Donnerstag, den l. November ^SäcTfvTt 8 Kl9 Di S®&h KM SßEW UWW rjlfirp^^- Die Dame im Pelz. Roman von G. W. App le ton. (Nachdruck verboten.) (Fortjetzimg.) Halt, halt mein Lieber. Nur immer langsam. Eine Frage nach 'der anderen. Wie ich sie aufgeklärt habe? Nun, als du gerade um die Ecke verschwunden warst, kam der Wagen vorgesahrcu. Ich ging schnurstracks ait den Schlag und öffnete. Ich warf Helen einen Blick zu, den sie sofort als Alarmsignal erkannte, und- zu Marcella sagte ich be- ruhig end lächelnd: Es tut mir leid, es Ihnen sagen zu müssen, aber Ihr Bräutigam war so ungalant, Ihnen wegzulaufen. Sie sah mich starr an. Mir wegzulaufen? seufzte sie, und wurde weiß wse 'ne Waud. Selbstver- stänolich nur auf 'ne kurze Zeit, erklärte ich weiter. Gerade im Augenblick kam ein Bote angestürzt und brachte ihm die Nachricht, daß seine Tante im Sterben liege und ihn unverzüglich zu sehen wünsche. Natürlich war der arme Kerl ganz verzweifelt und wollte anfangs nicht mitgehen; aber, wie Sie ja wissen, hängt von seiner Versöhnung ein ganzes Vermögen ab, und düshälb drängte ich ihn, auf joden Fall mitzugehen ustd die Aufklärung über diesen Zwischen- fall mir zu überlassen. Eine Verschiebung der Feier um ein paar Stundeu oder selbst um einen Tag schadet doch nicht allzuviel, uicht wahr? Sie wurde rot wie eine Rose und antwortete: Natürlich nicht. Aber er hätte doch wenigstens ein Minütchen warten können, um mir's selbst zu sagen. Das würde er auch getan haben, versetzte ich scherzhaft, aber er hatte das Vertrauen, daß ich Ihnen die Sache schon richtig hinterbriugeu würde, und der Zug würde nicht auf ihn gewartet haben; er hatte knapp zwei Minuten Zeit übrig. Das ist ja soweit alles ganz schön, warf ich hier ein, alber nachh-er — was sagtest du dann? .Warte doch, ertviderte Mortimer, und sei nicht so ungeduldig. Zunächst ging ich dann in die Kirche, suchte den Geistlichen in der Sakristei auf und setzte ihm mit kurzen Worten auseinander, daß plötzlich Umstände eingetreten wären, die eine Verschiebung der Traufeierlichkeiten nötig machten. Ich gab ihm die Versicherung, im Laufe des Tages nochmal bei ihm vorzusprechen, und kehrte dann zu den Damen zurück, um mit ihnen nach Hause zu sahren. Dort bemrtzte ich die erste Gelegenheit, Helen einen Moment beiseite zu° nehmen, und erzählte ihr die volle Wahrheit. Sie war natürlich ganz -entsetzt; aber sie ist -ein großartiges Weib, die Helen. Sie nahm alle Energie zusammen, und als ich ihr sagte, sie müßte die schreckliche Nachricht ganz allmählich, -erst Lucy und dann Marcella beibringen, erklärte sie sich sofort bereit, diese schwierige Aufgabe zu übernehmen. Denn ich bin gleich weggelaufen, um zu dir zu eilen. Verlaß dich darauf, es wird sich alles machen. Aber, entgegnete ich ihin saufg-eregt, jdu weißt nicht, fvie's Marcella hinnehmen ivird. Du weißt nicht, wie — Daß laß deine Sorge nicht sein. Ich sage dir nochmals, das wird sich schon machen. Das muß sich machen. Allerdings müfsen wir dich möglichst schnell aus diesem verfluchten Loch 'rausbringen. Das ist jetzt bie Hauptsache, rind deshalb bin ich hergekommen. Der Gerichtshof hält jetzt Mittagspause. Du wirst in etwa einer halben Stunde Vorkommen. Dann -werden wir näheres über die Beschuldigung ersah-ren und auch hören, wer sie vorgebracht hat. Es handelt sich nun um einen guten Verteidiger. Was meinst du zu einem kühnen Coup? Wollen wir nicht Herrn Barton engagieren? Ich blickte ihn erstaunt -ast. Den Anwalt meiner Tante? Warum nicht? Das heißt, wenn -er's übernehmen will, Das wird er nie tun. Wie kann er einen Mann verteidigen, der des Mordes an seiner Klientin angeklagt ist! Eines Mordes angeklagt zu sein Und ihn begangen zu haben, ist zweierlei. Bartou wird niemals glauben, daß du eines solchen Verbrechens schuldig bist, und es liegt also kein vernünftiger Grund vor, warum er deine Verteidigung nicht übernehmen sollte, und die moralische Wirkung, toeiut er dich verteidigte, würde ganz bedeutend sein. Für alle Fälle habe ich ihn benachrichtigt und gebeten, sofort hierher zu kommen. Wenn er's tut, kannst du ja selbst mit ihm sprechen. Bevor ich noch -etwas darauf erwidern konnte, hörig ich, wie der Wärter zu jemandem sagte: „Hierher," und im nächsten Moment führte er Mortimer und mich in ein Wartezimmer. Herr Barton sprang uns entgegen und drückte mir die Hand. Heiliger Himmel, Doktor, sagte -er, was soll -das alles bedeuten? Ich weiß vorläufig weiter -gar nichts, antwortete ich, als daß ich beschuldigt werde, meine arme alte Tante ermordet zu haben. Nun, Herr Barron, Sie kennen mich ja seit — Seit Ihrer Kindheit. Natürlich kenne ich Sie. Weiß Gott! so w-as ist mir im Leben noch- nicht vorgekommen. Sie Ihre Tante ermorden! Das ist ja lächerlich, unerhört! Das ist Herr Mortimer vermutlich? Mein Freund verbeugte sich. Freut mich sehr, Sie persönlich kennen zu lernen. Ihre Zuschrift bekam ich vor einigen Minuten, und ich bin daraufhin gleich hierher geeilt. Natürlich will ich seine Verteidigung übernehmen. Diese Hep-hzibah, 'Doktor, hat bei der Sache sicher die Hand im Spiel — fie und der schmutzige Pennyseather. Sie behauptet, Sie seien gestern abend mit Gewalt in die Wohnung gedrungen. Stimmt das? Nein, antwortete ich. Diese Lügnerin! Ist so was möglich? Und dann erzählte ich ihm genau den Hergang. Ha! sagte er, als ich fertig war. Sie scheint es allerdings ganz anders darzustellen. Soviel ich mir aus dem — 698 — dM Flur. (Fortsetzung folgt.) und wieder ins Gefängnis zurückgeführt wurde, daß ich! noch eine Unterredung mit Herrn Barton hatte, auch Mortimer noch mal bei mir war und mir versprach, während meiner Abwesenheit für Marcella sorgen zu wollen, und Laß ich dann in den grünen Wagen befördert und wie der gemeinste Verbrecher nach dem Wandsworther Untersuchungsgefängnis transportiert wurde. 20. Kapitel. So hätte es die Ironie des Schicksals dahin gebracht, daß ich meine Brautnacht in einer Gefängniszelle verleben mußte. Das Brautgemach war ein enger Raum mit kahlen, grauen Wänden, hoch oben befand sich ein kleines, vergittertes Fenster, als Brautbett diente mir eine schmale, hölzerne Pritsche, die Einsamkeit war meine Genossin. Unendlich langsam strichen die Stunden dahin, angezeigt von der heiseren Stimme der Gefängnisuhr. Kein Schlaf kam in meine weitgeöffneten Augen, alt die mannigfaltigen Ereignisse der letzten paar Wochen zogen an ihnen Vorüber. Vor einem Monat war ich noch ein glücklicher, zufriedener Mann gewesen, geachtet von Freunden und Bekannten, und kein Mensch, am wenigsten. ich selbst, hätte einen solchen Wechsel meines Geschickes im entfern'Uten geahnt. Und war der Grund all dieses Unheils? Es ließ sich nicht leugnen — das Auftauchen Marcellas auf meiner Lebensbahn. Und doch, trotz allen Ungemachs, hätte ich um alles in der Welt es nicht anders gewünscht. Dazu war meine Liebe zu groß; und in dem Bewußtsein, daß auch sie mich wiederliebte, und daß ich unschuldig litt, kam allmählich eine wohltuende Ruhe über mich, ich schlummerte sanft ein. Der Gott des Traumes zauberte mir die Braut in meine Arme und verbannte alles Unglück in das Reich der Vergessenheit. Freilich war mein Glück nur von kurzer Dauer. Plötzlich drangen gellende Laute an mein Ohr. Ich sprang rasch auf. Es war noch dunkel, aber im Gefängnis bereits reges Leben. Durch die Korridore hallten Tritte und das Klirren von Schlüsseln. Meine Tür wurde weit aufgerissen, und ein Wärter rief mir zu: Machen Sie Ihr Bett! Dann, wird der Fußboden anf- gewischt und das Geschirr gereinigt. Putzzeug und Schrubber sind dort in der Ecke. Wasser gibt's hier auf Gerücht habe entnehmen können, gibt sie an, Ihre Tante habe Sie dabei ertappt, wie Sie sich an dem Arzneifläschq chen zu schaffen gemacht hätten, und sie selbst habe gesehen, wie Sie in eins davon verstohlen etwas eingegossen hätten. Die Annahme geht nun, glaub ich, dahin, daß Ihre Tante kurz nachl Ihrem Weggehen aus dem Bett aufgestandeu ser und eine Dosis aus diesem Fläschchen genommen habe. Kurz und gut, als Pennyfcather hinzukam, lag sie im Sterben — allem Anschein nach an Aconit-Vergiftung. Er seckst oder die Hephzibah haben da^in eine Taschenapotheke gefunden, die ein Gläschen mit der Etikette „Aconit" enthielt, das aber leer war. Dieses Glas trug Ihren Namen und Adresse. Wissen Sie davon irgend was? Ich bekam einen ungeheuren Schrecken, kälte Schauer rieselten mir durch die Glieder. Ich erfaßte sofort die furchtbare Situation, in der ich mich befand. Es fiel mir gleich wieder ein, daß ich bei meiner Rückkehr meinen Kasten vermißt hatte. Ich erinnerte mich der Tatsache, daß ich Gregory das Aconitfläschchen hatte füllen lassen. Herr Bartvn merkte meine Verwirrung und wiederholte seine Frage. Jawohl, sagte ich, ich hatte meine Hausapotheke bei mir. Jch> nehme sie stets mit, wenn ich glaube, sie irgendwie gebrauchen zu können. Aus der Botschaft schloß ich, daß es l)Ter wohl der Fall fein könnte. Das Gläschen enthielt eine Unze Aconit. Das ist richtig, aber ich weiß durchaus nicht, wie das Fläschchen geleert worden ist. Ich habe das Kästchen gar nicht aufgemacht. Zu Hause merkte ich erst, daß es fehlte. Ueberhaupt habe ich's auf keinen Fall mit ins Krankenzimmer genommen. Es steckte in meiner Ueber- ziehertasche, und ich habe den Mantel gar nicht mit oben gehabt; es kann mir also nur 'rausgenommen worden sein oder — eben fällt mir was ein — als ich unten im Empfangszimmer wartete, hörte ich ein Geräusch, als ob etwas auf den Fußboden fiel, es ist aus dem Ueberzieher 'rausgefallen, als ich ihn über eine Stuhllehne gelegt hatte, anders kann ich mir's nicht erklären. Bei alledem ’ne fatale Geschichte, sagte Herr Barton nachdenklich; sie wird uns sicher große Schwierigkeiten machen. Indessen, ich bin von Ihrer Unschuld überzeugt und werde alles aufbieten, Sie frei zu bekommen. Nebenbei bemerkt, Sie wollten sich gerade trauen lassen, heute mittag, nicht wahr? Von der Kirchentreppe weg bin ich verhaftet worden, versetzte ich in einem Ton, der wohl etwas wehmütig ge- Nungen haben mag, denn er fügte sofort tröstend hinzu: Bester Mann! Das ist ja fürchterlich! Ich versichere Sie meines tiefsten Mitgefühls, mein Lieber. Wie hoch müßte diese Hephzibah baumeln, wenn sie — Na, lassen Sie's gut sein, ich hab meine Ideen. Beiläufig will ich Ihnen auch noch sagen, daß das zweite Testament nicht unterzeichnet ist, aber Hephzibah glaubte es. Verzweifeln Sie nicht, ich nehme ein großes Interesse an dem Falle, ein sehr großes, und werde mein Möglichstes tun. Ah! Sie werden gerufen. Ich werde vor Ihnen in den Sitzungssaal gehen. Es handelt fid) heute nur um die Erfüllung einer Formalität. Leider glaube ich nicht, daß Sie aus freien Fuß gesetzt werden; aber ich werde Sie vor Ihrer Ueberführung nach Wandsworth noch mal aufsuchen. Kommen Sie, Herr Mortimer! Ehe ich diese letzte traurige Eröffnung noch ganz begriffen hatte, wurde ich bereits wieder abgeführt. Es ging durch alle möglichen dunklen Gänge über einen gepflasterten Hof in ein kleines, dumpfes Wartezimmer, wo ich auf einer Holzbank Platz nehinen durfte und über Herrn Bartons Schlußworte weiter nachdenken konnte. Nach einiger Zeit wurde die Tür aufgemacht, ein Polizist nickte mir zu, und im nächsten Moment stand ich — au meinem Hochzeitstage — als Gefangener vor dem Richtertisch, des abscheulichsten Verbrechens angeklagt, das xs überhaupt gibt. Das Gefühl der Entwürdigung — des niedergetretenen Männer stolzes — das schmerzende Bewußtsein, daß meine Feinde über mich triumphierten, die deprimierende Reaktion aus meine übergroße Freude am Morgen, der Gedanke an die bekümmerte Geliebte, die jetzt meine Gattin sein konnte, verwirrten meine Sinne dermaßen, daß ich von der ganzen Verhandlung nur eine ganz undeutliche Erinnerung noch habe. Sie war mir wie ein schrecklicher Traum, den ich gern vergessen habe. Ich weiß nur noch, daß ich nach Erledigung einiger Formalitäten entlassen Musikalische volksbibliocheken. Ein Kapitel über Luftschlösserbau von Ern st Challier sen. - Gießen. Es gibt gewisse Themata, an die man nicht gerne rührh um die jeder vorsichtig herumgeht, der den Griff in ein Wespennest scheut. Zu diesen Themata gehören zweifellos die musikalischen Volksbibliotheken. Berufen, dieser Angelegenheit näher- zutreten, wären lvohl eigentlich die offiziellen Organe des deutschen Musikalienhandels, sie haben ja über deren Existenz herichteh auch wohl zwischen den Zeilen ihr Unbehagen darüber geäußert, aber so recht zugegriffen hat keines von ihnen. Es mag sein, daß der Standpünkr des Totschweigens der einzig richtige, und daran zu rütteln undiplomatisch ist. Da ich aber nicht einmal weiß, ob meine Voraussetzung eines absichtlicher Totschweigens zutreffend ist, so will ,ich vom Standpunkt eines alten Musik- sortimenters der Sache nähertreten. Selbstverständlich kann das Für und Wider nur rein subjektiv ausfallen, trotzdem ich kein persönliches oder geschäftliches Interesse an der Frage habe und die ganze Angelegenheit, wie ich am Kopfe meines Artikels bereits aussührte, für ein „Luftschloß" halte. , Die Männer und Frauen, die nach dem Vorbilde der Volks- bibliotheken diesen Gedanken auf die Musik übertrugen, sind hochachtbare Leute, die fest und ehrlich überzeugt sind, etwas Gutes schaffen zu wollen; kein einziger von ihnen sucht oder! hat dabei persönliche Vorteile. Die Beweggründe sind Menschenliebe, der Wunsch, durch gutes Beispiel erzieherisch auf Die großen musikalisch verwilderten Massen einzuwirken. Aber tue Herrschaften haben sich bei dem Streben nach ^dealen m den Himmel verloren, den ja Zeus, nach Schiller,^ unfern Künstlern stets offenhält, und dadurch ihren Blrck für die praktrschä Welt, die rauhe Wirklichkeit getrübt. Auf der einen Sete sehen sie den geldgierigen Musikalienhändler, der nut musckalckcher Schundliteratur den Geschmack verderbend das Volk ausbeutet^ auf der anderen Seite dasselbe Volk nach guter Musik lechzend^ die ihm derselbe Bösewicht vorenthält. Werner Erfahrung nach würde Diogenes, selbst wenn seine Laterne mrt enter Glühbirne 699 es fein, die die Bibliotheken besuchen und benützen, aber ihre knapp bemessene freie Zeit erlaubt es ihnen gar nicht, auf ihr Amßeres so große Sorgfalt zu verwenden, daß nicht in kurzer; Zeit die von ihnen benutzten Musikalien dauernde Fingerabdrücke in reichster Mannigfaltigkeit aufweiseu, die zwar für den Kriminalisten von Interesse sein können, aber der weiteren Verwendbarkeit der damit geschmückten Notenhefte recht hinderlich sein werden. Aber selbst wenn das alles nur brotneidische Einwürfe eines galligen Musiksortimenters wären, wo sollen denn alle die Vorräte der Verschenkliteratur Herkommen, um eine Ausbreitung der Musikalischen Volksbibliothek zu ermöglichen? Schon in einer Großstadt wären bei ihrer gewaltigen Ausdehnung und den großen Entfernungen doch mehrere solcher Institute nötig; dann kämen die mittleren und kleinen in Betracht, und weiter dann das Land. Denn daß hier die deutsche Reichspost dem Streben der Philanthropen entgegenkommen könnte, ist doch dem kühnsten Enthusiasten der Musikalischen Volksbibliotheken noch nicht eingefallen. Wie ich schon erwähnte, existieren bereits einige Musikalische Volksbibliotheken, und mit Genugtuung wurde sofort in bie Welt hmausposaunt, daß der Andrang schon in der ersten Zeit ein so starker gewesen wäre, daß die Äedürfnisfrage damit erwiesen sei. Leute, die die Verhältnisse besser kennen, wissen aber genau, daß die ersten Besucher aus der Schar jener Nassauer bestehen, die überall, wo etwas umsonst geboten wird, zu den eifrigsten Konsumenten gehören. Der größte Teil dieser Leute ist gar nicht bedürftig, es sind dieselben wohlbekannten Schmarotzer, die bei den 10 Pfg.-Ausgaben noch einen Rabatt vom Musikalienhändler erbetteln wollen oder nach beschmutzten Exemplaren forschen. Sollte aber wirklich eine dauernde starke.Benutzung der zu verleihenden Hefte eintreten, wie lange würde der Bestand einem solchen erhosften Ansturm widerstehen können, und wo, wäre der Ersatz herzunehmen, wenn auch die Vorräte der nachschießenden Freunde erschöpft sind? Einnahmen haben die Bibliotheken nicht, sonst würde ja der ganze Zweck verfehlt sein, und die Gaben der Spender in bar sind, wie ich schon ausführte, für andere Zwecke dringend nötig. Selbst Wenn die Veranstalter über Hnnderttausende verfügten, wenn sie Musikalien ankaufen und nach Bedarf ergänzen, ihre Beamten, Handlanger und Handwerker besolden und Mieten bezahlen konnten, so würden sie etwas längst Ueberlebtes geschaffen haben. Warum haben die Musikalienhändler in der Mehrzahl ihre Leihinstitute aufgegeben? Weil kein Bedürfnis mehr vorliegt. Seitdem wir die Volks-Ausgabe Breitkopf & Härtel, Edition Peters, Kollektion Litolff, Steingräber, Universal-Edition, die 20 Pfg.-Ausgaben P. I. Tanger, Carl Rühle, C. F. Teich, die 10 Psg.-Ausgaben Karl Kunz, Edition Europa und viele andere mehr besitzen, die uns zum größten Teil in vortrefflicher Revision und Ausstattung nicht nur die Klassiker und Romantiker, sondern auch vieles gute Neue zu durchaus billigen Preisen bieten, ist das Verleihen der Noten fast ganz aus der Mode gekommen. Wie oft habe ich schon darauf hingewiesen, daß ein Vergleich zwischen Lesen Und Musizieren etwas ganz Deplaziertes ist! Lesen kann jeder Deutsche über 8 Jahre, aber der weitaus größte Teil aller Menschen besteht aus musikalischen Analphabeten, die der Musik nur mit den Ohren beizukommen imstande sind. Es mögen sich darunter einige befinden, die in der Jugend mit Musikunterricht gequält wurden und sich sogar bis zum „Gebet der Jungfrau" hinausgeklimpert haben; glücklicherweise haben sie alles längst vergessen und die Allgemeinheit weiß ihnen Dank dafür. Seien wir doch offen, wie weit geht denn die musikalische Kunstfertigkeit in den Kreisen der Gebildeten, die den vornehmen Konzertsaal besuchen? Gäbe es Siebe, in denen man die Spreu von dem Weizen trennen konnte, so würden von 1000 Anwesenden schon beim ersten Gang mindestens 500 Hörer abgesondert werden, die niemals ein Instrument gespielt haben. Weitere 300 würden die zweite Lese sein, die einmal als Kinder mit Liebe oder Gewalt über die ersten Anfänge gestolpert sind. Von beiden Gruppen sind noch wiederum Teile abzusondern, die nicht der Musik wegen anwesend sind; der eine kommt der Mode halber, der andere ans gesellschastlicheu Pflichten, ein Dritter wegen des _ Flirts, der schonen Augen der oder des Solisten .und schließlich eine Menge ans keinem anderen Grunde als dem, dabei gewesen zu sein. Ein schärferes Sieb scheidet dann noch 100 aus, die zwar die Musik praktisch zu pflegen vorgeben, aber nur die Gotter versuchen was der Mensch nicht tun soll. Unter den letzten 100 sind bann wohl manche, denen man vielleicht gern auch antzer- halb des Konzertsaals zuhört. Und nun die Unterhaltungskonzerte ä la Hasenheide, Prater nsw. ? Gute Menschen, bte bet Kaffee und gefülltem Freßkober der Musik lauschen: nicht viele werden darunter sein, die Lnst und Mittel dazu haben, ihrem Nachwuchs ein Instrument und Musikunterricht zu spenden. Da müßten dann wieder Kapitalien herbeigeschafst werden, um die verschie- denen Violinen, Flöten, Klarinetten, Klaviere usw. anzuschassm, und vor allen Dingen die Honorare für die Musiklehrenden. Leute, die ein Klavier besitzen, auch in der Lage wären, ihren Kindern Unterricht erteilen zu lassen, und nun wünschen, daß diese, nachdem sie dem Lehrer entwachsen sind, die Musik weiter pflegen, haben in den meisten Fällen einige Groschen übrig, um, wenn auch vielleicht langsam, die schonen billigen Ausgaben versehen wäre, nicht viele reich gewordene Musikalienhändler, namentlich Sortimenter, entdecken und noch weniger ein nach guter Musik dürstendes Volk finden. Das letztere wirb auch von der Mehrzahl der Himmlischen hier und da zugestanden, man Will ja jetzt erst das Volk durch das Volk erziehen. Unter Volk verstehen doch Wohl die Philanthropen in erster Linie die unbemittelte Mehrzahl des Volkes, denn die Wohlhabenderen konnten ja auch ohne diese „Gratis-Leihbibliotheken" auf Grund ihres Einkommens sich längst ihren Geschmack geläutert haben. Weshalb das bisher nicht geschah, erledige ich später, dagegen muß ich hier der Volkskonzerte Erwähnung tun, die lediglich den Unbemittelten dienen sollen, wofür drastische Beweise vorliegen. So befindet sich in Dresden ein Verein, der Volkskonzerte veranstaltet, dessen Programme die stehende recht deutliche Notiz tragen: „Besucher dieser Konzerte, die nicht unbemittelten Standes sind, werben aus dem Saal gewiesen.". Also von unten herauf will man das Volk in seiner Gesamtheit erziehen, ein Gedanke, der wohl nicht übermäßig neu ist: die meisten welterschütternden Ereignisse sind ja stets auf demselben Wege zn uns gekommen. Ganz neu ist aber die Liebe sür das musikalische Volk, eine Schwester des Hasses gegen die musikalische Schundliteratur, sie beide hinken ihren älteren Geschwistern auf dem Gebiete der Belletristik hinterher. Wie tief das Bedürfnis auf diesem Gebiete gefühlt worden war, und inwieweit es bereits durch die bestehenden Volksbibliotheken befriedigt ist, kann ich nicht untersuchen. Als Nichtbuchhätidler habe ich keine fachmännischen Gründe dafür oder dagegen zur Hand. Ich meine freilich, aber das nur ganz so nebenbei, daß, wenn die Leute, die die Volksbibliotheken besuchen, ihren Bedarf in Bier, Tabak usw. etwas eiuschränkten, mancher Nickel übrig bleiben würde, der für Meyers Volksbücher, Recläm, Kürschner usw., die Wohl alle einwandfrei sind, verwendet werden könnte. Aber, wie bereits bemerkt, diese Angelegenheit schlägt nicht in mein Ressort, dagegen erkläre ich als Eingeweihter ganz freimütig, daß die „Musikalischen Volksbibliotheken" Luftschlösser sind, keinerlei Zweck haben Und noch nicht mal ein Ersah für die vom Musiksortiment als unrentabel aufgegebenen Musikleihinstitute sind. Herr Dr. Marsop, der Vater oder doch wenigstens der eifrigste Förderer der Musik-Volksbibliotheken, ist einer der größten Philanthropen auf dem Gebiete der Musik, und ich zweifle keinen Augenblick, daß er aus ehrlichster lleberzeugung bestrebt ist, Gutes tzu förbern. Das hat er schon vor Jahren bewiesen, als er für die Misere der Orchestermusiker mit scharfen Massen und offenem Visier kämpfte. Mag der Erfolg kein voller gewesen sein, so sind seine Anregungen doch sichtbar auf fruchtbaren Boden gefallen. Wie kommt dieser eminent praktische Mann dazu, zu Felde zu ziehen für musikalische Volksbibliotheken, eine vollständig .wirkungslose Institution, zu deren Erreichung ihm nur stumpfe Waffen zu Diensten stehen? Einige Erfolge in erster Zeit wirb freilich biefer Mann mit seiner gewandten Dialektik, seiner Gedankenfülle, der .einem Unbefangenen jede taube Nuß in eine köstliche, begehrenswerte Frucht zu verwandeln versteht, sicherlich erzielen. Diese Erfolge sind jetzt schon nachweisbar vorhanden: Neidisch schauen die Genossen des Wortgewaltigen in der Reichshanptstadt auf die glücklicheren Charlottenburger Nachbarn, die bereits eine von der Stadtverwaltung subventionierte Musikalische Bolksbibliothek besitzen. Die Begründung einer solchen Bibliothek ist nach den Ausführungen Dr. Marsops pieleud auszuführen: Jeder Musiker besitzt, seiner Meinung nach, rüher gebrauchte Schätze von Musikalien, die er jetzt ohne Schaden ür sich dem guten Zwecke opfern wird. Aber das nicht allein: er soll seine Freunde, Gesinnungsgenossen, Bekannten, Fremde, selbst Gegner ausspüren und aufsuchen, alles, alles ist willkommen «Schund?). Mit Liebe und Güte, mit allen Ueberredungs- en soll dem Zwecke zugestrebt werden, zur Not sogar nach dem Rezept: „Und bist du nicht willig, so brauch' ich Gewalt". Auch die Verleger, was freilich Dr. Marsop nicht anführt, werden in Betracht zu ziehen sein, die ja aus Geschäftsrücksichten, leider, in dieser Beziehung oft recht schwach sind. Wenn sie sich doch klar machen wollten, daß man nieinals etwas verschenken sollte, Was ans dem Geschäft stammt! Solche Gaben sind nicht geachtet, sie kosten ja, nach 'Ansicht unserer .künstlerischen Freunde, dem Geber nichts. Darum kaufe der zu Geschenken Verpflichtete lieber für wenige Nickel einige Blumen, sie werden hoher bewertet als ein Album, das oft den zehnfachen Wert hat. Das auf diese Art Zusammengebettelte und Ertrotzte, alter Küchen, in dem sich, um das Gleichnis festzuhalten, einige süße Rosinen befinden, diese von guten und schlechten Freunden gesammelten „beaux Testes", sollen dm Urbestand einer Musikalischen Bolksbibliothek bilden, da die etwa vorhandenen Barmittel, deren Herbeischasfung wohl auch nur auf gewundenen Pfaden ermöglicht wird, für Miete und Gehälter verwendet werden müssen. So wird der größte Teil des Musikalienvorrats bei der Eröffnung der Bibliothek Spuren des Gebrauchs tragen, und wie lange wird es dauern, bis. diese fragwürdigen Schätze den Dienst versagen werden? Wer nur einigermaßen als Musik- fortimenter im Verleihen von Musikalien Erfahrungen hat, weiß, wie selbst sein regreßpflichtiges, zahlendes Publikum mit den Leihnoten umgeht. Leute aber, die nichts bezahlen, sind gewöhnlich noch anspruchsvoller und rücksichtsloser.. Brave Seute sollen 700 anzuschäffen. Es ist eine grobe Unwahrheit, zu behaupten, gute Musik sei teuer, da der Beweis des Gegenteils durch Anführung der vielen vortrefflichen billigen Ausgaben -erbracht ist. Teuer sind die kolossal gekauften, von den Tugendwächieru als Schund bezeichneten Schlager, Tänze, Operetten, Humoristika, außerdem noch die Neuigkeiten unserer Modernen (des großen Honorars halber), auf die vorläufig der Durchschnitts-Dilettant gern verzichtet. Für den ernstlich Musiktreibenden, namentlich für den Musikstudierenden, dürste selbst von den verbleNdetsten Schwärmern die Musikalische Volksbibliothek nicht für brauchbar befunden werden; der junge werdende Künstler findet in Privat-Bibliotheken (Peters, Leipzig) und Staatsbibliotheken für seine Zwecke fast kostenlose Befriedigung. Alles kann er .auch nicht umsonst haben, glicht einnial die körperliche Nahrung, die doch auch nicht so ganz unwichtig ist. Nun bleiben noch einige hundert ganz mittellose Musikfreunde übrig; die armen Teufel müssen aber doch mindestens ein Instrument haben, die Noten allein tun es doch nicht. Für diese kaum in Betracht kommende, unter Umständen zu bedauernde winzige Schar versucht ein ebenso kleines Häuflein gutgläubiger Ideologen mit großem Pathos sich selbst und der ganzen musikalischen Welt ein Bedürfnis, das gar nicht vorhanden ist, vorzutäuschen. Wäre das Bedürfnis wirklich -eine Tatsache, dann hätte ja das Musiksortiment in den 100 Jahren seines Bestehens geschlafen ober mindestens seinen Beruf verfehlt! Arbeiten wir Sortimenter ruhig weiter, lassen wir den Schwärmern wie jenen in dem Fuldaschen Talisman ihre sich selbst suggeriertq -Begeisterung; es hat schon so mancher Berg gewaltig gekreist und schließlich doch nur ein M-äuslein geboren. vermischter. * Das Gefängnis der Sieben Türme. Tie Gesandten der Balkanstaaten mögen von Glück sagen, daß in Konstantinopel nicht mehr die alten Sitten walten, sonst wären sie bei Ausbruch des Krieges unfehlbar nach Jedikulah gewandert, nach Heptaphrgion, wie die Griechen sagen, nach dem Gefängnis der sieben Türme. Am -äußersten Südwestende der Stadt liegen noch seine Ruinen mit nur fünf Türmen, aber Jahrhunderte laug spiegelte sich der Riesenbau mit seinen runden, spitzigen Kupferdächern, und hohen Zinnen, mit den schmalen Fenstern und eisernen Toren in der See. Hier hinein kamen die Gesandten feindlicher Staaten und andere „politische Verbrecher", und sie konnten froh sein, wenn sie in die kleinen oberirdischen Gemächer gebracht wurden und nicht in die unterirdischen, die man „Gruben der Ber- gessenheit" nannte. Dann waren alle Räume voll, aber sie wurden leer, wenn die Nachricht von unglücklichen Schlachten kam und, das Türkenvolk seinen Bußtag hielt. Tann setzte sich der Großwesir auf ein lahmes Pferd, umwand das Haupt mit einem blutigen Tuche, und mit einem zerbrochenen Säbel in der Hand führte er die Bußprozession durch die Straßen, während die Janitschareu das Geschrei ertönen ließen: „Allah mitrei Chre- stinnoi". Und an dem Tage zog man die Gesandten hervor, führte sie in den „Hof der Kopfe" und türmte ans ihren Schädeln eilte Pyramide auf. * Der fliegende Amerikaner. Erne lustige Geschiebie die sich kürzlich in dein Aerodrom von Juviay zugetragen hat, wird in der „Annales" erzählt. Dort ericheint ein Amerikaner und will von Detagrange eine Flugmaschine kauien. llnb es enlspinnl sich zwischen dem Flieger und dem Amateur aus der neuen Welt folgendes Zwiegespräch: „Ihre Flngmaschine ist zu verkaufen?" „Tiber gewiß." „Schön, lassen Sie sie hmausschaffen." Ter Zweidecker wird aus dem Schuppen gerollt, der Kunde umkreist den Apparat, nickt nachdenklich, läßt sich die Handhabung erklären und fragt dann lakonisch: „Wie viel?" „12 000 Francs," erwidert Delagrange. „Ich kanie sie," sagt der Amerikaner, zückt seine Briestasche und überreicht Delagrange 12 000 Francs. Tann fragt er: „Jst's in Ordnung?" „Jawohl." „Die Flngmaschine gehört mir?" „Selbstverständlich." „Schön," erklärt der Käufer und nimmt den Platz im Apparat ein, „drehen Sie den Motor an, ich fahre los." Ringsum große Auiregung. Delagrange erklärte dem Käufer, er müsse erst die Führung einer Flngmaschine erlernen, er dürfe so nicht sahren. Ter Yankee hört auimerksan, zu und fragt dann seelenruhig: „Ich habe bezahlt?" „Aber gewiß." „Tie Flngmaschine gehört mir?" „Selbstverständlich." „Also dann schalten Sie den Motor ein." Alle Anwesenden suchen den tollkühnen Dilettanten von seinem Borbaben avzubringen. Verlorene Liebesmühe. Auf alle Einwendungen kommt dieielbe starrsinnige Antwort: „Ich habe bezahlt? Gebört mir die Flngmaschine oder nicht? Also bitte, den Motor l" Die Zeit verstreicht, der Amerikaner besteht aui seinem Verlangen, und schließlich verliert Delagrange die Geduld und erfüllt den Wunsch Der Motor knattert beginnt zu surren, die Maschine bewegt sich, laust über die Wiese babiit, steigt empor und fällt sofort ivieder herab. Man zieht den übel zerschmidenen Amerikaner von seinem Sitze, aber er beklagt sich nicht. Im Gegenteil, er scheint anss höchste befriedigt, und wahrend er die recht schlimm äiigertcbtete Flugmaschine betrachtet, meint er mit philosophischer Nachdenklichkeit: „Alan wird sie reva- rterett müssen. Tann fliege ich wieder. . ." (?) kf. Ein Baurekorh. In 104 Arbeitstagen sollen Sie ein Versammlungsgebäude für die Stadt Philadelphia errichten. Können Sie den Bau rechtzeitig vollenden, sind Ihnen 500 000 Mark sicher. . Wenn nicht, zahlen Sie eine Konventionalstrafe. Sind -sie mit den Bedingungen -einverstanden, so machen Sie sich ans Werk." So lautete der Auftrag, den der Bürgermeister von Pittsbnrg, der bekannte Deutschamerikaner Blankenburg, dem Baumeister Mark P. Wells am 15. Februar erteilte. Tas Werk war kein geringes; hieß es doch in so unglaublich kurzer Zeit ein Bauwerk zu schaffen, das außer einer Bühne für 6000 Sänger Platz für 20 000 Zuschauer haben sollte. Trotz großer Hindernisse löste ver Baumeister seine Aufgabe glänzend. Und zwar gebrauchte er nicht 104 Tage, sondern nur 69 Tage; von diesen 69 Arbeitstagen verregneten noch .24. Ein derartiges Werk konnte nur geschaffen werden, wenn jeder Arbeiter seine ganze Kraft cinsetzte, und die großen Arbeitervereinigungen haben den Bau eifrig gefördert. Am 16. Juni wurde das Bauwerk dem Bürgermeister Blankenburg übergeben. Büchertisch. ~ Nene Pandora-Bücher sind im Verlag von Georg Müller und Eugen Reut sch in München -erschienen: Deutsche Romantiker in Darstellungen von Zeitgenossen, herausgegeben von G. v. Rüdiger. Tie mit feinen Strichen gezeichneten Miniaturbilder umspannen die ganze Romantik von den Brüdern Schlegel bis zu E. T. A. Hoffmann. Tie Atmosphäre, wie sie diese geistig und kulturell so regsame Zeit gestaltet hat, gibt das Buch- treffend wieder. — In der Deutschen Dramaturgie von Lessing bis Hebbel läßt Rob. Petsch nicht nur die großen Dramatiker, vor allem Schiller, Grillparzer, Hebbel, Wagner und Otto Ludwig ausführlich über ihre Kunst sich äußern, sondern läßt auch den Entwicklungsgang der Lehre vom Drama überhaupt in der zeitgenössischen Philosophie und Kritik überblicken. Tie Texte sind genau nach den besten Quellen wiedergegeben. So wird der Band nicht nur jedem Th-eater- freunde, sondern auch dem- Fachmann sich nützlich erweisen. — In der Germanischen Renaissance, Charakteristiken und Kritiken, reiht Jos. Köimter die wichtigsten AenßerMig-cii Goethes, Schillers, Herders, Fr. Schlegels, Heinrich Heines, Friedrich Hebbels, Richard Wagners und anderer führender Geister über die T-enkmale der germanischen Poesie (von den Gesängen Ossians und der 'Edda bis zu Walter von der Vogelweide und Hans Sachs) zu einem übersichtlichen und -eindringlichen Ganzen zusammen.. Wenn die 'Wissenschaft auch wesentlich weiter gekommen ist, so ging doch inzwischen das machtvolle innere Verhältnis zur germanischen Welt, das damals herrschte, fast verloren. Körners Sammlung will dieses Gefühl an der Wärme cinftiger Begeisterung wieder zum Leben rufen. — Das poetische Berlin, Neu- Berlin, schildert Heinrich S Piero. Jüngste Vergangenheit und Gegenwart des literarischen Lebens erfahren in diesem- neuen Pandoraabende eine interessante Darstellung. Der Autor gibt in diesem- Bande ein Kulturbild, dem nicht nur literar schc Bedeutung, sondern auch der Reiz- aktuellen Wertes zukommt. Jedes Pandorabuch kostet in Pappband 2,50 Mk., in Seinen 3,50 Mk. — Von Vel -agen & Kla-tngs Volksbüchern tu wieder eine neue Reihe erschienen. Zu den mannigfachen Ehnmaen die Werb rt Hauptmann zu feinem 50. meburtsiaq erfährt, geteilt sich bas Blicb- leiu, bas Tr. Heinrich Svie-o für Velhageu & «lafing« Volksbücher verlaßt hat. Lier haben wir zum erstenmal ein Buch, bas tue Kenntnis vom Leben und Schaffen des Dichters der „Webei" m die wett-sien Kreise des Volkes tragen wird. Wie alle Bände er Sammlung ist auch dieses reich, zum Teil farbig illustiie-t und kouet nur 60 Pfennige. 9!eben ihm stehen unter den Neuersch n- ungen der Reihe eine Würdigung der Neuen beuti-i en Lyrik »on Frida Schanz, sowie die eingehende Lebensbeschreibung A-.omns von Gustav Thormälius. Dem geschichtlichen Fiiteresse dien, te Schilderung des Tanrogqener Helden Pora t on Walier von Bremen, während Overleutnant Paul Neumann dem Leser e-ne» leicht verständlichen Ueberbltcf über unsere Flugzeuge gewährt. --Rätsel. _______________ I» die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben abceeeeehhmnnooprss ------—------ - s n u u derart emzutragtm, daß sich Wörter von folgender Bedetttttug ergeben : .—.— 1. Griechische Göttin, 2. Litera turbezeichitung, -- 3. edle Ttcr, _______ 4. Grte he Göttin, ! 5. Bindewort, । 6 eine Zahl, Tie beiden äußeren Längsseiten — die erste von oben nach unten, die zweite von unten nach oben gelesen — ergeben einen Schriftsteller der w-eaenwart. .Auflösung in nächster Nummer. Auflösung be i Nummer- U e b e r l a n d f l» g. Kebnfti01t' Norath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unioersttäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange. Gießet