WUW Herzeloide. Roman von Georg Freiherrn von Omptod'ck» (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Du bist von mir gegangen an jenem lichten, Weiteren Tage, du hast deinen Schmerz, von mir zu scheiden, Licht und Leben zu lassen, verbürgen, damit ich weniger unglücklich wäre. Du hast gesagt: „Es wird mir nicht schwer." Das heißt: du hattest mich lieb, du warst mein Weib, «teilt Deutsches Weib, das da Treue hält bis zum bitteren Tode, das sich sterbend noch überwindet, heiter von dieser Erde Zu gehen, nur um dem Geliebten eine Sekunde der Trauer zu ersparen. Maria, ich segne dich! Ich 'segne Kein Andenken, deine Liebe, deine Seelenkraft, deinen starken Tod! Maria, bleibe gesegnet! Ehe ich dich gekannt, verstand ich nicht zu leben, begriff !nicht, wozu Menschen auf der Erde sind. Ehe ich dir be- gegnet, habe ich nicht gewußt, was eine Frau ist, was ein Weib dem Manne bedeutet. Du lehrtest mich Geduld, du zeigtest mir, was es ist, wenn zwei einander helfen, das Dasein zu tragen. Du hast nichts für dich verlangt, du schenktest alles nur mir. Deine Liebe ist still gewesen und demütig und doch groß und tief. Du lebtest ein eigenes Dasein und gingest doch in dem meinen auf. Du hast nur geduldet und nie geklagt, und wenn ich die Fassung ver- loren, bliebest dü stark. Maria, ich segne dich! Bleibe gesegnet! Nun siehst du lächelnd herab auf mich, der ich hier Unten meinen Weg schreite, den Weg, ich weiß nicht wohin, den Weg, den ich gehe — ich weiß nicht wozu. Warum ließest hu mich allein? Hättest du mich mit dir genommen ! Könnte ich sprechen mit dir! Siehe, das ist das Schwerste! Du hörst mich nicht. Du antwortest mir nicht. Ich möchte dich dringend fragen nach etwas, das du erlebt, wozu nur du den Schlüssel besaßest, und du nahmst die Antwort mit dir fort. Ich 'habe einen Kummer, den will ich aüsschütten, mich tzü erleichtern, in deine Seele. Du hörst mich nicht. Was Igingest du von mir? Warum ließest du mich allein? Wohin bist du entschwebt? Da liegt vor mir der Leib, das schöne Gefäß, in dem deine Seele wohnte, aber habe ich den allein gesucht, solange hu schrittest über der Erde? War deine Seele nicht her 'beste Teil, hat sie nicht erst den Körper zu dir gemacht? .Und NUN ist sie fort, hat ganz allein — ohne mich, der ich. 'stuf Schritt und Tritt neben und mit ihr ging hier unten, heu Weg zurückgelegt. Den Weg --- wohin? 1 Wir gingen zusammen vom Morgen bis z'um Abmd. Wir ruhten Seite an Seite, Hand in Hand. Wir haben Bnes hem anderen alles gesagt, gedacht miteinander und uns mitgeteilt Unser Leid. Mitgeteilt? Was rede ich? Wir haben empfunden, was dem anderen wehgetan, pHntz es uns durch Worte zu sagen. Und das alles soll plötzlich zu Ende sein?. * ’T’T -*f\ An meines Weibes sterbliche Hülle bin ich getreten, nicht fassend Gottes Ratschluß. Und wie sie so dalag, als ob sie schliefe, war es mir, als hätte ich nur zu rufen: „Maria, wache auf!" und sie müßte die Augm öffnen und aufstehen und wandeln. Ich setzte mich neben die Tote und schaute sie stundenlang an. Sie war nicht ge-i storben, nein, nein, nein, sie konnte nicht tot sein! Jeden Augenblick mußte sie sich regen, sich, zu mir wenden. Doch sie blieb unbeioeglich. Und ich sah hinüber wie äuf ein Rätsel. —< — Dann geschah alles, was zu geschehen hat, wenn ein Mitmensch von uns scheidet. Was sie taten, weiß ich nicht mehr, aber ich fand mich wieder im selben Zimmer, nur war alles 'hinausgeräumt, was darin gestanden hatte. Stühle hatte man rundum gestellt, und an der Wand war ein Kreuz> das aus Blattpflanzen des Südens ragte. In ihrem dunkeln Blättergrün sahen sie kalt aus, so wie Maria nicht gewesen. Ich ließ sie entfernen. Blumen wurden verstreut, und so lag die Tote da mitten in der Blütenpracht, die sie um Süden so geliebt hatte. Es kamen Menschen. Ich drückte Hände. Nicht eben viele, denn Meran war schon ausgestorben, die Zeit war dem Sommer zu nah. Der Geistliche trat an den Sarg und sprach. Ich blickte ihn an, aufzumerken, aber bald fiel mein Auge wieder auf das jetzt so gelbe Gesicht, die schmalen Wangen dort unter den Blumen. Und wie nun so der Duft mir fast betäubend entgegenströmte, ein unbestimmter, gemischt von allen Blumen, die Südenssonne erzeugt, irrten meine Gedanken ab, flogen weit, weit davon. :--: — Wir waren in Pernese. Auf unserer Dank saßen wir am. Meer. Unter uns schäumten, zerbrachen, zerspritzten die Wellen, und draußen, weit draußen am Horizont, wo der blaue Himmel zusammenging mit der blauen See, zog ein Dampfer, die lange schwarze Wolke aus dem Schornstein hinter sich lassend. Wir saßen Arm in Arm. Maria im Glanz und Schmück ihrer jungen Jähre, mit dem leuchtenden Dunkel ihres schönen Haares, das so herrlich sich abhob von der blendend weißen Haut. Sie schmiegte sich in meinen Arm. Hintenüber sank der Kopf, und wie sie mir die Lippen bot, blickte ich tief hinein in die schwarzen Augen, darinnen die köstlichste Seele war, die mir in meiner Erdenzeit begegnet. Dann lagen wir Arm in Arm, und sie sprach leise süße Worte des Dankes für meine Liebe. Dabei plätschere ten die Wellen, dabei schien die Sonne, und ein leiser Lufthauch trug von den Blumenbeeten am Hotel weiche betäubende Düfte herüber wie Wolken, in Stößen, immer durchdringender, immer satter, Blnmendust wie , ?. e > «— 334 ' Ich kehrte zurück aüN meinen Tiraumen. Ich stand la, vor feit blühenden Blumen, die sich hinter Maria hoben, aber Maria, Maria -war tot. Der Geistliche Hatte geendet. Er wandte sich zu der, die regungslos hort lag, hob die Hände und sprach den Gegen über sie. Und meine Seele, die zurückgekehrt war zum harten Heute, meine Seele wiederholte seine Morte, den Segen über mein Weib. Dann sah ich mich dranßen. Hände streckten sich mir wieder entgegen. Gesichter zogen an mir vorbei. Zuletzt klang eine Stimme, die ich kannte, dicht neben mir. Sie sprach mit Marias Eltern. Ich sah! hin. — — Es war Herzeloide. Und sie war der einzige Mensch, dem ich et-tvas zu sagen den Wünsch empfand. Ich nahm ihre Hand: — Sie ist fort. Herzeloide aber gab zurück mit ihrer tiefen, trostesfi Leichen Stimme: H Sie ist heimgegangen. * Nun war ich allein. Alles kehrt züm Ausgang zurück. Man tritt ins Leben — man verläßt es wieder. Allein hatte ich begonnen. Spät war mir die Erkenntnis gekommen der Liebe, der echten, der, die da bleibt — nun war ich abermals allein. Vorher hatte ich ja nicht geahnt, wie der Mann erst durch das Weib, durch die Ehe zum Völlen Menschen wird, wie er lernt, um des geliebten Wesens willen Selbstsucht und Kleinlichkeit zu überwinden. Nun schien es mir, als wäre die eine Hälfte meines Selbst von mir abgebrochen. Ich konnte mich nicht zurcchtfinden in der Welt. Wenn mich auch nur auf einen Augenblick der Gedanke an meine Maria verlassen hatte, sofort kam er wieder über mich, und ich hätte auffchreieu mögen: Maria ist tot! ....... Die Eltern Marias waren abgereist, nachdem in Meran auf deut evangelischen Friedhöfe meine Maria dem Schoße der Erde übergeben worden. Sie hatte es ihrer Mutter gesagt mit den Worten: „Ich möchte gern hierbleiben. Immer hierbleiben." Ich fühlte daraus, daß sie ihren Wunsch nicht mir mitgeteilt hatte, das zarte Bestreben, mich nicht an das zu erinnern, was kommen mußte. Meine Schwiegereltern hatten mir zugeredet, sie z'u begleiten. Sie wollten nun, wo es für die Mutter Marias, die einer kräftigen Luft bedürfte, um sich ganz von ihrer Krankheit zu erholen, zu heiß geworden war, Höhenluft aufsuchen. Aber ich konnte nicht fort ans Meran. In der Nähe meines Grabes wollte ich bleiben. Und die MAlschenleeve in dem nun gänzlich verlassenen Kurort tat mkiner verwundeten Seele wohl. Unerträglich wäre es mir gewesen, ein bekanntes Gesicht zu sehen. Jedem, mit dem ich hätte sprechen müssen, würde ich aus dem Wege gegangen sein. So irrte ich vom Morgen bis zum Abend über disj menschenleeren Straßen, durch die öden Anlagen, in denen nur noch die Kinder der Einheimischen tut Schatten der Bäume au der rauschenden Passer spielten. Ich ging früh am Morgen irgendwohin in die nun schon mit dichtestem Rebengerank überwucherten Weingärten. Durchstreifte die Obstpflanzungen des Etfchtales, stieg hinan zum Mittelgebirge, zu den Burgen und Ruinen, oder saß dort oben im Naiftale, am Haflinger Berg, au den Hängen beim Schloß Tirol, im Schatten einer gewaltigen Edelkastanie oder unter den kräftig duftenden BlätteW. eines riesigen Nußbaumes und blickte von der Höhe hinab in das sonnendurchglühte Tal. , Nie nahm ich mir ein Buch mit zum Lesen. Ich flieh meinen Gedanken überlassen, die in dumpfen Träumen immer, immer wieder zurückkehrten zu Maria. Ein kleiner Fleck Erde zog von all den umliegenden Höhen aus meine Blicke mit stets erneuter Gewalt auf sich. Ein kleiner Fleck, am Unterlauf der Passer gelegen, von weißer Mauer umhegt, mein Liebstes bergend: der Friedhof. Ihn sah ich leuchten, wo ich auch saß und stand. Und in ihm eine Stelle, winzig, nur mit einem einfachen Kreuz ivou Marmor aus den L-aaser Bergen: der Hügel, unter dem schlummerte, was sterblich war von in einem Weibe. Ich sage „schlummern", aber war es das? Ging nicht dieser Körper, der einst in seiner Wohlgestalt die Blicke entzückt, dieses Auge, das voller Liebe auf mir geruht, diese Hände, die ich in den meinen gehalten, dieser Mund, her an meinen Lippen gehangen, der nur, nur Liebes gesprochen hätte- zu mir, ging alles das nicht gräßlicher Perivesung ertts gegen? War es nicht heute schon zerstört, vielleicht kaum zu erkennen? Mich ergriff ein Schänder bei diesem Gedanken. Aber war es nicht Menschenlos? Hatte ich nicht au dem gehangen, das mehr ist als der Leib, den die Würmer fressen? An der Seele? Ich sann. Mir !var es, als müßte ich Zwiesprache pflegen mit dieser lieben Seele, und ich wußte doch, eine Antwort bekam ich nicht. Da klammerte ich mich an allech was offenbar war von meiner Maria, an die Erinnerungen und -Andenken. Ich- blieb einen ganzen Dag zu Haus, in den Sachen und Schriften zu wühlen, die ich von ihr besaß. Das Zimmer, in dem sie heimgegangen wär, wie Herzeloide gesagt, hatte ich gelassen, wie es wär. Wir hatten alle Möbel genau wieder so gestellt wie zu Marias Lebzeiten, auch das Bett, in dem sie gestorben war. Nur das Bettzeug war entfernt. Leer stand die Lagerstatt dch eingesunken, mit einer einfachen dunkeln Decke behangen.' Der Nachttisch stand noch daneben mit einer Marmorschale,- in der die Verklärte allerlei verwahrte: ein paar Knöpfei einen Täschenkalender, einen Bleistift. Armselige kleine Gegenstände, die mir doch um keine Herrlichkeit der Welt feil gewesen wären. Ein paar Schächtelchen mit Pulver,- eine Flasche mit Medizin und Marias Taschenuhr, die au einem kleinen Lederständer hing, das war alles, was übrig geblieben war, denn die Ringe, einfach nur, von keinem besonderen Wert, hätte ich meiner Schwiegermutter auf deren Bitte geschenkt. Den Trauring allein behielt ich für mich, und da er zu eng war, als daß ich ihn über meinen großen Finger gebracht hätte, trug ich ihn an der Uhrkette. Jeden Abend aber zog ich Marias Taschenuhr auf und stellte sie dann wieder an ihren Platz, genau so, Ivie ich es während der letzten Zeit getan hatte, weil die Kranke zu schwach war, um sich zu bewegen. Dann saß ich in dem Raum, der meine bitterste Stunde erlebt hätte, und starrte auf das leere Bett, faßte mich an die Stirn, als wollte ich fragen: Ist das alles möglich und wahr? Es war eine Zeit, da in mir alles ausgelöscht und gestorben schien, eine Zeit, wo die Lebenskraft in mir versiegte, wo ich nicht mehr denken, nichts mehr fassen und tun konnte. Ich war nicht fähig, einen Bries zu schreiben, und doch war ich Dutzenden von Menschen, die mir ihte Teilnahme ausgedrückt hatten, wenigstens einen Dank schuldig. Die meisten Briefe las ich nicht einmal, sondern schloß sie ungeöffnet fort. Ich war so haltlos, so gleichgültig. Ich fühlte mich so unnütz aus dieser Welt! Jede Entschlußkraft hatte ich verloren. Es kam mir wohl der Gedanke, abzureisen, denn in besseren Stunden sah ich ein, daß es für mich richtiger wäre. Und der nächste Dag? Da verließ ich beim Morgengrauen das Haus, denn es litt mich nicht mehr auf meinem einsamen Lager, das der Schlaf floh. Ich ging den Weg, den ich jetzt täglich ging: zum Grabe. Dort faß ich undl las die Inschrift: den Namen, die Jahreszahlen und den Spruch, den Maria sich auf ihr Grab gewünscht hatte. Unbeweglich stand er in goldenen Buchstaben nun vor meinen Augen wie eine letzte Versicherung, als sprächenoch ein-, mal ihre weiche Stimme, als redete ihr Herz, ihre Seele zu mir, Trost, Ruhe, Gewißheit und Frieden für mich, der Spruch aus dem Korintherbriefe: „Die Liebe höret nimmer auf!" In jenen dumpfen Tagen war mir das immer wie ein letzter, täglich neuer Gruß von ihr, den ich mir holenmußte, ohne den ich gemeint hätte, meine Pflicht versäumt zu haben. Der Gang zum Friedhof war meine einzige Befchäf-i tigung, die einzige Pflicht, der ich noch uachkäm, denn mein Hirn war erstorben, mein Herz wär tot. -Ja, mein Herz war tot. Nicht wandelbar mehr luiel einst, nicht einer ergeben bis zum Ende, wie es gewesen i— nein, -mein Herz war tot. Dort in der Brust regte sich nichts mehr. schlug für nichts. Nicht pochte es, höher bei allem, was mir teuer gewesen, Vaterland-, Armee/ die Kameraden, meine Pferde. Ob sie ivaren oder nicht, ob es ihnen wohl ging, ob sie zugrunde gingen — mein Herz war tot. (Fortsetzung folgt.) 335 Dis iniexnaiisMle Hygiene-Ausstellung Dresden M. Bon Dr^ vpit Tro y, , IV. ! - Die Stadl der Internationalen Hygiene-Ausstellung Katie Men besonderen Fest- Md! Feiertag zu verzeichnen.: war ein selten schöner Himmelfahrttag und zugleich feierte König Friedrich August seinen .Geburtstag. Letzterer Umstand bot den patriotischen Dresdenern willkommenen Anlaß, die Straßen in ein überaus prächtiges Fiahnenkleid zu hüllen. Demi Auswärtigen fielen bei dieser Gelegenheit das Uebcrwiegen oder wenigstens die gleichmäßige Benutzung der Reichssarben neben den Landesfärben auf, ein Moment, das man in manch anderer Bundeshauptstadt nicht oft zu sehen bekommt und der Reichstreue der Sachsen ein rühmliches Zeugnis ausstellt. Zu der großen Parade war ein militärischer Luftkreuzer über der Stadt erschienen, der namentlich Von der in Scharen ans der engeren und weiteren Umgebung der Landeshauptstadt herbeigeeilten Landbevölkerung lebhaft bestaunt würbe. Die Wege und Wagen nach der Ausstellung waren schon zeitig dicht gefüllt, und! der Anblick der Ausstellungsbauten mit der Winlemannschen erfüllten Forderung „edle Einfalt und stille Größe" war int Hellen Sonnenlicht ein überaus wirkmtgsvoller. Alte Stammgäste der Ausstellung hielten schon frühzeitig die Plätze auf der Esplanade besetzt, während der Hauptstrom der Besucher sich zunächst, wie imMer, nach der populären Halte ergoß. So Soft Map dieses Denkmal deutschen Fleißes durchwandert/ man trifft imüter wieder auf neue, überraschende Objekte streng wissenschaftlicher Natur, fite den Laien kunstgerecht in den gewöhnlichen Menschenverstand übersetzt. Wendet man sich vom' Eingänge her Mach rechts, so fallen dem! Besucher einige unheimliche, ganz vermummte Gestalten in die Augen, die Sicherheitsanzüge für die verschiedenen gefährlichen Berufe tragen. Das Präparat einer Menschlichen Lunge läßt deutlich diS Spezialgefahr für die Bergleute, die 'unheilvollen Wirkungen der Einatmung von Kohlenstaub! erkennen. Man sieht an einer Bergmannslunge deutlich/ wie sich die Kohleiipartikelchen in dem' Gewebe festgesetzt haben, die man bei Befühlen auch mit der Hand betasten könnte. Mehr sorgfältige als schöne anatomische Nachbildungen versinnbildlichen! die Wirkungen der Nekrose auf verschiedene Glieder. Eine besonders .unheimliche Krankheit für Landarbeiter bringt der Strahlenpilz hervor, dessen Tätigkeit ebenfalls verschiedene Wachsnachbildungen zeigen. Weiter zeigt uns die Abteilung die Folgender englischen Krankheit bei Kindern an zahllosen Modellen. Historisch interessant ist die Tatsache, daß schon 'zur Zeit der großen Maler des Mittelalters diese Krankheit, wie man auf Bildern nachweisen kann, ihre Spuren zeigte, ohne daß sich der Schönheitssinn der großen Meister gesträubt hätte, diese krankhaften Zustände als /,unschön" mit der Palette zu verewigen. ■ Ist der betreffenden Koje find Bilder von Rubens, Belasguez und Jordaens vertreten. In die dunklen Zeiten des Mittelalters führt uns ein weiteres Bild, das die Marterung und Hinrichtung eines Bauern därstellt, der !aIS Wärwvlf unter der Bevölkerung gewütet haben soll. Daß 'aber mittelalterliche Vorstellungen über das Wesen von Krankheiten, namentlich von Gemütskrankheiten, noch bis in die neueste Zeit vorherrschend wären, läßt sich aus einem Gemälde erkennen, das beit Jrrenturm! in Wien barstellt, ein festungsartiger Batt Mit engen Fenstern, in dem die unglücklichen Gemütskranken noch bis 1870 untergebrächt waren. Sehr umfangreich ist bas Gebiet der Schaustellungen, die sich auf die Volkskrankheiten, Krebs und Tuberkulose, beziehen. Auch hier treffen wir wieder ein anerkanntes Kunstwerk als Krankheitsdokument, die berühmte Venus des Botticelli, von der die Aussteller eines Abgusses uns! aufs Haar be- weifen, daß sie schwindsüchtig gewesen sein muß. Zu den interessantesten Präparaten aus der Tuberlnloseabteilung zählt ferner ein Skelett, bei dem die Krankheit die Wirbelsäule so gekrümmt hat, daß die letzten Rippen fast auf dem oberen Becken aufsitzen. Wir wandern weiter und finbcn ein Präparat einer Sange, die an den Spitzen große Höhlen aufweist, sogeuanute Gabariten; das Lungengewebe ist durch Vereiterung vollständig zerstört morden.; Die nächste Koje ist der Tollwut und ihrer Bekämpfung gewidmet. Die Figur eines Knaben weist die erst in letzter Zeit wieder in Berlin epidemisch aufgetretene Haarerkrcmkuug infolge Infektion durch einen Pilz auf. Die Krankheiten werden nun immer unheimlicher und damit ihre Darstellung. Man findet Bilder aus dem Lepraheim aus Memel, gewinnt aber auch die ermutigende Ueberzeugung, daß für die unglücklichen Insassen das. Menschenmögliche an Pflege und Unterkunft getan wird. Noch scheußlicher Wirken Abbildungen von Elesantiasis-Kranken mit den unförmlich Umgestalteten Gliedmaßen, eine Krankheitserscheinung, die Gott sei Dank bei uns nicht vorkommt. Alte Stiche versinnbildlichen uns den einstigen Siegeszug der Pest und der Cholera, die, einst in Deutschland epidemisch, jetzt zu den überwundenen Volkskrank- heiten gehören. Auch die Dem'oitstrationen von Wurm- und Typhnserkrankuitgcn müssen wir noch über uns ergehen lassen. Dann werden die Ausstellungsobjekte freundlicher. Eindringlich werden uns kleine Nachlässigkeiten des praktischen Lebens, die verhängnisvoll werden können, vor Augen geführt. So enthält das Bild der englischen Lady, die in ber Freude ihres Herzens ihrem siegenden Lieblingsgaul einen Kuß auf die Nüstern drückt, feilt Vorgang, der in vielen Reproduktionen bekannt geworden ist, die nüchterne und ernüchternde Warnung, daß dadurch die Rvtz- kraiikheit auf den Manschen Überträgen werden kann. Auf etnW änderen Zeichnung wird einer jungen Dame, die mit ihrem .Batisttaschentuch erst eine .Gartenbank säubert, UM ihr Kleid zst fchonen, und dann dasselbe Taschentuch an die Lippen führt, klar gemacht, daß man dadurch Bazillen einschlucken kann. Eines statistische Aufstellung beweist uns, daß man, wenn man täglich nur drei Gläser Bier nicht trinkt, man int Läufe eines Menschenalters an barem Gelbe mit Zins und Zinseszinsen etwa 8400 Mark erspart hat, sofern man das. Geld natürlich nicht auf aitbere Weise zum Fenster hinauswirft. Auf birelt ingeniöse Weise wird die Luftdurchlässigkeit unserer Wohnhäuser an einem' Ziegelstein dar- gestellt. Auf der einen Seite preßt man Luft an den .Stein mittelst einer Pumpe, worauf äpf der andere Seite, die ein unter Wassep führendes. Glasröhrchen aufweift, Lustbläschen einporsteigen. Eine dunkelrote Flüssigkeit in einem Glase, deutet uns die Blutmenge eines erwachsenen Menschen an, von der er die Hälfte verlierens kann, ohne an seiner Gesundheit Schaden zu nehmen. Es. besteht/ wie wir alt einem änderen Glasgefäß ersehen, zu drei Viertel aus. Wasser, zu einem Viertel aus festen Bestandteilen. _ Auch dep Luftverbräuch des Menschen wird Plastisch an Glasgefäßen gezeigt.; Er beträgt in der Ruhe pro Minute 8 Liter, beim Gehen 16, heim Bergsteigen 23 und beim Däuerlanf sogar 53. Liter. In natürlicher Lebensgröße sehen wir an Wandbildern die Entwicklung des männlichen Md weiblichen Geschlechts in bezug auf körperliche Ausbildung vom! 1. bis zum 14. Lebensjahre. — So viel für heute. Draußen auf der Esplanade staut ftdt inzwischen eine Dasein- freudige Menge. Die Musik spielt die für solche Augenblicke altbewährten /,Rosen aus dem Süden" und aus dem Vergnügungspark dringen die nicht gerade melodischen Kriegsgesänge der Marok'kanertruppe, bereit braune Mitglieder übrigens von den Dresdnerinnen nicht weniger — sagen wir milde — umschmeichelt, werden als s. Zt. von den Berlinerinnen. Doch hierüber, b. & über den Vergnügungspark, ein andermal. wie Geschäftsgeheimnisse verraten werden. Ein für die Handelswelt lehrreicher Fall von geschäftlicher Spionage war kürzlich in London der Gegenstand einer Gerichtsverhandlung vor der Berufungsinstanz in Strafsachen. Zwei Männer, die von den Geschworenen in Newcastle zu sechs und vier Monaten Zwangsarbeit verurteilt waren, hatten Berufung eingelegt. Sie waren bestraft worden, weil sie durch Bestechungen von Angestellten einer älteren Konkurrenzfirma sich die Kenntnis fremder Fabrikationsgeheimnisse zu verschaffen suchten. Es handelte sich um die Gewinnung und Herstellung gewisser Arten Kieselerde, und die beiden Angeklagten hatten unter den Angestellten der Konkurenzgesellschaft Geld geboten, um in die Einzelheiten der Herstellungsart eiugeweiht zu werden. Der Lord Oberrichter wies die Berufung nach kurzer Verhandlung zurück, und das strenge Urteil wurde aufrecht erhalten. Der Fall ist nur ein Symptom für das ausgedehnte Spionagewesen, das bei den scharfen Formen des modernen kaufmänischen Wettbewerbs immer mehr gewachsen ist und von dessen Bestehen alle größeren Betriebsleiter wissen, ohne wirklich wirksame Abwehrmittel zu besitzen. Man erfährt von solchen Fällen geschäftlicher Spionage nur darum so wenig, weil es in den allerseltensten Fällen möglich ist, den Beweis für die Schuld der einzelnen Angestellten zu erbringen. Es gibt eine ganze Reihe von Leuten, die nur davon leben, Geschäftsgeheimnisse zu erkunden und weiter zu verkaufen, ja diese kaufmänischen Spione können mit ihrem wenig rühmlichen Handwerk, wenn sie schlau sind und Glück haben, reiche Leute werden. Die meisten von ihnen unterliegen freilich mehr der Versuchung einer Gelegenheit, als einem bestimmten Systeme, aber es fehlt doch auch nicht an solchen, die es sich zum Berufe gemacht haben, in großen Betrieben nur darum eine Anstellung anzunehmen, um während der Arbeit möglichst genau in die Geschäftsgeheimnisse der Brotherren einzudringen, und sie dann der Konkurrenz gegen schweres Geld zu verkaufen. Erst vor einigen Jahren erregte in der englischen Geschäftswelt die Aufdeckung eines solchen Spionagemaiiövers großes Aufsehen, ohne daß es möglich gewesen wäre, die Folgen des Vertrauensbruches abzuwenden oder den Täter auch nur zu bestrafen. Es handelte sich, so berichtet eine englische Wochenschrift, um ein großes Unternehmen von Holz- und Steinschneidereiarbeiten. Die Firma besaß ein Geschäftsgeheimnis, durch das gewisse Artikel leichter, besser und billiger herzustellen waren, als die Erzeugnisse der Konkurrenz. Der Inhaber der Firma hatte 336 — seit einem Jahre eineu Beamten eingestellt, der durch seine Eeschäftstüchtigkeit, sein Verständnis seinen Scharfblick und seinen Fleiß die volle Zufriedenheit seines Chefs errang. Als unschätzbarer Gehilfe wurde er schließlich auch in den inneren Betrieb des Unternehmens eingeweiht und erwies sich auch Habei als ein so tüchtiger Geschäftsmann, daß bereits nach sechs Monaten sein Gehalt verdoppelt wurde. Eines schönen Tages bat der Mann um seine Entlassung unter der Begründung, daß er in die Kolonien gehen wolle. Sechs Monate später brachte eine Konkurrenzfirma Waren auf den Markt, die ebenso gut und dabei billiger waren als die des Hauses, das bisher durch sein Geschäftsgeheimnis allen Wettbewerbern überlegen gewesen war. Die Nachforschungen ergaben mit aller Sicherheit, daß das Geheimnis verraten worden war, aber das Beweismaterial blieb zu dürftig und lückenhaft, um Handhaben für das Gesetz zu bieten. Der ungetreue Beamte aber lebt heute als wohlhabender Rentner. Noch schlimmer ging es einem französischen Seidenfabrikanten, der ein Verfahren entdeckte, um seine Seidenstoffe in Au§- sehen und Wert mit verhältnismäßig geringen Kosten zu verbessern. Er war ein vorsichtiger Kaufmann, und um keinen Angestellten ins Vertrauen ziehen zu müssen, entschloß er sich, die Anwendung des von ihm ersonnenen Verfahrens in einen geschlossenen Raum höchst eigenhändig lind nur mit Hilfe seines einzigen Sohnes durchzuführen. Das ging auch eine Zeitlang sehr gut, bis der Sohn in Schulden geriet und in seiner Bedrängnis das Fabrikationsgeheimnis seines Vaters einem großen amerikanischen Seidensyndikat für eine Riesen- fiunme verkaufte. Der Verräter ist seitdem verschwunden, die Familie hat nichts mehr von ihm gehört. Am bittersten freilich wurde vor einigen Jahren ein in der englischen Jn- dustriewelt sehr gekannter und technisch begabter Maschinenfabrikant heimgesucht. Er hatte jahrelang über die Verbesserung einer Maschine nachgegrübelt, bis er endlich nach langwierigen Versuchen in einer Stunde der Erleuchtung sein Ziel erreichte. Durch eine äußerlich kaum wahrnehmbare, geringfügige Aenderung wurde die Leistungsfähigkeit der Maschine und zugleich deren Betriebsbilligkeit ganz außerordentlich erhöht. Bevor er sein Patent aufnahm, zeigte er ein fertig gearbeitetes Modell seinem Ingenieur. Dieser schlug noch eine kleine Aenderung vor, und während der Fabrikant einen Versuch vornahm, zeichnete der Ingenieur heimlich die Maschine ab. Er verkaufte diese Modellzeichnungen unter der Hand einer Konkurrenzfirma für ein Vermögen, und wenige Wochen später hatte bereits die andere Fabrik die neue Idee und Erfindung auf den Markt gebracht. Der betrogene Erfinder konnte natürlich einen schlüssigen Beweis davon, daß sein Ingenieur ihn betrogen hatte, nicht beibringen, und der Angestellte genießt heute als wohlhabender Mann sein Leben, ohne daß der Geschädigte ihm etwas anhaben kann, weil unzweideutige Beiveise in solchen Fällen fast nie erhältlich sind. Einige obertzessische Volksschwänke. Die Mstcht der Gewohnheit im! Gebrauchc von! R ed ens«rten.j Basterssriäu äU ihrer Begleiterin, von einem! Begräbnis Heim- kehrend: „Da hawe je «wer unserer Freundin, der Annemarie, iewÄ beim Begräbnis en schöne Choral gesunge, der hat mer awer fesalle; jv Gott will und ich erlabs und bleib ge- !un d, das Lied soll mir awer ach emol am Grab gesunge werde!" I®er Wünsch, der Väter des Gedankens. .. Mann Und Frau find gleichzeitig schwer erkrankt. Eines Ta'geH wendet sich der Mann mit mattem Blich dem Krankenbett feiner, Frau zu und sagt: „Ach, lieb Kathrine, wir sind alle zwei hart krank; ich glaub bestimmt, daß eins von uns sterben muß; W zieh dann zu meiner Schwester nach OMraMstM!." * Ein Mann, der Mit seinen läut Weinenden Kind'erN tot dey Totenbahre seiner Fr>äu! sticht, sagt zu einem Freundet „Ja, siehst du, den Kindern nehm ichs »et übel, daß sie so laut heule/ denn die Mutter ist ihne gestorbe; awer sch sein doch ganz fremd mit ihr zusamme gekomme!" ; * Tief ergreifende Worte sprach der Geistliche ton Grabe eines iM Berufe verunglückten braven jungen Familienvaters. Alles! war tief erschüttert und weinte. Nur eines Mannes Augen waren tränenleer. Hierüber zur Rede gestellt, gab der Mann zur Ant- htort: ,Ja, wissen Sie, der Fall war ja.recht traurig; ich bin aber doch aus einem anderen Kirchspiel!" ¥ Der kleine A-B-C-Schühe Hans kommt entrüstet aus der Schule nach Häufe und zeigt feinem Vater in feinem Buche den Buchstaben „i" Mit den Worten: „Guck emol do Vatter, was mir für en domme Lehrer hawÄ, fragt mich der doch, was das für en Buchstawe wär, und wüßt's net." >—■ „Hast du's em daun gesagt?" — „Na." —- „Do host de awer recht gehabt, des muß der selbst wisse," vermischtes. • Photographien mit wechselnden Farben. In der Pariser Akademie würde eine Arbeit von Estanave über die Photographien, deren Aussehen wechselt, vorgelegt. Estanave hat bereits einmal die Aufmerksamkeit der Akademie gefesselt, indem er Photographien vorlegte, deren Zeichnung sich änderte. Er hatte ein Klischee erhalten, das ein Frauenporträt darstellte, bei dem die Augen abwechselnd geschlossen und geöffnet erschienen. Man sah die Augenlider sich bewegen. Diesmal wechseln die Farben auf den Platten, je nach dem Blickpunkt des Beobachters. Estanave hat ein Klischee hergestellt mit der Darstellung eines Gartens, in dem die Blumen ganz verschiedene Färbungen annehmen, wenn man das Klischee leicht neigt. Dieses Ergebnis ist durch Anwendung von Netzen erzielt, die horizontal aus farbigen Linien gebildet sind. Dank der parallaktichen Wirkung werden die Blumen abwechselnd hinter diesen farbigen Linien gesehen und färben sich so in verschiedener Weise. * Rumänischer Champagner. Das rumänische Do- Mänen-MinisteriuM hat bereits vor einigen Jahren in Murfatlar jin der Dobrudschä, der rumänischen Schwarzmeer-Provinz, eine Rebenschule und einen kleinen Weingarten angelegt, um die wichtigsten Rebensorten für die Erzeugung von Schaumweinen zu erproben. IM vergangenen Jahre haben die Anpflanzungen zum ersten Male Früchte getragen, und es werden versuchsweise nachfolgende Gattungen von Weinen hergestellt werden: Pinot-Noir, Epinette, Pinot-Chardonet, Malvoisie. Nach der Qualität der Trauben hofft Man, daß hie erzielten Weine ein sehr befriedigendes Resultat ergeben werden, UM so mehr, als das Terrain stark kalkhaltig und infolgedessen für die Erzielung von Schaumweinen sehr, geeignet ist. Rätsel. Man hat mich der Gottheit Geschenk genannt, Bei allen Völkern bin ich bekannt, Ich bin beliebt und unentbehrlich, Sobald der Winter fällt befchwerlich. Erheb ich mich aber und ivachse au, So flieht und haßt mich jedermann. Ich brachte Manchen um sein Gut, Der nicht vor mir war auf der Hut. Auflösung in nächster Nummert. Auslösung des GitterÄitsels in voriger NumMestk P N R Ptolemäus o u t 1 n h Neunaug en m u n ä g i Ruthenium s n in Eine Bauersfrau zeigt ihrem Besuche, einer Freundin von iaüswärts, ihren großen Vorrat von Häubchen, wie sie im Orte hei verschiedenen Anlässen getragen Werben. „Und hier ist mein Kieblingshäubche, das hab ich immer so gern getrage, das solle Meine Angehörige mir mit ins Grab geben!" — „Die werde der was male; bie allerschlechteste Haub kriegst du uf gesetzt, die dst nur hast," >,Das will ich aber Mal sehe!" Ein Vater tadelt seinen unfolgsamen zwölfjährigen Jungen: x,Wenn ich rneim Väter mit so Ungezogenheite gekomme wär, ha wär ich awer schön angekomme!" — „Vatter, Ihr mögt mer touer ach ein Vatter gehabt tzawe!." — „E i n e it besseren, wie bist, Litt F.lKLel!" ■ ; i i i ! i , ; , SS I AsdaktiÄ» l I. V.; E. H e ß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. LänD, Gießm.