MLwsch den z. Kebruai 'hp;;G öWNä IWy^K Wäffl» M ill ■« I - ULLI MMM E r/i MM V;^ Glückslasten. Momcm von Hanns von Z o b e lti K (NaMrnck verboten^ (Fortsetzung.) Es war selten vorgekommen, daß Mutter und Tochter aneinander gerieten. Seit Signe erwachsen war, statte Frau Ida eigentlich stets den eigenen Willen der Tochter respektiert, mit einer unfreiwilligen Achtung vor deren selbständiger Art. „Signe findet doch das Rechte", hieß es oft tn der Familie. Heut wehrte sich in Mutter gegen diese Auf- fassung, gegen dies Geschestenlassen: Signe hatte gestern zu unverminftig gehandelt; sie'bedurfte doch mehr, als man angenommen hatte, der Leitung. „Du hältst es hier nicht aus, Signe? Ja —- was willst du denn eigentlich? Verwöhnt bist du über alle Maßen: das muß ich dir endlich einmal sagen. Und da kommen denn solche überspannte Ideen. Die Anlage war wohl immer schon da. Ja! Und gezügelt staben wir nie — leider. Ihr Mädchen heutzutage! Ich will dir mal etwas sagen, liebe Signe: in meiner Jugend, da wurden wir ganz anders erzogen. Wir wurden hart angefaßt. Eigener Willeda wären wir schön damit angekommen.. ya. Und heran mußten wir. Arbeiten. — ja — da vergingen einem solche Ideen wie: ich halte es hier nicht aus. Hirngespinste, Launen sind das. Weiter nichts. Wenn ich denke, wie ich int Haushalt tätig sein muhte." „Willst du mir nicht sagen, was ich hier tun könnte? Etwa Vampenputzen, Staubwischen . . . oder soll ich m der 'Küche . . Signe sprach es schneidend ironisch. Sie empfand wohl, daß sie gänzlich unkindlich war in diesen Airgenblicken, aber sie konnte sich Nicht beherrschen. Der Hurwew auf wirtschaftliche Tätigkeit in diesem Hause kam ihr zu lächerlich, zu sterangezerrt vor. Uiid Mutter fühlte wohl das gleiche. Aber sie hatte sich einmal tn die Erregung hineingesteigert. „Den Ton verbitte ich rnir denn doch! Ein für alle Male, eigne! sagte sie. „Und mit Papa werde ich sprechen — wegen deiner Reise. Ich denke, er wird das grade so beurteilen wie ich. Wenn dir aber das mit einer ordentlichen Tätigkeit nicht paßt, dann nimm dir wenigstens ein gutes Buch Vor. Oder übe. . . Aber das war ja auch nur Laune. Erst die Seligkeit mit dem teueren Unterrichte, ja, und dann nicht aushalten. Nun, nm mein bißchen Fruhstuckvruhe wäre ich nun wirklich gekommen —" Sie nahm ihre Zeitungen und ihre Brille, stand auf, schritt zur ^ur und drehte sich stier noch einmal um: „Und der Koro gestern . . . an den armen Prinzen . . . das war auch nur Laune. E» wrro dir noch leid genug tun . . . vielleicht tut s dir ste^t schon leid . . ." Damit warf sie die Tür hinter sich Ziemlich unsanft ins Schloß. Signe wollte lachen, aber sie konnte nicht. Weinen war ihr näher. Ganz' deutlich empfand sie: das eben war an sich ja eine kleine Szene gewesen, wie sie oft genug zwischen Mutter und Tochter vorkommen mögen, ohne irgend welche Folgen. Die Tochter duckt sich, die wtiuter versöhnt sich.schnell. Für sie aber bedeutete diese Szene einen Einschnitt. Sie würde sich nicht ducken; Mutter würde immer wieder auf diese Stunde zurückkommen; der Riß mochte verklebt werden, er blieb dennoch. . Much das empfand sie: eine Wahrheit lag tn dem,- was Mutter gesagt hatte. Freilich verstand sie die ganz anders als Mutter — Wahrheit blieb es dennoch. Erne Tätigkeit fehlte ihr. Ihre starke Natur bedurfte deren. Selbst in dem scheinbaren Nichtstuer-Leben als Hofdame war doch immer Beschäftigung gewesen: Vorlesen, der Zwang des Unterhaltungsmachens, Reisevorberetiungen, Toilettenfragen, vieles andere. Hier im Hause sand sich nichts von alledem — nichts! Lesen? Es lag nicht in ihr, so 'wie das Mutter schließlich verstand. Sie las lieber ein Buch siebenmal, als sieben Bücher pour Passer le temps. Die Kunst: es fehlte die letzte Befriedigung an ihr. Man mußte stier schon sein wie Dodo, die sich eine Tätigkeit rN unbewußtem Drange fast gewaltsam geschaffen hatte. Aber Signe konnte nur lächeln, wenn sie sich mit der Schwester unter den Studentiuneil sitzend dachte. . . Es blieb, wie es war: für sie gab es stier keine Tätig-, leit, die sie hätte befriedigen können. Es blieb bet diesem Leben in den Tag hinein, ohne Pflichten, ohne Arbeit. Blieb bei dem geselligen Treiben, bei einem Diner heut, entern Ball morgen, einem Besuch stier, einer flüchtig durch- pilgerten Kunstausstellung, einem Konzert, einem Theater- abend. Alles in allem, es blieb bei dem geschäftigen Nichts — Kind «als einzige Anregung blieb der Flirt. Zum Lachen,- wenn's 'nicht zum Weinen wäre: der Flirt als Oase tn der Wüste. Und danli und wann voraussichtlich die Ausgabe, wieder einen Korb zu flechten. Hatte Mutter am Ende doch auch darin recht: Konnte die Stunde kommen, wo es ihr leid tat, den Prinzen ab- ge'wiesen zu haben? War schon heut die ganz heimliche, ganz versteckte Regung in ihr: Du hättest es nicht tun sollen! ' Auch Gudarcza war nicht für eine Reise. Wenn Signe ihn selbst recht herzlich gebeten hätte, würde er zwar nicht nein gesagt haben. Aber Signe brachte die Bitte, nach der Aussprache mit Miikter, nicht über die Lippen. Und persönlich hatte ler gar keine Neigung, jetzt, tut Winter, die Häuslichkeit zu verlassen uttb den Kreis von Bekannten, tn den er sich allmählich hineingefnuden: die alten Herren im Burggrafen und im Kasino, mit denen er klugfchnacken konnte, den Frühstückstisch bei Habel und den Klub in der Behrenstraße, in den ihn Herr Neumann eingefustrt hatte. Nicht zuletzt grade dieser Klub hatte es ihm ein wenig am. getan. IM Burggrafen und im Kasino waren ihm etivas zuviel Exzellenzen, kam er sich zu ,estr als „Major a. »■ vor. Im Klub war >er fast der einzige alte Offizier imtt» 82 — — Angenommen." (Fortsetzung folgt.) bat Auf ansk Augwaffen. Technische Rovelletie von Paul Scheerbart. Mr Burnick war ivieder vier Monate in Europa und seit vier-« zehn Tagen in Berlin. Er Wie Amerika verlassen, um int Deutschland Geschäfte zu machen. Soeben war ihm gelungen- ein Patent zu verkaufen — und nun wollte er etwas Mues erleben. Bor der nächsten Automobilhaltestelle traf Mr Burmck einen Laildsmann aus Chicago — ebenfalls einen Techniker Mr. ^O','Good Morning, Mr. Grot!" rief er lachend. Und die beiden Herren sichren im Automobil diirch den Mr- littet Tiergarwn nach Charlottenburg. . „Hier in Deutschland," sagte Mr. Burmck, „wollen wer unH in detitscher Sprache unterhalten Das Verdienen die Deutschen- denn man kann bei ihnen die besten Geschäfte abschlteßen. Habs ° versetzte! Mr. Grot, „tät's schon vor zwei Jahren. Heiratete und gründete ein flugtechnisches Laboratorium. Wrr? wollen hin, wenn es Jhncii recht ist." _ _ . , . . Ja “ sagte Mr. Burnick, „bitte Näheres. Was fabrizieren! Sie?' Modelle? Oder — fertige Sachen?" - „Beides!" rief Mr. Grot. Sie fuhren an der Siegesalle vorüber. Mr. Buriück steckte sich eine Zigarre an und sagtet „Der Modellbau kostet viel Geld. Aber Sie haben ja gt> heiratet. Da kann Man sich Manches leisten. Immerhin^—- Nugapparate gibt's doch schon genug. DiS Flugtechmk brauch» jetzt Fabrikräiimlichkeiten. Mit den Laboratorien sicht mir das Geschäft nicht sehr aussichtsreich aus. Die Geschichte ist auch etwas langwierig — immerhin, ich bin beinahe neugierig, Ihr Laboratorium kennen zu lernen1, ab schon ich den neuen Flug-« apparateti nicht mehr großes Interesse entgegenbrinae. „Reden Sie doch nicht so ohne Unterbrechung," sagte Mr GrH „ich will Sie ja sofort informieren. Ich bin doch sonst nicht hübsche Einrichtung gefreut, heut z'og er Vergleiche mit seiner Kasernenbude, die er im gleichen Alter gehabt hatte, mit iden beiden Chambregarnie-^Löchern, die er dann bewohnt hatte, als er „in die Stadt" ziehen durfte. , Tief gingen die Vergleiche ja nicht. Er sagte sich bald wieder: andere Zeiten — andere Sitten; anderer Geldbeutel andere Ansprüche. Ein kleiner Stachel aber blieb. Auch am Schreibtisch blieb Vater ein paar Augen-i blicke stehen. Nein, nach Arbeit sah das kokett heraus-i gepußte Ding nicht aus mit der pikfeinen Maroquinmappe in der Mitte und allerlei bric-a-brac rechts und links'. Aber die Bilder von den Eltertt und von den Geschwistern da — das war doch nett. Dazwischen stand dann freilich •— Donnerwetter, wo hatte er denn nur diese bildschöne Person schon gesehen?! Die da in dem Rähmchen aus vier Goldstäben. Bildschön, alles was wahr ist! Da lkam auch schon Hardi. „Morgen, alter Herr! Ver-! zeih, daß ich dich warten ließ. Ich saß grade in der Bade-, wanne. MmM Platz. . . Du rauchst doch? Hier, Papa. Setter — jawohl! Na, was verschafft mir denn bte Freude? - Bissel übernächtig sah der Junge aus, und er sprach auch wieder etwas nervös hastend. Aber hübsch sah er auch aus, Und er schien wirtlich erfreut, seinen alten Herrn mal wieder bei sich zu haben. _ Sie saßen sich in den beiden Klubsesseln gegenüber- und Vater sprach zuerst davon, daß Eberhard sich jetzt so selten sehen lasse. Na ja — der Dienst. Und der Stall. Und die geselligen Verpflichtungen. Immerhin: „Ich seh's ein, Papa, ich war wirklich lange nicht bet euch. Vater hatte sich das vorher zurechtgelegt, wie er auf den eigentlichen Kernpunkt kommen wollte. Auf einigen Umwegen. Nun schob er doch los: das verdammte Jeu — und Gotha — . n,r Eberhard kniff die Augen ein wenig zusammen. Aber es war nur auf einen Moment. „Lieber Papa —" sagte er dann. „Hast du denn nie ein kleines Joko mitgemacht? Ich bitt dich. Gejeut ist doch immer und überall wordeni Und wenn sich's Mal so trifft, kann man sich unmöglich aus-, schließen. Spielverderber sein, ist immer häßlich. Das — in Gotha — na, da hat dein Gewährsmann böse nbcr-i trieben. Die Sache war gar nicht der Rede loert. Ich. besinne mich jetzt: ich verlor am ersten Wend ein paar hundert Mark und brachte die am zweiten wieder em. Reichlich. Wenn's dich aber beruhigt, ich habe in tetzten sechs Wochen überhaupt keine Karte ungerührt. Wort! Natürlich mal einen Männerskat im Kasino reichen Kaufleuten Und Großindustriellen. Er fühlte sich ° hier ein wenig. Der Ton sagte ihm freilich nicht immer zu, | war ihm bisweilen fremd. Aber man kam ihm mit ausge- | such ter Liebenswürdigkeit entgegen, die ihm schmeichetre. Mancherlei, was tzr hier hörte, interessierte ihn stark: neben Kulissenklatsch, Sportinteresjen, guten und schlechten Bochen- witzen doch auch geschäftliche Dinge, die von weitem £>ua. und großer Auffassung zeugten. Außerdem war der Kucqen- chef vielleicht der erste Meister Berlins, der Bordeaux war I allerersten Ranges, und Gudarcza hatten eine kleine Vorliebe für kulinarische Leistungen und einen guten Keller gewonnen. Manchmal klagte er allerdings Uber Magen- störunqen, und der Hausarzt hatte schon einmal mit dem Zeigefinger gedroht: „Um Karlsbad kommen Sie un Som- tner’ nicht Hernm"; aber solch kleines Mißbefmden ging I schließlich immer schnell vorüber. o _.,r, Gejeut wurde im Klub nicht. Dafür gab es Bische, an den L'hombre, Skat und Ecarts zu so hohen Einsätzen an den L'hombre, Skat und Ecarts zu so hohen nicht hineinfinden konnte. Allmählich lernte er aua; oas. Es war wirklich nicht so schlimm: , hatte man heute verloren, so gewann man morgen; die Sache glich ,tch saft immer aus; schließlich war es ja auch kein Unglück, wenn man mal ein paar hundert Mark einbüßte. Tann und wann freilich regten sich die Bedenken. Er meinte wohl: „Herrschaften, das ist aber 'n bissel toll." Dann lachten die anderen; der dicke Neumann sagte: „Ganz recht haben Sie Ein Skandal ist's!" und Kommerzienrat Braunstein fand auch plötzlich: „Eigentlich war's in meiner Jugend I viel hübscher, als man Skat noch um einen halben Pfennig spielte. Man sollte es wieder mal versuchen." Natürlich blieb alles beim alten. Einmal horchte Gudarcza doch auf. Man renommierte ein wenig damit, daß hier statutengemäß nicht hasardiert wurde, man verglich mit anderen Klubs; er selber sprach auch ein paar scharfe Worte gegen das Jeu und erzählte ein paar tolle Geschichten, wie junge Offiziere durch hohes Spiel elend zugrunde gegangen wären. Da sagte General- konsul Bernhardt, der einen kleinen, aber guten Rennstall hielt: „Na — in Offizierskreisen wird wohl glücklicherweise heute weniger gejeut als früher. S. M. versteht darin kernen Spaß. Wer die Herren, die reiten, können die Finger nicht vom Jeu lassen. Es ist wie verhext. Grade an den kleineren Rennplätzen. Ich war kurz vor Schluß der Kampagne noch in Gotha, weil mein „Narciß" lief. Da flogen nachher die blauen und braunen Lappen nur so. Ihr Herr Sohn hat auch bluten müssen. Na... da schadet's nichts Es trifft ja keinen Armen. Aber Wenn mau so denkt, daß solch junger Herr es manchmal gar nicht dazu hat und fern Vater auch nicht — 's ist doch ’ne böse Chose." Gudarcza nahm sich vor, ernstlich mit Hardi zu sprechen. Der Junge brauchte überhaupt ein unvernünftiges Geld. Während Friedel immer mit feinem Wechsel auskam, langte ! es bei Eberhard nie; ganz abgesehen davon, daß Vater ihm schon eine hohe Summe für seinen Stall angewiesen hatte. Also mal ein ernstes Wort mit ihm reden: es tat überhaupt not! Er war sichtlich verändert, der Eberhard! Kam's, weil er sich doch in den Rahmen seines neuen Regiments noch nicht ganz zurechtgefunden hatte; war's, weil Die Sportsinteressen ihn ganz ausfüllten;, hatte er ernste pekuniäre Sorgen — jedenfalls gab er sich anders als früher, ließ sich selten sehen, war dann zerfahren, bald übertrieben lustig, bald mürrisch und mißgelaunt. Ein paar Tage fand sich keine Gelegenheit. Schließlich fuhr Gudarcza zu dem! Sohne und traf ihn auch zu Hause. Eberhard hatte sich ein sehr elegantes Junggesellenlogis eingerichtet. Der richtige Silberdiener in Morgendreß empfing den Major — „bei mir war's der Bursche in der Turnjacke und Latschen" — empfing Vater höchst feierlich und öffnete die Tür des Wohnzimmers: „Der Herr Baron werden sofort kommen." Es wurden doch reichlich fünf Minuten aus dem „sofort", und Vater musterte währenddessen die drei Räume, sie langsam von einem1 Ende bis zuin änderen durchschreitend. Er kannte sie ja schon, aber ie wirkten heut anders auf ihn: Wohnzimmer im Empire- til — „bissel arg weibisch"; Arbeitszimmer in Renais- änce —; „viel wird der Junge auch nicht hier arbeiten"; Eßzimmer im gradlinigen endlifchen Geschmack — „wozu ein Eßzimmer? Kasino oder Eltern bieten doch Gelegenheit tzenug zum Futtern!" Er war ein wenig mißgelaunt, der alte Herr. Ursprünglich hatte er sich selbst über die 83 Umständlich. Ms»r ein Mr. Wirth hak vvr guten zwei Jahren einen Wellenformschalter erfunden — gutes Patent. Hat Fabrik in Nürnberg. Mit diesem Wellensormschalter dirigiert er drahtlos unbemannte Boote auf dem Wasser. Ich sagte mir gleich: was auf dem Wasser möglich, geht auch in der Luft. In der Lust kann ich auch unbemannte Drachenflieger drahtlos dirigieren und damit ganz sicher treffen wie der Freischütz von Karl Maria von Weber. Verstehen Sie? Wenn ich Dynamitbombe auf den Drachenflieger lege, kann ich jeden Turm umwcrfen, ohne daß ich Mir einen einzigen Fingernagel verletze. Wollen Sie mehr?" „Daran," erwiderte Mr. Burnick, „ist aber eigentlich weiter Nichts zu erfinden. Wcnn's geht, ist es gut. Sie aber haben den Wellenformschalter nicht erfunden, das Patent nicht angekauft. .Cs fragt sich, db Sie diel mit diesem Lustgeschoß anfangen können. Ich sehe das Geschäft nicht." „Von einem Luftgeschoß," fuhr Mr. Gvot fort, „dürfen Sic Nicht reden. Die Bombe wird nicht geschossen. Sie, fliegt und wird drahtlos dirigiert. Es ist eine drahtlos dirigierte Flug- wasfe. Bitte nachdenken! Mr. Burnick rief dem Chauffeur zu, er möchte anhalten. Dieser tat es. Und Nun saßen die beiden Herren im stillstehenden Auto- Mobil. Und der Chauffeur dachte: „Hier ist doch nichts zu,feW- Diese Ausländer benehmen sich immer etwas sonderbar. Na meinetwegen." Rach ein haar Minuten sagte Mr. Burnick: „Ich habe jetzt lange genug darüber nachgedacht: das Geschäft sehe ich immer noch nicht. Aber Mr. Wirth produzierte sein drahtlos dirigierendes. Boot auf dem Wannsee. Ich war dabei. Es war recht interessant. Ich weiß aber wahrhaftig nicht, wie .Sir, Mr. Grot, ein Geschäft machen wollen — mit dem Patent eines andern, der die Sache gar nicht rauszugeben gedenkt. Kutscher, fahren Sie weiter, Mr. Grot rief ihm die Adresse seines Laboratoriums zu Und steckte sich ebenfalls eine Zigarre an. Die beiden fuhren schweigend durch den lauen Morgenwind. Und schweigend betraten sie das Laboratorium. Hier sah Mr. Burnick eine ganze Reihe von Flugapparaten ■— in mehreren großen Hallen. Es waren sehr viele kleine Apparate dabei. „Sind die kleinen Apparate Modelle?" fragte Mr. Burnick. „Modelle," versetzte Mr. Grot kühl, „und gleichzeitig ge-. brauchsfertige Flugwaffen ■—drahtlos dirigierbare." Mr. Grot wurde danach ans Telephon gerufen. Er rief hastig seiner ersten Assistentin, zu: „Jnstomieren Sie Mr. Burnick über die verschiedenen Arten von Flugwaffen — ganz eingehend. Und machen Sie dabei so humane Augen. Sie wissen: ich kann das mitleidstrotzende Benehmen der DaMen beim besten Willen nicht vertragen. Good Morning, Mr. Burnick." Dieser stellte sich der Dame sehr höflich vor und erfuhr Puch ihren Namen — Mrs. Adelgunde Harder. Die Dame begann gleich mit ihrem Vortrag. „Ein schweres Dynamit-Torpedo dem Drachenflieger anzuvertrauen, wird im Luftkriege nicht so oft notwendig sein. Wir haben uns deshalb auf leichtere Flugwaffen konzentriert. Und wir haben beide diese leichteren Mparate als motorlose Weitflieger gebaut. Es "handelt sich ja im Luftkriege nicht nur darum, große Gebäude zu sprengen. Ost genug ist es genügend, wenn man durch Umwerfen von Kirchtürmen die nötige Panik erzeugt. Hierzu gebraucht Man höchstens 2—3 Pfund Dynamit. Diese können von ganz kleinen Gleitfliegern getragen werden. In der Nacht, die ja besonders für den Luftmilitarismus geeignet erscheint, sind diese kleinen Apparate, vdr denen Sie ja sehr viele hier bemerken werden, nicht leicht zu sehen." Mr. Burnick sah sich die kleinen Gleitflieger sehr genau an und wollte einen Apparat im Fluge sehen. „Kann ich Ihnen leider," sagte Mts. Adelgunde, „nicht zeigen, da wir ieinen Wellenfernschalter momentan nicht hier -haben. Das Experiment ist ja auch nur von einem' Hügel oder von einem lenkbaren Luftschiff aus durchzuführen. Die Wirkungen des Dynamits sind furchtbar. Und- es fällt mir schwer, Ihnen weiter über die Sache hu berichten. Ich möchte fort von hier. Diese Grausamkeit ist unerträglich." „Oh!" sagte Mr. Burnick, „regen Sie sich nicht auf. Wir wollen noch Verschiedenes an anderer Stelle bespvechen. Ich kann mir ja denken, das Ihnen der Aüfenthalt in derartigen Räumen nicht sympathisch sein kann. Vielleicht habe ich die Ehre, Ihre Frau Mutter sprechen zu können — vielleicht geht es heute schon." Mrs. Adelgunde Härder tzäb die Adresse ihrer Mütter Und fuhr dann in ihrem Bortrage fort: „Es ist ja ein Glück," sprach sie, „daß Man 8s- im Luftkriege Nicht nur mit dem Auswerfen ünd Dirigieren von Dynamitwaffen zu tun hat. Es ist auch nötig, die herannahenden Luftballons — besonders die lenkbaren — anzugreifen und in der Ballon- hülle so erheblich zu verletzen, daß ein Sinken des Ballons zur Erdoberfläche hier nicht mehr zu vermeiden ist. Dazu haben wer drahtlos dirigierbare Schwertaeroplane konstruiert. Sie schützen «inen Ballonleib in ein paar Sekunden der Länge nach auf. Su diesem Zweck haben wir auch automatisch tätige Scheren- «roplane konstruiert. Auch die Scheren können durch den Wellenfernschalter in Bewegung gesetzt werden. Die Scheren sind zwei bis drei Meter lang. Aüch Pfeil- und Lanzen-Aeroplane haben wir konstruiert. Di« müssen ja auch dem feindlichen' Äeroplane und auch tuen lenkbaren Ballons gegenüber vollkommen genügen. Da ist das Dynamit nicht so nötig. Die Größe der Flugwaffen hängt im übrigen ganz und gar von den Bestellern ab. Wir hoffen, daß !vir vvn allen Regierungen Europas demnächst Bestellungen empfangen werden, da ja die drahtlos dirigierbaren Flugwaffen unvergleichlich billiger und zweckentsprechender sind als die knallenden und dröhnenden Schußwaffen, die ja' tatsächlich abscheulich auf die Nerven wirken. Aber, mein Herr> ich kann Ihnen sagen, daß auch die Flugwaffen abscheulich auf die Nerven wirken; man darf sich eigentlich die Wirkung dieser sicher treffenden Torpedos, Bomben und Sprengkapseln gar nicht ausmalen." Der Dame stürzten die Tränen aus den Augen; sie konnte nicht weiter sprechen. Mr. Burnick sagte leise: „Ich empfehle Ihnen, Unwohlsein vorzuschützen und sofort mit mir zu Ihrer Frau Mutter zu fahren; ich habe Ihnen die wichtigsten Mitteilungen zu machen. Ein Aütomobil steht vor der Tür." Die Dame lächelte und saß bald darauf mit Mr. Burmck un Aütomobil. „, „Da," sagte er, „müssen Sie bald fort. Das vertragen Ihre Nerven nicht. Sind Sie kontraktlich zur Diskretion verpflichtet? „Nein!" versetzte Mrs. Adelgunde, „aber ich- darf eine ähnliche Stellung nicht annehmen." „Kennen Sie alle Apparate so genau,, daß matt nach Ihrer Schilderung Zeichnungen und auch neue Modelle der Flugwaffen herstellen kann?" 1 1 „Ja!" versetzte Mrs. Adelgunde. „Dann," fuhr Mr. Burnick fort, „bleibt mir nur übrig, Sie zu heiraten. Aü Ihre Stelle kommt eine andere Dame. Ihr« Nerven müssen geschont werden. Ich gründe ebenfalls eine Flug- waffenfabrik." Mrs. Adelgunde war -einverstanden. Ihre Frau Mutter war ebenfalls einverstanden. Drei Wochen später wurde die Hochzeit gefeiert. Uub vier Wochen später wurde das Terrain für di« neue Flugwaffenfabrik des Mr. Burnick gekauft. Und jetzt ist die Fabrik bereits im Vollen Betriebe. Mr. Grot war anfänglich nicht so erbaut Vvn dem neuen Unternehmen. Er ist jetzt aber 'entschlossen, Mit Mr. Burnick gemeinsam vorzugehen ; in ihren Geschästsanzeigen weisen beide schon „mir denselben Worten" die Wertlosigkeit der Schußwaffen nach. Charles Dickens. Zum 100. Geburtstag (7. Februar 1912h Von H. Hambruch. Das 19. Jahrhundert wird heute literarisch a(§', Zeitalter des großen Romans gewertet. Und es ist gerade em besonderer Grund vorhanden, dieser für ganz Europa gleichbedeutenden Tat fache zu gedenken, da vor fünfzig Jahren Flauberts „Salammbo • Spielhagens „Problematische Naturen", Turgenrews „Vater, und Söhne" erschienen, da Dostojewski seine „Memoiren aus einem1 toten Hause" als Vorspiel für seinen vier Jahre spater vollendeten Raskolnikoff" schrieb, Zola seine „Contes a Ninon für sein gewaltiges Lebenswerk, und Wilhelm Raabe der „Chronik der Sperlingsgasse" die „Leute aus dem Walde" folgen ließ. Ebendieser Dichter, der noch so stark m unsere Gegenwart hmeinragh und dessen Testament „Altershausen" wir erst em vergangenen Jahr empfingen, ist ohne seinen großen englischen Vorläufer Charles Dickens nicht denkbar, der wiederum, frnlich immer rnt wechselnden Sinne, auch auf andere deutsche Schriftsteller, tote Gustav Freytag, Fritz Reuter, Wilhelm Jensen, gewirkt hat. Wenn man seines Landsmannes und Zeitgenossin Thackcrey,ädessen hundertsten Geburtstag wir am 18. Juli des letzten Jahres begingen, künstlerische Absichten also ausgesprochen findet:, „Der humoristische Schriftsteller will m dem Leier Lrebe, Mitleiden unb Güte erwecken und leiten. Alles Anmaßende, Trugmsiche, Unwahre gibt er der Verachtung preis'. Er verschafft sich gewissermaßen das Amt eines Wochentagspredigers', so laßt sich diese schöne Definition mit nur gerungen Einschränkungen auch au das Werk von Dickens anweiiden. Nämlich mit der Einschränkung, daß Dickens nur so lange ein brillanter Lebensschilderer blieb, wenn er sich den armen und Mittleren Klassen widmet«, daß er jedoch durch eine bis zur Unwahrheit verzerrende Lupe sah, wenn er Personen der höheren Gesellschaft in seine epische Darstellung einführte. Dieses Manko gegenüber Mackerey, der dennoch viel schwieriger und erbitterter um die Durchsetzung seiner Person und Kunst hatte kämpfen müssen, lag für ihn, tn seiner unsagbar traurigen Kindheit, die ihn zugleich aber in all ,die Trödlerwinkel und absonderlichen einsamen Seelen blicken ließ aus denen er die ersten Anregungen für sein ausdämmerndes Talent empfing. Freilich war es von dort bis zum, „David Copperfield noch ein weiter Weg, daß er der „Romantiker der Bourgeoisie wurde, um ein treffendes Wort Stefan Zweigs zü gebrauchen. Die Poesie des Prosaischen ist das Werk von Dickens, nicht allein die Poesie des spezifisch englisch Prosaischen. Die drer ttemeren Erzählungen: „Christinas Carol", „Stlvesterglocken,, „Das Heimchen am Herd", werden ebenso gern aus deutschen wre sranzofischen und russischen Schulen gelesen. Und „Die Pickwick , „Sam Weller , „Pecksniff" urrd „Beiseh Trotwood",. find sie nicht noch immer nnsere lieben Freunde, die sich so leicht nicht durch „moderne Typen verdrängen lassen, weil sie eben tu wetteren fünfzig Zähren cjeitau so modern, d. h. unabhängig von Paterland und Zeit, Dickens, dessen Jugend aus Hundert Gängen in das Schuld- gefängnis, in die Leihhäuser sich reihte und in einem rat.en- belebten Keller Schuhwichse in Tiegel streichen mußte, debütierte mit humoristischen Charakterdarstellustgen Londons und schuf in den „Nachgelassenen Papieren des Pickivick-Klubs" einen großen, ivenu auch nur locker komponierten, so doch mit tausend leuchteiiden Lichtern eines tiefen Humors schimmernden Roman, der bis 1860 für bei* literarischen Geschmack ganz Europas maßgebend war. Jahrelang sammelte er peinlichst das Material für ein einziges Buch. So weiß man, daß eines seiner letzten Werke, „Mudfog Papers", in der Hauptsache aus Notizen entstand, die er dreißig Jahre früher zusammengetragen hatte. Nur so läßt sich die schwirrende Buntheit seiner Helden, die immer wechselnde Beweglichkeit von niemals schwächeren Szenen erklären. Aus seinen Notizbüchern erfährt man, wie langsam — und ach wie wichtig! — so Monat für Monat der Name „Pickwick" aus Pickoeek, Picknick', Peekvick, Pickwcck wurde. Und vernähmen wir ihn zur Theorie des Ronians in seinem „Oliver Twist": „Plötzliche Verschiebungen des Schauplatzes und jähe Wandlungen von Zeit und Ort haben dnrch langcn Brauch nicht bloß in Büchern ihre Weihe gefunden, sondern werden von vielen als die große Kunst der Schriftstellerei betrachtet — es wird nämlich von solchen Kritikern die Fertigkeit eines Schriftstellers in seiner Kunst hauptsächlich mit Beziehung auf die Dilemmas geschätzt, in welchen er seine Figuren am Ausgang eines jeden Kapitels läßt." Man sollte meinen, daß einem jeden nicht all zu flüchtigen Dickens-Leser diese tech- irische Frage, die ihre vollkommenste Lösung in unserer jungen Kinematograp'hen-Kunst gefunden hat, ausgefallen wäre. Und Dickens schildert so scharf, so Peinlich genau bis auf Falten, Flecke, geheimste Gesten, daß für seine Films nur die genialen Zeichnungen von Phix, diese 35 Federzeichnungen zum „David Copperfield", immer wieder herauskommen müssen. Und wenn sie anders werden sollten, vielleicht ein Zwanzigstel mehr Ga- varni, ein Neunzehntel mehr Dauntier, so ist es' eben nicht Dickens mehr, dieses warme Herz, reich an Güte, Lachen und Sentimentalität, oder, wie ihn Thomas Carlyle nannte, dieser „herzliche, anf- richtige, 'klarblickende, ruhig entschiedene, gerechte und liebende Mann." Derselbe Carlyle beklagte 1870 den Tod von Dickens als ein Weltereignis: hiermit scheine die harmlose Fröhlichkeit der Nationen plötzlich verdunkelt. Und die Londoner „Times" rühmt vor allen Dingen dem großen Toten nach: „Wir haben nicht den geringsten Zweifel daran, daß wir ein gutes Teil des regen Wohltätigkeitssinnes unserer Tage, die Teilnahme für geringere Personen und Dinge, dem Einfluß seiner Werke zu verdanken haben." Und heute — ? Heute erläßt man in England für fünf Enkeltöchter des Dichters, für ihre Not, ihr Elend eine Subskription, eröffnet einen allgemeinen Verkauf von Wohltätigkeitsmarken. Hiergegen protestiert nun ein Sohn des Dichters, rühmt sich laut, daß er reich genug sei, und jede Wohltat als Beleidigung empfinde. Warum gibt er das Erve seines großen Paters nicht in aller Heimlichkeit weiter an diese fünf Mädchen, anstatt so unheimlich laut ans seine irdischen Besitztümer zu pochen! Darf man da nicht fragen, welche Romanfigur ans ihm wohl Vater Dickens einst gemacht hätte? Für ihn gab es nur „good“ unb „wicked“, Held oder Schurke, Heiligenschein oder Schandmal. Gustav Meyrink gebührt das Verdienst, der deutschen Sprache einen würdigen Dickens' wiedergegeben zu haben. Auch der Insel- Verlag läßt, leider nur langsam, eine Auswahl durch Stefan Zweig besorgen. Ein unbekannter Vierzeiler von Emanuel Geib'el beschließe unsern Artikel zu einem Ehrentag, der England |u«i> Deutschland brüderlich verbindet: „Keiner erkannte den Menschen wie du, glorwürdiger Brite, aber ein Höheres noch, Meister v'erehr ich an dir. Daß du in sterblicher Brust stets klar die geheiligte Satzung trugst, nach welcher der Welt Lenker die Dinge regiert." Vermachtes. kf. A u ch das Brüsseler Ballet st r e i k t! Auch Brüssel hat seinen Balletausstand; seine Ursachen sind aber ganz anderer Art als die, derentwegen die Pariser Äalleteusen der Direktion der Großen Oper den Kriep ansagten. Drei Mitglieder des Corps de Ballet des Thöatre de la Monnaie sind vom französischen Unterrichtsminister mit dem violetten Bande der Offiziere der Akademie ausgezeichnet worden. Das erregte den Neid der anderen; nach dem republikanischen Grundsätze: . Gleichheit für alle" verlangen sie entweder einen Orden für alle oder keinen. Vergebens wandte der Direktor alle seine Ueberredungskunst auf; umsonst stellte er den rebellischen Balleteusen vor Augen, daß durch die Dekorierung der drei Tänzerinnen das ganze Corps de Ballett geehr worden sei. Die Balleteusen bestanden aus ihren Forderungen und da man aus Furcht schwierige politische Fragen aufzurollm auf ihre Wünsche nicht einging, so traten sie kurzerhand in den Ausstand. kf. Die Königin des Weißen Hauses. Das demokratische Amerika hat die Stellung der „Kömgin des Weißen Hauses" gesetzlich geregelt, und hat das Leben der Frau Präsidenttn in eine strenge Etikette eingeschlossen. Vor allem ist der Beschluß gefaßt worden, daß „Königin des Weißen Hauses" fortan nur noch die Frau des jeweiligen Präsidenten sein soll rind reine andere Dame — weder seine Schwester, noch Tochter, noch irgend! eine andere Verwandte. Sollte die Frau Präsidentin ihren Gemahl überleben, so gibt ihr der Staat eine jährliche Pension von 5000 Dollars, und außerdem genießen ihre Briefe das Recht der „Porto- sreiheit". Rur zwei Damen sind so glücklich, sich dieser Fürsorge des amerikanischen Senates erfreuen zu können: Frau Garfield und Frau Grover Glebeland. Der Regentin Amerikas ist durch die Etikette in ihrer Freiheit eine arge Beschränkung auferlegt worden. Sie darf noch längst nicht jede Einladung, die ihr etwa von früheren Freundinnen oder alten Bekannten zngehen sollte, armehmett. Allein den Mitgliedern des Kabinetts darf sie die Ehre eines Besuches schenken. Nur einmal in gewissen Zeit- abstäuden ist es ihr gestattet, auch einer nicht amtlichen Veranstaltung beizuwohnen. Es besteht ein ungeschriebenes Gesetz, daß die Präsidentin wohl eine feierliche Quadrille tanzen, aber niemals „walzen" darf. Nur außerhalb der Maiteru der Residenz Washiirg- ton kann die Königin wieder das sein, was sie war, bevor ihr Mann die höchste Würde Amerikas erreichte. Eine der — dann sind alle Präsidentinnen einig — furchtbarsten Feuerproben, denen Amerikas Herrscherinnen unterworfen ist, ist das „Händeschütteln". Es bedarf langer Hebung, bevor man in dieser Kunst so geschickt ist, daß man ohne Gefahren für die Gesundheit „Hände schütteln" darf. Uebrigens haben nicht alle „Damen des weißen Hauses" — wie der offizielle Titel der Frau Präsidentin lautet — sich der anstrengenden Zeremonie des Händeschnttelns unterworfen. Frack Harrisons List bestand darin, daß sie bei den offiziellen Empfängen stets tu einer Hand einen Blumenstrauß und in der anderen einen Fächer trug. In Ermangelung einer dritten Hand der Präsidentin mußten die Besucher wohl oder übel auf das alte Recht verzichten. Von Frau Cleveland wird erzählt, daß ihre rechte Hand durch das entsetzliche Händeschütteln deutlich größer wurde als die linke; sie mußte noch in späten Jahren Violiuspielen lernen, nm auch die linke Hand so auszubilden, daß sie mit der rechten harmonierte. Aus der Münchner „Ztsgend". * D i e enge Mod e. „Was haben Sie denn da ftir ein apartes Regenschirm-Futteral?" — „Ja, das ist ein abgelegter Hnmpelrock meiner Fran." * Bismarckdenkmal-Kon ku r r e n z. „Unser Freuich Bansky hätte den Preis kriegen sollen! Der hätte den Eiserne« als Handlanger in der Cadiner Tonkachelfabrik dargestellt!" * Beim Rechtsanwalt Nenmamt klingelt eine Frau. „Herr Rechtsanwalt ist nicht zu sprechen," erklärt der Bureaudiener.. Die Frau läßt sich aber nicht abweisen: „Ich muß ihn sprechen." — „Aber Herr Rechtsanwalt ist momentan für ntemanden zst sprechen." — „O, für mich wird er schon zu sprechen sein! Sagen Sie nur, Frau Mörder Milke wäre hier." * Ich bin in einem Internat erzogen worden. Jeder Damen- verkehr war »ms laut Hausordnung unter Androhung der niedrigsten Sittenzensuren verboten. Der Rektor selbst übte peinliche Musterung unter unseren Briefschäften. Ich schrieb also meiner Flamme, sie möge doch künftig auf ihren Karten ihren Namen abkürzem damit ich nicht wieder ein Privatissimunt bei unserem „Alten" bekomme. Am Samstag darauf werde ich tatsächlich wieder „nach oben" ins Amtszimmer geklingelt. Die zwei horneingefaßte« Brillengläser sprühten mich an und dann ward mir eine Karte mit Bl'umendnft vor die Nase gehalten, Mterzeichnet: Lieschen P, Tauschrätsel. Zobel — Ohr — Hebel — Ltcht — Onkel — Segen — Lieder — Fuge — Eid — Laube — Keller — Kopf — Muster — Mund — Jagd. Die Anfangsbuchstaben vorstehender Wörter sind mit anderen Buchstaben derart zu vertauschen, daß inan ebensoviele neue Wörter erhält, deren Anfangsbuchstaben ein Sprichwort ergebest, Auflösung in nächster Nummer, Auslösung des Rösselsprungs in voriger Nummer: Leg' deinen Kummer in ein Lächeln Und all' beiss Sehnen ist eist Lied, Damit feist lieblos kaltes Ange Deist ticles, bitt'res Herzweh sieht! Sag' deinesr Kummer nur des« Freunde, Verschsveig' den Menschen scheu dein Leid; Sie raubest dir mit ihren Wartest Selbst deines Schmerzes Heiligkeit. S. Barmt, Redaktion: K. Neuratb. — Rotationsdruck und Verlag der Brühi'schen Universitäts-Buch- ussb Steiubruckerei, R. Lange, Gieße»