g W, J-£- wO?"'; [ft I W «D8WMW Das nette Mädel. Roman von Fedor von Z beltitz. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) v® „Ich ziehe tvor, seinen Scherz mit einem ähnlichen Scherz- Wort zu beantworten." „iD ,Vaii, du hältst seine Anfrage für einen schlechten Witz?" ( „Hast du sie für etwas anderes gehalten?" ! Traute schwieg. Ihre Brauen stiegen niedriger und Näherten sich einander; über der Nasenwurzel zeigte sich ein Fältchen. Ihr Blick glitt im Zimmer umher. Aber) die Gedanken flogen über das Zimmer hinaus und gingen in tropischer Flora spazieren. Da lächelte wieder der niedliche Mund, und das Fältchen über der Nasenwurzel schwand, mtb die Brauen gingen höher, und die Stirn wurde klar. Was würde der Max dazu sagen! ? Sie schwang den Brief. „Väterchen, schenk mir den — ja? Du brauchst ihn ja nicht." Väterchen war schon inr Einschlafen. Seine rötlich bewimperten Augenlider hoben sich ein lueitig, und hie Nase zuckte. „I bewahre — der — muß doch beantwortet werden," knurrte er in halben Schnarchtönen. „Es steht ja aber nichts weiter Geschäftliches drin, Väterchen. Herr Brigham möchte bloß eine Auskunft über i— warte mal — über I. G. Krause haben und will uns leinen ausgestopften Quesal schicken. Was ist denn das? Ist Has ein Affe? Väterchen, schläfst du schon?" Es schien so. Aber völlig schlief er noch nicht. Er schnurchelte mehr als daß er schnarchte, und versuchte auch wieder die Lider zu heben. Die Lippen bewegten sich, sprachen aber nicht. Sie hätten ganz gern gesprochen, doch die Müdigkeit war stärker als der Wille. Sie wollten der Traute eigentlich noch eine Strafpredigt halten, wegen des Pumpversuchs bei Friedrich und der koddrigen Geld- Wirtschaft: eine häufiger wiederholte Strafpredigt. Aber der Gedanke fand vom Gehirn aus nicht mehr seinen Weg Ku den Lippen. Traute betrachtete aufmerksam den Vater. Sie fand «ihn schrecklich häßlich. Und dann fiel, als sie sich herumdrehte, ihr Blick in den Spiegel. Sie sah ihr hübsches Gesicht und fragte sich, wie es wohl komme, daß sie gar keine Ähnlichkeit mit dem Vater habe. Und auch mit der Mutter recht wenig. Sie wax wie eine Gerte und die Mütter wie ein Gummiball. Sie war blond und' sonst alles |tCber Familie braun. Sie war wirklich aus der Art ge- Aoch hielt sie den Brief in de? Hand. Sie lächelte sich selbst im Spiegel an, schelmisch. Und pfiffig, rind streckte wie M M W ZrmgenMK MiML Mim faltM sie den Brief zusammen und verbarg ihn zwischen zwei Blusenknöpfen, warf noch einen Blick aus den schlafenden Vater und schlich leise hinaus. Traute hatte für den Nachmittag viel vor. Bor allem war da das Stelldichein bei der Saudratt. Sie überlegte, was sie für eine Notlüge gebrauchen sollte, um ihre Abwesenheit bei dem Familienkaffee zu entschuldigen. Auf den Tennisplatz ließ man sie nicht gern, selbst über das Kränzchen bei Eva Delbrück rümpfte man die Nase, und die Besuche bei Tini Sandratt hatte man ihr sogar verboten. Warum? Natürlich, die Tini war fein Dugend- bold, aber es konnte auch! keiner sagen, daß sie einen schlechten Ruf habe. Wahrhaftig nicht! Sie hielt sich sogar sehr zurück, und war es wirklich wahr, daß der junge Everstedt sie protegierte, so merkte man in der Oeffentlichkeit davon jedenfalls nichts. Das mit dem Everstedt hätte übrigens Lili Menkens aufgebracht, und die schnurrte gewöhnlich. Traute war in ihr Stübchen gegangen. Seit vorigem Jahr hatte sie es durchgesetzt, daß sie diesen winzigen Raum allein bewohnen durfte. Aber es hatte viel Aufregung gekostet. Die Wohnung wär klein, und alles schachtelte sich eng zusammen. Das Stübchen hatte früher der Emma gehört; die war nun auf dem Hängeboden neben der Küche untergebracht worden. Traute war selig, ihr Zimmerchen für sich zu haben. Es bot gerade Platz für das schmale Bett, für Kleiderschrank, Kommode und Waschtisch. Das einzige Fenster führte auf den Jellegraben hinaus. Unten floß schwarzgraues Wasser, und wenn es geregnet hätte, rauschte es ordentlich. Gott sei Dank roch es nicht schlecht, nicht einmal im heißen Sommer. Der Graben hatte aus einer Seite einen Trottoirsteig, der aber wenig benutzt wurde. Dann kam eine gelbe Mauer mit vielen Fenstern: die Hinterfront einer Fabrik für künstliche Blumen. Wenn Traute am Schreibtisch saß, konnte sie die Mädchen gegenüber arbeiten sehen. Die beiden, die ihren Platz dicht am Fenster x hatten, kannte Traute schon seit Jahresfrist. Es wär eine Braune nird eine Schwarze; beide hatten Wuschelköpfe, sahen ein wenig keck aus, hätten aber hübsche und freundliche Gesichter, und es gefiel Traute, daß sie bei ihrer Arbeit viel lachten. Einmal waren Traute durch das offene Fenster ein paar rote Papierrosen in das Zimmer geflogen. _ Sie hatte sie aufgenommen und gedankt, und von dieser Zeit ab nickten die Mädchen drüben und hüben sich jeden Morgen begrüßend zu. Traute hätte die Stiefel ausgezogen und sich faul auf das Bett geworfen. Dann las sie noch einmal den Brief des Mister Brigham (im Hause Köhler hieß jeder Amerikaner „Mister", ganz gleich, wo er herkam). Das war wahrhaftig ein putziger Bruder! Und wollte auch gleich baldgefälttge Antwort haben, ton sein neues Wohnhaus vergrößern zu lassen. Wie mochte das aussehen? Ob eA eine Veranda mijt Mü.W Hatte? 386 „Bäh" machte Dräute. Es sollte verächtlich klingen. Der Mann hatte sich bloß einen Witz erlaubt. Man macht nicht so respektlose Witze. Ein gräßlicher Kerl, dieser Jonathan W. Brigham! lind wenn er mit dem nächsten Schiff käme und mit zwei Millionen bar, er kriegte seinen Korb. Das war sie auch Max schuldig. Nun wurde ihr das Herz schwer, da sie an ihren kleinen Leutnant dachte. Wie sollte man sich denn heiraten können, wenn e r nichts hätte und s i e auch nichts! Nicht einmal das unumgänglich nötige Kommißvermögen! Das war vor ein paar Jahren sogar noch erhöht worden. Der Kaiser wollte seine Leutnants wahrscheinlich nur an reiche Kommerzien- ratstöchtcr verheiraten. Traute seufzte. Sie hatte den Eltern gar nichts von dieser heftigen Liebe erzählt. Wozu auch? Es hätte nur dramatische Szenen und schrecklichen Aerger gegeben. Vielleicht war es ganz gut, daß Max nach Berlin kam. Da verlor mau sich aus den Angen. Aber adieu sagen muhte sie,ihm. Und da war denn das Rendezvous bei der Tiui Sandratt verabredet worden. Unpassend :— selbstverständlich. „Bäh" machte sie wieder, wie ein junges Schäfchen, und drehte sich auf die andere Seite. Aber sie fuhr jäh in die Höhe. Sie hörte auf dein Korridor den Schritt und das Herannahen ihrer Mutter. Hui war sie ans dem Bett! Ein glättender Handstrich über die Decke, und nun saß sie auch schon auf dein Stuhl, riß ihr Nähkörbchen von der Kommode, zog in fliegender Hast ihre Bluse aus und tat so, als nähe sie mit eiltet Bemühen einen widerspenstigen Knopf fest. Richtig, die Mutter war es. Sie stand in der Tür und sah streng aus. „Was machst du denn da!" fragte sie. „Ich näh mir einen Knopf au," entgegnete Traute. „Ich dachte, du faulenztest schon wieder." „Kein Bein, ich bin die Tätigkeit selbst." Die Mutter zog die Tür hinter sich zu. „Also, Traute, denke dir, die Thea hatte d o ch eine Perle verschluckt," begann sie von neuem. „Eine kleine goldene Perle, denke bloß an." „Ja, Mama, ich kann doch nichts dafür," entgegnete Traute. „Ich kann die Augen unmöglich überall haben." Nun strömte ein Hagel von Vorwürfen auf Traute herab. Wenn die Mutter einmal loslegte, pflegte sie nicht wählerisch in der Auswahl ihrer Worte zu sein. Sie schimpfte gewaltig. Es sei zum Verzweifeln mit ihr. Nicht einmal die Thea könne man ihr auf ein Piertelstündchen anver- trauen. Aber natürlich: ihr stecke nichts als der Tennisplatz im Kopfe. „Es ist meine einzige Erholung," sagte Traute maulend. „Was habe ich denn sonst vom Leben!?" „Was habe i ch denn gehabt?" fuhr die Mutter auf. .„Wir sind nicht reich genug, um die Zeit zu vertrödeln! Wir haben zu arbeiten, sonst geht die Karre nicht werter . . ." Sie setzte sich auf den Bettrand. . . . „Ich möchte wissen, wer der Leutnant Roeßler ist," fuhr fie fort. Traute biß sich auf die Lippen. Was wußte die Mutter von ihm? „Welchen meinst du?" fragte sie. „Mit dein du neulich auf der Promenade gegangen bist." Trante machte ein harmloses Gesicht. „Ach d er?" sagte sie und lachte. „Ein höflicher, liebenswürdiger und sehr harmloser Mensch. Oder hat mau dir vielleicht erzählt, er fräße junge Mädchen?" „Ich verbitte mit so alberne Redewendungen — hast du mich verstanden? Klothilde sagt, du wärst mit dem Leutnant neulich in der Frühstücksstube von Baumgarten gesehen worden. Ist das wahr?" „Klothilde hetzt immer. Es ist eine Gemeinheit. Die ganze Geschichte ist nicht der Rede wert. Eva Delbrück, Lili Menkens und noch ein paar andere umreit auch mit dabei, also eilte ganz gute Gesellschaft. Die Herren wollten bei Baumgarten eilt Glas Sherry- trinken. Da sind wir für einen Augenblick mitgegangen. Ist das so gefährlich?!" „Jedenfalls nicht passend. Deine Freundin Eva ist auch nicht die beste. Aber gegen sie will ich noch gar nichts sagen. Dagegen die Sandratt — du weißt, der Vater erlaubt den Umgang nicht mehr, er will ihn nicht." „Sie verkehrt sogar bei Delbrücks. Lächerlich!" „Gantz egal. Die Delbrücks können sich manches er- lauben. Wir haben vorsichtiger zu sein. Was hast du für heute noch vor?" Traute überlegte in Windeseile. Sie mußte wieder lügen. „Ich wollte zu Lili Menkens — wegen des Basars,^ sagte sie stockend. „Zum Besten des Seeheims?" „Ja, Mama." Die Mutter nickte. Dem großen Maifest konnte man sich nicht gut entziehen. Es kostete freilich wieder ein neues Kleid, aber das half nichts. Auf diesem Basar traf sich alles, was zur Gesellschaft gehörte und von ihr geduldet wurde. „Geh vorher mal zu Klothilde heran, Trautchen, und frage sie, ob ich durch ihren Vater nicht eilt paar Pfund Kraft-Kakao, lveißt du, den Helene früher immer trank, ob ich von dem nicht ein paar Pfund zum Einkaufspreise kriegen kann. Die Lene sieht wieder so piepsig aus." „Schön, Mama." Die Mutter hätte sich erhoben. Ihr Blick streifte wie forschend das feine Gesichtchen Trantes, ein längliches Oval von schöner Linie. Da kam ihr die Stimmung zurück. „Was du für hübsche rote Lippen haft," sagte sie; „kommunal her!" Und rasch fuhr ihr Zeigefinger über den Schmelz des Mundes. Dann betrachtete sie den Zeigefiuger und lachte. „Ich dachte schon, du hättest nachgeholfen," meinte sie. Traute schnitt eine Grimasse. „Ui ji!" rief sie. „Na aber, Mama! Zum Färben bin ich doch noch zu jung!" „Kommt alles vor. Fräulein von Simkowitz ist angestrichen wie ein Lattenzaun." „Hat's aber auch nötig, und ich nicht!" „Nein, du nicht" . . . Die Mutter gab ihr einen Kuß, „Du bist die einzige von uns, die Maunsgefallbarkeit hak. Verscherze sie dir nicht. Ich denke noch mit Schrecken an die Geschichte mit dem Ueberliugen zurück." Ein Schatten ging über Trautes Stirn; aber er blieb! nicht hasten. „Grab doch Vergangenes nicht immer wieder aus, Muttchen ! Er war ein braver Junge, und ich hatte ihn gern. Aber das Wasser war viel zu tief. Soll fich öfters ereignen. Nun sitzt er als Assessor in Kiel. Es freut mich, daß er wenigsteits an der Waterkant geblieben ist. Mauuiamat denke ich noch an ihn zurück. Doch es tut mir nichts weh dabei." „Ganz gut, daß du nicht zu den Tieferen gehörst. Eins Leidenschaft wäre nichts für dich."- ^Nein, mein Kind. Es geht auch so. Im übrigen ängstige ich mich nicht: bei den Köhlers findet die Leidenschaft teilten Einlaß. Wir sind verständige Leute." „Das hat Friedrich gezeigt. Er hätte auch noch eins andere bekommen als Klothilde." „Mit seinem Stockschnupfen und seinen hohen Schultern! Da hätte er lange suchen können. Er ist für seins Art ganz gut aufgehoben. Aber d u kannst schon mehr Ansprüche machen. Bloß laß dich nicht durch eilte glatte Larve bestechen. Da kommeit zeitig genug Falten hinein. Geld ist praktischer." „Danke für die Lehre. Der in Guatemala hat ja BimsS genug." „Ach, der! Erstens--- na, darüber brauchen wir uns nicht aufzuregen! Guatemala liegt 'n bißchen anßerm Wege. Bist du zum Kaffee wieder hier?" „Den trink ich bei Lili." Sie ging wieder. Traute spitzte die Lippen und pfiff ein Liedchen. Sie packte ihr Nähzeug ein und schloß dann die Kommode auf. Es sah nicht ordentlich ans in dem! Gefach. Bänder, Rüschen, Taschentücher und Strümpfe befehdeten sich. Es war wie. ein Schlachtfeld. Trantes Hände fuhren in das Chaos hinein. Sie nahm ein paar slohi- braune Strümpfe und rollte sie auf. Es war ein Loch in dem rechten. So griff sie nach einem schwarzen Paar,- das sich noch taktfest gehalten hatte. Dann kleidete sie sich! hastig aus. Die lilafarbenen Strumpfbänder waren ansgefasert und das Korsett saß schlecht. Wenigstens war die Bluse neu, sah man ihr auch das Warenhausgenre an. Traute würde iniß- launig. Nun wär der Frühling da, und sie hätte kein Frühlingskostüm. Alle ihre Anzüge waren Flickwerk. Ihre Augenbrauen senkten sich, ihr Gesicht wurde finster. WäM> rend sie sich die Stiefel zukitöpfte, stieß sie ein paar zornigs Worte hervor, c (Fortsetzung folgt.) 367 ■ Die rätselvolle Macht dcZ Zufalls, die nach dein Glauben Viele« die Welt regiert und nach der Meinung' anderer nur ein Schreckgespenst bliiiden Aberglaubens, ist,, ist der Gegenstand einer uitcr- essailten Umfrage, die die Zeitschrift „Je_sais tout" bei einer Reihe von Schwabs vaterländischen Gesängen möchte ich doch die „Deutsche Wehr" bezeichnen, durch die es ehern klingt. Gibt M in der neuereil Literatur eine gleich hinreißende, stolz-ein- sachere Apostrophe mt das nationale Selbstgefühl?- schicksal, ivelche Rolle spielt das Glück bei dem Erfolg? Die Antworten lauten sehr verschieden, aber im allgemeinen scheint von denen, die ihre Erfolge bereits errungen,, haben, dem Zufall und dem Glück geringere Bedeutung zugeniessen zu iverden, als der Arbeit, der Leistung imb der Willenskraft. „Die Vorstellung des Zufalls ist ohne Begründung", äußert sich Jules Lema! tre, „man glaubt daran aus Instinkt, aus beut Gefühl für bie Notwendigkeit einer ausgleichenbeit Macht imb zugleich aus jenem Gerechtigkeitssinn heraus, der tut Wesen bes Menschen liegt". Jules Elaretie bagegen, der langiahnge Direktor der Eomsbie srait?aise, räuntt, wie alle Theaterleute, dein Zufall eine oeivichtige Rolle ein, bie utmt aber doch nicht über- treibe» dürfe. „Jener Offizier ist im Kriege zum Helden geworben, weil vielleicht seine Batterie oder feine Kompagnie eine gute Stellung bekonunen hat. Jener Schriftsteller hat seine Arbeite» mt- genommen gesehen, weil er atü seiner Bahn eine gattz »»erwartete Sympathie fand — aber der beste Zufall auf dem Wege zum Erfolg ist doch bie ütrbeit". Paul Döroulsde unterscheidet zwei Arte» des „Erfolges": entiveber man verivirklicht Gebanken auf Sofie» bes persönlichen Vorteils, ober man erreicht feinen persoit- lichen Vorteil cutt Kosten ber Jbee: „2lber wie hart sich auch diese beibeit Wege zum Erfolge scheiben, die 511111 Ziele kommen wollen, bebürfen einer Kraft, bie sich zufammenfeist aus eilt Viertel Gluck imb bi-ei Viertel Willenskraft". Maurice D 0 n n a y, der be. mm e Dramatiker, räumt beut Zufall nur eine fehr nntergeorbnete Stellung ein. Ter Wille des Mensche» hat bie Kraft, bie Macht - — ■ - - • „Alles kommt daraus an, Daß Preisen wir den.Herrn her Welt, Daß er uns Wibersager Wohlweislich ringsherumgestellt Um: unser Land und Lager, (fr hat es wohlgemeint, ich dächte, Daß wir nach links, daß wir nach rechts Uns weiblich müssen wehren Um Hab und Gut und .Ehren,. Kauft fein erhebendes „Nicht zagen": Was fragt ein deutsches Herze viel, -Ob Wind und Wellen trügen? Des deutschen Reiches Eichenkiel Muß Meereswogen pflügen! Und wie auch droht des Sturmes Hauch, Wie hoch des Unheils Wollen auch Am Himmel droben ragen — Nicht zagen. Der ganze Gottfried Schwab — ferne Dichtungen sind unter dem Titel „Wolkenschatten und Höhenglanz" vereinigt r— aber tritt in dem Gedicht hervor, das er in schwerer Zeit an den von ihm begeistert geliebten Wilhelm Rabe richtete: Steigen nicht giftige Blasen empor Aus blähendem Sumpf, Und der Versuchung List Und züngelnd drohend Nach unseres Volles Gemüt, Nach der Kunst schnell kränkelnder Blüte? Erhalte dich-, deutscher Genius, Dich, in ihm! Flute siegreich empor Heiliger Born, Daß deutsches Wesen gesunde Und bestehe in Ewigkeit. Karl Hepp, der demokratische Dichter und Philosoph, hat Gottfried Schwab erschütternd gezeichnet: ,,Äks er die Bergfahrten" herausgegeben, pflanzte er, froher Hoffnung voll, eilte Birke in seinen Garten; sie ist zu einem stattlichen, -vollsaftigem Baume herangewachsen, und freut sich' des Lichts, ihn selbst umfängt Grabesuachl, und das Schicksal hat ihm nicht vergönnt, das alles zum Blühen zu bringen!, was in seinem Geiste keimte. Wenige seiner Hoffnungen haben sich erfüllt, und da sich ein neuer Ausblick aufzutun schien, schloß ihm eine höhere Gewalt die treuen, guten Augeit sür immer." Gottfried Schwab lvird im Gedächtnis der Deutschen weiter leben. Hans M Fischer. Die Macht des ZufaAs. <- Jetzt blühte ihm das Leben, 1887 erschien der Gedichtband „Allerlei Bergfahrten" und das Jahr daraus der neuerdings wieder vielbeachtete historische Roman „W- phone". 1890 trat Schwab mit einem Drama „Unaufhaltsam" in die Oeffentlichkeit, dem er die in die Hochgebirgswelt Wende ungemein packende' allegorische Dichtung „Der . und Gelehrte» Führer folgen ließ. . . . Doch früh zo^n dte schatt n | t)Qt Welchen Einfluß hat bei- Zufall auf das Emzel- des Todes herauf; jahrelang verstummte Schwab, den Kranr- 1 ------ - --- • -■ ■ —— > ' ■ «“--*■ Beit immer wieder uiederlvarf. Aber der Lebeusgefährttu uneudliche Liebe erfüllte ihn doch stets aufs ueue mit Mut. Sie sagte ihm, -daß sein Tag noch kommen werde. Und dieser Tag kam: durch ganz Deutschland hallte sein Name. war tut Jahre 1900, als die Firma Breitkopf und Härtel in Leipzig für das beste Flottenlied eine Konkurrenz ausschrieb, an der sich auch Gottfried Schwab beteiligte. Er war der Hauptsieger: seiu „Michel, horch, der Seelvind pfeift" erhielt Leu ersten Preis. Konkurrenzen glucken selten, diesmal aber hatte man den rechten Mann gesunden. In Nord und Süd, in West und Ost klailgs: Und wie alter Hel de» Ruf Tönis aus ferne» Tagen: . -Was die Kraft der. Ahnen schuf. Du auch sollst es wagen! Michel, eh' die Zeit ueniwtt, Schlag an dein Gewissen — • Michel, horch, es pfeift der Wind, Kegel gilt's. zu hifsen. ____ / Ein Süddeutscher, eilt Hesse war es, der den Deutschen das anfcuerudc Flottenlied schenkte. Der Widerhall dtcsev volkstümlichen Poems war so stark, daß er den laugsam Üü fiSS I ML Ä« ertmiiit, muß man es zäh verfolgen imb viel arbeiten . Mehnlich denkt auch ber Pariser Arzt Dr. Coyeu: „ftiir be» Soibate» mag ein glücklich überlebter Kugelregen genügen: der Mau» ber Wissenschaft erringt Erfolg mir burch bte Arbeit, bie Methode unb die Zähigkeit". Lakonisch klingt bieAntwort Ma 1 i euct 5: „ier Zcftakl? Ich glaube an ihn, vor allem bet be» anberen'. * 388 *=■ sals ihren Einfluß haben, „ober selbst, wenn man die-> aozieht, bleibt noch ein bedentscuncr Teil, ein Etwas, das man lein tut» bestreitbaren Willen einer unbekannten Macht zuschreiben muß, oo man sie nun Zufall, Schicksal, Vorsehung,^ gttter oder boser Stern, weißer oder schwarzer Engel nennen will. Mit Sorten . unb bet äuiafi 0, an der Roulette der Zufall 100 und das Talent 0. Zwischen diesen beiden Extremen liegen alleMoglichkeckeu. „Wenn tch Wahlen geben wollte, wurde ich etwa sagen: sur dte Erreichung des Erfolges bedeutet die Intelligenz 60 v. H-, bte Arbeit 10 und der Bufad 80, 9!ber diese Zahleii ergeben feine Summe, sondern nur Produkte. Wenn die Arbeit z.B. gleich 0 ist, so wird auch die Endsumme 0 sein. Fehlt eine dieser drei Eigenschaften oder Machte, so ist nichts zu erreichen. Aber letzten Eudes ist schon die Frage, ob wir klug zur Welt kommen, vom Zufall abhängig. Es Qibt'fein größeres Pech, als dumm geboren zu werden. In diesem Sinne sind wir vom Glück und vom Zufall abhängig, die uns das werde!, lassen, was wir sind". Ver.'M??LhLss» * Der Selbstmord mit der Zigarre. Auch die Geschichte des Tabaks und des Rauchens weist ihre Helden auf, Sonderlinge, die es sich zum Ehrgeiz gemacht haben, auf diesem Gebiete Massenrekords aufzustellen. Aber diese wunderlichen Heroen der Pfeife und der Zigarre werden doch in den Schatten gestellt von den Selbstmördern, die die Zigarre oder die Zigarette mit Geduld und Eifer 51t einer Todeswasfe erhoben haben. Die Stampa erzählt von einem seltsamen Kauz, einem Dänen, der seinem inhaltslosen Leben durch Rauchen ein Ende machen ivollte. Er schmauchte fortan täglich 300 Zigaretten, hatte nach 27 Monaten nicht weniger als 125 000 in Dampf verwandelt, wurde dann Paralytiker und starb wenige Wochen später. Aehnlich vollbrachte ein Mitglied der Budapester Aristokrati Selbstmord. Er war überschuldet, dabei Oberhaupt einer zahlreichen Familie, kaufte sich in eine Lebensversicherung ein und begann nun wie ein Schlot zu rauchen. Es gelang ihm Tag für Tag 56 Zigarren in Asche zu ver,vandeln. Rach zehn Monaten erreichte er auch fein Ziel: der Tod erlöste ihn von seiner Pflicht. Er hatte in den zehn letzten Monaten seines Lebens nicht weniger als 17 000 Zigarren geraucht. * Moderne Folter in Amerik a. Im Hauptquartier der Neivyorker Polizei herrscht eitel Empörung und Aufregung: das Parlament des Staates Newyork hat soeben einen Gesetzentwurf angenommen, der die Anwendung der bisher von der Newyorker Polizei gebrauchten Zwangsmittel gegen Polizeigefaitgene und Angeklagte verbietet. Wer in dem freiesten Lande der^Welt mit den Polizeigewaltigen oder dem Untersuchungsrichter in streit geriet, sah sich in der Regel wehrlos einem Verfahren ausgeliefert, das wenig mit den modernen Anschauungen über das Recht eines Angeklagten in Einklang stand und an die mittelalterliche Folterkammer gemahnte. Freilich bediente man sich nicht unmittelbarer körperlicher Martern; an bereit Stelle hatten bie amerikanischen Behörden ein neues, nicht weniger grausames Folterverfahren entdeckt, bas als der sogenannte „dritte Grad" berüchtigt geworden ist. Um von den Angeklagten ein Geständnis zu erpressen, ließ man die Unglücklichen fasten und ohne Unterbrechung durch Tag und Nacht von Beamten verhören, die natürlich einander ablösten. Ter Angeklagte, dem fein Augenblick Ruhe oder Schlaf gegönnt wurde, litt bei diesem endlosen scharfen Kreuzverhör natürlich die furchtbarsten seelischen Qualen, bis er endlich förperlich und moralisch zusammenbrach, und nur um der Fortsetzung des Verhörs zu entgehen, „Geständnisse" ablegte, die sich sehr oft später als falsch erwiesen. Ebenso Halle die Polizei es eingestihrt, alle Angeklagten und alle wegen geringfügiger Vergehen von Schutz- leisten arretierten Leute sofort zu photographieren und diese Aufnahmen einer Art Verbrecheralbum einzuverleiben, in dem so die Bilder aller Bürger vereinigt wurden, die irgendwie das Mißfallen der Polizei erregten. Nun hat die Volksvertretung diesen viel angefochtenen Methoden der amerikanischen Polizei ein Ende bereitet, zur größten Entrüstung der Schutzleute und Beamten, die erklären, das Ueberhandnehmen der Verbrechen künftig nicht mehr verhindern zu können. * Blütensarben. Bei sonnnerlichen Wanderungen über bunte, lachende, blumengeschmückte Wiesen, auf denen bald weiße, bald gelbe, bald rötliche, bald bläuliche Blütentöne vor- herrschen, liegt es nahe, sich zu fragen, in welche Farbe sich die Müder Floras wohl am häufigsten kleiden. Bei bet Untersuchung von 4200 verschiedenen Pflanzenatten stellte man fest, daß 28,4 Prozent von ihnen weiß, 22,6 Prozent gelb, 22 Prozent rot und 14,1 Prozent blau blühten. Violette Blütenfarbe wiesen nut 7,3 Prozent auf; grüne Blüten trugen 3,6 Prozent, orangefarbene 1,2 Prozent. Braun blühten unter 1000 Arten je 4 und schwarz nur je 2, Bei Untersuchungen von ausschließlich deutschen Pflanzen erhielt man Zahlen, die etwas von den obigen, allgemeineren abwichen. Von deutschen Pflanzen hatten weiße Blüten 34,4 Prozent, gelbe 29,9 Prozent, rote 17,7 Prozent, blaue 9 Prozent, violette 5,9 Prozent. Grüne Blüten fand man dagegen unter 1000 Arten mir bet 16, orangefarbene bei 5, braune bei 4,3, schwarze bet 1,4 und graue bei 1,3. Es herrscht demnach bet rms ein hoher Reichtum an weißen Blüten — bie besonders dein Frühling angehoren — und an gelben. Die letzteren treten namentlich im Herbst stark hervor. In sehr auffalleitder Weise soll das herbstliche Blutengelb sich übrigens in Nordamerika bemerkbar machen. Noch wett mehr weißblühende Pflanzen als bei uns gibt es verhältnismäßig m den nordischen Ländern, z. B. in Lappland. Aber auch auf den Alpen herrscht die weiße Farbe vor. Man sucht diese Erschemtmg dadurch zu erklären, daß hier wie dort infolge des kurzen sommers die Blüten recht hell,' strahlend und weithin leuchtend sein müffeit, damit sie leicht und schnell von beit Insekten entdeckt werden. * (Seift egge gen iv tt r k. „Mein Lieber" sägte FE Zone? zu ihrer bedeutend geringeren Hälfte, „ich möchte dich bitten, mir heute nachmittag einige Einkäufe zu besorgen. Herr Jones schaute enttäuscht darein. Er hatte für den Nachmittag eine Verabredung zu einem Fußball-Wettkampf getroffen, - ich hatte gedacht, ich ivollte heute nachmittag zum Spvrkpld gehen, mein Täubchen," begann er schüchtern. ,Ho, wirklich c bemerkte seine Frau mit eiliger Kälte. „Nun, ich habe etwas Besseres für dich zu tun. Du kannst mal zu Masons gehen und nach diesem Muster —" — „In der Abteilung, wo bie n eine Blondine bedient,?" unterbrach Herr Jones sie eifrig., „Das hübsche kleine Ding, weißt du, mit den Locken und den leuchtenden Augen und dem schelmischen Lächeln — miv? —- „Vielleicht," entgegnete Frau Jones mit starrem Blick, „besorge ich den Einkauf doch besser selbst." (Answers.) * Kleines Mißverständnis.. Der Ordinarius ddr Sekunda eines Gymnasiums stellt an die Schuler seiner Klasse die Frage, was sie denn einmal werden ivollen. Eme» seuiech Schmerzenskinder ist der Sohn eines reichen Fabrikbesitzers, der Ordinarius weiß schon, daß der junge Mann Schauspieler werden will, und teilnahmsvoll hebt er an: „Allo Sie wollen Schausvieler werden? Ist denn Ihre Familie damit einWrftancim? — Darauf der hoffnungsvolle Sekundaner: „Ich habe noch keine! * In der Sprechstunde. „Warum sind Sie denn gär so fassungslos, Frau KraU.se?" — „Ach, Herr Doktor, wenn St,e eine Ahnung hätten, was mir alles fehlt!" *Bor Gericht. Richter: „Sie sind beschuldigt, vor Zeugen gesagt zu haben, Ihr Nachbar Kientopp habe so viel Schulden, wiü Ziegel aus dem Dache!" - Angeklagter:„BegMf"chmch — daß sich der Kientopp dadurch beleidigt fühlt, sein Haus is ja mit Schiefer gedeckt!" * Ein ganz Schlauer. -„Wenn ich 'mal was biimnteS sage, so pflege ich stets mich selbst zuerst auszulachen!' — „Da müssen Sie ja aus deni Lachen gar nicht Mehtz herauskommen! ■ Büchertisch. — Ludwig Uhland ist nun autf) unter bie bichterischen Persönlichkeiten ausgenommen, benen her Tempel - Verlag seine künstlerifchen Klassiker-Ausgaben luibmet. Der Tempel erweitert bamit sein Programm abermals. Die poetischen Schriften Uhlands setzen bie mit bem Nibelungenlied begonnenen sogenannten kleinen Klassiker, die nur wenige Bände umfassen, fort. Auch bie Uhlcmd- Ausgabe ist eine vollständige bichterifche Ausgabe. Ter erste Band enthält auch bie sämtlichen Gebichte unb Ballaben des Nachlasses, der zweite Band außer den größeren Dramen, „Konrad von Schwaben" unb „Lubwig bet Bayer", bie sämtlichen sehr wertvollen bramatischen Fragmente. Ten Schluß bilben bie biographischen Erläuterungen samt einer Auslese bichterifcher Briefe. — „Neueste Pariser Mode u" Nr. 3 bietet seinen Leserinnen eine angeneljme Ueberraschimg. Das neue Heft bringt als willkommene Bereicherung einen Riesenschnittbogen für eine Anzahl eleganter Modelle, darunter ein reizendes Kimonokleid, ein elegantes Badekostüm und ein hübsches Kinderkleidchen. Sehr willkommen «erben jedenfalls auch die schönen Handarbeitspore! lagen sein, die „Neueste Pariser Moden" Nr. 3 bringt. Gleichklang-NStsel. Ein lockrer Vogel ist es, fein Ruf als schlecht betannt, Doch gibt e8 noch zwei Flüsse, die ebenso werben benannt. Auslösung in nächster Nummer; Auslösung des Erganzungsrütfels in voriger Nummert Mit einem Herren stehl es gut, Der, was er befohlen, selber tut. Goethe. NedakUotiU. Neurath, — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch» und Steindruckerei"' R "Lange, GießM