L i l1 I hrrzeloide. Roman von Georg Freiherrn von Ompteda, (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Die Veränderung, die mit Maria vorgegangen war, hatte die Ettern so erschreckt, daß das Wiedersehen fast peinlich wurde. Marias Mutter war noch schwach von der eigen eit Krankheit, nervös und auch wohl ermüdet von der Reise, als sie am Morgen zu uns kam. Sie kniete am Bett und fing an herzbrechend zu schluchzen. Ihr Mann wollte sie beruhigen, aber er brachte kein Wort heraus, so daß er sich abwenden mußte und mit einem' Male das Zimmer verließ. Nun zeigte sich erst Marias Kraft und- Seelengröße. Sie nahm die Hand ihrer Mutter Und begann sie zu -trösten mit leisen schmeichelnden Worten, denn laut konnte sie nicht mehr sprechen. Sie sagte, wie glücklich sie wäre, die Eltern wiederzusehen, fragte nach dem Wetter in Berlin, erzählte von der wunderbaren Wärme hier, berichtete von allem, was sie in der letzten Zeit erlebt hatte. Und was hatte sie «lebt? Nur die Pflege, !nur die Krankheit, nur Schmerzen und Atemnot,^ Beklemmung und Beängstigung. Sie sprach aber, als toäre alles das nur Segen und Glück gewesen. Und mit ihrer Ueber- redungskunst, mit dem lieben, schwachen Don ihrer Stimme brachte sie es dahin, daß. ihre Mutter sich aufrasfte, aufzumerken begann, und teilnahm, hinweggehoben über allen Kammer, der eben noch unüberwindlich Dränen ihren Augen entlockt hatte. Dann kam Marias Vater zurück. Nun bewillkommi- pete sie ihn, fragte nach seinem Dienst,, erkundigte sich nach den Bekannten und zog auch ihn in ihren Bann. Endlich aber wär sie bei der Krankheit der Mutter und erfuhr erst jetzt genau, daß es Dyphus gewesen war. Da sah sie die Genesene an, fand, daß sie schmal geworden, bät sie, sich zu schonen. Sie befragte mich, ob die Mama im Hotel auch alle Bequemlichkeit gefunden Habe, und hätte Mit geröteten Wangen noch länge weiter erzählt und sich um andere bemüht, wäre ich nicht mahnend' dazwischen getreten mit der Bitte an die Eltern, lieber später wiederzukommen, denn es dauerte zu lange für Marias Mäste. Der Rückschlag blieb auch nicht aus'. Ms die Eltern gegangen waren, sanik Maria in die Kissen, matt, bleich, todmüde. Ich fragte ängstlich, ob es nicht zu anstrengend gewesen, doch sie meinte nur: — Einmal mußte das Wiedersehen sein, Und solche Freude kann nicht schaden. Nein, sie schadete nicht. Der Zustand' blieb unver- jändert. Es ging nicht stärker abwärts. Ein Stillstand Wien eingetreten. Das gab den Eltern Hoffnung, doch der Arzt nahm sie ihnen. Es wäre seine Pflicht, sagte er, denn das Ende könne nicht mehr fern sein., , Ja, das Ende kam, kam, wie alles Erdendmg einmal wieder gehen muß. Es kamen die Hellen Sommertage,- während die Sonne glühend an Gottes Himmel stand,- hoch oben in der reinen, satten Bläue des Sommers und Südens. , Das Ende kam. Es kam an einem Dage, da alljes Leben der Natur doppelt gelebt schien, doppelt kraftvoll, doppelt heiter. Es war ein Morgen voller Duft Und Klarheit. Ein Morgen, an dem die Erde so herrlich erwacht, daß es nicht möglich schien, die Augen von dieser Pracht zu wenden. Die Nacht war nicht schlimmer gewesen als Tage und Nächte vorher. Nur die Schwäche der Kranken schien ausnehmend groß. Ich ahnte nichts, ich glaubte nicht das Ende nahe. Der Arzt sollte erst um zehn Uhr kommen, und kaum sieben zeigte die Uhr an der Pfarr« kirche von Meran, die ich von meinem Zimmer aus sehen konnte. Da klopfte es an meiner Tür, und aus d'em <Äid- zimmer nebenan, in dem Maria gebettet lag, trat Schwester Agathe. Mit dem milden Ausdruck, den vielleicht die Natur ihren Zügen und ihrer Stimme verliehen, vielleicht auch Seiben und Sterben, das fie feit vielen Jahren gewohnt war zu sehen, sagte sie: — Herr Rittmeister, ich meine, es ist besser, zu dem Eltern der gnädigen Frau zu schicken. Ich, der ich doch vorbereitet, der ich stark gewesen war, zitterte wie ein furchtsames Kind'. Es wollte mir nicht in den Sinn. Nicht heilte. Nein, heute iiicht, cho die Natur alles zu versprechen schien, nur nicht sterben. — Meinen Sie wirklich? — fragte ich. Die Schwester nickte. Biele Menschen mochte sie wohl bis an das dunkle Tor geleitet haben. Darum raffte ich mich auf und sandte eines der Mädchen ins Hotel, em anderes zum Arzt. Dann trat ich leise ein. Die Vorhänge waren aufgezogen. Es war hell int Raum. Scheinbar regungslos lag Maria im Bett. Einen Moment blieb ich stehen. Ich suchte mich zu fassen. Ich sammelte alle Kraft. Es war also der Augenblick, da ich den bittersten Kelch meines Lebens zu leeren hatte. Und wie immer es mir noch gegangen, daß die Stunde wirklicher Entscheidung mich ruhig und sicher gefuirden hat, trat ick) an das Lager und faltete die Hände. Sind wir Menschen nicht so, daß wir zittern und zagen, solange unsere Phantasie uns alles das vorspiegelt, was geschehen könnte, und daß wir erst ruhig werden, wenn die Wirk- lichkeit eintritt? Ich stand ruhig neben meinem Weibe. Ich habe ihre liebeii Züge lange betrachtet, als müßte ich mir das Bild meiner lebenden Maria unauslöschlich einprägen. Ich strengte mich an, jede Linie ihres Antlitzes mit den Blicken zu Umfassen. Ich verfolgte die Falten, die das lange Leiden an der Nasenwurzel, auf der Stirn, zwischen den Augen, gegraben hatte,. Das Haar war so Mn, so schwarz, 330 so glatt, so glänzend". Der Mund so klein, so fest. Wre viel tausendmal hatten daraus meine Lippen gelegen! Ich Verfolgte die Linien der schmal gewordenen Wangen, des schlanken Halses, der noch immer königlich Ivar wie einst. Und meine Augen ruhten auf den Schultern, die ich so oft umfaßt. Sie hatten die Bürde des Daseins bis heute so stark und tapfer getragen, daß ich nicht begriff, wie sie nun zusammensinken sollten unter der Last, sich nie wieder Heben zu einem Atemzuge. Ja, atmete sie beim noch? Langsam ließ ich mich nieder auf ein ®nie, auf die Laute in ihrer Brust zu horchen. Kurz ging der Atem. Zu mühsam, als daß man ihn nicht vernommen hätte. Ich fragte leise: r— Maria? Sie antwortete iiicht, und ich blieb wartend Unbeweglich. Aber so durfte sie nicht von mir gehen. Eine Blutwelle stieg mir ins Hirn, ich mußte sie doch sprechen, von ihr Abschied nehmen. Nochmals bat ich und nahm dabei ihre Hand: .— Schläfst du, Maria? Sie öffnete die Augen. Ihre Lider schienen schwer. Langsam hob ich mich, daß sie mich sehen sollte, denn nur mühsam schien sie den Kops zu wenden: i— Erkennst du mich, Maria? Fritz? i— Ich 'bin es! Sie drückte kaum merklich meine Hand. Die Lippen senkte ich darauf. Und sie fragte ganz, ganz leise: — Bist du es auch? i—3a, ich bin es, dein Fritz! Dabei erhob ich mich, und nun sah ich den seltsamen Ausdruck in ihren Augen: ein Suchen, ein Irren, eine Unsicherheit. Diese dunklen Sterne, die mich so oft in Liebe angeblich hatten, schienen mich nicht mehr zu erkennen. Ich flüsterte an ihrem Ohr: i— Mein Lieb, es ist dein Mann, der mit dir spricht. Ein Lächeln, kaum merklich, zog um ihren Mund, und sie sagte: r- Gottes Segen komme über dich. Ich beugte mich nieder, als hätte sie die Hand erhoben, senkte die Stirn auf ihre Finger herab, die mit kaum merklichem Druck die meinen umspannten, und so blieb ich regungslos. Ich wollte sie noch einmal fragen. Mir schossen tausend Dinge durch das Hirn, die ich noch wissen wollte von ihr. Doch ich durfte ihr Sterben nicht stören. Da begann sie zu sprechen: i— Fritz, hörst du mich? t— Ich höre. H .Grüße die Eltern. h— Mein Lieb, gleich müssen sie kommen. Doch sie flüsterte nur: I— Ach Gott, die Peise ist zu weit. Hatte sie das Gedächtnis verloren? Ich ließ sie dabei UUd sagte nur: Ja, sie werden kommen, Maria. Aber sie schien nicht zu hören auf meine Worte. Sie fuhr fort mit mir zu sprechen, jetzt mit geschlossenen Augen: — Sage Mama Adieu. Sie soll nicht traurig sein. Du mußt sie trösten, Fritz. Und Papa ... ich wäre sehr glücklich mit dir gewesen. Ich danke ihm, daß er. . . daß er Mir erlaubt hat . . . dich zu . . . ja dich . . . Sie schluckte. Sie räusperte sich. Sie rang nach Atem. Schwester Agathe trat hinzu, wir stützten sie, richteten sie auf, daß sie leichter Luft bekäme. So hielten wir sie eine Weile. Endlos verstrichen die Minuten. Ich dachte in der Angst meiner Seele: „Kommt denn nicht bald der Arzt?" Ich lauschte. Nichts rührte sich. Da begann die Sterbende wieder zu sprechen. Nur wenige Worte waren es. Abgerissen kamen sie heraus und in großen Pausen. Es war ein Dank an mich für alles, was ich ihr getan, ein Dank dafür, daß ich sie liebgewonnen und zur Frau genommen hatte. In zarten Worten sagte sie mir das, in Worten^, die begannen, mir alle Kraft und Fassung zu nehmen. Si" sprach nur leise vor sich hin. Hätte sie Antwort von mir geheischt — ich hätte sie nicht geben können. Da kam ein Hnstenanfall. Sie verfärbte sich dunkel, und ich sehe noch heute der Schwester Blick vor mir, den entsetzten, der zu sagen schien: es geht zu Ende. Aber noch einmal siegte das Leben. Maria atmete ruhiger, und meine Hand, die ich ihr gelassen, drückte sie leise. Es war ntiiz als finge sie an zu stöhnen. Ich fragte: — Hast du Schmerzen? Sie lächelte und versuchte den Kopf zU schütteln. DanU blieb alles still. Lichter und lichter war es im Zimmer geworden mit der höhersteigenden Sonne, als ziehe nicht Trauer in dieses Hans, sondern als entschwebe diese mit ihrem Körper ringende Seele bei Sonne unb hellem Tage freche nd leicht. Die Schwester hatte das Fenster geöffnet,- daß Luft hereindränge, mit frischem Sauerstoff die fchwer- arbeitende zerstörte Lunge zu füllen. Da hüpfte eine Amsel auf den Tisch, der draußen auf der Veranda stand. Sie wippte mit dem Schwanz, drehte den Kopf, daß. man die klugen Augen einmal rechts sah, einmal links, dann piepte sie laut. Maria richtete sich auf, öffnete die Augen und schien mich mit den Micken zu suchen. - Fritz? '— Ich bin hier. Nun erkannte sie mich. Sie war bei klarem Bewußtl- sein. Sie versuchte zu lächeln. Ich stützte sie, und ganz nahe bei ihr war mein Kopf. Flüsternd sprach sie mit schwacher Stimme, doch ganz deutlich und mit dem alten lieben Ausdruck, dem Ton, der mein Herz schlagen machte: i— Ich muß . . . Abschied . . . es ist nun so weit . . . habe dich so lieb gehabt. Ich danke dir . . . nicht traurig, mein Fritz . . . doch glücklich gewesen. Du . . . so gut . . . dich so lieb ... Es wird mir uicht schwer . . . habe dich so lieb, daß ich gern . . . Maria beendete den Satz nicht. Sie Ward mir schwer im Arme. Ich sah, wie ihr Kopf langsam zurücksank, und ich ließ sie in die Kissen nieder. Sie lag ruhig da, ganz ruhig. Ich blickte sie an. Ich sah auf ihre Brust. Ich horchte. Es war alles still. Nun schaute ich auf, und ich gewahrte, daß Schwester Agathe niedergekniet war. Da begriff ich und sank auch langsam nieder. Es war feierlich still. Nur im offenen Fenster wippte der Bogel. Er flog davon, jetzt rührte sich nichts mehr. Draußen blendete die junge Sonne und erfüllte den Raum mit Licht, dem Licht des Tages, des Sommers, des Lebens. Es war zehn Minuten nach sieben Uhr, da mein Weib von mir Abschied genommen und mich allein gelassen hatte. Ihre Seele flog davon, durch den Aetherraum der Unendlichkeit zu. Ihre liebe Seele, mit der ich noch Vor Sekunden Zwiesprache gepflogen, die ich befragt hatte und fie mich. Nun war alles zu Ende. Diese Hülle gab keine Antwort mehr. In ihr stand! das Herz still. Das Hirn konnte nichts fassen, die Augen mich nicht sehen, die Ohren mich nicht hören, die Lippen nicht mehr zu mir sprechen. Schweigen. Schweigen. Ich stand .auf. Ich wollte beten. Ich wußte nichts was. Mir war alles ein unfaßbares Rätsel. Der Gedanke kam mir, Maria anzureden, aber ich fürchtete mich vor dem Klang der eigenen Stimme. Und sie, mit der ich redete, gab ja keine Antwort mehr. Ich war allein — allein in diesem Leben wie ein hilfloses Kind. Denn nur einen Menschen hatte es doch für mich gegeben, der mich verstand, der mir gehörte. Ein Mensch — er war nicht mehr. Ich vernahm Bewegung, Sprechen, Schritte int Garten. Dann wurde geklingelt. Die Eltern oder der Arzt. Ich ging hinaus. Auf dem Flur traf ich sie alle drei, und ehe ihre fragenden Mienen zu Worte kamen, trat ich vor sie hin. Ich habe um mich in die dunkeln Winkel draußen geschaut, die Achseln gezuckt und mit sinkenden Händen gesagt: *—, Maria ist nicht mehr da . . . (Fortsetzung folgt.) Zur Geschichte der wolieuweberzunst zu Knedberg in der wetterau im s6. Jahrhundert. (Nach alten Zunftrechniingen des Friedberger Stadt-Archivs.) Den sozial und politisch hervorragenden Teil der Stadt- gemeinde bildeten im Mittelalter ursprünglich die sogenannten Burgense n, die als Grundbesitzer in der Stadt und Gemarkung einen großen Teil der Stadtbewohner beschäftigten. Neben den hörigen Arbeitern in der Landwirtschaft und im .Handwerk ließen sich von außen zuziehende unabhängige Handwerter nieder, die sich zur Förderung des Handwerks und ihrer Standesintereiien schon früh in Zünften oder Gilden zusammenschlossen. Durch diesen jZnsammenschlnß gewannen aber die Gewerbetreibenden immer mehr Einfluß in der Stadt, so daß sie sich die Teilnahme M dem SMtreaiment erkämpfen konnten, was nn.nm.ehk für. W — 331 selbständige Entwicklung der Städte von großer Bedeutung wurde. Zu den angesehensten unb- einflußreichsten Zünften in den oberhessischen Städten Alsfeld, Schotten, Grünberg, Gießen, Butzbach und Friedberg gehörte die Z u n s t d c r W o l l e n w c b c r. lieber die Wollemveberzunft in Friedberg geben uns die Friedberger Zunftrechnungen aus den Jahren 1519—1615 Auskunft, die neben dein Einblick in die damaligen Zunftverhältnisse des Wollen- weberhandtverks auch sonstige interessante Ausblicke in kulturgeschichtliche Verhältnisse dieser Zeit bieten. Die ZunftrechnuNg von 1519 zahlt 65 Handwerksgenossen auf, die das „Paffxugeld in der Hiebst meß" entrichtet haben. Da diese Abgabe von einer bestimmten Anzahl angefertigter Tuche, die durchschnittlich 10 betrug, gezahlt wurde, so läßt sich mv= nehmen, daß es damäls in Friedberg 65 selbständige Meister des Wollweberhandwerks gab. Die Rechnung von 1524 nennt 60 Personen, die durchschnittlich je 15 Tuche verfertigten. 1531 beschicken 37 Friedberger Wollenweber die Frankfurter Messe; 1536 wird das „Hausgeld" von 49 Zunftgenossen erhoben. Die „Schätzung" von 1558 Nennt 58 Personen; 1572 bezahlen nur 12 Personen „Hausgeld". Die Zahl der Wollenweber mag wohl nm diese Zeit abgenommen haben; doch nicht in solch auffallender Weise, da nämlich nur solche ZuNftgenossen das „Hausgeld" zu zahlen hatten, die die Frankfurter Messe beschickten. Die Rechnungen von 1592—1615 führen die einzelnen Mitglieder der Zunft nicht mehr auf, so daß sich die Stärke der selbständigen Handwerksgenossen nicht mehr feststellen läßt. Daß die Meister nicht ohne Gehilfen arbeiten konnten, steht außer Zweifel, wenn sic sich auch zum Teil der Unterstützung durch ihre Söhne bc- dienten. Gesellen werden in den Zunstrechnungen nicht erwähnt, wohl aber wiederholt: „leer Knaben, leer Knechte." An der Spitze der Wollweberzunft standen die beiden „Ke r tzen m ei st er", auch „Kir z e nm cister", Zunftmeister genannt, die alljährlich gewählt wurden. Ihnen lag neben der Verpflichtung, über das Handwerk zu wachen, ob, allährlich auf „Joh. Baptistae-Tag", auf Johannis des Täufers Tag am 24. Juni,"die Rechnung über Einnahme und- Ausgabe „wegen des Handwerks" vorzulegen. Sie erhielten je 2 fl. bis Ihr fl. Vergütung für ihre Bemühungen: „2 fl. Hin Eysin vor soin Ion, 2 fl. Jacob Hacken vor soin lon (1531); 3 fl. den Kertzenmeistern Vor yren lon" (1536). Ein wichtiges Amt neben den Zu.nft- ineifbcrn bekleidete der „Sygier", der unter alle Schreiben, die die Zunft betrafen, das Zunftsiegel zu drücken hatte. Wegen der Verantwortlichkeit ihrer Aemter wurden Zunftmeister und Siegler Vor der versammelten Zunft eidlich verpflichtet. Bei dieser Gelegenheit sowohl, wie auch bei Abhörung der Jahresrechnung bewilligte die Zunftkasse einen Betrag zum „Berdrinken". So heißt cs 1558 in der Rechnung: „7 alb. (ä 9 Pfg.) 3 Pfg. haben mir dem handwergk zu verdrinken giben alß die alten Kirzenmeistcr iv jar Rcchenung gethair haben; 8 alb. haben mir dem Handwergk zu verdrinken giben alß Kirzenmeistcr und sigler geschworen haben." Die schriftlichen Angelegenheiten der! Zunft besorgte der schreibkundige S t a d t s ch r e i b e r, der, je nachdem er in Anspruch genommen wurde, honoriert wurde., 1531 erhält der Stadtschreiber 1 fl. für seine Bemühung, wie die Rechnung besagt: „1 fl. dim statt schrhber vor (für) den Kerzenmeister sygeler zal beseyer (Bescher) vir zu schreiben." 1536 wurden „dem schryber vor sin lon" nur 18 alb. ausgczahlt. Der ZNnftknecht, Hausverwalter und Zunstdiener, erhielt als Lohn 2 fl., außerdem 2 fl. für einen' Rock und 3 Schillings (ä 12 Pfg.) für xin Paar Schuhe. Er war auch bei Aufstellen der Rechnung tätig, wofür er freie Zehrung erhielt: _„4 alb. Kcrtzcnmeister und Knecht vertzeret als sie die rechnung satzeten." Die Zunftvorsteher wachten sorgfältig darüber, daß die angc- fettigten Tuchstücke die vorschriftsmäßige Breite hatten. Wiederholt begegnen wir in den Rechnungen den Einnahmeposten von Strafgeldern oder „büeß", wie es heißt: „vor buche seynt zü schmal gewest." 1531 sind es 7 Personen, die durchschnittlich 5 Schilling „bueß" bezahlten. Wer in die Zunft eintreten wollte, namentlich, wenn es sich um Personen handelte, die von aus- tvärts zuzogen, mußte ein Eintrittsgeld bezahlen, das sich nach der Größe seines Handwerksbetriebes richtete. Daraufhin deuten wohl die Einnahmeposten mit der Bemerkung, „als er die Zunft kaufst". (Als er sich in die Zunft eingekäust hat.) Die Friedberger W ollen web er zun st besaß eilt eigenes Haus, das Beratungs- und- Vergnügungszwecken diente. Es lag auf dem ,/Bornzügel, Bornzigel, Bornsigel" und hieß wohl auch „Bornsigel", weil dort die Br'unneiigesell- schaften auch ihre Beratungen hatten. In den Rechnungen werden ost Reparaturkosten an und in dem Hause erwähnt, die die Zunftkasse an Zimmerleute, Schreiner, Glaser und Schlosser zu zahlen hatte. 1531 scheint man an dem Zunfthaus eine größere Reparatur vorgenommen zu haben; denn in den Rechnungen ist öfter die Rede von dem Ankauf mehrerer Wagen Holzes sowie eines „Kirn vol lei, mir (Leimen) „zu dem Bornzigel". Auch wurden damals 6 schill. 2 hell, verausgabt „vor in fessel (Fäßchen) wins of Samstes Dag nach samt margriten Dag den Mister zu ver drinkcn als sie die borir zigil sorgin zu baweu." Das Haus ging wahrscheinlich 1572 in den Besitz des Hospitals „zum heiligen Geist"; zu dieser Zeit ist von einer Verschreibung dix Rede: „1 fl. hem Katt schreiber geh-cir vop -den brijf zu Mächen vber den horNzügel; 1 sch. 1 hell, vov ein halb puut licht geben als mir ein gebot gehabt haben der Verschreibung halber vber den bornzügel." Die Zunft hatte anscheinend später' noch eine Hypothekenforderung von 100 fl.; denn das Hospital zahlt fortlaufend 5 fl. Pension (Zinsen) an die Zunft. Heute noch steht das ehemalige Zunsthaus, nach privaten Mitteilungen eines Friedberger Bürgers, in der Kaiserstraße und ist im Besitz des Seilermeisters Stadelmvnn. Auf dem Zunfthaus werden auch Tanz, Hochzeiten von privaten, der Zunft nicht angehörcndeN Personen abgehalten, die für das Uebcrlassen der Räumlichkeiten eine Abgabe an die Zunft zu zahlen hatten, wie die Einträge in der Rechnung bemerken: 1558. „1 fl. haben wir cndpfangen von dem schneidern mathias benders snun, hat Hochzeit im boru- zigell gehabt ao 57.; 1 fl. haben mir von dem spilmann cnbl= Pfangen das er spiel hott gehalten; 1 fl. von Hauns Schmidts eiden (Eidam) von Dorheim, hat Hochzeit im bornzigell gehapt." Die Hochzeiten dauerten oft zwei Tage, und Hochzeitsordnungen mußten den übertriebenen Aufwand, der allgemein üblich war, steuern. In besondere Einnahme wird in der Rechnung das „Hausgeld" und das „Gcleitgcld" gestellt. Das Hausgeld wurde! zur Zeit der Frankfurter Messen im Herbst und im Frühjahr erhoben und wurde ausgeschlagen auf die einzelnen Tuchstücke, die der betreffende Wollenweber auf den Frankfurter Markt brachten Von jedem Stück Tuch wurden durchschnittlich 4 Pfg. erhoben, was eine Einnahme von 30—40 fl. ergab. Wozu wurde das Hausgeld verwendet? Für die Friedberger Meister, die die Frankfurter Messen besuchten, wurde für die Zeit der Messe ein Haus gemietet, in dem die Tuchhändler gemeinschaftlich wohnten. Das gemietete Haus enthielt int Erdgeschoß, wie die Kaufhäuser im! Mittelalter überhaupt, Hallen, in denen die Verkäufer ihre Waren auslegten. Außer dem Zoll beim Eingang der Waren in Frankfurt wurde noch ein besonderes Standgeld erhoben, das sehr niedrig war. 1572 wird ein Schilling, 7 Heller, dafür bezahlt, wie es in der Rechnung heißt: „1 schill., 7 hell, den Hern zu' Franckfurt staut geld in der fasten meß." Die Friedberger Tuch- Händler hatten keine bestimmten Verkaufshallen, wie die Butzbacher, soudern wechselten auch manchmal, wie bie, Rechnung berichtet: 6 sch. Joh. Mürllen geben ist zu Frankfurt gewest und hat die hall abverkündet." 1572 befinden sich die Verkaufsstände der Friedberger in dem Haufe des Arztes Adam Lonicerus; denn es werden bezahlt 20 fl. „Adam Lonicerus der artzency Dochther zu Frankfurt vor die Haln nach laut zweier quit Duncgen." 1558 werden bezahlt: „22 fl. Hauus gelt in, der Herbst mcs nach laudt einer Quittung." Die Friedberger Meister brachten ihren eigenen K o ch mit nach Frankfurt, um ihnen dort zu kochen. Er erhielt außer freier Verpflegung 11 schill. als Lohn, „das ehr den meistirn in der hirbst meß gekocht hat. Außerdem erhielt er eine Vergütung an Zehrungskosten von Friedberg nach Frankfurt! und wieder heim, in der Regel 1 schill. und 8 hell. Auch die Zehrungskosten in Frankfurt selbst wurden dem Koch vergütet, wie es heißt: „2 alb. 3 Pfg. hat der Knecht und den Koch vcrzerd in der fasten meß." Für die Frankfurter Messe war ferner das „Gel eit geld" bestimmt. Es wurden von dest einzelnen Tuchstücken, die zur Messe gebracht wurden, erhoben und berechnete sich auf 3 Pfg. für das Stück. Das Geleitgeld brachte! etwa 6 fl. ein, wovon aber meist nur 4—5 fl. verbraucht wurden. Das Gclcitgeld sollte verwendet werden, um den Messebesuchern ein bewaffnetes Geleit bei der Unsicherheit der Wege auf ihrev Reise nach Frankfurt zu. beschaffen. Die Friedberger schlossen sich auf ihrem Handelszuge den Butzbacher Händlern an. Diese aber nahmen für sich das „H cf fest g e l e i t e" in Anspruch, das! den Butzbacher Stadtherrn, den adligen Herren von Eppcusteiii oder von Falkcnstein zustand. Die Butzbacher Kaufleute zahlten dafür auch eine Abgabe. Das Friedberger Geleitgeld mußte vor Antritt der Frankfurter' Reise nach Butzbach entrichtet werden; denn es heißt wiederholt in den Friedberger Rechnungen: „4 fl. gen butzbach geschickt für geleyt gelt zn der herbst meß" (oder fasten meß). 1 alb 5 Pfg. wurden dem „hotten geben daß er des geleid gelt gen butzbach hat getragen." Gelegenheiten zu Schmausereien und Gelagen gab es für die Zunftgenossen gar viele im Jahre. Jedes Ereignis, das „das Handwerk betraf", mußte „begossen" werden, und die Zuuft- kasse kargte durchaus nicht, Beträge „zum ver drinken" auszuzahlen. Dabei wurde stets Wein getrunken; weniger wie eine „fer maß kan" wurde selten gestiftet. Der Wein war damals auch billig; denn die Maß, vier Schoppen, waren zu 6 albi, 54 Pfg., erhältlich. Die „gute, alte Zeit" hielt sich durchaus nicht frei von Genußsucht, innb das Trinken bei besonderen Anlässen im bürgerlichen Leben artete sehr oft aus in eine, wüste Sauferei. An zwei Tagen im Jahre wurde auf dem Zunfthaufe!, besonders stark gezecht, am Jahresfeste der Zunft, am 24. Juni, dem Tage ihres Schutzheiligen Johannis des Käufers und zur Fastnacht. Diese Feiern dehnten sich gewöhnlich auf mehrere Tage aus. In der Regel luurbe bei einem Zunftfestei für 5 fl. Wein verbraucht, wofür man bei beit billigen Preisen schon 50 bis 60 Liter erhielt. Die Rechnung von 1612 führte sogar eine Ausgabe an von 40 fl. für etwa 400 Liter Wein auf Johannistag. Bon beut bei sonstigen bürgerlichen Festen dauialigcr Zeit üblichen Braten ist in den Zunftrechimngen nickst — 332 die Rede, wohl hier Und da einmal eWe Ausgabe „für eine Schüssel voll Fleisch". Daß es aber auch an den Zunftfesten nicht an einem guten Imbiß fehlte, dafür spricht das bedeutende Kücheninventar, das die Zunft besaß. Zum Wein gehörte vor allem Kuchen, und wenn von der Anschaffung von 2 MesteN Weizenmehl (50 Pfd.) in der Rechnung die Rede ck, so wurden demnach an Festtagen 25—30 Kuchen verspeist. Auf Fastnacht durfte kein Fleisch gegessen werden; uni- so mehr tat man sich gütlich an Käse und Brot. „1 Kuhkäse", wohl ein großer Kochkäse und mehrere Pfund holländischen Käses gingen drauf. Fortwähreud begegnen wir in den Rechnungen den Ausgabeposten für „s ch au b >,Schaub oder Schaab" waren Bündel Stroh, die zu Freuden-, feuern am Johannistag oder zu Strohpuppen am Fastnacht verwendet wurden: denn am Fastnacht wurde die Hexe verbrannt. Auch „Meten und Sträuße" wurden angeschafft; denn das Zunft- Haus mußte am Festtag ein anderes Kleid anziehen. Auch Weihnachten und Neujahr wurde bisweilen auf dem Zunfthause gefeiert; denn es heißt laut Rechnung 1536: „14 sch. 1 hell, für 3 Ktzrn Holtz off dem christ abend; 5 alb. für em fessel Win zum newen jahr." Lassen wir die einzelnen Zahlen über den Verbrauch auf den zwei Hauptfesten selbst reden! 1588: „5 fl. haben die meihnster Vertrunken Vor Wein auf S. Joh. baptistae; 3 alb. 2 !Psg. vor 1 maß wein bei Joh. Scheibeln gehalt auf Joh. bapt.; 4 sch. vor brodt auf Johannis tat, 6 sch. vor brodt den folgenden Dagk; 12 sch. 7 Pfg. vor 1 schussel voll Fleisch und 1 Watz Wein; 2 Pfg. vor 1 licht; 2 Pfg. vor babrer. — Fastnacht: 1 fl. haben die meister Vertrunken auf die fastnacht; 17 Pfg. vor 2 gebund schahb, 2 Pfg. vor ein licht auf die fastnacht, 7 sch. vor ein Westen Weitzen (Mehl), 2 sch. 6 Pfg. vvr 1 lKnhkeß, 3 sch. 3 Pfg. vor 2 Kuhkeß, 1 Pfg. dein Walter geben, 2 Pfg. vor hehben (Hefe), 1 sch. vor milch, 3 Pfg. vor eier, 6 Pfg. vor die Kuchen zu backen, 6 alb. vor zwei Kahß." 1613 wurden auf Johannis-Tag 13 fl. ;abt, 2 fl. 4 sch. für Essen, 6 sch. für Brot, für 14 Pfd. Kuhkäse, 16 sch. für 5 Pfd. für hol- l, 3 sch. 1 Pfg., 1 fl. 2 sch. vor 2 Westen! h. 7 Pfg. für Nüsse, 1 sch. für Aepfel und Pfg. für Lichter, 1 sch. 3 Pfg. für Meien! Die Zunft besaß, wie schon vorher erwähnt, ein großes Inventar tot Kannen, Kroppen und zinnernen Schüsseln, von letzteren allchn 3 Dutzend große, je iy> Dutzend mittelgroße wnd kleine. Die Beträge für ausgelieheue Schüsseln bei Hochzeiten und Gesellschaften von Privaten bilden eine Haupteinnahme der Zunft gegen das Ende des 16. Jahrhunderts. Auch an Wirte, adlige Personen wurden die Schüsseln der Zunft verliehen, wie auch hier und da städtische Körperschaften zu tun pflegten. Kon den vielen Ausleihungen, denen wir beständig in den Rechnungen begegnen, seien nur einzelne erwähnt. 1572: „16 sch. von conrad wagnern entpfangen von schusseln alß sein schwester Hochzeit gehabt hat; 6 sch. Heinerich Deiln zu uiederwoelnstadt Hail die schüsseln gebraucht; 6 sch. von michel Marum dem Hecker von schüsseln; 6 sch. Entvangen von Joh. Zubrot Witwin als Ihr eiden Hochzeit gehabt Hait von schüsseln; 1594: Docter Dodt von den schüMlsn 1 fl.; 9 sch. von dem Becker von dreh dutzelt schüsseln; 18 sch. von den schüsseln Joh. Reußen von Dorheim; 1610: 2 fl. 8 sch. von dem graffett von carben vor schüsseln: 1613: 1 ft. von Dinges Burgen von Oberroßbach Wegen seines Herr'n wie den grasentag gehalten worden von 6 Dutzet schüsseln; 2 ft, 8 sch. von dem Rmdmeister im Schloß von sämtlichen Schüsseln und Kröpfen am 20. Oktober; 7y2 sch. V'on 2y2 Dueet schüsseln von Bastian Goldtseger als er Kindtauf gehalten; 1614: schüsseln ondt Gruppen Wirt Hartman fauerbach zum löwen. 1 fl. von 7 tutzelt schüsseln vndt Kröpfen; 1615: 1 ft. Bernhardt WinNeckern (Mndecker) zur cronen von 8 tutzet schüssetn und KropfeN." Zu Anfaitg des 17. Jahrhunderts hören wir in den Rechnungen nichts niehr von Einnahmen und Ausgaben wegen des Handwerks; es ist immer nur von der Verleihung von Schüsseln die Rede. Aus der ehemaligen Zunftgenossenschaft, die in erster Linie die Interessen des Handwerks vertrat, hatte sich ntehr Und mehr ein gesellschaftlicher Verein herausgebildet. Offenbar war um diese Zeit das Wollenweberhandwerk iit Friedberg zurück- tzegangen. Die folgenden Zeiten während des 30 jährigen Krieges waren auch nicht dazu angetan, Handwerk und Handel zu fördern. Viele Meister der Wollenweberzunft hatten es schon zu einem gewissen Wohlstand gebracht; sie widmeten sich nunmehr ganz dem landwirtschaftlichen Gewerbe. Die Blütezeit des Friedberger Wollenweberhandwerks war, wie auch in Frankfurt, das 14. und 15. Jahrhundert; leider fehlen uns über diese Zeit für Friedberg die urkundlichen Nachrichten. Für die Wohlhaben- Heit der Friedberger Wollenweberzunft sprechen die „Austendt der Neuen Almußen vom Ihar 1592 und 1593", die in besonderen Verzeichnissen den. Rechnungen beigefügt sind; es handelt sich dabei um* ausgeliehene Kapitalien, die die Zunft aus Stiftungen Wohlhabender Mitglieder erhalten hatte. Di.e Gelder waren aus- tzeliehen: „tnni der Stadt und off den Dorsfen." Von den Dörfern pfündt hollendisch für Wein veraus l fl. 12 sch. 3 Pfg. ländischen Käse i Weizenmehl, 1 si Birnen, 3 sch. 5 und Sträuße. kommen dabei in Betracht: Beienheim, Nauheim, Ockstadt, OHSv- Merlen, Melbach, RodheiM, Bauernheim, Wölfersheim. Zweifelsohne hat die Wollenweberzunft als solche, sowie ihre Mitglieder, deren Blick durch den Besuch der Frankfurter Messe für soziale Einrichtungen geschärft worden war, hervorragenden Anteil gehabt an der Entwicklung des städtischen Gemeinwesens zu Friedberg. Wir gehen wohl nicht fehl, wenn wir die Bemerkungen in der Rechnung von 1531: „2 h. der Zunft, als man jvhan Dorpflanzer vir rast vir fiteren; 2 h. als man gebart schwarzen vor rat verkuert", dahin verallgemeinern, daß mancher Woll-enwebermeister im Rate der Stadt gesessen und- {örbernä gewirkt hat, > vermischtes. DBK 8 000 Mk. für ein Paar Tanzschuhe! In Paris gibt es einen Schuhmacher, richtiger gesagt: einen Schuhkünstler, der, ohne Beihilie eines Lehrlings ober Gesellen, jedes Paar Schuhe mit seinen eigenen Hänben ansertigt; dabei stellt er nur Tanzschuhe ober Pantöffelchen für den Hausgebrauch her. Jedes Paar das er ausstellt ist ein Meisterwerk. Dieser Schuster trägt zwar noch beim Arbeiten sein Schurzfell, aber sonst erinnert den Besucher in seinem Atelier nichts an sein Gewerbe. Doch sieht man in einem großen Glaskasten zahlreiche Wunderwerke seiner Kunst ausgestellt. Kein Paar ist darunter, das für weniger als 160 bis 200 Mk. verkauft wurde. Es ist der kurze Rock, dem er seinen großen Ruhm verdankt, denn die Pariser Damen und noch mehr die Amerikanerinnen legen unter dem Zwang dieser Mode einen übertrieben hohen Wert auf ihr Schuhwerk. Jüngst hat eme Sudamerikanerin bei ihm ein Paar Schuhe anfertigen lassen, die er ihr mit 8 000 Mk. berechnet hat. Etwa 200 Kolibribruste hat der Schuhmacher sich verschaffen müssen, um biefe Schühchen herzu- stellen. Die Seltenheit dieser Vögel wie die Mühe, sie ;u fangen, verursachte den hohen Piels. Der Küiistler behandelte das Gefieder so zart, daß, als die Schuhe fertig waren, sie so aussahen, als beständen sie aus starker und reicher schillernder Seide. Die Täuschung tvird noch gesteigert dadurch, daß die Absätze zu dein tiefsten Ton des Gefieders passen. Steine Federn, die rund um die Schühchen befestigt sind, volleiiden das Meisterwerk, das ganz schnallenlos ist. Ein zweites Paar ebenio kostbarer Fußbekleidung besteht aus Gold- und Silbergewebe, das init echter Spitze besetzt ist; diese Spitze ist natürlich sehr alt und von hohem Wert. Winzige Schnallen, besetzt mit imitierten Edelsteinen, und der Einsatz einer einzigen Brust eines Kolibris, deren Farbe das Ganze bestimiut, krönen das Werk. (Das ist ein klassisches Beispiel dafür, ivie die Eitelkeit und Gedankenlosigkeit des Menschen verwüstend und zerstörend in der Natur haust. Damit eine eitle Dame mit einem Paar außergewöhnlich teuerer Schuhe ihre Nebenbuhlerinnen ausstechen und ärgern kann, müssen 200 der seltensten und schönsten Vögel ihr Leben lassen. Eine empörende Roheit.) * Sch 1 ail. Besucher: „Ich finde es wirklich nett und sauber bei dir!" — Zimmerherr: „Hm, im allgemeinen kann ich zufrieden fein! Wenn die Bedienung mal zu wünschen übrig läßt, dann bringe ich einfach einige Tage den Wohnungsanzeiger mit; und lasse ihn auf dem Tisch liegen; nachher wirds gleich wieder buffet./z * Ausder Eisenbahn. Ein Oberlehrer ans Pirna knüpfte im Knpee ein Gespräch mit einem Bayern an und rühmte die Ueberlegenheit der sächsischen Intelligenz. „Sähn Se," sagte er, „daß mer Rellchen un Vorhemdchen trägt, is ernte süchsche Erfindung !" — „Daß nta aber aa a Hemd tragt, dös Hamm mir erfunden," antwortete der Bayer. Gitter-Rätsel. In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben a, ä ä, e e e e, g g, h h, i i, 11, m in m m, nnnnnnnn, o o, p p, r r, ss, ttt, uuuuuuu derart einzutragen, daß die senkrechten und wagerechten Reihen gleichlautend folgendes ergeben: 1. Namen mehrerer ägyptischer Könige. 2. Schmackhafte Fische. 3. Ein Metall. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Rösselsprungs in voriger Nummer: Besser ist es, mit seinem Glücke Abzuhängen von Wettertücke, Bon Sturm und Hagel und Nebelduust, Als von schwankender Menschengimst. Frida Schanz. Redaktion : I. V.: E. Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brlihl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckeröi, N. Lange, Gießeii.