Das Witwenhaus. Rvman von Helene von Mühlau. Korlsetzung.) (Nachdruck verbotitt.t „Ich kann mir ja denken, was Sie vorhaben, Herr Doktor," fuhr Vie Kosh fort. „Sie wollen sich sicher ein,e schöne Praxis gründen, und weil die Frau doch kein Geld hat, müssen Sie wohl noch eine Zeitlang sparen, das seh ich ja alles ein. Aber man kann auch mit wenig Auskommen, die Hauptsache ist, daß zwei sich gut find und sich lieb haben, nu, und ivas meine Frau betrifft, die denkt ja schon seit Wochen nichts anderes mehr als an unseren Herrn Doktor. . „Wollen Sie nun endlich eiir bißchen Ihren Mund halten?" fragte!der Doktor ttnb versuchte ärgerlich zu sein. Die Kosh hantierte ein Weilchen am Waschtisch, schluckte noch ein paar Mal, ging in die Küche, und wie sie mit dem gefüllten Wasserkrug zurückkam, nahm sie sich noch einmal ein Herz. „Ich will ja »weiter nichts sagen, Herr Doktor, aber tvenn Sie meiner Fran nur ein bißchen gut sind, dann bleiben Sie noch eine Woche, ja? Bor Neujahr können Sie ja doch nicht viel anfangen, und wenn Sie bedenken, wie meiner Frau das Herz weh tun wird. . ." „Nun halten Sie aber wirklich den Mund!" polterte der Doktor los, und die Kosh ließ vor Schreck fast den Krug fallen. „So ein Grobian!" brummte sie, wie sie draußen war, aber dann lachte sie. „Also wiederkommen tut er! Und was der sagt, das hält er, Darauf nehm ich Gift!" — Der Doktor war nun doch geblieben, nicht des Zuredens der Alten wegen, er blieb, weil das Haus ihn nicht losließ. Jeden Tag, luemt er von seinem Morgensvazier- gang nach Hause kam, schien es ihm unglaublich, haß er bald nicht mehr die braune Tür aufklinken und den eisernen Abtreter mit dem Fuß beiseite schieben sollte, daß der rote Giftmohn von der Decke ihm nicht inehr die Stirn berühren und der flehte Erwin ihm nicht mehr entgegenspringen sollte. Sein trautes, heimliches Stübchett mit den knarvenden Dielen und dem stillen Alkoven sollte er aufgeben, sollte die Alte nicht mehr schwatzen hören, nicht mehr diesen lieben, alten Moderduft, der die köstliche Luft, die von außen ins Saalehaus drang, durchschwängerte, einatm eit, sollte nicht mehr das Wehr rauschen hören, den Fluß, Berge und Burgen und den dunklen Wald nicht mehr täglich sehen, und. . . Ach, was galt ihm das Haus, das Ktnd, die Stube, die geschwätzige Alte und der schöne Blick- Das alles war gut und lieb und traut, doch es hätte ihn nicht eilten Tag länger halten können, wenn sein Wille zum Geben einmal da war. 0®f Samstag den 25. Februar fix 6 Aber die daneben mit den traurigen Augen und der großen Sehnsucht, mit dem namenlosen Wunsch nach Hingabe, die hielt ihn, die machte ihm das Gehen so schwer, so unmöglich! — „Komisch," .dachte die Kosh oft, ,*,er muß ihr doch noch immer nichts Bestimmtes gesagt haben, sonst wäre sie nicht so, tote sie ist. Wenn eine Frau erst weiß, daß ein Mann wiederkommt, wenn sie erst irgend eine Gewißheit hat, dann ist sie anders wie meine Frau. Gestern, wo sie allein im Wald waren, hätte er doch die beste Gelegenheit gehabt, sich auszusprechen! Aber so kommt er mir nicht aus dem Haus!" dachte sie weiter uttd sah mißtrauisch zunt Doktor hin. Gerade unter den Vornehmen sollte es ja die Gewissenlosesten geben, aber nein, nein, nein. Der Doktor war reell, so einer wie der log nicht. Jeden, jeden Wend wollte der Doktor dem armen, sehnsuchtsvollen Weibchen sagen, daß er ginge, und daß er wicderkäme, und jeden Abend kamen nette, bange Zweifel über ihn. Wenn es ihm nun nicht gelang! Weitn er sich im praktischen Leben nicht zurechtsand, wenn das Weibelchen vergebens auf ihn warten mußte, vergebens die große Sehnsucht in sich nährte! Ach, er wußte, wenn er es ihr versprach und hielt nicht Wort, dann müßte das Weibelchen an seiner großen Sehnsucht sterben, oder, was schlimmer war, sie mußte an ihr verderben. — Und doch, und doch, etwas mußte geschehen! Jeder Tag, den er jetzt länger im Saalehaus wohnte, war ein verlorener, und er hatte nichts zu verlieren. Er war lange genug bergab gegangen, war durch Niederungen gewandert. Nun hatte er frische Kräfte, nun mußte er in die Höhe gehen. — Einmal hatte er mit dem Weibelchen über herabge- fommene, mutlose Menschen gesprochen, und da hatte er ihr großmächtige Reden gehalten, daß es nur am Willen des Menschen liege, ob er ganz heruntersinke oder wieder hochkommen könne. „Einer, der stupid, niedrig und stumpf sei und herunterfalte, der bliebe natürlich unten," hatte er gesagt. „Ist aber einer sonst kein übler Kerl und nur durch Leichtsinn oder Unglück oder allzu große Unternehmungslust in das schwarze Loch gefallen, das Armut heißt, dann kommt's nur darauf an, daß er sich schnell besinnt. Wenn er sich beide Arme freihält und sich immer wieder sagt: ich will, ich will, und schwimmt einfach weiter und denkt an kein Müdewerden, an kein Aufhalten, dann kommt er auch wieder heraus, und in den meisten Fällen begnügt er sich dann nicht mit dem einfachen Herauskommen. So tief wie er gefallen war, so hoch will er nun steigen, und das tut er auch, wenn er nur will. — Es kommt ja alles im Leben auf den Willen an." , Frau von Hilbach hatte groß und traurig zu ihm aufgesehen. So sprach nur einer, der selbst Tiefen durch- 126 messen, der vielleicht 'gerade, während' er so sprach, an sich selbst verzweifelte, der sich Mut einreden wollte. Wenn er doch offen zu ihr wäre! Wenn er ihr doch erzählen wollte, wie es um ihn stand! Was ihu so aus den gewohnten Bahnen herausgeschleudert hatte, daß er Wochen-, monatelang im stillen, einsamen Witwenhaus saß und in der Nacht ruhelos int Zimmer hin und her lief! Ach, sie wußte ja vieles, es war ja so leicht, sich da eine Lösung zu erfinden, aber sie wollte aus seinem Munde hören, was ihm geschehen Ivar, was man ihm angetan. Er aber schwieg. — Die Kosy brachte jetzt jeden Abeird ein Körbchen mit Nüssen ins Wohnzimmerchen itud legte Aepfel in die Röhre. Bratäpfel und Nüsse, die gehörten nun einnral zu einer rechten Weihuachtsstimmung, die machten die Unterhaltung traulicher, und es war auch schön, loenit so ein lieblicher Duft von Bratäpfeln das Zimmer durchzog. Sie legte dem Doktor das Naumburger Kreisblatt neben seinem Teller, st« stellte ihm kleine Leckerbissen auf den Tisch, hatte ihm Runr zum Tee besorgt, tat alles, was ihm das Leben behaglich und angenehm machen konnte, ihn in eine mitteilsame Stimmung zu bringen vermochte, aber er schwieg, und die Augett ihrer Frau wurden von Tag zu Tag banger und trauriger. Zwei Tage vor Weihnachten hatte er geholfen, ein Bäumchen für den kleinen Erwin zu schmücken. Das war nett gewesen, gerade, als seien sie schon verheiratet. Die Kosy und Frau boit Hilbach hatten Nüsse vergoldet und Ketten ttnd Netze aus silbernem und goldenent Papier geschnitten. Der Doktor hatte Zuckerzeug aus Naum- burg mitgebracht, und für den kleinen Erwin kam aus dem Spielbazar in Naumburg eine große Festung, die er sich so sehnlich gewünscht hatte. ■— Es wäre so ein wunderschöner Weihnachtsabend geworden, toeitn die zwei sich gerade unter dem Weihuachts- baum in die Arme gefallen wären und wenn Erwin seinen neuen Papa vom Christkind bekommen hätte. Die Kosy hatte ein paar Abende vor dein Einschlafen inbrünsttg gebetet, daß Gott es so fügen möge, aber es war anders geworden, gar keine Stimmung war dagewefen, nur Erwin hatte sich gefreut. Frau von Hilbach war traurig geblieben und hatte .ich gesttäubt, eine goldene Brosche, die der Doktor von einer Mutter bewahrt hatte, anzunehmen. — Wenn er hr nun beim Ueberreichen der Brosche das gesagt hätte, was er auf dem Herzen trug, wäre das nicht die beste Gelegenheit gewesen, Verlobung zu feiern? Ihr hatte der Doktor zwanzig Mark in die Hand gedrückt, und sie war ganz starr darüber, denn wo er ihr doch jede Woche zwei Mark Trinkgeld außer dem Bedienungsgeld, das sie auf die Rechnung setzte, schenkte, konnte sie doch so was nicht verlangen. Ja, ein nobler, guter Herr war der Doktor schon, aber was nützte das all? Nach Neujahr reiste er ab, und es wäre gewissenlos gewesen, ihn länger halten zu wollen. Aber reden mußte er vorher, er mu ß t e, dazu war er verpflichtet nach seiner Aussprache mit der Kosy. — Am dritten Weihnachtstag endlich hatte er dem Weibelchen gesagt, daß er gehen würde, gehen müsse, so am Neujahrstag oder einen Tag später. Aber er hatte nur vom Gehen gesprochen, nicht vom Wiederkommen, und Frau von Hilbach hatte ihn angehört und hatte nichts gesagt, nur den Kopf sinken lassen, so wie einer, der eine Schuld begangen hat und sein Urteil fällen hört. — Die Kosy hielt es von nun an für besser, sich am Abend von den beiden zurückzuziehen, sie schützte ihren Rheumatismus vor. und tat so, als müsse sie von neun Uhr ab in den Federn liegen, sonst käme sie gar nicht hoch ant Morgen. Das sah Frau von Hilbach ein, und sie war auch nicht unangenehm überrascht über den Zufall, der es wollte, daß sie allein waren. So todesbang-, so entsetzlich beklommen war ihr zumut, und sie fühlte, daß auch des Doktors Stimmung ähnlich war wie die ihre. Sie weinte in der Nacht und wußte, daß er in seiner Wanderung inne hielt und auf ihr Weinen lauschte; das tat wohl und weh zugleich. Zwei Abende vor seiner Abreise wurde er mitteilsamer; ganz unvermittelt fing er an, von seiner Mutier LU reden, von seinen Studienjahren und wie ihm das Leben sv dahingegangen sei, er wisse selbst nicht wie, immer ein Jahr nach dem andern, und jedes Jahr wußte man mehr, war tiefer und klüger geworden, und--- — Da schwieg der Doktor, aber Frau von Hilbach drängtet „Und daun? Und dann?" Es wurde ihm zuerst schwer, davon zu reden, aber sie bat so dringlich: „Erzählen Sie, bitte, bitte, erzählen Sie das, gerade das, warum Sie hierherkomen. Ich hab! es mir so sehr gewünscht! " Er erzählte ihr, erst langsam, dann immer beredter, und ihre Augen hingen an ihm, und wie er ihr sagte, daß er sich hier in ihrem Haus, in diesem alten grauen Witwenhaus, die Kraft zum Neubegimien geholt habe, da leuchtete ein großes Glück aus ihrem Gesicht, ein Glück und! ein banges Warten. — — Neu aufbauen wollte er —! Wozu wollte er neu aufbauen? Da er ihr so vieles gesagt, warum sagte er nicht auch das?? Der Doktor hätte es dem wartenden Weibelchen gern gesagt, aber er sand die Worte nicht. Beim Erzählen der jüngstvergangenen Ereignisse war es wieder wie Bitterkeit über ihn gekommen, und wenn er ihr das sagt«, woraus sie wartete, dann durfte er nicht bitter sein. Sie war dann schweigend aufgestanden, hatte di« Aepfel aus der Röhre genommen und ihm einen auf seinen Teller geschoben. Er aß auch, aß gedankenlos und blieb schweigsam. Um zehn Uhr stand er erschrocken aus seiner Ofenecke auf und reichte ihr die Hand. „Gute Rächt !" sagte er, und ihre Hand lag hilfloser wie sonst in der seinen, und um ihren Mund zuckle es. Ihre Stirn war so nahe an seinem Gesicht, daß er sie fast berührte. — „Gute Nacht!" wünschte er noch einmal, und ehe er wußte, was er tat, hatten seine Lippen ihre Stirn ge- stteift, und er war aus dem Zimmer gestürmt wie ein Junge, der «ine Dummheit begangen hat und sich vor Strafe fürchtet. i ' I. irUJl Frau von Hilbach kniete vor dem Stuhl, au; d.m er gesessen, und sie wußte nicht, sollte sie weinen por übergroßem Schmerz oder vor Seligkeit. Und dann der letzte Abend! Es war schon spät, aber sie wollten das neue Jahr abwarten. Der kleine Erwin war aufgewacht, da hatte ihn seine Mutter aus dem Bett- chen genommen, und er schlief nun auf ihrem Schoß weiter. Stumm saß der Doktor in seiner Ofenecke und starrte in die verglimmende Äsche. Dem Weibelchen, lag ihr Herz schwer wie ein Stein in der Brust. „Morgen, morgen," dachte sie unablässig, und dann schrak sie auf. Es war etwas Heißes auf ihre Hände gefallen, sie weinte, alle Kraft war von ihr gewichen, die Tränen weinten sich von selbst, sie wußte nichts davon. Der in der Ofenecke ließ den Kopf auch! immer tiefer sinken, ein paarmal räusperte er sich, als wolle er zu sprechen begiuneu, aber er schwieg. Draußen fiel dichter Schnee, es war, als sänke ein weißer Schleier vom Himmel zur Erde, nicht bis zum! Gärtchen hinüber konnte man sehen. Der Junge stöhnte leise km Schlaf und wollte sich umdrehen. Wie er merkte, daß er nicht in seinem Bettchen lag, schlug er eine Sekunde lang die Allgen auf, lächelte und schlief weiter. „Legen Sie das Kind doch ins Bett!" sagte der Doktor, und sein Ton klang rauh, fast befehlend. Frau von Hilbach nahm das Kind aus dem Tuch, in das sie es gehüllt hatte und ttug es ins Nebeuzimnier; dann trat sie leise wieder ein. „Wollen Sie Tee?" fragte sie den Doktor. „Nein!" sagte er kurz, und weil er so unfreundlich war, glaubte sie, er sei ihrer überdrüssig für diesen Abend, wolle allein sein mit seinen Gedanken und Erinnerungen. Sie begann die Tassen zusammeiizuräumen und schüttete Nußschalen und Papierstücke ins Feuer. Im Nu brannte es hoch auf, und das Holz knatterte hell und lustig, — „Setzen Sie sich doch!" sagte der Doktor, und Frau von Hilbach gehorchte. „Morgen," dachte sie wieder, „morgen 'sitzt er nicht mehr in der Ecke!" Sie wollte das Kind a,n ihre Brust drücken und fühlte^ daß ihre Arme leer waren. Da mußte sie schluchzen, ganz laut und willenlos. — , (Fortsetzung folgt.) 127 Die verschwundene Braut. Eine Detektivgeschichte von Conan Doyle. (Nachdruck verboten.) Lord St. Simons Hochzeit mit ihrem merkwürdigen Ausgang Mell >chon längst nicht mehr das Interesse der hohen Kreise, rn denem sich der unglückliche Bräutigam bewegt. Andere Auf- sehen erregende Ereignisse haben dieses Thema verdrängt und buden mit ihren pikanteren Einzelheiten nunmehr den Gesprächs- swff an Stelle jenes Dramas, das sich bereits vor vier Jahren abgespielt hat. Ich darf wohl als ausgemacht annehmen, daß ore bezüglichen Tatsachen dem großen Publikum niemals im Zusammenhang mitgeteilt ivorden sind. Da nun aber mein Freund Sherlock Holmes an der Aufklärung des Falles bedeutenden Anteil hat, so sollte nach meiner Ucberzengung, Ivo es sich um eine Darstellung fernes Wirkens handelt, eine kurze Skizze dieses merkwiirdigen Vorfalls nicht fehlen, die auf Vollständigkeit Anspruch macheir will. Es.war wenige Wochen vor meiner eigenen Hochzeit, während ich noch mit Holmes in der Bakerstraße zusammen wohnte, als dieser eines Nachmittags beim Nachhausekvmmen einen Brief an seine Adresse auf dem Tisch vorfand. Ich hatte den ganzen Tag das Haus nicht verlassen, denn das Wetter war plötzlich regnerisch geworden; dabei wehte ein scharfer Herbstwind, und die Flinten- Ligel m meinem Bein, die ich als Andenken aus dem afghanischen Teldzug heimgebracht habe, quälte mich mit eigensinniger Hartnäckigkeit. In einem bequemen Stuhle sitzend, hatte ich die Beins auf einem zweiten Stuhle ausgestrcckt und mich in einen ganzen Berg von Zeitungen vergraben, bis ich zuletzt die Tages- NLUigkeiten satt bekam und sie sämtlich beiseite schob. Wahrend to nun so in verdrossener Stimmung dalag, betrachtete ich Mit träger Neugier das mächtige Wappen und Monogramm, das auf dem Umschlag des vor mir liegenden Briefes prangte, und fragte niich, wer wohl der adlige Briefschreiber sein möchte. „Da liegt ein höchst vornehmer Bries für dich," rief ich Meinem Freund bei seinem Eintritt entgegen. „Deine Briefs heute früh waren von einem Fischhändler und einem Zollcinnehmcr, wenn ich mich recht erinnere." „Ja, mein Briefwechsel besitzt entschieden den Reiz der Abwechslung," erwiderte er lächelnd, „und je weniger vornehin', desto interessanter sind sie in der Regel. Das da sieht gerade aus, wie eine jener unwillkommenen gesellschaftlichen Einladungen, die einen entweder zu einer Marter oder zu einer Lüge verdammen." Er erbrach das Siegel und überflog den Inhalt. „Warte einmal, das kann am Ende etwas ganz Interessantes geben," ries er nun plötzlich. „Also nichts Gesellschaftliches?" „Nein, durchaus geschäftlich." „Uni) von vornehmer Seite?" „Bon einer der vornehmsten Personen in ganz England." „Nun, ich gratuliere, mein lieber Junge." „Ich versichere dir, Watson, es ist keine Ziererei, wenn rch sage, daß icq auf den gesellschaftlichen Rang meiner Kunden nicht soviel Werte lege, als auf das Jiiteresse, das die Fälle bieten. Uebrigens ist es wohl möglich, daß es bei dieser neuen Slufgabe auch an dem letzteren nicht fehlt. Du hast doch in diesen Tagen die Zeitungen pünktlich gelesen, nicht wahr?" „Na, und ob!" erwiderte ich in kläglichem Ton und deutete dabei auf einen mächtigen Stoß, der in einer Ecke aufgehüuft lag; „ich habe ja sonst nichts zu tun gehabt." „Nun, das ist ein Glück, dairu kannst dir mir vielleicht! Auskunft geben. Ich lese nichts als die Kriminalberichte und den Briefkasten. Aus letzterem erfährt man doch wenigstens immer etwas. Aber wenn du die neueftat Ereignisse so genau verfolgt hast, mußt du wohl auch etwas über Lord St. Simon nud seine Hochzeit gelesen haben?" „O ja, und zwar mit dem lebhaftesteii Interesse." „Das ist schön. Der Brief hier ist von Lord St. Simon. Ich will ihn dir vorlesen und dafür mußt du die ZeitungM Noch einmal durchgehen und mir alles zusammensuchen, was sich auf die Angelegenheit bezieht. Er schreibt: „Mein lieber Herr Sherlock Holmes! — Lord Backwater sagt mir, daß ich Ihrem Scharfsinn und Ihrer Verschwiegenheit unbedingtes Vertrauen schenken dürfe. Ich habe mich daher entschlossen, bei Ihnen vorzusprechen und mrr Ihren Rat in Beziehung aus das höchst schmerzliche Ereignis zu erbitten, das sich bei Gelegenheit meiner Hochzeit zugetragen hat. Herr Leftrade von der Geheimpolizei ist ztvar b*;1" Sache bereits tätig; allein er hat, wie er mir versichert, gegen ^hre Mitwirkung nicht nur nichts einzuwenden, sondern verspricht sich sogar Nutzen von derselben. Ich ge- ^b>kke nnch um vier Uhr heute nachmittag einzufindeu und hoffe,, daß Sre etwaige airderweite Verpflichtungen ans später verschiebM werden, da die vorliegende Angelegenheit von aller» höchster Wichtigkeit ist. — Ihr aufrichtiger St. Simon." »itef ist aus Schloß Grosvenor datiert und mit «E Kielfeder geschrieben, wobei dem edlen Lord das Mißgeschick begegnet ist, euren Tintenklecks außen an seinen rechten kleinen Finger zu bringen," bemerkte Holmes, während er das Schreiben zusammeufaltete. vier Uhr. Jetzt ist es drei. In einer Stunde ist er da. ..„"Bis dahin habe ich gerade noch Zeit, mich mit deinen Hilfe in der Sache aufs Laufende zu bringen. Sieh die Zeitungen durch und ordne die bezüglichen Artikel nach ihrer Reihew- folge, unterdessen will ich , einmal feststellen, wer unser Klient eigentlich ist. Er nahm ein rotgebundenes Nachschlagebuch von dem Bücherbrett neben dem Kamin. „Da haben wir ihn ja," sagte er, indem er sich niederließ und das Buch aufgeschlagen; Wer leine Knie legte. „Lord Robert Walsingham de Bere St. Smion, zweiter Sohn des Herzogs von Balmoral — Hm! Wappen blau, drei Stachelmisse im Mittelfeld über einem schwarzen Quer» tiaUen. Geboren 1846. Also 41 Jahre alt, mithin eben nicht mehr zu. jung zum heiraten. _ War früher Unter staatssekretär im Kolonialamt. ®er Herzog, sein Vater, war ehemals Minister der auswärtigen Angelegenheiten. Stammelt in gerader Linie Van den Plantagenets und weiblicherseits von den Tudors ab. —-Lun nach alledem sind wir nicht viel gescheiter als Mvor. Ich muß mich, scheint es, an dich halten, Watson, wenn ich etwas Ausgiebigeres erfahren will." „Es war keine große Mühe, zu finden, was ich suche," versetzte ich, „denn! b'i'e Ereignisse sind neuesten Datums und der merkwürdige Fall fesselte gleich meine Aufmerksamkeit. Trotz- denr nahm ich Anstand, dir darüber zu berichten, denn ich wußte, daß du gerade mit einer Untersuchung beschäftigt warst und es nicht gerne siehst, wenn mau dir mit etwas anderem dazwischen kommt." »ÄH, der Fall, den du meinst, ist bereits vollständig erledigt, , und war eigentlich von vornherein ganz klar. Bitte, lies nur nun vor, was du gefunden hast." „Dies ist hier die erste Notiz, die ich finden kann. Sie stand, wie du siehst, vor .ein paar Wochen in der „Moruiug- Post" unter den Personalnachrichten. „Lord Robert St. Simon," Mit es da, „zweiter Sohn des Herzogs von Balmoral, bc- absichtigt sich mit Fräulein Hatty Doran, einziger Tochter des Herrn Aloysius Doran aus San Franscisco in Kalifornien, ehe- Uch zn verbinden, und zwar soll dem allgemein verbreiteten! Gerlicht zufolge die Vermählung in allernächster Zeit stattfindeii." Das ist alles." „Klipp iuld klar," bemerkte Holmes darauf, indem er feine Beine vor dem Kaminfeuer ausstreckte. „In derselben Woche stand noch ein eingehender Artikel! in einer der Zeitungen der vornehmen Welt. Ach, da ist er ja: „In Heiratssachen wird man wohl nächstens einen Schutz- zoll für unsere heimischen Erzeugnisse verlangen, die allem! Anschein nach durch die dermalen in Geltung stehenden srei- haudlerischen Grundsätze stark geschädigt werben. Eine der britischen Adelsfamilien um die andere beugt sich dem häus- lichen Szepter unserer hübschen überseeischen Stammverwaiid- ten. Tie Zahl der Siegespreise, die diese reizenden Erobrer- inuen davon getragen haben, hat in verflossener Woche einen ganz gewichtigen Zuwachs erfahren. Lord St. Sinwil, der sich seit mehr als zwanzig Jahren gegenüber den Pfeilen des kleinen Gottes als unverwundbar gezeigt hatte, kündigt nunmehr feine baldige eheliche Verbindung mit Miß Hatty Doran, der reizenden Tochter eines lfalifornischen Millionärs mit Bestimmtheit an. Miß Doran, bereit anmutige Erscheinung! unb blendenb schöne Züge bei dien Festlichkeiten in Westbury House großes Aussehen erregten, ist ein einziges Kinb, und ihre Mitgift wird, wie man sich allgemein erzählt, mehr als eine Million betragen, abgesehen von dein, was ihr noch für spater in Aussicht steht. Da es ein öffentliches Geheimnis ist, daß sich der .Herzog im Lauf der letzten Jahre genötigt sah, seine Gemälde zu verkaufen und Lord St. Simon außer deut kleinen Gute Birchmoor keinen eigenen Grundbesitz hat, so liegt es auf der Hand, daß die kalifornische Erbin nicht allein die Gewinnende bei dieser Verbindung ist, durch welche eine einfache Republikanerin auf so leichte und natürliche Art zur Angehörigen des höchsten britischen Adels erhoben wird." „Sonst noch etwas?" fragte Holmes gähnend. „O freilich; die Hülle und Fülle. Es kommt dann noch eine Notiz in bet „Morning Post" des Inhalts, daß die Hochzeit in aller Stille und zwar in der St. Georgentirche stattfinden, daß nur ein halbes Dutzend der nächsten Bekannten Einladungen erhalten, und daß die Gesellschaft sich darnach wieder nach dem von Herrn Aloysius Doran gemieteten Hause in Laneastergate begeben werde. Zwei Tage darauf — also vorigen Mittwoch — kommt dann eine kurze Bemerkung, daß die Hochzeit stattgesunden habe, und das junge Paar die Flitterwochen auf Lord Backwaters Besitzung bei Peterssield zu verbringen gedenke. Dies ist alles,- was die Zeitungen vor dem Verschwinden der jungen Frau über die Sache gebracht haben." „Vor was?" fragte Holmes, hoch aushorcheiid. „Vor dem Verschwinden der jungen Frau,." „Wann verschwand sie beim?" „Beim Hochzeitsmahl." „Wirklich? Nun, die Sache läßt sich ja weit intereffanfet an, als es den Anschein hatte; das ist ja hochdramaiisch." „Ja. Ich war auch ganz überrascht; ein Fall wie dieser kommt nicht gerade alle Tage vor," — 128 „Vor der Trcüümg verschwindeit. sie oft unb Viel, gelegentlich Joinint es mich einmal während der Flitterivochen vor; aber einen Lil, wo es nach der Trauung mit ten Verschwinden so große fötle hatte, habe ich wirklich noch nicht erlebt. Bitte, laß mich den genauen Bericht hören." , „ . . . . . , „Ich will dir nur gleich iw voraus sagen, daß er sehr nn- vottständig ist." . . . „ ,, ,, ■„ „Nun, dem können wrr ia vielleicht abvelfen. „Die Nachricht steht tit einem der gestrigen Morgenblatter. RC() will dir den Artikel vorlesen; er tragt die Ueberschrrst, ^Merkwürdiger Vorfall bei einer vornehmen Hochzett" und lautet: „Die Familie Lord Robert St. Simons ist durch ine rätselhaften und bedauerlichen Vorfälle, die sich bei dessen Hochzeit zugetragen haben, in die größte Bestürzung versetzt worden. Die kirchliche Feier fand, ivie gestern bereits kurz nntgeteilt nmrde, am gestrigen Vormittag statt; allein es war erst letzt möglich, den sonderbaren Gerüchten, die sich so hartnäckig an das Ereignis cknüpften, auf ben Grund zu kommen. Die Angelegenheiten, welche die Näherstehenden vergeblich zu vertuschen suchten, hat die öffentliche Aufmerlsamkeit in solchem Grade erregt, daß es keinen vernünftigen Zweck mehr haben konnte, Dinge totschweigen zu wollen, die in jedermanns Munde sind. Die Feier in der St. Georgenftrche hielt sich im engsten , Kreise. Es ivaren nur zugegen der Vater der Braut, Herr Aloysius Doran, die Herzogin von Balmoral, Lord Backvater, Kord Eustachius und Lady Clara St. Simon (die lungeren Geschwister des Bräutigams), sowie Lady Alicia Whittrngtoir, Die ganze Gesellschaft begab sich darauf nach Mr. Aloysms Do raus Haus in Laneastergate, wo das Festmahl bereit stand. Eine Störung verursachte, wie es scheint, habet eine weibliche Person, deren Name sich nicht hat feststellen lassen; sie versuchte Hinter dem Vorgehen, daß sie Ansprüche an Lord St. Simon habe, hinter der Gesellschaft gewaltsam ht das Hans elnzudrmgen nnd konnte nur nach einem längeren peinlichen Auftritt durch -zwei der Diener fortgebracht werderr. Die Braut, welche da» Haus glücklicherweise vor diesem unliebsamen Zwischenfall betreten hatte, saß mit der -übrigen Gesellschaft zu Tische, als sie plötzlich über Uebelbefinden klagte und sich -auf ihr Zimmer zurückzog. Als ihre längere Abwemiheit aufzufallen begann, ging der Vater ihr nach, erfuhr jedoch von dem Kammermädchen, seine Tochter sei nur einen Augenblick auf ihr 3immer gekommen, habe einen Mantel umgeworfen, den Hut aufgesetzt und darauf eilends das Haus verlassen. Ein Lakai sagte ans, er habe allerdings eine Dame in dem eben beschriebenen Einzug das Haus verlassen sehen, ohne jedoch an die Möglichkeit zu denken, daß es seine Herrin sein könne, da er geglaubt habe, sie befinde sich bei der Gesellschaft. . Sobald festgestellt war, daß die Braut wirklich verschwunden sei, setzten sich Mr. Aloysius Doran und der Bräutigam augenblicklich m Verbindung nut der Polizei, und es sind -die eifrigsten Nachforschungen tm Gange, welche vermutlich bald Licht in diese höchst merkwürdige Geschichte bringen werden. Bis gestern abend m später Stunde war -übrigens von dem Verbleib der Vermißten noch nichts bc- rannt geworden. Man spricht davon, daß es bet der Sache Nicht mit rechten Dingen z-ngehe; auch soll die Polizei die Festnahme der Frauensperson veranlaßt haben, welche die erste Stökstng herbeigefiihrt hatte, in der Annahme, daß dieselbe ans Eifersucht oder irgend einem andern Beweggrund bet dem merkwürdigen Verschwinden der Braut beteiligt sein köiinte. „Nur eine kleine aber wichtige Notrz steht noch ut einem pudern Morgenblatt." „Und was enthält fie?" , ..... „Daß Fräulein Flora Millar, dis Storerm der Hochze.lt»- feier, wirklich festgeitommen ist. Es scheint, daß dieselbe früher Tänzeriu am Allegrotheater war und mit dem Bräutigam einige Jahre lang ein Verhältnis unterhielt. Weitere Einzelheiten smd picht erwähnt, und wir hätten nim das ganze auf den (toll bezügliche Material beisammen — soweit es in der Tagespresse besprochen worden ist." , „Unb ein äußerst interessanter Fall scheint es zu sein, um ben sich Wr «alles in der Welt nicht kommen möchte. Aber da klingelt es, Watson; unb ba die Uhr einige Minuten nach vier zeigt, so dürfen, wir sicher sein, daß das mrser vornehmer Besuch -ist.' Laß dir nur nicht einsallen, Watson, fortgehen zu wollen, es ist mir viel lieber, ich habe einen Zeugen; wäre es auch nur zur Unterstützung meines Gedächtnisses." (Fortsetzung folgt.) Ilern* * Der Dien st einer englischen Hofdame. Wenn immer in England ein Thronwechsel sich vollzieht, blicken Hunderte von vornehmen Familien mit Spannung auf die neue Königin, die nun bald ihre eigenen Hofdamen ernennen soll. Die Schar der Bewerberinnen um diesen vielbeneideten Posten zählt nach Hunderten, und mit einer Mischung von Wehmut und leisem Neid blicken die Uebergangenen dann auf die Erwählten, die fortan, so glaubt der Laie, ein Leben inmitten königlichen Glanzes führen können. In Wirklichkeit setzt die Stellung einer englischen Hofdame eine Summe von Selbstaufopferung unb Arbeitsfähigkeit voraus, wie nicht viele Frauen sie aufbringen mögen, die aus altadligem Hause stammen und ihre Jugend in den vornehmsten Kreisen der britischen Aristokratie verbracht haben. Die Stellung ist alles andere als eine Annehmlichkeit. Königin Viktoria besaß zu ihrer Regiernngszeit acht Hofdamen, die ein Jahresgehalt von je 6000 Mark bezogen. Aber dafür müssen sie der Königin im wech- elnden Turnus täglich von morgens 10 Uhr bis nachmittags gegen 5 Uhr zur Verfügung stehen, und nach einer kurzen Pause beginnt auch am Abend wieder der Dienst. Königin Alexandra begnügte sich bei dem Regierungsantritt König Eduards mit vier Hofdamen, deren Gehalt nun auf 8000 Mark erhöht wurde, dafür aber fiel auch die Mitgift fort, die in früheren Zeiten der Hofdame aus der Schatulle ihrer Herrin bezahlt wurde, wenn ie vor den Altar trat. Königin Viktoria pflegte jeder Hofdame eine Mitgift von 20 000 Mark zu gewähren. Die Erfordernisse des Dieiistes sind so mannigfacher Art, saß sie sich kaum in Dienstvorschriften zusammeusassen lassen. Die Hofdaine vom Dienst muß jederzeit bereit sein, die Königin bei ihren Spazrer- ahrteu zu begleiten, muß in der Erledigung der Korrespondenz die Pflichten einer Sekretärin versehen, liest in den Mußestunden ihrer Herrin vor und in der Regel wird auch die Entfaltung musikalischer Talente gefordert. Bei dem Empfange von Gasten muß sie ihrer Herrin zur Seite stehen, an allen öffentlichen und anderen Veranstaltungen teilnehme», und wenn die Königin am Abend iiis Theater will, so folgt ihr auch die Hofdame. Um alle diese Pflichten zu erfüllen, ist eine Unsumme von persönlichem Takt Und eine vollkommene Erziehung vonnöten, und daraiis hat sich auch das ungeschriebene Gesetz entwickelt, nach dem eine Hofdame stets ans Adelsfamilien gewählt wird. Ass Abzeichen ihres Ranges und ihrer Würden, so erzählt eine englische Wochenschrift, ist die Hofdame berechtigt, an der linken Schulter ein in Diamant.-n gefaßtes Miniaturporträt der Königin zu tragen. Wenn immer eine neue Hofdame ihren Dienst antritt, überreicht ihr die Königin diese Insignien in einem weißseidenen Etui. Das Kästchen tragt ein kleines Zettelchen, auf dem die Königin selbst den Namen der Dame einzntragen pflegt, die das kostbare Schmuckstück von ihr erpalt. * Gedankenlosigkeiten, lieber die epeijefarte öet deutschen Gasthöfe ist schon viel geschrieben worden, imb das Goethe'sche Wort „Vernunft ivird Unsinn" trifft am nichts mehr zu als auf inanche Ausdrücke, die sich seit langer Zeit in' der Sprache unserer Gasthoftüche fortgeerbt haben. Eine beliebte Nummer der Menus ist z. B. der „Ostender" Oteinbutt, der im Norden und Süden unseres Baterlaudes, ja sogar in Hafenstädten, die selbst eine blühende Hochseefischerei haben, auf der Speisekarte erscheint. Natürlich hat der Ostender Eteinbutt Ostende in den seltensten Fällen gesehen, sondern stammt ans einem unserer deutschen Hoch- seefischereivlätze Hamburg, Altona. Euxhaveu, Nordenham, Bremer- haveii und Geestemünde. Ausdrücke, ivie Straßburger Gänseleberpastete oder Metzer Poularden mögen noch eine gewisse Berechtigung haben, doch beim Steinbutt, dessen Qualität immer dieselbe ist, einerlei, von welchem Fischer er gefangen ivird, ist die Her- kunftsbezeichnung bedeutungslos, unb man sollte der deutschen Hochseefischerei, die sich zu einem beachtenswerten Zweige unserer Volkswirtschaft entwickelt hat imb das tiefste Burnenlanb nut Seefischen tadelloser Frische bedient, nicht bas Unrecht antun, daL m jener ausländischen Bezeichnung liegt. Also entweder nur „Stein- butt" ober, wenn durchaus ein Beiwort hinzugesügt werden soll, „deutscher Steiubutt". m * Ei» unerwünschtes Wtederfinden. Eine engludie Kasernenhofblüte wird in einer Londoner Wochenschrift erzählt. Ein biederer, etwas rundlicher Sergeant drillt seine neuen Re- kruten; Tag um Tag verstreicht, aber der Bedauernswerte muß erkennen, wie sein veredelnder Einstiiß ohnmächtig bleibt. Er ent- schließi sich endlich, den neugebackenen Marosöhnen eine Geschichte su erzählen. „Als ich noch ein Knabe war, kaufte mir meine Mutter ein Dutzend Holzsolbaten. Die drillte ich und instruierte sie, aber ganz ohne Erfolg. Dann verlor ich sie mit der Zeit einen nach dem andern, unb" — die Stimme des Sergeanten schnellte empor und seine Augen blitzten — „unb nun habe ich sie alle, alle wiedergesunden, ihr breimal hölzernen Trottel!" Scherzratsei. Ein wichtiges Teilchen der Nähmaschinen Und von einem Besen ein tüchtiges Stück, Die können als Tracht für den Maskenball dienen. Euch blüht dann bei sämtlichen Damen das Glück. Nnr mögt Ihr nicht Locken verschenken vom Haupte, Sonst wär' eS gescheh'» um die herrlichste Zier. Ihr könnt's nicht ertrugen, wenn man sie Euch raubte. So geht es mitunter den Leuten auch hier. Auflösung in nächster Nummer, Auslösung des Rösselsprungs in voriger Nummer: Wir sollen eben nicht in Ruhe bleiben! Gleich wirb uns, wenn wir zu genießen denken, Zur Uebung uns'rer Tapferkeit ein Feind, Zur Hebung der Geduld ein Freund gegeben. Redaktion: K. N eurath. - NoMtionSbrnck und Verlag der Brühk'schen Nniversitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gieße»