MO M W MI '¥>14 u ■' i-r* x i^LWM^WO tti Donnerstag den 26. Januar 19U — Nr. 15 |9U — Nr. 15 Donnerstag den 26. Januar r, MikhnLMwM-nblz», AnlechaltMMblMM MießeNerA^eigerOenewlAHeiger). (Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.! Das Witwenhaus. Roman von Helene von Mühlau. ihrem eigenen Hause ihrer Person vorzog, das ging ußet ihr Begriffsvermögen. „Rein, Frau von Hilbach," sagte sie, nach ein paar Tagen, als sie über Arbeiten sprachen, die im Frühjahr und im Sommer ausLeführt werden sollten, „ich gehe nicht fort, ich bleibe bei Ihnen, was auch kommen mag. Hat Gott bis hierher geholfen, so hilft er auch weiter, und wenn alle Stricke reißen, dann gehen wir nach Berlin. Da hab ich siebzehn Jahre mit meinem zweiten Mann gelebt, und in Berlin bringt sich jeder durch, der nur ein bißchen Verstand hat, und vor allem, man kann da leben, wie man will, kein Mensch kümmert sich um einen." „Und unser Haus?" hatte Frau von Hilbach halb kB« schrocken, halb freudig gefragt. „Unser Haus? Das wird verpachtet oder vermietet/ da lassen Sie mal die Kosy für sorgen. Das geht natur« lich nicht von heut auf morgen. Fürs erste müssen wir sehen, daß wir Unsere Finanzen ausbessern, und im Frühjahr richte ich die zwei Vorderzimmerchen zur Badever« mietung eia, und meine Gnädige muß sich mit der großen Mittelstube und dem Alkoven begnügen!" Frau von Hilbach war es zufrieden, und das alte Einvernehmen zwischen ihr und ihrer Wirtschafterin wäre hergestellt gewesen, hätten sich nicht neue bittere Gefühle bei der Kosy geltend gemacht, als sie beobachten mußte, daß sich am Abend, sowie es zu dämmern begann, der Lasker durch das Pförtchen schob und ohne auzullopfen in der Häuflein gute Stube schlüpfte. Nun wurden die zwei ein Paar, und sie und ihre Herrin hatten das Nachsehen; die Blamage und die Gleichgültigkeit, die Frau von Hilbach auch diesen Mitteilungen gegenüber an den Tag legte, empörte sie oft geradezu, und sie konnte sich kaum zu einer zeremoniellen Freund^- lichkeit zwingen. Nun saß sie wieder am Fenster und mußte sticken und hatte blasse Wangen; wäre sie nur ein bißchen klug gewesen, hätte sie doch jetzt schon bald in Reichtum und Luxus sitzen können. „Wo um alles in der Welt ist denn unsere Gräfin heut bei dieser Hundekälte hin?" fragte die Kosy, als Frau von Hilbach von der Natusius zurückgekehrt war. Sie hatte von der Küche aus beobachtet, daß die beiden Frauen zusammen geredet hatten, auch daß Frau von Hilbach ihr Geld gegeben, war ihr nicht entgangen, aber davon sagte sie nichts. „Nach Naumburg zu ihrem Rechtsanwalt!" antwortete Frau von Hilbach kopfschüttelnd. „Sie hatte einen Bries und hofft auf gute Nachrichten, aber ich fürchte, sie wird wieder eine Enttäuschung erleben." „Und nun gondelt sie mit leerem Mägen und einem Mäntelchen ohne Futter bei diesem Wetter nach Naumburg und kommt uns vielleicht mit der schönsten, Lungenentzündung zurück, und wenn sie dann da oben in ihrem In der Kosy Wesen war aber tatsächlich eine Aende- vung eingetreten; sie behandelte ihre Frau mit einer merkwürdigen Mischung von Respekt und Mitleid, und nur manchmal sand sie den alten, vertraulichen Ton wieder. Sie redete ihre Herrin jetzt oft, wie ganz im Anfang, in der dritten Person an, wie das ihrer Meinung nach den Herrschaften höheren Standes, und seien sie noch so arm, zukam. Frau von Hilbach versuchte vergeblich, sie zu einer Aussprache über ihr verändertes Wesen zu veranlassen, sie wich ihr geschickt aus. Nie, nie konnte sie die Szene nach ihrer Rückkehr aus Halle vergessen. Nicht wie eine, die eine Schlacht verloren war ihr diese merkwürdige, junge Frau da entgegengekommen, nein, mir einer kühlen, undurchdringlichen Miene hatte sie der Kosy kurz die Ereignisse des Nachmittags angedeutet, hatte ihr verboten, ;e wieder davon zu reden und je wieder in dieser Weise die Vorsehung spielen zu wollen, und als die Kosy entsetzt ausgerufen hatte: „Ja, aber was nun? Sie können doch nicht bei lebendigem Leib mit dem Kind verhungern!" da war um der Frau Mund ein sonderbares Lächeln gehuscht, so schmerzlich und weh. als habe ihr jemand mit einem Messer eine scharfe Wunde beigebracht. „Kosy," halle sie gesagt, „meine liebe Kosh, ich kann es nicht länger ansehen, wie Sie sich für mich aufopfern; ich verhungere nicht mit meinem Kind, aber ich kann es nicht ertragen, daß ein anderer sich solche Sorgen um mich macht. Gehen Sie, Kosy, arbeiten ©te für andere Leute, die Sie besser zahlen, ich kann nicht länger Wohltaten von Ihnen annehmen!" Die Kosy konnte darauf nichts erwidern, weil die Tränen ihr die Stimme benahmen. Sie hatte nur ihre Frau erstaunt und kopfschüttelnd angesehen. Wie die so sicher behauptet hatte: „Ich verhungere nicht mip meinem Kind!" da hatte solch eine Festigkeit in ihrer Stimme gelegen, daß man plötzlich ein großes Vertrauen zu ihr bekam Aber wie, um alles in der Welt, wie wollte sie das fertig bringen? Zwei Tage später erst hatte die Kosy von Spechts Minna gehört, daß der Herr Lasker einen lustigen Abend mit der Frau Häuflein und der Svecht verlebt hatte, und als sie das in einer großen Erregung ihrer Herrin hinterbrachte, sagte sie lächelnd, daß sie es wisse, und sie sei zufrieden. „Das ist ein starkes Stück!" dachte die Kosy unablässig. ;,!oat der Mensch denn keine Augen, daß er eine von Mitte der Vierzig meiner Frau vorzieht?" Mer daß Frau von Hilbach so gar keinen Ehrgeiz und keine Eitelkeit besaß, daß es sie nicht einmal ärgerte, wenn man eine Mieterin aus — 58 — -Der Pastorin schlugen die Zähne wie im Krampf aufeinander, sie konnte nicht reden, aber eine Verzweiflung sprach aus ihrem Gesicht, die beredter war als alle Worte. Frau von Hilbach flößte ihr Tee ein und neb ihr die erstarrten Hände, und die Kosy besorgte Warmflaschen. „Ich werd ihr mal das Bett im Alkoven Herrichten, Frau von Hilbach, mit Ihrer Erlaubnis!" sagte sie. „Was Banierliaal von we-ymmcu iuö, uuu ............ —- Tag der Brief. War das nicht tote eine Fügung? Was habe ich getan, als dieser Ignorant in Naumburg mir riet, zu verzichten? Nach Weimar bin ich gefahren, Frau von Hilbach, vierter Klasse nach Weimar, und dort hab ich einen verständigen Menscker gesunden, der alle^> prüfen will. Gleich nach Neujahr hab ich Bescheid! Sie lachte und toeiitte, und dann gestand sie plötzlich Aus den Mauern und dem Burgfrieden Büdingens vor 300 Jahren. (Vortrag, gehalten am 11. Januar 1911 im OrtsgewerbevereiZ von Christian Müller, fürstlichem Kammerdirektor. Nachdruck iQ nicht gestattet:) (Fortsetzung.) Von diesen fünf Teilen, aus denen sich da§ damalige BW dingen zusammensetzte, nahmen die Hinterburg und die Schmitts eine Sonderstellung ein. Ihre Bewohner waren, tote ich bereits hervorhob, herrschaftliche Leibeigene und hatten als solche ursprünglich keine Nutzungsrechte am Markwald und ebensowenig hatte die Stadt, solange sie nicht losgesprocheir waren, irgend welche Rechte an sie. Diese Verhältnisse hatten sich verwisch^ Doch mußten die Hiiiterburger damals noch einen eigenen Hirten halten und besaßen auch noch eine Art Gemeinde-Vertretung Jöfe. „Ich meine, wir tun genug an der!" eiferte sie, „sie ist doch kein Kind!" Aber auch sie wurde unruhig, als der Abend kam und die Gräfin noch nicht im Hause war. Sie hatte die Wasserleitung albgestellt und die Röhren, die nach außen lagen, mit Tüchern umwickelt, weil eine Kalte herrschte, wie sie seit zwei Jahrzehnten nicht dagewesen War, und wenn sie dachte, daß die kleine Pastorin mit ihrem Minnen Mäntelchen irgendwo draußen herumlief, wurde ihr unbehaglich zumut. Vielleicht hatte sie ihr Portemonnaie mit Retourbillett lmid Geld verloren und lief nun zu Fuß von Naumburg zurück, wie sie es im Sommer einmal gemacht hatte. Das wäre heute ein starkes Stück, aber so einer, die immer ein I paar Etagen höher mit ihren Gedanken war tote andere Leute, der war so etwas wohl zuzutrauen. Sie saß bis zehn Ubr bei Frau von Hilbach im Wohnstübchen, und obschon beide nicht von dem Gegenstand ihrer Unruhe redeten, wußte doch jeder vom andern, daß er in einer großen Angst lebte, und als endlich Frau von Hilbach vorschlug, ein Stückchen nach Pfortcr zuzugehen, da war die Kosh gleich einverstanden, packte ihre Frau und sich selber so sorgfältig ein, daß kein Lüftchen an sie herankonnte, und dann liefen sie in der eisigen, klaren Dezembernacht nach Pforta zu, riefen der Pastorin Namen Und kehrten nach einer Stunde voll Unruhe und Augst zurück. Im Hausflur stand eine kleine Laterne, die die Kosy immer trug, wenn sie am frühen Morgen bei völliger Dunkelheit heraus mußte, um Bäcker und Milchmann einzulassen; sie warf nur einen ganz matten Schein in den Mur, aber der Kosy scharfe Augen hatten doch sogleich eine Keine, zusammengesunkene, schwarze Gestalt entdeckt, die auf der untersten Stufe der Treppe saß und schluchzte. „Aber um alles in der Welt, Frau Pastern, was wachen ©ie für Sacken?" sagte sie halb böse, halb mitleidig, zog das zitternde Persöncken in die Höhe und führte sie mit Frau von Hilbachs Hilfe ins warme Zimmer. ^' ^Jch bin hungrig, Iran von Hilbach, furchtbar hungrig. Ich habe den ganzen Tag keinen Bissen gegessen. Sie aß Brot und Eier und wurde ruhiger, aber ihr Gesicht glühte, und ihre Augen sahen fieberig aus. Ach, Frau von Hilbach, wie doch all diese Menschen kurzsichtig sind. Auch dieser neue Notar in Weimar rtet mir, mich keinen bestimmten Hoffnungen hinzugeben: was aber soll ich tun, wenn ich keine Hoffnung mehr habe? „Daran denken Sie heute abend nickt, Frau Pastor, jetzt gehen Sie zu Bett . Alles andere kommt doch, tote es kommen soll" . „Hat denn Ihre Bedienungsfrau nach meinem Hundertmarkschein gesucht?" fragte sie noch, als sie schon unter warmen Federdecken im Alkoven lag, und wie sie das traurige Resultat hörte, kehrte sie ihr Gesicht der Wand zu, sckjluchzte ein paar Mal auf, wie ein Kind, dem em Spielzeug verloren ging, und schlief bann ein. Mir wollen sie mal für die nächste Zeit unten behalten'" sagte die Kosy, die wieder ins Zimmer gekommen war, zu Frau von Hilbach, ,>denn wenn sie ihren Hundertmarkschein nicht findet, hat sie bis zum ersten ^anuar doch nichts zu brechen und zu beißen, und bei dieser L.em- perattir kriegt sie ihre Zimmer oben auch nicht warm. Wir müssen ohnehin Gott danken, daß wir sie nicht schwer- krank liegen haben." Itrau von Hilbach willigte gern ein. Die Stunden flogen schneller dahin, wenn die lebhafte, kleine Pastorin bei ihr war und aus ihrer Vergangenheit erzählte, und wenn sie selbst mit ihrem Kind satt wurde, dann reichte eZ auch für die Gräfin, die so gut wie nichts aß. (Fortsetzung folgt.) »errif feiten, feibenen Himmelbett liegt, kriegt man wieder bas Erbarmen und pflegt sie, und baftir halt sie entern bann die gräfliche Abstammung vor. Mit der geht ej nicht gut zu Ende, Frau von Hilbach, das lcysen Sie sich gesagt sein, und mit der Frau Lengerich auch nicht, und wie mir das Jungchen sagt, hat die Natufiiis auch ge- ffÄWl« SÄ Ä SÄ °"d m- M L L?— Ur ** kann sicher die Miete zum Januar nicht aufbringen und gurtet) te. iammerte bie Pastorin. „Der Rechtshat Sie um Nachsicht gebeten, was? Und Sie haben natur- ^«ll-s ^^awmert^ie.P ^legenheit MS N° W M s-m. -°n ÄIS kL Hilbach zurück und nahm ihre Stickerei. „Aber wenn Sie b 4 Vt b X e§ wird alles herrlich Mn gutes Werk tun wollen, Kosy, dann suchen Sie doch oben ^ige mern^Rech^uno i^ ,q bei der Pastorin, ob Sie ihren Hundertmarkschein finden, ^^n^Sie Frau von Hilbach, in der vorigen Nacht hab sie hat den Schlüssel dagelassen. ., b^tlich' geträumt, daß ich mit meinen Söhnen int Die Kosy brummte etwas vor sich hm, aber nachdem J J Wehringen saß, und dann kam am selben sie das Mittagessen aufgetragen ging sie doch herauf.^»ach | «^tsa^on L ./ich/ " ' Mn paar Sttinden kam sie zurück, ohne den Hundertmarkschein gefunben zu haben. Sie hatte oben aufgeräumt, hatte em Feuer ch en an» gebrannt und die schönen Schloßmöbel, bie vor zwei Jahren als mütterliches Vermögen aus der Erbschaft 6er Pastorin zugeschickt worden waren, einmal abgestaubt. Auch die Wäsche hatte sie mit heruntergebracht, denn vor Weihnachten hielt sie großes Waschfest, und es kam auf ein paar Stücke mehr nicht an. „So eine ist nur zu bedauern!" Brummte sie gedankenvoll. „Die hat es nicht anders gelernt, aber unsereins, der an Ordnung gewöhnt ist, mochte sich die Augen verbinden, wenn er so was sieht!" „Wenn sie nur bald käme!" sagte Frau von Hilbach besorgt. Es war schon dunkel geworden, und bei jedem Rüg, der von Naumburg kommend, über die Brücke sauste, wurde Frau von Hilbach erregter. „Wir hätten sie nicht so gehen lassen dürfen!" sagte sie zur Kosy, aber die wurde Creutzschuch ufto. 180 Crentzruthen nsto. der Dippelngassen (der jetzigen Bergshohl?) bis an den untersten Geißengrunb. Samstag den 6. Oktober den Mittelberg bis an den Stoppettsgrund, die Weingarten beim Saintor und den Eichelberg., Montag den 8. Oktober der Dohlberg und der Stoppettsgrund gelesen werden. Dies ist also schriftlich dem Herrn Rentmeister übergeben worden, welcher es dem Wohl- geborenen unserm gnädigen Herrn den 3. Oktober usf Birstein geschickt, Andreas Bindhammer, Henrich Gebhardt, Sanruel Reifschneider und Henrich Spielmann. Nota: Hans Roppenleber ist nit mit draußen gewesen, dero- wegen bestraft worden. Wir haben damit die 5 Bergmänner von 1604 kennen gelernt. Ich möchte Sie nunmehr noch kurz bekannt machen mit der Tätigkeit dieser Leute, die ihr Schriftführer Samuel Reifschneider in unserenr Meßbuch sorgfältig ausgezeichnet hat. Es ist eine in Pergament geheftete Papierhandschrift von 62 Doppelseiten. Auf Seite 1 lesen wir: Dies Buch stehet den vier Felttgeschworn der Statt Büdingen zu, darin alle ihre Verrichtung und Handelung gefundenq würt, angefangen den 20 ten Augusti anno 1600. Gehaltten unnd beschrieben worden durch Samuel Reif- schnehder, dertzeit geschworener. Ich hoff auf glück württ Uns als dick, dick Unfall württ auch glücke Auf Seite 2 anno 1600 steht: , Den 2 ten Augusti. Haben Bürgermeister undt ein, Erbat! Rath der Stadt Büdingen, Weill kein Feldtgeschworn alhier gewesen, uns vier zu Endt bemeldt, uff dem Rathauß zu Feldtgeschworn angenommen und bestädiget. Als; haben wir handgeluch an Eidts Statt gethan, aller Dings der beigefügten Ordnung- nach zu setzen und das Ampt ehrlich zu verrichten. Andreas Bindthammer, des Raths^ Samuel Reisfschueyder, Burger, Henrich Gebhartt, Gemeiner, Kans Roppenleber, Burger^ anno 1603. Henrich Spilmann Burger zu uns kommen. Urfach dieses württ volgeist Seite 3 ist unbeschrieben. , Seite 4. Zu wissen, daß vier Bcrckmänner in der Statt, welche die Gebrechen in Weinbergen zu richten, auch den Heckerbrief unter Händen gehabt, gewest sind, alß nemblich Peter Krautt des Raths. Hans Kist des Raths. Henrich Gebhartt Gemeiner. Henrich Spilmann Burger. Anno 1602. Im November ist Kist Hans christlich von dieses welkt abgescheitten, dessen fehl und aller Christglaubigen ein sröliche uferstehung verleihen wolle, und ist hernaher den 28 DezembriS Samuel Reisschneyderu Feldtgeschworn solch ampt ufgetragen worden. Anno 1603 den 19 ten Octobris ist Peter Krautt auch christlich von dieser wellt abgescheitten desen fehl und allen Christglaubigen ein fröliche ufferstehung verleihen wolle. Unnd dieweill nunmehr, nit mehr, alß Henrich Spilmann, so nit geschworn gewest, noch allein Kergkman, und die ander drei Bergkmenner auch geschworn, alß ist ehr auch zum geschworn ampt gezogen worden, daß also nunmehr geschworn und Bergkmenner ampt Eins ist. Gott wolle unß alle glück und heill bescheren. Uuf Seite 5 schließt der einleitende Teil mit: Ein Brüderliche Kermanung, O ihr Liebe Brüder habt wohl acht toaß euch Samuel Keifschneyder sagt. Daß ihr nit solt sein vergessen In Euern Handlungen und messen. Dardurch .betrogen werden die leut. Und ihr bekompt darüber böse beut. Auch nit vorsetzlich jemants thut betrigen- Damit der Fluch darauf kom geschlichen, Der int 5 Buch Mosi ist offenbahr, Im 27 Kapitel geschriben steht zwcchr. Daß Gott mit ernst verflucht auf Erbt, denen so seiner Nechsten Grentze Engert. Diesem Fluch wohl zuverkommen ist weit, wahn ihr nit unrecht thutt, und fleißig seit, Hieraus last uns auch nun ohne alle schm Ein ander beweisen Lib ehr und Trew, und alle fach hiermit bevelhen Gott, Der württ unß helffen auß aller Not, Non deren Verwaltstngsgabe wir nachher ein sehr heiteres Vorkommnis hören werden. Doch ich habe aus der Feldgemarkung mit wenigen Worten noch einiges nachzuholen, da ich über Obst- und Weinbau noch nichts mitgeteilt habe. Die drei Felder, auf denen Ackerbau betrieben wurde, haben wir kennen gelernt. Es gab aber auch noch! Flächen, auf denen der Pflug nicht gehen konnte: die Gärten, die Obstbaumstücke, die Weinberge und die Wiesen. Die Hausgärten gehörten schon in der ältesten Zeit zu den Hofreiten. An sie schloß sich Gelände an, das der Anzucht von Obst, Gemüsen, Handelsgewächsen, aber auch von Gras diente und althochdeutsch! biunda (piunte), mittelhochdeutsch biund hieß und in uriserer engeren Heimat heute Beunde oder Benne genannt wird. Es war das dem Vieheintrieb verschlossene und deshalb zumeist durch eine dauernde Einfriedigung (lebende Hecken) gesicherte und dadurch gebundene Land im Gegensatz zu den drei Feldern, vorab zu dem der allgemeinen Viehweide geöffneten dritten Feld, dem Weidebezirk der Dreifelderwirtschaft. Wo das freie Feld gegen Weidevieh oder Wild geschützt werden mußte, geschah es durch tote Zäune, die in der Regel aus Reisholz in einfachster Weise geflochten waren. Wurden solche Zäune von Wegen durchschnitten, so waren. Türen notwendig (Falltore). Daher bei uns die Gewannbezeichnung „beim Grünenwald am Tor". Heute haben wir nur noch eine Beunde, die sich in die unterste, mittelste und oberste gliedert. Vor 300 Jahren hatte auch das Großendorf seine „Benne" und außerdem gab es bei der Luxweide stoch eine „Herrn- beune". Wo sich in Oberhessen heute im freien Feld die Bezeichnung Benne ober Beunde findet, wird man in der Regel auf einen früher dort belegenen, jetzt verschwundenen Ort oder eine ausgegangene kleine Niederlassung schließen dürfen. Ich kann hierauf jetzt nicht näher eingehen. Von den Wiesen möchte ich nur erwähnen, daß sie sich in Weidewiesen schieden und in solche, die regelmäßig gemäht wurden. Daher unser Gewamt- itante „die Schnitterwiesen". In dem Wiesennamen „die Geibels- gräben" lebt die Erinnerung fort an das Burgmannengeschlecht der Geipel von Schöllkrippen, die dort Lehensbesitz hatten. Dre Obstbaumzucht wurde i. A. in denselben Teilen der Gemarkung betrieben, wie heute. Alle Dämme der Stadt waren schon damals dem Obstban eingeräumt. Genannt werden: Aepselbäume, Nuß- und Kirschbäume. Von Birnbäumen habe ich bis jetzt nichts gefunden, obwohl sie sicher ebensogut vorhanden waren, wie manche andere Obstsorten, die nicht genannt werden. Ein besonders guter Birnbaum war vielleicht „der Krailbaum", der als Gewann- bezeichmmg vorkommt. Ich nehme an, daß er dem Hosbäcker Kaspar Krail gehörte, dessen Name uns aus damaliger Zeit überliefert ist. Daß der Obstbau recht beträchtlich war, beweisen uns die zahlreichen Baumgärten, die genannt werden, aber auch ein Verzeichnis über die Räume des Schlosses, in dem es heißt: „Ein rund Conthürgen, darinnen hie bevor Hotzel und Schnitzel verwahrt worden." Hotzel ober Hutzel finb ganze, mit der Schale getrocknete Früchte, vorzugsweise Birnen, Schnitzel die geteilten und meist geschälten Früchte. Ferner lesen wir: „Ein ehrn (Hausgang), darinnen ein Backofen; darb ei die Schnitzel- dürr" sodann „noch ein Hotzel- und Schnitzelboden" und schließlich „ein groß lang Aepfelgewölb um das innerft Schloß gehend". Weit größeren Umfang, wie heute, hatte der Weinbau. Im Eichelberg waren ausgedehnte Weinberge; die Herrschaft allein herbstete dort auf 17 Morgen. Auch int Dohlberg wurde viel Wein gebaut. Die Terrassen sind zum großen Teil noch heute erhalten. Die Beunde und der ganze Pfaffenwaldhang waren zumeist mit Weinbergen bedeckt; doch kamen in den unteren Lagen und nach dem Grünewald hin auch Gärten und Obst- baumstücke vor. Unser Grünewald, um das hier zu erwähnen, hat seinen Namen nicht etwa daher, daß er etwa besonders früh grün wird, sondern er heißt so nach einem Garten, den der Schreiner I. Grünwald dort besaß. Bei einer Ackerteilung heißt es: ein Teil nach Grünwalds Garten, der ander nach dem Fritzborn zu. Dieser aber liegt im heutigen Grünewald. Die Weinbergspolizei war in den Händen geschworener Bergmänner, die auf den Heckerbrief verpflichtet waren. Unter Hecker ober Häcker versteht man in Franken noch heute ben Weinbauer, ber mit der Hacke arbeitet, im Gegensatz zu bent grabenden Gärtner. Der Hecker-Brief war die Weinbergs-Ordnung. Nach ihr verfuhren die Bergmänner am 2. Oktober 1604, unter welchem Datum sich im Meßbuch folgender Eintrag findet: „Atif Befehl des Herrn Rentmeisters und der Herren Bürgermeister haben wir Berg- feut zu End bemeldt, die Trauben an allen Weinbergen be- ichtiget, ob dieselbige abzulefen die Notdurft erfordert. Alst haben wir nach eingenommenem Augenschein befunden, daß der Trauben Zeitigung und Faulheit halber abzulefen von Nöten und darauf wie die Lesung vor die Hand genommen werden soll, Erkenntnis getan, tote folgen tut. Donnerstag den 4. Oktober solle unsrer gnädigen Herrschaft Weingarten am Eichelberg und die 8 Benne bis an die Höhe bei Velten Ruffings Weingatten gelesen werden (im Jahr vorher war als Endpunkt für den 1. Tag der Keller von Hans Kißt, vermutlich der heutige Waltzsche Keller steben dem Peblerschen Hanse angegeben). Freitag den 5. Oktober den Herrnberg von Velten RuMngs Weingarten an hinauf hinterm Heilgen Haus hin bis gn Njckols Kellermanns Weingarten im obersten Geißengru.nd famt Es folgt bann: Bericht über unser Ruten und Morgen Zahl. Item unser Mehruten ist langt 121/2 werckschuch Item ein Creutzruten hatt — 156V4 werkschuch. Item ein Morgen wissen, acker, garten, mein« garten unb lenber in unferm Bezirk des Äurgksridens lyellt in sich — 160 Creutzruthen oder 25 000 Creutzfchuch ufto. Item ein waltt Morgen soll hallten 122 — 60 -—» Redaktion: K. Neurath. — RotatioiisdruÄ und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gietzea» ^^'°Sülche^Loßzeichen, die grün glasiert waren, sind früher bei neuem Stemsatz öfters geftmden worden. Der verstorbene Feld- _ _ .. _ . r / / v .r ... “te man glaubte, den Leichnam eines neuen Opfers deS SÄÄ 8Ä"8ÄÄ"SSÄÄS fcta&HÄ wird ben ,u u-i-md.» Brin in G°ld "mgeä*Ä™ d* «M* S-mml M*M I gj>£ LfKS!; "A» U-ml andere junge französische Pilotin, die sich in kurzer Zeit c allen Fachleuten ungeteilte Bewunderung errungen hat, ihre Erfolge aus dem Gebiete des «chnellflugs. Tas ist A!Ue. Dutrieu, die ihren kleinen graziösen Eindecker mit einer Kühnheit und einer Sicherheit „lenkt, um bte manche nimm lichen Kollegen sie beneiden mögen. Sie benutzt eine Flug maschine vom Oemoiselle-Typ, eine Ersindung von Santos Dumont, mit der auch sie tm Anfang aufregende Erfahrungen sammeln konnte. Eines Tages sah man den Apparat in den Lüften einen völligen Salto mortale beschreiben und die P'^m romde dabet zur Erde geschleudert. Zum Gltick ereignete sich das Mißgeschick in geringer Höhe, Mlle. Dutrieu konnte sich unverletzt erbeben unb meinte dabei mit philosophischer Gelassenheit: „Mein eigener Fehler, oonzciwen, i nur mein eigener Fehler, ich wollte eben zu rasch lernen. Guten . . Kohlen Eindecker benutzte auch Mme. ^eltier öte freiltcb tm ®®flen|o| s t ’ ihrer Rivalin weniger pilotenhaft aussieht, da sie auch beim Fliege t die weibliche Tracht beibebalten bat und kurze Rocke tragt. Mlle. Dutrieu dagegen steigt in einem regelrechten Pilotenanzug atü ihre Maschine, eine Kappe umschließt ihr yanpt, io bnü nur Has Gesicht ,rei bleibt, und hohe, warmgefütterte Stiefel bergen ihre Fime. Daß die tragischen Kaiastrophen beS vergangenen Jahres den Mut der französischen Fliegerinnen nicht abschrecken, zeigt auch der Fall der Mille. Marvingt, die im Anfang ihrer Lehrzeit mit zwei Austreiben können. Dagegen lasse ist ein Loßzeichen auo^gelbem Wache b yju* t;i ohne Einfluß, und im November ge- mann, des Großvaters des heute hier anwesenden Friedrich ^ermnen^ (st damit noch nicht erschöpft. ^ltfSen Sen bSeTbei @®renSigteiten entweder zum L Valentine Ttwis und Dille. ©teit babe.^ Nachweis, baß ein beanstandeter Stein noch an ber richtigen | dagegen hat sich bisher nur eine Dame praktisch im Luftsport betätigt. Wüß Spencer Kavanagh, die «ich bereits früher durch ihre Bailonfahrten einen Namen gemacht hat. S,e benutzt heute einen Bleriot-Eindecker unb ist auf dem Flug- olalie von Pau mit ihrem roten Kostüm eine alltägliche Er- khetnunfl. Auch sie hat im Anfänge ihrer Pilotenzeit manches Mißgeschick erfahren unb mußte ihre Arbeit eme Zeitlang unterbrechen, weil sie sich bei einem Sturze ben Arm gebrochen hatte. Doch bleie unfreiwillige Rast feuerte ihren Ehrgeiz nur noch mehr an, und an bemielben Tage, an dem _ die Aerzte ihr zum ersten Male wieder erlaubten, auszugehen, eilte sie sofort zu ihrem Eindecker unb unternahm nach so langer Pause gleich wieder einen kleinen Probeflug, dem in ben folgenden Tagen sich wieder gefährliche und größere Flugübungen anschlossen.