M - Nr. 57 Donnerstag den April $83 ».Ct ( MTlgl M i MM rfirt Der König von Thule. Roman von Paul Grabern, (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Mit geängsteten Augen starrte sie in das furchtbare, keere Grau um sich her. Wie ein Schwindel packte es sie plötzlich. Ihr war, als hätte alles um sie her aufgehört, Boden, Luft, die ganze Erde — als wäre sie, losgelöst Vom Raum, draußen in der Unendlichkeit, im Nichts — haltlos, im Begriff, im nächsten Moment ins Bodenlose Ku versinken. Unwillkürlich riß ihre Hand am Zügel, so daß ihr Pferd einen Schritt zurücktrat. Diese Bewegung brachte sie wieder zu sich. Gottlob, noch hatte sie ja festen Boden unter den Füßen! — Wer wo blieb ihr Begleiter, ihr Führer durch die Einöde? Wie lange mochte sie schon auf ihn geharrt haben? Sie hatte keme Uhr bei sich, und es schien ihr schon eine endlose Zeit verstrichen zu sein seit seinem Weggehen. Wie, wenn er sich nun verirrt hätte, den Weg zu ihr nicht mehr zurückfände, wenn sie hier verlassen, verloren —? Ter kalte Angstschweiß trat ihr auf die Stirn. Ihre Rechte wollte in krampfhafter Bewegung nach der Sckiäse fahren, da fühlte sie plötzlich etwas Hartes tn der Hand. Sie öffnete die. Finger — die kleine Pseise, die er ihr gegeben hatte! Sie hatte in ihrer Aufregung gar nickt daran gedacht. Wie ein Gefühl der Erlösung kam es über sie, und eilends setzte sie das Instrument an die Lippen; schrill gellte der helle Laut hinaus in die Weite. Er mußte ihn ja hören. Gespannt lauschte sie — aber alles blieb still. In neu erwachender Angst pfiff sie noch einmal, diesmal aus Leibeskräften, daß ihr der Schall schmerzhaft in die Ohren schlug, und wieder horchte sie hinaus. Da! War es nicht, als ob ihr von fern, fern her ein ganz matter, dumpfer Ruf antwortete? Wieder ihr Pfiff, und wieder die Antwort, diesmal schon von näher, und noch einmal — und dann vernahm sie den Hufschlag seines Pferdes. „Hier — hier!" Ein erlösender, freudiger Schrei war es, mit dem sie ihn zu sich rief. Gott sei Dank, da war er wieder! — Aus dem Nebel tauchte die Reitergestalt plötzlich wieder vor ihr auf. Sie trieb ihm ihr Pferd entgegen. „Gottlob, daß Sie wieder da sind." Mit warmem Blick sah er sie an: „Sie haben sich doch geängstigt?" „Schrecklich!" gestand sie, und, tote jetzt noch Schutz bei ihm suchend, lenkte sie ihr Tier dicht neben ihn. Ein eigenes Gefühl beschlich ihn. Mit einem fast zard« lichen Blick umfaßte er ihre Gestalt. Es machte ihn froh, daß sie sich so vertrauend zu ihm flüchtete und an seiner Seite so geborgen fühlte. „Nun bin ich ja wieder bei Ihnen," tröstete er. „Nun sollen Ihnen die Schreckensgespenster nichts mehr anhaben I" Dankbar sah sie ihn an. Wie gut er zu ihr war. „Und haben Sie den Weg gefunden?" „Den richtigen, den ich suchte, allerdings noch nicht; aber doch überhaupt einen Weg, der vermutlich zu irgend einem Gehöft führt. Da müssen wir dann weiter sehen. Sie können wirklich ganz ruhig sein — ich bringe Sie wohlbehalten wieder heim." „O, wenn Sie nur bei mir sind! Dann habe ich keine Furcht mehr. Nur nicht noch einmal allein lassen —'bitte!" Mit warmem Aufleuchten tauchte er seine Blicke in die ihren. Am liebsten hätte er ihre Hand an sich gedrückt, wie sie so bittend sich gleichsam an ihn schmiegte mit ihrer weichen Anmut. Sie senkte unter seinem fast liebkosenden Blick die Augen; so hörte sie nur noch leise, aber sehr ausdrucksvoll seine Worte an ihr Ohr schallen: „Nein! Ich bleibe jetzt bei Ihnen. Sie sollen sich nicht mehr ängstigen." Eine zärtliche Sorge um sie klang deutlich aus seiner Stimme. Sie vernahm es nur zu wohl, und ein wohlig- süßes Gefühl überkam sie. Wie gut das tat, diese zarte Fürsorge, dies tröstliche Bewußtsein, sich in starkem, sicherem Schutz zu befinden! Träumend vor sich hinblickend, gab sie sich im Weiterreitelt ganz diesem sanft einlullenden Gefühl hin. Amthor hatte richtig gemutmaßt; der schmale, aber ziemlich begangene Pfad führte in der Tat zu einem kleinen Bauernhof. Nach einigem Verhandeln bewogen zwei voit Amthor verheißene Kronen den Bauern, den Reisenden seinen halbwüchsigen Sohn als Führer mitzugeben. Der Junge griff nach einem Zaum und der Peitsche, holte sich von der nahe gelegenen Weide fein Pony, schwang sich auf dessen, nackten Rücken, und dann jagte der kleine Zug in donnerndem Galopp davon, daß die Funken stoben. Es war wirklich erstaunlich, was die doch schon stark verbrauchten Pferde der beiden hergaben. Mit zäher Ausdauer hielteit sie sich dicht hinter dem voraufgehenden ganz frischen Kameraden, der die Führung übernommen hatte. Ein fast ununterbrochener Galopp brachte so die Drei nach Reykjavik zurück. Vor den erften Häusern entließ Amthor den Führer mit seinem Solde, und in gemäßigtem Tempo trabten sie nun wieder zu zweit dem Hafen zu. Er zog die Uhr: „Sechs — Sie kommen also noch rechtzeitig zum Diner an Bord." „Ja — Sie haben Ihr Wort eingelöst," lobte sie. „Und es war doch wundervoll — nun, wo alles glücklich überstmtden ist. Dieser Ritt wird mir unvergeßlich sein!" Ihre Worte brachten ihm mit einem Male wieder zum Bewußtsein, tote nahe ihr Abschied bevorstand. 226 „Morgen um diese Zeit," gab er seinen Gedanken Ausdruck, „schwimmen Sie schon draußen auf dem Meer Ä8W »ch ,i« WM eine B*. «d» Urung. „Wie traurig," fügte sie leiser hinzu. 5“^“ uns so gut verstanden. — Sollte es denn imrklrch lern .Wiedersehen für uns geben?" Bittend sah sre rhn an. Er schüttelte mit trübem Lächeln den Kopf. . „Sie werden schwerlich ein zweites Mal nach Island f rytnin PTt11 , „Das allerdings wohl kaum — aber Sie doch viel- keicht' einmal wieder nach Deutschland?" Er zuckte schwermütig die Achseln. „Wer werßi Mein Beruf hält mich hier fest. Freilich, es zieht mich schon lange nach der Heimat. Einmal wieder den deutschen Wald zu sehen — was gäbe ich drum!" , „Aber das muß doch einzurichtcn gehen, daß Sre ernmal ab kommen!" redete sie eifrig auf ihn ein. „Seher Wen]*, und besonders Sie in Ihrem schweren Berus, haben doch einmal eine Ausspannung nötig. Und ein Vertreter wird sich schon finden lassen." ' „Das wohl schon," gab er zu. „Aber es ist da auch stoch etwas anderes —" antwortete er ausweichend, mit traurigem Ausdruck. „Und vor allem: die Reise i,t zu weit, die Verbindung zu schlecht. Ich würde mn paar Monate fort sein müssen — und das geht nicht! entschlossen „O, wie traurig, wie jammerschade!" klagte sie; sie hatte sich schon in Hoffnungen gewiegt. Schweigend legten sie, jeder in ernstes Sinnen versunken, weiter ihren Weg zurück. . . , Plötzlich aber fuhr sie auf, mit einem neuen Aufleuchten UU 0Aber wenn es nun auch nicht Deutschland ist — wenn Sie ein näheres Reiseziel wählten, ein Land, wo Sie auch den schönen grünen Wald sehen könnten — Norwegen zum Beispiel!" , , , , Er sah auf, überrascht. Dann aber antwortete er: „Ja freilich — es wäre auch schön. Wer wir haben keine direkte Schiffsverbindung. Es wäre daher diefelbe Sache." Aber sie hatte einen Plan, einen kühnen, eben tnt Flug gefaßten Plan. O, wenn der sich ausführen ließe, wenn fie ihn dazu bewegen könnte! Ihr Herz klopfte lebhaft, wie sie sich nun eifrig, mit heimlich hoffenden Blicken an ihn wandte: . t r „Sie hätten aber eine ausgezeichnete, nie wiederkehrende Gelegenheit, schnell nach Norwegen zu kommen — wenn Sie sich uns anschlössen. In vier Tagen sind wir dort!" Mit hochgespannter Erwartung blickte sie auf ihn. Es zuckte in seinem Gesicht leise auf; aber er antwortete nicht. Doch sie sah es seinen Zügen an, daß es in ihm arbeitete. Da drang sie auf ihn ein, schmeichelnd, bettelnd wie ein Kind. „Es wird gewiß gehen. Ueberlegen Sie sich es nur einmal ruhig. Es wäre ja zu herrlich, wenn Sie nntkämen. Ich würde mich ja so unbeschreiblich freuen! — Also, Sie dürfen nicht nein sagen — bitte, bitte!" Er kämpfte in der Tat ernstlich mit sich. Der Gedanke, der ihm da so plötzlich in die Seele geworfen wurde, hatte ihn gepackt — er war ja so lockend! Einmal hinauszukommen in die herrliche Gotteswelt — sein ewiges, tristes Einerlei zu vergessen, alle Sorgen für Wochen hinter sich zu lassen, frei und froh aufzuatmen — ah, welche Wonne müßte das fein! Und warum sollte er es sich nicht einmal gönnen? Was ungezählte Tausende in seinem Berus jahraus, jahrein unbedenklich taten? — Freilich, die Verhältnisse bei ihm lagen ja ganz besonders; aber trotzdem! Ein Vertreter wäre schließlich doch zu beschasfeu. Und wie lockend klang ihm zu alledem ihre weiche, bittende Stimme im Ohr! Gerade mit ihr zu reisen, die ihm in diesen Stunden eine so liebe Kameradin geworden war, das wäre erst voller Genuß gewesen. Mit einer Seele, die so ganz mit ihm empfand, so jugendlich warmherzig sich begeisterte. Unwillkürlich sandte er den Blick zu ihr, wie sie in ihrer ganzen frauenhaften Anmut da neben ihm harrte in gespannter Erwartung, bereit, mit Hellem Jubel sein Ja zu lohnen, mit frohlockenden, dankerfüllten Augen. So warm trieb es ihn zu ihr, ihr diese Freude zu machen und sich selbst, schon schwebte ihm das zusagende Wort auf den Lippen — da zog plötzlich ein düsterer Schatten über sein Gesicht: ein anderes Bild tauchte plötzlich vor ihist aus, von dem stillen Hause da drüben her. Konnte er wirklich an sein Vergnügen denken, wo eine heilig-ernste Pflicht ihn hier hielt? Wollte er sich wirklich auf lange Wochen von hier entfernen, wo er der einzige Trost einer vom Schicksal zertretenen Seele war, die sonst nichts mehr auf der Erde hatte? Ein schmerzlicher Widerstreit seiner Empfindungen riß ihn hin und her. Frau Söllnitz sah den veränderten Ausdruck seiner Züge und sie fühlte, daß ihr Hoffen umsonst gewesen. „Ich sehe. Sie wollen nun doch nicht," traurig sagte sie es, und mit einem Anflug von Bitterkeit'fügte sie hinzu: „Es lohnt sich eben nicht für Sie, unsere Bekanntschaft fortzusetzen. Ich will Sie nun auch nicht mehr drängen — bleiben Sie ruhig hier — Sie sollen sich nicht etwa mir zu Gefallen Unannehmlichkeiten bereiten." Es hatte leise aufgezuckt in seinem Gesicht bei ihren Worten, doch er erwiderte nichts. Daß er aber nicht einmal eine Antwort für sie hatte, in diesem Augenblick, wo sie ihm verraten hatte, wieviel ihr an einem Zusammensein mit ihm! gelegen war, wo sie im innersten Herzenswinkel immer noch gehofft hatte, daß ihn dieses Bekenntnis noch um- stimmen könnte, das traf ihren Frauenstolz, und plötzlich hielt sie ihr Pferd an: „Was sollen uns eigentlich noch diese letzten, trübseligen Minuten? Wo wir doch scheiden sollen! Ich liebe solch langsames Wsterben der Stimmung nicht. Lieber ein Ende aus dem Vollen heraus! — Also," sie hielt ihm mit vollem Entschluß die Hand hin, „leben Sie wohl, Herr Doktor. Und haben Sie Dank für die Stunden mit »Ihnen! Er blickte mit wirklichem Weh in ihr ernstes, schönes Gesicht. Wie gern hätte er ihr gesagt, was in seinen? Herzen so taut rief: nein, nein! Es ist ja nicht das! Wie gern ginge ich mit dir! Es lockt mich ja so zu dir hin! — Aber die Worte kamen ihm nicht über die Lippen. (Fortsetzung folgt.) Gruselicher Nachtdienst. Skizze von Arthur Achleitner (München). In der Eßstube der Heinen Grenzerstation auf österreichischem Boden unterhielten sich an einem Augustabend vorigen Jahres drei Grenzaufseher, gemeiniglich „Finanzer" genannt, über die Frage, ob teS im Dienst der Finanzwache, bezw. cm Schmuggel etwas geben könne, was noch nie vorgekommen sei. Der dienst- jüngste Finanzer hatte diese Frage wißbegierig und lerneifrig aufgeworfen, um im Wege der Diskussion dienstliche. Erfahrungen zu sammeln. Der zweite der Grenzaufseher gab bie Möglichkeit dienstlicher Erlebnisse absonderlicher Art zu, 'vermochte aber nicht, Beispiele anzuführen. Der dienstälteste Finanzer namens Fnrchte- nicht hingegen äußerte im Tone der Ueberlegenheit ziemlich wegwerfend, daß alle Schmuggler buimne Kerle seien, unfähig, neue Kniffe zu ersinnen und mit Schlauheit ausznführen. Habe ein Grenzausseher zehn Dienstjahre in verschiedenen Grenzstationen hinter sich, so sei >ös ganz unmöglich, undenkbar, daß sich tnt Dienst etwas Neues ereigne. „Immer die alte Leier, die alte Wurscht! Und strapaziös der Dienst bei schlechter Bezahlung! So schlecht ich imomentan bei Kasse bin, fünf Liter Wem zahlt ich mit Vergnügeli, wenn mir im Dienst an der Grenz etwas ganz Neues, ein noch nicht erlebtes Ereignis Unterkommen wurde! Ich möchte als alter Finanzer mal im Dienst das — Gruseln kennen lernen! Ist aber unmöglich!" Der dienstjüngste Gelbschnabel wagte eine Anspielung auf den Schreibnamen des Dienstältesten „Fürchtenicht"; der Träger eines solchen Namens werde allerdings das — Gruseln un Dienst mC kennen lernen. Der junge Finanzer fügte bet: „.omrcht Und Anglt int Nachtdienst muß wohl was Schreckliches |etn! Gott behüte mich davor!" ' In lebhaftem Tons erwiderte Fürchtenicht: „Es sieht bei Nacht, besonders bei stürmischer Witterung, alles viel schlimmer aus, als es ist' Gespenster gibt es bekanntlich nicht, tauchen zuweilen solche Gestalten auf, so entpuppen sie sich immer als Schmuggler, in Leinentücher eingehüllt! Langweilig ist der Dienst 'worden in bezug auf das „Schwärzen"!" Ein greller Blitz erleuchtete die von abendlicher Dämmerung erfüllte Stube. „Oha!" rief Fürchtenicht und bekreuzte sich. Dumpf rollte der Donner. Ein Gewitter zog heran. Schott raschte es mächtig vom nahen Walde her, der Wind zwang die unzähligen Fichtenwipfel zu demütigen Verbeugungen, blies mit vollen Backen in Ajeste und Zweige^ 227 Die drei Finanzer biteben im Unstern am Tische sitzen, mit kalten Tabakspfeisen, her Stunde harrend, die sie -nur Dienstantritt längs der Grenze rufen werde. Des drohenden Gewitters wegen schien der Nachtdienst diesmal mißlich werden zu wollen. Der Gelbschnabel maulte: „Das Naßwerden hab ich dick! Ist mir das Zwiderste auf der Paß! Uh, wie's blitzt! Ich bitt, Herr Furchte- nicht, wie lautet das Sprüchl von wegen der Bäume, in die der Blitz gern einschlagt?" Fürchtenicht wartete das Verhallen des Donners ab und gab bann Auskunft: „Von den Fichten sollst du flüchten, die Buchen aber suchen!" Die Uhr in der Stube verkündete die zehnte Abendstunde, den Tienstbeginn für die Mnanzer. Rasch wurden die Fenster geschlossen. Im Hausflur leuchtete trüb ein Oellämpchen über dem Gewehrständer. Jeder der Finanzer ergriff seinen Karabiner, gürtete die Patronentasche um; unter dem Schutze des Radmantels ging es bann hinaus in die Gewitternacht. Dem Dienstturuus für diese Nacht entsprechend, hatte der Finanzwachmann Fürchtenicht am weitesten zu gehen, um mitten im Walde den Posten an der Reichsgrenze zu besetzen. Und kaum war er im Walde angelangt, entlud sich das Gewitter mit aller Kraft; ein schwerer Regen ging nieder, ihm folgte alsbald kttat- ternd heftiger Hagelschlag. Zeitweilig flammten fahle Blitze, die gräßliche Finsternis gespenstisch erhellend für wenige Augenblicke. Der Donner brüllte schauerlich. Groß war des Gewitters wegen die Gefahr eines Sturzes im felsigen Terrain für den Greirzaufseher Fürchtenicht, der das Blitzlicht schnell nützte, um unter den nächstbesten Felsvorsprung zu schlüpfen und Schutz vor dem ärgsten Hagelschlag zu suchen. Trotz des Radmantels durchnäßt bis auf die Haut, hieß es nun geduldig harren auf Wachtposten um so aufmerksam feine Tienst- pfncht erfüllen, als erfahrungsgemäß just während schwerer Gewitter in der Nacht Schmuggler gern die Grenze überschreiten. Fürchtenicht wußte aus der Praxis dieser Station, daß der von ihm bezogene Wachposten von besonderer Wichtigkeit war der Grenzzug durch den Wald sehr entlegen, völlig abseits vom Stationsgebäude, dafür die kürzeste Verbindung der Reichsgrenze mit dem nächsten österreichischen kleinen Dorfe, einem in Finanzerkreisen wohlbekannten Schmugglerneste. Von dem Unterschlupf, wo Fürchtenicht frierend hockte, war der Grenzpfad kaum sechzig Schritte entfernt. Jeweils im Momentanen AufslamMen der Blitze konnte der Finanzer erkennen, daß der Pfad von nußgroßen Hagelkörnern tote übersät war. Schaurig schön, in furchtbarer Majestät vollzog sich im Hoch- walde das Naturspiel dieses wuchtigen Nachtgewitters. Arg mißlich war für den Wächter die Erfüllung der Dienstpflicht, weil vom' Blitzlicht die Augen stets geblendet waren, int Donnerlärm das Gehör versagte. Fürchtenicht konnte sich der Erkenntnis nicht verschließen, daß ein längeres Verbleiben unter dem Felsvvrsprunge einer Pflichtverletzung gleichkomme, etwaigen Schmugglern im Schutze der Finsternis die Grenzüberfchreitung ermöglichen werde. Steht der Posten mitten im Pfade, so muß ein Schmuggler in der Finsternis auf den Wachmann prallen; der Angriff ist ermöglicht. So entschloß sich Fürchtenicht denn, den schützenden Unterschlupf zu verlassen, diensttreu sich dem Gewitterregen auszusetzen unb den Gangsteig zu verstellen. Gottlob hörte der Hagelschlag auf. Dafür prasselte der Regen schwer hernieder. Mus etwa dreißig Schritte hatte sich Fürchtenicht dem Grenzpfade genähert, als plötzlich abermals fahles Blitzlicht den nacht- nmfangeneit Wald erhellte. Ein Blick voraus zum Grenzsteig. Entsetzt fuhr Fürchtenicht zusammen, wie unter einem Peitschenhieb. Was die ^Cugen im Blitzlicht gesehen hätten, glich einem weißen Sarge, der mitten im Pfad stand. Im Dunkel der Nacht war alles zauberschuell wieder verschwunden. Seltsame Sinnestäuschung. Anderes konnte ,mcht denkbar sein. Ein Irrtum der Augen. Fürchtenicht war völlig nüchtern, er unb seine Kollegen Hatten des anstrengenden Nachtdienstes wegen am Abend keinen Tropfen Alkohol genossen. Von Betrunkenheit also nicht die leiseste Spur. Wie konnte aber ein völlig ausgeschlafener, ganz nüchterner Finanzer mitten im Walde, auf dem Grenzpfade, einen — weißen Sarg erblicken? An Gespenster und Geisterspuk hatte Fürchtenicht seither nie geglaubt. Mit rechten Dingen konnte aber der weiße Sarg nicht auf den Grenzsteig gekommen fein! Für einen Moment dachte der diensterfahrene Wachmann an die Möglichkeit eines Schmugglerkniffes. Der Trick, Leichenbegängnisse zu Veranstalten, in Särgen Konterbande über die Grenze zu bringen, ist Von respektablem Alter und jedem Grenzaufseher gut bekannt. Fürchtenicht blieb stehen und fragte sich, warum der weiße Sarg ohne Begleiter auf dem Waldwege stand? Sollten die Begleiter den Finanzer im Blitzlichte gesehen und schleunigst die Flucht ergriffen haben? War dem so, dann muß der Sarg Konterbande enthalten! Und im Laufe der Nacht werden bte S chmuggler zurückkehren, den Sarg'holen wollen! Fürchtenicht wartete auf neues Blitzlicht, und im Moment des Aufslammens blickte er scharf auf den weißen Sarg. Und der Finanzer gewahrte zu seinem Schrecken, daß sich der Sargdeckel bewegte. Wieder umfing nachtschwarze Finsternis das Waldgelände. Was ging da vor? Sinnestäuschung war unmöglich! Deutlich, haarscharf hatte Fürchtenicht abermals den weißen Sarg gesehen, ganz genau wahrgeuommen, daß sich der Sargdeckel bewegt hatte..... Eine unheimliche Situation! Kalt lies es Über den Rücken, den Finanzer gruselte es! Ein erschreckendes Novum im Grenzdienste! Unb biefeS unheimliche Novum muß ausgerechnet bem Wachmanne Fürchtenicht passieren, ber vor wenigen Stunden in der Greirzkaserne erklärt hatte, daß es. im Dienste nichts Neues geben könne! Für einen Moment fühlte sich Fürchtenicht stark versucht, den Dienst Dienst sein zu lassen und die Flucht zu ergreifen. Stärker als die Furcht vor Gespensterspuk erwies sich das Gewissen die Dienstpflicht im Moment, da des Finanzers Hand den Gewehrschaft berührte. Ter bewaffnete Finanzer kann und muß den Kampf auch gegen rätselhafte Wesen anfnehmen, so der Mann sich im Dienst befindet. So dachte Fürchtenicht, warf den Radmantel ab, machte das Gewehr schußfertig unb wartete auf das nächste Blitzeszucken. Ein gewaltiger Sprung brachte Fürchtenicht näher hin zum weißen Sarge. Wie der Balzjäger sich dem liebestollen Urhahn sprungweise nähert, so sprang der Finanzer bei jedem Blitzlicht bett Sarg an. Jeder Zweifel war nun ausgeschlossen: auf bem Grenzsteig stand wirklich und wahrhaftig ein weiß angestrichener ©arg. Zwar klopfte bas Herz fast hörbar, aber Fürchtenicht war zum streng dienstlichen Einschreiten mit Waffengewalt nun fest entschlossen. Auf etwa zehn Schritte stand er vor dem weißen Sarge auf knirschenden Hagelkörnern, schußbereit. Wieder ein flammender Blitz. Im Nu schrie Fürchtenicht: „Halt! Wer da?" Ein Gepolter erdröhnte. Nachtschwarz ward es ringsum. Fürchtenicht spürte, wie ihm die Zähne anfeinanberschlugen. Wieder ein greller, langanhaltender Blitz. Vom Sarge hob sich der Deckel. Ein ärmlich gekleideter, alter kleiner Mann entstieg bem Sarge .... Durch die nachtschwarze Finsternis schrie bet Finanzer: „Halt! Wer sind Sie? Was soll das bedeuten! Antwort, oder ich schieße!" Beim nächsten Blitzlicht sah Fürchtenicht, wie das Männlein auf ihn mit flehend erhobenen Händen zusprang und niederkniete. Unb in der Finsternis heulte der Mte flehentlich die Bitte, es wolle der Finanzer ihn mit dem Sarg unbehelligt über die Grenze lassen. „Ich bin ein arm« Holzknecht von. . ., mein Weib ist g’ftorben!" Im gespenstischen Wechsel von bfenbenbebn Blitzlicht unb nacht- schwarzer Finsternis vollzog sich die .dienstliche Erledigung des seltsamen Falles, indem der Grenzaufseher auf vollstänbiger Aufklärung bestand, der alte Schmuggler ehrlich antwortete und dabei seine bittere Not schilderte. Fürchtenicht spurte deutlich, wie ihm bas Mitleid ins Herz kroch, da der alte, bettelarme Mann berichtete: Im Dorfe seien die Särge unerschwinglich teuer, die wenigen Heller, die bem' Manne nach bes Weibes langer Krankheit und endlich erfolgtem1 Tobe übrig geblieben waren, reichten bei weitem nicht hin, einen Sarg auf österreichischem Boden zu kaufen. Jenseit der Grenze sind die Särge billiger; daher habe der Witwer drüben einen Sarg billigster Sorte gegen — Anzahlung gekauft und heimlich in der Nacht über die Grenze zu schmuggeln versucht. Unterwegs überraschte bett Pascher das schwere Gewitter mit Regen und Hagelschlag im Walde; um Schuh zu finden kroch der Mann in den Sarg und zog den Deckel zu. Unb gegen alles Erwarten sei nun der Herr Finanzer gekommen. . . Beim nächsten Blitzlicht in aller Eile besichtigte Fürchtenicht den mit Kalkwasser angestrichenen Sarg, der von schlechtester Qualität, aus leiclsten, wertlosen Brettern hergestellt war. Fest saß bas Mitleid, bas Erbarmen jetzt im Herzen des Finapzers, ben dies bittere Elend, die namenlose Not rührte. Einen wertlosen Sarg schmuggeln ans Not........... der nächste Blitz und der von seinem fahlen Licht erhellte Wald sah etwas Neues, noch nie Dagewefettes: der Grenzaufseher! reichte dem bettelarmen Sargschmuggler beit sehr bescheidenen Inhalt der Unanzerbörse, Tabak, Wurst unb Brot. Weinend dankte der Schmnggler, und ben Segen Gottes für den Finanzer erbittend, nahm der alte Mann den Sarg auf die Schultern unb verschwaub im Dunkel der Nacht.... Fürchtenicht suchte feinen Radmantel, hing ihn um und staub „Passe" auf bem Grenzpfad bis zum Morgen, der hell und klar mit dem schönsten Sonnenlicht begann, und bem Finanzer bie Ablösung brachte. lieber das „Novnnt im Dienst", das Fürchteincht trotz aller Negation erlebt hatte in der schaurigen Gewitternacht, sprach er zunächst nicht. Wohl aber suchte er in dienstfreier Zeit den armen Holzhauer auf, um sich über die Wahrheit der Aussage des Sargschmugglers zu vergewissern. Die Sache stimmte. An bem Begräbnisse des Weibes beteiligte sich zur Verwunderung der Leute der Finanzer Fürchtenicht.... Und Fürchtenicht erstattete dann Anzeige gegen sich selbst unter Meldung des erlebten Novttms im gruseligen Nachtdienste. 228 Von einem Disziplinarverfahren wurde wegen der Wertlosigkeit des Sarges abgesehen. Den Vorgesetzten Fürchtenichts war bei dieser Melung ja auch das Mitleid ins Herz gekrochen .... Saulus Fürchtenicht wurde zum Paulus. In Kollegenkreisen sprach er davon, daß der Finanzer im Nachtdienste Episoden erleben könne, die man für unmöglich halte, die aber doch aus Wahrheit beruhen.... Und fünf Liter Wein bezahlte er den Kameraden, aber erst ant — nächsten Gehaltstage. Ludwig VIII. und die Zigeuner. Tie Zigeunerplage ist in Hessen ein sehr altes Uebel. Die Hess. Landgrafen gaben sich schon alle erdenkliche Mühe, die braunen Gesellen aus ihrem Lande zu entfernen. Besonders der Landgraf Ludwig VIII. (1739—1768) ging streng mit den Zigeunern ins Gericht. Ter gerechte, aber strenge Fürst hatte allen Amtleuten befohlen, jeden Uebergriff der Zigeuner unnachsichtlich zu bestrafen, und dieser Befehl wurde auch gebührend ausgeführt. Hierdurch hatte sich der Fürst natürlich den ganz besonderen Haß der Zigeuner zugezogen, der noch gesteigert wurde, als man den Hauptmann einer Bande auf einem Jahrmarkt bei einem Taschendiebstahl abfaßte und ihn an einem Galgen aufknüpfte. Die Genossen des Gerichteten brüteten Rache und beschlossen, dem Landgrafen im Walde aufzulauern, wenn er abends von seinem Jagdschloß Kranichstein nach Darmstadt zurückkehre. Ludwig VIII., der ein großer Jäger war, weilte fast täglich in seinem der Residenz Darmstadt so nahen Jagdschloß, wo Jich eines Tages in der Frühe ein hübscher Zigeunerbub ein- and, der den Fürsten zu sprechen wünschte. Anfänglich versuchte man den Burschen abzuweisen, aber er bestand dringend auf seinem Wunsch, so daß man ihm Meldung erstattete. Ludwig befahl, den Zigeuner vorzuführen und dieser verkündete dem Landesherrn in orakelhafter Weise, daß er noch am selben Tage sterben werde, daß er ihn aber retten wolle, wenn ihm erlaubt würde, sich im Lande niederzulassen. Ter Landgraf blickte den braunen Gesellen an und erklärte, sein Leben stehe in Gottes Hand. Gr glaube wohl, daß er heute noch sterben könne, wenn es Gott gefalle, und bedeutete ihm, daß er seiner Wahrsagung keine Bedeutung beimesse; er fügte hinzu, daß er im übrigen die Bitt« erfüllen wolle, wenn der Zigeuner verspreche, als ehrlicher Christ im Lande zu leben. Vor allen Dingen müsse er dann seine dummen Wahrsagereien lassen. Ter junge Zigeuner sah den Fürsten treuherzig an Und sagte: „Herr Landgraf, verachte meine Worte nicht, weil ich ein Zigeuner bin. Wahrsagen will ich dir nicht, sondern ich will dir die Wahrheit sagen. Tu hast gestern den Hauptt- mann unserer Leute an den Galgen hängen lassen. Die ganze Bande, die sich an der Landstraße nach Darmstadt im Walde verborgen hält, hat dir dafür den Tod geschworen. Wenn du heute abend heimsährst, wird man dich überfallen, um dich tot zu schießen, so wahr als ich jetzt vor dir stehe." Ter Ernst, mit dem der Bursche dies sagte, Machte Ludwig betroffen. Er befahl, den Zigeuner im Schlosse festzuyalten, es ihm aber an nichts fehlen zu lassen und im übrigen das strengste Stillschweigen zu bewahren. Während im Schlosse Kranichstein tagsüber alles ruhig blieb, wurde nach Darmstadt der Befehl gegeben, bei Anbruch der Dunkelheit eine Abteilung Soldaten ohne Aufsehen den Ort im Walde einkreisen zu lassen, den der Zigeuner als SchluPswinkÄ der Bande bezeichnet hatte. , Um 8 Uhr abends fuhren 2 Wagen ruhig aus dem Schlosse Kranichstein. Ter erste Wagen war leer, im zweiten, dem in angemessener Entfernung ein Trupp Kavallerie folgte, saß Ludwig Mit 3 bewaffneten Begleitern. Als die erste Kutsche an die bezeichnete Stelle des Waldes kam, drangen 4 Zigeuner auf den Wagen ein und feuerten zugleich ihre Gewehre auf ihn ab. Die Kugeln durchschlugen sämtlich die Wände des Wagens. Darauf wollten die Mörder schleunigst wieder in den Wald zurück, aber der Landgraf und seine Begleiter vertraten ihnen den Weg, und schon waren auch die bewaffneten Reiter zur Stelle, denen es ein leichtes war, die Täter zu strecken und zu fesseln. Durch die Schüsse aufmerksam gemacht, hatten auch dis Darmstädter Soldaten ihre Schuldigkeit getan, tote das Geheul der überfallenen Zigeuner und der Siegesjubel der Mannschaften bewies. Tie Bande war gefangen. Ter Landgraf stürnrte mit seinen Begleitern in den Wald, auf den Schlupfwinkel der Zigeuner los. Aber noch nicht 300 Meter war er vorgedrungen, als er an einer mondbeschienenen Lichtung stehen blieb. Zu seinen Füßen spielte ein Zigeunerbüblein mit einem Hunde; unbekümmert des tosenden Lärmes, der ringsum ertönte. Es war ein schönes Kind, und als man die Gefangenen nach den Eltern des Knäbleins fragte, erfuhr der Landgraf, daß die Eer des Kleinen nicht mehr lebte, der Vater aber einer der vier Manner war, die ihm nach dem Leben getrachtet hatten, zu s, ^grinen von den Ereignissen der Stunde, ergriffen von dem Gedanken an seine wunderbare Rettung hob der Fürst das Kind empor, liebkoste! es und schwur, ihm Vater und Versorger zstz sein, um sich dankbar gegen Gottes Gnade für das gerettet? Leben zu bezeigen. Tie vier Mörder traf die ganze Schwere des Gesetzes: sitz wurden gehängt. । Tie Zigeunerbande aber wurde über die Grenze gebracht Und gleichzeitig angekündigt, daß jeder Zigeuner, der sich wieder auf hessischem Boden einsinde, ohne weiteres sein Leben verwirkt habe. Das Bübchen ließ Ludwig väterlich erziehen und unterrichten, und als es ein Mann geworden war, wurde es Förster in demselben Walde, in dem einst sein Vater nach dem Leben des Fürsten getrachtet hatte. Seinem Retter aber, dem jungen Zigeuner, kaufte Landgraf Ludwig in dem Städtchen Gernsheim Haus und Gut. Es wird noch erzählt, daß der Landgraf dem Bübchen den Namen Nievergelter gegeben, einen Namen, den heute noch eine Försterfamilie führt. Vermischter. * D ie Riesenschlange im Hause. Von neuem beschäftigen sich die Londoner mit dem Hause Hilldrop-crescend 3«, dem Hause, in dem der berüchtigte Dr. O r t p p e n lebte und seine Frau, die Belle Elmare, ermordete und verscharrte. Seit einiger Zeit hat der bekannte schottische Komiker Sandy Mo-Nab, der kürzlich von einer südasrikaniichen Kunstreise zurückgekehrt ist, die Stätte des Verbrechens vorurteilslos gemietet, denn er ist alles andere als abergläubisch. Trotzdem erlebte er Montag nachts in seinem mit zahllosen südafrikanischen Relseerinnerungen geschmückten neuen Heim eine böse Stunde. Er kehrte nachts um '/,! Uhr nach Hause zurück und wollte sich zur Ruhe begeben, als er plötzlich durch geheimnisvolle Geräusche aus der Küche geiveckt mürbe. „Ich habe gesunde Nerven", so erzählte der Schauspieler, „sonst hätte ich dieses Haus wohl nicht bezogen. ' Aber ich machte mich doch mit einer gewissen unheimlichen Beklemmung auf die Suche, ich mutzte in das Kellergeschoß hinunter, und um in die Küche zu kommen, den berüchtigten Kohlenkeller durchqueren, wo die Ueberrefte der Belle Elmare gesunden wurden." Mo-Nab öffnete die Küchentür: der Boden war über und über mit zerbrochenem Geschirr bedeckt. Im Widerschein des Lichtes aber erkannte man smart die Identität des nächtlichen Einbrechers: in der Nähe des Warmwasserbehälters lag auf einem Brettergerüst zusammengerollt eine große, über 4 Meter lange Riesenschlange, die zornig über die Störung zischte und dem Schauspieler ihre unheimlich glühenden Augen zuwandte. Mo-Nab hatte die Schlange aus Südafrika mitgebracht, sie war in einer von einem Drahtgeflecht umsponnenen Kiste verwahrt gewesen, aber das gefährliche Reptil hatte sich schließlich doch einen Ausweg gebahnt, mit dein Kops das Drahtnetz zerrisfen und eine Wanderung durch das Haus angetreten. Der Schauspieler versuchte die Schlange in ihren Kasten zurückzubringen, aber er merkte sofort, daß er der gewaltigen Muskelkraft des Tieres nicht geivachsen war, und brachte sich noch im letzten Augenblick schleunigst in Sicherheit, indem er aus der Küche flüchtete und die Tür verschloß. Am Morgen erbat er vom Zoologischen Garten Hilie, und der Cberroärter der Reptilienabteilung, Collins, zeigte dem Komiker dann, wie man mit Riesenschlangen zu verkehren hat. Eine junge kleine Katze, die sonst gewöhnlich in der Küche schlief, war verschivunden. Ter Zweiiel über ihren Verbleib wurde durch einen Blick auf die Schlange beteiligt: an einer Stelle war ihr Körper zu einem Klumpen ausgedehnt. „Hier ist Ihre Katze", konnte der Wärter Collins dem Schauspieler erklären. Sie war seit zivei Monaten die erste Mahlzeit der Schlange. * Kühner S chluß. Wachtmeister: „Sie gehören wohl dem! Tierschutzvevein an, Einjähriger?" — „Nein, Herr Wachtmeister." — „Na, zum Teufel, warum kommen Sie dann nur mit einem Sporn zum Dienst?!" Skat-Aufgabe. Mittelhand spielt Grand auf folgende Karte: Vorhand hat 13 Augen in ihren Karlen mehr als Hinterhand. Der Spieler verliert sein Grand. — Wie war die Kartenverteilung und der Verlauf des Spieles? Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Rösselsprungs in voriger Nummer: Gute Schulen, am rechten Platz Sind für die Gemeinden ein großer Schatz; Aber zu Hause gute Zucht, Die bringe erst die rechte Frucht. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steiudruckerei, R. Lang«, Gietr»