MI — Nr. so W-h elÄJÄ! iilQTjo UW Wi/K ■| ■1 Das Witwenhaus. Roman von Helene von Mühlau. Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) Achtes Kapitel. „In der Küstern ihrem Kopf sind auch nicht alle Schrauben fest!" hatte die Kosy behauptet, und damit hätte sie recht und doch auch wieder nicht. „Witwe sein, selbst wenn man es nach einer unglücklichen Ehe geworden ist, hat sehr seine zwer Seiten!" hatte sie auch einmal philosophiert, „und am schlechsten sind eigentlich die dran, die nach dem Tod von ihrem Mann so viel haben, daß sie ohne Arbeit von ihrem Geld leben können, denn wenn ein Mensch noch nicht ganz stumpfsinnig ist, muß er was haben, was seine Tage ausfüllt. Ein Mann füllt aber eine Frau in den meisten Fällen aus : der verlangt was Ordentliches zu essen, eine aufgeräumte Stube, em bißchen Unterhaltung am Abend. Dann sieht er es auch gern, wenn sich die Frau hin und wieder putzt, damit er ein bißchen Staat mit ihr machen kann. Mit dem allen ist aber eine Frau vollkommen ausgefüllt, wenn sie ihre Ansprüche nicht zu hoch stellt, auch wenn sie keine Kinder hat. Legt sich aber der Mann hin und stirbt und hinterläßt die Frau in einem Alter, wo sie selbst noch nicht ans Sterben denken mag, dann ist das noch längst kein Glück, wenn er ihr vor dem ewigen Abschied sagen kann: „Du kannst die Hände in den Schoß legen, liebe Frau. Du hast genug zu leben bis an dein Ende!" Denn, wie gesagt, etwas, was seine Tage ausfüllt, mutz der Mensch haben, ist es nicht der Mann, so muß es die Arbeit sein. Sagen Sie mal selbst, Frau von Hilbach, fliegen Ihnen jetzt, wo alles drunter und drüber geht im Hause, die Tage nicht nur so hin? Ehe Sie sich versehen, ist der Herbst da, und dann, nu, ich will nichts sagen. Aber nu stellen Sie sich mal die Küstern vor. Zum Vermieten dünkt sie sich zu viel, weil sie's nicht nötig hat. Nu sitzt sie in ihrer Wohnung und hat mir noch gestern gesagt, daß der schöne Blick keinen Eindruck mehr auf sie macht, und spielen täte sie nur auf ihrem Harmonium, weil andere sich darüber ärgerten; es wäre ihr überhaupt alles schnuppe geworden, freuen könnte st« sich nur noch, wenn andere sich ärgerten." Sie machte eine Pause, und da Frau von Hilbach schwieg, fuhr sie fort: „Nu hab ich in der Nacht einmal ernstlich darüber nachgedacht, wieso ein Mensch so werden kann, und hab Vergleiche mit ihr und der Lengerich gezogen. Der Len- Kich ihr Unglück war auch, daß sie grad so viel zu en hatte, wie sie brauchte. R!u kam ja bei der noch der Umstand zu, daß ihr Mann ein Mörder war, was bei unserer Küstern ja das Gegenteil ist, denn ihr Mann stand hei der Kirche in Großheringen in gutem Ansehen, aber wie sesagt, Aohnlichkeit mit der Lengerich iß doch vorhanden. Arbeiten muß der Mensch nu einmal und og was Reelles denken. Wenn ich heute so viel hätte, daß es mir kein Unterschied ist, ob ich bte Mandel Eier für zehn Pfennig höher oder niedriger verkaufe, dann wär« mir das Leben bald langweilig, denn dazu hab ich nrcht den Charakter, die Hände in den Schoß zu legen. Unsere Küstern ist auch nicht zum Nichtstun geschaifen -- die leidet schwer darunter, wenn sie es auch selbst nrcht weiß; denn, sehen Sie mal, Frau von Hilbach wenn ein Mensch erst so abgestumpft wird, daß er unfern schöE Blick nicht mehr schön finden kann, dann ist nicht mehr richtig mit ihm, und so hart es auch für L>re ™, Frau von Hilbach, Sie müssen doch Ihrem, Gott danken, daß er Sie arm hat werden lassen. Wer weiß, was mrt Jhneu passiert wär, wenn Ihr Mann Ihnen nicht all Jht Hab und Gut durchgebracht hätte!" Frau von Hilbach mußte lächeln, und doch sand st», daß die Alte nicht ganz unrecht hatte. „Nu ja, bei Ihnen liegt ja überhaupt alles anders weil Sie noch so jung sind," fuhr die Kosh fort. „Unser« Kiistern ist wohl über die Mitte der Vierzrg heraus, aber darum ist sie lange nicht alt, im Gegenteil! Der steckt das Leben noch in allen Poren, und die ist nur so unglücklich, weil sie zum Stillsitzen verdammt ist. Sehen Sie, Frau von Hilbach, Sie sind ja verheiratet und darum kann man mit Ihnen über so was reden: Uns Frauen ist nu einmal der Mann notwendig, man braucht das ja vor dem Mann selbst nicht zuzugeben. Aber wir wollen nu einmal einen haben, der über uns steht, einen, auf den man sich verlassen kann, der einen hin itnb wieder mal m den Arm nimmt und--Nu, was mich betrifft, ich hab ja genug vom Mann. Wenn man drei begraben hak, sagt man sich doch endlich: „Mr riskierst du's nicht noch einmal! Ich hatte ja auch schon graue Haare, wie mein letzter unter die Erde kam. Aber was meinen Sie, ich hab bitter mit mir gekämpft, bis ich mich ans Alleinsein gewöhnt hab, und ich kann jeder Frau, die ohne Mann leben muß, alles nach- fühlen und bin nicht erstaunt, wenn eine was Verrücktes tut aus lauter Langeweile und Verzweiflung. Urrd unsere Küstern macht auch noch mal einen dummen Streich, denn wenn man der so recht tief in die Augen sieht, dann mertt man, daß da was nicht stimmt. Die denkt auch zu vier, und Denken ist nu einmal schädlich- für eine allem,teh ende Frau. Darum bin ich so froh, daß Sie Ihren Doktor kriegen, Frau von Hilbach, und hier herauskonimen, denn so schon unser Haus ist, es steckt was drin, ich kann nrrch nrcht so ausdrücken, aber man kommt zum Denken in so eurem Haus wie unseres, und das ist nicht gut!" — Die Küsterin litt wirklich, wie die Kosy sagte, am unaus- gefüllten Leben, und weil sie unverträglich war und kerne Freundin fand, war sie einsam geworden und verstand mrt ihrer Einsamkeit nichts anzufangen. Ihr Mann hatte ihr die Zügel zertlevens straff gehalte«, nicht mit Roheit oder Tyrannei, v nein. Der MMr 198 ein guter, milder Mann gewesen, doch! einer von denen, die trotz aller Güte ganz genau wissen, was sie wollen und deren Willen unter Umständen dominieren muß. Er hatte sich seine Frau Mt gezogen, sie fürchtete ihn, sie fürchtete sich vor feinen Augen, vor seiner aufrechten Haltung, und sie hatte sich vor allem vor seinem Schweigen gefürchtet. Eine ganze Woche lang tonnte er neben ihr leben, ohne ein Wort zu. sagen, ließ, sie keifen und toben und' schwieg, schwieg so lange, bis sie demütig wurde und zu tijnt kam und ihm ein entschuldigendes Wort sagte. Es war immer dasselbe gewesen in den vielen Jahren ihrer Ehe: Mißverstehen, Aerger und Verdruß über kleine Dinge und zum Schluß Versöhnung. Nach ein paar Wochen Frieden fing dann das alte Lied wieder an, und durch diese Heinen Kriege und seine überlegene Art, den Waffenstillstand herbeizuführen, war immer eine wohtnende Abwechselung in ihr Eheleben gekommen. Sie hatten e's nicht zu schwer vermißt, daß ihnen der Kindersegen versagt war, und die Frau Küster hatte es auch nie erfahren, daß mau im Ort ihren Mann bedauerte und von ihm annahm, daß er unter ihrer Herrschaft stehe. Der Herr Küster hatte nur gelächelt, wenn er davon hörte; er hatte sein keifendes Eheweib lieb gehabt trotz ihrer Fehler. Solche Frauen, die ihr Temperament nicht meistern können, die bekommen so leicht nicht die Oberherrschaft im Hause, die lechzen ja nach einem Willen, der über ihnen steht, die wollen gemeistert werden, und seit die Frau Küster Witwe geworden, litt sie unsäglich darunter, daß niemand da war, vor dem sie sich fürchtete, der ihr die Zügel straff hielt. Sie stand mit der ganzen Welt auf dem Kriegsfuß und freute sich, wenn einer ihr so nahetrat, daß sie ihre Galle an ihm auslassen konnte, aber nun ging es ihr hier im Witwenhaus, wie es ihr überall ging, wenn man sie näher kennen gelernt hatte. Man ging ihr aus dem Weg, oder wenn mau mit ihr zu tun hatte, behandelte man sie mit ausgesuchter Höflichkeit. So zum Beispiel diefe Gemüsefrau! Mit der konnte man sich einfach gar nicht zanken; je ärgerlicher man war, umso höflicher wurde die, zerschmolz förmlich in Liebenswürdigkeit und ließ sich durch nichts aus ihrer Ruhe bringen. Das Harmonium war ihr auch allmählich zuwider geworden. Sie hatte in die Ortszeitung eine Annonce gesetzt, daß sie Gesangunterricht erteilen wolle; aber kein Mensch hatte sich gemeldet, obschon sie ohne Honorar zu unterrichten gedachte. Zum Sticken und Nähen hatte sie auch nicht viel Ruhe, hatte es ja auch nicht nötig; und den ganzen Tag im Wald hernmlaufen, ne, das war nicht ihr Geschmack. Kochen, Zimmer in Ordnung halten, aus den Mann warten, wenn er nach Hanse kam, und sich mit ihm herum- zankeu und wieder versöhnen: das war ihr Element, das mochte sie. Das lag nun all begraben, und sie saß hier oben und sah hundertmal am Tage auf die Uhr nnb wußte nicht, was sie mit dem langen, grauen Leben, das vor ihr lag, anfangen sollte. Sie dachte auch oft nach über das Schicksal der Frau Lengerich, die vor ihr in diesen Räumen gewohnt und die so elend geendet hatte, und in ihre gesunde, robuste Seele begann sich ein Gedanke, ein Argwohn einzuschleichen, aber dann schüttelte sie den Kopf. Sie hatte doch ihren festen Gottesglauben, und wenn ihr Mann ihr früher das Wirtschaftsgeld gegeben, hatte er nie versäumt, ihr zu sagen: „Heiliges Geld! Direkt aus der Kirche!" Und eben deshalb, weil sie doch noch von diesem ersparten Geld lebte und weil auch ihre kleine Pension ans der Kirchenkasse kam, hatte sie geglaubt, ru- nigen Herzens hier wohnen zu können; nun aber fühlte sie sich elender als je zuvor. Sie begann Angst zu empfinden vor dem dunklen Alkoven, in dem die Lengerich gestorben war. Sie konnte auch die Stille, die hier oben im Witwenhaus herrschte, nicht mehr ertragen, nicht mehr das eintönige Rauschen des Wehres, sie mußte einen Menschen haben, und wenn es ein Bettler Ivar oder —--ach ja, das war auch schön gewesen, darauf hatte sie gut geschlafen — — ein Gläschen Wein am Abend, oder zwei oder so viel, bis man ruhig wurde, nicht mehr wußte, daß einem was fehlte, nur nicht so allein fein! Wenn sie drei Gläschen getrunken hatte, kam der Küster leibhaftig zu ihr ins Zimmer Und sah! sie mit feinen milden Augen an; sie fing an mit ihm zu keifen — er schwieg, und dann lag sie doch wieder in seinen Armen und bettelter „Sei mir wieder gut!" bis er lachte. So _ ein paar Gläschen Wein am Tag, das kostete ja nicht viel, das konnte sie sich leisten; sie lebte ja sonst sparsam, brauchte nichts für Kleider oder Bedienung, und wie der Küster noch gelebt hatte, tranken sie doch auch Sonntags ein Gläschen oder zwei, warum sollte sie sich das jetzt versagen, wo sie doch so allein war? Ein paar Flaschen hatte sie noch im Schrank, denn der Keller unten war ihr zu unsicher. Er schmeckte ein bißchen warm und! säuerlich, aber es tat doch wohl, wenn man ihn so in kleinen Schlückchen schlürfte und je mehr man trank, desto besser schmeckte er. O, die Frau Küster erinnerte sich ganz genau, tote wohl das tun konnte! Hatte sie es doch schon einmal int vorigen Jahr ähnlich gemacht, als man thr die letzte Wohnung anfgekündigt und sie auf jede Weise gekränkt und geärgert hatte. Aber bann war sie krank geworden und hatte den Wein nicht mehr vertragen; hier im Witwenhäns war es ihr im Anfang Wohler gewesen, als in ihrem Heimatort, da hatte sie einen Trost nicht nötig gehabt. Nun aber war der Reiz des Neuen auch hier vorüber, die Langeweile kam und die Langeweile brachte Schlaflosigkeit, Unlust zum Arbeiteit, der Appetit mangelte und es machte ihr keine Freude, sich eine frische Schürze über ein reines Kattunkleid vorzubinden, wie es der Küster an ihr geliebt hatte. Für wen sich putzen? Für wen kochen und die Stuben rein halten? Ach, sie war ja so überflüssig auf der Welt, seit ihr guter, strenger Mann schlief! Sie hätte die Uhr von der Wand reißen mögen, weil ihre Zeiger sich so schneckenartig vorwärts bewegten, sie hätte auch das Bild des lächelnden Küsters, das über dem grünen Ripssofa hing, zerschlagen mögen, aber sie fand nicht ben Mut, sie keifte nur mit ihm, wie sie es im Leben getan nnb wenn sie ausgetobt, bann schmeichelte sie, unb weil er immer weiter lächelte, kamen ihr bie Tränen unb sie weinte so ungestüm und leidenschaftlich, bis sie müde wurde. — Wie oft hatte sie ihm im Leben in ihrer Wut zugerufen: „Ich wollte, du lägest unter der Erde!" und wenn er sie bann fragend angesehen, hatte sie es noch bekräftigt unb geschrien: „Ja, so wahr Gott lebt, ich wollte, ich wäre Witwe!" Und nun war sie Witwe und hätte eine Sehnsucht nach ihrem Küster, tote sie es nie für möglich gehalten. Aber es nützte ja alles nichts! Sie hatte sein Bett vom Boden holen lassen und hatte es neben das ihre gestellt, genau wie bei seinen Lebzeiten. Auch frisch überzogen wurde es; jeden Abend deckte sie es auf, und weil sie sehr gläubig war und dem lieben Herrgott gut und gern ein Wunder gutraute, betete sie stundenlang in der Nacht zum Allmächtigen, flehte ihn an, ihr den Küster wieder zu schicken, weil sie sich so schrecklich allein fühlte. Aber so oft sie auch in der Dunkelheit mit der Hand in das Bett tastete, es war und blieb leer: das Seinen fühlte sich so erschrecklich kühl an, daß ihr ein Schauder durch die Glieder flog. Ob die Lengerich, die hier gestorben war, wohl auch fo große Sehnsucht nach ihrem Mann gehabt hatte? Darüber dachte sie oft nach. Ob die es wohl auch so entsetzlich gefunden hatte, Witwe zu sein? Aber die magere, hochmütige Pastorin auf der andern Flurseite war doch auch Witwe und die Gemüsefrau auch, die Specht und die Häuflein waren es gewesen, die Naiusius unb Frau von Hilbach, bie noch so jung war, unb bie Bauunternehmersfrau im ersten Stock wurde es auch über kurz oder lang, das ganze Hans voll von Witwen: die Küsterm schauderte zusammen, wenn sie daran dachte. Wie ertrugen die das denn nur? Warum wurden die nicht verrückt und konnten schlafen unb fanben das Leben schön? „Ich mag aber nicht mehr Witwe sein! Mein Küster soll wiederkommen!" schrie sie oft in maßlosem Zorn, wenn der liebe Gott all ihre heißen Gebete unerhört ließ. — Aber es nutzte alles, alles nichts, nur ein Gläschen Wein half, immer eins nach bem andern, bis der Küster ins Zimmer kam. (Fortsetzung folgt.) ISS wie du wieder jung wirst. Von Lina Grebe, Elberfeld. I. Komm mit, tiu ernster, grübelnder Mann; weg von deinen Büchern und staubigen Schriftstücken. Derne Augen follen etwas anderes sehen als die verschnörkelten und verblaßten -schrrstzemJen versunkener Jahrhunderte. — Deine Glieder sollen sich dehnen Nnd deine Lungen weiten, deine Augen sollen wieder glanzen und lachen sollst du lernen — lachen, herzlich und leichtherzig, beinahe bubenhast wie in alten Zeiten. , Komnr mit; ich führe dich. Und du, fern Weib, komm auch mit! ueberlaß deine fünflöpfige Schar treuer Tanten Hut. Mache dich frei, du vielgeschäftige Mutter, für eine kurze Spanne Zett von süßer Last. Du wirst neue Spannkraft, mit hermbrrngen für die Anforderungen des Alltags, für das nre endender „Mutter hier" und „Mutter da" der großen und kleinen. Jung , ollst du werden, wieder müdcheithaft jung und Hein Mann soll staunen, wie jugendlich sein Weib ist, seine treue W.eggenosfin seit langen Jahren. .. . Kommt beide mit! Wir wollen wreder chng werden. Und so ziehen wir hinaus in die Welt, Bruder, Schwester «und Schwägerin. Nach langer Eisend ahnfahtt sind wir im Elsässer- land und bleiben eine Nacht im Tale. Frühmorgens geht es werter. Von Colmar bringt urrs die Kaysersberger Dal-Bahn — verkürzt: K. T.--B., verdeutscht: Kein Teil brauchbar — durch die Weinberggegend. Golden liegt der Sonnenschein auf deut Gelände und umspinnt das alte Gemäuer der Gartenhäuser. Wre lauter Frühling mutet es uns an. Aber wollen wir in den Frühling? Nein! in Schnee und Kälte. Wir suchen, ob nirgends ein Streischen Schnee zu entdecken ist. Doch die südlichen Hänge der Vogesen wissen nur vom heimlichen Leben und Weben des Frühlings. Immer höher kommen wir, immer näher dem Gebirge, ganz langsam und allmählich ins Schneegebiet Hinern. In Eschelmeer verlassen wir den Zug und wenden uns nach Urbeis. Tort liegt Schnee genug, um1 die Schier anschnallen zu können. Nun geht es tapp — tapp den Berg hinaus. Die Sonne brennt und der Rucksack drückt; doch die Sehnsucht nach der schimmernden schneeigen Welt da oben treibt uns höher und höher. Nun sind wir am Weißen See. Seine Flut ist erstarrt im Frost und die steil abstürzenden Felshänge, in die hineingebettet er liegt, sind mit Schneemassen Ungedeckt. Hohe Daunen halten an seinen Usern Wache, und über allem liegt warmes, goldenes Sonnenlicht. In köstlicher Reinheit, Unberührtheit liegt die Welt vor uns. Schi- Heil, wir sind am' Ziel!" Wir sind die einzigen Glücklichen, die in diesen äugen durch die geheimnisvollen Tannenwälder der Vogesen gleiten können, und die ganze, leuchtende, schimmernde Welt — so verschneit und verträumt — gehört uns allein! Am srühen Morgen geht es hinaus. Die Dannen glitzern im Rauhreif und zu ihren Füßen liegt zarter flockiger Schnee wie eine unendliche Menge weißer Federn: Komm, leg dich hinein. Oben auf dem Reisberg sieht der Schnee ganz anders aus; große und kleine Sterne von entzückenden Formen glitzern im Sonnenlicht. Die Fichten stehen und liegen wie verzaubert; der Wind hat sie niedergebogen, mit Schneelasten beschwert und der Frost hat sie in den wunderlichsten Formen festgehalten. Zu unseren! Füßen der Tannenwald, weiterhin und tiefer die dunkeln Berge nnd Wälder ohne Schnee und Sonnenglanz, tief drunten die Täler, in denen schon der Vorstühling sein Wesen treibt — unsere Augen werden groß und weit ob all der Winterherrlichkeit um uns hemm; unsere Brust tut tiefe Atemzüge in Freiheit, Freude und Frieden, Unsere Wangen — blasse Großstadtwangen — röten sich, und unser Herz kennt nichts als ein großes, tiefes Dankgefühl. Lange Heil)en wir da oben, im Schauen versunken, bis die Mittagsstunde uns heimtreibt. Nun fliegen wir den Reisberg hinunter. „Hei, wie das flitzt", sagten tvir als Kinder, wenn der Bergschlitten mit uns davousauste. Unten an der letzten Biegung steht eine breitästige Tanne. Unter ihre Neste sause ich in eine Versenkung, in den losen, flockigen Schnee, der schon beim Aufstieg lockte: „Komm, leg dich hinein!" Ich liege tief drinnen und habe Mühe, mich und meine Schneeschuhe wieder auszugraben. Bei finkender Sonne stehen wir oben auf dem Gebirgskamm, hier Deutschland, hier Frankreich. Und die Augen schweifen in die weite, weite Welt hinein. Dimkel grüßt der Schwarzwald herüber, südlicher hebt sich die ganze Älpenkette vom Särttis bis zum Montblanc deutlich vom Abendhimmel ab, hier die Berge und Täler der französischen Vogesen, aus denen die Dunkelheit aussteigt und dort die Ebene am deutschen Strom, alles; alles grüßen wir aus stolzer weißer Höhe. Die Sonne sinkt tiefer; jetzt ist nur noch eine weite leuchtende Linie wie von markiger Hand gezogen nm Himmel. Der Abendstern mahnt ans Heimgehen, und kaum haben wir die Abfahrt recht bedacht, da sind wir auch schon brunten. — Schweigen im Walde! ganz still ist es, fein Bogel, der singt, kein Ast, der knackt, kein iroch so winziges Tierlein, das sein Dasein durch die leiseste Lebensäuberung kund tun könnte. Die weite, weiße Welt schläft, träumt einen Dornröschenschlaf. Weißt du, wie es ist, wenn mau ein Märchen erlebt? wenn so ein fast vergessenes Märchen aus Kindertagen ganz langsam die dunkeln verträumten Augen aufschlägk und leise an zu flüstern fängt: „Weißt du noch? Weißt du noch vom: Eiskönig, der im Kristallpalast wohnt? Weißt du noch von ben Riesen, den Nebelsrauen, den Berg- tmninlein ? Weißt du noch?" Komm mit mir durch den verschneiten Winterwald und dir wird zu Mute, als sähest du alle die Gestalten vor dir, von denen die Märchen erzählen. Diese Heimlichkeit, dieses Verwunschensein, dieser Dornröschenschlaf der Erde, daraus der Lenz, der Königssohn, sie wachMssen soll. Aber still! noch nicht, noch laß sie ruhen und träumen. — Heute will die Sonne uns nicht scheinen, und doch ist's schön im Winterwald. Wir machen Entdeckungsfahrten und finden mitten im Wald einen Wiesenhang, dort wollen wir üben. Der Himniel ist grau und schwer und hängt dicht auf beit Tannen. Frau Holle hat noch viele, viele Flocken da oben, und bald fängt sie an zu schütteln und schickt die allerkleinsten, allerfeinsten Flöckchen herunter. Ein lustiger Wind wirbelt sie uns um Nase und Ohren. Es wird immer toller, je toller, je besser; wir können noch viel Schnee brauchen. Mit dem Winde um die Wette fliegen wir. Den Wiesenhang hinunter bis zum sinkenden Abend. Gerade wollen wir uns zur Heimfahrt anschicken, da kommt es Uns vor, als seien wir nicht mehr allein auf der Welt. Ein leises Knacken im Walde — wir stehen und horchen. Nun schimUtert es bunt durch die Büsche, drei Menschen, eine streifende Patrouille, die die Stellung des Feindes auskundschasten soll. Sie haben Weg und Steg in der Winterwelt verloren und irren seit langem müde unb hungrig umher. Seit 16 Stunden sind sie unterwegs; das ist ein mühsames Wandern im Schnee, in den sie oft bis an die Brust eingesunken sfitd. Wir bringen sie auf deut kürzesten Wege ins Hotel; kaum, daß sie sich stärken mit Speis und Trank, sinken sie todmüde auf die Lagerstatt. 91m anderen Morgen ist unsere stille Welt wie verwandelt. Ganz langsam kommt ein Zug den Berg heraus, im Gänseschritt, immer einer hinter dem andern: 9lrtillerie aus Colmar und Schlettstädter Jäger. Unhörbar verhallen ihre Tritte im Schnee; sie sinken bis zum Stiefelrand hinein. Langsam, lautlos, aber mühsam. Seit 24 Stuiiden schneit es Nun ununterbrochen. Wie beneiden uns die Soldaten, die Offiziere voran, um unsere flinken Schier! Nun wird es im stillen Winterwald lebendig und bald hallt er wieder von Kleingewehrfeuer und Kanonenschüssen. Zwei Berakanonen haben sie mit heraufgebracht, auf Schlitten geladen, die von Mauleseln gezogen werden. Die armen Muli werden fast heraldisch, so müssen sie sich plagen mit ihrer Last; immer wieder stoßen sie mit ihrer Schnauze in den Schnee und drollig steht ihnen der weiße Bart.. Anfangs ziehen wir mit in den Krieg, der kein Krieg ist; als über die Soldaten sich gar nicht über unser Aussehen beruhigen! können, bleiben wir Frauen zurück. „Buchsemännche, Buchse- mäunche", ist noch das Harmloseste, was sie uns zuriefen. Unser Anzug paßt zu unseren einsamen Schitouren, doch! nicht für so viel Soldatenaugen. Es hat die ganze Nacht geschneit, zugedeckt sind alle Spuren von so viel schweren Tritten und zugeweht alle Gräben und Schanzen. Nichts erinnert mehr daran, daß so viel Krieger den Zauber unserer stillen Welt für einen Tag gebrochen hatten. Klar und sonneugolden zieht ein Wintertag herauf, dessen Schönheit wir voll und ganz bis zu einbrecheuder Dunkelheit draußen genießen. Dann kommen wir von einer weiten Waldfahrt heim. Die Sonne hatte die oberste Schneeschicht aufgetaut unb nun friert es. Hei! wie wir fliegen. Ein wunderbar klarer Sternenhimmel wölbt sich über uns. In der Nähe unseres Hotels ist's lebendig. Manch fröhliches Schi-Heil grüßt uns beim Ankommen. Einige 20 Mitglieder vom Schiklub Vogesia sind heraufgekommen; morgen fängt der Schiktzrs au, bei dem auch tvir viel Lernen wollen. Sonntagmorgen! pünktlich soll heute der Unterricht anfangen, also früher als sonst ans dem Bett. Scheint uns auch heute die Sonne wieder? Nein! Ist es möglich? Regen! Nach dem Frost, dem Sternenschein gestern abend? Aber es regnet leicht und fein. Nun muß das sorgsam ausgearbeitete Programm um- gestoßen werden und statt Ueben auf freier Halde hören wir einen guten Vortrag über schitechnisch!- Fragen mit manch! witziger Bemerkung von Vortragenden und ans dem Zuhörerkreis. Als es sich nicht wie gehofft, am Nachmittag aufklärt, hält uns nichts mehr im Hause. Ob wir nun durch den Schnee ober den Regen naß werben, — beim Schikurs wird man immer naß, da jede Abfahrt, jede neue Hebung fast unweigerlich mit einem tiefen Fall endet. Schneepflug, Stemmbogen, Schwünge, Sprünge, Schlittschuhlaufen auf den Schiern, Wenden am steilen Hang, Springen auf der Fahrt, alles wirb geübt, je nach Fettigkeit unb Begabung der Einzelnen. „Schispitzen zusammen, Hacken auseinander, Kniee durchi- drücken, vorn überlegen. Mut, Mut, nur keine Angst, nicht fallen, nicht fallen. Warum sind Sie nun gefallen? Das war gar nicht nötig; nur aus Angst haben Sie sich hingclegt Federn in den Knien, recht lose sein in ben Hüften; Schiläufen äst Gleich- gewichtskuust. Nicht fallen, nicht fallen." So bre Zurufe unserer beiden Lehrer, und jeder Lernende plagt sich mit Eifer und Freude, ob er nun über ober unter 50 Jahre alt M 200 — 2 6 7 6 lobenswerte Eigenschaft. e a u ör«daktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Üniv«rsitätS-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gteh«» 1 2 3 4 5 2 6 7 4 6 6 7 6 6 3 4 2 3 4 2 3 6 3 11 3 1 1 7 4 6 n i t W e G o g n b a g n g 8 8 1 H u n ä 3 t a g e o t t 1 e u b a Arithmogriph. m 2 eine wohltätige, aber auch gefährliche Macht. 6 2 6 3 Truppengattung. ein Mineral. 2 Stadt in den Rheinlanden. In der Nacht wird es kalt, und der Regen wandelt sich m Schnee. Nun aber frisch an die Arbeit! Wir üben an den Hängen des Jmmerlinkopfes, der in Sonnenschein gehüllt tft. Hier baut sich einer einen kleinen Sprunghügel, dort üben einige Wenden tttn steilen Hang, doch die meisten üben Stemmbogen, Stemmbogen, „bis zur Bewußtlosigkeit". — Sechs rote Fähnchen stecken in bestmimten Zwischenräumen Hn Schnee. Nun also: „Stemmbogen rechts, Ohrfeige links, Stemmbogen links, Ohrfeige rechts", so lernt mans. kommt um fein Fähnchen herum; um sie nicht zu Verfahren, zieht er sie rechtzeitig heraus, bis er sie alle mt Arme hat. Schi-Heil dem Fähnchensammler. Dann muß er sie wieder auf» 'Pflanzen, und wenn wieder die Reihe an ilm kommt, fangt er von neuem an, Fähnchen zu sammeln. Ja! Schiläufen lernt sich nicht von heute auf morgen. — Ein etwas korpulenter jovialer Fünfziger übt steile Abfahrten, und ivenn er ohne zu fallen an» kommt, dann ivirft er sich in die Brust: „Da fielt mer sich tote 3 6 2 Nahrungsmittel. -31 Küstenland! cha'l am Mittelmeer. je unv», | Die Anfangsbuchstaben der gefundenen Wörter sollen den Herr T. | Namen eines beliebten Humoristen und Dialektdichters ergeben. , I Auflösung in nächster Nummer. 6 2 Schristzeichen. bringt den Schissen oilmals Verderben. . 2 Organ bestimmter Säugetiere. 2 3 Kanton in der Schweiz. Die erste Rolle. Ein reisender Engläiider. Ein norwegischer Musketier.! Ein sächsischer Sänger. .. Ein Wachsfigurenkabinett von Schiläufern. y a m. verkündigt der Herr Zirkusdirektor, leitet alles mit erklärenden Ulkreden ein und freut sich über seinen eigenen Sprechanisnrus, der heute abend nie versagt. — Es nimmt fast kein Ende, und doch f aut weder die Leistung Bich die Stimmung ab. Inzwischen haben Ich alle Angestellten des otels hineingeschlichen und sitzen zeitweise in stummer Andacht ynd dann wieder biegen sie sich vor Lachen, und Lachen wirkt so „So einen herrlichen Abend habe ich am Weißen See noch Nicht erlebt," sagt mir Loisl, das Zimmermädchen. Der Koch hat eine Violine, eine Dame spielt, was sie von Walzern kann, dann wird sie durch Klavierspiel abgelöst, unb wir tanzen alle alte tote junge, in jugendlicher Freude und Sorglosigkeit. Es ist merkwürdig, wie allen Schiläufern die Tanzmusik tn die Beine Jede gute Leistung wird von yeifa>Äm Ä H dreifachen, kommeickmatzlgen Schi -Heil begrüßt, Mer »aii iuno ; deren sind es unzählige) mit herzlichem Gelachter und wiMibeii N«-nterkunaen Gibt es sonst etwas auf der -Weir, wooei itvet iu hamilos ansgelÄ wird und sich so,harmlos auslachen laßt, wie Sckülamen2 Diese langen Dinger haben nun enimal so aroWs an sich, ob sie nun einer httfeflehdnd gen Himme streckt oder einen hierher, den anderen dorthin steckt, ob er mit der N-cke zuerst in den Schnee fällt und sich mit fernen langen Hölzern überkugelt, oder ob er noch nach enter, anderen, ganz besonderen Methode das Fallen ausprobiert - loder Fall reizt unwiderstehlich zum Lachen, zu einem fröhlichen, herzlichen Lachen. Das Schiläufen hat nun einmal so etwas,>zung-und Frohmachendes Mi sich und dieses Fröhliche und Jung sein ist so.echt und natürlich, daß es jedem gut steht, den grauen Haaren mchtaniweuigsten. Auch gibt es wohl kaum eine andere Sache, bet welcher der Altersunterschied so verwischt toirb, wie beim MisMrt. Froh uub cung Mhlen sich alle: man sieht nur fröhliche Gesichter, so, als ob fen Leib, keine Not, keine Sorgen ans der Welt gäbe. Wie mit das tut, eine kurze Zeit so zu beuten, zu fühlen. Es nmcht so leichtherzig, unternehmungslustig, so betonßt jung, tote man ulckt einmal mit 18 Jahren ist. —> „ ., „ . „ $ Fröhlich waren wir draußen, fröhlich ließen wto uns naß- regnen, fröhlich sitzen wir beim Abendessen und nachher wirds erst recht fröhlich Muntere Reden fliegen hin und her,, dieser toetft einen Witz, der eine Anekdote: auch ein echter rheinischer Jung ist darunter, der ist nicht auf den Mund gefallen. Er smgt UNS lustige Lieder zur Laute und auch den ßotj'engrtn auf Kolsch vor. Auch hier wird jede gute Leistung belohnt mck dreimaligem Schi-Seil — es geht jetzt tadellos — und anschließend steigt k" A^te^fee r^werben wieder lebendig: wir singen vom Madel, Madel, wink, wink, wink, vom Römer, der am finstern Grenz» toait Poften stand, und von LippS Detmold, der wunderschönen ^^Auch der Montag bringt Regen: nichts als Regen, und doch Üben wir fleißig den ganzen Dag. Wir haben so viel Schnee, daß der Regen ihm nichts anhaben Tann. . . . Und am Abend feiern wir Fastnacht, wir alle, die ton dem Fastnachtstrubel entronnen sind mit unseren Schneeschuhen hinaus fn die Einsamkeit. Ein junger Mann wird zum „Zirkusdlrektoi ernannt, und es liegt ihNt. Es entwickelt sich ganz muhelos em großartiges Programm, -eine Aufführung wechselt die andere ab. ■’i« junger Gott." Begehrlich sehen wir den eleganten Telemarks und Chriftiancas Unserer Schilehrer zu: „Wär ich doch auch erst so weit." Poesie und Sttatzenschmutz. „„„ x, Von den Zuständen auf den Straßen mittelalterlicher StaR« witzelndeii I $atm man sich heute, wo glattes Asphaltparkett zn beit Alltäglich- '' "s™ kecken gehört, kaum noch eine Vorstellung machen. Man wird es auch kaum begreifen, daß eine besondere Abordnung seinerzeit von Köln aus die weite und umständliche Reise nach Nürnberg unternahm nur um das eben dort hergestellte Pflaster in Augenschein ... nehmen. Und doch war die „Pflasterkunst", die seit den Romer- selten mie so vieles andere in Verfall und Vergessenheit geraten war, für die damalige Zeit ein Ereignis. Denn sie bedeutete em» Verbesserung der Straße sowohl verkehrstechmsch wie gesundheitlich. Es gelang jetzt vor allem, des Schmutzes auf den Straßen einiger* ,naßen Herr zu werden. Die fäulniserregenden Substanzen konnten nicht mehr in den Boden eindringen oder an der Straßenoberflache eintrocknen, um bann vom ersten besten Wirbelwinb rnieber m die Häuser getragen zu werden. Tie Straßen der mittelalterlichen Städte iuareit oft in einem Zustande, der heute nicht einmal mehr in dem ärmsten Dorfe als möglich angesehen werden kann, tote Straße galt eben damals als öffentliche Abtagenmgsstatte für ieg- lichen Schmutz, einschließlich der menschlichen Exkremente. Den Schmutz aus dem Hause entfernt zu haben, betrachtete der bamalti.e Erdenbürger schon als eine erkleckliche hygienische Leistung, toap dieser Mißstand bis in die frühesten Zeiten zuruckreicht, ist festgelegt in Verordnungen, wie sie in aller Welt, in Italien, England, n Frankreich und bei uns in Deutschland von städtischen und staatlichen Behörden erlassen wurden. Offenbar haben diese obrigkeitlichen Ermahnungen aber nicht immer gefruchtet. L!an griff daher — vielleicht aus den gleichen pädagogischen Grimden, aus denen man die lateinische Grammatik in Verse kleidete - auch zur Gedichtform. Ein solch herzhaftes Gedichtlein hat sich aus dem Jahre 1370 her eine Zeitlang in München erhalten, es geriet dann in Vergessenheit, um später in Passau wieder aufzuleben. Es lautet: Kot ober Unflat vor ber Türen Ist binnen drei Tagen ivegzufiihren, — So ivie auch mit dem Schweinehalten Soll geschehen, so wie vor Alten, Damit niemand keinen Unflat Vor seiner Türe oder auf der Gaffe hat, Unsauberes aus den Häusern gießen Wird man auch mit Strafe büßen. ,, So sang der Magistrat den Bürgern damals ihre Pflicht vor. Viel scheint es allerdings nicht geholfen zu haben. Demi vier- aroßartiges Programm, eine Ausführung wecyieir oie «», hundert Jahre später mußten in der gleiche» feer tut an seinem Teile, was er kann, alles wirb fröhlich gegeben Mahnungen erfolgen, nur etwas gestrenger »m Son abjohiitfttfcbec antb fröhlich aufaenomMeu. I Herrschaft. Es wurde bestimmt, daß feder Hausbesitzer sich dazu „Die Meisterschaftsringer der Welt, I zu bequemen habe, zweimal '».der Woche den Mist vor einem Die Räuber. I Hause wegzuschaffen. Auch mußte er die ^kratze besprengen, uno ®er Tob des Präsidenten,, I zwar „mit sauberem, nicht aus der Rinne genommenen Waffe Der Tod „OK praswenieu, Mich zweiinal. Allerdings scheint die Wirkung nicht allzu groß I gewesen zu {ein, beim ber Befehl mußte fast fedes Jahr wiederholt I werden, wie sich au§ den interessanten, Aktenstücken ergibt, d,e ber | Dtiuichener Magistrat aus dem städtischen Archiv der Hlstorischen Abteilung der Internationalen Hygiene-Alisstellung Dresden löll zur Verfügung gestellt hat. Selbstverständlich war es mit bet Hygiene ber Straße im Mittelalter m anderen dentscheii stabten nicht viel besser bestellt. ®r- humoristischeg. * Zu schön! „Aber Michelbauer, alle Tage sitzt Ihr im Wirtshaus und habt mir doch versprochen. Euch bas Trinken ab- zugewöhnen!" — „Ach, Herr Pfarrer, 's Abgewöhnen ,is halt zu schön !" ___________ Auflösung des Kreuzrätsels in voriger Nummer: ~ W G