tz % e w«([ iLmM M- M (912 - Nr. 53 Mittwoch den 3. April \'v ^eßEMElienbl AntechaldmzsblMM l(ßic^cncr^n)eigcr(ßmfra!,ln}fijer) Der König von Thule. Roman von Paul Grabern. (Nachdruck verboten.)' (Fortsetzung.) Es lag in seinem ernsten Wesen so etwas Vertraueneinflößendes, daß sie bei ihm die allzeit wache Vorsicht dergaß, die sie sonst im Verkehr mit Männern jede Annäherung sofort abweisen ließ. Ohne jede Befangenheit hielt sie auch seinem langen Blick stand. Er hatte eine so eigene Art einen anzusehen, still-forschend, aber nicht zudringlich und neugierig; es char der Blick des Arztes, der in die Seele drang, um helfen zu können. Run gab er ihre Hand wieder frei. „Es freut mich, daß Sie nicht so sind, wie ich erst glaubte. Nun wird mir ihre Bekanntschaft eine wertvolle Erinnerung sein." Ein Gefühl leiser Traurigkeit überflog sie. Es tat ihr S1 Wohl, jemanden gefunden zu haben, zu dem sie sich ohne cheu aussprechen konnte; aber nun sollte sie ihn, kaum gefunden, gleich wieder verlieren. Sie gab diesem Empfinden offenen Ausdruck: „Schade, daß unsere Bekanntschaft nur so flüchtig bleiben muß. Ich glaube. Sie wären der Arzt, der mir helfen könnte." „Sie würden Vertrauen zu mir haben —' volles Vertrauen?" „Vollstes?" Sie sah ihn fest an. Er erwiderte ihren Blick, aber antwortete dann nicht gleich. Schweigend schritten sie so nebeneinander her, neben diesem lautlos ruhenden Meer mit seinem gleißenden, die Augen blendenden Spiegel, der eine hypnotische, die Sinne traumhaft einlullende Macht ausübte. „Wie lange sind Sie schon wieder allein — von Ihrem Wann getrennt?" Unwillkürlich fragte er es, aus tiefem Schweigen heraus. „Drei Jahre." -,Und Sie sind ganz allein — haben keine Kinder?" „Doch, einen Jungen von bald neun Jahren." Es lag ein eigener, leiser Klang über ihren Worten, gls wolle er deren Wert abschwächen; aber es entging ihm. „Wie?" rief er erstaunt. „So müssen Sie ja als ein halbes Kind noch geheiratet haben?" Sie lächelte trübe. „Leider ja! Ich war noch nicht achtzehn Jahre." „Dann freilich! —. -Aber wie konnten Ihre Eltern das nut zu geb en?" „Ich war Waise, und mein Vormund war froh, mich los zu werden." „Ach so — Sie armes Kind!" Er stellte sie sich in Arer unberatenen, hilflosen Jugend von damals vor. Kein warmer mitleidsvoller Blick haftete auf ihrem Antlitz. Wie anders mochte dieses Gesicht einst mit seinen achtzehn Jahren ausgeschaut haben, ehe bitteres Leid es vorzeitig blaß und müde gemacht hatte. „Sie liebten Ihren Mann damals wohl sehr? — Verzeihung, es ist nicht Neugier! —" Rasch fügte er es hinzu, als er es schmerzlich in ihren Zügen aufzucken sah. „Ich weiß es." Ein dankbarer, weicher Blick streifte ihn; dann wandte sie die Augen von ihm ab und vor sich hin, ins Weite. Mit leiser, trauriger Stimme erzählte sie: „Ich hatte eine schwärmerische Liebe zu meinem Mann. Er ist ein großer Künstler — seine Geige schmeichelt sich einem ins Herz. Ich liebe Musik sehr, besonders sein Instrument, das ich selbst spiele — so kam es. Auf einer Gesellschaft lernte ich ihn, den schon lange Bewundernden, persönlich kennen, und «vom ersten Moment an loderte es auch bei ihm auf. — Ich ahnte ja damals noch nicht, daß es nur seine entflammten Sinne waren, die aus seinem heißen Werben sprachen. Ich war selig, wie trunken vor Glück, daß der berühmte, von aller Welt verwöhnte Künstler mich anbetete, vor mir jungem Dinge auf den Knien lag! War es nur, weil ich sonst nicht sein werden konnte, 'war es vielleicht auch wirklich, wie er später behauptete, eine Selbsttäuschung, die ihm eine echte Liebe zu mir vorgaukelte — kurzum, er heiratete mich. Er, der Günstling der Frauen, dem sie alle sonst zugefallen waren ohne diese überflüssige Formalität." Eine unsagbare Verachtung klang aus ihrer Stimme. „Ich hatte ja damals natürlich von all dem keine Ahnung. Ich glaubte, einer ewig währenden Seligkeit entgegenzugehen. lind in beit ersten Monaten unserer Ehe — ich muß es anerkennen — war mein Mann auch von einer mich wahrhaft berauschenden Liebenswürdigkeit ilnd Zartheit. Er trug mich auf Händen, er vergötterte mich —- ich war das glückseligste Geschöpf auf Gottes Erdboden." Eine kleine Pause trat ein; dann fuhr sie mit ernster Stimme fort: „Bald aber kam das Unglück; mit der Zeit, wo das Kind sich ankündigte. Ich war sehr zart, und der Arzt verlangte größte Schonung für mich. Das aber war ein tiefer Verdruß für meinen Mann. An so etwas hatte er beim Heiraten nie gedacht. Er war ein krasser Egoist, eine Natur, die außer seiner Kunst nur ein leidenschaftliches Ausgehen in Genüssen kannte. Hätte es immer so weiter gehen können tote im Anfang, too er mit mir seinen unvernünftigen Kultus treiben konnte, möglich, daß unser Glück von Dauer geblieben wäre. So aber kam eine große Enttäuschung und Unbefriedigung über ihn; er wurde nervös, reizbar, später unbeschreiblich rücksichtslos, ja brutal gegen mich-, und endlich kam, was kommen mußte: er suchte bei fremden Frauen, was ihm die eigene nicht bieterr , konnte." 210 Sie tyatte, während sie so sprach', es vermieden, ihn «nzusehen, und auch er hatte zartfühlend seinen Blick vor sich hingerichtet. „Arme, arme Frau!" Leise klangen nur die Laute^seiner Weichen, tiefen Stimme an ihr Ohr. „Und in dieser Seelenverfassung schenkten Sie seinem Kinde das Leben?" „Ja!" Ein dumpfer, stöhnender Laut brach sich von ihren zusammengepreßten Lippen, es Ivar wie ein verspätetes Echo all des unsagbaren Jammers, der damals ihre Brust zerrissen hatte. 9hnt zog es seine Blicke unwiderstehlich zu ihr hin. Wie selbstverständlich griff er zu ihrer Linken, und wie bei einer Patientin hielt er diese kalte, zuckende Frauenhand zwischen seiner: Fingern, die mit sanftem, streichelnden Druck ihr tröstend Ruhe geben wollten. Und es war ihr wirklich, als fiihle sie es lindernd und wohltuend, aus seinen festen, ruhigen Händen zu ihr überströmen. Ein warmes Dankesgefühl gegen ihn quoll heimlich in ihr auf. Gefaßt zog sie nach einigen Augenblicken ihre Linke von ihm zurück und, sich ausrichtend, tief Atem holend, erzählte sie weiter: „Lassen Sie mich über die schwerste Zeit meines Lebens schnell hinweggehen. Erst hofste ich noch immer, meinen Mann zurückgewinnen zu können — ich wäre ja bereit gewesen, um meiner aufrichtigen Liebe willen, ihm alles zu verzeihen. Aber ich muhte allmählich erkennen, daß der Bann, in den ich ihn einst gezogen hatte, für immer zerrissen war. Da hoffte ich wenigstens noch, daß er um oes Kindes willen sich besinnen würde. Doch auch dies Hosfen war vergeblich. Sein Kind war ihm nicht nur glerchgültig, nein, er haßte es fast — war es doch nur eine Fessel, die ihn unlöslich an mich knüpfen sollte. Um so toller trieb er es daher nur, schließlich so rücksichtslos und schamlos, daß meine Frauenehre dem Gespött aller preisgegeben war. Da beschwor ich ihn, wenn er schon mich nicht liebte, mich.doch als die Mutter seines Kindes zu achten und zu schonen, aber ein höhnisches brutales Wort war die Antwort. Er gab mir flar zu verstehen, daß ich ihm schon gerade genug zur Last sei. Seine Freiheit, seine Zukunft habe er durch diese spießbürgerlichen Eheketten verscherzt — er wolle rein Wort mehr hören!" Ein Zittern erschütterte ihren Leib noch jetzt in der Erinnerung an diese Schmach, und gequält fuhr sie fort: „In dieser Stunde erstarb der Rest meiner Liebe für ihn. Ich haßte, ich verachtete ihn seitdem; aber dennoch blieb ich bei ihm — und das war das furchtbarste Opfer, das ich mir auferlegte! — ich blieb bei ihm, um des Kindes willen. Es sollte mich nicht dereinst mit sttllem Vorwurf nach seinem Vater fragen. Aber diese entsetzlichen Jahre haben mich innerlich zugrunde gerichtet. Ich war ja wie ein Hund, der trotz tagtäglicher Fußtritte bei seinem Herrn in sklavischer Treue verweilt. Ich konnte mich selbst nicht mehr achten, ich hatte einen Abscheu vor mir, und dennoch, dennoch hielt ich aus!" „Und was alles in jener Zeit an Eklem sonst noch an. mich herankroch. Mein Unglück war ja stadtbekannt, da hielt es jeder der Herren unseres Verkehrs für feiif gutes Recht, sich der „armen, kleinen Frau" zu nähern, um ihr auf seine Art Trost zu spenden! — Ah!" es flammte sprühend in ihren Augen auf, wie sie sich nun ihm leiben» schaftlich zuwaudte, „ich habe die Männer verachten gelernt, noch mehr fast als jene Frauen, die an meinem Unglück Schuld trugen!" In heftigster Erregung hob sich ihre Brust. „So ist Ihnen also nichts erspart geblieben!" Fast erschüttert sagte er es. „Aber wie wnrden Sie endlich von jenem Elenden frei?" „Er lief davon. Er!" Mit hohnvollem Auflachen stieß sie es aus. „Das Leben an meiner Seite wäre ihm unerträglich — der Künstler in ihiu ginge darunter zugrunde! Mit einer jener Seelenfreundinnen, die sich seiner so opferfreudig aunah'men, ging er in die Welt hinaus, zu einer großen Konzerttournee im Auslande. — Erst brach ich fast zusammen unter diesem letzten Schlage. Dann aber kam es über mich tote ein Gefühl der Erlösung: so war ich. also denn nun wirklich endlich frei von ihm! Ich hätte auf meinem Platz ja ausgehalten bis zum Umsinken, aber zr selbst hatte die Trennung herbeigeführt." „So hatte ich mir vor meinem Kinde denn nichts vor- zsttoerfen, und ich klagte nun meinerseits auf gerichtliche Scheidung der Ehe, die er ja bereits tatsächlich aufgelöst hatte. Da es sich um bösliches Verlassen handelte — jene anderen Vergehen wollte ich nicht zum Gegenstände etnes skandalösen Prozesses machen —so dauerte die Entscheidung lange. Bor Jahresfrist erst ist daher das Urteil gesprochen worden, das ihm die Schuld beimaß und mir das Kind! beließ. — Das war denn das Ende." Mit einem tiefen Seufzer llang iHv trauriger Bericht aus. Die Erinnerung an jene Lewenszeit hatte all das schlummerilde Weh in ihrer Brust wieder wachgerufen, daß es in tausend Wundert qualvoll brannte; und dennoch war es ihr eine wohltuende Erleichterung, daß sie darüber gesprochen hatte. Zum erstenmal! Noch nie hatte je ein Mensch von ihr all das gehört. Schweigend ging ihr Begleiter neben ihr her, tief gesenkten Hauptes; plötzlich aber blieb er stehen und hielt ihr beide Hände hin. „Halten Sie mein Schweigen nicht für Teilitahmslosig- fcit. Im Gegenteil —" aus feinen Augen leuchtete es jetzt warm auf, und seine Stimme war bewegt — „ich bin tief ergriffen von Ihrem Geschick. Was hat das Leben Ihnen getan. Sie arme, arme Frau! Wenn ein Wunsch aus innerstem Herzen helfen könnte, so möchte ich in dieser Stunde vom Himmel alles Gute für Sie erbitten. Könnte ich Ihnen doch irgendwie dienen! Aber wie traurig, daß ich Ihnen nichts geben kann." „Sie haben mir viel gegeben," mit innigem Dank drückte sie seine Hände, „mit Ihrer Teilnahme, Ihrem Verständnis. Ich habe mich ttach solcher Aussprache ja jahrelang gesehnt." Sie hatte sich wieder frei von ihm gemacht und begann nun langsam den Weg am Strand nach der Stadt zurück- zugchen. „In Ihrer Heimat haben Sie niemanden, zu dem Sie sich aussprechen könnten?" so nahm nach längerem Stillschweigen der Arzt das Gespräch wieder auf. „Keinen," erwiderte Frau Söllnitz. „Sogenannte gute Bekannte zu Dutzenden ■— aber niemanden, dem ich mein Inneres zeigen könnte." „Nun verstehe ich freilich Ihr Wort vorhin. Wirklich, Sie haben recht. Man kann mitten in der Gesellschaft einsamer sein, als in der Wildnis." (Fortsetzung folgt.) Die ttüche im April. Von A. Burg. Zn seiner ersten Hälfte noch als etwas schwieriger Küchen- monat der Ucbergangszeit bekannt, bietet der April in der zweiten Halste dann schon viele junge frühlingsmäßige Gemüse: Spargel, junge unreife Stachelbeeren, heimischen Kopfsalat, schönen großblättrigen Spinat u. a. m. Namentlich aber für den grünen Donnerstag gilt neben dem Spinat der junge Sprossenkohl — doch damit wären wir bereits glücklich bei der bekannten Oster- kräutersnppe und dem traditionellen Osterlamm. Um mit der Ostersuppe zu beginnen, so hat die moderns Küche mit dem alten Aberglauben gebrochen, es müßten gerade jene drei mal drei Heilkräuter, angefaitgen von der Schafgarbe bis zum Korbelkraut, dazu verwendet werden, sondern mau läßt das eine oder andere aus der Neunzahl fort, gibt oft Sauerampfer ober Spinatblätter dazu, wobei freilich Petersilie und Schnittlauch, sonst als Würzkräuter sehr beliebt, nicht in Frage kommen, da bereit intensives Aroma das zarte, bitterliche der Wildkräuter verdrängt. — Tas Osterlamm soll eigentlich ein „richtiges" Lamm fein, d. h. ein junges Schaf, welches noch keine andere Nahrung als Milch gehabt hat. Vielfach wird dieses Fleisch aber als etwas zu weichlich empfunden, weshalb es gar nicht schadet, wenn das Lamm — neben der Milchnahrung — schon ein wenig Weide- futter, wie Gras, Kräuter usw. erhielt. Lammrücken und die beiden Lammkeulen geben, schön gespickt, in Butter mit Zugabe von saurer Sahne gebraten, einen seinen Ofterbraten. Tie Verwendung des zarten. Lammfleisches als Ragout, als Paprikafleisch, auf Wiener Backhähulart ober zu einem pikanten Sardellen-Lammfleischgericht —? all diese Arten sind der deutschen Küche nicht allgemein bekannt und geben doch sämtliche sehr frühlingsmäßige Mahlzeiten. Zum Ausbacken in kochendem Fett eignet sich Lammfleisch vorzüglich: Man schneidet handgroße, singerstarke Scheiben, klopft und salzt sie, wendet sie in Mehl, verquirltem Ei, bann in gesiebter geriebener Semmel und backt sie, in reichlichem kochenden Schweinefett schwimmend, auf allen Seiten goldbraun, hebt sie mit dem Schaumlöffel heraus, bestreut sie mit feingehackter Petersilie und gibt sie entweder mit Kopfsalat ober Brunnenkresse ober mit einem warmen, feinen Gemüse: Schoten, Karotten, Spinat, Sauerampfer ober Sprossenkohl. Zu Paprikafleisch fdjneibet man bas Lammfleisch tu große Würfel und gibt diese in mit einigen zerhackten Zwiebeln gelbgemachte Butter ober Schweineschmalz, läßt sie darin 211 durchrösten, streut tine Spur Paprika und ein bis zwei Lössel Mehl darüber, füllt Wasser oder Brühe dazu, läßt das Fleisch weich dünsten und kurze Zeit vor dem Anrichten alles noch mit etwas dicker Sahne verkochen. Dazu schmecken Bratkartoffeln oder Kartoffelmus vorzüglich. Zu Lammfleisch mit Sardellen hackt 150 Gramm gewässerte, geputzte Sardellen, 3—4 Schalotten und 150 Gramm fetten Speck und mischt dies gut, enthäutet eine Lammkeule und sticht mit einem Quirlstiel mehrere Löcher in das dicke Fleisch. In diese Löcher dann gibt man mittels eines Löffels kleine Klümpchen der Sardellenmischung, legt das Fleisch in gelbgemachta Butter und brät's darin an, füllt siedendes Wasser oder Brühe auf, läßt das Fleisch bei fleißigem Begießen weich dämpfen und verkocht, wenn es herausgenommcn ist, die Sauce mit etivas Kartoffelmehl und macht sie mit ein paar Teelöffeln voll Kapern pikant. Beliebte Ostersestbraten sind ferner der Schinken mit Weinsauce (Madeira oder Burgunder natürlich) — und sodann betreibt man zum Fest, und sei's als noch so altmodisch verschrien, das Eifärben: mit Zwiebelschalen gelb und braun, mit Safran gelb, mit Blauholzspänen blau, mit Fernambukholz rot, mit gehobeltem Rotkohl dunkelviolett, mit Spinatblättern grün (wobei man außerdem fertig käufliche Eierfarben hat). Ein sehr gutes Eiergericht der neuen Küche, das sich sür den Abendtisch oder als Zwischengang eignet, sind Tomatcneier: Man sucht gleich große, runde Tomaten aus, schneidet sie unten etwas ab, damit sie stehen, höhlt sie sehr vorsichtig aus und stellt sie in eine feuerfeste Tonform mit halbhohem Rand in zerlassene Butter, läßt sie über gelindem Feuer in der Butter leicht andünsten Und schlägt dann vorsichtig in jede Tomate ein rohes Ei, streut etwas Salz und weißen Pfeffer darauf und läßt die Eier wie Setzeier stocken, bis das Weiße ganz fest ist (die Säure der To- mateu läßt dies ziemlich schnell geschehen). Man kann die Form auch in den schwachheißen Bratofen stellen, damit die Tomaten und die Eier von oben etwas Hitze erhalten. Tas Gericht wird in der Form aufgetragen. Eine schmackhafte Schüssel zum Abeirdessen ist ferner ein Eiersrikassee nach englischer Vorschrift. Tie Eier werden hartgekocht, nach dem Verkühlen geschält und je in 4—5 Teile (von oben nach unten) geschnitten. Zur Sauce dünstet man in zerlassener Butter eine Handvoll geputzter, gehackter Champignons, 1—2 gehackte Schalotten und 1—2 Eßlöffel gehackte Petersilie durch, gibt Pfesfer und Salz dazu und läßt dann 2 Eßlöffel Mehl darin gar und gelb werden, gibt eine Obertasse dicke süße Sahne dazu, läßt alles gut heiß werden, die Eierstücke vorsichtig in der Sauce einmal auskochen und macht das Gericht nach Belieben mit einem Löffel Senf oder etwas Zitronensaft pikant. Frischer Spargel dürfte! als Ostergemüse für die meisten Hausfrauen noch zu kostspielig sein: da behilst man sich eben mit dem konservierten. •— Eine weitere Küchengabe sodann bilden die Morcheln, ein echtes Saison-Pilzgericht. Indes : mit Augen und Nase aufmerksam beim Verlesen! Durch ihren Wasserreichtum gehen Pilze sehr leicht in Fäulnis über, und die kleinste an- gesaulte Stelle enthält ein schädliches Gift. Morcheln sind auch sehr oft und sehr sorgsam zu waschen, wobei man sich einer kleinen Putzbürste bedienen kann, damit alle Steinchen und Sandkörnchen gut entfernt werden. Wenn sie auf dem Siebe abgetropft sind, stellt man sie in einer großen Kasserolle mit reichlichem falten) Wasser aufs Feuer, läßt das Wasser zum Kochen kommen, die Pilze dreimal gründlich aufkochen, und gießt das Wasser fort, welch letzteres niemals zur Bereitung von Suppen oder Saucen mit Morchelgeschmack verwendet werden darf, weil die ettva schädlichen Teile der Pilze hiueingekocht sind. Nun kann man die Morcheln in Butter schmoren oder zu Suppen und Saucen oder Gemüse verkochen; mir bloßes Abbrühen mit kochendem Wasser ist nicht anzuraten, weil das nicht so wirksam die den Pilzen anhaftenden Schädlichkeiten vernichtet! Eine sehr feine Zusainmcnstellung für Frühlingsgcmüse sind Morcheln mit Spargel und Karotten, und trotzdem die offizielle Krebssaison erst mit dem Mai beginnt, fehlen die dazugehörigen Krebsfchwänze selten. Tie Apfelsinen dieses Jahres, die reichlich und billig zu haben waren, übertreffen die des vergangenen an Güte, Aroma und Süßigkeit um ein Beträchtliches. Jetzt gerade haben sie ihren höchsten Wohlgeschmack erreicht und werden für den Nachtisch und in der Küche sür Herstellung von Cremes, Aufläufen und Backwerk 'besonders gern verwendet. Dazu gesellen sich die Auanas- früchte, die gleichfalls ganz saisongemäß sind, und hier haben wir neben kalten Speisen und warmen Ausläufen neuerdings „au$= gebackene Ananasscheiben", d. h. man schneidet die geschälte Frucht in Scheiben und hüllt sie in folgenden Ausbackteig: 5—6 Eidotter Werden mit 125 Gramm bestem Weizenmehl, etwas Zucker und zuletzt dem steifgeschlagencn Eiweißschnee vermischt — und aber der Teig muß die Fruchtscheibe ganz dicht umhüllen. Man legt sie dann sofort in reichliches, dampfendes, gutes Ausbackfett (halb Schmalz, halb Butter), läßt sie auf beiden Seiten hellbraun Lacken, nimmt sie mit dem Schaumlöffel heraus, legt sie zum Abfetten auf Löschpapier, dann auf eine erwärmte Schüssel und bestreut sie mit feinem Zucker. Tas Fett nruß sehr heiß sein, wenn die Schnitten hineingelegt werden, damit es beit Teig „überrascht", so daß er sofort kroß bäckt. Andernfalls zieht nur das Fett in den Teig ein und macht ihn unschmackhaft. Erst wenn das Fett „still" geworden ist, also nicht mehr in der Kasserolle bm bekannten zischenden Ton von sich gibt, hat es den rechten Grad der Hitze erreicht. Die geheime Orkan-Gesellschaft. Eine Wetter-Novellette von Paul Scheerbart« Es war sehr stürmisch. Drei alte Gauner saßen in Kopenhagen bei Kaffee und Krichep Und blickten gedankenvoll in den wilden Sturm hinein. Schuster sagte dann: „Ich glaube, daß wir dieses ganze Jahr sehr viel Sturm haben werden." „Damit," rief Lorenz, „muß ein Geschäft zu machen sein« Wir schreiben heute erst den 27. Januar 1913. Wenn wir wissen, daß dieses ganze Jahr sehr windig ist, dann gründen wir hier eine ganz feine Sache." „Das Wetter dieses Jahres kann ich erfahren!" sagte der Jakob. Und nach acht Tagen kam der Jakob wieder zu Schuster und Lorenz und sprach geheimnisvoll: „Wenns in diesem Jahre mehr als dreißig windstille Tage gibt, könnt Ihr mich verhauen. Ich bin famos über das Wetter orientiert, sag aber nichts Näheres. Das bleibt mein Geheimnis." Lorenz sprach: „Jakob ist empfindlich. Der weiß, haß dieses Jahr eklig windig wird. Ich will Euch darum sagen, wie wir dieses toinbige Wetter zu Geld machen können. Dazu muß ich aber weit aus- holen. Bestellt erst Importen und Whiskey mit Soda." Es geschah. Man rauchte und trank. Lorenz lächelte verschmitzt. Dann sprach er hastig und leise! „Ihr wißt, daß der Klugmaschinenbau unheimliche Fortschritte macht; wir haben bald so viel Flugmaschinen wie Automobile. Ihr wißt auch, daß die Zahl der lenkbaren Luftschiffe täglich größer wird. Die Ballons werden auch immer größer und tragen immer Mehr. Ueber den großen Städten Europas fliegen in der Nacht Lenkbare mit erleuchteten Reklamefchildernl in allen möglichen Farben." „Werde nicht poetisch," flüsterte der Jakob, „das wissen wir ja längst." „Was hat das mit dem Orkan zu tun?" fragte der dicke Schuster. Dabei rüttelte der Wind an den Fensterscheiben und fuhr äcfoenb und stöhnend Um die Straßenecken herum. Lorenz zündete sich nochmals seine Zigarre an und fuhr danach fort: „Wer was erzählt, muß auch seine Zuhörer zu spannen wissen. Die müssen immer neugierig sein auf das, was nun folgt. Ihr seid schon neugierig. Ich freue mich, daß ich spannend vortragen kann. Freue mich sehr darüber. Aber — ich will Euch gleich in medias res führen — in den Kern der ganzen Sache. Seht an: diese Entwicklung der modernen Luftschiffahrt hat die Regierungen Europas sehr, sehr unangenehm berührt. Man fürchtet sich schon vor der Lustschiffahrt. Was will die Zollbehörde machen, wenn die Flugmaschinen zu Tausenden über die Grenze sausten? Ha, die Zollbeamten sind schlimm daran. Aber wißt Ihr auch, wer am allerschlimmsten dran ist? Wißt Ihr das noch nicht? Wißt Ihrs nicht?" Schuster und Jakob sahen ziemlich unbeholfen in die Tabakswolken und tranken aus. Verlegenheit den Whiskey ohne Soda«