliebenen schwer zugänglich zu machen, sind in ihren Ursachen nur schwer verständlich und bilden in threr Gesamtheit einen interessanten Beitrag zur Psychologie des an seinen Tod denkenden Alenschen. vermrsehtes. * Romantisches vorn Haarmarkt. Frauenhaar ist eine kostbare Ware, aber wohl selten wird für den natürlichen Kopfschmuck eines Mädchens ein ganzes Vermögen bezahlt, wie dies vor kurzem in Sizilien geschah. Eine junge Sizilianerin hatte die Natur in einer freigebigen Laune das schönste Haar verliehen, das man weit und 'breit auf der ganzen Insel antreff en formte. Es fiel nicht nur durch seine ungewöhnliche Fülle auf, noch mehr rühmten nicht nur die Bewunderer, sondern selbst die Genossinnen des schöuhaarigen Mädchens die vollkommene Schwärze und die weiche wellige Feinheit ihres Kopfschmuckes. Herren bewarben sich darum, mit ihr auszugehen, weil sich alle Blicke sogleich bewundernd nach ihr wandten; aber da die sizilianische Etikette streng ist, so ward die Signorina unter der getreuere Obhut ihrer Eltern in einem kleinen Dorfe nahe bei Palermo, gehalten und lebte hier unter den Orangen- und Zitronenhaiueu, nur vor der Sonne die Herrlichkeiten ihrer einzigartigen Ziep ausbreiteiid. Da kam eines Tages ein gut gekleideter Fremder, den man an der Sprache schon als Neapolitaner erkannte. Erst sprach er von Orangen und Zitrotien, aber als man wärmer geworden war, ging er geradezu auf fein Ziel los. „Wollen Sie wir Ihr Haar verkaufen?" fragte er das Mädchen, und die Schöne antwortete rasch im Scherz: „Ja, aber nur für 1 00 000 Lire." Ans dem Scherz wurde Ernst: der Händler erklärte sich bereit, diese Summe zu zählen. Und nun geriet das ganze Haus, ja das ganze Dorf in Aufregung. Die Eltern zögerten noch; alle Freunde und Verwandten, auch der Pfarrer wurden befragt: aber schließlich entschied man doch, daß Geld besser sei als Haare. Die wundervollen langen schwarzen Wellen fielen unter der gefräßigen. Schere, und der Vater verbarg glücklich die große Summe an entern sicheren Ort, beruhigt über die Zukunft seiner Tochter, der ■eSaud) mit spärlichem Haar einer solchen Mitgift an Freiern nicht fehlen kann. . . Diese Geschichte ist bezeichnend für den hohen Ruf, den das sizilianische Haar auf dem Haarmarkt genießt und der immer mehr alle anderen Qualitäten in den Schatten stellt. Es ist etwas ganz Alltägliches, daß Bäuerinnen ihre schönen Flechten in die Stadt tragen, wo sie dafür wenn auch nicht solche Riesensiimmen, aber doch ihre 100 bis 120 Mark erhalten. Auf allen Straßen und Märkten Siziliens streifen jetzt die Haar- faufer 'herum und suchen die Mädchen und Frauen 51t der Opferung ihres Kopfschmuckes zu überreden. „Zwei und drei Lire das Rotolo!" rufen sie. Ein, Rokoko ist 800 Gramm. Selten verläßt ein Schiss Palermo, ohne Frauenhaar int Werte von 4000 bis 20 000 Mark nach New Norf mitzuuehmen, wo der dem schnöden Mammon geopferte Schmuck der Sizilianerin bei den reichen Amerikanerinnen helles Entzücken hervorruft. 8!aL-Aufgabe. Vorhand tourniert, da Mittel- und Hinterhand passen, mit folgenden Karten: 41 + + •8- + 4 ♦ $ 0 Sie wendet Treff-Bube und sagt nun Grand an. Durch das zweite, noch gefundene Blatt gestaltet sich das Spiel derart günstig, daß die Gegner Schneider werden. — Welches Blatt war dies, was drückte Vorhand, wie saßen die übrigen Karten und wie ver» iei das Spiel? t Auflösung in nächster Nummer, Auflösung des Diamant-Rätsels in voriger 91 u mutet t K Fee Hobel Rebhuhn P r u t h Ohm n Redaktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Briihl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lauge, Gießet