£ - W MDMÄ & W M ras iWtzW K/W Das nette Mädel. Roman von Fedor von ZobeltiA- (Nachdruck verboten.) (Fortfehung.) Unweit des Hafens fand Trants eine Droschke. 'Sie nannte dem Kutscher die Wresse der Sandratt, ließ aber vorher noch einmal bei Horst und Dammer halten, dent großen Lederwarengeschäft an der Promenade. Hier wollte sie ein Zigarrenetui für Max Roeßler kaufen und ließ sich eine Auswahl vorlegen. Als sie eiues gefunden hatte, das ihr gefiel und zehn Mark kosten sollte, hörte sie hinter sich die Tür gehen und wandte sich um. Der junge Everst ed t trat ein und grüßte sie verbindlich, aber doch mit einem Ausdruck, dem man es anmerkte, daß er nicht genau wußte, wer die junge Dame sei. Traute zahlte schnell Md ging. Gleich nebenan war die Bartelssche Konditorei. Da kaufte sie noch für drei Mark Kuchen und führ hierauf zur Sandratt. Tini Saüdratt hatte sich eben den Kopf waschen lassen und empfing Traute in einem japanischen Schlafrock, unter dem sie nicht sonderlich viel trug. Sie flog ihr um den Hals, herzte sie ab, nahm dann dankend den Kuchen in Empfang, biß auch gleich in ein Makronentörtchen und hat Traute, ihr beim Anziehen behilflich zu sein, da sie das Mädchen fortgeschickt habe. „Absichtlich, Drauteline," sagte sie. „Dein geliebter Max hat mich dringend ersucht, den Schleier des Geheimnisses über seinen Besuch zu ziehe». Er hat mir einen langen Brief geschrieben, bittet sehr um Verzeihung, daß er in Zivil antreten wird, und will über die Hintertreppe kommen. Er scheint die ganze Angelegenheit für ein Vergehen wider die gute Sitte zu halten, das vertuscht werden muß." „Er ist sehr penibel in derlei Dingen." „Ich glaube, er ist ein großer Stiesel. Nimm mir's nicht übel, Trautinäuschen, daß ich mich so derb ausdrücke, aber sein Benehmen ist doch wirklich verrückt. Wenn ich empfindlich wäre, würde ich ihm zurückgeschrieben haben, er solle lieber nicht zu mir kommen. Schau mal auf meine Visitenkarteuschale — da wirst du sogar die Namen hoher Vorgesetzter von ihm finden — aber die Leute kamen in Uniform unt)' genierten sich nicht. Hake mir bitte hinten die Taille zu, und sollte eine Oese abgerissen sein, so nimm Line Nadel." Traute ging an die Arbeit. „Ja," sagte sie dabei, 5,er ist sehr förmlich und auch ein wenig steif. Aber er ist doch eilt lieber Mensch und hat so gute Augen." „Ich will ihn dir nicht vergraulen, Schatz. Ich begreife nur nicht recht, wie ihr beiden zusammenpaßt. Du bist die Fröhlichkeit selbst und huschst wie ein Sonnenstrahl durchs Leben, der sich auch nicht drum kümmert, wohin er sällt. Und er... nun also, ich könnte mich in einen Mann nicht verlieben, der sich vor jedem Kusse erst überlegt, ob auch die Stunde dazu schicklich sei!" Traute mußte jetzt wirklich zu einer Stecknadel Zuflucht nehmen. „Tini, ein Mensch vor dem andern. Besinnst düj dich auf Hans Ueberlingen? Der war immer wie der Sturmwind und brachte einen in hundert Ungelegenheiteni. Das hat auch seine Schattenseiten. In acht Tagen war ich mit ihm im Gerede. Max ist verständiger. Da eine öffentliche Verlobung vorderhand unmöglich ist, so scheint's ihm eben besser, wir behalten unsere Liebe für uns." x Tini blickte die Freundin int Spiegel mit ihren braunen Schelmenaugen fragend an. „Liebst du ihn denn wirklich?" fragte sie. Traute hakte die letzte Oese zu. „Na, hör mal! . . Ich bussle mich doch mit einem Mann nicht ab, wenn ich ihn nicht lieb habe!" „Gott," sagte die Sandratt und lachte, aber sie verschluckte die weitere Aeußerung. „Du bist ein tugendhaftes: Bnrgermädchen und hast recht. Du liebst ihn infolgedessen darfst du ihn auch küssen. Aber vom Standpunkt eurer Guten-Stuben-Moral hat das doch seinen Haken. Beim Kuß ist die Voraussetzung Verlobung und! Heirat. Wie steht es damit? Es liegt doch die Kautions-- frage dazwischen?" „Allerdings. Ich habe mir auch noch nicht den Kopf zerbrochen, wie sie gelöst werden soll. Das überlasse ich Max. Er wird schon einen Ausweg finden. Er hat mir geschrieben, daß er mir heute wichtiges mitznteilen habe. Vielleicht handelt's sich um die Kaution." „Was soll er denn in Berlin?" „Er ist zu den Boxern kommandiert — zur Zentralturnanstalt." „Da gehört er auch hin. Er ist ein Krafthüber, physisch und moralisch." „Sprich doch nicht immer so verächtlich von ihm!" Tini nahm Traute an den Kopf und küßte sie. „Es ist nicht bös gemeint. Er ist ganz gewiß ein Ehrenmann. Aber siehst du, es gibt eine Sorte von Ehrenmännern- denen ich jeden liebenswürdigen Bummler vorziehe. Bor dem allzu Korrekten habe ich immer einen Greuel gehabt. Wovon sprecht ihr eigentlich, wenn ihr zu zweien seid? Ich kann mir gar nicht denken, daß dein Max auch einmal! verliebt quatschen kann." Traute überlegte. „Es ist wahr, das kann er nicht. Dalbern und kindisch sein, so ganz aus dem Häuschen in verliebter Laune, Verrücktes schwatzen und zwischen zwei Küssen einen dummen Witz machen: das verstand der Ueberlingen. Aber der Max kann es nicht. Er ist viel zu ernst dazu. Deshalb glaube ich, daß ich recht gut zu ihm passe. Die Gegensätze ergänzen sich doch gewöhnlich." J „Manchmal auch nicht. Neun du mich ehrlich fragst: ich hätte dir eilten anderen gewünscht. Einen Leichtsinn-^ 394 geren, aber Eleganteren — vor allein einen Reichen. So einen wie Paul Eberstedt." „Der liegt ja doch fest," antwortete Traute und warf aus den Augenwinkeln einen verschmitzten Blick auf Tini. Die Sandratt steckte ihr schönes braunes Haar auf. Vie hatte eine Schildpattnadel zwischen den Lippen und nahm sie auch nicht aus. dem Munde, als sie erwiderte: „Mein lieber Schatz, ich verstehe die Anspielung. Paul- chen machte mir die Cour. Heute werden es drei Monate, daß er mir seine heiße Liebe gestand. Es Ivar ein ganz hübsches Vierteljahr. Sieh die Brillantbrosche drüben auf dem Tische — sie stammt auch von ihm. Aber in letzter Zeit sind seine Gaben rarer geworden lind seine Besuche kurzer. Es geht langsam zu Ende. Das wußte ich, als es anfing. Es hat mir aber noch keine melancholische Stunde verursacht — ach nein!" „Da liebst du den Mann also auch gar nicht!" — Traute saß so, daß sie in den Spiegel schauen tonnte; und sie sah jetzt sehr aufmerksam in das helle Glas und war neugierig, was für ein Gesicht Tini zu diesem Einwurf machen würde. Aber die Sandratt blieb gleichmäßig; sie zuckte nur ein wenig mit der linken Schlüter. " „Wenn du unter Liebe eine große Leidenschaft oder Kein in alle Tiefen gehendes Gefühl verstehst, so muß tut nein antworten. Das Wie in der Liebe ist immer Sache der Veranlagung. Es gibt Leute, die sich nur glück- . lich fühlen, wenn auch ein bißchen .Herzweh dabei ist. Zu diesen absonderlichen Menschenlindern zähle ich nicht, lind du ebensowenig. Damit ist keineswegs gesagt, daß unsere Herzen Eiskeller sind. Bloß leichteren Gemüts sind wir als die anderen nnd elastischer Von Seele —" „Also oberflächlicher," ergänzte Traute. „Meinetwegen. Es ist manchmal ein großes Glück, oberflächlich zu fein. Ich behaupte sogar, daß wir der Natur besonders dankbar für diese Gäbe fein können. Die ganz Tiefen kommen aus der Leidduselei nicht heraus. Und wenn sie wirklich einmal himmelhoch jauchzen, haben fie's immer mit der Angst, daß sie schon im nächsten Augenblick wieder zu Tode betrübt sein können. Also sage ich: je tiefer veranlagt, um so karger der Frohsinn. Du brauchst aber meine Lebensanschäuung nicht unter die kritische Lupe zu nehmen. Sitzt mir das Haar denn nun hinten? Wenn es gewaschen ist, kriege ich überhaupt keine Frisur zustande." Traute half nach. „Was hast dir für schönes Haar," sagte sie. „Merkwürdig, wie hübsch du geworden bist! In der Schule warst du ein mieses Käferchen mit Spinnen- beüien und spitzen Ellenbogen." „Jetzt bin ich schon beinahe für Märienbad reif . . ." Sie schaute noch einmal in den Spiegel. . . „Immerhin geht es noch. Eine Soubrette muß rundlich sein. Ein Boccaccio mit Streichhölzern in den Trikots ist greulich. Einmal falsch singen verzeiht man eher im Parkett als dünne Beine. Nun hilf mir, den Kaffeetisch arrangieren." „Erst möchte ich einen Rat von dir. Vater hat heute einen Brief bekommen, der auch inich angeht. Soll ich ihn Max zeigen? Ueberhnupt, was sagst du dazu? Ich möchte dem Mann in Guatemala eigentlich selbst antworten." Sie hatte den Brief des Herrn Jonathan W. Brighäm hervorgezogen und gab ihn der Tini. Die fetzte sich wieder und las ihn mit wachsender Spannung nnd erklärte sodann, das sei einfach zum Totschießen. „Traute, hör zu. Der Brief ist nichts für den Leutnant Max. Der ist auf schöne Abenteuer nicht zugeschnitten und würde dir das Wort abnehmen, nicht zcc antworten. Nämlich weiter: antworten mußt du. So etwas gibt man nicht aus der Hand. Ist der Mann in Qnctz — Petz — Tetz —" „Siehst du," fiel Traute ein, „den Namen kriege ich auch nie heraus." „Man lernt ihn schon noch. Ich wollte fragen, hat dieser Herr Brighäm Geld?" „Er verdient ungezählte Pesos." „Da ist er also ernsthaft zu nehmen. Antworten ncnßt du. Bei Amerikanern kann man nie wissen. Ich sage dir nur: Amerika ist immer eine feine Sache. Wir wollen den Brief gleich aufsetzen." «Ich habe schon so meine Ideen," sagte Traute. „Hast du noch die Photographie von mir, die in der Weiten Bluse mit dem Mätrosenhut? Ich gebe dir eine andere dafür." Tini suchte das Bild heraus. Hierauf überlegten die Freundinnen des längeren, wie sie das Skriptum abfasseit sollten, und schließlich brachte Traute das Folgende zu Papier: „Sehr geehrter Herr Brighäm! Mein Vater hat mir Ihre gefl. Zuschrift vom 18. 3. 05 zu lesen gegeben, und sie hat mir so viel Freude gemacht, daß ich selbst Ihnen mit einigen Zeilen antworten möchte. Ich bestätige zuvörderst, daß ich blond bin und mit blauen Augen in die Welt schaue, aber das Blond ist nicht ausgesprochen und das Blau etwas grünlich. Doch läßt sich die Variation schwer schriftlich erläutern und wird natürlich auch auf anliegendem Bilde nicht sichtbar. Dies Bild ist beigegeben, weil die Gruppenaufnahme falsche Vorstellnn- gen erwecken könnte, während die nur ein wenig jüngere einzelne Photographie mein Abbild zweifellos getreuer widerspiegelt. Ans Ihre werte Anfrage, ob ich das in Bau begriffene neue Wohnhaus nebst umliegender Farm mit Ihnen teilen möchte, kann ich leider noch keine entscheidende Zusage geben, weil ich noch nicht die Ehre habe, Sie zu kennen. Vielleicht schicken Sie mir gelegentlich auch ein Bild von sich, damit ich Sie wenigstens in effigie vor mir habe und aus Ihrem Antlitz auf Ihre inneren Eigenschaften! schließen kann; doch möchte ich bitten, diese Zuschrift nicht tut die Geschäftsadresse meines Vaters, sondern unter doppeltem Kuvert an eine meiner hiesigen Freundinnen zu richten, nämlich an Fräulein Tini Sandratt, Verlängerte Promenade 18, II. Den nusgestopften Quesal dagegen schicken Sie lieber an Otto A. Köhler, weil er wahrscheinlich stark cingekampfert sein wird und man im Geschäft au diesen Geruch schon gewöhnt ist. Was ist das für ein Tier? Fräulein Sandratt meint, es gehöre zur Sippe der Klammeraffen, doch geht meine eigene Ansicht mehr auf eine seltene Amphibie hin. Jedenfalls wird es mich sehr interessieren^ ein Tier aus Ihrer Heimat kennen zu lernen. Welches ist die Landessprache bei Ihnen? Und gstck es noch viele Indianer dort? Auch über den Vulkan Santa Maria würde ich gern ein beruhigendes Wort hören, sowie ferner, wo Ihre Farm liegt und wie es sich auf derselben /lebt. Mein Vater wirb Ihnen jedenfalls selber noch antworten, aber natürlich scherzend. Auch diesen Brief fassen Sie bitte nur als einen freundlichen Scherz auf, der Ihnen! in Ihrer Einsamkeit vielleicht Spaß macht. Mit schönsten Grüßen Ihre ergebene Traute KöhlerK „Dieser Brief ist blendend," erklärte Tini; „er riechk nicht nach Köder, ist ganz harmlos nnd dennoch vielsagend für einen Mann, der verstehen will. Hat er sich wirklich in deine blonden Haare vergafft, so garantiere ich dir, ev kommt herüber und holt dich. Und daun bitte ich dich nur, daß du mir im Stadttheater von Santiago de Guatemala ein gutes Engagement verschaffst." Es klingelte jetzt an der Hintertür, und die Mädchen bekamen einen Schreck. „O Gott," rief Tini, „das ist schon dein Max, und der Kaffeetisch noch nicht einmal gedeckt ! Ich bitte dich; reg deine Hände! Alles Nötige findest du irgendwo — such dir's zusammen! Ich mache indessen ans." Sie flog davon, aber es war nicht der erwartete Leutnant, sondern der Theaterdiener, der eine neue Rolle brachte; über die sich Tini ärgerte. „Eine blödsinnige Rolle," schimpfte sie. „Ich trete nur einmal auf, als Kinderfränlein, und muß elsässischen Dialekt sprechen. Der Direktor ist verrückt geworden. Das kann jede Statistin. Morgen kriegt er den Wisch retour." Sie half jetzt beim Decken des Kaffeetisches. „Sonst bin ich nicht so," sprach sie dabei weiter. „Ich bin nicht ans große Rollen erpicht. Aber ich laß mich auch nicht schlecht behandeln. Der Direktor möchte mich in eine zweite Stellung drängen. Er hat eine andere in petto, die seinem Herzen nahe steht. Meinetwegen mag er sie sich kommen lassen — jedenfalls weich ich nicht vom Platze. Fällt mir nicht ein. Trautchen, die Teller mit dem durchbrochenen Rande, die sind hübscher. Und nun die Kaffeemaschine. Ist denn noch Spiritus da? Wir nehmen ihn aus meinem Brennapparat. Mäuschen, ans meinem Dostett«-, tisch. Bring Las ganze Ding her, es muß noch Spiritus krin sein . . /' Während man an das schwierige Geschäft des Umfüllens ging, klingelte es abermals, und wieder an der Hintertür. Traute schob das gekaufte Zigarrenetui unter die Serviette aus dem Platz Maxens und setzte sich dünn mit bescheidener Miene auf das Sofa. „ Diesmal aber war es wirklich der Erwartete. Traute vernahm schon seine tiefe, immer etwas befehlend klingende Stimme im Erkerzimmer. „Tausendmal pardon," hörte sie ihn zu Tini sagen, „es ist mir selber unlieb, daß ich so unkorrekt vorgehe, aber unter den obwaltenden Verhältnissen ließ es sich nun ein» Ural nicht anders machen. Jedenfalls bin ich Ihnen nicht lange zur Last, gnädiges Fräulein." Dann trat er ein: ein gut gewachsener junger Mann in neuem, aber schlecht sitzendem Zivilanzug. (Fortsetzung folgt.) Geschichte -es psstwesens im Grotzherzoglum Hessen, Von M, Koehler und R. Gw l d m a n n. 7. Die Post unter Taxisscher Verwaltung 1807—1815. Man darf annehmen, daß die Thurn» und Taxissche Verwaltung nach Inkrafttreten des Postlehnsvertrags uiit allem Nachdrucke dahin strebte, Verbesserungen int Postwesen, einzuführen., Wese von der großherzoglichen Regierung eifrig unterstütztes Bemühungen scheiterten jedoch teils au den politischen Verhnltp Nissen —. Fortsetzung des Krieges zwischen Deutschland und Frankreich —, teils auch an der Buntscheckigkeit der postalischen Vcr- hältnisse im Reiche. Unter diesen Verhältnissen wußte selbst die Einrichtung der i« Vorschlag gebrachten kleinen Kurse von Lich über Hungen, Nidda nach Gedern und von Gießen über .Grünberg, Alsfeld, Lauterbach und Schlitz nach Fulda unterbleiben. Erst im Jahre 1810, als infolge eines mit Baden abgeschlossenen Vertrags der damals badische Ort Miltenberg unter hessisch« Hoheit kam, wurde seit langer Zeit wieder einmal die Anlegung eines neuen Post- rurses, und zwar Bon Miltenberg durch den Odenwald und die Bergstraße nach Darmstadt in Angriff genommen. Ties Ivar nm so notwendiger, als der Odenwald bisher fast keine Post- verbindungen gehabt hatte. Nur zwischen Frankfurt und Fürth verkehrte seit der Mitte des 18. Jahrhunderts zweimal wöchentlich eine kaiserliche Post und berührte die Orte Oberroda (b. Langen), Dieburg, Lengfeld, Erbach, Fürstenau, Michelstadt, Umstadt und Reichelsheim, Außerdem gingen neben der bereits erwähnten Erbacher Landkutsche und dem Erbacher Boten Botenposten van Babenhausen und Dieburg nach Frankfurt. Nachdem die Verhandlungen wegen des neuen Postkurses zwischen der Großh. Ober-Post-Jnspektion und der Generaldirektian, zum Abschluß gekommen wären, genehmigte der Großherzog die Einrichtung einer reitenden Post von Miltenberg über Amorbach, Erbach, Michelstadt, Reichelsheim, Fürth, Heppenheim nach Darmstadt. Gleichzeitig wurde auch die Einrichtung eines Postbureaus in Babenhausen genehmigt, da die reitende Post von Seligenstadt über Dieburg nach Darmstadt über Babenhausen verkehrte und in Dieburg bereits ein Postamt bestand. Zunr Postexpcditor in Babenhausen würde Philipp Rose daselbst ernannt. Die neuen Einrichtungen traten am 1. November 1811 in Wirksamkeit. In Erbach wurde Johann Mathias Glenz Posthalter. Die Pvst- ezpedition in Lengfeld und der Botengang von Dieburg nach Reichelsheim wurden aufgehoben. Dagegen tonnte die Benutzung der Privätboten, die von Erbach und Michelstadt teils nach Darmstadt, teils,nach Frankfurt und Miltenberg gingen und fuhren und Gegenstände jeder Art beförderten, nicht verboten werden, weil die Laudespost sich nur mit der Beförderung von Briefen unb kleinen Paketen befaßte. Damit aber die.Landespost durch diese Privatboteiiverbindung nicht geschädigt werde, wurde beut Boten Seist in Michelstadt aufgegeben, bei den bisher unterhaltenen Fahrten nach Darmstadt nur Pakete, die nicht für die Briefpost geeignet waren, sowie Gelder und Pakete über ein Pfund schwer z>k befördern, sich aber der Beförderung aller Briefe und Akteil- päl'ete, die weniger als ein Pfund wogen, bei namhafter Strafe zn enthalten. Ferner wurde gestattet, daß ein Bote wie bisher, NNter denselben Bedingungen wie der Bote Skip, von Erbach nach Frankfurt ging. Damit die Boten die gegebene. Erlaubnis nicht überschritten, wurden sic unter postpolizeiliche Aufsicht gestellt. Gleichzeitig mit dem Inkrafttreten der neuen Einrichtungen Wurde die Generaldirektion der Großh. Hess. Posten, die sich bis dahin bei der Zentratverwaltung der Taxissche» Posten in Regensburg befunden hatte, nach Frankfurt (Main) verlegt. Bayern hatte seine Posten gegen eine jährliche Entschädigung! für die dem Fürsten von Tapis bisher zngestandenen Postal-Ein- Miiste in eigene Verwaltung genommen und in Regensburg ein Königliches Ober-Postamt eingerichtet. Diese Stadt war daher zum Sitz der Gencraldirektion der Lehns poste» nicht mehr geeignet. Eine Vermehrung der Postverbiuditugen in Oberhefscn erfolgte int Jähre 1812, als am 1. April ein täglicher „Kaisers französischer Gouvernements-Estasetten-Cours" zwischen Paris und Magdeburg eingerichtet Wurde. Zuerst verkehrte diese Post über Mainz-Frankfurk-Fnlda, vom 11. Juni 1812 ab aber auf besonderen Befehl, des französischen Kaisers über Frankfurt-Fried!-! verg-Biitzbach-Gicßen-Casfcl. Für den Estafetteudienst durften nur „mannbare, int Postdienst erfahrene treue und vertrante Postillions und nur die besten Pferde verwendet werden". Tas Felleisen, das die Depeschen enthielt, wurde von Mainz über, Hattersheim! nach Frankfurt (Main) befördert. Im Stundenpaß waren alle Stationen bis Magdeburg vermerkt; Ankunft und Abgang mußten von jeder Station bescheinigt, und der Ritt ans der ganzen Strecke die Meile (= 2 Weg-Stunden) in Vz Stunde zurückgelegt werden, Ta die Postillione oft nicht auf der gewöhnlichen Heerstraße bleiben konnten, so wurde ihnen gestattet, da, wo die SliraßA steinig und überhaupt nicht gut war oder bedeutende Krümmungeir Mächte, jeden besseren und leichteren Nebenweg, der schnellen zum Ziele führte, einzuschlagen. Die Posthalter und Postillione waren für die gesicherte und unaufgehaltene Beförderung der Estafetten mit ihrem Leben und Vermögen haftbar. An allen zur Nachtzeit geschlossene» Orten mussten die Tore offen gehaltert werden. ■ - ■ Im Jahre 1812 wurde auch die erste „Ertra-Postordnnng" veröffentlicht, teils „um den mannigfaltigen Anständen und Beschwerden abzuhelfen, die sich in Beziehung auf den Extrapoftdienstj Von feiten der Reisenden sowohl als auch der Posthalter ergeben, teils um die den Posthalter» obliegenden ^Dienstpflichten näher zn bestimmen". Sie enthielt in 35 Paragraphen genaue Vorschriften über alle Pflichten der Posthalter,, Bestimmungen, über! die Umspann- und Beförderungszeiten, die Pferdezahl, das Sbnrtc» gelb, Schmiergeld, Trinkgeld, das Anhalten und Ausweichen unterwegs, ferner über die Beschaffenheit der Wvstillivue und bereu Kleidung, über Gepäckbeförderung icsw. Ein Posthalter, der sich die Ueberschreitnng der „Extrapost- oder Chaisentaxe" zuschulden kommen ließ, sollte von der Generaldirektion mit einer „unnach!- sichtlichen Strafe von fünfzehn Gulden und im Wiederholungsfälle msl! einer erhöheten Geldstrafe belegt werden, die nach Befund der Umstände in Dienstentlassung verwandelt werden wird". „Eour- [riere und Reisende, welche die Pferde übertreiben, oder mißhandeln und sie hierdurch unbrauchbar machen", müßten dem Posthalter! Nach dem Schätzungswert Ersatz leisten. Ein Auszug dieser Extra- postordmmg ist in Anlage 21 abgedruckt. Im Jahre 1813 wurden neue Postv e rbi» d ungen nicht angelegt; man halte Mühe, die bisherigen Postlinien zu erhalten., Als die Franzosen aus Deutschland vertrieben wurden, übertrug ein gemeinschaftlicher Beschluß der ^verbündeten Machte während des Vorrückens ihrer Heere dem Fürsten von Taxis die einstweilige Verwaltung der Posten auf dem linken Rheinufer. Der Fürst hatte zwei Drittel der Reineinnahme, an die allgemeine Verwaltungskasse der Berbündeteu in Frankfurt abzuführen. 8. Zweiter Postlehnsvertrag mit Taxis. Nach Beendigung des Krieges 1813—1815 hatten die Fürsten am 8. Juni 1815 die Wiener Kongreß- oder Wundesaktc, deill „Deutschen Bund", errichtet. Tie Bundesakte setzte das Be>r- b leiben der Taxissche» Posten in Teuischland fest; Artikel 17, lautete: „Tas Fürstliche Haus Thurn und Taxis blerbt in bart durch den Reichsbepntationshauptschluß vom 25. Februar 1803. oder spätere Verträge beftiitigte» Besitz und Genuß der Posten in den verschiedeuen Bundesstaaten, so lange als nicht etiurt durch freie Uebereiulunft anderweitige Verträge abgeschlossen werben sollten. In jebem Falle werden demselben infolge des Artikels 13 des erwähnten Reichsdeputationshauptschlnsies pme auf Belassung der Posten oder ans eine angemessene Eutfchädigung gegründeten Rechte und Ansprüche versichert. Tiefes soll auch da stattfinden, wo die Aushebung der Posten sect 1803 gegen den Inhalt des Reichsdeputationshauptschlusses geschehen wäre, insofern diese Entschädigung durch Verträge nicht schon definitiv festgesetzt worden ist." . r , r . _ ,. , . . Durch die Wiener Kongrepakte wurde auch da» Gebiet des Großherzogtums Hessen iviedcrum gcänberr. Das Herzogtum Wcst- faleii fiel au Preußen; die Aeniter Amorbach uub Miltenberg! fielen an Bayern unb der Großherzog entsagte allen Hoheitsrechten ans Homburg. Als Entschädigung erhielt .Helfen Mainz mit Kostheim und Kastel, den Kreis Alzey (ohne den Kanton Kirchheimbolanden) und die Kantone Worms und Pfeddersheim. Ferner erlvarb .Hessen durch Vertrug vom 30. Juni 1815 das nach dem Wiener Kongreß an den Kaiser von Oesterreich abgetretene »itrltcn- tmii Isenburg mit Offenbach. _ t , .- Nachdem die Besitznahme diefcr Landesteile erfolgt war, wurde der Großh. Ober-Postmeister Nebel tu Darmstadt beauftragt, die tleberiiahme der Posten und deren Bereinigung mit den übrigen Posten im Gros-Herzogtum vorzubereiten (Artikel IV des Postlehns- vertrags von 1807). Als Zeitpunkt der Nebergabe. wurde der ] Juli 1816 bestimmt. Die in der nunmehr gebildeten Provinz Rhcmw'ssen bisher geltenden Gebührensätze für Briese, sowie Tür die fahrenden Posten blieben aus Allerhöchstcu Befehl in Kraft. In Rheinhesse» bestanden 1816 folgende Pöstanstaltcn: 1. Mainz mit 1 Postmeister (von Jnngenseld), 4 Poftfetre- tären (B.ornschlägel, Anfschneider, Mittel und Nell), 1 PostftrtbmH 396 (Müller), 2 Briefträgern, 2 UnteÄedrenstrten bei der Br ef-- xxpedition rind 1 Briefexpedrtor (Hagenbusch), dem Hmtschmm (Genz), 1 Packer und 1 Posthalter (Drescher) berder Expedrtton der fahrenden Posten. 2. Alzey mrt 1 Postexpeditor (Co n adr) und L Poststallmeister (Erckmann). 3, Bmgm mrt 1 Postverwalter (Brentano), 1 Briefträger wrd, 1 Poftstallmersrer (G,io-- mont). 4. Kastel mit 1 Postexpeditor (Dosch) und l PostschN er (Genz). 5. Guntersblum mit 1 Postexpeditor (Baumann). 6. Rieder-Ingelheim , mit 1 Postexpeditor Weizel) und 1 Post- halterei (Frau Poststallmeister Göckle). 7. Riederolm inrt 1 Post- erveditor (Wolff) und 1 Poststallmeister (Meyer). 8. Oppenheim mit t Postexpeditor (Aßmann). 9 Wörrstadt mit 1 Postexpeditor (Kamp) 10. Worms mit 1 Postmeister (Lang), 4 Postsckretar Meurer), 1 Briefträger und 1 Poststallmeister (Euler). flh: Posten waren im Großherzogtum damals vorhanden: I in Rheinhessen: a) Fahrende Posten. Von Atainz nach Frantfurt (über Kastel), nach Kobleiiz (über Nieder-Jngelheim, Bingen), nach Saarbrüchen (über Alzey, Niederolm, Wörrstadt), nach-Worms und Straßburg (über Oppenheim); ferner von Bmgen nach Kreuznach (im Anschluß an den Postwagen von Koblenz) und von Kastel nach Wiesbaden und Enis, b Reitende Posten. Von Mainz irach Paris auf zwei Kursen (entweder über Wörrstadt, Alzey, Kirchheim, Zweibrücken, Saarbrücken usw. oder über Brngen wrd Kreuznach); ferner von Mainz nach Straßburg (über Oppenheim, Guntersblum, Worms), irach Koblenz, Köln (über Brngen) und nach Wiesbaden (über Kastel)., II in Starkenburg: a) Diligencen. Von Darmstadt und Osfeiibach nach Frankfurt, b) Fahrende Posten. Von Darmstadt nach Heidelberg, Stuttgart (über Bickenbach, Heppenheim). c) Reitende Posten. Von Darmstadt nach Heidelberg, Stuttgart, nach Mainz (über Großgerau), nach Worms (über Oppenheim), nach Sel-genstadt (über Babenhausen) und von Erbach nach Heppenheim (über Fürth und Reichelsheim), sowie von Offenbach nach Augsburg (über Seligenstadt). III. in Oberhessen: a) Fahrende Posten. Von Gießen nach Massel, nach Frankfurt (über Buhbach, Friedberg), nach Wetzlar Und Koblenz und nach Fulda (über Grüuberg, Romrod, Alsfeld wid Lauterbach), b) Reitende Posten. Von Gießen nach Kassel/ nach Koblenz und nach Lauterbach auf dem gleichen Kurse wie die fahrenden Posten, nach Gladenbach und Battenberg und von Friedberg nach Hanau. Auf dem Kurse Gießen-Gladenbach und Battenberg, sowie Gießen-Hungen-Nidda verkehrte statt der Reitpost monatlich einmal der sogenannte Geldkarren, der nur Gelder Und Pakete nach und von Gießen, aber keine Personen beförderte.: c) Botenposten. Bon Lauterbach iiach Fulda und Schlitz, von Alsfeld nach Neukirchen und von Gedern irach Nidda. Die sogleich nach der Besitznahme der neuen Landesteile Mit Taxis eingeleiteten Verhandlungen fanden ihren Abschluß durch den am 31. März 1818 vom Großherzoge vollzogenen, am 1. April des gleichen Jahres in Kraft getretenen zweiten Postlehnsvertrag. Dieser enthielt im ivesentlichen die gleichen Bestimmungen tvie der erste Postlehnsvertrag von 1807. Neu hinzu traten folgende Vereinbarungen: Für den Fall des Aussterbens der Familie des Fürsten Karl Alexander von Thurn und Taxis wurde die Würde des Erb-Land-Postmeisters auch dem Fürsten Maximilian von Thurn und Taxis und „dessen standesmüßiger, männlicher Des- cendenz" übertragen. Ferner wurde die allgemeine Landes-Portotaxe nunmehr auch auf die überrheinische Provinz ausgedehnt, und tm 8 3 die Ersatzpflicht „der im Umfange der Fürstlich Thurn Und Taxisschen Post-Verwaltung entkommenen oder beschädigten Gegenstände, falls deren Verlust oder Schaden nicht durch un- dbtvendbare Gewalt veranlaßt sei", dem Erb-Land-Postmeister lauferlegt. Diesem war jedoch der Rückgriff „an jeden schuldbaren oder fahrläßigen Ofsicianten oder sonstigen. Beteiligten Vorbehalten" und gestattet, „den Postdienst durch angemessene Kautionsleistungen von Seiten der Postbeamten tind Postbediensteten möglichst sicher zu stellen". Durch § 16 wurde schließlich bestimmt, daß „alle bei den Posten angestellten Personen, so lange sie ihre, Pflicht gehörig erfüllen, in ihren Stellen bleiben und lebenslänglich ihre, festgesetzte Besoldung und rechtmäßigen Emolumente genießen" sollten. ^Fortsetzung folgt.) VerMrtzehtes. * Schweigen ist Gold. Eine ergötzliche Geschichte von einem Richter, der im Vollgefühl seiner Würde mit Vorliebe im Gerichtssaal große Reden hielt, erzählt eine Pariser Zeitschrift. Ein Zeuge sollte verhört werden. „Antworten Sie mit Ja oder Nein," begann der Richter; „der Gerichtshof kümmert sich nicht um das, ivas sie glauben, ihn kümmern nur Tatsachen. Auch ich glaubte heute Morgen, meine Uhr in die Westentasche gesteckt zu haben, aber in Wirklichkeit habe ich sie auf meinem Nachttische liegen lassen. Wir wollen hier nur Tatsachen, nicht Meinungen hören. Der Zeuge blieb stumm wie ei ick Fisch, der Prozeß war schnell erledigt, und zufrieden ging der Richter nach Hause. „Du scheinst ja schlimm in Verlegenheit gewesen zu sein, empfängt ihn seine Frau, „wieso hast dst denn deine Uhr vergessen? Nicht weniger als vier Leute sind jetzt schon hintereinander hier gewesen, um sie abzuholen."' Ein furchtbarer Verdacht erhellt den Geist des redseligen Mannes: „Du hast sie doch nicht mitgegeben?" „Aber natürlich, dem ersten, der kam, er sagte noch ausdrücklich, du ließest mir mitteilen, die Uhr wäre auf deinem' Nachttisch liegen geblieben." Bei der nächsten Verhandlung! war der Richter sehr schweigsam. ... * Die schwierige Kunst, i m § u t z u küsse n. Die Geschichte lehrt uns, daß alle großen Umwälzungen sich in der Stille vollziehen, und daher ist es auch nicht verwunderlich, daß die neueste Wandlung in der Kunst des Küssens bisher nur Wenigen klar zum Bewußtsein gekoinmen ist. Die neue Kunst des Kusses geht weder aus einen dunklen Zuiall, noch au? den Ehrgeiz irgend eines Reformators zurück, sie ist wie alle wirklichen Umwandlungen aus einer Notwendigkeit heraus erwachsen, und ein neues lehrreiches Beispiel von dem, was Herbert Spencer, der große Philosoph, die „Anpassung der Handlungen an das 3iet" nannte. Die mächtigen, weit ausladenden Damenhüte, die nun seit zwei Jahren die Mode beschert, mußten notgedrungen dazu führen, in der edlen Kunst des Kusses eine neue Technik zu entwickeln. Dem galante» Herrn der Schöpfung mag aus der Ferne gesehen der moderne breite Frauenhut mit seinem halbmeterbreiten Rande wie eine verklärende Gloriole erscheinen, wenn er aber nähertritt, verwandelt sich dieser lichte Heiligenschein in einen gesährlicheir Schutzwall mit scharfen Rändern, der zudem noch durch spitze Hutnadeln verteidigt ivird und eine fast unüberwindliche Abwehr gegen den Kuß bedeutet. Aber die Männer sind tapier, sie überwinden zur Not tmch dieses Hindernis, und sie haben es ja auch nicht allzu schwer, wenn sie sich nur entschließen, den Kops recht schief zu halten und sich genügend zu bücken, um unter den Hutrand eindringen zu können. Aber wie umständlich das auch sein mag, es bedeutet gar nichts im Vergleich mit jener Summe von Geschicklichkeit, Mut, Geduld und Zielbewußtsein, die vonnöten sind, wenn zwei moderne Frauen im Hute sich küssen wollen. Doch die Schlauheit des schönen Geschlechtes hat auch dieses Rätsel zu lösen verstanden, hat eine neue Technik des Kusses entwickelt, die zwar jede Leidenschaftlichkeit aus- schließt, aber letzten Endes doch zum Ziele führen kann. Ein Londoner Frauenverehrer gibt eine amüsante Schilderung des Ver- sahrens. Vorsichtig treten die beiden Partner einander gegenüber. Der Kopf wird leicht zurückgeneigt, so daß die beiden mächtigen Ränder der Hüte in gleicher Fläche einander gegenüberliegen. Und nun beginnt der eigentlich schwierige Teil der Zeremonie, der Augenblick, da Kaltblütigkeit, Selbstbeherrschung, Geschicklichkeit und ein gutes Augenmaß entscheidend sind. Langsam, ganz langsam nähern sich die beiden Gesichter; alles kommt darauf an, daß die Hutränder an keinem Punkte aneinander stoßen. Wenn der Zwischenraum zwischen ihnen dann ganz klein geworden ist und nur noch nach Millimetern zählt, wenn die Tageshelle zwischen den Hüte» verschwindet und einem trauliche» Halbdunkel weicht, dann ist der Augenblick gekommen, da es gilt, die Lippen zum Kusse zu schürzen und so weit als möglich vorwärts in den Weltenramn zu strecken. Sind die beiden Damen, die einander die Zärtlichkeit eines Kusses erweisen wollen, geschickt und erfahren, so wird in weitaus den meisten Fällen die Vereinigung der Lippen sich ermöglichen lassen. Aber die Operation ist danüt noch nicht beendet, eine kleine hastige Bewegung, ein Ausgleiten kann das Ganze in Frage stellen. In der Tat ist die Lösung nach vollzogenem Kusse kacun weniger schwierig, als das Vorspiel. Auch hier ist die größte Sorgfalt geboten. Zuerst werden die vorgestreckten Lippen wieder eingezogen, dann nimmt man langsam, ganz langsam das Gesicht zurück; nun erst darf man wagen, den Kopf wieder vorwärts zu beugen und die normale Haltung einzunehmen. Das Ganze erfordert natürlich nicht nur Talent, sondern auch Fleiß und Hebung. Wenn zwei Damen, die es vorher an beit nötigen Hebungen haben fehlen lassen, sich aufs Geratewohl küssen wollen, so ist eine Katastrophe so gut >vie unvermeidbar, knirschend werden die Hüte aneinander geschlagen, die Frisur wird emporgerissen und eine hastige Flucht ins Haus wird die Folge sein, wo dann mit vieler Mühe die ungerichteten Verwüstungen wieder ausgebessert werden müssen. * Ra also! „Du sollst von mir behauptet haben, ich wäre ein Rindvieh ersten Ranges !" — „Bitte sehr; vom ersten Range war gar keine Rede!" VerfteSratsel. Man suche ein Sprichwort, dessen einzelne Silben in folgeirden Wörtern versteckt sind, wie die Silbe „an'1 in „Wanderer". Edelstein — Kaffeebohnen — Augenärzte — Kriegerverein — Reisetasche — Zundererz — Opernsänger — Teekanne — Vielhufer ~ Geldbörse — Assessor — Handarbeit — Heinrich — Botenfrau. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung der Schach-Ausgabe in voriger Nummer? Weiß. ' Schwarz. 1. Dg2 — a8 Beliebig. 2. D ob. 8 f und Matt. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Hniversitäts-Buch- und Steindruckereh R. Lange, Gieß«»