1912 - M. 19) Domierrtag, den 5. Dezember Cl' ^ <7 5 » EMS ß S - W I I Das Amethyst-Fläschlein. Eine Erzählung von A. K. Green. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) 'Die untere Diele war zum Teil beleuchtet, von den Zimmern dagegen kern einziges. Ich betrat die Bibliothek und steckte das Licht an, wie es Sinclair verlangt hatte. Dann sah ich nach, ob die Türe zum Wintergarten geschlossen sei; sie war es nicht. Ich überzeugte mich durch einen aufmerksamen Mick, daß die Bibliothek dieses Mal keinen Hörer verbarg, und daß ich Sinclair ruhig seiner beabsichtigten Unterredung überlassen könne, ohne fürchten zu müssen, daß er darin gestört würde. Schließlich schlüpfte ich rasch hinaus, da ich mir dachte, er würde sehr bald, von seiner Ungeduld getrieben, eintreffen und begab mich auf einen Teil der Diele, wo das Licht der einzigen angezündeten Gasflamme nicht hindrang. „Ich will hier warten," dachte ich, und begann, von meiner Ungeduld und meinen überanstrengten Nerven getrieben, unruhig in meinem Winkel auf- und ab- zugehen. Aber bevor ich dies mehr als ein halbes Dutzend Mal getan, traf ein einziger, aber klarer Lichtstrahl mein Auge, der aus irgend einer halbgeöffneten Türe int Gang herausdrang. Neugierig eilte ich zurück, um zu sehen, ob jemand mich "in meinem Schlupfwinkel beobachtet hatte. HiÄei kam ich zu der kleinen Wendeltreppe, auf der vor einiger Zeit Sinclair rätselhafte Schritte vernommen hatte. Rührte dies Geräusch damals von Dorothea her? Und wenn dies der Fall toar, was hatte sie in diesen abgelegenen Teil des Hauses geführt? Furcht? Angst? Gewissensbisse? Eine Flucht vor sich selbst? Sbätte ich doch gewußt, wo sie von den zwei jungen Leuten aufgefunden worden war, die sie in das Zimmer ihrer Tante zurückgeführt hatten! Niemand hatte etwas darüber verlauten lassen, und ich war nicht in der Stimmung und Verfassung gewesen, darnach zu fragen. Als ich weiter vordrang, mußte ich mich plötzlich über meine eigene Vergeßlichkeit wuwdern. Das Licht, das meine Aufmerksamkeit erregt hatte, kam aus dem Zimmer, das zur Schaustellung von Fräulein Murrays Hochzeitsgeschen- fen diente. Dies hätte ich sofort wissen sollen, Ivar ich ja doch selbit bei ihrer Anordnung behilflich gewesen. Aber in dieser Nacht waren all meine geistigen Fähigkeiten abgestumpft — mit Ausnahme derjenigen, die nut Furcht imd Entsetzen in Beziehung standen. Bevor tcu meine Schritte waiidte, hielt ich einen Augenblick inne, nur einen Blick auf den Detektiv zu werfen, dem es oblag, das Zimmer mit seinen Schätzen Ku bewachen. Er saß m aller Ruhe auf seinem Posten; möglicherweise bemerkte er mich, er sah jedoch nicht auf. Merkwürdig, daß ich nicht an diesen Mann gedacht hatte, als ich oben auf Wache stand; ich war auch im Zweifel, ob Sinclair sich in jener Stunde an ihn erinnerte. Und doch mußte er unwillkürlich unsere Maßnahmen vom Beginn bis zum Ende beobachtet — mußte sogar den Schrei gehört haben —, so deutlich, wie ihn nur ein Wachender vernehmen konnte. Sollte ich ihn, fragen, ob dem so gewesen war? Nein. Vielleicht, weil ich nicht den Mut besaß, seine Antwort zu ertragen. Kurz «ach meiner Rückkehr auf die Diele hörte ich Schritte auf der großen Treppe und wurde der beiden Mädchen ansichtig, die gefolgt von Sinclair herunterkamen. Also hatte er bei seinem Versuche Glück gehabt, Dorothea zu veranlassen, herunterzukommen. Was würde das Ergebnis sein? Konnte ich meine Ungeduld so lange zügeln, bis die Unterredung vorüber sein würde? Als sie in den Bereich des Lichtes traten, das von der einsamen Gasflamme ausgiug, warf ich rasch einen Blick auf Gilbertine und vertiefte mich sodann in Dorotheas Züge. Ich verstand weder den Gesichtsansdruck der einen, noch den der anderen. Wenn es das Entsetzen war und nur das Entsetzen, daß sie beide so bleich und so unbewegt in den Mienen erscheinen ließ, dann war ihre Gemütserregung bei beiden ihrem Wesen, wie ihrer Stärke nach ähnlich. Wenn aber bei beiden Mädchen die Furcht vorherrschte, entsetzliche, lähmende Furcht, dann bezog sich dieselbe auf Dorothea. Denn während Gilbertine ohne zu zaudern Vorwärtsschritt, wurde Dorotheas Gang immer zögernder, und als sie die Bibliothek betreten sollte, Wendt.' sie sich plötzlich um und machte eine Bewegung, als wolle sie wieder die Treppe hinauffliehen. » Aber ein Blick Gilbertines, ein Wort Sinclairs gab ihr die Selbstbeherrschung wieder, und sie trat ein. Hinter ihnen schloß sich die Türe. Ich war meiner Aufgabe überlassen, einer möglichen Störung vorzubeugen, und verzehrte mich vor Ungeduld über den unerträglichen Aufschub. 6. Kapitel. Ich werde keine Beschreibung der Prüfungen geben, die ich nunmehr ausznhalten hatte, sondern die Unterredung erzählen, wie sie nach Sinclairs Bericht verlief. Sobald die Türe geschlossen war, und ehe noch eines der Mädchen ein Wort sagen konnte, bemerkte Sinclair zu Gilbertine: w Ich habe dich gebeten, hierherzukommen, da tch tue in Gegenwart deiner Cousine meine Teilnahme an dem Ereignis aussprechen möchte, das Sie beide mit einem Schlage Ihres langjährigen Vormunds beraubt hat. Auch möchte ich erklären, daß ich in Anbetracht dieses traurigen Ereignisses bereit bin, wenn du es vorzrehst, die Zeremonie zu verschieben, die leie ich hofste, heute unser Leben nut- einander vereinigen sollte. Dein Wunsch wird mir Befehl sein, Gilbertine; trotzdem ich die Vermutung nicht unterdrücken kann, daß du möglicherweise noch nie so sehr tote 762 heute die Teilnahme und bcn Schutz brauchen konntest, den dir nur ein Gatte angedeihen lassen kann. Er war so sehr gespannt, welchen Eindruck dieser leise Vorschlag ans Gilbertine machen wurde, daß er völlig vergaß, Dorothea anzusehen, trotzdem die Andeutung, daß bevorstehendes Nebel abznwehreil sei, ebenso sehr aus Dorothea als auf seine Braut gemünzt war. Im nächsten Augenblick schön bedauerte er die Unterlassung, besonders als er bemerkte, daß Dorothea ihre Haltung geändert hatte und nunmehr beide aiizuschauen vermied. ist deine Meinung, Gilbertine? fragte er in ernstem .s sie abwechselnd errötend und erbleichend vor ihm saß. -ch habe keine Meinung darüber. Ich habe nicht darüber nachgedacht — es ist die Sache anderer, das zu entscheiden — anderer, die besser wissen, als ich, was sich gehört. Ich danke dir für deine Teilnahme, fuhr sie fort, indem sie plötzlich ihre Stimme leidenschaftlich erhob, und ich wäre glücklich, dir in diesem Augenblick sagen zu können, was zu erwarten ist. Aber —.gib mir ein wenig Zeit — laß uns später darüber reden — am Morgen, wenn lvir uns alle ein wenig ausgeruht haben, nud wenn ich dich ganz allein werde sprechen können. Dorothea erhob sich. Soll ich gehen? fragte sie. Sinclair trat auf sie zu und berührte mit ruhigem Proteste ihre Schulter. Schweigend ließ sie sich wieder auf ihren Sessel zurückfallen. Ich möchte auch ein paar Worte mit Ihnen reden, Fräulein Camerden. Gilbertine wird entschuldigen; cs handelt sich um Dinge, die heute nacht noch entschieden werden müssen. Wir müssen Entschließungen und Anordnungen treffen. Frau Armstrong hat mich beauftragt, Sie darüber zu befragen, da Six mit den Angelegenheiten und allge- meinen Ansichten der .Frau Lansing am besten bekannt waren. Wir wollen Gilbertine nicht damit belästigen. Sie hat ihre eigenen Entschlüsse zu fassen. Meine Liebe, willst du es dir nicht int Palmengarten bequem machen, während ich mit Dorothea rede? Nur fünf Minuten? Sie erwiderte diese Frage mit einem derart erstaunten und verständnislosen Blick, daß er ruhig seinen Arm in den ihren legte und sie mit sanftem Zwang in den Palmengarten führte. Ich muß mit Dorothea reden, erklärte er und führte sie zu dem Lehnstuhle, in dem er sie so oft hatte fi c;t seh n. .Sei mein gehorsames Mädchen; ich werde dich nicht lauge warten lassen. Ja, aber warum soll ich nicht auf mein Zimmer gehen? Ich verstehe nicht — du bettnruhigst mich — was Hast, bit mit Dorothea zu verhandeln, das ich nicht wissen soll? Sie war augenscheinlich so aufgeregt, daß er eine Minute zögerte, ob er bei seinem Vorsatz beharren sollte. Dann aber ergriff er ihre Hand. Ich sagte es dir ja schon, betonte er ernst und küßte sie sanft auf die Stirne. Sei still, liebes Kind, lind bleib da. Da hast du Rosen! / Er pflückte einen kleinen Strauß und warf ihr die Blumeit in den Schoß. Dann wandte er sich wieder zur Bibliothek und schloß die Türe hinter sich ab. Ich bin nicht erstaunt darüber, daß Gilbertine über das Vorgehen ihres Bräutigams sich wunderte. Als Sinclair wieder die Bibliothek betrat, stand Dorothea alt der Türe zur Diele und hatte die Hand auf der Mnke. Sie hielt ihr Haupt gesenkt und nachdenklich, als kämpfe sie im Innern, ob sie ibaMeiben oder fliehen solle. Sinclair ließ ihr keine Wahl, länger zu zögern. Er ging mit raschem Schritt auf sie zu, legte ruhig seine Hand aus die ihrige, und ließ mit einem Ernste, der einen großen Eindruck auf sie gemacht haben muß, die ruhige Bemerkung fallen: Ich muß Sie bitten, hier zu blei b en und mit anzuhören, was ich Jh!nen zu sagen habe. Ich wollte Gilbertine schonen; ich wollte, ich könnte mit Ihnen desgleichen verfahren! Aber die Umstände lassen das nicht git. Sie wissen, und ich tveiß es auch, daß Ihre- Tante nicht infolge eines Herzschlages verschieden ist. Sie schreckte heftig zusammen; ihre Lippen bebten. Ihre ,Hand war bisher kalt gewesen; jetzt fühlte Sinclair, daß sie eisig wurde. Er zog seine Hand von der Berührung zurück. i Sie wissen es! stammelte sic unwillkürlich, zitternd und bleich. Ihre Hand machte eine instinktive Bewegung zum Haare. Gewiß; es ist nicht nötig, nach der Brosche zu suchen. Ich entnahm sie ihrem Verstecke, als ich Sie in Ihrer Ohnmacht auf Ihr Lager bettete. Hier ist sic. Er zog das Kleinod aus der Tasche und zeigte es ihr. Kaum warf sic. einen Blick darauf; ihre Augen starrten in namenlosem Schrecken aus ihrem Antlitz, und ihre Lippen schienen vergebens eine Frage zu formulieren. Sinclair versuchte, barmherzig mit ihr zu sein. Ich habe das Herzchen schon seit Stunden vermißt; es war nicht wehr in der Schublade, wo Sie alle gesehen hatten, daß ich es hineinlegte. Hätte ich gewußt, daß Sie es an sich genommen haben, so würde ich Ihnen wiederholt haben, tote todbringend sein Inhalt ist und wie gefährlich es war, die kleine Phiole zu öffnen oder andere öffnen zu lassen, oder sie gar an die Lippen zu führen. Sie erhob sich, und unwillkürlich dehnte sich ihre Gestalt zu ihrer ganzen Höhe. Haben Sie in das Herzchen geblickt, seitdem Sie es mir ans dem Haare nahmen? fragte sic. Jawohl. Dann wissen Sie also, daß es leer ist? Als Antwort drückte er -auf die Feder; das Deckelcheit sprang auf. Es ist jetzt nicht mehr leer, Ivie Sie sehen. — Dann fügte er langsam, mit leiser Betonung hinzu: Aber das Fläschchen ist es! Sie legte die Hände zusammen und schaute ihn mit edler'Würde ckn, wodurch die Unterredung wit einem Schlage in eine andere Tonart überging. Wo wurde dieses Fläschchen gefunden? fragte sie. Er sand es nicht leicht, zu antworten. Nunmehr schienen sie ihren Standpunkt ansgetauscht zu haben. Als er wieder das Wort fand, tönte seine Stimme leise und Weniger zuversichtlich als zuvor. •> Im Bette der alten Dame., Ich selbst fand es darin. Herr Worthington stand bei mir. Sonst weiß keine Seele darum. Ich möchte Ihnen Gelegenheit geben, das zu erklären. Ich fange an zu denken. Sie könnten dies — aber wie, Gott allein weiß es. Die Brosche war bett ganzen Abend über in Ihrem Haar versteckt. Ich bemerkte, wie Ihre Hand fortwährend darnach griff, solange wir fnt. Musikzimmcr tanzten, i (Fortsetzung folgt.) hedins Schimmel wagt den Codersprung. Aus: Transhimalaja. Dritter (Schluß-(Band. Von Sven Hedin. (Brockhans, Leipzig.)*) Dort, wo der Fluß am schmälsten ist und zwei vorspringende Felsen sich einander auf nur 13 Meter Abstand nähern, hat man die .Brücke über den Satledsch gespannt. In den einander zugekehrten senkrechten Mauern der Brückenköpfe find vier Lagen kurzer Balken eingemauert, deren oberste Lage, die auf den drei untersten ruht und durch sie Festigkeit erhält, am längsten ist und schräge aufwärts gerichtet ist. Auf ihrer Spitze ruhen die beiden runden und bedenklich schwankenden Baumstämme der Schwcbe- brücke, die ihrerseits die Holzplanken trageu. Was die Axt unterlassen hat, als es sich darum handelte, die Gangbahn der Brücke eben zu machen, das haben an ihrer Stelle die Abnutzung, der Regen und der Sonnenschein getan. Das Holzwrrk ist grauweiß, abgeschält und spröde, und das ganze Gerüst schaukelt unter den Schritten. Es heißt mit dem Leben spielen, wenn man nicht weiß, wann die Grenze der Elastizität erreicht ist. Die Breite der Brücke beträgt nur 1,2 Meter; ein schützendes Geländer ist nicht vorhanden. Die Tiefe des Flusses mußte hier bedeutend fein, die Breite betrug ja lvenig mehr als 13 Meter, aber die Stromgeschwindigkeit war schwindelerregend. Auch wenn wir im Besitze genügend langer Stangen zum Messen gewesen wären, hätten wir sie hier nicht benutzen können. Der Truck der kom-- pakten Wassermasse hätte sie wie Binsen zerknickt. Unmittelbar *) Durch das Entgegenkommen des Verlegers Brockhans sind wir in der Lage, nnscren Lesern einen interessanten Abschnitt aus dem soeben erscheinenden Schlußband von Hedins klassischem Werk „Transhimalaja" (geb. 10 Mk.) zu bieten. „ Er hat dieselben Vorzüge, die wir schott an den ersten zwei Bänden hervorgehoben haben, und er ist eine notwendige Ergänzung dieser.. Aber auch wer die früheren Bände nicht kennen sollte, wird gefesselt durch die wechfelvollen abenteuerlichen Schicksale, die der berühmte Forscher hier erzählt. 763 oberhalb der Brücke ragen einige Höcker aus anstehendem Gestein Hitb weiße Felfenzähne aus dem Wasser; zwischen ihnen wirbelt rind kocht teilteni> der Fluß, ehe er mit betäubendem Getöse und unter zischenden Schaumbüscheln und braungrauen Spritzwasserstrahlen sich in den engen Graben unter der Brücke hineinzwängt. Ein Tibeter kanr mit andern Ufer angelaufen. Er machte mit den Armen abwehrende Bewegungen, und mau konnte sehen, daß er etwas laut schrie, denn etwas anderes zu hören als das Tosen des Flusses Ivar unmöglich. Wir machten ihm Zeichen, daß er zu uns herüberkommen solle, und er kam. „Was ist denn los?" fragten wir ihn. „Die Brücke trägt das Gewicht eines Pferdes nicht, aber die Maulesel können vielleicht hinüber, ohne daß die Balken brechen." „Glaubst du denn, daß wir unsere Pferde hier lassen werden?" „Sie Knuten weiter abwärts durch den Fluß schwimmen. Sie sehen ja, daß der Langtschen-kamba bald in Breite zunimmt und ruhig wird." „Wenn die Brinke die Maulesel trägt, dann trägt sie die Pferde auch. Wir werden es ja sehen. Ich will nur hoffen, daß sie nicht gerade dann znsaMmenkracht, wenn die halbe Karawane hinüber ist, so daß wir getrennt werden." „Ich rate Ihnen, vorsichtig zu sein. Die Brücke ist morsch und schlecht." „Wie alt ist sie denn?" „Vor zehn Jahren ist sie zuletzt erneuert worden. Die Brückenköpfe sind aber vor dreißig Jahren gebaut." ‘ Die Ladaki sind von ihrer Heimat her an gefährliche Brücken gewöhnt. Sicher und breitbeinig gehen sie mit ihren Lasten auf dem Rücken hinüber. Nur immer ein Mann auf der Brücke! Mit einem Gefühle der Erleichterung sah ich, wie die letzte Last am andern Ufer hingelegt wurde, ging darauf selbst hinüber und stellte mich neben den linken Brückenkopf hin. Jetzt sind die Tiere an der Reihe. Wir hatten zehn Ziegen gekauft, die mich mit Milch versahen. Laßt sie zuerst die Brücke erproben! Ziegen sind mit Verstand nur schwach ausgerüstet. Die ganze Schar bleibt wie angewurzelt dastehen, wo der feste Brückenkopf in die Planken übergeht. Sie wollen nmkehren, weil sie etwas Unheimliches wittern. Der Fluß kocht unter ihnen. Hier muß eine Falltüre sein, die irgendeine Kanaille ihnen zum Verderben auf deu Weg gelegt hat! „Hinaus, mit euch, ihr Viehzeug!" ruft Tubges, der Hirt. Wenn sie nur so viel Verstand gehabt hatten, einzeln hinüber zu gehen, aber sie mußten es natürlich dicht aneinander gedrängt tun, auf die Gefahr hin, sich gegenseitig von der Brücke hinabzustoßen. Hinüber kamen sie, aber nur mit genauer Not. „Einer der Maulesel voran!" Ein kleiner aus Lhasa wird hinaufgetrieben. Er hat sicherlich schon früher Brücken gesehen, denn er bleibt ganz ruhig, und fängt die Sache klug an. Ohne Zögern betritt er die Planken und pariert ihr Schwanken mit weichen, elastischen Kniebewegungen. Er senkt den Kops ans die Brücke herab und beschnuppert sie beim Hinübergehen; er hält genau die Mittellinie ein. Mit derselben Selbstbeherrschung gehen seine Kameraden hinüber. Pferde sind dümmer als Maulesel, wenigstens beim Ueber- schreiten von Brücken. Unsere waren alle ans Tschang-tang und hätten in ihrem Leben noch nie eine Brücke gesehen. Das erste, das hinaufgetrieben wurde, scheute, machte kehrt und ging durch. NumMer zwei folgte seinem Beispiel. Nun mußten sie hiuüber- geführt werden. Damit aber das vergrößerte Gewicht die Balken nicht zu sehr belaste, wurde die Zugleine gerade so lang gemacht wie die Brücke, zwei Männer ergriffen sie und zogen aus Leibeskräften, während zwei andere von hinten auf das Tier losprügelten, bis das widerspenstige Pferd sich auf die Planken hinauswagte und, bebend wie diese, plump und gedankenlos hinübertrabte. Nun blieben noch die beiden Schimmel übrig, die ich dem Ränberhauptmäim Kamba Tsenam abgekauft hatte. Der eine, ein großes, kräftiges Tier, bäumte sich und zog der greulichen Brücke Hiebe und Schläge vor. Vielleicht konnten die Ziegen ihn beruhigen! Sie mußten den Spaziergang noch einmal machen. Da faßte das Pferd Mut und rannte, um so schnell wie möglich wieder auf festen Boden zu gelangen, chneeoecke in Deutschlaiid vorher zur Bildung gekommen, dann verstärkt sich der Frost noch an Ort und Stelle durch die starke Wärmeausstrahlung der Schneeslache. Dann kann auch der uns uie Temperatur bis 20 Gr. Kälte sinken. Es ist dies eine wahrhaft russische Kälte, ihrer Stärke wie ihrer Erstehung nach, toa sank am 10. Dezember 1879 das Thermometer selbst tm warmen Rheingebiet aus — 19 Grad. Ducham 8. Dezember -8 1 25 Dezember 1870, 29. Dezeniber 1887 wurden ähnliche Kältegrade beobachtet. Im Durchschnitt treten im Dezeml^r nur 7 Eistage (höchste Tageswärme unter 0 Gr.) und 16 ro,t- tage (Nachtteniperatur unter 0 Gr.) ein. Eine be; andere Aiw- nahme machte der Dezember 1879 mit 29 Frosttagen; dagegen hatte derselbe Monat 1868 nur einen einzigen Frosttag. Am häufigsten kommt im Dezember eine Tagestemperatur von 1 2 tpr. Wärme vor; die Tage mit Tau wett er sind allgemein häufiger als die Tage mit Frost. Die tiefsten Temperaturen werden am häiifigsten am 30. d. Mts. beobachtet. , Im Groß Herzogtum .Hessen wurden, im Zeitraum 1901—1910 folgende Monatstemperaturen gemessen: Darmstadt 1.8 Grad, Gießen 1.2 Gr B ad-Nau het m 10 Gr., Mainz 2.2 Gr., Offenbach 1.4 Gr., Michelstadt 1.2Gr., Schotten 0.5 Gr., Worms 1.8 Grad. Mit Beziehung auf Mittelgebirge (Vogelsberg und Odenwald) kann man eine Temperaturabnahme von 0.7 Gr. für je 100 Meter Erhebung ansetzen, so daß die Höhen oberhalb 700 Meter eilte Monatstemperatur von 2.5 Grad Kälte und darunter bentzen. Die mittlere Frostgrenze verläuft in einer ungesähren Hohe von 350 Meter. Charakteristisch für den Wärmegang im Dezember ist die Neigung zu stärkerer E r w ä r m u n g in der ersten Monatshälfte, die in ganz Westeuropa zu beobachten ist. Die mittlere Temperatur pflegt nicht, wie es der sinkenden Sonne entspräche, vom 1. Dez. an gleichm ä st i g a b zunehmen, sondern in großen Sprüngen mit W ä r m e rücktällen zu sinken. Während die langjährige Mitteltemperatur des 3. Dez. 1-0 Mad beträgt, finden wir am 6. 2.1 Gr., am 14. 1.8 Gr., 15. 2.0 Gr., 16. 1.8 Grad. Erst vom 17. an sinkt die Temperatur unter die des 3. und nimmt nun rasch und gleichmäßig ab. Die Ursachen dieser anormalen Erwärmung sind noch unberannt. Auch in Hosten tritt diese Erwärmung deutlich in die Erscheinung. Mittel- temveratur 1901-1910: Gießen 2.-6. Dez. 1.7 Gr., 7.-11. Dez. 2,4 Gr., 12.-16. Dez. 2,1 ®r-, lo—21. Skj. 1.2 Gr.; Schotten: 2.—6. Dez. 0.9 Gr., 7.—11. Dez^l.8 Gr., 12.-16. Dez. 1.6 Gr., 17.-21. Dez. 0 6 Gr; Mainz: 2.-6. Dez. 2.9 Gr., 7.-11. Dez. 3.5 Gr., 12.—16. , Dez. 3.0 Gr., 17.-21. Dez. 2.3 Grad. Der Dezember ist der n e b e l r e i ch st e und t r ü b st e Monat des ganzen Jahres. Nur 2—3 heitere Tage dürfen im Flachlande Mittel- und Luddeuftch- lands erwartet werden. Auch bezüglich der Anzahl der Nieder- schlagstage steht der Monat an erster Stelle, doch sind die Niederschlagsmengen selbst wegen der geringen Kraft der Sonne nicht besonders ergiebig. Schneetage dürfen im warmen Rhem- tal etwa 5—6 mal im Monat durchschnittlich erwartet werden. Der kalte Dezember 1878 brachte aber allein 16 Schneetage, während der Dezember 1868, 1873, 1888, 1898 völlig schneefrei blieb. An rund 8 Tagen liegt normalerweise morgens eilte Schneedecke, 1879 aber an 30 Tagen. In den Mittelgebirgen oberhalb 1000 Meter steigt die Anzahl der Tage mit Schneedecke auf 31 und nur ausnahmsweise in besonders milden Wintern sind diese Gebirge schneefrei. Die Schneedecke kann bereits einen Meter Höhe erreichen. Für Hessen seien im folgenden nach den Jahrbüchern des Großherzoglichen Hydrographischen Bureaus die mittleren Niederschlagshöhen in Millimeter, die Mzahl der Niederschlagstage sowie die Anzahl der Schneetage in Klammern mitgeteilt: Worms 32 Millimeter, 9 (4); Mainz 36 Millimeter, 10 (4); Lindenfels 71 Millimeter, 13 (7); Gernsheim 36 Millimeter, 10 (3); Felsberg 78 Millimeter, 12 (6); Darmstadt 47 Millimeter, 10 (5); Schotten 70, 12 (7); Grünberg 60, 12 (6); Bad-Nauheim 47, 10 (5); Herchenhain 106 Millimeter; Gießen 75 Millimeter, 9 (6); Grebenhain 101, 14 (9); Herbstein 97, 12 (10). Der vergangene November war in den meisten Gegenden in seiner . Temperatur etwas zu kühl. Die ersten 10 Monatstage hatten eine zu geringe Luftwärme, die aber im ganzen Monatsmittel durch die wärmeren übrigen 20 Tage nahe kompensiert wurde. Für Frankfurt a. M. berechnet sich das Monatsmittel auf rund 4 Grad gegen 4.6 Gr. normal. Berlin hatte 3.1 Gr. gegen 4.0 Gr. normal. Das Monats- nnttel der Temperatur um 8 Uhr morgens betrug in Metz 2.7 Grad, Karlsruhe 3.2 Gr., München —0.3 Gr. (zu kalt). Die entsprechenden Niederschlagsmengen erreichten 41 bezw. 56 und 47 Millimeter. Charakteristisch für den diesjährigen November war das häusige Fortschreiten der westlichen Zyklonen in rein östlicher Richtung. Dadurch kamen über West- und Mitteldeutschland öfter kühle West- und Nordwestwinde zur Entwicklung, die in ganz Ostdeutschland und auch im Nördlichen Mitteldeutschland wiederholt Schnee brachten. Die Mittelgebirge oberhalb 700 Meter trugen etwa vom 10. ab eine tiefe, geschlossene Schneedecke, die zur Ausübung des Wintersports reichlich Gelegenheit bot und durch die Schneefälle zu, Anfang des Dezember noch erheblich verstärkt wurde. Das frühe Eintreten der Schneedecke im Gebirge kann als günstiges Vorzeichen für einen dem Wintersport sehr geeigneten Winter aufgefastt werden. Auch Sie allgemeine europäische Luftdruckverteilung deutet daraus hin. _____________ wie seribe dar Luftspieischreiben ausgelrieben werden feilte. Bevor Seribe endgültig in die Reihen der Lustspieldichter ging, war er der Gehilfe eines Rechtsanwalts, eines Herrn Guil- lonnet-Merville, der auch die Ehre gehabt hatte, Honorä de Balzac beschäftigt zu haben, auf den er jedoch nie gut zu sprechen war. Hingegen war Seribe bei ihm so etwas wie Hahn tm Korbe; eines allerdings konnte er an ihm nicht billigen, und das war seine große Vorliebe für das Theater und alles, was mit diesem zusammenhing. „Diesem jungen Manne wird es noch mal schlecht ergehen", pflegte er von Seribe zu sagen, „und das ist schade um ihn; denn er ist ziemlich intelligent." Eines abends, so berichtet der ,Lntermediaire des Chercheurs et des C irieitj" erfuhr der Rechtsanwalt, daß ein kleines einaktiges Lustspiel aus der Feder seines Gehilfen in einem Theater zur Ausführung gelangen würde. Diesmal wollte er .ihm aber gehörig den Kopf waschen; galt es doch, ihn entweder zu retten, oder, wie er vermeinte, ins Verderben rennen zu lassen. Mit Hilfe seines Bruders, der Rat am Kassationsgerichtshofe war, verpflichtete Herr Guillonnct-Merville für den Abend der Lust- spielaufführung eine „Claque", die nach Leibeskräften zischen, pfeifen und Radau machen mußte. Das Stück siel durch. Als Seribe am anderen Morgen im Bureau erschien, sprachen sein Vorgesetzter und dessen Bruder ihm ihr tiefstes Beileid aus, und legten ihm ans Herz, doch Einkehr bei sich zu halten und lieber in seinem Berufe ein tüchtiger Mann zu werden, als mit derartigen Schreibereien die Zeit zu vertändeln. Seribe hatte die beiden Heuchler im Theater wohl bemerkt und ihm schwante etwas von ihren Listen. Er wandte sich an den Rat: „Aber Herr Rat, weshalb wollen Sie mich denn so niutlos machen? Ich glaubte. Sie haben sich auch früher mal als Lustspieldichter versucht und einen ganz netten Erfolg gehabt." — „Ach!" bekam er zur Antwort, „das waren so Jugendsünden, die man im Alter veracht. Uebrigens ist mein Lustspiel nie zur Aufführung gelangt " — „Da bin ich aber neugierig, das Erzeugnis Ihrer Must einmal zu sehen," warf Seribe ein. Der Rat ließ sich nicht lange nötigen; er pertraute ihm das Manuskript an. Nach einigen Tagen gab Seribe «s ihm wieder. Gleichzeitig aber machte er ihm folgendes Geständnis: ,Hch muß um Ihre Verzeihung bitten; aber ich habe wieder einmal ein Lustspiel verbrochen, und ich bitte Sie, der Erstaufführung beizuwohnen, Falle ich auch mit diesem Lustspiel herein, so schwöre ich, daß ich die Finger von der Dichterei lassen werde." Tie beiden Brüder willfahrten dem Wunsche des jungen Lustspieldichters. Wer aber beschrecht das Erstaunen des Rates, als der Vorhang hochgeht und Szene für Szene sein eigenes Lustspiel aufgeführt imrb; gerade nur die Namen und -einige Kleinigkeiten waren geändert worden. Das Stück errang einen vollen Erfolg. Als man den Autor sehen wollte, erklärte ein Schauspieler, daß dieser anonym zu blechen wünsche. Am anderen Morgen beglückwünschten die Brüder Guillonnet den jungen Lustspieldichter zu seiner geistreichen Rache und rieten ihm, den Beruf zu ergreifen, zu dem ihn sein Herz ziehe. humoristisches. "Auch eine Annehmlichkeit. Dame: „Ich finde, daß das Reisen in England bedeutend angenehmer ist wie bei uns." — Baron: „Ich auch, Gnädigste: bin monatelang dort gereift ohne jemals einem Gläubiger zu begegnen." * Frommer Wunsch. Dieb (auf 'dem Jahrmarkt): „O, das ich tausend Hände hätte." 4. Schwimmvogel. Auflösung in nächster Nummer. Magisches Auadrat. In die Felder nebenstehenden Quadrats sind die. Buchstaben A B B E E E E L L N X 0 0 0 T T derart einzutragen, daß die wagerechten u. senkrecht.Reihen gleichlautend folgendes bedeuten: 1. Einen Strom. 2. Französische Stadt. 3, Ein Fahrzeug. Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer: Bahn, Sa hn. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Nerlgg der Briihl'schei> Uni»->rsitäts-Buch- und ©feinbmeterei, R. Lanae, Gießen»