11 hSSMPKR^^Ö ÄMMK’raära-tt WMWM >Äi! ,Nicht Das nette Mädel. Noman von Fedor von Zobe lti& (Nachdruck verboten^ (Fortftduns.) chr in in ei- j O — noch forberu, " “ rtb | Mb, damals —" ,- - „Ich weiß/' fiel er ein. „Es gibt noch mel nem Leben, was mir der Rene wert scheint, i- ..... sehr viel. Ick habe niemals ein starres Joch geliebt um l Qivo4f»A44-aKitm n?f Apirirrr über dre Strange ae in intuitiv ö> —-ö - - c schlagen. Bin auch oft genug daftir bestraft worden . . und zuweilen härter, als ich es verdiente Weiß ganz genau, daß ich in meiner Entrüstung über das Phariiaer- tum zuweilen ins Extreme verfallen bin. Aber .man braust einmal ab. Und dann fangt man allmählich an, an *td) 8ie gingen wieder eine Weile stumm nebeneinander her, bis er plötzlich hastig sagte: Um Gottes willen, denken Sie nicht etwa, daß ich mich verteidigen will. Es macht immer einen komftchen ' Eindruck, wenn sich ein alter Tunichtgut an r* ' " schlägt. Aber das Eine gestehe ich unumwunden zu: es wurmt mich, wenn Sie — gerade Sie mir falsche Absichten unterlegen. Sie stehen mir tausendmal höher — „Als die Mertucci," fiel sie ihm in das Mort, „und Vielleicht auch t—" „Witte — ich ahne, was kommen soll. Ich, höre, daß Sie eine Schulfreundin der Sandratt sind. Diese Kernen Mädchen haben plauderhafte Zungen. Nun gut. Ich leugne nicht, daß ich einmal zu dem Liebeshof der Sandratt gehörte. Leugne auch nicht daß ich mich sememsam mr d r Wertucci photographieren ließ. über den Syndikus Dhielemann, der über das Boccaccw- Sie schwieg noch immer. „Ich komme öfters in die Lage, Ihnen Abbitte M leisten," fuhr er fort. „Aber es geschieht wenigstens ehrlich. Wollen wir uns nicht wieder vertragen-» Nun sprach auch sie. Sie bemühte sich eines gemessenen Dones, und es gelang ihr auch. „Ich zürne Ihnen nicht mehr/' erwckerte sie. „ock bitte Sie nur, mich in Ruhe an lassen. Vielleicht bm irh eine empfindlichere Natur als andere. Ich vertrage nicht eine anscheinende «Bevorzugung, die mehr als Zuruu- heißen, daß Sie der Ansicht sind, ich respektiere Sie geflissentlich nicht." ,, ... „Daß Sie mich nicht mit der Achtung behandeln, die ich verlangen kamt, haben Sie mir damals gezeigt < Aber Rede wollte sie ihm stehen. Ein quälerischer Atem- 1 PHT niP 1 -e« sie zurück. Er faßte sie am Arm und hielt sie fest „Bitte, Fräulein Traute — noch einen Augenblick. . « mUimcnblick," wiederholte er Mit vittenoer Stimme Sagen Sie mir: was haben. Sie gegen ,mich? Meine Ungezogenheit damals aus d erH eid eh ab en Sie er- gessen- wenigstens zürnen Sie mir nich mehr - das haben Ne vorhin erklärt Und doch sind Sie so schneidend abwehrend gegen mich, als sähen sie chs. mir , - 1 , I weiß ich! Win ich Ihnen denn so verächtlich.. Sie standen zwischen dem Strandweg und der ersten Dünenreihe. Da standen sie ganz allein, das weißgrune Meer zur Seite, über sich den weißgrauen Himmel, drüben die weißgelben Hügel. Dies helle Weiß zitierte auch durch I bie Luft, Niid Traute sah es auf seinen Wangen und sah es I lU UmUhre^Mundwinkel paarte fick eine Mischung von I Schwermut und Müdigkeit. Was sollte sie ihm noch ant woLn! Ihr schien fast, als wolle fte durch Dmlekti j rcüen- als sei es himmlische Lust für ihn, sich Pt iyrv | Gedanken hineinzubohren und den Protest gewaltsam zu 538 äus, die ich mir beuten Tarnt. Wenn Sie fragen, was ich von Ihnen will, so fragt das nicht Ihr Mund allein, sondern auch Ihr Herz.,." Er faltete die Hände über der Brust und sah sie innig an. . . „Dräute, es hört keiner weiter, nur ich: machen Sie mich glücklich rind sagen Sie mir, daß Sie mich lieben." Sie schloß jach hie Augen. Sie wankte. Und da fing er sie auf unb wollte sie küssen. Aber seit dem Sturmtag auf der Heide war sie gefeit gegen die Mitwisserschaft der Sinne. Im Nu war sie wieder frei tntb streckte ihm in wilder Abwehr die Hände entgegen und rief: „Muhren Sie ntich nicht an! Ich Bitt mit Fred Dewa Verlobt!" Es ging wie eilt Schlag durch ihn!. „Mit Fred —" stammelte er. Sie ließ ihn nicht weiter sprechen. Ein Unsäglicher Grimm sprudelte in ihr. Er santmelte sich in ihren Blicken Und sprühte von ihren Lippen. „Und Sie?!" schrie sie. Bei Gott, sie schrie es. Schrie es in der Maßlosigkeit ihrer Erregung, aus krankem, zerwühltem, gemartertem Herzen. „Gehen Sie doch zu Ihrer Komteß, und mich — mich — lassen Sie — allein! . . ." Sie keuchte, aber sie war noch nicht zu Ende. Er sollte ■ noch ihr Letztes hören. . . . „Ob Sie mir verächtlich seien? Fragten Sie nicht so? Ja — ja, sage ich Ihnen: ich verachte Sie! Ich will nicht zugrunde gehen wie die arme kleine Trude, die Ihrem schmählichen Beuterecht verfiel !" Dann lies sie davon. Seine Hände hatten sich geballt. Falten durchschobeu die Stirn; an den Schläfen schwollen die Adern. „Welche Canaille hat Ihnen das . . ." Er rief es ihr nach und brach ab. Er folgte ihr nicht. Er sah sie laufen. Sie lief flinken Fußes durch den weißen Lichtnebel, als wollte sie sich retten. Er blieb lange stehen, fast unbeweglich. Er sah hinter den Fenstern des Möchelschen Hauses Lichter hin und her gehen. Dann wurde es dunkel. Nur ein einziges Fenster blieb hell. Da ging auch er; hielt wieder an und entzündete eine Zigarette und schritt weiter. Er spürte wohl den Schmerz in seiner Brust. Aber es war ein Schmerz ohne Unruhe. Es war ein klares und sicheres Gefühl: das konnte besser werden, es konnte auch noch lange bleiben. Ein vaar Worte sprach er halblaut vor sich hin. „Fred ist zu weit," sagte er, „aber den andern den packe ich mir!" Und dabei kam ihm die Erinnerung an einen Streit in der Prärie von Chicago. Da wohnte keine Kultur. Da hatte er den Gegner an die Brust gedrückt und niedergeworfen. Seine Fäuste hatten chn in das Gesicht geschlagen, seine Finger den Hals umkrallt, feine Arme die Rippen gebogen. Das war drüben gewesen: in der Zeit, da er Mann geworden war. * Die Eberstedts hatten ein staatliches parkumbuschtes Wohnhaus an der sogenannten Großen Wiese; das alte Geschäftshaus der Firma aber lag in der inneren Stadt, mit der Rückfront nach dem Hauptkanal, mit der Vorder- sassade nach dem Kleinmarkt, wo das verunglückte Standbild des Hansehelden Pieter de Bombe Aufstellung gefunden hatte. Das Haus hatte ein riesiges, steil aussteigendes Ziegeldach und ein überspringendes zweites Stockwerk. Das Dach durchbrachen zahlreiche Mansardenfenster; das zweite Stockwerk schloß ein breiter, nun schon arg verwitterter Fries ab, mit der Reliefdarstellung eines Baechantenznges einer Arbeit des Bildhauers Martin Wendelmuth geuamt Peisker, der um die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts eilte lokale Berühmtheit gewesen war. Nach dem Kanal hinaus lagen die Speicher, nach vorn zu die Bureauräume. Hier bildete ein wunderschönes Portal mit massiven, reich geschnitzten Eichenholztüren einen besonderen Schmuck des alten Hauses, lieber dem Portal prangte das Patrizier- Wappen der Eberstedts; darunter stand die Zahl 1750: das war das Jahr der Erbauung des Hauses'. Der Großvater des jetzigen Chefs der Firma P. L. Everstedt hatte die reichste Erbin der Stadt geheiratet und war auf Wunsch seines Schwiegervaters von Lübeck hierher gezogen. Genau über dem Portal lag ein kleines holzgetäfeltes Zimmer, durch dessen Butzenfenster der Sonnenschein in lustiger Buntheit brach: die Probierstube. In der Mikks stand ein langer Tisch mit glatter polierter Platte, ohne Decke, auf dem genau in einer Reihe wie in Paradeaufstellung sechs Gläser standen. Sie waren mit goldenem Süd-, wein gefüllt. Die Tür ging auf, und der alte Everstedt trat ein t eine mächtige Erscheinung, groß, gedrungen, mit breiten Schultern, in einem Anzuge, der ihm viel zu weit schien, mit stark ausgeschnittenem Kragen, der den kräftigen Hals frei ließ, und dem malerischen Gesicht eines alten Nieder-, länders. Stiefke, der Hausdiener, der ihm die Tür geöffnet hatte, nahm ihm den Paletot ab und zog ihm dick Handschuhe aus: braune, faltenschlagende Fahrhandschuhe aus dickem Leder, die nur übergestreift werden brauchten.- Den Paletot hing Stiefke an einen Haken neben der Tür; die Handschuhe blies er, stark pustend, auf und stülpte sie dann rechts und links auf die beiden Haken neben dem' Paletot. Inzwischen hatte der alte Herr sich an den Tisch gesetzt, aber noch mit dem grauen, etwas altmodischen Zylinderhute auf dem Kopfe. Nun nahm Stiefke ihm mit vorsichtiger Bewegung auch den Hut ab, griff hierauf in die Rocktasche feines Herrn, zog ein ungeheuer großes rot- seideues Taschentuch hervor, wischte damit zweimal über die Stirn des Chefs, steckte das Tuch wieder in die Tasche zurück und.hing den grauen Zylinderhut über den Paletot, Genau so geschah es alle Tage. „Ist Herr Paul schon unten?" fragte der alte Everstedt „Er is all eben kommen, Herr Everstedt," antwortet^ Stiefke. „Ich möchte ihn sprechen." Stiefke nickte und ging. Der alte Everftedt warf nur einen flüchtigen Blick auf die vor ihm stehende Gläserreihe, Die Proben interessierten ihn heute gar nicht. Er stützte die Ellenbogen aus den Tisch, verschränkte die fleischigen, ringelosen Finger und wartete auf feinen Sohn. Heute sollte eine Strafpredigt kommen, die sich ge^ waschen hatte, (Fortsetzung folgt.) Der Marinevtrtrag. Eine iDetektivgeschichte des Sherlock HolmeS von Conan Doyle. (Fortsetzung.) „Ich tat alles, wie er es mir vorgefchrieben hatte und wartete, bis die andern Angestellten sich entfernten. Einer von ihnen, Charles Gorot, der mit mir int selben Zimmer arbeitete, hatte noch einige Rückstände zu erledigen, ich lieh ihn da und ging zum Essen. Als ich zurückkam, war er fort. Nun machte ich mich gleich ans Werk, denn ich wünschte so schnell wie möglich mit der Arbeit fertig zu werden. Josef Harrison, den Sie hier gesehen haben, war in der Stadt; ich wußte, daß er mit dem Elfuhr-Zug nach Woking fahren wollte und hätte ihn gern begleitet. „Als ich den Vertrag in Augenschein nahm, erkannte ich sofort, daß mein Onkel die Wichtigkeit des Dokuments keineswegs übertrieben hatte. Ohne mich auf Einzelheiten einzulassen, will ich nur erwähnen, daß darin die Stellung Großbritanniens zum Dreibund klar gelegt und auseinander gesetzt war, welchen politischen Standpunkt England ein- nehmen würde, falls die französische Flotte im mittelländischen Meer ein vollkommenes Uebergewicht über die italienische Seemacht erringen sollte. Es handelte sich überhaupt ausschließlich um Fragen, welche die Marine betrafen. Rasch überflog ich noch die Namen der hohen Würdenträger, die den Vertrag unterzeichnet hatten und! machte mich an die Abschrift. „Das umfangreiche Dokument enthielt fechsundzwanzig Artikel und war in französischer Sprache abgefaßt. Ich schrieb, so schnell ich konnte, doch hatte ich, als es neun Uhr schlug, nicht mehr als neun Artikel fertig; daß ich den Zug noch erreichen würde, schien aussichtslos. Von dem Mittagessen war ich schläfrig geworden, auch hätte ich nach der langen Tagesarbeit ein dumpfes Gefühl int Kbps und glaubte, eine Tasse Kaffee würde mich auf frischen. AW Fuß der Treppe hatte der Mrhüter eine kleine Kammer, wo er die Nacht über bleibt; die Beamten, welche Ueber- stunden haben, lassen sich häufig von ihm auf seiner Spick tnslampe Kaffee kochen. Ich klingelte, damit er he rau f- kommen sollte. 539 ?,Zü meiner Verwunderung erschien statt seiner eine Kroße ältliche Frau mit groben Gesichtszügen. Sie hätte eine Schürze vor und sagte mir, sie sei des Türhüters Frau Und als Putzertn im Hause beschäftigt. So bestellte ich denn meinen Kaffee bei ihr. „Ich schrieb noch zwei Artikel ab und wurde immer schläfriger, so daß ich, um mich wach zu erhalten, gilt paarmal im Zimmer auf- und abging. Warum nur der Kaffee nicht kam? — Ich öffnete die Tür und trat hinaus, um die Ursache der Verzögerung zu ergründen. Mus' meinen: Arbeitszimmer, das keinen anderen Ausgang hat, führte ein gerader, schwach erleuchteter Korridor bis einer gewundenen Treppe, welche unten int Hausflur mündete, an dessen Ende man zur Stube des Türhüters gelangt. Ist man die Treppe zur Hälfte hinuittergegangen, so kommt man an einen Absatz, von dem aus ein zweiter Korridor im rechten Winkel zur Hintertreppe und nach einer Seiteu- ür führt. Dieser Eingang wird nicht nur von der Diener- chast benützt, sondern auch von den Angestellten, wenn ie aus der Charlesstraße kommet: und ihren Weg ab- 'ürzen wollen. Hier ist eine rohe Skizze der ganzen Oert- ' ixljfcit/' „Danke sehr. Ich glaube Ihren Ausführungen gut folgen zu können," sagte Sherlock Holmes. „Ich empfehle diesen Punkt Ihrer fcefonberen Beachtung, er ist von größter Wichtigkeit. — Die Treppe hinuntergehend, kam ich in den Flur und fand den Türhüter in seiner Kammer fest, eingeschlafen. Im Kessel neben ihm kochte das Wasser so stark, daß es bis auf die Diele spritzte. Eben streckte ich die Hand aus, um iben Mann aus dem Schlaf zu wecken, als eine Glocke, die über meinem Haupte hing, zu läuten begann, und er erschrocken aufführ. „Ach, Sie sind's, Herr Phelps," sagte er, verwirrt um sich blickend. „Ich bin heruntergekommen, um zu sehen, ob mein Kaffee fertig ist." „Während der Kessel ins Kochen kam, bin ich eingeschlafen." Er sah mich an und blickte dann mit wachsender Verwunderung nach der Glocke hinauf, die noch immer in zitternder Bewegung war. „Wer hat denn aber geläutet, wenn Sie hier waren, Herr Phelps?" „Geläutet? — Was für eine Glocke ist das?" fragte jch. „Die Glocke von Ihrem Würeau." „Mir stand das Herz still. — Mso war jemand dort im Zimmer, wo das kostbare Schriftstück auf dem Tische lag. — Wie wahnsinnig stürzte ich die Treppe hinauf und durch den Gang. Kein Mensch war im Korridor, Herr Holmes i— kein Mensch war in: Bureau. Ich fand alles genau so, wie ich es verlassen — nur die mir anvertrauten Papiere waren von dem Schreibpult verschwunden, auf dem sie gelegen hatten. Die Abschrift war noch da, aber das Original war fort." Holmes saß aufrecht in seinen: Stuhl und rieb sich die Hände. Dies Rätsel war so recht nach seinen: Herzeit, das sah ich wohl. „Nun, und was taten Sie?" murmelte er. „Ich wußte sofort, daß der Dieb die Hintertreppe heraufgekommen sein müsse. Auf den: Wege von: Haupteingang her wäre ich ihm natürlich begegnet." „Sie sind überzeugt, daß er nicht die ganze Zeit über !im Zimmer verborgen war oder im Korridor, von den: Sie sagten, er sei nur "schwach erleuchtet gewesen?" „Das ist ein Ding der Unmöglichkeit. Weder das Zimmer noch der Korridor bietet de:: geringsten Versteck." „Ich danke Ihnen. Witte, fahren Sie fort." „Der Türhüter hatte meine entsetzte Miene gesehen und kam hinter mir die Treppe hinaus. Wir liefen nun beide durch den Gang und die steile Treppe hinunter, die nach der Charlesstraße führt. Die Tür unten war nicht verschlossen;. wir stießen sie auf und e:lten hinaus. Im selben Auge »blick hörte ich, wie die Uhr vom nahen Kirchturm! drei Schläge tat. Es war dreiviertel auf zehn," „Das ist ein höchst wichtiger Umstand," sagte Holmes, während er die Zahl auf feiner Manschette notierte. „Draußen war dunkle Macht und es fiel ein seiner, warmer Regen. Auf der Charlesstraße ging kein Mensch, aber wo sie ganz am Ende mit Whitehall zusammenstöM war wie gewöhnlich ein dichtes Gedränge. Barhäuptig liefen wir die Straße hinunter und trafen an der Ecke auf einen Polizisten. ihr iß die Frau, die gegen neun Uhr dort keine Spur ihrer schmutzigen keine Fußspuren." „Hatte es den ganzen Abend geregnet?" „Etwa von sieben Uhr an." „Wie kam 'es dann, daß die Frau, die gegen neun Uhr Lei Ihnen im Zimmer war, dort keine Spur ihrer schmutzigen Stiesel zurückließ?" „Es ist wir lieb, daß Sie den Umstand erwähnen; auch mir fiel das damals auf. Die Putzfrauen pflegen in der Stube des Türhüters die Stiefel zu wechseln und Salband- „Ein Diebstahl!" stieß ich keuchend heraus. „Aus denk Ministerium des Aenßeren ist ein Schriftstück von unermeßlichem Wert entwendet worden. ■— Ist hier irgend jemand vorbeigekommen?" „Ich stehe feit einer Viertelstunde hier," entgegnete! er; „während dieser Zeit ist nur eine Person hier vorüoer- gegangen — ein großes, schon bejahrtes Frauenzimmer mit einem Umschlagetuch." „Ach, das ist gewiß nur meine Frau gewesen," meinte der Türhüter, „sonst haben Sie niemand gesehen?" „Keinen Menschen." „Dann muß der Dieb nach der anderen Seite entkommen fein," rief der Mann, mich am Aermel fassend. „Doch ich gab mich nicht so leicht zufrieden, und je mehr er versuchte, mich mit sich fortzuziehen, um so argwöhnischer wurde ich. „Welche Richtung hüt die Frau ein geschlagen?" fragte ich. „Das weiß ich nicht," antwortete der Polizist. „Ich sah sie Vorbeigehen, hatte aber keinen besonderen Grund, ihr nachzuspüren. Sie schien es sehr eilig zu haben." „Wie lange ist es her?" „Höchstens ein paar Minuten." „Wie viele dem: — etwa fünf?" „Sicherlich nicht mehr." „Sie verlieren nur unnütz Ihre Zeit, Herr Phelps," rief der Türhüter. „Meine Alte hat nichts mit der Sache zu tun, verlassen Sie sich daraus. Sie ist nach unserer Wohnung gegangen, wo Sie sie finden werden." „Wo wohnen Sie?" fragte ich. „In Grixton, Ephengasse Nr. 16; aber, folgen Sie nicht der falschen Fährte, Herr Phelps; Sie verlieren nuv unnütz Zeit." „Wir kehrten nun in das Ministerium zurück und durchsuchten die Treppen und Gänge, jedoch ohne Erfolg. Der Korridor, der zu meinem Arbeitszimmer führt, war mit einem hellfarbenen Linoleum belegt, auf dem jeder Tritt zu sehen ist. Obwohl wir es sorgfältig besichtigten, fanden sich schuhe anzuziehen." „Das erklärt die Sache. Also, Sie fanden keinen Abdruck auf dem Fußboden, trotz der Nässe draußen? Der Tatbestand ist wirklich höchst merkwürdig. Bitte, erzählen Sie weiter." „Nun untersuchten wir das Zimmer. An eine geheime Tür war nicht zu denken, und die Fenster sind wohl dre:ß:g Fuß hoch über der Straße; beide waren geschlossen und verriegelt. Eine etwaige Falltür ließe sich schon des Teppichs wegen nicht ösfnen und die Decke ist weiß getüncht. Ich möchte meinen Kopf verwetten, daß der Dieb, der das! Schriftstück gestohlen hat, nur zur Stubentür herecngekom- men fein kann." „Wie stehts mit dem Kamin?" Es ist keiner vorhanden, nur ein Ofen :st da. D:e Klingelschnur hängt am Draht, rechter Hand von meinem Schreibpult. Wer (geläutet hat, muß dicht am Pult gestanden haben. Aber, toarun: sollte ein Dieb die Glocke z:ehen? Es ist ein ganz unergründliches Geheimnis." „Freilich, der Umstand ist verwunderlich. — Wa» taten Sie nun für Schritte? Hatte der Eindringling nichts nN Zimmer zurückgelassen — sahen Sie keinen Zigarrenftumpf, keine Haarnadel oder sonst eine Kleinigkeit herumliegen? „Mcht das Geringste." . „Sie bemerkten auch keinen Geruch? „Darauf haben wir nicht geachtet." „Bei solcher Untersuchung! wäre es von Wichtigkeit, wenn das Zimmer zum Beispiel nach Tabak gerochen hatte. Fch bin selbst kein Raucher und e:n Tabaksgeruch wäre mir gewiß aufgefallen. Wir fanden nicht den geringsten Ausschluß. Die einzige greifbare Tatsache war, daß des Türhüters Weib — Frau Tangey ist ihr Name - ftch erttg davon gemacht hatte. Trotzdem ihr Munn erklärte, seine Frau gehe um diese Zeit gewöhnlich nach Hause, kam ich — 540 Mit dem Polizisten überein, daß mir suchen müßten, der Frau habhaft zu werden, ehe sie Zeit hätte, fach der, Papiere zu entledigen — vorausgesetzt, daß diese überhaupt rn ihrem Besitz waren. ,, . , „ , ,,r. , „Inzwischen hatte mit das Polrzeramt Leuachrtchtrgt Md Forbes, der Geheimpolizist fand sich sofort ein, übernahm den Fall und entwickelte die größte Tatkraft. Wir bestiegen eine Droschke, sagten dem Kutscher die Adresse und eine halbe Stunde später hielten wir vor Frau Tangeys Wohnung. Ein junges Mädchen, ihre älteste Tochter, wie wir später erfuhren, öffnete uns. Die Mutter war noch nicht zurück und wir mußten im Wohnzimmer warten« (Fortsetzung folgt.) Theophil Gautiers Beziehungen zu Deutschland. Zu seinem 100. Geburtstage: 31. August. Won Theophil Gautier, dem „von Theo", dessen 100. Geburtstag die Franzosen am 31. August begehen, wird erzählt, daß ihm eines Tages einer seiner Freunde sagte, wenn ferne Zeitgenossen einsichtig genug wären, so müßten sie ihm den Beinamen eines „Goethe franyais" zuerkennen. GautiLr antwortete hierauf lächelnd: „Ach, es hat mir immer mindestens eins gefehlt, Um dem großen Deutschen ganz zu gleichen". „Was denn?" — „Der Herzog von Weimar." — Wenn so Gautier auch in kluger Bescheidenheit jenen ehrenvollen Beinamen ablehnte, so zeigt diese Geschichte doch, daß man in Frankreich schon früh erkannt hat, in wie engen Beziehungen der 'Dichter, der gleich Hervorragendes als Erzähler, Kritiker und Lyriker geleistet hat, zur deutschen Literatur stand. Er gehörte der französischen Tichtergeueration an, die so sehr, wie keine zweite vorher oder nachher, unter dem Einflüsse des deutschen Geistes stand. Und unter diesen 'Dichtern von 1830 ist Theophil Gautier derjenige, der sich am willigsten dem deutschen Einstuß hingab. Während für die meisten seiner Landsleute Goethe lediglich „l'auteur de Weither et de Faust" war. Gautiers intimer Freund Görard de Nerval veröffentlichte 1828 eine französische Faustübersetzung, über die sich Goethe selbst höchst befriedigt aussprach. Die köstlichen Gaben des „West- östlichen Diwans" hat Gautier mit freudiger Dankbarkeit ausgenommen. So starken Eindruck haben sie aus ihn gemacht, daß in zahlreichen seiner eigenen Gedichte ihre Nachwirkung spürbar ist. Neben Goethe war es besonders E. D. A. Hoffmann, dessen phantastische Erzählungen ihn, wie so viele der anderen französischen Romantiker, entzückten; und längst hat man gesehen, daß unter Gautiers Werken besonders sein „Roman de la momie" den Einfluß Hoffmannscher Erzählungskunst bekundet. Während Heinrich Heine, der seit 1831 in Paris lebte, den meisten Franzosen nur als der geistreiche Journalist, der satirifche Schriftsteller und Verfasser von Schriften wie der „Romantischen Schule" und der „Reisebilder" bekannt war, vertiefte BGautier, auch diesem Deutschen gegenüber stütz ein selb- >iges, inneres Verhältnis suchend, fast als einziger seiner zösischen Zeitgenossen in Heines Lyrik, die zu allgemeinem Ansehen in Frankreich erst zur Zeit der „Parnassiens" gelangte. Gautier mag auch die Veranlassung dazu gegeben haben, daß Gerard de Nerval 1848 Heines „Intermezzo" in stanzösische Prosa übertrug. Heine war auch der deutsche Dichter, zu dem Gautier in enge persönliche Beziehungen trat. Nicht bloß in Paris trafen sie einander häufig im Privatkreise wie in den Kaffehäusern, sondern Jahre lang verbrachten sie gemeinsam mit Alphonse Royer als Dritten im Bunde, jeden Sommer in Montmorency, wo sie sich, außer an der schönen Natur, an ihren von schöner Hand bereiteten Lieblingsgerichten erquickten. Noch als Heine in der „Matratzengruft" unter qualvollen Leiden dem frühen Tode entgegensah, war Gautier häufiger Gast bei ihm. Wie intim ihr Verkehr war, davon erzählt Emile Bergerat, Gautiers Schwiegersohn, der in mehreren Büchern Gautiers Leben And Dichten beschrieben hat, in seinen „Erinnerungen" ein rührendes Beispiel. Heines alte Mutter hatte durch deutsche Zeitungen erfahren, wie krank ihr ferner Sohn sei, und sich sehr darüber gegrämt. Sobald Heine diese Nachricht emMng, bat er seinen Freund, ihn zu besuchen; und als dieser sofort kam, mußte er auf Heines Verlangen, der selbst nicht mehr zu schreiben imstande war, an die Mutter des Dichters, um sie zu beruhigen, einen Brief schreiben, in dem er ein Festmahl schilderte, das Heine zu Ehren des Geburtstages seiner Mutter im Freundeskreis veranstaltet habe und an dem er (Gautier) und außerdem George Sand, Chopin und andere bekannte Leute teilgenommen hätten. Das letzte, was wir von den Beziehungen der beiden Dichter wissen, ist die Bemühung Heines um eine Vorrede, die Gautier zu seinen „Reisebildern" zu liefern versprochen hatte; in Heines letztem Briefe, den er sechs Tage vor seinem Tode diktiert hatte, ist von !khr die Rede. Mer Über diese „Vorrede" hinaus hat Gautier noch auf ändere Werse der deutschen Literatur gleichsam den Dank ab- ftatten können Mr alles das, was er von ihr empfangen hat. Er hatte in den dreißiger Jahren eine Novelle „König Kaudaules^ geschrieben. Diese kannte Friedrich Hebbel, und er verwendete, wie ein deutscher Forscher vor etwa 10 Jahren nach gewiesen hat, eine Reihe bedeutsamer Züge aus der Erzählung für sein 'Drama „Gyges und sein Ring", wobei er steilich aus künstlerischen Rücksichten wie infolge seiner ganzen Stellung dem antiken Stoffe gegenüber gerade an einigen der stärksten Stellen der Tragödie über den französischen Erzähler hinausschritt^ Vermischtes. • Die Baukosten eines Wohnhauses. Allen, die es sich leisten können, dein Zug der Zeit nach einem Eigenhaus zu folgen, stellt Geheimrat Dr. Hermann Muthesius in Heil 1 des neuen Jahrgangs der „Arena, Oktav-Ausgabe von „lieber Land und Meer" (Herausgeber Dr. Rudolf Presber, Deutsche Verlags- Anstalt, Stuttgart) eine interessante Kostenrechnung aus. Haus A, 7 Zimmer und Küche: 1. Grunderwerbskosten 11 000 Mk.p 2. Reine Baukosten für das nackte, jedoch wohuiertige Haus 31500 Mk.; 3. Herrichtung der Hingebung des Hauses (Garteuanlagen, Um- mehrung, Terrasse, Eingangstor, Gartenlaube, Tennisplatz 12 00 Mark; 4. Gebühren (Grundslückserwerb, Baupolizei, Gas- und Wasseranschluß, Architektenhonorar) 3ck>0 Mk. Zusammen 47 450 Mk. Haus B, 9 Zimmer, Halle und Küche: 1. Grunderwerbskosten 29 000 Mk.; 2. Reine Baukosten für das nackte, jedoch wohusertige Haus 60100 Mk.; 3. Besserer Ausbau, verzierte Decken,,Wandver- kleidung, reichere Bäderaiisstattung, gute Beleuchtungskörper und so weiter) 24 700 Alk.; 4. Neue Möblierung 7500 Alk.; d. Herrichtung der Umgebung des Hauses (Garteuanlagen, Umwehrung, Terrasse, Eingangslor, Gartenlaube, Tennisplatz) 16 500 Alk.; 6. Gebühren (Grundstückserwerb, Baupolizei, Gas- und Wasteranschluß, Archi- tektenhonorar) 13 500 Mk. Zusammen 151 300 Alk. Es ergibt sich, daß die Gesamtkosten des Aiiwesens B iveit über dreimal so viel betragen, wie die Gesamtkosten des Amvesens A. Tas Beispiel zeigt also, wie sehr die Nebenumstände die Kosten eines Anwesens in die Höhe schnellen lassen, obgleich die reine» Baukosten für das nackte, wohnfertige Haus sich in ungefähr dem gleichen Verhältnis bewegen. ,, * Etwas von den Orden. Das Wort Orden bezeichnet in feiner Herkunst vom lateinischen ordo zunächst Ordnung, geordnete Reihenfolge. Noch Ltilher sagt 2. Mose 28, 10: „Auf jeglichen (Stein sollst du) sechs Namen (der Kinder Israel eingraben) nach den Orden ihres Alters". Bezeichnenderweise hat man später für den in diesem Sinne unverständlich gewordenen Aus- druck das Wort „Ordnung" eingesetzt. Da diese Ordnung nach bestimmten Regeln erioigte, da sie diese Regeln sozusagen verkörperte, wurde „Orden" selbst zur „Regel", Näheliegend mußte es nun sein, wenn Gesellschaften, Körperschakten, die'nach gleichen Diegeln lebten, sich zur Betätigung gleicher Regeln zusammenschlofsen, ebenialls Orden zu nennen. So entstände:: die Orden des Mittelalters, unter denen die Mönchsorden und die geistlichen Ritterorden besonders hervorragen. Nach dem Muster dieser letzten wurden später durch Fürsten auch iveltliche Ritterorden ins Leben gerufen, so durch den ersten König Preußens der Orden vom Wappentiere des Zollernhauses, von: (schwarzen) Adler. Natürlich mußte das Aiitglied eines solchen Ordens auch ein äußeres Abzeichen tragen: n:an wählte als solches das Kreuz der alten Ordensritter, nannte das, was eigentlich Ordensabzeichen war, nun auch Orden, und der heutige Wortbegriff für derartige äußere Auszeichnungen war geschaffem * Münchener Kindl. Lehrer: „Du, Seppl, wieviel find zwei Halbe?" — Seppl: „A Moaß, Herr Lehrer!" * Hochtour. Kindermann: „Tja — und noch eins Serenissimus werden nächstens mal 'n —> äh — Gletscher überqueren —> lassen Sie da etwas — äh — Asche streuen — verstanden?" Skat-Ausgabe. Mittelhand spielt Pigiie-Solo mit folgenden Kartenr ßä Vorhand hat 25, Hinterhand 42 Augen. Das Spiel geht verloren, obgleich im Skat noch ein Trumpf liegt. Wie waren die Karten verteilt und wie wurde gespielt? Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Ergänzungsrätsels in voriger Stummer8 Eines Andern Pein empfinden, Heißet nicht barmherzig sein; Recht barmherzig sein will heißen: Wenden eines Anderen Pein. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lang«, Gieße«.