Mittwoch, den 6. November W i Die Dame im Pelz. .Roman von G. W. Appleton. (Nachdnick verboten.) (Fortsetzung.) Diese Gedanken flößten mir neue Hoffnung ein und verjagten die Furcht. Damit hatte ich wenigstens eine feste Unterlage gewonnen, auf der ich weiter bauen konnte. Ich hatte nicht mehr gegen einen bösen, unbekannten Dämon zu kämpfen. Die Baronin hatte neue Anschläge gegen mich vorbereitet, und ich wußte nun, gegen wen 'ich zu fechten hatte. Wer Liese neue Partie gewinnen würde, würde sich schon bald Herausstellen. In dieser Zuversicht kam ich bei alledem noch gut gelaunt zu Hause an. Ich sagte kein Wort von meinem Besuch iu Putney, denn ich wollte die Freude an meinem Hoch- zcitsvorabend nicht stören und die .schönen Hoffnungen nicht dämpfen. * Ich lag lange munter in meinem Bett au jenem Abend und hörte das Heulen des Sturmes, Aber als ich am Morgen erwachte, -erhellte goldener Sonnenschein mein Schlafgemach. Der Himmel war wunderschön blau, vereinzelt erblickte man zarte weiße Schäfchen. Der Wind hatte sich gelegt. Die Natur lag friedlich und still. Die Morgenluft schien mir ihren Segen spenden zu wollen. Hat es je einen verheißungsvolleren Hochgeitsmorgen gegeben als diesen? rief ich frohlockend aus. Nun fort mit den schweren Sorgen vom Abend. Welche Macht der Erde könnte mir jetzt den Becher der Freude entreißen, wo ich ihn voll bis zum Rande an den Lippen habe? Keine — keine — und ich lachte über nrich selbst wegen des bloßen Gedankens. Wir waren alle vollkommen glücklich an jenem goldenen Morgen. Marcella sang w-ie -ein lustiges Vöglein im Hause herum, und Lucy vermochte sich kaum zu fassen vor Glückseligkeit. Mortimer erschien ziemlich frühzeitig, und wir waren wahrhaftig eine vergnügte Gesellschaft. Das bescheidene Frühstück wurde so nebenbei eingenom- men. Marcella kam im hellgrauen Reisekleid- nnd einem kecken, mit -einer roten Fever besetzten Hütchchi jubilierend herunter, mich nach meiner Meinung zu fragen. Ich sagt« sie ihr in Gestalt von Küssen. Die anderen Mädchen erschienen auch bald, und Mortimer, der den Brautführer spielen sollte, nahm die Uhr heraus und sagte: Viertel vor zwölf. Es ist Zeit, zum Altar zu -eilen, glücklicher Bräutigam! Wir waren übereingekommeu, daß wir beide zu Fuß nach d-er Kirche wandern sollten, weil sie ja nur -ein paar Schritte von meiner Wohnung entfernt -war. Die Damen sollten in passendem Abstand in -einem Wagen folgen, der bereits vor der Türe wartete. Di-e ganze Feier sollte möglichst -einfach und -ohne Förmlichkeiten sein, den Umstän- den entsprechend. Als Mortimer und ich auf die Kirche zugingen, sähen wir schon eine ganze Anzahl Neugieriger davor auf- und abwandeln und viele auch hineingehen. Ich achtete jedoch nur wenig darauf, weil ich meinem Freunde eine kurze Schilderung meiner gestrigen Erlebnisse gab und ihm meine Befürchtungen nahenden Unglücks aussprach. Ich bat ihn, während meiner Abwesenheit wogen möglicher Ueberraschun- gen auf der Hut zu sein. Während 'dieser Unterhaltung hatten wir die Stufen zur Kirche erreicht. Wir blieben einen Moment stehen, um vor dem Eintritt noch -ein paar Worte zu wechseln. Da klopfte mich plötzlich. jemand auf die Schulter, ich drehte mich schnell um und sah mich einem Polizisten gegenüber. Sie sind wohl Doktor Williams, mein Herr, sagte er. Ich kannte den Mann ganz gut, ich lächelte also und antwortete: Natürlich bin ich Doktor Williams. Was wünschen .Sie denn von mir, mein Lieber? Weiter nichts, mein Herr, versetzte er; so leid es mir tut, ich muß Sie verhaften. Verhaften? rief ich. Heiliger Himmel! Weshalb denn? Wegen -Ermordung Ihrer Tante Maria Donaldson in Putney. 19. Kapitel. Ich schüttele die Hand des Mannes von meiner Schulter ab. Sind- Sie verrückt? rief ich erregt, -oder halten Sie das etwa für einen Scherz? Beides nicht, Herr. Ich habe den Verhaftungsbefehl gegen Sie in der Tasche. Ein solches Schriftstück werden Sie kaum als scherzhaft bezeichnen, und es wird Ihnen nichts anderes übrig bleiben als mitzukommen. Da muß sicher -ein Versehen vorliegen, sagte Mortimer, der vor Aufregung ganz blaß geworden war. Eine solche Anklage gegen meinen Freund ist ja -einfach wahnsinnig, lächerlich. Das mag sein, w-ie's will, versetzte der Konstabler, ich habe meine Pflicht zu erfüllen, und -es w-ürde für den Herrn am besten sein, wenn -er ruhig mitging-e. Aber, entgegnete ich- ihm hastig, ich will mich -eben trauen lassen und -erwarte jeden Augenblick meine Braut. Ich habe keine blasse Ahnung, was diese Verhaftung bedeuten soll; und Sie müssen doch selbst einsehen, bester Mann, -daß ich jetzt unmöglich Weggehen kann. Es tut mir ja sehr leid, mein Herr; aber -es hilft alles nichts, Sie müssen sofort mitkommen. Ihr Freund- kann ja hier bleiben und es der Dame aus-einandersetzen. Es ist ja 'ne fatale Sache — das geb' ich zu — aber immerhin besser, als wenn Sie hier auf offener Straße eine Szene auf führ en. Wir können hier durch den Durchgang verschwinden, so daß kein Mensch was merkt. ■— 694 - In diesem Moment bog der Wagen mit Marcella gerade um eine Ecke. Ich blickte Mortimer entsetzt an. Er begriff die Situation sofort und sagte : Allerdings, der Mann hat ganz recht. Mitgehen mußt du auf alle Fälle, so tue es gleich und vermeide jeden Skandal. Wo wollen Sie ihn hinbringen, Schutzmann? Nach dem Pvlizeirevier in Putney. Der Gerichtshof hat heute -Sitzung und den Haftbefehl vor etwa einer Stunde erlassen. Geh- mit, lieber Ted, und ergib dich drein.« Es ist schrecklich, ach weiß «es. Daraus waren, wir heute nicht" gefaßt. Aber behalte den Kopf loben. Lange können sie dich nicht festhalten. Es wird sich bald ausweisen. Iw ungefähr einer Stunde werde ick) dich aufsuchen. Nun los, rasch! Aber, sagte ich, immer noch zögernd, wie willst du's Marcella beibringen? Irgendwie — ich weiß es auch noch nicht. Aber nun schnell, geh' — geh', damit sie ums Himmels willen nicht sieht, wie du abgeführt wirst. Der Wagen muß jeden Augenblick ankommen. Ich nahm alle Kraft zusammen, obwohl mir das Herz zu zerspringen drohte, und wandte mich an den Polizisten. Ich bin bereit, sagte ich; aber lassen Sie mich auf der Straße allein gehen. Ersparen Sie mir um Gottes willen die Schmach, mich festzuuehmen. Ich werde Ihnen bestimmt keine Unannehmlichkeiten machen, das versichere ich Ihnen. Wir gingen. Aber als ich mich an der Ecke nochmals umdrehte und einen Moment das reizende Gesicht meiner Geliebten am Wagenfenster erblickte, war es mir, als ob ich zusainmensinten müßte. Es war mehr, als ein Mensch ertragen konnte. Eine solche Grausamkeit war unerhört — abscheulich — -entsetzlich. Und doch konnte ich nichts dagegen tun, keinen Widerstand leisten. Hilflos wie ein Kind befand ich mich in der Gewalt des strengen, erbaw mungslosen Gesetzes, wurde wie ein Verbrecher durch die Straßen geführt, um mich wegen einer mir unbekannten, furchtbaren Tat zu verantworten. Der Gedanke war mir so ungeheuerlich, daß ich ihn kaum zu fassen vermochte. Schweigend schritt ich neben dem Manne her. Es dauerte längere Zeit, bis ich meiner Erregung soweit Herr war, um sprechen zu können. Dann suchte ich ihn näher auszuforschen, aber vergeblich. Er hatte seinen Haftbefehl, weitere Auskunft konnte er mir nicht geben. Er glaubte, es handele sich um eine Vergiftung, war sich aber auch darüber nicht ganz sicher. Ich würde schon früh genug Genaueres erfahren, wenn ich dem Untersuchungsrichter vorgeführt würde. Er würde mir gern Näheres mitteilen, wüßte aber selbst nicht mehr. Die Leute sahen mich nut merkwürdigen Blicken an, als ich neben dem Beamten herging und am Bahnhof mit ihm zusammen in ein Kupee stieg Aber er entledigte sich seines Auftrages mit solcher Nachsicht und Diskretion, daß ich wenigstens keiner öffentlichen Schmach ausgesetzt war. Allmählich langten wir in Putney au. Mein Mut hatte sich wieder gehoben, und ich freute mich auf den Moment, wo ich energisch Rechenschaft darüber fordern dürfte, wie mau miet) eines solchen Verbrechens beschuldigen könnte. Wer sobald ich auf dem Revier eing-etroffen war, wurde ich gefesselt, durchsucht, aller Wertgegenstände beraubt, und nun merkte- icfy erst, ein wie armseliges unb ohnmächtiges Wesen selbst der stolzeste und stärkste Mann von dem Augenblick an ist, wo er sich, wenn auch nur scheinbar, gegen die Majestät des -Gesetzes vergangen hat. Noch ehe ich mir über diese schreckliche Wahrheit recht klar war, wurde ich einige Stufen hinunter durch einen finsteren Gang in eine Zelle geführt und eingeschlossen. Ob wohl schon je einem unschuldigen Menschen seine Hochzeit auf solch grausame Weise vereitelt worden ist? Daß es meinen Feinden endliche gelungen war, einen vernichtenden Schlag gegen mich zu führen, ließ sich- wahrhaftig nicht leugnen. Sie mußten schwerwiegende Verdachtsgründe gegen mich vorgebracht haben, denn sonst würde das Gebricht sicherlich keinen derartigen Haftbefehl gegen mich erlassen haben. Wie und wann sollte diese ganze schreckliche Sache endigen? Bis dahin hatte es den Anschein gehabt, als ob ich bloß Marcella aufzug-eben brauchte, um jeder weiteren Verfolgung enthoben zu sein; aber nun hatte die Geschichte eine andere Wendung genommen. Nachdem meine Widersacher die Nutzlosigkeit ihrer darauf hinzielenden Bemühungen eingese-hen hatten, waren fie zu einem verzweifelten Mittel übergegangen. Daß meine Tante von einem ihrer Abgesandten heimtückisch ermordet worden war> unterlag für mich nicht dem geringsten Zweifel. Marcella war mir sozusagen vor den Altarstufen geraubt worden, und ich sollte meine Hartnäckigkeit nun mit dem Leben büßen. Für meine eigene Person war mir durchaus nicht bange, ich fühlte mich meines endlichen Sieges so sicher, daß meine Kampflust sich sogar vergrößerte. Dagegen beunruhigte mich das Schicksal Marcellas um so mehr. Mychte ihr Mortimer die Nachricht von meiner Verhaftung noch so zartfühlend hinterbringen, sie mußte doch ganz niederschmetternd auf sie wirken. Ich malte mir ihren Schmerz in Gedanken aus und -gedachte auch wieder mit Wehmut, wie glücklich wir in dieser Stunde zusammen sein würden, wenn diese Katastrophe nicht üb-er uns hereingebrochen wäre. Ich hörte im Geiste, wie Mortimer -eine launige Rede auf die liebliche Braut hielt, wie wir alle miteinander anstießen und icfy auf die Ansprache meines Freundes begeistert erwiderte. Während icfy so in Gedanken versunken -dasaß, den Kopf in die Hände gestützt, vernahm ich vom Korridor her Schritte. Sie hielten vor meiner Zelle an. Die Türe wurde ausgeschlossen, und herein trat Mortimer. Auf fünfzehn Minuten, sagte er zu dem begleitenden Aufseher; wenn Sie wollen, können Sie- uirsere Unter« Haltung mit anhören. Diesen Herrn und mich selbst wird Ihr Beisein nicht im geringsten stören. Daun wandte er sich mir zu. Mir den Kopf nicht hängen lassen, mein Lieber, sagte er und drückte mir herzlich die Hand. Hier, fuhr er leiser fort, nimm 'n Schluck davon. Ich leerte die mir ein-gehän-digte Flasche mit einem Zuge bis zur Hälfte. Danke, älter Freund-, versetzte ich dann. Seitdem du gekommen bist, fühle ich mich wieder Wohler. Ich dacht-e gerade an. Marcella, und du weißt ja — Ja, ja, natürlich« weiß ich. -Wer du mußt jetzt auch etwas an dich selbst denken. Um Marcella brauchst du dir keine Sorgen zu machen. Die Sache habe ich schon ins Lot gebracht. Aber, fragte ich eifrig, wie faßte sie's denn auf? Wie in -aller Welt hast du's fertiggebracht, sie darüber aufzuklären? Was hast du ihr denn gesagt? Was hat sie, denn geantwortet? (Fortsetzung folgt.) Hatz. Erzählung aus dem Lande der schwarzen Berge« Von Max Karl Böttcher, .Chemnitz. Die Sonne ging heim. Schräg lagen ihre Strahlen über dem Maisfeld und tauchten dann die schwachen Wellen des Skutarisees in schimmerndes Braun. Mutter Wranja schritt gebückt am Rande des Haines hin und schleppte mühsam den flachen Korb mit frischen Feigen. Da trat Wukotitsch, des reichen Nachbarn Sohn, aus beml Gestrüpp und lachte laut auf, als er Mutter Wranja erblickte. „Was lachst du, Milosch?! — Hilf mir die Feigen tragen, — gar schwer ist der Korb!" Milosch Wukotitsch, ein breitschultriger zwanzigjähriger Bursche mit hartem, eckigem Gesicht, rührte sich nicht Boni Fleck. Sein breiter Mund grinste häßlich und seine Augen blickten hämisch, als er verächtlich sagte: „Einer, der morgen freit, trägt nicht alten Weibern Korb und Feigen." „Du freist, Milosch?! Beim Barte Nikitas, des strengen Gospodars, int -ganzen Orte ist keine Dirne, die noch ledig wäre." „Ei seht die alte Kuppelmutter, wie sie all ihre Täubchen kennt im Neste! — Und welches ist wohl das schönste der Täubchen in ganz Czernerowja?" „Tu eitler Bursche! — Auf die wirfst du dein blödes Auge nicht, trotz deiner Weinberge und Feigeugärten und deiner hundert Schafe. — Wjaneronja, die Liebliche, die Zarte, die Duftende, — -die süße Petersilie unter den Gemüsen Montenegros, sie spottet deiner, wenn du um sie im Tanze dich drehst, denn mein Junge, der stolze, der edle Georgeivitsch-, die Zierde meines- Hauses, hat sie sich anverlobt und dem Vater längst die vierzehn,Hammel zur Morgengabe gebracht, und wenn die sieben, Jahre sein^ Dienstes in Cetinje vorüber sind, dann zieht sie mit in feine Hütte. Wieder lachte des Nachbars Sohn roh und schallend auf. „O, du alte, schlaue Kuppelmutter! Glaubst du wirklich, die schöne Wjaneronja wartet hier am Meere, bis sich dein edler, stolzer Georgewitsch beim Schweinebauern ut Cetmie em Sch'ocllges^eckter Türkensäue verdient hat, w-enn ich um sie freie?!" 695 ®te alte Frau nahm jetzt ihren Korb von der Achtel und setzte ihn zu Boden. Sie erzitterte. — Nun sprach sie kein Wort mehr, raffte dm Neigenkorb mühsam wieder auf und stelzte mühsam davon. Wer einen Blick, einen Blick des glühenden Hasses, stieß sie nach dem Burschen, daß diesem das Lachen auf den Lippm erstarb. — Und sie schritt den Setchfad entlang, der bis dicht an Czernerowja führte und dann in einen breiten, von Feldgeräten, Ackerwagen und Schafherden vollständig zerwühlten Weg einmündete. Da stand eine Holzbude, schief und wacklig, ein Garten davor, beschattet von einer Marone. Tie Bude gehörte dem Gemeindehirten Tvgrigotza. — Jin Garten hockte nach Serbensitte ein Mädchen und flocht sich ihr langes, kastanienbraunes Haar und sang dazu in wilder Melodie ein altserbisches Kriegslied: „Komm „Knab", und spann den Bogen, Erklimm des Berges Grat, Und wo des Meeres Wogen, Der Felsen wilder Pfad Die Türkengrenze schneiden -e Dort steh und halte Wacht! Dort kämpf! Und töte über Nacht Den Türken Oder stirb!" Sie sang es schnell, rasend schnell, und zuletzt' war sie aufgesprungen und schien sich selbst au ihrem' Liede berauscht zu haben. Da rief sie die alte Mutter Wranja: „Wjaranja!" Sie schrak zusammen, und als sie die Alte erblickte, machte sie eine unwillige Gebärde und wollte gehm. Sie war schön, beim Barte Nikitas, des Gospodars, sie war schön, — und Feuer mußte sie haben! Alles an ihr war Leben, heißes, pulsendes Leben! „Wianeronja, mein Täubchen, wie bist du wieder schön heute! Wie die Welle des Meeres, so frisch, und 'wie eine Rose aus des Königs Garten, so blühend. — Und Georgewitsch, — dein George- witsch läßt dich grüßen. Bald kehrt er heim." . „Mein Georgewitsch?" — Sie spielte mit dem Ende ihres Zopfes und sah zu Boden. — „Ich habe keinen Georgewitsch. — Und er kann bleibm, wo er ist." Ta erzitterte die Alte wiederum und setzte den Korb Feigen nieder und starrte nach dem schönen Mädchen. — Das wandte sich ab und ging in das Haus. . „Es ist schade um dich! Georgewitsch wird dich töten, du . .!" rief sie ihr nun noch nach und ging dann gesenkten Hauptes Nach ihrer Hütte. — Den Feigenkorb ließ sie stehen. Wenige Minuten später kam Rojao, der Bruder Georgewitschs, ein zwölfjähriger Bursche, aber geschmeidia, stark und berggewöhnt, der die Flinte handhabte wie ein alrer Krieger, und einer der besten Grenzschmuggler im Orte war. — Der rief über hm Zaun: „Wjaneronja?! 'Du, höre mich!" Sie schaute zur Tür heraus. „Freist du Milosch oder Georgewitsch?" „Was gehts dich an?" „Antworte!" „Nun denn, Milosch wird mein Herr !" „Er stirbt! — Heute noch stirbt er!" 'Da trat sie an den Zaun, jetzt bleich imb' zitternd, und fragte weich und ihre großen, wunderbar schönen Augen erglänzten in Tränen: „Willst du ihn töten?" „Ha — ich?! Wie könnt ich meinem Bruder, dem Edlen, dem Starken, das antun! Er wird ihn töten und dich dazu!" Und er nahm den von der Mutter zurückgelassenen Feigenkorb auf und trug ihn heim. ■— Und als es dämmerte, da eilte er nach Cetinje. Rastlos, in wilder Hast stürzte er vorwärts, den langen, steinigen, ost steilen Pfad. — Wer, was war das? Je näher er der Landschaft kam, desto lebendiger wurde es auf den Wegen. — Bauern und Holzner und Männer aus den Bergen Mit wilden Gesichtern und haßglühenden Augen, Rache und Zorn auf der Stirn geschrieben, strömten der Stadt zu. — Und als der Morgen graute und Rojano die Dächer von Cetinje sah, da wimmelte es von Menschen. — Es waren aber nicht die faulen, wortkargen, finsteren Montenegriner, es waren Menschen, in denen jahrzehntelang aufgespeicherter, unterdrückter Haß gegen die Muselmanen aufgeglüht war und nun in wilder Flamme lohte, und dieser wildflammende Haß wurde nun zu einem einzigen Schrei: Krieg! Und Rojano stand mitten unter den Tausenden vor dem Konak und war der schlimmsten Schreier einer, und als Nikolaus, der König, >e. Hall fügt gewissenhaft seinem Berichte hinzu, die Reise habe genau 36 Tage gedauert. Büchertisch. — Die Vereinigung der Kunstfreunde (Berlin W„, Markgrafenstraße 57) hat auch in diesem Jahre eine Anzahl von farbigen Nachbildungen nach Gemälden der Königl. National-Galerie und anderer KuMammlüngen herausgebrackst, die das Entzücken der Kunstfreunde hervorgerufen haßen. Neben den Größen der Kunst, wie Böckliu, Feuerbäck-, Murillo, sind auch so liebenswürdige Schilderer wie Schwind und Spitzweg vertreten — und auch Defregger, Gebhardt u. a. sind mit guten Nachbildungen vertreten. Tie Vereinigung der Kunstfreunde bezweckt, hervorragende Werke der Malerei, insbesondere solche aus der Königl. National-Galerie, in nett erfundener farbiger Lichtdruckemanier allgemein zugänglich zu machen, nm hierdnrch den Sinn und das Verständnis für die Kunst zu heben und zu fördern. Tie Mitgliedschaft der Vereinigung, Jahresbeitrag 20 Mk., für welchen dem' Mitgliede ein Bild im Normalformat nach Wahi sowie in jedem dritten Jahre eine Prämie, ebenfalls nach freier Wahl, geliefert werden, bietet Gelegenheit, in kurzer Zeit die schönsten farbigen Reproduktionen hervorragender Gemälde zu erwerben. Auf Verlangen werden zu diesen Bildern auch Rahmen geliefert, die zu den Darstellungen vorzüglich abgestimmt sind. Der soeben erschienene Katalog für das Jahr 1912/13 enthält folgende Neuerscheinungen: Böcklin, Arnold, Meeresbrandung (Normalblatt), Gotenzug (Halbblatt), Odysseus und Kalypso (Halbblatt), Jagd der Diana (Halbblatt), Zentaurenkampf (Halbblatt), Ein Frühlingstag (Doppelblatt): Buchner, Hans, Rosen und Trauben (Normalblatt), Flieder und Kirschen (Normalblatt): v. Defregger, Franz, Anbetung der Hirten (Normalblatt): D o e p l e r d. I., Emil, Pariser Frühling (Viertelblatt); Feuerbach, Anselm, Idylle aus Tivoli (Normalblatt); v. Gebhardt, Eduard, Bergpredigt (Toppelblatt); Genzmer, Berthold, Beethoven (Normalblatt), Mozart (Normalblatt); Hansche, Reinhold, Geständnis (Viertelblatt): Harnisch, Paul Wilhelm, Ausblick nach dem Gardasee (Viertelblatt): Müller-Brieg- hei,Wilhelm, Brandende See (Norutalblatt); Müller-Kurz- !vell y, Konrad, Fallende Blatter (Toppelblatt); Murillo, Bartoloms Estsbau, Himmelfahrt Mariae (Doppelblatt); Pretzsch, Moritz, Die Dorfstraße (Viertelblatt): Rosset- Granger, E., Abendstern (Normalblatt); Schlabitz, Adolf, Mondschein (Viertelblatt); Schoen, Fritz, Tie Aengstliche (Viertelblatt); v. Schwind, Moritz, Tie Hochzeitsreise (Halbblatt), Die Morgenstunde (Halbblatt); Siemiradzki, Henryk, Christus bei Maria und Martha (Normalblatt): Skarbina, Franz, Zwischen alten Häusern (Biertelblatt); S p itzweg, Karl, Der Hypochonder (Halbblatt): v. Wille, Fritz, Heide in der Eifel (Normalblatt). Der Katalog ist mit zahlreichen Abbildungen geschmückt und enthält auch die genauen Versandbedingungen usw. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Tiamant-Rätsels in voriger Nummer; W L IE S T E ,R N WIEL AND DIANA INN D Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen,