^jUiwSnssfisHFw I»! WW ;%ji W MA ■tex&jfe«g vfl'* - y>\ Ostern. Als Frühlingssonne ihn umrann Und all sein Beet in Blumen stand, Da nahm der Tod dem GärtnerSmann Die Schere aus der fleißigen Hand. Und ging dann durch die Sommerzeit Im Nachbargarten auf und ab, Ein blasser Knabe ihm zur Seit', Dein fiel der erste Schnee aufs Grab. Nun grünt es hier und grünt e8 dort Und leuchtet auch um meinen Fuß Und grünt und blüht an jedem Ort, Ein erster goldner Ostergruß. Das Bäumchen fühlt nicht mehr den Schnitt, Es blüht und dankt der toten Hand, Und wo der blasse Knabe schritt, Steh'n Veilchen schon am Wegesrand. Nur fern am violetten Saum, — Der Schollenrauch umschleiert ihn — Wie einen Schatten, einen Traum, Seh ich zwei dunkle Flügel zieh'n. Hamburg. * Gustav Falke. Der König von Thule. Roman von Paul Grabein, (Nachdruck verboten.)' (Fortsetzung.) Sie waren aus der weiten Ebene längst herausgekommen und bereits in das Tal gelangt, das ihr Ziel war. Ein anderes, freundlicheres Bild bot hier die Natur dem Auge. Ein fruchtbarer, samtweicher Rasenteppich von frischem Smaragdgrün deckte den Boden, auf dem hier und da, wild umhergestreut wie von spielender Riesenhand, gewaltige Felsblöcke und Trümmer lagen. Häufig ging das Grün des Grases in ein Geflimmer von Gelb, Lila oder Blau über, wo üppiges Blutengewucher in seltener Dichtigkeit den Boden überzog. Zu beiden Setten sah man die Felsflanken der Talwände aufsteigen, in wild zerrissenem Geklüft, bald aber den Blicken durch Nobelvorhänge entzogen. Auch Tierstimmen schollen hier belebend dann und wann aus unsichtbarem Versteck an ihr Ohr: der dumpfe Trommellaut der Rohrdrommel oder der klagende, weiche Ruf des Regenpfeifers, horch, und jetzt —■ klang es nicht wie fernes Kuhbrummen, tief und zitternd, zu ihnen hinüber? i. Amthor nickte bestätigend: „Ja, wir nähern uns dem Hof des Bauern, dem dieses Tal gehört, Sigmund Gudmundson, ein altes Geschlecht, das seit undenklichen Zeiten auf dieser Scholle siedelt. Wenn es Ihnen recht ist, nehmen wir da unser Frühstück ein." Jd, das ist ja herrlich!" freute sie sich. „Bei den Nachkommen der alten Wickinger zu Gast zu sein!" „Das heißt. Sie dürfen sich keinen übertriebenen Erwartungen hingeben," warnte er sie. „Die Leute sind hierzulande äußerst eigenartig, von der alten Reckenhafti^keih finden Sie nichts mehr, und sie Hausen mehr als primitiv. — Nun, Sie werden ja bald selbst sehen." Nach einer Viertelstunde wurden hinter einer Dal- biegung vier nebeneinanderstehende niedrige Gebäude bemerkbar, die, an die Bergwand gelehnt, zum Teil in diese hineingebaut, den Ankömmlingen die kleinen, spitzen Giebel zukehrten. Es waren armselige Hütten, Wände und Dächer mit Rasen gedeckt, nur zwei ein wenig besser, mit (Wellblechoder Bretterwänden, je ein Fensterchen neben der Tür zeigend. „Ah, Stallgebäude! — wohl ein Vorwerk des Hofes?" Amthor lachte belustigt auf: „Der Hof selbst!" „Wie? Diese Baracken?" Er nickte. „Und es ist sogar ein ansehnlicher Bauernhof." Frau Söllnitz blickte kopfschüttelnd auf das dürftige Anwesen, dem sie sich nun schnell näherten, von Hundegekläff begrüßt. „So hausen ja bei uns nicht einmal die Tagelöhner!" staunte sie. „Sie dürfen eben nicht vergessen: die Kultur ist hier in vielen Dingen an die tausend Fahr' stehen geblieben. Auf vielen Einsiedelhöfen weiter drinnen auf der Insel trägt der Bauer noch heutzutage selbstgefertigte Hemden, Kleider, Hüte und Schuh, lute einst seine Ahnherren zur EddaAeit." Sie waren inzwischen in das Tun, den eingefriodeteh Grasplatz vor dem Häuschen, eingeritten; aber trotz des wütenden Gebells des spitzähnlichen Hundes von der offenen Haustür her zeigte sich kein Mensch. „Man scheint hier nicht ängstlich zu sein!" scherzte Frau Söllnitz und sah neugierig nach den Fenstern hin, die kahl, ohne jeden Gardinenschmuck waren. Amthor schwang sich vom Pferde und kam nun zu ihr. „Du lieber Gott! Was wär' hier auch zu holen? Außerdem gibt es auf Island überhaupt keine Diebe und Vagabunden. — Bitte!" er wollte ihr beim Absitzen behilflich sein, aber schon war sie aus dem Sattel gesprungen. > „Ein glückliches Land!" lachte sie und klopfte dem Tier, das sie so brav getragen hatte und trotz des scharfen Tempos kein nasses Haar zeigte, den gedrungenen Hals. „Aber es scheint niemand im Haus zu sein?" meinte sie, auf die still daliegenden Baulichkeiten deutend. „Am Ende wohl möglich," gab er zu. „Sie sind vielleicht glle im Heu." 218 Er nahm die beiden Tiere und führte sie zu dem Drahtgehege der Einfriedigung, wo er sie mit den Zügeln au einen Pfahl band. „Das Tun ist heiliger Boden," erklärte er, lächelnd auf den Rasenplatz deutend. „Es wäre fast ein Kriegsfall, wollten wir unsere Rosse hier weiden lassen." „Um Gottes willen!" scherzte sie, die Reitgerte schwingend. „Unsere Bewaffnung ist nicht gerade glänzend. Möge Thor seinen Hammer lieber ruhen lassen!" „Wie eddafest Sie sind!" staunte er, sie ansehend, während er mit ihr zu der Schwelle schnitt. „Noch Schul- reminiszenzen?" Sie schüttelte lachend den Kopf. „Keine Ahnung! Ganz neue Weisheit — frisch vom Büchersteward bezogen: Führer nach Island, Einleitung. — Darüber hinaus bin ich leider nicht gekommen." Sie standen fetzt vor der Tür des einen der beiden Wohnhäuser, und Amthor pochte an; es war nicht ganz klar, ob etwas wie ein Laut von innen scholl, über es war ihm so, und so öffnete er. Er trat in eine kleine Stube, und an ihm vorbei sah sie neugierig hinein. Es war ein ganz kahler, schmuckloser Raum mit weißgetüuchten Wänden. An jeder Wand stand ein Bett und auf jedem der Betten lag, angekleidet, ein Mensch — drei Männer in Hemsärmeln und eine Frau. Ohne sich zu rühren, blieben sie unbeweglich liegen, ohne die mindeste Spur Von Ueberraschung, Verlegenheit oder Neugierde; sondern sahen mit ernem völlig gleichgültigen Blick, als ob sie das alles gar nichts anginge, gelassen auf die Fremdlinge, die denn doch nicht zu den Alltagserscheinungen auf Island gehörten. Dr. Amthor lüftete seine Mütze und richtete einige Worte an sie, wie es schien, mehrere Fragen. Sie verstand den Sinn dieser isländischen Ausdrücke nicht; aber das merkte sie deutlich, daß die ganze Antwort der sonderbaren Leute da aus einem einsilbigen kurzen „Ja" oder lang- gedehnten „Jo" bestand. Ihrem landeskundigen Führer schien das aber völlig zü genügen. Denn mit einer dankenden Bewegung verabschiedete er sich schließlich von den vieren, die nach wie vor liegen blieben und alsbald die Tür sich wieder hinter den Besuchern schließen sahen. Frau Söllnitz bezwang sich mit Mühe noch einen Augenblick; aber kaum war sie wieder draußen auf dem Grasplatz, so brach sie in ein nur halb unterdrücktes Lachen aus. „Nein! Das wär ja kostbar! Was waren denn das nur für sonderbare Heilige? Hielten die Leutchen gemeinsam ein Krankenlager ab, oder was machten sie denn in aller Welt nur?" „O, nichts weiter als eine kleine Ruhepause in der Heuernte," erklärte auch er heiter. „Sie waren, des drohenden Regens wegen, fast die ganze Nacht draußen bei der Arbeit gewesen." „Ah so! Na, nun wird mir ja erst die Situation verständlich. Aber das Phlegma dieser Leute ist ja unbezahlbar! Ist solch gemeinschaftliche Schlafstube hier übrigens Laudessitte?" „Vielfach — ja." „Nicht möglich!" lachte sie unbefangen. „Aber Sie haben recht, die Kultur ist hier wirklich stehen geblieben. — Doch was wird nun aus unserem Frühstück? Die guten Leutchen — liebenswürdig waren sie wahrhaftig nicht! — haben uns aus gut deutsch doch sozusagen hinausgeworfen!" „Nicht im entferntesten, ganz im Gegenteil! Wir sind höflichst eingeladen, bei Herrn Gudmundfon und Frau Gemahlin einen Löffel Suppe zu essen." „Wie?" Ungläubig staunte sie ihn an. „Ja, ja!" nickte er. „Freilich auf isländische Art. Das heißt: Unsere Wirte bleiben ruhig drüben in ihren Betten liegen, und wir werden unseren Imbiß allein in der Gaststube einnehmen." Frau Söllnitz lachte hell auf. „Das ist ja einzig! — Bewirtet man seine Gäste hier immer auf solch originelle Art?" „Doch nicht," entgegnete er ernsthafter, mit ihr nach einem nahen Nebenbau schreitend, aus dem eine Rauchwolke stieg. „Im Gegenteil, die Gastfreundschaft steht hier noch hoch im Ansehen. Es ist eben ein Ausnahmefall; auch werden wir natürliche unseren Imbiß bezahlen. Wir müssen uns hier wie im Wirtshaus betrachten. — Nun, hier werden tvir wohl die Magd attrappieren." Er öffnete die Tür der kleinen Hütte, und sie blickten rn einen völlig finsteren, verräucherten Raum, aus dem ihnen ein beißender Rauch von Torffeuer entgegenschlug. Rotflackernde Glut warf von einem niederen offenen Herde aus ihre brennenden Lichter auf eine alte Frauensperson/ dre tn einem mächtigen Kessel rühmte, der in Ketten vom Deckenbalken hing. Eine schwarze Katze hockte, den dicken Pelz behaglich an der Glut wärmend, auf der Ecke des Herdes und wandte nun die großen, grünschillernden Augen aus die Eintretenden. „Die reine Hexenküche!" lachte Frau Söllnitz; alles hrer brachte sie in eine animierte, abenteuerliche Stimmung. „Das ist ja geradezu wundervoll hier, auf diesem verwunschenen Hofe!" Beinr Schall der fremden Laute erst sah die Alte von ihrem Kessel auf; sie mochte schwerhörig sein, denn Dr. Amthor sprach nun sehr laut mit ihr. Endliche schienen sie sich verständigt zu haben. Die Alte nickte, zog den Kessel hoch, wischte sich die Hände an der Schürze ab und verschwand nach hinten, im gähnenden Dunkel des Raumes/ der dort in einen Stall überzugehen schien. „So!" erklärte Amthor, sich zur Tür wendend. „Kommen Sie. In einigen Minuten werden wir alle Schätze der isländischen Speisekammer auf dem Tisch haben. Wir wollen inzwischen immer in das Gastzimmer gehen." Er führte sie, mit der: Landesgewohnheiten vertraut/ in das zweite, ansehnlichere Häuschen, und hier traten sie in eine ziemlich geräumige Stube, die außer zwei Betten noch eine Truhe, ein Wandspiegelchen, einen Tisch und ein paar Bänke barg. „.Hier werden wir dejeunieren. Doch sehr nett, nicht?" lustig sah er sie an. Sie musterte, im ersteu Augenblick etwas enttäuscht, den primitiv eingerichteten Raum; dann aber sand sie sich gleich in die Situation. „Großartig!" scherzte sie. „Wir werden also im Salon ä part speisen." Er sah sie froh an. Was war sie für eine prächtige! Reisekameradin. Was für ein herrlicher Tag war das heute! Er wollte ihr das sageu, aber da trat schon die Alte ein und setzte herschiedene Schüsseln und Töpfe, Messer und Gabeln auf den Fisch. Dann ging sie wieder. Frau Söllnitz sah ihn fragend an: „Ist etwa schon fertig serviert?" Er warf einen Blick auf die Herrlichkeiten. „Es scheint so!" Dann machte er ihr eine scherzhaft tiefe Verbeugung. „Dars ich den Vorzug haben, gnädige Frau, Sie zur Tafel zu führen?" „Sehr angenehm!" dankte sie, auf seinen Ton eingehend; aber indem sie schon die Fingerspitzen auf seinen Arm legte, kam ihr ein anderer Gedanke: „Wollen wir nicht unsere Tafel ein bißchen dekorieren?" Sie sah durchs Fenster auf den blumigen Anger. „Es wäre doch netter, nicht?" , „Aber gewiß!" stimmte er bei, und wie er mit ihr wieder hinaustrat, rief er, die Pferde erblickend, aus „Herrgott! Wie gut, daß Sie auf den Gedanken gekommen sind. Jchhabe j-a gar nicht mehr an die Schätzern Meiner Packtasche gedacht!" „Ein schöner Reisemarschall!" neckte sie ihn. „Nun flink! Holen Sie das Versäumte nach!" Er machte sich an seinem Tier zu schaffen, und als er, einige Minuten später, beide Hände vollbeladen, wiedep in das Gastzimmer eintrat, da staunte er. (Fortsetzung folgt) Dar erlösende Wort. Osterhumoreske von Käte L-ubowski. Schön war er nicht, liebenswürdig auch nicht und nützlich schon gar nicht! Wenn er .eine Mahlzeit entnehmen sollte, sträubte er sich mit gellender Stimme dagegen. Streckte sich dann aber eine Hand aus, um etwa das Zurückgewiesene fortzunehmen, so biß er sicher heißhungrig in diese hinein! Sein Name war Paul! Bekannte, Anverwandte besaß er Nicht, und das hatte ihm feinem Herrn, dem Oberamtmann Uelitz auf Daubitten, der auch einsam war, allmählich sehr nahe gebracht. Ter stand auch jetzt vor diesem Geschenk eines seebefahrenen Freundes und redete mit dem blinzelnden, rotbemützten Papagei wie mit seinesgleichen; 219 °Das kann man sich doch unmöglich gefallen lassen, da müßte Man sich ja schließlich .selber verachten." In diesem Augenblick wieherte dicht unter dem Fenster ein 'Gaul- Paul Fielitz, nach dem dieser leider feilt Wort sprechende Vogel feierlich benannt war, entdeckte plötzlich hinter den Scheiben den Kops eines wohlbekannten Schimmels. Und er schrak zusammen : „Herr des Himmels, das ist ja ihr Vater!" Ja — das war er wirklich! Ter alte Rittergutsbesitzer Bennsen pfiff leise durch die Zähne, äI8 er ein wenig später seinem jungen Nachbar die Hand entz- gegenstreckte. „Ta müssen ja nette Sachen passiert 'sein, Fielitz." Ter tat unschuldig wie sein Papagei. „Ich verstehe Sie nicht, Herr Bennsen." „Tas ist aber sonderbar! Na, da muß ich dben deutliche« Werden. Daheim sitzt mein Madel und heult und heult, daß man reichlich ein paar Morgen damit bewässern könnte, aber Bescheid sagt sie einem nicht. Da ich 'sie nun aber in aller Herrgottsfrühe nach Ihrem Forst herüberlausen sah, muß ich doch Schlüsse ziehen." „Ich möchte nicht gern den Angeber spielen, Herr Bennsen." „Machen Sie nur keine Geschichten. Sagen Sie lieber, was wieder geschehen ist. Denn sie Ung doch jetzt mit dicker Freundschaft an Ihnen." : „Diese Ueberzeugung hatte ich leider nicht." „Denken Sie! immer noch an die dumme Geschichte, die Ostern vor einem Jahr durch sie passierte? Daß sie Ihnen da die jungen Füchse aus dem Eisen ließ, gehörte sich allerdings nicht, aber so ein junges Ding hat darüber eben andere Ansichten wie Unsereins." „Das hätte ich ihr längst vergeben. Aber es wär doch nicht Mehr wie früher zwischen uns." „Sie ist eben kein Kind mehr, Paul Fielitz, daß Sie ihr nicht Mehr als oberste Obrigkeit galten," neckte der alte Herr. „Das habe ich niemals verlangt, Herr Bennsen." „Na, hören Sie mal. Darum sind Sie! doch jetzt bloß so schlechter Laune." „Würden Sie, Verehrtester Herr Nachbar, vielleicht dankbar Und vergnügt sein, wenn Ihnen jemand zwei Prachthasen, die Sie, halberfroren und dem Hungertode nahe, eines Tages in Ihrem Keller vorgefunden und nun so recht feist und schön zu sastigen Osterbraten aufgefüttert haben, vorsätzlich aus dem kleinen Stall, in dem sie sich sehr wohl fühlten, in den großen Wald hinausließe?" I „Tas hat meine Hann« getan?" „Jawohl. Nachdem sie allerdings seit zwei Monaten vergeblich versuchte, für sie auf andere Weise dije Freiheit znrüctzugewinnen. Ich lehnte damals alles' ab Sie hatten Zeit und Futter gekostet, und ich war stolz, sie Ihnen und Jhver Familie, wenn Sie mir wie sonst die Freude machen würden, am zweiten Ostertage bei mir und meiner alten Hausdame zu speisen, vorsetzjm zu können." „Daß das Mädel die zahmgewordenen Dingerchen, die ihr aus der Hand fraßen, nicht so mir nichts, dir nichts vertilgen mochte, könnte man ihr ja wohl vergeben. Aber — das durste sie natürlich nicht! Sie haben ihr selbstverständlich nicht schlecht Bescheid gesagt." „Freilich war ich sehr empört. Aber ich hielt mich zurück. Ich habe sie einfach vor die Wahl gestellt: Entweder bittet sie mich in aller Form um Verzeihung —" „Na, oder. . .?" „Oder — sie sieht mich niemals wieder bei Ihnen in Hohen- sichte." Ter alte Binsen lachte ungläubig. „Solche Kindereien vergehen wie der alte Winterschnee in den tiefsten Fängen. Er wehrt sich zwar verzweifelt lange gegen die liebe Sonne, aber endlich muß er doch ran. Bis Ostern werden Sie auch butterweich werden, mein Freund." „Tas ist ausgeschlossen. Ich gab mein Wort." „Und sie. . .?" „Gab einen Atemzug später das ihre, daß sie niemals eine Entschuldigung aussprechen würde." „Ta sitzt Ihr nun in einer hübschen Tinte drin. Was soll denn jetzt werden? Unser Skat, unser Schwatz, alles diesen elenden Hasen geopfert!" Der Jüngere zuckte die Achseln. „Vielleicht besinnt sie sich doch! Ich warte gern. Nachgeben kann und darf ich diesmal wirklich nicht." Er wartete und wartete. Umsonst! Jeden Tag lief er bis zum Ziehbrunnen dem alten Postboten entgegen, von der Hoffnung erfüllt: „Heute schreibt sie ganz bestimmt. Tenn sie weiß' ja doch, daß ich es ewig ohne sie gar nicht aushalten könnte." Aber sie schrieb nicht. , Sie sagte jeden Morgen mit triumphierendem Nicken zu ihrem Spiegelbild: „Ich ferne ihn doch, heute kommt er!" Aber er kam nicht. i Tie Tage zogen mit Schnee und Wärme durch das Land. In vier Wochen war les Ostern. Paul Fielitz hätte Made einen vollen Tag in der kleinen Nachbarstadt zu tun gehabt und ging, zurückgekehrt, sogleich zu seinem gefiederten Namensvetter, um ihm das Schreckliche mit- zuteilen. Er neigte das Haupt gegen die blanken Stäbe des Vogelhauses und seufzte tief in das Dunkel hinein, das bereits herabgesnnfer war. „Wenn es wirklich wahr sein sollte, wenn sie sich wahrhaftig Ostern mit diesem Doktor Graubitz verloben wird — dann weiß ich nicht, was aus mir werden soll!" Und er legte die Hände auf das Bäuerchen und rechnete damitt daß Paul ihn jetzt tüchtig beißen würde. Dadurch würde doch seine Erstarrung weichen. > Aber Paul biß ihn nicht, war — verschwunden. Tie Tür des Häusleins schloß fest wie immer. Eine Katze konnte also nicht den Weg zu ihm gefunden haben. Dagegen stand das große Fenster weit offen! Da war also der Dieb ungehindert und mühelos eingestiegen und hatte den kleinen Freund gestohlen. Es kam ins Kreisblatt. Dem Nachtwächter wurde äußerndem ein Paar abgelegter langer Stiefel verheißen, der Postbote, der doch in der ganzen Nachbarschaft herumkam, sollte eine Fuhre Weizenstroh Haben, und wenn es einer der Tienstgäuger an den Tag brachte, so sollte das junge Volk am Sonntag daraus tanzen. Es blieb aber im Dunkeln. Paul Fielitz war ernst und still geworden. Hatte der Papagei auch kein Wörtlein sprechen können, weil sich kein richtiger, geduldiger Lehrherr für ihn fand, im Laufe der Jähre war er ihm dennoch lieb und wert geworden. Nun hatte er keinen mehr, zu dem er sich ausklagen konnte. Vor dem Osterfest empfand er diesmal eine Art Grauen. Sonst hatte er um diese Zeit bereits die herrlichsten Eier aus Mar-, zipan und Schokolade für das Hannele Bennsen besorgt gehabt/ denn sie kehrte am ersten Ostertag, den er stets bei ihren Eltern verbrachte, noch genau wie vor zehn Jahren neugierig und ep- wartungsfroh seine Manteltaschen um. Diesmal konnten sie leer sein, denn er blieb einsam. So wurde es endlich Ostern. .... ' Einsam begann der Morgen. Den Kopf in die Hand gestützt, spann Fielitz vor dem dichtverhangenen Vogelhaus Gedanken, in denen die Ostersonne fehlte. Sonst hatte ihm das Hannele regelmäßig an diesem Tage in aller Frühe ihren Gruß geschickt. Wie der zu ihm gekommen war, wußte er freilich nicht. Genug, er wär da, hing als grünes Rutensträußlein am Fensterknauf oder lag als kleine Handarbeit auf dem Bett, denn es war Sitte, daß die Fenster des alten Herrenhauses in diesen linden Lenznächten unverschlossen blieben. Heute, wo er fehlte, fühlte er sich alt und müde. Plötzlich hob er den Kopf und lauschte. Was war das? Ein Ton schlug an sein Ohr, ein leises gurgelndes Krächzen, wie es einst sein kleiner Freund ausgs- stoßen, wenn er hungrig war. > i Paul Fielitz fuhr mit der Hand Übet die heißen Augen. Osterträume. Aber da war es wieder, und zwar diesmal so deutlich, daß kein Irrtum möglich war. Und jetzt gar klang eine! schmetternde Stimme unter der Decke des Vogelhäuschens hervor: > „Komm, Onkel Paulchen!" Mit einem Satz riß er die Decke herunter. Ta saß wirklich der gefiederte Paul und blinzelte und schielte ihm wie einst entgegen. „Komm — Onkel .Paulchen." So hatte ihn früher das Hannele gerufen. Und er wußte plötzlich alles. Mit einem Satz war er draußen in der klaren, goldersülltenl Osterlnst. Seine Augen waren voll Sonne. Sein Herz volle« Jauchzen. „Ich komme, Hannele!" vom Osterei Md seiner ttulturgefchichte. Ostern ohne Osterei ist gerade so undenkbar, wie Weihnachten ohne Tannenbaum und Apfel, und so widersprechend es klingt, das Öfterer ist älter als unser Ostersest. Heute ist es der Osterhase/ der die Ostereier bringt, und bei dieser Tätigkeit ist er so anstellig, daß er sie aus Zucker, Schokolade, Marzipan und anderen wohlschmeckenden Dingen Bereitet, abgesehen von den Ostereiern aus Holz und anderen Stoffen, die Süßigkeiten oder Geschenke anq derer Art »enthalten. Tas eigentliche, ursprüngliche Osterei aber ist das Hühnerei/ neben den Eiern mancher anderen Vögel namentlich Möwen. Solche Ostereier gab und gibt es bei fast allen Völkern. Es sind wirklich Ostereier, insofern sie zur Osterzeit verschenkt' und verzehrt werden. Schon ans dem Jahre 772 vor unserer Zeitrechnung weisen chinesische Geschichtsquellen bemalte Eier zu Geschenken nach, die bei dein Tsing-Mingfeste eine Rolle spielten/ das zur Feier des Frühlings gefeiert wird, wenn das Gras grün (tfiug) und die Luft klar (nthtg) ist. Diesem chinesischen Osterfeste mit den Ostereiern entspricht der Zeit nach — im vermischtes. * Dichter und Ostereier. Daß Goethe, der stets vie Liebe und Freundlichkeit iür die Jugend zeigte, auch beim Osterfest der Kleinen gedachte und für sie Ostereier versteckte, ist wenig bekannt. Wir erfahren es durch den Dichter Friedrich von Matthisson, der davon in seiner Autobiographie erzählt. Matthisson,.der damals als Lehrer des Dessauer Philanthropms tätig war, kam im Jahre 1783 auf einer Reise nach Weimar. Er erzählt: „Goethe gab ein Kinderfest in einem Garten außerhalb der Stadt. Es galt Ostereier auszuwittern. Die muntere Jugend, worunter auch kleine Herder und Wielande waren, zerschlug sich durch den Garten und jubelte beim endlichen Entdecken der schlau verborgenen Schätze. Mitten in der mutwilligen Gruppe erschien Goethe als Avril — das altpersische Frühlingsfest Nenrnz, bei dem auch aesärbte Eier verschenkt wurden. Bei den slawischen^^Stammen wurden bei dem Frühlingsseste Leinice rote Eier verschenkt, und bei den germanischen Stämmen frndet sich gleichfalls seit alters her die SÜtezurOsterzeit, d. h. beim Begrüne des Frühlings, nicht auf die allzu mythologische Göttin Ostara und den ihr heiligen Hasen zurückzugreifen, um dre Erklärung für die Sitte des Ostereischenkens zu finden,dennsie tte^ - "Eg für selbst: mit dem Beginne des Frühlings beginne?'dZ Hühnkr ^eder fleißig Eier zu legen und es harscht UebeMuß an Eiern; ebenso ist die Legezeit vieler wilder Vogel, deren Eiern man nachstellt. Tas Christentum hat die heidnische Sitte des Ostereischenkens bereitwillig übernommen, zumal da sie sich mit seiner Symbolik trefslich vereinigen ließ; dazu kam noch daß beim jüdischen Passahfeste das Ei als Speise eine bedeutende Rolle spielt. Tie christliche Symbolik stimmt mtt der allgemeineren Symbolik ziemlich überein, die das El als Sinnbild ^er Nenbelebung der Welt, des Auferstehens, betrachtet. Ter Vergleich, Christus sei am Ostermorgen aus dem Grabe auferstanden, wie das junge Küchlein aus dem Ei, findet sich bei theologischen Schriftstellern, und Binterim fasst wörtlich: ..Wie alles aus dem Ei Mm Leben hervorgeht, so Ft auch kern Atter, kein Geschlecht unter den Menschen, das nicht durch die Auferstehung Christi zu neuem und besserem Leben auferstehen soll, und wie aus dem Ei, wenn es mit Erde bedeckt und erwärmt wird, lebende Geschöpfe hervorgehen, so hat der aus dem Grabe erstandene Erlöser auch uns als ferne Kinder erzeugl Tie Symbolik des Ostereis geht noch werter:, Rot und Gelb, Farben, die ursprünglich bei den bemalten Ostereiern am meisten verwendet wurden, sind die Farbe der Sonne; das Grün, Mit dem das Osterei bemalt wird, ist die Farbe des FEutgs und hierzu gibt es noch eine christliche Symbolik, die sich bei den Christen in Mesopotamien findet. H Y d e hat dort erfahren, daß die rote Farbe, mit der das Ei bemalt wird, zur Erinnerung an das vergossene Blut Christi verwendet wird. Die Sitte, Ofteteier zu bemalen, Hat sich in alter Zeit wett verbreitet und ist , als eine Art Hausindustrie zu hoher Blüte gelangt. Die urspnlng- liche Technik der Bemalung ist dabei recht einfach. Tie Rinde des Apfelbaumes, in Wasser gekocht, lieferte ursprünglich dre gelbe Färbung, die als Grundfarbe diente. Hierauf wurden mtt Wachs die Stellen bedeckt, die nun beim Kochen mit Zwiebelschattn tn Wasser nicht gerötet werden sollten. Dann wurde das Wachs wieder weggewischt, und auf dem jetzt gelb und rot bemalten Ei konnte die eigentliche Malerei beginnen, bei der Ornamente mtts ganz urwüchsigen Werkzeugen eingeritzt wurden. Blumen, Hauser, Menschenbildnisse, Symbole der christlichen Kirche, ja auch Verse wurden früher häufig auf Ostereiern angebracht, und m manchen Gegenden hat sich die Sitte noch erhalten. In manchen Dörfern des Ostens pflegten besonders Frauen die Hausindustrie des Ostereibemalens in ziemlich großem Maßstabe zu betreiben. Eine bisher ungelöste Rätselfrage ist es, weswegen man die Ostereier gerade auf den Osterhasen zurückfuhrt. Ter Zusammenhang mit Ostara und ihrem Hasen ist, tote bereits oben angedeutet, durchaus zweifelhaft: übrigens gibt es auch andere Tiere, die im landläufigen Glauben die Ostereier bringeii. Rach Reichardts Angaben ist es in eilnigen Landstrichen der Hahn, vielleicht aus Hase verdorben, der die Ostereier bringt. In Westfalen ist der Storch so freundlich, dies zu tun, tn Solling tut es der Kuckuck. Diese beiden letzten Angaben sind durchaus einleuchtend, weil Storch und Kuckuck als Frühlingsboten betrachtet werden. Nach einer namentlich in Frankreich wett verbreiteten Lesart stammen die Ostereier gar von den Ktrchen- glocken, die in der Karwoche nach Rom ziehen, um dort gesegnet zu werden. Im Fluge durch die Lust lassen sie dann auf dem Rückwege für die Kinder Ostereier zu Boden fallen. , Jedenfalls ist der Osterhase als Bringer der Ostereier eine ziemlich junge Errungenschaft. In älteren Büchern, ,z. B. Christof von Schmids „Ostereiern" ist von 'bunten Eiern viel, aber vom Osternhafen gar nicht die Rede, und überdies gibt es noch Landschaften, namentlich im Gebirge, in denen die Leute vom Osterhasen noch kaum gehört haben. Holtzmann erklärt tn seiner deutschen Mythologie, ihm sei der Osterhase unerklärlich. ein wohlgewogener, aber ernster Vater, oer zugleich Ehrfurcht und Liebe gebot. Ihre Spiele teilend und leitend, blieb er, btS es Abend ward, unter den Kindern." — Eduard Mörik« pflegte Ostereier mit Berschen zu beschreiben für seine nächsten Angehörtgen. Eins dieser Ostereier-Berschen ist erhalten geblieben. Es lautet: „Ostern ist zwar schon vorbei, Also dies kein Osterei l Doch wer sagt, es sei kein Segen, Wenn im Mat die Hasen legen? Aus der Pfanne, ans dem Schmalz Schmeckt ein Eilein jedenfalls, Und kurzum, mich tät's gaudieren, Dir dies Ei zu präsentteren, Und zugleich tat es mich kitzeln, Dir ein Rätsel draufzukritzeln. Tte Sophisten und die Pfaffen Stritten sich mit viel Geschrei: Was hat Gott ztierst erschaffen, Wohl die Henne? Wohl das Ei? Wäre das so schwer zu lösen? Erstlich ward ein Ei erdacht I Doch tueil noch kein Htihit gewesen, Schatz, so hat's der Has' gebracht." . kf. Die Mode des M ä n n e r ar mb and es scheint wieder aufleben zu wollen. Aber während man sich früher darauf beschränkte, einen einzelnen Reif um das Handgelenk zu tragen, werden jetzt mehrere juwelengeschmückte Armbänder angelegt. Man sagt, daß ein russischer Großfürst die neue Mode an der Riviera zuerst aufgebracht habe. Selbstverständlich haben sich sofort zahlreiche Nachahmer gefunden. Daß diese Mode zugunsten der Männer spricht, kann man gerade nicht behaupten! * Ideale Schwiegermütter. Alljährlich iM Frühjahr feiert man in Indiens Frauengemächern Familienfeste, bet denen es hoch hergeht — die sogenannten „SchwiegersohnsMte Die Schwiegermutter veranstaltet nach altem Brauche M Ehren ihrer Schwiegersöhne diese Schmauserei, bei der die Teilnehmer mit Leckerbissen geradezu gestopft werden sollen. Die Zärtlichkeit der indischen Schwiegermutter gegen den Mann ihrer Tochter ist dortzulande überhaupt etwas Sprichwörtliches. Doch nicht int Wnnderlande Indien allein gibt es solche idealen Schwiegermütter. Auch in anderen östlichen Ländern stellt der Volksmund dte Schwiegermutter hin als eine Persönlichkeit, die es, sich angelegen sein läßt, den Eidam zu verwöhnen, demütig zu bedienen und sein« Besuche festlich zu feiern. „Bei der Schwiegermutter ists hell, alles ist für den Eidam Mr Stell'," sagt das russisch« Sprich, wort, oder es heißt spottend: „Der Eidam ist vor der Tür, nun herbei mit Schnaps und Bier — der Eidam ist vor der, Klet^ nun her mit der Pastete!" Ja, weil die russische jömtertn sich gegen den Manu ihrer Tochter meist in Liebenswürdigkeiten geradezu überbietet, erhielt eine Art besonders süßer Eierkuchen sogar den Namen „Schwiegermütterchen". Auch Serbien tft ent gutes Land für Schwiegersöhne. Hat der Sohn des Hauses Verlangen nach einem besonders guten Gericht, so veranlaßt er seine Mutter, den Schwager einzuladen, denn dann kommt mit Bestimmtheit das Erlesenste auf den Tisch. Nicht anders! steht es bet den modernem Griechen. Ein neugriechisches Sprichwort, das Prof. O. Schrader in seiner Abhandlung „Die Schwiegermutter und der Hagestolz anführt, lautet: „Für den Schwiegersohn legt auch der Hahn.Eier, Ur den Sohn nicht einmal die Henne." Leider darf man,aber tnt Anschluß an das eben Gesagte nicht berichteit, dass tn jenen Ländern die Schwiegersöhne sich dieser idealen Schwiegermütter würdig erweisen. Je besser die Eidame behandelt werden, desto rücksichtsloser und anspruchsvoller wird ihr Gebühren, und namentlich in Rußland bedankt der Schwiegersohn sich bei der Schwiege^ mutter für alle ihm erwiesenen Guttaten nicht selten mtt dem birkenen Knüppel. * „Er"! Pikkolo (als das Büfettfräulein mit ihm grob isttt „Und da wundern sich die Weiber, wenn wir Männer keine Lust zum Heiraten haben!" Sitatenrätsel. , t . Aus jedem der folgenden Zitate ist ein Wort zu nehmen, so daß sich ein neues Zitat ergibt: 1. Der Krieg ist schrecklich rote des Himmels Plagen. 2. Der Menschen Sünden leben fort in Erz; Ihr edles Wirken schreiben, wir in Wasser. 8. Dies Kind, kein Engel ist so reinl 4. Seit außer Kurs die Tugend ist--• 6. Scheint die Sonne noch so schön, Einmal muß sie untergeh'n. 6. Gebraucht der Zeit, sie geht so schnell von hmnen. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummer: Danae — Ebers - »hodns — Fanta — Regensburg - Elbe — Illyrien — Haiti — Else — Interdikt; Der Freiheit eine Gasse. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lang«, Gieße»