(9(2 - Nk. 86 s W 'fin «KWÄ» i AHW^'^oLÄM^W M»MM DW VM / > । ;fe ’ Die von Gründingen. Roman von Freiherr von Schlicht. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Der Baron durchschaute die Komödie des Grafen ganz genau: „Apropos, da fällt mir ein, ich hatte vorhin einen Brief von der Frau Gräfin " „Ah -?" Der Graf setzte sich in Positur und machte ein erwartungsvolles Gesicht. „So so, meine Frau hat Ihnen geschrieben — etwas von Bedeutung?" „Die Gräfin bat mich, beizeiten wegen eines neuen Reitpferdes für Komtesse Alexa Umschau zu halten und mich wegen des Preises, den Sie dafür anlegen wollen, mit Ihnen in Verbindung zu setzen." „Ja, richtig, meine Frau sprach mir auch schon davon. Aber da haben Sie natürlich ganz freie Hand, Herr Baron. Ob der Gaul einen Taler mehr kostet oder nicht, — die Hauptsache bleibt, daß er das wert ist, was wir dafür bezahlen. Da verlasse ich mich ganz auf Ihr Urteil." Der Baron dankte für das in ihn gesetzte Vertrauen, dann fragte der Graf: „Und schreibt meine Frau Ihnen sonst noch etwas?" Das klang so gleichgültig wie nur möglich, aber der Baron lieh sich auch jetzt nicht täuschen. Er hatte gleich erraten, was vorgefallen war, und was die Gräfin zu dem Schreiben an ihn veranlaßt hatte. „Die Gräfin entschuldigt sich bei mir, daß sie beim Luncheon fehlen wird, sie schreibt: wir müßten gestern Wend doch wohl etwas zu laug und etwas zu ausführlich über einige adelige Personen, an denen sie reges Interesse nahm, gesprochen haben, denn die Gestalten hätten sie schlecht schlafen lassen und sie selbst in ihre Träume hinein verfolgt. Die Gräfin klagt über Migräne." Der Graf sah da — mit offenem Mund und starren Augen — und blickte unverwandt den Baron an. Sprach ber die Wahrheit, hatte die Gräfin wirklich selbst eine Ermüdung vorgeschätzt, um es ihrem Gatten dadurch einfach ganz unmöglich zu machen, den Baron für die nächsten Abende von ihr fernzuhalten? — Mit einem fast hörbaren Laut klappte er seine beiden Kinnladen wieder zusammen, und nach einer kurzen Pause entfuhr ihm von neuem der Ausruf: „Ja ja, die Weiber!" Am liebsten hätte der Baron laut aufgelacht, denn mit stillem Vergnügen hatte er ja jeden Abend beobachtet, iuie die Gräfin unruhig nach dem Kartentisch hinsah, wenn er mit dem Grafen (Scarte spielte, und ebenso hatte er die gequälten und unruhigen Gesichtszüge des Schloß- Herrn bemerkt, wenn die Geschichten der Gräfin gar kein Ende nahmen. Daß das über kurz ober läng zu einem kleinen ehelichen Krieg führen, und daß man durch klein« Intrigen versuchen würde, ihn der einen oder anderen Partei abspenstig zu machen, das hatte er lange vorans- gesehen. Und nun hatte der Krieg begonnen. „Ja ja, die Weiber —" wiederholte der Graf noch einmal. Und der Baron merkte: der Seufzer kam aus tiefstem Herzen, und er wußte sehr genau, auf wen sich der Ausdruck bezog. Trotzdem sagte er jetzt: „Ich würde mich an Ihre» Stelle doch nicht so über die Hofgängerinnen ärgern —." Der Graf blickte den anderen ganz verständnislos an: „Die Hofgängerinnen —? Was habe ich mit denen zu schaffen? — Ach so, ja, richtig! Sie haben ganz recht, die verdienen es gar nicht, daß man sich über sie aus- regt. Ich will gleich noch 'mal den Verwalter rufen lassen, der soll die Weiber noch 'mal zusammennehmen und bann mit einem heiligen Kreuz'himmelbonnerwetter bazwischenfähren. — Auf Wiebersehen nachher beim Frühstück." Und draußen war er. Mit einem vergnügten Lachen lauschte der Baron den sorteilenben Schritten. Der Graf dachte natürlich nicht baran, zu dem Verwalter zu gehen, was sollte er auch da, die Hofgängerinnen hatte er sich ja doch nur erfunden, um seinen Ausruf motivieren zu können. Der Baron setzte sich an seinen Schreibtisch, um einem Berliner Freund über seinen Aufenthalt hier auf Schloß Gründingen zu berichten. Jeden Tag nahm er sich's vor, aber ebenso oft blieb der Brief ungeschrieben. Und auch jetzt nahm er nicht die Feder zur Hand. Die Zigarre im Munde, die Füße weit von sich gestreckt, lohnte er sich behaglich in dem bequemen Schreibstuhl hintenüber und dachte und träumte. Es war doch wirklich mehr als Glück gewesen, daß gerade Gründingens die Annonce gelesen und daraus geantwortet hatten! Gewiß war die Anzeige nur ihretwegen erlassen, — aber wie leicht hätten sie diese übersehen, ober wenn sie sie auch lasen, unberücksichtigt lassen können! Er hatte allerdings im Tattersall gehört, daß man dem Grafen empfohlen hatte, sich für die Komtessen nochmals einen tüchtigen Lehrer zu engagieren, aber trotz alledem — das Glück blieb dasselbe. Es kam ihm manchmal so vor, als hätte er die feste Absicht gehabt, in der Lotterie zu gewinnen, und als hätte er lediglich durch seinen Willen das große Los gezogen! „Hans int Glück" nannte er sich oft selbst. Er ließ auch jetzt seinen Blick durch das große, schöne Arbeitszimmer gleiten, das in einem Ton gehalten war: rote Tapeten, ebensolche Vorhänge und Portieren, und auf dem Fußboden schwere Smyrnateppiche. Aus einer Nische hervor leuchteten die schneeweißen Glieder der aus Marmov prachtvotl gemeißelten „Ariadne", auf dem Panther reitend, und an den Wänden hingen schöne Bilder ersteo Maler. 342 Er dachte zurück an seine Keine Wohnung, die er trt Berlin inne hatte. Er war stol zdarauf, daß er sich nach Zeiten der bittersten Not wenigstens so weit emporgearbeitet hatte, sich einige Möbel selbst kaufen und bte „scheußlichsten Scheußlichkeiten" seiner Wirtin auf den Boden schicken zu können! Da waren Sofakissen gewefen mit der schön gestickteil Inschrift: „Nur ern Brertelstundchen . Auch das entsetzliche Vertikow hatte nicht gefehlt, und ein selbstgestickter Teppich hatte den Fußboden bedeckt. Einfach gräßlich! Und doch war die Wirtin auf chre Sachen ebenso stolz gewesen, wie er auf die Einrichtung, die er sich selbst anschaffte. Und anstatt es Übelzunehmen, — wie der Baron e» fast fürchtete, — daß, er ihrq Sachen hinauswarf, war sie glücklich, ihre Heiligtümer zu retten, — „denn besser werden die schönen Sachen durch den Gebrauch nicht — das brauchen der Herr Baron nicht zu glauben." , Er mochte gar nicht an seine Rückkehr nach Berlin denken, noch weniger an seine Wirtin. Das war zwar eine gebildete, aber trotzdem sehr beschränkte Frau, die ihren Baron liebte und es für ihre Pflicht hielt, ihren Mieter, der so still und zurückgezogen lebte, etwas zu unterhalten und zu zerstreuen. Von ihrem Geschwätz gelangweilt, schickte er sie oft, sich zu einem Scherz zwingend, hinaus, aber unter irgend einem Vorwand kam sie sicher sehr bald zu einer anderen Tür wieder herein. Und doch konnte er sich sehr freuen, daß er «es wenigstens noch so gut getroffen hatte. Denn als er einmal von einem" Pferd einen Schlag erhalten und Wochen hindurch hatte das Bett hüten müssen, da hatte sie in rührender Weise für ihn gesorgt und es auf das entschiedenste ab gelehnt, dafür irgend welche Bezahlung anzunehmen, ja, selbst ein Geschenk hatte sie zurückgewiesen. Gewiß, er hatte es da trotz alledem ganz gut, — aber seit langer Zeit war er hier endlich einmal wieder „Mensch unter Menschen". Par inter Pares'. Gründingens bewiesen wirklich echten Herzeustakt, sie zeigten ihm in keiner Weise, daß er nicht nur der Gast ihres Hauses war, und auch jetzt hörten sie noch nicht auf, zu fragen, ob er noch irgend welche Wünsche habe. Alle waren von der größten Liebenswürdigkeit gegen ihn. Selbst für die Dienstboten, die doch sicher ganz genau wußten, daß er für seine Tätigkeit hier bezahlt wurde, war er nur der Herr Baron, zu dem sie voller Respekt aufsahen. Nur Dagmar trat ihm immer noch kühl und reserviert gegenüber und zeigte ihm deutlich, daß sie sehr wohl wußte, weshalb er hier war, und daß seine Keckheit sie nicht verwirre. Manchmal begriff er sich ja selbst nicht. Und in den ersten Tagen, als er mit Liebenswürdigkeiten überhäuft wurde, hatte er sich die schwersten Vorwürfe gemacht, daß er es gewagt hatte, hier einzudringen. Dann aber war doch sein Stolz wieder erwacht. War er auch kein Graf, so hatte doch auch sein Name einen guten Klang, seine Ahnen gingen weit zurück. Und daß er in leichtsinniger Weise sein Gelb vergeudet hatte, konnte ihm jetzt, wo er ehrlich! arbeitete und seine Kenntnisse benutzte, um sich ohne fremde Hilfe durch das Leben zu schlagen, nicht mehr zum Vorwurf gemacht werden. Trotzdem kamen dann doch wieder Stunden, in denen er sich sagte: wenn du guch tausendmal der Baron bist — in erster Linie bleibst du doch der Reitlehrer, der für seine Dienste bezahlt wird. Lange hatte er geschwankt, ob ,er ein Honorar fordern solle oder nicht. Schließlich hätte er sich doch Dagmars wegen dazu entschlossen. Er wußte, sie tv-ürde sich seinem Herkommen weniger widersetzen, wenn er als bezahlter Angestellter, als wenn er nur gls Gast erschien. Und er hatte sich darin nicht geirrt. Aber das Honorar, das ihm der Graf am Tag seiner Ankunft im voraus für die nächsten Monate durch den Rendanten hatte überweisen lassen, lag noch heute unberührt in seinem Schreibtisch. Er wollte es zurückgeben an dem Tag, an dein er das Gut verließ. Hatte er betnt das Spiel verloren, war es ihm bann nicht geglückt, Dagmar zu gewinnen, dann wollte er ihr wenigstens nicht den Triumph gönnen, daß sie fugen könnte: das mehr als anständige Honorar, das ihm für die nächste Zeit eine sorglose Zukunft bietet, wird ihn schon über den Verlust hinüwgtrösten, und daß er das Geld annahm, beweist ja, daß es ihm in erster Linie darum zu tun wär. Er brauchte das Honorar nicht. Aber selbst wenn er in bitterster Not gewesen wäre: er hätte lieber gehungert- als daß er Dagmar Gelegenheit zu solchen Aeußerung^ ^'Denn daß sie so sprechen würde, schon um sich unU ihr Verhalten vor sich selbst zu rechtfertigen, wußte «v ganz genau. n Der Klang des „Gong-gong", der zum Luncheon rief, ließ ihn aus feinen Gedanken auffähren, und, lächelnd betrachtete er den leeren Briefbogen, — selbst die lieber» schrift fehlte noch, nur Ort und Datum waren ausgefüllt« aber das letztere war schon zu wiederholten Malen aus- gestrichen und durch das der folgenden Tage ersetzt. Und er nahm sich fest vor, den Brief nun morgen wirklich abzuschicken. .— — — Es war in den letzten Tagen überhaupt von nichts anderem gesprochen worden, als von der bevorstehenden Ankunft von Hans. Bei dem Luncheon, vor und nach dem Diner wurde dieses Thema erörtert, und die Gräfin vergaß über ihren Sohn ganz, daß es auch noch andere Adelige gäbe, jiber die es sich zu sprechen verlohne, imb der Graf hatte nicht einmal den Wunsch nach einer Partie Ecartö. Er faß noch, schweigsamer als gewöhnlich, während die anderen sich unterhielten, bei seiner großen Diner- Zigarre und ,versuchte aus seiner Jugendzeit heraus die Erinnerungen daran hervorzuholen, was er denn bei solchen Gelegenheiten eigentlich guf dem Kerbholz gehabt hatte, wenn er als „verlorener Sohn" reumütig für einige Zeit ins Elternhaus zurückkehrte — —. Aber er mußte sich gestehen: das Verzeichnis seiner Jugendsünden war zu groß, es siel ihn'r so viel ein, daß es einem wahren Chaos glich wie konnte er da sagen! dies war gn diesem Tag, dies' an jenem? Mochte Hans kommen, sein Geldschrank war gefüllt, Er hatte ,aus seinem Reservefonds bei der „Deutschen Bank" sich einige zehntausend« Mark schicken lassen, die würden schon hen ersten Ansturm aushalten. Wenn nicht, na, denn nicht. Dann mußten — wie es beim Mititäp hieß — noch weitere Reserven herangezogen werden. Wozu waren hie sonst da, doch« nicht nur, nur auf dem! Bauch zu liegen und zu schlafen? Ihm fiel plötzlich aus seiner Leutnantszeit dieses Wort einer hohen Exzellenz, wieder ein, das den Unbeteiligten ein heiteres Lachen, den davon Betroffenen aber ein schmerzhaftes Lusammenzucken verursachte — das war ein Todesurteil in heiterer Farm gewesen. Ueberhaupt — hiese Verabschiedungen. Der Graf ivar viel zu gutmütig und viel zu weichherzig, nm' dieses harte, grausame Prinzip billigen zu können, trotzdem' er dessen Notwendigkeit ja schließlich nicht leugnen konnte. So ivar er auch deshalb schon froh, nicht mehr im bunten Rock zu stecken, da brauchte er es auch nicht länger mit anzusehen, wie die .anderen um ihn herum für ihre Existenz kämpften und in her beständigen Furcht der Verabschiedung zitterten. Nein, er war nie gern Offizier gewesen, und wenn er nicht sieben Jahre hätte aushalten müssen, uw das Gut zu erben, wenn er nicht durch seine Dienstzeit um das Schloß seiner Ahnen sieben Jahre hätte werben müssen, wie seligen Angedenkens Jakob um Lea und Rahel, er wäre schon viel eher fortgegangen. Das war der einzige Punkt, in dem Vater und Sohu nicht übereinstimmten: Hans war mit Leib und Seele Offizier. (Fortsetzung folgt.) Auszug aus dem hochsurstlich Hessen-Darmstädtischen Staats- und Adretz-Aalender aus das Jahr $789. In dem HochKrstlich-Hessen-Darmstädtischen Staats- und Adreß-Kälender aufbas Jahr 1789 firchet sich folgende Beschreibung von Gvoßen-Linden: Großeu-Linden ist eine der ältesten Städte des OberfürsteN-- thums. Sie soll ihren Namen von den.großen Lindenbäumen, die teils vor, teils in der Stadt häufig gewachsen find, erhalten haben« Sie war in den ältesten Zeiten eine Vestung mit einer Citadelle versehen, und einer Mauer und Wallgraben umgeben« Bon beiden ersteren sind keine Spuren mehr übrig. Der Wau ist Heggrabeu, umgiebt noch jetzt den öst- und südlichen Teil der Stadt, ist mit Eichbäumen und anderen Holzgattungen bewachsene und wird von der Bürgerschaft dem Landesherrn verzinset. Als die LandgrMn Sophia ihren Sohn Henrich das Kcno aus Brabant kommen und das Land ihm Huldigen,' ließ, versagte ihm 343 Set Landstand Großen-Linden diese Wicht, worauf im Jahre 1248 die Vestungswerker der Stadt geschleift, imd ihre Burghäuser zerstöret wurden. Bis jetzt hat sich die Sage unter Großen-Lindens alten Einwohnern erhalten, daß die Tempelherrn in ihren Maumn «inen Siz gehabt, und das Rathhaus bewohnt haben sollen. Dieses alte geräumige Gebäude läßt so etwas vermuthen, aber nichts mit Gewißheit bestimmen. Gin gewisser ohngesehr eine halbe Stunde vvn hier entlegener Ort führet den Namen: Gerichtshaus, wo ehedessen ein Hochgericht nebst einem Hanse gestanden, Md die Missethäten mit dem Tode bestraft worden sind. Bei diesem Blutgericht hatten die in Großenlinden resi- dirende Burgmänner den Vorsiz, die Schöffen aber, oder der engere Ausschuß, aus item mit Großenlinden verbundenen Hüttenberg, die Concurrenz. In Großmlinden, der Hauptstadt des Hüften- bergs, war der Siz der Jurisdiction, es mußten alle Contracte «ns den einschlagenden Dorfschaften daselbst confirmirt lötib; besiegelt werden. Die ältesten noch vorhandenen Urkunden dieser Art sind diejenigen, worin der Kirche zu Lützellinden der Ankauf eines Wiesenstücks durch Herrn von Schlaun von Linden und B'tirgmann zu Giessen (einer alten hier blühenden Familie) 1481 zugesichert wird, und noch andere Stiftungs- und Donationsbriefe der Kapelle zu Ällendorf, gestellt, von Hm. Konrad von Busek im I. 1489 und durch Junkern Kaspar von Schlaun zu Linden vonftrmirt. Bon der Mitte des 16ten Jahrhunderts aber haben dergleichen Urkunden ihre Consirmation von dem in Großenlinden angestellten Centgrafen und Schnlthcisen der Stadt und des ganzen Hüttenbergs erhalten. Bis 1703 wurde die Jurisdiction hier und in dem Hütten- berg mit Nassau-Weilburg gemeinschaftlich verwaltet. Großen- linden aber hatte das ausschliessende Recht, mit Wein, Bier und Branntwein die anderen Ortschaften zu Belegen. In diesem Jahr theilten sich beide Herrschaften in Ansehung des Hüttenbergs ab. Und die Stadt verlor diesen ausschliessenden Nahrnugszweig. Ueberhaupt ist das Ansehen dieser Stadt, seitdem ihre Ber- hindung mit dem Hüttenberg ausgehört hat, sehr gesunken. An- ftrngs wurde der ganze Hessische Antheil des Hüttenbergs zu' dem Oberamt Giessen gezogen, nachher ein Teil desselben wieder davon abgetheilt, Äroslinden aber bei demselben gelassen. Die städtische Angelegenheiten werden vom Bürgermeister mit Zuziehung des Raths verwaltet. Dieser besteht aus 12 Personen! und den: Stadtschreiber. Sechs werden die Schöffen oder Öbcr- 6 aber der Unterrath genennt. Die Anzahl der Einwohner beläuft sich auf 120 Bürger, die sich insgesamMt vom Ackerbau nähren. Die Feldgemarkung der Stadt beträgt 1954 Morgen 22 Ruthen. Ueberdas liegt aber auch noch ein Wald, die Mark genannt, in dem Großenlinder! Bann, welcher 535 Morgen 78 Ruthen groß ist, und der. Stadt, deut diesseitigen Dorf Leihgestern, nnd den beiden Weilburgischen Dörfern Hörnsheim und Lützellinden gemeinschaftlich zustehet. Das Land ist für alle Fruchtarten sehr ergiebig, und belohnt den Fleiß seines Besitzers, und da Großenlinden an der Land- stvase, von Giessen und Wetzlar nicht weit entfernt, liegt, so wird es den Einwohnern nicht schwer, ihre Prodüften gegen ftingende Münze zu vertauschen. Korn, Gerste und Waizen sind die vorzüglichsten Produfte. Drei in der Stadt sich befindende Färbereien, welche der Leinwand die dauerhafteste blaue Farbe geben, sind seit langer Zeit berühmt. Ern Bach, der auf den Cleegebirgen entspringt, und durch einen Teil der Stadt läuft, treibt drei schöne und beträchtlich« Mühlen, deren eine an der Landstraße gelegen, eine ErbleihMühle der Universität Giessen, sich durch ihre schöne Bauart und Vortheilhafte Lage, vorzüglich ansnimmt. Den Zehnden entrichtet Großenlinden an unverschiedene ade- liche Familien, Klöster, Stifter und ihre beiden Pfarreien, Einen kleinen Bezirk, welcher vermuthlich in neuern Zeiten urbar gemacht worden, bezehndet die Landesherrschaft, auch besitzen die Herren von Fabrice «aus Hannover das ansehnlich« ehemals Schlaunische Guth samt einem geräumigen Haus. Großenlinden entrichtet im Ganzen jährlich 365 Achtel Korn Ian unterschiedene Stifter, Klöster und Pfarreien. Diese Abgaben würde die Stadt weniger empfinden, wenn sie der Mangel an dem nöthigen Brennholz nicht so ausserordentlich drüfte. Ihr Wald, den sie mit Leihgestern und den beiden Weilburgischen Ortschaften Lützellinden und Hörirsheim gemein hat, und welcher im testen Krieg von den Franzosen vieles erlitten hat, ist äusser Stand, dieses Bedürfnis hinlänglich zu beftiedigen. Uebrigens bestehen die Gemeinheiten der Stadt in beträchtlichen Wiesengründen unb dem Pflastergeld, welche ans Temporalbestand verliehen sind, und jährlich mehrere hundert Gulden eintragen. Die Gegend um Großenlinden wechselt ab mit kleinen Anhöhen und Plänen, Md ist fttr das Ange sehr unkerhaltenßn Gutes Wasser, und eilte reine Luft, erhält ihre Einwohner gesund. Und führt sie öfters auf die höchste Stufe des menschlichen Atters. Die Kirche zu Großenlinden ist eine alte Kreuzkirche, über dem Chor mit einer Haupt- ans beiden Seiten des Eingangs aber mit zween Nebenthüren versehen. Sie war die Haupts Md Meiropolstanftrche der ganzen Gegend, in welcher sich die umliegenden Dorfschaften zum Gottesdienst einfanden. Nur öa> wo Kapellen standen, wurde derselbe von ihren Geistlichen zu gewissen Zeiten versehen. Auf der südlichen Seite des Nebeneingangs befindet sick) eine männliche in Sandstein eingehauene Figur, in der rechten Hand eine Spade, in der linken aber einen Stab mit einer Kreuzsahne haltend, welche viele für den Stifter derselben halten wollen, lieber dein Hanpteingang der Kirchenthüre findet man allerhand menschlich^-thierische nnd andere Figuren in großer Anzahl, welche nicht blos Verzierungen, vielleicht die Wappen derer, welche den Bau derselben befördert haben, vorstellen sollen. Zwei Stücke möchten in ihr bemerkenswerth sehn; 1.) der von schwarzem Marmor errMete Altar und Taufstein, welche beide Stücke ihr Dasehn einem Hrn. v. Fabrice, Ober- unti Landshauptmann in dem Hanovrischen, zu verdanken haben; 2.) der aus dem PabstthNm übrig gebliebene Hohe Altar, vor welchem vor Alters die Messen gelesen und die Sacra administriret worden. Dieser führt, wie Ms einer auf Pergament in Mönchs- schrift abgefaßten Urkunde von 1407 erhellt, den Namen Peters Astar. Auf diesem Vvn Mauerwerk errichtet und mit einer Sandstein- platte überlegten Altar stehet ein in mehrere Gefache eingetheilter und mit stark verguldeten Statuen, die sich theils auf biblisch« Geschichten, theils auf Päbstische Legenden beziehen, angesülltep Kasten, der zu seiner Zeit seinen Werth gehabt haben mag. Auf beiden Seiten gedachten Altars erblikt man in ber MM er zwei eiserne Thüren, welche in zerstörte, dunkle und schauervotle Gemächer führen, deren Bestimmung nicht sicher be- kannt ist, welche aber wahrscheinlich für Bußende bestimmt waren. Zur rechten Seite der Treppe, die auf die Orgel führt, ist die Grabschrift eines Herrn Cuno von Rodenhausen mit vielen Wappenstücken zn sehen, welcher 1551 gestorben. Der erste protestantische Prediger dahier war M. Joh. Stock-. Hansen, weicher den 25ten Jauner 1595 gestorben ist. Die Gemeinde Kleinlinden ist nach Großenlinden eingepfarrt. So lange die Anzahl seiner Einwohner geringer war, wurden! alle Actus ininisteriales in Großenlinden verrichtet, sogar ihte Toden auf dem Gottesacker daselbst auf dem ihnen angewiesenen Ort, • welcher der Lindeser Kirchhof hieß, begraben. . Nachdem sich aber dieselbe ansehnlich vermehrt hatte, ließ sie sich irt einen Kontrakt mit dem hiesigen Pfarrer ein, wodurch sie ihren eignen Gottesdienst, jedoch unter gewissen Einschränkungen, erhielte. Unter den Diakonen, welche allhier gestanden, zeichnete sich der 1783 verstorbene Pfarrer Arnoldi durch fein Privatinstitut für Taubstumme aus. Wir haben befielt in den vorjähriges Jahrgängen des Adreßkalenders mehrmalen erwähnt. Mit der Schule zu Großenlinden hatte es laut Nachrichten Ms dem löten Seculo ähnliche Beschaffenheit wie mit der ftrch- lichen Verfassung daselbst. Sie war die Pflanzschule des Hüttenbergs, und dazu funbiret, ihren Zöglingen die ersten Grundsätze der Hähern Wissenschaften mitzutheilen. Niemand äusser dem Hüttenberg durste sich Hoffnung machen, zu diesem Beneficium zu gelangen, weil besonders dazu angestellte Personen den Mißbrauch zu verhüten hatten. Auszug aus dem H ochfürstlich-H e ssen- D ar m- städti scheu Staats- und Adre ß-Kal end er auf b a § Jahr 1789. An ebendemselben Orte findet sich folgendes Mitgliederverzeichnis des Hüttenberger Seniorats. Senior. Herr Ehr. Fr. Lindemneyer, Oberpfarrer zn Großen-Linden. Großen-Linben: Oberpfarrer (f. Senior), Diakonus, Herr N. N. Degen, auch Pfarrer zu Ällendorf; Schullehrer, Herr I. H. Pöppler. Klein-Linden: Schullehrer, Herr I. G. Fritsche. Ällendorf: Schullehrer, Herr Jakob Hinkelmann. Hausen: Pfarrer, Herr Phil. Henr. Balth. Bogt; Schullehrer, Herr Justus Friedrich Atzbach. Annerod: Schullehrer, Herr I. L. Schäfer. Heuchelheim: Pfarrer, Herr G. C. Steinberger; Schullehrer, Herr Joh. Henkelmann. Kirchgöns: Pfarrer, Herr G. Henr. Ehr. Burk; Schullehrer, Hr. Joh. Konrad Sommerlad. Langgöns: Pfarrer, Herr Johannes Sell; Schullehrer, Herr Hieronymus Fritsche. Leihgestern: Pfarrer, Herr Joh. Henr. Weichard, Schullehrer, Herr Hieronymus Sommerlad; Ässistent, Herr Christian Sommerlad. Pohlgöns: Pfarrer, Herr Christ. Mor. Kornmesser; Adjunkt, Herr Friedrich Andreas Seipel; Schullehrer, Herr Georg Wilhelm Panz. Rodheim: Pfarrer, Herr Fel. Christ. Georgi; Schullehrer, Herr Johann Karl Marx; Opfermann und Glöckner, N. N. Lupp; Adjunkt, N. N. Lupp. Fellingshausen: Schullehrer, Herr I. G. Paulus. Watzenborn: Pfarrer, Herr Henrich G. Nebel; Schullehrer, Herr Georg Andreas Sommerlad. Garbenteich: Schullehrer, Herr I. M. Briegel. 344 h7—h 8 Sanier f und Matt. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'Ichen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lang«, 1. 2. 3. Charade. Dem Ersten traue nicht zu viel, Schon Mancher wurde arg betrogen; Er wollt' es erjagen in dem Spiel: Heim ist er mit leeren Taschen gezogen. Drückt dich die Hitze allzusehr, Willst frische Luft du haben. Dem Zweiten daun den Rücken kehr', Des Waldes Grün wird besser dich laben. Willst du die beiden nun verbinden: Nach Schleswig führ' ich dich sofort; Ich glaube, Freund, leicht wirst du finden . Das Ganze als einen Hasenort. (Rust, m nächst. Das deutsche Versailles. Der Schwetzinger Park, dieser glänzende Edelstem nn Schatz- S*Ä ÄX- äw«= allen europäischen Mrsten nachgeaHmt Mirde.Ii, » n,,dwiq XIII Saute sich Heinrich IV. ern Jagdschkoßcheu, ^s don Ludwig vottcnMtlvttrde Ä?schm dm Blumenhecken und Marmorgruppen trtnM Pit die aalanten Dämchen, scherzten die vornehnnen UerkdJ französischen Hofes und in glitzerndem Staub, verwehten die Wasser der Springwellen. Künstler kamen und gingen, und Mns des Schlosses durcheilte die Welt. .. . ... Wünsche und Nacheiferung lvurden rege. Die kleineren sFürsten kopierten mehr oder weniger gut bas französische Hmtmeu. ^c diese Zeit fällt auch die Herstellung des Schwetzinger «chlotzgartens. Für. seine Entwicklung war der Regierungsantritt. des feu- sinnigen Kurfürsten Karl Theodor von höchster debmtung. hat es verstanden mit vorzüglichem Geschmack und lebhaftem Kunstverständnis unter Mitarbeit bedeutender Künstler euren wnnder- vollen Park - ein wahres Märchenland -.an dm Utzn des Rheines entstehen zu lassen. In dem schon früher, unter Kurfürst Johann Wilhelm erbauten Schlosse wurden prächtige Frstte gegeben und der .Lebensbecher wurde von durstenden- -wpen m vollen Zügen geleert. Fürsten und Achter Philosophen und Komponisten weilten an die,em reiKendm Fleckchen Erde, das wie ein zweites Eden in lieblicher stilledcchrnsann. Der Eindruck, den dieser Garten m dem treibenden Grün des Frühlings und dem munteren Farbenschmuck hervortust, ist Wie vorzüglich hat man das Auge., zu kesseln, dm Sinn zu begeistern gewußt, und doch alles so natürlich, w selbstverständlich. Rechts und links vom Eingang durch das Schloß stehen Bleistatuen der arkadischen und böotischen Mlante, die von dem be- rühmten französischen Bildhauer Edmo Bvuchardvil für den Park des Polenkönigs Stanislaus hergestellt wurden. Nach. denen Tode gingen sie in den Besitz Karl Theodors über, her sie nach dem Gewicht, das Pfund zu 10 Sous = 40 Pfennig ankaufte. Bier Sandsteinurnen des Genter Bildhauers Berschaffelt, Symbole des Kriegs und Friedens, des Vaterlandes und der Fruchtbarkeit, Hilden den Uebergang zu der großen Mlee, in deren Mitte., em prächtiger Springbrunnen sein Wasser in rauschenden Fontänen in die Luft speit. Ariou, der göttliche Sänger und SeterWider taucht:auf einem Delphin aus den ruhlosen Wellen,.die vier Kinder auf Reihern und Schwänen umtosen. Das Bassm ivird durch vier kleine Anlagen eingefaßt, in denen Urnen aus karrarischem Marmor leuchten, die die Musik, Poesie, Malerei und Architektur versinnbildlichen. Weiterhin wird das Wasserbecken auf den «eiten von vier Obelisken und im Vorder- und Hintergrund von schlangen- fontünen umschlossen. Einen gewissen Abschluß bildet das Hirschbassin, das zwei verfolgte, zusammengebvocheue Hirsche darstellt, die aus geöffneten Mäulern Wasser Hervorstößen. Um das Ganze gruppieren sich noch einige Urnen von Matthäus v. d. Branden und die vier Elemente in feinem Sandstein von Verschaffelt. Folgt mail dem Plane weiter nach rechts in dm Gang, so kommt man zu einem zarten wundersam wirkenden Werke plastischer Darstellung. In grünlichem Dämmer steigt die göttliche Galatea aus den spiegelnden Fluten, die ihr Bild sanft gewellt zurücktverfen. Ihr Marmorleib glänzt in warmem Weiß und ein alter Triton streckt verlangend die Hand nach ihr empor. Es ist wie in dem Zauberland des Schönen. Durch das junggrüne Laub schimmern zivei Bilder des Bacchus und der bocksfüßige Hirtengolt Pan, der mit seinen seltsamen Beinchen auf einem schönen Tusfsteinblock sitzt und die Flöte spielt. Mit zu den großartigsten Partim gehört aber der „Hain des Apollo", der im Jahre 1769 vollendet würbe. In einem Tempelchen ionischen Stiles erblicken wir den Gott der Lieder und des Lichtes, der mit der linken Hand die Leier rührt. Auf eine Frage des Kurfürsten, warum der Gott mit der linken Hand spiele, soll Ber- schasselt, der das Werk schuf, gesagt haben, Apollo Wäre doch ein erbärmlicher Gott, wenn er nur mit der rechten Hand spielen könnte. Auf felsigem Sockel erhebt sich der seichte Bau und aus einem weit geöffneten Röhre ergießt sich die „Quelle der Begeisterung" in eilt Becken, das von zwei, ans einem Stück gebildeten, Najaden bewacht wird. In halbkreisförmiger Anordnung ruhen vor dem Gebäude sechs „Löwenweiber", die Frömmigkeit, Herrschaft, Zufriedenheit, Schönheit, Weisheit und Lebensgenuß .darstellen sollen. Die Gesichter sollen nach Hofdamen der Zeit gebildet sein. Bemerkenswert ist außerdem das Badhaus, ein von Pigage in italienischem Stil errichteter Ban, mit Medaillons zweier römischer Kaiser. Am Eingang befinden sich zwei Gipsfiguren, rechts ein Fann, links Amor, auf der anderen Seite der lytische Apollo und „Lar", der göttliche Hausherr. Im Innern ein prachtvolles Deckengemälde, vier weibliche Statuen, »spielende^ Kinder" und Gipsreliefs. .. Alle Schönheiten der wundervollen Gardenanlage zu erwähnen, würde zu weit führen, da überall da, ,wo es der Raum und vov Auflösung der Schach-Aufgabe in voriger Nummert Weiß Schwarz. L d 4 — e 3 K d 5 — e 5. D d 2 — d 7 Ke5-f6. allem der Keschntack erlaubt, Misten, Basen,. Untennsw. mit feinem Empfinden aufgestel t wurden Eine zrem ich humorvolie Schöpfung sind die „wasserspMenden Bogel P mag cs. Gute .große Anzahl Munterer Vögel speien vom hohen Grtterwerk LerA einen tJtctubDoQel, bet in einem tmtbeit röciffin. fi&t. ^yn bie^citti Raume war eine Menagerie Karl Theodors untergebracht, „Z die Bogelhäuschen sind heute für Singvogel, eingerichtet. Erwähnenswert ist auch noch die „Fernsicht — ernt optische Täuschung, die einst den vollen Beifall Kaiser JosepM II. erntete — die englische und französische Gartetmnlage und das römische Wasserkastell. Die englischen Gartemmlagen sind nach den Ideen des Borkshirer Malers Kent ausgefuhrt, der als Erster verlangte, daß man die Gärten nach den Gesehen der Natur gestalte. Das römische Wasserkastell, ein Tnffsteinbau, wurde von Pigage entworfen und von Stell ausgeMrt. Die Form ist vrückenarttz und in. hohen Bogen gewölbt. Zwei Bildnereien, aus gebranntem Ton, die dem Mauerwerk einverleibt sind, stellen den schiffbaren und fischreichen Strom dar. _ . 1 Der Merkurtempel, ebenfalls etn künstlerisches Zeichen versunkener Zeiten, ist von den beiden obengenannten Kistlern hergestellt. Aus dem umgebenden Grün hebt sich der einfache schöne Bau, dessen Giebelfelder mit Marmorreliess von Pozzi ausaeschmückt sind, geschmackvoll ab Von dem Turm aus bietet sich ein hübscher Blick auf die Umgebung Als letztes und vielleicht herrlichstes Bauwerk mochte ich noch die „Moschee" erwähnen, die nach dem Vorbild der größten und heiligsten in Mekka erbaut ist und einen geradezu bezaubernden Eindritck macht, wenn man sie vom See aus erblickt, auf beut' Schwäne wie verzauberte Prinzen in prächtigen Bogen.umherzieh« Ruhe und Frieden waltet über der ganzen Anlage und mit einen Gefühl der Befriedigung verläßt man beit Ort, an dem edle, vet- ständige Menschen eine Kunstsammlung geschaffen haben, die noch spätere Geschlechter mit Achtung und Freude erfüllen Wirb. --------------- 0. Nth. Vermischtes. kf. Ruhe, Frau! Der Gerichtshof in Illinois war kürzlich der Schattplatz einer erheiternden Szene. Gerade hatte der Richter mit würdevollem Ernste einen jungen Mann wegen ruhestörendem Lärm zu 40 Mark Geldstrafe verurteilt, als auä dem Hintergründe eine Fraueustiinnte erscholl: „Tas ist eine Schande!" Der Richter erkannte sofort die Stimme seines Ehe- gesponstes und laut rief er in den Saal hinein: „Ruhe, Frau!' Aber seine Frau geriet noch mehr in Aufregung und ihren Lippen entströmten die Worte: „Du alter Schafskopf l Du denkst, Tu bist sehr klug! Aber warte, bis Du nach Hause kommst I" Der Richte: verurteilte die „Dame" zu einer Geldstrafe von 100 Mark „wegen Ungebühr vor Gericht", und als sie sich weigerte, zu zahlet,, da befahl er kurzerhand, sie ins Gefängnis abzuiühren. Selbstverständlich wurde „sie" nun hysterisch, und schließlich machte der Rtchler- Ehemann der uuliebsameu Szene ein Ende, indem er sein Scheckbuch aus der Tasche zog, und die Strafe, zu der er seine Frau verurteilt hatte, selbst erlegte. Ick. Die t h e rm it e n s i ch e r e Bibel. Wohl die außer- gewöhnlichste Form, in der das Wort Gottes gedruckt worden ift, stellt die Bibel in der Ugandasprache dar. Bei einer Breite von 71/, Zentimeter und der gleichen Dicke hat sie eine große Länge. Weshalb die Uganda-Bibel gerade in einer derartigen Form gedruckt worden ist, liegt atr ganz eigentümlichen Umständen. In Zettlralasrika sind uämlich die ärgsten Bücherseinde die Thermtlen, die alles Papier zersresseu, wenn es nicht sorgfältig geschützt wird. Da nun aber in jenen Gegenden Biskuits ein sehr beliebtes Gericht sind, und besonders die bevorzugt werben, welche Peek, Frecm and Co. in langen Zinnbüchsen verlausen, so ivollte man öte Zimtbüchsen gleichzeitig als „Bibelschutzmittel" verwenden. Da lag es denn auf der Hand, daß mau eben die Bibelform der Btskmt- büchse anpaßte, da die Biskttitstrma die Form ihrer Zinnbuchsen nicht der gewöhnlichen Bibel aitbequemen wollte.