Montag den 50. Januar MI B »PWE-i Das Witwenhaus. Roman von Helene von Mühlau. Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) In dieser Vorfrühlingszeit erwachte alles in dem ganzen Städtchen aus dem tiefen Winterschlaf. Es kamen die goldenen Wochen für Handwerker feder Art. Es wurde gebaut, gemalt und tapeziert, man begann die Gärten herzurichten und die Betten zu lüften. Wenn es gut ging, konnte man im April die ersten Sommergäste erwarten, und auch die Kosh legte Decken, Kissen und Federbetten in der Logia aus, die ganz links am Parterre des Hauses angebaut war. Ihre Frau mußte jetzt bald mit denk Kind in die Mittelstube mit dem Alkoven übersiedeln. Und die Kosy rechnete ihr vor, wie viel sie bei einigermaßen guter Vermietung aus den beiden Vorderstübchen herausschlagen könnte. Die Gräfin oben war jetzt wieder fein heraus; sie hatte sich ihre alte Magd vonr vorigen Winter kommen lassen und erwartete in drei Wochen ihre Sommergäste; auch die Specht war ganz aus dem Häuschen, und ihre Zimmer waren schon blitzblank, obschon ihre Fremden erst im Juni erwartet wurden. Wenn es nicht regnete, begann die Kosh im Gärtchen zu harken, sie zupfte mit dem kleinen Erwin das Unkraut aus, und wenn die Sonne schien, rief sie Frau von Hilbach heraus zu ihrem Lieblingsvlätzchen unter der Linde, von wo ihr Blick über dm Fluß und das Städtchen schweifen konnte bis hinüber zu dem schwarzen Wald hinter den Bergen, der für sie die Grenze war, die sie von der Welt abschloß. „Schön, was?" fragte die Kosy, als sie von ihrer Arbeit ein wenig rastete. „Wenn Sie nur ein bißchen froher und mutiger werden wollten, Frau von Hilbach, dann würde alles andere von selbst gut werden. Sehn Sie mal mich an, ich habe andere Courage wie Sie. Heute morgen bin ich an der Bürgermeisterei gewesen und hab mich als Brunnenfrau Vorschlägen lassen, weil die Stellung frei ist. Krieg ich den Posten, so nehm ich ein hübsches Stück Geld ein. Dreist muß der Mensch sein; von selbst kommt das Glüäk nicht zu einem!" Frau von Hilbach sah sie bewundernd an. „Ich Wollte, ich wäre wie Sie, Kosy. Sie sind so prachtvoll gesund und froh, und ich bin müde, Kosy, todmüde seit ein paar Wochen!" „Das ist der Frühling," sagte die Kosy. „Der macht alle jungen Menschen müde. Das geht bald vorüber, und wenn Sie im Sommer viel im Freien sind, kommen Sie auf andere Gedanken." Die Wochen vergingen, und der kleine Erwin brachte seiner Mutter Veilchen, die hinter der Kosy Haustür am Bergabhang blühten. Die Pastorin hatte fürs erste ihre unglückliche Erbschaftssache vergessen. Sie war die einzige im Haus, di« schon Kurfremde hatte, sie sah jung und rosig aus, und ihr« Augen schienen in Glück gebadet. Für die Kosy hatte si« nur einen ganz herablassenden Gruß übrig, wenn sie ihtz begegnete, und auch auf Frau von Hilbach sah sie wi« mitleidig herab. „Daß meine Frau aber auch in allem und allem Uwglück haben muß!" sagte die Kosy, als der Mai zu End« ging und ihre Vorderstübchen noch leer standen. „Die Hänf- lein, die es doch gar nicht nötig hat, hat seit acht Tatzen eine Dame in ihrer kleiner: Stube, und selbst die Natufiu» hat einen Gast; es ist zum Verzweifeln! In zwei Wochen hat auch die Specht ihre Fremden, uno dann sind sie alle versorgt, nur meine Frau geht leer aus." Die Specht lebte in fieberhafter Erwartung; sie ging gar nicht mehr aus dem Haus. Jeden Morgen durchschritt sie die sorgfältig vorbereiteten Zimmer, zupfte bte Deckchen auf den Sofas und Sesseln zurecht, wischte den Staub und zählte die Tage, bis sie kamen. Sie hätte zwischendurch schon vermieten können, eÄ warm Leute aus Erfurt dagewesen, die gern im Saale- haus gewohnt hätten. Wäre ihr Groll auf Frau von Hilbach und deren Wirtschafterin nicht immer noch groß gewesen, so hätte sie diese Fremden ins Parterre geführt. Aber das sah sie nicht ein, daß sie der Frau von Hilbach, die sie in der Miete gesteigert hatte, einen Vorteil verschaffen sollte. Wenn die jetzt den ganzen Sommer ohng Fremde blieb, dann geschah ihr das recht, und man dürft« kein Mitleid mit ihr haben. „Nun, Herr Langmann?" fragte sie eines Tages kurz vor dem ersten Juni den Briefträger, der an ihrer Tür geklopft hatte: „Was bringen Sie mir?" „Nun, hoffentlich was Gutes!" sagte der und ging zum Pförtchen hinaus. Die Hänflein stand in ihrer offenen Tür und wartet« ab, bis die Specht ihren Brief öffnete. „Aus Berlin!" hatte die Specht ihr freudig zugerufew „Sicher melden sie sich an!" Wer dann wurde sie plötzlich bleich, rief zweimal» „Gott, o mein Gott!" und die Hänflein mußte eilig zuspringen, um sie zu stützen, denn sie war grün im Gesicht und schwankte. „Was ist denn, um Gottes willen, Frau Oberlehrer? Kommen Sie doch zu sich!" sagte die Häuflein und führt« ihre Flurnachbarin in ihr Wohnzimmer, wo sie auf einen Plüschsessel niederfiel. „Gott, o mein Gott!" stöhnte die Specht, dann reicht« sie der Hänflein den Brief, und die trat ans Fenster und las, und um den Mund glitt ein ganz kleines Wichels aber sie rief im Tone tiefster Entrüstung» 66 — ,Mls -ist empörend, Frau Oberlehrer! Das dürfen Sie so ruhig nicht hinnehmen. Da, müssen Sie auf Schadenersatz klagen!"' „In den ; aiiigeit Ritter wollen sie-ziehen!" stöhnte die Specht, „und das schreiben sie so einfach, fo freundschaftlich, als hätten sie keine Verpflichtung gegen mtch, Und sie hoffen, daß ich sie recht häufig besuche. Was sagen Sie dazu, Frau Häuflein? Ist so etwas auszudenken?" „Sie müssen sofort zur Bürgermeisterei gehen, Frau Oberlehrer, und der Badeverivaltung die ganze Sache vortragen. Aber ich! Gourde keine Minute verlieren, denn wenn sie erst im Ritter wohnen, wird nichts mehr zu machen sein." „Aber übermorgen, Frau'Häuflein, übermorgen wollen sie ja schon kommen!" „Um so schneller müssen Sie handeln, Frau Oberlehrer!" drängte die Häuflein, half ihrer ganz- gebrocheiten Freundin Hut und Mantel aulegen, geleitete sie zum Pförtchen und wünschte ihr gute Verrichtung. Nach einer Stunde aber kant die Specht noch gebrochener als zuvor nach Hause. An der Badeverivaltung hatte man ihr gesagt, daß keinerlei Verbindlichkeit vorliege, wenn sie keine schriftliche Abmachung in Händen habe, und ihre verzweifelte Bitte, daß doch die Bürgermeisterei in diesem Falle für sie eintreten möge, hatte man rund abgelehnt. " Mn war alles, alles hin, und wie Frau Hänflein ihr noch teilnahmsvoll beibrachte, daß auch Frau von Hil- bachs Ztmmerchen soeben bezogen worden seien, brach sich der Specht Empörung Bahn in einer grenzenlosen Wut gegen -das Saalehaus und seine Besitzerin, und sie schwor Rache, eine Rache, die man so leicht nicht vergessen sollte. Die Hänflein zog es vor, -die erregte Freundin fürs erste allein zu lassen; sie entschuldigte sich mit einer eiligen Arbeit, und das feine Lächeln spielte wieder um ihre Lippert. „Ist ja mal nur ein Lumpenpreis, deit sie zahlen!" sagte die Kosh, als sie mit Frau von Hilbach allein im .Garten war. Ihre ganze Ueberredungsiünst hatte sie auf- geboten, um die zwei Stübchen ihrer Herrin air drei Damen aus Berlin zu vermieten, und die hatten schließlich einge- willigt, wenn man ihnen erlaubte, ihr Mittagessen in der Küche zu bereiten. „Was die Berliner Kurgäste sind, die wollen heutzutage noch sparen, wenn sie in die Sommerfrische gehen," sagte sie empört. „Das war früher anders. Menn da einer eine Reife machte, dann ließ er was springen. Aber heutzutage, wo jedweder reist, nur weil es Mode ist, knapsen sie an allen Ecken und Enden. Na, euvao ist besser wie nichts, Frau von Hilbach, und vor allem schon deshalb, weil die Leute einen nu nicht mehr so geringschätzig! ansehen!" Spechts Minna kam in -den Garten und ivinkte die Kosh beiseite. Sie flüsterte ihr ganz schnell was ins Ohr Und flog wieder ins Hans, und die Kosh stand wie versteinert da. ,/Herr, du meine Güte!" rief sie schließlich fassungslos -aus und sah zu der Specht Zimmern hinauf, als müsse von dort etwas Besonderes kommen. „9(6, ne, Frau von Hilbach, das hab ich ihr ja nun gerade nicht gewünscht, so was trifft hart, aber wenn man bedenkt, ivie grundschlecht die Specht im Charakter ist, dann muß man auch wieder sagen, daß ihr so eine Strafe nichts schadet." „Was ist denn los, Kvsy?" drängte Frau von Hilbach. „Nu, ihre Badegäste aus Berlin sind in den Ritter gezogen. Haben Sie's auch schon gehört, Frau Gräfin," sagte sie zu der Pastorin, die in ihrer kleinen Laube saß, ^der Spechten ihre Badegäste sind in den Ritter gezogen!" Die Pastorin war -auch im ersten Augenblick starr, aber dann faltete sie die Hände und dankte Gott, daß er sie vor ähnlichem Unheil bewahrt hatte. -Die Specht hing nun ein großes Schild an sämtliche Fenster ihrer Wohnung. „Logis für Badegäste mit Und ohne Pension!" stand darauf, aber die Tage vergingen, und niemand meldete sich bei ihr. Sie sah blaß und abgehärmt atts, ihre Augen funkelten in einem unheimlichen Feuer, und thre Minna hatte keine -guten Tage. „Sie hat mir mit Ohrfeigen gedroht!" sagte sie zur Kosh. „Ich wollte Mr man, fte haute zu, dann verklagte ich sie auf der Bürgermeisterei, dann hat sie erst ihre Hucke voll!" „Schaden kann es ihr wirklich- nichts!" dachte auch' die Kosh immer wieder, aber als sie eines Tages mit einem Korb Eier vom Naumburger Markt kam uttd- cutt' Bahnhof von einer feinen Herrschaft gefragt wurde, ob sie ihr eine Wohnung von zwei Zimmern mit einem! schönen Blick empfehlen könne, da hatte sie bereits verziehen und nahm die Herrschaften mit sich ins Saalehaus. Die sahen sich erst von außett die Wohnung an ttnd waren ganz besonders von dem blumengeschmückten Balkon der Hänflein entzückt. Die Kosh klopfte an der Specht Flurtür, stellte ihren Korb mit Eiern neben die- Treppe und sagte freudig erregt: „Nun, Fr-au Oberlehrer, sollen Sie endlich einsehen, -daß ich ein gutes Herz habe. Ich bringe Ihnen hier Herrschaften, die eine Wohnung mit schönem Blick suchen. — Bitte, bitte, meine Herrschaften, bemühen Sie sich hier herein!" sagte sie zu dem Herrn und der Dame, die die Treppe heraufkamen. „Die Frau Oberlehrer Specht wird Ihnen die Zimmer zeigen; bei der sind Sie gut aufgehoben, das kann ich Jhsten versichern!" Die Specht warf der Kosy einen dankbaren Blick zu, die Hänflein war auf den Flur -gekommen und sah neid.sch auf das, was vorging. Die Dame besichtigte durch ihr Lorgnon die Möbel uttd Betten, trat ans Fenster und fand die Aussicht herrlich schön, aber einen Balkon vermißte sie, und wie auch der Herr, der in der Flurtür stehen geblieben Ivar, bedauerte, daß die Seite mit dem Balkon keine vermietbaren Zimmer habe, sagte die Hänflein liebenswürdig: „O bitte, wenn Sie sich bemühen wollen. Ich vermiete meine Zimmer auch, sogar mit Küche, wenn es den Herrschaften beliebt!" „Aber das ist ja wunderschön, Helene," sagte der Herr zu seiner Frau, „hier die Dame vermietet ihre Zimmer auch, und wir können den Balkoit haben, sogar die Küche stellt sie uns zur Verfügung, uttd das war ja dein Wunsch!" „O, dann entschuldigen Sie bitte!" sagte die Dame, verneigte sich leise gegen die Specht und folgte mit ihrem Mann der Frau Hänflein. Die Kosy und die Specht sahen sich eine Werke starr an. t , „Ne, schön ist das von Fr art Hänflein ntcht, das muß ich sagen!" brachte die Kosy endlich vor. „Wo die doch Ihre Freundin ist und das Vermieten gar nicht nötig hat!" Die Specht lachte heiser auf, dann faßte fte an rhre Stirn, so, als wolle sie sich überzeugen, daß all das wahr sei, und wie die Minna ins Zimmer kam, gab sie ihr den Befehl: „ , . „Gehen Sie augenblicklich zur Fran Hanflern und sagen Sie ihr, ich verlangte sofort mein Leihbibliotheks- buch und meinen Stickrahmen von ihr zurück, aber augenblicklich!" Die Minna lachte, ging hinaus und- kam zwei Minuten später mit dem Bescheid zurück, die Frarr Hänflein sei momentan beschäftigt. (Fortsetzung folgt.) Der Talisman. Eine Spitzbubengeschichte von Helmuth tau Mor. In Niedertupfing ist großer Jahrmarkt. Das hat aus der Umgebung viel Volk herbeigezogen, und in den Gängen vor den Verkaufsbuden drängt sich's, schiebt sich's, drückt sich's und stößt sich's, daß man Rippen wie Wagendeichseln haben muß, will man sich in diesen Strom stürzen. Gerade dem Wirtshaus gegenüber hat Olim Pascha seinen Stand aufgeschlagen. Eigentlich heißt er Ignaz Huber ud ist in der Gegend von Stadelheim zu Hause; seit er aber einen schwunghaften Handel mit orientalischen Wareir betreibt und sich einen roten Fez angeschafft hat, nennt er sich nur mehr Olim Pascha. Von seinen Ktinden kennen ja auch nur wenige den Orient intimer, und die Bewohner vvN Niedertupfing glauben es dem roten Fez, daß der Dialekt, den sein Träger spricht, das reinste Türkisch ist. Das muß man ihm lassen: Olim Pascha hat Auswahl, — viel Auswahl! Er führt die verschiedenartigsten_ Sachen. Quittierte Rechnungen kann er ja freilich darüber nicht vorlegen; hier und da aber sitzt er doch den Betrag für einen ferner „Einkäufe" ehrlich ab. Er sieht überhaupt auf Reellität und Ehrlichkeit — es. muß alles har bezahlt werden, w-as- mpn hei An 67 lauft —, dafür bleibt er ja auch alles schuldig. Für dm Jahrmarkt in Niedertupfing hat er sich besonders reichlich versehen, denn die Bauern in jenen Gegend haben eminent große Kartoffeln. Da steht nun einer, dem die Silbertaler zu Dutzenden auf der roten Weste baumeln, schon eine gute Viertelstunde regungslos vor feinem Kram und starrt mit runden Augen, aus all die fremdartigen Gegenstände. Olim Pascha läßt ihn ruhig gewähren 1— der kennt seine Leute. Der Bauer braucht Zeit für seine .Entschließungen. Endlich ringen sich die Worte aus der Brust des Beschauers: „Sö — feign’ S amal — was is denn dös?" Damit deutet der schwielige Finger des Bauern auf einen Gegenstand, der nun ausnahmsweise wirklich echt orientalisch sein mochte. Es war ein Amulett, in das mit Goldfäden mehrere türkische Worte eingesticlt waren — jedenfalls ein Spruch aus dem Koran — und das an einer Schnur von Glasperlen um den Hals zu tragen war. Dies Amulett hielt nun allerdings der Pseudotürke selbst sehr wert — denn er war ein wenig abergläubisch und überzeugt, daß ihm der Talisman bereits viel Glück gebracht hatte. Wenn er ihn deshalb überhaupt verkaufte, so sollte es jedenfalls um einen hohen Preis sein. Und zögernd erwiderte er: „Dös is a Talisman — vastehst? — Einer, wo Glick bringt. Der Prophet Muhammet hat 'n trag'n." Die Augen des Bauern wurden noch runder. „A — a — Talisman? Sö, was is denn iatzt dös?" „Na a Talisman is halt," lautete die ungeduldige Antz- >vort. „Wann du den im Haus hast, uacha kann nix fehl’», Dei Küh geb’» mehr Milch, bet Weib zankt nimma —" „Was?— Is dös g'wiß? — Sö — is dös ganz g'wiß?" „Ganz g'wiß! — I hab’s ja do g’sagt." Eine Viertelstunde lang sinnierte der Bauer so für sich hin. Mann erkundigte er sich zaghaft: „Sö — was kost denn der — der Talisman?" „Fünfunzwanz'g Mark'ln — rein g'schenkt." „Fülifun — —" Dem Bauer blieb der Mund ein Stückchen offen stehen ■— da hält ein Heuwagen hineinfahren können. Fünfundzwanzig Mark! Sakra, mußte der Talisman Glück bringen. Aber fünfundzwanzig Mark — fünfundzwanzig Mark — — Olim Pascha machte mit einem Male ein dummes Gesicht — das heißt, er sah so aus!, wie er eben aussah, wenn er nicht sein orientalisch-türkisches Gesicht machte. Denn der Bauer, der seinen Kram so beharrlich angeschaut hatte, war mit einemmal Verschwunden, und — „Himmi Kruzi Tircken — Sternsackra — Marandjoseph!" Olim Pascha verfiel mit einem Male ganz ins Türkische. „Der Loder — der Malefizkerl — mei Talisman! Mein Talisman hat r^ gestohl'n!" , Im Nu ist die Bude des Schreienden dicht belagert, wie ein Gefangener sitzt Olim Pascha drin, schreft und kann dem Dieb nicht einmal nachlaufen. Die Bauern hören ihm ruhig und teilnehmend zu, aber es rührt sich keiner, den Verbrecher aufzuspüren. Und mit einem Male wird Oljim still. Dur chdie Menge arbeitet sich nämlich der Gendarm. Mit der Polizei hat der türkische Würdenträger nicht gern was zu schaffen — er hat den glückbringenden Talisman selbst auf eine —. hm nicht ganz und gar einwandfreie Weise erworben. „Was hab'» S' denn? — Was schrein' S' denn?" erkundigte sich der Beamte. ,,3?" fragt Olim befremdet, „was soll denn i g'schrien hab n? — Mei Kram hab i halt seilg’boten. — Eau Paar Schuch n, »teilte Herren — di—reit aus'm Orient — warm und billig — schtaunenswert — um drei Markl'n bloß! — Na, laufen S' do net glei davon — weil's Sö fan — um zwo ar Markt! Echt tirkisch, meine Herr'» — ocm Paar Schnch'ii um a Markl fusz'g--" Ganz scheu und verstört ist der Kererbauer vom Jahrmarkt heimgekommen. An der Mche vorbei, darin fein Weib mit Tellern und Schüsseln llapperte, wollte er sich in -feine Stube drücken. Aber die Kererbäuerin hat scharfe Augen. „Na—a?" tönt's keifend hinter ihm her. „Wogengast denn hi? — Siehgst mi net, daß b’ net an „Grüaß Gott" außi bringst? — Wo hast denn dösell Sach'n, wo d' hast mitbringan soll'»?" „Dö Sach'n?" stottert der Kerer. „Ja mei — dös hab. i halt vageß'n —" „Va —, —" Ein Teller flirrt zu Boden. Für zwei Sekunden ist die Bäuerin sprachlos — aber auch wirklich nur für zwei Sekunden. Dann ergießt sich der Strom ihrer lieblichen Rede mit umso größerer Gewalt auf das Haupt des teuren Gatten. „B'suffner Lackl" und „spinneter Depp" — das waren die vor- 8üglichsten Kosenamen, mit denen die Kererin den Bauer bedachte. )is der mit der Wahrheit herausrückte und mit zitternden Fingern Nus der inneren Tasche seines Rockes das Amulett — den Talisman zum Vorschein brachte. Da,wurde denn die Bäuerin fteilich still -statin Talisman — ja freilich, der mußte wohl Glück bringen! Und so für umsonst ---- Olim Pascha hätte den Verlust seines wundertätigen Talis- Uan's. keineswegs verschmerzt. Aber er bediente sich zu seiner Wiedererlangung nicht der Polizei. Das hätte Weiterungen ergeben können und wenn Stadelheim auch seine Heimat war--- kurz, er schlug einen anderen Weg ein. Er erkundigte sich bei den Bauern, wer das wohl sein möchte, der so und so ausgesehen habe. „Der mit der rot'n West'n? — Dös is der Kaiser g’roen!" erklärte ihm der Eine. „Der, wo dös grüatte Hüt'l auffi g'habt hat? — Dös is der Mühlbacher g'wen," meinte der andere. Und Olim Pascha notierte sich sämtliche Namen auf das Genaueste. Am späten Nachmittag packte er seinen Kram zusammen. Und dann machte er sich auf den Weg — zunächst zum „Kaiser". Der empfing den städtisch gekleideten Fremde» sehr zurückhaltend. Olim Pascha wußte zwar nicht recht — war das der Dieb gewesen? Aehnlich war er ihm ja freilich. Und dje rote Weste — — Wenn ihn nur sein Gedächtnis nicht trügt.e. Rama» mußte mal auf de» Busch klopfen. „I kimm vom Jahrmarkt," eröffnete er das Gespräch!» „So!" Der Bauer wurde »och zugeknöpfter. „Ja — u» was i sag'n wullt — dös G'schäft war ja so? Weit ganz guat. Nur g'stohl'n is halt viel word'n. Sehr viel." Der Kaiser begann auf seinem Stuhl hin und herzurutscheN, „G'stohl'n!" wiederholte er. „So, so — g'stohl'n." „Ja," fuhr der Besucher fort. „Mau ko ja net nach hink'N und vorn z'glei schaug'n. Aba so den oaneu oder den andern hab i halt do g'merkt — ja, so oaneu oder ’n andern." „Ja mei! — Den Wern S’ a’zeig’n — gell« S’?" „No freili! •— Un eing’sperrt wirdta — lang eing'sperrt." „So, so!" Der Koiser schien zu schwitzen. „Ja — hm —1 ei'g’sperrt — ja scho — hm — hm." Jetzt war Olim Pascha seiner Sache gewiß. Und mit einem durchbohrenden Blick sagte er: „Wissen's leicht selbst oanen, der wo was g’stohl’n hat?" Der Koiser wurde kreidebleich. Stöhnend erwiderte er: „I will’s bekennen — i hab'» g’numman, de» Huat. Sö hab’n ’s ja do gefeg’u. Aba i bitt schön — tuan S' mi net v'zeig’n! I geb’n Eahn wieder, den Huat. Un sunst hab i ganz g’wiß nix g’numman." „Jawohl — wiedergeb’n!" antwortete der Besucher zornig. „I hätt'n verkaaft suiist'n — um sieb’n Markl! De» Huat können S’ behalten —, aba die sieb’» Markl» — die müassens mir geb’n!" „Sieben Mar kl» füa den Huat?" wagte der Koiser schüchtern zu fragen. Aber da nahm der Fremde eine so drohende MieM an, daß er sich beeilte, die sieben Mark auf den Tisch zu zählen. Jetzt erinnerte sich übrigens Olim Pascha auch bestimmt, daß dies nicht der Talisinau-Dieb gewesen war. — Als zweiter stand der Mühlbacher auf der Liste. Der wurdtz schon, kreidebleich, als er des Besuchers überhaupt ansichtig wurde. Olim Pascha wandte die gleiche Taktik an wie beim Koiser — und hier handelte es sich um eine Haube, zwei Schürzen und eiuc Rolle mit zehn Meter blauen Bandes, Gegenstände, die bett! Türke auf zwölf Mark fünfundachtzig Pfennige einschätzte. I» ganz Niedertupsing machte Ignaz Huber an diesem Abend die Runde, und das Ergebnis dieser Reise ging kaum in fei»81 Börse. Das ganze Jahrmarktsgeschäft hatte ihm nicht halb so viel eingetragen. Was ihm aber schwer und schmerzlich dünkte', war, daß er dabei gerade zu.dem Diebe nicht gekommen war, der ihm seinen Talisman — seinen glückbringenden Talisman entwendet hatte! Tuch, Hosen, Zigarren, Schmuckgegenstände, Hüte, Schirme, Stöcke hatte erbezahl bekommen — nur, sein Auiuelett nicht — fein köstlichstes Amulett, dem er nach feiner tmttmstöß- lichen Ueberzeugung dies ganze Glück verdankte. Gewissermaßen hatte er ja damit auch Recht, denn ohne den Talisman hätte er diese Geschäftsreise ja niemals unter non tuten. Der aber blieb in dem Besitz des Kerer-Banern, ober vielmehr im Besitz der Kerer-Bauerin. Ein paar Tage lang erfreute sich die biedere Frau in aller Stillei an ihrem Besitz; dann aber wurde ihr das Vergnügen zu langweilig. Einer Nachbarin wenigstens mußte sie ihn zeigen — unter dem Siegel der Verschwiegenheit wurde es ihr anvertraut. Die Nachbarin gab es — natürlich ebenfalls unter dem Siegel der Verschwiegenheit — an einige ihrer Freundinnen weiter. Und eines Tages erschien der Herr Pvlizei-Koinmandant von Niedertupfing beim Kerer, nahm ihn in ein peinliches Verhör und den wundertätigen Talisman mit sich. Man benachrichtigte Herrn Olim Pascha davon, daß er sich sein Eigentum wieder abholen könnte, und Ignaz Huber machte von dieser Erlaubnis erfreut Gebrauch. Der Kererbauer aber wurde wegen Diebstahls zur Anzeige gebracht. Die Verhandlung aber, in der der Kererbauer zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde, hatte auch für Olim Pascha ein sehr unerfreuliches Nachspiel. Durch einen Zeitungsbericht nämlich erfuhr ein Antiquitätenhändler die Geschichte, und die Beschreibung des Talismans wollte ihm merkwürdig genau auf ein Stück passen, das auf rätselhafte Weise aus feinem Besitz verschwunden war. Er erkundigte sich genauer und die Folge war, daß der wundertätige, glückbringende Talisman den Großwürdenttäger Olim Pascha dem Kererbauer» zur Gesellschaft nach Stadelheim nach-, sandte. » 68 — Vermischter. * Dt« Btzvechfigung der Reifezeugnisse von dm verschiedenen höheren Lehranstaltm ist trotz der Anerkemruns der Gleichwertigkeit aller drei Schularten xn den verlchwdmm Ländern des dmtschen Vaterlandes immer ^oK sehr vericchedLm Während man sich in P reust en van Jahr |u * mehr ta* die einzelnen, ost gar zu kleinlichen schranken, die ncch zwrschm dein Gymnasium, dem Realgymnasium und der Oberrealschrtte bestanden, nicderzuwerfeu, blerben sre rn anderen deuMen Staaten unentweat bestehen. Ter Allerhochfte Erlast vom 26. Jcotiember 1900 räumte in Prmsten mit allen Unterschieden zwischen den Leiden Schularten grundsätzlich «uf und ^kmnnte ste alle drei als gleichberechtigt an, nachdem sie schon mehrere ^ayre vorher als gleichwertig anerkannt warm. Noch kleinere Souder- bestnnmungm unterschiedm aber doch immer noch ^dre realistil h Anstaltm von denr humanistischen Gyrnnofturn. so mußten dre Abiturientm der Oberrealschulen berm sttldmm der MebizrN Und der Rechte noch den Nachweis der Rerfe eines Realgymn^ siasten in Latein bringm. Beim Eintritt als seekadett sollten die Abiturientm des Gymnasiums erne besondere Prüfung rm Englischen ablegen, während die Abiturrenten der Oberrmlschulen die ihnen fehlende Kenntnis der lateinischen Sprache durch hervorragende Leistungen im Französischen und Englischen ausglerchm mußten. Auch alle diese Einschränkungen smd seit dem s- April V. Js. gefallen, und es besteht hier nur noch die einzige Be- schränkiing, daß die Abiturienten der Realgymnasien und der Oberrealschulen nicht Theologie studieren durfm. Wollen.sre Theologen werden, so müssen sie die Reifeprüfung am humanistischen Gymnasium noch machen. Diese Ausnahme hat Baden als der einzige dmtsche Bundesstaat auch beseitigt, so daß Mer für die Abiturienten der drei Arten von neunklassigeit höheren Lehranstalten überhaupt keine Ansnahnlebestiinmungm Mehr bestehen. In alten anderen Bundesstaaten dürfen Realschüler nicht Theologen werden. Tie meisten ?lusmihmebestim- mungm für die Abiturimten der realrstischm Schulen hat Mecklm- btrrg-Schwerin. Hier dürfm (auster der. Theologie) dre Abi- Srientm der Realgymnasim nicht studierm: ^ourlsprudenz, ltphilvlogie und Geschichte, die Abiturienten der Oberrmlschulen dürfen nicht studierm: Jurisprudenz, Altphilologie, Geschichte, Neuphilologie, Staatsmaschinenbaufach und Forstfach. Im Lande Mecklenburg-Schwerin kann also der Maschinenbauer und der Forstmann nicht ohne das klassische Altertum auskommen. Die beiden Staaten Reust ältere und längere Lüne beichranken das Studium der Oberrealschulabiturienten in der Neuphilologie, der Mathematik, der Naturwissenschaften und des Staatsmascymm- Laufachs auf das Lehramt an lateinlosen Schulen. Mecklenburg- Strelitz begüngt sich damit, dm Realgymnasiastm die Jurisprudenz, die Altphilologie und die Geschichte, Oberrealschulern dazu noch die Neuphilologie zu verschließen. Bayern verbietet ben. Real- abiturienten beider Arten das Studium der Jurisprudenz, der Altphilologie, der Geschichte und verlangt von den Ober- icealschülern, die Neuphilologen werden wollen, vor der Staatsprüfung dm Nachweis voller Abiturientenreise emes Gymnasiasten ihn Lateinischen. Sachsen verwehrt allen Realschulabiturienten! das Studium der Jurisprudmz, der Altphilölogie und der Geschichte, läßt aber die Realgymnasiastm dennoch zum luristischen «Examen dann zu, wenn sie vor der erstm Prüfung volle Gynr- nasialreife im Latein nachweisen. Württemberg hindert Realgymnasiastm und Oberrealschüler gleichermaßm am Studium der Altphilologie und Geschichte, die letzteren außerdem auch noch am Studium der Nmphilologie, und läßt sie auch nicht zur Post und Telegraphie zu. Tie freien Reichsstädte Bremen und Lübeck verweigern zum Schlutz noch dm Oberrealschlilabiturientm das Studium der Jurisprudenz. *Lebendigbegraben. Nach zwölf eiidlos langen Tagen M es mdlich gelungen, die beiden Grubenarbeiter, die in Vmes- ville durch dm Einsturz eines Schachtes in dem Tonberg werk verschüttet warm, zu rettm und dem Leben wieder zuzuführm. Groult und Bellanger, die beiden Schwergeprüften, hatten daheim Frau und Kinder, und die Qualen, die die Familienväter in 6er Tiefe durchzumachm hatten, fanden auch über der Erde ihr verzweifeltes Echo. Als der Einsturz erfolgte, verfügten tue lebendig Begrabenen nur über eine einzige Kerze. „Wir sind verloren", jammerte Bellanger, aber sein mutigerer Gefährte zeigte größeres Vertrauen und besseren Mut. „Bah", meinte er, „man wird uns Holm." Eine genauere Untersuchung zeigte ben beiden sofort, daß nut eine schnelle Hilfe von draußen ihnm Rettung bringen konnte. Sie roarteten. Mit bleierner Schwere schleppten sich die Stunden dahin, tourben zu Tagen, aber kein Leichen kam, daß man draußen noch hoffte, die Begrabenen zu retten. Erst nach 72 Stunden dumpfen Schweigens in öder Finsternis ließ ein unbestimmbares Geräusch die Hoffnung wieder aufleben. Bellanger war läng ft apathisch geworden, überließ sich seiner hoffnungslosen Verzweiflung und hätte wahrscheinlich das Licht der Sonne nie wieder erblickt, wenn sein zuversichtlicherer Genosse ihm nicht immer wieder Mut zugesprochm hätte. Groult Begann lustige Lieder zu pfeifen und zu singen, um ben trostlosen Gefährten aufzurichten, aber Bellanger schüttelte nur den Kopf und lächelte krube über die Zuversicht seines Gefährten. Di« Kälte wurde unerträglich, um sich zu erwärmen, begann Groult mit seiner Axt zu arbeiten, hin und wieder schlief man, aber es war nur ein unruhiger, kurzer Schlummer, dem man sich Überließ, gelähmt von der Befürchtung, im Schlafe von einer Ohnmacht überrascht zu werden. Das Geräusch, das am dritten Tage jäh die Lebensgeister wieder aufflammen ließ, wiederholte sich nach kurzer Zeit, und die atemlos Lauschmbm packten sich in der Erregung des Augenblickes zitternd an ben Armen. „Man kommt, wir find gerettet," ruft Groult. „Wenn sie nur beizeiten tonn men," murmelt bitter ber pessimistische Bellanger. Endlich gelingt es, eine Verbindung mit dm Verschütteten herzustellen. „Seih ihr krank?" tönt es durch eine winzige Oessnung aus der Hohe. „Nein," lautet die Antwort, „aber Beilanger klagt." Der Rest der Worte verliert sich in dem Rohre. Aber es gelingt, den beiden Männern etwas Brat und Lebensmittel zuzuführen. Droben arbeitet man mit doppeltem Eifer. Es hat sich gezeigt, daß man nur durch Bohrung eines neum Schachtes zu den Begrabenen kommen kann, doch das Rettungswerk ist anfangs vom Mißgeschick begleitet, der begonnene erste Schacht stürzt nach kurzer Zeit in sich zusammen, und die Arbeit muß an einer zweiten Stelle ganz von Anfang an wieder angefangm werden. Aber die Verbindung mit den Verunglückten wird, wmn auch notdürftig, ständig aufrecht erhalten, und täglich hört man dieselbe Botschaft: „Bellanger fühlt sich krank." Ihm fehlt seine tägliche Prise Schnupftabak, während Groult seinen Priem vermißt. Es fiingt trag^ komisch, wenn man von dm Qualen hört, die die Beiden dadurch erleiden, und man denkt an die Pein eifriger Rauck>er, die das Schicksal in das Gefängnis verschlägt, die schlechthin zu allem bereit sind, um nur eine Zigarette zu bekommen. Endlich, in der Nacht von Sonntag auf Montag, öffnet unerwartet ein Schlag mit dem Pickel den Eingang zu bem Schachte. Man glaubte, nach einige Stunden Arbeit vor sich zu habm, aber nun war das Werk fast getan. Mit vor Schwäche zitternden Händm erweitert Groult die Oessnung, streckt den Kopf heraus und umarmt seinen Retter. Was war sein erstes Wort? Während seine Arme den Retter umklammern, sagt der vom Tode Auf erstandene: „Gib mir einen Prim!" Man mußte ihn hastig zurückstoßen, damit er unter abstürzendem Geröll nicht begrabm werde. Aber der Ruf der Retter klang aus der Tiefe von 28 Meter empor, unb unter ben Hunberten von Menschen, die oben angstvoll auf das Ergebnis des Rettungswerkes harrten, entstand tiefes Schweigen. Eine Stunde später bringt man Bellanger, sorgsam in Tücher gehüllt, herauf. Er ist halb tot, kann sich nicht auf ben Beinen halten, wirb sofort auf eine Tragbahre gelegt unb zum Bürgermeister getragen, wo alles zunr Empfang der Geretteten bereit gestellt ist unb ber Arzt sofort seines Amtes waltet. Als zweiter erblickt Groult bas Sonnenlicht wieder, sieht sich um unb beginnt zu lachen, zu lachen, als ob der Wahnsinn ihn gepackt hätte. So äußert sich die Verschiedenheit der Teperammte. Er wird mit Mühe in seiner Freude beruhigt und ebenfalls ins Bürgermeisterhaus ge- fchafft. „Ach," meint er, in bester Laune, „wmn wir nur ein wenig Branntwein gehabt hättm." „Keinen Priem?" fragt man, unb der Gerettete lächelt und meint: „Ja, auch einen Priem." Beide hatten in ben Tiefen ber Erde ihr Gefühl für die Zeit völlig verloren. Sie waren nicht wenig überrascht, als sie hörten, baß sie zwölf Tage lang in ber Finsternis geschmachtet hatten; nach ihrer Berechnung sollen nur sieben Tage verstrichen sein . . . * Maliziös. „Nun, wie gefällt Ihnen ber Vortrag des neuen Geschichtsprofessors?" — „Merkwürdig, so viele Quellen und doch so trocken!" * Im Eisenbahnwagen. Herr: „In meiner Heinrat kennt mich jede Katze." — Bliemchm: „Achherrjeses, da sind Se wohl Gastwirt?" * Ihre Auffassung. „Ja, sagen Sre nur, Minna! Gestern ein Artillerist, heute ein Dragoner und vorgestern einer von der Infanterie in der Küche!" — „Gnädiger Herr, Sch wissen ja! Eine moderne Küche soll Abwechselung bieten!" Rätsel. Ohne uns gibt’s feinen Frieden, Ohne uns gibt's feinen Krieg. Ohne uns gibt es hinieden Höchstens Kamps, doch feinen Sieg. Ohne uns kann nie ein Kaiser, 9iie ein Königreich bestehn, Nie ein Königreich bestehn, Uns entbehren kann fein Weiser, Ohn' uns gibt's kein Wiedersehn. Auslosung in nächster Nummer. Auflösung der Schach-Ausgabe in voriger Nummer: 1. L g 1 - e 3 Ld2n.e3 (A.) 1......... T g 5 n. g 3 2. D e 8 — b 5 — e 5 2. Td4 — f4| Kf 5 — g5 3. K c 5 n. b 4 f unb gibt im 3. h3 —h4f K beliebig nächsten Zuge Matt. 4. Die Dame gibt Matt. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gieße»