Samstag den 23. September 91^LLL farr.bt.cH' *■ C t »w MM' m - m. W er sagt, daß ihre sorgfältige ^Erziehung in der Schule gerade jetzt von großer Wichtigkeit sei, da ihre ungewöhnlich langsame Auffassung andeutet, daß sie alle Eindrücke, die sie jetzt in sich aufnimmt, mit ungewöhnlicher Treue festhalten wird. Du mußt nun nicht gleich denken,, lieber Philipp, daß ich eine Vorliebe für eine Blödsinnige gefaßt habe. Diese arme kleine Anna Catherick ist ein liebes, zärtliches, dankbares kleines Mädchen und sagt die drolligsten, niedlichsten Sachen (wie Du sogleich nach einem Beispiele selbst urteilen sollst) auf eine höchst eigentümliche, plötzliche und halb erstaunte, halb^ erschrockene Art. Obgleich sie höchst sauber gekleidet ist, so zeigen doch ihre Kleider in Farbe und Muster einen betrübenden Mangel an Geschmack. Demzufolge ließ ich gestern einige von unserer lieben Laura Kleidchen und weißen Hütchen für Anna Catherick ändern und erklärte ihr, daß kleine Mädchen von ihrer Haut- und Haarfarbe sauberer und besserer in Weiß aussehen, -als in .sonst einer Farbe. Sie stockte und sah einen Augenblick verwirrt av3>; dann errötete sie plötzlich und schien mich zu verstehen. Ihre kleine Hand erfaßte plötzlich die meine. Sie küßte sie und sagte: „Ich will immer Weiß tragen, so lange ich lebe. Es wird mir helfen, mich an Sie Lu erinnern, Madame, und zu glauben, daß ich Ihnen noch gefalle, wenn ich schon fort sein und Sie nicht mehr sehen werde." Miß Halcombe hielt inne, und blickte zu mir herüber. Schien die verlassene Frau, der Sie auf Der Landstraße begegneten, jung zu sein? fragte sie. Nicht älter als.zwei- bis dreiundzwcnlzrg Jahre? Ja, Miß Halcombe, gerade in diesen Jahren. Und sie war seltsamerweise von Kops bis zu Füße» in Weiß gekleidet? Vom Kopf bis zu den Füßen in Weiß. Als diese Antwort über meine Lippen ging, schwebte Miß Fairlie zum dritten Male auf der Terrasse an uns vorüber. Meine Augen hefteten sich einen Augenblick auf den weißen Schimmer ihres Kleides und Kopftuches tnti Mondlichte, und es beschlich mich ein Gefühl, für das ich keinen Ausdruck habe — ein Gefühl, das meine Pulse fliegen und mein Herz zittern machte. Ganz in Weiß! wiederholte Miß Halcombe. Der wichtigste Teil des Briefes, Mr. Hartright, ist der Schluß, den ich Ihnen sogleich vorlesen tvill. Aber ist diese Vorliebe für weiße Kleider nicht merkwürdig? Ich sagte ein paar Worte der Erwiderung. Merns ganze Aufmerksamkeit war ausschließlich auf den weißen Schimmer von Miß Fairlies Musselinkleide gerichtet. Hören Sie jetzt die letzten paar Sätze des Brrefes« sagte Miß Halcombe; ich glaube, sie werden Sie in Erstaunen setzen. c , ,, Als sie den Brief zum Lichte erhob, wandte Miß Fcnrlw sich von dem Geländer, blickte unentschlossen die Terasse auf und ab, tat einen Schritt nach der Glastüre zu und stand dann Ms gegenüber Wl, Roman von W. Collins. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Miß Halcombe wartete, bis sie ihrem Gesichtskreise entschwunden war, und fuhr dann mit dem Lesen ihres Briefes fort: „Mrs. Chaterick ist eine anständige, wohlgesittete, respektable Frau; sie steht in mittleren Jahren und zeigt Spuren früherer Schönheit. Doch ist etwas in ihren Manieren und ihrer Erscheinung, das ich nicht verstehen kann. In bezug auf sich selbst ist sie zurückhaltend bis zur Heimlichtuerei, und in ihrem Gesichte hat sie einen Ausdruck — ich kann ihn nicht beschreiben —, aber er verursacht mir ein Gefühl, als ob sie etwas auf deut Gewissen habe. Sie ist überhaupt, was man ein lebendiges Geheimnis nennen möchte. Was sie übrigens nach Limmeridge House führte, war einfach genug. Als sie Hampshire verließ, um die Pflege ihrer Schwester, Mrs. Kempe, in deren letzter Krankheit zu übernehmen, war sie genötigt gewesen, ihre Tochter mitzunehmen, da sie zu Hause niemanden hatte, dem sie die Sorge für das kleine Mädchen hätte anvertrauen können. Mrs. Kempe kann schon in einer Woche sterben oder auch noch monatelang daliegen, Mrs. Chaterick kam daher, um mich zu bitten, ob nicht ihre kleine Tochter Anna an dem Unterrichte in meiner Schule teilnehmen dürfe, unter der Bedingung, daß sie nach Mrs. Kempes Tode dieselbe wieder verlassen und mit ihrer Mutter heimkehren dürfe. Ich willigte augenblicklich ein, und als Laura und ich unfern Spaziergang machten, brachten wir das kleine Mädchen (das eben elf Jahre alt ist) schon an.demselben Tage nach der Schule." Miß Fairlies Gestalt, so hell und weich in ihrem schneeigen Musselinkleide — ihr Gesicht von den weißen Falten des Taschentuches eingerahmt — ging noch einmal im Mondlichte an uns vorbei. Miß Halcombe hielt abermals inne, um sie vorüber zu lassen, und fuhr dann fort: „Ich habe eine große Zuneigung für meine neue Schülerin gefaßt, lieber Philipp, und zwar aus einem Grunde, den ich, um Dich zu überraschen, bis zuletzt aufbewahren will. Da ihre Mutter mir ebenso wenig über ihr Kind wie über sich selbst mitgeteilt hatte, war es mir überlassen, zu entdecken, daß des armen kleinen Mädchens Verstand nicht ganz so entwickelt ist, wie er es in ihrem Alter sein sollte. Da ich dies gewahr wurde (was schon am ersten Tage der Fall war), ließ ich sie am folgenden Tage zu mir kommen und kam mit dem Arzte überein, daß er sie beobachten, befragen und mir Hann sagen solle, was er von ihr denke. Er ist der An- sicht^ daß es. sich -im Lauf der Zeit ändern wird, Aber Sw 594 Unterdessen las Miß Halcombe mir die letzten Sätze Bor, deren sie erwähnt hatte: „Und jetzt, lieber Philipp, da ich ans Ende meines Papiers gelanget bin, zu der wirklichen Ursache, der erstaunlichen Ursache meiner großen Liebe zu dieser kleinen Anna Catherick. Mein lieber Philipp, obgleich nicht halb so hübsch, ist sie dennoch infolge eines jener sonderbaren Spiele des Zufalls mit Aehnlichkeiten wie man sie zuweilen sieht, in Haar, Hautfarbe, Farbe der Augen und Gesichtsform das leibhafte Ebenbild....." Ich sprang von meinem Sessel in die Höhe, ehe Miß Halcombe noch die nächsten Worte aussprechen konnte. Dasselbe Gefühl, welches mir die Berührung der Hand auf der einsamen Landstraße verursacht hatte, durchschauerte mich wieder. Da stand Miß Fairlie, eine einsame Gestalt im Mondlichte, in ihrer Haltung pnd der ihres Kopfes, in ihren Hautfarbe und ihrer Gesichtsform, in jener Entfernung und unter jenen Verhältnissen das jebeudige Ebenbild der — Frau in Weiß. Der Zweifel, der mich stundenlang gequält hatte, wurde in einem Augenblicke zur Gewißheit. Das Etwas, was mir gefehlt hatte, war — mein eigenes Erkennen der ominösen Aehnlichkeit zwischen der aus der Irrenanstalt Entflohenen und der Erbin von Liinmeridge House! Sie sehen es! sagte Miß Halcombe. Sie ließ den Brief fallen, und ihre Äugen blitzten, als sie den meinigen begegneten. Sie seihen es jetzt, wie meine Mutter es vor elf Jahren sah ! Ich sehe es —, und es betrübt mich mehr, als ich sagen kann. Jene hilflose, freundlose, verlassens Frau auch nur durch eine zufällige Aehnlichkeit mit Miß Fairlie in Verbindung zu bringen, sieht aus, als ob man einen Schatten auf die Zukunft eines so strahlenden Wesens, wie das, welches vor uns steht, werfen wollte. Lassen Sie mich so schnell wie möglich den Eindruck los werden. Rusen Sie Mist Fairlie fort aus dem entsetzlichen Mondlicht — bitte, rufen Sie sie herein! Mr. Hartright, Sie setzen mich in Erstaunen. Was die Frauen auch immer fern mögen, die Männer, dachte ich, seien im neunzehnten Jahrhundert über den Aberglauben erhaben. Bitte, rufen Sie sie herein!- Stille! stille! sie kommt schon von selbst, entgegnete Miß Halcombe. Sagen Sie nichts in ihrer Gegenwart. Lassen Sie die Entdeckung dieser Aehnlichkeit ein Geheimnis zwischen Ihnen und mir bleiben. Komm herein, Laura, komm herein und erwecke Mrs. Beseh mit Klavierspiel. Mr. Hartright bittet noch um etwas Musik, und zwar diesmal von der leichtesten und lebhaftesten Art! VIII. Die Tage vergingen und die Wochen. Weiteres über Anna Catherick, die mit der Dame in Weiß ein und dieselbe Person sein sollte, erfuhren wir nicht. Aber ich hatte auch gar kein Interesse mehr dafür. Denn, um es kurz zu sagen: in mein Herz war, wie ich es schon im ersten Augenblick dunkel gefühlt, die Liebe eingezogen, und diese Leidenschaft war um so trostloser für mich, als ich sie geheim zu halten suchte. Wir waren eines Abends n>ie gewöhnlich auseinandergegangen. Es war meinen Lippen weder an jenem Abende noch je zuvor ein Wort entfallen, das mich hätte verraten und sie erschrecken können. Als wir aber am folgenden Morgen einander begegneten, war eine Veränderung über sie gekommen — eine Veränderung, die mir alles sagte, Der Augenblick, wo sie mein Geheimnis entdeckte, war, wie ich fest überzeugt bin, derselbe, in welchem sie ihr eignes entdeckte, und zwar als sie in dem kurzen Zeiträume einer einzigen Nacht sich gegen mich veränderte. Ihre Natur, zu aufrichtig, um andere zu betrügen, war zu edel, um sich selbst zu täuschen. Als der Zweifel, den ich in den Schlaf gelullt hatte, sich mit seiner schweren Last auf ihr Herz legte, bekannten die offenen Züge Miß Fairlies alles und sagten in der ihnen eignen einfachen Sprache: es betrübt mich um feinet- und um meinetwillen. Es war eine Kälte in ihrer Hand, eine unnatürliche Ruhe in ihren Zügen, und in allen ihren Bewegungen der stumme Ausdruck von Angst und Selbstvorwurf. . Aber dies waren nicht die Gefühle, deren Spur ich bei ihr und bei mir wahrgenommen, nacht die, welche totr, ohne sie zu bekennen, in Gemeinschaft empfanden. In der Veränderung ihres Wesens lagen gewisse Elemente, welche uns ganz heimlich noch! immer zueinander hinzogen, und wieder andere, die uns ebenso heimlich voneinander zu entfernen begannen. In meinem Zweifel und meiner Unruhe, in meinem! unklaren Verdacht, daß man mir etwas verberge, das ich ohne Hilfe durch eigene Anstrengung entdecken sollte, suchte ich in Miß Halcombes -Blicken und Verhalten Aufklärung. Und es währte nicht lange, 'bis ich erfuhr, woran ich war. Es war an einem Donnerstage in der Woche zu Ende des dritten Monats meines Aufenthaltes' in Limmeridge House. Als ich am Morgen zur gewöhnlichen Stunde ins Früh^- stückszimmer trat, war Miß Halcombe zum ersten Male, seit ich sie kannte, nicht an ihrem Platze am Tische. Miß ^Fairlie war draußen aus, dem Rasenplatze. Sie grüßte mich, kam aber nicht herein. Weder ihre Lippen, noch die meinigen hatten ein einziges Wort stallen lassen, das uns hätte verlegen machen können, und doch Heft- uns ein unausgesprochenes Gefühl der Verlegenheit gegen» 'fettig die Gelegenheit vermeiden, miteinander allein zu sein. Sie wartete auf dem Rasenplatze und ich in der Frühstücksstube, bis Mrs. Beseh und Miß Halcombe eintraten. Nach wenigen Minuten kam Miß Halcombe herein. Sie sah nachdenklich aus und machte zerstreute Entschuldp gungen, daß sie so spät komme. Ich wurde durch eine Beratung über häusliche Angelegenheiten, wegen welcher Mr. Fairlie mich zu stprekhen wünschte, aufgehalten, sagte sie. Miß Fairlie kam aus dem Garten herein, und wir Boten einander den üblichen Morgengruß. Ihre Hand lag kälter denn je in der meinigen. Sie sah mich nicht an und war sehr bleich. Sogar Mrs. Beseh bemerkte dies, als sie einen Augenblick später ins Zimmer trat. Es wird wohl vom veränderten Winde kommen, sagte die alte Dame. 'Der Winter naht — ach ja, mein liebes Kind, bald wird er da sein! In ihrem Herzen und dem meinigen war er schon eingekehrt. Unser Frühmahl ।— das sonst so voll fröhlicher Pläne für den Tag gewesen — ward kurz Und still beendet. Miß Fairlie schien das Drückende der laugen Pausen in der Unterhaltung zu fühlen und sah, bittend ihre Schwester an, daß sie dieselben füllen möge. Endlich, nachdem sie ein- oder zweimal auf höchst uncharakteristische Weise au- gesetzt und wieder aufgehört .hatte, begann Miß Halcombe: Ich habe deinen' Onkel '.heute morgen gesehen, sagte sie. Er tft der Ansicht, daß die dunkelblaue Stube hergerichtet werden soll; nud er bestätigt, was ich dir sagte. Montag ist der Tag — nicht Dienstag. Während Miß Halcombe diese Worte sprach, blickte Miß Fairlie auf den Tisch herab. Ihre Finger bewegten sich zitternd unter den Krumen, die sie auf das Tischtuch gestreut hatte. Die Blässe ihrer Wangen zog sich bis in ihre Lippen hinein, und die Lippen selbst bebten sichtlich. Ich war nicht der einzige, der dies bemerkte. Miß Halcombe sah es ebenfalls und ging uns sofort mit dem Beispiele des Aufstehens voran. (Fortsetzung folgt.) Eine Manöversahrt der Gießener Motorklubs. Ein goldflirrender Spätsommertag. Rasselnd und zitternd harren die Automobile des Gießener Motorklubs der Abfahrt in das Manöverfeld, und nachdem die Liebesgaben in den einzelnen Wagen verstaut siird, setzt sich der bunte Zug langsam in Bewegung. Arif der freien Landstraße wird eine höhere Geschwindigkeit eingeschaltet, und nun geht es wie im Fluge durch das weite herbstliche Land, das sich in mildem Schimmer fernhin ausdehnt. Die Sonne leuchtet sprühend durch die Staubwolken der vorderen Wagen, spielt auf. den blanken Metallteilen unseres Automobils in wunderlichen Lichtern, rmd der Widerschein der bunten Karosserien fliegt leuchtend neben uns auf den Feldern her. In frischer Fahrt geht es über Garbenheim, das berühmte Wahlheim von Goethes Werther, nach dem alten, lustigen Städtchen an der Lahn, wo ehemals das Reichskammergericht voller Liebe die geheiligten; Zöpfe frisierte und inventarisierte, und wo heute noch alles von dem alten Geiste und Goethes Ruhm zu zehren scheint. Wie ein fremder Eindringling rattert der Kraftwagen durch das Idyll der großväterischen Straßen, und die alten schönen Bauten sehen mit Muzenden Fensteraugen verwundert auf die bunten „Schreckest dec Straße", die knatternd vorubereilen. 695 __ Tie vorderen Wagen durchfahren d-ie ganze Stadt, um Über Mbshausen die Straße rechts der Lahn zu gewinnen, während wir diwch tne Neustadt abbiegen, um die Landstraße früher zu erreichen, und damit gleichzeitig einen bedeutenden Vorsprung ein- zuholen. Trüben auf der anderen Seite der Lahn sausten die übrigen Wagen und wir freuten uns schon des Vorsprungs, als sich uns plötzlich ein Hindernis in den Weg stellte. Zwei Mhe, die ledenfalls keine Freunde von Europens übertünchter Höflich- .swaren, bleiben trotz aller Signale und trotz der Peitsche ge- machlich inmitten der schmalen Straße stehen, und starren mit weit offenen Augen den rasch herannahenden Wagen an. Plötzlich werfen sie die Köpfe empor —• der Bauer reißt verzweifelt an den hänpfenen Zügeln, aber die Tiere sind stärker und blindlings rennen sie ein Paar Schritte auf Uns zu. Ein harter, knirschender Ruck.,, .wir stehen... dicht an dem Straßengraben, und die un- zwilisierten Kühe bäumen sich erschreckt zurück und geben nun, wo es zu spät ist, den Weg frei. Unser Motor aber rührt sich nicht mehr; er hat bei dem plötzlichen Ruck den Atem verloren.. Wir bemühen uns um das schreckhafte Herz des Automobils, und währenddessen macht sich der Fuhrmann mit seinen unhöflichen Kühen rasch aus dem Staube. Wir aber sitzen eine zeitlang in dem Kieshaufen, der an der Straße liegt. Alle Wiederbelebungsversuche scheinen an dem wie in Totenstarre liegenden Motor zu scheitern, und die übrigen Automobile holen nun den Vorsprung rasch wieder auf Und leisten dem erkrankten Kollegen, der sich allmählich wieder erholt, werktägigen Beistand. Endlich ist die Panne behoben und nun gehts mit ungeminderter Kraft aufs neue wie im Fluge dahin, der Lahn entlang. Vor uns liegt das Flußtal in köstlicher Frische. In gedrungener Kraft ruhen die grünen Berge Hoch darüber, die Lahn fließt still und ruhig, und die Wellen zunkeln in der Sonne wie Millionen Edelsteine, die eine seine Hand zu glänzendem Geschmeide gefügt hat. Hier und da liegt ein Kahn am Ufer im Schilf und die Wellen streicheln seinen alten, vernarbten Leib mit linden Fingern. Unaufhörlich singt der Motor sein Lied, das Lied von der neuen Zeit, der die Lahn bis heute noch wenig zu danken hat. Sie träumt noch von den Tagen, da ein anderer Ton auf ihrer Uferstraße klang, wenn in lauen Nächten der Postillion seines fernen Liebs gedachte und das Horn zarte Liebesseufzer zu schmetternden, wehmütigen Liedlein formte, die selbst das Herz der seelenlosen Nixlein zu Tränen rührte. TaS neue Lied rührt kein Herz mehr, es ist wie ein dröhnender Siegessang auf den Menschengeist, der heute in Minuten erreicht, was bei den Vätern noch Stunden dauerte. Und schon ziehen anr Himniel stählerne Vögel, die der unermüdliche Geist des Menschen beschwingt hat, und in hundert Jahren — wenn Gott will und der König von Preußen — dann fährt vielleicht sogar noch auf der alten Lahn einmal ein Dampfboot von Oberlahnstein nach Gießen. Aber das gehört vorläufig noch in das Reich der Fabel, wie einst die feurigen Wagen. Inzwischen waren wir schon ein gutes Stück weiter gekommen, Und bald taucht das liebliche Weilburg vor uns auf, wo wir die erste kurze Rast machen, um uns nach den Biwaks unserer Truppen zu erkundigen. Aber man weiß hier wenig von der Kriegslage, noch weniger von den Biwaksplätzen; dafür ist aber der Zwetschenkuchen vorzüglich. Auf der alten, prächtigen Landstraße nach Limburg erklimmen unsere Wagen langsam die Höhe, und wir können in Muße die prächtige Aussicht auf das tief im Tale, wie auf einer Halbinsel, liegende Weilburg mit seinem altertümlichen Schloßt genießen. Schon im Beginn des 10. Jahrhunderts stand hier eine Feste der fränkischen Konradincr, die im Laufe der Zeiten unendliche Mühsalen zu erdulden hatte. Sie und die Stadt, sind der Schauplatz zweier Novellen des bekannten Kulturhistorikers W. H. Riehl, der sein nassauisches Heimatland in mancher lesenswerten Geschichte gelehrt und doch nicht ganz ohne Gemüt und Poesie verherrlicht hat. In häufigen Biegungen schiebt sich die Straße in den Wald ein und Rettert langsam die Höhen zum Westerwald! hinauf, dessen Laubdach noch in frischer Schönheit prangt und uns mit linder Mhle umschmeichelt. Nach einer Weile bleiben die Wälder hinter uns, und vor uns liegt in flutendem Licht die weite A l l e n d ö r f e r Heide, auf der es blüht und grünt in üppiger Pracht. In der Ferne, fast wie ein Schattenriß, erheben sich die Türme der Burg Merenberg, die während des dreißigjährigen Krieges zerstört..wurdd. Nun senkt sich die Straße über den Kamm der Borberge des Westerwaldes nach Limburg hinab, und auf der vorzüglich gehaltenen Chaussee geht es in geschwinder Fahrt nach der altertümlichen Bischofstadt hinab. Flüchtig grüßen wir die weit ins Land schauende Wallfahrtskirche von Dietkirchen und dann rasseln !vir über big von 118erit besetzte Brücke nach Limburg h.if-ein, wo sich auf einer steilen Kuppe über der Lahn der schöne Dom erhebt. In der Stadt selbst ist schon richtiges Manöverleben; Kavallerie- und Jnfanteriepatrouilleu durchstreifen die Straßen, aber selbst die hier einquartierten! Offiziere wissen nichts genaues über den Standort des 116. Regiments. Also weiter nach Diez. Und richtig, hier treffen wir eilten Zug unseres Regiments, nach der Kriegslage ist es eilt Bataillon, das hier dem bösen Feind entgegentreten soll. Aber das hat noch Zeit, denn der Krieg beginnt erst um 6 Uhr und die Leute können noch in aller Ruhe die von Uns mitgebrachten Liebesgaben verstauen, ehe sie ihre schmunzelnden Gesichter in drohende Falten legen und den männer- mordenden Kampf beginnen, der durch Platzpatronen und Hurra! wirkungsvoll, wenn auch nicht wirksam, angedeutet wird. Der zum Bataillonskommandeur auf Zeit ernannte Leutnant weist uns mm den Weg nach dem Biwak und weiter gehts auf einem schwierigen gebauten Weg nach Mensfelden, wo die Schlachteu- bummler Wirtshaus um Wirtshaus gestürmt haben und siegesstolz den Wirten ihre durstigen Befehle diktieren. Eine Anzahl hessischer Dragoner vom Leibregiment sind eben dabei, sich einzuquartieren und ein^großer Bagagewagen wird gerade entladen. Müde, verstaubte, Soldatengesichter schauen lachend aus den kleinen Häusern. Wir biegen auf die große Straße ein, die von Limburg quer! über den Taunus nach Wiesbaden zieht und treffen nach ein paar Kilometern an einer Straßenkreuzung eine Feldwache des Kaiser-Wilhelm-Regin-ents, die gerade mit Abkochen fertig ist und hungrig die reizlose Brühe hinunterlöffelt. Wir teilen aus. Jeder erhält ein Frankfurter Würstchen, einen Wasserweck und ein paar Zigarren, die jubelnd ausgenommen werden, und dann fahren wir weiter bis zu der nächsten Straßengabelung, wo das 2. Bataillon seine Biwaks bezogen hat. Auch hier werden unsere Gaben freudig ausgenommen, um so freudiger, als die Bagage noch nicht angekommen ist, und die Offiziere seit dem frühen Morgen keine Lebensmittel bekommen konnten. Die Mannschaften hatten wenigstens ihre eiserne Portion bei sich und brauchten daher keinen Hunger zu leiden. Da auch die Kantine noch nicht angekommen war, setzten sich zwei Autos wieder in Bewegung und fuhren in der Richtung auf Langen- schwalbach, woher die Bagage zu kommen hatte, und unserem Wagen gelang es denn auch nach kurzer Zeit die vielgesuchte Nährmutter zu finden und ein Faß Bier zu übernehmen. Ein kurzer Abstecher führte über gefahrvolle Wege nach Kaltenholzhausen, wo der Sohn eines der Mitfahrer lag, aber wir kamen leider so gut wie vergebens. Tie Quartiergeber vom vorhergehenden Tag hatten durch ihre Töchter, ein paar liebe Mädels, so gut vorgesorgt, daß unsere rohen Würstchen ziemlich überflüssig waren, und ein Mann der Wache war gar so gut gefüttert, daß er auf dem Bauche liegend, trotz all unserer Lockungen, ruhig weiterschlief und sich nicht im geringsten stören ließ. Im Biwak schlugen wir dann das Fäßchen an, sotten den Rest unserer Würstchen ab und genossen mit ein paar Offizieren unter einem dichtbehangeuen Apfelbaum unser bescheidenes Mahl, das der Hunger zu einem wahren Schmaus erhob. Tie Wachtfeuer schwelten, die Soldaten lungerten müde um die knisternden Scheite, ein paar sangen, andere schliefen . . . hier Und da sprach einer im Traum, Männer, Weiber, Kinder aus den Ortschaften spazierten dazwischen, und wir saßen mitten darin, genossen die Poesie des Abends und unsere Würstchen und waren froh, daß wir die Beschwerden des Lagerlebens nicht zu erdulden brauchten, llns band kein Befehl an die kühle Scholle, die den anderen als Nachtlager diente, und als die Feuer sanken und allmählich Ruhe im Lager eintrat, machten wir uns auf den Weg, der in ungewisser Finsternis vor uns lag. Tie Nacht war stockdunkel, aber die Straßen waren noch dicht belebt von neugierigen Menschen, die nun müde heimwärts zogen, und auch wir strebten mit ratternden Rädern der Heimat zu. Aber wir kamen vorerst nicht weit. Wir waren kaum 5 Kilometer gefahren, als der zweite Wagen plötzlich scharf bremste und hielt. Dunkle Gestalten sprangen heraus und eilten ins Feld, und als wir ebenfalls anhielten, stand ein Junge weinend im Kreise unserer scheltenden Freunde. Noch ehe wir nach dem Grunde fragen konnten, tönte eine scharfe Stimme durch die Nacht und wir vernahmen die bedeutungsschweren Worte: Was geht hier vor. I ch b i n d e r L a n d r a t. Wir alle erschauerten in tiesster Ehrfurcht; ein Landrat, ein preußischer Landrat stand unter uns. Da trat eine feierliche Stille ein. Die Natur hielt ihren Atem an. — Der Sachverhalt war rasch erklärt: em paar Buben hatten auf das zweite Auto Sand geworfen .und der Chauffeur, dem die Körner ins Auge geflogen waren, hatte nur dadurch ein schweres Unglück, das mehrere Menschenleben hätte kosten können, zu vermeiden gewußt, daß er Mort mit aller Kraft die Bremse trat. Glücklicherweise war die Geschwindigkeit des Wagens nur mäßig gewesen, so daß er sich nicht überschlug. Leider war nur ein Junge erwischt worden und der leugnete jede Beteiligung an dem leichtsinnigen Streich. Da legte sich ihm eine Hand auf die schmale Schulter und im tiefsten Brustton der ehrlichsten Ueberzeugung hörten wir bte erhabenen Worte: Junge, du wirst doch d einen Laud- rat nicht helügen! Wir alle knickten zusammen unter dem Gewicht dieser Worte — wir verspürten etnen Hauch der Allmacht — nur der Junge blieb gelassen und leugnete weiter. Tie heilige Macht hatte keinen Einfluß auf den verstockten BöseTer Landrat bat uns nun, durch den Bürgermeister tnt nächsten Ort den Sachverhalt feststellen zu lassen, damit die Sünder ihrer gerechten Strafe überliefert würden, und wir begaben uns beim auch mit dem Jungen im Wagen zur Bürgermeisterei in Linier. ..... ... . . . Ter Bürgermeister beteuerte uns, daß m |emcr Gemeinde bett Automobilen noch nie Schwierigkeiten erwachsen wären und daß 596 — er den leichtsinnigen Bubenstreich aufs lebhafteste bedauere. Unser gutmütiger Führer redete dem Jungen zu, die Wahrheit zu sagen, indem er ihm Straflosigkeit zusicherte und ihn darauf aufmerksam machte, wie leicht ein schweres Unglück hätte entstehen können. Inzwischen war die Mutter des Kerlchens gekommen und iam- merte im Hausgang über ihren ungezogenen Buben, während sich die Bürgermeisterin vergeblich bemühte, sie zu beruhigen. Es war eine Szene von überwälttgender Komik, trotz des düsteren Hiritergrundes, der so leicht der Schauplatz eines schweren Unglücks hätte fein können. An seinem Schreibtisch der alte Bürgermeister vor seinem Küchenlämpchen, rundum wir als Zeugen, in der einen Ecke der Angeschuldigte, der allmählich gestand und dann noch ein Junge, der freiwillig kam und den anderen, der sich reinzuwafchen versuchte, belastete, im Hausflur die beiden Klageweiber, vor, den Türen eine Menge Menschen. . . kurzum, ein Ereignis, wre es die Annalen der Gemeinde Linier noch nicht zu verzeichnen hatten. Als die Jungen endlich die Wahrheit gesagt hatten, worauf der Motorklub aus leicht ersichtlichen Gründen den größten Wett legte, war es nahezu 12 Uhr, und wenn die ganze Verhandlung in ihrer Art äußerst erheiternd ivirkte, so darf man doch nicht vergessen, daß eine ganze Anzahl Menschenleben auf dem Spiel gestanden hatte, was itmfo schwerer ins Gewicht fällt, als gemern- hin den Autofahrer bei jedem Unfall alle Schuld zugeschrieben wird. Da die Straße ziemlich belebt war, wären die Folgen unabsehbar gewesen, wenn der Chauffeur seine Geistesgegenwart auch nur einen Slugenblick verloren hätte. Da die Sache glimpflich verlief, sah der Klub von einer Anzeige ab, weil er sich von einer ernsten Vermahnung genug verspricht. . „ m Nach einstündiger Verspätung setzten wir dann unseren Weg fort und kamen nach glücklich verlaufener Fahrt durch das Lahntal, das in dichtem Nebel lag, kurz nach drei Uhr in der Nacht wieder in Gießen an. Um dieselbe Zeit brachen die Soldaten aus ihren Lagern auf» um den Feind anzugreifen. K. N. Römische RechtsstreitigMen. Mit einem lustigen Prozesse hatte sich vor kurzem ein englischer Provinzgerichtshof zu beschäftigen: nach der Verheiratung seiner Tochter präsentierte der Schwiegervater feinem Schwiegersöhne eine Rechnung für gesellschaftliche Unkosten und Beleuchtung während der Brautzeit feiner neugebackenen Fran. Ter Schwiegersohn hatte keine Neigung, diese Schuld anzuerkennen, vor allem empörte er sich über die Zumutung, Beleuchtungskosten aus der Brautzeit zu bezahlen, und der entrüstete Papa lief schließlich zum Kadi und machte hier vor Gericht die Aussage, daß vor der Eheschließung zwischen ihm und seinem Schwiegersöhne em persönliches Abkommen getroffen worden sei, ivonach der Schwiegersohn die im Zusammenhang mit der Brautgesellschaft entstehenden Sonder» unkosten für die Belettchtung bezahlen sollte. Das erinnert an die Klage einer geizigen Schwiegermutter, die nach der Heirat ihrer Tochter dem Schwiegersohn eine Rechnung über sieben Schilling präfeittierte: „Für Gingerale und Kuchen während der Brautzeit." Beide Kläger mußten sich mit der Zurückweisung ihrer Ansprüche abfinden. Eine englische Zeitschrift berichtet bei dieser Gelegenheit von ähnlich feltfamen Rechlsstreitigkeiten, die in der Chronik der eng- lifchen Gerichtshöfe zur Belehrung und Belustigung der Mitwelt fortleben. So hat vor einiger Zeit ein junger Brite eine Schadenersatzklage gegen feine ehemalige Braut eingeleitet. Die Erwählte feines Herzens hatte eines Tages die Verlobung gelöst, und der enttäufchte Freier wies mm vor Gericht daraus hin, daß seinem Rufe unb feinem Ansehen damit ein schwerer Schaden zugefügt worden fei. Die Verlobung war allen Bekannten und Freunden milgeteilt worden, und da bei Aufhebung von Verlobungen die öffentliche Meinung stets dazu neige, den Bräutigam als den schuldigen Teil zu betrachten, seien seine Chancen ans eine künftige Verehelichung verschlechtert, und dafür verlange er Ersatz. Aber der Richter wies ihn schließlich ab. Ein anderer Exbräutigam, der von seiner ehemaligen Braut den Laufpaß erhalten hatte, strengte einen Prozeß an, in dem er geltend machte, durch die Auflösung der Verlobung fei er um jene wertvolle gefellfchaskliche Stellung gekommen, die die Eheschließung ihm gebracht hätte, doch auch er mußte sich mit der Abweisung seiner Schadenersatzansprüche absinden. Noch reicher an kuriosen Fällen ist die amerikanische Gerichtschronik. So belustigte man sich in Washington vor einigen Jahren köstlich über einen" Prozeß, in dem ein Papagei die Heldenrolle spielte; der mackere Bogel war beschuldigt, das religiöse Gefühl der Oeffentlichkeit zu beleidigen. Als Kläger traten die Nachbarn hatte, seinen Wundervogel ins offene Stratzenfenster zu hängen Die Sache endete mit einem Vergleiche, und der Besitzer mußte sich verpflichten, den Papagei eine Zeitlang einem Vogelzüchter zu übergeben, der sich bemühen sollte, den sittlich verkommenen Bürger des Vogelreiches zu bessern. Ein anderer nicht alltäglicher Prozeß erregte im Jahre 1903 in Japan Aufsehen. Auf der Anklagebank hatte ein Parlamentsmitglied zu erscheinen unter der Beschuldigung, während der Sitzung der Volksvertreter durch Gähnen die Würde des Hauses verletzt zu haben. Der Staatsanwalt machte geltend, daß der Miffetäter nur gegähnt habe, um die Regierung zu verhöhnen, und der merkwürdige Rechtsstreit endete auch damit, daß der Parlamentarier zu einer Geldstrafe von zehn Mark verurteilt wurde. Den Gipfel der Komik aber hat doch >vohl der Richter Frank Courtright erklommen, der in Winnipeg sich selbst anklagte, verteidigte, verurteilte und schließlich begnadigte. Bei Beginn der Sitzung rief der wackere Richter vorwurfsvoll: „Frank Courtright, stehe auf!" Er befolgte dann dieses Selbstgedot und verhandelte in aller Form gegen sich, indem er sich anklagte, am Abend vorher betrunken geiuefen zu fein und durch öffentliche Vorführung eines indischen Schlangentanzes Aergernis erregt zu haben. Voll Würde und Entrüstung verurteilte er sich hierfür zu einer Geldstrafe von 80 Wik. Dann aber fuhr der weise Richter fort: „Aber, Frank Courtright, du bist 20 Jahre lang ein nüchterner Mann gewesen und ein geachtetes Mitglied dieser Gemeinde. In Anbetracht dieser 20 jährigen guten Führung werde ich dir diesinal die Strafe noch erlaßen." Im Gerichtsfaal brach bei diesen Worten ein dröhnender Beifall los, dem der wackere Richter durch eine ernste Vermahnung ein Ende machte, worauf man würdevoll zur Verhandlung des nächsten Falles überging. vermischtes. kk. H a i f i s ch g e s ch i eh t e ii. In Seeromanen lieft man zuweilen die abenteuerlichsten Geschichten von Haifischen. Diese „Hyänen des Meeres" sollen im Staude fein, ganze Menschen zu verschlucken. Mit dieser Frage beschäftigt sich William All ing- h a m in „Chambers Journal". Aus glaubwürdigen Beruhten von englischen Kriegsfahrzeugen hat er Erfahrungen über Haifische zusammengestellt. Die Mannschaft des englischen Kriegsschiffes „Atteste", das in den chinesischen Gewässern ivar, behauptete z. B. einmütig, in einem gefangenen. Haifische fei ein vollständiger Dürfen- köpf gefunden worden. Das Wahre hieran war, daß der Haisifch einen Dchfenkopf, der von dem Fahrzeug über Bord geworfen ober gefallen war, verschlungen hatte, währenb der übrige Dchsc in ben Borratsräumen des Schiffes geblieben war. Daß der Haifisch zu den gefräßigsten Geschöpfen gehört, ist jedoch wirklich wahr. Haifische verfolgen tagelang Schiffe unb verschlingen alles, was über Bord geworfen wirb, Nahrtmgsabfälle, Pakete ober Leichen, bte ins Meer versenkt werden sollen. Es ist häufig vorgekommen, daß man im Magen von gefangenen Haifischen größere Pakete von Zeitungen entdeckt hat. Aus dem Jahre 1799 hat sich em ähnlicher Fall im Gedächtnis erhalten, mit dem die Gerichte sich beschäftigen mußte». Ein englisches Kriegsschiff hielt das französische Schiff „Nancy" an, weil es unter dem Verdachte stand, Sklaven» handel zu treiben. Bei der Untersuchung der Bordbücher tonnte man nichts Belastendes entdecken, später stellte sich jedoch durch einen Zufall heraus, daß das belastende Material über Bord geworfen war. Jin Magen eines Haifisches sand man nämlich Dokumente, die von der „Nancy" flammten. Durch sie konnte bewiesen werden, was für ein Handwerk der Führer der „Nancy trieb unb so würbe er bestraft unb das Fahrzeug eingezogen. * Seine Hilfsbereitschaft. Vater: „Ich darf der nicht länger verschweigen, daß ich mich in finanziellen Schwier rigkeiten befinde." — Studiosus: „Vater, soll ich dich ’tauä* pumpen?" *-Der Verliebte. „Meine Braut hat himmlische Augen!" — ,Ach finde, sie hat graue Augen." — „Na, ja,, kann denn der Himmel nicht auch Mal grau sein?" Hättet Ein Freund bin ich für ben, der seine Pflicht Stets eifrig hat erfüllt unb auch gewissenhaft; Gar häufig unterstütze ich ben nicht, Der jebe Arbeit flieht und niemals etwas schafft. Zwar kann kein Sterblicher mich immerwährend missen f Doch gern pfleg' ich von Zeit zu Zeit zu meiden, Wer frevelhaft befleckte sein Gewissen, Unb durch mein Fernfein laß ich ihn dann leiden. Auflösung in nächster Nummer. Auslösung des magischen Dreiecks in voriger Nummert RUBIN URAL BAN I L N des Papagetbesitzers auf unb roiejen barauf hm, daß der sprechende Vogel alle Kinder der Nachbarschaft das Fluchen lehre und damit die Erziehungsarbeit der Eltern durchkreuze. Der brave Papagei fang außerdem lustige Volkslieder und leichtsinnige Couplets, was wieder die Kirchenbefucher, die bei ihrem Kirchgänge am Sonntag morgen an der Wohnung des Papageibesitzers vorüber mußten, aufs Tiefste kränkte, um so mehr, als der Besitzer die Gewohnheit Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steinbruckerei, R. Lang«, Gießen»