Kg 'Mdv '-7. »fl «»w r^rA Das nette Mädel. Vornan von Fedor von Zobeltitz, (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Die Komteß gab jedem die Hand. „Was hat dies Mädchen für eine eisig kälte Haut," sagte sich Traute bei der Begrüßung. Sie war der jungen Gräfin schon gelegentlich auf dem Tennisplatz bekannt geworden, hatte aber nur ein paar Worte mit ihr gewechselt. Henny begann sie sofort in ein eifriges Gespräch zu ziehen; Traute hielt sich zurück. Sie fühlte eine Spannung im Herzen; etwas Neues und Unbekanntes, einen heftigen Widerstand, der ihr für einen Augenblick fast den Atem benahm. Sie stand halbschräg hinter der Gräfin und sah ihr schönes Profil. Es lag ein etwas hochmütiger Ausdruck auf ihrem Gesicht, der sie aber nicht unsympathisch machte: ier paßte zu dieser stolzen Erscheinung, die viel fraulicher als mädchenhaft war. Traute zergliederte sie mit unbewußt kritischer Schärfe. „Wenn man so üppig rst, soll man sich nicht so stark dekolletieren", sagte sie sich. Aber der Hals war schön, der Arm ein wenig zu lang, das Gelenk starkknochig. „Nach dreijähriger Ehe sieht sie wie ein Grenadier aus," urteilte Traute. Dann erschrak sie über die Kritik und suchte nach Milderungen. Das Kostüm der Komteß war von der Hübner; es hatte ihren Schnitt. Sehr geschmackvoll; etwas zu reich für ein junges Mädchen. Und dann fragte sich Traute: „Wenn ich ein Mann wäre ■— ob ich mich wohl in sie verlieben könnte?" . . . Gräfin Höntgswald hatte ihren Gatten herangewinkt. ^Wer fehlt denn noch, Axel?" „Der junge Everstedt, Hannchen." „Es ist ja halb acht durch," sagte sie vorwurfsvoll. Er rief einen der Diener. Aber da trat auch schon Everstedt ein. Er entschuldigte sich lebhaft: Panne mit seinem Automobil; am Jägerhäuschen hatte man zwanzig Minuten rasten müssen. Vorstellung und Begrüßung waren schnell crledrgt. Mit lachender Freude auf dem hübschen Gesicht nahm Everstedt die Hand Trautes. „'Tag, gnädiges Fräulem — tme geht es?" . . . Dann flüsterte ihm Hönigswald tn das Ohr: „Führen Sie bitte die Komteß Liebenau. . " Nun saß man bei Tisch: Traute zwischen Hans Eggers und Herrn von Löneysen, und gerade gegenüber hatte sre Everstedt, flankiert von Komteß Andrea und Henny. Ihre beiden Nachbarn nahmen sie sehr in Anspruch. Wenn der Polizeihauvtmann ihr nicht sein martialisches Nußknacker- tzesicht zuwandte und sie mit heiserem Grunzen zu unterhalten versuchte, so sprach von der anderen Seite Hans Eggers in sie hinein. Das war ein boshafter kleiner Kerl, über dessen flinke Zunge die Moquerien wie Selbstverständ- Mkeiten glitten. Er machte dabei immer ein völlig unschuldiges Gesicht, neigte sich ein wenig zu Traute hinüber und sprach in einem merkwürdigen Halblaut, das fast ein rhetorisches Kunststück war und nur von der Nachbarin verstanden wurde. „Ein interessantes Pärchen, unser Visavis," raunte er Traute zu. „Verstehen Sie sich aus Physiognomik? Dann beobachten Sie einmal vorsichtig das Riesenkomtessel. Wenn Ever mit ihr spricht, tritt ein heller Glanz in ihr Auge, und ihr Gesicht wird warm — und wenn Ever mit Hennychen plaudert, vereisen sich ihre Züge. Ein jungfräulicher Janns- kopf. Trinken Sie die Bouillon nicht, sie schmeckt fischig. Aber halten Sie sich nachher an die Seezunge. Ich kenne die Menus in diesem Hause: es gibt nur noch Geflügel, das immer in anatomisch unmögliche Teile zerlegt wird." . . Jetzt grunzte Löneysen wieder von der anderen Seite. Mer Traute hörte nicht zu. Sie hatte das kleine Komödienspiel der Gesellschaft erlernt. Sie nickte und lächelte und tat so, als amüsiere sie jedes Wort des Herrn von Löneysen. Dabei flog ihr Blick umher und streifte zu öfteren, wie achtlos, ihr Gegenüber. Gerade jetzt sprach Everstedt mit eindringlichem Ausdruck zu der Komteß. Wovon? Traute verstand nur abgerissene Sätze. Er bewegte sich auf der Höhe; er wollte seiner stolzen Nachbarin imponieren. Er sprach in Anlehnung eines derzeit viel gegebenen russischen Dramas von der Verwandlung int Wesen der Dichtkunst, von der Berechtigung der Poesie, auch für die Nachtseiten des Lebens Anteilnahme zu erwecken und von der kräftigeren Wirksamkeit der Eindrücke durch den modernen Realismus. So sprach er lebhaft angeregt, und die Komteß lauschte ihm, als höre sie jeder Weisheit letzte Schlüsse. In diesem Augenblick empfand Traute wieder das Spannungsgefühl im Herzen, das langsam aufwärts stieg, gewissermaßen bis in die Luftröhre, und ihr das Atmen erschwerte. Die Unterhaltung wechselte. In den Sturmtagen war ein schweres Unglück passiert. Ein Boot war auf hoher See umgeschlagen, und die Wellen hatten einen alten Fischer und seinen Sohn begraben. Der Bürgermeister und der Gesandte stritten über den Wert der Raketenapparate und der Cordesschen Rettungsbüchsen. Und von ungefähr warf die Exzellenz bedauernd dazwischen, es sei doch sehr schade, daß aus dem diesjährigen Maifest nichts geworden ser: nun käme das Seemannsheim um seine gewohnte Emnahme. Daran sei ganz allein Herr von Löneysen schuld, rref Henny mit lustiger Stimme über den Tisch.^ Der Ponzer- hauptmann grinste unter dem gewaltigen Schnauzbart und meinte, er sei immer nur die ausführende Gewalt. Nun geriet der Bürgermeister in Verlegenheit. Seine schmalen Schultern zuckten, und sein Gesicht wurde verkniffen. Man müsse sich an Herrn Everstedt wenden, sagte er; der habe plötzlich andere Zwecke und Ziele dazwischen geschoben. „Doch nicht, Herr Oberbürgermeister," erwiderte Eberstedt. „Das Maisest sollte nach wie vor dem Seemannsheim gelten. Aber es, sollte einmal etwas Kunstlerthyes. 530 werden, und deshalb hatten wir Niels Kruse gebeten, die Leitung zu übernehmen. Kruse ist jedoch eine viel zu ausgeprägte Persönlichkeit, um sich Vorschrifteu machen und seine Arrangements durchkreuzen zu lassen. Als er das sah, verzichtete er — und wir verzichteten mit ihm." „Sehr schade," sagte die Exzellenz, und rollte ein Brotkügelchen zwischen den Fingern. „Es ging so nicht an, Exzellenz," antwortete der Bür- •. germeister, „Kruse hatte sich das anders gedacht — zu wenig vom gesellschaftlichen Standpunkte ans — es ließ sich nicht machen." „Und nun ist das Fest aus den Sommer verlegt worden, wie ich höre," warf die Hönigswald ein. „Ja, gnädigste Gräfin," entgegnete Eberstedt. „Aber da sich bereits ein neues Komitee für das Seemannsheim gebildet hatte, mußten wir für das Sommersest andere humanitäre Zwecke suchen." „Und welche?" fragte Frau von Zehren. „Wir hatten an eine Heimstätte für mutterlos gewordene uneheliche Kinder gedacht, gnädige Frau." „Bravo!" rief Frau van Beek. „Das freut mich — und freut mich ganz besonders, daß an diesem Hilfswerk auch die Gesellschaft teilnehmen will. . ." Die junge Frau des alten Mannes nickte Everstedt freundlich zu . . . „Sehen Sie, bei uns jenseit der Grenze ist man noch vielfach ungeheuer engherzig. Es gibt da Kreise, die auch für die soziale Arbeit gern eine Moral konstruieren möchten. Schon an der unehelichen Geburt würden manche Anstoß nehmen. Sie würden ihre Hilfe versagen oder jedenfalls zu verschleiern suchen, weil eine falsche Vornehmheit und eine dünkelhafte Lebensanschäu- ung sie hindert, ehrlichen Herzens zu sein." „Sehr gut, gnädigste Frau," sagte der Gesandte. „Mir aus der Seele gesprochen. Lieber Herr Everstedt, ich applaudiere. Haben Sie das Komitee schon zusammen?" „Es ist noch in der Bildung. Prinz August steht an der Spitze." „Charmant. Darf auch ich beitreten?" „Wird uns eine Ehre sein, Exzellenz." Der Gesandte wandte sich an den Bürgermeister. „Vom Senat sind wohl die meisten dabei?" fragte er. Der Bürgermeister ioar Diplomat. „Herr Everstedt ist noch nicht an uns herangetreten," antwortete er ausweichend. „Es soll schon morgen geschehen, Herr Oberbürgermeister," entgegnete Everstedt, und Henny rief, während ihre Wangen erglühten: „Papa, ich habe die Listen — ich gebe sie dir! Auch den Stistungsentwurf. Die ganzen Drucksachen!" Wieder nickte Frau van Beek freundlich über den Tisch. „So ist's recht. Das ist eine bessere Vornehmheit als die, von der ich vorhin sprach: ist Menschenliebe, die sich nicht durch ästhetische Lannen einschüchtern läßt." Und nun sah Traute, daß die Komteß Andrea ihr Glas nahm nnd mit Everstedt anstieß und hörte, wie sie sagte: „Auf gutes Gedeihen Ihrer Pläne, Herr Everstedt. Vielleicht haben Sie auf Ihrem Sommerfest auch ' ein Plätzchen für mich übrig." „Immer, Komteß," erwiderte Everstedt. „Es wird ein Märchenfest im Walde, und ihr Gegenüber ist dabei die Feenkönigin." Zum ersten Mal sah die Komteß Traute voll ins Gesicht. Auch Traute hatte den Kopf erhoben. Beider Augen trafen sich, und in den Blicken lag ein suchender Ausdruck. Dann spielte wieder der hochniütige Zug über das Antlitz der jungen Gräfin, und um die Lippen grub sich, rasch verschwindend, eine herrische Linie ein. Trante fühlte ihr Herz hämmern. Warum durfte sie Nicht der anderen ihr Weinglas in das Gesicht schleudern? Sie wußte plötzlich genau: sie haßte die Komteß. Bon beiden Seiten sprachen die Herren zu ihr. Eggers flüsterte Bosheiten, Löneyscu graunste behaglich. Sie hörte jedes Wort und verstand nichts. Sie sah jetzt klar: aus den beiden gegenüber sollte ein Paar werden. Warum nicht? Der Gesandte war von armem Adel und Everstedt eine glänzende Partie. Und die Komteß war eine Schönheit, und wie sie ihn mit jeden: Blicke umwarb, das merkten schon andere als nur Hans Eggers. Sie war sicher auch klug; sie führte die Unterhaltung mit der feinen Kühnheit einer weltklugen Frau. Er widmete fich wenig seiner Nachbarin zur Linken; er sprach fast nur mit der Komteß, la'chiö übermütig über ihre Scherzworte und würde warm, wenn sie ein ernsteres Thema anschlug. Noch immer blieb die allgemeine Anregung dem Sommerfest und seinen Zwecken getreu. Als die Diener den schlecht gekühlten Sekt in die Gläser füllten, war sogar Fräulein von Simkowitz der Ansicht, daß ein edles Ziel auch das weltlichste Vergnügen adle, und zwar gab sie diese schöne Sentenz von sich, ohne daß man eure Muskel unter! der Patina ihrer Schminke spielen sah. Am lebhaftesten war die kleine Frau van Beek, doch auch die Gattin des Bürgermeisters und die Gräfin Hönigswald zeigten plötzlich warmes Interesse für die Pläne Eberstedts, und nun strn- delte die Unterhaltung zu den Vorbereitungen für das Sommerfest hinüber. Everstedt erzählte unbefangen, daß Niels Kruse einen großen Märchenzug zu arrangiere« beabsichtige, an dem auch die Modelle und die Danien vom Theater teilnehmen sollten, und das fand Frau van Beek wieder ganz reizend. Natürlich, nur dann sei etwas Künstlerisches zu erreichen/ wenn n:an sich nicht kleinlich gebärde; zum Besten des Ganzen müßten die sozialen Gegensätze gewissermaßen aufgehoben werden: ein Volksfest verlange allgemeine Beteiligung. Sie sprach immer sehr eifrig und vorurteilslos/ und ihre Frische steckte an. So kanr es, daß schließlich auch der Bürgermeister bemerkte: „Oh ja — nun natürlich. . . für Künstlerisches sind wir ja immer zu haben. Es darf nur nicht ausarten. Aber das würde das Gegengewicht der guten Gesellschaft von selbst verhindern. Gegen ein wahrhaft künstlerisches Arrangement hätte ich nie etwas — nein, nie . . ." (Fortsetzung folgt.) Die Wanderapotheke. Skizze von Else Krafft (Berlin). „Seht mal, was ich euch heute mitgevracht habe,' sagst Vater Neumann eines Tags im Sommer, als er nach Haust kam und würdevoll und stolz ein beängstigend kleines Paket! auseinanderwickelte. „Uns?" fragten die Kinder, mißtrauisch und wie aus einem! Munde. Und Frau Neumann schalt, ehe sie hinsah: „Was du auch immer zusammenkaufst, wird mal wieder >vas rechtes, sein . . ." Aber Herr Neumann schien sich heute nicht getroffen ztt fühlen. Er wickelte umständlich weiter, dieweil ein Schmunzelt über sein Gesicht ging. „Ja, rede du man, gleich wirst du still sein. Sowas Praktisches hast du überhaupt noch nicht gesehen, sowas Ideales . . . autsch! hat denn kein Mensch ’ne Schere, daß man sich an diesem, verflixten Bindfaden die ganzen Finger kaput schneiden muß?" Alles lies nach einer Schere. Als man sie endlich in Gretchens Puppenwagen gefunden hatte, war Vater schon fertig mit deut Auspacken. Er hielt eine braune, flache Pappschachtel in den Händen, auf die ein blutrotes Kreuz geklebt war. „Weiter uischt?" fragte der zehnjährige Kurt. Und Mutter Neumann setzte ausgeregt hinzu: „Js woll wieder ’n Selbst zünder d'rin?" Seitdem die Streichhölzer so teuer geworden waren, hatte Herr Neumann schon ein Heidengeld für jede Art praktischer! Selbstzünder ausgegeben, von beiten keiner länger als drei Tage richtig funktioniert hatte. „Seht und staunt," sagt Vater statt aller Antwort. „Eine Wanderapotheke." „Eine Wan . . , der. . . apothekc?" Frau Neumann atmete erleichtert auf. Tie Kinder steckten über Vaters Mitgebringe die Köpfe zusammen, und kicherten. „Js denn eener krank?" fragte Shirt. „Was sollen w ir'n damit?" erkundigte sich die neunjährige Erna. „Oooch... ich dachte Schokolade," maulte Gretchen. „Haltet ’n Mund," schrie Vater. „Sieh mal her, Mutter, wie praktisch das Ding ist! Kann man bequem in der Tasche tragen . . .! Was war'n tzas?" setzte er erschrocken hinzu, als er die Probe gemacht hatte. „Ich glaube, deine Hose, Schatz," meinte Frau Neumann sanft. „Da muß irgend was aufgerissen sein!" „Ich werde das Ding lieber in der Rocktasche tragen, die ist breiter," entschuldigte sich Vater. „Ist auch bequemer beim Wandern. Man hätte sich schon längst so eine Miniaturapotheke anschaffen sollen. Grade für die vielen Landpartien, die wir jetzt im Sommer machen, braucht man sie. So oft wir draußen waren, immer is irgend was passiert, wo man nie helfen konnte.. Mal hat der eine die Schmerzen, mal der andre das Malheur, alle Augenblicke wär was los unterwegs. Nu kannfte ruhig beine K 581 Bahnschmerzen kriegen im Wald oder schon in der Eisenbahn vom Zugwind, Mutter, hier..." er klopfte zärtlich auf den Pappkarton. . . „ist alles vertreten, was dir hilft!" „Oder du deine Magenverstimmung, Vater!" „Nu, auch dafür is gesorgt," lachte der, „unsre Landpartien werden von keiner Mißstimmung mehr gestört werden. Mau hat immer die besten Hilfsmittel zur Hand. Seht mal her. . . ." Es sah in der Tat allerliebst aus. Man hätte es gar nicht für möglich gehalten, daß soviel Dinge in so einem schmalen Pappkarton enthalten sein konnten. Fläschchen, Büchslein, Tütchen vnd Riechfläschchen, alles fein säuberlich etikettiert, und der Inhalt nebst Wirkung bezeichnet: „Jnsektenstift", wirkt bei rechtzeitiger Anwendung sofort; r,Karbollösung", zum Auswaschen von Wunden; „Hoffmannstropfen", gegen Uebelkeit, Kopfschmerz oder Schwindel. „Des is für Kurten!" schrie Erna dazwischen. Kurt haute sofort zu. „Woll'n mal sehn, wer de größere Schwindelliese is!" „Choleratropfen", las Vater unbeirrt weiter, indem er seiner Öt einen vielsagenden Blick zuwarf, „fünfzehn Tropfen auf er gegen Kolikanfälle. Baldriantropfen, bestes Mittel gegen M ag e nbeschw erd en." Hier bekam Vater den Blick von Frau Neumann ebenso vielsagend zurück. „Vaselinstist, gegen Wundlaufen. Doppelkohlensaures Natron, bei Sodbrennen oder Herzklopfen. Verbandwatte, Zahntropfen." „Was kostet denn das alles zusammen?" fragte Frau Neumann, ängstlich 'geworden vor soviel Auswahl medizinischer Hilfsmittel. „. . . . Englisch Pflaster, Blutstillende Watte, Sicherheits- ünd Stecknadeln, Mullbinden," endete Vater aufatmend. „Wenn man bedenkt, das alles für drei Mark in so handlicher und gtz- diegener Ausstattung zu bekommen, dann, . . . willste wohl mit de Fingern weg, Grete!" Aber es war schon zu spät. Ter schöne, neue, glänzende Pappdeckel der Wanderapotheke war eingerissen. „Tausch se um," riet Mutter. „So was darf doch nicht gleich vom bloßen Anfassen . . . ." Aber Vater ließ heute keinen ausreden. „Anfassen.....deine Kinder, und bloß Anfassen! Auseinandergezerrt hat die Jöre den Deckel, regelrecht auseinandergezerrt. Da reißt Leder ja entzwei, wenn so mit umgegangen wird. Macht euch mal en bißchen schnell fertig. Wir fahren! heute raus bei dem schönen Wetter. Wenn Man an seinem einzigen freien Nachmittag in der Woche niet) mal ne Tour machen soll . . dalli, bis dreie seid ihr mir marschfertig!" Die Kinder stoben davon, Frau Neumann folgte langsamer Und Herr Neumann liebäugelte unterdessen mit seiner Wauder- apotheke. Er sah sich schon im Geiste als sorgender Vater in der Waldeinsamkeit Wunden verbinden, Schmerzen stillen uuo den Seinen ein guter Helfer in jeder Not sein. Was wär das immer für eine Zucht und ein Aerger unterwegs auf den Landpartien gewesen! Mal fehlte den Kindern was, mal der Frau, mal war ihm selber schlecht in Staub und Hitze geworden. Nun aber würde es anders sein, nun hatte er zahllose Fläschchen, Tuben und Bnchs- lein immer bei sich, die helfen konnten. . . . In einer Stunde war man am Borortbähnhof und fuhr in den Wald hinaus. Bereits im Zuge musterte Herr Neumann jedes Mitglied seiner Familie mit Argusaugen. „Ist dir das Rütteln der Eisenbahn nicht sehr unangenehm?" fragte er endlich seine Gattin, da er gar zu gern den anderen Passagieren seine Wanderapotheke vvrgestellt hätte. „Dir wird hoch sonst immer übel beim Fahren, Schatz." „Schatz" lachte sorglos: „Nein, heute gelst's sehr gut. Warum denn. . . seh' ich so schlecht aus?" „N—ein," stotterte Herr Neumann, „ich meinte bloß so . ." Und beinahe mit Bedauern sah er in das gesunde, rotwangige Antlitz feiner lieben Gattin. „Fallt bloß nicht," mahnte die, als man Vom Bahnhof der kleinen Station durch den Wald weiterwanderte, und die Kinder wie die Wilden durch Busch und Tann jagten. „Bloß nicht wieder so wild fein wie das vorige Mal, als sich Kurt das' Bein anfschlug Und Gretchen die Nase blutete." „Aber, laß doch die Kinder," lenkte Herr Neumann ab. „Wozu Machen wir denn Landpartien, wenn die Kleinen ihre Freiheit hier draußen im Walde nicht genießen sollen!" Frau NeuMann starrte ihren Mann entgeistert au. Selbst die Kinder sahen bewundernd zum Vater auf, der ihnen heute! seltsamerweise so viel Freiheit ließ. Kurt durfte auf Baums klettern, Erna zwischen die dornigen Himbeersträucher laufen, und Gretchen sogar auf dem nadligen Boden Purzelbäume schießen. Einmal schrie der Junge laut auf. Herr Neumann stürztü ttuf ihn zu, die Hand fchon in der Rocktasche, wo die Wander- gpotheke war. „Was is denn?" fragte er gespannt. „Ich.....ich hab' mir so den Kopf gestoßen." „Blntet's?" Kurt blickte unsicher in des Vaters seltsames Gesicht. „I wo — bloß meine neue Bluse is aufjerissen — sag's Muttern nid), nee, Vater?" Und schon tollte er weiter durch den Wald. Mufikeranekdoten. Der Frankfurter Musiker Bernhard Scholz veröffentlicht soeben unter dem Titel „Ver klung eue Weifen im Verlage von Joseph Scholz in Mainz einen Band Lebensermne- rungen. Scholz ist in seinem vielbewegten Leben, dessen Hauptstationen München, Zürich, Nürnberg, Hannover, Berlin und Breslau waren, ehe er sick) endgültig in Frankfurt festsetzte, mit den bedeutendsten Musikern zusammengekomMeu, und fast aus jeder Seite seines fesselnden Erinnernngsbuches kann er von berühmten Künstlern erzählen. Sein Buch ist auch reich an allerhand drolligen Begegnungen mit Berühmtheiten, wie die folgende Blütenlese zeigt: . & Graf Stainlein, ein österreichischer oder bayerischer Kavalier, reiste mit seiner Frau, seinem Söhnchen, das wie em Page aus der Renaissaucezeit gekleidet war, feiner SchMegermutter u d zwei Streichquartetten eigner Komposition tn Deutschland Und Italien herum, um Künstler und KunUreunde Mit ferner Mus^ bekannt zu machen. Ich erhielt eine Einladung von ihm, auch Abbate Franz Liszt erschien. Liszt war, tote immer, liebenswürdig, besonders gegen die Damen. Sehr amu,aut war es, ibn bei der Aufführung der Quartette zu beobachten, wie er. Neben der Gräfin sitzend und verbindlich lächelnd, ihr ber einer Herr Neumann tief sich darauf seine Töchter herbei. „Na . . . und ihr? Tun euch denn heute gar nicht die Füße vom Laufen weh?" „Nein, Batchen," lachten die Mädels vergnügt. „Zeig mal deine Hände her," befahl „Batchen" der sechsjährigen Grete. Die Kleine hob vergnügt die schinutzigen Finger. „Wahrhaftig, fein Riß von den Himbeersträuchern," staunte Herr Neumann kopfschüttelnd, indem er mit Wehmut an da' schöne Heftpflaster feiner Wanderapotheke dachte. „Und son habt ihr alle Nase lang ne dicke Schramme." Er gefeilte sich wieder feiner Gattin zu, die andachtsvoll bi, stillen Waldwege entlangschritt. „Guck nur, Water, die hohen Kiefern! Und die weißen Birken dazwischen — wie schön das aussieht. Und da, Farren — wie ist doch der Wald hier herrlich!" Vater folgte den bewundernden Blicken nur sehr widerwillig., „Und Kopfschmerzen haste wohl heute auch nicht?" fragte er nach einer kleinen Weile. „Gott fei Dank, nein, Schatz," lautete die zufriedene Antwort, Da schrie Erna auf. „O Gott, das Kind . . . ." Fran Neumann lief, Herr Neumann lief, wahrend (Erna weinend aus dem Gebüsch gejagt kam und sich die Backe hielt, „Zahnschmerzen!" durchfuhr es den sorgenden Vater mit einer Art freudigen Schreckens. „Gottlob, daß man heute Zahntropsen bei sich hatte . . . ." Mer Erna hatte keine Zahnschmerzen. Eine Raupe war ihr über das Gesicht gekrochen, gerade über die Backe. ' ' Herr Neumann schalt furchtbar: „So ein großes Mädel, daß sich noch vor Raupen fürchtet . . . ." Was war denn heute nur los mit Vater? Der war doch sonst nicht so wunderlich. Ruhelos lief er durch den Wald, all« Augenblicke fragte er, ob keiner Schmerzen hätte oder wunde Füße, man kam eigentlich gar nicht zur rechten Wanderfreude. Einmal blieb er wie verloren mitten im 558 ege stehen, und sah sich wie suchend um. „Ist schön hier, nicht wahr?" fragte Frau Neumann sofort, „hier ’ könnten wir eigentlich ein bißchen ausruhn." „Ach was, ausruhn . . ." sagte Vater Neumann und mackste ein fürchterliches Gesicht. „Ich glaube, ich muß ein paar Baldriantropfen nehmen, ich glaube, meine Magenschmerzen kommen wieder . . . ." n ~ „Sind sie denn noch nicht da?" fragte Frau Neumann schüchtern. . „Nein. . . aber man muß doch vorbeugen... Dabei, öffnete er mit einem Seufzer der Erleichterung zmn erstenmal unterwegs feine Wanderapotheke. „Fünfzehn Tropfen auf Zucker .... ein Glück, daß ich ein Stück Zucker eingesteckt habe. — So . . . brrrr, schmeckt das Zeng gemein Herr Reumann spuckte, und zog zum Gaudiuni der Kinder eine Grimasse. Und er spuckte auch noch den ganzen Weg bis zum nächsten Restaurant weiter. . „Bier," stöhnte er, „so eilten Mordsdnrst habe ich mein ganzes Leben noch nicht gehabt!" Doch als das Bier da war, geschah etwas Ungeahntes. Herr Neumann setzte das Glas an, wurde geisterbleich und spuckte noch mehr. „Ich kann nickst,» stöhnte er, „ich muß mir Milch oder Schokolade bringen lassen. In dem Bier müssen buch Baldriantropfen drin sein. . . In tiefem Mitgefühl legte Frau Neumann die Hand auf. die ihres schwer geplagten Gatten. „Die dumme Wanderapotheke!" sagte sie. „Das nächftemal läßte sie zu Hause, Baten Den ganzen Tag haste dir damit verdorben, und . . Und uns auch, wollte sie sagen, verschwieg es aber, als lie das Gesicht ihres lieben Maniies sah. , Und so kam es, daß die Wanderapotheke bei Reumanns nur zU Hause benutzt wird. .... 532 — Mtelle, die sM so echt b'M» philisttös Sontrapunkttsch anließ, tote erfüllt von der größten Hochachtung Mflüsterte: „Ah, tone faffite!"' Der Ausdruck seines Gesichts 6h dieser anerkermenden Bemerkung ist mir unvergeßlich; die gute Graftrr nahm sie natür- De?Tir^c"^er Münchener Musikschule, Franz Sauser, toar ein Original, dem aber für seine Stelümg die umfassende allgemeine musikalische Bildung abgrn^. Daher Hatte er, tote alle derartige Leute, sehr automatische Nelgungen, bte rhn manchrnal in Konflikt mit seinem Lehrerkollegium brachten, Gewöhnlich süddeutsch behaglich, wurde er im Zorn sehr ausfahrend mü> hefttg, la boshaft. Talentlose Schüler, und deren gibt es Sekanntlrch Mehr als talentvolle, konnten ihn ganz aus denr Häuschen bimgen Und wild machen. Ich sah ihn einst furchtbar aufgebracht über eine Schülerin, die Unrein sang. Wütend ging er um sre herum, brs er plötzlich stehen blieb, sre von der Seite scharf betrachtete und in die Worte ausbrach: „Ja, wie kann man denn auch rein singen, wenn nmn so schmutzige Ohren hat!" Die Wiesen an der Wasch, dem Wiesengrurrd, der sich von Hannover; aus dem Lauf der Leine entgegen weit hinaus erstreckt, wurden im Herbst durch' Stauungen überschwemmt und boten rm Winter eine große, spiegelglatte Eisbahn. Sie lockte auch Joachim, das Schlittschuhlaufen zu versuchen; er gab drese Studie« Uber verständigerweise sehr bald auf, obwohl ihn der unterstützende Dienstinann zur Fortsetzung durch den Zuspruch ermutigte: „Herr Wonzertdirektor, Sie haben ja auch das, Violinspielen gelernt, Md das ist doch viel schwerer!" Ein Künstler von weniger hoher Art Und doch auch ein Mnstler war Alfr ed Jaell. Er hatte einen weichen, schönen Anschlag intb außerordentliche Fingerfertigkeit. Perlende Läufe Md Trillerketten schüttelte er mir so aus dem Aermel; eine Karm- kaMr stellte ihn mit zehn Fingern an jeder Hand dar. Am meisten Erfolg hatte er mit zierlichen Salonstücken; doch wußte er srchauch leidlich gut zu Beethovens 0-NoII-Kouzert M stellen. Stets munterer Laune, ein liebenswürdiger Gesellschafter und überall Sen gesehen, war er zu lustigen Streichen immer aufgelegt. Wenn einen davon erzähle, so geschieht es zugleich, um zu zeigen, toelche Art von Leuten sich an den kleinen Höfen (vielleicht auch ün den großen) einzunisten versteht. Im selben Gasthause mit Ms wohnte «in unbedeutender Violoncellspieler, dessen, ganzes Repertoir aus einigen sentimentalen Fadaisen bestand, Feri Metzer, tziner von den fahrenden Musikanten, die das Künstlertum diskreditieren. Er hatte eine ganze Sammlung von Orden deutscher Duodezfürsten ergattert und ließ sich von Hof zu Hof empfehlen. Man erzählte, daß er einem fürstlichen Haupte auf die Frage, Mas denn die Ursache der schmerzlichen Stimmung einer von ihm !k>mponierten und stets gespielten Elegie gewesen sei, die ver- jblüfsende Antwort gegeben haben: „Die Geldkrisis in Nordamerika." Dieser Kletzer hatte bei einem früheren Besuch in Hannover b!om König ein wertvolles Violoncell zum Geschenk erhalten; diesmal hoffte er auf einen Orden und erwartete täglich dessen Zuwendung. Daraus baute Jaell; er kam zu uns aufs Zimmer, .verpackte eine Orange in Mzählige Hülsen und gab dem Päckchen durch Siegelabdrücke von Talerstücken und entsprechende Aufschrift einigermaßen das Aussehen einer Zusendung vom Hofe. Er übergab das Päckchen einem Kellner zur Abgabe an Kletzer und eilte rasch zu diesem, UM den Effekt zu beobachten. Der Streich gelang vollkommen; Jaell kam nach kurzer Zeit zu uns zurück Md berichtet, indem er sich vor Lachen schüttelte, wie Metzer eine Hülse nach der andern vor Ungeduld zitternd' abgerissen hatte. Nm zulM die bitterste Enttäuschung zu erfahren und vor Zorn außer sich zu geraten. Brahms war bei seinen Besuche« tit Breslau fast immer mit uns zusammen, nahm auch, teil an unserer Kegelpartie. An einem Abend,- den er bei Ms verbrachte, war er so übermütig, Md lustig, daß er, während die Damen noch ihre Mäntel um- Mhmen, yt das dunkle Treppenhaus voraneilte, um sie dann Mötzlich, mit furchtbarem Geschrei hervvrbrechend, M erschrecken. Dummes Geschwätz verttug er freilich nicht. Einer Dame, die ihn bei Tisch fragte: „Sperr Brahms, wie machen Sie es mir, so tiefempfundene MUsik zu schreiben?" gab er zur Antwort r r,Das ist doch sehr einfach: die Verleger bestellen sie so/' Vermischtes. ® Propaganda-Ingenieure. Immer häufiger stößt man in den Zeitschriften der Ingenieure auf Stellenangebote mit dem Stichwort: Propaganda»Ingenieur, Stilist, Literat oder Reklame-Ingenieur. Der Beruf ist noch zu neu, als daß es für ihn bereits eine feststehende Bezeichnung gäbe. Ebensowenig wie die Bezeichnung des Berufes, ist die ihm zugrunde liegende Tätigkeit eine einheitliche. Häufig handelt es sich um das Ausarbeiten von Patentschriften, Katalogen, Prospekten und anderen Drucksachen, mitunter auch um Reklameentwürfe für Zeitungen und Fachzeitschriften, und nur in verhältnismäßig wenigen Fällen um eine ausgesprochene, systematisch betriebene, literarische Propaganda. In erster Linie sind es die Kartelle und wirtschaftlichen Bereinigungen in mehr oder weniger loser Form, die zur Steigerung ihres Absatzes und Bekämpfung konkurrierender Interessengruppen der fachmännischen Feder bedürfen. Zu diesem Zwecke unterhalten sie literarische Bureaus, deren Aufgabe es ist, durch wissenschaftliche Aussätze allgemeinen und technischen Inhalts und Vorträge in geeigneten Fachvereinen die vertretenen Interessen zu fördern und gegebenenfalls entgegenstehende Interessen mit den gleichen Mitteln zu bekämpfen. Die literarische Propaganda einer Interessengruppe schließt natürlich nicht aus, daß bei losen Vereinigungen, denen der Berkaus der Erzeugnisse nicht untersteht, jede einzelne Firma literarische Propaganda treibt. Der Bedeutung nach stehen jedoch die bei Einzelfirmen — begreiflicherweise können es nur die größeren sein — tätigen Propaganda-Ingenieure hinter denjenigen zurück, die bei Syndikaten und ähnlichen Wirtschaftsvereinigungen tätig sind. Was wird von einem Propaganda-Ingenieur verlangt? Zunächst gründliche Kenntnisse und Erfahrungen auf denjenigen Gebieten, die er zu vertreten berufen ist, und zumindest eine allgemeine Vertrautheit mit Theorie, Praxis und den wirtschaftlichen Verhältnissen aus denjenigen Gebieten, die mit den ersteren in Wettbewerb Iehen und demzufolge bekämpft werden sollen. Die Voraussetzungen dazu find gute technische und volkswirtschaftliche Bildung und mehrjährige Praxis. Von größter Bedeutung ist die stilistische Gewandtheit; sie ist ohne natürliche Veranlagung ebensowenig denkbar, wie ohne gute Allgemeinbildung. Zuguterletzt gehört noch ein Stück guten Geschmackes und ein Körnchen Psychologie dazu. Die Aussichten der Propaganda-Ingenieure sind die denkbar günstigsten, mag auch die Bezahlung anfänglich nicht die beste sein. Zum wenigsten hat ihr Beruf das eine für sich, daß sie die Volkswirtschaft von einer Seite kennen lernen, die nicht jedermann zugänglich ist. Die angeführten Bedingungen und die Gunst der Verhältnisse vorausgesetzt, steht ihnen der Weg zum wirtschaftlichen Erfolg offen. kf. Dieulafoy als Trapezkünstler. Aus dem Leben des soeben verstorbenen berühmten französischen Arztes Professor Dieulafoy, der durch seine segenbringende Tätigkeit in dem bekanntesten der Pariser Krankenhäuser, dem „Hotel-Dieu" wie durch seine wissenschaftlichen Arbeiten Weltruhm erlangt hat, erzählt der „Gaulois" folgende hübsche Geschichte. Der junge Dieulafoy studierte in einer südsranzöstschen Universitätsstadt Medizin. Gleichzeitig aber war er ein leidenschaftlicher Turner, den alle sein« Kommilitonen wegen seiner körperlichen Gewandtheit bewunderten. Besonders am Trapez verstand er die schwierigsten Kunststücke mit einer Eleganz auszuführen, die an Virtuosität grenzte. Eines Tages nun hatte zufällig ein Jahrmarktsunternehmer Gelegenheit, den turnerischen Leistungen des jungen Mediziners zuzusehen. Er war darüber so entzückt, daß er ihm aus der Stelle ein ungewöhnlich hohes Honorar bot, falls er bei ihm öffentlich auftreten wollte. Dieulafoy muß den Herrn recht verdutzt angesehen haben; einige Augenblicke wußte er nicht, was er erwidern sollte, dann sagte er: „Ich möchte doch lieber meine medizinischen Studien vollenden; aber mein Freund hier, der ist viel kräftiger und viel geschickter als ich und er wird sich gewiß nicht weigern, Ihren Vorschlag an- zunehmen". Mit diesen Worten stellte er dem Unternehmer seinen Freund vor und begründete so die Karriere Lsotards, der heute einer der berühmtesten und gefeiertsten französischen Turnkünstler ist. kl. Eine natürliche Lampe. Man kann von einer Waldwanderung eine ganz ergötzliche Naturlampe mit Heimbringen, wenn man den verrotteten Waldboden und seine Lauhdecke, wie sie sich im Herbste bildet, beachtet. Namentlich an den im Boden steckenden Baumstümpfen, an denen sich die Rinde leicht vom Holze trennen läßt, findet man häufig dunkle verzweigte Stränge. Solche Stammstücke soll man, wie wir in der Zeitschrift „Natur* (Verlag von Thomas in Leipzig) lesen, sofort zwischen feuchtes Moos legen. Bringt man sie bann zu Hause in einem zur Hälfte mit feuchtem Filterpapier ausgekleideten Kolben, so kann man spätestens in zwei bis drei Tagen das magische Licht aufleuchten sehen, das nicht eine Verwesungserscheinung ist, sondern, wie man heute weiß, mit der Lebenstätigkeit des Hallimaschpilzes, der das faulende Holz durchzieht, zusammenhängt. Unter günstigen Verhältnissen läßt sich, namentlich bei warmer Temperatur, mit einer olchen natürlichen Lampe so mel Licht entwickeln, daß man bei ihrem Scheine große Druckschrift lesen kann. Bilderrätsel. Auslösung be-8 Rätsels in voriger Nummer r Gas, Gast. Auflösung in nächster Nummer. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lang«, Gießen.