MM yBhS ! ? L e! |ij s iLfiäÄäsS'^ ®|0M|8|j! WMWW in W- |W® -UW ttC^Üh^io« KSMM8 tz^MV BM* ßööS tzrrzeloide. Roman von Georg Freiherrn von Ompted'kk^ (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Ich dachte an die wilden Mtte auf, halbrohem Gaul, die Jagdritte meiner ersten Leutnantszeit. Ich dachte an manche Liebe und Huld, die ich erfahren. Dachte an Freundschaft mit all den jungen Kerls, die gleich mir so kurz, ach so kurz, erst die Achselstücke trugen und noch ein ganzes, langes Leben der Freude, des Genusses, der Liebe vor sich hatten. Und mein Herz, mein armes schwaches Herz, das tote verdorrt gewesen, erwachte mit einem Mal. Ich spürte es förmlich in der Brust. Es hämmerte, es schlug. Eine unbegreifliche Stimmung überkam mich. Die, die wir empfinden, wenn uns etwas Seltenes und Großes zuteil wird, ein Glück, das wir nicht mehr erwarten in der Spanne Leben, die wohl noch vor uns liegt, ein Glück, das uns zittern macht, unsere Augen mit Tränen füllt. Es wehte mich ein Hauch wieder an aus jener jungen Zeit, da ich bereit war, die Blonde für die Braune zu lassen, wenn ich sie nur erblickt, da jeder rote Mund mich lächeln gemacht, und ich vor jedem Mädchen, das ich nur gesehen, und dessen Augen leuchteten, und dessen Lippen lachten, mich verneigen hätte gekonnt: „Du schönes Dmg, siehe, ich habe dich lieb!" Und wie diese Erregung mick' überschlich, dieses süße, träumende Sinnen, daß ich die Arme hätte breiten mögen und schluchzen und weinen, ich wußte nicht warum, nur weil der Mond schien, und die Düfte wehten, und Werl tch noch nicht ganz alt und vertrocknet war, und Werl mir das Blut noch durch die Adern lief und das Herz noch pochte, da trafen plötzlich Stimmen, leise, weiche Weibeslaute mern Ohr. Ich horchte erstaunt. Es klang unter mir. Weit beugte ich mich vor: das Fenster unter denr meinet: war erleuchtet, und ich konnte zwei Köpfe sehen, einen schwarzen und ernen grauer:, so ähnlich geformt, daß ich sofort wußte: Mutter und Tochter. Bon hinten fiel das Licht aus dem Zunmer über sie, so scharf, daß ich genau erkannte, wie durch das Haar der älteren sich nur ganz leise bleiche Fäden zogen, und wie auf dem feinen, zarten Nacken des jungen Mädchens sich dunkler Flaum in kleinen Löckchen abhob. Unwillkürlich lauschte ich dem, was sie sprachen. Nur Stimmen hörte ich, denn da beide sich aus dem Fenster legten, ging der Schall nach unten. Aber diese Stimmen klangen so,' daß sie in meinen Mondscheinabendtraum zu passet: schienen, als gehörten sie dazu, daß Auge und Geruchssinn nicht nur, fondern auch das Ohr mittäte. Das Sprechen klang wie erne leise, liebliche Musik. • Ich horchte da oben, weit vorgebeugt, und lauschte —' und wir" fühlen uns plötzlich gepackt^ :me Mann, der dieses Buch geschrieben, der träum en w^ ^utter verschwunden. Ich sah nur noch den kleinen, dunklen Kopf des Mädchens,, denn em lunges Mädchen mußte es sein. Wie fein und zterltch war dteser Hals, dünn, fast gebrechlich, als könnte er die .^ast des schweren Haares nicht tragen. Und bann erMitt te tch rechts und links lange, schlanke Finger, und durch das Aufstutzen herausgedrückt ein paar volle, runde Schultern. Ich neigte mich weit vor, so wert rch konnte, utt» ich meinte eine zierliche Gestalt zu erblicken, tote ste dem fernen Schnitt des Kopses, dem zarten Bau des Nackens entsprach. Vielleicht malte mir die Phantasie mehr aus, denn war, wohl sprach der süße Duft der Blumen nnt, mir die Seele zu umdämmern, und der Mondschein mochte um meine Blicke weiche, zärtliche Schleier weben, aber die erhobene Feierstimmung, in die mich das unvermutete Nachtbild gebracht, hielt an, klang in mir fast gle:ch em er bestrickenden, sehnenden Melodie, die war m emp angüchev Stunde gehört, und die nun in Ohr und Gedächtnis sort- klingt, auch wenn die wirklichen Töne schweigen. Längst war drunten Gestalt und Kopf verschwunden, längst hatte eine unsichtbare Hand die Laden geschlossen, und unter mir war es dunkel geworden. Dunkel aber nicht in meinem Herzen. Ich legte mich zum schlaf, tch löschte das Licht, aber mit offenen Augen blteb tch liegen. Mir war so feierlich, so erhoben, so fret, so frochtch, so glücklich zu Sinn. Ich fühlte, daß der. Bann von mtr gefallen war, in den die letzten Jahre mtch mahltch versteckt hatten. Ich empfand etwas wie eine Wiedergeburt, em Erwachen, als wäre ich in einen Jungbrunnen getaucht. Und ivarum? Was war geschehen? Hatte sich in meinem Dasein etwas verändert? Nein, tch lag, em e:n- samer Mann, im Zimmer hier allein, in einem Hotelzimmer. Und keine Zukunft tat sich mir auf. Aber erne Ahnung, erne eigene Bewegung war in mir, ein Lustgefühl, tote es nur tn seltenen Stunden über uns Menschen kommt, uns htnauv- hebend über uns selbst, daß wir die Erdenfchwere vergessen uttb uns mehr fühlen, freier und leichter als unser stoatgcs Blut, unser schwerer Sinn uns erlaubt. Was geschah mir an diesem Abend? frage,tch toteber. Ich weiß keine Antwort. Ich kann bte Rätsel unserer Seelen nicht deuten. Nie werden w:r bis ttt bte ttcchen Tiefen schürfen. An die Oberfläche bletben wtr gebannt. Nur au. ahnen vermögen wir, zu ahnen, daß trgettd etwas unserem Sinn Flügel lieh, unser Bütt beschleunigte, unser Herz schneller klopfen machte als sonst. Wtr haben nut jemand gesprochen, der zufällig ein Wort fand, da- uns berührte — und wir gehen lächelnd noch eine Weile unsere Straße — Wir lasen eine Zetle tn entern Buche, das uns sonst kalt ließ - ' ' ‘ ' als hätte der arme M nur immer dem Klang, ohne erraten zu wollen, was die beiden flüsterten. Vielleicht hätte mtch das Verstehen bec Worte gestört, ich wollte nicht denken, nur empfinden und — 258 in seiner Seele Not selbst nicht aus noch ein wüßte, uns' einen unendlichen Trost für den Lebensweg mitgegeben. Wir treffen einen Menschen wieder, an den wir jahrelang! Nicht gedacht, wir reden mit ihm kürze Worte, wir finden ihn unverändert und doch — im Hafen, scheinbar tm Hafen, im Bannkreis anderer Menschen, in der Hut seiner Familie h- und es schmerzt uns, weil wir noch auf offener See treiben. Wir find verstimmt, traurig, fast trübsnnrger denn vorder. Und dann kommt der Jahrmarkt des Lebens: wir lachen über die anderen Menschen, die Laune kehrt zurück, ja der Umschlag erfolgt, weil wir ein Fenster geöffnet und das Meer gesehen, das wir tausendmal sahen. Was geschah? — Weil der Mond schien und die Blumeu- dufte Zogen? Weil wir einen dunklen Mädchenkopf erblickt? Weil eine umflort) Stimme süß in der Mondennacht klang? Wer wird die Rätsel der Seele lösen? Ja, es schien der Mond, ja, die Düfte wehten! Ja, drüben glitzerte das Meer! Und über uns standen des Himmels funkelnde Sterne. Und unter mir sprach flüsternd ein Menschenkind. In meiner Seele aber kam leise alte Seligkeit und Jugend heraus, und süß wieder wie einst erschien mir an diesem Albend das Leben! Am andern Morgen stand ich frischer auf deun seit Jahren, die mich das Alleinsein >— ich will es „das Altern" nennen — bedrückte. Ich war lustig —ich wußte nicht warum. Mir ging alles von der Hand wie nie. Das Rasieren, das mir sonst manchen Fluch, meist zwei Messer, immer aber doppeltes Einseifen gekostet, glückte mir aufs erste Mal so, daß ich ein Kinn hatte, glatt wie ein Knabe. Dann ging ich in den Park. Ich kletterte zu meiner Bank hinüber, starrte auf das Meer und überlegte mir, indem die Erinnerung an den Abend wiederkehrte, wer wohl die beiden Damen in dem Zimmer unter mir sein möchten. Gewiß Neuankömmlinge, denn sonst kannte ich doch, jeden Menschen im Hotel. , Nun, mein Freund, der Kellner, mürbe mich ja aufklären. Aber das Erstaunliche geschah: er wußte wohl, daß die Familie — Vater, Mutter, Tochter — abends eingetroffen waren, aber er hatte sich noch nicht um sie kümmern Wunen, da er doppelten Dienst gehabt, denn einer der Kollegen, der sich den Arm im Speisenaufzuge geklemmt, war arbeitsunfähig geworden. Der Leipziger wußte nicht einmal den Namen der Sente. Links von mir war der Tisch für sie gedeckt. Ich war ganz pünktlich erschienen, und während ich meine Serviette auseinanderfaltete, traten die neuen Gäste ein. Geschlossen, im Gegensatz zu den Chappuis aus Paris. Dafür waren es aber auch" Deutfche, die zusammenhielten, wo, wie es schien, Mann und Frau so einig waren, wie Eltern und Tochter. Als sie kamen, wendete man an allen Tischen die Köpfe. Mer Vater ließ seine beiden Damen vorangehen. Sie waren mittelgroß, zierlich beide. Aber die Tochter schien nur Wesen und Gestalt von der Mutter zu haben. Das Gesicht war ganz das des Vaters, ins Weibliche übersetzt. Er war ein schöner Mann. Dunkel, mit braunen Augen, groß, offen, Aar. Wie er an den Tisch trat, hatte man das Gefühl: der weiß, was er will. Und doch wieder, als er 'die Plätze verteilte, glitt auf Frau und Tochter ein so warmer Blick, daß es zur Gewißheit ward: diesem Willen sich zu beugen, wird nicht hart sein, und gerne wird es wohl jede Frau tun, Henn was er verlangt, geschieht mir aus Liebe. Ich saß so, daß ich das Mädchen unausgesetzt vor Augen hatte. Und nun konnte ich- während der Mahlzeit das Bild von gestern abend, wie ich es in halbem Lichte von oben erblickt, «mit der Wirklichkeit vergleichen. Wie oft geht es so, wenn wir uns eine Vorstellung von einem .Menschen gemacht, dann die Enttäuschung gewaltig ist, nicht weil dieses unser Mitgeschöpf so abstoßend wäre, nur weil das Leben anders ist als unser Traum. Ich hatte dieses Mädchen unter Umständen gesehen, die eine herbe Enttäuschung fast gewiß machten. War meine Stimmung von gestern abend nicht verrauscht? Schien hier der milde, weiße, Mond? Wehten balsamische Blumendüfte zu mir? Lag vor meinen trunkenen Sinnen das Meer? Wo war das Rauschen, das Brechen, das ewige Anlaufen 6er Wellen? Es war lichter, unbarmherziger Tag, daß ich Madame Chäppuis' Puderwolke wie eine Kreideschicht auf ihrem Ge- ichte sah. Eben wurde ein neuer Gang aufgetragen, und 'tatt der Veilchen, der Rosen, der Nelken dufteten Sauce und Pommes fettes. Statt der stillen Seeflut, der mondenbeschienenen, sah ich den gelbgeblümten Teppich auf dein' Boden des Speisesaals, die weißgedeckten. Tische, die 'chwarzen Röcke der Kellner. Und das einzige, das ich hörte, war das Klappern der weggelegten Messer, das leise Kritzeln der Gabeln auf den Tellern, das Klirren eines! Glases, an das ein Unvorsichtiger gestoßen hatte. Und doch, so hatte ich mir in meinem Moiidentranme das Mädchen gedacht. Fein, zart, zierlich der Nacken, wie ich ihn gesehen, und darauf bewegte sich ein Kopf mit großen, schwarzen Augen, und die schwere Fülle des Haares hob zu weißer Milchfarbe die Zartheit des Teints. Jenes Seltene zeigte sich hier: Haar und Augen des Südens mit der Hautfarbe des blonden Nordens vereint. Die Erscheinung war so bannend, daß ich die Augen nicht davon ließ. Unbefangen blieb das Mädchen. Sie sprach mit den Eltern und hatte ihre Bücke nicht andierwärts. «v fiel es nicht auf, daß ich sie anftarrte wie ein Wunder. ^>a, wie ein Wunder, denn so schien sie mir. Ein süßes Rätsel, das mir das Blut ins Hirn trieb, das mein Herz klopfen machte, laut und stürmisch. So laut, so stürmisch, daß ich mich ganz erstaunt an der Brust faßte, wo dieses Ding!, sich abarbeitend, gegen den Eindruck sich zu wehre« schien. War ich wirklich wieder jung, daß es sich regte, daß e§ em Mädchenauge durch den Blick allein zum Toben trieb? Ach ja, mein Herz, mein armes Herz, das längst zur Ruhe gegangen schien, mein Herz redete ängstliche Sprache in meiner Brust: „Daß ich so lange geschwiegen, ich wache heute auf!" Die alte Leidenschaft kam über mich, das alte Unglück meiner jungen Jahre. Oder sollte ich es Glück nennen? Ja, Glück! O, heute war es Glück! Denn mir leuchteten die Augen, mir schlug der Puls, mir brannten die Wangen. Der Pfeil des losen, kleinen Gottes saß klirrend in meinem Herz. Mir war es, als hörte ich förmlich noch des Bogens Sehne summen, schwirren, uachzittern. Ich empfand die Wunde, und die Last des Gefiederten zog ihn herab, daß die Spitze abbrach in meinem Herzen — und saß nun tief und fest darinnen. Ich suhlte, wie ich nur je gefühlt, kein Arzt, keine Zeit zog sie heraus und schloß und vernarbte die Wunde. Ich war voll tiefer, zitternder Glückseligkeit. Ich wußte, ich war ganz, ganz, ganz gewiß: die dort saß, ohne ein Auge zu mir zu wenden, gehörte mir. Sie aljitte wohl nichts davon, und doch war sie mir bestimmt. Sie hatte mit den Eltern gerade hierher kommen nttiffeu, sie mußte das Fenster öffnen gestern in der Mondennacht. Sie saß mir gegenüber, weil es nicht anders ging. _ Als sie sich.erhob und die zierliche Gestatt den «aal verließ, .blieb ich .ruhig auf meinem Platze, ein Lächeln um den Mund. Ich hatte keine Eile, den Kellner zu fragen: „Wer sind die Leute?" Es war ja gleich. Ich erfuhr es beizeiten. Sie war ja mein. Dann, als ich der einzige Gast geworden war, ging! ich hinaus in den Park. Auf eine Bank setzte ich mich, so gewendet, daß ich mein und ihr Fenster sah. Dort rauchte ich behaglich meine Zigarre und wartete. Ach, ich hatte ja Zeit, unendlich Zeit! Es dauerte denn auch nicht lange, so traten Mutter und Tochter oben ans Fenster. Sie schienen über den Blick zu sprechen, der sich ihren dunklen Augen bot. Mit graziöser Hand machte das Mädchen eine malende Geb erde, zeigte etwas, die beiden Köpfe lehnten sich fest aneinander, bann trennten sie sich wieder, und die ältere verschwand. Unbeweglich blieb das Mädchen stehen. Unbeweglich saß ich und bückte hinauf. Wie sich der dunkle Kopf vom weißen Fensterladen abzeichnete! Wie das helle Gürtelbaud den zierlichen Umfang dieses Mädchenleibes.umspannte! Wie alles faß und. ßaßte! Aber würde die Seele dazu stimmen? Diese Seele, die doch nicht äußerlich sichtbar war wie ein glattes Lärvchen, eine weiße Hand, ein schwarzes Ange? Das Bedenken kam mir nicht. Ich wußte, eine Enttäuschung konnte nicht fein, ja, mir war, als müßte ich im nächsten Augen bück die Bekanntschaft der Leute machen. Ich faß hier unten und wartete auf sie. (Fortsetzung folgt.) 269 — König Sisowath der Neckische. In seinen im Sonntags-Beiblatt des „Gaulois" veröffentlichten persönlichen Erinnerungen an europäische und asiatische Majestäten erzählt der ehemalige Potizeikominissar Xavier Paoli, der den Frankreich besuchenden Souveränen als Schutzengel beigegeben wurde, amüsante Geschichten vom König Sisomath von Kambodscha und seinen Tänzerinnen. Siiowath hatte während seines 'Aul- enthalteS in Paris die Gewohnheit angenommen, die Nacht zunr Tage zu machen, und in den Korridoren des Hotels, in welchem er wohnte, nächtelang zu promenieren und mit seinem Geiolge zu plaudern rind zu scherzen, ivährend sein Orchester mit Tainbririn- Freilich kann er in solcheit Fällen wegen Ueberschreitung des Züchtigungsrechtes verklagt werden; aber viele Eltern wagen das nicht, schon nm der Kinder selbst willen. Der Schulzwang besteht, 'und das Kind ist dem Lehrer ausgeliefert. Auch ohne ferner geschlagen zn werden, kann ein solches Kind durch beständige Verhöhnung vor allen Kameraden und durch allerlei Schikane zur Verzweiflung gebracht werden. Andrerseits, tvas hilft es Eltern und Kind, wenn der Lehrer Nachträglich gestraft wird? Das geschädigte Kind erlangt dadurch seine Gesundheit nicht wieder. Was hilft es auch, daß Lehrer, die ihr Züchtigungsrecht im gesetzlichen Sinne mißbrauchen, Ausnahmen sind? Was hilft das den Eltern und deren bedauernswerten Kindern, die eben einer solchen Ausnahme ausgeliefert sind? Wer auch da, wo das Züchtigungsrecht nicht mißbraucht wird, ist es in allen Fällen nicht nur wertlos, sondern schädlich. Es blutet einem das Herz, zu sehen, wie ein Lehrer das Recht hat, die armen Geschöpfe zu prügeln, bloß weil sie für ein Schulfach, etwa Rechnen, Mathematik oder Auswendiglernen, nicht die geringste Begabung haben, und es oft auch tut, während die große Mühe, die sie sich geben, allerdings ohne Erfolg, Lob und nicht Strafe verdiente. Freilich bei der SchulprüsuNg wird' der Lehrer nach den Leistringen der Kinder beurteilt: was Wunder, wenn ihn die Nichtskönner ärgern! Es gehört eine ziemliche Gedankenlosigkeit und Urteilsschwäche dazu, die Prügelstrafe in der Schule als wertvolles oder gar notwendiges pädagogisches Hilfsmittel zu verteidigen. Die einfachste Ueberlegung sagt einem doch, daß, wenn es so wäre, es ganz vom Verhalten der Kinder abhängen müßt«, ob sie viel oder wenig Schläge bekommen. Die oberflächlichste! Erfahrung zeigt uns andrerseits, daß dies eben nicht vom Verhalten der Kinder, sondern voM Charakter und der jeweiligen Laune des Lehrers abhängt: die gleichen Kinder, die von einem milden und tüchtigen Pädagogen gar nicht oder kaum geschlagen werden, werden von einem sadistischen Schultyrannen grausam geprügelt; bei gleichem Verhalten erhalten sie mehr Schläge, wenn er schlecht gelaunt, als wenn er gut gelaunt ist. Die Kinder haben die rohen Instinkte und die pädagogische Unfähigkeit eines Lehrers zu entgelten. Es ist unglaublich, daß es noch Männer gibt, die zivilisiert, gebildet, vernünftig und einsichtig sein wollen und dennoch glauben, die schändlichsten Auswüchse mittelalterlicher Rechtspflege für die' zarten Schulkinder festhalten zu müssen. Erinnert es nicht an die Folter, wenn ein Knabe auf die donnernde Frage: „Wer hat die Welt erschaffen?" aus Furcht vor dem Stock zitternd ruft: „Ich wills ja gestehen, ich Habs getan! Ich wills aber gewiß nicht wieder tun." Ja, mit der Prügelmethode läßt sich tvie mit der Folter jedes Geständnis erpressen, Verstand, Charakter und Gesundheit der Kinder schwächen und ruinieren: das ist aber auch das einzige, was damit erreicht wird. Am bedenklichsten aber ist, daß das Züchtiguilgsrecht dein unfähigen Pädagogen und oft einem ganz unreifen Jüngling die unumschränkte WillKir eines Tyrannen verleiht. „Unumschränkt" nicht im allgemeinen, sondern im besonderen Sinn. Die Art und das Maß der Züchtigung sind beschränkt; freilich werden die Schranken häufig nicht innegehalten. Aber die tyrannische WillMr ist nicht beschränkt. Das Kind hat keinen Advokaten, der es schützen kann vor Ungerechten Prügeln: was Hilst es, daß es bis z-Ur Erschöpfung gelernt und gearbeitet hat, was hilft es, daß es zu Hanse seine auswendig gelernte Aufgabe konnte? Wenn der Lehrer sich einfach au dem Kinde rächt für den Aerger, den ferne schwache Begabung ihm verursacht, so hat es keinen Schutz und kein Appellationsrecht; ja wenn es ganz ringerecht geschlagen wird, so kann es gegen das Urteil nirgends appellieren: die Strafe wird verhängt und vollzogen mit absoluter Willkür. Wahrhaftig, der schlimmste Verbrecher genießt einen größeren Rechtsschutz, als das Uimründige Kind. Dem Lehrer ist im Züchtigungsrecht eine Macht gegeben, dre der Entwicklung der niedrigsten tierischen Jnstiirkte im Menschen so förderlich ist, daß. wir nur denjenigen bewundern tonnen, der sie in strenger Selbstzucht demroch niederhält,' wer dies jedoch nicht vermag, ist zu bedauern, nicht zu verdainmcn. Die Schuld trägt allein der Staat, der an solchen mittelalterlich rohen Zuständen festhült. . Der Staat zwingt die Eltern, ihre Kinder zur Erziehung fremden Händen anzuvertrauen. Daraus erwächst ihm die sittliche Pflicht, den Kindern und Eltern Schutz zu geivähren und deut fremden Erzieher das Rocht zur Grausamkeit nicht zu gewähren. vie Prügelstrafe in der Schule. r 1 Die Prügelstrafe in der Schule verwirft Pfatter W. Mader, der darüber! ich Türmer (Verlags Greiner und Pfeiffer, Stuttgart) schreibt, völlig. In Frankreich!, wo der Verfasser aufgewachsen ist, hat der Lehrer kern Zuchtigungs- ttcht. Dabei war es, erzählt Mader, mit der Schulzucht jn Frankreich genau so bestellt, wie bei uns: ein guter Pädagoge hielt ohne Züchtigung stramme Zucht, auch bei schlechtem Schulermateriat, dch hilfloser Schwächling brachte feine Zucht zuwege, so wenig dies bei uns einem solchen gelingt trotz ausgiebigster Benutzung des Züchtigungsrechts. Schon daraus sollte jeder vernunftbegabte Beurteiler zu der Erkenntnis kommen, daß dre Prügelstrafe für die Schulzucht völlig wertlos ist. Dagegen richtet sie unberechen- baren Schaden an. In Frankreich gilt der Deutsche für einen Halbbarbarest/ namentlich wegen seiner Prügelwut. Immer wieder mußte Ver- S'er den verächtlichen Vorwurf hören, im deutschen Heere bestehe a schlague", d. h. die Prügelstrafe. Mit Mühe, gelang es rhms seine Schulkameraden zu überzeugen, daß, diese längst abgeschafft sei. Zu seiner Beschämung Wer habe er später als deutscher Ortsschulinspektor erfahren müssen, daß ivenigstens in unserm Schul- wesen tatsächlich noch die mittelalterlich barbarischen Instinkte ihre Orgien feiern und das Prügelsystem, trotz seiner Veriiunftwidrig- keft, seine Verfechter findet. । Wenn für verrohte erwachsene Burschen Nach richterlichjeM Spruch. die Prügelstrafe wieder eingeführt würde, so wäre das immer noch begreiflicher und weniger barbarisch, als daß hilflose! Kinder mit Zustimmung der Gesetze der Prügelwut unfährger! Pädagogen ausgeliefert tverden: das Ztichtigungsrecht bei unmündigen Kindern sollte lediglich den Eltern zustehen, bei denen selber es'ja leider genug grausam ausartet. So lange wir das Prügelrecht der Lehrer Nicht äbschasfen. Wögen wir in sonstiger Hinsicht alle anderen Kulturvölker übertreffen, ein wirklich zivilisiertes Volk sind wir nicht! , Tas Züchtigungsrecht des Lehrers wird ja durch allerlei Erlasse möglichst gemildert nnb soll nach einer beliebten Phrase ein „väterliches" sein. Wohl dem, der ein Schlagwort gesunden hat! Das ist das bekannte Wort, das sich einstellt, wo Begriffe! fehlen, mit dem man aber trotzdem das Gewissen so sanft beschwichtigt und die Einwände theoretisch totschlägt. Was ist das: „väterliche Züchtigung"? Gibt es! für einen Pater und eine Mutter etwas Schwierigeres, als ein Kind aus reiner Liebe in Erkenntnis der Notwendigkeit des Verfahrens zu züchtigen? Ist es nicht in den meisten Fällen der persönliche Aerger, der allein die Macht hat, zum Dreinschlagen zu vep- änlassen? „ ZuM Beispiel: wenn das Kind gelogen Hat, empfangt es vvn der betrübten Mutter eine ernste, vielleicht sehr wirksame Emrah- uumg; hat das Kind aber, und dies ohne Böswilligkeit, der Mutter schönstes Möbelstück beschädigt oder sein Sonntagskleid beschmutzt, dann schlägt die empörte Mutter drein: das Vergehen ist wesenll- lich geringer, aber die persönliche Empfindlichkeit der Mutter ist eben an einer schwachen Stelle verletzt worden. Der Vater läßt die Kinder mit Wohlgefallen in der Stube herumtollen und hat seine Freude an ihrem lustigen Uebermut., 'Ein andermal aber trägt ihnen genau die gleiche übermütige Stimmung plötzliche Schläge ein, weil der Vater in anderer Laune M oder sich gerade empfindlich gestört fühlt, vielleicht auch weil sie im Umhertollen etwas umstießen, wobei ihm ein werter Gegenstand zertrümmert wurde. Wag es sein, wie es will, es wird für die Eltern sehr schwer, rein aus kühler Ueberlegung und der erkannten Zweckmäßigkeit halber zu züchtigen, in der Hitze des Zorns aber schlagen sie gar zu leicht ohne viel Ueberlegung zu. Das gilt auch von denen, die sehr wenig züchtigen: wenn sie einmal züchtigen, so geschieht es eben oft aus recht menschlichen Regungen. Mag man es Wort haben oder nicht, gar zu leicht ist selbst die elterliche Züchtigung ein kleinlicher Racheakt. Tas Kind darf ruhig einen Fetzen Papier ms Feuer werfen, wär es aber zufällig ein Hundertmarkschein, den es eben für einen alten Fetzen hielt, dann ivirk cs gezüchtigt — für den Leichtsinn des Vaters, der das Geld leichtfertig auf dem Tische liegen ließ.. Kommt so etwas den Eltern vor, wieviel leichter dem Lehrer. Wie kann der überhaupt für jeden einzelnen seiner Schüler ein väterliches Empfinden haben? Ja, welcher Lehrer macht da keinen Unterschied? Es ist doch das Natürliche und auch Gewöhnliche, daß dem Kehrer die besten, d. h. die begabtesten Schüler die liebsten sind, denen er dann wohl auch etwas Nachsicht. Während nun die Ettern oft die schwachen Kinder mit besonderer Liebe und Rücksicht behandeln, wird das dem Lehrer besonders schwer: mit den schwachbegabten hat er am meisten Mühe und Aerger. Was muß der Lehrer sich mit den Kindern ärgern! Er ist e des Züchtigungsrechts bewußt; nun find zwar Schläge an Kopf verboten; wenn er aber nicht immer den Tatzen stecken in der Hand hat, wie wohl manche es gewöhnt sind, so mag er nicht jedesmal nach dem Stock springen, wenn er znschlagen will. Nun, da gibt er dem Kind eins mit dem Büch oder mit der Faust an den Kopf. Dadurch wird die Gesundheit manchen Kindes dauernd geschädigt. 260 und Zimbelnbegleitung Nationallieder Rinn besten gab. Als Paoli dem König wegen dieser nächllicbcn Ruhestörungen -Vorhaltungen machte, erwiderte Sisowath unwillig, daß er bei Tage Liesta zu halten pflege und deshalb bei Nacht keinen Schlas brauche. ~a- gegen ließ sich natürlich nichts einwenden. Von Zeit zu Zeit hatte Paoli die Hobe Ehre, der Toilette des Königs beiwohnen zu dunen. Sisowath ließ sich als echter Genußmensch immer nur von seinen Frauen anziehen. Sie schmlickten ihn mit einer Art Hose von grüner, mit Goldfäden durchwirkter Seide und nut einer Brokat- junika, legten ihm um den Hals ein mattgoldenes, mit Edelsteinen besetztes Kollier, von dem sich an den Schultern zwei wie pflüget entfaltete Goldplatten abhoben, schlangen ihm um die Hüften, die Arme und die Fußknöchel Gürtel und mit wunderbaren Steinen inkrustierte Armbänder und ersetzten feinen alten, unmodernen Zylmderhut durch einen dreistöckigen, oben spitz zulaufenden Turm, der aus lauter Smaragden und Diamanten bestand. In dieser Galalracht glich Sisowath der aus ihrer Pagode genommenen Statue eines Hindugottes. Ter exotische Monarch konnte sich aber dem Einfluß der europäischen Zivilisation nicht lauge entziehen: er trug schon nach achttägigem Aufenthalt in Paris einen tadellosen Gehrock und sah einem mitteleuropäischen Gigerl zum 93er- wechseln ähnlich. Da er sich immer und überall höflich zeigen wollte, gab er im Ministerium der Kolonien den Töchtern des Portiers einen Kuß; als er das Warenhaus Bon Marchs besuchte, hätte er die weiblichen Angestellten am liebsten auch geküßt — zu feinem großen Leidwesen mußte er sich aber mit einem Händedruck begnügen. Wenn er über die Place Victor Hugo ging, zog er vorder Statue des Dichters regelmäßig den Hut. Da er gehört hatte, daß die europäischen Fürsten während ihres Aufenthaltes in Paris bei gewissen Amtspersonen ihre Karten abzugeben pflegten, mußte Paoli auch für ihn Visitenkarten bestellen; es stand auf ihnen zu lesen: „Preas Bat Somdach Preas Sisowath Ehom Chakreponas " Man weiß, daß der König sich schließlich in Paris langweilte und, um sich wieder ein bißchen zu amüsieren, seine in Marseille zurückgebliebenen Tänzerinnen Nachkommen ließ. Sie erschienen unter der Führung der Prinzessin Sumphady mit sechs Vorleserinnen, acht Sängerinnen, vier Aiikleidefrauen, zwei Komikern und sechs Musikanten. Wenn die Ballerinen öffentlich tanzten, trugen sie feenhafte Gewänder; am meisten fielen die mit Gold bestickten und mit Edelsteinen besetzten seidenen Aiieder auf. Die Ankleidefrauen brauchten zwei bis drei Stunden, iini die Tänzerinnen anzuziehen, zu schminken, zu pudern unb mit Armbändern, Halsketten und Ringen von unschätzbarem Werte zu schmücken. Als die Damen nach einwöchigem Aufenthalt in Paris wieder nach Marseille zurückfuhren, um dort in der Koloiiialausstellung ihre Künste zu zeigen, begann sich Sisowath von neuem zu langweilen. Er langweilte sich so sehr, daß er, um sich zu zerstreuen, einen Ausflug nach Nancy machte. Hier spielten sich nun recht drollige Szenen ab. Sisowath war von dein Enthusiasmus, mit den, er in Nancy empfangen wurde, so beglückt, daß er am Abend seiner Ankunft von einem Fenster der Präfektur aus etliche Handvoll Geldmünzen unter die Alenge warf. Ter unerwartete Goldregen übte auf das Volk natürlich eine grandiose Wirkung aus: es kam vor dem Präfekturgebäude zu einer richtigen Schlacht, da jeher voii der Freigebigkeit des Köiiigs Nutzen ziehen wollte. „Ich eitle sofort zum König", schreibt Paoli, „und bat ihn, das gefährliche Spiel einzustellen. Aber Sisowath weigerte sich energisch, meinen Bitten Folge zu leisten, da der wilde Spektakel ihn höchlich amüsierte. Er befahl sogar, daß man ihm sofort einen Tausendfrankenschein in Gold iimwechseln solle. Da ich also sah, daß gütliche Ueberredung hier nicht fruchtete, ließ ich den König mit Gewalt vom Fenster entfernen, ohne mich um seine Schimpfereien zu kümmern. Ehe ich mich dessen aber versehen konnte, war Sisowath meinen Beamten, die ihn wie einen ganz gewöhnlichen Sträfling sestznhalten wagten, entsprungen; er stürzte, indem er immer vier Stiifen auf einmal nahm, die Treppen hinunter, riß im Erdgeschoß ein Fenster auf und warf unter einem heiseren Triumphgeschrei alle Goldstücke, die er noch in der Tasche hatte, auf die Straße. Als er uns kommen hörte, lief er rasch an ein anderes Fenster. Nach einer Viertelstunde erst gab er das neckische Wettrennen mit den Polizeibeamten auf; er reichte mir bann zur Versöhnung die Hand unb sagte unter fröhlichem Lachen: „Recht brollig, nicht wahr?" Acht Tage später schiffte er sich mit seinem Hofstaat in Marseille ein, um nach Kambodscha zurückzukehren. Als die Stunde der Trennung geschlagen hatte, rief er Paoli zu sich heran und sagte: „Hier hast d>i was zum Aiidenken l" Unb er überreichte ihm ein Päckchen, das in ein rotseidenes Tuch gehüllt war. Zu seiner nicht geringen Verwunderimg fand Paoli in diesem Päckchen statt der erwarteten Kostbarkeiten des Königs . . . Galahose! Vermischte». kk. E i n Fr a u eu p a ra d ie s. Es gibt ein Volk im Osten, das über die Beziehungen zwischen den beiden Geichlechlern so vorgeschrittene Ansichten hat, daß man es in dieser Beziehung das modernste Volk der Well nennen könnte. Die Anschauungen, die in Birma über die Frauen gelten, stehen zum Teil in schroffstem Gegensatz zu den Meinungen, die feit beit frühsten Zeiten bei uns herrschen. In Birma erklärt, einem Artikel der „Westminster Review" zufolge, z. B. die Frau dem Manne ihre Liebel Wird der Antrag angenommen, so wirb die Ehe nach unseren Begriffen höchst formlos geschlossen. Die Bewohner von Birma hassen jede Feierlichkeit bei der Hochzeit; auch tragen die birmesischen Frauen fein äußeres Zeichen wie etwa einen Ring, um daraus aufmerksam zu machen, daß sie vermählt sind. Sie nehmen nicht einmal immer ihres Galten Familiennamen an, sondern behalten den ihrigen. Auch ist die Eheschließung ein rein bürgerlicher Akt und hat nichts mit Religion zu tun; man sieht in der Ehe eine rein irdische, einfache Gemeinschaft, die, wenn sie nicht glücklich ist, alsbald wieder getrennt werden kamt. Die Ehescheidung vollzieht sich in Birma noch schneller als in den Vereinigten Staaten. Auch im übrigen sind in Birina im praktischen Leben eine Alenge Ideale verwirklicht, die in den Ländern der westlichen Kliltur noch lange nicht erreicht sind. Es gibt dort nicht zweierlei Gesetze, eins für Männer und eins für Frauen. Alan hat dort nicht die Vorstellung, daß die Frauen das „schwächere Geschlecht" seien und deshalb macht vor allen Dingen das Strafrecht keinen Unterschieb zwischen Alann und Weib. Tie birmesischen Frauen haben niemals unter den Vorurteilen geistlicher unb weltlicher Dogmen gelitten ; sie tun, was ihnen recht scheint unb so arbeiten sie, auch wenn kein Zwang bazu besteht. Der Ehemann hat kein 93er- fügungsrecht übet das Eigentum bet Frau, bas diese in die Ehe einbringt oder während der Ehe erwirbt. Tie birmesische Fran kann vor Gericht ihren Gatten vertreten, bei Verträgen mit einem T it eit unterzeichnen sie unb ihr Gatte gemeinsam; jeber Ehe- tt , Mann wie Weib, kann Utkunben unterzeichnen unb Geld ausleihen. . „„ 'Zur Beherzigung. .Wenn man oft sieht, wie Mutter ihre Kleinen in Berge von Federkissen packen, könnte man donnern ober wehklagen. Gewiß bebarf bas Kind bet Wärme, aber man soll nichts übertreiben unb nicht allzu ängstlich fein. Nach beit ersten neun Tagen soll bas Kinb nicht mehr bei ber 9)!utter fchlafen, es gewöhnt sich sonst zu sehr daran, wird verweichlicht und will nicht mehr allein fchlafen. Kleine Kinder darf mau nicht zu hoch mit dem Kopfe legen, der Blutkreislauf geht am besten und freiesten bei horizontaler Lage des Körpers vor sich. Kleine Kinder schreien meist sehr viel, es ist ihr einziges Mittel, fimb zu geben, daß sie sich unbehaglich, krank oder gelangweilt fühlen. Manchmal sind es nur Kleinigkeiten, die ein Kind zum Schreien bringen, wie die Spitzen des Hemdchens ober bes Häubchens, die durch Jucken ober Kratzen das Kleine belästigen. Wenn ein gesundes Kind nach Erhalt einer nahrhaften Milch viel schreit, so gebe man ihm Zucker- wasset ober irgenb einen bünnen Schleim aus Gerste, Hafer oder Reis. Diese Flüssigkeiten beförberix bie Verbauung unb heben viele Beschwerben auf. Viele Mütter stillen schreienbe Kinder wieder, selbst wenn sie sich erst kurz vorher satt getrunken haben. Solche Mütter schaben sich unb bem Kinbe, denn eine Mutter, bie zu oft stillt, sondert schließlich keine reiche und gesunde Alilch mehr ab. * Der arme ßeiermann. Ein mitleidiger Herr trifft auf der Straße einen ßeiermann, der den Kopf mit einem dicken, wollenen Tuch so verbunden hat, daß die Ohren davon ganz bedeckt sind. Der Herr gibt ihm zehn Pfennige und fragt laut, was ihm fehle. Der ßeiermann bindet das Tuch ab, zeigt seine gefunden Ohren und sagt ganz gelassen: „Ich trag's bloß, damit ich nicht den ganzen Dag das verflixte Geflimpcr zu hören brauche." _ t , , , * Nichts Neues mehr. „Bleiben Sie doch noch ein Weilchen hier, gleich beginnt die Fütterung der Raubtiere." — .„Interessiert mich nicht; ich esse feit sechs Wochen an einer Table d'hote!" * Rasche Erfüllung. „DenkenSie, heute nacht träumte ich, daß sich meine Fran ein Kollier wünschte; am Morgen bekam ich schon die Rechnung." Büchertisch. — „D e r 3 o u b e r e r von R o in", Karl Gutzkows berühmter Roman, ist soeben bei F. A. Brockhaus in neuer Ausgabe erschienen. Sie ist außerbem mit einer Einleitung des bekannten Gntzkowbiographei. Dr. H. H. Houben unb einem Porträt des Dichters versehen. Voraussichtltch dürfte Gutzkows Meister- roman jetzt erst die Verbreitung unb Popularität gewinnen, die er nach Inhalt und Form schon lange verdient hat; darauf beutet auch bie starke Nachfrage beim Verleger, infolge bereu gleich fünf Auslagen erscheinen mußten. versteüratsel. Man suche ein Sprichwort, dessen einzelne Silben in folgenben Wörtern versteckt sind, wie die Silbe „an" in „Wanderer". Bauchredner — Dassow — Drgelt'läuge — Sandstein — Flieber- ftrauct) — Nachtschatten — Heinzelmännchen — Gänsebraten — Nubelsuppe. Auslösung in nächster Nummer. Auflösimg des Logogriphs in voriger Nummer: Maus, Hans. Rebattion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- unb Steindruckerei, R. Lange, Gieße»