Msntaa, den 9- Dezember M Das Amethyst-Fläschlein. Gitte Erzählung von A. K. Green. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) DieS erfüllte mich mit einer nicht näher bestimmbaren Unruhe. Irgend etwas mußte vorgegangen sein — etwas, das Sinclair wissen mußte. Ich fühlte eine große Beängstigung und beobachtete daher scharf die Türe, durch welche Herr Armstrong verschwunden war. Plötzlich ging sie wieder auf, und ich erkannte, daß er ein Telegramm abgefaßt hatte. Er reichte es einem der Diener und winkte dem Mann, der mit ausgestreckter Hand bei dem großen chinesische Gong bereitstand. Das letzte Zeichen zum Frühstück tönte durch das Haus. Alsbald verstummte das Stimmengewirr, und alt wie jung begab sich nach dem Eßzimmer. Aber der Gastherr trat nicht mit ihnen ein. Ehe die jüngeren und lebhafteren jeiner Gäste ihn erreichen konnten, mar er in das Zimnrer geschlüpft, das, wie früher ertyähnt, der Schaustellung von Gilbertines Hochzeitsgeschenken diente. Sogleich verlor ich alle Neigung, mich zum Frühstückstisch zu begeben. Ich trieb mich auf der Diele herum, bis mich alle überholt hatten, selbst das kleine Fräulein Lane, die unbemerkt heruntergekommen war, ivährend ich die Türe zu Herrn Armstrongs Zimmer beobachtete. Ich Mar ärgerlich, als ich bemerkte, daß ich diese eine Gelegenheit verpaßt hatte, die mir hätte von Nutzen sein können, und fragte mich eben, ob ich ihr nicht folgen und einen Versuch machen sollte, wenn auch nicht einen großen Esser, so doch einen guten Gesellschafter abzugeben, pls Herr Armstrong aus dem Gang auf mich zukam und mich mit der Frage begrüßte, ob Herr Sinclair bereits heruntergekommen sei. Ich erklärte ihm, daß ich ihn nicht gesehen habe und nicht glaube, daß er beim Frühstück erscheinen werde, da er durch die Vorkommnisse der vergangenen Nacht sich sehr angegriffen fühle und mir gesagt habe, er wolle sich auf sein Ztnuner begeben, um auszuruhen. Herr Armstrong gab sich damit nicht zufrieden, sondern. bemerkte: Es tnt mir leid, aber ich muß sofort eine Frage an ihn richten. Sie betrifft ein kleines italienisches Schmuckstück, das er, wie mir berichtet wurde, den Damen gestern nachmittag gezeigt hat. 7. Kapitel. Also war unser schreckliches Geheimnis nicht, Ivie wir angenommen hatten, unter uns geblieben, sondern auch unserem Wirte bekannt; zum wenigsten hatte er einen gewissen Verdacht. Ich war dem Geschicke dankbar, daß ich und nicht Sinclair es war, der diesen Schlag aushatten mußte. Mit der möglichsten Ruhe. über die ich verfügt, antwortete ich: So so' Sinclair hat mir davon erzählt. Wenn Sie etwas über diesen Gegenstand zu erfahren wünschen, werde ich Sie wahrscheinlich ebenso gut wie er aufklären können. Herr Armstrong warf einen Blick zur Treppe, überlegte einen Augenblick und zog mich dann in sein Privatzimmer. Ich bin in einer sehr unangenehmen Lage, begann er. Eine eigenartige und ganz unverständliche Veränderung ist in den letzten paar Stunden mit dem Leichnam Frau Lansings vor"sich gegangen — eine Veränderung, die den Aerzten Bedenken eingeflößt und sie zu unglücklichen Vermutungen geführt hat. Was ich wissen möchte, ist, ob Herr Sinclair immer noch das Juwel in seinem Besitze hat, das ein Gläschen mit einem tödlichen Gift enthalten soll, oder ob es in irgend eine andere Hand übergegangen ist, nachdem er es gewissen T-amen in der Bibliothek zeigte. Aus einem Fenster, das nach Osten ging, traf unS das Morgenlicht. Etwas zu verheimlichen war unmöglich, selbst wenn, ich dies im Sinne gehabt hätte. In Sinclairs Interesse, wenn nicht in meinem eigenen, beschloß ich, unserem Wirte gegenüber so freimütig zu sein, als unsere Stellung es erheischte, und doch, zu gleicher Zeit, Gilber- tine, so lveit es möglich war, gegen übereilten ober gar endgültigen Verdacht zu. schützen. t Daher erwiderte ich: Diese Frage kann ich so gut wie Sinclair beantworten. — Wie ich glücklich ivar, ihm dieses Kreuzverhör ersparen zu fönnen! — Während er dieses Juwel vorzeigte, fuhr ich fort, betrat Frau Armstrong das Zimmer und schlug einen Spaziergang vor. Dies veranlaßte alle die Damen, aus der Bibliothek wegzugehen. Da auch er gebeten wurde, teilzunehmen, legte er, ohne an die Gefahr zu denken, die in seiner Handlungsweise sich möglicherweise verbergen konnte, das Juwel in eine hohe Schublade am Wandschrank nnbi verließ mit den anderen das Zimmer. Als er wieder zurück- kam, um es zu holen, Ivar es verschwunden. Die gewöhnliche gesunde Gesichtsfarbe unseres Wirts wurde noch dunkler. Er ließ sich in dem großen Lehnsessel nieder, der vor seinem Schreibtisch stand. Das ist ja fürchterlich! murmelte er, mein Gott, welch unglückliche Folgen kann das für mein Haus und das arme Mädchen haben! Das Mädchen? wiederholte ich fragend. Da wandte er sich mir mit großem Ernste zu. Herr Worthing ton, sagte er, es tut mir leid, dies sagen zu müssen. Aber es "hat sich wirklich in der vergangenen Nacht etwas so Eigentümliches, etwas Unerklärliches in diesem Sian je ereignet. Eben ist es ans Licht gekommen. Sonst hätten die Schlüsse der Aerzte wohl anders gelautet. Sie wissen, es ist ein Detektiv hier int Hause. Die Geschenke sind wertvoll, und so hielt ich es für angezeigt, eineu Mann hier zu haben, der sie int Auge behalten würde. Ich nickte; ich hatte keinen Atem, um sprechen zu könueu. 770 Dieser Mann Hut mir mm mitgeteilt, fuhr Herr Armstrong fort, daß er, gerade fünf Minuten bevor die Be- wohner des Hanfes in der vergangenen Nacht geweckt wurden, auf der oberen Diele Schritte vernahm, sodann das Geräusch eines leichten Fußes, der die kleine'Wendeltreppe bei den Tieustbotenkammeru. hierunterschlich'. Da. er neugierig war, ausfindig git machen, was diese Person zu so später Stunde tut Sinn habe, schraubte er die Gasflamme herunter, zog seine Türe zu und lauschte. Die Schritte gingen bei ihm vorüber. Befriedigt über seine Entdeckung, daß es ein weibliches Wesen war, das er vernominen, drückte er leise wieder die Türe auf und blickte hinaus. Ein junges Mädchen stand nicht weit von ihm im Gange, von einem dünnen Mondstrahl beleuchtet, der durchs Fenster hereinfiel. Sie blickte aufmerksam auf einen Gegenstand, den sie in der Hand hielt, und dieser Gegenstand besaß eine violette Farbe. Der Mann ist bereit, dies unter Eid auszusagen. Im nächsten Augenblick, von einen: Geräusch erschreckt, floh sie zurück und verschwand wieder in der Richtung nach der kleinen Wendeltreppe. Bald, sehr bald darnach ertönte der Schrei. Nun, Herr Worthington, was soll ich mit dieser Kenntnis anfangen? Ich habe den Detektiv angewiesen, sich ruhig zu verhalten, bis ich Untersuchungen anstellen kann. Aber Ivie soll ich dies tun? Ich kann doch nicht denken, baß Fräulein Camerden — Ohne daß ich es wollte, entfuhr mir ein Ausruf. Ihren Nanren zum zweiten Male in Verbindung mit dieser Geschichte zu hören, war mehr, als ich ertragen konnte. Sagte er, daß es Fräulein Camerden gewesen, sei? fragte ich eilig, als er mich einigermaßen erstaunt anblickte. Wie sollte er Fräulein Camerden denn kennen? Er beschrieb sie, lautete die Antwort. Außerdem wissen wir, daß sie um jene Zeit im Hanse herumwandelte. Ich mutz schon sagen, ich habe noch nie eine unangenehmere Aufgabe gesehen, jammerte der liebenswürdige alte Herr. Wir wollen Sinclair holen lassen; ihn geht die nahe Verwandte Gilbertines in allererster Linie an;.oder — warten Sie! — soll ich Fräulein Camerden selbst bitten, zu kom-- men? Sie könnte uns am besten mitteilen, wie fie in den Besitz des Juwels 'gelangte. Es gelang mir, meine eigenen Gefühle zu unterdrücken, die mich dazu trieben, Dorothea auf der Stelle verteidigen ; und so antwortete ich derart, Ivie es Sinclair am liebsten sein mußte. Es ist eine ernste und sehr verwickelte Angelegenheit, sagte ich, aber wenn Sie nur kurze Zeit warten wollen, glaube ich nicht, daß Sie Fräulein Camerden werden stören müssen. Ich bin überzeugt, daß die Erklärung für all das nicht auf sich warten lassen wird, Geben Sie doch dem Mädchen Gelegenheit, sich zu rechtfertigen, stammelte ich. Denken Sie doch, was sie empfinden würde, wenn man sie über einen so peinlichen Gegenstand befragen müßte. Es würde ihr eine Wunde schlagen, die nie mehr geheilt werden könnte. Nachher, wenn sie nicht selber redet, erst dann wird es Ihr gutes Recht sein, sie um beit Grund dafür zu befragen. Sie kam aber heute morgen nicht herab. Natürlich nicht! Wenn ich nur meine Frau um Rat fragen, könnte! Mer sie ist in viel zu nervöser Stimmung. Ich werde mir alle Mühe geben, diese neue Verwickelung so lang als möglich vor ihr geheimzuhalten. Glauben Sie, ich kann Fräulein Camerden aufsuchen, damit sie ihre Erklärungen macht, bevor die Aerzte zurückkehren, oder bevor der Hausarzt Frau Lansings, dem ich telegraphiert habe, ans New Uork anlangt? Ich bin überzeugt, daß Sie vor Ablauf von drei Stunden den wahren Sachverhalt erfahren werden. Ueberlassen Sie! es mir, die Lage aufzuklären. Ich verspreche Ihnen, daß, wenn mir dies nicht zu Ihrer Befriedigung gelingt, ich Sinclair um seine Hilfe angehen werde. Sorgen Sie nur dafür, Herr Armstrong, daß der gute Name Fräulein Camerdens nicht durch müßiges Geklatsch Schaden leidet. Oft werden in einem unglückseligen Augenblick Worte gesagt, die auf lange Jahre hinaus nicht vergessen werden. Ich zittere, wenn ich daran denke, daß ihr etwas derartiges wioerfahren könnte. Kein Mensch weiß, daß man die Brosche in ihrer Hand gesehen hat, bemerkte er. Mer wahrscheinlich weiß um diese Stunde jedermann, daß man über die Todesursache Frau Lansings gewisse Zweifel hegt. Sie können einen Verdacht dieser Art in einem Häufe nicht geheim halten, das so' viele Leute beherbergt, wie das meinige. Ich wußte dies. Durch sein Benehmen und auch seine Worte ein wenig erleichtert, verabschiedete ich mich fürs Erste von ihm und begab mich sofort znin Speisesaal. Würde ich Fräulein Lane, noch dort finden? Mein erster Blick belehrte mich, daß dies der Fall sei. Und ein glücklicher Zufall wollte es, daß der Platz neben ihr nicht besetzt war. Als ich mich gerade dorthin begeben wollte, fiel mir die ungewöhnliche Stille auf, die plötzlich eintrat, als man mich bemerkte. Als ich das Zimmer betrat, summte auf allen Seiten das Gespräch, nud nun hörte ich nicht eine Stimme mehr, und kaum ein Auge begegnete dem meinigen. Ich warf rasch einen Blick über den Tisch, aber kein Mensch schien mich zu erkennen oder bewillkommnete mich. Was sollte das bedeuten? Hatte man über mich geredet? Möglicherweise; und zwar auf eine Art, die, wie mir schien, für meine Eitelkeit keineswegs schmeichelhaft war. Unfähig, meine Verwirrung über die Verlegenheit, die mein Erscheinen hervorgerufen hatte, zu verbergen, ging ich auf den leeren Sessel, den ich bemerkt hatte, zu und ließ einen fragenden Blick auf Fräulein Lane ruhen. Auch sie starrte, die anderen nachahmend, auf ihren Teller; aber als ich sie mit einem ruhigen „Guten Morgen" grüßte, schaute sie auf und erwiderte meinen Gruß mit einem schwachen, sympathischen Lächeln. Mit einem Male nahm der ganze Tisch wieder das Geplauder auf, und so tonnte ich rnhig die Frage stellen, von der mein Inneres so voll war. Wie geht's Fräulein. Murray? fragte ich. Ich sehe, daß sie nicht hier ist. Erwarten Sie sie hier? Die arme Gilbertine! Auf einen solchen .Hochzeitstag hatte sie sich nicht gefaßt gemacht! Dann fügte sie, in unwiderstehlicher Naivität, die ganz int Einklang mit ihrer elsenhaften Gestalt nnd ihrem Backfischgesichtchen stand, hinzu: Ich finde, es war fürchterlich von der alten Frau, gerade in der Nacht vor dem Hochzeitstag zu sterben; finden Sie nicht auch? Gewiß, gab ich mit Emphase wieder, indem ich ihr bei- pflichtete in der Hoffnung, das zu erfahren, was mir int Sinne lag. Hegt Fräulein Murray immer noch die Erwartung, heute zu heiraten? Kein Mensch scheint das zu wissen. Ich auch nicht. Ich habe sie seit heute nacht nicht mehr gesehen. Sie kam nicht in ihr Zimmer zurück. Mau sagt, sie weine sich vor Schrecken und Enttäuschung in irgend einem Winkel ans. Mein Gott, daß das Gilbertine treffen mußte! Aber sogar das ist noch besser, als — Der Satz verschwand in einem unverständlichen Murmeln und dieses in Schweigen. Kam es daher, daß ein erneuter Stillstand in der Unterhaltung ringsum eingetreten war? Ich glaube kaum, denn trotzden: das Gespräch alsbald wieder in Lauf geriet, verhielt sie sich jetzt schweigend und gab nicht im geringsten zu erkennen, daß sie bei diesem Thema verharren wolle. Ich trank meinen Kaffee so rasch als möglich aus und verließ den Saal. Viele hatten, das bereits vor mir getan, und daher war die Diele so voll mit plaudernden Gruppen wie vorhin. (Fortsetzung folgt.) Das große Los. Eine Geschichte aus dein Neapolitaner Volksleben, Von N m b e r t o B a j o n e. Berechtigte Uebersetzung von K. Bombe. „Nun, wie ist's?" „Schön, einverstanden, um Mitternacht; kommen auch die anderen?" „Ja, alle vier, je mehr wir sind, desto besser; es wäre wirklich unvorsichtig von uns beiden, so allein in die einsame Gegend; zu wandern, und überdies zu den Toten..." . „Ich verstehe schon," unterbrach ihn der andere, den es eiskalt bei diesen Worten über den Rücken lies, „Ihr habt recht daran getan. Auf Wiedersehen heute Nacht, aber kommt nicht zu spät! „Verlaßt Euch auf mich!" Die beiden sprachen leise und ängstlich miteinander, wobec sie scheu umherblickten, um vor neugierigen Lauschern sicher zu sein. Dann sagten sie sich hastig Lebewohl, wie Leute, die etwas auf dem« Gewissen haben. Pietro, der Schuster, trat in den Hausflur, wo sein Arbeitstisch stand, und hämmerte auf einer Sohle herum. 771 Allerlei Gedanken schossen ilym durch den Kops. Nun wollte er noch einmal das Schicksal auf die Probe stellen, wollte ans den Kirchhof gehen, uin die Nummern für das Lotto zu erfahren. Warum sollte er nicht einmal ein Terno gewinnen, ein einziges Mal nur! Vielleicht gewährte ihm die heilige Jungsrau ein Änadeuzeichen, vielleicht verrieten ihm die Toten die glückbringenden Nummern. Sein Herz- weitete sich in seliger Zuversicht. Wenn er dann reich wäre, wollte er einen schönen Lade» mieten und Nunziata, die Tochter der Obsthändlerin, heiraten. Sie war das schönste Mädchen im ganzem Stadtviertel, und ihre schwarzen, heißen. Augen machten ihn rasend. Er schloß die Augen und fühlte, tvic ihm das Blut zu Kopfe stieg, seine Nerven zitterten und immer schneller sauste der Hammer auf den Schuh hernieder. Da er arme war, hatte er ihr seine Liebe niemals gestanden. Er schämte sich seiner Dürftigkeit, während sie eine Aussteuer und viele Schmucksachen besaß. Um mit einem Schlage reich und ihrer würdig zu werden, gab es kein anderes Mittel, als das Glück zu versuchen. Er hatte schon auf das Rauchen und das Kartenspiel verzichtet, um den Einsatz, int Lottospiel erhöhen zu können. Früher oder später mußte, auch für ihn das Glück einmal kommen, das hatte ihm Meister Ciccio, der Anstreicher, versichert, der sich benr Neuling gegenüber einer langjährigen Er- fahrung im Spiel rühmte. Obgleich er in der langen Zeit vielleicht 200 Frs. in kleinen Gewinnen ein geheimst, hatte, wartete auch er geduldig aus das große Glück, damit er nicht mehr Häuser zu weißen brauchte. Gerade jetzt schien der große Gewinn sicherer denn je zu sein, denn ein Camaldulenser Mönch hatte ihm geraten, nach dem Kirchhof zu gehen, nnr die Nummern für den Einsatz, zu erfahren. Zwar hatte mich das Horoskop nicht den ersehnten Erfolg gebracht, aber er tröstete sich mit dem Gedanke», daß eben beim erstenmal selten etwas gelingt, daß es ihm vielleicht am nötigen Glauben oder an der Kraft zum Gebet gefehlt habe. Jetzt wollte er in guter Gesellschaft noch einmal nach dem Kirchhof gehen, so konnte es nicht mißlingen., Diesesmal wollte auch Antonio, der Student, mitkommen, der, für einen Neapolitaner geradezu unglaublich, nie den Fuß über die Schwelle einer Loltobauk gesetzt hatte. Wie konnte es dem mißglücken! Es ist eine bekannte Tatsache, daß der erste Versuch im Lottospiel einen Gewinn einbringt. Der Anstreicher überlegte die Tinge hin und her und legte die rechte Hand breit wie einen Fächer auf den Kopf. Die zugekniffenen Augen und das pfiffige Lächeln verrieten klar seine Gedanken.: ,-Teufel auch, 30 Jahre Hebung im Lottospiel, ich verstehe mich daraus!" Pietro hörte glückberauscht den Worten des Gefährten zu, so daß die Arbeit seinen Händen entglitt. Seine Gedanken gaukelten ihm eine glückliche Zukunft im Wohlleben vor. Er sah das Schlafzimmer hinter dem schönen Laden, das breite Brett mit dem gewaltigen Baldachin und den dicken, blanken Messingstäben, die Glasschränkcheu mit den Heiligenfiguren und die Hängelampe in der Mitte des Zimmers, mit tausend glitzernden Glas Prismen und bunten Lichtern, lind Nunziata war Königin in diesem Reiche. Sie ließ die Tür immer ettvas offen stehen, damit die Vorübergehenden die schmucke Einrichnmg bewunderten und die Nachbarinnen vor Neid vergingen. . . „Das Lotto ist eine mcck;anische, ja fast eine mathematische Sache," fuhr Meister Ciecio fort, und dann wiederholte er Wort für Wort eines Nicklameaussatzes int „Mattino", ohne sich um feinen Zuhörer zu kümmern. Nur dieser Zweifler, der Antonio, will uns nicht glauben, die Bücher haben ihn verdorben, Und trotzdem will er spielen; kaum hat er von Gaötano gehört, daß wir nach dem Kirchhof gehen wollen, da ist er auch dabei. Pietro hörte kaunr zu, er weilte mit seinen Gedanken bei dem unglücklichen Gaötano. Sein Freund hatte jung, fast »och als Bursche, geheiratet, jedoch der bescheidene Wochenlohn zusammen mit dem seiner Frau, die als Handschuhmacherin arbeitete, genügte für ihren Lebensunterhalt. Seine Concetto verstand alles, kaum von der Fabrik heimgekehrt, machte, sie sich an die Hausarbeit. Sie waren glücklich und liebten sich wie ut den Flitterwochen, und am Sonntag leisteten sie sich eilte Wagenfahrt und ein Gericht Maccarom in Poggio Reale. Aber dann kam ein Sohn und bald ein zweiter, und' Concetta mußte nach einer schweren Geburt die Arberts- stelle aufgeben. Gaötano begriff nicht, daß er jetzt doppelt arbeite« und sparsamer wirtschaften müßte und auch auf die sonntäglichen Spazierfahrten verzichten müßte. Er hatte es sich tu den Kopf gesetzt, sein früheres Leben weiter zu führen. Ta er ai^ Gottes Hilfe glaubte, so ergab er sich dem Lottospiel; doch seine schulden häuften sich. Ein schönes Onaterno hätte ihnen aufgeholfen und das Leben "wieder angenehm gemacht. Schüchtern hatte er nut einem kleinen Einsatz 'von 12 Centesimi begonnen zu spielen,, dann hatte er immer mehr daran gewagt, bis er schließlich fast, seinen ganzen Wochenverdienst hingab. Er sah nicht, daß er sich ms Verderben stürzte, er schloß die Augen vor dein wachenden Elend, er wurde hart gegen die klagende Frau und ärgerte sich über ihre Teilnahmslosigkeit, während er des zukünftigen Gewinnes zu sicher Ivar... * „Verzeiht, aber das Theater ist soeben erst aus," entschuldigte sich Antonio Bartoli und trat zu den drei Mannern, die ihn erwarteten. Mit einem leisen Fluch trabte Meister Ciccio voran und murrte: „Bei Zusatnmcrtfiinften muß man pünktlich fein. „Schölt gut," beruhigte ihn der Student ut leicht spöttelndem Kone, wir wollen lieber einen heißen Punsch trinken, der ist gut bei 8er Kälte." „Nein, besser nicht," entgegnete der Anstreicher, „wenn wir zu-spät kommen, ist vielleicht alles umsonst." „Nun, alle so stumm," scherzte Antonio, „geht's denn zum kerben?" „Das' nicht," meinte Pietro mit gezwungenem Lächeln, ,aber diese Straße ist ewig lang, und was sollte man auch so ägeii?" „Stellt Ihr Euch nicht den Geldschrank vor, den Ihr kaufen mußt, daß es nötig sein wird, Pferde oder ein Automobil bereitzuhalten," höhnte der Student. „Don Antonio, scherzt nicht," tadelte ihn Meister Ciccio, „dies ist ein heiliger Augenblick, wir »Uten lieber ein Requiem beten." Der Himmel flimmerte von Sternen, totenstill lag das Land da, fern hob sich die dunkle Masse des Kirchhofs ab. Die Gesellschaft bewegte sich langsamer vorwärts, tödliche Angst lähmte hre Schritte. Antonio fühlte mit Widerwillen, wie sich auch in eine Seele ein geheimnisvolles Unbehagen einschlich, und wie ihn die Todesangst jener Männer ansteckte. Meister Ciccio blieb tehen und gebot seinen Freunden, zu schweigen. Er war aschgrau im Gesicht und starrte angsterfüllt auf das Kirchhofsgitter. Plötzlich, erscholl ein Bellen, erst undeutlich, dann klar und wütend, dann dumpf knurrend, und schließlich verlor es sich in einem klagenden Geheul. „Hört, die erste Nummer," murmelte Pietro, der Schuster. „Hund bedeutet drei," belehrte sie Gaötano. „Eine gute Zahl," versicherte Meister Ciccio. Wie ein Blätterrauschen ging es über ihre Häupter. Antonio fühlte sich immer unbehag- licher, warum? war er nur hierher gegangen! Der Aberglauben jener Leute, über den er im Anfang gelächelt hatte, wurde ihm unheimlich. Er hörte ihre Herzen pochen. Langsam, undeutlich, vom Lufthauch getragen, kam das Schlagen einer Uhr herüber. Eins, zwei, drei, vier — vier Uhr. „Jesus, Jesus, habt Ihr gehört! Ja, vier, das ist die zweite Zahl. Nun fehlte noch die dritte Nummer, doch die Seelen im Fegefeuer werden uns die letzte zu dem Terno nicht versagen. Geduld!" Zehn Minuten vergingen, eine Viertelstunde, eine halbe, nichts regte sich. Die Versammelten sahen sich! zweifelnd und unruhig an. Wurde ihnen das Guadenwunder versagt? Der Student, rauchte und tagte nichts, auch er war enttäuscht. Was ging nur in ihm vor, hatte er beim den Verstand verloren, daß er hier mit diesen Leuten wartete, da er gierig seine Sinne anspanute und angstvoll ein Ereignis suchte, das ihm die letzte Zahl verrate? Da, em gellender Pfiff, ein Rasseln und Schnauben. Endlich, endlich, das Gnadenwunder war geschehen. Zug bedeutet 32. Gott sei gelobt! Und die Jungfrau Maria! Ein Stein fiel ihnen vom Herzen, ein zufriedenes Lächeln umspielte ihre Lippen, und Pietro ttimmte fein Lieblingslied von den Fischen, die sich lieben. Der ©tubent begriff nicht, warum dieser kindliche Glaube sich noch in unfern Tagen erhalten könne und ein Vorrecht des Süditalieners Jet. Nie hatte er in Florenz gesehen, daß sich die Leute an den Lottobänken stauten, nie hätte er brutale Schlägereien oder Raufereien um den Vorrang dabei beobachtet, freut Bettler drangt sich dort in die Reihe der Wartenden. Warum das alles, warum? Der Morgen dämmerte. . . Antoiiio schritt langsam über Piazza Plebisctto, trat unter die Bogengänge, betrachtete neugierig die Ansichtspostkartcn, stieg nach Via Roma hinab, doch seine bitteren Gedanken folgten ihm auf Schritt und Tritt. Wie konnte es nur so viel menschliches und seelisches Elend geben! Gaötano war auf dem Leihamt gewesen und hatte, um spielen zu können, ein paar Laken versetzt Als Concetta ihn von seinem Vorhaben abbrtngcn wollte, hatte er sic Mutig geschlagen. So wenigstens berichtete Pietro mit allen Einzelheiten. Nunziata scherzte unterdes,cm laut, mit einem Anbeter auf der Ladenschwelle und zeigte ihre meinen Zähne zwischen den korallenroten Lippen. Antonw ging verstört davon. Vor seinen Augen stieg das Bild Concettas auf. Er hatte sie eines Abends an der Ecke von Via S.> Lucia auf jemanden warten sehen. Bleich, schweigend, ein Taschentuch vor dem Munde, stand sie da. Jetzt wußte er, daß sie auf ihren Mami wartete und ihm das Geld abbetteln wollte, das er jur Lottobank trug. Und doch, die beiden hätten sich geliebt, liebten sich vielleicht noch, aber seine wüste Leidenschaft für das Lotto und fein blöder Aberglaube brachten sie auseinander. Zwischen ihnen stand der dumpfe Groll, in dem schon der Haß garte. Die Liebe war vebblüht, vielleicht auf ewig.dahin. In Piazza Santo Spirito versammelte ein Glockenzeichen dw Leute vor der Lottobank. Mau wartete auf btc Ziehung Auch Antonio stand unter ihnen. Er wollte gE wisstn, ob ftina Gefährten gewonnen hatten, ob nun endlich Wohlstand m das Hans des unglücklichen Gaetano zuruckgekchrt wäre. Em Murmeln kündete ihm das Bekaimttverden der Nummern an, er blickte hin, die Heiligen im Fegefeuer hatten ihren Spott Da^Bttd^Concettas stieg in ihm auf, jene bleiche, schweigende Fran, die ein Taschentuch vor ihre bebenden Lippen PreM. . - Der Uesftistein. Werden in einem Gefäß größere Mengen Was,er erhitzt ober verdampft, so findet inan schon nach kurzer Znt au deil Jnnenwandeii desselben einen steinartigen Ueberzug, was rm kleinen bei zum Erhitzen von Wasser benutztem Mchengeschirr und in größerem 772 Maßstabe vor allem bei den Dampfkesseln zu beobachte» ist. Dieser Ueberzug besteht ans Latze» and andere» Mineral,ea, die in bem zugefährte» Wasser enthalten waren und beim Ver- danchsen aus diesem abschied?». Ein Teil dieser Abscheidungen, und zwar vor allem die leicht lösliche» wie Kochsalz, kohlensanres Natron, Chlorkalium, Pottasche, Salpeter und dergl. lagern sich als weicke schlammige Masse au den tiefsten Punkten des Kessels ab und können durch Wlassen des Wassers oder durch Anskratzen leicht entfernt werden. Die schwerer löslich«'» Karbonate und Sulfate vou Kalzium, Magnesium und bergt, dagegen setzen sich an den Kesselwaubungen fest und bilden hier eine fteiuharte Kruste, den sogenanttten Kesselstein. Da das Wärmeleitungs- vermögen deS letzteren stets geringer ist als das der Metallwände, so beeinträchtigt ein starker Steinansatz die Uebertragung der auf dem Rost entwickelten Wärme auf das Wasser oft ganz wesentlich Leitet doch zum Beispiel aus kohlensanrem Kalk bestehender Kesselstein die Warme nur einhalb und aus Gips bestehender nur eiu- sechstel mal so gut wie Eisen von gleicher Dicke, so daß dadurch ganz empfindliche Wärme- und somit auch Brennstoffverluste entstehen. Dazu kommt noch als weiterer Uebelstand, daß der Kesselstein Veranlassung zu Kesselexplosionen geben kann. Hat derselbe nämlich eilte größere Stärke erreicht, so kann unter demselben infolge erschwerter Würmeckbfuhr die Kesselwand erglühen. Wird jetzt durch irgend einen Anlaß, etwa infolge der ungleichen Ausdehnung der Kesselwand und des Kesselsteins, der letztere abgesprengt, so tritt das Wasser Mit den glühenden Kesselwänden in Verbindung, wobei ein Reißen der letzteren nicht,ausgeschlossen ist. Es ist daher leicht zu verstehen, das jeder Kesselbesitzer den Kesselstein als einen energisch zu bekämpfenden Feind betrachtet und unablässig nach Mitteln und Wegen sucht, um dieses zu erreichen. Wie in allen ähnlichen Fällen fehlt es auch hier nicht an Anpreisungen von Mitteln zur Bekämpfung,des Kesselsteines. Leider aber sind die so vielfach empfohlenen Kesselsteingegenmittel im allgemeinen nur für ihre Fabrikanten und Lieferanten vorteilhaft, während sie dem Kesselbetrieb vielfach mehr schaden als nutzen. Wenn auch einzelne derselben im günstigsten Falle den Steinansatz vermindern, so vermehren sie dafür auch wieder den nicht minder gefährlichen Schlamm. Keinesfalls aber steht ihr Nutzen in einem angemessenen Verhältnis zu den für sie ausgewendete» Kosten. Auch die aus Schale», Mulden oder Blecheinlagen bestehendett Kesselsteinsammler, welche die Niederschläge der Speisewasser in erster Reihe auffangen sollen, sind vielfach von fragwürdigem Wert. Das ebenfalls oft angewendete Streichen der Kesselwände mit Teer, Feit oder anderen Stoffen kann stellenweise wohl die Entfernung beziehungsweise das Abtreuuen des sich darauf absetzenden Kesselsteins erleichtern, keinesfalls aber seine Bildung verhindern oder auch nur einschränken; dabei vermindert der Anstrich aber auch loiederimt die Wärmedurchlässigkeit. Das beste und sicherste Mittel zur Verhinderung der Kesselsteinbildung besteht in einer chemischen Reinigung der Speisewasser, die auf Grund genauer Analyse desselben vorzunetzmeu ist,und der erforderlichenfalls eine mechanische Reinigung voraufgeht. Diese letztere erfolgt durch Wklären der Wasser in besonderen Klärbehältern, stellenweise auch wohl durch Filtrieren. Die chemische Reinigung erfolgt gewöhnlich in besonders zu diesem Zwecke her- igestelltcu Apparaten verschiedenster Einrichtung, die aber fast all- gcTtieiit in der Hauptsache aus drei Abteilungen bestehen, welche ihren Zwecke» entsprechend als Misch-, Heiz- und Klärraum zu bezeichnen sind. Das Sveisewasser wird zuerst dem Vorwärmer Angeführt, und in diesem durch zugesetzten Mdampf oder, wenn solcher nicht vorhanden ist, durch Frischdampf möglichst hoch — auf 80 bis 100 Grad — erwärmt. Aus dem Vorwärmer gelangt das Wässer in den Mischraum, in welchem die erforderlichen Zusätze beigegeben und durch ein Rührwerk oder auf andere Weife gründlich zugemischt werden. Als Chemikalen werden vorwiegend Kalk- und Sodalösungen benutzt, welche die Karbonate und Sulfate des Kalkes, der Magnesia und anderer, sowie vor allem auch den Gips und die zumeist vorhandene freie,Kohlensäure in unlösliche Verbindungen umwandeln und Niederschlagen. Das Abscheiden der Niederschläge aus dem Wasser erfolgt in dem Klärraum, in welchen dasselbe auS dem Mischraum abgelassen icirb. Hier sinken die Schlammteilchen zu Boden, während das geklärte Wasser oben a'bfließt, wobei es in der Regel noch verschiedene Filter aus Kies, Holzwolle oder dergl. passiert, welche die ganz seinen Teilchen, die sich nicht absetzten, zurückbehalten. Das so gereinigte. Wasser wird durch die Speisepumpe den Dampfkesseln zugeführt und bildet in diesen keine oder doch Nur ganz minimale, leicht zu entfernende Steiuablagerungen. Vermischtes. kf. Aus der Suche imacb der gelben Nelke. Die gelbe Nelke steht auf einer Stufe mit der blauen Rose: Jahr nm Jahr bemühen sich die Gärtner, sie zu züchten, aber bisher waren alle Bemühungen erfolglos. Es gibt zwar eine ganze Reihe von Nelkenarten, die man bei oberflächlicher Betrachtung als gelb anspricht. Aber wenn man sie genauer ansieht, entdeckt man entweder, daß die Blumenblätter am Grunde oder an der Spitze eine andere Farbe haben oder daß das Gelb im ganze» ins Orangerote ober in eine andere Farbe hinüberspielt. Auf der großen Blumenausstellnng z. B., die gegenwärtig in London stattfindet, ist eine Nelke zu sehen, die der kanariengelben Farbe sehr nahekommt. Sie ist aber klein und kümmerlich, dazu geruchlos, so daß die Preisrichter ihr keinen Preis zuerkennen konnten. Gelegentlich dieser Ausstellung hat sich eine Autorität ans dem Gebiete der Nelkenzucht über die gelbe Nelke geäußert. Alljährlich, so sagt dieser Blumenzüchter, kommen wir der erstrebten Farbe bei den meisten Blumen um einen Schritt näher. Nur mit dem Gelb der Nelke ist es etwas anders. Da geht der Farbenwechsel sprungweise hin und her» und wahrscheinlich wird die gelbe Nelke eines Tages ganz plötzlich da sein. Das geschieht vielleicht schon im nächsten Jahr, vielleicht aber müssen wir noch 50 Jahre daraus warten. Er selbst kennt einen Nelkenzüchter bei Paris, de« seit 25 Jahren auf der Suche nach der gelben Nelke begriffen ist. Er ist dem erstrebten Ziele um Haaresbreite nahegekommen; seine „gelbe Nelke" hat aber immer noch einen Stich ins Rötliche. * ZarterWink. Soldat: „Darf ich jetzt um Urlaub in die Heimat bitten ober erst einige Wochen später, Herr Feldwebel?" — Feldwebel: „Ist Ihr Vater nicht Fleischermeister?" — Soldat: „Zu Befehl." — Feldwebel: „Na, dann soll's mir Wurscht fein!" Sprachecke des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins. * D e u l s ch e i r a u e n, Deuts chetre ne? „Namen von Straßen und Plätzen sind in einem Wort zu schreiben," fojmitet ein zum Glück noch imgeschriebeues, aber in Druck und Schriit leider alltäglich tausendfach befolgtes „Gesetz", das der amtlichen Rechtschreibung ins Gesicht schlägt Macht man doch dabei in bequemer Verallgemeinerung der telegraphischen Scbreibuug keinen Unterschied, ob es sich um die Zusammensetzung mit einem Hauptwort handelt, ivte z.B. Leisingsiraße, Sadoivastrane — wir wählen hier als allgemein bekannt Berliner Straßennamen —, oder mit einem Eigenschattswort, ivie z. B. Französische Straße, Brette Straße, Bayerischer Platz, Neuer Markt, oder einem als Eigen« sckailswort empfundenen und gebrauchten Wesfall eines ursprüng- lichen Hauptwortes aus -er, wie Leipziger Straße, Pariser Platz. Diese Berwirrtmg.des allgemeiueit Gefühls für die Rechtschreibung beginnt sich bereits auch mit Ausdrucke wie Chaussee, Allee, Weg, Ufer, Brücke, sobald diese zu amtlichen Straßenbezeichnnngen verwendet werden, auszudehnen, so daß Schreibungen wie die folgenden schon durchaus nicht mehr zu den Seltenheiten gehören: Cbar« lottenburgerchanssee, Schönhauserallee, Großerweg (!), Schönebergerufer, Langebrücke. Ja, wer weiß, ob nicht schon mancher „Unterdeuliuden" schreibt! „Ist dies schon Tollwut, hat es doch Methode." Nun, will inan denn durchaus ^methodisch" versahren, so fcltre te man auch zu waghalsigeren Schreibungen fort, wie Neuesriedrichstraße, Großehamburgersiraße; den» will man folae- richtg sein, so muß man natü lich auch dreiteilige Zusammensetzungen zu einem Wort verbinden, nm das lästige Nachdenken zu sparen. Aber weshalb überhaupt nur bei Straßennamen? Schreibe man doch getrost auch Schlesischerbahnhos, Anhalterbahnhof, Brandenburgertor; nein, schließe man lieber gleich ganz all- gemein und in jedem Falle Hauptwort und Eigenschaftswort durch eine everne Klammer zusammen und schreibe: Bossiiche- zeituiig, Hanlburgijcherkorrespondeut, Halberstädterknrraisiere, Kömg- lichesschloß, Grünebäume, Billigekartosseln und — damit auch die Dichtung zu Wort komme — Teutschefraueu, Teutschetreue I Und tauchen dann vielleicht allerlei Schwierigkeiten auf, etwa die Frage, tote bei Häufung von Eigenschaftswörtern vor Hauptwörtern zu versahren sei, so sollte man sich dadurch keine Kopfschmerzen verursachen lassen, sondern die Entscheidung darüber in das Belieben jedes einzelnen stellen. Tie höchste Regel sei — Regellosiakeitl Dann sind wir glücklich wieder bei der „Rechtschreibung" des Miltel- alters angelangt. R. Palieske (LandeShut i. Schl.) Vramanträtfe!. In die Felder nebenstehender Figur , sind die Buchstaben b b, e e e c, f, h h h h h, 1, in, n n ,o o, p, r, r, r, u u j derart emzutragen, daß die ivagerechteil i Reihen folgendes bedeuten: 1. Einen Buchstaben, fl 2. Sagenhaftes Wesen. J 3. Ein Werkzeug. 4. Einen Bogel. 5. Nebenfluß der Donau. 6. Früheres Blaß. 7. einen Buchstaben. Die senkrechte und ivagerechte Mittel- | reihe ergeben das Gleiche. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung ber Königspromenade in voriger Nummer: Wer Seine Wünsche nicht beherrscht, der gleicht dem Schiffe, Das ohne Steuer treibet msi den Wellen, Um an dem erben besten Felsenriffe Hilflos und uuerivartet zu zerschellen. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'lchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.