Montag, den 11. Novemver füll« jULBÄ Die Dame im Pelz. Roman von &. W. Appleton. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Nein, nein! entgegnete ich, saget! Sie nichts gegen Gregory. Er ist ein guter, ehrlicher Mensch. Der Sie in seiner Ehrlichkeit dem Henker ausgeliefert h>at. Das ist gerade das, was ich tadele. Wenn er nicht so verdammt gut und ehrlich gewesen wäre, mürbe er Dem Polizisten die Jacke voll gelogen und sich selbst die Unannehmlichkeit erspart haben, jetzt gegen Sic Zeugnis ablogen Zu müssen, wie es nun der Fall ist. Doch, meine Zunge geht jetzt mit mir durch. Wir wollen die Sache kurz machen. Natürlich mürben Sie, wenn Sie schulbig wären, sicherlich nicht Ihre Apotheke im Hause zurückgelassen haben. Haben Sic sie überhaupt gebraucht? Nein. Wo hatten Sie sie denn? In der Ueberziehertasche. Haben Sie Ihren Ueberzieher ausgczogcn? Jawohl. >Jn dem Zimmer, wo Sie das Gesicht des Weibes sahen? Ja, in diesem Zimmer. Und haben ihn darin liegen lassen, während Sie oben waren? Jawohl. Dann ist die Sache ja ganz klar: sie hat das Käst- chetl aus der Tasche genommen und sich in der bekannten Weise zunutze gemacht. Wie aber sollen wir das beweisen? Wie wollen wir nachweisen, daß das Weib überhaupt im Hause war? Ich zuckte verzweifelnd die Schultern. Herr Beale fuhr nach einigem Nachdenken fort: Das Haus ist noch nicht genau durchsucht. Das ist das erste, was wir tun müssen. Wer weiß, was sich dabei ergibt! Ihr Anwalt muß darauf bestehen, daß die Verhandlung verschoben wird. Hol mich der Kuckuck! Ja, wahrhaftig! Ich muß noch was sagen, obschon ich den 'Schleier nicht zu srüh lüften wollte. Ich glaube nämlich, ich bin Ihren Feinden auf der Spur. Gott sei Dank! Endlich! rief ich erleichtert aus. Ja. Ich denke. Ihr biederes Dienstmädchen haben wir bis zur Wohnung eines Doktors in Pimlico verfolgt, eines Ausländers, namens Mercier. Darauf haben mir auch dessen Bewegungen überwacht und festgestellt, daß er öfter eine mysteriöse Dame besucht, die eine kleine Billa in Maida Vale bewohnt, Pferd und Wagen hält und — stets allein — alle Tage ausfährt. Sie ist ein stattliches' Weib von etwa fünfunddreißig Jahren und bei den Geschäftsleuten in der Nachbarschaft unter dem Namen Gräfin Katinsky bekannt. Dieser Name klingt bedenklich nach Verschwörung, bemerkte ich. Ganz recht! Polnisch, fuhr er fort; nicht wahr? Außerdem scheint sie massenhaft Geld zu haben, denn sie zahlt alles bar und pünktlich. Und nun komme ich ans den. springenden Punkt: sie sendet und erhält immerzu Chiffretele- gramine vom Kontinent. Sehr verdächtig, warf ich ein. Ja, sehr; aber noch verdächtiger ist, daß zwei Geheimpolizisten, die sie beobachtet hatten, in den Photographien Bertholdis und von Eitzens (den letzteren hatten mir in der Leichenhalle photographiert) sofort die Männer erkannten, die sw häufig in ihrem Hause hatten ein- und ausgehen sehen. Das ist ja vielversprechend. Allerdings; jetzt müssen wir nur noch den fehlenden Brief, Garcias ausfindig machen. Der muß auf alle Fälle herbeigeschafft werden, denn er enthält höchstwahrscheinlich den Schlüssel zu dem ganzen Geheimnis. Ich glaube bestimmt, daß ihn die junge Dame in ihrer übergroße Angst irgendwo verborgen und dann die Stelle vollkommen vergessen hat. Diese Vermutung des Inspektors leuchtete mir ein. Aber wo mochte sie ihn versteckt haben? Eine bloße Anstrengung des Gedächtnisses würde nicht hinreichen, um sie ihn wiedcrfinden zu lassen. Hier lag also die Schwierigkeit. Als ich diese Bedenken dem Inspektor mitteilte, schlug er sich plötzlich auf das Bein und rief: Ich glaub, ich häb'sl Der Brief befindet sich entweder in Ihrer Wohnung ober in dem Zimmer, in dem sie im Hotel, die erste Nacht zugebracht hat; verlassen Sie sich auf mein Wort. Nun muß ich gehen; und wenn Sie nichts dagegen haben, werde ich gleich mal nach Richmond hinunterfahren zu Fräulein Garcia und ein bißchen mit ihr plaudern. Tun Sie das, sagte ich, und heitern Sie sie etwas auf. O, das werde ich schon besorgen, haben Sie keine Angst. Ich werde ihr sagen, daß Ihr Leben von der Auffindung dieses Briefes abhängt; dann wird sic schon aufflammen und Himmel und Hölle in Bewegung fetzen, ihn ausfindig zu machen. Ich werde zum Untersuchungs- termin kommen. Es wird, glaube ich, ziemlich brenzlich für Sie werden, aber behalten Sie nur den Kopf oben. Ich denke, wir werden Sie schon durchbringen. An Ihrem Freund Mortimer haben Sie ja einen starken Beistand; er wird alles aufbieten, Sic frei zu bekommen. Er ist ein prächtiger Mann. Einen solchen Freund zu haben, macht das Leben allein schon lebenswert, wahrhaftig wahr. Nun adieu! Als ich mich in meiner Zelle wieder allein befand, erschienen mir ihre Wände nicht mehr so furchtbar; hie Eisenstäbe vor dem Fenster waren bloße Eisenstäbe und 706 konnten die Sonne nicht länger .abhalten. Meins Brust Hob sich, mein Mannesmnt kehrte wieder; wußte ich doch, daß draußen noch! wackere Herzen für mich schlugen, schürfe Köpfe für meine Befreiung arbeiteten. Die Geliebte erwartete mit Sehnsucht den Moment, wo ich zuruckkehrte und sie wieder Wit. meine Arme schloß. Ein Gefühl der Zufriedenheit kam über mich. Ich schlief gesund und ruhig in dieser Nacht, und die rauhe Stimme der G-efängnisuhr scheuchte mich nicht aus der kleinen Traumwelt, in. der ich die langen Stunden hindurch mit meiner Geliebten wandelte. 21. Kapitel. So verstrichen drei Tage. Ich hatte häufige Unterredungen mit Mortimer und Herrn Barton. Endlich brach der Morgen an, an dem ich in der „grünen Minna" nach Putney zurücktransportiert wurde. Ein zweites Mal stand ich vor den Schranken des Gerichts. Das Gefühl her Befangenheit, das einen beim ersten Auftreten vor dem Richter durchzieht,- war von mir gewichen, ich hatte mich vollständig in der Gewalt und trug eine gewisse Gleich-' gültigkeit zur Schau. ' Nach Erledigung der üblichen Formalitäten, kam zunächst der Leichenbefund zur Sprache. Die Sache unterlag keinerlei Zweifel. Meine Tante war an Aconitvergiftung gestorbeu. Nach der Ansicht des einen Sachverständigen war eine seh-r große Dosis angewandt worden. Herr Barton knüpfte an diese Aussage sofort die Frage, ob er unter einer großen Dosis mehr als eine Unze Werstehe. Der Sachverständige bejahte dies. Dieser Punkt sprach zu meinen Gunsten, obwohl Doktor Pennyfeather diese Annahme lebhaft bestritt. Das ganze Gebaren dieses Mannes kam mir höchst sonderbar vor. Er ivar ein nervöses kleines Männchen mit einer Glatze, weißem Backenbart und schreiender Stimme/ der stets mit der Rechten in der Luft herumfuchtelte, um seinen Worten mehr Nachdruck zu verleihen. Da ich ihm nie im Leben in Worten oder in Werken etwas zuleide getan hatte, war mir seine offenbare Animosität gegen mich durchaus unerklärlich. In theatralischer Weise bekundete er, die Verstorbene sei seine Patientin gewesen und habe ihm in der letzten Zeit viel Sorge bereitet. Ihr Leiden sei nicht physischer Natur gewesen, sondern sie habe viel seelischen Kummer gehabt, weil sie der Beschuldigte, ihr Neffe, der ihr zu großem Danke verpflichtet gewesen sei, sehr schlecht behandelt habe. Dies habe eine starke gemütliche Depression zur Folge gehabt, dieser sich anfangs gar nicht habe erklären können. Erst auf längeres Drängen habe sie ihm, dem Zeugen, gestanden, daß diese schlechte Behandlung von feiten des Angeklagten der Grund ihres Zusammenbruchs sei. Sie habe dann das Bett aufsuchen müssen, und-der Beklagte habe sie ein paar Tage vor ihrem Tode besucht. Bei dieser Gelegenheit habe er sich in seiner Heftigkeit zu einer fast brutalen Szene hiureißen lassen, wonach das Befinden der armen Frau immer schlechter geworden sei. In der Nacht ihres Ablebens habe er sie wie gewöhnlich noch einmal zu später Stunde besucht, aber sie bereits im Todeskampfe liegend vorgefundeu. Er habe sofort erkannt, daß eine Vergiftung durch Aconit vorliege. Er sei zwar kein Spezialist in diesen Dingen, habe aber schon mal einen solchen Fall gehabt und deshalb gleiche geivußt, worum es sich handele. Er sei sehr bestürzt, aber dann geradezu entsetzt gewesen, als sie ihm kurz vor ihrem Abscheiden mit Aufbietung aller Kräfte gesagt habe, baß sie von ihrem Neffen vergiftet worden sei. Aus näheres Befragen habe er dann erfahren, daß der Angeklagte heimlich ins Haus geschlichen und gewaltsam in das Krankenzimmer gedrungen sei. Sie sei dabei aufgewacht und habe gerade noch gesehen, wie er sich an den Arzneigläsern zu schaffen gemacht habe. Die sofort von ihm, dem Zeugen, vorgenommene Untersuchung habe dann auch ergeben, daß in eins derselben Aconit gegossen worden sei, und beim Durchsuchen des Zimmers sei denn auch ein leeres Fläschchen mit der Aufschrift „Aconit" wirklich gefunden worden. Später habe sich auch eine Taschenapotheke mit dem Namen des Gefangenen gefunden., worin dieses Fläschchen gefehlt habe. Unter solch verdächtigen Umständen habe er es für seine Pflicht gehalten, unverzüglich Anzeige zu erstatten. Auf Befragen des Herrn Barton erklärte er, daß ihm die Mitteilung von dem gewaltsamen Eindringen von der Haushälterin der Verstorbenen geworden sei, die auch mit eigenen Augen gesehen habe, wie der Angeschuldigte den Inhalt des Fläschchens in das Arzneiglas gegossen, habe. Der nächste Zeuge war Hephzibah selbst., Sie erzählte mit außerordentlicher Sicherheit, ohne einen Moment zn stocken, die größten Lügen, die je einem Weibe über die Lippen gekommen sind. Ich hätte ständig mit ihrer Herrin im Streit gelegen, obwohl sie mir mehr als eine Mutter gewesen sei. Ich verdankte ihr alles, hätte sie aber nur mit Undank belohnt. Zuletzt habe sie mich zu enterben gedroht und es auch tatsächlich getan (Herr Barton lächelte hierbei). Ich wäre ungerufen augekom- meu, und- eine Krankenpflegerin, die nicht gewußt habe, daß mir der Eintritt verboten sei, hätte mich eingelassen. Als sie, Hephzibah, mich der Weisung ihrer Herrin entsprechend nach dem Grunde meines Kommens gefragt habe, habe ich erwidert, daß ich einer dringenden Botschaft meuter Tante gefolgt fei. Dies habe sie entrüstet, bestritten. Darauf sei ich sehir heftig geworden, hätte sie ins Gesicht geschlagen und mir mit Gewalt den Weg ins Zimmer der Kranken gebahnt. Im ersten Augenblick wäre sie von dem Schlag ganz betäubt gewesen, daun habe sie sich aber doch die Treppe hinaufgeschleppt iind sei gerade dazn- gekommen, als ich aus einem Fläschchen etwas in das Medizinglas meiner Tante gegossen hätte. In diesem Moment sei diese selbst auch inunter geworden, habe mich gleichfalls beschuldigt und dann aus dem Hanse gewiesen. Sie, Hephzibah, wäre dann hinuntergerusen worden, und während ihrer Abwesenheit wäre meine Tante zweifellos aufgestanden und hätte ihre Arznei genommen, denn kurz nachher habe sie Krämpfe bekommen und bei der Ankunft des Arztes bereits im Sterben gelegen. Sie würde diesen schrccklichen Anblick nie vergessen, niemals bis 011 ihr Lebensende. Es sei eine grausame, fürchterliche Tat, und sie hoffe, daß dieselbe entsprechend gesühnt werde. Ehe die Zeugin abtrat, erhob sich mein Verteidiger Barton und richtete die scheinbar ganz nebensächliche Frage an sie, warum sie glaube, daß die Verstorbene mich enterbt habe? Darauf war sie absolut nicht gefaßt, das paßte nicht in das Lügengewebe, das sie sich ausgesponnen hatte. Sie zögerte etwas und erwiderte dann, ihre Herrin hätte ihr das gesagt. Ans die weitere Frage, ob sie in dem neuen, letzten Willen reichlich bedacht sei, gab sie eine bejahende Antwort. Danke Ihnen, sagte Herr Barton und setzte sich befriedigt wieder auf feinen Stuhl. (Fortsetzung solgt.) Großen Lindener Volksleben vor 250 Jahren. Von Pfarrer Schulte, Großen-Linden. (Schluß.) Habe ich nun mit der bisherigen Darlegung gewissermaßen die äußeren Grenzen gezeichnet, die das Volksleben von 25Q Jahren in Großen-Linden umfriedeten, so will ich nun dazu übergehen, soweit die Quellen hier stießen, einige der Anschauungen und Sitten zu schildern, die uns hier begegnen. Großen-Linden hatte damals eine einklassige Schule. Ein Schullehrer leitete sie und man zählte ihn zur Geistlichkeit/ nicht nur, weil damals die Schule Sorge der Kirche war, sondern auch, weil der Schullehrer selbst, wie in sehr vielen Orten Hessens, Theologe war und das Amt des Schulmeisters meist die 1 Stufe des theologischen Berufes darstellte. Er war zugleich Kantor, Vorsänger, da einerseits die Kirche noch keine Orgel hatte und anderseits die Schüler bei Leichenbegängnissen auf dem Kirchhofe und während des Leichenzuges zu singen hatten. In der Schule lernten die Kinder lesen, schreiben, singen, ia hier und da auch einer lateinisch. Es kamen aber nicht nur Großen- Lindener Kinder, sondern auch Hörnsheimer, welches Dorf damals Filialdorf von .Großen-Linden war und deshalb heute iwch in besonders freundschaftlichem nahen Verhältnisse zu unserm Orte steht. Man war aber in Hessen zu dieser Zeit so weit, wie anderswo erst 100 Jahre später. Der Landgraf und die leitenden Männer der Regierung erstrebten die allgemeine Schulpflicht. , Der vfarrer und der Kirchenkonvent drangen darauf, daß jedes Kind im' Dorfe komme. Sind auch die Gründe nicht dieselben, die heute den Staat zur allgemeinen Schulpflicht bewegen, Schulung von Verstand und Wille, Erziehung und Aufklärung, sondern vielmehr das Bestreben, in erster Linie den Menschen den Katechismus zu lehren/ ohne dessen Kenntnis keiner heiraten oder Pate stehen kaun, und in die Bibel einzuführen, das Verdienst kann Niemand der luth, Kirche absprechen, zuerst für die allgemeine Schulpflicht eingetreten zu sein. Nun ist eigentümlich zu sehen, welch einen Kampf diese Wirksamkeit der lutherischen Theologie un Volke anfachte. Das 707 — Protocollum gibt dafür interessante Beispiele. So wird' jemand vom Pfarrer aufgefordert, seine Töchter, von denen die ältere 8 Jahre alt war, in die Schule zu senden. Er antwortete: Seine Kinder seien gar .zu unverständig, sie müßten bei dem kleinen Kinde bleiben. Und als ihn« darauf im Kirchenkonvente scharf zugesetzt wurde, meinte er: Es wären in vier Herrenländern so keine Leute; er zöge lieber zum Dorfe hinaus. Ein anderer sagte, er hätte kein. Geld, dein Kinde ein Buch zu, kaufen und fügte ironisch zu: er hätte nicht vor, es auf die Hohe Schule zu schicken. .Wurden die Leute in die Enge getrieben und Strafen ihnen angedroht, dann war ihr letztes Wort, wie das des zuerst genannten Mannes: Sie gingen eher zum Dorfe hinaus. Und dieser Widerstand des kleinen Mannes ist, wie es scheint, so stark gewesen, daß die Regierung es bei der Androhung sowie bei etlichen Strafen beließ. Immerhin besuchten in einem Jahre aus Großen-Linden 14 Schüler (die Anzahl der Schülerinnen ist nicht angegeben) die Schule. Wenigstens erfahren wir einmal aus dem Protokoll, daß 14 Schüler in zwei Parteien in Großen-Linden die Braten einsammelten; ein Brauch, den: die Hirten im Schlitzer Land heute noch obliegen, und der .darin besteht, daß sie sich von den einzelnen Dorfbewohnern Lebensmittel usw. erbitten. Mit der Konfirmation verließ der junge Mensch die Schule. Er trat bald in die Zahl der Burschen, die Burschenschaft, wie man später sagte, oder, wie man damals sich ausdrückte, in die Zahl der Knechte ein. Man bekommt beim Lesen des Weigel- schen Protokolls sofort den Eindruck, daß es sich hier nm eine festgefügte Korporation handelt. Wer in sie eintritt, muß das sogen. Knechtsleier zahlen. Weigert er sich, so wird er des nachts auf der Gasse etwa überfallen, niedergeworfen und erbärmlich durchgedroschen, oder in eine Wede (einen.kleinen Teich, deren Großen-Linden 4 hatte) geworfen. Alle Knechte halten treu zusammen. Keiner verrät den andern. Sie ziehen zusammen aus, wenn z. B. irgendwo in der Nähe eine große Hochzeit ist. Sie sind allzusammcn als ledige Personen zum Besuche der Kinderlchre verpflichtet, aber mitunter schwänzen sie sie. Aber es ist noch mehr, als dieses Schwänzen der Kinderlchre und das oft zu Schlägerei ausartende und viel mit wüsten Gelagen verbundene Nachtgassenlanfen, das der Pfarrer an ihnen tadelt und straft. Die Jugend ist die Bewahrerin uralter Bräuche und Sitten, und der Pfarrer sieht gerade in diesen Schlimmes, Arges. In der Walpurgisnacht rufen sie bei einem Feuer am Pfarracker am Holzweg die Lehn aus, wie ja in Hessen noch hier nnd da heute, und sie zünden dabei ein helles Feuer, über das vielleicht die Paare int Jubel springen und schießen. Und ihr Uebermut ist einmal so groß gewesen, daß sie der Pfarrerin selbst die Dorn-Wellen zum Feuer stahlen. Am Pfingstmorgen vor der Metten reiten die jungen Burschen auf die Pferdpfingstweide, alte Frühlingsgebräuche daselbst zu pflegen, und in der folgenden Nacht singen sie um Mitternacht bei einem Umzug aus den Gassen und halten beim Rathause einen Schwerttanz. Am Pfingstdienstag kommen sie abends von der Weide geritten, halten dreimal einen Umzug im Flecken und einer ist dabei ganz schwarz, ein anderer sitzt verkehrt auf dem Pferde und hat statt des Zügels den Schwanz in der Hand. Der Pfarrer versucht, was er kann, diesem Brauche zu steuern. Er ermahnt die Kirchenältestcn, die Senioren, wohl acht zu Leben, er spricht mit dem Schultheiß und Amtsschultheißen; aber erwischt und zur Bestrafung gebracht wird keiner. Selbst sein eigener Knecht betrügt ihn. -Er ist auf Walpurgisabend nicht im Stall, wo er sein Lager hat. Statt dessen bemerkt der Pfarrer aber zwei Knechte, die seinen Knecht zum Lehnausrufen abholen wollen, aber alsbald entweichen. Er bringt die ganze Sache vor den Schultheißen. Der Knecht redet sich heraus; er sagt: er hätte in der Schauer Heu gerupfet und sei darüber entschlafen. Als man ihn fragt, wer denn die zwei Kneck e gewesen seien, sagt er, er hätte sie nit gekannt, er sei schlaftrunken gewesen. Auch mit dem Sausen mancher Knechte in den Wirtshäusern und unter den Linden, mit ihrem Kreischen in der Nacht auf 'der Gassen, mit den Nachttänzen auf der Straße bei Hochzeiten hat der Pfarrer seinen Aerger. Desgleichen ist er mißtrauisch gegen das Treiben des Gesindes am hl. Christfest. Er will den Brauch des „Scheidens", d. h. des Dienstwechsels nicht hindern, aber der überquellenden Fröhlichkeit ivill er entgegentreten. So mahnt er die Senioren, wohl Achtung zu geben, wenn das Gesind ausgingc aut Christfest. Ebenso ist es mit der Kirchweih. Sie fiel auf Mitte Juli. Alle Kirchorte in der Umgegend hatten ihre bestimmte Kirchweihzeit (es ist nicht mehr ein bestimmter Tag, aber ein weiterer Zeitbegriff vielleicht von einer Woche), die so bekannt war, daß Pf. Weigel z. B. berichtet, jemand sei zu Heuchelheimer Kirchweih 2 Jahr alt geworden. Die Kirmes dauerte 3 Tage, obgleich der Pfarrer das nicht wollte. Sie begann mit einem Gottesdienst. Zuweilen siel sie auch aus, so, wenn ein Not- oder Kriegsjahr, oder landesherrliche Trauer war, die bei der zahlreichen Verwandtschaft des Landgrafen gar nicht selten befohlen wurde. In anderen Stücken hatte der Pfarrer wieder an den Knechten sein Wohlgefallen. Als ein Brand einst das Torf Hatzfeld heimgesucht hatte und für dte Brandbeschädigten die Mildtätigkeit angerufen wurde, bringen sie freilich dem Pfarrer 15 alb., die sie unter sich gesammelt haben Ein ander Mal vereinigen sie sich zu einer theatralischen Aufführung. Sie spielen auf dem Rathaus das Spiel von den 7 klugen und den 7 törichten Jungfrauen und der Pfarrer sorgk> daß ihnen .zur Belohnung ein Ehrentrunk von der Gemeinde gereicht werde. Theatralische Spiele anderer Art sah Großen- Linden damals öfter. Es kamen fahrende Leute, die sie veranstalteten. So einmal im September 1670 Antonius Span- nagel von Biedenkopf. Der hatte ein Spiel mit Figuren, so da tanzeten, und sprang auch selbst dazu, ein ander Mal kam Andreas Rosenbaum aus dem Braunschweiger Land, der eine Komödie hier agieren wollte. Er hatte 2 in seinem Repertoire: vom verlorenen Sohne und von des Menschen Sterblichkeit. Merkwürdigerweise steht nun aber in dem Protocollum Weigels kein Wort von dem Brauche der Jugend, den Kenner oberhessischen Volkslebens unsrer Zeit zuerst zu finden erwarten. Die S p i n n st u b e wird nirgendwo erwähnt; selbst das Wort kommt gar nicht vor. Ich glanbe weniger, daß es hier damals keine Spinnstuben gab, als vielinehr, daß das Treiben in denselben entweder dem Pfarrer verborgen blieb oder ihm keine Veranlassung gab einzuschreiten. Aber von einer seltsamen Einrichtung, an der die männliche Jugend hier beteiligt war, muß ich hier noch berichten. Es gab damals noch keine allIemeine Militärpflicht. Das Heer des Landgrafen war ein Söldnerheer. Aber man hatte neben diesem in den Ortschaften den sogenannten Ausschuß. Jeder Bezirk hatte seinen eigenen. Die jungen Bnrschen jetten Ortes mußten sich in gewissen Zeiträumen in Gießen dem dortigen Obristzwachtmeister vorstellen, dieser musterte aus ihnen eine Anzahl aus, die nun zum Ausschüsse gehörten. So wurden einmal aus Großen-Linden 15 junge Männer zu ihm gewählt. Alle Jahr zweimal kam der Ausschuß in Heuchelheim oder Lollar oder Gießen zusammen zur Vorstellung« und zu einer militärischen Uebnng. Er trat in Wirksamkeit, wenn bestimmte Not die Orte und das Land bedrohte. So zog einmal der Ausschuß des Hüttenberges des benachbarten Bezirks aus, Hörnsheim von den Kroaten, die von durchziehenden Heeren zurückgeblieben ivaren und nicht fort wollten, man gäbe ihnen denn Vorspann, zu säubern. Es war also eine Art Landwehr im eigentlichen Sinne des Wortes. Der Ausschuß hat sehr lange in unserm Lande bestanden und noch ivirb in unserm Rathaus« eine Fahne aufbewahrt, die im 18. Jahrhundert ein Landgraf ihm schenkte und deren Wappen irrtümlich eine Zeitlang als das Großen-Lindener Wappen angesehen wurde. Es ist bisher von der männlichen Jugend und ihrem Leben die Rede gewesen. Die Frage, wie es denn mit der weiblichen gewesen sei, mnß leider offen bleiben. In Weigels protocollunr wird dem jungen Mädchen erst Aufmerksamkeit geschenkt, wenn cs Braut ist, freilich da um so mehr. Die Zurückhaltung, die eben die Sitte dem Weibe und dem jungen Mädchen insbesondere in der Oeffcntlichkeit auscrlegte, der Umstand, daß das Haus sein Reich ist, und so fein Wirken und Arbeiten mehr verborgen bleibt, haben wohl das meiste dazu beigetragen. Lassen Sie mich hier halt machen, obgleich ich mit dem Angeführten nur einen kleinen Teil eines großen Materials erschöpft habe. Ueber Taufe, Hochzeit, Beerdigung, Verkehr mit Zimmerleuten und Maurern, der Beamten und Pfarrer unter sich und mit den Vorgesetzten, Krankheit und Sterben, über dieses und noch anderes mehr unterrichten noch die genannten un- gedruckten Quellen und fördern noch viele eigentümliche Bräuche und Sitten zu Tage. Von selbst drängt sich eine Vergleichung des Lebens der Jugend mit heute auf. Wie ist das alles so anders! Eine neue Zeit hat fast die letzten Spuren weggeweht,. nuv int feinen Bogelsberge zeigt sich noch hier und da Aehnliches. Das sage ich nicht, um zu beklagen, wie so vieles Interessant« hinschwindet. Es ist das Recht jeder Zeit, neue Sitten zu schaffen und ins Leben zu rufen und ein' Unrecht, Altes' halten zu wollen, das nicht mehr der Zeit gemäß ist. Aber es soll auch kein Volk vergessen, welche Veränderung es dnrchgemacht hat, ehe es zu dem wurde, was es heute ist. Unser Älter erfreut sich an den Erinnerungen der Jugend, dem Großen-Lindener von heute soll es auch eine Freude sein zu denken an das Linden von ehemals. Erinnerungen aus -er Bartholomäusnacht. Erst kürzlich hat der Kaiser, in einer seinem Vorfahren, dem Admiral von Coligny, gewidmeten Rede an die Schrecknisse der Bartholomäusnacht erinnert, deren Opfer der Admiral geworden ist. In allen Zetigtiissen der Zeitgenossen, die von dieser furchtbaren Nacht erzählen, zittert die alle Dämme sprengende Leidenschaftlichkeit und Erregung, die entsetzliche Angst, unter bereit Bann ganz Paris stand, nach. Mit die lebendigsten Erinnerungen aus der Bartholomäusnacht verdanken wir Margarethe von Valois, der Tochter König Heinrichs II. von Frankreich und damaligen Gattin Heinrichs von Navarra, der später als Heinrich IV. Frankreichs Thron bestieg? Margarethens von ihren Zeitgenossen begeistert gepriesene Schönheit kam ihrer Klugheit gleich, und daß sie die Feder mit großer Sicherheit und Eleganz zu handhaben wußte, das beweisen ihre.leider nur einen Teil ihres reich- bewegten Lebens behandelnden Erinnerungen, die bereits vor mehr als 100 Jahren Friedrich Schlegel der Uebertragung ins Deutsche ür wert erachtet hat. Während indessen Schlegels Uebertragung unvollständig war, veröffentlicht der Verlag von Georg Müller in München demnächst eine neue, von Alfred Semerau besorgte deutsche 708 Ausgabe der Erinnerungen Margarethens, durch die dieser unschätzbare Beitrag zur Kulturgeschichte des 16. Jahrhunderts unserer Literatur neu geschenkt wird. In wie hohem Grade Margarethe die der Zeit der Renaissance eigene Gabe der anschaulichen Darstellung besaß, beweisen gerade ihre Erinnerungen aus der Bartholomäusnacht. Man hatte ihr von dem furchtbaren Anschlag keine Mitteilung gemacht. „Ich sah alle Welt in Bewegung: die Hugenotten verzweifelt ob der Verwundung (des Admirals), die Herren von Guise und Furcht, daß man sie dafür strafen wolle, miteinander flüsternd. Die Hugenotten beargwöhnten mich, weil ich katholisch war, und die Katholiken, weil ich den König von Navarra, einen Hugenotten, geheiratet. So sagte mir kein Mensch ettvas. Am Abend, beim* Schlafengehen der Königin, meiner Mutter, saß ich auf einer Truhe neben meiner Schwester von Lothringen, die ich sehr traurig sah. Die Königin, meine Mutter, die mit einigen -Personen sprach, bemerkte mich und sagte zu mir, ich sollte zu Bett gehen. Wie ich ihr die Verbeugung mache, nimmt meine Schwester mich am Arm, hält mich unter heftigen Tränen zurück und sagt zu mir: „Mein Gott, geht nicht schlafen, meine Schwester!" Das erschreckte mich aufs äußerste. Die Königin, meine Mutter, bemerkte es, rief meine Schwester, ergrimmte heftig gegen sie und verbot ihr, mir etwas zu sagen. Meine Schwester entgegnete ihr, daß man mich nicht auf diese Weise opfern dürfe, und daß sie ohne Zweifel, wenn sie irgend etwas entdeckten, sich an mir rächen würden. Die Königin, meine Mutter, antwortete, daß, wenn es Gott gefiele, mir nichts Böses zustoßen würde. Doch gleichviel, ich müßte gehen, sonst würben sie irgend welchen Argwohn schöpfen, der die Wirkung verdürbe. Ich sah wohl, daß sie stritten und hörte nicht ihre Worte. Sie befahl mir nochmals rauh, zu Bett zu gehen. Meine Schwester bot mir unter Tränen guten Abend, wagte mir aber anders nichts zu sagen, und ich war ganz erschreckt und verzweifelt, ohne mir erklären zu können,' was ich zu fürchten hatte. Sowie ich meinem Kabinett war, bat ich Gott, mich in seine Hut zu nehmen und zu schützen, ohne zu wissen, vor wem noch vor was. Indessen schickt der König, mein Gemahl, der sich zu Bett gelegt hatte, nach mir, ich sollte mich schlafen legen) Das tat ich und fand sein Bett von dreißig oder vierzig Hugenotten umgeben, die ich noch nicht kannte, denn ich war. erst seit wenigen Tagen verheiratet. Die ganze Nacht sprachen sie nur von dem, was dem Herrn Admiral zugestoßen war, und entschlossen sich, sobald es Tag würde, die Gerechtigkeit des Königs gegen den Herrn von Guise anzu- rufcn, und, wenn man sie verweigerte, sie selbst zu üben. Ich hatte stets die Tränen meiner Schwester im Herzen und konnte vor Augst, ich wußte nicht warum, nicht schlafen. So verging der Nacht, ohne daß ich die Äugen schloß. Mit dem Morgengrauen sagte mir der König, mein Gemahl, er wolle zum Ballspiel gehen und warten bis der König Karl erwacht wäre, denn er war entschlossen, von ihm Gerechtigkeit zu fordern. Er verläßt mein Zimmer und alle seine Edelleute ebenfalls. Wie ich sah, daß cs Tag war, glaubte ich, Gefahr, von der meine Schwester gesprochen, wäre vorüber, Und sagte, vom Schlaf 'besiegt, meiner Amme, sie solle die Tür schließen, damit ich nach Belieben schlafen könnte. Eine Stunde danach, als ich im tiefsten Schlafe lag, siehe da hämmerte ein Mensch mit Füßen und Händen an die Tür und schrie: „Navarra, Navarra!" Meine Amme glaubte, es wäre der König, mein Gemahl, lauft schnell tzur Tür und öffnet ihm. Es war ein Edelmann namens Herr von Lsran, der einen Degenstich in den Hals und einen Hellebardenstoß in den Arm erhalten hatte und noch von vier Bogenschützen verfolgt wurde, die alle nach ihm in mein Zimmer traten. Er wollte sich retten und warf sich auf mein Bett. Wie ich fühlte, daß diese Leute Hand an mich legten, springe ich mit einem Satz in den Raum zwischen Bett 'und Wand, und er mir nach, wobei er mich stets um den Leib gefaßt hielt. Ich kannte diesen Mann nicht und wußte nicht, ob er kam, um mich zu beleidigen, oder ob die Bogenschützen es auf ihn oder auf mich abgesehen. Wir schrien alle beide und waren beide gleich sehr erschreckt. Endlich fügte es Gott, daß Herr von Nangay, Kapitän der Garden, dazu kam und mich in diesem Zustande fand. Obwohl er Mitleid mit mir hatte, konnte er sich doch des Lachens nicht enthalten. Er geriet gegen die Bogenschützen in heftigen Zorn ob dieser Zudringlichkeit, wies sie hinaus und schenkte mir das Leben dieses armen Menschen, der mich umfaßt hielt. Ich ließ ihm in meinem Kabinett ein Lager bereiten und seine Wunden pflegen, bis er ganz geheilt war. Während ich das Hemd wechselte, weil er es mir ganz mit Blut befleckt, erzählte mir Herr von Nangay, !vas vorgegangen war, nnd versicherte mir, der König, mein Gemahl, wäre im Zimmer des Königs und von keinen: Unheil bedroht. Ich ließ mir einen Mantel umwerfen, und er führte mich in das Zimmer meiner Schwester von Lothringen, wo ich mehr tot als lebendig ankam. Wie ich in das Vorzimmer kam, dessen Türen weit offen standen, wurde ein Edelmann, Bourse, der sich vor den ihn verfolgenden Bogenschützen retten wollte, von einer Hellebarde drei Schritt vor ‘mir durchbohrt. Ich fiel fast ohnmächtig in die Arme des Herrn von Nanyah und glaubte, dieser Stoß hätte uns beide durchbohrt. Wie ich etwas zu mir gekommen war, trat ich in das kleine Zimmer, wo Meine Schwester schlief. Als ich dort War, kam Herr von Mis- sans, erster Edelmann des Königs, meines Gemahls, und Armagnac, sein erster Kammerdiener, um mich zu bitten, ihr Leben zu retten. Ich warf mich vor den: König und der Königin, meiner! Mutter, auf die Knie, um es von ihnen zu erbitten, und sie gewährten es mir auch endlich." humoristisches. * William war eben von der Universität heimgekehrt.- Er trug einen tarierten Anzug, eine farbige Weste, seidene Strümpfe und eine Krawatte, die für sich selbst sprach. Er betrat die Bibliothek des Hauses, wo er seinen Vater lesend antraf. Der alte Herr sah auf und ließ den Blick über seinen Sohu gleiten. Je länger er ihn anschaute, desto ärgerlicher wurde er. „Mein Sohu," platzte er endlich los, „dtt siehst aus wie ein Hanswurst!" Später am Tage kam der alte Major, der nebenan wohnte, herum und begrüßte den Jüngling aufs herzlichste. .„William," sagte er mit unverhehlter Bewunderung, „du siehst genau so aus wie dein Vater vor fünfundzwanzig Jahren, als er von der Universität heimkam." — „Ja," versetzte William und ■ lächelte, „das hat Papa mir eben auch schon gesagt." * „Gestern abend hatten meine Frau und ich den albernsten Streit, solange wir verheiratet sind." — „Worum handelte es sich dabei?" — „Wie wir unser Geld anlegen wollten, wenn wir etwas hätten." *Der Schauspieler Foote lebte zu einer Zeit, als die Taschendiebe ein gutes Geschäft in Herren-Spitzentaschentüchern machten. Als er eines Tages von einem Freunde, der einen Brief zu schreiben wünschte, in dessen Klub mitgenommen wurde, befand er sich dort mitten unter fremden Menschen. Lord Carmarthe, der es ihm behaglicher machen wollte, trat zu ihm, um sich mit ihm zu unterhalten, aber da er selbst etwas schüchtern war, sagte er bloß: „Herr Foote, Ihr Taschentuch hängt Ihnen aus der Tasche." Worauf Foote sich argwöhnisch umblickte, schnell sein Taschentuch in die Tasche zurückschob und entgegnete: „Danke sehr, Mylord, Sie kennen die Gesellschaft besser als ich- Büchertisch. — Hesses Volksbücherei. Nr. 721—736. Preis jeder Nummer 20 Pfg. Leipzig, Hesse u. Becker Verlag. Die neueste Reihe der Bändchen von Hesses Volksbücherei bringt in der Hauptsache auch neueste Dichtung. Nr. 721—724 enthält W. .Ien - sens historischen Roman „Aus dem Vesteustein", aus dem Nachlasse zum ersten Male in Buchform herausgegeben, ein Pracht stück der Jensenschen Erzählungskunst. In 2. umgearbeiteter Auflage erscheint von Viktor Blüthgen befürwortet Julius Dörrs „Göderschlächtcr", .eine Dorfgeschichte im märkischen Dialekte, die in den Spuren von Reiters Strvmtid wandelt und amtlich empfohlen ist /Nr. 725/726). Willibald von R c u ß schildert in einem Zeitromane von fesselndem Inhalte und ansprechender Form das mit Ende gut — Alles gut schließende Schicksal eines Uebcr- menschen (Nr. 727—730). Behaglicher Humor zeichnet Th. Oelckers Geschichten (Nr. 731) aus: Ein seltener Advokat; Dr. Schmidt und Magister Müller. Tie Beiträge des Thüringer Waldpoeten A u g u st Trinius (Nr. 732) sind ebenfalls auf einen lebensfrohen Ton gestimmt vom Wilddieb bis zur Kindergärtnerin. R. Kohlrauschs Novelle „Wotans Verlobung" spielt im heutigen Künstlerleben, Italien ist der Hauptschauplatz des Spieles (Nr. 733/734). Höher stehen die 3 Novellen Paul Q u e n s e l s in den Schlußnummern (Nr. 735/736): „Der Mückenjäger" und „Der Letzte" sind künstlerisch geschaut und ergreifend in der Darstellung, auch die Satire „Meister Zinserling" steht über dem Durchschnitte der gewöhnlichen Humoresken. USmgspromenads. Man darf die einzelnen Wörter nnd Silben mir in der Weise miteinander verbinden, daß man — wie der König ans dem Schachbrett — stets von einem Feld ans auf ein benachbartes übergeht. Auflösung in nächster Nummer. wird Herz die laben soh ' im es das als ihr mutter noch ne den hoch mut die mann sieht ter kna gern ter auch halt al im den Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummerr L e b e r k n ö d e l. Redaktion: K. N e u r a t h. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen^