J' A M q w. L- S AW SommerieutnantT. Roman von Walter Bloem. Copyright 1910 by Orethlein & Co. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) 4. Kapitel. ; Fritz von Brandeis stand an der Treppe, die von der Veranda in den Garten hinunterführte. Hinter ihm harrten die fünf Burschen, sein eigener und die vier seiner Gäste, kriegsgemäß in Drillichzeug und Schnürschuhen, nur durch die Serviette über ihrem linken Arm als herrschaftliche Leib- diencr gekennzeichnet, der Befehle des Hausherrn gewärtig. Scharfen Blicks überflog der Hauptmann das lustige Bild des Gartens, der festlich schimmerte im mattbunten Glanz der Lampions, im gelben Flimmer der Kerzen auf dm Bowlentischen. Na, alles gut versorgt? — Jawohl, alles klappte! Ein alter dicker, runder Mauerturm sprang an der nördlichen Ecke des Gartens weit ins Gebüsch hinein, das aus dem ehemaligen Burggraben aufgewuchert. Wilder Weiu überrankt? hier das weiße Staketengezäun einer Laube: darinnen saßen die wichtigsten der Gäste bei der Pfirsichbowle, der Oberst und der Major. Schau, schau — auch nach Tisch hatten die alten Herren sich anscheinend nicht von ihrer Tischnachbarin trennen können! Und sie, seine Cäcilie — sie schien ja auch vollkommen zufrieden in der Gesellschaft der Herren Stabsoffiziere — hatte heut abend noch räum ein Wort mit dem Maler gesprochen. s . Na also — hätten wir uns ja wohl unnötige Unruhe gemacht! _ , r Schoenawa, des Obersten Adjutant, und Menshäusen, sein Manöver-Ordonnanzoffizier, hockten pflichtschuldrgst ber ihrem Kommandeur — aber wo steckte denn Leutnant Blo- toih? — ah — er war des trockenen Tons wohl satt, des beständigen „Schusterns" bei den hohen Stäben, hatte sich zur Jugend geflüchtet — Aus der Nachbarlaube, in der auf rundem Tisch gleichfalls eine mächtige Pfirsichbowle aufgebaut war, klang schmetterndes Gelächter. Dort saß der Adjutant des ersten Bataillons mit den Offizieren der ersten Kompagnie, mit Flamberq und Carstanjen. Selbstverständlich war hier auch der Fahnenjunker von Erichsen zu finden, der immer wieder die Gläser füllen mußte. Nur die jungen Damen fehlten iy der Runde der Jugend... wo mochten die bloß stecken...< und es fehlte auch die Landwehr... Aha ach so —!! ' Ja, Nellychen, über'n Geschnrack ist nicht zu streiten. .. aber Sie sind doch Manns genug, um selber zu wißen, wa» IhremBesten dient,,. Und das Schwesterchen? — Auch verschwunden? — Sieh da! Und der Leutnant Quincke fehlte ebenfalls — hm, hm — — den Geschmack hätte man der Kleinen nun gerade nicht zugetraut — Aber in Gottes Namen! Heute mochten die zwei losgelassenen Füllen herumspringen, mit wem sie wollten ... Daß. nichts Ernstes aus ihren Flirts wurde, dafür würde im geeigneten Augenblick die Frau Mama daheim schon sorgen, wie bisher noch immer... auf Schloß Hettstein sollten sie jedenfalls machen dürfen, was sie mochten. Also alles in schönster Ordnung! Vergnügt schmunzelnd wandte sich der Hausherr zu der regungslos harrenden Phalanx der Burschen zurück: „Na, Jungens, nun könnt ihr euch gegenseitig ablösen! Zwei von euch haben immer hier auf der Veranda zu warten, diä andern drei in die Küche zum Bierempfang! — zunächst bleiben Kempges und Schnettelker hier! — Die andern drei — abschwirren!" Er fühlte sich in Laune kommen. Zu dumm, sich überhaupt Gedanken gemacht zu haben Cäciliens wegen! Pah — seine Cäcilie —! Seine Lippen pfiffen leise das Avanciersignal, während er die Treppe hinuntersprang und quer durch den Garten auf die Jugendlaube zuschritt: „Tut mir leid, meine Herren, Ihre Hebe muß ich Ihnen für ein halbes Stündchen ausspannen! — Sie, kleiner Erichsen, und Sie, etwas größerer Earstanjen, kommen Sie mal einen Moment her!" Die Angeredeten schossen in die Höhe. „Also kommt 'mal raus, Kinder," sagte der Kompagniechef, „ihr müßt mir eine Neberraschung deichseln helfen. Die Burschen würden mir die Sache jedenfalls verderben: Ich habe also drüben auf der Wiese jenseits der Chaussee ein kleines Feuerwerk aufbauen lassen, das müssen Sie beide mir abbrennen. Kommen Sie mit, ich werde Sie tTiftviticrcn \u Blowitz und Flamberg blieben allein bei der riesigen Bowle zurück. Der Maler trank hastig und sprach wenig. Der Adjutant war auch teilt Mann von vielen Worten. Es wurde still am Jugendtisch. Und immer wieder zog es Martins Blicke dorthin, wo im matten Lichte der Lampions ein weißes Frauenantlitz zwischen den gebräunten, verwitterten, weinerregten Gesichtern der Stabsoffiziere, den frostigen, lauernden der beiden Oberleutnants stand. Auf einmal erhob sich dorten die ganze Gruppe und kam die niedrige Stiege hinunter in den Garten, schritt der hellerleuchteten Veranda zu, die dem Speisesaak vor- aelagert war. . „ .. Major von Sassenbach warf einen Blick zur Jugendlaube hinüber: „Ah, da sitzt ja auch unser Malermeister unser Pinselheld! — Sie, Flamberg, die gnädige ^yrau will -~a das Bild zeigen, das Sie von .W geinalt haben — 662 Merkte der Oberst. „Tja, wie der Herr Oberst bereits gesagt haben: ich verstehe ebenfalls nichts von der Kunst!" „Dann sagen Sie uns. doch wenigstens, wie. es Ihnen 'gefällt \“ „Gefallen? — Tja, Flamberg, Sie dürfen mir's aber flicht übel nehmen —" „Aber ich bitte ganz gehorsamst, Herr Major!" „Ich... ich finde es eigentliche nicht so recht ähnlich!" tagte der Major. „Ich finde... es', ist Was drin. . . etwas. Aus dem Tagebuch eines §remdeniegiouars. . ^Bearbeitet von O. Neurath. (Schluß.) Auf Drängen meines Oberleutnants ging ich nun in die M- teilung der Unteroffiziersschüler und erhielt bet der Prüfung unter 132 Bewerbern die 46 Stelle. Dabei sei bemerkt, daß der größte Teil der Schüler Franzosen Waren, aber die ersten Nummern hauptsächlich von Deutschen errungen wurden Arn fangs September 1903 erhielt ich den Befehl, nach Mostaganent zu fahren, um Maulesel für die berittene Kompagnie abzuholen. Am 13. Oktober kam ich wieder zurück, um nach. 8 Tagen mu kommet! Sie doch Mal mit! Oder haben Sie's schon aus feinem1 neuen Platz gesehen?" , , „ Flamberg sprang ans: „Nein, Herr Major. „Also los - gehen Sie mit uns!" < „Wenn die gnädige Frau gestattet ? „Ich bitte darum, Herr Flamberg! Blowitz schloß sich ungeladen an. , «wischen dem Oberst und dem Major schritt Frau Cäcilie voran - schweigsam, mit verschlossenen Gesichtern folgten die beiden Oberleutnants — die beiden Leutnants machten den Beschluß. Frau von Brandeis führte die Herren durch den Speisesaal in welchem die Mägde mit den , drei beurlaubten Burschen die Tafel abräumten, und in die behagliche, ganz als Wohnraum eingerichtete Diele hinüber. Dort lies die bequeme, breite Treppe zum Obergeschoß hinan, das einen gleich großen Dielenraum enthielt. Hirschgeweihe, tief nach- geduiitelte Oelgemälde schmückten da die Wände. Im Emporsteigen drehte die Hausfrau die elektrische Beleuchtung auf, und man gewahrte, daß von der obem Diele aus mehrere Türen nach den innern Gemächern führten. Durch eine dieser Türen betraten die Gäste das Herrenzimmer, das nun ebenfalls ans einen Druck von Frau Läciliens Fingern erglänzte. Und sieh! — Da hing über einem' wuchtigen Diplomatenschreibtisch die Schöpfung Martin Flambergs. „Äh!" riesen der Major und sein Adjutant. Die Herren des Regimentsstabes, hatten das Bild bereits gestern zu sehen bekommen, sie waren nicht mehr zur Bewunderung verpflichtet. Frau Cäcilie tat ein paar rasche Schritte zur Seite. Da stand die Tür zu einem Nachbarzimmer halb offen. Die gelben Messingstangen zweier englischen Bettstellen, das lichte Weih eines Spitzenhimmels leuchtete aus der Dunkelheit. Ruhig schloß die Hausfrau die Tür Stumm hingen aller Blicke an dem Gemälde. „Aha," sagte Sassenbach „das ist also das berühmte was ich wenigstens nicht kenne an unserer hochverehrten Frau Wirtin —!" „Und das wäre?" fragte Frau Cäcilie. - „Ja, tote soll ich das ausdrücken — so was Fremdartiges ... so to'as Unheimliches, möchte ich sagens Cäcilie to!arf dem Maler einen verstohlenen Blick zu'< „Ja, sehn Sie, Herr Major," sagte sie, „vielleicht hat Her« Flarnberg etwas hinzugetan, etwas von seinem Eigenen^ etwas, das wirklich mehr ist als ich, als mein Leben H aber das tun große, starke Künstler wohl immer, meine, ich!" „Das ist mir zu hoch," sagte Sassenbach. „Ich kann mir nicht helfen —< ich finde es nicht ähnlich! Es ist was! dran, was mir bisher an Ihnen wenigstens niemals ausgefallen ist!" „ „ „Was Ihnen vielleicht nicht ausgefallen ist, Herr von Sassenbach," sagte langsam mit sinnendem Lächeln Frau Cäcilie, „darum ist aber noch nicht gesagt, daß es etwas Falsches ist... vielleicht ist's auch doch nicht was Hinzto- getanes... vielleicht ist's doch etwas, was nur Sie nicht bemerkt 1) ab eit, weil Sie mich nicht kennen..." „So, und Herr Flarnberg, ber. v der kennt Sie also besser, meine verehrte gnädige Frau?!" Wiederum eine eisige Stille. Regungslos stand der ganze Kreis. Jeder fühlte: der gute Major hatte da in aller Harmlosigkeit etwas ausgesprochen, etwas, das — — Der Oberst fühlte sich verpflichtet, einzurenken. „Na, das ist doch selbstverständlich, lieber Sassenbach, daß ein Maler an... an den Menschen, die er malt... daß er da allerlei entdeckt... was .. .was wir gewöhnlichen Sterblichen nicht zu sehen bekommen..." Abermals befangenes Schweigen. Der Oberst bekam einen roten Kops. , . Cäciliens Lippen bebten. Sie litt bis ins Herz. Gott, all diese plumpen Hände... die höchste und zarteste Dinge berührten wie tappige Knabenpfoten holden Schmetterlingsschmelz... Wenn Hur er selber nicht dabei gewesen wäre... sie ... - war ihn ja gewohnt, diesen ungeschlachten Ton... Diese W M - !»«(»’“ f«gt= »rat. «-M. W«... M- si° «• f* fch meine- ich WZ sagen - weiin eine Dame des Regi- bereits ein dichtes, trübes Gespinst gewirkt um dies Werk ments von einem so vielgefeierten Maler wie uuserrn Herrn um' seine Entstehungsgeschichte... fein Morell... feinen 9eWatt toirb - b°s ist doch natürlich Schöpferin Schweigen hinein von draußen Alles schwieg und starrte regungslos zu dem Frauen- ein lustiges Krachen, Knattern, Prasseln. nnhrHa fvirmn I Frau Cäcilie atmete auf. «eU.®- ftÄJS Se 3ÄÄ-w. m. »--- EFabelhaft," sagte der Oberst, „ich gratuliere Ihnen, sriednnischirmten Schlößchens... tagte mrnstauf™ halblaut. ..Mu möchte tagen: "* Warf bem Oberleutnant -men wütenden W-- in, und lebet fthlte: MM -M*» „Nun, Herr Flarnberg," fragte die Hausfrau, ohne W Tchstverständlich, meine Herren," sagte die Hausfrau, den Maler anzusehen, „find Sie einverstanden? — mit dem ^"schnell hinunter i—. sonst ist alles vorbei, ehe wir am. „Dazu müßte ich das Bild erst mal bei Tageslicht sehfl ! I ® nahm auch nur mit einem Blick Abschied von! r— So, bei dieser künstlichen Beleuchtung, allerdings mn- I sßiWe, das da broben hing tote ein Gast aus heiligen toatl?,©k toürben auch am Tage mit deM Platze zufrieden I Fernen..... mortfebuna folgt) fein - schade, daß Sie es so bald nicht in natürlicher Be- « Mortfeßung loigrj. leuchtnng zu sehen bekommen werden!" „Schwerlich!" sagte Flamberg. „Na, lieber Sassenbach, Sie sagen ja gar nichts," bd 663 UM Bataillon nach Beni-Qunif zu marschieren. Hier wurde das Bataillon geteilt. Meine Kompagnie zog zur Hälfte nach Bou- Bala, zur Hälfte nach Ben-Zireg. Ich gehörte zur zweiten Abteilung, die nach zwei Ruhetagen als Bedeckung einer Karawane von 6000 Kamelen abrückte. Seither waren wir immer der Bahnlinie entlang marschiert Nnd hatten so die Gewißheit, bei den Bahnwärterblockhäusern Wasser zu finden. Das hörte jetzt auf- denn die Eisenbahn ging damals nur bis Beni-Qunif. War Man den ganzen Tag mit schwerem Gepäck marschiert, so mußte man Noch auf die Suche nach Wasser gehen- bevor man den glühenden Durst löschen Nnd die müden Glieder ausruhen konnte. Hatte man Nun glücklich einen Brunnen gefunden, den die Araber nicht verschüttet hatten, dann bekamen erst die Tiere zu saufen, denn die Tiere kosten Geld und der jLegionär, — Gott, wer fragt nach ihm? Ben-Zireg, unser neuer Bestimmungsort, liegt an dem' Karawanenweg, . als dessen Stützpunkt eg' jetzt eine Befestigung haben sollte. Die UrnfassungsUtauern waren bereits auf einem hochl- gelegenen Punkte angefangen, als wir zur Ablösung ankamen. Nach einem Ruhetag ging das Arbeiten los. Es wurden verschiedene Gruppen gebildet, die teils zum Backsteinmachen und Stembrechen, teils als Maurer und Wasserträger verwandt wurden. Ich ging freiwillig zu denen, die die Bausteine aus den Felsen zu sprengen hatten. Den ganzen Tag saß uns der Kominändani im Nacken. Ausruh'en gab es nicht; gleich wurde mit Strafe gedroht, wenn ein M^N" einen Augenblick feierte. Wie viele wurden damals mit 15 Tagen Arrest bestraft. Die Strafe wurde hier aber nicht im geschlossenen Raume verbüßt, sondern unter freiem' Himmel, Wind und Wetter ausgesetzt, und wenn sich einer widerspenstig zeigte, wurde er kurzerhand gefesselt und in der glühenden Sonnenhitze liegen gelassen. Auf die Dauer sagte mir die anstrengende Beschäftigung nicht zu, und ich bat daher den Adjutanten, mich anderweitig zu verwenden. Ich wurde zum Geschirr spülen und Holz spalten in die Offiziersküche geschickt und durch das Wohlwollen meines Oberleutnants bald als Kellner verwandt. Aus diese Art kam ich wenigstens zu einem anständigen Essen, denn die Kost der Mannschaften war einfach abscheulich. Die Herren Ofmiere dagegen hatten alles, was das Herz begehrte. Die besten Weine, feinsten Liköre und teuersten Konserven, ja selbst der Schaumwein fehlte nicht. — Da die Gegend ziemlich unruhig war, gingen täglich größere Patrouillen nach allen Richtungen der Windrose, und bisweilen wurde denn auch hier und da ein feindlicher Araber aufgegriffen, der dann bei nächster Gelegenheit nach Beni-Ounif geschafft wurde. Sogar bis an unser Lager wagten sich die kühnen Wüstensöhne heran. Ich lag eines schönen Abends mit einem Kameraden plaudernd zusammen, Offiziere und Mannschaften schliefen schon, als plötzlich ein Schuß aus einem fremden und gleich darauf noch einer aus französischem Gewehre fiel. Im Nu war alles aus den Zelten und mit Gewehr und Patronentaschen an der Mauer in Bereitstellung. Wie sich bald herausstellte, hatte sich eine Bande Marokkaner durch die Postenkette geschlichen und auf den Pferdewächter geschossen. Die Außenposten kamen bis aus einen sofort in das Lager. Bald danach hörte man von außen rufen: „Nicht schießen, wir sinds, Posten 4!" (Der Posten 4 fehlte nämlich noch.) Die Leute brachten den Wächter mit. Ter arme Kerl sah furchtbar aus. Ter Schuß war aus nächster Nähe auf ihn abgegeben worden und hatte ihin die rechte Brustseite vollständig ausgerissen, so daß der Magen zutage trat. Er war trotz der schweren Wunde bei vollem Bewußtsein und murmelte seine Sterbegebete. Am Morgen war er verschieden. Unter, militärischen Ehren begrub man ihn abends, als erstes Opfer. Die Zeit verging und meine Kompagnie bekam den Auftrag, die Straße von Ben-Zireg nach Tagda .(jetzt Colomb-Bechar) zn bauen. Man denke sich die Herstellung einer solchen Straße nicht etwa so umständlich wie in Deutschland. Jeden Tag wird eine Strecke von 2—2i/r Kilometer ab gesteckt, auf eine Breite von 4 Meter das Gras ausgerupst und die Steine bei Seite geworfen. So entsteht eine Straße in dortiger Gegend. - Auf der Hälfte des Weges wurde ich von einem Skorpion gebissen und mußte zu Pferd zurück. Am neunten Tage konnte ich als geheilt den Ort wieder verlassen und meiner Kompagnie nachreiten. Als die Straße nach Tagda glücklich vollendet war, gings wieder nach Ben-Zireg, um von da eine Straße nach Bon-Aich zn Bauen. An dieser Strecke arbeiteten wir 22 Tage. Da wir immer und immer arbeiten mußten, wurden die Leute unwillig, unb Strafen kamen auf Strafen. Da war es denn auch gar nicht zu tounbern, baß eines Morgens 3 Mann mit Gewehren, Munition unb Lebensmitteln von 4 Mann verschwunden waren. Unglücklicherweise waren ihrer zwei aus meiner Korporalschaft, und so mußte ich halt, wohl oder übel, mit meinen Leuten auf die Suche gehen. Wir zählten 16 Mann, jeder bekam 200 Patronen unb Lebensmittel für 6 Tage. Unter den Leuten waren zum Glück 11 Deutsche, so daß ich wenigstens keinen Aufruhr zu befürchten hatte. 1 . Nachdem wir 5 Tage vorgedrungen waren, machten wir uns wieder auf den Rückmarsch, wobei wir uns stets nach dem'Stand der Sonne richteten. Meiner Berechnung nach konnten wir nicht Mehr weit von Bou-Aich fein. Ta wir jedoch in den Ausläufern M Atlasgebirges Bet Nacht nicht fortkoMM'en konnten, beschlossen wtr> auf einer Arthohe zum letzten Male zu lagern ... Gegen 2 "F morgens wurden wir vom Posten geweckt, da er Hilferufe au Boren glaubte. Wir lauschten angestrengt unb hörten eben- Ms in der Ferne rufen. Wir malten uns bei dem unsicheres Morgengrauen auf und erblickten, als es völlig Tag wurde, etwa 1200 Meter vor uns' ein etwa 5—6 Zelte zählendes Araber- dorf. Bor den Zelten drängten sich die Wüstenteufel um drei Menschen, tn denen wir sofort unsere Deserteure erkannten. Wir eilten bis auf etwa 300 Meter heran und gaben Feuer. Tie Kerle flohen und ließen ihre Opfer zurück, von denen allerdings schon zwei tot waren, als wir hinzukamen. Der dritte Mann lag tm Sterben. Wir konnten uns nicht um ihn kümmern, denn der ganze Schwarm kam wieder auf uns zu. Es entwickelte sich ein Feuergefecht, das schließlich mit der Flucht der Gegner endete. Zch bekam bei dem Kampf mit diesen Mordbrennern einen Schuß ms Kme, der mich am' Gehen hinderte. Außerdem hatten noch 6 oder 7 Leute mehr oder weniger schwere Streifschüsse. Wir zogen uns zu den Toten zurück — der dritte war mittlerweile ebenfalls gestorben ■— unb verbanden uns notdürftig. Aber was sollte nun weiter werden? Wir hätten kein Wasser und kerne. Lebensmittel. Jeden Augenblick konnten wir wieder angegriffen werden. _ Unsere Lage war verzweifelt. Langsam zogen wir. uns auf unfern alten Lagerplatz zurück, um die Gegend, wenigstens besser übersehen zu können. So lagen wir von Freitag bis Samstag nacht, ohne Wasser, ohne Brot. Samstag morgens waren die Araber abgezogen, ohne uns noch weiter belästigt zu haben. Von Zeit zu Zeit'gaben wir eine Salve ab, um in Bou-Aich gehört zu werden. Unb tatsächlich wurden wir durch unser Schießen gerettet. _ Gegen 10 Uhr hörten wir Pferdegetrappel. Einige Augenblicke später hielt unsere halbe Kompagnie vor uns. Klugerweise hatten sie Tragesel mitgebracht, auf denen wir nun den Heimweg begannen. Am! Sonntag morgen kamen wir auf unserer Station an. Nachdem man mich verbunden hatte, wurde ich nach Beni-Ounif gebracht, wo ich die Kugel herausgeschnitten bekam. Nach 17 Tagen war ich wieder geheilt und kehrte zu meiner Kompagnie zurück, die mittlerweile jum Bau neuer Baracken befohlen war. In der Nahe des Fleckens war ein Steinbruch entdeckt toorben, der bas zum Bau nötige Material liefern konnte. Um die erforderliche Anzahl Leute zu bekommen, setzte unser Komwanbant für den Quadratmeter 1 Frk. aus. Ta ich schon als Steinbrecher gearbeitet hatte, meldete ich mich mit noch mehreren meiner Kompagnie. So gingen die Monate Juli, August, September unter harter Arbeit dahin, bis ich plötzlich tvphuskrank wurde. Ich kam mit der Bahn nach AirEefra ins' Lazarett und blieb dort 42 Tage. Als ich entlassen wurde, war meine Kompagnie noch in Beni- Ounif. Also wieder runter an die Arbeit. Zum Glück war unsere Ablösungsordre gekommen, die bestimmte, daß wir bis Ain-Sefra zu .'Fuß unb von dort per Bahn nach Sidi-Bel-Abbes zurückkehren sollten. Unsere Tornister toaren schon gepackt, als wir die Nachricht erhielten, Ain-Sefra sei von schweren Wettern säst vernichtet und Tjenau-ed-dar sei von den Wassern bedroht. — Noch in der Nacht brachen wir auf — der Weg Beträgt etwa 30 Kilometer — und hörten schon von weitem das Anstürmen und Rauschen der Wassermassen. Wir machten bei Djenien-Bou Rezg Halt und warteten auf das Fallen der Wasser. Etwa 2 Kilometer vor diesem Ort führte eine schöne, zweibogige Brücke über einen Hohlweg. Durch das Stauen von Bäumen, Balken und Sträuchern' und die Wucht der nachdrängenden Wasserfluten, wurde die Brücke bis auf den mittleren Pfeiler vernichtet. Ein etwas höher gelegener Tamm war völlig unterspült, so daß die Eisenbahnschienen frei in der Lüft hingen. Diesen Schaden hatten wir zu beheben, und außerdem sollten wir eine Notbrücke über den noch immer Breiten Bach Bauen, da der Gouverneur in nächster Zeit die Unglücksstätte Besichtigen wollte. Da unsere Kompagnie allein nicht ausreichte, die Arbeit in der angesetzten Zeit burchzuführen- so wurden noch 2 Kompagnien Tirailleurs beordert, die Steine unb Saud herbeitragen mußten. Als der Gouverneur kam', war das Werk vollendet und fand sein ungeteiltes Lob. ■ Bon diesem Tage an wurde ich! Bursche bei meinem' Hauptmann, unb da er 2 Pferde hatte, konnte ich den Rückweg nach Sidi-Bel-Abbes zu Pferde machen. Später wurde ich fein Haus- bursche, war frei von jedem Dienst und wohnte tut Hause meines Vorgesetzten. Arbeit hatte ich in Hülle unb Fülle, aber ich tat es gern, denn ich verdiente mir im Monat 25 Franks nebenbei.. Der Sommer entschwand unb mit ihm meine gute Stellung. — Mein Hauptmann wurde nach Touking kornrnanbiert. — Aber gleich darauf wurde ick) Pferdepfleger und Bereiter des Bataillons- kommandeurs, deut ich einen dreijährigen Hengst zu seiner vollsten Zufriedenheit einritt. Vom 18. Oktober ab lag ich noch 14 Tagt im Lazarett, bis ich aM 2. November 1905 in die Schreibstube gerufen wurde, um anzugeben, wohin ich entlassen feilt wollte, Ich gab Songtot) an. Bon den 47 Leuten, die vo^ fünf Jahren nach Sidi-Bel-Abbes gefahren waren, trafen sich noch 4 ManU bei der Abreise. , , -Die Rückfahrt fand mich diesmäl in weit besserer Saunt- eg ging ja endlich der Freiheit entgegen. AnilO. November 1905 bestieg ich den Zug nach Songtot), um 12 Uhr mittags überfuhr 564 Redaktion: K- Neuratb. — W^stionsdruck u»^ Verlag der Brüh Ischen Universitäts-Bach» und Stemdruekerei, R. Lange, Gießen, Logogriph. Mit „d" erzeugt es Reinlichkeit, Ist ätzend, scharf und beißend. Mit „s" trägts ost ein prächtig Kleid Und winkt dir Ruh' verheißend. Auslösung in nächster Nummer. Auflösung des Arithmogriphs in voriger Nummer r Lundesrat, Ehr, Issarses, Krau, Erbe, Sanb, lkeseda, At^en, 'Eherese. hnmorrstlsches. * Wahres' Geschieh tchen. Ich komme im Sportkostüm am Münchener Bahnhof an, und da ich einige Stunden Aufent-. halt habe, entschließe ich mich, mir die Residenz anzuschauen. Unsicher, ob dies in meinem Aufzuge ratsam sei, interpelliere ich darüber einen Einheimischen. Gutmütig gibt er mir Bescheid: „No ja, zum Prinzregenten kunnten S' so scho' gehn; aber vor'm Portier derfen S' Eahna so net sehg'n lassen!" * Abgesehen davon, Hauslehrer: „Resi, Resi —■ Ihre Arbeit wimmelt ja geradezu von Fehlern! Da hat doch sicher wieder irgend eine Dummheit in Ihrem Köpfchen gespukt! — „O nein. . ." — „Na woran haben Sie denn gedacht/- — (Verschämt): „An Sie, Herr Doktor..." — „So so —i na ja — hm. . . also hatte ich doch recht ,— Nm, abgesehen von der „Dummheit" natürlich." Die Zimmerpflanzen und ihre pflege. Woche vom 10.—16. September. Wir erinnern an die Folgepflanzungen in der Blumen-, Zwiebel-Treiberei. Die Zwiebeln der Beltheimi« werden geputzt und aufs neue gepflanzt: einzeln in 15-Zentimeter- Töpfe; Lauberde und Misterde, dazu Sand; sie werden warm und zunächst ziemlich trocken gehalten; nach dem Austreiben! reichlich Wasser und Heller Stand! Die Brutzwiebeln sollen erst abgetrennt werden, wenn sie erwachsen sind. Die weiße Calla wird, wenn ausgepflanzt, wieder eingetopft (große Töpfe, fette Lehm- und Lauberde, dazu SW büitger) und bis zur Knospenbi'ldung bei 5—12 Grad C. hell und nicht zu feucht, später wärmer und feuchter gehalten. Die gefleckte Calla wird nach der Blüte bis in den .Winter bei 8—12; Grad C. trocken gehalten. Die Gazanie kommt ebenfalls, wenn ausgepflanzt gewesen, wieder in Töpfe (Laub- und Mist-Erde, Lehm und Sand). Ebenso die Dicentra (Diclytra, Doppelsporn, Tränendes Herz); Erdmischung: gewöhnlich. Die winterblühenden Bals am in en (Jmpatiens) erhalten mehr Wasser und kommen ins warme Zimmer. Brunfelsia eximia wird eingeräumt: hell, luftig, zirka 10 Grad C. Gloxinien werden nach der Blüte trocken und nur lauwarm, auch dunkler, doch luftig gehalten. Die Knollen bleiben im Topf. Auch der Granatbaum wird trockener gehaltem Die Ruellia läßt man bei 10—20 Grad C. im Wohnzimmer blühen. ..... Der Tabak (Nicotiana affinis) wird für die Winterblute in etwas größere Töpfe gepflanzt, nachdem man ihn einige Tage vorher Vi zurückgeschuitteu hat (damit er buschig wird) und kommt ins Wohnzimmer. Abutilon (Schmuckmalve) steht für die Winterblute bis zur Kuospenbildung bei 5—10, später bei ca. 12 Grad C. Vierfaden (Tetranema): Die Frühjahrs-Sämlinge und die sommerblühenden Pflanzen haben Ruhezeit (4—6 Grad C., hell, ziemlich trocken, die Sämlinge auch etwas warmer); die winterblühenden werden warm (10—20 Grad C.) und feucht ge- j Azalea: zum frühen Treiben frühe Sorten! Bis zum Farbenzeigen der Knospe .nicht mehr als 8 Grad L.; sonnig und nicht trocken; darauf wärmer und häufig zu spritzen, dieselbe Behandlung läßt man der Camelie angedeihen. Topfrosen werden verpflanzt (Ballen ausschütteln); und wer für den Winter und Vorfrühling Treibsträucher in Blute haben will, Pflanzt diese jetzt ein (Glycinen, Goldregen, Flieder, Schneeball, Apiräen, Prunus, Deutzien, Glockenblumen (medmm und karpatica), Primula Siboldi usw. usw.). schwer schmelzbaren Metalls! erfolgt vorwiegend durch HamMern- Treiben und Walzen, neuerdings wohl auch durch Gießen. Als Lötmaterial für die Verbindung einzelner Platinteile wird. Gold) ^'"‘sie Trennung von Platin und Gold erfolgt vielfach elektro« lyflsch, wobei als Kathoden Goldbleche, als Elektrolyt neutrale Lösungen von Goldchlorid dienen. Bei bestimmter Stromdichtü uttd Spannung geht das Gold in Lösung und schlägt sich an den Kathoden nieder, während sich das Platin als Schlamm' absetzt. ich die Grenze bei Wässerbillig und nachmittägs betrat ich in Bingerbrück zum ersten Male seit langer Zeit „deutschen Boden tut Anblick des Niederwalddenkmals. Am Abend kant ich bet meinen Ännehörigen tut, bie und) nut offenen ^rinen empfingen. Tags darauf meldete ich Mich bei der Militärbehörde, um. meiner Pflicht als Deutscher Genüge zu tun. Platin und seine Gewinnung. Das Platin erhielt seinen Namen von dem spanischen Plata, alcick Silber. Es ist ein ziemlich selten vorkommendes grauweiß glänzendes Metall von großer Fesflgkeit, bezüglich deren es zwilchen Silber und Kiipfer steht, verbunden mit großer Geschmeidigkeit und Zähigkeit, welche seine Verarbeitung zu ganz dünnen Blechen und Drähten ermöglichen. Das spezifische Gewicht ist ein sehr großes und beträgt 21,5, so daß Platin also, zu den ichwersten Metallen gehört. Sein Schmelzpunkt liegt bet 1715 Grad, also ziemlich hoch. Jedoch wird es schon vorher weich, schmied- und schweißbar. Dabei saugt es Sauerstoff aus der ~uft auf, um denselben beim Erkalten unter zischendem Geräusch wieder abzustoßen. Seiner großen Widerstandsfähigkeit gegen atmosphärische Einflüsse und chemische Lösungsmittel wegen zählt das, Platin zu den edlen Metallen. Von Sauerstoff wird es bei feiner Temperatnr angegriffen. Nur das sogenannte Königswasser, eine Mischung von 1 Teil Salpetersäure und 3 Teilen Salzsaure, vermag es aufzulösen, wobei es in Platinchlorit umgewandelt wird. Aber auch Chlor, Jod und Brom sowie schmelzende Alkalien, Salpeter, Phosphor, Schwefel und rußende Flammen sind dem Platin feindliche Elemente. Infolge seines seltenen Vorkommens ist das Platin erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts allgemein bekannt und bezüglich seiner Eigenschaften näher untersncht worden, nachdem es in Neugranada in Südamerika als Begleitmaterial des im Sande des Flusses Pinto vorkommenden Goldes gewonnen wurde. Weitere technische Bedeutung erhielt es jedoch erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als in Rußland gröbere Vorkommen entdeckt und ausgebeutet wurden. Dieses Land ist und blieb auch seitdem der Hauptlieferant des Platins, das zu etwa 90 Prozent dem Ural entstammt und in anderen Ländern, z. B. Brasilien, Kolumbien, Kalifornien, Colorado, Borneo, Norwegen und Lappland, nur ganz vereinzelt anfgefnnden wird. Das Platin kommt fast nur gediegen vor nnd zwar stets im Gemenge oder legiert mit Iridium, Palladium, Rhodium, Osmium und Ruthenium, welche deshalb auch als Platinmetalle bezeichnet werden. Auch ist es immer mit Eisen sowie vielfach mit Kupfer, Blei und anderen Metallen vermengt. Primäre Platinlager,! d. h. das Urgestein desselben, wurden bisher noch, nirgendwo sicher nachgewiesen. Man findet es. stets, auf sekundärer Lagerstätte im Sand von Flüssen oder in Seifen. Hier kommt es tn Form von Plättchen und Körnern, weniger in größeren Stücken, vergesellschaftet mit Gold, Titan-, Chrom- und Magnetelsen, selten für sich .allein vor. Ebenso enthält das Silber vielfach Platin, wenn anch nur geringe Mengen. , Die Gewinnnng des Rohplatins erfolgt, in derselben Weise, wie die des Goldes, durch Äuswascheu, Auflösen und Schmelzprozesse-. Der metallführende Sand wird mittels kräftiger Wasserstrahlen von seiner Lagerstätte losgespült und dabei von dem erdigen Beimengungen befreit, woranf dann auf geneigten Waschherden ober in besonderen .Waschmulden die Abscheidung der nutzbaren Stoffe erfolgt. Von den letzteren wird zuerst das Gold abgetrennt, was durch isogenanntes Amalgamieren erfolgt. Hierbei wird Quecksilber zugesetzt, welches das Gold auflöst, sich mit demselben verbindet lund so ein Amalgam bildet. , Aus diesem wird durch Erhitzen das Quecksilber wieder abgetrieben, wobei das Gold als schwammiger Körper für sich allein gewonnen wird. Das nach dem Abscheiden des Goldes zurückbleibende Rohplatin enthält etwa 60 bis 80 Prozent reines Platin, während'der Rest aus den Begleitmetallen, Sand und sonstigen Beimengungen besteht, deren Entfernung noch verschiedene umständliche Arbeitsvorgänge, vorwiegend chemischer Natnr, erforderlich macht. Nachdem das Rohplatin in einem Kalktiegel geschmolzen ist, wird, es wiederholt mit Königswasser verschiedener Stärke behandelt. Hierbei werden zuerst alle leicht lösbaren Metalle, Eisen, Kupfer und dergleichen, und dann Sie schwerer lösbaren, wie Gold und Palladium, ansgefällt. Erst bei Anwendung stärkerer erhitzter Säuren geht anch das Platin als Platinchlorid in Lösung. Nachdem aus dieser 'etwaiges Palladium durch Cyanguecksilber abgeschieden ist, wird Salniiak zugesetzt. Der sich dabei bildende Platinsalmiak wird getrocknet und ausgeglüht, wobei der Salmiak verflüchtigt, während das Platin als ein lockeres graues Pulver ober als schwammige Masse, Platin'schwamm, zürückblcibt. Diese wird entweder mit Hilfe einer sehr heißen Gebläseflamme in einem Tiegel zusammengeschmolzen ober in einem kräftigen Eisenzylinder unter einem Stahlkolben bei hohem Druck zusammengepreßt und dann starker Hitze ausgesetzt. Das so erhaltene! Platin wird zu kleinen Barren geschmiedet ober zu Blechen ober Draht von verschiedener Stärke verarbeitet nnd gelangt gewöhnlich in diesen Formen in den Handel. Die.Verarbeitung des!